Beide Tage unglaublich schön, Samstag und Sonntag. Oktobersonne kann so wärmen. Drumherum der satte Herbst. Jetzt werden auch die Blätter gelb. Sonne, die nicht so inflationär brennt, dass es einem zuviel wird und man wieder den Schatten sucht. Vormittags habe ich in meiner Wohnung die volle Ladung bekommen, später raus. Gestern war ich mal wieder in den Prinzessinnengärten, schräg gegenüber von meiner Werkstatt. Der stillgelegte Friedhof wird immer schöner verwildert. Jetzt mit Baumlehrpfad. Bilder gemacht. Zeig ich noch. In meiner Werkstatt kommt die Sonne jetzt nicht mehr ganz übers Dach, erst zum Sonnenuntergang scheint sie durch den Bambus. Heute Mittag eine Pflanze vom Dach von meiner Wohnung geangelt, die mit schwerem Blumentopf beim Sturm runtergefallen ist. Das Gitter an der Rinne hat sie abgebremst. Nix gebrochen! War eine komplexe Aktion mit Stange von kaputtem Sonnenschirm und drangeklebter Plastiktüte, zum Kescher umfunktioniert. Beides heil durch die Luft geangelt und wieder an den alten Platz gestellt. Im Atelier war kein Sturmschaden, nur ein Häufchen gelbe Blätter in einer Balkonecke.
„SECESSION I.“ Turn, turn, turn… there is another world spinning inside of this one…“ Zellstoff, Kleber, Holz, Verpackungskarton, Acryl, 47 x 73 cm, Juni/Juli 2018, Staatliche Museen v. Gaganien
Du sollst mein Beifahrer sein im Fahrtwind stehen, im Sonnenwind In schimmerndem Gold, in Purpur gehüllt Durch Gefahr führt unser Weg und Bilder von Bestien
Komm auf meine Sonnenbarke Komm auf meine Sonnenbarke
Im rötenden Osten öffnet Aurora ihre Rosentore Es fliehen die Sterne Die Sichel des Mondes vom Rand her verblasst steil ist am Anfang die Bahn, am Morgen schwindelnd hoch in der Mitte des Himmels jäh neigt sich am Ende der Weg
Komm auf meine Sonnenbarke Komm auf meine Sonnenbarke
Die Finsternis vertrieben durch rasende Flammen verzehrende Glut Überall reisst die Erde auf Selbst in die Unterwelt dringt durch Spalten Licht versetzt die Herrscher in Angst und Schrecken
Komm auf meine Sonnenbarke Komm mit auf meiner Sonnenbarke
Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm auf meine Sonnenbarke…
(Blixa Bargeld | Einstürzende Neubauten, 2000)
„Extra Brut V.(komm auf meine…) Sonnenbarke.“ Aluminium /Schaumweinmanschette, Büroklammern, Perlmuttacryl, Kleber, Papier, 21 x 26 cm, Juli/August 2018, Staatl. Museen v. Gaganien
Melina, 31, Sachbearbeiterin in der Arbeitssicherheit:
„Ja, der erste Eindruck war eigentlich ganz sympathisch.“ „Ja, also seinen Beruf (sozialpädagogische Fachkraft an zwei Grundschulen) fand ich eigentlich super – da ich auch ein Kind habe…“
First Dates, Vox, Sendung vom Montag, 18. Oktober 2021
„Eigentlich“? Ist „eigentlich“ nicht eher der angekündigte Weg zum Ausgang? Ist „eigentlich“ nicht die diplomatische Übersetzung für „eher nicht“? Mal sehen, was rauskommt!
Extra Brut! Kabellage, Wasserfarbe, Acryl, Papier, Versandkarton, Textmarker, 50 x 70, 10.-22. Juli 2018, Staatl. Museen v. Gaganien
Ich weiß zwar nicht, ob der große Jean Dubuffet, Patenonkel der „Art Brut„, meiner Kabellage seinen Segen gegeben hätte, aber das ist ja eigentlich auch schnurzpiepegal. Ich habe auf diesem Weg wieder einen Haufen nicht benötigte, von Stromadaptern explantierte Kabel entsorgt. Mülltrennung für Fortgeschrittene! Ach doch, ich denke Jean hätte das gefallen. Er hat ja auch gerne jede Menge Gewurstel auf seinen eigenen Bildern gemalt. Auf jeden Fall habe ich einen unakademischen Ansatz und kann hoch und heilig versichern, dass ich nie eine Kunstakademie besucht habe, was mich schon arg für die Kategorie qualifiziert. Sogar extra brut!
GOTT III. GOTT HAT EIER. (big sista is watching you). Zufallsfund Weihnachtsbaumkugeln, Kalkgrundierung, Acryl, Hammerschläge, Kleber, Rahmen-Rückwand, 57 x 77 x 7 cm, 19. – 27. Februar 2020, Staatl. Museen v. Gaganien, Privatsammlung Fasanenstraße
Graceland. Kabel, Kleber, Acrylgold, Karton, Edding, 25 x 18 x 5 cm, August 2018/Dezember 2020, Staatliche Museen v. Gaganien
Im August Zweitausendachtzehn beschäftigte mich Elvis außerordentlich. Erstmalig wieder nach einer Fanphase in meiner Kindheit. Was genau der Auslöser war, kann ich nicht erinnern, aber ich bloggte vor drei Jahren auch über Elvis. Das hier zum Beispiel. Ich war regelrecht entflammt. Elvis was the real stuff! Dieses Gefühl in der Stimme, dieses charismatische Strahlen, dieser Sinn für Performance. Ich zitiere Keith Richards: „Before Elvis, everything was in black and white. Then came Elvis. Zoom, glorious Technicolor.“ Dieses hier vorliegende Werk „Graceland“ aus dem Jahr 2018 (vollendet im Jahr 2020), ist daher absolut und zu hundert Prozent eine Abbildung vom Reich von Elvis in Memphis. Es handelt sich hierbei um eine Luftaufnahme. So sieht Graceland von oben aus! Auf youtube schaute ich mir alle Videos über Graceland an und hatte demzufolge eine entsprechende Vorbildung, um diese detailgerechte Abbildung aus der Luftperspektive anzufertigen. Ich widme es Elvis Aaron Presley ♕.
Medical Detectives II. Kaputte Drogeriemarkt-Sonnenbrille, Kleber, Zebrastoffrest, Edding, auf hinter Büroschrank entdecktem Wechselrahmen, 22 x 31, 23.07.2018, Staatl. Museen v. Gaganien
Medical Detectives I. Kaputte Drogeriemarkt-Sonnenbrille, Kleber, Zebrastoffrest, Edding, auf hinter Büroschrank entdecktem Wechselrahmen, 22 x 31, 23.07.2018, Staatl. Museen v. Gaganien
Die heutigen Untersuchungen der Berliner Mordkommission haben zutage gefördert, dass sich die Tatverdächtige, Frau Gaga Nielsen, mutmaßlich in der Nacht von Sonntag, dem 22. Juli, auf Montag, dem 23. Juli 2018 in ihrer Wohnstätte im fünften Stock in Berlin Mitte aufhielt. Die Spurensicherung hat festgestellt, dass sie während der ermittelten Tatzeit, nämlich ab ca. 00:20 Uhr und ca. 03:30 Uhr morgens, mehrere Folgen der Kriminalserie „Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin“ verfolgte, und zwar auf dem Teppich sitzend, wobei sie verschiedene Materialien mit Klebstoff zusammenfügte. Darunter das Corpus Delicti, eine schwarze Sonnenbrille mit abgebrochenen Bügeln, mit Herkunft aus dem Drogeriemarkt Rossmann, an der sich eindeutige Fingerabdrücke befanden. Es wird vermutet, dass es sich um eine Vertuschungsaktion der Täterin handelte. Die Tatwaffe sollte als eine Art künstlerische Klebearbeit verschleiert, unbehelligt aus den Wohnräumen entfernt werden, um in ein Versteck im Süden von Berlin, vermutlich Neukölln transportiert zu werden. Die mutmaßliche Täterin Gaga Nielsen bestreitet hartnäckig, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Bei der Vernehmung erklärte sie, dass sie die Sendung nicht als Inspiration und Vorlage für den Tathergang genommen hat, sondern die Sendung lediglich „gemütlich“ fand, vorgeblich wegen der altmodischen Bilder aus den Neunziger Jahren, sowie der vertrauten alten Synchronstimmen der Kriminologen. Die Verdächtige bleibt trotz mehrer Vernehmungen bei dieser Version des Tathergangs. Der Verhandlungstermin vor dem Obersten Berliner Kriminalgericht steht noch nicht fest. Die Verdächtige befindet sich bis zur Verhandlung weiterhin in Untersuchungshaft in Berlin Mitte.
„Tanzlustbarkeiten und ähnliche Unternehmen, die in geschlossenen Räumen stattfinden, dürfen nur noch unter 2G-Bedingungen für den Publikumsverkehr geöffnet werden.“ (seit 10. Oktober 2021 in Berlin gültig)
Da hätte ich doch mal wieder Lust das Tanzbein bei einer Lustbarkeit zu schwingen!
Toll, dass das nun auch einmal fotografisch dokumentiert werden konnte, wie mein Gehirn funktioniert. Schon frühzeitig wurde mit Hilfe der Astrologie erforscht, dass ich blitzartige Einfälle habe. Uranus, der Erfindergott, steht in meinem Horoskop in exakter Konjunktion mit dem umstürzlerischen Revoluzzerplaneten Pluto! Da sich beide in der Jungfrau treffen, zeichnen sich meine Einfälle durch unwiderlegbare Praktikabilität aus. Alles, was ich erfinde, ist nützlich – von großem Nutzen für die Menschheit! Wenn Sie also ein Problem im Haushalt haben, ich habe für Alles die Lösung!
Oktobergrün. Gestern in Gaganien. Maigrün ist bekannt, das muss nicht erklärt werden. Möglicherweise liegt es an den Gärtnern von Gaganien, die sich hingebungsvoll um die Bewässerung kümmern! Besonders interessiert beobachte ich seit einigen Wochen, dass sich Männertreu zeigt, das ich für tot hielt. Eigentlich hatte ich mich mit dem Gedanken abgefunden, dass das im vorvorletzten Frühjahr von mir gepflanzte Männertreu kein Interesse an meiner Gesellschaft hat, wir also nicht matchen, sozusagen. Und nun gucken mich frische blaue Blüten an. Im Oktober! Wie soll ich das deuten? Jedenfalls sieht es sehr hübsch aus in dem Oktobergrün.
Viele Sonnenstunden in diesem Oktober. Jetzt wird es gegen Sieben dunkel. Wundersamer Weise habe ich häufiger Lust, früher schlafen zu gehen. Gestern schon um Mitternacht! Fünf Minuten nach Acht aufgestanden. Schon am Vormittag in meiner Werkstatt angekommen. Ich kannte den Lichteinfall um diese Zeit.gar nicht. Am Nachmittag kam die Sonne auf den Balkon. Um Sieben Pinsel ausgewaschen, umgezogen, zugesperrt und wieder los. Bei dm Spüli und Duschgel geholt. In der U 8 fasziniert auf dem Monitor die frühe Uhrzeit gesehen. Vor Acht daheim! Bedeutet auch früher gekocht und gegessen und eine Flasche aufgemacht. Letzten Endes werde ich nicht mehr Stunden wach sein, als wenn ich später schlafen gehe und später aufstehe. Aber ich erlebe mehr Tageslicht, was schon schön ist! Das mag ein banaler Gedankengang sein, aber für mich revolutionär! Meine Werkseinstellung ist nachtaktiv; jedenfalls in dieser Zeitzone hier.
ELEKTROGIRAFFENZEPTER, KINGDOM OF GAGANIA. Krepp, Netzteiladapterstecker, Tonerkartuscheschachtel, Kleber, Acrylgold, Wasserfarbe, Edding, 60 x 9 x 8 cm, Juli 2018, Staatl. Museen.
Nun ja. Zweitausendachtzehn. Es gibt da noch eine Reihe von Dingen, die ich in jenem Sommer fabrizierte und dokumentierte, aber nicht publizierte. Ich hatte mich Monate geweigert, die Kamera in die Hand zu nehmen und Menschen zu verewigen. Ich konnte aber dokumentieren, was ich stattdessen machte, wie ich dachte. So geschehen. Die Sachen waren in meiner Wohnung entstanden. Dann besuchte ich, wie jemand, der einen fremden Speicher betritt, mein altes Atelier. Da waren seit Monaten die Sachen meiner Ausstellung vom September 2017. Ich räumte auf und renovierte etwas, nachdem ohnehin die Fenster von Eigentümerseite ausgebessert werden mussten. Die überwiegend auf fragwürdigen Untergründen, wie gefundenen Schachteln, entstandenen Werke konnte ich nicht mehr an den Wänden meiner Wohnung unterbringen, jedenfalls nicht alle. Bevor ich eines auf die Reise zu meiner Werkstatt schickte, machte ich jeweils Aufnahmen davon. So auch von diesem Zepter. Wie eigentlich fast immer, ging dem Sammelsurium eine Aufräum- und Ausmistaktion voraus. Diese Unmenge von Netzadaptern für Elektrogeräte, die man gar nicht mehr zuordnen kann. Die Apparate waren oft schon entsorgt, aber die Adapter lagen noch in einer Schachtel. Ich habe im Zuge dessen auch eine Serie mit Kabel-Werken gemacht. Da gab es den Nachhaltigkeitsmodebegriff noch gar nicht in dem Ausmaß. Es war und ist schlichtweg meine Natur, mich von dem anregen zu lassen, was mir zufällt. Es ist ein quasi verspielter, kultivierter Fatalismus.
heute war wieder der gefragte Maler Stroehling da, um mein Portrait als Hebe vor dem Brandenburger Tor zu vollenden! Als Göttin der Jugend! Dabei bin ich doch nun auch schon siebzehn Jahre alt und die Jugend ist bald vorbei! Gut, dass mich der Maler Stroehling noch einmal mit seinem Pinsel eingefangen hat, so lange ich noch als jugendlich durchgehe!
Später einmal, wenn ich alt bin, kann ich auf mein Portrait schauen und mich daran freuen, dass ich einmal jung war! Das Volk wird dann Postkarten von meinem Bildnis erstehen können und so kann ich ihm immer nah sein! Als Königin von Preußen möchte ich eine Königin zum Anfassen sein! Jawohl, so will ich es halten! Nun bin ich rechtschaffen müde vom langen Modellstehen und will ein wenig ruhen!
Bis morgen, liebes Tagebuch DeineLuise ♕ Königin von Preußen
P.S. mein ergebenster Dank für die Depesche dieser königlichen Herausforderung gilt meiner ersten Hofdame Lydia.
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Wilhelm Schlegel dichtete zum 6. Juli 1798:
»Louisens Lächeln heißt den Kummer scherzen, Vor Ihrem Blick ist jedes Leid entflohn. Sie wär‘ in Hütten Königin der Herzen, Sie ist der Anmuth Göttin auf dem Thron…«
Was das noch werden soll. Ein Gedanke der auf alles Mögliche passt, wenn ich so darüber nachdenke. Bei meinem Gepinsel gefällt mir gerade, dass ich nicht weiß, wo es am Ende hinwill. Auf jeden Fall wird es am Ende immer gut. Also gut genug für mich, nach meinem Ermessen. Bei anderen Dingen im Leben fühle ich mich nicht immer so virtuos. Ich glaube zum Beispiel Zuspruch immer erst, wenn er total extrem ist. Moderate Freundlichkeiten rauschen bei mir durch. Aber wenn eine extra Portion Zuneigung artikuliert wird, schön mit Superlativen präsentiert und garniert, bin ich hellwach und sehr geneigt, dem Glauben zu schenken. Ist das eine Störung? Bin ich größenwahnsinnig? Oder ist das ein Minderwertigkeitskomplex? Oder etwa gar beides? Gibt es das?
BEANS & DREAMS. Aquarellpapier, Tinte, Grundierung, Acryl, Spachtel, Fragmente Corona-Stoffmaske, Klebstoff, Leinwand, 60 x 80 cm, 5. – 26. September 2021, Staatliche. Museen v. Gaganien
Wer jetzt noch nicht wählen war, muss sich sputen. Ich war so früh wie nie zuvor im Wahllokal, diesmal in der Linienstraße. Vor dem Wahlraum war ein Mann hinter einem Tisch und einer Plexiglasscheibe, bei dem man nach dem Wählen nochmal einen Zettel für die Prognose von ARD und ZDF ausfüllen konnte. Hab ich gemacht. Ob man damit späte Wähler beeinflussen kann? Die letzten Wahlen bin ich immer auf den letzten Drücker ins Wahllokal, so ca. gegen 17:55 Uhr. Heute acht Stunden früher! Bin gestern früh zu Bett und daher sehr früh aufgestanden. War äußerst fleißig!
Puck! Postkartenchallenge von Ina! Dieses Motiv von Magritte stammt von einem Plakat aus dem Jahre 1965, meinem Geburtsjahr! Es heißt „L’envolée“ – Höhenflug. Vorschriftsgemäß habe ich das Motiv auf mein Gesicht übertragen. Und auf einmal schaute mich Puck an, der Waldgeist! Damit konnte ich mich auf Anhieb identifizieren. Ende der Neunziger Jahre habe ich mich einmal einer Schauspielausbildung ausgesetzt, während der mir überdeutlich klar wurde, dass für mich nur der Stummfilm in Frage kommt. Ich wurde nämlich ausgewählt, in einer Szene, die am Ende des Kurses zur Aufführung kam, den Puck aus dem Sommernachtstraum zu spielen, was mir erstmal ganz gut gefiel, weil er die intelligentesten und pfiffigsten Textzeilen hat. Die Elfenkönigin Titania hätte mir von Hause aus auch zugesagt, aber mehr wegen der schönen Kleider. Ich lernte also den Text von Puck und ärgerte mich schon mal, dass man ja immer auch den Text der anderen kennen muss, damit man den eigenen Einsatz nicht versäumt. Anstrengend! Mir gefielen die Verse zwar ausnehmend gut, aber ich hatte größte Mühe, sie mir zu merken. Gelobt wurde ich demzufolge auch nicht für mein exzellentes Gedächtnis, sondern für meine angeblich stark beeindruckende Art und Weise, über die Bühne zu laufen und Blicke zu werfen. Nun gut, ich habe es mal gemacht! Da mir Pantomime leider überhaupt nicht gefällt, gibt es auf dem Theater keine Zukunft für mich! Für kommende Stummfilmrollen zeige ich mich weiterhin offen!
