


CREATION SCHÖPFUNG ZEUGUNG. Leinen-Geschirrtuch, Grundierung, Acryl, Spiritus, Zeitungsschnipsel, Papprückwand, 45 x 35 cm, 10. und 11. April 2020, Staatliche Museen von Gaganien






CREATION SCHÖPFUNG ZEUGUNG. Leinen-Geschirrtuch, Grundierung, Acryl, Spiritus, Zeitungsschnipsel, Papprückwand, 45 x 35 cm, 10. und 11. April 2020, Staatliche Museen von Gaganien




Liebreizende Liebenburger. Habe mit meiner Kamera geübt, während Herr Ludewig die Partyreste weggeräumt hat. Er hat das sehr gut und zügig gemacht, da er ein praktisch veranlagter Typ ist. Von den Bildern haben ja alle was, er auch! Ich habe lange keine Blümchen geknipst. Warum nur. Ja, alles hat man schon mal ähnlich gesehen, aber doch ist jede Blume einmalig und wird nie wieder genauso entstehen. Solche wundervollen Wesen. Wenn man so eine Blüte anschaut, ist das so ähnlich, wie wenn man psychedelische Drogen genommen hat, nur ohne Kater hinterher. Ich kann das beurteilen, weil ich vor vierzig Jahren sehr experimentierfreudig mit gewissen Substanzen war. Am meisten haben mich psychoaktive Sachen interessiert, vor allem LSD. Interessante Erfahrungen, die erstaunliche Wahrnehmungstüren aufstoßen können, wovon man erfahrungstechnisch immer noch profitieren kann, wenn der Trip vorbei ist. Aber es sollten gute Drogen sein, beste Qualität, nichts Dubioses. Darauf sollte man ja sowieso immer achten, auch bei alkoholischen Getränken. Ich bin da inzwischen recht virtuos und habe höchst selten einen Kater. Wenn mir jemand drittklassige Ware anbietet, lasse ich die Finger davon. Ich spreche jetzt von Alkohol, vor allem Wein und Schaumwein, da kenne ich mich sehr gut aus. Wenn es keine gute Qualität gibt, schwenke ich notfalls auf gutes Leitungswasser um. Das ist hierzulande geschmacklich und auch sonst risikofrei. Und Jever geht auch immer. Was rauchen selten, hätte aber mal wieder Lust. Dann aber verbietet sich Alkohol wieder. Verträgt sich nicht!








In einem Liebenburger Fachwerkhaus versteckt sich eine Zauberwelt, von der man unzählige Bilder machen könnte, aber das gehört sich nicht. Es ist mir nicht oft passiert, dass ich mich in einer Wohnung, die nicht meine ist, so sehr daheim fühle. Die schönsten Wohnräume, die ich bisher betreten haben, waren von Frauen, nur wenige von Männern. Jan hat sehr virtuos und liebevoll gestaltete, ja eklektische Räume in Frohnau. Auch Alban. Volkers Refugium in der Lausitzer Straße war mir gleich vertraut, und so ist es auch mit diesem in Liebenburg. Die wenigen Details, die ich zeige, sind Zitate, die etwas erahnen lassen. Natürlich gibt es viele Bücherregale und Bilder an den Wänden, kleine Kommoden und Truhen und Tischchen, schönste Trouvaillen, bequeme, antiquarische Sessel aus den Fünfziger Jahren, sehr warmes, subtiles Licht, das von alten, gefältelten Lampenschirmen verströmt wird. Einen großen, gemütlichen Küchentisch, ein Schlafzimmer mit einer Wand wie in einem venezianischen Palazzo, so schön ist der Putz von Hundert Jahren abgetragen. Ein geliebtes Filmarchiv und eine sich schwer biegende Kleiderstange mit verheißungsvoll glitzernden Gewändern. Und immer Musik – die mir selbst unbekannterweise vertraut vorkommt. Da ich in der Post direkt nebenan schlief, musste ich irgendwann doch aus dem Sessel aufstehen und in mein eher profanes Zimmerchen wechseln. Aber eigentlich war ich innerlich immer noch in der Zauberwelt nebenan, bei Marilyn und Audrey und David und Glam.

Was mir vorhin auch noch durch den Kopf ging, als ich vor mich hinpinselte: ein Glück, dass die Stones bei ihrer SIXTY-Tour nicht heute in Berlin gespielt haben. Dann wäre nämlich äußerste Gefahr gewesen, dass Mick Jagger mal wieder den KuDamm entlang hätte flanieren wollen, und zwar am Vormittag, Richtung KadeWe und zufällig wäre da der gestörte Fahrer angerast gekommen und hätte Mick Jagger totgefahren! Ein Glück, dass die Stones nicht in Berlin spielen. Bisher hab ich mich ja geärgert, man könnte sogar sagen, ich war beleidigt deswegen. Aber nun bin ich froh! Mick Jagger postet seit Start der Tour ständig Fotos von seinen Spaziergängen durch die Innenstädte der Orte, wo sie gerade spielen.

Ich präsentiere zwei wichtige Türen in Niedersachsen. Die eine von der Post, die andere von Herrn Ludewig. Für mich eindeutig die wichtigsten Türen, durch die ich mehrfach gehen durfte. Es handelt sich bei den zugehörigen Häusern um Liebenburger Fachwerk (behaupte ich Kraft meiner Wassersuppe) in ortstypischer Farbgebung, nämlich hübschen Tönen von Taubengraublau über Flaschengrün zu Petrolgrün. Andernorts mag gewöhnliches Dunkelbraun dominieren, hier liebt man es etwas freundlicher und experimenteller. Nun könnte man denken, ich sei qualifiziert, solche Vergleiche anzustellen. Eigentlich nicht, aber ich habe auch in meiner Kindheit und Jugend häufiger Fachwerkhäuser gesehen, und kann mich so direkt nicht an andersfarbiges Gebälk als dunkelbraun gestrichenes erinnern. Von daher: gut beobachtet!

Eigentlich hat mich ab heute Vormittag gedanklich nur noch beschäftigt, ob der Unfallverursacher am Tauentzien privat gestört ist oder politisch motiviert, in offizieller Mission. Ich habe alle halbe Stunde nach neuen Informationen zur Ermittlung und Befragung des Fahrers gesucht. Ich wollte wissen, ob jetzt eine neue Terror-Psychoterror-Phase mit Einschränkungen, Ängsten und Kontrollen droht. Insofern wünschte ich mir, dass es ein individueller Amoklauf war. Ich bin dann, ohne neuere Erkenntnisse in mein Atelier gefahren, wo ich weder Internet, noch TV, noch Radio habe. Auch nicht haben will. Dort versucht, einen inneren Tapetenwechsel hinzukriegen, ging so einigermaßen, mit etwas Alkohol nachgeholfen. Ich will mir meine kostbare Lebenszeit nicht von gruseligen, destruktiven Taten anderer dominieren lassen, die ich ohnehin nicht beeinflussen kann. Was mir (u. a.) unendlich leid tut ist, dass die zehnte Schulklasse aus Nordhessen, mit der die totgefahrene Lehrerin unterwegs war, nun bis zum Lebensende ein Trauma hat, das mit Berlin verbunden ist. Das hat Berlin und auch der Kudamm und der Tauentzien nicht verdient. Ich hoffe, sie werden gut psychologisch betreut und können es irgendwie verarbeiten. Jetzt beschäftige ich mich zur Erholung wieder mit meinen Fotos von meiner kleinen Reise nach Niedersachsen.
Bin in Charlottenburg, war aber nicht in der Menschenmenge, in die vor einer Stunde am Tauentzien ein PKW gefahren ist. Dreißig Verletzte, ein Toter. Schlimm. Entweder ist die Person irre oder hat die Kontrolle aus anderen Gründen verloren… ist noch nicht bekannt. Gruß aus der Fasanenstraße.

…Essen gabs auch. Alles selbst vorbereitet, ich durfte zuarbeiten. Handwerkliche Arbeiten gefallen mir gut, alles wo man richtig anpacken und mit anfassen kann. Ich bin eindeutig ein haptischer Typ und finde Materie großartig! Deswegen war ich in Algebra nicht besonders gut, aber in Geometrie ganz hervorragend. Demzufolge ist Buddhismus keine geeignete Weltanschauung für mich, da wohl eines der Ideale ist, sich maximal von der Anhaftung an irdische Materie zu lösen. Ich könnte mich darin wälzen! Ich will alles Irdische sehen, berühren und fühlen und schmecken und riechen.


Die herrlichen Blumen sind selbst aus dem Garten gepflückt! So einen schönen Strauß habe ich selten gesehen, wenn überhaupt. Eine alte Freundin von Volker hat sie zu seinem Geburtstagsfest mitgebracht, man konnte sich gar nicht sattsehen. Gut, dass ich sie fotografiert habe, so kann man sich immer wieder dran erfreuen.

Abschiedsfoto von gestern mit Herrn Ludewig und Nessi Ludewig! Ich habe meinen Harz-Bus 860 nach Goslar und den Zug nach Braunschweig und den Zug nach Berlin Hauptbahnhof pünktlich erwischt und bin wieder daheim in Berlin. Im Zug von Braunschweig nach Berlin habe ich mich in den Speisewagen gesetzt und wollte ein kleines Bitburger Pils bestellen. Mir war so, obwohl ich tagsüber selten Bier oder andere Sachen mit Alkohol trinken mag. Ausgerechnet da war das normale Bitburger alle und es gab nur noch alkoholfreies Bitburger. Hab ich dann genommen, hat mir nicht geschmeckt! Es ist irgendwie weniger herb, würde ich nicht nochmal bestellen. In Berlin scheint es geregnet zu haben, weil die Blumentöpfe gar nicht trocken waren. Ich habe den gestrigen Tag eigentlich nur mit Heimfahren und Auspacken verbracht und dann spät noch Bilder durchgucken. Ich hab noch mehr. Nachher.

