Aus meinem goldenen Notizbuch XVIII.
29. Juni 2019:
„Schwedter Str. Ecke Kastanienallee
Maria: MRicky Gervais – „Humanity“
Louis C.K. – egal
youtube“
Aus meinem goldenen Notizbuch XVIII.
29. Juni 2019:
„Schwedter Str. Ecke Kastanienallee
Maria: MRicky Gervais – „Humanity“
Louis C.K. – egal
youtube“
Aus meinem goldenen Notizbuch XVII.
26. Juni 2019:
„U 8, Kottbusser Tor
Alt-Hippie ca. Ende Vierzig hat Badelatschen (Flip Flops aus blauem und weißem Plastik) an.
Auf jedem Latschen in der Mitte oben drauf ein Telekom-T, blau.
(macht die Telekom jetzt Badelatschen?)“
Ich gebe zu, das ist jetzt fast ein bißchen zu banal für mein goldenes Notizbuch. Aber die Vorstellung war doch sehr prägnant und auch amüsant, dass die Telekom so vom Schick ihres Logos überzeugt ist, dass man nun auch Freizeitmode anbietet, für den echten Fan. Ein bißchen Merchandising für noch mehr Kundenbindung und völlig innovativ nun neben Pink auch in weiteren Farben. Der Wiederkennungswert ist schon hoch. Mein Verstand hat mir dann trotz der enormen Hitze die plausiblere Erklärung geliefert, dass es wahrscheinlich irgendeine Klamotten- oder Schuhmarke mit einem T-Logo gibt. Bei der Telekom ist ja auch noch das kleine Klötzchen, der Punkt neben dem T, das war nicht. Aber sonst total gleich. Der Mann saß ein paar Sitzreihen weiter in meiner Blickrichtung, sonst wäre es mir nicht aufgefallen. Ich hatte mein Lesebuch noch nicht ausgepackt, manchmal hole ich es auch nicht raus, wenn es so wenig Stationen bis zu meinem Ziel sind, oder relativ wenig. Oder ich ein bißchen zu müde bin, kommt vor! Insgesamt bin ich kein Freund von Badelatschen, auch nicht von Premiummarken, da hilft auch das adidas- oder Puma- oder Chanel-Logo nicht. Die einzigen Badelatschen, die nicht total schlimm ausgesehen haben, waren neulich an einem Mann, der leicht gebräunte, sehr schöne Waden und Füße hatte. Seine Schlappen waren von Tommy Hilfiger, ich glaube zwei- oder dreifarbig, dezent längs in schwarz, dunkelblau und weiß gemustert, mit dem Hilfiger-Schriftzug, ganz klein. Die sahen fast straßentauglich aus, nicht so nach Schwimmbad. Man sieht aber auch eher selten gepflegte Männerfüße, meistens kann man es ganz schwer ertragen, da länger hinzuschauen. Ich ekle mich dann auch und schlußfolgere, dass der Rest auch nicht so tiptop ist, ohne da jetzt ins Detail gehen zu wollen.
Aus meinem
goldenen Notizbuch XVI.
25. Juni 2019:
„S-Bahn: 5- (oder 6-)jähriges Mädchen m. Stroh-Schlapphut mit Kirschen!
Wie bei Schwarzwald-Tracht. Sommerkleid m. gesmokten Puffärmeln +
Glitzer-Birkenstocksandalen
(schulterlange Haare, m. Oma oder Mama unterwegs)“
Damit es wieder etwas fröhlicher wird. Es fällt mir ja selber schon auf, dass sich fast alle meine Merkwürdigkeitsnotizen in der S-Bahn oder in der U-Bahn (oder bei meinem Physiotherapeuten) zutragen. Wahrscheinlich meine aufregendsten Erlebnisse – das könnte einen ja schon wieder traurig stimmen! Andererseits auch ein Hinweis, dass ich mit offenen Augen durchs Leben gehe und die ganze Fülle der Sehenswürdigkeiten unserer schönen Stadt bemerke, die so manch anderem entgehen. Der Hut des Mädchens war der absolute visuelle Höhepunkt an diesem Tag. Ich konnte nicht mehr wegschauen. Immer wieder blieb mein Blick an den puscheligen Kirschen-Paaren auf dem Hut hängen. Einfach zu schön. Ich musste auch an Liselotte Pulver und „Ich denke oft an Piroschka“ denken, obwohl der Film ja meines Wissens in der ungarischen Puzta und nicht im Schwarzwald spielt. Vielleicht verwechsle ich da auch was. Oder hat Liselotte Pulver auch noch in einem Film namens „Schwarzwaldmädel“ mitgespielt? Den Piroschka-Film habe ich jedenfalls mindestens fünf mal gesehen, immer Sonntagnachmittag im Wohnzimmer, zwischen ca. 1970 – 1980. Vielleicht auch noch öfter. Liselotte-Pulver-Filme mochte ich sowieso, bis auf das Wirtshaus im Spessart, der war mir langweilig und auch Kohlhiesels-Töchter war mir kein Augenschmaus. Ich mochte die Filme, wo sie gut aussieht, diese Paul Hubschmid-Schmonzetten, zum Beispiel „Die Zürcher Verlobung“, mein absoluter Favorit! Mit Bernhard Wicki, tolle Besetzung, das waren noch Schauspieler! Noch lebt sie ja, also kein Nachruf!

Gedenkminute für Astrid North. 1973 – 2019. Mehr als eine Minute. Maria erzählte mir vorhin, dass Astrid am Dienstag starb. Wir saßen in meinem Atelier auf dem Balkon und rauchten eine Zigarette für sie. Im März 2018 sah ich sie zweimal kurz hintereinander. Einmal in der Bar jeder Vernunft, bei ihrer North-Lichter-Show, in der auch Maria auftrat und wenige Tage später in der Wabe, wo Jenny mit auf der Bühne war. Ich war hin und weg von ihr. Nach beiden Konzerten fragte sie mich nach einer Zigarette. Sie rauchte gerne, hatte aber nie welche. Es ist wirklich merkwürdig, dass ich vor wenigen Tagen – ich lief so in meinem Wohnzimmer hin und her, vielleicht habe ich die Pflanzen gegossen, plötzlich an sie denken musste, und wie es ihr wohl ginge. Und noch dachte, wenn es ihr nicht besser ginge und sie den Kampf gegen die Krankheit verlieren würde, ob das dann wohl eine Nachricht auf gmx wert wäre. Das dachte ich. Jetzt sehe ich, dass es in einigen Zeitungen online Meldungen gab. Sie war jedenfalls sehr begabt und diese Nachricht stimmt mich traurig. Ich hatte sie an beiden Abenden fotografiert, kurz danach wurde es ruhig auf ihrer facebook-Seite, merkwürdig ruhig. Einige Monate später gab es ein Posting von ihr, in dem sie ihre Krankheit mitteilte. Maria meinte, poste doch eines der Bilder, die du von ihr gemacht hast. Einer der schönsten Menschen, die meine Kamera je eingefangen hat. Sie war immer sehr auf das Schöne aus. Das Schönste.
Aus meinem goldenen Notizbuch XV.
(noch mal) 21. Juni 2019:
„Ausgang S-Bahn Zoo, Baustelle Hardenbergstr. (vor C/O)
3 Straßen-Bauarbeiter, Wortfetzen:
Erinnerung an Brandschutzschulung, Löschdecken bei Rammstein“
Die kleine Unterhaltung unter großen Männern kam tatsächlich mit zwei Wörtern aus. Also soweit ich es mitbekam. Ich nehme an, dass Bauarbeiter 1 Herrn Lindemann irgendwo gesehen hat, vielleicht auf der Straße und aus nächster Nähe. Was schon etwas sehr Besonderes ist, da man ja praktisch auch an Rammstein-Tickets, wo man ihn dann ja immerhin mal von weit weg sehen könnte, so gut wie gar nicht kommt. Das sind ganz hochkomplizierte Vorgänge mit ganz eng getaktetem Zeitfenster, wann diese personalisierten Tickets erworben werden können, ich bin da leider überfordert, sonst hätte ich mir sehr gerne auch mal so eine Rammsteinkonzertkarte gekauft.
Es handelt sich um eine reine Vermutung, dass eine Zufalls- – „Begegnung“ kann man ja vielleicht kaum sagen – eher „-Sichtung“ des charismatischen Sängers Grund des Fachgesprächs an der aufgerissenen Hardenbergstraße war. Die anderen beiden klangen jedenfalls auch sehr fasziniert. „Lindemann…???“ „Till!“ „TILL!!!“
„TOLL“ möchte man noch hinzusetzen.
Als ich das notierte, fiel mir wieder ein, dass ich mal eine Schulung als Brandschutzhelferin hatte, wo der Schulungsleiter verschiedene Feuerlöscher etc. erklärt hat und erläutert hat, wieso in Großküchen seit einer Weile Brandschutzdecken verboten sind: weil die superlässigen Profiköche die Löschdecken meistens mit zu viel Schwung, so aus der Hüfte, Richtung Brandgut geworfen haben, was eher zur größeren Ausweitung des Brandherds, als zur Löschung führte.
Und dann brachte er ein Beispiel, wo heutzutage überhaupt noch beim Profi-Brandschutz Löschdecken zum Einsatz kommen: Nämlich bei Rammstein! Er ist da nämlich immer im Einsatz, und wenn was daneben geht, steht er mit der Löschdecke parat, um Till zu löschen! Till! TILL!!! Also war er ihm auch schon ganz oft ganz nah! Wenn man Till mit einem anderen Löschmittel löschen wurde, wäre ja die Bühne und sein Outfit versaut, und die Show könnte nicht so weitergehen wie gedacht. Also Löschdecken bitte nur zum Till-Löschen verwenden, sonst nicht!
Aus meinem goldenen Notizbuch XIV.
21. Juni 2019:
„v. Rudi P(r)otrudi geträumt, hat Kneipe in Berlin, ist meistens selber betrunken bzw. verkatert (Alkoholproblem)“

Merkwürdig. Es handelt sich bei Rudi Protrudi um einen Musiker aus Amerika, der mich gedanklich so gar nicht beschäftigt. Er ist auch schon älter (66), war in den Achtziger Jahren recht erfolgreich mit seiner Gruppe Fuzztones, und wenn Georg mir seinerzeit nicht davon erzählt hätte, dass er mit seiner Band mal die Vorgruppe der Fuzztones war, hätte ich meinen Lebtag noch nie von ihm gehört. Er sah früher sehr Rockstarmäßig aus. Eigentlich immer noch, halt wie ein ganz gut gealterter Rockstar. Ich hatte letztes Jahr mal Gelegenheit, ihn persönlich zu sehen, bei „Ein Hit ist ein Hit“, im Ballhaus in der Chausseestraße, diese etwas moderationslastige Musikshow, da ist er aufgetreten mit dem Schlagzeuger der immer noch existierenden Formation und Hans hat die beiden an der Gitarre unterstützt. Das ist zwölf Monate her und hat mich jetzt auch nicht so nachhaltig beschäftigt, dass es sich damit erklären könnte, dass ich ein gutes Jahr später träume, dass Rudi Protrudi eine Kneipe in Berlin führt, und zwar schon ziemlich lange, und sein bester Gast ist. Er torkelte mit einem Tablett oder Wischlappen in der Hand von Kneipentisch zu Kneipentisch, es war eher leer. Braune Holzstühle und -Tische, so klassisches Eckkneipenmobiliar, nichts hippes oder szeniges, auch recht dunkel der Gastraum. Weiter ist im Traum mit Rudi Protrudi nichts passiert. Ich habe nur bemerkt, dass er einen ziemlichen Pegel hat und recht müde um die Augen ausschaut, also verkatert. Ich hoffe, es geht ihm in echt besser und es ist nicht ganz so schlimm mit dem Alkoholproblem. Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute.
Aus meinem goldenen Notizbuch XIII.
20. Juni 2019:
„S-Bahn, „Kinderwagen“ mit 6 Plätzen, 2 Kindergartentanten, 8 Kids (Mini) ca. 2 – 3 Jahre alt (2 größere hängen wie Äffchen dran) StVo(?)
Kindergartentante 1 wie Gaugin-Südseeschönheit (ca. 23 – 24) m. langen, glatten Haaren, mit s/w-(längs-)gestreiftem Cocktailkleid mit kesser roter Schleife in d. Taille, dazu weiße Turnschuhe, sehr schick + cool! (schöner als die Kids!)“
Noch nie gesehen: die beiden erwähnten Kindergartentanten schoben zu zweit einen ca. zwei Meter langen und 1,20 Meter breiten „Kinderwagen“ mit gegenüberliegenden Sitzbänken mit Platz für sechs Racker in die S-Bahn, wo sie mit dem Gefährt die ganze freie Fläche vor den Türen einnahmen. Ja, ist das denn erlaubt? Das war schon mehr eine Kutsche als ein Kinderwagen. Die Kids saßen dann auch drin wie die englische Königsfamilie, die Kindergartentanten waren die Bediensteten. Nur zwei größere Kinder hatten keinen Platz und hängten sich irgendwie so seitlich dran ans Gefährt. Welche Fahrkarte kauft man denn, wenn man eine große Kutsche mit in die S-Bahn nimmt?
Na gut, nicht mein Problem. Jedenfalls ein merkwürdiges Gefährt.
Ebenfalls merkwürdig fand ich das sehr schicke Outfit der jüngeren Kindergartentante, wie bereits erwähnt. Sie hätte eigentlich mit ihrem schönen gestreiften Cocktailkleid in die Kutsche gehört. Normalerweise sehen Kindergartentanten ja immer mehr so praktisch gekleidet aus. Nicht, dass Cocktailkleider zwangsläufig unpraktisch sein müssen. Ich plädiere dafür, dass sich Kindergartentanten immer schick machen, damit die Kids schon vorgelebt bekommen, dass man sich möglichst schön zurechtgemacht in der Öffentlichkeit präsentieren sollte, um die Mitmenschen zu erfreuen, deren Laune zu heben und damit die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen. Sozusagen aus politischem Verantwortungsbewusstsein.
Aus meinem goldenen Notizbuch XII.
19. Juni 2019:
„U 8-Bahnsteig, Hermannstr.
irre grinsende Doppelg. d. hochstapelnden Bloggerin
(unheimlich)“
War einen Moment perplex, die Dame sah schon sehr ähnlich aus. Sogar psychologisch nicht unplausibel, der Wahnsinn hat eventuell komplett das Regiment übernommen und manifestiert sich durch irres Dauergrinsen und wildes Gelächter, während Tag und Nacht über Bahnsteige gestolpert wird. Ein Stephen King-Moment. Shining oder Carrie. Gruselig.
Aus meinem goldenen Notizbuch XI.

19. Juni 2019
„neue Termine m. Clark!
[Clark:]
„Es wäre mir (also ihm) schon lieber, wenn wir beide da weitermachen, wo wir aufgehört haben, also kein anderer!“
Ich: „ja ja, viele Köche verderben (….)“
Er: „….die Köchin!“
Ich: „Genau! Viele Köche verderben die Köchin!“ ;-)“
Eigentlich ist ja hiermit alles gesagt. Die Sache an sich erfüllt nicht meinen hohen Anspruch an eine Merkwürdigkeit, aber die Formulierung fand ich durchaus bemerkenswert. Am 8. Juli geht es weiter, nun immer Abend-Termine. Das Folge-Rezept umfasst abermals sechs Behandlungen.
Aus meinem goldenen Notizbuch X.
auch 17. Juni 2019:
„Patschhändchen in U 8 v. Kind auf Papa-Arm
Junge, ca. 4 – 5 Jahre alt (Reptil…!)“
Sollte schnell erklärt sein, diese Notiz. In der U 8 am Abend, ein Vater, so Ende Dreissig, hat einen Stehplatz vor der Tür in der vollen U 8, ich auf dem Klappsitz in der Ecke, lese Montauk. Auf seinem Arm trägt er einen Jungen, ungefähr vier oder doch eher fünf Jahre alt, nicht mehr klein, schon ein Racker, der alleine Fußball spielt, blond wie Michel aus Lönneberga. Er schläft tief, wohl erschöpft von einem Ausflug. Der Junge hat seine Arme um den Hals von seinem Vater gelegt, aber die Hände halten sich nicht am Rücken fest, sondern stehen so in die Luft, wie man das manchmal bei Katzen sieht, wenn die Pfoten so in die Luft stehen, ganz entspannt. Ich kann auf einmal nicht mehr weiterlesen, weil ich dauernd auf die freischwebenden Patschhändchen des Jungen gucken muss. Sie erinnern mich an die Hände von Reptilien, die haben ja auch Finger. Wie große Echsenpatschhändchen. Bin ganz hypnotisiert und kann mich gar nicht mehr für mein Buch interessieren. War keine Rührung, wegen putzigem Kleinkind, so klein war er ja auch nicht, der Junge, sondern die Faszination der offensichtlichen Verwandtschaft von Menschen-Patschhändchen und Tier-Patschhändchen. So sehr verwandt. Werde nie verstehen, wie man Tieren Empfindungen absprechen kann. Das sind doch unsere kleinen Brüder und Schwesterchen. O.k. ich esse auch Tiere, gerne sogar. Fühle trotzdem solche Anwandlungen.

(Bild: „Echse“, Gaga Nielsen 2003, Acryl auf Leinwand, 120 x 140)
Ich lese immer noch Montauk von Max Frisch. Ein schmales Taschenbuch eigentlich, aber ich lese in Etappen, in der S-Bahn, in der U-Bahn, und mit Hingabe. Ich will es nicht zu schnell lesen, es soll mich länger begleiten. Aber ich bin nun doch schon bei Seite 151 (von 207). Ich mag das Buch sehr, ist mir nah. Auf Seite 151 in meiner antiquarischen blauen Suhrkamp-Taschenbuchausgabe der 1975 veröffentlichten Erzählung, kommt der vielleicht am meisten zitierte Satz von Max Frisch über seine Beziehung, oder genauer das Ende seiner Beziehung zu Ingeborg Bachmann. „Das Ende haben wir nicht gut bestanden, beide nicht.“. Immer wieder wird der Satz in Texten über die beiden zitiert. Man kann ihn schon im Schlaf herunterbeten. Da ich Montauk jetzt erst zum ersten mal lese, obwohl ich es schon ewig vorhatte, lese ich den Satz nun zum ersten mal im Kontext:
„(…) „Zuletzt gesprochen haben wir uns 1963 in einem römischen Café vormittags; ich höre, daß sie in jener Wohnung, Haus zum Langenbaum, mein Tagebuch gefunden hat in einer verschlossenen Schublade; sie hat es gelesen und verbrannt. Das Ende haben wir nicht gut bestanden, beide nicht.“
Max Frisch, Montauk, S. 151
Das Buch wurde also 1975, zwei Jahre nach Ingeborg Bachmanns Tod 1973, veröffentlicht. Zehn Jahre vergingen nach dieser erwähnten letzten Begegnung, vielleicht ohne jeden Kontakt. Ich weiß jetzt nicht, ob es in diesen zehn Jahren noch irgendeinen Briefwechsel gab. Die Briefe zwischen Bachmann und Frisch sind noch unveröffentlicht.
Mich beschäftigt diese hölzerne Formulierung „Ende (…) nicht gut bestanden.“ Was soll das denn heißen, „ein Ende einer Beziehung gut bestehen“? Ich ahne es, dass es für Frischs Seelenfrieden angenehm gewesen wäre, wenn man nach einer gewissen Zeit, wenn die akute Verletzung bei Bachmann halbwegs angeheilt war (was sie aber vielleicht nicht war, sie hat lange unter der Trennung gelitten), eine freundschaftliche, respektvolle letzte Begegnung zustande gebracht hätte. Er ist in eine neue Verbindung gegangen, als er die Trennung verursachte. Ein einseitiges Ende wie eine Prüfung gut bestehen. Hm. Für den, der verlässt, ist es eher eine Gewissensprüfung, für den, der verlassen wird, eine Herzensprüfung. Eine echte Überwindung des Verlustes, mit einer Vergebung von Herzen, ist meiner Erfahrung nach erst dann möglich, wenn das Herz nicht mehr gebunden ist. Und das geschieht am ehesten, wenn eine neue Bindung ins Leben tritt. Vielleicht sucht das Herz immer nach Bindung, weil man es dann stärker spürt. Das Band der Bindung berührt, gibt Halt. Man darf es nicht zu fest schnüren, sonst wird die Funktion eingeschränkt. Ich glaube, ich habe zweimal ein Ende „gut bestanden“, jedoch einige Jahre nach dem jeweiligen Ende. Mich beschäftigt der Verlust eines Menschen, der mir sehr nah kommen durfte, sehr lange. Immer.
Aus meinem goldenen Notizbuch IX.
Dritte merkwürdige Notiz vom 17. Juni 2019:
„Balkon, Nachbarin (Schierker) bittet um Erlaubnis für Insektenhotel! (na klar!)“
Versuche mich kürzer zu fassen, als bei der letzten episch erläuterten Notiz. Meine kleine Werkstatt hat einen Balkon, der eigentlich ein ungefähr 4 Meter langer Balkon war und bei der offenkundigen Trennung einer großen Wohnung zu zwei kleineren, auch getrennt wurde, durch ein halbhohes Mäuerchen und eine darauf befestigte Trennwand aus Eisen. Auf meiner Seite ist ein Anstrich in einem Farbton zwischen Beige und Elfenbein. Der Rest des Balkons ist allerdings Blau-Weiß-Türkis, das Auge erblickt marokkanisch und portugiesisch gemusterte Fliesen und Kacheln, zwei verschnörkelte Eisengartenstühle in altweiß und blauweiße Blumenbepflanzung, Hortensien, Lavendel, Männertreu, Rosmarin, ein Oleander, der aber noch nicht blüht. Ein blauweiß geringelter kleiner Sonnenschirm.
Als ich am Abend des siebzehnten Juni nach der Tanz-Episode bei Rewe eine Weile herumgewurstelt habe, ich saß gerade auf einem Bodenkissen und malte was an, höre ich Klopfzeichen. Die Balkontür stand auf. Klopf, klopf, dann Rufen: „hallo, hallo? Sind sie da?“ Ich saß in meinem bekleckerten Shirt mit dem Pinsel in der Hand da und habe erst mal nicht reagiert. Ich bin ja nicht so ein kommunikativer Typ, wenn ich meine Ruhe haben will. Einige Nachbarinnen habe ich schon getroffen in den letzten siebzehn Jahren, aber manche auch noch gar nicht. Die Balkon-Nachbarin gehört zu denen, die ich noch nie gesehen habe. Aber nun sah ich sie, denn ein Kopf kam plötzlich hinter der Trennwand hervor, sie beugte sich weit vor und rief noch mal. Sie konnte mich sehen, auf dem Boden sitzend, mit dem Pinsel in der Hand! Also musste ich reagieren, ich stand auf und rechnete schon damit, dass mir nun irgendeine Beschwerde unterbreitet wird, irgendetwas soll ich bestimmt unterlassen. Vielleicht einmal zu laut Musik gehört? Aber sie lächelte sehr nett. Ein kurzhaariger blonder Kopf, ca. Ende Fünfzig. Und nun fing sie an zu sprechen.
„Entschuldigen Sie bitte, aber ich wollte Ihnen etwas zeigen. Weil Sie es ja vielleicht stören könnte, farblich… also… ich möchte gerne ein Insektenhotel aufhängen, und das steht dann ja so drüber, aber Sie können das gerne anmalen. Wissen Sie, die Natur hat es doch so schwer in der Stadt, und deswegen möchte ich etwas dafür tun, dass die Insekten, die immer weniger werden und auch nützlich sind, wieder zurückkommen. Schauen Sie mal.“
Und zeigt mir so ein Holzhäuschen, so ein flaches, mit mehreren Fächern für Bienen und Marienkäfer. Oben dran so Stahlaufhänger, die dann bei mir drüberstehen würden, aber scheiß drauf, die mal ich dann halt an. Habe ich ihr auch mitgeteilt. Ich habe ihr mehrfach versichert, dass ich dem Insektenhotel meinen Segen gebe und das alles wirklich überhaupt kein Problem für mich ist! Sie war wahnsinnig erleichtert, eine Urberlinerin, ich habe es genau gehört, und eine mit ganz viel Herz. Wie könnte ich da Nein sagen, zu ihrem kleinen Insektenhotel. Hat mich gerührt. Auch, dass sie so eine Wahrnehmung für meine ästhetischen Bedürfnisse hatte. Solche Nachbarn kann man sich nur wünschen. Sie wohnt da mit einem Mann, der hat aber einen anderen Namen. Wie er aussieht, weiß ich nicht. Aber bestimmt auch ein netter Mensch. Seit gestern hängt das kleine Insektenhotel, ich hab die Aufhänger übergepinselt, alles gut.