Postkartenchallenge von Jenny! Eine weitere königliche Herausforderung erster Güte! Ihre Majestät, Königin Elisabeth II. feiert nächstes Jahr ihr siebzigjähriges Thronjubiläum. Das hat noch keine Regentin erreicht, auch kein Mann! Ihr zu Ehren habe ich gestern einen kleinen Spitzentanz einstudiert – der klassische Tanz ist meine Welt! Wäre ich nicht so hoch gewachsen und spät berufen, aus mir hätte eine zweite Margot Fonteyn an der Seite von Nurejev werden können, Gott hab ihn selig! Diese Erkenntnis hatte ich jüngst, genau genommen gestern am etwas späteren Nachmittag, als mich die Muse küsste. Vielleicht kann ich meine Darbietung sogar nächstes Jahr in London bei Hofe zum Thronjubiläum im großen Thronsaal vom Buckingham Palast vorführen, da wäre noch etwas Zeit um die Schrittfolge zu perfektionieren. Das Jubiläumist zwar schon am 6. Februar, aber die großen Feierlichkeiten finden erst vom 2. bis 5. Juni 2022 statt. Ich hoffe inständig, dass Jenny mit meiner gestrigen Leistung zufrieden ist. Und ich BETE, dass ich die Herausforderung im Juni meistere und der Königin von England keine Schande bereite!
Postkarten-Challenge von Ina! Abermals habe ich mir zum Geburtstag Postkarten mit ansprechenden Herausforderungen gewünscht, diesmal Thema Adel. Die Challenge hat mir erlaubt nochmal meine Pulp Fiction-Frisur von Mia Wallace aufzutragen. Das war im letzten Jahr eine sehr anspruchsvolle Challenge von Jenny. Ein goldenes Geschenkband von ihr hat mir auch sehr gute Dienste geleistet, um Cleopatra Taylor zu channeln. Der kleine Ibis ist ein nachgemachtes Museumsstück aus dem Neuen Museum, wo vielleicht auch Sachen aus Cleopatras Königshaus aufgehoben werden. Der ist zwar nicht auf der Postkarte drauf, aber bestimmt hat Cleopatra in Alexandria auch manchmal mit einem kleinen Ibis gespielt, wenn Marcus Antonius mal nicht zur Verfügung war.
Gestern bei Annabelle. Wenn ich den Müllbeutel und die leeren Flaschen runterbringe, komme ich an Annabelle vorbei. Sie ist eine Schneeballhortensie und das ist der Name, nach dem man suchen muss, wenn man eine haben will. Ich wollte schon lange eine haben, und diesen Frühling habe ich mir eine beim Holländer geholt und auf meinen Balkon nach hinten raus gepflanzt, sie ist sehr schön geworden. Annabelle kommt jedes Jahr wieder und sieht auch sehr schön aus, wenn die Schneeballblüten vertrocknet sind. Wenn ich mal ein Grab habe, will ich eine Annabelle darauf. Das freut dann auch Menschen, die mich gar nicht gekannt haben. Wollte jetzt nicht pathetisch werden, aber ich mache mir hin und wieder Gedanken über solche Dinge. Nicht ständig, aber mir ist ja auch nicht egal, wie meine Wohnung zu Lebzeiten aussieht. Ok?
Um vom Leben zu sprechen: das Konzert am Freitag vom Berlin Beat Club war wie erwartet von viel Begeisterung auf allen Seiten getragen. Leider hatte ich ganz plötzlich einen Durchhänger, weil ich seit vier Uhr früh auf den Beinen war. Aber immerhin habe ich am Anfang noch ein bißchen auf dem Platz im Stehen getanzt. Wegen 3G konnte man nicht auf die eigentliche Tanzfläche direkt vor der Bühne. Ich habe Jever getrunken, vorher ein Schnitzel. Leider fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt, als hätte ich Alkohol konsumiert. Das ging mir neulich im Strandbad Plötzensee auch schon so, ich hatte schon den Verdacht, dass man mir versehentlich alkoholfreies Bier eingeschenkt hat, das es auch zur Auswahl gab. Im Rickenbackers bat ich Ina, mir einen Schnaps zu holen, um irgendwas vom Alkohol zu spüren. Ich trinke sonst so gut wie nie Schnaps. Sie brachte mir einen Wodka, hat ganz gut geschmeckt. Ich war dann zwar nicht gerade putzmunter, aber immerhin nicht mehr kurz vorm Einschlafen. Die letzten drei Songs habe ich dann doch relativ aufmerksam würdigen können. Richtig schön war die einzige Zugabe „Paint it Black“, zu Ehren von Charlie Watts. Mir ist nie vorher aufgefallen, mit welcher Wucht die bass drum den Song trägt. Sehr beeindruckend am Schlagzeug war der als Urlaubsvertretung eingesetzte Perzi Perzborn, der sonst unter anderem bei Plan B und der Surfband Kilauea spielt.
Work in progress, am Nachmittag mit Reparaturspachtel aus der Tube konturiert. Wo es gelb ist, wird noch etwas passieren, ohne dass das Gelb verschwindet. Wär ja schade. (So eine Vermutung)
Gestern Mittag in Charlottenburg, meine rosa Schleifenbluse! Rosa ist nicht gleich Rosa. Rosa gefällt mir, wenn es so pudrig ist, es darf nicht quieken. Auch finde ich sehr schön, wenn Männer klassisch geschnittene rosa Hemden anhaben, dann muss es aber wieder ein anderes Rosa sein, eines mit ein bißchen mehr Blauanteil, so ein ganz helles, fast schon Richtung Flieder, aber immer noch Rosa. Unwiderstehlich. Muß natürlich mit einem schwarzen oder grauen Anzug kombiniert werden, ist klar. Und bitte niemals ein T-Shirt unters Herrenhemd anziehen, die oberen zwei Knöpfe auflassen, und dann guckt ein T-Shirt raus. NO GO!
Ich weiß immer noch nicht, was ich heute zum Berlin Beat Club anziehe. Ina weiß immerhin schon, dass sie eine Jeans mit Schlag anzieht. Jedenfalls ziehe ich heute keine Schleifenbluse und auch kein Rosa an! Der Mond steht im Wassermann, das schreit nach Age-of-Aquarius-Outfit! Silber-Lamé! Hair! The Fifth Dimension…!!!
Ja ja, Berlin Art Week. Bei mir auch. 14. September 2021, Balkon. Satter Sommertag. Nach einer guten Stunde in der heißen Nachmittagssonne war es genug. Man muss immer alles richtig dosieren, keine unsinnigen Pläne machen, wie lange etwas dauern sollte. Wenn es am Schönsten ist, ausklingen lassen. Man muss ja nicht gleich gehen und davonrennen. Von wegen „wenn es am Schönsten ist, soll man gehen“. Langsam zurückziehen ist eleganter. Dann was anderes machen, was auch schön ist. Anders schön, noch nicht ausgereizt. Dramaturgie! Das Bild ist übrigens noch nicht fertig, noch lange nicht. Da passiert noch ganz viel. Irgendwann die nächsten Tage. Vielleicht scheint wieder die Sonne. Ich beschwer mich sowieso nicht. Meine Lieblingsbeschäftigungen sind nicht so abhängig von blauem Himmel, wenn ich ihn auch liebe. Und das Grün, immer noch sommerlich, der Oleander und die Eberesche, Mitte September…
au weia… ich bin wohl etwas geschädigt…First Dates auf VOX, Frank (56), LKW-Fahrer aus der Nähe von Karlsruhe, erklärt im (dialektgefärbten) Einzelinterview auf die Frage, auf welche Art Frauen er steht: „ich mag auch dritte Frauen!“
Das war das, was ICH gehört habe. Dann habe ich es nochmal nachklingen und sacken lassen, nachdem er die Aussage abgewandelt wiederholt hat. Tatsächlich waren seine Worte: „Ich mag adrette Frauen.“
Verwirrung in Berlin. Seit gestern können Veranstalter die 2G-Regelung praktizieren. 2G- oder 3G-Regelung am Freitag im Rickenbackers beim indoor Konzert? Wenn ich es recht verstanden habe, wäre 3G Einlass für Geimpfte, Genesene und Getestete mit Masken- und Abstandspflicht innen, wenn man nicht an (s)einem festen Platz sitzt/steht/tanzt und 2G nur Einlass für Geimpfte und Genesene ohne Masken- und Abstandspflicht. Da bin ich doch sehr für 2G. Aber falls doch 3G: kann man beim Tanzen auch einen bestimmten Platz im Raum als „festen Platz“ definieren und dann die Maske abnehmen? Fragen über Fragen. Einlass für maximal 70 Gäste. Ich lasse mich überraschen. Ina kommt auch mit am Freitag, endlich mal wieder zum Berlin Beat Club! Große Freude!
Gerade wieder ein Erinnerungsschreiben von tinder im Mail-Eingang, folgenden Inhalts: „Du hast eine lange Liste von Likes. Das solltest du vielleicht wissen … Wer wohl dein Secret Flirt ist? Dein nächster Match wartet schon auf dich. Und die Spannung steigt. Finde heraus, wer es ist! Du wirst es nicht bereuen. Diese Mail wurde von Tinder gesendet. 8833 Sunset Blvd. West Hollywood, CA 90069“
Tinder ist aus Hollywood? Also machen sich Leute in Hollywood Gedanken darüber, warum ich nicht sonderlich aktiv bin. Toll!
Kleiner kurzer Eintrag. Den Freitagnachmittag und Abend verbrachte ich in Plötzensee, wo ich niemals vorher war. Hätte ich nicht eine Einladung ins Strandbad Plötzensee zu einer Feier gehabt, wäre ich wohl bis zum Ende meines Lebens nicht da hin, außer zur Gedenkstätte, wo die Nazis unfassbar viele Menschen, darunter viele Widerstandskämpfer, erhängt und enthauptet haben. Das verbinde oder verband ich bislang ausschließlich mit diesem Ortstteil von Berlin. Tatsächlich ist das Freibad Plötzensee ein großes Idyll mit langem Sandstrand am langgezogenen See. Dort werden regelmäßig Parties veranstaltet, es gibt verschiedene Ebenen mit Holzböden und Loungemöbeln im Freien. Ich seilte mich etwas von der Ecke ab, wo gegrillt und gefeiert wurde, kleiner Strandspaziergang. Tolle Ecke und mitten in Berlin. Von der U-Bahn Amrumer oder Westhafen kann man hinlaufen. Der zauberhafte See kann ja nichts für die Verbrechen in Plötzensee.
Am Donnerstag war ich nach sehr langer Zeit einmal wieder in der Wabe, wo ein Theaterstück unter der Regie von Marc Lippuner Premiere hatte: „Des werd doch eh nix!“ Es ging um Karl Valentin und seinen Lebenslauf und sein Hin- und Her zwischen seiner Frau und den Kindern und seiner Geliebten Liesl Karlstadt.
In Bayern, wo ich aufgewachsen bin, gab es im dritten Programm im Fernsehen regelmäßig alte Aufnahmen von den Sketchen von Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Dass die beiden ein Liebespaar waren, ist nie zu mir durchgedrungen, war aber auch außerhalb meiner kindlichen Vorstellungskraft. Die beiden hatten meiner Erinnerung nach keine Szenen mit Erotik drin und wirkten auch sonst hauptsächlich hemdsärmlig, geschlechtsneutral und burschikos.
In dem zwei-Personenstück wurden gekonnt alle möglichen Bon Mots von Valentin untergebracht. Den Kalauer „ein Glück, dass der Hitler nicht Kräuter geheißen hat, sonst hätte es immer heißen müssen HEIL KRÄUTER…“ habe ich tatsächlich lustig gefunden, obwohl ich kein großer Fan von Kalauern bin. Jenny, die neben mir saß und die Idee hatte hinzugehen, hat da auch sehr lachen müssen. Es gab aber auch ernste Stellen.
Danach haben wir uns zu den Schauspielern Heike Feist und Andreas Nickl und zu Marc gesellt (den Jenny und ich ein bißchen kennen) und noch ein bißchen geplaudert und getrunken.
Momentan bin ich bereit mir alles Mögliche anzuschauen, Hauptsache ein Geschehen auf einer Bühne. Am liebsten aber was mit Musik! Leider kann ich das Theaterstück nicht dergestalt empfehlen, dass man auf die nächsten Vorstellungen hinweist, da diese noch nicht feststehen. Sonst natürlich sofort!
Das Wildlederkleid mit dem Trachtenmoden-Charme habe ich seit vielen Jahren im Schrank und extra dafür wieder rausgeholt, weil ich vorher auf Fotos gesehen habe, dass die Hauptdarstellerin mitunter ein Dirndl anhat. Ich passe mich da immer gerne an!
Jenny hat uns gestern zwei Tickets für Silly (mit AnNaR und Julia Neigel als Gastsängerinnen) am 27. November 2021 im Tempodrom geschossen. Oberrang, Block 6, Reihe 1. Damit es später nicht heißt „hab ich gar nicht gewusst…“, gibt noch Tickets, wird bestimmt schön!
Am vergangenen Montag Abend hatte ich endlich mal wieder ein Date, nach langer Zeit! Ich hatte eine Verabredung mit einem sehr gut aussehenden Italiener. Sein Name war Galileo Galilei! Bevor ich mich zum verabredeten Treffpunkt im Monbijou-Theater bei mir um die Ecke machte, checkte ich noch, was er für einen Kleidungsstil bevorzugt und versuchte mich daran zu orientieren, um ihn für mich zu interessieren. Meine weiße Rüschenbluse hat mir schon oft gute Dienste geleistet, wenn es um ein geschmackvolles Outfit geht. Wir hatten einen sehr schönen Abend! Galileo hat einen sehr visionären Geist, was mir immer gut an einem Mann gefällt.
Zufällig gibt es heute Abend im ZDF einen neuen Film in der Reihe Terra X, der sich mit Galileo Galilei beschäftigt! Schalten Sie um 19:30 zu und verschaffen Sie sich einen eigenen Eindruck von der Attraktivität von Galileo Galilei! Das opulent ausgestattete und an den schönsten Originalschauplätzen in Italien gedrehte Werk wurde am Montag im Monbijou-Theater vorgeführt, wo sich das Produktionsteam und viele Mitstreiter und Mitstreiterinnen der vergangenen Produktionen einfanden, um den Film schon mal probeweise zu sichten, bevor er auf die Fernsehzuschauer losgelassen wird. Eike Schmitz, der Regisseur und Urgestein von Atlantis, hatte die Idee, ich könnte DJane mit dem Grammophon spielen, das er am Eingang aufgestellt hatte. Unter den Schelllack-Platten fand ich „An der schönen blauen Donau“, die ich sogleich aufs Grammophon legte. Man muss da immer kurbeln.
Da ich aber ja eigentlich Galileo Galilei treffen wollte, begab ich mich alsbald ins Auditorium, wo die große Leinwand aufgebaut war, damit Galileo und ich uns – ganz coronagerrecht – via Videokonferenz matchen konnten. Ina war auch da, und warf als Freundin einen Blick auf meinen neuen Verehrer. Da Liebe ja oft blind macht, wollte ich von ihr ein fachliches Urteil bekommen, ob Galileo und ich aus ihrer Sicht zusammenpassen. Sie hatte keine Einwände. Daraufhin wurde das Buffet eröffnet und wir stießen auf Galileo an. Seine schicken Anzüge bezieht Galileo übrigens aus dem Atelier Pietro Longhi in Venedig!
An vertrautem Ort, der Villa des Literarischen Colloquiums am Sandwerder in Wannsee, begab ich mich am vergangenen Sonnabend abermals zum Stelldichein, um hauptsächlich ein wenig am Wasser zu sein. Es wurde gelesen. Autorinnen und Autoren vom dtv-Verlag saßen auf der Seebühne. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich meiner Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, als den Vorträgen der Schriftsteller. Man versteht auch nicht ganz so gut, wenn man so nah bei Wind und Wellen am Seeufer sitzt.
Eine wohl recht bekannte und erfolgreiche Autorin namens Dora Heldt las Auszüge aus einem Buch, in dem es um eine Autorin geht, die sich mit Filmleuten trifft, die ihr Buch verfilmen wollen. Es schien direkt um eine Szene am Set zu gehen. Mir fiel auf, dass sich Frau Heldts Gedankengänge bzw. die der Figur, stark um fehlende alkoholische Getränke drehten. Sie hatte „beim Film“ wohl eine gute Flasche Wein zur Überbrückung von Wartezeiten erhofft. Das war recht launig und leicht verständlich geschrieben. Ich dachte mir, wenn man Erfolgs-Autorin ist, kann man sich doch gewiss noch mehr als sowieso schon erlauben, einfach anzubieten, was man erlebt hat. Da sich das Publikum von Frau Heldt schätzungsweise nicht so gut mit den mannigfaltigen Einschränkungen bei Filmdrehs auskennt, ist das bestimmt ein interessantes Thema für ein, zwei Kapitel.
Ich holte zwei Berliner Pilsner und eine weitere, äußerst schmackhafte Bulette mit Kartoffelsalat und Röstzwiebeln (die erste hatte Lydia spendiert). Zum Finale begab sich der aus Dresden stammende und hierzu schriftstellernde Ingo Schulze, den man wohl kennen muß, auf die Seebühne. Ich kannte und kenne ihn bzw. sein Werk leider Gottes nicht. Die Sonne sank in den Wannsee. Ein etwas größerer Vogel betrachtete das Schauspiel mit gebührender Aufmerksamkeit. (Ich meine die Sonne.)