Abschiedsgruß aus der Post! Kleines Frühstück auf dem Bett. Habe schon gepackt und gehe noch rüber zu Herrn Ludewig um mich zu verabschieden. Dann fahre ich mit dem Harzbus über Land nach Goslar, von wo mein Zug nach Braunschweig fährt. Dort steige ich um in den Zug nach Berlin. Der Bus fährt um 11:49 Uhr vor der Post ab, ich darf ihn nicht verpassen! Er fährt nur alle zwei Stunden! Habe noch mehr Fotos gemacht, zeige ich wenn ich wieder daheim in Berlin bin!



VERGESSEN. Acryl, Leinwand, Rahmen Genua Gold, 47 x 37 cm, 28. Juli und 17. November 2019, Staatliche Museen v. Gaganien. Das Bild heißt „vergessen“, weil ich vergessen habe, wie ich es nennen wollte. „Life on Mars“ vielleicht? Bin unsicher — vergessen.




Heute morgen, mein kleiner Nordbalkon, 9:17 Uhr. Ganz oben, auf der hellen Wand, links von den beiden Baumwipfeln saß ein Täubchen und sonnte sich. Als ich die Kamera nahm, ließ ich mir Zeit, weil sie ja schon eine ganze Weile dasaß. Als ich sie fokussieren wollte, flog sie weg. Aber ich seh sie noch vor mir. Ein hübsches, hellgraues Täubchen. Und ein ganz besonders schöner, klarer, sommerlicher Morgen. Darunter im Schatten explodiert meine blaue Hortensie, links davon meine Annabelle, die Schneeballhortensie. man sieht schon die kleinen grünen Knospen, die zu den Blütenbällen werden. Nicht auf dem Foto, aber wenn ich ganz nah hingehe. Ich habe keinen der beiden Büsche beschnitten. Die normale, aber auch die Schneeballhortensie liebt lichten Schatten. Also ein schattiges Plätzchen unter großem, offenen Himmel. Als ich einmal aus Gründen der Schönheitssehnsucht blaue Hortensien auf einem knalligen Südbalkon hegte, merkte ich bald, dass sie sich einen Sonnenschirm wünschen. Haben sie bekommen, war aber anstrengend. Ich bin eine faule aber hingebungsvolle Gärtnerin. Mit viel Liebe wird gepflanzt und das soll dann bitte jahrelang immer wieder kommen, ohne Zurechtschneiden und Düngen, nur mit Gießen. Bis jetzt spielen die beiden mit, die Annabelle und die blaue Hortensie da in der Mitte. Nur Blaudünger hab ich mal ins Gießwasser gemacht. Wegen Blau! Bin schon mächtig gespannt.

Zwei vier Tage alte Fotos von mir zu posten, geht eindeutig schneller als Exemplare von meinem Gepinsel. Daher. Ich beschäftige mich gerade gedanklich damit, dass ich morgen mein Reiseköfferchen packen muss. Wie immer keine Lust, die Sache anzugehen. Wenn ich erst den Reißverschluss zumache, komme ich auch in Aufbruchstimmung. Dabei ist es eine Minireise. Ich fahre nur zweieinhalb Tage in ein anderes Bundesland, in dem ich allerdings noch nie war. Dort übernachte ich in einer Herberge, die „Zur Post“ heißt. Wie in guten alten Postkutschenzeiten! Es geht nach Liebenburg, das ist ein Ort im Harz, in der Nähe von Goslar. Bei der Erwähnung von Goslar bekamen bisher alle einen begeisterten Gesichtsausdruck: „Goslar! Da ist es sehr schön!“ Umso besser. Ich habe jedenfalls schon mal mehr Lust wohin zu fahren, wo die Reaktion keine mitleidiger Blick ist. Ich hatte schon immer so eine komische Antriebsschwäche, wenn es ums Packen geht. Was Reisen angeht, war ich früher hochgradig begeistert, durch die Welt zu gondeln, und letztlich ist es ja immer noch so, wenn ich dann erst mal unterwegs bin. Aber bis jetzt liege ich noch mehr oder weniger regungslos herum. Wobei Bloggen ja auch nicht ohne ist und durchaus als Aktivität bewertet werden kann. Mein Ziel ist, morgen im Drogeriemarkt noch erforderliche Sachen für meinen Kulturbeutel zu kaufen und mir über die Reisegarderobe klar zu werden. Es gibt nämlich ein Geburtstagsfest zu feiern und es würde mir die Packerei erleichtern, wenn es einfach heißen würde: „Zieh bitte ein dramatisches Abendkleid an“ oder alternativ: „Egal, was immer du anziehst, du siehst absolut phantastisch aus!“


Gruß nach Liebenburg zu Geburtstagskind Volker-Glam! Willkommen im Juni und Deinem neuen Lebensjahr! Bin gerade wieder aufgestanden. Nach einem langen Arbeitstag mit einem Riesenschnitzel und Bier und Holunderschnaps am späteren Nachmittag bettschwer fast auf den Holztisch bei der Dicken Wirtin geklatscht. Gerade noch zur S-Bahn geschafft, daheim gleich ins Bett. Nun wieder wach für eine kleine Mitteilung und Darjeeling!





HAVEL-ALBATROS. Teekessel-, Nudelholz-. Stempel-, Trage-Griffe, Havel-Muscheln, Kleber, Spachtel, Acryl, Leinwand, 60 x 60 22., 24., 25., 26., 28. u. 29. Mai 2022, Staatl. Museen v. Gaganien




GOTT. (Das Auge). Gefundene Styroporkugel, Pin-Nadeln, French Press-Metallstab und Sieb, Versandrohr, beschwert mit tausend Infoblättern, Grundierung, Spachtel, Durchmesser 12 cm, Höhe 86 cm, 2016, 2017, 23. September 2018, Staatl. Museen v. Gaganien








BALLONFAHRT. Blaue Stempeltinte, Aquarellpapier, Holzrahmen, Karton, 47 x 59 cm, 29. Februar 2020, Staatl. Museen v. Gaganien


POW WOW. (TIPIS), Blaue Tinte, Aquarellpapier, Holzrahmen, Karton, 47 x 59 cm, 29. Februar 2020, Staatl. Museen v. Gaganien



Sehr putzig und interessant: dreijähriges, groß gewachsenes Mädchen, das besonders gerne malt und bastelt, schaut sich dreißig Bilder von mir an. Ich zeige ihr das erste, das aussieht wie Eierschalen von frisch geschlüpften Küken, sie juchzt: „cool“ und steckt ihre kleinen Fingerchen in die Löcher und bohrt drin rum. Ihre Mama wollte sie aus Respekt davon abhalten, aber ich erlaube es ihr.
Die Hälfte der Bilder hat angeklebte Fundsachen, die offenbar zum Anfassen einladen. Mit Wonne tastet sie die verschiedenen Oberflächen und Materialien ab und freut sich über jede Vertiefung und jedes Loch, wo sie den Finger reinstecken kann. Ich kriege selber Lust, die Finger reinzustecken, einfach so! Ich freue mich an der kindlichen Begeisterung und wie unterschiedlich sie reagiert.
Auf ein Bild, das für mich irgendwie eine Art Echse (aus Holzkeilen auf einer Leinwand, mit einem Zickzackmuster aus Goldacryl) ist, rennt sie zielgerichtet zu und fragt was es ist. Ich sage: „irgendsoein Krabbeltier“. Sie sagt: „ICH WEISS ES!“ Mama: „Ja? Was ist es denn?“. „EINE AMEISE!“ und streichelt die Holzbeinchen und sagt anerkennend: „Cool!“. Ich bestätige etwas opportunistisch, dass es sich um eine „GOLDAMEISE“ handelt. Meines Erachtens handelt es sich bereits um ein Kompliment, dass sich jemand Gedanken macht, welche Spezies ich da erschaffen habe.
Als sie weg war, hab ich mich nochmal extra gefreut, dass ich die Bilder ja auch anfassen kann. So oft und so viel ich will. Super! Die Staatlichen Museen von Gaganien sind da sehr großzügig, was man gar nicht genug schätzen kann! Ich interveniere bei Betatsch-Attacken eigentlich nur, wenn ich weiß, dass ich partiell einen dieser dubiosen Kalkstifte benutzt habe, die nie richtig durchtrocknen. Aber da fällt mir gerade nur das Bild mit den zweihundertsechsunddreißig Streifen ein.

SECRET. Assemblage: Eintrittskarte, Postkarten Matisse, Picasso, Macke, Zakynthos, Santorini, Briefmarken, Einkaufstüte, Klebstoff, Karton, 38 x 64 cm, 6. Mai 2018, Staatliche Museen von Gaganien


Sehen Sie: genau das bleibt mein Geheimnis. Ganz rechts gibt es einen grünlichen Schnipsel, das ist eine Eintrittskarte, die mir eine Begegnung mit denkwürdigen Folgen bescherte. Ich habe sie aus Gründen der Geheimhaltung umgedreht, aber nicht festgeklebt :-)