Es folgt ein Eintrag vom Küchentisch. Habe meiner Erinnerung nach noch nie am Küchentisch geschrieben. Das ist im Moment neben dem Schlafzimmer und dem Bad der am angenehmsten temperierte Raum. Mittlerweile bin ich rundum bei zwei Rollos pro Fenster und sogar drei bei der Balkontür. Das hilft sehr gut, ich flüchte nicht in ein klimatisiertes Museum oder ins KadeWe oder in den Supermarkt. Apropos Supermarkt – die folgende merkwürdige Notiz aus meinem Buch spielt im Supermarkt.
Es gibt dieses goldene Buch übrigens wirklich, wie ich noch einmal betonen möchte, es handelt sich nicht um eine hübsch benannte Kategorie, keine Metapher oder dergleichen. Ina hat mich am Freitag gefragt, daraufhin habe ich das Buch aus der Tasche geholt und ihr meine bisherigen Notizen gezeigt. Die Einträge, die ich schon in Blogtexten veröffentlicht habe, bekommen am Seitenrand einen senkrechten Vermerk „Blogeintrag vom xx.xx.2019“ und einen schwungvollen Haken.
Ina wünscht sich eine Abbildung davon, hier im Internet. Ich dachte auch schon darüber nach. Alternativ zur Kamera kann man ja auch scannen und als Bilddatei abspeichern. Meine Kamera macht seit Mitte November 2018 Pause, und sie will nicht in ihrer Ruhe gestört werden. Die Pause hat sie auch verdient. Um hin und wieder auch einen Eintrag mit Bild zu präsentieren, greife ich auf ältere Aufnahmen zurück. Es findet sich immer etwas passendes (bei 60.000 Bildern kein Wunder), zum Beispiel ist das Küchenbild (ich hatte wohl gerade den Tisch abgewischt, daher das Geschirrtuch) vom 17. Mai 2008. Da die Küche immer noch so aussieht (ich habe mich selbstverständlich auch nicht im geringsten verändert), handelt es sich um eine respräsentative Aufnahme. Aber nun zur Merkwürdigkeit im Supermarkt. Es geht um Musik.
Aus meinem goldenen Notizbuch VIII.
Notiz vom 17. Juni 2019:
„REWE, Hermannstr. „Hermann Arcaden“
„I’m in Love with your Body“
tanze durch die Regalreihen (bei Ketchup und Mayo)
„Shape of You“ (Ed Sheeran)“
Der siebzehnte Juni war auch ein recht sommerlich temperierter Tag. Wie so oft holte ich mir auf dem Weg in meine kleine Werkstatt noch ein paar frische Sachen bei REWE im Untergeschoss der Hermann Arcaden. Da gibt es zum Beispiel im Kühlregal so einen Gurkensalat, der immer frisch zubereitet auf mich wartet und mich total überzeugt. Das muss ich erwähnen, weil ich normalerweise alles selbst zubereite, aber Gurken hobeln etc. kostet dann doch etwas Zeit und besser kriege ich den auch nicht hin. Im REWE läuft Musik zur Unterhaltung beim Einkauf. Das ist für mich sehr interessant, weil mir dadurch Lieder zugetragen werden, die ich normalerweise nie hören würde. Es kommt auch vor, dass ich etwas kenne, aber meistens ist es irgendein Tralala-Popsong, wo ich nicht weiß, wer da gerade singt. Manchmal kenne ich auch die Melodie, irgendwo schon mal beiläufig gehört – eventuell bei Edeka. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob die dort auch Musik spielen. Der Edeka am Hackeschen Markt, in der Rosi, der in dem jetzt abgebrochenen Haus war, hatte auch Musik, das weiß ich noch. Manchmal kommen ja auch aktuelle Songs aus der Hitparade als Hintergrundmusik beim Perfekten Dinner oder bei Shopping Queen. Ich schaue mir das ab und zu in der Mediathek an, zu später Stunde beim Schlaftrunk. Aber zurück zu REWE!
Ich hatte die Hände noch relativ frei, nur den Gurkensalat in der Hand, und war nun vor dem Ketchup- und Mayoregal. Da wurde über den Lautsprecher ein Rhythmus in den Laden gespült, Marimbaklänge, sehr groovy, wie die jungen Leute Ende der Siebziger gesagt hätten. Ich hatte an dem Tag wenige Stunden davor eine Mittagsstunde zur Physiotherapie bei Clark Kent genossen und fühlte mich recht locker. Dieser Rhythmus ging mir direkt in die Beine und ich fand den Text auch sehr schön. Ein junger Mann, vermutlich so ein schwarzer junger Sänger mit so einem Dancefloor Projekt, sang immer wieder: „I’m in love with your body“, „I’m in love with your body“. Ich konnte es direkt fühlen. Ich musste tanzen! Ich bewegte mich also am Ketchup und Mayo rhythmisch vorbei, Richtung Bautzener Senf und wieder zurück. Ich sollte ja mehr tanzen, hatte Clark mir ans Herz gelegt, es wäre sicher in seinem Sinn. Ein tolles Lied zum Tanzen. Es ging in dem Text scheinbar nur um den Körper einer jungen Frau, die der Sänger anbetete. Er variierte die Aussage sogar mit „I’m in Love with the shape of you“. Ich sah ihn direkt vor mir, sicher vom Aussehen her so ein Typ wie Pharell Williams oder ein junger Prince (Gott hab ihn selig). Wahrscheinlich hat er ein Unterhemd an, oder Tank Top sagt man ja international, während er seine braunen Muskeln im Video spielen lässt, falls es ein Video davon gibt. Ich freute mich, wie schön lang das Lied war, ich konnte noch ein bißchen vor dem Ketchup herumhampeln. Zum Glück waren in dieser Regalreihe keine Kunden, ich war praktisch unbehelligt. Und die wenigen, die mich hätten sehen können, nahmen nur Notiz von den Produkten im Regal. Das war mir sehr recht. Nicht, dass ich mich irgendwie peinlich bewegen würde, aber ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass ich mich an unpassender Stelle mit meinen Tanzkünsten hervortun möchte. Alles Aufgesetzte ist mir zuwider! Manchmal singen junge Frauen (komischerweise nie junge Männer) hörbar in der S-Bahn vor sich hin, durch die Bank wirkt es auf mich, als handelt es sich nicht um einen Impuls, weil man nicht anders kann, und die Muse einen halt gerade massiv küsst, sondern weil die jungen Damen sich selbst eine Gesangsstimme attestieren, die auf Entdeckung wartet. Bisher war aber für meinen Geschmack noch nichts dabei, was ich mir gerne auf Schallplatte anhören möchte.
Als der kleine schwarze Sänger sein Lied mit einer nochmaligen Bestärkung der Aussage: „Im in love with your body, Im in love with the shape of you“ zu Ende gebracht hatte, konnte ich meinen kleinen Einkauf mit drei Sardinenbüchsen, einer Flasche Tonic Water der Rewe-Hausmarke und einer guten Flaschengärung vollenden. Es war bisher eigentlich mein schönster Einkauf bei Rewe und ich nahm mir vor, daheim zu googeln, wer der schwarze Sänger mit diesem tollen Lied ist. „Im in love with your body“ konnte ich mir auch gut merken, die Notiz machte ich dann gleich in meiner Werkstatt. Als ich dann am Abend daheim vor dem Computer war, wollte ich meine Notiz um den Zusatz des Namens des schwarzen Sängers ergänzen. Ich googelte also die Textzeile und fand auch gleich als Ergebnis ein Video auf youtube mit dem Foto von so einem schwarzen Rapper-Typen. Ah ja, ich hatte ihn mir kleiner vorgestellt, zarter irgendwie, aber passt schon. Aha, der Song heißt also „Shape of you“. Als ich auf den Startbutton klicke, kommt ungefähr das Lied, das ich vor dem Ketchupregal gehört habe, aber irgendwas stimmt nicht. Es muss irgendein Remix sein, nicht das Original. Prompt hat auch darunter einer als Kommentar geschrieben, „I love your remix of the song!“ Aha.
Also gibt es noch eine andere Version, die es zu finden gilt. Ich googelte nach den Lyrics von „Shape of You“ und da stand plötzlich, sehr irritierend für mich „by Ed Sheeran“. Hä? Das ist doch dieser rothaarige britische Popsänger, mit Gitarre und Balladen. Von dem soll das Lied sein? Kann ja wohl nicht sein. Der würde doch bestimmt niemals solche eindeutigen Anmach-Lieder singen, das passt doch gar nicht zu dem braven Ed Sheeran. Ich meine, es geht hier doch nun wirklich um hitzige erotische Gefühle, ohne Herzschmerz etc. Das muss ein Ausrutscher gewesen sein, mal schauen, ob es ein Video dazu gibt. Nun fand ich auch recht schnell das Lied, genau das, was mir im Rewe vorgespielt wurde, und was soll ich sagen: der schwarze kleine Sänger war scheinbar tatsächlich Ed Sheeran. Und im Video zeigt er sich sogar etwas körperbetonter im Sportstudio. Die Angebetete passt auch gut zum Song. Ihm kaufe ich die Rolle im Video nicht so ganz ab, so sportiv wirkt er nicht auf mich, wie er da tut. Es soll sich übrigens um einen Hit handeln. Was natürlich auch angebracht ist, denn ein Lied, das mich im Rewe zum Tanzen bringt, hat ganz klar Hitpotenzial, und zwar weltweit. Ich bin da auf jeden Fall ein zuverlässiger Indikator.
Wie ich aber bei weiterer Recherche sehe, ist Ed Sheeran nicht der einzige Autor des Liedes, da werden noch die Herren Steve Mac und Johnny McDaid genannt. Das steht im Wikipedia-Eintrag des Liedes. Wenn es ein Song erstmal zum Wikipedia-Artikel gebracht hat, kann man glaube ich mit Fug und Recht sagen, dass es sich um einen Hit handeln muss. Jedenfalls vermute ich ganz stark, dass der frivole Text maßgeblicih von diesem Steve Mac oder Johnny McDaid stammt. Die sehen schon von den Fotos her mehr so aus, als ob sie auch mal so eine angesexte Nummer raushauen. Ed Sheeran hat sich dann vielleicht die putzigen Marimba-Töne dazu ausgedacht. Aber vielleicht unterschätze ich auch das erotische Songwriterpotenzial von Ed Sheeran, kann gut sein. Es sind halt schon recht einfache Sätze, ohne akademisch lyrischen Anspruch, aber das muss ja auch nicht immer sein. Hier nochmal ein Auszug aus dem Text:
„(…)
Grab on my waist and put that body on me
Come on now, follow my lead
Come, come on now, follow my lead
I’m in love with the shape of you
We push and pull like a magnet do
Although my heart is falling too
I’m in love with your body
And last night you were in my room
And now my bedsheets smell like you
Every day discovering something brand new
I’m in love with your body
Oh—I—oh—I—oh—I—oh—I
I’m in love with your body
Oh—I—oh—I—oh—I—oh—I
I’m in love with your body
Oh—I—oh—I—oh—I—oh—I
I’m in love with your body“
Schon sehr schön. Wobei man vielleicht auch in einer gewissen Grundverfassung sein muss, um das in der Fülle zu würdigen.
Das war also die merkwürdige Notiz vom 17. Juni im Rewe. Ich zeigte Ina die bis dahin unverarbeitete Notiz in meinem goldenen Büchlein, schilderte kurz den Sachverhalt und vergewisserte mich bei ihr, ob der Vorfall das Prädikat „merkwürdig“ verdient. Sie gab der Notiz den Segen mit den Worten: „merkwürdiger als merkwürdig!“ Na, meine ich doch. Zuerst die Tanzerei vor den Ketchup-Flaschen und dann ist der kleine schwarze Sänger von dem Lied in Wahrheit Ed Sheeran.
Heute habe ich übrigens im Badezimmer beim Abrocknen nach der Dusche auch einen kleinen Tanz-Anfall gehabt. Meine Stereoanlage spielte mir zufällig „Latest Flame“ von Elvis. Ein herrliches Lied, hat natürlich auch einen Wikipedia-Eintrag. Das sind so die Rhythmen, die mich in Bewegung bringen. Dies allen Songschreibern, die hier mitlesen, als kleine Hausaufgabe. „His Latest Flame“ ist übrigens aus der Feder von einem gewissen Doc Pomus und dem auch mir durchaus geläufigen Mort Shuman. Elvis hat auch an seinen Songs mitgeschrieben, aber „Latest Flame“ war ein Cover von einer Originalaufnahme von einem gewissen Del Shannon (nie gehört), die nicht sehr erfolgreich war. Das fehlende Hitpotenzial kann man auch auf youtube prüfen, hier die Version von Shannon. Also die Komposition alleine macht noch nicht den Hit. Man braucht schon ein starkes, grooviges Arrangement und einen starken Sänger. Wie Elvis. Hören Sie mal beide Aufnahmen kurz hintereinander und dann weiß man, warum nur Elvis der King sein konnte. Elvis Forever.
Hiermit fordere ich alle auf, sich eindeutig zu äußern. Bitte bis 24. Juni 2019. An sich kennt man mich nicht so forsch und fordernd, aber man muss ja immer machen, was im Tageshoroskop steht, damit es sich erfüllt. Sonst wäre es am Ende noch falsch und die ganze Astrologie womöglich ein Phantasiegebilde. In meinem Tageshoroskop steht (u. a.) für den Zeitraum 20. bis 24. Juni 2019:
„Sie gehen jetzt entschlossen vor, besonders im Umgang mit anderen Menschen. Sie vertreten einen klaren Standpunkt und fordern auch Ihre Mitmenschen auf, sich eindeutig zu äußern. (…) Ihr bisheriges Wirkungsfeld genügt Ihnen jetzt nicht mehr, Sie wünschen sich neue Ausdrucksmöglichkeiten.“
So so. Nennt sich Mars Trigon Aszendent. Da ich mir bekanntlich neue Ausdrucksmöglichkeiten wünsche, werde ich mich heute Abend dem Ausdruckstanz widmen. Ist zwar nicht ganz neu, aber ich habe den Tanz in den letzten Monaten so stark vernachlässigt, dass es doch ein bißchen wie neu sein wird. Es gibt weitere Notizen im Goldenen Notizbuch, die auf die Verarbeitung und Veröffentlichung warten, es passieren doch recht viele Merkwürdigkeiten, wenn man erst einmal darauf achtet. Dabei bin ich schon streng und notiere wahrlich nicht jeden denkwürdigen Eindruck. Wenn sich beispielsweise etwas Merkwürdiges wiederholt, lasse ich es glatt unter den Tisch fallen. Es hat dann ja auch schon nicht mehr ganz den Merkwürdigkeits-Effekt, weil man es ja schon einmal ähnlich erlebt hat. Ich muss nun für heute schließen und mich der Wahl meiner Garderobe für das Tanzvergnügen widmen. Und wenn Sie hier einen Kommentar schreiben möchten, bitte ich doch sehr darum, sich um eindeutige Formulierungen zu bemühen.
Aus meinem goldenen Notizbuch VII.
Notiz vom 17. Juni 2019:
„Hardenbergstr. Reisegruppe, ca. 30 Pers.,
Reiseleiter:„Bitte machen Sie Platz für die Dame!“
Einer aus der Gruppe:
„Du musst aber auch jede Gelegenheit zum Flirten wahrnehmen!“
(ich geschmeichelt)
Erinnerung an Platzangebot S-Bahn, britische Kindergruppe, kleiner Engländer steht auf f. mich!“
Oh ja, vorgestern am frühen Abend. Auf meinem Weg zur S-Bahn Zoologischer Garten, nimmt die oben erwähnte, deutsche Reisegruppe die ganze Breite des Gehweges der Hardenbergstraße ein, ich versuche mich links vorbeizudrücken, der Reiseleiter bittet tatsächlich mit diesen Worten „Bitte machen Sie Platz für die Dame!“ und ziemlich resolutem Tonfall darum, den Weg für mich freizumachen. Das bin ich überhaupt nicht gewohnt, ich dachte erst, hinter oder vor mir ist noch eine richtige „Dame“, aber da war nur ich. Also war ich für ihn die Dame! Toll. Obwohl ich weder Kostüm, noch Pumps, noch Merkel-Blazer trug. Ein feiner Zug. Der Tonfall und Gesichtsausdruck war allerdings überhaupt nicht flirtend, eher sachlich. Ich glaube, er wollte nur, dass seine Gruppe in der deutschen Hauptstadt nicht unangenehm auffällt. Aber der eine Herr aus der Gruppe scheint in solchen schlichten Hinweisen zu höflichem Verhalten eine Form von Annäherungsversuch zu sehen. Wahrscheinlich ist er derjenige, der immer zu einem Flirt aufgelegt ist. Jedenfalls bedeutete das für mich in der Konsequenz, dass ich schön viel Platz zum Durchlaufen hatte und man mich noch für ein potenzielles Opfer eines Annäherungsversuches halten könnte. Beruhigend.
Man hat ja gelernt, sich über kleine Dinge zu freuen, da die althergebrachten Gentleman-Gesten mehr oder weniger ausgestorben sind. Ich erwarte schon seit Jahren nicht mehr, dass mir ein junger, kräftiger Mann seinen Platz in der vollbesetzten S- oder U-Bahn anbietet. Eigentlich habe ich es noch nie erwartet, aber freuen täte es mich immer. Vor ca. drei Jahren hat mir ein junger Franzose mal seinen Platz in der S-Bahn angeboten, ich dachte, ich hätte mich verhört, aber er stand auch schon auf, bevor ich sagen konnte „Dankeschön“. Ich reagierte aber nicht gleich mit Hinsetzen, sondern schaute ihn erst etwas ungläubig an. Ich konnte mein Glück kaum fassen und hakte nochmal aktiv nach, ob das jetzt ernst gemeint sei. Er daraufhin lächelnd mit sehr charmantem französischen Akzent: „abär – es wäre unöflisch, ah?“ Ich nahm den Platz dankend an und fügte erklärend hinzu: „Das ist so ungewöhnlich… man kennt das gar nicht mehr…! Danke, vielen, vielen Dank!“ Die Blicke der umsitzenden und stehenden anderen Fahrgäste waren ebenfalls ungläubig. Perplex geradezu. Ein Erlebnis, das das Adjektiv merkwürdig ebenso verdient, wie das Platzmachen der Reisegruppe.
Und es muss doch wirklich Anfang Juni gewesen sein, ich hatte das goldene Notizbuch noch nicht, und es deshalb nicht notiert, dass mir nochmal ein Platz angeboten wurde. Diesmal von einem entzückenden englischen Schulbub. Wie ein kleiner Soldat ist er zackig aufgestanden, leichte Verbeugung in meine Richtung und schenkte mir seinen Platz. Ich war sehr gerührt. Ich habe nun nicht gerade geweint, aber es hätte nicht viel gefehlt. Geweint um die nachlässige Erziehung in puncto Höflichkeitsgesten in unserem Land. Und die vorbildliche Haltung der jungen Menschen in Frankreich und Großbritannien. Vive la France! God Save the Queen!
Aus meinem goldenen Notizbuch VI.
Notiz 12. Juni 2019:
„“Frühchen“ (aber fit)
in der S-Bahn!
(auf Mamas Arm, N I C H T im Brutkasten.
Kopf ca. wie große Katze)“
Rechts auf dem Klappsitz neben mir in der S-Bahn eine junge Mutter. Vielleicht siebenundzwanzig, hält ein ganz kleines Neugeborenes. Man hat ja schon manche Babies gesehen, aber so ein kleines. Ich noch nie. Es schlummert, dunkler Haarflaum wie Mama, an ihren Hals geschmiegt. Sie hält ihr Kind behutsam, aber entspannt. Das muss doch ein Frühchen sein, so klein, denke ich. So ein rührender Anblick, der winzig kleine Mensch. Atmet ganz ruhig, schläft, während die Berliner S-Bahn von der Ost- in die West-City fährt. Der Vater ist auch dabei, sitzt neben der Frau. Sie unterhalten sich manchmal, in einer fremden Sprache. Ich überlege, ob die Geburt erst ein paar Stunden zurückliegt. Und mir fällt ein, dass Frühchen bessere Überlebenschancen haben, schneller kräftig werden, wenn sie Körperkontakt zur Mama haben. Oder auch zum Papa. Hauptsache Körperkontakt, Zuwendung, Nähe. Dann fiel mir noch ein, dass der Sohn von Hannelore Elsner auch ein Frühchen war, sogar ein ganz frühes. Sie hat ihn wohl nur gut vier Monate ausgetragen, als er zur Welt kam. Und ist so ein großer kräftiger Mann geworden. Faszinierend. Es gibt Fotos, er neben seiner kleinen Mama. Eigentlich eine schnelle Sache, vier Monate schwanger, wobei die ersten drei ja nur von Übelkeit eingeschränkt sind, wenn es einen trifft. Dann bis kurz vor dem fünften das sichtbare Bäuchlein, aber immer noch leicht, und schon ist es da, das liebe Kind. Ist natürlich mit Ängsten und Panik verbunden, schon klar. Wird die gute Hanni auch nicht gedacht haben „ja super, das ging ja ruckzuck!“. Sie hat ja auch davon erzählt, von der bangen Zeit, als der Kleine im Brutkasten war. Das S-Bahn-Baby vom 12. Juni war sicher schon ein paar Wochen älter, aber auf keinen Fall neun Monate. Das sehe sogar ich, ohne dass ich bemerkenswert mit Babies zu tun gehabt hätte. Die Mini-Hände rühren einen ja sowieso immer. Diese zarten kleinen Fingerchen. War ein schöner Augenblick.
Aus meinem goldenen Notizbuch V.
weitere Notiz 11. Juni 2019:
„Clark. getaped!
schimpfe auf Insta- + Influencerscheiße
er pinterest Wohnungen. Empfehle AD auf youtube“
Hm. Frage mich, was daran aus meiner Sicht so merkwürdig gewesen ist. Vielleicht, dass er mich zum ersten mal getaped hat, und wie. Wenn man es nicht wüsste, könnte man es für eine mehrdeutige Umschreibung für etwas anderes halten. Was nicht der Fall ist. Er hat mich eben getaped. Meinen Arm. Mit so einem Verband-Klebeband, das andere war vielleicht gerade nicht zu Hand. Ich sah dann aber aus, als käme ich gerade aus der Unfallklinik, wo man mir einen Notverband angelegt hat. Für das nächste mal habe ich schwarzes Tape verlangt. Das sieht wenigstens cool aus. Aber dass ich auf den ganzen Influencer-etc. pp.-Quark schimpfe, ist ja eigentlich in keinster Weise merkwürdig oder bemerkenswert, sondern absolute Normalität. Meinethalben kann sich die Erde auftun, und den ganzen Kram verschlucken. Bei dem Wort Influencer macht er diese Geste mit der Hand und sagt: „DA könnte ICH kotzen.“ Sind wir uns ja einig. Diese harmonische Kommunikation ist fast schon unheimlich. Aber nun ist es ja erst mal vorbei. Es sei denn, ich hole mir wieder ein Rezept. Freundin mit Erfahrung mit Folgerezepten klärt mich über die Rituale auf. Zwei Folgerezepte würden einem zustehen. Denn nach sechs Behandlungen kann es ja noch gar nicht wieder gut sein, das ist doch wohl klar. Ist es ja auch nicht. Ich muss nicht mal lügen. Aber schon besser. Viel besser. Nun hat er auch erst mal Urlaub, der Gute. Auch steht eine Reise an, mit der Freundin nehme ich an. Er könnte mein Sohn sein. Enkel vielleicht noch nicht, aber Sohn locker. Die Frisur ist übrigens nicht ganz Original Superman, sondern mehr so wie Tim von Tim und Struppi. So eine kecke Locke nach oben. Die jungen Männer achten überwiegend doch sehr auf ihre Frisur, was ich begrüße. In der letzten Stunde, gestern, hatten wir es von Hipstern. Ich musste schon wieder schimpfen, über die Unsitte, Bier aus der Flasche zu trinken und sich womöglich noch mit einer Bierflasche in der Hand in öffentlichen Verkehrsmitteln zu präsentieren. Wo ich schon dabei war, redete ich mich richtig in Rage. „Untergang des Abendlandes!“ Er daraufhin „Aber ich komme doch hoffentlich nicht wie ein Hipster rüber, oder?“ Ich daraufhin: „hm, das kann ich nicht so richtig beurteilen.“ Er (entsetzt): „Um Gottes Willen! Bitte nicht!“ Ich (beschwichtigend): „Nein, nein, alles o.k. Die haben ja außerdem so Kopfsocken und Dutt und Rauschebart und Tunnel….“ Er: „Finden Sie das GUT?“ (wir siezen uns, ich möchte das) Ich: „Nein, ich finde das total unattraktiv!“ Er „Ach so. Dann bin ich ja beruhigt“. Manchmal wird die Kommunikation meinerseits durch seine Handgriffe erschwert, wenn er mein Kinn fest in seiner Hand hat und den Kopf dann so dreht. Das soll die Halswirbel lockern. Ich kann dann gar nicht so viel reden, wie ich möchte. Mal sehen, ob ich nicht doch mal die Sprechstundenhilfe von Finkbeiner um so ein Folgerezept bitte. Ab 8. Juli ist Clark wieder in der Praxis. Da ich ja keine Kinder habe, könnte ich ihn eventuell auch als meinen Erben einsetzen. Er interessiert sich ja sehr stark für meine Werke. Zumindest theoretisch. Ich glaube, nun schießen die Gedanken gerade etwas übers Ziel hinaus. Andererseits kann ich mich nicht erinnern, dass schon einmal ein jüngerer, gutaussehender Mann zu mir gesagt hätte: „Ihre Bilder würden mich ja wahnsinnig interessieren!“ Er meint die gemalten. So, das ist jetzt erst mal genug zum Themenkomplex Clark Kent, eine weitere Notiz zu ihm habe ich auch gar nicht in meinem goldenen Buch.
Aus meinem goldenen Notizbuch IV.
Was solls, ich haue noch einen raus: Eintrag vom 11. Juni 2019:
„Hackescher Markt
(gelesen) „Bio-Späti“
(eigentl. „Bis-„)“
ich wollte ja wieder etwas Persönliches präsentieren, muss aber nochmal vertrösten. Dafür richtet sich dieser Eintrag an alle, die sich beruflich neu orientieren möchten. Ich stand also am 11. Juni 2019 am Hackeschen Markt am S-Bahnsteig und wartete auf die Bahn. Da ich ja kein Smartphone habe, auf das ich unablässig glotzen könnte, lasse ich gerne meinen Blick schweifen. Ich betrachte die städtebaulichen Veränderungen, lasse das Outfit der Mitfahrgäste auf mich wirken. Wenn man ein bißchen weiter hinten steht, also Blickrichtung Bode-Museum, sind da auch ein paar gastronomische Betriebe, öfter mal ein neuer Imbiss. Nun wird der Blick geringfügig, also wirklich nur ganz geringfügig, durch so ein Eisengeländer eingeschränkt, das den Schienenbereich von der Straße trennt. Da sehe ich doch (ich versuche einen Spannungsbogen aufzubauen, daher die umständliche Vorrede) ein neues Ladenschild. Und mir dünkt, da steht „Bio-Späti“. Kann man mal sehen, Berlin Mitte ist wieder ganz vorne mit dabei, wenn es um trendige Angebote geht. Wer hätte ihn nicht schon lange ersehnt, den Bio-Späti! Toll! Wäre ich eine Kundin von Spätis, wäre das mein Späti! Bio-Schokoladenriegel, Bio-Zigaretten, Bio-Schnaps. Alles, was man zu später Stunde so braucht! Da hat doch jemand clever die Marktlücke erkannt. Und Mitte wieder ganz, ganz vorne mit am Start! Meine Hood! Wobei es in Mitte an sich relativ wenig Spätis gibt, zumindest im Vergleich zu Neukölln, wo ungefähr 95 Prozent aller Geschäfte den Späti zum Kerngeschäft erklärt haben. Da ist offenbar ein anderes Publikum mit anderen Bedürfnissen. Ich zum Beispiel bevorrate mich mit Essen und Getränken in Supermärkten zu regulären Öffnungszeiten. Die Späti-Sachen sind mir einfach zu teuer, da bin ich knauserig. Sonst natürlich sehr gerne.
Weil man aber ja auch nicht minutenlang auf derselben Stelle stehen kann, bin ich irgendwann einen Schritt zur Seite getreten. Plötzlich stand da gar nicht mehr „Bio-Späti“, wie von mir vermutet (ich hatte das O ja gar nicht gesehen, da war die Eisenstange von der Absperrung), sondern da stand „Bis Späti“. Ich war dann ein bißchen enttäuscht. Aber der Grund, wieso ich aus so einer läppischen Sache einen extra Eintrag mache, ist der Service-Gedanke, den ich einfach in mir trage. Vielleicht befindet sich einer meiner Leser gerade in einer persönlichen oder existentiellen Krise und möchte sich neu orientieren und sucht noch nach dem richtigen Geschäftsfeld. Ich wüsste da was! Wie wäre es mit der Eröffnung eines „Bio-Spätis“? Eine Start up-Idee, die nun wirklich Zukunft hat. Zumindest in Berlin Mitte. Da bin ich mir ganz sicher.
Aus meinem goldenen Notizbuch III.
Ein weiterer Eintrag. Es wird wieder etwas körperlich:
„neulich in U-Bahn (U8)
(Anfang Juni 2019)
Schienbeintattoo junger Mann:
ovaler Teppich (wie Badvorleger)
darauf quadratisches Tischchen (wie v. Ikea)
auf Tischchen Vase mit Blümchen“
Aha. Ja. Nicht, dass ich mich über Gebühr für Tattoos interessieren würde, mir gefallen auch nur sehr selten die Motive, die dargeboten werden. Wenn überhaupt, dann nur so eine schöne, anmutige Vogelschwinge am Oberarm oder Schulterblatt. (Ich selber bin nicht tätowiert).
Aber dieser junge Mann da neulich, mit seiner mutmaßlichen Freundin in der U 8. Sehr merkwürdig. Er sah erst mal überhaupt nicht wie der gewöhnliche Tattoo-Freund aus, der ganze Typ war eher wie ein braver Bub, nicht so ein wilder Vogel. Klamotten waren auch unspektakulär bis langweilig, ein T-Shirt dessen Farbe mir entfallen ist, was einfarbiges, vielleicht hellblau oder grau. Und eine beigefarbene Hose, die zwangsläufig kurz gewesen sein muss, vielleicht so eine Art Bermuda, sonst hätte ich das Schienbein ja gar nicht ausführlich sehen können. Da er mir gegenüber saß, und eine ganze Weile mitfuhr, hatte ich genug Zeit mir das Motiv einzuprägen, und mir so meine Gedanken darüber zu machen.
Sein unteres Bein war vorne großflächig tätowiert. Wie oben schon angeführt, präsentierte er auf dem Schienbein eine einfarbig in Schwarz gehaltene Zeichnung, die sich eher für DIN A 4-Format empfohlen hätte: ein ovaler, kleinerer Teppich mehr so rechts unten, wie einer dieser puscheligen (für meinen Geschmack nicht sehr attraktiven) Badvorleger, Man kennt ja diese Sets, Puschelvorleger fürs WC, Puschelabdeckung für die Klobrille und passend dazu der etwas größere Vorleger fürs Waschbecken oder die Badewanne. Auf dem ovalen Teppich ein Beistelltischchen, quadratisch. Gibt es bei Ikea in verschiedenen Farben. Auf dem Tischchen, nicht ganz in der Mitte, eine zierliche Blumenvase, schlichte Form. In der Blumenvase ein aparter Blumenzweig mit mehreren Blüten. Sorte konnte ich nicht erkennen. War ja auch einfarbig, was die Bestimmung zusätzlich erschwert hat. Die Blume war dann auch nicht so groß. Es musste ja alles auf das Schienbein passen. Ansonsten war der junge Mann nicht tätowiert. Ich habe mir ja schon viele Tätowierungen in der U 8 ansehen dürfen, aber so etwas war noch nicht dabei. Ich wollte diesen avantgardistischen Ansatz, mal ein bißchen Wohnungseinrichtung als Tätowierung zu präsentieren, hiermit gewürdigt haben, als Merkwürdigkeit Nummer Drei.
Ich hoffe, mir laufen jetzt nicht die Leser davon, weil ich schon wieder mit einer ja doch eher unpersönlichen Merkwürdigkeit langweile! Ich werde mich bemühen, einen Mix hinzubekommen, so dass im nächsten Eintrag, wieder was persönliches drinsteht!
Aus meinem goldenen Notizbuch II.
Also gut, ein frivolerer Eintrag. Mein erster Beitrag ist ja nicht so stark angekommen, wahrscheinlich zu brav! Ich überspringe jetzt einen anderen Eintrag (den ich dann später präsentiere) und verarbeite eine Notiz zu meinem Physiotherapeuten. Wir erinnern uns: zufällig sieht mein Physiotherapeut aus wie Clark Kent. Also groß, athletisch, angenehme Gesichtszüge, schwarze Brille. In meinem goldenen Notizbuch findet sich folgender Eintrag vom 7. Juni 2019:
„Physio (3. Stunde 7. Juni)
„Nelson-Methode“, „Plattenverschiebung“