(nach) BERLIN 86. Kinderwaschlappen, Schokoladenverpackung, Paillettenapplikation von irgendwie kratzigem Langarm-Shirt, Papierschnipsel, kaputter Handtaschenhalter, dc-fix, kaputtes Zippofeuerzeug, Spiegelscherben, Klebstoff, Acryl, Leinwand, 50 x 70 cm, 31. Aug./2./3. Sept. 2021, Staatliche Museen v. Gaganien
1986 bin ich nach Berlin gezogen. Es war im Frühling, die Sonne schien. Pink passt zu dem Gefühl, das ich damals hatte. Viel Energie und Begeisterung! Schwarz oder Grau hätte gar nicht gepasst, auch wenn das damals DIE Farbe in allen Clubs war, die man damals noch Diskotheken nannte. Ich war überall, wo man sein musste, klar! Deswegen kann ich auch verbindlich darüber Auskunft geben, dass der Dschungel zwar sehr cool war, aber nicht gerade der lauschigste Laden. Ich erinnere mich an recht grelle Beleuchtung. Da gefiel mir das Cha Cha nebenan, und das Blue Note in der Courbièrestr. schon viel besser. Die Domina-Bar in Schöneberg sowieso. Da waren aber nur sehr verstreut beruflich dominante Damen, es war eine heimelige, extravagante Mischung.
Vor ca. sieben Jahren entdeckte ich in einem Schaufenster an einer Puppe ein Shirt mit einer großen 86 aus Pailletten. Das musste ich haben! Mein Geburtsjahr sozusagen. Mein Berlin-Geburtsjahr. Ich hab es nur ca. dreimal angehabt, weil der Stoff irgendwie leicht kratzig war, obwohl es auf den ersten Blick wie Baumwolle ausgesehen hat. Beim Kleiderschrankausmisten vor vier Wochen habe ich die Applikation herausoperiert und den Rest weggeschmissen. Die 86 musste ich natürlich behalten und irgendwie verewigen. Ich denke sehr, sehr, sehr gerne an diesen Anfang in Berlin zurück. Daher! Der Kinderwaschlappen ist das Orange-Pinke aus Frottee in der Mitte oben. In meiner Generation wurden Kinder mit dem Waschlappen gewaschen. Das war eigentlich kein Kindermotiv, aber mein Lieblingswaschlappen, wegen der tollen Farben. Ich hab ihn als Erinnerung mitgenommen, als ich daheim bei meiner Mama eine Reihe Geschirrtücher, Frotteetücher und Waschlappen sortiert habe.
Es ist, wie es ist. Die Zahl ist, wie sie ist. Sollte ich 76 werden, im Jahr 2041, werde ich sicher an diese Jahre zurückdenken, als eine Fünf das Alter anführte: „Hach ja, damals, Mitte Fünzig, als ich gerne biologisch zehn oder zwanzig Jahre weniger auf dem Lebenskonto gehabt hätte, wie bemerkenswert jung ich mich doch eigentlich noch fühlte, damals 2021!“ Immer SO an die Zukunft denken! Das hilft. Tinder hat sich aktualisiert. Auf der Bauchbinde steht nun 56. Da ich dort allerdings ewig niemanden geherzt habe, kann ich gar nicht beurteilen, wie nun meine Aktien stehen.
Bevor ich mich für den Ausflug zum Café am Neuen See fertig gemacht hatte, vorgestern, blätterte ich auf dem Balkon in einem schönen Bildband über die Häuser von Picasso. Den habe ich schon ein paar Monate, auch schon mal drin geblättert, aber nun hatte ich die Idee (weil ich mir nichts weiter zum Geburtstag geschenkt habe), ich könnte so tun, als sei das ein Geburtstagsgeschenk. Ich hab mich gefreut! Da ich noch mehr Bücher und Bildbände habe, die ich dergestalt würdigen könnte, plane ich weitere Rollenspiele. Man tut so, als wäre das, was man hat, ganz neu und aufregend, und nimmt es ganz vorsichtig und neugierig in die Hand und freut sich dran!
In dem Buch sind auch Teppiche abgebildet, die in den Siebziger Jahren einmalig nach Entwürfen von Picasso gewebt wurden. Toll! In dem Schloss, wo er zu vorletzt gewohnt hatte, Château de Vauvenargues, ist sein Grab, also im Garten. Sich im Garten begraben zu lassen, war nicht überall erlaubt, aber da schon. In einem Buch las ich, dass er in ein traditionelles spanisches Cape gekleidet wurde, zu dem er eine besondere Beziehung hatte, in dem man ihn dann in den Sarg bettete.
Ich habe schon ganz schön viel über Pablo gelesen, fällt mir auf. Wenn ich so alt werden würde wie er, hätte ich noch fünfunddreißig Jahre vor mir. Ich will mich darum bemühen, sehr gesund und beweglich zu bleiben. Alkohol trinke ich moderat, immer so viel, wie ich eben gut vertrage, aber schon täglich. Rauchen tue ich eher selten, aber wenn dann sehr gerne. Essen immer sehr frisch und vitamin- und mineralstoffreich! Regelmäßig Licht und Sonne. Dann immer schön Treppensteigen, was sich ja nicht vermeiden lässt an manchen Orten, z. B. die Treppen rauf zu meiner Werkstatt oder die Treppen runter und rauf Richtung U 8, oder zum S-Bahnsteig Hackescher Markt. Bin immer gut unterwegs.
Aber die Treppe zu meiner Wohnung im fünften Stock nehme ich nur, wenn der Fahrstuhl mal kaputt ist. Man soll es wiederum auch nicht übertreiben, mit den schweißtreibenden Aktivitäten. Wenn man zu viel schwitzt, ist das nicht gut für die Gelenke, habe ich gelesen. Entzündungsförderlich! Ein Altersforscher empfiehlt moderate, kontinuierliche Alltagsbewegungen. Zum Einkaufen zu Fuß, flott spazieren gehen. Ich versuche in letzter Zeit wieder mehr auf eine gerade Haltung zu achten, besonders wenn ich an den Hipstern und Millenials da unten am Gipsdreieck vorbeiflanieren muss. Ich bin immer noch stolz, wenn mich jemand einfach duzt, also von den Jüngeren meine ich. Ältere dürfen mich ruhig siezen, eine Frage des Respekts!
Gestern Abend in zauberhaftester Damenbegleitung ein Jahr älter geworden. Hat gar nicht wehgetan (oder nicht mehr als sonst…). Wir waren im Café am Neuen See, mitten im Tiergarten, draußen im lauschigen Garten. Nicht die erste Runde in dieser Zusammensetzung, und hoffentlich nicht die Letzte. Ich bin optimistisch. Gut, dass ich meinen Hut aufhatte, sonst hätten mich die anderen inmitten der zahlreichen Gäste gar nicht so leicht gefunden. Warum ich nur mit Damen gefeiert habe, ist eine gute Frage. Es gibt schon Männer zu den Damen, keine alten Jungfern! Aber das sind besondere Gespräche zwischen uns. Vor allem es ist ein gemeinsames Gespräch, keine dreiundvierzig Gesprächsinseln. Getrunken wurde natürlich auch, gegessen sowieso. Nur geraucht hat keine von uns. Ich hatte sicherheitshalber Zigaretten dabei, aber keinen Drang, ich wollte mich nur absichern, für den Fall der Fälle, der mich mitunter sehr impulsiv überkommt.
Es gab wieder als Hausaufgabe die Bitte, mir neue Postkarten-Challenges zukommen zu lassen, diesmal zum Thema Adel. Schöne Herausforderungen dabei, ich habe zu tun! Jede Challenge bekommt ihre eigene Würdigung. Aber von einer Karte kann ich nicht umhin, jetzt schon den Text preiszugeben, ohne das Motiv zu verraten. Lydia ließ mir folgende Zeilen zuteil werden: „Liebe Gaga,
zu Deinem 28. Geburtstag wünsche ich Dir Alles Gute! Möge der ewige Wind der Jugend Deinem Haar stets einen eleganten Sitz verleihen!“
MOVE ON UP! T-Shirt-Applikation Pailletten-Papagei von zu eng gewordenem schwarzen Langarmshirt (ca. Neunziger Jahre), Badeanzug-Applikationen von Postkarten-Challenge kid37, Sept. 2020: „Hiltrud Kardatzke“ aus lila gestreiften Servietten (1-Euro-Shop) und Papierresten, dekonstruierter Flohmarktring aus Liebenburg von Volker-Glam, Metallteile unbekannter Provenienz, sowie Klobrillenbefestigungs-Abdeckungen, Bastelkleber, Acryl, Leinwand, 50 x 70, 30. Aug. 2021, Staatliche Museen v. Gaganien
Es gibt eine Studie, die besagt, dass abstrakte, schwer nachvollziehbare Titel von Kunstwerken zu einer höheren Beachtung bei Kunstkritikern, Sammlern, Kuratoren und Kunsthistorikern, sowie einer größeren Ehrfurcht beim Publikum führen. In diesem Sinne lege nun auch ich mehr Augenmerk auf meine Betitelungen und werde demzufolge dieses Werk keinesfalls „Papagei im Tropenwald“ nennen. Gerne bin ich aber dennoch bereit zu erhellen, was es mit dem Titel „move on up!“ auf sich hat.
Nicht ist jetzt direkt damit gemeint, aufzustehen und den Blick nach oben zu richten, um den Papagei im Tropenwald besser sehen zu können. Vielmehr ist das Lied gelaufen, als ich die wesentlichen Anordnungsarbeiten auf der Leinwand ausgeführt habe. Lustigerweise war ich genau damit fertig, als „move on up!“ von Curtis Mayfield zu Ende war. Das war mir ein Zeichen! Allerdings handelte es sich um die sogenannte „extended version“ von 8:47 Minuten. Als ich ca. vier Stunden später die letzten weißen Pinselstriche um das Tier und die Gewächse herum ausführte, lief der Song schon wieder. Das war nun wirklich ein Zeichen!
Außerdem gefällt mir die message von dem Song. Der läuft übrigens auch auf meinem etwas verwaisten tinder-Profil, da kann man einen Song einbinden, damit die potenziellen Bewerber gleich mal eine Vorstellung haben, wie man so drauf ist. Eine uptempo Nummer schien mir da zielführender als eine schmerzensreiche Ballade.
Außerdem kann man ein Motto unter sein Foto schreiben. Ich habe mich für „save water, drink champagne“ entschieden, das hat was Flottes und ist auch ein bißchen frivol. Ich wollte den tinder account noch so lange beobachten, bis ich Geburtstag habe, um zu sehen, ob sich dann mein Alter auf der Bauchbinde unter dem Profilfoto ändert, also aktualisiert. Bis jetzt leider nicht festzustellen.
Ich hatte tinder über facebook verknüpft und die glänzende Idee, mich zwecks Erweiterung der Zielgruppe zehn Jahre jünger zu machen. Also habe ich bei facebook einfach mein Geburtsjahr geändert, in der Hoffnung, eine niedrigere Altersangabe unter meinem Foto auf tinder zu sehen. Hat leider nicht geklappt, die Reihenfolge war falsch!
Ich hätte es erst bei facebook ändern müssen und mich erst anschließend bei tinder anmelden. Aber vorher wusste ich ja noch nicht, dass das Alter da immer so überdimensioniert unter dem Foto gezeigt wird. Das kann man nur bei den Bezahlaccounts abstellen. Das ist es mir nicht wert. Ich gucke sowieso nur alle vier fünf Tage bei tinder vorbei und ixe nur Fotos weg. Nix dabei für meinen Geschmack.
Angeblich kann man für ein fresh up des Alters sorgen, wenn man seinen Account löscht und sich neu anmeldet, das ist mir auch zu umständlich. Gibt Wichtigeres! Zum Beispiel, dass ich mich heute Abend mit vier charmanten Damen im Café am Neuen See zum Stelldichein treffe. Dann gibt es endlich neue Postkartenperformance-Challenges! Ich hab das Thema etwas vorgegeben, bin gespannt, ob sich die Damen dran halten!
Kenner meiner Performances könnten ein déjà vu bei dem Papageienbild haben, ich habe nämlich die Badeanzug-Applikationen von Hiltrud Kardatzke recycelt.
Hush now child And don’t you cry Your folks might understand you By and by
Just move on up Towards your destination Though you may find, from time to time Complication
Bite your lip And take a trip Though there may be wet road ahead And you cannot slip
Just move on up For peace you will find Into the steeple of beautiful people Where there’s only one kind
So hush now, child And don’t you cry Your folks might understand you By and by
Move on up And keep on wishin‘ Remember your dream is your only scheme So keep on pushin‘
Take nothing less Than the supreme best Do not obey rumors people say ‚Cause you can pass the test
Just move on up To a greater day With just a little faith, if you put your mind to it You can surely do it Curtis Mayfield 1970
FLÜGELSCHLAG. Pappkarton Philosphen-Memory und Domino-Steine von Ina, Klebstoff, Grundierung, Acryl, Aquarellstift, 19,5 x 19,5 cm, 1. – 28. August 2021, Staatliche Museen v. Gaganien
Message an Ina, 29. August 2021, 20:34 Uhr:
„sicher erinnerst du dich, dass ich das Dominospielkästchen und das Philosophenmemory beim Spiele-Ausräumen interessant fand und mitgenommen habe…. daheim hab ich das Philosophenmemory angeschaut und war total traurig, dass fast kein Philosoph hübsch war und dass es nur alte Männer auf den Fotos waren (außer Nietzsche). Immerhin hätte man Beauvoir oder Hannah Arendt berücksichtigen können…. ein Club von alten Männern. Aber die Schachtel war schön stabil und zu gebrauchen. Mir fiel dann ein, dass ich bestimmt auch nie Domino spielen werde, aber die Holzschachtel war doch so schön…
Ich hab dann rumgespielt und hatte ein bißchen Farbe daheim und habe dann mit dem Türkis und Weiß, was ich eben da hatte, rumgebastelt und gemalt, da ist das dann dabei rausgekommen…
ich hoffe, du verzeihst mir die Transformation….! Das kleine Bild heißt Flügelschlag…“
Und noch ein paar Balkonfotos von gestern, Auguststraße nach Süden mit dem Zebragras und hinten raus, nach Norden, wo meine Schneeballhortensie Annabelle ihren ersten Sommer verbracht hat. War schön sonnig gestern bis die Wolken kamen.
Gerade entdeckt: „Berlin.de“ hat nicht nur die neueste Corona-Verordnung in petto, sondern auch ein Potpourri an Tipps zur Hausarbeit (nicht „Home Office“, sondern Haushaltsführung!).
Also, ich war beim neuen Edeka und beim neuen Rossmann. Eingang nun gegenüber von CHANEL! Es geht die Rolltreppe runter und man merkt gleich, wir bewegen uns in neuen Dimensionen, sehr geräumig! Der neue Edeka wirkt von innen ein bißchen ähnlich wie die Lebensmittelabteilung von Karstadt-Wertheim am KuDamm (ich kann mir nicht merken, wie das Kaufhaus aktuell firmiert). Als preisliches Referenzprodukt habe ich einen Crémant angesteuert, von dem ich den regulären Preis aus dem effeff kenne. Da ging mir doch gleich das Herz auf, denn das Getränk hat z. Z. den absoluten Tiefstpreis von 5,49! Sensationeller Preis.
Gelernt: Preisschilder mit rotem Etikett am Regal sind Sonderangebote. Auch die 1,5-Liter-Flasche Tonic Water der Marke „gut und günstig“ war noch günstiger als sowieso schon. Es gibt nun neben normalen Kassen noch zusätzlich drei Schnellkassen für kleinere Einkäufe, mit sehr freundlichem Kassenpersonal. Ich habe mit meinem Kassierer ein Pläuschchen gehalten und mich als ehemalige Stammkundin vorgestellt. Die Mitarbeiter merken sich das! Ich bin früher so gerne dahin, weil es sowieso auf meinem Weg liegt, aber auch noch extra gerne, weil so eine bestimmte blonde Kassiererin wie ein beleidigter Dackel geguckt hat, wenn ich länger nicht da war und gefragt hat, warum wieso weshalb und dass sie mich schon vermisst hat. Es hat gemenschelt. Überhaupt freuen sich Kassierer immer, wenn man ein persönliches Wort für sie hat, so wie ich mich als Kundin ja auch.
Bei Rossmann ähnlich! Ich brauchte den 10-Prozent-Rabatt-Gutschein gar nicht, es gibt gerade für jeden Kunden auf alles zehn Prozent. Habe Glühbirnen gekauft, die sind ja immer noch überall so unverschämt teuer. Und Deo. Auch dort ein sehr charmanter junger Kassierer, der mir ebenfalls gutgelaunt seine Wünsche für ein schönes Wochenende übermittelt hat.
Auf dem Rückweg kam mir zwar nicht Frank Castorf in der Sophienstraße entgegen, aber ein Mann der original wie Peter Handke aussah. Mit zwei vollen Einkaufsbeuteln aus Baumwolle. Muss gleich mal googeln, ob Handke jetzt zwischen Paris und Berlin pendelt. Kann aber auch ein Doppelgänger gewesen sein (Handke lebt noch, oder?).
Beim Weg durch die Sophie-Gips-Höfe überholte ich eine Mutter mit zwei kleinen Töchtern. Die eine Tochter, ca. drei oder vier, war auf dem Arm der Mutter und ganz ruhig. Die andere Tochter, ca. vier oder fünf, lief lustlos und weinend und jammernd hinterher. Gemeinerweise mussten alle Erwachsenen (ich eingeschlossen) darüber grinsen. Es war schon ein bißchen dick aufgetragen, um nicht zu sagen theatralisch. Die Mutter guckte ganz ungerührt, ich drehte mich zu ihr um und sagte: „vielleicht will sie auch auf den Arm?“ Die Mutti etwas hilflos lächelnd: „Ja. Ja ja. Ich wechsle schon dauernd ab.“ Ich in Richtung des Töchterchens auf dem Arm deutend: „Und wenn SIE dann unten ist, weint sie dann auch?“ Mutti: „Ja. Ganz genau dasselbe.“ Uff.
P.S. Der Edeka hat jetzt eine extra Abteilung mit riesiger Überschrift „VEGAN“, wie es sich für die vegane Welthauptstadt gehört. Bin zwar keine Veganerin, begrüße das aber.
Die Sonne zeigt sich! Ich gehe mal zum neueröffneten Rossmann und Edeka in der Rosenthaler Straße. Das waren früher zwei Geschäfte, in denen ich viel eingekauft habe, bis das Haus abgerissen wurde, um ein neues zu bauen. Jetzt ein bißchen weiter nach links versetzt, haben beide wieder geöffnet. Per Post kamen zehn Rossmann-Gutscheine, wo man auf jeden Einkauf zehn Prozent Rabatt erhält. Bin gespannt.
