(Zu)Stand der Dinge. Ab und zu kann man den Zustand festhalten. Besonders im Badezimmer. Zwei neue Bilder, nicht von mir. Ich habe neulich drei Gemälde gekauft und mit ein bißchen schlechtem Gewissen runtergehandelt. Ich war so verliebt und ich will doch sparen. Und dann auch wieder nicht. Eigentlich will ich überhaupt nicht sparen. Ich will das Geld mit vollen Händen ausgeben! Und auf jeden Fall mit ‚warmer Hand‘, wie man so schön sagt. Irgendwann werde ich auch bereit sein, meine Werke zu verhökern, aber jetzt noch nicht. Der italienische Maler, den ich um drei Gemälde erleichtert habe, Riccardo Raul Papavero heißt er („from Milano“), hat sich vor zwei Jahren entschieden, seinen Handwerksberuf aufzugeben, um sich mit seiner Kunst zu verdingen. Dann muss man natürlich verkaufen, aber er macht es auch gerne. Sein Prinzip ist simpel und oft genial im Ergebnis. Er arbeitet mit Fotokopien von ikonenhaften Fotografien der größten Stars der Weltgeschichte. Maria Callas, David Bowie, Frank Sinatra, Marilyn Monroe, Brigitte Bardot, Frida Kahlo, Kate Moss, Twiggy, usw. usf. Die Fotos sind die Basis, er klebt den Abzug auf eine Holzplatte und lasiert, lackiert, übermalt, dekoriert, bis eine Ikone alter Schule entstanden ist. So sehen einige aus, zumindest. Es ist wirklich Pop Art, hat mich Vieles angesprochen, als ich ihn entdeckte, auf der diesjährigen Importmesse unterm Funkturm. Er verarbeitet auch Motive von Seiten von Hochglanzmagazinen, zum Beispiel Modefotografien aus der Vogue. Dass er damit in Milano gut ankommt, ist klar. Aber auch bei mir. Nicht alles gefiel mir, aber die drei Bilder, die ich erstand, haben mich entflammt. Es sind mutmaßlich zwei Motive aus dem Fashion-Bereich und ein drittes, kleineres Werk, basierend auf einer berühmten Fotografie von Twiggy. Ich liebe diese drei Bilder sehr. Eins ist im Schlafzimmer und die beiden anderen im Badezimmer. Man sieht ein bißchen etwas auf dem Bild da oben. Im Hintergrund hinter mir, das präraffaelitisch anmutende Werk. Habe mich vorgestern, bevor ich zu Wredes Lesung bin, schnell mal davor eingefangen. „Kunst kann man kaufen“ predigt ein lieber Freund aus Hamburg immer. So sei es. Amen. Kunst macht glücklich, sage ich. Vielleicht nicht komplett, das ist man ja nie – aber ein bißchen.

6 Antworten auf „19. November 2018

  1. fb
    Max Zorn
    Geld wird durchs Ausgeben erst schön – hau raus!

    Gaga Nielsen
    das ist so ein weiser Satz, ist dir das überhaupt klar?

    Max Zorn
    Aus einer längst vergangen Zeit im Getränkeeinzelhandel :)

  2. fb

    Claudia T.
    Sparen ist oll!

    Gaga Nielsen
    außerdem schlecht für die Wirtschaft!

    Claudia T.
    Sowieso.

    Gaga Nielsen
    Nicht die kauflustigen Leute, die mehr konsumieren als arbeiten, ruinieren unseren Haushalt, sondern die Sparfüchse, die auf ihrem Zaster hocken und sparen, sparen, sparen!

  3. fb

    Christoph M.
    Sind das Unikate?

    Gaga Nielsen
    ja, er macht zwar von bestimmten Fotografien mehrere „Ikonen“, die aber jeweils unterschiedlich in der Ausführung sind. Es sind Unikate. Wenn er fünf mal das gleiche Twiggy-Motiv verarbeitet, sind es fünf unterschiedliche Ergebnisse, sowohl in der Ausführung als auch in der Farbgebung. Außerdem macht er individuelle, zum Teil kuriose Rahmungen, die ein Teil des Bildes sind, auch sehr unterschiedlich.

  4. kid37 – 20. Nov, 20:31
    Sehr vernünftig. Ich habe neulich auch drei Bilder gekauft, zwei sehr schöne Drucke (Übermalungen) und ein Bild von Moki, die ja mittlerweille in Berlin lebt. Sieht an der Wand viel schöner aus als ein Pfandbrief, und Künstler (und Galeristen) können auch leben. Letztes Hemd, keine Taschen usw.

    g a g a – 20. Nov, 21:14
    Löblich! Bei der nächsten Währungsreform können alle jammern, die auf Wertpapiere und Banknoten gesetzt haben. Aber wir haben dann alles richtig gemacht!

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