Am 17. Oktober 2019 ist der 170. Todestag von Herrn Chopin. Ich liebe ihn ja auch sehr. Clark plant anlässlich des runden Todestages nach Paris zu reisen, zu seinem Grab. Ein wahrer Romantiker! Das könnte man jetzt unter banal und alltäglich abtun, aber für mich fällt das ganz klar unter „Merkwürdigkeiten“ für mein goldenes Notizbuch. Käme dieser Plan von einem Studenten an einer Musikhochschule oder einem ambitionierten Dichter, würde mir das ja auf Anhieb einleuchten. Aber dieses Bekenntnis „Ich liebe die Romantik!“ wurde mit einem heiligen Ernst vorgebracht. Von einem athletisch gebauten Physiotherapeuten im schwarzen Sportdress, während er meine Hand hielt. Also bitte.
Aus meinem goldenen Notizbuch I.
Schon etwas länger her, da hatte ich das Büchlein noch gar nicht, aber ich habe es mir gemerkt. Eine junge Frau schrieb mir eine E-Mail. Kein Spam. Der Nachname von ihrem Absender der Mail und der Name in den beigefügten Anhängen, die mit ihr zu tun hatten, war ein anderer, als der mit dem sie ihre Mitteilungen unterschrieb. Ich bat sie um Erklärung, wie nun der aktuelle Name sei, wobei ich mir schon dachte, dass wahrscheinlich eine Eheschließung mit geändertem Namen der Grund ist. Sie rief mich an und sprach sehr gut Deutsch, obwohl sie vor noch gar nicht langer Zeit aus Albanien nach Berlin gekommen ist. Aufgeregt erzählte sie, dass sie geheiratet hat und das der Name ist, mit dem sie jetzt unterschreibt. Zu dem anderen Namen erklärte sie:
„Aber das ist doch mein Geburtstagsname!“
Ich fand das so schön. Geburtstagsname! Wie putzig. Es kommen oft so schöne Sachen dabei heraus, wenn jemand eine Sprache lernt und versucht alles richtig zu sagen. Kinder machen das auch manchmal. Wie unkreativ wir dagegen mit der eigenen Sprache umgehen. Da ist noch viel Luft nach oben! Obwohl mir dann auch wieder so besonders ambitioniert originelle Formulierungen eher auf den Wecker gehen. Aber wenn es so in aller Unschuld kommt, das hat ganz viel Charme. Also das war jetzt eine Kostprobe aus meinem goldenen Notizbuch, was ich unter den angekündigten Merkwürdigkeiten verstehe!
Nun besitze ich ein goldenes Notizbuch. Oft bin ich darum herumgeschlichen, wenn ich nach einem Museumsbesuch durch den zugehörigen Shop schlenderte, und überwiegend niemals etwas kaufte. Dieses herrliche Relief vom Goldhut, eine Pracht. Auf der Abbildung kann man es erahnen (die blaue Bauchbinde ist nur Verpackung). Aber was hätte ich denn bloß hineinschreiben sollen? Lange schon beschrifte ich keine Papierseiten in Kladden mehr mit meinen urpersönlichsten Befindlichkeiten. Was hat man nicht alles hineingeschrieben in die Dinger. Jeden Kummer, den man auf dem Herzen hatte, jede tolle Begegnung, jede Langweiligkeit. Man wusste ja, dass es ein diskreter, verschwiegener Zuhörer ist, dem man seinen Herzschmerz überlassen kann. Oder ein Gefühl der kompletten Orientierungslosigkeit. Aber auch Hass, tiefe Enttäuschung, Wut, Alles! Aber dieses Alles wollte ich nun schon jahrelang nicht mehr verewigen. Das Grauen nicht noch zelebrieren und auf ein Podest heben. Zu viel der Ehre. Am vergangenen Freitag habe ich es nun doch gekauft, das goldene Büchlein. In der Alten Nationalgalerie hat man mich kurz vor Schluss, ein paar Minuten vor Sechs noch reingelassen, weil ich versprach, wirklich nur das Notizbuch kaufen zu wollen, ich wüsste sogar genau, wo es liegt. Gesagt, getan.
Hineingeschrieben habe ich auch schon einiges. Aber es wird kein Tagebuch sein, kein Schmerzensbuch! Ich notiere eher kurze Stichpunkte von Merkwürdigkeiten, die mir begegnen. Also echte Merkwürdigkeiten aus meiner Sicht. Sachen, die man nicht in den anderen Blogs lesen wird. Quasi exclusives Material! Ich habe vor, diese exclusiven Merkwürdigkeiten in lockerer Folge meinen drei Lesern darzulegen. Natürlich stark ausgeschmückt. Wobei ausgeschmückt nicht bedeutet, mit Zierrat versehen, den die Merkwürdigkeit nicht sowieso an sich hatte, sondern detailgenau berichtet. Eventuell fange ich schon morgen damit an. Es hat sich schon ein bißchen was angesammelt, nicht dass es dann so viel wird, dass mir die Lust vergeht, es abzuarbeiten. Clark hat übrigens eine Freundin, wie er heute beiläufig eingeflochten hat. Diese Anmerkung verstehen jetzt aber nur ganz aufmerksame Leserinnen.
ich mag diese kleinen großartigen Architectural Digest Videos sehr. Das hier zum Beispiel. Man spaziert wirklich durch die Räume und die Geschichte, immer gute Kamera. Sehenswert.
„(…) wir fürchteten uns gewaltig vor diesem Abend. Es war dann aber sehr fesch. Bei Tisch soll ich sogar zuviel gelacht haben. (…) Mit dem einen Blau aß ich ein Vielliebchen* auf das Wort ‚Secession‘.“
Alma Mahler-Werfel, „Tagebuch-Suiten 1889 – 1902, S. 41, Suite 5, 16.IV.1898
*) „ein Vielliebchen essen“: findet sich beim Knacken einer Nuß eine Zwillingsnuß in der Schale, essen zwei Personen je einen Teil davon, verabreden ein Wort, und derjenige, der dieses Wort am folgenden Morgen zuerst ausspricht, darf sich etwas wünschen, was der andere ihm erfüllen muß.
So ein schönes Spiel. Mehr Nüsse essen, knacken!
“(…) dazu sein übergroßes Foto-Porträt: dieses Gesicht! Wer oder
was verleiht Rang? Die Leistung tut es zum Teil. Verleiht einer den Rang
sich selbst? Auch der Gescheiterte kann Rang haben. Wodurch? Rang
bedeutet noch nicht Ruhm. Ich kenne Leute, die ihren Ruhm verloren haben
zur Lebzeit; der Rang ist ihnen geblieben. Rang ist nicht der Glanz des
Siegers. Wie bekundet sich Rang? Ich bin Leuten von Rang begegnet,
Männern und Frauen, älteren und jüngeren, berühmten und anderen; ich bin
Giacometti nie begegnet. Die Begegnung mit Leuten von Rang (sie müssen
nicht von der gleichen Fakultät sein) macht Mut auf merkwürdige Weise;
sie bedienen sich nicht des Lobes, um Mut zu machen. Sie verleihen Rang,
ob sie zustimmen oder widersprechen; noch eine Fehde führen sie in der
Erwartung von Rang. Solche Erwartung kann natürlich enttäuscht werden.
Bei Leuten von Rang besteht die Erwartung von Rang nicht blindlings,
aber unabhängig von Erfolg oder Nichterfolg; sie selber setzen die
Maßstäbe. Das kennzeichnet sie untrüglicher als ihre Leistungen, die der
andere in vielen Fällen ja nicht beurteilen kann. Ihr Rang beglänzt
ihre Leistung. Sie sind nicht immer freundlich; nur lassen sie sich in
ihrer Erwartung nicht irritieren, wenn jemand sich gelegentlich unter
seinem Rang verhält. Die Selbstzweifel, die ihnen vorgetragen werden,
nehmen sie ernst, doch fallen sie nicht auf Selbstbezichtigung herein
wie die andern, die, sobald sie nicht mit Allüre überrannt werden, ihre
Erwartung unwillkürlich herabsetzen und gnädig werden in einer Art, die
alles eine Nummer zu klein nimmt, aber auch alles.“
Max Frisch, Montauk, S. 25
Ich hätte bitte gerne ein Grabmal aus Marmorpanda.

Neuere Erkenntnisse! Physiotherapeut ist ein sehr toller Beruf. Ich habe jetzt zwei kennengelernt. Natürlich fand ich diese Tätigkeit schon immer sehr gut und respektabel, aber wenn man selber behandelt wird, erweitert sich die Wahrnehmung sehr stark. Der eine hat mit mir letzte Woche „exzentrisches Loslassen“ gemacht, der Florian. Das hat sich schon sehr gut angefühlt. Florian hat eine Textmarker-gelbe Irokesenfrisur und sechzehn Jahre Erfahrung. Ich schätze ihn auf ungefähr 37. Der andere heißt Roman und war heute dran. Wir sehen uns jetzt öfter. Ich nenne ihn heimlich Clark Kent, weil er genauso ausschaut. Also bevor er den Superman-Anzug anzieht. Clark hat ganz neue Sachen mit mir gemacht, ich musste mir das Oberteil ausziehen, er hat mich dann sehr forsch angefasst, aber es hat nicht wehgetan. Dann durfte ich mir das Oberteil wieder anziehen und wir sind in den Turn-Raum gegangen. Da ist ein großer Spiegel, über die ganze Wand, wie im Ballettsaal. Er hat vorgeturnt und ich habe nachgeturnt. Wir haben auch zusammen geturnt. Als ich in den Spiegel geschaut habe, ist mir aufgefallen, wie groß und athletisch er neben mir aussieht. Dabei bin ich doch auch schon nicht klein. Nächste Stunde ist Freitag, also übermorgen. Ich soll wieder mehr tanzen, regelmäßig, findet er. Ich finde auch! Zusammen turnen macht eigentlich Spaß. Aber auch wenn man alleine turnt und dann einer korrigiert oder anleitet, indem er einen an den Armfesseln festhält. Es hat mir gut gefallen. Habe mir dann auch gedacht, dass Jenny wahnsinnig privilegiert ist, dass sie einen Mann hat, der das auch kann. Toll. So ein sinnvoller Beruf. Zu keinem Zeitpunkt fragt man sich, was das eigentlich soll. Selbst wenn es nicht die Krankenkasse zahlen würde, wäre es kein rausgeschmissenes Geld. Ich bin ganz beeindruckt, wie so ein junger Mensch – ich schätze Clark auf Ende Zwanzig, Anfang Dreissig – auf so einen sinnvollen und hilfreichen Beruf kommt. Ich meine, er hätte auch Model oder Schauspieler werden können. Das Aussehen hätte er! Der Grund für die Turnstunden ist mein noch nicht ganz wiederhergestellter Ellbogen. Ich hatte – ich meine ich habe da gleichzeitig einen Tennis- und Golferarm, die Folge von einem Muskelanriss durch Gewalteinwirkung. Ich habe mich selber verletzt, als ich eine blöde Eisenstange mit einer Zange verbiegen wollte. Ist aber fast schon wieder heil. Aber nur fast! Sonst müsste ich ja nicht mehr zu Clark! Ich möchte das unbedingt feinsäuberlich mit viel professioneller Anleitung auskurieren, nicht dass man dann noch was verschleppt!