Der alte Martenstein schreibt sich im nachfolgenden Kapitel seines Werkes „Die neuen Leiden des alten M.“ seinen Neid auf bildende Künstler von der Seele. Teil der im Internet hängenden Leseprobe, daher gestatte ich mir, das Eingangskapitel „Das Schreiben“ in Gänze zu copypasten:
„Ach, Sie sind Maler? Wie interessant. Ich bin gegen die bildende Kunst. Den Kunstbetrieb lehne ich ab. Warum? Hauptsächlich aus Neid. Ich bin Autor, wissen Sie. Ich schreibe Kolumnen, Reportagen, Romane, ich erfinde Geschichten, man könnte wohl sagen, dass ich künstlerisch tätig bin, wenngleich auf einem anderen Feld.
Das Problem dabei ist, dass man sich immer was Neues einfallen lassen muss. Ein gewisser Sound ist natürlich da, ein Autor muss einen Sound haben. Wenn aber jeder Text klingt wie der andere, wendet das Publikum sich ab. Das Publikum verlangt schon ein bisschen Abwechslung.
Die Leute wollen unterhalten werden, oder berührt. Wenn Sie Unterhaltung nicht hinbekommen, können Sie es als Autor mit tiefen Gedanken probieren, gehen Sie halt auf die intellektuelle Schiene. Und wenn Sie auch das nicht hinkriegen, dann tun Sie so, als ob. Werden Sie dunkel, raunen Sie, weichen Sie aus ins Ungefähre. Oft funktioniert das. Wenn die Leute etwas nicht verstehen, dann werden zumindest einige von ihnen denken, es sei groß, was, wie wir beide wissen, nur selten tatsächlich der Fall ist. Die Musik funktioniert übrigens ganz ähnlich wie die Literatur, meiner Erfahrung nach.
In der bildenden Kunst brauchen Sie eine Idee, nur eine. Und das ziehen Sie dann durch, wieder und immer wieder. Sie gießen Tiere in Plastik ein. Oder Autos in Beton. Sie verfremden Schreibmaschinen. Malen Sie einfarbig. Machen Sie Bilder aus lauter Nägeln, aus lauter Punkten, aus Buchstaben, malen Sie mit Blut, kommen Sie, Ihnen wird schon was einfallen. Es muss natürlich neu sein, das, was ich gerade aufgezählt habe, gibt es alles schon. Sie müssen eine Marke werden, wiedererkennbar.
Wenn Sie zu Ihrem Kram eine Theorie haben und reden können, umso besser, aber das muss nicht sein. Wichtig ist, dass Sie als Typ was hermachen. Sie müssen ein Typ sein. Es muss rüberkommen, dass Sie das, was Sie tun, einfach tun müssen, verstehen Sie.
Handwerkliche Fertigkeiten sind nicht erforderlich, Handwerk ist 19. Jahrhundert. Es muss nicht gefallen oder gut gemacht sein, es muss beeindrucken, es muss wirken. Legen Sie ein geschlachtetes Tier in eine Glasbox, stellen Sie den Verwesungsprozess aus, Maden, Fliegen, das gefällt nicht, aber es beeindruckt. Leider gibt es auch das schon.
Wenn Sie Glück haben, kommen Sie mit einer einzigen Idee Ihr ganzes Leben lang über die Runden. Das ist es, worauf ich neidisch bin. Klar, bei uns Autoren wird auch mit Wasser gekocht. Viele schreiben immer wieder das gleiche Buch, ich könnte Namen nennen. Aber das darf bei uns eben nicht zu sehr auffallen. Bei euch ist es ein Vorteil, bei uns ist es ein Nachteil. Wenn ich ein Jahr lang über das gleiche Thema etwa das Gleiche schreibe, immer besser vielleicht sogar, immer perfekter, werfen die mich raus. Wenn Sie zwanzig Jahre lang das Gleiche machen, sind Sie am Ende vielleicht Millionär.
Sie werden lachen: Ich kaufe Kunst. O ja. Ich investiere. Festgeld wirft nichts mehr ab, für Aktien bin ich nicht blöd genug oder nicht schlau genug. Wirtschaftlich glaube ich an die bildende Kunst. Im Herzen bin ich für die Realisten, ich glaube, das habe ich deutlich gemacht. Ich bin Realist, oder Reaktionär, wenn Sie so wollen. Das ist ja fast das Gleiche. Die Neue Leipziger Schule finde ich ganz gut, Neo Rauch und so was, obwohl die natürlich nicht mehr so gut malen können wie die Alte Leipziger Schule, Tübke, Mattheuer und Konsorten, die Alten waren besser, klar. Aber der Wille zählt. Die Jungen probieren es wenigstens.
Das ist alles sehr teuer, leider. Ich kaufe, was ich mir leisten kann, auch wenn ich nicht immer überzeugt bin. Ein Buch würde ich niemals als Geldanlage kaufen, nur aus Neugier, ein Buch ist eine ganz miese Investition. Das ist der Unterschied.“


CÔTE D’AZUR. Selektierte Fragmente Siebdruckstoff Achtziger Jahre, Keramiktellerrand-Scherben, Ausdruck „El Morocco“-Nachtclub-Anzeige 50er Jahre, Klebstoff, Lackmalstift, Leinwand, 53 x 73 cm, 17. Februar 2019, Staatliche Museen von Gaganien












ZAUBERKREIS: LANZE-PFLANZE, GELEGE, GOLD-PLISSEE, SHRINE. Altes, rundes Verkehrsschild vom Straßenrand (Baustelle Gipsstraße), Frühstücksbrettchen, Blattgold, Acrylstifte, zwei ausrangierte Spülschrankgriffe, Kleber, Pralinenschachteleinlagen, Eyelinerverschlusskappen, Acryl, Teilsegment Styroporverpackung Onyx-Weinkühler, 36 sinnlose Zierknöpfe, Spiralen Stiebel Eltron-Boiler, Spiegelkachelscherben, Segment OH-Folienschachtel, Kaffeetassenverpackungsschachtel, Lackstift, 3D-Leinwand, 60 x 60 x 4 cm, 4., 12., 14., 15., 16., 17., 18., 19. und 22. Mai 2022, Staatliche Museen von Gaganien, Privatsammlung Fasanenstraße



NIKOLAUS. Pralinenschachtel, Klebe-Etikett, Lackmalstifte, 10 x 10 x 2 cm, 05.(?6.?) Dezember 2017, Staatl. Museen v. Gaganien


Wenn mir jemand eine kleine Schachtel Lindt-Pralinen oder Niederegger Marzipan oder Nougateier auf den Schreibtisch legt, und der Anlass eines dieser abendländischen Kalenderfeste ist, werde ich einen Teufel tun, die Gabe mit dem Hinweis zurückzuweisen, dass ich weder an den Osterhasen, noch an das Christkind noch an den Nikolaus glaube. Vielmehr verspeise ich den Inhalt mit Begeisterung und verziere die Schachtel so lange, bis alle Spuren des Anlasses verwischt sind und sich das Ergebnis in meinen persönlichen gaganischen Festtagskalender einfügt. Bei dem Dings ist mir aber wohl ein Schönheitsfehler unterlaufen. Ich habe es mangels Phantasie „Nikolaus“ genannt. Und dazu vermerkt „ca. 5. Dez.“. Nikolaus ist – glaube ich – am 6. Dezember. Egal. Kann sein, dass ich die Schachtel schon am Vorabend erhielt und sogleich öffnete und transformierte. Das ist auch ein Vorteil: wenn man sich nicht weiter für diesen Festkalender interessiert, ist man auch nicht verpflichtet, Nikolauspralinen am Nikolaustag zu essen. Und man kann einfach im Mai ein Nikolaus-Dings posten! Die Schachtel liegt in meiner Werkstatt im Bad und enthält, wenn sie nicht gerade leer ist, Notfall-Kopfwehtabletten, nämlich Aspirin.



„SHE’S A RAINBOW. The extraordinary Life of Anita Pallenberg“. Ausgelesen. Meine Eselsohren in Notizen übertragen und nachrecherchiert. Da auch einige Filme genannt wurden, die ich nicht kannte, war das eine aufwändige Nachbereitung. Die Notizen sind auf dem einen Bild zu sehen. Wenn es noch „Der große Preis“ mit Wim Thoelke geben würde, könnte ich jetzt als Kandidatin mit dem Thema „Anita Pallenberg“ antreten. Ich wusste ja schon einiges über sie, da sie mich seit Gedenken faszinierte, in dem Buch ist alles Erfahrbare zu ihrer Biografie chronologisch aufgearbeitet. Das vorletzte Kapitel deprimierte mich etwas, weil es die Lebensphase war, wo sie von Keith getrennt war, ihre vitalsten Zeiten vorbei waren und sie orientierungslos und verbraucht wirkte.
Die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens schienen dann wieder besser zu sein, sie hatte neue Interessen und Kontakte, machte eine Ausbildung an der Hochschule für Modedesign in London, überwand ihre Heroin- und Alkoholabhängigkeit und wurde wieder überall eingeladen und als Kultfigur verehrt. Sie wirkt in Interviews immer gelassen und heiter und leicht amüsiert. Ihre Verbindung zu Keith wurde zu einer engen Freundschaft, sie wohnte auch in der Nähe von Redlands und zog in den letzten Lebenswochen zu Keith und Patti, wo sie von beiden bis zu ihrem Tod umsorgt wurde. Am Ende bleiben doch die Bilder ihrer strahlenden Persönlichkeit, die wir aus den Sechziger und Siebziger Jahren erinnern, die lässige Ikone aus Performance.
Nur einmal habe ich mich richtig geärgert, als vom Autor behauptet wird, Nico hätte sich an Anita Pallenberg orientiert und sie imitiert. Das ist absolut lächerlich. Tatsächlich hatte Nico den ikonographischen Look mit den glatten, langen blonden Haaren und dem langen Pony vor Anita, und Nico war eine profilierte originäre Musikerin, Sängerin und Songschreiberin, die vielmehr von Anita hätte idolisiert werden können. Sie hatten Überschneidungen in ihren privaten und beruflichen Kreisen, beide Beziehungen zu Brian Jones, dieselbe Pariser Modelagentur, waren zeitgleich in Rom, beide blond und überragend gutaussehend. Und beide charismatisch. Jede hatte ihre eigenen Qualitäten.
Ich las das Buch auf Deutsch, musste häufiger über nachlässiges Lektorat bei der Übersetzung hingweglesen. Mir war nicht klar, dass Anita doch bis wenige Jahre vor ihrem Tod 2017 immer wieder kleine Filmrollen in größeren Produktionen hatte. Die Filmschnipsel habe ich mir auch angesehen. In einem Madonna-Video von 1998 kommt sie auch vor, „Drowned World“, mehr oder weniger sich selbst als Partygast spielend. Das legendäre Himmelbett aus Performance ging übrigens nach den Dreharbeiten in ihren Besitz über, stand seitdem in ihrer Wohnung in Chelsea.






