Angelica Blechschmidt. Sie starb am 29. Juni 2018, ich habe es nicht mitbekommen. Weil ich die Tagespresse nicht kontinuierlich und lückenlos verfolge. Es gab in allen großen Zeitungen Nachrufe. Aber für die vermutlich sehr jugendlichen gmx-Redakteure nicht präsent genug. Sie war bereits fünfzehn Jahre im Ruhestand, die ehemalige Chefredakteurin der deutschen VOGUE. Mitte der Achtziger, ab circa 1986 kaufte ich das Heft regelmäßig, bis Ende der Neunziger, also fast fünfzehn Jahre. Ich habe die kompletten Jahrgänge aufbewahrt. Es umfasst annähernd die Spanne ihrer Zeit als Chefredakteurin. Zur Jahrtausendwende war ich der Lektüre überdrüssig, es wiederholte sich alles so sehr, die Posen in den Bildstrecken langweilten mich oft, ich war plötzlich keine faszinierte VOGUE-Leserin mehr. Früher hatte ich mir auch hin und wieder die amerikanische oder britische Ausgabe gekauft. Und Harper’s Bazaar. In jedem Heft fand ich Inspiration anhand der visuellen Kostbarkeiten. Der Druck war aufwändig, das Layout erstklassig. Weil ich so genussvoll in die Bildstrecken eintauchen konnte – und die hochkarätige Werbefotografie war ein Teil davon – bewahrte ich alle Ausgaben auf. Ich hätte es als Gotteslästerung, als Sünde empfunden, die Hefte zu entsorgen. Eine Tageszeitung ohne Meldung von historischem Rang oder eine beliebige Illustrierte oder Frauenzeitschrift packt man nach der schnellen Lektüre in die Altpapiertonne, aber doch keine VOGUE! Das wäre, als ob man einen hochglänzenden Bildband von Schirmer Mosel wegschmeißt. Es waren durchaus auch ansprechende Interviews darin, von interessanten und charismatischen Künstlern, das rundete das visuelle Erlebnis mit geistigem Input ab. Aber das war nicht der Hauptgrund, nicht die Essenz. Es war alles zusammen. Wäre ich nicht gestern mit Ina essen gegangen und hätte sie nicht erzählt, was sie die letzten Tage unternommen hatte, wüsste ich heute noch nicht, dass Angelica Blechschmidt tot ist. Die Alterslose, heißt es überall, weil sie ihr Geburtsjahr nie veröffentlichte. Der Spiegel hat wohl doch einen Zugriff gehabt und vermerkte in einem Nachruf ein Alter mit Klammer auf – Klammer zu (76). Ob es genau stimmt, ist eigentlich egal. Es war klar, dass sie irgendwann in den Vierzigern geboren sein musste, im Alter meiner Mama. Die ist Jahrgang 43. Wie Mick Jagger. Was jetzt aber nicht verleiten soll, da Ähnlichkeiten zu assoziieren. Das ergab sich logisch aus ihren biographischen Eckdaten. Blechschmidt hatte einen Kopf wie eine Löwin. Manche sagen ihr nach, sie wäre die Vorlage der Figur, die Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“ verkörpert hat. Aber das ist die weltweit bekanntere Anna Wintour ja auch. Eine diktatorische Fashion-Ikone, die die Puppen tanzen lässt und in ihrem Umfeld keine Geschmacksverirrung duldet. Aber die deutsche Vorlage war wohl letztendlich eine warmherzigere Variante, als die Figur im Film. Ich habe sie nur einmal wirklich gesehen, das war in Berlin, am Rande einer Ausstellungseröffnung. Dabei entstand auch dieses Bild. Es war der 2. Mai 2008. Rund zehn Jahre vor ihrem Tod. Sie rauchte. Beständig heißt es. Gestern beim Essen im Jungbluth erzählte mir Ina, dass sie ein Sofa aus dem Nachlass der ehemaligen Chefredakteurin der Vogue gekauft hat. Bei der Vorbesichtigung einer Auktion ihres Nachlasses. Ich war hellwach. „Was? Wer? Angelica Blechschmidt? Ist tot…?!?“ Sie erwähnte, es gäbe noch einen Termin. Der ist heute. Die eigentliche Auktion. Heute wird der Nachlass von Angelica Blechschmidt im Auktionshaus Dannenberg in Berlin versteigert. Ich habe mich durch den online Katalog geblättert und etwas gesehen, was ich gerne hätte. Ich würde es ehren und benutzen. Es war ihr eigener Wunsch, dass ein größerer Teil ihrer bildschönen Sammlung von Mobiliar und Kleidern und Objekten und Bildern und Büchern anderen zuteil wird. Das hat sie wohl ausdrücklich verfügt. Letzte Woche wurde bereits Schmuck und die eine oder andere Handtasche und Kleinmöbel in Hamburg verkauft. Bei Dannenberg gibt es auch größere Möbel und Objekte, aber auch ganz kleine Dinge, wie Sonnenbrillen, kleine Lampen, Geschirr, Brillenetuis. Was sich so ansammelt, in einem Leben. Insgesamt sind 3000 Objekte in den Verkauf gekommen. Dennoch bleibt ein großer Teil bei ihren Angehörigen, die es gibt, auch wenn sie nicht verheiratet war, kinderlos blieb. Ich habe noch nie auf einer Auktion etwas ersteigert, vielleicht kann ich es mir am Ende auch nicht leisten, obgleich es kein Mindestgebot gibt. Aus einer Sentimentalität hätte ich es gerne. Mal sehen.

