16. September 2019

Aus meinem goldenen Notizbuch XXXI.
14. Sept. 2019:

„U 8 – „Berliner Fenster“ (Fernseher an der U-Bahn-Decke)
„DROGEN-SPÄTI IN SCHÖNEBERG HOPSGENOMMEN“

Ok. Das ist ja einleuchtend. Es wurde nächtens nicht nur Snickers über den Tresen geschoben, sondern auch Riegel mit Pilzen, Koks etc. pp. Aber schreibt man „hopsgenommen“ wirklich zusammen? Müsste es nicht richtiger heißen „hops genommen“? Auf jeden Fall eine sehr schöne Redewendung, die man viel zu selten in den Nachrichten hört und liest. Danke, Berliner Fenster fürs in Erinnerung bringen!

Diese U-Bahnfahrt am (mittlerweile vor-)gestrigen Samstag Nachmittag wurde durch mein Gewissen initiiert. Die Blümchen in meiner Werkstatt mussten gegossen werden, die Sonne gab noch mal alles. Aber ich holte auch eine bislang unbenutzte Trinkflasche aus Stahl, die mir die Charité neulich geschenkt hat, als Dankeschön für meine Bereitschaft, mich von Kopf bis Fuß untersuchen und ausmessen und befragen zu lassen.

Am 4. September 2019 hatte ich die zweite Untersuchung als Langzeit-Probandin (lebenslänglich, bis zu meinem Tod) für die Studie vom Bundesgesundheitsministerium zur Erforschung von Volks- und Zivilisationskrankheiten. Die Voraussetzung für die Teilnahme ist nicht, dass man eine solche Erkrankung hat, sondern dass einen der Zufallsgenerator ermittelt hat. So bei mir geschehen. Diesmal gab es neue Untersuchungen und neue Fragen. Ich musste zum Beispiel ganz viele Fragen zu meinen Musikhörgewohnheiten beantworten, wie oft, welche Musik, und ob ich selbst musiziere oder singe.

Ein ausgesprochen ansehnlicher dunkelblonder Medizinstudent mit sommerlich keck geöffnetem Hemd, das sein Brusthaar im Ansatz freigab, fragte mich dann auch noch recht intime Sachen, die aber von seinem Computer vorgegeben waren. Er hat meine gute Vorbereitung gelobt, da ich alles flüssig beantworten konnte. Auch musste ich Zahlenreihen, die der Computer vorsagte, rückwärts aufsagen. Bis zu 10 verschiedene Zahlen, auch zweistellige. Eine neunstellige hatte ich komplett richtig! Obwohl ich mir solche Sachen total ungerne merke, ich hasse Gedächtnisspiele wie die Pest! Es interessiert mich nicht die Bohne! Die Zahlen konnte ich mir nur deshalb teilweise so erstaunlich gut merken, weil ich fluchs Eckdaten meiner Biografie identifizierte. Als zum Beispiel die Zahl 86 mit in der Reihe war, konnte ich sie mir als das Jahr merken, in dem ich nach Berlin zog. Oder 21, als das Alter, in dem man früher volljährig war. Oder 45 für Kriegsende – ok, eher indirekt meine Biographie – usw. usf. Es waren aber auch immer ein, zwei Fehler bei den meisten meiner Reihen drin. Die fehlerlose 9-er-Reihe war eher Glückssache.

Ich musste auch offenlegen, ob ich Medikamente oder Drogen konsumiere. Ich gestand, dass ich hin und wieder Aspirin nehme, wenn ich qualitativ unzulänglichen Wein trinken musste. Damit waren beide Fragen beantwortet. Mein Lungenvolumen beträgt 5 Liter, obwohl ich nur 4,1 Liter benötigen würde. Ein Erfolgserlebnis für mich, da man mir noch vor zwanzig Jahren einen Lungenschaden und eine unterdurchschnittliche Lungenfunktion attestierte (ich hatte ca. vierzig Jahre Asthma, seit vierzehn Jahren spurlos verschwunden – Ernährung umgestellt). Seit ich keine Atemprobleme habe, rauche ich auch ab und zu mal gerne, aber unregelmäßig. Fällt nicht ins Gewicht. Der Augenhintergrund wurde auch fotografiert, der helle Blitz ist nicht schön, wenn ausgelöst wird, tut aber nicht weh. Die Fotos davon und die Auswertung kommt wieder per Post und am 30. September 2019 habe ich wieder ein Ganzkörper-MRT in Berlin-Buch, können nur Leute ohne Rückenprobleme machen. Ist im Grunde Folter. Eine ganze Stunde regungslos zu liegen und nicht einmal mit der kleinen Zehe zu wackeln, ist maximale Anstrengung. Grenzwertig! Aber eine tolle Untersuchung, die ich mir sonst niemals leisten würde. Hoffe, sie finden nix, fühle mich sehr fit. Toi, toi, toi!