Heute Abend im Tempodrom – Bryan Ferry. Es muss im März Zweitausend gewesen sein, dass ich ihn bei seiner „As Time Goes By“-Tour erlebte. Mit einem wunderbaren Orchester. In einer der Messehallen, die für schlechte Akustik verrufen war. Niemals, nicht davor und nicht danach habe ich ein Konzert mit so einem vollendeten, absolut brillanten Klang gehört (ausgenommen die Berliner Philharmoniker in der Philharmonie). Bryan Ferry bestens gelaunt, immer in Blickkontakt mit seinen Musikern. Gut gekleidet sowieso. Es war unvergesslich. Also ist nicht die Messehalle akustisch unzulänglich, sondern die technische Vorbereitung, Schlampige Tontechniker! In einer guten Stunde gehe ich los, noch anziehen. Das Ticket ist ein Geburtstagsgeschenk von Ina, vom letzten September. Danke.
Große Pläne:
Wahl-o-mat Europawahl gemacht, größte Übereinstimmung: „DIE PARTEI“ 79 %
Auszug Parteibeschreibung Wahl-o-mat:
„Als Ziel für die Europawahl 2019 gibt Die PARTEI auf ihrer Webseite an, der AfD Wähler „abjagen“ zu wollen. Daher stelle sie bewusst Kandidaten auf, die die gleichen Nachnamen wie bekannte Nationalsozialisten tragen (etwa „Göbbels und Heß“).“
individuelles Wahlprogramm:
programm.die-partei.eu
Zufällig gestern Nacht diese sehr schöne Aufnahme von „Perfidia“ entdeckt. Ich las einen Artikel über den Soundstylisten Michel Gaubert, der seit vielen Jahren die Schauen der größten Modehäuser der Welt mit passender Musik versieht. Diesen Artikel hier. Perfidia in der Orchesterfassung von Xavier Cugat war ihm zufolge eines der Lieblingslieder von Karl Lagerfeld, das ist aber auch durch eine Compilation dokumentiert, die der gute Karl 2006 veröffentlich hat, „Les Musiques Que J’aime – My Favorite Songs“ ich werde mich von Anfang bis Ende durchhören. Die alte Aufnahme von Perfidia gibt ganz viel Vertrauensvorschuss. Ich hörte diesen Klassiker der lateinamerikanischen Musik erstmals um 1992, da ich in den Neunzigern mit einem Südamerikaner liiert war, der mir die spanisch gesungenen Aufnahmen von Nat King Cole näher brachte. Eine der schönsten Versionen von Perfidia überhaupt.
Mein damaliger Geliebter (er war EINIGE Jahre älter als ich) erzählte mir davon, was für ein sagenhafter Erfolg die spanisch gesungenen Stücke von Nat King Cole in Kolumbien waren, obgleich – oder gerade WEIL Nat King Cole mit einem ausgeprägten nordamerikanischen Akzent Spanisch singt, das amüsierte und rührte gleichermaßen, man liebte es. Ich war so neugierig, dass ich mir die Platte kaufte, sie musste sogar aus Amerika importiert werden, das dauerte sechs Wochen, ich bestellte sie in einem Plattenladen am Savignyplatz, der Importware führte. Heute kann man die Aufnahmen von heute auf morgen geliefert bekommen oder mal eben runterladen. Auf youtube ist ja eh alles. Diese Lieder von Nat King Cole begleiten mich seither, siebenundzwanzig Jahre sind es schon. Ein paar Jahre später entdeckte ich die Aufnahmen von Julie London, und auch sie hat eine wunderbare Version von Perfidia aufgenommen, diese hier
– weil mir dieses schöne Lied so vertraut ist, freute ich mich gestern Nacht besonders über diese mir bislang unbekannte Aufnahme, die Karl Lagerfeld so am Herzen lag. Wirklich schön. Ich habe übrigens ein Plakat mit einer Schwarzweiß-Fotografie und einer echten Signatur von Karl Lagerfeld. Ich glaube Nadja Auermann ist darauf zu sehen. Ich finde das Foto gar nicht so gut, obwohl er grandiose Fotografien gemacht hat, das gerade nicht. Aber seine echte Unterschrift ist drauf! Es ist eingerollt in einer Papprolle in meinem Atelier. Ich bekam es vor einigen Jahren als Aufmerksamkeit zu einem Geburtstag. Die liebenswürdige Stifterin war in der Crew bei einer Ausstellungseröffnung von Karl Lagerfeld und er signierte ihr das Plakat als Erinnerung. Da sie wusste, wie meine Interessen gelagert sind, wollte sie mir eine Freude machen und schenkte mir ihre Erinnerung an ihre Begegnung mit Karl. – Verrückt – ich habe heute an einem Bild gearbeitet, das am Ende ein bißchen aussah wie Karl Lagerfeld. Aber auch ein bißchen wie Tweety (falls das noch jemandem etwas sagt, so eine Comic Figur aus meiner Kindheit), aber vor allem wie Gott. Deswegen heißt es auch „GOTT … Tweety Lagerfeld“.
Schönste englische Coverversion von Udo Jürgens‘ und Blacky Fuchsbergers „Was ich dir sagen will“, immer auf der Lieblingsplaylist: Matt Monro, „The Music Played“. Das Amateur-Video dazu ein schönes Beispiel für „ich suche mal für jede Liedzeile ein Foto, wo genau das abgebildet ist, was gerade gesungen wird“. Immer wieder rührend auch, in seiner Unbeholfenheit. Bei „and when I took your hand, the music played“ taktgenaue Einblendung von Foto Hand auf Klaviertasten. Man kann schon mit plakativen Bildern arbeiten, aber man muss es in irgendeiner Form brechen, das allzu Erwartbare ist halt leider sehr, sehr, sehr, sehr langweilig. Um wieder auf die Video-Geniestreiche von Rammstein zurückzukommen: mit Erwartungen und Klischees spielen und dann das Kaninchen aus dem Hut zaubern. So geht das. Aber das kriegen auch die meisten internationalen Top Acts in ihren Hochglanzproduktionen nicht hin. Gibt kaum ein Video, das mich nicht zu Tode langweilt. Ein Gutes allerdings war das zu „Achterbahn“ von Clueso. Das macht auch Freude anzuschauen. Schnelle Schnitte, die das Tempo des Songs begleiten, ohne zu nerven. Und das kann oft nerven. Es ist eben eine hohe Kunst.
schonschön – abermals große Filmkunst. Till Lindemann könnte sich eingangs noch ein bißchen wärmer singen, aber sonst alles gut. Eigentlich gehören alle Rammstein Videos in eine exclusive Abteilung vom Museum of Modern Art in New York. Wer dieses Gesamtkunstwerk nicht kapiert, ist – ich muss es leider bekennen, für mein Empfinden doch eher simpel gestrickt. Nichts gegen einfache Strickmuster, aber da schaut man halt nur einmal hin, und „…aus den Augen, aus dem Sinn.“
Last but not least ~ „Again“ „(…) written by Lionel Newman and Dorcas Cochran for the film Road House in 1948, was recorded by Doris Day and the Mellomen in February 1949 and released as a single on Columbia Records. The record reached #2 on the Billboard Best Seller chart.“ Die Aufnahme ist siebzig (!) Jahre alt. Sternstunde der Musik. Ich schmelze wie Butter in der Sonne… (scheint auch gerade …immer wieder ein bißchen)
Falling in Love again… hach
Marlene konnte ja ein Biest sein, aber diese Aufnahme von Doris hat ihr sicher auch gefallen. Marlene war ja „nur“ eine singende Schauspielerin, Doris Day hingegen war eine schauspielernde Sängerin.
Auch wunderbar „Daydreaming“, auch von der Platte mit dem André Previn Trio, aufgenommen 1961. Es ist aber mittlerweile schon auch in Europa bekannt, dass Doris Day nicht nur eine lustige Schauspielerin war, sondern auch oder vielleicht sogar noch virtuoser als Sängerin. Mir wird ganz warm ums Herz, wenn ich ihre Stimme höre, so feinsinnig, ganz zartfühlend phrasiert, kein Gepose, kein Sportgesang, jeder Ton mitten ins Herz.
»(…) Um ein Haar wäre ich in Koblenz ums Leben gekommen. Eine Hausangestellte hatte das Bedürfnis, mich »aufzuklären«, und sie umschrieb es nicht poetisch mit Bienchen und Blümchen, sondern so: Männer hätten einen Aal in der Hose, und der sei auf der Suche nach einer geeigneten Höhle, um hineinzuschlüpfen. Ich war angewidert. Was für eine ekelhafte Vorstellung. Um das Bild so schnell wie möglich zu verdrängen, stürzte ich mich in den Rhein. Wohlgemerkt: Ich war neun Jahre alt und hatte noch nicht einmal den »Freischwimmer«! Wie reißend die Strömung war, merkte ich erst, als ich in den Strudeln zwischen den Brückenpfeilern nach Luft schnappte. Zum Glück landete ich irgendwie am anderen Ufer, völlig erschöpft. Mir war kalt. Die Kleidung war klatschnass. Ich hatte keinen Groschen, um mit der Straßenbahn nach Hause zu fahren. Also lief ich zu Fuß zurück. Meiner Mutter erzählte ich kein Wort.«
(Gabriele Henkel, „Die Zeit ist ein Augenblick“, S. 68)
Was für ein Bild. Neue Art des Lesens: bei Erwähnung realer Orte, Personen, Check im Internet, Bildersuche, Quellen. Das macht die Lektüre sehr plastisch und reichhaltig. Alleine wie ich gestern durch die Seiten des Pariser Hotels Meurice spaziert bin, die Badezimmer der Suiten… dieser phantastisch marmorierte Marmor. Oder das Lancaster, in der sehr schönen Marlene Dietrich-Suite steht ein Flügel. Dachte nach, ob die Wände Schallschutz haben, denn man könnte ja auf die Idee kommen, darauf zu spielen. Bei dem eingangs erwähnten Absatz erübrigt sich weiterführende Recherche. Das arme Kind, was für ein schlimmer Eindruck. Eine Lebensleistung, so etwas zu überwinden. Sie hat es wohl geschafft.
(mit zwei Händen getippt, es wird langsam)
»(…) Gianni* hatte die Eigenschaften seiner Rennwagen: schnell und elegant. Immer ungeduldig, stets in Eile. Das schloss nahezu aus, dass man ihn als guten Liebhaber bezeichnen durfte.«
(Gabriele Henkel, „Die Zeit ist ein Augenblick“, S. 20
*Agnelli
Basquiat as Basquiat (zum Verlieben)
»Wir haben und suchen Weltanschauung und geben sie auch in unsere Arbeiten. (…) Es ist Notwendigkeit in uns. Diese zwingt uns, so und nicht anders zu arbeiten, und nicht die Sucht, etwas Neues zu schaffen, war und ist der Grund der Art unseres Malens, sondern der Wunsch, ein vollerfülltes Leben zu gestalten.«
(Max Pechstein auf Schallplatte, 1928)
»Manchmal erschreckt mich der Gedanke an die Dinge, die unser kurzes Leben überdauern. In früher Jugend schockierten mich die Fotos aus den Konzentrationslagern mit den Brillengestellen und Schuhen der Ermordeten; das hatte mir damals ein Gefühl für die Flüchtigkeit eines Menschenlebens gegeben – auch meines eigenen -, und ich konnte es nicht fassen, dass es möglich gewesen war, Millionen Menschen auf bürokratisch geordnete Weise zu ermorden und dabei den kleinsten Gegenständen aus ihrem Besitz offensichtlich einen höheren Wert beizumessen als ihrem Leben. Und so steigt, wenn ich Anhäufungen von sogenannten Wertgegenständen sehe, regelmäßig mein Puls. Ein flaues Gefühl der Angst vor dem baldigen Verfall beschleicht mich; ich werde daran erinnert, dass die von mir mit Bewunderung gesammelten Dinge nicht nur mich, sondern auch meine Kinder und Enkelkinder überdauern werden. Ich erkenne dann die Lächerlichkeit meiner Existenz und schwanke zwischen der Sammlerliebe und dem Hass auf die Gegenstände, bis ich mich wieder beruhige und mir bewusst mache, dass nicht ich die Dinge besitze, dass sie vielmehr nur eine Weile bei mir bleiben, bis ihre Reise durch die Zeit weitergeht: So lange liegt es an mir, ihnen jenes Etwas zu geben, das sich aus dem Wissen um ihre Geschichte und meiner Phantasie nährt.«
(Wolfgang Beltracchi, “Selbstportrait“, S. 133)
Starkes Déjà-vu beim Lesen dieses Kapitels, ganz ähnlich immer wieder über genau das nachgedacht. Nicht abgetippt, ausgetüftelt, wie man Passagen aus googlebooks kopiert. Gemäß geltendem Urheberrecht, können auch längere Zitate verwendet werden, wenn der Zweck dem kulturellen Diskurs dient und der Umfang des Zitats den Erwerb des Gesamtwerkes nicht ersetzt. Der höhere kulturelle Zweck an dieser Stelle ist, dass ich meine Bekannten die Welt an meinen inneren Bewegungen teilhaben lassen möchte, wie z. B. meiner Verblüffung über die Ausformulierung meiner Gedanken durch eine andere Person, die mir gar nicht bekannt ist. Hier Näheres zum Zitatrecht.
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(Frisör Schierker Str. 27)
„Konzerte, Happenings, Kunstauktionen, Ausstellungen, außerdem natürlich girls, girls, girls spukten mir im Kopf herum. Die Schule konnte mir nichts davon bieten (…)“
(Wolfgang Beltracchi, “Selbstportrait“, S. 56)
mit links getippt (anstrengend), rechter Arm (z. Z.) kaputt, Ellenbogengelenk nach Eisenstange biegen (Skulpturzeugs) gezerrt, entzündet, Röntgen kein Bruch, MRT erst 7. Mai. Nur noch lesen, Fernsehen, Musik hören, essen, trinken, duschen, Blumen gießen. Muß dringend dem OIeander u. Hortensie auf sonnigem Atelierbalkon Wasser geben, fahr ich heute hin. Frohe Ostern.
Rendezvous mit Pablo, heute Nachmittag

»Für den Denker und Künstler sind die Frauen nichts anderes als zufällige Anregungsmittel, die er geschickt benützt, um durch sie seinen geistigen Stoffwechsel zu steigern, vorübergehender Zündstoff, den er verbrennt, um durch ihn sein eigenes Feuer zu nähren. Er hat dabei zu den Frauen eigentlich überhaupt keine innere Beziehung. Sie sind für ihn dasselbe wie Alkohol, Nikotin, schwarzer Kaffee. Er braucht sie für den Moment, aber er verbraucht sie auch vollständig und restlos, und wenn sie ihm die notwendigen Kräfteauslöser verschafft haben, so existieren sie für ihn nicht mehr. Sie sind nur dazu da, um ihn reicher und stärker zu machen. Er schöpft aus ihnen nichts als sich selbst, seine eigene Kraft zu lieben und zu hassen, zu denken und zu gestalten.«
[Egon Friedell an Lina Loos, Brief o. D.]
Weiter – immer weiter. Vor sechzehn Jahren etwa hat niemand außer Fotografen täglich Bilder gemacht. Die völlige Abwesenheit von minutiös verewigtem Alltags- und Gesellschaftsleben war normal. Heute ist das anders, und doch kann man wählen. Meine Wahl fällt seit einer Weile, Monate sind es schon, auf den Tanz mit der Materie. Bilder, Farbe und Form sind immer noch meine Welt. Aber die Kamera ist mit einem schwarzen Tuch bedeckt, geschützt in einem Schrank. Die Freiheit, die eine Leinwand gibt, ist unvergleichlich. Keine Frage muss gestellt werden, ob jemand mitwirken möchte. Man kann Gott spielen. Tatsächlich. Jede Kreatur kann in einem Bild erschaffen werden (oder sie erschafft sich selbst). Es tut mir leid, ich habe nicht einmal den Impuls, das dokumentarisch abzulichten. Vielleicht gehe ich einmal mit der Filmkamera durch. Wer weiß. Man muss mit seiner Zeit behutsam umgehen, sich nicht verzetteln. Ich finde aber schon auch, dass Bilder einen Eintrag heben, deswegen eine Aufnahme vom Januar Zweitausendsiebzehn. Im Badezimmer. Ich glaube ein einziges Bild von mir aus diesem Jahr Zweitausendneunzehn könnte es geben, bei der Eröffnung der Gedenkausstellung für Irina, letzte Woche, hat Bernward die Kamera in Richtung von Lydia und mir gehalten. Ich habe das Bild nie gesehen. Macht nichts. Man sieht sich ja jeden Tag im Spiegel, beim Wimperntuschen oder aus Versehen.

Morgen (bzw. schon heute… ist ja schon nach Mitternacht) gehe ich zu einem meiner liebsten Expressionisten, Otto Mueller im Hamburger Bahnhof, und davor oder danach zum Antikmarkt am Bode-Museum. In der Gurlitt-Sammlung, die vollständig dem Kunstmuseum Bern vermacht wurde, befinden sich auch einige Bilder von Otto Mueller. Ich war von seinen Bildern gestern im Gropiusbau am meisten elektrisiert. So modern, so dynamisch und sensitiv. Auf dem Antikmarkt am Bodemuseum, der auf halber Strecke zwischen meiner Wohnung und dem Hamburger Bahnhof liegt, halte ich Ausschau nach alten Bilderrahmen. Danach mit Beute ins Atelier, entweder einem Rahmen oder wer weiß und/oder einem schönen Bildband oder dem zugehörigen Katalog aus dem Museumsshop. War heute nach Gurlitt ein Weilchen daheim und dann ins Atelier, habe nach langer Zeit mit Nadel und Faden gearbeitet, von Hand. Zweitausendvier kaufte ich einer virtuosen Weberin der Navajo in Utah einen kleinen Teppich ab, der fünfzehn Jahre in meinem Schlafzimmer hing, aber die letzten Jahre nicht mehr sichtbar, ein zweiter Kleiderschrank („ich habe nichts anzuziehen!“) verdeckte das gute Stück. Er fiel mir vor zwei, drei Wochen wieder ein, und ich fand, dass er ein schönes Bodenkissen abgeben würde, hatte aber keine Lust komplett selbst zu nähen, weil meine Nähmaschine seit Jahren keinen Fuß mehr hat. Ich googelte lieber nach fertigen Kissen im Format des kleinen Teppichs. Ein einziges fand ich, das genau passte, unaufgeregtes Muster, diskret, farblich passend zu meinem Teppichlein. Habe ich heute im Schneidersitz auf den breiten Buchendielen von Hand aufgenäht. Sehr schön geworden. Als wär es nie anders gewesen. Gruß vom tapferen Schneiderlein. Morgen nach Museum und Antikmarkt weiter mit der Präparation der Glitzerpuppen oder der Transformation der Duschköpfe. Bin selber gespannt.
„Bestandsaufnahme Gurlitt“ im Gropiusbau, heute auf den letzten Drücker (läuft bis Mo, 7. Januar), versuche, um Neun da zu sein, eine Stunde vor Einlass. Online Tickets ausverkauft. Hoffe, ich muss nicht zu lange draußen rumstehen. Für die Wartezeit Flakes „Heute hat die Welt Geburtstag“ dabei. Liest sich sehr schön, man spürt in jedem Kapitel seine Freude, Teil seiner Band zu sein, ja man könnte denken, es hätte ein glühender Rammstein-Fan geschrieben, der Funke springt dann auch über. Bin doch überrascht, in welche körperlichen Herausforderungen er sich bei jedem Auftritt begibt. Werde mich extra warm anziehen, bißchen Kratzen im Hals, habe den Ehrgeiz, nicht klein beizugeben und dagegenzuhalten. Schon geduscht und Haare trocken geföhnt, Thermoleggins an, also unter der schwarzen Jeans. Dazu meine Love-Boots, warm und bequem und sehr hübsch. Die habe ich bei einer jungen Frau in der S-Bahn gesehen und war verliebt. Schwarze Schnürboots mit Reißverschluss und hinten am Schaft oben steht Weiß auf Schwarz gedruckt „LOVE LOVE“. Doppelt hält besser. Hat mich bestimmt eine Stunde Lebenszeit gekostet, herauszugoogeln, wo es die Schuhe gibt, hab mich nicht getraut, die junge Frau zu fragen. Gab es dann bei Deichmann für kleines Geld, so bequem, passen wie für mich gemacht. Vorgestern in der U–Bahn einen jungen Mann mit Freundin erblickt, er hatte eine umwerfende Jacke an. So ein Daunen-Modelll, relativ eng anliegend mit großem Camouflage-Muster in Schwarz und Gold, ich war sofort hypnotisiert. Habe mich getraut zu fragen, welche Marke es ist, er sprach nur Englisch, also what’s the brand? Er „Nike“. War auch meine erste Vermutung, obwohl man das Logo auf die Schnelle nirgends sah. Dann bestimmt anderthalb Stunden herumgegoogelt, auf sämtlichen Nike-Seiten, bei Foot Locker etc. pp. Nicht gefunden. Nicht annähernd. Verstehe ich nicht. Habe auch mit englischen Begriffen gegoogelt, auch ohne „NIKE“, vielleicht hab ich mich ja auch verhört. Mysteriös. Oder ein älteres Modell in exclusiver Auflage. Wie auch immer, zufällig war ich gestern im Europa-Center, da ist so ein großer NIKE-Store, und fragte einen jungen hippen Verkäufer, der sehr bemüht war und er hatte die Vermutung, dass es vielleicht eine Kooperation von Nike mit einem anderen Designer sein könnte, und gar nicht unter Nike vertrieben wird. „Der Felix“ könnte das wissen, meinte er, so eine absolute Koryphäe für das ganze Sortiment, er rief dann an, aber der Felix hatte frei. Wenn ich mal wieder in der Nähe bin, soll ich also nach Felix fragen, wenn es einer weiß, dann er! Oh, meine Waschmaschine ist fertig, noch ausräumen und dann anziehen und los!
Weil es heute so schön passt und so ein schönes Lied ist.

