The Doors Alive im Quasimodo. Hat mans mal gesehen. Der Brite Mike Griffioen gibt Jim Morrison, Norbert Varga spielt Ray Manzarek. Auch ein Gitarrist, Baz Meyer und ein Drummer, Buzz Allan sind mit dabei. Die Gruppe wird gerne als die überzeugendste Doors-Coverband bezeichnet, wobei man schon sagen muss, dass die äußerlichen Eckdaten des Sängers, inclusive des Schnitts seiner Lederhose schon gut für die Rolle geeignet sind. Auch die Stimmlage und Stimmfarbe und der Gesang sind verblüffend. Er gibt auch sehr viel im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber als Reinkarnation würde ich das nicht bezeichnen wollen. Jenny, die mitkam, fand ihn total ausstrahlungsarm, Ina hat sich auf die musikalischen Wiedererkennungseffekte konzentriert, wir haben schon auch getanzt, aber der richtige Drive oder gar Magie wollte sich nicht einstellen. Dafür hätte es ein paar Drogen gebraucht, die nicht verfügbar waren. Jenny hat eine ganze Weile nach dem passenden Wort gesucht, das bezeichnet, in welchem Ausmaß Mike Griffioen Jim Morrisons Performance verinnerlicht hat, es wollte ihr nicht einfallen. Ich machte Angebote: „adaptiert“? „absorbiert“? „inhaliert“?. Sie schwankte. Der Sound war recht undifferenziert gemischt, um nicht zu sagen versuppt, und so ganz aufeinander eingespielt war die Rhythmusabteilung auch nicht. War dennoch ein launiger Abend. Ich fragte mich allerdings, ob die echten Doors nicht vielleicht auch vom Tempo her ein bißchen behäbig waren, manche Rhythmen sind arg schunkelig. Der Kult beruht schon stark auf dem Charisma von Jim Morrison und den absoluten super Hits wie „Light my Fire“, „Riders on the Storm“, „The End“ oder „Spanisch Caravan“ oder „She lives on Love Street“ und dem „Alabama Song“. Schon großartige Nummern. Reicht ja auch, so sechs, sieben Songs im Rock-Olymp. Was ich allerdings ganz klar als Erkenntnis mitgenommen habe, ist das Potenzial der Frontmann-Pose von Jim Morrison als Role Model. Rocksänger, die sich stehenderweise auf der Bühne, ohne umgehängte Gitarre ein wenig verloren fühlen, sollten sich einfach mit einem kraftvollen Griff mit beiden Händen am Mikro festhalten, das hat so eine subtile Erotik und erfordert auch keinerlei tänzerisches Können. Das sollte eigentlich jeder hinkriegen. Nur mal so als Tipp. Jedenfalls besser, als mit den Händen in den Hosentaschen auf der Bühne zu stehen. Anschließend haben wir noch was in der nahe liegenden Paris Bar getrunken. Am Nachbartisch war ein etwas bizarres Publikum, wie man das beobachtenderweise auch mal amüsant finden kann, zeitweise. Darunter eine schrille Dame mit Schlauchbootlippen und Polizeimütze und anstrengender Tonlage. Aber das Bier war o.k. Obwohl es spät war, wurde diesmal nicht geraucht. Lag daran, dass Michel Würthle nicht da war, der sonst den Auftakt macht, und dem sich dann der Rest anschließt. Aber dann wäre der Abend sicher noch länger geworden. Beim Gehen traf ich auf den Fotografen André Rival mit lustiger Mütze, lange nicht mehr gesehen. Er hatte mitbekommen, als ich erzählte, warum mir die Lust am Fotografieren vorläufig abhanden gekommen ist, und ich wieder male, er schien es zu verstehen. Die paar Schnappschüsse hier sind eher beiläufig, ohne echtes Herzblut entstanden. Kein sentimentales Archiv.


2 Antworten auf „24. Oktober 2018

  1. Mitunter haben Selbstdarsteller, die sich vereinzelt in der Dosierung vergreifen, durchaus einen felliniesken Reiz, dem ich mich nicht entziehen kann. Zeitweise. Mir sind aber auch schon angenehme Überraschungen in dem genannten Lokal widerfahren, alles dabei.

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