Die Baulücke war zu Anfang sehr schön, weil man plötzlich Richtung Rochstraße durchgucken konnte und von dort die Sonne auf die sonst eher schattige Rosenthaler Straße durchbrach. Waren bestimmt zwei oder drei Jahre mit der Baustelle, wenn nicht mehr. Hoffe, die Edeka-Preise haben keinen Mitte-Aufschlag. Wehe! Ich merke das!
Mal sehen, ob ich wieder Frank Castorf an der Kasse treffe. Wir hatten früher offenbar sehr ähnliche Einkaufszeiten-Gewohnheiten. Er muss da irgendwo Richtung Sophienstr. wohnen, da ist er immer mit seinem Einkaufsbeutel abgebogen. Ich berichte!
Mein kleiner Balkon an meiner Werkstatt, gestern Nachmittag. Die Krone vom arg zurechtgestutzen Vogelbeerbaum ist so schön erblüht, dass ich jetzt vom zweiten Stock in ein grünes Blättermeer schaue. Ein Zweig ist durch das Balkongeländer gekrabbelt. Die letzten Tage wieder täglich da gewesen und auch den Oleander und Bambus mit viel Wasser verwöhnt. Habe siebzehn Stunden an einem recht großen Bild gearbeitet. Ist jetzt fertig. Zeige ich später.
(der Herr gibt 6 Punkte v. max. 10; in dt. Schulnoten: 3- oder 4+). Perfektes Dinner, Montag. Habe die Sendung nicht gesehen, nur den Schluss mit der Bewertung. Jetzt eine meiner Lieblingssendungen, „Goodbye Deutschland“. Großes Treffen der Auswanderer in einer Villa in Mallorca, zum fünfzehnjährigen Jubiläum der Sendung.
„eben sehr gelacht…! Gerade kam ich spät heim, von einem langen Arbeitstag. Kurz den TV angemacht, bißchen gezappt, ca. zweieinhalb Minuten bei einem Format namens „The Beauty and the Nerd“ hängengeblieben, das noch gekünstelter und noch gescripteter rüber kam, als wir uns zuletzt mal vor ein oder zwei Jahren drüber kurz austauschten, sehr, sehr preisgünstig wirkender Trash.
ABER! Ich erwischte ein absolutes Highlight von einem Satz einer Kandidatin, die der deutschen Sprache entweder nicht mächtig ist, oder es handelt sich um eine neue Ausdrucksweise einer jüngeren Generation. Wenn es ein unfreiwilliger Fehler war, ist er doch von gewisser Poesie und es ist überlegenswert, diese (für mich) Neuschöpfung in den alltäglichen Sprachschatz zu integrieren.
Ein Blondchen mit frustriertem Gesicht saß neben einem Kandidaten, vermutlich einem gedateten „Nerd“, und sprach in die Kamera:
„Isch fühle mich unterbehandelt! Und wenn isch mich unterbehandelt fühle, dann gehe ich!!!“
Wumms! Rumms! Das hatte doch einen sprachlichen Charme, der sicher in der Sendung für heute nicht mehr übertroffen wird, daher schaltete ich sofort ab, um Dir dies mitzuteilen.“
Nicht vergessen: wie schön es im Schlüterhof am Abend sein kann, in der Abenddämmerung, wenn eines der Konzerte im Hof ist. Jetzt jeden Freitag und Samstag ab 19 Uhr, Eintritt frei. Es gibt auch Getränke und Sitzgelegenheiten. Der Schlüterhof ist der Innenhof vom neuen Berliner Stadtschloss und bei Tag und Nacht geöffnet.
2015 entdeckte ich erstmalig die Kuppelkonstruktion beim Blick aus meinem Wohnzimmer, Richtung Süden, zur Auguststraße. Bis dahin gab es nur die große und eine kleinere Kuppel vom Berliner Dom für mich zu sehen. Und auf einmal war dazwischen etwas Neues, das Gerüst der Schlosskuppel. Nun ist sie fertig, eine Weile schon. Ich freue mich, wenn die Patina kommt, mit Grünspan, dann sehe ich drei türkise Kuppeln! Dürfte noch etwas dauern, Grünspan entwickelt sich schneller, umso salzhaltiger die Luft ist, deswegen geht es in Hamburg flinker. Zehn bis fünfzehn Jahre muss man mindestens rechnen.
Es kann meiner Meinung nach gar nicht genug Kuppeln in einer Stadt geben. Religion egal! Ob Protestantismus, Islamismus, Katholizismus, Hinduismus, Judaismus, Eklektizismus, Royalismus oder Historizismus – ich nehme jede Kuppel mit offenen Armen entgegen. Erotizismus!
Auch am kommenden Wochenende gibt es wieder Live-Musik, Eintritt frei. War ein großartiger Klang am letzten Samstag. Lydia hatte die Idee. Es war überhaupt schön, von zuhause hinzulaufen. Draußen saßen überall Menschen an Tischen mit flackernden Teelichtern, laue Sommerabendluft. Mich beeindruckte das ganze Ensemble im Abendlicht, der subtilen Beleuchtung der Architektur. Man muss es gesehen haben, den Raum erleben.
Ich fand ein Video, in dem die Herstellung der sogenannten Kolossalfiguren und deren Einbringung in den Schlüterhof gezeigt wird, dieses hier. Ich schrieb Lydia, als ich ihr den Link schickte, dass ich aus mir selber nicht völlig klaren Gründen plötzlich weinen musste, als man sah, wie die drei Meter großen Figuren nebeneinander auf dem Transporter standen und am Schloss eintrafen. Schön, dass die Bildhauer gezeigt werden. Kolossal.
Die Konzertreihe heißt „Durchlüften – Open Air im Schlüterhof“ und geht noch fast bis Mitte September. Man muss sich nicht anmelden, kein Zeitfenster buchen, einfach hingehen, keine Maskenpflicht, ist ja draußen. In einem etwas abgegrenzten Bereich direkt vor der Bühne gibt es Sitzplätze, die ein Ticket erfordern, aber es gibt auch außerhalb der dezenten Absperrung Sitzgelegenheiten, z. B. an den Tischen vom Café. Ich habe den nächsten Freitag schon wieder ins Auge gefasst.
Das Foto von den Kuppeln aus meinem Wohnzimmerfenster ist am 20. Dezember 2015 entstanden.
Vor zehn Jahren habe ich mich dem Gedenken des damals fünfzig Jahre zurückliegenden Mauerbaus gewidmet. Wie sicher auch heute, gab es mehrere Gedenkveranstaltungen, die der RBB begleitete. Ich war damals am Mauerdenkmal, der Mauergedenkstätte mit den Fotos der an der Grenze Erschossenen, und im Mauermuseum an der Ackerstraße und bei den Mauerresten in der Bernauer Straße, und habe sehr, sehr viel fotografiert und auch nicht wenig dazu geschrieben, ist hier versammelt zu sehen und nachzulesen.
Auch blöd: seit fast drei Wochen durchgeimpft, Wochenende vor der Tür und nichts vor, da mir Informationen oder Einladungen fehlen. Keine tollen Konzerte oder rauschenden Gartenparties oder Barbesuche. Ich hätte gerne einen Veranstaltungskalender. Früher hat man in den Tipp geguckt oder in die Zitty. Tipp hat keinen vernünftigen Veranstaltungskalender mehr, nur so komische Themenkacheln, nicht mehr die Möglichkeit, ein Datum zu wählen und dann Alles oder Konzerte oder was es eben sonst noch gibt, zu selektieren. Zitty gibts gar nicht mehr. Berlin.de hat ein paar Sachen unter Veranstaltungen – aber das kann doch nicht alles sein. Wer soll denn bitte noch diesen Tipp lesen, wo nur noch irgendwelche ausgewählten Kulturveranstaltungen portraitiert werden, ohne Veranstaltungskalender. Was für ein unausgegorenes Konzept. Das war früher der Hauptgrund, warum man sich das Blättchen geholt hat. Oder ist das nur online nicht verfügbar? Egal. Seit der Tipp nicht mehr Tip heißt, bin ich raus! Ist doch Scheiße! Bin orientierungslos.
Streisand singt „What are you doing with the rest of your life?“, eine Aufnahme von einem Rehearsal in ihrem Wohnzimmer, die ersten Takte, dann geht es in die Studioaufnahme über, die mir zu glatt und arrangiert und parfümiert, zu pathetisch erhöht ist. Aufgebauscht. Benjamin Biolay, „Tu es mon amour“. Ist mir jetzt zu larifari, zu flott und gut gelaunt. Next. Harry Belafonte, „Try to remember“ . Das ist schön. Sehr.
Das war ein sehr zurückgezogenes Wochenende. Nicht nur, weil ich impulsiv ALLE tinder matches entmatcht habe. Auslöser war ein neues match von einem 51-jährigen aus dem Kulturbereich, der mir ernsthafte Zeilen schrieb, die mich überforderten. Ich hatte ihn nur – wie soll ich das nennen – „herzen“? Geherzt? Also auf dieses Herzsymbol geklickt. Es gibt da ja nur dieses Herzsymbol oder ein X (für ab in die Tonne) in der PC-Version. Nach-rechts-Wischen wäre weniger gefühlsduselig. Ich habe manchmal nach 50 – „Nieten“ sollte ich es nicht nennen, das ist zynisch – Bildern von Kandidaten, dir mir nicht zusagten, jemandem ein „Go“ gegeben, der einen kleinsten gemeinsamen Nenner hatte. Der Interpretationsspielraum ist naturgemäß gigantisch, wenn man nur die Wahl zwischen Top oder Flop hat. Es könnte große Liebe und Zuneigung auf den ersten Blick sein, oder lediglich eine Sympathiebekundung, zumal in Relation zu den anderen vorgelegten „Bewerbern“.
Ich habe nach diesem ernsthaften Bewerber aus Schöneberg nicht nur ihn entmatcht (ich hätte ihn enttäuschen müssen), sondern auch alle anderen unnötig in die Länge gezogenen Konversationen. Da war einfach niemand dabei, der mich ernsthaft elektrisiert hat. Und es hat mich auch nicht in Abgründe gestürzt, dass es so war. Es war mir tatsächlich eher gleichgültig. Ich spüre, ich bin unverändert fatalistisch und glaube, dass es passiert, wenn es passieren soll. Egal wie und wo.
Den Hut mit der Kuckucksfeder trug ich am zweiten Tag zu Jans Ausstellung bei feinart, am Freitag, wo Bazon Brock Hof hielt. Ich gehörte allerdings nicht zu den Höflingen. Keineswegs (im Gegenteil). Am Samstag räumte ich rum, hier und da, und schon war er vorbei, der Samstag.
Am Sonntag wollte ich ernsthaft nach – oh Gott, wie heißt der Ort noch – Luckenwalde, hatte mir schon die Zugverbindung mit der Regionalbahn herausgeschrieben, und wie ich zur Breiten Straße in der City komme, dem sog. „Boulevard“, wo ein kleines Kunstfestival stattfand, u. unter anderem eine Malerin ausstellte, die ich von mehreren Begegnungen kenne, Evelyn, ich traf sie Freitag bei feinart, sie lud mich ein. Ich hatte mir gemerkt, dass der Zug von Gesundbrunnen immer um xx.25 Uhr fährt. Insgesamt eine gute Stunde Anreise, oder eine und eine Viertelstunde mit allen Wegen zur U-Bahn, vom Bahnhof zu diesem Boulevard, über eine Käthe-Kollwitz-Straße entlang.
Es war bereits Nachmittag und ich hatte endlich Lust (jetzt oder nie), eine Näharbeit an einer Hose anzugehen, von Hand die Hosenbeine zu verlängern. Mir sind Hosen oft zu kurz. Ich bin nicht versessen darauf, mit Nadel und Faden eine unsichtbare Naht an zwei Hosenbeinen zu fabrizieren, um Stoff anzunähen. Wie auch immer – das war die Stunde.
Vergeht dann auch schnell so eine Stunde. Als ich wieder auf die Uhr sah, war es kurz vor Vier. Ich hätte mich langsam – oder besser nicht so langsam – ausgehfertig anziehen müssen. Zur vollen Stunde müsste ich los, um den Zug zu kriegen. Zu stressig. Ich könnte ja noch mal zur nächsten vollen Stunde einen Versuch machen. Ich war dann auch mit der Näharbeit fertig, da zog es zu, es wurde immer wolkiger und ungemütlicher. Das schien mir gar nicht attraktiv, unter einer grauen Wolkendecke unterwegs zu sein.
Ich ließ davon ab, schon auch mit Bedauern. Anderthalb Stunden später wurde es wieder heller, sogar sonnig, das war mir dann zu spät. Ich wusste ja, dass ich im Falle von keiner Mitfahrgelegenheit in Luckenwalde, den Zug um 22 Uhr irgendwas, der der letzte nach Berlin ist, kriegen müsste. Um 18 Uhr wollte ich wirklich nicht mehr zu einer über einstündigen Anreise nach Luckenwalde aufbrechen, wo ich dann um einiges nach 19 Uhr ankommen würde, und zweieinhalb Stunden später schon wieder gehen müsste, um den letzten Zug zurück nach Berlin zu kriegen.
War dann ein sehr ruhiger Sonntag. Und endlich die blöde Hochwasserhose länger gemacht. Ich hätte sie auch wegwerfen können, hat mich aber irgendwie gereizt, sie zu verlängern. Hatte ich heute an. Keine Fotos! Aber auch Mütze auf dem Kopf, die von meinem Großvater. Korrespondierte mit dem Grau des Shirts, das ich anhatte. Vorne ist B.B. drauf, „oben ohne“ aber so dezent grau in grau, das SW-Foto, und sie raucht eine Zigarette, ganz verrucht.
Jetzt Esther und Abi Ofarim, „Morning of My Life“ (schön wär’s). „in the evening I will fly you to the moon, to the top right hand corner of the ceiling in my room, where we’ll stay until the sun shines“ – – –
Ich will nun öfter meine Mützen und Hüte tragen. True Royalty wears hat! So geschehen vorgestern und gestern. Jahre ist diese schöne Mütze nicht gewürdigt worden. Fotos vom 5. Aug., auf dem Weg zu Jans Ausstellung bei feinart, die fein gehängt ist. Gestern war ein Hut dran, den ich in einem Geschäft auf dem Weg nach oben zu Schloß Neuschwanstein gefunden habe, mit einer herrlichen Kuckucksfeder am Hutband. Nun will ich Kaffee trinken!
Freitag hatte ich die Idee, die privaten Konversationen (überwiegend mit Lydia) über meine virtuellen Dating-Plattform-Aktivitäten zu copypasten. Das Formatieren der 29 A4-Seiten hat einige Zeit beansprucht. Dann war ich allerdings verabredet (kein Date in dem Zusammenhang) und hatte keine Zeit für den letzten Schliff. Eine Idee war auch, daraus eine Lesung zu veranstalten.
Um das Ganze mit noch mehr Authentizität und Substanz zu unterfüttern, schwebt mir vor, echte Chatfragmente einzubauen. Das lässt sich moralisch allerdings nur bewältigen, wenn man sich nicht ernsthaft verstrickt hat. Gut eignen sich dafür Kontakte, die mit einer Entmatchung endeten. Ich habe da schon ein schönes Potpourri von zum Teil haltlosen Halbsätzen.
Bislang gibt es keinen realen Kontakt, also keine Begegnung. Nicht, dass nicht auch schon mal danach gefragt worden wäre. Ich hatte dann auch wieder zu tun. Ich war z. B. bei Ina in Frohnau, Sachen rumräumen und grillen und Wein trinken. Oder ein paar Tage vorher mit Lydia bei einer Ausstellungseröffnung von einem schwulen Maler, wo fast nur schwules Publikum war. So stelle ich mich mir Galerien in San Francisco vor. Interessante Atmosphäre. Und noch vorher traf ich mich mit Maria zum Picknick mit einer gekühlten Flasche im Rosengarten vom Weinbergspark.
Ich ziehe aus mir selber nicht ganz klaren Gründen Treffen mit mir bestens bekannten und vertrauten Freundinnen den Treffen mit mir bestens unbekannten und komplett unvertrauten Tindermatches vor. Stimmt irgendwas nicht mit mir? Das sympathischste Match hat sich leider zurückgezogen, mit angekündigtem Löschen der app, aber wer weiß das schon. Ich hab tinder noch nicht platt gemacht.
Lydia ist der Meinung, wenn ich meine Erfahrungen auf einer Bühne zum Lesevortrag bringe, muss ich noch mindestens ein Date haben, sonst wäre das eine halbe Sache. Wahrscheinlich hat sie recht. Sie soll dann übrigens den anderen Part lesen, also was sie mir jeweils geschrieben hat. Alles ganz natürlich, wie im echten digitalen Leben. Ich sehe da ein Publikum. Wenn ich dann auch noch tinder-Chatstränge eingebaut habe, wären Männerstimmen sehr charmant. Freiwillige melden!
Irgendwie leichter über Schleifenblusen als über die Beisetzung seines Vaters zu schreiben. Obwohl sie sehr gelungen war, trotz des sintflutartigen Regens. Ich warte noch, bis ich ein paar Aufnahmen von den schönen Blumen habe… (Ich habe nicht fotografiert… auch ohne Kamera schon nicht einfach mit Maske, Regenschirm, Taschentuch, Händchen halten zu jonglieren…). Heute vor zwei Wochen war es.
irgendwelche tollen Events am Wochenende? Kommt mir vor, als müsste man auskosten, dass gerade kein Stubenarrest ist. Kleiderschrank ausgemistet, Sachen entdeckt, die ich wieder einmal anziehen und präsentieren könnte. Auch Kopfbedeckungen, wie eine schöne schwarze Kappe, so ein Mittelding aus Schiebermütze, Barett und Baskenmütze. Hab ich heute auf.
Das kam auch, weil ich in der Garage bei meinen Eltern, wo ein alter mehrtüriger Schlafzimmerschrank neben dem Auto steht, eine alte Mütze aus den Achtziger Jahren von meinem Großvater gefunden habe. Eine leichte Schiebermütze aus einem feinen grauen Wollstoff, ähnlich wie Leinen gewebt. Ich weiß nicht, wieso mein Vater die in dem Schrank hatte, wo sonst hauptsächlich Polster für Terrassenmöbel untergebracht sind. Ich hab ihn nie mit einer Mütze gesehen.