Gruß von zwischen Tür und Angel, vorgestern zum ersten mal nach fünfzehn Jahren in der Schierker Str. übernachtet. In der Speisekammer, auf dem großen Schaumstoffblock, die Füße zur Tür raus. Na ja. Wenn ich demnächst wieder zu müde bin zum heimfahren, wähle ich doch lieber die Luftmatratze, mitten auf den Holzboden, mit viel Beinfreiheit. Beim Umdrehen im Schlaf hat sich der Kontakt mit dem Türrahmen der Kammer so ähnlich angefühlt wie ein anderes Bein. Man kann sich ja alles schönreden. Ein anderes Bein hätte aber vielleicht ein bißchen nachgegeben. Die Dusche zum ersten mal zum Duschen benutzt, der Wasserdruck könnte ein bißchen stärker sein. Musste erst diverse bemalte Leinwände aus der Duschkabine räumen. Habe die Dusche jetzt nicht mehr ganz so dicht bestückt, nur noch ein großes Bild. Und die Zahnpasta, die ich in einer kleinen Portion in einem Holzdöschen deponiert hatte, ein Mitbringsel einer Freundin aus Neuseeland oder Australien, da war mal irgendeine Urwald-Salbe drin, war betonhart eingetrocknet. Oh. Muss ich wohl doch im Drogeriemarkt so eine Mini-Reise-Tube holen. Ansonsten eine Grabplatte für David Bowie in Türkis, Schwarz, Violett und viel Gold fertig gestellt. Ich muss nur noch Iman darüber informieren. Weiter geht es mit zwei Bildern betitelt male nude und female nude. Und zwei außerirdischen Glitzerpuppen. Was sonst. Kommt gut rüber, falls ich mich nicht mehr bemerkbar mache. Bin an Silvester bei einer Party in Spandau und danach voraussichtlich ab zwei mit Ina in der Paris Bar (es wird getanzt). Aber nun wieder los.

Angelica Blechschmidt. Sie starb am 29. Juni 2018, ich habe es nicht mitbekommen. Weil ich die Tagespresse nicht kontinuierlich und lückenlos verfolge. Es gab in allen großen Zeitungen Nachrufe. Aber für die vermutlich sehr jugendlichen gmx-Redakteure nicht präsent genug. Sie war bereits fünfzehn Jahre im Ruhestand, die ehemalige Chefredakteurin der deutschen VOGUE. Mitte der Achtziger, ab circa 1986 kaufte ich das Heft regelmäßig, bis Ende der Neunziger, also fast fünfzehn Jahre. Ich habe die kompletten Jahrgänge aufbewahrt. Es umfasst annähernd die Spanne ihrer Zeit als Chefredakteurin. Zur Jahrtausendwende war ich der Lektüre überdrüssig, es wiederholte sich alles so sehr, die Posen in den Bildstrecken langweilten mich oft, ich war plötzlich keine faszinierte VOGUE-Leserin mehr. Früher hatte ich mir auch hin und wieder die amerikanische oder britische Ausgabe gekauft. Und Harper’s Bazaar. In jedem Heft fand ich Inspiration anhand der visuellen Kostbarkeiten. Der Druck war aufwändig, das Layout erstklassig. Weil ich so genussvoll in die Bildstrecken eintauchen konnte – und die hochkarätige Werbefotografie war ein Teil davon – bewahrte ich alle Ausgaben auf. Ich hätte es als Gotteslästerung, als Sünde empfunden, die Hefte zu entsorgen. Eine Tageszeitung ohne Meldung von historischem Rang oder eine beliebige Illustrierte oder Frauenzeitschrift packt man nach der schnellen Lektüre in die Altpapiertonne, aber doch keine VOGUE! Das wäre, als ob man einen hochglänzenden Bildband von Schirmer Mosel wegschmeißt. Es waren durchaus auch ansprechende Interviews darin, von interessanten und charismatischen Künstlern, das rundete das visuelle Erlebnis mit geistigem Input ab. Aber das war nicht der Hauptgrund, nicht die Essenz. Es war alles zusammen. Wäre ich nicht gestern mit Ina essen gegangen und hätte sie nicht erzählt, was sie die letzten Tage unternommen hatte, wüsste ich heute noch nicht, dass Angelica Blechschmidt tot ist. Die Alterslose, heißt es überall, weil sie ihr Geburtsjahr nie veröffentlichte. Der Spiegel hat wohl doch einen Zugriff gehabt und vermerkte in einem Nachruf ein Alter mit Klammer auf – Klammer zu (76). Ob es genau stimmt, ist eigentlich egal. Es war klar, dass sie irgendwann in den Vierzigern geboren sein musste, im Alter meiner Mama. Die ist Jahrgang 43. Wie Mick Jagger. Was jetzt aber nicht verleiten soll, da Ähnlichkeiten zu assoziieren. Das ergab sich logisch aus ihren biographischen Eckdaten. Blechschmidt hatte einen Kopf wie eine Löwin. Manche sagen ihr nach, sie wäre die Vorlage der Figur, die Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“ verkörpert hat. Aber das ist die weltweit bekanntere Anna Wintour ja auch. Eine diktatorische Fashion-Ikone, die die Puppen tanzen lässt und in ihrem Umfeld keine Geschmacksverirrung duldet. Aber die deutsche Vorlage war wohl letztendlich eine warmherzigere Variante, als die Figur im Film. Ich habe sie nur einmal wirklich gesehen, das war in Berlin, am Rande einer Ausstellungseröffnung. Dabei entstand auch dieses Bild. Es war der 2. Mai 2008. Rund zehn Jahre vor ihrem Tod. Sie rauchte. Beständig heißt es. Gestern beim Essen im Jungbluth erzählte mir Ina, dass sie ein Sofa aus dem Nachlass der ehemaligen Chefredakteurin der Vogue gekauft hat. Bei der Vorbesichtigung einer Auktion ihres Nachlasses. Ich war hellwach. „Was? Wer? Angelica Blechschmidt? Ist tot…?!?“ Sie erwähnte, es gäbe noch einen Termin. Der ist heute. Die eigentliche Auktion. Heute wird der Nachlass von Angelica Blechschmidt im Auktionshaus Dannenberg in Berlin versteigert. Ich habe mich durch den online Katalog geblättert und etwas gesehen, was ich gerne hätte. Ich würde es ehren und benutzen. Es war ihr eigener Wunsch, dass ein größerer Teil ihrer bildschönen Sammlung von Mobiliar und Kleidern und Objekten und Bildern und Büchern anderen zuteil wird. Das hat sie wohl ausdrücklich verfügt. Letzte Woche wurde bereits Schmuck und die eine oder andere Handtasche und Kleinmöbel in Hamburg verkauft. Bei Dannenberg gibt es auch größere Möbel und Objekte, aber auch ganz kleine Dinge, wie Sonnenbrillen, kleine Lampen, Geschirr, Brillenetuis. Was sich so ansammelt, in einem Leben. Insgesamt sind 3000 Objekte in den Verkauf gekommen. Dennoch bleibt ein großer Teil bei ihren Angehörigen, die es gibt, auch wenn sie nicht verheiratet war, kinderlos blieb. Ich habe noch nie auf einer Auktion etwas ersteigert, vielleicht kann ich es mir am Ende auch nicht leisten, obgleich es kein Mindestgebot gibt. Aus einer Sentimentalität hätte ich es gerne. Mal sehen.



Besuch in Zelle vier. Ina, Alban, Jan. Und die mir bis dahin nur von Jans Fotografien bekannte Miss Lee. Sie setzte sich auf die Pritsche und schaute sich die Slideshow an, nahm die Fotos, die auf dem Bettlaken lagen, blätterte sie Bild für Bild durch, sehr konzentriert. Freut einen. Gerade wenn jemand bislang keinen Bezug zu mir hatte und dann bleibt, länger als es ein Höflichkeitsbesuch sein müsste. Das war für mich interessant und amüsant. Ich habe bei weitem nicht alle fotografiert, die kamen, sich vorsichtig („darf man….?“) hinsetzten und auch Fragen stellten. Oft war ich zu sehr damit beschäftigt, von einer Zelle zur anderen zu turnen. An dem Abend kamen auch noch Ilka und Max und Martin und brachten eine gute Flasche und noch etwas mit, das mich rührte (sehr), ein kleines Kunstwerk, „Free Gaga“. 3. September 2017. Nicht vertippt. Mehr als ein Jahr her. Ich hab noch mehr.






FÜR DICH SOLLS ROTE ROSEN REGNEN
A DIEU, Bernardo
DENKEN, WAS MAN WILL. AUSSEHEN, WIE MAN WILL. LIEBEN, WEN MAN WILL. Vorhin in der S-Bahn gelesen, neue Aufkleber über den Fenstern, Image-Kampagne FREIHEIT. BERLIN. Schön. Deswegen bin ich 1986 in Berlin gelandet und geblieben. Ich will mal häufiger festhalten, was mir auf den alltäglichen Wegen durch die Stadt auffällt. Zum Beispiel Gesprächsfetzen im Vorbeilaufen, wo ich eigentlich gerne stehen bleiben würde und weiterlauschen (auch wenn sich das nicht gehört, ich mache es ja auch nicht). Meistens bin ich auf dem Sprung, und bekomme nur ein Fragment mit, das mich dann mitunter noch bis zur S-Bahn beschäftigt. Im Trubel des Tages geht es dann wieder unter, fällt durch den Erinnerungs-Rost, manchmal ist das schade.
Zum Beispiel letzte Woche, morgens auf meinem vertrauten Weg durch die Hackeschen Höfe, kurz nach Neun. An der Stelle, wo es links durch die Rosenhöfe geht, kommt mir eine Frau in den Vierzigern (schätzungsweise) entgegen und sieht offenbar eine andere Frau, die hinter mir läuft, die sie gut kennt und ruft ihr laut vernehmlich zu: „NA, ALLES GUT? IMMER NOCH GLÜCKLICH?“ Die Angesprochene hinter mir: „JA….! TOTAL!!!“ Sie hörte sich auch so an. Ganz viel Elan und Optimismus in der Stimme. Gesehen habe ich sie nicht, ich konnte mich ja schlecht umdrehen, das schickt sich nicht, und ich musste ja auch wieder weiter. Aber das hat mich doch sehr beschäftigt. Worauf das der anderen Frau wohlbekannte Glück beruhen mag. Ob es um eine besonders glückliche Beziehung geht, die große Liebe gefunden, oder vielleicht auch glücklich mit einem Ladenlokal innerhalb der Hackeschen Höfe? Ich werde es nie erfahren. Aber es war eine schöne Abwechslung, mal so einen freudigen Austausch mitzubekommen. Überwiegend werden Fragen zur Befindlichkeit mit starker Relativierung beantwortet. Wir sind ja schließlich nicht in Amerika, wo immer alles great und gorgeous und awesome ist. Vielleicht gefiel mir das kleine Geplänkel auch deswegen, weil die fragende Frau kein unterschwelliges Lauern im Tonfall hatte, so ganz arglos und freundlich und aufrichtig wirkte es. Und die Antwort hatte auch nichts Prahlerisches, jemand der einfach gerade mal richtig zufrieden ist und darum weiß.
Heute morgen dann, auch wieder ein interessanter Gesprächsfetzen, auf dem Weg zur S-Bahn, diesmal auf dem Weg durch die Sophie-Gips-Höfe (die kommen immer vor meinem Weg durch die Hackeschen dran), sitzen zwei Frauen, ca. Ende Dreissig, auf dem kleinen Mäuerchen, das die Rasenfläche begrenzt, und die eine sagt zur anderen: „Warum haben Menschen solche Angst vor Veränderung? Der Grund ist: Menschen haben Angst vor Veränderung, weil sie….“ (?) Als es interessant wurde, war ich schon wieder außerhalb des hörbaren Bereichs. Das war auch wieder kurz nach Neun. Die beiden wirkten ausgeruht und nicht in Eile. Vielleicht besuchten sie beide einen Workshop oder ein Seminar zum Thema Persönlichkeitsentwicklung und rauchten noch eine vor Unterrichtsbeginn. Vielleicht war die eine die Dozentin oder eine bereits psychologisch geschulte Teilnehmerin. Kann gut sein, dass es in den Gebäuden irgendwelche Seminarräume für Coachings gibt. Da sind ja sehr viele gewerbliche Mieter drin. Ich weiß nicht, ob sie geraucht haben, nur eine Vermutung. Also ich habe es mir bis über die S-Bahnfahrt hinaus gemerkt und dann fiel mir auch das andere wieder ein. Ich fand beide Gesprächsfetzen inspirierend.
Mein Studium der Elvis-Wissenschaften endete am zweiten September mit dem Besuch der letzten Vorstellung des Elvis-Impersonators Grahame Patrick in Begleitung des Stamps Quartets, das auch den echten Elvis jahrelang in Las Vegas und so weiter in Amerika begleitet hat. Ich war sehr beeindruckt von den Visuals. Wenn ich ehrlich bin, war ich stärker geneigt, der wirklich überzeugenden musikalischen Performance zuzuhören und dabei auf die Monitorwand mit den Bildern vom echten Elvis zu gucken, als den Impersonator anzuschauen. Ich habe dennoch ein paar Bilder auch von ihm eingefangen. Die Filmausschnitte vom echten Elvis waren zu schön. Die Inszenierung versucht zum Teil die live Performance des Iren Grahame Patrick mit den Filmbildern legendärer Elvis-Auftritte zu synchronisieren. Eine kurzweilige Show. Die großen Elvis Songs live zu hören ist auch einfach mal schön. Ich war vorher noch nie bei so einer Show im Estrel, das war bestimmt nicht die schlechteste. Das war allerdings keine hauseigene Produktion, sondern ein Gastspiel. Er gibt schon alles. Ein herzensguter Imitator, der auch Kontakt zum Publikum sucht und händeschüttelnd durch die Reihen geht. Da soll man sich nicht beschweren. Der echte Elvis ist halt nun einmal tot, ob einem das jetzt in dem Kram passt oder nicht. ELVIS HAS LEFT THE BUILDING. Aber dass man nach über vierzig Jahren nach seinem Tod immer noch regelmäßig an einer Gedenkfeier mit allem Zinnober teilnehmen kann, ist schon etwas besonderes in der Menschheitsgeschichte. Irgendwann werde ich vielleicht doch mal Graceland besuchen. Und das angefangene Buch weiterlesen, mit der hochgelobten Biographie von Peter Guralnick, den zweiten Teil, Careless Love. Es ist sehr dick und schwer, deswegen habe ich es niemals unterwegs dabei. Ich lese nämlich nur in der S-Bahn und beim Mittagessen.
ich habe schon ein paar mal Leute nah an mich herangelassen, wenn ich das Kleid trug, ans hinten am Halsauschnitt eingenähte Etikett, die wissen wollten, wo ich es herhabe. Ich kann mir den Namen nicht merken. Ein langer Name. So wird man natürlich keine Einflusserin. Ich hätte auch Angst davor, dass auf einmal jeden Tag Kartons mit Klamotten an meiner Wohnungstür landen, die mir vielleicht gar nicht gefallen, und mit denen ich dann ein total zufällig wirkendes Bild für instagram machen müsste. Die sind ja rund um die Uhr beschäftigt, die jungen Frauen und Männer, die sich für die instagram-Prostitution entschieden haben. Es gibt mittlerweile auch schon einige Fälle von „Social Media Burn out„, wundert mich gar nicht. Kein freier Tag mehr, immer Bilder raushauen müssen, die so etwas besonderes an sich haben, dass es unter Abertausenden Bildern von anderen, die dasselbe Geschäft betreiben, heraussticht. Perfektes Make up, perfektes Licht, perfekter Hintergrund, perfekte Laune, perfekte Attitude. Wer Menschen fotografiert, weiß dass es nicht so ruckzuck mit dem ersten Bild erledigt ist, wie wenn man Architektur einfängt oder eine statische Landschaft. Und wenn das Bild dann endlich im digitalen Bauchladen zur Verfügung steht, müssen die Follower gepflegt und gebauchpinselt werden, die haben ja auch was am Start, was Aufmerksamkeit braucht. Dann kommt irgendwann der Moment, wo das, was als schöne kreative Freizeitbeschäftigung anfing, zum lästigen Zwang wird. Als ich vor vierzehn Jahren mit dem Bloggen und demzufolge auch Bilder hochzuladen begann, machten das alle in meinem virtuellen Umfeld just for fun, kein Text wies auf irgendein Produkt hin. Ein, zwei Jahre später hörte man dann von vereinzelten Angeboten, für Geld zu bloggen, für ein bestimmtes Event wie die Fußball WM oder irgendwas mit Autos. Manche machten das dann, und das waren dann in hundert Prozent der Fälle langweilige Blogeinträge, weil man die uninspirierte Absicht in jedem Text spürte, und es auch thematisch nichts hergab, was einen emotional ansprach. Daher kam bei mir nie Neid auf bezahlte Blogger auf. Dann verliert man irgendwann die Lust an dem, was einem einst Herzensanliegen war und sich impulsiv als Teil des ganz persönlichen Lebens entwickelte. Wenn ich nun diese Abertausende von Influencern sehe, die sich auch als Blogger bezeichnen bzw. allgemein so bezeichnet werden, diese Umkehrung des Begriffs von jemandem, der Texte mit einem Anliegen und Bildillustration ins Internet schreibt, zu hysterischen Produktvermarktern mit Bildunterschrift und nahendem Burnout Syndrom, habe ich den Eindruck, dass ich nicht die schlechtere Wahl getroffen habe, indem ich unverändert ohne Zugzwang immer noch nur dann schreibe und fotografiere, wenn ich Lust habe, ohne Kartons im Flur mit Klamotten, die abfotografiert werden müssen. Und dem Luxus der Marken-Demenz. Wobei ich kein Problem habe, Ross und Reiter zu nennen, wenn mich direkt jemand fragt, aber bestimmt nicht als Inhalt eines Blogeintrags. Was nicht bedeutet, dass ich etwa desinteressiert an Mode und Luxusprodukten wäre, aber die sind ja Mittel zum Zweck. Wenn mir im Straßenbild eine Klamotte auffällt, die ich gerne hätte, fange ich an zu googeln und gebe verschiedene Beschreibungen ein, bis ich fündig werde, manchmal finde ich dann auch etwas ähnliches. Aber mir stundenlang Seiten mit Modepüppchen anzuschauen, wäre mir zu langweilig. Das muss alles schnell gehen, damit ich viel Zeit dafür habe, derartige Gedankengänge festzuhalten. Und nun Kaffee. Marke wird nicht verraten. Was italienisches. Aus einem Kolonialwarenladen in Berlin.
Nikko Weidemann, Adrian Kennedy, Hans Rohe, Rudi Protrudi, Fuzztones, Marco Rivagli, Jim Avignon 5. Juni 2018
Gerade alle Interessenbekundungen an Veranstaltungen in diesem Jahr entfernt. Die nächste Veranstaltung an der ich teilnehmen möchte, findet am 1. Juni 2019 statt, das Konzert von Bryan Ferry. Dann ist es auch wieder angenehm warm. Wenn die Temperaturen winterlich werden, vergeht mir beim Ausgehen sogar die Lust am Rauchen. Dieses draußen in der Kälte mit klammen Fingern stehen, ist meine Sache nicht!


Juli, vierzehnter, Nick Cave in der Waldbühne. Ich war längst nicht mehr darauf fixiert, permanent alles Erinnernswerte mit der Kamera zu verewigen, und fand es daher auch nicht so einschränkend, sie daheim zu lassen. Ohnehin hat fast jeder Konzertbesucher ein smartes Fon dabei und fängt den einen oder anderen Moment ein. So auch Ina. Sie macht immer wieder ein paar Aufnahmen, aber zeigt sie nicht bei instagram oder dergleichem herum, sondern nur im Freundeskreis mal direkt auf dem Display oder per Mail. So mailte sie mir wieder ein paar ihrer Eindrücke und ich sicherte sie in meinen flickr stream. Dieser Konzertbesuch war mein Geburtstagsgeschenk für Ina. Sie hat am ersten Februar Geburtstag, man kann mit einem schönen Konzerticket auch weit entfernt vom Geburtstagstag Freude bereiten. Eigentlich sollte es zuerst ein Lady Gaga-Konzert werden, aber die wurde krank. Auf Nick Cave konnten wir uns sehr schnell einigen. An einem der oberen Ränge der Waldbühne fanden wir einen angenehmen Platz. Intensität und Melancholie. Was man von Nick Cave erwartet, bekommt man. Zur ultimativen Zugabe „Rings of Saturn“, bewegte Nick Cave das Publikum zum Mitsingen. Das war ungeheuer schön, dadurch Teil der Musik zu sein, ein großer Chor. Nick Cave war sehr nahbar, ganz zutraulich, suchte immer wieder Kontakt zum Publikum, berührte die vielen Hände, die sich ihm entgegenstreckten, bat zuguterletzt gar Konzertbesucher auf die Bühne (das habe ich bislang nur einmal bei Prince erlebt). Erst am Tag danach, als ich die intensiven Eindrücke verarbeitete und Konzertkritiken suchte, realisierte ich lesenderweise, dass es am dritten Todestag seines Sohnes war, dieses Konzert in Berlin. Während der Show wurde eine sehr lange Weile ein Bild eingeblendet, eine schwarz-weiß-Aufnahme, die einen bekannten Teil der Küste von Brighton im Regen zeigte, die Ruine der Brücke des West Pier. Sein Sohn stürzte an der Küste von Brighton in den Tod. Das beschäftigte mich noch Tage danach, mit welchen Gefühlen Nick Cave dieses Konzert gespielt haben muss.

