01. August 2022

Wir schreiten nun zur beliebten Fotobox. Hierbei handelt es sich um einen Apparat, der in einer Ecke steht und Fotos von allem, was vor ihm ist, machen kann und auch gleich ausdruckt. Wer die Sendung „First Dates – ein Tisch für zwei“ auf Vox kennt, oder in den letzten zehn Jahren auf einer größeren Party eingeladen war, benötigt keine weiteren Erklärungen. Für die Anderen: zur Fotobox gibt es ein Potpourri von Verkleidungszubehör, also Faschingsartikel. Schnurrbärte und Herzchenbrillen, die man sich vors Gesicht halten kann, sowie verschiedene Kopfbedeckungen und Girlanden. Ich habe auch mit meinen alten Kumpels von früher mitgemacht und zeige auch noch die Ergebnisse, aber lasse erst einmal der gutaussehenden Jugend den Vortritt. Das sind natürlich keine Fotos aus der Fotobox, sondern aus meiner Kamera, die zeigen, wie man zur Fotobox schreitet und sich darauf vorbereitet. Interessant fand ich, dass man damit auch Leute, die man nicht selber auffällig fotografieren möchte, paparazzen kann, indem man die Fotobox – wie bei der Party der Fall – auf die Tanzfläche richtet, sich zur Seite stellt und auslöst, so kann man heimliche Gruppenfotos machen, von denen keiner weiß! Man muss natürlich darauf achten, dass man nicht selbst davorsteht, sonst hat man ein Foto von sich selbst. Die Damen neben der Braut sind die „Gelben Grazien“, wie ich sie für mich insgeheim nenne. Es handelt sich um die engsten Freundinnen von Sabrina, die gebeten wurden Gelb anzuziehen, was sie artig befolgt haben und ganz liebreizend aussah. Daher werde ich später noch ganz indiskret FARBFOTOS von den „Gelben Grazien“ posten. Aber eins nach dem anderen!

31. Juli 2022

Den letzten Eintrag für heute widme ich meiner alten Freundin Dorit. Was für eine Freude, sie wiederzusehen. Wir sind ein bißchen schicksalshaft verbunden, weil es ihr Auto war, in dem mein Bruder gegen einen Baum fuhr. Das Auto war kaputt und mein geliebter Bruder auch. Eine Ente war das und später meinten einige: „Scheiße, wenn es keine Ente gewesen wäre, könnte er noch leben“. Das ist alles lange her, 1987, am vierten Juli. Dorit kannte ich aber nicht erst dadurch, sondern lange vorher, als ich noch in Nürnberg lebte. Sie gehörte zum Freundeskreis, der hauptsächlich aus Musikern bestand. Und sie spielte auch in verschiedenen Bands und wurde ein Paar mit Richard, den ich schon erwähnte, Valerians Patenonkel. Sie heirateten sogar und bekamen zwei bildschöne Söhne. Dorit und Richard spielten Schlagzeug in verschiedenen Bands, ob es bei den beiden öfter mal gekracht hat, weiß ich nicht. Kann auch sein, dass Schlagzeuger/innen privat eher besonnen sind, weil sie sich ja schon an der Schießbude abreagieren. Jedenfalls haben beide einen goldenen schwarzen Humor und sind nun schon lange wieder getrennt, aber das Verhältnis ist so gut und freundschaftlich, dass sie beide zusammen auf die Bühne in der Hochzeitslocation sind. Richard hat diesmal Gitarre gespielt und gesungen, Dorit die Percussion gemacht. Eine der bekannteren Bands, in der sie bis 2019 Drums gespielt hat, waren die Shiny Gnomes, die ab Mitte der Achtziger für ihren Garagen-Punk von Spex und dem Rolling Stone gefeiert wurden. Wir beide sind derselbe Jahrgang und ich würde behaupten, unser Humor liegt auf derselben Wellenlänge. Außerdem ist sie eine der herzlichsten, warmherzigsten Persönlichkeiten die ich kenne. Einen der schönen Söhne hab ich auch fotografiert. Ein Töchterchen kam noch hinterher, aber nicht von Richard. Die Elfe war auch da und hat am Coolsten von allen getanzt, sie hat den Rhythmus ihrer Mutter im Blut und vor lauter Bewunderung habe ich ganz vergessen, ein Foto von ihr zu machen. Tolle Kinder, tolle Mutter, tolle Dorit. Nur eben leider Scheißauto. Alle Fotos, auf denen ich zu sehen bin, hat Dorit gemacht. Neben mir ist eine andere coole Socke von früher zu sehen, die DJane Mrs Flow, Anja. Sie spielte mit Dorit bei „DIE SHIVAS“ und hat gesungen und Gitarre gespielt; auch supernett <3

31. Juli 2022

Ich habe mir zwischendurch mal die Hochzeitsfotos von Christian Lindner und seiner Braut angeschaut, die haben eine Woche später geheiratet. Was da so veröffentlicht wurde, wirkt etwas showmäßig. Das Brautkleid mit dem komplett nackten Rücken fände ich als Partykleid akzeptabel, aber nicht für eine Trauung. Die Braut, die auch was mit Medien zu tun hat, präsentiert ein kameragerecht geübtes, extrabreites Lachen mit viel extraweißen Zähnen, der Bräutigam hält aber nicht mit und wirkt etwas verknautscht und verknittert. Mir fehlt die Innigkeit. Vielleicht war er aber auch schwer verkatert, es wurde ja wohl drei Tage lang gefeiert, daher auch die unterschiedlichen rückenfreien weißen Outfits der Braut.

Außerdem habe ich mir gerade Fotostrecken von kommerziellen Hochzeitsfotografen angeschaut. Überwiegend gekünstelt, ausgezirkelt und hindrapiert. Aber neuerdings (nehme ich an) auch Posen, die an den Kopulationsakt erinnern. Da fehlen mir die Worte. Auf einem Foto sieht man eine felsige Naturlandschaft, der Bräutigam hat die Beine ausgestreckt, sitzt direkt auf dem Gestein, sie ihm gegenüber, auf ihm drauf, schlingt die nackten Schenkel mit Strapstätowierung um seine Körpermitte. Hilfe…! Bin ich prüde?