DÉJÀ VU. Pouring VIII., Siliconöl, Pour. Medium, Acryl, Leinwand, 30 x 30 cm, 17./18. August 2019, Staatliche Museen von Gaganien



GOLDEN FAIL. Pouring XI., Siliconöl, Pouring Medium, Acryl, Schaumweingoldalumanschettenschnipsel, Pappkarton, 21,5 x 30 cm, 27./28. August 2019, Staatliche Museen v. Gaganien. Eventuell der letzte transformierte Fehlversuch der Pouring-Experimentreihe 2019. Da war mir dann klar, das ist einfach nicht mein Ding, dieses hippiehafte Farbgeschwurbel, das sich da ansatzweise abzeichnet. Sollen andere machen, die nicht mit dem Pinsel umzugehen wissen! Das rosa Dings fügt sich so in meiner pinkrosa Schatzkammer ein, gehört aber nicht zu den Werken, die ich im Gaga Nielsen-Pavillon auf der nächsten Documenta in Kassel präsentieren wollen würde. So zwischen Abfall und Beifang!




Gestern war ich ganz alleine beim Berlin Beat Club! Es war trotzdem schön. Meine Kamera habe ich daheim gelassen, was ich aber schon bald bedauerte. Ich hatte einen Platz an dem langen Tisch rechts von der Bühne, wo schon andere Gäste waren. Es kamen noch drei dazu, zwei reifere Herren, die eine zierliche Frau in ihre Mitte nahmen. Sie gehörte wohl zu dem einen. Der andere Mann, der über Eck quasi fast neben mir saß, hatte den Stuhl zum Tisch gedreht, wie er normalerweise steht. Ich gab ihm den Tipp, er könnte den Stuhl drehen, so dass er Richtung Bühne gucken könnte. Er entgegnete: „Aber dann kann ich Sie ja gar nicht mehr sehen!“ Ich deutete Richtung Bühne und erklärte: „DA spielt die Musik!“ Er gab zu bedenken: „So schön sind die aber nicht!“ Da kam auch schon meine Currywurst, die mir Hans empfohlen hatte. Er saß (wie meistens, wenn er nicht auf der Bühne steht) bevor es losging, im Biergarten, wo ich Hallo sagte. Zur Currywurst trank ich, wie im Rickenbackers immer, ein kleines Jever. Daraus werden dann immer mehrere kleine Jever, die ich irgendwann nicht mehr zähle. Meistens vier bis fünf. Ich könnte mir natürlich auch gleich ein großes Jever bestellen, aber ich trinke lieber aus den kleineren Tulpen. Das große kommt in so dicken, schweren Henkelgläsern, da schmeckt es mir nicht so gut.
Um dazuzukommen, warum ich bedauerte, die Kamera daheim gelassen zu haben: es waren die Gäste. Weibliche Gäste, die zum Teil spektakulär waren, und damit meine ich nicht mich. Hinter unserem Tisch saß eine schlanke Brünette mit schulterlangem Haar, ca. Mitte/Ende Vierzig, ein silbergraues Paillettentop legte ihre herrlich gebräunten, straffen Arme frei. Dazu eine toll sitzende hellgraue Hose mit scharfer Bügelfalte. Schönes Abend-Make up mit stark betonten, dunkel geschminkten Augen, Ein strahlendes Lächeln ließ ihre schönen weißen Zähne sehen. Als sie an mir vorbeiging, machte ich ihr ein Kompliment für ihren Look: „Das ist ein ganz tolles Outfit, ich ärgere mich gerade, dass ich meine Kamera nicht mitgenommen habe!“ Sie griff mir ergriffen an den Arm und strahlte: „DANKE!!!!“
Die zweite Dame, die mich fesselte, war eine schätzungsweise 82 – 87-jährige Lady von filigraner Statur mit hennarot gefärbtem, hochgesteckten Haar und einem kirschrot geschminkten Mund, die einen farbenfroh geometrisch gemusterten Glockenrock mit einer dunkelroten Häkelweste kombiniert hatte. Dazu vielerlei Schmuck, über dem Arm eine rote Henkeltasche, rotlackierte Fingernägel und in der rechten Hand stets ein kleines Gläschen, wie eine Schnapstulpe, in der eine klare Flüssigkeit war, von der ich nicht sagen könnte, ob es Wodka oder Leitungswasser war. Sie ließ es nicht aus der Hand und es war mysteriöserweise immer halb gefüllt. Manchmal nippte sie daran. Sie tanzte an allen Tischen vorbei und gab sich den Songs aus den Sechzigern und Siebzigern hin. Bei Jimi Hendrix war sie besonders in ihrem Element und hob beide Arme, um sie im Rhythmus zu wiegen.
Des weiteren gab es jüngeres weibliches Publikum zu begrüßen. Zwei circa 23-jährige junge Frauen standen hinter einem älteren Pärchen, der Mann im Rollstuhl. Ob sie zusammengehörten, kann ich nicht beurteilen. Mir fiel auf, dass die Mädels die ganze Zeit beim Mittanzen im Stehen ihre Gläser in der Hand behielten, obwohl vor ihnen ein Tisch stand, wo noch Platz zum Abstellen gewesen wäre. Da im Rickenbackers überwiegend eine ältere Generation feiert, also bei meiner angefangen, nach oben offen, stellt man traditionell das Glas auf den Tisch, bevor man tanzt. Tanzen heißt ja nicht, auf einer Stelle stehend mit der Fußspitze wippen. Das kostbare Naß möchte man ungern verschütten.
Aber: ich habe gelernt, dass der jüngeren Generation, also sprich den Millenials und wohl auch der in den Dreißigern eingetrichtert wurde, das Getränk niemals aus der Hand zu geben, damit keiner k.o.-Tropfen reinschütten kann. Das war in meiner Jugend natürlich überhaupt kein Thema. Und auch das Rickenbackers-Publikum hätte sicher Probleme zu beantworten, wo es solche k.o.-Tropfen überhaupt zu kaufen gibt. Man fühlt sich dort zu Recht von der Problematik unbehelligt. Da die beiden jungen Frauen nun auf meiner Sichtachse waren und ich auch deswegen immer hingucken musste, weil die eine Blonde im Ringelshirt eine unheimliche Ähnlichkeit mit den beiden jüngeren Töchtern von Keith Richards hatte, sie sah aus wie die heimliche dritte Schwester von Theodora und Alexandra. Als sich die Stimmung bis zum Geht-nicht-mehr steigerte, wir waren inzwischen bei den Top Ten der gestrigen Beat Club-Hitparade, und die Tanzereien ekstatischer wurden, beobachtete ich, wie Theodora-Alexandra die älteren Herrschaften am Tisch vor sich mutig fragte, ob sie ihr Glas abstellen dürfte. Sie durfte. Mit etwas noch zaghaften Bewegungen tanzte sie zum ersten mal in ihrem jungen Leben ohne Getränk in der Hand. Sie probierte ganz neue Armbewegungen aus, das klappte recht gut!
Auch mich hielt es natürlich nicht mehr auf meinem Stuhl, die Currywurst war längst verspeist, Zeit für etwas Bewegung. Unter den Top Ten waren zum Teil kuriose Titel wie „Here Comes The Sun“, was ja sehr schön ist, aber nicht so wirklich die Tanznummer erster Kategorie. Auf Platz eins war „Riders On The Storm“. Schön als Ausklang. Aber getanzt hab ich bei „Wild Thing“ und „Paint it Black“ und noch ein paar anderen Nummern und der Zugabe „Gloria“. Auch herrlich zum Mitsingen. Mein Kavalier am Tisch ließ es sich bei allen Titeln in denen irgendwas mit „I love you“ vorkam, nicht nehmen, mich gestenreich anzusingen, ich sang kräftig mit. Zum Abschied küsste er mir die Hand, ich ließ ihn gewähren, da er so eine nette Bemerkung zu meinem Lächeln gemacht hatte: „Kennst du die Mona Lisa? Die lächelt ja immer. Und Dein Lächeln….!“ Ich habe es als Kompliment genommen.
Auch noch bemerkenswert war die Stimmungsänderung bei der eingangs von mir erwähnten Damenbegleitung zwischen den beiden Herren am Tisch. Die kleine dunkelhaarige Frau trank gut gefüllte Gläser mit schätzungsweise Weißwein und schwang auch das Tanzbein. Ihr Tanzstil war so eine Mischung aus verhaltenem Aggressionsabbau und Hingabe. Einmal sah sie begeistert aus, dann wieder wütend. Nach dem dritten sehr großen Glas stierte sie plötzlich schlecht gelaunt vor sich hin und schimpfte in einer Art Selbstgespräch mit dem Rest der Welt. Ich verstand es nicht, die Musik war zum Glück zu laut. Mein Tischkavalier überredete sie dann noch mal zum Tanzen und sie beruhigte sich wohl. Aber es hatte nichts mit mir zu tun, das weiß ich ganz bestimmt. Denn ihr Verehrer saß ja auf der anderen Seite hinter ihr. Ein Nichttänzer. Aber immerhin stand er für ein Selfie mit dem Smartphone zur Verfügung. Bildunterschift „superhappy@Rickenbackers“. Oder so.


Beim Aufwachen. Was ich vorhin beim Aufwachen als Erstes gesehen habe. Das ist die Perspektive geradeaus und halbrechts, wenn ich noch im Bett liege. Kann man auch mal präsentieren. Würde mich interessieren, was andere sehen, wenn sie die Augen aufschlagen! Heute ist Drinnenwetter in Berlin. Sonne im Herzen…



Mein Salbei blüht! Schon ein paar Wochen. Ich weiß, dass das keine Prachtstaude ist, aber ich hänge an dem Gewächs, das seit mindestens sieben Jahren auf meinem Balkon steht, tapfer jeden Winter meistert und die heißesten Sonnentage auf der Südseite übersteht. Ich habe diese etwas ins Kraut geschossene Pflanze noch nie blühen sehen, meine Dankbarkeit kennt keine Grenzen. Du tapferes Blümelein hast dir jetzt wirklich einen Eintrag verdient!