Aber mein Opa hat solche Schiebermützen täglich aufgehabt, er hatte sie in verschiedenen Ausführungen. Ich hab sie zum Spaß aufgesetzt, die schöne graue. Er ist 1984 gestorben, sie sieht aus wie neu. Vielleicht die letzte Mütze, die er geschenkt bekam. Ich hab sie mit nach Berlin genommen und schon zweimal aufgehabt und Komplimente erhalten. Ein Foto gibt es leider (noch) nicht davon.
Das Ergebnis meiner Kleiderschrankaktion führt leider nicht zu auffallend mehr Platz im Schrank, sondern nur dazu, dass die Sachen, die ich behalten will, nicht mehr ganz so eng gequetscht sind. Lücken sind leider keine zu erkennen. Aber immerhin seh ich jetzt die Sachen besser, die ich immer noch gerne mag und länger nicht anhatte.
Momentan tu ich mir mit Bloggen ein bißchen schwerer als sonst, weil ich viele Sachen im Kopf habe, die da rotieren und noch nicht greifbar genug sind, um sie aufzuschreiben. Wie ein Schwarm Mücken. Ganz abgesehen davon, dass ich einiges auch gar nicht aller Welt öffentlich mitteilen will. Ich kann aber versichern, das sind ausschließlich Dinge, die einem weder beim Aufschreiben noch beim Lesen den Tag schöner machen, also kein Verlust für meine Leserinnen und Leser.
Mein Konto ist ganz leicht überzogen, aber das gleicht sich demnächst wieder aus. Ich hab mir zuletzt auf einen Schlag, also neulich vor zwei Monaten oder so, ganz viele kurzärmlige Schleifenblusen bestellt. Zuerst eine, und die hat so gut gepasst, dass ich dann noch mehr haben wollte. Obwohl sie nicht teuer waren, summiert es sich dann doch, wenn man auf einen Schlag sechs Schleifenblusen kauft. Aber die sind so adrett! Als Kind habe ich es gehasst, adrett auszusehen, jetzt bin ich ganz versessen drauf! Wie ein Päckchen mit Schleife, das man gerne auspacken möchte.
Ich habe:
1 Schleifenbluse, weiß mit schwarzen Streifen 1 Schleifenbluse, weiß mit dunkelblauen Streifen 1 Schleifenbluse, weiß mit schwarzen Tupfen 1 Schleifenbluse, altrosa 1 Schleifenbluse, lila 1 Schleifenbluse, schwarz 1 Schleifenbluse, weiß
oh… das sind ja sieben!
P.S. Ich will ehrlich sein. Ich hab noch mehr Schleifenblusen. Aber nicht neulich erst bestellt, drei langärmlige:
1 Schleifenbluse, hellgrauer Chiffon mit kleinen schwarzen Herzen 1 Schleifenbluse, Satin, schwarz mit großen weißen Tupfen 1 Schleifenbluse, dunkelblauer Satin, einfarbig
Mein (vermutlich) erster streng geheimer Tagebucheintrag, im ansonsten ziemlich leeren Taschenkalender von Mama von 1975, ganz hinten. Am Wochenende zufällig in der Eckbanktruhe in der Küche gefunden. Da war ich zehn.
Ich wusste ja gar nicht, dass Nabokov SO schreibt… (lese derzeit „Gelächter im Dunkel“, dt. Ausgabe v. 1962 (Rowohlt), bin stetiglich begeistert, die gelegentlichen, aber (ausreichend) seltenen, ungelenken Übersetzungs*-Schnitzer übersehend). Meine Güte, so schlicht und ergreifend auf den Punkt, so erbarmungslos und unbeschönigend aus dem Nähkästchen geplaudert. Diese Adjektive, die man nicht auszusprechen wagt. Grandios. Wenn ich damit durch bin, lese ich noch mal en detail, was Alban Nikolai Herbstzur Lektüre des Buches vermerkte. Aber erst danach. Dann erst kann ich qualifiziert mitreden:-)
Einstweilen mache ich meine kleinen Eselsohren bei den gnadenlosesten Stellen. Ich kam durch ein Geschichtsbuch über Berlin darauf, in dem erwähnt wurde, dass drei Bücher Nabokovs in Berlin spielen. Das ist eines davon.
*) übersetzt aus dem Englischen v. Renate Gerhardt u. Hans-Heinrich Wellmann
ORGANIC. Messe-Check-in-Counter-Infoschild, Scanner-Kabel, Tücher-Bügel, Pinnwand-Kärtchen, Edding, Jalousien-Verpackung, 50 x 100 x 6 cm, 10./11./12. Juni 2018, Staatl. Museen v. Gaganien
Was sich so alles in (m)einem Haushalt findet. Diese Tücher-Bügel waren ein totaler Fehlkauf. Sahen untransformiert aus wie das Olympia-Logo von 1972. Ich habe ja sehr viele Tücher und Flatterschals. Ich war der Meinung, die könnte man intelligent und platzsparend und geschickt (und auch noch schick!) auf diesen Chrombügeln mit mehren Ringen aufbewahren. Die Idee ist, dass man durch die Ringe die Tücher und Schals steckt, die dann versetzt, aber überlappend runterhängen. Platz für 8 bis 40 Schals auf einem einzigen Bügel! Mega!
Als ich alles vorschriftsmäßig eingefädelt hatte und die schwer beladenen Bügel in den Schrank quetschte, fiel mir schon mal auf, dass der doppelt gemoppelte Aufhäng-Haken von den Bügeln so breit ist, dass er auf der Stange den Platz von drei bis vier normalen Bügeln einnimmt. Ärgerlich! In dicht bepackten Kleiderschränken wie meinen kann man nicht mal eben mit einem lockeren Griff einen Bügel herausnehmen. Das ist eine Operation! Wenn man den Tücherbügel nicht herausnimmt, sieht man nicht, welche Schals und Tücher hinten hängen. Ich kann so nicht arbeiten!
Eine Weile hab ich es probiert und festgestellt, dass ich zu bequem war, die Tücherbügel herauszuzerren um festzustellen, ob darauf genau das Exemplar von einem Flatterschal hängen könnte, der mein Tagesoutfit in Isadora Duncan-Manier komplettieren könnte. Schlussendlich riss ich die Bügel genervt aus dem Schrank und rupfte die Schals wieder heraus, um sie auf ungefähr einheitliche Größe gefaltet und nach Farben sortiert, zum Durchblättern in einen länglichen, oben offenen Pappkarton zu packen.
So gestaltet sich seither das Potpourri meiner Flatterschals und Tücher in meiner Garderobe. Der Karton steht unten auf dem Boden in einem der Schränke. Die Olympiabügel konnte ich aufgrund des respektablen Materials nicht wegwerfen. Ich kann ganz schlecht Metall entsorgen, da hab ich eine richtige Sperre. Weiterverschenken wollte ich sie auch nicht, da mich das Produkt nicht überzeugte – ich verschenke nur Sachen, die ich super finde!
So lagen sie also bis zu jenen Junitagen 2018 verscharrt unter dem Schrank im Schlafzimmer. Auch habe ich in meinem Ausmistanfall einen alten Scanner gefunden, der mal richtig gut und teuer war und bei dem der Anschluss-Stecker defekt war. Es gab auch keinen mehr in Onlineshops für historische Elektrogeräte. Dass ich Hemmungen habe, ein altes Kabel wegzuschmeißen, war selbst mir neu! Das Träger-Medium, um es mal profimäßig auszudrücken, war ein Schild, das dereinst für messeartige Veranstaltungen hergestellt wurde, da standen Buchstaben drauf, um Besucher alphabetisch zu sortieren, wie „A – F“ oder „G – K“, etcetera. Die weißen, runden Pinnwand-Kärtchen habe ich zugegebenermaßen zweckentfremdet, die passten rein zufällig genau in die Kringel von den blöden Bügeln!
LIANA. 23 x 35 cm, 12. Juni 2018, Plätzchen-Ausstechförmchen auf Papier, auf Verpackungskarton, Staatliche Museen v. Gaganien
Auch vom Sommer 2018. Ich habe wirklich aufgeräumt und viele Dinge gegen das Licht gehalten. Weggeworfen habe ich fast nichts, aber transformiert! Seiner wahren Bestimmung zugeführt. Also der wahren Bestimmung in meinem gaganischen Haushalt. Ich nehme an, dass ich vor vielen Jahren einen handfesten Grund hatte, mir Plätzchen-Ausstechförmchen zu besorgen.
Ich glaube, ich wollte Zimtsterne backen, nachdem ich die besten der Welt gegessen hatte, und brauchte ein Sternförmchen dafür. Auch besorgte ich mir eigens eine Mandelmühle, weil die Privatzuckerbäckerin, die mich zu der Idee verführt hatte, darauf schwor, dass die weltbesten Zimtsterne niemals mit fertig gemahlenen Mandeln gemacht werden dürfen, da ginge zu viel kostbares Aroma verloren. Ich glaubte ihr alles.
In der Haushaltswarenabteilung vom KadeWe oder einem anderen Premiumkaufhaus erstand ich die weltbeste verchromte Mandelmühle, die je erschaffen wurde. Ok, vielleicht war es auch Amazon. Auf jeden Fall war es ein ganz schickes Gerät. Da war aber die Winterzeit dann gerade vorbei und ich war zu faul und unmotiviert, im Frühling oder Sommer Zimtsterne zu backen. Die weltbeste und schönste Mandelmühle nahm mir Platz im Küchenschränkchen weg und ich musste mir eingestehen, dass ich vermutlich auch im Herbst oder Winter keine Großbäckerei in Sachen Zimtsterne werden würde.
Auch sonst fiel mir keine Verwendung für die sehr schöne, weltbeste Mandelmühle ein. So gerne ich Nüsse mag, am liebsten ist mir da doch die Nussform für den Verzehr, oder gehobelt. Ich erkannte klar, dass in dieser Sache keine Änderung meiner Persönlichkeit oder Vorlieben zu erwarten war und die schönste Mandelmühle der Welt bei mir eindeutig Perlen vor die Säue ist.
Nun nahte abermals der Spätherbst und meine Motivation in Sachen Zimtsterneproduktion wuchs kein Stück. Stattdessen fragte ich interessiert bei der weltbesten Zimtsternebäckerin, wie es dieses Jahr denn um ihre Zuckerbäckerei stünde, insbesondere im Zimtsterne-Segment. Es folgte ein trauriger Bericht, dass meine Lieblingszuckerbäckerei dieses Jahr nicht absehbar sei, da ihre Mandelmühle (aus Plastik!!!), die ihr viele Jahre gute Dienste geleistet hatte, kaputt gegangen war.
Ich erkannte den Wink des Schicksals: dass nämlich die Zimt-Sternstunde meiner Mandelmühle geschlagen hatte! Großzügig bot ich ihr meine komplett unbenutzte, glänzende Mandelmühle zum Freundschaftspreis von ungefähr zwanzig Mark an. Vielleicht waren es auch Euro. Dank Internet konnte ich beweisen, dass die Mühle im Neukauf fast doppelt so viel gekostet hatte, womit ich sofort überzeugen konnte.
Am nächsten Tag wechselte die weltbeste Mandelmühle den Küchenschrank und wohnt seither im schönen Berlin Cladow, wo sie noch viele Winter und bis an ihr Lebensende bei der Zimtsternebäckerei behilflich sein kann.
Ich hatte aber nun noch die Plätzchen-Ausstechförmchen im Körbchen. Die gab es nur im Set zu kaufen, waren auch nicht sehr teuer und glänzten immerhin sehr hübsch. Da ich aber keine Freundin von in Körbchen versteckten Ausstech-Förmchen bin, hatte ich die Idee, ein wenig aufzuräumen, indem ich die Förmchen platzsparend auf einen alten Verpackungskarton klebe.
Um die Sache noch aerodynamischer zu machen, habe ich die Förmchen noch platzsparender kleiner gebogen, so dass die unnötig Platz einnehmenden Hohlräume stark reduziert wurden. Ich denke, das war eine gute Aufräum-Idee, die ich vielleicht in der Rubrik „life hacks“ als Video präsentieren könnte.
Olympus µ [mju:] 140, Kamera-Eingeweide auf Zebra-Serviette und Karton, 27. Mai 2018, 17 x 21 cm, Staatl. Museen v. Gaganien
Im Mai 2018 räumte ich auf. In einer runden, geblümten Schachtel in einem Bücherregal fand ich zwei alte analoge Olympus-Kameras, die beide kaputt waren und auch für keinen Bastler von Interesse. Ich begab mich mit einem scharfen Messer, einem Schraubenzieher und einer Zange auf den sonnigen Balkon in den Halbschatten und zerlegte die erste Kamera. Es war eine Olympus µ [mju:] 140. Ich erkannte an den Kratzspuren am verchromten Ring um das Objektiv, dass es die Kamera war, die ich 2004 in Amerika dabei hatte, als ich im Südwesten unterwegs war, in Nevada und Arizona und Utah, auf dem Weg zur Navajo Nation Reservation, der größten der USA.
Als ich den Grand Canyon sah, und Las Vegas, und die Route 66, und den Antelope Canyon und das Monument Valley, und das inmitten versteckte Mystery Valley, wo ich in einem Hogan übernachten durfte und am nächsten Morgen um 6 Uhr von einem Navajo geweckt wurde, um mich und meine drei Begleiterinnen in einem Jeep zum „Totem Pole“ zu fahren, wo er eine halbe Stunde lang, ohne Unterbrechung, ein Lied in seiner Sprache, ohne viele Worte sang, bis die Sonne aufgegangen war.
Auf der Rückreise, ich glaube im Zion National Park, ging die Kamera kaputt. Ich hatte circa vierundzwanzig volle Filmrollen im Gepäck und hoffte, dass die Bilder brauchbar waren. Ich konnte bei den letzten Aufnahmen deutlich hören, dass sich Sand in der Kamera verfangen hatte, es knirschte jedesmal, wenn ich die Abdeckung auf- und zuschob. Als die Bilder aus dem Labor kamen, sehr große Erleichterung: nur die etwa zehn letzten Fotos hatten eine Streifspur von ein paar Sandkörnern.
Daran dachte ich, als ich die Kamera öffnete. Dass sie mich auf dieser unvergesslichen Reise begleitet hat und irgendwo in ihrem Bauch noch Wüstensand stecken könnte. Und dass ich sie schon deswegen nicht wegwerfen konnte. Ich war dann sehr fasziniert, welche Welten sich mir zeigten, als ich jedes einzelne Teil betrachtete. Die Teile aus verschiedenen Metallen und geschliffenem Glas und die Platine und die kleinen Transistoren wollte ich bewahren, in einer Weise, die ihre Schönheit sichtbar macht. Das sind die Teile, die das Wunder vollbringen, einen Moment zu verewigen, Fotografien zu erschaffen.
Schatzkammer V. Der wichtigste Raum, where the magic happens. Die anderen Kammern sind Nebengelasse, die mir aber auch ans Herz gewachsen sind, im Lauf der Jahre. Von außen ist das Haus rosa, lachsrosa. Einst war es orange. Dann kam die Sonne. Noch davor war es blau und grün. Der Eigentümer mag kräftige Farben. Und er mochte meine Absichtserklärung, dort zu malen. Das Baujahr ist meiner Erinnerung nach 1912. Im Eingangsbereich sind grüne Jugendstilkacheln, die Wände sind zartgelb und es gibt Stuckreliefs von Frauenköpfen. Auch an der Hauswand ist noch Stuck, nicht abgeschlagen. Über meinem Küchenfenster, das exakt in der Mitte der Fassade ist, gibt es ein geschwungenes Ornament, wie ein Medaillon. Ich habe die Räume im Sommer 2003 angeschaut und Ende August den Mietvertrag unterschrieben. Ich habe es nie bereut. Es gab Jahre, in denen ich fast nur fotografierte und selten dort war, aber 2018 kam die Renaissance, mit der ich selbst schon nicht mehr gerechnet hatte. Ich legte die Kamera beiseite und renovierte ein bißchen und schraubte die alten Farbtöpfe wieder auf. Die Farben waren gar nicht eingetrocknet. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich konnte gleich wieder loslegen. Und wie. …And the magic happened again.
Liebe. Geburt. Tod. Heute: Liebe. Ich unterhielt mich heute Nachmittag mit einer jungen Frau, geboren in Berlin, Kind von türkischen Eltern. Sie ist Ende Zwanzig und war selbst bereits einmal verheiratet, es war leider eine nur etwa zwei- bis dreijährige Ehe. Sie feierte so, wie türkische Familien in Berlin Hochzeit feiern. Mit vielen Versatzstücken von türkischer Tradition, aber auch mit deutschen Elementen, die ihr gar nicht so sehr bewusst waren.
Sie berichtete mir, dass sie am Wochenende bei der Hochzeit einer Freundin eingeladen war, das erste Fest nach langer, langer Zeit. Alle mussten negativ getestet sein und dann konnte ganz normal ohne Masken gefeiert werden. Sie erzählte, wie sehr sie es genossen hatte. Es war eine türkisch-arabische Hochzeit, was sie noch nie erlebt hatte. Besonders beeindruckten sie die Trommeln. Ihre Augen leuchteten, ich stelle mir die arabischen Rhythmen vor, ich bin auch elektrisiert, wenn ich das höre.
Und dann sagte sie, dass sie nächste Woche schon wieder auf einer Hochzeit eingeladen ist, einer deutschen Hochzeit. Noch nie sei sie auf einer deutschen Hochzeit gewesen. „Meine erste deutsche Hochzeit! Ich bin so gespannt!!!“ Ich rekapitulierte, was mir so an üblichen, in der deutschen Kultur verankerten Ritualen einfiel. Das Werfen von Reis, wenn das Paar aus der Kirche kommt oder aus dem Standesamt, dass die Braut etwas Neues, etwas Altes, etwas Geborgtes und etwas Blaues tragen sollte. Das Anschneiden der Hochzeitstorte mit dem Orakel, wer die Hand oben behält. Das Werfen des Brautstraußes.