31. Juli 2022

Getanzt wurde auch…! Nach der Trauung ging es nach Erlenstegen, das ist ein etwas entlegener Nürnberger Stadtteil, der von Wikipedia als Villenvorort bezeichnet wird. Ich war in meinem ganzen Leben vermutlich insgesamt dreimal in Erlenstegen, die Hochzeit eingerechnet. Dort wohnten betuchtere Nürnberger, aber es gab auch ein besetztes Haus, in dem eine anarchistische Kleinkunstszene ihr Unwesen trieb, da war ich zweimal. Aber zurück zur Hochzeit. Es gab zuerst Mittagessen in einer vormals gutbürgerlichen Traditionsgaststätte, die nun neu als veganes Restaurant bewirtschaftet wird. Zur Vorspeise gab es große Sushiplatten und danach individuell gewählte Gerichte, ich hatte ein veganes Schnitzel mit Pommes Frites, schaffte es aber nicht alleine. Valerian hielt die kürzeste Ansprache der Welt, war aber lustig. Die Fahrt von der Nürnberger Innenstadt dorthin wurde mit verschiedenen Fahrgemeinschaften im Auto absolviert. Ich hatte einen besonders netten Freund von Valerian, mit dem er auch studiert und zusammengewohnt hatte als Fahrer, seine Freundin war auch dabei. Während der Fahrt erzählte ich ihnen, dass ich die Tante von Valerian bin und wie überhaupt alles kam, also wie sich Valerians Eltern kennengelernt hatten. Da spielte ich nämlich eine tragende Rolle. Genau genommen, meine Schwärmerei für den Sänger einer Band. Ich war lange vor Beginn eines Konzertes vor Ort und machte im Lokal Französischhausaufgaben, die Nürnberger Location hieß „Desi“ in St. Johannes und gibt es immer noch. Es hätte sich nicht gelohnt, nach der Schule erst heimzufahren, in den Vorort von Nürnberg, wo ich bei meinen Eltern wohnte, und dann wieder zurück, so überbrückte ich die Zeit bis Konzertbeginn in der Desi-Kneipe, vor dem Konzertsaal. Eine allein dort ebenfalls sitzende Frau, 1983 war sie 27, stand auf und sprach mich an, was ich denn da mache. So kamen wir ins Gespräch und wurden bald danach Freundinnen. So lernte sie meinen Bruder kennen, der mit ihr zwei Söhne bekam, zuerst Richard Keita 1985, der leider nicht mehr lebt und Valerian, der 1987 im Dezember geboren wurde, drei Monate nach dem Unfall meines Bruders. Ich denke manchmal darüber nach, ob sich mein Bruder und Valerians Mama auch anders kennengelernt hätten, ohne das Bekanntmachen durch mich. Also ob das Schicksal so clever seinen Weg findet, so oder so. Aber das sind müßige Überlegungen. Doris, Valerians Mama, hatte damals schon einen kleinen, ihren ersten Sohn, Nik. Der ging dann später oft mit uns zu Konzerten der Band, wo wir uns kennengelernt hatten. Die ganze Band gehörte dann zu unserem Freundeskreis, ich kannte sie ja schon vorher. Der Drummer der Band, Richard, wurde Valerians Patenonkel und der war natürlich auch da, was sehr schön war.

Nach dem Essen ging es weiter in Erlenstegen, zum Ort der Hochzeitsparty, dem Arche Noah Saal. Es gab Sektempfang und Hochzeitstorte und Luftballons steigen lassen und eine Diaschau von seinen Brüdern und Speis und Trank und eine Leinwand, wo von allen ein Bild gemalt werden konnte, und kleine Auftritte von Freunden mit live Musik, eine Photobox und ein Gruppenfoto in der Sonne und eine DJane aus dem Freundeskreis und natürlich einen Hochzeitstanz. Bei solchen Hochzeitstänzen fiebere ich immer innerlich mit, weil man ja oft ein Paar vor sich hat, das normalerweise nicht auf diese Art zu tanzen gewohnt ist. Schritte müssen bedacht werden, die Drehrichtung, alle gucken zu. Puh! Also: gut gemacht. Der Rest war dann Freestyle tanzen, da hab ich auch mitgemacht. Die Fotos hier von mir sind so nebenher entstanden, ich war nicht als Hochzeitsfotografin engagiert, dafür gab es drei andere Fotografinnen und Fotografen und gefilmt wurde auch. Und jeder zweite Gast (von Neunzig) hat auch noch mit dem Smartphone geknipst und gefilmt. Da Valerian professionell mit Film und Fotografie zu tun hat, gab es keinerlei Mangel an visueller Dokumentationsbereitschaft. Aber ich hatte verständlicherweise eine speziell emotionale Herangehensweise.

31. Juli 2022

Oben im Foyer vom Nürnberger Rathaus steht eine große venezianische Gondel. Warum die da steht, ist mir nicht bekannt, aber durch die Nähe zum Trausaal werden wahrscheinlich alle Paare von ihren fotografierenden Angehörigen genötigt, sich hineinzusetzen. Und es macht ja auch Spaß. Die Blumenkinder sind auch gleich hineingekrabbelt. Was auch sehr praktisch ist: wenn man aus dem Rathaus kommt, hat man als Kulisse die Frauenkirche und kann Fotos machen, die aussehen, als hätte man in der Kirche geheiratet. Was vielleicht sogar möglich ist, aber setzt wohl voraus, dass man katholisch ist. Meines Wissens ist das bei Sabrina und Valerian nicht der Fall. Eigentlich hofft man ja inständig, dass es am Tag der Hochzeit nicht regnet, zumal Anfang Juli. Der Tag war eingebettet in zwei Hochsommertage mit über dreißig Grad, aber der erste Juli zeigte sich anfänglich bedeckt und mit Nieselregen. So haben wir Fotos mit Regenschirm machen können, der Brautvater hat ihn gehalten. Es war also keine theatralische Foto-Requisite, wie es gerne mal mit weißen Spitzenschirmchen gemacht wird. Auf dem einen Foto kann man den Regen richtig sehen, aber alle hatten genug Sonne im Herzen. Am Nachmittag kam der blaue Himmel wieder zum Vorschein.

