20. November 2019

Wer kommt morgen mit?

P.S. Darum gehts. Morgen schon um 19:15 (!) dort sein, so der Plan. Heute bei dm Fledermaus-Wimpern erstanden. An der Kasse lege ich das Päckchen hin, stolz verkündend: „Ich möchte meine Fledermaus-Wimpern bezahlen!“. Kassiererin: „Ach… trägt man die denn noch?“ Ich überlegend, ob ich wieder mal einen Trend übersehen habe, als er gerade total heiss war, und ich nun Jahre später endlich auch mal darauf komme, nun, wo keiner mehr Fledermauswimpern sehen kann. Quasi das Arschgeweih im Wimpern-Segment. Ich: „Wieso ‚ N O C H ‚ ?“ Sie: „Na, Halloween ist doch schon vorbei.“ Ich erleichtert: „Ach soo! Nein, nein, ich gehe morgen zu so einem Public Viewing in einen Club, von dieser Show „Queen of Drags!“ Sie: „Ah! Und da muss man dann auch mithalten!“ Ich: „Ja, genau!“ „Tschü-üs“. „Tschü-üs!“

20. November 2019

Wieder einmal eine bildschöne Postkarte verschickt. Die ist aus der Galerie in meiner Straße, wo ich schon ein paar mal vor verschlossener Tür stand, und die Karte immer durch die Scheibe begehrte. Ich habe mir gleich zwei nehmen dürfen, eine für mich selbst, die andere zum Verschicken. Diese Postkarte geht an einen geheimen Ort in einem geheimen Bundesland, in dem unter anderem ein Gericht zu den regionalen Spezialitäten gehört, das ich gestern zum ersten mal in einem Schöneberger Restaurant gegessen habe. Dieses Gericht wird mit einer hellgrünen Soße gereicht, die mir eindeutig zu sauer war. Auch die Kartoffeln waren mir zu festkochend, aber sonst ein prima Lokal. Der Handkäs mit Musik war aber eine Delikatesse. Erstaunlich, dass sich dieser unattraktive, komisch riechende Käse, nach der Präparation mit Essig und Öl und Zwiebeln in so eine Leckerei verwandelt. Der Inhaber, der uns geradezu mütterlich bewirtet hat, kommt auch aus der Region dieser Spezialitäten. Motzstraße 10, Empfehlung!

14. November 2019

Ich freue mich auf Anna Klatsche, Victoria Bacon und Brigitte Skrothum! Noch eine Stunde Zeit zum Anziehen. Mein kurzes silbernes Paillettenkleid ist zwar vergleichsweise eher schlicht, würde aber die Hauptprotagonistinnen umso mehr zur Geltung bringen. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Zum Fernsehen soll es ja auch bequem sein. Vielleicht erst mal mit dem Make up anfangen. In Sachen falsche Wimpern bin ich leider auch nicht so gut ausgestattet. Ich hätte da noch ein paar schwarzrotgoldene Deutschlandwimpern von der Fußball WM oder EM vor zehn Jahren ungefähr, so genau merke ich mir das alles nicht. Man kann natürlich auch wahnsinnig durch betontes Understatement auffallen. Mal sehen, was Lydia anzieht. Man muss aber auch immer im Hinterkopf haben, dass man nicht zur Wahl steht, sondern mehr so einen Art Jurymitglied darstellt. Sicher sind interessante Kommentare zur Show zu erwarten. Durchaus auch von mir! Also, auf ins Schmutzige Hobby! Showtime 20:15 Uhr.

12. November 2019

Es war schön bei Imke in Müggelheim. Heitere und tiefe Gespräche im kuscheligen Hexenhaus, Geburtstagskind Imke die Königin im Bienenschwarm. Man möchte auch gar keine andere. So oft hatte sie mich schon eingeladen. Gut, dass ich die Reise auf mich nahm, denn das ist es bis Müggelheim. Auch wegen ihrer schönen Mama, wenn sie in mein Blickfeld kam, wähnte ich mich in Hollywood. Margret Dünser interviewt…Tippi Hedren? Ewige Schönheit. Neben mir ein überaus gewitzter Tischherr, der nur Dinge sagte, die man gerne hört. Passiert auch nicht so oft. Ich habe ein bißchen zu viel Grauburgunder getrunken, nachdem der Champagner alle war. Aber alles gut. Irgendwie heimgekommen, ein netter Gast mit weiblicher Begleitung lud ins Auto ein, zur Rückfahrt nach Berlin. Obwohl Köpenick und Müggelheim ist ja auch Berlin. Als ich zuletzt auf die Uhr sah, war es ungefähr Sieben Uhr morgens. Ich laborierte eine Weile an den Spätfolgen der vielen Gläser Wein, jetzt wieder o.k., zwei Tage nur Kaffee, Wasser, Tee. Das Bild zeigt ein Stückchen Imke, als ich sie das erste mal traf, vor zehn Jahren, im Dezember Zweitausendneun bei Sevenstar. Ich nehme an, ich habe aus Respekt nur die Beine fokussiert, die sich nicht wehren konnten. Sie hat auch einen sehr schönen und eigenwilligen Kopf, mit dem sie uns bestens unterhalten hat. Und ein großes Herz. Danke für diesen besonderen Abend.