GOLDEN WARRIOR. Zeitungspapier (Artikel mit Lieblingsfoto von Che Guevara), beim Bearbeiten gerissen, versaut, Fragmente m. Wasserfarbe, Acryl und Aquarellpapierfragmenten mit schwarzer Tinte, Kleber, Pappkarton weiterverarbeitet, 16./29. Februar 2020, 1./2./3./4./5. März 2020, 30,5 x 43 cm, Staatl. Museen v. Gaganien






Heute, 16. Mai 2022, 234. Geburtstag von Friedrich Rückert.
Ganz viele seiner Zeilen berühren mich wie Musik. (Sind es.)

Auf Erden gehest du und bist der Erde Geist;
Die Erd erkennt dich nicht, die dich mit Blüten preist.
Auf Sonnen stehest du und bist der Sonne Geist;
Die Sonn erkennt dich nicht, die dich mit Strahlen preist.
Im Winde wehest du und bist der Lüfte Geist;
Die Luft erkennt dich nicht, die dich mit Atmen preist.
Auf Wassern gehest du und bist des Wassers Geist;
Das Wasser kennt dich nicht, das dich mit Rauschen preist.
Im Herzen stehest du und bist der Liebe Geist;
Und dich erkennt das Herz, das dich mit Liebe preist.
„Auf Erden gehest du“, Friedrich Rückert
(* 16.05.1788, † 31.01.1866)


NEMRUT. Unterlagekarton Pouring Mitte August bis September 2019, Finish: Acryl, Goldmarker, Blattvergoldung Rahmen, 26. und 27. Oktober 2019, 45 x 55 cm, Staatliche Museen von Gaganien

Ich trage mich momentan zwar nicht mit Verkaufsabsichten, aber wenn doch irgendwann, hat das Vorkaufsrecht für dieses Bild auf jeden Fall Ina, die es irgendwann in den letzten drei Jahren in meinem Atelier sah. Es gibt noch vier andere Bilder, von denen ich genau weiß, wer sie am liebsten hätte. Ich merke mir das. Meinen großen Phoenix A. H., meinen Baby-Adler D. G., Gott IV. I. L. und Scorpio A. T. Aber bevor es so weit ist, checke ich mal die High End Reproduktionsmöglichkeiten. Ich weiß, ich weiß, das ist dann nicht das Original, aber ich möchte das ja mit Museumsqualität.








LIFE ON EARTH, w.t.f. Corona?!?? gefundene Baumkugeln, Acryl, Klebstoff, Spachtel, Acryl, Flambierbrenner, Papprückwand, 32 x 46 cm, 11., 15. u. 16. März 2020, Staatliche Museen von Gaganien

Sechzehn Jenny-Alben. ◾◾◾◾◾◾◾◾◾◾◾◾◾◾◾◾

Über die Jahre habe ich einundsechzig Alben-Sammlungen auf Flickr angelegt. Das sind immer mehrere thematisch gebündelte Alben, die zum Beispiel einer bestimmten Person gewidmet sind, der ich häufiger begegnet bin, oder einer Location oder einer Reise. Die meisten wissen gar nichts davon, dass es von ihnen so eine Sammlung gibt, ich habe das selten publik gemacht, dass sie existieren, insofern könnten da einige Überraschungen dabei sein. In Berlin heute ein wenig wolkig, Genau das richtige Wetter, um in Fotokisten zu stöbern.
Bemerkenswerteste Beobachtung bislang heute: U8-Bahnsteig Leinestr. gegen 17 Uhr: zwei muslimische, evt. türkische junge Frauen, von Hause aus schon sehr hübsch, haben ihr Make up auf der Wartebank ausgebreitet und schminken sich von A – Z. Als Spiegel dient das jeweilige Smartphone. Alles sehr gekonnt und zügig. Mir fällt auf, dass die Eine ca. 5 mal routiniert pudert und konturiert. Dann wurden Wimpern angeklebt. Dann kam die U-Bahn. Sie setzten sich beide links von mir und führten ihr Werk fort.
Der Blick der Einen begegnete meinem und sie lächelte mich etwas verlegen aber auch verschmitzt an. Ich sagte: „Ihr macht das richtig gut, sieht jetzt schon gut aus – finde ich gut!“ Sie bedankten sich und es wurde eine dicke helle Contouring-Creme unter den Augen aufgetragen. Die musste natürlich noch verwischt, also verblendet werden.
Die Wimpern waren so Knef-mäßig, für meinen Geschmack etwas zu künstlich und ich erlaubte mir zu sagen, dass man die Wimpern früher (heute ja eigentlich auch noch) etwas zurechtschnitt, die Kontur anpasste. Die Eine meinte, ja ja, das hätte sie auch gemacht. Ich nehme an, das ist einfach der Trend, dass es auch künstlich und over the top aussehen soll.
Ich fragte, ob die Lippen auch noch drankämen, beide schüttelten energisch den Kopf. Es sah aber auch schon so vollendet aus. Betonung eben eindeutig auf den stark geschminkten Augen. Die Andere sagte dann zu mir, dass ihre Mutter es nicht mag, wenn sie sich stark schminkt. Ich sagte: „Ja ja, so sind alle Mütter.“ Sie lächelte und beide mussten aussteigen, wir wünschten uns noch einen schönen Abend.
P.S. weil es so wunderbar passt, „ALLES HELAL“ von der zauberhaften ELIF:
Ich habe kein Insta, kein TikTok, kein Twitter, kein Telegram, kein Handy, kein Tablet, kein Whatsapp. Bin ich uncool? Und wenn ja, womit muss ich anfangen? Mit welchen Veränderungen in meinem Leben kann ich rechnen?
P.S. ich hab was vergessen: ich hab auch kein Netflix und kein Spotify und kein Auto. Und rauche fast nie.
Ich hab noch mehr Fotos!
Ich finde, das nimmt heute überhand mit meinem Geposte.



Und jetzt Ihr: was steht da in der Mitte über 8. Mai 2022? „Für Gaga in Freundschaft…“ ist klar. Darunter? Ich lese „(..?) der ersten Lesung (..?)“. Alban darf aber nicht mitraten, das wäre zu einfach!


Meine Mitbewohner, vorhin. Mich beschäftigt das weiße Pünktchen über den Augen der Beiden. Bei Googeln von anderen Nebelkrähenfotos habe ich nur auf einem ein Tier mit so einem weißen Pünktchen über dem Auge gesehen. Vielleicht ist es auch ein Lichtreflex und das Pünktchen ist gar nicht weiß, sondern ein glänzender kleiner Sensor. Aber wofür? Ich werde weiterforschen!

Vorhin Konversation mit meinem Neffen Valerian, dem Sohn meines Bruders Andreas. Er hätte heute seinen 58. Geburtstag. Leider feiert er seine Geburtstage ja seit fünfunddreißig Jahren ohne uns, auf irgendeiner Rock’n’Roll-Wolke. Was mich nicht gehindert hat, mir zu überlegen, was ich ihm zum Geburtstag schenke(n würde). Mir sind zwei super Geschenke eingefallen: ein Ticket für ein SIXTY-Konzert der Stones und/oder der knallrote, im letzten Jahr erschienene Bildband „LA VILLA“ von Dominique Tarlé (den ich auch habe), mit vielen Fotos von Keith Richards und den anderen Stones in der Villa, in der sie 1971 in Villefranche-sur-mer Exile on Mainstreet aufgenommen haben. Keith war sein Gott. Nicht, weil er ihn „besser“ als andere Rockgitarristen gefunden hätte, sondern weil er sich ihm so nah fühlte, auch vom Typ her, und wegen der ganzen Stones Aura. Außerdem finden alle E-Gitarristen Keith Richards gut. Wieviele gibt es, die einen so charakteristischen Sound haben, wenn sie ein Riff spielen? Nicht viele. Wirklich nicht viele. Wer fällt mir denn da so ein… also als erstes: Keith Richards, dann äh…. Jimi Hendrix (sowieso Gott, finde ich auch) und Neil Young. O.k. Carlos Santana ist auch sehr charakteristisch. Eric Clapton… bin ich mir schon nicht mehr ganz sooo sicher. Also Keef über alles. Ja, ich denke das wären beides Super-Geburtstagsgeschenke. Cheers! ❤
Ich gehe jetzt Bier holen!
Was verbindet Rosa von Praunheim und Alban Nikolai Herbst? Die Liebe zu Ohren! Also bestimmten Ohren nehme ich an. Nicht allen Ohren! Ich bin auch in Körperteile verliebt, wenn ich überhaupt verliebt bin. Dann auch speziell in bestimmte Körperteile extra. Also zum Beispiel Kieferknochen, Adamsäpfel und Unterarme. Wer sagt, dass er nicht auch in Körperteile- oder -Partien extra verliebt sein kann, lügt! Ich bin nun zum Beispiel nicht speziell in Ohren verliebt, aber verstehe das Prinzip. Verliebt bin ich zum Beispiel auch in das Bild „Deine Ohren verzaubern mich, darf ich sie küssen?“ von Rosa. In der Ausstellung Bleibtreustr. 17 zu sehen.

Das Bild hier zum Beispiel. Elvira greift zum Wasserglas und sieht gleichzeitig zuhörend Alban an. Wie sie sich vorbeugt, eine schwungvolle, aber doch elegante Bewegung, ihr Profil, wie die Haare fallen. Das ist der Zauber eines unchoreographierten Bewegungsablaufes, der viel vom ureigenen Wesen eines Menschen zeigt. Nicht konstruierbar, nicht imitierbar. Schlichte Gemüter könnten das Bild als nicht besonders gelungen einstufen, links oben schief ins Bild ragend der Monitor, die Haare verdecken das Gesicht. Links unten eine Hand, warum fehlt der Rest der Person? Für mich ist dieses Bild zauberhaft, es elektrisiert mich.


Die Beiden. Schriftsteller Alban Nikolai Herbst und Lektorin Elvira M. Gross aus Wien. Ich fotografiere am liebsten Energie, die mir besonders gefällt. Die ich sehen und spüren kann. Ich forsche unablässig, um dem Weltgeheimnis auf die Spur zu kommen. Das ist ein Teil davon. Ein Teilaspekt meiner praktischen, angewandten Forschungstätigkeit! Wer bisher der Meinung war, ich mache gewöhnliche „Fotos“ mit einem handelsüblichen Fotoapparat, irrt!