P.S. Nun habe ich erfahren, dass die Gondel auch ein möglicher Ort für die Eheschließung ist. Es gibt einen großen und einen kleinen Trausaal und die Gondel. Wir waren im großen Trausaal. Man kann aber auch auf der Kaiserburg heiraten. Ich nehme an, da war kein Termin mehr frei, da gibt es nur handverlesene. Da Valerian ein Kind der Kaiserburg ist, er wuchs in einer Straße direkt unterhalb der Burg auf, wäre das auch eine schöne Wahl gewesen.

30. Juli 2022

Achtung, es wird romantisch. Das waren meine bisherigen Einträge über meinen Besuch in Nürnberg zwar auch schon, weil ich einen romantischen Blick auf alles habe, aber endlich kommen wir zum Hauptanlass meiner kleinen Reise. Es wurde geheiratet. Und nicht irgendwer, sondern mein Neffe Valerian, der Sohn meines Bruders, der seinen Vater nie gekannt hat, heiratete seine Sabrina. Und nicht mal so hopplahopp, gerade bei Tinder nach rechts gewischt und gleich das Aufgebot bestellt. Sie kennen sich schon ein paar Jahre und haben die halbe Welt gemeinsam bereist. Aber tatsächlich war es ein Match bei Tinder. Gibt es also auch. Und wenn ich mich recht erinnere, hat mir Valerian einmal erzählt, dass er sehr schnell so ein Gefühl hatte, dass er sie heiraten möchte und es ihr auch gesagt. Große Freude, der ganze Tag, diese zauberhafte Verbindung, die meinen ganzen Segen hat. Natürlich gibt es mehr Bilder von der Zeremonie im Rathaus am Nürnberger Hauptmarkt, aber das sind doch recht private und auch familiäre Fotos, die vor allem für die Beteiligten bestimmt sind. Ich versuche aber trotzdem ein bißchen Teilhaben zu ermöglichen. Wie man sieht, können auch Bilder in der Rückenansicht sehr viele Gefühle zeigen. Das Brautkleid von Sabrina fand ich ganz wunderschön, auch die Frisur mit den eingeflochtenen Wiesenblümchen. Alles so ungekünstelt, obwohl natürlich mit viel Bedacht zurechtgemacht.

Ich war etwas überrascht, dass es doch sehr klassisch ablief und sich beide auch klassisch wie ein Brautpaar kleideten. War für mich nicht so gesetzt, weil beide sehr freigeistig und locker sind. Aber an so einem besonderen Tag hat man dann vielleicht doch mal Lust auf althergebrachte Traditionen. Die Trauzeugen waren Valerians ältester Bruder Nik (der einen anderen Vater hat) und Trauzeugin eine der besten Freundinnen von Sabrina. Musik gab es auch, vor der eigentlichen Trauung wurde ein Lied gespielt, das beiden viel bedeutet, ich weiß den Titel leider nicht, aber es ging zu Herzen, ich musste auch ein bißchen weinen. Auf dem Tisch brannte eine Kerze, die auch mit Wiesenblumen geschmückt war, und nach der Trauung sang eine Freundin von Sabrina ein Lied zur Gitarre. Ich war bei dieser Trauungszeremonie im Standesamt die einzige direkte „Blutsverwandte“ väterlicherseits von Valerian, seine Tante.

29. Juli 2022

Ein letzter, möglicherweise langweiliger Heimatkunde-Eintrag inclusive Fotos vom Nürnberger Hauptmarkt OHNE Brautkleid (kommt noch!). Die Kathedrale, die ich auch aus dem Hotelzimmer sehen konnte, heißt im Volksmund Frauenkirche, aber wohl offiziell „Unserer Lieben Frau“. Ich war nicht drin, weil sie für eine kostenpflichtige Veranstaltung geschlossen war, und ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob ich sie jemals in meinem Leben betreten habe. Aber beim Vorbeilaufen konnte ich mich ganz kurz am Anblick der märchenhaften Decke der Eingangshalle erfreuen, weil die Tür immer wieder mal kurz für die Gäste aufging.

Märchenhaft ist auch die große Spieluhr mit der türkisblau-goldenen Mondkugel. In der Mitte sitzt Kaiser Karl IV. und Punkt Zwölf Uhr Mittags fangen die Fanfarenbläser links und rechts von ihm an, ihre Fanfaren zu heben. Dann gehen Türchen auf und ein Zug von sieben holzgeschnitzten Figuren umkreist den Kaiser dreimal, das sind die sieben Kurfürsten. Was für ein größenwahnsinniges Spektakel sich dieser Karl zugedacht hat. Die stolze Kirche ist 1352 bis 1362 – wieder einmal – auf seine Veranlassung gebaut worden. Da soll es auch schon Spielfiguren gegeben haben, aber dieses bis heute zu bewundernde, sogenannte „Männleinlaufen“ ist von 1509 und tatsächlich noch in Betrieb. Im zweiten Weltkrieg wurde es im legendären Kunstbunker versteckt. Schon grandios, diese Mechanik. Als ich die Fotos gemacht habe, war die Mondkugel noch ganz Türkisblau, kein bißchen Gold, es war nämlich Neumond. Es gibt ein Video vom Männleinlaufen, da zeigt die Mondkugel eine goldene Sichel. Schon bemerkenswert, in welchen Ausmaß der Landesherrscher und die Kirche miteinander verstrickt waren. Obwohl man sich bei Putin auch vorstellen könnte, dass er sich so ein Denkmal setzt. Bei Königin Elisabeth oder Kanzler Olaf Scholz wohl eher nicht.