An einem Tag im September – neunter – die Werkschau von Alban Nikolai Herbst im Literaturhaus in der Fasanenstraße. Albans Lektorin Elvira war aus Wien angereist, Wegbegleiter und Freunde da, im Kaminzimmer auf der Bühne, später im Diener in der Grolmannstraße und zuguterletzt weit nach Mitternacht im wie immer dicht besetzten Berliner Nachtbus, vom Zoo via Hackescher Markt – von der West- in die Ost-City.
Alle Aloen alliiert. Im warmen Zimmer neu gruppiert. Dieses Jahr erfriert mir keine. Die Mutterpflanze ist sowieso immer drinnen, jetzt ist der Nachwuchs wieder ganz in ihrer Nähe. Ob das in so einer Pflanze etwas auslöst, gefühlsmäßig? Viele halten Aloen für Agaven, sehen auch zum Verwechseln ähnlich aus. Sehr leicht zu halten, brauchen wenig Wasser, aber erfrieren schnell, weil sie so viel Wasser in ihren Blättern speichern. Wenn das bei Frost zu Eis wird, zerstört es die Zellen der Pflanze und sie hängen schlapp und glitischig herunter und erholen sich nie mehr. Ein trauriger Anblick. Man kann die glibberigen toten Blätter dann nur noch mit den meistens ebenfalls toten Wurzeln wegschmeißen. Aber dieses Jahr habe ich alle gerettet, gestern Abend. Je größer die Kinder werden, umso mehr freuen sie sich über einen schönen großen Topf. Da muss man dann gut überlegen, wohin damit, es soll ja in der Wohnung nicht aussehen wie im Gewächshaus. Ins Treppenhaus will ich sie auch nicht stellen, dafür bin ich zu sehr mit meinen Pflanzenkindern verbunden. Ich habe ganz gute Stellen gefunden, nicht weit vom Balkon, ähnliches Licht, nur drinnen und schön warm. Nun kann Väterchen Frost kommen!
(Zu)Stand der Dinge. Ab und zu kann man den Zustand festhalten. Besonders im Badezimmer. Zwei neue Bilder, nicht von mir. Ich habe neulich drei Gemälde gekauft und mit ein bißchen schlechtem Gewissen runtergehandelt. Ich war so verliebt und ich will doch sparen. Und dann auch wieder nicht. Eigentlich will ich überhaupt nicht sparen. Ich will das Geld mit vollen Händen ausgeben! Und auf jeden Fall mit ‚warmer Hand‘, wie man so schön sagt. Irgendwann werde ich auch bereit sein, meine Werke zu verhökern, aber jetzt noch nicht. Der italienische Maler, den ich um drei Gemälde erleichtert habe, Riccardo Raul Papavero heißt er („from Milano“), hat sich vor zwei Jahren entschieden, seinen Handwerksberuf aufzugeben, um sich mit seiner Kunst zu verdingen. Dann muss man natürlich verkaufen, aber er macht es auch gerne. Sein Prinzip ist simpel und oft genial im Ergebnis. Er arbeitet mit Fotokopien von ikonenhaften Fotografien der größten Stars der Weltgeschichte. Maria Callas, David Bowie, Frank Sinatra, Marilyn Monroe, Brigitte Bardot, Frida Kahlo, Kate Moss, Twiggy, usw. usf. Die Fotos sind die Basis, er klebt den Abzug auf eine Holzplatte und lasiert, lackiert, übermalt, dekoriert, bis eine Ikone alter Schule entstanden ist. So sehen einige aus, zumindest. Es ist wirklich Pop Art, hat mich Vieles angesprochen, als ich ihn entdeckte, auf der diesjährigen Importmesse unterm Funkturm. Er verarbeitet auch Motive von Seiten von Hochglanzmagazinen, zum Beispiel Modefotografien aus der Vogue. Dass er damit in Milano gut ankommt, ist klar. Aber auch bei mir. Nicht alles gefiel mir, aber die drei Bilder, die ich erstand, haben mich entflammt. Es sind mutmaßlich zwei Motive aus dem Fashion-Bereich und ein drittes, kleineres Werk, basierend auf einer berühmten Fotografie von Twiggy. Ich liebe diese drei Bilder sehr. Eins ist im Schlafzimmer und die beiden anderen im Badezimmer. Man sieht ein bißchen etwas auf dem Bild da oben. Im Hintergrund hinter mir, das präraffaelitisch anmutende Werk. Habe mich vorgestern, bevor ich zu Wredes Lesung bin, schnell mal davor eingefangen. „Kunst kann man kaufen“ predigt ein lieber Freund aus Hamburg immer. So sei es. Amen. Kunst macht glücklich, sage ich. Vielleicht nicht komplett, das ist man ja nie – aber ein bißchen.
Langes Interview mit (Onkel) Wolfgang Zicke Schneider in der taz.
Die Stelle finde ich ja besonders interessant, war mir so nicht bekannt:
taz: (…) Die Biermann-Ausbürgerung wirkte sich gravierend in der DDR-Künstlerszene aus. Wurde innerhalb des Günther Fischer Quintetts oft über politische Dinge diskutiert?
WS: Eigentlich haben wir nicht sehr eifrig politisch diskutiert, wir waren eher locker drauf. Außerdem haben wir als Jazzer ja in eine ganz andere Richtung Musik gemacht als der Liedermacher Biermann. Wobei mir einfällt, dass ich mit ihm sogar mal eine Platte aufgenommen habe – in seiner Wohnung.
taz: In der legendären Chausseestraße 131 in Mitte?
WS: Ja, 1973. Bei den Jazzabenden in der „Großen Melodie“, wo ich zu der Zeit oft spielte, hatte mich Biermann angesprochen. Ich selbst hatte ihn bis dato gar nicht sehr wahrgenommen, weil er ja eher so politmäßig drauf war. Als er mich aber fragte, ob wir ein bisschen Musik machen wollten, bin ich darauf eingegangen. Von einer Plattenproduktion war da übrigens keine Rede. Ich bin also mit meinem Schlagzeug in seine Wohnung, wo wir erst mal Billard spielten. Dann habe ich ein bisschen getrommelt und dazu ein paar Geräusche gemacht, während Mario Peters Harmonium spielte. Irgendwann sagte Biermann: Ich schneide mal was mit. Dass er das für eine Platte tat, hat er nicht erwähnt. Das Album hieß „Warte nicht auf beßre Zeiten“ und erschien dann im Westen. Mein Lohn waren übrigens zwei Büchlein von ihm, die er mir geschenkt hat. (lacht)
Eric Wrede, Lebensnah Bestattungen, gestern in Berlin
Eric Wrede, Roland Schulz, Flake Lorenz sprechen über den Tod.
Gestern ein paar ganz brauchbare Bilder von Rudi Protrudi (66) von den Fuzztones und seinem dreissigjährigen italienischen Schlagzeuger Marco Rivagli (der aussieht wie der fünfte Ramone), auf meinem Rechner gesichtet. Die Bilder sind am 5. Juni 2018 beim EHIEH („Ein Hit ist ein Hit“) Vol. 38 entstanden. Von Nikko Weidemann, dem Gastgeber auch sehr viele, besonders gute sogar. Die kennt er noch gar nicht. Aber wen interessiert das – außer den Abgebildeten – ein halbes Jahr später. Ich beschäftige mich nach Lust und Laune, ohne Zeitplan und ohne besonderen Ehrgeiz nebenher mit diesen ganzen älteren Aufnahmen, lade es dann auch irgendwann in flickr hoch, ist ja mein virtuelles back up, aber mir geht da keiner ab. Ich war im Frühjahr schon mal bei einer der Shows und habe fotografiert. Letzten Endes gibt man die Bilder zur Kenntnis, es gibt ein paar lahme Reaktionen und eine Weile später sieht man rein zufällig, dass jemand aus zwei Fotografien einen Header für sein Musikerprofil gebastelt hat. Mich ärgert nicht, dass sich jemand damit repräsentiert, sondern nicht darüber kommuniziert.
An dem Abend mit Rudi Protrudi waren auch noch andere eindrucksvoll kostümierte musikalische Performer auf der Bühne vom Ballhaus. Die eine Truppe hatte bizarre Teletubbi-mäßige Plüschkostüme an, der sonnenbebrillte Sänger stellte einen Teller Spaghetti mit Tomatensoße dar, was sich lächerlicher anhört, als es visuell wirkte. Die drei Kostümierten coverten „DA DA DA“ von Trio. Ich war mit Jenny dort, sie wäre bestimmt amüsiert von den Bildern, zumal sie auch weiß, dass diese Truppe musikalisch nicht sehr interessant war, aber das ist der monotone Kult-Song ja auch nicht. Ina erzählte ich später von dem Abend und dass ich ziemlich eindrucksvolle Bilder hätte, die mich aber dennoch nicht so wahnsinnig interessieren, ich habe mit den Protagonisten auf der Bühne ja sonst nichts zu tun. Und ich sagte ihr auch, dass wer die Bilder sehen würde, denken müsste, er oder sie hätte die superhippe Mega-Party des Jahrtausends verpasst. Aber vielleicht war es das ja für einige. Mir ist da zuviel Powerpoint Präsentation, zu viel Gerede, zu viel Moderation im Stil eine Kultur-Vortrags mit Inhalten, die man bei Wikipedia nachlesen kann, zu viele platte Witzeleien, zu viele Kalauer. Ich hasse Kalauer. „Mainz wie es singt und lacht“ für Akademiker. Wir haben den Abend trotzdem genossen, aber die musikalische Qualität war schon sehr durchwachsen. Eine blonde Keyboarderin und Sängerin hat ein Cover von Joni Mitchell gesungen. Eine ihrer melancholischsten Balladen. Sehr, sehr gut. Das war eher auf meiner Wellenlänge.
Musste vorhin lachen. Gegen 13:10 Uhr und noch einmal um 13:30 Uhr. Zweimal innerhalb von zwanzig Minuten (Monats-Rekord). In beiden Fällen Alma Schindler zu verdanken. Später hieß sie dann Alma Mahler. Und noch später Alma (Mahler-?)Gropius. Und dann Alma Werfel. Zuletzt dann wohl Alma Mahler-Werfel in ewigem Gedenken an ihren Gustav und natürlich auch um die Zugehörigkeit zum größten männlichen Superstar in ihrer Biographie für die Nachwelt undemontierbar zu demonstrieren, zementieren. Werfel war dann ja auch schon tot und konnte das nicht mehr unpassend finden. Wobei ich nicht genau weiß, was in welcher Beziehungsepoche tatsächlich in ihren Pässen stand. Als sie noch Alma Schindler hieß, ihr Mädchenname, schrieb sie bereits mit großem Eifer Tagebücher. Nun lese ich gerade ein Buch, das sich durchaus nicht zentral um Alma Schindler Mahler Gropius Werfel dreht, aber kurze Passagen mit Tagebuchzitaten von ihr enthält. Diese meine aktuelle Lektüre heißt „Auf der Hohen Warte„, eine exclusive Wohngegend in Wien mit vielen schönen alten Villen, ja man könnte von einer Künstlerkolonie sprechen, nicht nur Industrielle, auch die Künstler der Wiener Werkstätte und der Secession wurden hier heimisch und Alma immer mittendrin. Das Buch beschreibt einzelne Villen und die Eckdaten der Bewohner bis in die Gegenwart, daher kommt so ein Buch auch an der guten Alma nicht vorbei. Es liest sich insgesamt eher wie ein Wikipedia-Eintrag in mehreren Kapiteln, ich hatte mir mehr Anekdoten und Nähkästchengeplauder erhofft. Umso mehr horche ich auf, wenn es dann doch einmal menschelt, in diesem Sachbuch.
Seite 119 – 120:
„(…) in der Villa Moll I auf der Hohen Warte macht Gustav Mahler Alma am 28. November 1901 einen Heiratsantrag, nachdem er sie am Tag davor bei der Abendgesellschaft von Berta Zuckerkandl kennengelernt hatte. Weil der Direktor der Hofoper im neuen Haus nicht telefonieren kann, gehen sie gemeinsam „durch den knirschenden Schnee, Seite an Seite – fremd und nah – hinunter nach Döbling“, so Alma in ihren „Erinnerungen“. Er muss sich mehrmals bücken, um das lose Schuhband wieder zuzuschnüren. Sie findet: „seine kindliche Unbeholfenheit war rührend“. „Mein Gustav war bei mir heroben, wir fühlten unser Blut toben.“ schreibt sie kurze Zeit später.
MEIN GUSTAV WAR BEI MIR HEROBEN
WIR FÜHLTEN UNSER BLUT TOBEN
Ich meine das hat Potenzial. Im Grunde schreit es nach Weiterentwicklung zu einem Schlager alter Schule. Max Raabe könnte sich einmal daran versuchen oder Henry de Winter, wobei ich nicht weiß, ob die beiden Erfahrung oder Talent in der Richtung haben.
Des weiteren Seite 133:
„(…) im Februar 1900 lernt Alma Schindler (20) bei einer Abendgesellschaft „beim Spitzer“ Alexander Zemlinsky kennen. Sie trinken Punsch und sie erzählt ihm von ihrer „großen Verehrung“ für Gustav Mahler und ihrer „Sehnsucht, ihn kennen zu lernen“. Zunächst aber schwärmt sie für den 28-jährigen Komponisten Zemlinsky, findet ihn zuerst hässlich – und dann: „Er gefällt mir sehr – sehr. Ich werde ihn zu uns ins Haus bringen. Der Abend war kein verlorener für mich. Ich habe gelebt.“
DER ABEND WAR KEIN VERLORENER FÜR MICH
ICH HABE GELEBT
Ganz herrliche Zeilen.
Man hat nicht immer ganz realistische Vorstellungen, was ein gewisses Lebensalter bedeutet. 1992 gab es eine Fotostrecke in der deutschen Vogue mit Vera von Lehndorff („Veruschka“). Sie trug meiner Erinnerung nach u. a. einen Anzug, vielleicht von Yamamoto, weißes Hemd, flache Schuhe, die Haare glatt und schulterlang. Sehr cool, sehr attraktiv. Damals war sie 53 und ich blätterte die Strecke immer wieder durch und betrachtete die „hochbetagte“, von mir zeitlebens verehrte Veruschka wie ein Weltwunder. Sie sah nicht wie ein altes Mütterchen aus, war weder verunzelt noch sonstwie verwelkt und auch nicht jenseits von Gut und Böse. Sie war dynamisch, schön, cool, lässig, hochattraktiv. Als ich fünfzig wurde, stellte ich fest, dass kein Alterungsprozess im Zeitraffer eintritt, der einen alsbald dahinrafft. Ich fühlte mich nicht schwächer oder gebrechlicher als mit vierzig. Natürlich treten biologische Veränderungen ein, aber die sind keine Katastrophe, manche haben sogar Vorteile. In einem Gespräch unter vier Augen mit Jenny, heute vor einer Woche – sie hatte bei sich zuhause wunderbar gekocht, und wir waren unter uns, kam das Gespräch auf verschiedene Legenden, die dieses Lebensalter umranken. Viele denken ja, dass gewisse Gefühlsempfindungen nachlassen. Ich meine nicht die Fähigkeit, sich zu verlieben, sondern das Gesamtpaket. Aus meiner Erfahrung lässt da überhaupt nichts nach. Kein bißchen. Die Einbrüche im Empfindungsvermögen die ich in meinem Leben hatte, waren immer mentaler Natur, was sich dann zeitweise auch körperlich auswirkte. Aber das bleibt nicht ewig. Wenn man sich innerlich wieder berappelt, folgt der Körper mit allen Zellen. Wirklich allen. Dass man keine Panik mehr vor einer ungewollten Schwangerschaft haben muss, ist auch alles andere als ein Beinbruch. Und die paar Hitzewallungen, die ohnehin nicht jede Frau hat, kann man auch wegstecken ohne sich ein Hormon-Potpourri einzuverleiben. Meine Mama hatte kaum aufsteigende Hitze, war aber früher in den Wechseljahren als ich. Ich kenne das durchaus, die plötzliche tropische Hitze im Nacken. Aber das tut ja nicht weh. Ist auch sehr unregelmäßig, kann man wirklich aushalten. Ich nehme gar nichts außer Aspirin, wenn ich mal aus Versehen irgendwo außer Haus doch ein Glas zuviel von keinem Spitzengewächs getrunken habe. Sonst gibt es hier nur Pflaster und Ohropax für die Silvesternacht. Dass die kleine Lesebrille nun doch immer in Griffweite ist, finde ich mit Abstand am Schlimmsten. Ich hatte doch angeblich laut Augenarzt bei diesen Kontrolluntersuchungen immer 120 Prozent Sehfähigkeit. Seit Ende meiner Vierziger hat sich da doch irgendeine Veränderung eingeschlichen, die ich nicht begrüße. Leider gibt es keine Tabletten gegen diese Sache. Ärgerlich! Da könnte man doch mal forschen. Das bedeutet nämlich auch, dass ich auf dem Display der Kamera nicht mehr ohne Lesebrille erkennen kann, ob ein Bild scharf ist. Ich kann so nicht arbeiten! Aber sonst alles im grünen Bereich. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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*1965
„Pille fürs Vergessen“. Interessant. Vierzehn Jahre alt der Artikel zur medikamentösen Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen. Was wohl aus der Entwicklung des Medikaments geworden Ist? Ich war noch nie in psychotherapeutischer Behandlung, vielleicht sollte ich das ändern. Wobei ich mich erstaunlich gut halte, angesichts dessen, was mir widerfahren ist, widerfährt. Belastend empfinde ich, niederdrückende Erlebnisse unter den Teppich zu kehren, um keine gut gemeinten Ratschläge und unerwünschten Bewertungen und Zensuren zu erhalten.
Und selbst wenn ein offenes Ohr und Herz da ist, ohne Stirnrunzeln und anmaßende Handlungsvorschläge, mag ich es nicht, das Ganze mit noch mehr Wucht und Präsenz zu füttern. Im Grunde mag ich beides nicht, es herunterzuschlucken, als wäre nichts gewesen, aber auch nicht, es in die Welt zu tragen, zur öffentlichen Begutachtung. Am besten wäre Ausradieren. Man müsste eine Pille entwickeln, die man exakt chronologisch auf den Punkt einsetzen kann. Also zum Beispiel: bitte Erinnerungen an den 30. Februar 1928 komplett löschen. Ich würde da durchaus die eine oder andere Pille schlucken.
Es war in Schöneberg, im Monat Mai. Aus der Reihe Erstveröffentlichungen aus meinem mehr oder weniger sentimentalen Archiv – mit Le-Thanh Ho und Lena Braun. Ina war auch dabei, aber nicht die Kamera draufgehalten.
Barbiche, Mai 2018
