
Gute Nacht Kairo. Gute Nacht Berlin. Der heutige Tag war bis zum überlaufen voll mit Eindrücken. Die Sphinx. Schöne Begegnungen mit ägyptischen Mädchen, Teenies, die mir bei den Pyramiden zuwinkten und Selfies mit mir machen wollten. Natürlich gemacht. Jede bestand auf ein einzelnes mit ihrem jeweiligen Smartphone. Hab die ganze Clique eingefangen, die waren so verrückt auf Fotos. Mein Wüstenhut hat sie gefesselt. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, zu wagen, sie nach Fotos zu fragen. Wunderbar lebhafte Schnappschüsse sind es geworden. Bilder, die man niemals stellen könnte.
Und dann mit einem der „hop on“-Busse, die auf dem Pyramidenplateau rotieren, bis zum Great Gate, dem zweiten, dem Hauptzugang zum Pyramidenplateau. Von da auch wieder einen Fahrer aufgegabelt – oder er mich – wir uns – der mich zum eigentlich gar nicht soo weit entfernten Areal des GEMs fuhr, mit einer großen Schleife, aber egal. Man macht die Preise vorher, die haben ja keinen Taxometer, diese überwiegenden Hobby-Taxifahrer. Ich habe bis jetzt in Kairo oder Gizeh überhaupt noch kein Taxi gesehen, wo „Taxi“ am Auto stand. Mittlerweile habe ich keine Hemmungen mehr, solche Spontan-Angebote anzunehmen, da bisher ausnahmslos gute Erfahrungen damit gemacht.
Jedenfalls war ich dann also am GEM, weit früher als mein gebuchtes Zeitfenster zum Reingehen. Habe mich derweil im Halbschatten im Palmenhof aufgehalten, der vor dem eigentlichen Zutrittsbereich ist und konnte dann auch eine ganze Stunde früher hinein, schon um 14 Uhr.
Für das, was ich dort im GEM, dem neuen Grand Egyptian Museum sehen durfte, dafür finde ich kaum Worte. Ein Weltmuseum. Vielleicht das beeindruckenste auf unserem Planeten. Was die Architektur angeht, ganz sicher. Man muss aufpassen, dass man sich (wie ich) nicht zuviel davon gibt, dann kann man das einzelne Exponat gar nicht mehr angemessen würdigen. Abertausende Schätze. Man muss es selbst erlebt haben. Die ganze Ausstellungsdramaturgie ist sensationell. Eigentlich passen durchweg nur Superlative. Hochmodern, hochästhetisch, hochinspirierend.
In der großen Tutankhamun-Galerie, meiner letzten Etappe im Museum, war ich dann regelrecht erschöpft, erschlagen von so viel Pracht und Schönheit. Es sind sogar um die fünftausend Grabbeigaben aus Tutankhamuns Grab, das Howard Carter im November 1922 in Luxor entdeckte. Mir ein Rätsel, wie das alles in die vergleichsweise kleinen Gemächer des Grabes passte. Goldene Streitwagen darunter. Betten. Und last but not least die sieben Särge.
Danach bin ich abermals mit einem Fahrer, der sich angeboten hat, heim. „My Hotel is next to the Sphinx Gate, nearby, very close. Hat es gleich gefunden. Beim Bezahlen Geld getauscht. Sie nehmen gerne Euros, die Fahrer. So musste ich keine ägyptischen Pfund am Automaten holen. Die habe ich bislang noch gar nicht ausgegeben, aber ich wappne mich schon für Luxor.
Mir sind heute doch tatsächlich ein paar Pyramiden- und Menschen- und Kamel-Bilder abhanden gekommen, von fast einer guten Dreiviertelstunde Fotografieren. Unglaublich. Vielleicht hatte ich gar nicht ausgelöst. Da ich den Leise-Modus aktiviert habe, merke ich es bei einer schnellen Serie gar nicht zuverlässig, ob ich das Bild wirklich gemacht habe, bzw. die Kamera. Es ist bei grellem Sonnenlicht auch kaum noch auf dem Display auszumachen, was ich einfange. Häufig sind es Schnappschüsse auf Verdacht gewesen, allerdings basierend auf meinen vielfältigen Erfahrungen. Aber ich will morgen ja noch mal zur Sphinx, wollte sie sowieso noch von der anderen Seite anschauen. Man kommt ihr nicht so nah, dass man sie berühren könnte, aber sie berührt einen.
Oberhalb von ihr, und unterhalb der Cheops-Pyramide ist ein Bereich, wo Dutzende Kamele in Gruppen zusammenliegen, ausruhen, so lange keiner damit reiten will. Sie haben ganz fein gewebte, kunterbunte Decken auf dem Rücken, eine Augeweide. Dort riecht man auch ganz stark ihren Kamel-Dung. Ein zünftiger Geruch.
Ansonsten wehte trotz der angehenden Mittagshitze ein lauer Wind, der es bei den heutigen annähernd dreißig Grad erstaunlich gut aushalten ließ, auf dem weitgehend schattenfreien Wüstenplateau herumzulaufen.
Und nun aber Gute Nacht. Werde das Fenster nicht kippen, weil draußen seit mindestens einer Stunde eine Autoalarmanlage ein Dauer-Hupgeräusch macht. Sonst hört man tagsüber immer mal lustiges kurzes Hupen, das stört mich gar nicht, aber dieses Monotone, uiuiui. Ganz schön tolerant, diese Ägypter. Ansonsten konnte ich noch nicht über Lärm klagen.
In den Abendstunden gibt es immer wieder mal eine Art Laserstrahlen-Show, wo lange Lichtstrahlen um die mittlere Pyramide tanzen und dann kommt ca. eine halbe Minute dieselbe dramatische Musik wie aus einem Monumentalfilm. Jetzt gerade wieder, wo ich es schreibe! Stört mich gar nicht, ist nur einmal pro Stunde, ca. vier, fünf Mal am Abend.
Aber die Daueralarmhupe dürfte jetzt schon mal gerne aufhören. Ich nehme die Erkenntnis aus Ägypten mit, dass es weit angenehmer ist, wenn sich jemand geduldig und besonnen zeigt, anstatt rumpelstilzchenmäßig herumzupoltern, um etwas zu erreichen. Davon will ich mir eine Scheibe abschneiden. Jetzt scheint jemand aber wohl seinen Unmut zu äußern, ich verstehe zwar kein Wort von dem Arabisch, aber der Ton war à la „jetzt reichts aber mal!“ Sie können schon anders, im Fall der Fälle. Die Hupe hupt weiter und spielt gesprungene Platte. Die rechtschaffene Müdigkeit wird mir hoffentlich bald Schlaf bringen.
Und nun die Pointe: das Geräusch ist weg. Es war keine Autohupe. Es kam vom Zimmertelefon neben meinem Bett. Der Hörer war nicht aufgelegt.
















































































































































































































































































































































































