Liebe Freunde, hier kommen Fotos von Alban Nikolai Herbsts Buchpremiere „Die Brüste der Béart“, der ich am Sonntag Nachmittag beiwohnen durfte. Alban las, seine Lektorin Elvira stellte Fragen zu seinem Schaffensprozess, ich benutzte zum zweiten Mal meine neue Kamera. Die alte ging aufgrund von Materialermüdung tw. kaputt und ich holte mir eine wunderbare Panasonic Lumix FZ 1000 mit Leica-Objektiv.
Ok, das will niemand so genau wissen, aber ich bin schon wieder sehr vertraut mit dem Apparat. Größer als meine bisherigen Kameras, aber ich kann noch sehr beweglich und diskret agieren, das ist mir wichtig. So kann ich auch nach Herzenslust Liebespaare paparazzen. Was gibt es im blühenden Frühling Schöneres als eine blühende Liebe unter zwei Menschen. Ich muss allerdings sagen, dass ich die Bilder von Albans Sohn Adrian und seiner Liebsten nur gewagt habe, weil ich keine Fremde bin, es gibt ein familiäres Grundgefühl. Über all dem habe ich aber auch nicht vergessen, die anderen schönen Menschen zu bemerken und einzufangen.
Alban hat sehr, sehr lange an diesem Werk, diesem Lyrikband gearbeitet, man hat den Prozess innerlich begleitet. Nun ist er da. Die Seiten müssen erst aufgeschnitten werden, aufregend! Ein ritueller Akt. Ich hatte schon mitunter Bücher in der Hand, Mängelexemplare, bei denen manche Seiten nicht aufgeschnitten waren, aber hier ist es kein Versehen, sondern Dramaturgie. Wer die Haptik von Büchern ohnehin liebt, wird einen Sinn dafür haben.
Danach waren wir noch in kleinerer Gruppe, ca. zehn Leute, im Sale e Tabacchi, wo wir zu Fuß hinspazierten. Ich hatte gegrillte Dorade und trank Pils vom Fass. Danach ein Tartufo, das mir ein bißchen zu wenig schokoladig war. Doch insgesamt ein ganz feiner Nachmittag und Abend in allerbester Gesellschaft.




Anschließend Selfies mit Jü̷r̷g̷e̷n̷ ̷P̷r̷o̷c̷h̷n̷o̷w Jan Sobottka. Hingabe ist wichtig! Und nicht: gucken, ob die eigene Schnute als Lippenstift-Reklame durchgeht. Anschmiegsamkeit kommt immer gut, egal wie die wahre Beziehung ist! Sobottka und ich kuscheln eigentlich nur für solche Fotos, alles fürs Bild! Tatsächlich würde ich bei tatsächlicher Kuschelbeziehung wohl zögern, Fotos davon zu forcieren, obwohl man ja immer gerne welche hätte. Ich besitze nicht ein einziges Foto von mir und jemandem, mit dem ich eine intime Beziehung hatte. Außer einen Videoschnipsel, der ist aber eher nebenher entstanden, weil eine Videokamera auf einem Stativ weiterlief. Nun ja, soviel dazu. Wollte ich gar nicht ausplaudern…!



Endlich mal wieder Fotos mit Jürgen Prochnow! Ewig her, dass ich ihn fotografiert habe. Habe ich eigentlich schon mal erzählt, dass mich um 2009 die Redaktion der Zeitschrift Freitag angerufen hat, um Bildrechte an einer Strecke zu erwerben, um sie in einem mehrseitigen Artikel über Jürgen Prochnow zu drucken? Leider war das aber gar nicht Jürgen Prochnow, sondern Jan Sobottka. Auf den Bildern hier vom letzten Freitag auch. Für aparte Aufnahmen stelle ich gerne meine neue Prada-Brille zur Verfügung. Steht Jan Sobottka ausgezeichnet, wie ich finde. Fast noch besser als mir!



Vorgestern viel Vergnügen mit Ina und Ricky Shayne gehabt! Nun wird man sich fragen, was hat Gaga Nielsen mit Ricky Shayne zu schaffen? Er wurde mir – oder uns – von Jan bei Rosa von Praunheims Ausstellungseröffnung quasi auf dem Tablett serviert. Jan drängte es, uns bekannt zu machen, so geschehen! Ehrlich gesagt, hätte ich Ricky Shayne nicht erkannt, es ist ja schon eine Weile länger her, dass er dunkelhaarig war. Ein sehr netter Mann, der sich auch auf Deutsch zu verständigen weiß, er hat also nicht nur die Texte von „Ich sprenge alle Ketten“ und „Mamy Blue“ und „Ich mache keine Komplimente“ auswendig gelernt, er wusste sogar, was er da singt. Solche Bilder kommen dann schnell zustande. Wenn Jan Zazie de Paris oder Riccardo Simonetti oder Kati Karrenbauer oder Else Buscheuer, die auch alle da waren, angeschleppt hätte, hätte ich jetzt eben ein Foto mit denen. Es kommt, wie es kommt! Jan spricht die Leute auch einfach an, wenn er sie nicht kennt. Ich bin da eher schüchtern. Aber wenn sie erstmal vor mir stehen, fällt meine Schüchternheit ganz schnell ab!



Ganz viele Bilder von Freitag, Rosas Ausstellungseröffnung in der Galerie Mond. Nicht fotografiert, die sehr große Menschenansammlung vor der Galerie, auch bekannte Gesichter darunter, die andere eingefangen haben. Ich habe eher die fokussiert, die in meiner Nähe waren, also Ina und Jan und die zuckersüßen Affen!

Kuckuck! Gestern bei Rosa! SO eine schöne Ausstellung! Unbedingt hingehen, Bleibtreustraße 17, Berlin, bis 11. Juni 2022!

Heute, Vernissage von Rosas Ausstellung in der Galerie Mond Fine Arts, Bleibtreustr. 17, 10623 Berlin. Ich will hingehen, Rosa von Praunheim malt zauberhafte Bilder. In jeder seiner Ausstellungen finde ich mindestens zwei bis drei Werke, die ich gerne hätte… ich habe nur überhaupt keine Wand mehr frei. Wie blöd!


GARTEN. pouring 10., Siliconöl, Acryl, Leinwand, div. Chromteile: kaputter Handtaschenhalter, Scharnierkaschierelement Klobrille, Wechselrahmenklammern, Antennenfragment Weltmpfänger, Kugelschreiberclip, seltsames Werkzeug, Packpapierfragment, 30 x 30 cm, 23. und 25. August 2019, Staatliche Museen v. Gaganien










GOLDMOTTE. Messing- und Kupferteile Stiebel Eltron Boiler, Siemens Staubsauger, Puderpinsel, Eyelinerverschlusshülse, Liquid Make up-Spenderdüse, Kleber, Acryl, Verpackungsstyropor, 20 x 15 x 2 cm, 18. u. 27. April 2022, Staatl. Museen v. Gaganien


Ich finde aufgespießte Insekten irgendwie eklig, aber die Motte hat sich selber da draufgesetzt!

GRAL. Messingpflanzwanne, Faltschrankstangen, Zement, Chrom-Keramikkerzenhalterscherben, Schachtel, Spachtel, Chromquader, Trüffeleierschachteleinlage, Klebstoff, Grundierung, Goldacryl, März – 22. April 2019, 100 x 16×16 cm, Staatl. Museen v. Gaganien







Seltsam. „One Step Ahead“ von Aretha Franklin ist auf keiner „Best of“ oder „Love Songs“ Compilation von Aretha. Mir völlig unverständlich, das ist eine ihrer schönsten Balladen.
Wundervoll
We lived our little drama, we kissed in a field of white
And stars fell on Alabama last night
I can’t forget the glamour, your eyes held a tender light
And stars fell on Alabama last night
I never planned in my imagination a situation so heavenly
A fairy land where no one else could enter
And in the center just you and me, dear
My heartbeat like a hammer, my arms wound around you tight
And stars fell on Alabama last night
I never planned in my imagination a situation so heavenly
A fairy land where no one else could enter
And in the center just you and me, dear
My heartbeat like a hammer, my arms wound around you tight
And stars fell on Alabama last night
Was für ein eiskalter erster Mai…!
I’m not amused, I don’t approve.