Über dem Hauptportal, direkt unter dem Männleinlaufen, vor dem Fenster, ist übrigens auch der Balkon auf dem das Christkind bei der Eröffnung vom Christkindlesmarkt steht und die Ansprache hält. Ich habe gelesen, dass das Christkind schwindelfrei sein muss, weil die Balkonbrüstung nicht sehr hoch ist. Das könnte für meinen Auftritt ein Hindernis sein. Außerdem gibt es bei den Bewerbungsmodalitäten eine Altersvorschrift, Bewerberinnen müssen im Alter zwischen 16 bis 19 sein. Da müsste ich etwas schummeln. Im Grunde trage ich ja immer noch eine Sechzehn-, Siebzehn-, Achtzehn- und auch Neunzehnjährige in mir. Es sind dann eben noch ein paar Alterssorten dazugekommen, seitdem. Man hat einfach mehr zu bieten! Außerdem muss die Bewerberin über 160 cm groß sein, das überbiete ich locker. Steht alles hier.

28. Juli 2022

Da capo: Schöner Brunnen. Ja, ja – auch davon habe ich schon einige Bilder gezeigt – aber ausschließlich aus meinem Hotelzimmerfenster. Mir ist, als wäre einem der Brunnen schon als Kind nahgebracht worden, auch weil viel Gerede und Gewese um den goldenen Ring war und ist, der in einem Gitter hängt und sich drehen lässt. Dann kann man sich etwas wünschen und darf nicht darüber sprechen und es wird wahr. Es gibt aber noch einen zweiten drehbaren Ring, einen Eisenring, Insider meinen, der wäre noch wirksamer. Darüber wurden auch schon Aufsätze verfasst, hier ist einer. Alles Wichtige zur übrigen Geschichte des 1385 auf Wunsch von Kaiser Karl IV. erstmalig gebauten Schmuckstückes vom Nürnberger Hauptmarkt kann in diesem Flyer nachgelesen werden. Er wurde zig mal restauriert, eine der ersten Bemalungen stammte von Albrecht Dürers Lehrer. Der gesamte Brunnen musste wegen Baufälligkeit schon einmal komplett erneuert werden und auch der drehbare Messingring wurde vielfach ersetzt, da anfällig für Diebstahl. Die Nazis fanden den Brunnen im Gegensatz zum Neptunbrunnen so bedeutsam und kostbar, dass sie ihn während des zweiten Weltkriegs zum Schutz in einen Betonmantel gossen. Was in den wirren Naziköpfen da im einzelnen vorging, dass der Schöne Brunnen ein Guter war und der Neptunbrunnen ein Böser – ich will es gar nicht so genau wissen. Anyway: ein hübsches, schmuckes Türmchen, gerade wenn man auf seinem Hotelbett liegt und die Spitze sehen kann. Ist wohl rund siebzehn Meter hoch, das gute Stück. Ich vermute, dass ich den Ring als Kind einmal gedreht habe, man wurde ja fast schon dazu verpflichtet, wenn man da war, aber man wollte es sicher auch. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was ich mir da gewünscht haben könnte und daher auch nicht, ob es in Erfüllung ging. Diesmal hab ich gar nicht daran gedacht – aber nicht dass ich gar keine Wünsche mehr hätte.

27. Juli 2022

In den Abendstunden traf ich am 30. Juni wieder am Hauptmarkt bei meinem Hotel ein. Den Blick aus dem Hotelzimmer habe ich ja schon ausgiebig gezeigt. Wenn man auf dem Platz steht, gibt es noch ein paar andere Ecken und Perspektiven. Versäumt habe ich, die eine Seite des Platzes zu fotografieren, wo fast über die ganze Länge einer der vier Seiten des Platzes ungefähr zwanzig bis dreißig relativ große Olivenbäume vor einem Restaurant stehen, das ist sehr schön und mediterran; gab es „zu meiner Zeit“ nicht.

Der Hauptmarkt war eigentlich selten ein Ziel bei meinen jugendlichen Aufenthalten in Nürnberg. Man ging daran vorbei, überquerte ihn auf dem Weg von da nach dort. Da ich schon als Jugendliche kein Fan vom Weihnachtskult war, zog mich der berühmte Christkindlesmarkt auch nicht an, ich machte vielmehr extra einen Bogen darum. Das wäre auch heute für mich nicht die attraktivste Jahreszeit für einen Besuch. Allerdings hätte ich doch Lust, die Eröffnungsansprache vom „Christkind“ hoch oben auf der Empore der Frauenkirche einmal zu erleben, denn das hat schon etwas Märchenhaftes, dass da so ein lebendiger Rauschgoldengel mit einer hohen goldenen Krone und einem prächtigen Gewand mit Trompetenärmeln steht und feierliche Worte an die Sterblichen da unten richtet. Es gibt einige youtube Videos davon, schon sehr putzig. Man hat sich als Kind auch immer gefragt, wie man wohl Christkind werden kann, ob man dafür von Natur aus lange hellblonde Haare haben muss. Es war ein großes Geheimnis und Mysterium. Ich könnte mir eigentlich heute vorstellen, dass ich dort einmal als Christkind stehe, die Haarfarbe täte nun auch passen.