Einiges davon hat bereits in die neueren Hochzeitstraditionen von Familien mit türkischem Hintergrund Einzug gehalten. Dann erzählte sie mir von einem traditionell türkischen Ritual, von dem ich noch nicht gehört hatte: die Braut schreibt vor der Hochzeit mit einem Stift, einem Edding z. B., die Namen ihrer eingeladenen besten Freundinnen auf die Sohle ihrer Brautschuhe. Dann wird geheiratet und gefeiert und getanzt. Der Name, der am Abend auf der Schuhsole am meisten abgetanzt und verblasst ist, ist der Name der nächsten Braut. Wunderbares Orakel.
Meine vierte Schatzkammer, aufgenommen am 6. Juni 2021. Am vergangenen Sonntag bin ich zu meinem Atelier gefahren, um diese Fotos zu machen. In der vierten Schatzkammer, die als Küche gedacht ist, gibt es eine Spüle und einen alten Gasherd, wo ich mir mein Teewasser koche. In der Spüle wasche ich meine Pinsel aus und spüle mein bißchen Geschirr ab und hole das Wasser zum Blumengießen für die Balkonblümchen. Und einen Minikühlschrank habe ich auch seit drei Jahren. So ein Würfel wie eine Minibar im Hotelzimmer. Es gibt immer so ein paar Sachen für einen Imbiss, Käse, Butter, Gürkchen, eine Sardinenbüchse. Ein, zwei Flaschen Jever, Tonic, Crémant. Großartig gekocht habe ich da in den vergangenen achtzehn Jahren nicht, außer mal eine Tiefkühlpizza vor vielen Jahren oder eine improvisierte Currywurst aus Wiener Würstchen und Chiliketchup. Es gibt für den Notfall eine alte Bratpfanne und einen Milchtopf, in dem man auch Kartoffeln oder Reis kochen könnte. Das Geschirr ist im Schrank unter der Spüle, da hab ich mir einen extra Regalboden reingemacht, und da stehen die Tassen und Teller. Links im Schränkchen sind die Gläser, Ich habe viele Gläser. Vor allem für Wein und Schaumwein. Ich glaube, ich sehe immer noch vor meinem geistigen Auge eine Ansammlung von Gästen, denen ich volle Gläser präsentieren möchte. Manchmal hatte ich ja schon Besuch in den letzten drei, vier Jahren. Ansonsten muss sich die alte Küche damit abfinden, dass sie meine vierte Schatzkammer ist und ich statt Hängeschränken überall Bilder aufhänge. Es ist mein gelb-grüner Salon. Alle Bilder mit Gelb und Grün, und auch ein bißchen Türkis, Richtung Tür, wohnen in der IV. Schatzkammer.
alles Gute zum vierzigsten Geburtstag in deinen Himmel. Wir denken immer noch viel an dich und sprechen von dir. Ich finde das Foto von dir und Jan besonders schön. So habe ich dich im Herzen bewahrt. Es ist vom 23. September 2010. Wir waren bei der Ausstellungseröffnung von Farin Urlaub, du weißt schon. Damals hattest du eine Liebesbeziehung mit meinem alten Freund Jan, und ich dachte so bei mir, das ist die erste Freundin, die ich von ihm mitkriege, die ich so richtig klasse finde. Ich mochte dich sofort. Da hat ein Augenblick in deine vor Übermut blitzenden Augen gereicht.
Ich habe wirklich ein paar schöne Fotos in meinem Leben zustande gebracht, also welche mit Gefühl. Das war mir immer wichtig beim Fotografieren. Viel Gefühl sollte rüberkommen. Also noch einmal alles Gute, liebste Irina. Vierzig ist nicht schlimm. Fünfzig auch nicht. Schlimm ist nur, wenn man nix daraus macht und die Möglichkeiten verpasst. Ich finde allgemein Geburtstage zu feiern schöner, als Todestage. Auch wenn jemand schon im Himmel wohnt, so wie Du.
Zwischen den Balkonen. Das ist jetzt die rechte Seite vom Atelierbalkon, wo ich Oleander und Bambus gepflanzt habe. Ich muss aber doch mehr gießen. Fotos von heute Nachmittag. Jetzt wieder in Mitte. Schnell vergangen, das Wochenende. Ob ich unterwegs bin oder daheim… die Zeit verfliegt. Nachts Unsinn geträumt. Ich habe viel geflirtet, das war angenehm. Aber gegen Ende des Traums hatte ich eine halb geheime Verabredung mit dem Mann einer Blogger-Freundin. Gleichzeitig hatte ich aber im Traum auch Konversationen mit ihr, ich mag sie sehr gerne. Den Mann finde auch sensationell lustig und scharfsinnig und charismatisch, aber er hat mich noch nie als erotisches Ziel beschäftigt. Mir war noch im Traum peinlich, dass ich nun so eine Verabredung mit ihm hatte. Zum Glück bin ich dann aufgewacht. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen! An die anderen Flirtereien kann ich mich nur vom Gefühl her erinnern, aber nicht, ob jemand den ich kenne, darunter war. Insgesamt aber angenehmer als problematische Träume mit Arbeit, was mir auch schon untergekommen ist. Dann lieber leichtsinniges Rumgeflirte!
Am 19. Juni werden bei einer Präsenzauktion im Auktionshaus Dannenberg Berlin ausgewählte Stücke aus dem Nachlass von Udo Walz versteigert. Sehr schöne Sachen dabei. Vorbesichtigungen vom 13. bis 15. Juni. Mir gefällt besonders dieser modern bezogene Empire-Sessel und diese Kommode. Aber leider habe ich für beides keinen Platz. Hier Informationen zur Auktion, mit Link zum Online-Katalog. Man kann auch virtuell mitsteigern.
„Die Ergebnisse von Messungen, (…) lassen darauf schließen, dass Postings auf Facebook die größte Resonanz erzielen, wenn sie montags, mittwochs, donnerstags und freitags zwischen 12.00 und 15.00 Uhr oder aber am Wochenende zwischen 12.00 und 13.00 Uhr erscheinen.“
Na toll. Ich poste meistens um Mitternacht herum. Vielleicht sollte ich meine Mitteilungen auf das Publikum in Ozeanien abstimmen. Dort ist 13 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Wenn ich also heute Nacht um 1 Uhr etwas veröffentliche, erreicht es die Ozeanier pünktlich zum Mittagessen!
Aus meinem goldenen Notizbuch XLIV. 24. Mai 2021, auch Balkon.
„(…) The Film was finished but not edited and Anders asked Max for help. (…) And snip, snip, went Anders‘ scissors, and a bit of film, fell to the floor and curled up there like a pigs tail. When I grew bored, I picked up a strip of film, took it outside and held it up to a bright light. There were tiny photographs of Anders, who was, as usual, playing the leading role, one after another, each barely different from the next, but of course, when speeded up, there was motion, there was the illusion of life. Each frame was like a little cell, confined by tiny white strips. The actor stood in each cell like a trapped criminal, but when the film ran, there were no small rooms, no one was walled up, everything was continous. And I thought, in life it is also like that and the problem is always how to jump from one moment to another so that time does not become empty, so that you do not freeze in one position forever.“
Susan Fromberg Schaeffer – First Nights, S. 352
Ein wahnsinnig starkes Bild in dem Buch, das mir Volker schickte. Wie sie das Zelluloid gegen das Licht hält und diese Gedanken. Die Hauptfigur ist von Greta Garbo inspiriert, daher auch die Fotografie auf dem Einband. Im Buch heißt sie „Anna Asta“ und sie erinnert sich und erinnert sich und erinnert sich. Und erzählt davon ihrer Haushälterin, einer jüngeren Amerikanerin. Also in Relation zu ihrem schon höheren Alter jünger. Es gibt intensive Momente in dem Buch. Ich muss zugeben, dass ich den Erinnerungen der Haushälterin nicht so interessiert folgen konnte. Sie stirbt vor Anna Asta. In einem der ersten Kapitel, ich konnte die Stelle nicht mehr finden, ging es um ihren Nachlass. Da kamen mir die Tränen. „Mein gutes schwarzes Kleid bekommt meine Nichte, mein rotes Transistorradio soll mein Neffe bekommen….“ So in etwa… ein paar wenige Habseligkeiten, kaum der Rede wert, aber doch von Wert für einen Menschen. Und im Vergleich dazu die Auktion der Schätze des Nachlasses einer der größten Stummfilmdiven der Geschichte bei einem der größten Auktionshäuser der Welt. Greta Garbo hatte tatsächlich eine Haushälterin, es gibt ein Foto aus der Schweiz, das sie mit ihr zeigt. Im Buch fährt sie anfangs nach der Arbeit, die um Sieben endet heim, aber später übernachtet sie unter der Woche auch in dem Apartment. Ich weiß nicht, ob damals schon Bilder von Greta Garbots traumhafter Wohnung am Hudson River bekannt waren, als die Autorin das Buch schrieb. Vielleicht ja. In einer Szene beschreibt sie das leicht orange Licht, die Stimmung. Es gibt dort neben den Holzvertäfelungen auch Wandbespannung mit einem apricotfarbenen Stoff von Fortuny. Sicher liest man mit anderen Bildern im Kopf, wenn man so wie ich, viele, viele, viele Aufnahmen des Apartments in New York kennt.
Herr Weber hat mir gerade geschrieben, dass das Gerüst vor den Fenstern von meiner Werkstatt abgebaut worden ist. Ich war drei Wochen lang nur zum Blumengießen da. Alle Blümchen vom Balkon waren drinnen, weil das Gerüst direkt neben dem Balkon verschraubt war. Ich wollte keine Fassadenbröckelchen im Blumenkasten haben. Es wurde am Giebel was saniert. Wochenende soll wärmer und schöner werden. Dann putze ich den jetzt leeren Balkon auf Hochglanz und dann befreie ich meine beiden Oleander und den Bambus und den Blauregen und die Hortensien und den Lavendel und das Rosmarinbüschchen aus dem Schattenquartier.
Vor dem Gerüst hing die ganze Zeit über ein blaues Netz, das den Lichteinfall doch arg geschmälert hat. Da fühle ich mich gleich uninspiriert. Deswegen habe ich in der letzten Zeit auch mehr über meinen Adlerhorst geschrieben und die noch fehlenden Schatzkammern Nr. 4 und 5 nicht gezeigt. Nun kann es weitergehen. Ich fahre wieder regelmäßig hin, mit der schlimmen U8!
Aus meinem goldenen Notizbuch XLI. 24. Mai 2021, auch Balkon.
Der Tod in Venedig. Im vergangenen Dezember bestellte ich mir dieses vermeintlich überaus bekannte Werk von Thomas Mann. Wenn ich es anderen gegenüber erwähnte, stellte sich meist heraus, dass viele den Titel kannten oder Viscontis Film gesehen hatten, daher zuweilen das Adagietto von Mahlers Fünfter damit verbinden konnten, jedoch das zugrundeliegende Buch nie gelesen hatten. Ebensowenig wie ich.
Eine private Konversation, in der ein Vergleich mit Aschenbach eine Rolle spielte, erweckte in mir den Wunsch der Lektüre. Als es angekommen war, verschönerte ich zunächst den mir zu schlicht erscheinenden Einband, der mir nicht angemessen erschien. Dann begann ich erwartungsfroh mit dem ersten Kapitel. Ich war enttäuscht, sehr enttäuscht. Und verärgert. Ich empfand unendlich viele Beschreibungen als unnötig verschachtelt, hölzern und umständlich, ja unvirtuos und erkennbar gedrechselt. Die Hauptfigur erschien träge, freud- und leblos. Aschenbach war noch lange nicht in Venedig, mir riss der Geduldsfaden. Dafür war ich nicht bereit, meine kostbare Lebenszeit zu opfern.
Ich war konsterniert und las zur Unterfütterung der Plausibilität meines Eindrucks, absichtsvoll Kritiken im unteren Bewertungsbereich, wo Unverständnis über die hohe Einstufung des Werkes geäußert wurde. Ich fühlte mich verstanden. Der Eindruck wuchs, dass es nicht das beste Werk von Mann zu sein schien, da einige Kritiken das Buch in Relation zu anderen Werken Manns setzten und es dabei nicht sehr gut abschnitt. Ich legte es beiseite und bedauerte, dass der von mir liebevoll verzierte Einband nicht mit dem Inhalt zu korrespondieren schien.
Dann aber ergab sich die Lektüre, die ich gestern beschrieb. Wälsungenblut war fünf Jahre früher entstanden und ich fand dort Gefallen an Manns Sprache, die mir in Wälsungenblut elegant und raffiniert und inspiriert erschien, ganz anders als jene ersten Seiten vom Tod in Venedig. Ich konnte mit dem empfundenen Gefälle nicht meinen Frieden machen. Nach einer Weile nahm ich das Buch erneut zur Hand und entschied, die mühseligen und mir unendlich ereignislos und langweilig erscheinenden Passagen bis zur Ankunft in Venedig zu ersparen. Ich blätterte vorwärts, bis Aschenbach am Lido eintrifft und es sich im Hotel kommod macht. Und siehe da, sobald die entscheidende Begegnung mit Tadzio stattgefunden hatte, bekam ich Lust weiterzulesen. Ab da überblätterte ich nichts mehr und fand an mehreren Passagen echten Gefallen. Sie versöhnten mich mit dem Buch. Ich will aus diesen Passagen zitieren.
S. 48 „(…) Oder war er einfach ein verzärteltes Vorzugskind, von parteilicher und launischer Liebe getragen? Aschenbach war geneigt, dies zu glauben. Fast jedem Künstlernaturell ist ein üppiger und verräterischer Hang eingeboren, Schönheit schaffende Ungerechtigkeit anzuerkennen und aristokratischer Bevorzugung Teilnahme und Huldigung entgegenzubringen.“
S. 82 „(…) Amor fürwahr tat es den Mathematikern gleich, die unfähigen Kindern greifbare Bilder der reinen Formen vorzeigen: So auch bediente der Gott sich, um uns das Geistige sichtbar zu machen, gern der Gestalt und Farbe menschlicher Jugend, die er zum Werkzeug der Erinnerung mit allem Abglanz der Schönheit schmückte und bei deren Anblick wir dann wohl in Schmerz und Hoffnung entbrannten. So dachte der Enthusiasmierte; so vermochte er zu empfinden. Und aus Meerrausch und Sonnenglast spann sich ihm ein reizendes Bild. Es war die alte Platane unfern den Mauern Athens, — war jener heilig-schattige, vom Dufte der Kirschbaumblüten erfüllte Ort, den Weihbilder und fromme Gaben schmückten zu Ehren der Nymphen und des Acheloos. Ganz klar fiel der Bach zu Füßen des breitgeästeten Baums über glatte Kiesel; die Grillen geigten. Auf dem Rasen aber, der sanft abfiel, so, daß man im Liegen den Kopf hoch halten konnte, lagerten Zwei, geborgen hier vor der Glut des Tages (…)“
S. 107 „(…) Aschenbach saß an der Balustrade und kühlte zuweilen die Lippen mit einem Gemisch aus Granatapfelsaft und Soda, das vor ihm rubinrot im Glase funkelte. Seine Nerven nahmen die dudelnden Klänge, die vulgären und schmachtenden Melodien begierig auf, denn die Leidenschaft lähmt den wählerischen Sinn und läßt sich allen Ernstes mit Reizen ein, welche die Nüchternheit humoristisch aufnehmen oder unwillig ablehnen würde.“
Aus meinem goldenen Notizbuch XL. 24. Mai 2021, Balkon
Wälsungenblut. Dieses fein gedruckte Werk befindet sich seit etwa 1985 in meinem Besitz. Sechsunddreißig Jahre. Es war ein Geschenk von der Mutter meiner Neffen an mich. Ich verstand jetzt erst, dass sie irgendeine Parallele zwischen meinem Bruder und mir und dem Geschwisterpaar („Siegmund und Sieglind“) sah, um das es in Thomas Manns erst 1921 veröffentlichtem Buch von 1906 geht. Es heißt, er hätte beim Schreiben an seine Verlobte Katia Pringsheim und deren Zwillingsbruder gedacht.
Damals, als sie es mir überreichte, nahm ich zwar zur Kenntnis, dass es eine besondere Ausgabe und ein feiner Druck war, aber ich konnte mit der Geschichte nicht viel anfangen. Im letzten Jahr nahm ich es beim Neuordnen einiger Bücher wieder zur Hand und war völlig hingerissen von den beiden Portraits des Illustrators Th. Th. Heine. Auch die Geschichte hat einen besonderen Zauber und ist mitunter recht amüsant geschrieben. Meine Ausgabe stammt von 1975 und wurde auf den Original Druckstöcken von 1921 gedruckt, auch das Papier, der Ledereinband und die gesamte Aufmachung entspricht der Erstveröffentlichung. Ich gebe meine beiden Lieblingsstellen wieder (in denen die Geschwister nicht erkennbar beteiligt sind, sie sitzen aber mit am selben Tisch).
„(…) »Nehmen Sie noch ein Täßchen, Beckerath«, sagte er. »Das nährt. Wer arbeitet, hat das Recht, sich zu pflegen, und zwar mit Genuß…Essen Sie eigentlich gern? Essen Sie mit Vergnügen? Wo nicht, desto schlimmer für Sie. Mir ist jede Mahlzeit ein kleines Fest. Jemand hat gesagt, das Leben sei doch schön, da es so eingerichtet sei, daß man täglich viermal essen könne. Er ist mein Mann.
Aber um diese Einrichtung würdigen zu können, dazu gehört eine gewisse Jugendlichkeit und Dankbarkeit, die sich nicht jeder zu erhalten versteht…Man wird alt, gut, daran ändern wir nichts. Aber worauf es ankommt, ist, daß die Dinge einem neu bleiben, und daß man sich eigentlich an nichts gewöhnt…
Da sind nun«, fuhr er fort, indem er ein wenig Rindermark auf einen Semmelbrocken bettete und Salz daran streute, »Ihre Verhältnisse im Begriffe, sich zu ändern; das Niveau Ihres Daseins soll sich nicht unwesentlich erhöhen.« (von Beckerath lächelte.) »Wenn Sie Ihr Leben genießen wollen, wahrhaft genießen, bewußt, künstlerisch, so trachten Sie, sich niemals an die neuen Umstände zu gewöhnen. Gewöhnung ist der Tod. Sie ist der Stumpfsinn.