Hennigsdorf. Mitte Oktober. Weil ich noch niemals in Hennigsdorf war, hatte ich doch die Kamera eingepackt, falls eine ungeahnte Sehenswürdigkeit daherkäme, und ich die einmalige Gelegenheit dann versäumt hätte, dieses eine Bild einzufangen. Tatsächlich war es schon völlig dunkel, als ich aus der S-Bahn stieg, ich kann kaum beurteilen, wie die Straßen von Hennigsdorf wirken, ob mir da etwas entgangen ist. Vom Gefühl her war es wie eines von vielen kleineren Städtchen, das man offen gestanden auch recht schnell wieder vergisst, hat man ihm den Rücken gekehrt. Vor dem Stadtklubhaus war ein stattliches Konzertplakat angebracht, wie man es eher am Berliner Olympiastadion erwarten würde. Beinah hätte ich es fotografiert, aber dann wurde mir klar, dass sich die Größe nur vermittelt, wenn jemand daneben steht. Das Gebäude hat eine ganz schöne, elegant zurückgenommene Fünfziger(?)-Jahre-Architektur. Man hätte dort auch gut und gerne eine Szene mit Lilo Pulver und Paul Hubschmidt beim ersten Rendezvous drehen können. Ich mag architektonischen Feinsinn, daher hoffe ich, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Hennigsdorf ist ja nicht so weit von Berlin und gehört für mich zu den Orten, wo man nie sicher ist, ob es gerade noch ein Randbezirk von Berlin ist, oder doch schon Brandenburg. Auf jeden Fall von mir aus ohne umzusteigen leicht mit der S-Bahn zu erreichen. Daher fand ich es auch ein bißchen merkwürdig, dass Freunde anmerkten, dass es doch sehr beachtlich sei, dass ich nun sogar schon nach Hennigsdorf reise, um ein Konzert vom Berlin Beat Club zu besuchen. Also praktisch nach Übersee. Ohne den Ruhm der von mir geschätzten Formation schmälern zu wollen, habe ich dann das Gefühl erklären zu müssen, dass ich kein hysterischer Fan bin, sondern einfach gerne zu sehr guter Live Musik tanze, noch dazu zu einem Potpourri geliebter Songs der Sixties und Seventies. Als müsste ich mich dafür entschuldigen, wie blöd. Tatsache ist, dass der Berlin Beat Club mehr Tempo und Stimmung macht, als zum Beispiel die als Beste geltende Doors Coverband aus UK, und das ganz ohne den Ehrgeiz, wie ein Abziehbild eines der alten Superstars auszusehen. Es war total voll, womöglich ausverkauft, jedenfalls gab es in kürzester Zeit keinen freien Sitzplatz mehr. Ein paar bekannte Gesichter aus Berlin winkten mich zu ihrem Tisch, sehr familiär und nett, ein Tisch ganz vorne. Im Grunde möchte man hauptsächlich tanzen und benutzt den Stuhl nur für Verschnaufpausen oder um die Jacke drüberzuhängen. Etwas nach mir trudelte Ina ein, die mit mir die Begeisterung für dieses spezielle Tanzvergnügen teilt. Ich hatte zuletzt als Teenie eine Freundin, mit der ich regelmäßig tanzen gegangen bin, ich liebe das so sehr.
In einer der Pausen setzten wir uns in die Nähe des Tresens, wo es auch Wiener Würstchen gab, die wir uns auch genehmigten. Während der Unterhaltung nahm unsere Stimmung einen Umschwung. Ina begann über Irina zu sprechen, und dass es ihr zunehmend schlechter ging. Sehr schlecht. Im Grunde hoffnungslos. Das bedrückte mich so sehr, ich driftete innerlich völlig nach unten, auch wegen der Hilflosigkeit, mit der nicht nur wir beide vor dieser Krankheitsgeschichte standen. Eine Mischung aus Trauer und Wut und Ach. Die Band spielte schon längst wieder, als wir wieder nach vorne gingen, das Hennnigsdorfer Publikum feierte dieses Live-Erlebnis als etwas Besonderes. Was es wohl auch ist, einmal im Jahr, wenn ich es richtig verstanden habe. Ich versuchte noch einmal mitzugrooven, aber es fühlte sich gezwungen an, die Band gab wie immer alles. Ich kam nicht mehr von der dunklen Wolke herunter, Ina bekam noch mal die Kurve und tanzte weiter. Da saß ich mit einer inneren Trauer und Wehmut und ermunterte mich selbst bei Hey Jude zum Schluss wenigstens den Chor mitzusingen. Das war auch ganz schön. Ina fuhr mich dann bis Frohnau zu S-Bahn, von wo ich alleine heimfuhr. Zwei Tage später schrieb Jan, dass Irina gestorben ist. Am Freitag, dem 12. Oktober um 14:30 Uhr. Also war sie schon nicht mehr unter uns, als wir am Samstag über sie sprachen. Oder aber auch doch. Wer weiß es. Vielleicht ja doch. Diese paar Bilder habe ich sehr nebenher gemacht, eigentlich um mich abzulenken. Die eine Frau im Publikum, im Profil da oben, ist auch eine Berliner Anhängerin der Band. Sie erinnerte mich wieder daran, wie schön ich es fände, wenn Uschi Nerke irgendwann einmal zu einem Konzert des Berlin Beat Club käme. Sie hatte ja auch so eine Frisur. Das wäre schön.
„Ich hab ’ne Zeit lang auch gesagt: für jedes Töpfchen ist ein Deckelchen bestimmt – ich bin ein Wok.“
Michelle
Luci & Gaga. Geburtstags-Schwestern*. Schöne Begegnung mit Luci van Org, neulich am achten September Zweitausendachtzehn.
Vorgestern i-dont-care-about-cookies installiert. Sehr angenehm.
Auch eine nette Familiengeschichte, die hat mir meine Tante Anna erst genauer bei meinem Besuch Ende September erzählt. Ich wusste nur, dass der Sohn von (Onkel) Wolfgang in der ersten Hälfte der Achtziger aus der DDR geflüchtet ist, also „Republikflucht“ begangen hat, aber die genaueren Umstände waren mir nicht so bekannt. Vielleicht habe ich auch nicht so genau zugehört und es wieder vergessen. Er hat eine Ausbildung zum Hotelfachmann in Ostberlin gemacht und war in einem Hotel (müsste das Metropol-Hotel gewesen sein), das internationale Gäste beherbergt hat, angestellt. Ich nehme an, dass er durch die Erzählungen von seinem Vater, der als international engagierter Jazzmusiker einer der Künstler war, der die Republik für Gastauftritte im westlichen Ausland verlassen durfte (und wieder zurückkehren), Blut geleckt hat. Westfernsehen hatte man in Ostberlin ja sowieso. Die Familie wohnte in Berlin Treptow. Jedenfalls hatte Michael große Lust, die weite Welt kennenzulernen und wollte raus, hatte aber noch keinen konkreten Plan. Wer als Hotelgast eingecheckt hatte, musste seinen Personalausweis bzw. Reisepass für die Dauer des Aufenthalts an der Rezeption abgeben. Eines Tages kam ein Kollege zu Michael, der an der Rezeption arbeitete und von Michaels Ausreiselust wusste, und hielt ihm einen dänischen Reisepass unter die Nase. Auf dem Foto war ein junger Mann abgebildet, der Michael zum Verwechseln ähnlich sah. Der Kollege animierte ihn, die Gunst der Stunde zu ergreifen und mit dem dänischen Pass rüberzumachen. Da es unwahrscheinlich war, dass so eine Gelegenheit noch einmal kommen würde, die so eine geschmeidige Ausreise ermöglichen würde, hat Michael die Chance ergriffen und ist ohne Misstrauen zu erwecken, wohl über den Grenzübergang Friedrichstraße nach Westberlin. Vielleicht wars auch der Checkpoint Charlie. Kaum war er drüben, hat er sich auf große Europareise gemacht und die Welt erkundet, an der Côte d’Azur hat es ihm besonders gut gefallen, in Cannes und Nizza und Saint Tropez. Ich erinnere mich noch dunkel an Fotos, die er an die Familie geschickt hat, wo er in Cannes lässig an einem Luxus-Auto lehnt, eine Palme im Hintergrund und man denkt, es wäre sein Auto. Heute lebt er in Genf, in der schönen Schweiz.
P.S. den dänischen Pass hat er nach seiner glücklichen Ankunft wieder zurück ins Hotel geschickt, damit der Däne, dem er seine Ausreise verdankt, keine Probleme bekommt.
dm:
– Deo
– Glitzi-Schwamm
– Spüli
– Waschmittel
Rewe:
– Avocado
– Maiswaffeln
– Bio-Schlagsahne
– Wiener
Mama vorhin am Telefon: „am Freitag im „Riverboat“, da war der Wolfgang, mit dem Sohn von Manfred Krug. Habe mir dann auch gleich noch mal die Wiederholung am Samstag angeschaut! Er hält sich recht gut, ist ja auch schon 74.“ Gut, dass meine Mama so gerne Talkshows schaut, hätte ich sonst nicht mitgekriegt. So oft sitzt ja kein Verwandter in einer Talkrunde im Fensehen. Wolfgang „Zicke“ Schneider ist doch ein G̶r̶̶o̶ßOnkel 2. Grades von mir, er hat jahrzehntelang mit Manfred Krug Musik gemacht, auf mehr oder weniger allen Platten Schlagzeug gespielt und auch bei seinem letzten Konzert in der DDR, vor seiner Ausreise. Da wurde jetzt zufällig eine Tonspur davon entdeckt und sein Sohn, also Manfred Krugs Sohn Daniel, hat nach Studium der Stasi-Akten verifiziert, dass es tatsächlich der letzte Auftritt in der DDR war. Schönes Gespräch mit Daniel Krug, Kim Fisher und Onkel Wolfgang. Ist in der Mediathek vom mdr, ab Minute 59. Hier zum Anschauen: https://www.mdr.de/riverboat/riverboat-gesamt-avplus-432.html
[ Ein privater Dialog, 25. Oktober 2018 ]
Georg
Warum ist Dir die Lust am Fotografieren abhanden gekommen?
Gaga
wegen dem ganzen hochgejazzten Instagram-Gewichse allenthalben, der inflationären Rezeption, dem Gefühl nur noch eine Stecknadel im Heuhaufen zu sein, weil ich auch ganz viel auf unverarbeiteter Halde habe, mich nicht wiederholen will, und auch wegen eines sehr privaten Grundes. Da kommt ganz viel zusammen. Aber schön, dass du fragst…
Georg
wenn eine der besten Fotochronistinnen der Welt ihre Arbeit einstellt, muss man schonmal nachfragen. Du solltest mal eine richtige Ausstellung anpeilen. In der Seven Star Gallery oder etwas in der Kategorie (Kein Bunker oder Gefängnis). Retrospektive. Es würde passen, ich habe eh das Gefühl, das in diesem Jahr eine Ära / Phase zu Ende ging.
Gaga
das ist unbenommen, das werde ich auch, aber dann nicht nur eindimensional Fotografie auch die anderen Bereiche, die ich bislang versteckt habe. Zwischen April 2018 und August 2018 sind ca. 50 Bilder/Objekte entstanden, spielerisch, auch weil ich inneren Tapetenwechsel brauchte, aus explantierten analogen Kameras, mit denen ich besondere Aufnahmen, Lebensphasen verbinde, ich habe die hochwertigsten Teile jeder Kamera verarbeitet, das Ergebnis ist wie aus einer fernen, glamourösen, außerirdischen Kultur. Kleinere Teile, dann wurden sie immer größer und sprengten den Rahmen und die Wände meiner Wohnung, ich arbeitete zunächst auf dem Balkon in der Sonne oder mit einer Schutzplane im Wohnzimmer auf dem Teppich, Untergründe Fundsachen, stabile Kartons etc. andere metallische Fundsachen aus meinem Haushalt verarbeitet, weil ich ungerne Metall im Müll entsorge. Als ich alles verarbeitet hatte und die Wände entschieden zu voll waren und ich sowieso wegen eines Handwerkertermins in mein Atelier in Neukölln musste, das nur noch Lagerfunktion für alte Sachen, Bilder von früher, unbemalte Leinwände und meine Projektionswände und Beamer hatte, alles noch von der Ausstellung im letzten Jahr einfach so abgelegt nach dem Rücktransport, Kraut und Rüben, da fiel mir vor Ort auf, dass es gut tun würde mal richtig dort aufzuräumen und es auf Vordermann zu bringen. So habe ich dort in den letzten zwei Monaten renoviert, es richtig, richtig schön gemacht, ein Schmuckstück. Zuerst malern, dann malen. Mir fiel bei einem der letzten Bilder, das ich in der Wohnung fabrizierte auch auf, dass es ein unnötiger Dilettantismus ist, mit Fundsachen wie Kartons, die eh nicht ganz plan sind bzw. nicht bleiben nach der Bearbeitung, zu arbeiten, wenn ich unbearbeitete Leinwände habe und ein Atelier. Was für ein Luxus. Das dämmerte mir so richtig. Ich wollte jahrelang keine materialisierten Bilder mehr in einem mich erschlagenden Ausmaß machen… was hinterlässt man, wem… und dann begriff ich, dass man sowieso IMMER Materie hinterlässt, und wenn ich in meiner Verkörperung einen massiven Drang habe, Materie zu formen, warum soll ich es mir verbieten, verkneifen….? Das ist doch Quatsch!
Georg
Ja sicher!
Gaga
Mir ist auch inzwischen klar, dass es nur noch eine mich befriedigende Würdigung meiner fotografischen Aktivitäten geben kann, und das ist in einem veritablen Ausstellungs-/Kunst-Kontext. Kein digitaler Selbstbedienungsladen mehr, keine Freundschaftsdienste mehr in Form von opulenten Dokumentationen von Auftritten von befreundeten Musikern und Musikerinnen. Als du um 2010 oder war es 2011 dein zweites poetryclub-Album gemacht hast, mit einem Cover, das mir ehrlich gesagt nicht nur in den Augen weh getan hat, war das auch ein gewisser Einbruch für mein Ego. Ich dachte an die etwa zweitausend Bilder, die ich von dir gemacht hatte, mit so viel Herzblut, und nichts davon fand je eine nachhaltige Materalisierung. Das war so schade. Das wäre ein schönes Booklet geworden. Aber das ist Vergangenheit. Ich habe gerade eine ähnliche Frustration erfahren und auch deswegen die Schnauze voll.
Georg
Daumen hoch
Gaga
das ist ja ein sehr knapper Kommentar auf meine Offenbarung! Ihr Männer seid einfach faule Säcke – immer der Weg des geringsten Widerstands! ;-)
[ edit – Fortsetzung ]
Georg
Nein. Nur weil ich auf Arbeit im Auto bin. Und auch ungern ins Telefon tippe. Kommentar kommt später…
Gaga
das klingt durchaus glaubwürdig, habe mir übrigens erlaubt, diesen Dialog in meinem neuesten Eintrag im Logbuch von meinem Raumschiff zu verarbeiten, da die Offenbarungen ja nur auf meiner Seite liegen.
Georg
Daumen hoch
[ Fortsetzung folgt eventuell, abhängig von der Offenbarungs-Toleranz von beiden Seiten ]
Georg
Daumen hoch
[ edit – Fortsetzung ]
Georg
Ich denke viel über dein Geschriebenes nach, schaffe es aber heute nicht mehr, mit einer längeren Antwort. Musik geht vor quasi … muss mir noch because the night von Patti Smith anschauen…
Gaga
denk nur nach, das wird dein Schaden nicht sein! Kein Stress, guten Abend dir, ich bin später wieder in meinem Atelier.
Georg
aah das mit dem Atelier klingt so gut… toll!
Gaga
da sind jetzt ja auch die Gaga Nielsen-Regiestühle…. und zwei Fotografien, die dich zeigen, haben einen Ehrenplatz, aber weniger aus Sentimentalität, sondern weil sie einfach so gut sind ;-)
Georg
Also ich denke halt oft auch über die Fehler nach, bzw. die Umstände, warum gewisse Dinge sich wie entwickelt haben und so geschehen sind. Oftmals nicht optimal. Nein, sogar richtig scheisse. Mit Schmerzen. Und ob das noch immer als ein Teil eines grösseren Ganzen gelten darf, welches dann irgendwann doch noch zum Ausdruck kommt, und dann alles was zuvor war, liebevoll und schlüssig integrieren kann. Sehr gerne würde ich schauen, was sich in den nächsten Jahren noch entwickeln kann. Die Zeit läuft, also mit lang drüber nachdenken ist es eigentlich auch vorbei. Schlingensiefs machen machen machen! kommt mir da wieder in den Sinn. Das Feld in unserer Generation lichtet sich ja auch immer mehr. Vielleicht kommt es jetzt (szenemäßig) in Berlin auch wieder zu neuen Fusionen! Ich hab auch einen Plan, ein Ziel, dass ich hier jetzt lieber noch nicht ausbreiten möchte, das erzähle ich Dir dann lieber erstmal privat. Aber ja, alles was Du schreibst gibt mir zu denken, und inspiriert. Und das war schon immer die Essenz unserer Verbindung. …sollte man was draus machen solange es noch geht ;-) <3
Falls du das abdruckst, mach bitte noch ein paar Korrekturen an den Drehern usw. – danke und gute Nacht
P.S. Inspiration als Essenz der Verbindung ist gemeint. Nicht das Denken. Viel denken mussten wir in unserem Flow ja gar nicht. Das war eher das pure Sein und Schöpfen…ohne Denken…da hat ja eher das Universum für uns gedacht. hehe
Gaga
ja, so war das – gute Nacht, Georg
Georg
Manchmal versagt ein Universum halt auch. ;-)
Gute Nacht
Gaga
ich hab die zweite Platte übrigens nie gehört, nur gesehen
Georg
ich hab sie seitdem auch nicht mehr gehört. die erste aber auch nicht. Mir bumms. Hab noch ein drittes Album vorbereitet, mache ich nächstes Jahr fertig und dann wars das mit Rückert. Nach dem zweiten Album war ich durch, Lust kaputt. Zu viele schlechte Gigs, blödes Album, Sackgasse. Da war dann bei mir das Feuer auch gelöscht.
Gaga
alles sehr weit weg, auch für mich, aber dennoch sind auf meiner Lieblingsplaylist ca. 3, 4 Songs… mein Live-Mitschnitt von Widerspruch aus der Brotfabrik, die Audiospur meines Videos, Dschellaladin, Schwesterbraut und evt. noch eins, das mir gerade entfallen ist.
The Doors Alive im Quasimodo. Hat mans mal gesehen. Der Brite Mike Griffioen gibt Jim Morrison, Norbert Varga spielt Ray Manzarek. Auch ein Gitarrist, Baz Meyer und ein Drummer, Buzz Allan sind mit dabei. Die Gruppe wird gerne als die überzeugendste Doors-Coverband bezeichnet, wobei man schon sagen muss, dass die äußerlichen Eckdaten des Sängers, inclusive des Schnitts seiner Lederhose schon gut für die Rolle geeignet sind. Auch die Stimmlage und Stimmfarbe und der Gesang sind verblüffend. Er gibt auch sehr viel im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber als Reinkarnation würde ich das nicht bezeichnen wollen. Jenny, die mitkam, fand ihn total ausstrahlungsarm, Ina hat sich auf die musikalischen Wiedererkennungseffekte konzentriert, wir haben schon auch getanzt, aber der richtige Drive oder gar Magie wollte sich nicht einstellen. Dafür hätte es ein paar Drogen gebraucht, die nicht verfügbar waren. Jenny hat eine ganze Weile nach dem passenden Wort gesucht, das bezeichnet, in welchem Ausmaß Mike Griffioen Jim Morrisons Performance verinnerlicht hat, es wollte ihr nicht einfallen. Ich machte Angebote: „adaptiert“? „absorbiert“? „inhaliert“?. Sie schwankte. Der Sound war recht undifferenziert gemischt, um nicht zu sagen versuppt, und so ganz aufeinander eingespielt war die Rhythmusabteilung auch nicht. War dennoch ein launiger Abend. Ich fragte mich allerdings, ob die echten Doors nicht vielleicht auch vom Tempo her ein bißchen behäbig waren, manche Rhythmen sind arg schunkelig. Der Kult beruht schon stark auf dem Charisma von Jim Morrison und den absoluten super Hits wie „Light my Fire“, „Riders on the Storm“, „The End“ oder „Spanisch Caravan“ oder „She lives on Love Street“ und dem „Alabama Song“. Schon großartige Nummern. Reicht ja auch, so sechs, sieben Songs im Rock-Olymp. Was ich allerdings ganz klar als Erkenntnis mitgenommen habe, ist das Potenzial der Frontmann-Pose von Jim Morrison als Role Model. Rocksänger, die sich stehenderweise auf der Bühne, ohne umgehängte Gitarre ein wenig verloren fühlen, sollten sich einfach mit einem kraftvollen Griff mit beiden Händen am Mikro festhalten, das hat so eine subtile Erotik und erfordert auch keinerlei tänzerisches Können. Das sollte eigentlich jeder hinkriegen. Nur mal so als Tipp. Jedenfalls besser, als mit den Händen in den Hosentaschen auf der Bühne zu stehen. Anschließend haben wir noch was in der nahe liegenden Paris Bar getrunken. Am Nachbartisch war ein etwas bizarres Publikum, wie man das beobachtenderweise auch mal amüsant finden kann, zeitweise. Darunter eine schrille Dame mit Schlauchbootlippen und Polizeimütze und anstrengender Tonlage. Aber das Bier war o.k. Obwohl es spät war, wurde diesmal nicht geraucht. Lag daran, dass Michel Würthle nicht da war, der sonst den Auftakt macht, und dem sich dann der Rest anschließt. Aber dann wäre der Abend sicher noch länger geworden. Beim Gehen traf ich auf den Fotografen André Rival mit lustiger Mütze, lange nicht mehr gesehen. Er hatte mitbekommen, als ich erzählte, warum mir die Lust am Fotografieren vorläufig abhanden gekommen ist, und ich wieder male, er schien es zu verstehen. Die paar Schnappschüsse hier sind eher beiläufig, ohne echtes Herzblut entstanden. Kein sentimentales Archiv.