Ich erinnere mich allerdings, dass ich mit einer Freundin einmal ganz gezielt zum Hauptmarkt gegangen bin, weil dort eine Kundgebung stattfand. Anlässlich eines Wahlkampfes war Franz Josef Strauß als Redner auf dem Hauptmarkt angekündigt, und wo Strauß war, gab es auch jede Menge Gegner von ihm und ich gehörte dazu. Es ging uns um eine Gegenkundgebung, zu demonstrieren, dass Nürnberg nicht nur aus CSU-Anhängern besteht und dass sich der behäbige, erzkonservative Strauß nicht zu sicher fühlen sollte. Ich erinnere mich an das Riesenaufgebot von Polizei, eventuell hatten wir auch noch alte „Stoppt Strauß“-Sticker von der Gegenkampagne zu seiner Kanzlerkandidatur 1980, das weiß ich nicht mehr genau. Ein Banner oder Plakat hatte ich nicht zum Hochhalten und war auch sonst eher vorsichtig, wir demonstrierten mehr so am Rand mit, von wo man gut vor der Polizei flüchten konnte. Ich warf auch nicht mit faulen Eiern oder Tomaten oder Farbbeuteln, weil ich das schon damals unwürdig und primitiv fand, aber Farbe durch meine Präsenz wollte ich schon bekennen. Es war aufregend, natürlich war es für uns auch ein Event, wo man Gleichgesinnte in großer Zahl traf. Sehen und gesehen werden! Es kann gut und gerne sein, dass auf dem Hauptmarkt 25.000 Menschen waren, Anhänger von Strauß und wir, seine Gegnerinnen. Der große Platz kann offenbar so eine riesige Menge aufnehmen. Ich vermute, das muss die Kundgebung Anfang 1983 gewesen sein, die in einem Buch über Markus Söder als sein Erweckungserlebnis geschildert wird. Der Straußfan Söder trat anschließend entflammt in die Partei ein, der im Januar 1967 geborene Markus war gerade 16 geworden. Ich war da ja schon um einiges reifer als er, nämlich genau Siebzehneinviertel.

1809 bis 1895 rahmten alle vier Seiten des Platzes feste Marktstände, gemauerte Kolonnaden, in denen Waren feilgeboten wurden. Außer dem Schönen Brunnen gab es noch den Neptunbrunnen auf dem Platz, den die Nazis aus ideologischen Befindlichkeiten abbauen ließen, er steht im Nürnberger Stadtpark.

26. Juli 2022

Kleiner Ausflug nach Stein bei Nürnberg, wo seit 1761 Bleistifte von Faber-Castell fabriziert werden. Inzwischen auch noch in acht anderen Ländern der Erde. Faber-Castell ist weltweit der größte Hersteller von Blei- und Buntstiften und macht übrigens auch Kajalstifte und Lipliner und so weiter für große Kosmetikfirmen. Die alten Werkstätten begegneten mir auf meinem Weg, als ich einen Umweg machte, um meine Mama zu ihrem Geburtstag zu besuchen. Mir war an diesem heißen Junitag in der Mittagshitze, als hätte ich eine Bilderbuchseite aus einem anderen Jahrhundert vor mir. Wie ein Echo aus einer vergangenen Zeit. Fast wie Spielzeug in groß, oder eine Illustration. Auch der zum Teil kursive Schriftzug ist so ungewöhnlich, so gar nicht industriell. Es ist auch ein Museum drin, habe ich gelesen. Karl Lagerfeld hat nur mit Stiften von Faber-Castell gezeichnet und der hat bestimmt gewusst, was das Beste ist. Wenn wir als Kinder zu Weihnachten Buntstifte bekommen haben, waren die auch von Faber-Castell und man hat schon als Kind gewusst, das sind besonders gute, ja die besten. Und dann hat man anerkennend genickt und feierlich gesagt: „von Faber-Castell!“. Stabilo-Stifte kommen auch aus Nürnberg, die sind auch gut, aber eben nicht von Faber-Castell.

25. Juli 2022

Unrepräsentativer, polizeiprotokollartiger Tagebucheintrag vom 23. Mai 1981 in gekünstelt ordentlich leserlicher Schulkind-Handschrift, könnte auch die Beschreibung eines Tathergangs aus der damals beliebten ZDF-Kriminalsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ sein:

„23.05.’81

Am Freitag, dem 22. Mai Neunzehnhunderteinundachtzig, einem regnerischen Frühlingsabend entschloß sich Gabriele Anna-Johanna* mit oder ohne Antje-Kirsten B.** wegzugehen. Nürnberg sollte ihr Ziel sein. Sie ging allein. Das städtische Kommunikationszentrum war die erste Stätte, in die es die Fünfzehnjährige zog. In jenem bevorzugte sie das Teehaus mit dem exotisch klingenden Namen „Chaihaus e. V.“

Kommunikationszentrum
Königstr. 93
8500 Nürnberg
Tel. 0911/223647

Zur selben Zeit hatten sich ca. 300 Jugendliche im Festsaal eingefunden, um am dort stattfindenden 2(?)-tägigen Kabarettfest teilzunehmen. Ihr war der Preis von sieben Mark zu teuer und das Angebot zu wenig reizvoll. So rauchte sie zwei Zigaretten (Godewind/Old Holborne), wurde von Peter (Fotograf, 25, Schönling, xxx (unleserlich)) im Haar gekrault, gegrüßt. Fand sich schleimig berührt. Strich den ausgeschriebenen Marshall-Amp aus* (U. Neumann), was Verwunderung erregte – ständig auf der Suche nach ihrem Trugbild** – entschloß sie sich in die Kneipe Misthaufen zu fahren, nicht ohne in dem im Bahnhof eingerichteten Michel-Tabakwaren-Laden ein Päckchen der irischen Zigarettenmarke „Sweet Afton“ zu vier Mark erstanden zu haben. Sie schritt zu U-Bahn, Richtung Bärenschanze, stieg ein, ohne die gültige Fahrkarte gestempelt zu haben, sie fuhr, wie es im Volksmund genannt wird, schwarz. Als ihr langsam bewußt wurde, was sie soeben tat, beschlich sie ein leises Gefühl von Selbstzufriedenheit und Vorfreude. Angekommen Endstation Bärenschanze, es regnete noch

[ hier Seitenumbruch, am oberen Seitenrand in großformatigen Druckbuchstaben in Klammern: (oh nein, ich übertreibe nie!) ]

immer, steckte sie sich eine Zigarette an und schlang sich ein indisches, schwarz-weinrot-beige gemustertes Baumwolltuch von Jordan* um das schulterlange dunkelblond-kupferfarbene Haar, und ging die Fürther Straße, wo sie einige Passanten nach dem Weg zur Seeleinsbühlstraße fragte, entlang. Sie wußte jetzt, wo sie hinmußte und rauchte unterwegs noch bis zu vier Zigaretten. Manchmal, wenn sie sich mit der fast zu Ende gerauchten eine nächste anzündete, fiel etwas Asche auf den dunkelblauen großen Baumwollpullover (Fruit oft he Loom), die man auch „Sweat-Shirts“ nannte, aber auch die in derselben Farbe gehaltene Feincordhose (Texwood) in Röhrenform blieb nicht verschont. Darunter trug sie eine weite, an Rücken und Schulterpartie geraffte Bluse (Orsay), die in einem warmen Kupferton gehalten war. Obwohl das Wasser in ihre weiß-roten Leder-Turnschuhe (Puma) einzutreten drohte, war sie zufrieden. Sie fühlte sich so, wie die Bezeichnung ihrer Schuhe war: „Winner“.“