Leben Sie sich nicht ein, lassen Sie sich nichts selbstverständlich werden, bewahren Sie sich einen Kindergeschmack für die Süßigkeiten des Wohlstandes. Sehen Sie…Ich bin nun seit manchem Jahr in der Lage, mir einige Annehmlichkeiten des Lebens zu gönnen« (von Beckerath lächelte), »und doch versichere ich Sie, daß ich noch heute jeden Morgen, den Gott werden läßt, beim Erwachen ein wenig Herzklopfen habe, weil meine Bettdecke aus Seide ist. Das ist Jugendlichkeit…Ich weiß doch, wie ich’s gemacht habe; und doch, ich kann um mich blicken wie ein verwunschener Prinz …«“
[…]
„Das Fischgericht stieg hernieder. Die Diener eilten damit vom Büfett durch die Weite des Saales. Sie reichten die cremeartige Sauce dazu und schenkten Rheinwein, der leis auf der Zunge prickelte. Man sprach von Sieglindens und Beckeraths Hochzeit.
Sie stand nahe bevor, in acht Tagen sollte sie stattfinden. Man erwähnte der Aussteuer, man entwarf die Route der Hochzeitsreise nach Spanien. Eigentlich erörterte Herr Aarenhold allein diese Gegenstände, von seiten von Beckeraths durch eine artige Fügsamkeit unterstützt. Frau Aarenhold speiste gierig und antwortete, nach ihrer Art, ausschließlich mit Gegenfragen, die wenig förderlich waren.
Ihre Rede war mit sonderbaren und an Kehllauten reichen Worten durchsetzt, Ausdrücken aus dem Dialekt ihrer Kindheit. Märit war voll schweigenden Widerstandes gegen die kirchliche Trauung, die in Aussicht genommen war und die sie in ihren vollständig aufgeklärten Überzeugungen beleidigte.
Übrigens stand auch Herr Aarenhold dieser Trauung kühl gegenüber, da von Beckerath Protestant. war. Eine protestantische Trauung sei ohne Schönheitswert. Ein anderes, wenn von Beckerath dem katholischen Bekenntnis angehört hätte. — Kunz blieb stumm, weil er sich in von Beckeraths Gegenwart an seiner Mutter ärgerte.
Und weder Siegmund noch Sieglind legten Teilnahme an den Tag. Sie hielten einander zwischen den Stühlen an ihren schmalen und feuchten Händen. Zuweilen fanden sich ihre Blicke, verschmolzen, schlossen ein Einvernehmen, zu dem es von außen nicht Wege noch Zugang gab. Von Beckerath saß an Sieglindens anderer Seite.“
Thomas Mann, Wälsungenblut, S. 17/18, S. 21, Phantasus-Verlag 1921
Zum Ahorn. Wollte ich gestern Abend schon posten, aber dann ist mir Lydia mit ihrer Idee, den ESC zu gucken, dazwischengefunkt. Ich habe mein Bäumchen gestern Nachmittag besucht. Es wächst und gedeiht und macht einen guten Eindruck. Nun darf man sich nicht vorstellen, dass es sich bei meinen Besuchen um einen großen Ausflug handelt. Das neue Zuhause ist im begrünten Hinterhof, wo ich wohne. Wenn ich den Müll und die leeren Flaschen runterbringe, komme ich automatisch daran vorbei. Aber in letzter Zeit gehe ich auch manchmal, wenn ich heimkomme, durch den Hintereingang über den Hof, um nach seinem Befinden zu gucken. Das ist jetzt so ein kleines Hobby von mir. Ich habe den kleinen Ahorn ja nicht gezüchtet, sondern er ist auf einmal in einem Blumentopf auf dem Balkon gesprossen und ich hab ihn gelassen.
Er war ganz gewiss nicht der einzige Ahornsamen, der mir je auf den Balkon geweht ist. Ich sammle die geflügelten Samen seit Jahren auf und werfe sie in hohem Bogen übers Dach in alle Lüfte. Es gab also niemals einen Aufzuchtplan. Weil er aber so keck und kräftig aufgeblüht ist, wollte ich ihm eine Chance geben. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, ihn übers Dach zu werfen, nachdem er schon geschlüpft war, oder gar in die Tonne. Man weiß ja von vorneherein, dass man einen riesigen Topf bräuchte, um einen Baum auf dem Balkon zu halten, schon deswegen mache ich die Samen nie in die Erde. Aber er war clever, er hat mich ausgetrickst, der kleine Bergahorn! Das sollte dann doch auch belohnt werden.
Gesendet von Lydia: Heute um 20:20 Heute kommt der ESC. Guckst du das zufällig?
Von dir gesendet: Heute um 20:40 hab ich nicht gewusst. Wann und wo?
Von dir gesendet: Heute um 20:43 ah ja 21 Uhr Ard, ich schalte mal zu! 🙂
Von dir gesendet: Heute um 20:45 auf den früheren Röhrenfernsehern, also Farbfernsehern, konnte man die Farbe einstellen und konnte aus Farbbild Schwarzweiß machen. Das hab ich oft gemacht, wenn es mir zu bunt wurde. Auch wegen Nostalgie. Schade, dass das nicht mehr geht. Jedenfalls bei meinem TV nicht.
Von dir gesendet: Heute um 20:45 also man konnte stufenlos die Farbe stärker oder ganz schwach einstellen oder eben komplett wegmachen.
Von dir gesendet: Heute um 20:47 Das fällt mir ein, weil die schönsten ESC-Erinnerungen Schwarzweißclips von Annoknips sind. Aus den Sechzigern, oder eben so alte Farben. leicht bräunlich…
Von dir gesendet: Heute um 20:47 ist Deutschland auch dabei? Und mit wem?
Gesendet von Lydia: Heute um 20:48 Ja ist dabei.
Gesendet von Lydia: Heute um 20:48 Mit so nem Hendrik Blondie
Gesendet von Lydia: Heute um 20:48 Läuft schon ein Vorgeplänkel mit Barbara Schöneberger
Von dir gesendet: Heute um 20:48 ich möchte jetzt schon die Farbe abdrehen. Jaja ist gut, ich mach bald an. Schöneberger ist ja immer dabei.
Von dir gesendet: Heute um 20:51 ein trallala Liedchen zum Schnellwiedervergessen… kann nicht mal einer wieder Deutsch singen….? Mal sehen, was die Osteuropäer am Start haben, obs wieder viel Bling Bling gibt.
Von dir gesendet: Heute um 21:00 oh toll die Fanfare! aber da müssen gelbe Sternchen auf Blau sein. Das ist ein Fehler!
Von dir gesendet: Heute um 21:03 Israel, tolles Outfit
Von dir gesendet: Heute um 21:04 haha Serbia. dreimal Beyonce
Von dir gesendet: Heute um 21:05 haha Moldovia…. wie ne Eisprinzessinn aus den Sechzigern, MArika Kilius is in da house
Von dir gesendet: Heute um 21:09 das goldene Kleid von der Moderatorin ist mir zu altbacken, irgendwie. Oder auch lustig altmodisch, wie aus den Achtzigern oder Neunzigern
Von dir gesendet: Heute um 21:11 iiih, das ist ja wie ein Miley Cyrus Lookalike, macht auf bitchy und jodelt affig herum. Zero Points von mir!
Von dir gesendet: Heute um 21:12 Lieder, die die Welt nicht braucht! Next!
Von dir gesendet: Heute um 21:16 hilfe… die Rauchpilze. Aber Anxhela aus Albanien erfüllt alles was man von einem mittelmäßigen Klischeeauftritt aus der Ecke erwartet. Glitzer und Pathos. Vergißt man natürlich gleich wieder, aber es kommt ESC-Stimmung auf!
Von dir gesendet: Heute um 21:17 worum gings in dem Lied?
Von dir gesendet: Heute um 21:18 jetzt kommt das super Outfit. Israel!
Gesendet von Lydia: Heute um 21:19 Ich war noch duschen
Gesendet von Lydia: Heute um 21:19 P. ist auch da, ich genieße deine Kommentare
Von dir gesendet: Heute um 21:19 jetzt schon beste Frisur! Auch austauschbares Liedchen, aber bißchen moderner.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:20 Alles Lieder so elektronisch aus der Konserve
Von dir gesendet: Heute um 21:20 Aber die Israelis sind ja eh hip.
Von dir gesendet: Heute um 21:20 vielleicht kommt noch was Handgemachtes, ne schöne Ballade….
Gesendet von Lydia: Heute um 21:21 Ja stimmt hab so dokus gesehen wieder
Gesendet von Lydia: Heute um 21:21 dana international War auch toll
Von dir gesendet: Heute um 21:21 ich freu mich wenn du auch kommentierst, musst aber nicht, wenn du lieber mit P. plaudern willst! Ich tipp trotzdem. Kann man ja schon wieder nen Blogeintrag draus klöppeln.
Von dir gesendet: Heute um 21:23 Belgien. Die Sängerin ist aber auch nicht mehr Zwanzig. ganz gute Föhnfrisur. ABer schon wieder kein Ohrwurm.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:23 P. sagt Belgien ähnelt moloko
Von dir gesendet: Heute um 21:23 kenn ich nicht.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:24 Klar
Von dir gesendet: Heute um 21:24 klingt wie ein Eis von Langnese!
Von dir gesendet: Heute um 21:24 Eis am Stil mit Schokoladenüberzug.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:25 Für später…
Von dir gesendet: Heute um 21:26 P. hat Recht! Role Model offensichtlich, aber das Original haucht akzentuierter!
Von dir gesendet: Heute um 21:27 Russia ist ja geradezu avantgardistisch schräg. Gefällt mir musikalisch auch nicht, aber die Outfits sind gewagt.
Von dir gesendet: Heute um 21:28 cooles Bühnenbild mit dem Ikonenbildchen
Von dir gesendet: Heute um 21:29 oh das ist toll mit dem Chor auf der Wand, sehr zeitgemäß!
Von dir gesendet: Heute um 21:29 also modernste Show bis jetzt.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:29 🎀
Von dir gesendet: Heute um 21:31 ich finde jetzt könnten die als Refrain auch mal singen „Its raining men!“
Von dir gesendet: Heute um 21:32 Malta erinnert mich vom Bühnenbild an die Finalshows von Germanys Next Topmodel.
Von dir gesendet: Heute um 21:32 ein neckisches Liedchen, zum einen Ohr rein, zum andern raus.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:34 In Malta leben einigermaßen viele übergewichtige
Gesendet von Lydia: Heute um 21:34 Ich war da mal da
Von dir gesendet: Heute um 21:34 was du alles weißt!
Gesendet von Lydia: Heute um 21:35 Schwarz Weiß!!!!!!!!!
Von dir gesendet: Heute um 21:35 also der Schwarzweißmodus überzeugt mich nicht, mir wird nicht nostalgisch.
Von dir gesendet: Heute um 21:36 Schwarzweiß ist nicht gleich Schwarzweiß! Sie haben mich gehört, jetzt wieder bunt!
Von dir gesendet: Heute um 21:37 der knödelt ja auch so unangenehm beim „Singen“ oder was er da macht. Klingt wie eine Coverversion oder ein Plagiat von einem der schlechtesten Beatles Songs, wo mir der Titel gerade nicht einfällt.
Von dir gesendet: Heute um 21:39 „Serbias next Topmodel“ Ich bin für die Rothaarige links. Die wirds.
Von dir gesendet: Heute um 21:40 ob man sich doch mal Extensions gönnen sollte? Oder tuns auch Clip ins?
Gesendet von Lydia: Heute um 21:40 Drag Queens!!!!
Von dir gesendet: Heute um 21:41 und jetzt bitte mit der Harley Davidson von der Bühne düsen! Echt drags? Das macht es natürlich besser. Wenn auch langweiliges Lied!
Von dir gesendet: Heute um 21:42 Die Moderatorin erinnert mich an Adele vor der Diät.
Von dir gesendet: Heute um 21:42 Wahrscheinlich wegen der Frisur und der starken Präsenz!
Gesendet von Lydia: Heute um 21:42 Die ist auch transgender
Gesendet von Lydia: Heute um 21:42 Oder drag
Von dir gesendet: Heute um 21:43 echt? Du bist ja voll informiert! Hast du dich vorbereitet????
Von dir gesendet: Heute um 21:43 Mir fiel nur vorhin der riesige Größenunterschied zu dem Moderator neben ihr auf.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:44 Bin nicht informiert
Von dir gesendet: Heute um 21:44 Aber vielleicht ist sie auch das Top Curvy Model der Niederlande…?
Gesendet von Lydia: Heute um 21:44 Aber der Contest ist wohl auch eine sehr diverse Sache mittlerweile
Von dir gesendet: Heute um 21:44 mir kommt sie vom Gesicht her nicht vor wie ne Drag.
Von dir gesendet: Heute um 21:46 was sollen uns die Riesentrompeten sagen?
Von dir gesendet: Heute um 21:47 so ne Lockenfrisuren wie die von dem Sänger gefallen mir überhaupt nicht, zu schmalzig! Unseriös irgendwie.
Von dir gesendet: Heute um 21:47 Und unsexy.
Von dir gesendet: Heute um 21:49 jetzt kommt was für DICH! Griechenland!
Von dir gesendet: Heute um 21:51 ich hab nicht gleich erkannt, dass sie englisch singt. Schade, kein Lokalkolorit, auch nicht von der Instrumentierung. Total beliebig. Schade. Demis Roussus hätte mir besser gefallen!
Von dir gesendet: Heute um 21:52 kommt sehr gecastet rüber, die Sängerin und auch der Rest.
Gesendet von Lydia: Heute um 21:52 Stimme zu
Von dir gesendet: Heute um 21:53 genau! Wo sind die Bouzukis???
Von dir gesendet: Heute um 21:53 ich muss mal aufs Klo höre aber zu!
Gesendet von Lydia: Heute um 21:55 Suisse scheint künsterlisch
Von dir gesendet: Heute um 21:57 ja, geht so… aber wenn ich so ne Falsettgesänge hören will, dann lieber das Original aus den Achtzigern. Wie hießen die? Depeche Mode?
Gesendet von Lydia: Heute um 21:59 Island uhhhhhh
Gesendet von Lydia: Heute um 21:59 Cooler Tanz und eingängig 🎀 🎀 🎀
Von dir gesendet: Heute um 22:00 tanzbar! Erinnert mich aber auch an was…. warte
Von dir gesendet: Heute um 22:00 sly and the family stone
Gesendet von Lydia: Heute um 22:01 Macht nix
Gesendet von Lydia: Heute um 22:01 Die sind mein Favorit
Von dir gesendet: Heute um 22:08 da dachte ich vorhin beim Einlass, da kommt Marika Kilius (sagt dir nix, war ne Supereisprinzessin im Paar mit Hans Jürgen Bäumler)
Von dir gesendet: Heute um 22:08 also in den Sechzigern.
Von dir gesendet: Heute um 22:08 doofes Lied, hör lieber Teardrops, das ist richtig richtig toll!
Gesendet von Lydia: Heute um 22:09 Ich kenne das Lied
Gesendet von Lydia: Heute um 22:09 Höre ich zum joggen
Von dir gesendet: Heute um 22:10 ah! oh Gott Kasperletheater aus DLand
Von dir gesendet: Heute um 22:11 ich bin nicht die Zielgruppe für Klamauk.
Von dir gesendet: Heute um 22:13 ich bin nicht aus diesem Land.
Von dir gesendet: Heute um 22:13 na ja, Hauptsache die Message came across, nech.
Gesendet von Lydia: Heute um 22:14 Einfach I am happy einmal umgedreht Gesendet von Lydia: Heute um 22:14 Meint P.
Von dir gesendet: Heute um 22:14 ja, aber leider funktioniert Musik nicht so, dass man ein geniales Lied auf links dreht.
Von dir gesendet: Heute um 22:15 ach die Finnen, süß wie sie hart sein wollen. Goldig.
Von dir gesendet: Heute um 22:16 auf nach Wacken! Können ja mal als Roadies anfangen.
Gesendet von Lydia: Heute um 22:15 Him
Gesendet von Lydia: Heute um 22:16 Blink 1 82 oder so
Von dir gesendet: Heute um 22:16 ja, you name it – HIM.
Von dir gesendet: Heute um 22:17 und ein Hauch Ozzy Osborne. Frisurenmäßig und so.
Von dir gesendet: Heute um 22:18 ich finde das Asymmetrische an dem Kleid von der Moderatorin schwierig.
Von dir gesendet: Heute um 22:18 Dachte einen Moment, sie hätte nur ein Bein.
Von dir gesendet: Heute um 22:23 Bulgarien. Es gibt leider viele jungen Sängerinnen, die nicht wahrhaben wollen, dass sie nicht Billie Eilish sind und es nicht langt, weinerlich zu hauchen.
Von dir gesendet: Heute um 22:24 ein Plagiat von vielen.
Gesendet von Lydia: Heute um 22:25 Kommt auch auf den an, der das Lied schreibt
Von dir gesendet: Heute um 22:26 ja der Song von Möchtegern Billie war auch nicht sehr eingängig oder erinnernswert. Aber am meisten nervt mich der affektierte Duktus.
Von dir gesendet: Heute um 22:27 Litauen recht modern. Aber Litauen ist auch modern. Ich war da!
Von dir gesendet: Heute um 22:28 kann man mal zu abhotten, in der „Disco“.
Von dir gesendet: Heute um 22:28 bis jetzt war noch kein erinnernswerter Refrain im Sortiment.
Von dir gesendet: Heute um 22:30 aha… bißchen Bulgarian Voices go Ethnotechno oder so…
Gesendet von Lydia: Heute um 22:31 Yeahhhh
Gesendet von Lydia: Heute um 22:31 Traditionell
Von dir gesendet: Heute um 22:31 ist auch tanzbar.
Gesendet von Lydia: Heute um 22:31 Coole Ästhetik
Von dir gesendet: Heute um 22:31 mit am wenigsten schlecht bis jetzt.
Gesendet von Lydia: Heute um 22:32 Schöne Stimme
Von dir gesendet: Heute um 22:32 erinnert mich an Pink Parte, die frühere Band von Maria, wo sie rumänisch gesungen hat. Ist mit das Coolste, find ich auch.
