Aus meinem goldenen Notizbuch XLIV. 24. Mai 2021, auch Balkon.

„(…) The Film was finished but not edited and Anders asked Max for help. (…) And snip, snip, went Anders‘ scissors, and a bit of film, fell to the floor and curled up there like a pigs tail. When I grew bored, I picked up a strip of film, took it outside and held it up to a bright light. There were tiny photographs of Anders, who was, as usual, playing the leading role, one after another, each barely different from the next, but of course, when speeded up, there was motion, there was the illusion of life. Each frame was like a little cell, confined by tiny white strips. The actor stood in each cell like a trapped criminal, but when the film ran, there were no small rooms, no one was walled up, everything was continous. And I thought, in life it is also like that and the problem is always how to jump from one moment to another so that time does not become empty, so that you do not freeze in one position forever.“

Susan Fromberg Schaeffer – First Nights, S. 352

Ein wahnsinnig starkes Bild in dem Buch, das mir Volker schickte. Wie sie das Zelluloid gegen das Licht hält und diese Gedanken. Die Hauptfigur ist von Greta Garbo inspiriert, daher auch die Fotografie auf dem Einband. Im Buch heißt sie „Anna Asta“ und sie erinnert sich und erinnert sich und erinnert sich. Und erzählt davon ihrer Haushälterin, einer jüngeren Amerikanerin. Also in Relation zu ihrem schon höheren Alter jünger. Es gibt intensive Momente in dem Buch. Ich muss zugeben, dass ich den Erinnerungen der Haushälterin nicht so interessiert folgen konnte. Sie stirbt vor Anna Asta. In einem der ersten Kapitel, ich konnte die Stelle nicht mehr finden, ging es um ihren Nachlass. Da kamen mir die Tränen. „Mein gutes schwarzes Kleid bekommt meine Nichte, mein rotes Transistorradio soll mein Neffe bekommen….“ So in etwa… ein paar wenige Habseligkeiten, kaum der Rede wert, aber doch von Wert für einen Menschen. Und im Vergleich dazu die Auktion der Schätze des Nachlasses einer der größten Stummfilmdiven der Geschichte bei einem der größten Auktionshäuser der Welt. Greta Garbo hatte tatsächlich eine Haushälterin, es gibt ein Foto aus der Schweiz, das sie mit ihr zeigt. Im Buch fährt sie anfangs nach der Arbeit, die um Sieben endet heim, aber später übernachtet sie unter der Woche auch in dem Apartment. Ich weiß nicht, ob damals schon Bilder von Greta Garbots traumhafter Wohnung am Hudson River bekannt waren, als die Autorin das Buch schrieb. Vielleicht ja. In einer Szene beschreibt sie das leicht orange Licht, die Stimmung. Es gibt dort neben den Holzvertäfelungen auch Wandbespannung mit einem apricotfarbenen Stoff von Fortuny. Sicher liest man mit anderen Bildern im Kopf, wenn man so wie ich, viele, viele, viele Aufnahmen des Apartments in New York kennt.

5 Antworten auf „30. Mai 2021

  1. Ich muß vor allem daran denken, daß Greta Garbo unter ihrem Sofa kleine Püppchen und Figuren hinstellte, mit denen sie spielte. So habe ich es jedenfalls aus ihrer Biographie in Erinnerung. Da stelle ich mir immer vor, wie man als Gast in ihrer Wohnung ist, vielleicht irgendetwas verliert, einen Blick zufällig unter das Sofa wirft und dort ein geheimes Puppenleben findet.

  2. Das wusste ich gar nicht….! Ich kann mich auch gar nicht an Puppen im Katalog ihres großen Nachlasses erinnern. Aber vielleicht sind die auch in der Familie geblieben.

  3. P.S. welche Biographie war das, kannst du dich erinnern? In ihrer Wohnung waren hauptsächlich Sitzmöbel mit filigranen Füßen, opulente Sessel mit großartigen Stoffen bezogen, An ein Sofa, das zum Boden hin abschließt, kann ich mich gar nicht erinnern… Aber vielleicht in ihrem Schlafzimmer…. unterm Bett wäre es möglich gewesen ;-)

  4. Da ich zwei Biographien gelesen habe und mir nicht mehr sicher war, in welcher das stand, blätterte ich mal wieder ein bißchen durch die Bücher. Dabei las ich, daß die Garbo eine Brustamputation hatte und große Probleme damit, einen BH zu tragen. Wußte ich gar nicht mehr, wahrscheinlich weil es für mich damals noch nicht so interessant war. In diesem Buch fand ich dann auch die Stelle mit den „Puppen“, aber ich habe mich da etwas geirrt – es waren keine Puppen sondern Trolle:
    „Eines Nachmittags, als er bei ihr zu Besuch war, ging die Garbo aus dem Zimmer, um etwas zu trinken zu holen. Sam griff nach den Erdnüssen, und ein paar fielen dabei zu Boden. Er kniete sich hin, um sie aufzusammeln, und entdeckte dabei unter dem Sofa, auf dem er gesessen hatte, eine winzige Figur. ‚Es war ein Troll. Sie wissen schon, diese kleinen Plastikzwerge mit dem häßlichen, wilden Kunststoffhaar in Magentarot. Als ich mich noch tiefer hinunterbeugte und unter das Sofa sah, entdeckte ich eine ganze Reihe davon – mindestens ein Dutzend, eine richtige kleine Gesellschaft -, aufgestellt in einer bestimmten Formation.“ Er verriet nichts von seiner Entdeckung, aber bei jedem seiner folgenden Besuche, wenn er gerade allein im Salon war, warf er einen Blick unter die Couch – und jedesmal waren dort die Trolle, immer in einer anderen Formation aufgestellt.“ Vielleicht wollte die häßlichen Trolle aus ihrem Nachlaß ja niemand. *gg* Das Buch heißt „Garbo“ von Barry Paris.

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