Fußnoten:

*amtliche Vornamen
**meine damalige beste Freundin
***vermutliches Verkaufsangebot an einem schwarzen Brett
****“Trugbild“: ein in unserer Freundinnenclique verklausulierter Begriff für einen Angeschmachteten, wobei man davon ausging, dass man in seiner Erotisierung superlative Eigenschaften dazuphantasierte, die höchstwahrscheinlich nicht vorhanden waren.
*****“Jordan“: Name der seit den Siebzigern angesagtesten Nürnberger Hippie-Boutique mit indischen Kleidern, Tüchern und Accessoires

Abgetippter Eintrag mit Bleistiftzeichnung aus meinem Tagebuch vom 23. Mai 1981. Bin überrascht, wieviel Aufmerksamkeit ich Zigaretten gewidmet habe. Damals scheine ich ernsthafte Ambitionen gehabt zu haben, Raucherin zu werden, und muss es offenbar auch täglich intensiv praktiziert haben. Die Zeichnung zeigt den Haupteingang vom KOMM in der Königstraße 93, gegenüber vom großen runden Turm zwischen Frauentor und vom Königstor, wo auch der Handwerkerhof ist. Ich habe ein paar historische Fotos des damaligen Eingangs zusammenrecherchiert, die meiner Zeichnung entsprechen.

Diesen merkwürdigen Eintrag mit Zeitkolorit verdanken wir meiner Erinnerung, dass ich die Front, die Kopfseite mit dem Eingang des in Nürnberg damals legendären KOMMs gezeichnet habe. Es spielte schon eine große Rolle in meiner Jugend. Dort traf man sich im erwähnten Chai-Haus, der Teestube unterm Dach, wo Räucherstäbchen abgefackelt wurden und gekifft wurde. Ein schummriges Ambiente mit indischen Tüchern an den Wänden und Matratzen auf dem Boden. Dann war der Kommfestsaal noch wichtig, wo größere Konzerte stattfanden. Dort habe ich zum Beispiel Ton Steine Scherben in den Achtzigern erlebt, Rio trug nur einen beigen Trenchcoat auf dem nackten Oberkörper. Wahrscheinlich hatte er eine Jeans oder eine Lederhose an.

Auch eine Kneipe und eine Disco gab es, Filmvorführungen, Zusammenkünfte, Ausstellungen, Diskussionen. Das KOMM war unersetzlich, The Place to Be für alle, die cool und links und alternativ und rebellisch und widerspenstig waren. Da wollte ich dazu gehören.

Der Eintrag vom Mai 1981 entstand gut zwei Monate nach den Massenverhaftungen, ein Ereignis, das es bis in die Tagesschau schaffte. Hausbesetzer-Sympathisanten, die einen Hausbesetzer-Doku im Komm schauten, wurden massenhaft verhaftet. Einfach so. Gibt einen extra Wikipedia-Eintrag dazu:

„Als Massenverhaftung von Nürnberg wird die Verhaftung von 141 Personen am 5. März 1981 im Nürnberger Kulturzentrum KOMM durch die Bayerische Polizei bezeichnet.“

Danach war man noch solidarischer mit dem KOMM als sowieso schon. Und was wurde daraus, aus dem KOMM? Später hieß es K4, jetzt heißt es Künstlerhaus, es gibt immer noch viele alternative künstlerische Initiativen, auch Gastronomie. Ist ja alles prima. Die Stadt nimmt seit 20 Jahren Geld in die Hand, um das im Krieg teilweise stark beschädigte, riesige Künstlerhaus von 1910 zu renovieren und instandzusetzen und ist nun beim dritten Bauabschnitt, dem hinteren Teil. In diesem Artikel wird die Geschichte des Hauses erzählt. Bei meiner Recherche habe ich auch eine Postkarte mit der ganz ursprünglichen, intakten Fassade entdeckt. Wo diese runden Schwingen übriggeblieben waren und eine Litfaßsäule stand, waren früher zwei runde Türmchen.

Leider gibt es bei diesen Bemühungen einen visuellen Wermutstropfen. Die ursprüngliche historische Fassade an der Kopfseite wurde nicht wiederhergestellt, sondern in brachialster Weise eine Stahl-und Glaskonstruktion, ein phantasieloser, kalter Würfel davor geklatscht, der in keinem einzigen Aspekt mit der ursprünglichen Fassade korrespondiert. Als ich das am 30. Juni zum erstem mal sah, sank mir das Herz. Das war ein trauriger Moment. Ich stand fassungslos davor. Ich konnte mich nicht überwinden, den gesamten Stahl- und Glasklotz, der mir wie eine seelenlose Ohrfeige vorkommt, zu fotografieren. Ich fokussierte links daran vorbei, wo mich die Erinnerung nostalgisch einzuholen vermochte, da wo Filmhaus dransteht. Diesen Seiten-Eingang haben wir damals auch oft benutzt. Wir kannten jeden Winkel und jedes Schlupfloch.

Ich fragte eine Gruppe jüngerer Männer, die in der Nähe stand, seit wann das dort stünde. Sie antworteten: „schon ewig, wir kennen es gar nicht anders.“ Tja. Ich war eben sehr lange nicht da. Meine Recherchen haben ergeben, dass die Bauzeit von 2000 – 2002 gewesen sein muss. Also schon zwanzig Jahre her. Da waren die Jungs noch kleine Kinder. Ich war einfach perplex. Da es nun schon eine längere Weile dasteht, gibt es vielleicht irgendwann eine neue Ära, wo man einen Abriss und Rückbau andenken kann.