4 Antworten auf „11. Dezember 2018

  1. Christoph M.
    Auktion ist immer aufregend!

    Gaga Nielsen
    hast du schon mal bei einer Live-Auktion etwas vor Ort ersteigert? (Ich hätte gerne diese Gläser… https://www.auktion-dannenberg.de/de/l/596350/sechs_wein-_und_fuenf_sektglaeser?Aid=296275&_=1544444651609&currentpos=246 )

    Ina Weisse
    Gags, du musst dir innerlich ein Limit setzen. Handbewegung genügt um auf den Aufruf des Preises zu reagieren. Erst bei Abschluss zeigst du deine Nummer

    Ina Weisse
    Gaga das ist die Autokorrektur

    Gaga Nielsen
    (kenne ich schon, deine Autokorrektur)

    d. h., wenn ich mit den Geboten mitgehe, also mithalte, hebe ich die Hand kurz. Meine Nummer? Krieg ich am Eingang eine Nummer wie ein Nummerngirl? Also wenn zum Beispiel als letztes Gebot, bei dem ich mithalten würde, 87 Euro aufgerufen wären, bzw. ich dieses als höchstes Gebot hätte, halte ich meine Nummer hoch, damit klar ist, dass das mein Limit ist? Hoffentlich blamiere ich mich nicht! Ich werde sicher nicht so außer Rand und Band sein, dass ich bei Tausend Euro mitziehe, so hemmungslos bin ich dann doch nicht. Aber bis 120, 150 würde ich schon gehen. Sind ja edle Pokale.

  2. Christoph M.
    Yes, Nummerngirl! Du hebst immer das Schild mit deiner Nummer. Der Auktionator trägt dann beim Zuschlag deine Nummer ein. Vorher gibst du deine Adresse an. Dahin geht dann die Rechnung und wenn du bezahlt hast, kannst du dir dein Stück abholen.

    Und man ist ganz schnell mal bei 20.000 Euro;)

    Gaga Nielsen
    ich will die Gläser gleich mitnehmen! Und ich hebe immer das Schild mit meiner Nummer, um zu zeigen, dass ich mithalte? Leuchtet mir ein! Gar nicht so kompliziert. Wenn ich ein höheres Gebot mache, rufe ich dann laut den Betrag, z. B. „12.000 Euro!“ ?!?

  3. Christoph M.
    Nee, wenn du ein höheres Gebot machst, hebst du dein Schild. Ob du dein Ersteigertes gleich mitnehmen kannst, hängt davon ab, ob die das organisatorisch hin kriegen;)

    Gaga Nielsen
    aber woher weiß der Auktionator, um wieviel ich erhöhe, sind die Schritte vorgegeben, immer zehn Euro mehr oder wie oder was?

    Christoph M.
    Genau. Das läuft in 5/10/20/30/50/100€ Schritten. Je teurer desto höher.

    Gaga Nielsen
    und wenn wir über 100 Euro sind, sind es dann auf einmal Hunderter-Schritte 200, 300, 400? Da bin ich raus! Du musst mitkommen! Alle wichtigen Käufer haben bei Auktionen ihre Mittelsmänner, das kennt man doch aus Film und Fernsehen!

    Max Z.
    Ich biete per Telefon mit weil ich unerkannt bleiben will

    Gaga Nielsen
    das ist ja sehr schön für dich, aber mir keine Unterstützung!

    Max Z.
    Das war auch nicht meine Intention.

    Gaga Nielsen
    das finde ich sehr bedauerlich, kein schöner Kommentar! Freunde sollten einem eigentlich eine Stütze im Leben sein, besonders wenn es um existentielle Dinge (wie Sekt- und Weingläser) geht.

    Max Z.
    Nun, ich kümmerte mich um den Inhalt besagter Gläser, teilte jenen mit Dir und überliese sie Dir dann. Ungespült wahrscheinlich, aber immerhin

    Gaga Nielsen
    Das wäre aber ein sehr schöner Zug von dir. Eine echte Wiedergutmachung! Da spült man gerne.

    Gaga Nielsen
    P.S. Christoph, kannst du nicht einfach mitkommen und mich vor einer Blamage bewahren?

