
Gestern Abend mit Freunden im Luna d’Oro im Clärchen gewesen. Zehn Leute an einem Tisch, im Alter von ca. 5, 17, 40, 45, 47, 48, 49, 60, 61 und 63. Aus Blödsinn, aber auch mit einem Körnchen Wahrheit (von wegen immer an einen evt. Prompt für ein Erinnerungsbild denken), stellte ich jeweils aufmerksam fest, was jede/r anhat, wie der Anhänger von einer Halskette ausschaut, fragte scheinheilig, ob es sich nur um ein Oberteil oder ein Kleid handelt, denn ich sah nicht alle von Anfang an komplett, da sie schon saßen, ich kam etwas später hinzu. Hatte gestern extreme Kreislaufschwankungen, es war schwül, dann kam die Migräne aus ihrem Rattenloch. Ich warf Eletriptan Blufish ein, was überraschend bald half und ich konnte mich doch zum Clärchen begeben. Kann sein, dass ich das avisierte Gruppenbild am Tisch niemals zaubere, aber ich amüsierte mich und die anderen mit meinen detailverliebten Feststellungen, auch dass es interessanterweise kein einheitliches Essgeschirr gab, sondern bunt zusammengewürfeltes Porzellan, wie vom Flohmarkt. Aber schöne Muster dabei. Ich nahm leider nicht die Königsberger Klopse, wie ich ursprünglich vorhatte, weil eher Appetit auf die Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Das Gericht kam leider nicht wie von mir imaginiert.

Es entsprach nicht meinem Prompt! Ich war der inneren Überzeugung, wenn man Kartoffelpuffer auf eine Karte setzt, zumal als Hauptspeise, käme da ein Teller mit mindestens 3 – 4 knusprig kross gebackenen Kartoffelpuffern, natürlich dem Apfelmus, aber vielleicht auch noch mit einer kleinen Raffinesse wie einem Lachs-Schnipselchen, Crème fraîche, Petersiliendeko. Meine blühende Phantasie eben. Was kam, war ein einziger großer Fladen, den Teller in Kuchenteller-Größe bedeckend, darüber Apfelmus gegossen. Fertig. Am Rand schon ein bisschen kross, aber in der Mitte zwangsläufig gar nicht. Eine Art Pfannkuchenformat aus Kartoffelpufferteig sozusagen. Der Geschmack war ganz gut, aber mehr so kindgerecht, ich hätte mir da direkt wieder groben Pfeffer drübergemahlen, wäre eine Pfeffermühle da gewesen. Danach war ich pappsatt, aber eher gelangweilt pappsatt, wie nach einer Schüssel Haferflocken (ess ich nie). Das Pils war ganz gut, habe zwei getrunken. Bemerkenswert, weil ich normalerweise nachdem ich Triptan genommen habe, platt bin und zu wackelig, um Alkohol zu trinken, habe auch nie Appetit drauf, bei div. anderen Triptanen.

Wir hatten einen schönen Abend, waren uns aber auch recht einig, dass der Geräuschpegel der dudelnden Mainstream-Popmusik eher störend war, ein undefinierbares Mischmasch von Beats und Tönen, die man nicht als Musik genießen konnte. Dazu das große Raunen von vielen Menschen an vielen Tischen, die sich unterhalten. „Wie in einer Schankhalle“, wie Jenny so treffend meinte. Das könnte das Clärchen noch optimieren, das Gedudel entweder abzustellen oder dafür irgendeine ruhigere Hintergrundmusik wählen. Und vor all mit einer besseren Beschallungsanlage. Aber eigentlich hätte ich gar keine Musik von einer Anlage gebraucht. Der Laden war voll, kann sein, dass es sich in anderen Ecken besser anhörte. Das Hähnchen sah auch gut aus, das sich einige bestellt hatten und Broiler genannt wurde.

Als alter Wessi ist mir der Begriff nicht so geläufig, zumal in zeitgenössischer Gastronomie. Ich kenne den Ausdruck natürlich, verbinde damit aber den Jargon einer Imbissgastronomie. Evt. eine Bildungslücke. Ich weiß gar nicht, ob in anspruchsvolleren Restaurants der früheren DDR auch Broiler auf der Karte standen, also so bezeichnet, meine ich. In Bayern, wo ich aufgewachsen bin, oder eben in meiner Familie, hieß es Hähnchen und im Wienerwald, wo man gerne mit der ganzen Familie hinging: „Hendl“. „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald!“ ging die Werbung. Die Königsberger Klopse der anderen am Tisch sahen gut aus, mit schönem, cremig aussehenden Kartoffelbrei serviert, hätte mir sicher besser geschmeckt. Doro meinte, die Klopse waren okay, aber auch nicht exorbitant herausragend. Das Kleid, das ich gestern anhatte, und in der Körpermitte keine Taille zeigt, habe ich aus zwei Gründen angezogen. Es ist leicht und luftig, man spürt es kaum und ich konnte damit Solidarität mit meiner (biologisch bedingt) derzeit in der Mitte dickeren Freundin Lydia Solidarität demonstrieren. Es gab am Tisch auch viel Gesprächsstoff zum Thema Kinderkriegen, was mich erstaunlicherweise keine Sekunde langweilte. Ich fand alles interessant, musste kein Interesse heucheln. Wohl, weil es Geschichten aus dem wahren Leben waren und auch, weil ich einfach mitfiebere. Ich war zuletzt vor vierzig Jahren an einer Freundin näher dran, die ein Baby erwartete. Nun sind es sogar zwei und da ergeben sich zusätzliche Fragestellungen. Am Tisch war die geballte weibliche Mama-Fachkompetenz. Mehr ging nicht!


































































































































































