Die Trinkflasche habe ich dann mit eiskaltem Champagner eingeweiht, den ich neulich geschenkt bekommen habe, und der Proviant für einen abendlichen Kinobesuch mit Jenny war. Wir haben uns den Gloria-Film mit Julianne Moore im Kant-Kino angeschaut. Danach in ein französisches Restaurant am Stuttgarter Platz, wo wir ein bißchen – nein falsch: sehr – vom Service der dort tätigen Dame enttäuscht waren. Eine erlesene Flasche Wein zu bestellen ist schon erwünscht, aber eingießen darf man dann selber. Wohl eine Fehlinterpretation moderner Zeiten, wie mir scheint. Aber der Abend war trotzdem schön, wir haben uns wie immer blendend unterhalten, unter anderem über die Unattraktivität des männlichen Hauptdarstellers, mit dem Gloria Küsse austauschen musste, und ich habe weitere Kapitel aus meinem vergangenen Liebesleben zum Besten gegeben. Wir sind aber noch nicht durch, demzufolge müssen wir uns noch für weitere Abende verabreden. Ordnung muss sein!

12. September 2019

In zwei Minuten (muss ganz bald schlafen gehen) schaffe ich keinen grandiosen Eintrag. Es gibt aber einen neuen Vermerk in meinem goldenen Notizbuch, und da Jens mich nun schon zweimal in den letzten zwei Wochen darauf ansprach, wann denn mal wieder ein Eintrag aus dem Goldenen Notizbuch käme, hatte ich gestern die Augen auf und fand etwas Bemerkenswertes. Wieder einmal in der S-Bahn, morgens.

Aus meinem goldenen Notizbuch XXX.

  1. Sept. 2019:

„S 7 Hackescher Markt – Zoo
Klassenausflug (Jungs + Mädchen) belegen einen halben Waggon, 9 Jahre alt, 3 Freundinnen sitzen ganz eng, halten Händchen. Zu dritt! Und unterhalten sich + kichern. Die ganze Zeit die Patschhändchen zusammen, so süß!“

Zuerst dachte ich mir beim Betreten des Abteils so, ob das alles so angemessen ist, dass diese jungen gesunden kleinen Menschen mindestens die Hälfte aller Sitzplätze einnehmen, während ältere Zusteigende wie ich stehen müssen, ob sie übermüdet und vom Alkoholgenuss des Vorabends geschwächt sind oder nicht. Dann fand ich nachsichtig zu dem Gedanken, dass es die Aufpasserinnen oder in dem Fall Lehrkräfte (zwei Frauen) ja auch nicht leicht haben, die Rasselbande unter Kontrolle und im Überblick zu behalten, da ist das eine vereinfachende logistische Maßnahme. Ich erfreute mich dann an den zum Teil sehr hübschen und anmutigen jungen Menschen. Stellte zum Beispiel fest, dass mir trotz des sehr jungen Alters schon auffiel, wer mir als erwachsener Mann voraussichtlich mal vom Typ her gefallen könnte. Einen fand ich besonders interessant, auch die Haarfarbe gefiel mir.