Auf der Seite „baukunst nürnberg“ fand ich folgenden Vermerk dazu:

„Königstraße 93, 1998-2001, Architekturbüro Grabow + Hofmann, Nürnberg. Der Neubau eines Eingangstrakts am Künstlerhaus von 1911 hat die Gemüter der Bevölkerung erregt. Vor das historistische Gebäude wurde ein Beton-Glaskubus gesetzt. Die Sensibilität des Vorhabens ergibt sich aus seiner prominenten Lage am Eingang der Altstadt gegenüber dem Hauptbahnhof und der unmittelbaren Nähe zu Baudenkmälern wie dem Königstorturm. Die Anforderung, daß ein Bauwerk in seine Umgebung passen muss, versuchte man hier durch das kompromisslose Konfrontieren von Gegensätzen zu erfüllen.“

Kompromissloses Konfrontieren von Gegensätzen ist eine geradezu obszöne Beschönigung. Hier wurde die ursprüngliche ach so „gegensätzliche“ historische Fassade erstickt und ausradiert. Der Glas- und Stahlklotz ist nicht einmal innovativ oder extravagant, ich erkenne keinerlei künstlerische Qualität. X-beliebig, vor jede historische Fassade zu stellen und immer wäre man bestürzt. Auch ein Glaskubus kann grandios sein, für sich, frei positioniert, im Austausch mit dem Licht der Umgebung. Aber das.

Damals saßen immer mehrere Jugendliche auf den Eingangsstufen oder im Schneidersitz davor, auch die ersten Punks. Es hatte etwas Vereinnahmendes. Ein eigener Palast für die wilde, unangepasste Jugend. Wir waren stolz darauf, dass wir das selbstverwaltete KOMM hatten. Wer mitarbeitete, hatte Lust. Dort gab es niemanden, der sich wie ein Aufpasser oder Erziehungsberechtigter verhielt, ein wahrer Traum von Freiheit.

Als ich mich wehmütig umdrehte, sah ich diese beiden Gesellen zu Füßen des Turms sitzen, sie erinnerten mich an damals, weil sie genau der Klientel entsprachen, die damals vor dem Eingang saß. Und nun wählten sie den Fuß des großen dicken Turmes, um den Tag dort gut gelaunt zu vergammeln. Der Eine war zu jung, um das Komm noch zu kennen, der andere erinnerte sich vielleicht. Ich fragte nicht nach, sondern nur, ob ich sie fotografieren dürfte – und wie man sieht, sie waren nicht verlegen zu posieren. Ganz früher hätte man von Tagedieben gesprochen, in den Sechzigern und Siebzigern und auch noch in den Achtzigern von Gammlern. Wie man das heute nennt oder schimpft, weiß ich gar nicht. Ist mir eigentlich auch egal. Ich wollte sie nicht näher kennenlernen, sondern das Echo meiner Jugenderinnerung einfangen. Schöner Moment, dieser letzte meines Streifzugs durch die Königstraße.

25. Juli 2022

Problematisierungskultur. Problematisierungslust. Problematisierungsmode. Problematisierungswonne. Problematisierungsdrang. Problematisierungswahn.

24. Juli 2022

Ganz nah am Königstor, auf den letzten Metern der Königstraße. Zuerst kommt der Gasthof Bocksbeutelstube, in dem man auch übernachten kann und direkt daneben das Hotel Victoria und da ist auch gleich das Königstor mit dem Eingang zum Handwerkerhof, dem ich mich schon gewidmet habe. Erst heute Vormittag habe ich begriffen, wieso mir die Königstraße so heimelig erschien, anders als früher. Ich spreche von vor ca. 36 Jahren, als ich aus Nürnberg wegzog. Neben meiner rosa Touristenperspektive und dem strahlenden blauen Himmel lag es sicher auch an dem nicht mehr vorhandenen Autoverkehr. Ab dem Königstor wurde die Königstraße ab Ende Mai 2022 zur Fußgängerzone erklärt. Ebenso die Theatergasse und noch eine andere. Aber weitere Straßen in der St. Lorenzer Altstadt sind seit längerem Fußgängerzonen, auch die waren mir als solche nicht vertraut. Und noch mehr, vor allem in St. Sebald, sollen dazu kommen. Früher gab es „DIE“ Fußgängerzone, die Breite Gasse. Das ist nun eine von vielen, das ist eine Politik, die mir als leidenschaftlicher Flaneurin überaus zusagt. Man hat erkannt, dass sich der Charme der Altstadt noch besser entfalten kann und infolgedessen auch der dort ansässige Handel profitiert, weil ein Einkaufsbummel einen neuen Reiz bekommt, da nun noch ausgiebiger gebummelt werden kann. Die dreidimensionale Welt sinnlich zu erfahren, kann eben nicht durch Streetview und Amazon (die ich auch oft benutze) ersetzt werden.

24. Juli 2022

Und weiter Richtung Königstor. Vorbei am schmalen Durchgang zum Klarissenplatz, wo jetzt das Neue Museum steht, man sieht die Stahl- und Glaskonstruktion am Ende des Gässchens. Den Besuch habe ich mir für ein andermal aufgehoben. Wir sind auf der Höhe Königstr. 76, dreht man sich um, hat man über den Sonnenschirmen die spitzen Türmchen von St. Lorenz im Blick.