    Christoph M.
    Leider bin ich heute nicht so spontan. Aber was mir eben noch einfällt, ist das sog. Aufgeld. Kann zw. 15 und 30% liegen. Auf die Summe von „Hammerpreis“ und Aufgeld kommt dann noch die Mehrwertsteuer.

    Gaga Nielsen
    Davon habe sogar ich schon gehört, von dem Aufgeld.
    Ich werde jedenfalls berichten, was ich erlebt habe!

    Ina Weisse
    Gaga ich glaube Conni und Pipon sind da. Die sind da sehr erfahren

    Gaga Nielsen
    aber die bieten ja vielleicht auch mit und nehmen mir die schönen Gläser weg, weil sie wissen, wie der Hase läuft…! (buhuuu) jaul…. wahrscheinlich sind sie eh schon weg. Na ja, Geld gespart! Aber ich geh trotzdem hin und passe gut auf!

    Christoph M.
    Bin sehr gespannt!

    Gaga Nielsen
    nun aber los!…

    ( sechs Stunden später…)

    Gaga Nielsen
    ….trinke soeben einen Schlummertrunk aus einem goldverzierten Kristallkelch….! Ich musste ca. von 18:45 bis 22 Uhr geduldig warten, bis meine Objekt-Nummer drankam. Da hatte ich dann ja schon über drei Stunden Studium hinter mir, und wusste genau, wann ich lässig meine Karte anhebe. Das ist so eine hochkonzentrierte ruhige Atmosphäre in dem Auktionssaal gewesen, ich war genauso mucksmäuschenstill wie die anderen. Zuerst eine Auktionatorin, eine junge, extrem hübsche, die auch in einer Dokureihe über Auktionen mitmacht, also eigentlich die Hauptrolle spielt. Nach ca. drei Stunden wurde sie von einem jungen Mann abgelöst. Aber sie hatte die coolsten Handbewegungen. Diese dezenten, gezielten Moves. Und links von mir (ich saß in der ersten Reihe) vier oder fünf Mitarbeiter, die nur mit Bietern telefonieren, außer Zahlen hört man nur „XXX schriftlich“, „XXX im Saal“, „XXX telefonisch“, „XXX online“, „jemand mehr?“, „zum Ersten, und zum Zweiten und zum Dritten“. Obwohl eigentlich ja eine recht eintönige Konversation, habe ich mich nicht gelangweilt. Hab den Zuschlag bekommen für die 10,5 Sekt- und Weinpokale! (75 Euro) Nun kann ich mitreden und weiß auch, wie der Hase läuft! Denke, ich habe mich nicht blamiert. Mein Stummfilmtalent kam mir da natürlich unwahrscheinlich entgegen!

    Christoph M.
    Da freue ich mich!

    Gaga Nielsen
    das war bestimmt nicht meine letzte Auktion. Obwohl ich ja nichts brauche, aber schon alleine aus Sportsgeist! Ich handle ja auch gerne, damit komme ich speziell bei Südländern und Arabern immer gut an, die kennen das nicht von deutschen Frauen! Unlängst auf der Importmesse habe ich auch wieder runterhandeln geübt, mit Erfolg! Nicht umsonst heißt es: „Pech in der Liebe, Glück im Spiel!“ (oder so ähnlich…)

    Christoph M.
    Guck mal bei der Villa Grisebach. Das wird dir gefallen und da komme ich gerne mit. Gute Nacht!

    Gaga Nielsen
    aber gerne doch, Griesebach hat wenigstens anständige Bilder, z. B. „„Akte im Wald“ 1912 vom Kirchner, Ernst Ludwig! Verkauft für: 1.465.000 EUR (inkl. Aufgeld) – genau meine Kragenweite! Da trifft man dann auch auf seinesgleichen bei den Bietern, was ja immer sehr angenehm ist!

    Christoph M.
    Frag nicht, was ich für die Ägypterin bezahlt habe;)

    Gaga Nielsen
    um Gottes Willen, lass uns bitte nicht über Geld sprechen. Über Geld spricht man nicht, das hat man. Hier übrigens die aparte Auktionatorin von Dannenberg: (zum Verlieben!)
    https://mediathek.rbb-online.de/tv/zibb/Auktionatorin-Dalila-Meenen-bei-zibb/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3822084&documentId=57176062

    Ina Weisse
    Nächstes Mal gehen wir zusammen Herzlichen Glückwunsch Gaga. Schade, dass ich nicht da war….

    Gaga Nielsen
    kannst bei unserem nächsten Date, wenn du mich abholst, aus einem der Kelche trinken! Ganz schweres Bleikristall.

  4. Michaela Helfrich
    Hab jetzt alles gelesen Liebe Gaga plus deine Doku während der Auktion. Klasse Story und Prosit der großen Redakteurin, habe wie du früher die Zeitschriften geliebt. Lebenszeit!

    Gaga Nielsen
    <3

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