
Delbrückstraße 7. Zwar beworben als „Kaiservillen“, aber hier stehen keine historischen Villen mehr, jedoch auf sämtlichen umgebenden Nachbargrundstücken. Auf dem Anwesen Delbrückstraße 7 befand sich einst die Villa des namensgebenden Dr. Hugo Delbrück, der mit seinem Bruder Adelbert Gründer der Aktiengesellschaft Seebad Heringsdorf war. Seine Villa wurde in der DDR-Ära zum „FDGB Heim Erich Hoppe“. Im Jahre 1996 wurde die Villa abgerissen. Heute stehen dort die Delbrückvillen, zwei Gebäude aus der Zeit, als die neue Seebrücke Mitte der Neunziger Jahre erbaut wurde. Auch die „Ich bin das Haus vom Nikolaus“-artigen Ferienhäuschen direkt am Anfang der Seebrücke, die ich schon bei meinem Seebrücken-Besuch im Abendlicht eingefangen hatte. Die Wohnungen haben überwiegend Einrichtung mit 90er-Jahre-Flair, wenige einzelne wirken etwas moderner, gar nicht mal so schlecht. Um die Kaiserbäder-Markenkampagne von Anno 2018 mit Leben zu füllen, bräuchte es aber schon noch mehr. Die „Kernerkenntnisse“ kann ich vielerorts bestätigen. In der Kampagnen-Präsentation lese ich:

„Die Kaiserbäder haben ein sehr hohes Markenpotenzial, das auf historischen Spitzenleistungen beruht. Diese müssen neu belebt werden.“ und: „Die Zielgruppen sind sehr gemischt. Die Kaiserbäder müssen sich entscheiden, wer zu ihnen passt.“ und: „Die Qualität in den Kaiserbädern ist derzeit wenig „kaiserlich“. Sie muss den Erwartungen der Gäste von morgen entsprechen.“

Das hätte ich jetzt nicht so unverblümt zu formulieren gewagt. Aber: ja. Letzterer Claim „Erwartungen der Gäste von morgen entsprechen“ scheint mit einer großen Gruppe von Stammgästen zu kollidieren, die keine Lust hat, die Ziele der Kampagne zu erfüllen. Das kann man einfach mal so stehen lassen. Bevor es die Kampagne gab, waren die drei Seebäder mit der besonders schönen Architektur in keinem höheren Preissegment angesiedelt, vermute ich, also gab es keine Dynamik à la „ich bin anspruchsvoll und leiste mir im Urlaub das Besondere“. Die Tradition der zu DDR-Zeiten gewerkschaftlich organisierten Betriebserholung war die verwurzelte Norm und bei den Stammgästen aus den Bundesländern der ehemaligen DDR eine feste Größe – nehme ich an. Elitäres Gehabe um Ästhetik und gar Anrufung von Kaiserzeiten galt vermutlich als nicht zu sozialistischen Werten passend. Verstehe, verstehe. Für Champagner-Sozialistinnen wie mich ist da kein Platz. Was da diffus und etwas nebulös als „wenig kaiserlich“ betitelt wird, ist die treue Gästeschar, die von dieser „Basis“ kommt, die vielleicht schon in der vierten Generation Jahr für Jahr im Sommer nach Usedom fährt. Ein echtes Dilemma für die schicke Kampagne. Schick sind nur die Villen und ein paar Restaurants auf dem Kulm. Wenn Heringsdorf ein Publikum darüber hinaus anziehen will, muss eine Kultur-Offensive her, die die angestrebte Weltläufigkeit mit Leben füllt. Ich plädiere dafür, eine neue Kampagne zu starten, die auf der alten aufbaut und speziell die Gay Community ins Auge fasst, die nachweislich besondere Expertise in Sachen Ästhetik hat. Bislang scheint dieser Bereich der Bevölkerung andere Reiseziele zu präferieren. Dabei hätten Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin alle Voraussetzungen, ein Hot Spot für ästhetisch und kulturell anspruchsvolle Reisende zu werden. Dann muss es aber auch einen Christopher Street Day dort geben, den alle mitfeiern, wie es z. B. in Brighton der Fall ist.


































































































































































































































































































































































