08. November 2019

Wunschkonzert. Das sind die übrigen Postkarten aus meiner Schachtel, manche schon über zwanzig Jahre alt. Zum Beispiel die auch noch ganz hübsche mit dem Tunis-Bild von August Macke oder die mit dem Fernsehturm im Sonnenuntergang. Der Rest ist teilweise etwas merkwürdig. Links und rechts von den Postkarten sind meine übrigen Briefmarken. Wer noch keine Postkarte bekommen hat, und sich auch eine wünscht, oder sogar schon eine bekommen hat und noch eine zweite möchte, kann sich jetzt eine davon aussuchen. Dann habe ich nämlich Platz in der Schachtel für die Postkarten, die ich in der letzten Zeit bekommen habe. Zufällig habe ich gestern erst entdeckt, dass am 1. Oktober 2019 das 150-jährige Jubiläum der Postkarte gefeiert wurde. Vor hundertfünfzig Jahren war es revolutionär, eine Postkarte zu schicken, es galt teilweise sogar als anstößig. Hier ist ein schöner Artikel im Spiegel zum Jubiläum: „Die Whatsapp der Kaiserzeit„, mit schönen Beispielen der ersten Postkarten. Ich sehe da noch viel Entwicklungspotenzial bei mir und meinen Karten. Ich werde zum Beispiel einige der verbliebenen Karten, die mir persönlich nicht so gut gefallen, noch etwas optimieren, lassen Sie sich überraschen!

Wer also eine nicht so attraktive aus dem Sammelsurium auswählt, kann damit rechnen, dass sie schöner ankommt, als sie jetzt aussieht. Außerdem habe ich in einer Galerie in meiner Straße im Schaufenster zwei bildschöne Künstlerpostkarten gesehen, die ich auch selbst gerne haben möchte. Bislang ist die Galerie leider immer gerade geschlossen, wenn ich vorbeigehe, ich schau später gleich noch mal vorbei. Es ist ja nicht so, dass ich nun keine Karten mehr schreiben werde, nachdem die aus der Schachtel aufgebraucht sind. Danach kommen schönere als je zuvor! Man muss sich natürlich auch für den Empfang einer Postkarte von mir qualifizieren, in dem man entweder sehr lieb zu mir ist und Bitte Bitte macht und mir natürlich auch die Postanschrift zukommen lässt, oder mir auch mal eine Karte schreibt. Wer zum Beispiel keine Postkarte von mir zu erwarten hat, sind die beiden letzten Absender der Post, die ich gestern, am 7. November 2019 im Briefkasten fand, nämlich die Deutsche Rentenversicherung mit der Information, wieviel Rente ich mal kriege, und der zweite Absender war die Sparkasse mit einem Kontoauszug von meinem Tagesgeldkonto. Ich werde diese beiden Poststücke auch nicht ablichten und hier einstellen, obgleich es natürlich sehr interessant für meine Leserinnen und Leser wäre. Das mit dem Tagesgeldkonto ist insofern erwähnenswert, als ich nun schon mehrfach meine offizielle Postadresse preisgegeben habe und damit klarstellen möchte, dass ich mein Erspartes nicht in einem Strumpf unter der Matratze aufhebe, es gibt also nicht viel zu holen, außer ein paar Postkarten und veralteten Geräten, die keiner haben möchte. Und die größten Schätze trage ich sowieso ordnungsgemäß im Herzen.

07. November 2019

Am 6. November 2019 erhielt ich Post in Gestalt eines braunen DIN A 5-Kuverts mit dem hier abgebildeten Inhalt. Eine Postkarte mit der sehr schönen Behauptung „Ich hol dir die Sterne vom Himmel“ sowie einem kleinen Päckchen in der Größe einer Zigarettenschachtel mit 25 Zigaretten. Über das Internet erhielt ich zudem die Bitte, die rückwärtige Botschaft der Karte nicht zu veröffentlichen, die unter anderem besagte, dass ich das Päckchen erst Weihnachten öffnen sollte. Demzufolge sieben Wochen nach Erhalt des Präsents. Da ich keine Veranlassung habe, etwas anders als Zigaretten in dem Päckchen zu vermuten, habe ich kein Problem das kleine Geschenk einfach liegen zu lassen. Ich rauche ganz selten und habe noch Zigaretten vorrätig, sollte es mich überkommen oder sich ein spontaner Besuch einfinden, dem man neben einem Getränk auch noch etwas anderes anbieten möchte. Ich gab zu bedenken, dass die Bitte um Diskretion in Sachen der beschrifteten Rückseite eine Lücke in meinem Gesamtkunstwerk verursacht, die Kunsthistoriker dereinst stark beschäftigen könnte, aber ich konnte in der Angelegenheit nichts bewirken. Mittlerweile haben mich Warnungen eingeholt, dem mutmaßlichen Verehrer, der hier größten Wert auf Diskretion legt, nicht über den Weg zu trauen („Am Besten, Du lässt die Finger von dem. Der denkt nur an sich..“)