Aber dann wanderte mein Blick in die andere Richtung, wo lauter Mädchen nebeneinander saßen. Immerhin haben sie sich so dicht hingesetzt, dass auf zwei Plätzen drei Mädchen Platz fanden. Sie hatten keinerlei Berührungsängste oder Animositäten untereinander. Bei Erwachsenen ist ja doch eher der Wunsch, leicht separiert vom Nachbarkörper zu sitzen, außer es ist eine sehr gute Freundin. Beim Geliebten ja sowieso, das muss nicht weiter erklärt werden. Was mir aber als so bemerkenswert auffiel, war das Händchenhalten von drei Freundinnen, die eifrig miteinander plauderten und kicherten und sich von Herzen gerne hatten. Die Selbstverständlichkeit, wie die beiden Mädchen rechts und links von der Freundin in der Mitte, ihre kleinen Hände auf die Hand der mittleren Freundin legten. Die ganze Zeit, so selbstverständlich, wie man es sieht, wenn ein Brautpaar heiratet, die Hände aufeinandergelegt werden, und der Priester zum Segen auch noch seine Hand auf die beiden legt. So sind sie durch Berlin gefahren. Von der Ost- in die Westcity, ganz selbstverständlich.

Unvorstellbar, dass drei erwachsene Freundinnen so in der S-Bahn sitzen würden. Schade eigentlich. Man wäre gleich im Blickpunkt und die Mitfahrer würden überlegen, ob man erotisch verbandelt ist oder in einer Sekte oder dergleichen. Es war ein schöner Anblick, so ein unschuldiger, inniger Ausdruck von Freundschaft. Weil ich neugierig war, wie alt die Kinder sind, habe ich mir gestattet zu fragen, welche Altersgruppe die Kinder sind, die eine begleitende Lehrerin stand direkt neben mir und tauschte sich mit der anderen über die Vorgehensweise beim Aussteigen am Bahnhof Zoo aus, welcher Teil der Kinder welchen Ausgang nehmen soll. Die Lehrerin beantwortete meine Frage nicht selbst, sondern nahm die Frage zum Anlass, die ihr am nähesten sitzenden drei Kinder zu fragen, wie alt sie sind. Sie wusste es bestimmt, aber wollte die Kinder einbeziehen. Zwei mussten ein bißchen überlegen, eine sagte „Neun!“ Die anderen nickten dann. Also Neun. Manche vielleicht auch erst Acht aber bald Neun.

Das fand ich sehr interessant. Ich hätte nämlich gedacht, dass es noch etwas jüngere Kinder sind, so zwischen Sechs und Sieben. Da habe ich wohl von alten Fotos von mir selber von meiner Einschulung oder der ersten Klasse auf diese Berliner Kinder im Jahre 2019 geschlossen. Ich war ein recht großes Kind, immer das größte Mädchen in der Klasse. Manchmal war es mir sogar peinlich, weil ich damit ein bißchen Außenseiterin war. Ich war ja trotzdem nicht weiter entwickelt, noch dazu extrem schüchtern. Später habe ich Frieden damit geschlossen, dass ich hundertachtzig Zentimeter groß bin. Oder war.

Neulich bei der zweiten Untersuchung zur Charité-Studie, wo ich seit vier Jahren Langzeit-Probandin zur Erforschung von Volks- und Ziviliationskrankheiten bin, wurde ich (u. a.) wieder gemessen und gewogen. Das Gewicht wollte ich gar nicht wissen, solche Zahlen machen einen nur nervös. Aber die Größe hat mich schon interessiert, weil man angeblich wieder kleiner wird, wenn man ein bißchen älter ist. Ich habe mich ordentlich gereckt, und trotzdem waren es nur knapp 178 Zentimeter. Das hat mich ein bißchen geärgert. Es war aber schon Nachmittag, und ich habe schon mal bemerkt, dass man unterschiedlich groß ist, je nach Tageszeit. Am nächsten Tag habe ich mich dann gleich nach dem Aufstehen gemessen und einen Strich an den Türrahmen gemacht und das Maßband hat original 180,7 Zentimeter angezeigt, wie damals, als ich halb so alt war! Das hat mich erleichtert. Meine Freundin Sabine hat mir dann erklärt, dass das etwas mit Wasser in den Bandscheiben zu tun hat, das über Nacht eingelagert wird, und sich im Laufe des Tages dann wieder abbaut. Meinethalben. Mir egal. Hauptsache ich schrumpfe nicht zum Zwerg! Man fühlt sich einfach jünger, wenn körperlichen Gegebenheiten so bleiben, wie sie schon zu jungen Zeiten waren.