Ich behaupte hier und heute, dass Mick Jagger und ich in einer besonderen mentalen Verbindung stehen, die Anderen nicht zugänglich ist. Selbstverständlich kann ich das auch beweisen. Es trug sich am Freitag, dem 25. September 2015 in den Abendstunden zu, dass ich gegen 17 Uhr mit konkreter Kaufabsicht ein Fachgeschäft in der Gipsstraße für hippe Sneaker aufsuchte, nachdem mir ein Modell schon mehrfach beim Vorbeigehen im Schaufenster ins Auge gestochen war (Ortszeit Nashville: 10 Uhr vormittags). Ein recht seltenes und auch nicht ganz preisgünstiges Modell aus irgendeiner Spezial-Edition von Nike. Moment, ich schaue mal, was draufsteht… „NIKE F.C.“ – „Arguably the best sequel sneaker of the year.“ verlautbarte Anfang September 2015 ein Artikel über Neuerscheinungen über das Modell in der Fachpostille „Sneakernews“. Hört hört.
Am folgenden Tag, Samstag, 26. September 2015 machte sich Mick Jagger in Nashville fertig für seinen Gastauftritt beim Konzert von Taylor Swift. Er zog sich eine schwarze Lederhose und eine blaue Lederjacke an und seine brandneuen NIKE F.C.-Turnschuhe an, die gerade erst im September herausgekommen waren und die er unbedingt haben musste. Heute war der Tag, an dem er sie stolz der Öffentlichkeit präsentieren würde. Er sollte Satisfaction im Duett mit Taylor Swift performen und dabei seine berühmten „Moves like Jagger“ vorführen. Dafür waren die neuen Schuhe wie gemacht! Gesagt, getan, ein voller Erfolg!
Am Sonntag nach dem Konzert, wir schreiben den 27. September 2015, las Gaga Nielsen vermutlich gegen Mittag, nachdem sie ausgiebig ausgeschlafen hatte, den neuesten Klatsch aus dem Showbiz in der Online Ausgabe der britischen Daily Mail. In einem am selben Tag um 08:28 Uhr britischer Ortszeit veröffentlichten Artikel wusste die Daily Mail über den Gastauftritt von Mick bei Taylor Swift zu berichten, bei dem er seine neuen Turnschuhe präsentierte. Illustriert wurde der Bericht mit mehreren Fotos, die auch die Schuhe sehr gut zur Geltung brachten. Während Mick in Nashville noch in seinem Hotelbett schlief, traute Gaga Nielsen in Berlin ihren Augen nicht! Mick hatte sich die gleichen Nikes gekauft wie sie zwei Tage vorher, womöglich auch am Freitag, ja womöglich sogar zur selben Uhrzeit!
Fasziniert überprüfte Gaga Nielsen sogleich das Geburtshoroskop von Mick Jagger und glich es mit ihrem eigenen ab. Hier war es deutlich zu sehen: Mick Jagger und Gaga Nielsen haben denselben Merkur-Aspekt im Löwen, eine Konjunktion! Mick auf 10 Grad Löwe, Gaga auf 20 Grad. Merkur, der Planet des Handels und Wandels und der Kaufleute! Ein ganz klarer Turnschuh-Kauf-Aspekt. Am Freitag, dem 25. September 2015 stand Venus auf 20 Grad Löwe, Gaga musste dem mehr Schönheit fordernden Venusaspekt nachgeben, indem sie diese schönen Schuhe kaufte. Und Mick ging es genauso! Das ist unsere geheime Verbindung. Jetzt ist raus, alle dürfen es wissen! Von daher war es natürlich überhaupt kein Zufall, dass ich am letzten Freitag meine Moves-like-Jagger-Nikes zum Konzert von Get Stoned angezogen habe. Überhaupt plädiere ich dafür, Kleidung mit Bedacht und nicht nach Zufallsprinzip auszuwählen. Findet Mick auch. Surprise surprise :-)





Die Coverband Get Stoned hat natürlich nicht nur einen Sänger, sondern auch zwei Gitarristen, einen Bassisten und einen Schlagzeuger und eine Backgroundsängerin. Den Gesangspart von Mick Jagger übernimmt Martin Glaß, an den Gitarren gibt Florian Glaß Keith Richards und Norbert Hupp Ronnie Wood, Alex Schirner spielt Bass und Frank Fuhrmann sitzt am gleichen Gretsch Round Badge Drum Set wie Charlie Watts. Für den Backing Gesang, aber auch einzelne weibliche Lead Vocals ist Kristin Panzlaff zuständig. Sie singt zum Beispiel Sister Morphine. Überhaupt: Sister Morphine ist mir vorher noch nie so ins Ohr gegangen wie gestern Abend. Sehr schön. Klasse war auch Harlem Shuffle, sehr sexy. Der Drummer spielt sehr tight und straight, gefiel mir von Anfang an und es ist eine richtige Band, das hört man. Ein großes Ganzes.
Ich finde es ein absolutes Muss, dass eine Coverband, die sich die Stones vornimmt, auch einen Jagger präsentiert, und das mit den entsprechenden Moves. Was wären denn die Stones ohne ihn. Zumindest Show- und Allure-mäßig praktisch nicht vorhanden. Und wer den Jagger gibt, muss vorne stehen und das Alphatier geben. Nicht musikalisch, aber visuell. Vor einigen Monaten, am 29. September 2021 war Mick Jagger zu Gast in Howard Sterns Show. Stern ist ein langjähriger, früher sehr anarchischer Kult-Radio- und TV-Host mit einer langen Geschichte in den USA.
Teil des Interviews war die Frage, wie Jagger zu seinen Moves auf der Bühne kam. Mick erklärte: „As a lead singer in a band, you have to be an extrovert. And you watch other people and you copy other people. Look at all these… James Brown, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis… they had great moves, all had great moves. This is part of what it is, to be a lead singer.“ Natürlich sind die anderen in der Band auch wichtig, aber die Rollen sind klar verteilt, und das Publikum will das so und ich auch!









Fortsetzung meines derzeitigen Lieblings-Studien-Objekts (Berliner) Stones-Coverbands, insbesondere der Sänger. Hier sehen wir den „Mick“ der Gruppe „Get Stoned„. Obwohl er weder eine ähnliche Stimmfarbe hat wie Mick, noch die korrekte Haarlänge, und auch die Gesichtszüge nicht zum Verwechseln ähnlich sind, gibt er alles und hat immer wieder einmal tolle Moves im Repertoire. Er bewegt sich sehr ausgiebig und versteht es, das Publikum zum Mitsingen zu motivieren. Sehr schön, leider nicht fotografiert (es stand immer gerade der Gitarrist oder der Bassist davor), sein Outfit und Zubehör bei Sympathy for the Devil. Er trug einen schönen Hut und eine Art Zepter mit dem er dramatisch herumfuchtelte. Auch spielt er Gitarre und Mundharmonika und ist ein guter Percussionist. Meine Bewertung in der Kategorie „Moves like Jagger“: 8 von 10 Punkten, Luft nach oben, aber: I approve…!



Hi Charlie! Ina und ich haben gestern auch eine Stones-Coverband aufgemacht. Wir nennen uns OPEN! Ich spiele Schlagzeug, Ina spielt Gitarre und singt. Unser erster Auftritt ist am 12. Juli 2022 im Frannz Club, als Vorgruppe spielen Get Stoned, so eine andere Berliner Stones-Coverband, auch sehr gut!

Okay, das war jetzt ein bißchen geschwindelt. Aber am 12. Juli, zum 60-jährigen Jubiläum des ersten Stones-Auftritts sind wir wirklich im Frannz Club bei Get Stoned, die wir gestern im Rickenbackers erlebt haben. Hat sich sehr gelohnt! UND: zum ersten mal eine gute live Performance von Miss You gehört. Mega! Alle haben ahhahaahahaaahaaahaaa ahhahaaahahaaahaaaahaaa mitgesungen, und mittendrin wurde umgeswitcht auf eine Strophe von „Give me just another Night“ von Micky Maus, hat sehr gut gepasst. Habe noch ein paar Fotos mit Sänger, später.








Ich habe vorhin eine Art Rollenspiel gemacht: ich wollte wissen, wie man sich als Influencerin fühlt. Ina hat mich nach einem Bild von meiner neuen Sonnenbrille gefragt. Normalerweise hätte ich kein Bild gemacht, wo plump das Hersteller-Logo fokussiert wird. Nun weiß ich, dass es mich langweilen würde, so etwas jeden Tag zu machen, um meine Miete bezahlen. Was man so hört, MUSS man da jeden Tag am Start sein. Und natürlich nicht auf einem Blog, sondern bei Insta und TikTok. Ich hätte bereits an Tag 3 Social Media Burn Out. Es ist etwas völlig anderes, frei Schnauze mit einem verspielten Ansatz, aber einem gewissen sportlichen Ehrgeiz täglich anzupeilen, private Einträge zu posten.
Amüsanter als Produkte-Lobhudelei als bezahlte Werbepartnerin stelle ich mir hingegen vor, sich bloggenderweise mit einem Produkt zu befassen, das von der Sache her grundsätzlich zu meinem Repertoire des täglichen Bedarfs gehören könnte, von mir bislang aber nicht in Betracht gezogen wurde und auch kritisiert und auch demontiert werden darf. Dafür bezahlt nur niemand, schätze ich mal. Ach, ich merke gerade, während ich das tippe, dass mich das aber auch schnell langweilen würde. Da mache ich lieber unbezahlt und kooperationslos weiter als Befindlichkeitsbloggerin. Im Übrigen würde ich durchaus nicht jedem dieses Brillenmodell empfehlen – mir hat sie zufällig gut gepasst. Nach dem Kauf habe ich sie drei anderen Frauen zum Anprobieren gegeben, die hatten alle zu schmale Köpfe dafür.
Jedoch empfehle ich schon, ins KadeWe zu gehen und sich an den schönen Geschäften und den Auslagen zu erfreuen. Und wenn man dann eine nette und kompetente Beratung genossen hat, ist es schon charmant, dort auch zu kaufen, wenn das Modell gefällt. Auch wenn es das Dings im Internet hundert Euro günstiger gibt. Wir wollen ja schließlich alle, dass das KadeWe noch lange besteht. Nach dem Umbau ist es schöner als je zuvor, die neue Treppe ist wunderschön, mit edlem Holz verkleidet, ganz schick und exclusiv. Und die Auslagen, und die Labels, und die Verkäufer. Ganz toll. Ich liebe das KadeWe. Da könnte ich mich richtig hineinsteigern! Und zwar komplett unbezahlt und kooperationslos.

„Die selbstsichere Frau verwischt nicht den Unterschied zwischen Mann und Frau – sie betont ihn.“
Coco Chanel
Mein Eintrag für heute:
schon schläfrig, aber will noch lesen.

Schwestern im Geiste: Anita. Jerry. Georgia. Keith. Gaga. Apropos Keith: er hat tatsächlich im Oktober 2019 aufgehört mit Rauchen! Ich lese immer noch das Buch über Anita. Es besteht völlige Einigkeit darüber, dass sie das Styling der Stones in den Sechzigern und Siebzigern maßgeblich beeinflusst hat. Diese Renaissance-Volants, Tücher, wilden Prints und Kombinationen, die femininen Oberteile an Brian, Keith und Mick. Sie haben die Klamotten untereinander getauscht und sind gemeinsam in die Damenabteilungen shoppen gegangen. Und das hippe London hat es Ihnen nachgemacht. Never underestimate Anita Pallenberg!