Von dir gesendet: Heute um 22:33 oh Schangsong!
Von dir gesendet: Heute um 22:35 wenn die Stimme nicht so piepsig dünn in den Höhen wäre…. die Gesten sind schon arg klischeehaft piafmäßig.
Von dir gesendet: Heute um 22:36 ich überlege gerade, ob ich auch beim EC singen könnte.
Von dir gesendet: Heute um 22:36 Für Fronkraisch! 🙂
Gesendet von Lydia: Heute um 22:37 Ich finde aber sie stellt sich in die Tradition und das ganz gut
Gesendet von Lydia: Heute um 22:37 Platz 2 oder 3
Von dir gesendet: Heute um 22:37 sie stellt sich klischeehaft überzogen in die Tradition.
Von dir gesendet: Heute um 22:38 oh Bauchtanzrhythmen, geil
Gesendet von Lydia: Heute um 22:38 Aber zu dem ganzen anderen elektronischen Quatsch
Gesendet von Lydia: Heute um 22:38 Uhhhh Azerbaijan!!!
Von dir gesendet: Heute um 22:39 Mata Hari erinnert mich an Dschingdschingdschingdiskhan!
Gesendet von Lydia: Heute um 22:39 Passt aber rein
Von dir gesendet: Heute um 22:39 schon heiße Katzen, die Mädels aus Azerbaidschan
Von dir gesendet: Heute um 22:40 so stell ich mir eine Nachtclubshow in dem Arabischen Emiraten vor!
Gesendet von Lydia: Heute um 22:41 Ich mag ja voll, wenn sie sich in die Tradition stellen
Gesendet von Lydia: Heute um 22:41 Blöder Kommentar vom Kommentator
Von dir gesendet: Heute um 22:42 jaja, ich mag es auch voll, wenn sie sich in die Tradition stellen! Ja er hat die Gruppe diskredidiert mit seinem Europop_Lästerkommentar.
Von dir gesendet: Heute um 22:43 Der Norweger glaubt er ist der Sohn von David Bowie. Ist er NICHT.
Gesendet von Lydia: Heute um 22:44 Ich dachte auch an Engel von Rammstein
Gesendet von Lydia: Heute um 22:44 Aber schlecht
Von dir gesendet: Heute um 22:44 ja, das Video hat er bestimmt auch gesehen.
Von dir gesendet: Heute um 22:45 ach, das ist also ein „Hübscher Popsong“. Nun ja.
Von dir gesendet: Heute um 22:45 der Moderator hat auch einen komischen Geschmack.
Gesendet von Lydia: Heute um 22:45 Er ist eher Silbereisen als Kasperletheater
Von dir gesendet: Heute um 22:45 Du bringst es auf den Punkt!
Gesendet von Lydia: Heute um 22:45 Sind doch alles alte weiße Männer beim öffentlich rechtlichen 🙄
Von dir gesendet: Heute um 22:46 der Moderator muss allerdings sein, er ist eine feste Institution beim EC-Kommentieren. Peter Urban oder so.
Von dir gesendet: Heute um 22:46 oh richtige, echte Sänger!
Gesendet von Lydia: Heute um 22:47 Ich finde der dürfte generell nicht so tendenziös kommentieren, aber vielleicht kommt er vom Fußball
Von dir gesendet: Heute um 22:47 Niederlande! Wär cool, wenn sie zum zweiten mal hintereinander gewinnen.
Von dir gesendet: Heute um 22:47 ich weiß gar nicht, wie das entschieden wird, wer gewinnt.
Von dir gesendet: Heute um 22:48 Zuschauervoting? Ne Jury? Das ändert sich doch auch dauernd.
Von dir gesendet: Heute um 22:48 Das Lied hat eine eingängige hook.. Aber das mit dem Birth of a new Age ist schon arg abgedroschen
Gesendet von Lydia: Heute um 22:49 50 Prozent deutsche Jury und 50 Zuschauer per App und Telefon
Von dir gesendet: Heute um 22:49 aha.
Von dir gesendet: Heute um 22:50 Italien hat Rockbands?
Von dir gesendet: Heute um 22:50 (Urban: „Jetzt kommt die erfolgreichste Rockband Italiens“)
Von dir gesendet: Heute um 22:50 oh sexy
Von dir gesendet: Heute um 22:51 also mit dem Look kann sich der Sänger schon auf der Fashion Week in Milano sehen lassen!
Von dir gesendet: Heute um 22:52 die italiener sind halt modesachverständig!
Von dir gesendet: Heute um 22:52 ich mein der Song hat keinen Wiedererkennungswert, aber seine Hose!
Von dir gesendet: Heute um 22:53 der Auftritt macht bestimmt mit am meisten Laune in der Halle!
Von dir gesendet: Heute um 22:55 Der Urban ist echt alt wie der Wald „das war waschechter Rock n Roll (…)“ Bestimmt hat er sich gewundert, dass keiner richtige Rock n Roll-Frisuren hatte.
Von dir gesendet: Heute um 22:56 bei dem schwedischen Sänger kann er auch wieder mit seinem „erinnert an König der Löwen“-Kommentar um die Ecke kommen.
Von dir gesendet: Heute um 22:56 muss aufs Klo.
Von dir gesendet: Heute um 23:00 Es gibt ein Land, das „San Marino“ heißt???
Von dir gesendet: Heute um 23:00 (kenne nur San Remo)
Von dir gesendet: Heute um 23:01 auf jeden Fall scheinen die da auch gerne zu tanzen!
Von dir gesendet: Heute um 23:02 Wikipedia: „San Marino ist ein bergiger Kleinstaat im Norden Mittelitaliens. Er ist eine der ältesten Republiken der Welt und verfügt über viele historische Gebäude.“
Gesendet von Lydia: Heute um 23:03 Siehste Bildung!!!
Von dir gesendet: Heute um 23:03 hätten Sies gewusst?
Von dir gesendet: Heute um 23:05 Also ich bin für Russia und Dings….
Von dir gesendet: Heute um 23:05 war das Ukraine mit dem Bulgarian Voices Techno?
Von dir gesendet: Heute um 23:06 Iceland war auch nice
Von dir gesendet: Heute um 23:07 wenn man den Zusammenschnitt sieht, denkt man die Lieder waren viel besser.
Von dir gesendet: Heute um 23:07 (waren sie aber nicht)
Von dir gesendet: Heute um 23:07 ich bin nun auch noch mal für Litauen
Von dir gesendet: Heute um 23:08 ja Ukraine war Pink Parte 2
Von dir gesendet: Heute um 23:09 Der Norweger erinnnert mich an Otto Waalkes. (was kein Kompliment sein soll)
Von dir gesendet: Heute um 23:09 also wenn Otto Elton John persifliert.
Von dir gesendet: Heute um 23:10 berühmte Erasmusbrücke? Hä?
Von dir gesendet: Heute um 23:10 oh Gott, meine Bildungslücken.
Von dir gesendet: Heute um 23:28 ich mach mal ein prickelndes Getränk auf.
Von dir gesendet: Heute um 23:35 beim dritten Rückblick gefällt mir der Schnipsel von dem Schweizer doch auch ganz gut. Also im weltweiten Vergleich des Angebots.
Von dir gesendet: Heute um 23:40 Dingdong…! Das waren noch Lieder. Ein echter Ohrwurm! Ich bin für dieses Lied!
Meine neueste Beobachtung, Erkenntnis: ich meine bereits an der Augenpartie zu erkennen, ob ich jemanden auch sonst attraktiv finde. Ich habe innerhalb von zwei Sekunden impulsive Rückschlüsse auf die übrige Physiognomie, die sich hinter der Maske verbirgt. Immer kann ich es nicht verifizieren, es wird ja nicht probeweise die Maske für mich heruntergezogen. Das ist eine Mixtur aus der Silhouette der Gesichtsknochen und des Blicks. und durchaus auch der übrigen Körperlichkeit. Ich mag ganz offenkundig keine sehr eng stehenden Augen. Mich zieht eher alles an, was in die Weite und Breite geht.
Großzügigkeit, weit auseinanderstehende Augen. Breiter, knochiger Kiefer, breite Stirn. Gepflegt. Man trägt mit Sicherheit ein Beuteschema in sich, das superarchaisch tickt. Wenn ich den kleinsten gemeinsamen Nenner zu identifizieren versuche, was mir einen erotischen Kick gibt, sind es diese Eckdaten im Gesicht, eine überdurchschnittliche Intelligenz und gute Körperbeherrschung, Feinmotorik, athletische Körperspannung. Und Forscherdrang. Und natürlich Eloquenz. Und Feingeist. Ja! Der Frühling ist dran, ich passe mich thematisch an.
Jaja… meine nächtlichen Einträge. – – – ich liebe Rio so sehr. Wie jeder eben. Das kann sich mal jeder anhören, der nicht den Arsch in der Hose hat, sein Herz auf den Tisch zu legen. Zu knallen. So geht das. „Du kommst 14:30, ich um halb drei.“ Hey…! Und auch noch witzig! Aber Witzischkeit kennt Grenzen. Herz-Blut und -Wut.
Du bist zu warm, ich bin zu kalt. Du bist zu jung, ich bin zu alt. Du bist zu arm, ich bin zu reich. Du bist zu hart, ich bin zu weich.
Ahahahahaaaa…
Du bist zu high, ich bin zu down. Du bist zu ernst, ich bin n Clown. Ich bring dich runter, du bringst mich rauf. Ich mach nich weiter, aber du gibst nicht auf.
Ahahahahaaaa…
Alles Schutt und Asche. Alles Rauch und Staub. Alles Trick und Masche Alles welkes Laub.
Ahaaaaa…
Ich bin müde. Du denkst nach vorne, ich denk zurück. Ich zieh das Pech an, du hast nur Glück. Du bist der Größte, ich bin bankrott. Ich bin n Teufel, du bist n Gott. Du bringst das Geld rein, ich schmeiß es raus. Du gehst durchs Feuer, ich geh nach Haus.
Ahahahaaaa… Ohohohooo…
Alles Schutt und Asche. Alles Rauch und Staub. Alles Trick und Masche Alles welkes Laub.
Ahaaaaa…
Ich bin müde. Du kennst die Wahrheit, ich nicht mal dich. Du bist die Liebe, ich lieb nur mich. Ich bin verkrampft, du bist so frei. Du kommst 14:30, ich um halb drei.
Ahahahahaaaa…
Alles Schutt und Asche. Alles Rauch und Staub. Alles Trick und Masche Alles Rauch und Staub.
Heute 233. Geburtstag von Friedrich Rückert und 130. Geburtstag von Richard Tauber! Friedrich Rückert habe ich schon sehr oft hier zitiert, aber heute wollen wir des Tenors Richard Tauber gedenken.
Meine Oma Alma hatte einige Jahre nachdem sie nach dem Tod meines Großvaters André Witwe war, noch einmal einen Mann geehelicht, der dann mein Stief-Opa war, Anton. Er hatte eine stattliche Sammlung von Schellack-Platten und auch ein altes Grammophon, auf dem er bis in die Siebziger Jahre immer noch gerne seine alten Schallplatten angehört hat. Das war sehr gemütlich.
Eine ganz große Rolle nahm in der Sammlung Richard Tauber ein. Er erzählte immer wieder begeistert von seinem Lieblingssänger, dass ich schon als kleines Kind verstand, dass er wohl so eine Art Frank Sinatra seiner Zeit gewesen sein muß. Die Zeitungen seiner Zeit bezeichneten ihn als König des Belcanto.
Ich mag auch viele Aufnahmen von ihm recht gerne, wobei das auch sehr viel mit den alten Arrangements und der Instrumentierung zu tun hat. Da wird man auf eine besondere Art nostalgisch. Das Gefühl stellt sich bei mir allerdings nicht bei Neuaufnahmen ein, die ähnlich arrangiert sind und so tun, als ob. Wie z. B. bei diesem bekannten Sänger, der das imitiert. Wie heißt er noch. … wohnt auch in Berlin und macht den Gesangsstil nach. Ich meine nicht Henry de Winter, sondern den anderen. Sie wissen, wen ich meine.
Das ist mir zu sehr Karikatur und Klamauk. Obwohl ich gerne lache, aber betont lustig gemeinte Lieder finde ich allermeistens eher langweilig. Wobei die Comedian Harmonists schon erheiternd und unterhaltsam waren. Besonders auch die Texte. Aber das gibt es ja alles als Aufnahmen, das muss man nicht imitieren. Die operettenhafte, proklamierende Art, überdeutlich zur artikulieren, war damals Standard, State of Art, und ganz ernst gemeint. Das Pathos von Richard Tauber war echt. Ich nehme ihm das alles ab.
Das Lied von der Lore-Ley, nach dem Gedicht von Heinrich Heine 1837 von Friedrich Silcher vertont, kennt jeder. Richard Tauber hat es 1939 in London aufgenommen, am Klavier begleitet von Percy Kahn. Tauber war 1938 nach England emigriert, während einer Welttournee hatte er die Gelegenheit ergriffen.
Er spielte selbst sehr gut Klavier und dirigierte sogar gelegentlich das London Philharmonic Orchestra. Er starb im Alter von nur 56 Jahren an einer Lungenerkrankung in London. Neben dem Lied von der Lore-Ley gefallen mir auch seine Aufnahmen des Schäferliedes und von Schuberts Ständchen ganz besonders gut.
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar; ihr goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei; das hat eine wundersame, gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh; er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh.
Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; und das hat mit ihrem Singen die Lore-Ley getan.
Heinrich Heine, 1824
P.S. „Lore-Ley“ ist die originale Schreibweise von Heine.
15. Mai 2021. Unangekündigte Sonne! Die sechzehn-Tage-Prognose für Berlin verkündete gestern durchgängige Bewölkung und Regen für die kommenden Wochen. Bitter! Aber: die Prognose stimmt nicht. Ja, da waren auch Wolken, aber wenn die Sonne kam, dann richtig. Unten am Gipsdreieck fand wieder unermüdlich eine Art Parkfest statt. Ich sehe das von da oben. Ich sehe alles! Am Morgen danach kommen dann immer die Jungs von der BSR und räumen die leeren Wein-, Prosecco-, Crémant-, Sekt- und Champagnerflaschen weg. Bierkästen gibt es während des Gelages auch zu sehen, die werden dann aber meistens wohl doch wieder mitgenommen. Aber es sind schon hauptsächlich – ich nenne sie mal „Parkgäste“, die vorzugsweise vergorenen Traubensaft konsumieren.
Neulich hab ich wo ein Foto von den leeren Flaschen gesehen, bevor sie weggeräumt wurden. Darunter waren Kommentare, die die Grüppchen, die sich da unten treffen, als „Millenials“ bezeichnet haben. Sie sind insgesamt friedlich (es gibt kein Gezeter, wie auch schon mal andernorts), aber sehr kommunikativ. Das ist meiner Vermutung nach auch der Grund der Versammlung. Eine meinungsstarke Demonstration für den Genuss von Wein und Small Talk. Es ist halt doch was anderes, mit jemandem nur virtuell zu chatten oder Auge in Auge gegenüberzustehen. Auch mir ist der Vorgang nicht unbekannt. Aber bei den Feierlichkeiten da unten war ich noch nie dabei. In letzter Zeit gibt es auch manchmal Musik, die von einem Gerät abgespielt wird, das jemand mitgebracht hat. Es wird viel geschnattert und gelacht. Da ich bei gekipptem Fenster schlafe, höre ich manchmal beim Einschlafen noch das Klappern von Flaschen.
Mein Samstag heute war unaufgeregt. Aber ich habe etwas zum ersten mal gemacht. Sogar zwei Sachen. Ich habe die Regenrinne unter dem kleinen Balkon zur Nordseite ein bißchen sauber gemacht, sie sah schon aus wie ein Blumenkasten, in dem das Kraut sprießt. An sich lasse ich ja gerne alles wachsen, was so kommt, aber so eine starke Zweckentfremdung der Regenrinne war mir auf Dauer doch suspekt. Das kam von den ganzen Resten von den zweiundzwanzig Frühlingen und Sommern und Herbsten und Wintern, die ich hier verbracht habe. Erde, Hölzchen, Laub. Das wird irgendwann Humus. Ich hab die Erde dann in meine zwei kleinen Beete verteilt. Beim Saubermachen hab ich aber Sauerei auf dem Steinboden fünf Etagen tiefer verursacht. Ich bin dann mit meiner Gießkanne und dem Müll nach unten und hab die Hölzchen und Stöcken weggemacht und mit Wasser weggespült. Dann hab ich den kleinen Ahorn besucht, der sich nun gut eingelebt hat. Ich besuche ihn fast jeden Tag. Schon am dritten Tag hat er die Flügel nicht mehr hängen lassen, es geht ihm gut. Gegossen hab ich ihn auch noch extra, obwohl es ja zwischendurch immer mal geregnet hat und er jetzt auch Wasser aus dem richtigen Berliner Erdreich ziehen kann. Das war mehr so als Geste, um ihm zu zeigen, dass ich mich immer noch um ihn sorge und kümmere!
Jetzt sprießt auch wieder das Weinlaub an den Hauswänden und rankt zu mir herauf. Die linke Wand aus meiner Blickrichtung ist schon wieder schön grün, aber die Blätter werden noch größer. Auch rechts kommt jetzt eine Ranke zu mir hoch, das ist das erste mal. Um den Wuchs zu mir noch mehr zu ermuntern, habe ich die drei Stöcke, die die Wände bewuchern, extra noch mal mit der Gießkanne gegossen. Unten im grünen Hinterhof, wo auch mein Ahorn wohnt, ist ein Wasserhahn. Ich bin begeistert, wie sich der Wuchs in diesem Jahr entwickelt. Wenn man Blumen und Sträucher und Bäume um sich hat, um die man sich kümmert, fühlt man sich mit dem Ort noch mehr verbunden, ja verwurzelt.
Dann habe ich noch Wäsche gewaschen und mit Lydia ausführlich über Hüte geplaudert. Ferngesteuert im Chatfenster. Zwischendurch natürlich auch noch gegessen und getrunken und Musik gehört. Und gelesen. Und in die Sonne geblinzelt, wie man sieht. Ach, und bei Edeka in der Großen Hamburger war ich ja auch noch. So Sachen eben.