Jetzt muss ich aber wirklich schlafen gehen. Ich habe kein perfekt passendes Foto zu dem Eintrag parat, aber vor ein paar Jahren immerhin mal ein paar kleine Jungs in der S-Bahn eingefangen. Also nicht ganz am Thema vorbei.

09. September 2019

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Ich war vor einer Woche in meinem Atelier und hatte nach Ewigkeiten die Kamera dabei – hatte ich ja berichtet. Und da war dieses eine unscharfe Bild von der einen rot und orange gestreiften Ecke, wo man sich hinlegen kann. Also ich mich hinlegen kann – weiter legt sich da ja keiner hin, ist ja kein Hotel. Ich habe das blöde unscharfe Bild dringelassen, zum steten Gedenken, dass ich die Bilder ohne Lesebrille auf der Nase gemacht habe. Das hat mich dann aber doch gefuchst, dass ich gerade die Ecke so unzulänglich erwischt habe. Ein paar Tage später habe ich noch mal die Kamera mitgenommen, eigentlich nur um von dieser einen Ecke wenigstens ein scharfes Bild zu machen. Aber dann ja – dann… fiel mir auf einmal auf und ein, welche Ecken ich ja außerdem auch nicht fotografiert hatte. Dann ging es wieder los. Kurz und gut, ich habe noch mal mindestens genauso viele Bilder gemacht wie ein paar Tage zuvor, am ersten September. Jetzt ist es aber auch gut. So gut wie alle wieder in Farbe. Nur für diesen Eintrag hab ich zwei in Schwarzweiß, aus Nostalgie. Es waren ja viele Menschen über einen langen Zeitraum überzeugt, ich würde nur schwarzweiße Fotografien machen. Dass die Aufnahmen aus meiner Werkstatt nahezu ausnahmslos in Farbe sind, liegt daran, dass ich Farben liebe, und zwar alle. Ich konnte die Farbigkeit ja selbst bestimmen, wie der liebe Gott. Wenn Farben grandios sind, habe ich kein Interesse, die Farbe bei einer Fotografie zu unterschlagen. Das war schon immer so. Ich habe jedoch in der Vergangenheit häufig Bühnensituationen eingefangen, die sich selten durch eine stimmige Farbdramaturgie bei Bühnenlicht und Bühnenkleidung ausgezeichnet haben, daher häufig die Reduktion auf Wesentliches in Schwarzweiß. Wer einen weiteren detailverliebten Spaziergang durch meine bunte Werkstatt machen möchte, hat nun noch umfassendere Gelegenheit herumzuflanieren und zu stöbern. Hier die ganze neue Strecke mit weiteren Winkeln und Zeug aus allen Himmelsrichtungen. Nur die Stuckdecke hab ich nicht fotografiert. Na ja – Mut zur Lücke heißt es ja immer – der Stuck ist ja nun auch nicht mein eigenes Werk. Jetzt ist die Kamera wirklich wieder im Ruhestand. Bis zu einem schönen, unbekannten Tag.

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05. September 2019

Ein sehr interessantes Filmdokument aus dem Jahr 1928! Damals war die Bildqualität ja noch sehr dürftig (Nitrofilm), aber die Damen verstanden sich wohl zu amüsieren. Offenkundig spielte auch Alkohol eine nicht zu unterschätzende Rolle bei diesem leicht bekleideten Tanzvergnügen in einem Charlottenburger Etablissement. Das wäre heute in der Form ja gar nicht mehr möglich. Aber machen Sie sich selbst ein Bild!

P.S. Wikipedia, Nymphe:

„Eine Nymphe (altgriechisch Νύμφη nýmphē „Braut, junge Frau, heiratsfähiges Mädchen“) ist in der griechischen und römischen Mythologie ein weiblicher Naturgeist. Im weiteren Sinne wird die Bezeichnung auch für Priesterinnen gebraucht. In der griechischen Mythologie sind Nymphen weibliche Gottheiten niederen Ranges, die als Personifikationen von Naturkräften überall auftreten und teils als Begleiterinnen höherer Gottheiten wie des Dionysos, der Artemis oder der Aphrodite, teils als selbstständig wirkend gedacht wurden. Sie galten als die – vorwiegend – wohltätigen Geister der Orte, der Berge, Bäume, Wiesen oder Grotten, sind aber nicht immer an dieselben gebunden, schweifen vielmehr frei umher (!), führen Tänze auf (!!), jagen das Wild, weben in kühlen Grotten, pflanzen Bäume und sind auf verschiedene Weise den Menschen hilfreich. Geräuschvolle Tätigkeiten der Menschen meiden sie aber. Nymphen galten wie die Menschen als sterblich. Sie sollten allerdings wesentlich länger leben – bis hin zu Fast-Unsterblichkeit und ewiger Jugend.(!!!)“

02. September 2019

Heute lüfte ich zwei Geheimnisse. Das erste Geheimnis ist, wie ich aussehe, und das zweite Geheimnis ist, wo ich mich herumtreibe. Gestern habe ich zum ersten mal seit fast einem Jahr meine Kamera aus dem Schrank genommen, um wenigstens einmal in diesem Jahr, am Geburtstag, ein Foto zu machen. Ich hatte dann nach anfänglichem Fremdeln doch recht schnell wieder den Bogen raus und hatte fast ein nostalgisches Gefühl, ich fühlte mich direkt jünger, es wurde dann doch nicht nur ein Foto.

Und dann bin ich in meine Werkstatt gefahren, mein kleines Atelier in der Schierker Straße. Ich hatte die Kamera in der Tasche und erst vor, vielleicht mal eine flotte Filmsequenz durch alle Räume zu machen, aber dann war noch der Foto-Modus drin und ich habe wieder angefangen Fotos zu machen. Weil ich es noch so in Erinnerung hatte, habe ich die Fotos ohne Brille auf der Nase geschossen, deswegen ist auch ein super verschwommenes dabei, das von der roten Sitzecke mit den Kelimkissen. Ich habe es in der Reihe gelassen. Ein historisches Dokument meiner Eitelkeit! Dabei wäre die Ecke so fotogen, so ein schlechtes Foto hat sie nicht verdient. Ich habe dann mal schnell in alle möglichen Ecken fotografiert, aber doch nicht alles eingefangen, aber schon eine Menge. Das ist also der Ort, an dem ich den größten Teil meiner freien Zeit verbringe, seit einem Jahr nun schon.

Es ist ein besonderer Ort, man vergisst vollkommen, in welchem Bezirk man sich befindet, das Einzige was der Kultur der näheren Umgebung entspricht, sind die orientalisch gemusterten Fliesen auf dem kleinen Balkon. Einige Freundinnen habe ich in diesem Sommer schon auf den Balkon eingeladen, wir haben dann getrunken, gegessen und geplaudert, und ich habe erzählt, was ich mir bei den Sachen gedacht habe, die ich dort fabriziert habe. Bzw. nicht gedacht. Mit Denken hat das nicht so viel zu tun, was ich da treibe. Am besten gefällt mir immer, wenn mir jemand erzählt, was beim Betrachten so durch den Kopf geht. Sehr interessant.

Ich erzähle dann auch gerne, dass ich eigentlich immer nur aufräumen will, dann fällt mir beim Ausmisten was in die Hand, das zu schade zum Wegschmeißen ist, aber auch keinen rechten Sinn mehr ergibt. Wenn es sich dabei um Metall handelt oder goldfarbene Teile, muss ich daraus irgendwas Glamouröses fabrizieren. Damit also nicht immer nur von meiner Werkstatt die Rede ist, sondern auch mal was zum Anschauen vorhanden, habe ich gestern ausnahmsweise diese Bilder gemacht, zur Feier des Tages. Jetzt ist die Kamera wieder in ihrem Versteck und darf weiter ausruhen, bis zum nächsten September. Hier sind die vielen bunten Fotos von gestern versteckt.

02. September 2019

Diese exorbitante Hortensie hat mir gestern Ina mitgebracht, sie stammt aus ihrem Garten. Tolles Ding, ein Blumenstrauß mit hundert Blumen aus einem Blumenladen hätte mich nicht mehr begeistern können. Steht jetzt auf meinem kleinen Balkon hintenraus zum Hof, da hat sie ein bißchen Schatten, den sie mag.