Wunderbare Doku über Danielle de Picciotto und Alexander Hacke. Dreimal hintereinander gesehen, jedes mal wieder etwas Neues entdeckt. Ich mag die beiden sehr.
auch so ein schöner Abend, wir haben so viel gelacht. Farin Urlaub zeigte im Herbst 2010 erstmalig seine Fotografien bei Lumas in den Hackeschen Höfen und lief danach im Hof herum, ließ sich von Fans ansprechen, wir saßen auf einer Steinstufe, tranken Bier und Wein, Jan war auch dabei. Ich rauchte eine, Irina bestimmt auch. Als Farin in unsere Nähe kam, versteckte ich die Zigarette ein bißchen, weil man ja weiß, dass Farin mit Alkohol und Zigaretten nichts anfangen kann, ich wollte keinen schlechten Einruck machen. Irina musste so lachen.
Irina Rosanowski
*13. Juni 1981
12. Oktober 2018 †
Noch ein Beifang von meinem Elternbesuch. Sommer 1967 im Garten. Mein großer Bruder von hinten im Planschbecken, meine Tante, Mama, ich, fast zwei Jahre alt, mein Bruder schon fast dreieinhalb. Ich erinnere mich gerne an das aufblasbare Planschbecken, es hatte ein von der Sonne verblichenes knalliges Orange und in der Mitte so ein Indigoblau. Ich mag diese Farbkombination heute noch gerne, und verbinde damit immer ein Gefühl von sorglosen Sommertagen.
Das Bild darunter ist auch im Garten gemacht, mein Bruder bemalt ein Regenwasserbecken. Neben ihm sitzt mein Stief-Großvater Anton, der zweite Mann meiner Oma Alma. Sie hat ihn ein paar Jahre nach dem Tod meines richtigen Großvaters André geheiratet. Ich schaue meinem Bruder zu, das Bild hat mein Vater gemacht. Das andere auch, er hat immer viel und gerne fotografiert. Auf der Rückseite hat meine Mama „1970“ geschrieben, dann wäre ich da erst vierdreiviertel gewesen. Aber das Fotolabor hat ein Datum vom Juli 1972 daraufgedruckt, das ist glaube ich richtiger. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man zwei Jahre gewartet hat, bis man einen Film entwickelt hat. So sparsam war mein Vater nicht mit den Fotos, man wollte ja auch recht bald sehen, ob es was geworden ist. Also ich glaube, das Foto ist doch eher vom Juli 1972. Ich war zwar schon immer ein großes Kind, aber wie vierdreiviertel sehe ich da nicht aus, oder?
P.S.
vor ein paar Stunden noch einmal das Bild mit dem unklaren Datum mit der Brille auf der Nase angeschaut – und erkannt, dass da ja ein blühender Zweig links ins Bild ragt. Also kein Juli-Bild. Ich erinnere mich, dass an der Stelle ein Birnbaum war, und Birnbäume blühen im April. Also ist es ein Bild aus dem April oder vielleicht auch frühen Mai. Vielleicht also April 1972 oder auch 1971 oder auch doch 1970. Kann doch sein. Es gibt ein Bild von mir mit einer Mini-Schultüte, die ich zum Trost bekam, als mein Bruder in die Schule kam. Das war im September 1970, und da sehe ich genauso groß aus, wie auf dem Bild da oben, die Haare noch ein bißchen länger. Also hat Mama wahrscheinlich doch recht gehabt mit 1970. Ich war eben ein großes Mädchen, auch schon mit viereinhalb.
Ich gebe zu, es ist derzeit schwierig, mich zu treffen. Ich muss dauernd S-Bahn und U-Bahn fahren, obwohl ich nicht als Kontrolleurin bei der BVG arbeite. Das geht seit ungefähr sieben Wochen so. Wenn überhaupt, wäre es am günstigsten an einer der folgenden Stationen, die ich täglich befahre, ich könnte dann mal kurz (5 – 10 Minuten) die Fahrt für einen Kaffee auf dem Bahnsteig oder schnellen Umtrunk in den Abendstunden in einem Etablissement in unmittelbarer Bahnsteignähe unterbrechen:
Mitte, S-Bahn Hackescher Markt
Mitte, S-Bahn Friedrichstr.
Mitte, S-Bahn Hauptbahnhof
Tiergarten, S-Bahn Bellevue
Charlottenburg, S/U-Bahn Zoologischer Garten
Charlottenburg, U-Bahn Kurfürstendamm
Wilmersdorf, U-Bahn Spichernstr.
Wilmersdorf, U-Bahn Güntzelstr.
Wilmersdorf, U-Bahn Berliner Str.
Wilmersdorf, S/U-Bahn Bundesplatz
Schöneberg, S-Bahn Innsbrucker Platz
Schöneberg, S-Bahn Schöneberg
Schöneberg, S-Bahn Südkreuz
Tempelhof, S-Bahn Tempelhof
Neukölln, S/U-Bahn Hermannstr.
Neukölln, U-Bahn Leinestr.
Neukölln, U-Bahn Boddinstr.
Neukölln, U-Bahn Hermannplatz
Kreuzberg, U-Bahn Schönleinstr.
Kreuzberg, U-Bahn Kottbusser Tor
Kreuzberg, U-Bahn Moritzplatz
Mitte, U-Bahn Heinrich-Heine-Str.
Mitte, U-Bahn Jannowitzbrücke
Mitte, U-Bahn Alexanderplatz
Mitte, U-Bahn Weinmeisterstr.
Mama, Velden am Wörthersee, September 1961. Am Sonntag beim Besuch bei meinen Eltern in Süddeutschland in einer alten Fotokiste gefunden. Ich habe den Abzug selbst gemacht, im Herbst 1981, 23,8 x 17,7 cm, Hochglanz. Ich hatte mich in der Schule zu einem Kurs angemeldet, in dem man lernte, Fotonegative selbst zu entwickeln und Abzüge zu machen. Ich kramte in den vielen Negativstreifen, die meine Eltern in Schachteln hatten und fand dieses Urlaubsfoto aus Österreich. Auf dem Bild war meine Mama achtzehn und hatte meinen Vater gerade kennengelernt. Sie war mit einer Freundin in den Ferien in Velden am Wörthersee und frisch verliebt. Als ich ihr mit fünfzehn stolz den Abzug präsentierte, war sie ganz aus dem Häuschen, aber nicht vor Begeisterung. Sie fand es unangemessen, dass ich ein Bild von ihr im Unterkleid ausgewählt hatte, das gehörte sich nicht, was sollten die anderen Mitschüler in meinem Fotokurs von ihr denken. Ich fand es aber sehr schön und konnte ihre Reaktion überhaupt nicht verstehen, sie war ja kein bißchen nackig. Das Bild fängt den Spätsommer so schön ein, mit den Sonnenstrahlen auf dem Fensterladen. Am Sonntag, als ich es aus der Kiste holte und ihr wieder zeigte, lächelte sie erfreut und fand es schön. Sie konnte gar nicht glauben, dass sie vor siebenunddreißig Jahren so unwirsch darauf reagiert hat. In der Kiste war noch ein zweiter, hellerer Abzug davon, den überreichte ich ihr feierlich und sagte ihr, dass sie den haben kann, ich aber den besseren behalte und mitnehme, weil ich das Bild aufhängen will, weil es mir immer noch so gefällt. Es waren drei schöne spätsommerliche Tage bei meinen Eltern, denen es leider nicht mehr so gut geht. Mein Vater wurde am Freitag, dem 28. September sechsundachtzig Jahre alt und er hatte am Wochenende davor einen leichten Schlaganfall, eine Einblutung im Gehirn, er kann sprechen, etwas verzögert, aber es geht. Auch laufen ist möglich. Er hat sich tapfer selbst entlassen und will eine ambulante Reha machen. Ich schlief in meinem alten Zimmer unter dem Dach und hatte nur ganz wackeligen Internetempfang. Aber dafür war ich ja auch nicht da. Es war auch schön, die prächtigen Äpfel mit dem Kescher vom Baum zu holen, so eine schöne Arbeit, wenn die Sonne scheint. Wie die schmecken. Mein Gepäck war ganz schwer, als ich die Rückreise antrat, weil ich so viele Äpfel eingepackt hatte, wie ich nur konnte. Mein Zimmer ist jetzt ein bißchen Abstellkammer geworden, aber ein paar Möbel sind noch von früher da, und viele meiner Jugendbücher. Und die ganzen Bände „Das Beste aus Reader’s Digest“, das meine Eltern abonniert hatten, das habe ich immer gerne gelesen. Das elektrische Piano links vom kleinen Fenster, in der Dachschräge steht da erst, seit mein Neffe Valerian Klavierunterricht hatte, jetzt ist er auch schon groß. Zu meiner Zeit war da leider kein Klavier. Ich muss öfter meine Eltern besuchen. Es ist eine richtige Zeitreise. An einem Nachmittag saßen wir auf der sonnigen Terrasse und mein Vater fing auf einmal an, Verse von Wiener Liedern zu zitieren. Ganz flüssig. „Ich kenn ein kleines Wegerl im Helenental, das ist für alte Ehepaare viel zu schmal. Die Jungen aber müssen eing’hängt geh’n, und das ist schön, und das ist schön. Das Gras, das dorten wachst, macht keine grünen Fleck‘, beim ersten Busserl schau’n sogar die Bäume weg, und kriegen dann als Dank dafür ein Herz mit Jahreszahl, am lieben kleinen Wegerl im Helenental.“ Das hat mich so furchtbar angerührt, dass mir bei „Helental“ die Tränen in die Augen geschossen sind. Weil man ja nicht weiß, wie oft man noch mit seinen Eltern auf der sonnigen Terrasse sitzt und seinen Vater solche Zeilen auswendig aufsagen hört. So versonnen saß er da. Es gibt jetzt einen ICE, der schneller fährt, ich muss ihn bald wieder nehmen.
t̶o̶̶ ̶̶d̶̶o̶:
F̶l̶̶u̶̶r̶:
B̶̶̶e̶̶t̶̶t̶̶z̶̶e̶̶u̶̶g̶̶ ̶̶b̶̶e̶̶z̶̶i̶̶e̶̶h̶̶e̶̶n̶̶,̶̶ ̶̶i̶̶n̶̶s̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶g̶̶a̶̶l̶̶ ̶̶p̶̶a̶̶c̶̶k̶̶e̶̶n̶
Be̶̶t̶̶t̶t̶̶a̶̶s̶̶c̶̶h̶̶e̶̶ ̶̶b̶̶e̶̶s̶̶c̶̶h̶̶r̶̶i̶̶f̶̶t̶̶u̶̶n̶̶g̶̶ ̶̶k̶̶o̶̶r̶̶r̶̶i̶̶g̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
̶f̶̶o̶̶t̶̶o̶̶l̶̶a̶̶m̶̶p̶̶e̶̶n̶̶s̶̶c̶̶h̶̶i̶̶r̶̶m̶̶ ̶̶z̶̶u̶̶m̶̶ ̶̶s̶̶c̶̶h̶̶e̶̶i̶̶n̶̶w̶̶e̶̶r̶̶f̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶i̶̶n̶̶s̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶g̶̶a̶̶l̶̶ ̶̶p̶̶a̶̶c̶̶k̶̶e̶̶n̶
̶s̶̶o̶̶m̶̶m̶̶e̶̶r̶̶i̶̶n̶̶l̶̶e̶̶t̶̶ ̶̶s̶̶c̶̶h̶̶l̶̶a̶̶f̶̶s̶̶a̶̶c̶̶k̶̶ ̶̶u̶̶m̶̶p̶̶a̶̶c̶̶k̶̶e̶̶n̶
̶u̶̶n̶̶s̶̶i̶̶n̶̶n̶̶i̶̶g̶̶e̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶g̶̶a̶̶l̶-̶h̶̶a̶̶k̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶v̶̶o̶̶r̶̶n̶̶e̶̶ ̶̶a̶̶b̶̶s̶̶c̶̶h̶̶r̶̶a̶̶u̶̶b̶̶e̶̶n̶̶,̶̶ ̶̶e̶̶v̶̶t̶̶.̶̶ ̶̶h̶̶i̶̶n̶̶t̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶o̶̶b̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶n̶̶e̶̶u̶̶ ̶̶a̶̶n̶̶s̶̶c̶̶h̶̶r̶̶a̶̶u̶̶b̶̶e̶̶n̶
̶d̶̶i̶̶e̶̶ ̶̶v̶̶i̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶o̶̶v̶̶a̶̶l̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶o̶̶b̶̶j̶̶e̶̶k̶̶t̶̶e̶̶,̶̶ ̶̶w̶̶e̶̶n̶̶n̶̶ ̶̶f̶̶e̶̶r̶̶t̶̶i̶̶g̶̶,̶̶ ̶̶s̶̶e̶̶n̶̶k̶̶r̶̶e̶̶c̶̶h̶̶t̶̶ ̶̶a̶̶n̶̶ ̶̶t̶̶ü̶̶r̶̶ ̶̶s̶̶c̶̶h̶̶r̶̶a̶̶u̶̶b̶̶e̶̶n̶̶ ̶(̶h̶̶a̶̶n̶̶d̶̶b̶̶o̶̶h̶̶r̶̶e̶̶r̶̶,̶̶ ̶̶k̶̶l̶̶e̶̶i̶̶n̶̶s̶̶t̶̶e̶̶ ̶̶s̶̶c̶̶h̶̶r̶̶a̶̶u̶̶b̶̶e̶̶n̶)
R̶e̶̶g̶̶a̶̶l̶̶b̶̶r̶̶e̶̶i̶̶t̶̶e̶̶ ̶̶f̶̶ü̶̶r̶̶ ̶̶w̶̶e̶̶i̶̶t̶̶e̶̶r̶̶e̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶g̶̶a̶̶l̶̶b̶̶ö̶̶d̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶m̶̶e̶̶s̶̶s̶̶e̶̶n̶̶ ̶
2R̶e̶̶g̶̶a̶̶l̶̶b̶̶r̶̶e̶̶t̶̶t̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶3̶̶0̶̶ ̶̶x̶̶ ̶̶8̶̶0̶̶ ̶̶c̶̶m̶̶ ̶̶i̶̶m̶̶ ̶̶b̶̶a̶̶u̶̶h̶̶a̶̶u̶̶s̶̶ ̶̶a̶̶l̶̶b̶̶o̶̶i̶̶n̶̶s̶̶t̶̶r̶̶.̶̶ ̶̶h̶̶o̶̶l̶̶e̶̶n̶̶,̶̶ ̶̶e̶̶i̶̶n̶̶l̶̶e̶̶g̶̶e̶̶n̶
R̶e̶̶g̶̶a̶̶l̶̶ ̶̶u̶̶n̶̶d̶̶ ̶̶b̶̶a̶̶m̶̶b̶̶u̶̶s̶̶r̶̶o̶̶l̶̶l̶̶o̶̶ ̶̶s̶̶t̶̶r̶̶e̶̶i̶̶c̶̶h̶̶e̶̶n̶
K̶ü̶̶c̶̶h̶̶e̶:
V̶o̶̶r̶̶r̶̶a̶̶t̶̶s̶̶d̶̶o̶̶s̶̶e̶̶ ̶̶m̶̶a̶̶i̶̶s̶̶w̶̶a̶̶f̶̶f̶̶e̶̶l̶̶n̶̶ ̶̶e̶̶i̶̶n̶̶r̶̶ä̶̶u̶̶m̶̶e̶̶n̶ n̶a̶̶c̶̶h̶̶f̶̶ü̶̶l̶̶l̶̶e̶̶n̶
S̶c̶̶h̶̶r̶̶a̶̶n̶̶k̶̶t̶̶ü̶̶r̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶d̶̶c̶-̶f̶̶i̶̶x̶̶ ̶(̶w̶̶e̶̶i̶̶ß̶̶,̶̶ ̶̶l̶̶a̶̶c̶̶k̶)̶ ̶̶b̶̶e̶̶k̶̶l̶̶e̶̶b̶̶e̶̶n̶, S̶p̶̶i̶̶e̶̶g̶̶e̶̶l̶̶b̶̶a̶̶h̶̶n̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶2̶̶ ̶̶u̶̶n̶̶d̶̶ ̶̶3̶̶
M̶ü̶̶l̶̶l̶̶e̶̶i̶̶m̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶d̶̶c̶-̶f̶̶i̶̶x̶̶ ̶(̶s̶̶p̶̶i̶̶e̶̶g̶̶e̶̶l̶)̶ ̶̶b̶̶e̶̶k̶̶l̶̶e̶̶b̶̶e̶̶n̶
h̶ä̶̶s̶̶s̶̶l̶̶i̶̶c̶̶h̶̶e̶̶ ̶̶p̶̶f̶̶a̶̶n̶̶n̶̶e̶̶ ̶̶v̶̶o̶̶m̶̶ ̶̶v̶̶o̶̶r̶̶m̶̶i̶̶e̶̶t̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶w̶̶e̶̶g̶̶s̶̶c̶̶h̶̶m̶̶e̶̶i̶̶ß̶̶e̶̶n̶
He̶̶r̶̶d̶̶s̶̶c̶̶h̶̶u̶̶b̶̶l̶̶a̶̶d̶̶e̶̶ ̶̶p̶̶u̶̶t̶̶z̶̶e̶̶n̶̶,̶̶ ̶̶e̶̶i̶̶n̶̶r̶̶ä̶̶u̶̶m̶̶e̶̶n̶
H̶a̶̶v̶̶e̶̶l̶-̶p̶̶e̶̶r̶̶l̶̶m̶̶u̶̶t̶̶t̶̶ ̶̶a̶̶u̶̶f̶̶ ̶̶k̶̶a̶̶d̶̶e̶̶w̶̶e̶-̶z̶̶i̶̶g̶̶a̶̶r̶̶e̶̶t̶̶t̶̶e̶̶n̶̶k̶̶i̶̶s̶̶t̶̶c̶̶h̶̶e̶̶n̶
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F̶e̶̶n̶̶s̶̶t̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶p̶̶u̶̶t̶̶z̶̶e̶̶n̶̶ ̶(̶4̶̶ ̶̶f̶̶e̶̶n̶̶s̶̶t̶̶e̶̶r̶̶s̶̶c̶̶h̶̶e̶̶i̶̶b̶̶e̶̶n̶̶!̶)
S̶i̶̶l̶̶b̶̶e̶̶r̶-̶o̶̶b̶̶s̶̶t̶̶s̶̶c̶̶h̶̶a̶̶l̶̶e̶̶ ̶̶p̶̶u̶̶t̶̶z̶̶e̶̶n̶̶ ̶(̶e̶̶i̶̶l̶̶t̶̶ ̶̶n̶̶i̶̶c̶̶h̶̶t̶)
g̶r̶̶o̶̶ß̶̶e̶̶s̶̶ ̶̶z̶̶i̶̶m̶̶m̶̶e̶̶r̶:
I̶s̶̶o̶̶m̶̶a̶̶t̶̶t̶̶e̶̶n̶̶b̶̶e̶̶u̶̶t̶̶e̶̶l̶̶ ̶̶h̶̶e̶̶r̶̶v̶̶o̶̶r̶̶h̶̶o̶̶l̶̶e̶̶n̶̶,̶̶ ̶̶s̶̶o̶̶m̶̶m̶̶e̶̶r̶̶i̶̶n̶̶l̶̶e̶̶t̶̶ ̶̶s̶̶c̶̶h̶̶l̶̶a̶̶f̶̶s̶̶a̶̶c̶̶k̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶i̶̶n̶̶p̶̶a̶̶c̶̶k̶̶e̶̶n̶
Z̶e̶̶u̶̶g̶̶ ̶̶w̶̶i̶̶e̶̶ ̶̶v̶̶o̶̶r̶̶b̶̶e̶̶r̶̶e̶̶i̶̶t̶̶e̶̶t̶̶ ̶̶a̶̶u̶̶f̶̶ ̶̶ ̶̶s̶̶p̶̶i̶̶e̶̶g̶̶e̶̶l̶̶o̶̶v̶̶a̶̶l̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶a̶̶u̶̶f̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶m̶̶ ̶̶b̶̶o̶̶d̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶f̶̶i̶̶x̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶̶ ̶(̶a̶̶u̶̶g̶̶u̶̶s̶̶t̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶s̶̶t̶̶a̶̶r̶̶k̶̶e̶-̶k̶̶l̶̶e̶̶b̶̶e̶̶r̶̶!̶)̶,̶̶ ̶̶s̶̶p̶̶i̶̶e̶̶g̶̶e̶̶l̶̶f̶̶l̶̶ä̶̶c̶̶h̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶p̶̶o̶̶l̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
̶e̶̶b̶̶r̶̶a̶̶s̶̶t̶̶u̶̶h̶̶l̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶d̶-̶c̶-̶f̶̶i̶̶x̶̶ ̶̶s̶̶p̶̶i̶̶e̶̶g̶̶e̶̶l̶̶ ̶̶b̶̶e̶̶k̶̶l̶̶e̶̶b̶̶e̶̶n̶
d̶r̶̶i̶̶t̶̶t̶̶e̶̶s̶̶ ̶̶f̶̶e̶̶u̶̶e̶̶r̶̶z̶̶e̶̶u̶̶g̶
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A̶u̶̶g̶̶e̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶p̶̶a̶̶r̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶̶ ̶(̶u̶̶h̶̶u̶-̶b̶̶a̶̶s̶̶t̶̶e̶̶l̶̶k̶̶l̶̶e̶̶b̶̶e̶̶r̶)
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A̶u̶̶g̶̶e̶̶ ̶̶a̶̶u̶̶f̶̶ ̶̶s̶̶ä̶̶u̶̶l̶̶e̶̶ ̶̶m̶̶o̶̶n̶̶t̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
Wa̶̶s̶̶s̶̶e̶̶r̶̶f̶̶a̶̶r̶̶b̶̶e̶̶n̶̶s̶̶c̶̶h̶̶a̶̶c̶̶h̶̶t̶̶e̶̶l̶̶d̶̶e̶̶c̶̶k̶̶e̶̶l̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶a̶̶u̶̶g̶̶u̶̶s̶̶t̶-̶d̶̶e̶̶r̶-̶s̶̶t̶̶a̶̶r̶̶k̶̶e̶-̶k̶̶l̶̶e̶̶b̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶p̶̶a̶̶r̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
p̶a̶̶t̶̶i̶̶n̶̶i̶̶e̶̶r̶̶t̶̶e̶̶s̶̶ ̶̶g̶̶a̶̶g̶̶a̶-̶a̶̶t̶̶e̶̶l̶̶i̶̶e̶̶r̶-̶s̶̶c̶̶h̶̶i̶̶l̶̶d̶̶ ̶̶v̶̶e̶̶r̶̶g̶̶o̶̶l̶̶d̶̶e̶̶n̶
test̶n̶̶i̶̶c̶̶k̶̶e̶̶r̶̶c̶̶h̶̶e̶̶n̶schlafen
F̶e̶̶n̶̶s̶̶t̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶u̶̶n̶̶d̶̶ ̶̶b̶̶a̶̶l̶̶k̶̶o̶̶n̶̶t̶̶ü̶̶r̶̶ ̶̶p̶̶u̶̶t̶̶z̶̶e̶̶n̶̶ ̶(̶8̶̶ ̶̶f̶̶e̶̶n̶̶s̶̶t̶̶e̶̶r̶̶s̶̶c̶̶h̶̶e̶̶i̶̶b̶̶e̶̶n̶̶!̶)
B̶a̶̶l̶̶k̶̶o̶̶n̶:
T̶r̶̶e̶̶n̶̶n̶̶w̶̶a̶̶n̶̶d̶̶ ̶̶a̶̶n̶̶s̶̶t̶̶r̶̶i̶̶c̶̶h̶̶ ̶̶r̶̶e̶̶p̶̶a̶̶r̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶, ̶e̶̶v̶̶t̶̶.̶̶ ̶̶k̶̶o̶̶m̶̶p̶̶l̶̶e̶̶t̶̶t̶
̶Kü̶̶h̶̶l̶̶h̶̶o̶̶c̶̶k̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶w̶̶̶̶e̶̶̶̶n̶̶̶̶n̶̶̶,̶̶ ̶=̶ ̶̶g̶̶e̶̶l̶̶i̶̶e̶̶f̶̶e̶̶r̶̶t̶̶,̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶g̶̶e̶̶t̶̶r̶̶ä̶̶n̶̶k̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶p̶̶o̶̶n̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
K̶ä̶̶m̶̶m̶̶e̶̶r̶̶c̶̶h̶̶e̶̶n̶:
t̶e̶̶s̶̶t̶̶w̶̶e̶̶i̶̶s̶̶e̶̶ ̶̶k̶̶ü̶̶h̶̶l̶̶k̶̶ü̶̶b̶̶e̶̶l̶̶ ̶(̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶c̶̶k̶̶e̶̶l̶̶)̶ ̶̶a̶̶m̶̶ ̶̶a̶̶u̶̶ß̶̶e̶̶n̶-̶f̶̶e̶̶n̶̶s̶̶t̶̶e̶̶r̶̶b̶̶r̶̶e̶̶t̶̶t̶̶ ̶̶m̶̶o̶̶n̶̶t̶̶i̶̶e̶̶r̶̶t̶̶,̶̶ ̶H̶a̶̶l̶̶t̶̶e̶̶r̶̶u̶̶n̶̶g̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶w̶̶e̶̶i̶̶ß̶̶ ̶̶l̶̶a̶̶c̶̶k̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶̶,̶̶ ̶̶f̶̶r̶̶o̶̶n̶̶t̶̶s̶̶e̶̶i̶̶t̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶f̶̶a̶̶s̶̶s̶̶a̶̶d̶̶e̶̶n̶̶f̶̶a̶̶r̶̶b̶̶e̶̶ ̶̶k̶̶a̶̶s̶̶c̶̶h̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
B̶a̶̶d̶:
N̶i̶̶v̶̶e̶̶a̶̶ ̶̶m̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶h̶̶a̶̶u̶̶t̶̶c̶̶r̶̶e̶̶m̶̶e̶, ̶n̶̶e̶̶u̶̶e̶̶s̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶o̶̶ ̶̶u̶̶̶̶n̶̶̶̶d̶̶̶̶ ̶̶̶̶s̶̶̶̶c̶̶̶̶h̶̶̶̶m̶̶̶̶i̶̶̶̶n̶̶̶̶k̶̶̶̶z̶̶̶̶e̶̶̶̶u̶̶̶̶g̶̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶n̶̶e̶̶h̶̶m̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶u̶̶n̶̶d̶̶ ̶̶i̶̶r̶̶g̶̶e̶̶n̶̶d̶̶w̶̶o̶̶h̶̶i̶̶n̶̶ ̶̶s̶̶t̶̶e̶̶l̶̶l̶̶e̶̶n̶
̶n̶̶e̶̶u̶̶e̶̶ ̶̶r̶̶o̶̶l̶̶l̶̶e̶̶ ̶̶k̶̶l̶̶o̶̶p̶̶a̶̶p̶̶i̶̶e̶̶r̶
A̶b̶̶f̶̶l̶̶u̶̶s̶̶s̶̶r̶̶o̶̶h̶̶r̶-̶a̶̶b̶̶l̶̶a̶̶g̶̶e̶̶b̶̶r̶̶e̶̶t̶̶t̶̶ ̶̶a̶̶u̶̶s̶̶ ̶̶l̶̶ ̶-̶ ̶̶r̶-̶s̶̶c̶̶h̶̶i̶̶l̶̶d̶̶ ̶̶z̶̶u̶̶s̶̶c̶̶h̶̶n̶̶e̶̶i̶̶d̶̶e̶̶n̶̶,̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶f̶̶o̶̶l̶̶i̶̶e̶̶ ̶̶b̶̶e̶̶z̶̶i̶̶e̶̶h̶̶e̶̶n̶̶ ̶(̶w̶̶e̶̶i̶̶ß̶̶ ̶̶o̶̶d̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶s̶̶p̶̶i̶̶e̶̶g̶̶e̶̶l̶̶,̶̶ ̶̶t̶̶e̶̶s̶̶t̶̶e̶̶n̶), f̶i̶̶x̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
E̶n̶̶d̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶d̶̶u̶̶s̶̶c̶̶h̶̶v̶̶o̶̶r̶̶h̶̶a̶̶n̶̶g̶̶s̶̶t̶̶a̶̶n̶̶g̶̶e̶̶ ̶̶l̶̶a̶̶c̶̶k̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶
̶te̶̶s̶̶t̶̶d̶̶u̶̶s̶̶c̶̶h̶̶e̶̶n̶