Zu allem Überfluss träumte ich letzte Nacht, ich hätte das Präsent vor Weihnachten geöffnet, es stellte sich in der Tat als die vermutete Zigarettenschachtel heraus, die jedoch nur noch zur Hälfte bestückt war. In einem Kommentar äußerte ich mich hierzu wie folgt:

„Meinst du, derjenige plant für Weihnachten einen Überraschungsbesuch und möchte nur Vorsorge treffen, dass ihm die Zigaretten nicht ausgehen? Ich habe leider Gottes immer wieder starke Raucher in der Vergangenheit in der Wohnung gehabt. Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich das Päckchen vorzeitig geöffnet habe und wie vermutet, war eine extra große Schachtel Zigaretten darin. Als ich den Deckel aufklappte, fehlte die Hälfte. Also handelt es sich nur um eine halbe Schachtel. Das lässt vermuten, dass der Schenkende auch in anderer Hinsicht halbe Sachen macht. Die Sorte hatte ich zu oft. Wie soll ich mich nur verhalten?“

Die Frage beschäftigt mich nun verständlicherweise. Falls meine Leser irgendeinen zielführenden Gedanken dazu haben, zeige ich mich offen. Diese Geheimnistuerei ist mir schon etwas suspekt, und ich spiele mit dem Gedanken, das Geschenk vor Weihnachten zu öffnen, um mir ein näheres Bild der genaueren Absichten zu machen. Ich meine: wer schickt denn Anfang November ein Weihnachtsgeschenk in einem Papier mit der geradezu aufdringlichen Aufschrift „Merry“ in der Mitte. Manche können ja auch nicht richtig Englisch und verwechseln „Merry“ mit „Marry“. Sollte ich mich innerlich auf einen weihnachtlichen Heiratsantrag einstimmen? Ist in dem Päckchen womöglich eine Schmuckschatulle mit einem Verlobungsring? Ich brauche jetzt wirklich guten Rat, wie ich mich verhalten soll. Aber nun zu Bett.

06. November 2019

Ich habe mal wieder eine Postkarte geschrieben, das ist jetzt die schönste von den Verbliebenen aus der Schachtel. Mir fällt bei dem Motiv auf, dass es mich tatsächlich an einen Ausblick an der Havelchaussee auf die Havel erinnert, an so einer Anhöhe im Wald. Aber auf dem Motiv ist die walisische Küste zu sehen. Und viel Blau. Ina liebt Blau und geht gerne schwimmen. Auch eine meiner schönsten Briefmarken habe ich draufgeklebt, die Kreideküste von Jasmund ist da zu sehen. Ich bin da schon mal im Regen entlang gelaufen. Es ist interessant, die weißen Kreidefelsen, wenn sie nass sind, anzufassen, man hat eine ganz weiße Hand davon, die Kreide wird ganz schnell weich und glitschig. Ein Wunder, dass noch so viel übrig ist von den Kreidefelsen. Ich mag Kreide sehr gerne beim Malen, die matte, samtige Textur. Diese Karte geht in den hohen Norden von Berlin, wo Farin Urlaub aufgewachsen ist. Mehr verrate ich aber nicht, das fällt unter Datenschutz! Ich war heute noch nicht am Briefkasten, vielleicht habe ich ja auch eine Karte drin. Ich finde es sehr interessant, die Handschriften von meinen Freundinnen zu sehen, die waren mir zum größten Teil bislang völlig unbekannt. Eine Handschrift ist doch etwas sehr Persönliches. Und auch die Vorstellung, dass jemand extra eine Briefmarke aufklebt und zum nächsten Postkasten läuft, finde ich höchst ehrenvoll.

Vielleicht bastle ich demnächst selber Postkarten, wenn die in der Schachtel aufgebraucht sind, oder ich verschönere die übrigen ein bißchen. Mit einer Karte kann ich gar nichts mehr anfangen, sie hat als Motiv einen dunkelgrauen Untergrund und eine große beige Aufschrift, wie ein Foto von einem Ladenschild, das man an die Tür hängt, und darauf steht „HEUTE KEINE WARE“ Das war wohl mal kurz nach Mauerfall ein Lacher, so alt ist die Postkarte nämlich. Damals fand man es wohl kurios, dass es in einem Land innerhalb von Europa mal keine Ware, Bananen oder was eben in der DDR knapp war, gab. Finde ich heute einfach nur doof, den Kalauer. Die unfassbare Arroganz unserer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. Die Karte hat es verdient, dass man vorne ein ansprechendes Motiv drüberklebt. Oder will hier jemand eine Postkarte von mir mit einem historischen Schild „HEUTE KEINE WARE“? Falls ja, bitte melden. Auf einen Familien-Kühlschrank geklebt, wäre es eigentlich schon wieder lustig, fällt mir gerade auf. Ich habe ja keinen zum Bekleben einladenden Kühlschrank, sondern so einen diskret eingebauten.