Last but not least, sprachen Ina und ich über die „SIXTY“-Tour der Stones. Sie spielen in Deutschland nur in München und Gelsenkirchen(!). So sieht der Tourplan für Juni und Juli durch Europa aus:
June ’22
5th Olympic Stadium MUNICH, GERMANY
9th Anfield Stadium LIVERPOOL, UK
13th Johan Cruijff Arena AMSTERDAM, NETHERLANDS
17th Wankdorf Stadium BERN, SWITZERLAND
21st San Siro Stadium MILAN, ITALY
25th Hyde Park LONDON, UK
July ’22
3rd Hyde Park LONDON, UK
11th King Baudouin Stadium BRUSSELS, BELGIUM
15th Ernst Happel Stadium – VIENNA, AUSTRIA
19th Groupama Stadium LYON, FRANCE
23rd Hippodrome ParisLongchamp PARIS, FRANCE
27th Veltins-Arena GELSENKIRCHEN, GERMANY
31st Friends Arena STOCKHOLM, SWEDEN
Im Hyde Park würde ich sie mir evt. geschenkt (inclusive Anreise) angucken. Also es ist nicht so brennend. Auch wenn ich gerne die Charlie Watts-Gedenkminuten am Anfang der Show live erleben würde. Man sieht auf den großen, hochkantigen Videomonitoren verschiedene Filmschnipsel vom drummenden Charlie, ganz straight, der schlichte Beat, der Herzschlag der Stones. Schon toll. Aber wer je auf Stones-Konzerten nach – sagen wir – 1964 war, kennt nur noch Gigs in gigantischen Hallen. Keine Intimität, keine Nähe, ungreifbar. Ohne die Videowände wäre es total frustrierend.

Deswegen hat uns, Ina und mich, auch der extreme Gegensatz zum Erlebnis der Berliner Stones Coverband Brown Sugar – The Great Rolling Stones Show, so begeistert. Die echten Stones spielen live mittlerweile ganz passabel, das war nicht immer so. Ich habe keine guten Erinnerungen an ein Konzert im Olympiastadion Mitte der Neunziger. Da fehlte ganz viel Enthusiasmus, es hörte sich heruntergenudelt an. Das ist jetzt wohl wieder besser, ich habe sie zuletzt bei ihrem letzen Berlin-Konzert 2018 gehört. Bei der Tributeband am Freitag gefielen mir am besten Sympathy for the Devil, Gimme Shelter und Wild Horses. Richtig gut. Andere Songs waren schwächer, ich hatte aber nicht den idealen Platz, um das wirklich zu beurteilen. Direkt vor der großen Box rechts vor der Bühne, das war ein selbstgemachtes Problem, danach hatte ich schon ein bißchen Ohrensausen. Der Platz war aber gut zum Fotografieren, vom Winkel her. Ansonsten war es schwieriges Licht. Aber dafür ist die Ausbeute dann doch ganz atmosphärisch.

Außerdem war ich nie zuvor im schon ewig existierenden Artenschutz-Theater, in der Nähe vom S-Bahnhof Bellevue. Es wurde von Albrecht Metzger gegründet, der in den Siebziger und Achtziger Jahren den Rockpalast moderiert hat. Das war Kult für alle Rockmusik-liebenden Jugendlichen. Obwohl wir die Moderationen von Herrn Metzger immer etwas hölzern fanden.

Moves like Jagger…!


Elektrifiziertes Publikum bei Brown Sugar – The Great Rolling Stones Show (von mir nur ein Symbolfoto, schon etwas älter – damals noch dunkelhaarig, aber ich hatte dieselbe Leopardenweste an und eine Kamera vor mir, die Selfies mit Ina sind nix geworden, verschwunden.





Die Band (mir leider nicht einzeln namentlich recherierbar) hinter Frontmann Rohmann, dem Sänger von Brown Sugar – The Great Rolling Stones Show. Die Sängerin trägt immer eine getönte Brille.


Unter anderem sprachen Ina und ich in der Pause an unserem Tisch rechts vor der Bühne darüber, wie dankbar wir sind, dass wir vor einigen Jahren unseren Coverband-Dünkel verloren haben. Früher hatten wir die Bemühungen von Cover- und Tribute-Bands von oben herab als zweitklassig belächelt. Glücklicherweise hat uns das Schicksal mehrere Konzerterlebnisse beschert, die uns gelehrt haben, dass es eine große Kunst für sich ist, bekannte Songs adäquat nachzuspielen. Damit stehen sogar die original Bands vor einer wiederkehrenden Herausforderung: so zu klingen, wie die Fans es von der Platte kennen und erwarten. Alter Witz: „If Keith Richards had to play Keith Richards‘ guitar parts, how would it sound?“ Zu diesem Thema hat Flake, der Keyboarder von Rammstein etwas sehr Schönes geschrieben: wenn eine Tour ansteht, nimmt er sich, bevor sich die Band im Proberaum trifft, zu Übungszwecken youtube-Videos von Rammstein-Coverbands vor, und spielt auf seinem Keyboard mit. Bei den Coverbands ist er sich sicher, dass sie sich mit gebührendem Eifer an das Original halten.




Fotos: 22.04.2022, Brown Sugar – The Great Rolling Stones Show
Guess who…


BROWN SUGAR – THE GREAT ROLLING STONES SHOW Freitag, 22. April 2022, Artenschutztheater, Lüneburger Straße 370

Brown Sugar – The Great Rolling Stones Show vorgestern im Artenschutztheater. Das war eine grandiose Show, die den Glimmer Twins auch gefallen hätte. Ich habe sie schon mal im Rickenbackers erlebt, aber diesmal hat es mir noch besser gefallen. Ina hat sie zum ersten mal gesehen und ich amüsierte mich über ihren leicht perplexen Gesichtsausdruck in Anbetracht dieses unglaublichen Mick Jagger-Impersonators. Er ist schon eine Nummer – und wirkt gar nicht, als ober etwas „nachmacht“. Der ist so. Und witzig dazu. Teilweise musste ich bei seinen Ansagen an Klaus Kinski denken, der hat auf die gleiche Art berlinert. Schon toll, dass der vermutlich beste Mick Jagger einer Coverband ein eingeborener Berliner ist. Muss man erlebt haben. Dann geht er ja zum Beispiel auch ungeniert von der Bühne und singt einzelne Gäste an, das was sich jeder Stones Fan eigentlich völlig hoffnungslos erträumt: die Stones in einem kleinen Club zu erleben und von Mick Jagger ins Auge gefasst zu werden. Ina und ich haben gegiggelt wie die Teenies, man fühlt sich wie siebzehn. Oder so…
Heute Ruhetag.


CALLAS. Euroshop-Spiegel, Crémant-Manschetten, Spachtel, vier Dekospiralen für Vorhangstangen, verschiedene Metallteile: Messing-Schraubgewinde und Kleinkram und vergoldetes schwarzes Kunststoffelement von Stiebel-Eltron Boiler, verchromte Verschlusshülsen von Eyeliner und Wimperntusche, runde Puderdosen-Aluminium-Einlagen, Kleber, Leinwand, Grundierung, 100 x 150 cm, 9. und 16. April 2022, Staatl. Museen v. Gaganien





Am Tag nach der „Seven Deaths of Callas”-Aufführung von Marina Abramović (ich schrieb ausführlich darüber) in der Deutschen Oper, begab ich mich in meine Werkstatt. Ich wusste ganz grob, dass ich diverse Metallteile auf einer größeren Leinwand, um einen Spiegel gruppiert verarbeiten wollte, aber dachte zuerst nicht an einen Bezug zu Callas. Während ich die Teile so herumschob, wurde mir klar, dass mir die ganze Zeit die Aufführung durch den Kopf ging, vor allem der letzte Akt mit dem nachgebauten Schlafzimmer. Aber auch, in welchem Maß Abramović versuchte, sich auf eine Bedeutungs-Stufe mit Maria Callas zu stellen, indem sie parallel eigene biographische Eckdaten einarbeitete. Manches war mir erst im Nachgang aufgefallen.
Ich sah mir einige Dokumentationen über Abramović an und realisierte, dass in den Videosequenzen der Aufführung Anspielungen auf Abramovićs große verlorene Liebe, dem Performancekünstler Ulay waren. Willem Dafoe trug in einigen Szenen eine wilde Gesichtsbemalung, durch die er dem Ex-Gefährten stark ähnelte. Was mich in der Aufführung irritiert hatte, weil ich vorher las, dass Dafoe mehr oder weniger Ari Onassis darstellt, ergab nun im Nachhinein Sinn.
Da Abramović dieses Werk aber schon vom Titel her als eine Callas-Hommage präsentiert, fand ich das etwas unangemessen. Das Publikum wird von Callas angelockt und durch die Hintertür genötigt, sich Abramovićs Verarbeitung ihres eigenen Beziehungsdramas zu widmen. Nun mögen sich Liebesdramen ähneln und auch – oder gerade – die Verarbeitung des eigenen relevant sein, aber dann hätte ich gerne ein weniger missverständliches Etikett an der Inszenierung. Mir war in den Videos zu viel Abramović und zu wenig Callas und auch zu wenig Ehrerbietung, ein bißchen Demut wäre mir sehr passend erschienen. Ich sah vor meinem geistigen Auge die feinsinnige, zartfühlende, musikalisch virtuose und hochelegante Maria Callas, auf einem verdienten Podest, und wie einen Störfaktor, die sich mit roher Gewalt daneben quetschen wollende, eher rustikal grobe Abramović.
Ich schob meine Metallreste hin und her und hatte das Gefühl, ich müsste Maria Callas ein Denkmal setzen. Während sich alles fügte, gliederte ich die Leinwand im Geiste in ihrem Schlafzimmer ein. Ich fand, da passte sie recht gut hin. Und mir kam in den Sinn, dass es schon von der Größe her gar kein adäquates Grabmal gibt. Ihre Asche ruht in einer Wand mit einer Marmorplatte davor, eher klein. Ich stellte mir vor, ich mache ihr eine Art Grabmal, eine Gedenktafel, die ihr gefallen könnte, großzügig, strahlend und elegant, und im Zentrum ein Ornament, wie…~ ein großer Gesang.



