Gut. Wir müssen uns erst noch näher kennenlernen. Mein Neuer, Herr Senkbeil, mein Zahnarzt und ich. Alte Praxis, neues Team. Ein paar Mal hat er mich jetzt ja schon behandelt, immer Routine-Untersuchung. Letzte Woche Füllungen erneuert, heute eine Messung am Zahnfleisch. Ich schließe schon immer die Augen, um mich proaktiv bei jeglichen Behandlungen in Träumereien zu flüchten – bis er wieder anfängt zu dozieren.
Mit durchaus angenehmer Stimme erklärt er beflissen genau, was er macht, das hat er vielleicht an der Uni gelernt. Oder in einem Workshop von der Krankenkassenvereinigung, dass der Patient – und die Patientin sowieso – einen Anspruch auf vollumfängliche Aufklärung über die einzelnen Behandlungsschritte hat. Qualitätsmanagement! Service am Patienten!
Ob die Sorte Patientin wie ich dort auch behandelt wurde, also thematisiert wurde, meine ich, wage ich zu bezweifeln. Ich vertraue zu hundert Prozent auf seine Expertise, er wird doch wohl hoffentlich die Prüfung bestanden haben und sein Handwerk verstehen, gehe ich einfach mal von aus. Misstrauisch werde ich erst, wenn gepfuscht wird. We’re gonna cross that bridge, when we come to it!
Als er fertig gemessen hatte, wurde ich zum Bildschirm gebeten, der das Röntgenbild von neulich zeigte und neu, aufgrund der heutigen Messung eingefügte, farbige Markierungen und Zahlen. Er hob nun an, mir die Bedeutung der verschiedenen Farben zu erläutern und welche Schritte nun folgen würden, sobald die Krankenkasse die Behandlung genehmigt hat.
Ich merkte an, so genau müsse ich das jetzt auch nicht wissen, da ich ja kein Studium der Zahnmedizin plane. Mildes Lächeln (beide; er und ich). Er: „wenn dann die Genehmigung vorliegt, kann die Behandlung losgehen und dann müssen wir uns vorher nur noch 1 x sehen.“ Ich: „Wieso müssen wir uns vorher noch einmal sehen?“ Er: „Das ist von der Kasse vorgeschrieben, ein Aufklärungsgespräch, wo dem Patienten noch einmal alles ERKLÄRT wird.“
Ich: „Dann kann ich danach ja wahrscheinlich eine Prüfung ablegen!“ Er (verdreht leicht die Augen): „Ja, vermutlich.“ (mit gesenkter Stimme, erkennbar entschuldigend:) „Ist so eine VORSCHRIFT.“ Okay. Okay. Reden wir wirklich von einer routinemäßigen Parodontitis-Prophylaxe oder habe ich etwas verpasst und er plant eine Kopf-Transplantation?
Es ist zwar löblich, dass für speziell wissensdurstige Hobby-Studenten der Zahnmedizin fachliche Auskünfte auf Hochschulniveau angeboten werden, zumal ohne Studiengebühren dafür zu verlangen, aber ich würde mich an der Stelle sehr gerne exmatrikulieren.
Oder vielleicht um eine Vollnarkose während der Belehrung bitten. Natürlich nur, falls es von der Krankenkasse genehmigt wird. Nach vorheriger Belehrung über die Risiken der Narkose. Extra Termin!



























































































































































