
Jetzt hast Du keine Handynummer mehr, die ich wählen kann. Aber wir sind ja connected. Du weißt ja und siehst bestimmt, was ich treibe, wie ich mich in meinem Wohnzimmer in meiner Freizeit auf Deine Spuren in Velden begebe, Unterkünfte angucke, auf Streetview mit Dir nach Villach wandere, Gestern Abend ist mir erst aufgefallen, dass ich ja schon acht war, 1973 als Ingeborg Bachmann verunglückt und gestorben ist. Mir ist es wie ein dunkles Echo, dass Du aufgeregt die Nachricht aus dem Radio wiederholt hast… „Die Ingeborg Bachmann ist gestorben…“ Aber das wollte ich jetzt gar nicht erzählen, wie komm ich denn da jetzt wieder drauf. Peter Alexander hat heute auch Geburtstag, seinen Hundertsten, womöglich feiert ihr mit ihm und Hans spielt ihm ein Ständchen auf dem Saxophon. Als Kind gefiel mir am besten „Komm und bedien Dich bei mir„, mein Lieblings-Peter-Alexander-Lied (sonst hab ich eigentlich keine, ehrlich gesagt, Du weißt ja, ich bin immer ehrlich, auch unangenehm ehrlich! Das hat sich halt nicht geändert). Wir haben Sommerwetter in Berlin, ganz schön, nicht zu heiß, auch die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch wie gestern, da wars richtig klebrig! Wie ist das Wetter bei Dir da oben, scheint da womöglich immer die Sonne? Und die Luftfeuchtigkeit, ist die in Ordnung, also nicht zu hoch? Du warst auch so ein Sonnengewächs – na ja – am 30. Juni geboren, da hat man schon Sonne im Blut. Ich denke, da oben auf den Wolken ist es ganz leicht und man hat keine Gelenke und Knochen mehr, die einen dauernd daran erinnern, dass man kein schwebender Engel ist. Aber jetzt ja, federleicht, das wünsche ich Dir. Alles Liebe, Mama.
Dein Küken