24. Juli 2022

Der Eindruck hat sich nun verfestigt, dass Sandstein der bevorzugte Baustoff in Nürnberg war, und in den Altstadtvierteln wie St. Lorenz und St. Sebald besonders dicht erhalten oder wiederhergestellt. Das schmale Haus vom Hotel Drei Raben ist nicht denkmalgeschützt, das gilt wohl als Durchschnittsware. Schön, dass die Beschriftung so sorgsam ausgeführt ist. Wieviel die Typographie doch ausmacht. Das Hotel ist von innen nicht so mein Geschmack, die Zimmer sind mir zu seltsam dekoriert, auch die Themen zu aufdringlich, mit den überdimensionalen Spielzeugfiguren. Aber die Lage ist toll, auch mitten in der Königstraße, mehr oder weniger schräg gegenüber der Mauthalle. Man könnte denken, dass das mit dem Sandstein jemandem, der diese Wege Hunderte, wenn nicht Tausende Male ging, schon früher hätte auffallen können. Aber woran denkt man, wenn man von A nach B geht, im Alltag? An das Ziel, was man als Nächstes vorhat. Aber bestimmt nicht an Baustoffe. Flanierenderweise interessiert es einen. Das Schöne an Sandsteinfassaden ist, wenn sie nicht getüncht oder sonstwie versiegelt sind, dass sie zu atmen scheinen, lebendige, gewachsene Strukturen zeigen. Man legt gerne die Hand auf einen warmen Stein. Erdend und beruhigend.

24. Juli 2022

Es folgt eine exzessive Fotostrecke der Markisen der Mauthalle. In der Mitte der Königstraße ist ein Platz, der Hallplatz, da steht die Mauthalle, ein Schild mit Hinweis auf den „Mautkeller“. Mein privater, persönlicher Bezug: mein Vater ist in den Siebziger Jahren dort häufiger aufgetreten, entweder mit seiner Band oder einer Kapelle. Er spielte in mehreren Formationen, heute würde man Coverbands sagen, in Swingorchestern, aber auch Blaskapellen und aushilfsweise bei den Nürnberger Symphonikern. Weil ich den wiederkehrenden Satz „Heute Abend spielen wir im Mautkeller/in der Mauthalle“ im Ohr habe. Meines Wissens war ich nie drin, auch nicht im Kellerlokal. Das denkmalgeschützte Riesengebäude war im Mittelalter der größte Nürnberger Kornspeicher. Mir gefallen die gestreiften Markisen, ich finde, es sollte an allen Häusern Markisen an den Fenstern geben, das gibt so ein leichtes, luftiges, mediterranes Flair. Da ich mich nicht entscheiden konnte, welche Fotos ich davon weglasse, sind es nun so viele geworden. Seltsam, dass ich beim Recherchieren überhaupt keine Hinweise finde, dass es im Mautkeller mal eine kleine Bühne gab. Vieles geht doch trotz Internet verlorden, es gibt keine Spuren. Vielleicht war früher eine im Kellerlokal. Mein Vater ist da aufgetreten, das weiß ich ganz bestimmt. 1498 bis 1502 erbaut, also hat der Maler Albrecht Dürer mit eigenen Augen gesehen, wie sie gebaut wurde.

23. Juli 2022

Mein Schulweg, die Königstraße entlang, über den Hallplatz, vorbei an Obstständen beim Hotel „Deutscher Kaiser“, Richtung Bahnhof, auch mein Weg am 30. Juni, ein Donnerstag, gegen Mittag, kurz vor 13 Uhr. Vielleicht war die junge Frau mit dem Pferdeschwanz auch auf dem Weg nach Hause… oder machte eine Mittagspause.

23. Juli 2022

Richtung Museumsbrücke, Hausnummer Königstraße 1, die Königspassage. Nürnberg hat nicht nur Mittelalterflair, sondern ausgiebige Einkaufsmöglichkeiten, Kaufhäuser, Boutiquen, Cafés, eine Fußgängerzone, die Breite Gasse, alle bekannten Markengeschäfte. Es ist keine Kleinstadt, hat aber eine romantisch-gemütliche Patina. Die Königstraße hat noch eine zweite Passage mit Fünfziger Jahre-Charme, die Ostermayr-Passage in der Königstr. 33 – 37. Dort besuchte ich zwei Jahre von 1982 bis 1984 eine Sprachenschule. Sie war in den oberen Etagen, darunter gab es ein zweigeschossiges, elegantes Café, das umgebaut und neu eröffnet wurde, das Café Opera. Ich war nicht da, hatte aber ein Wiederkennen, als ich die Fotos sah. Dort gab es die butterigsten Croissants, wir holten sie in der Pause oder gingen nach Schulschluss hin. In meiner Klasse war die damalige Miss Franken, eine kurvige Blondine mit Solarium-Teint und extrem weißen Zähnen, die sich mehr durch Markenkleidung als durch Sprachtalent hervortat. Wir anderen trugen eher Understatement, gerne Schwarz. Sie ist mir ausschließlich in Pastell in Erinnerung, puderrosa Poloshirts von Lacoste und hellblaue, knallenge Jeans von Fiorucci. Sie war „Popper“. Sie hatte mehr Taschengeld als wir, da sie auch modelte und weilte daher täglich im nicht ganz billigen Kaffeehaus mit der runden Balustrade, die beide Etagen verband.

23. Juli 2022

Mitten in der Königstraße, gegenüber der Lorenzkirche, da wo die Karolinenstraße anfängt, steht das Nassauer Haus, ein mittelalterlicher Wohnturm, unten ist eine rustikale Gastwirtschaft. Dieser Turm hat mich noch nie beschäftigt, auch habe ich ihn nie betreten, er ist einfach immer dagewesen. Das Besondere am Blick auf eine Stadt, die man seit seiner Kindheit kannte ist, dass die wichtigsten Erinnerungen ganz wenig mit Sehenswürdigkeiten zu tun haben und sich deshalb auch nur Erinnerungen vordrängen, die einen ganz privaten persönlichen Bezug haben. Das ging mir mit dem Platz vor der Lorenzkirche so, und als ich in Richtung Karolinenstraße blickte, fiel mir sofort und ausschließlich eine mich elektrisierende, aufregende Begegnung ein, die links von diesem Nassauer Haus passierte. Ich schrieb sie auch in mein Tagebuch.

Wenn ich jetzt nicht zu bequem wäre, die Stelle zu suchen, bzw. erstmal das Datum zu verifizieren und dann das entsprechende Tagebuch überhaupt zu finden, würde ich daraus zitieren. So schreibe ich hier jetzt nur, dass ich zwischen 1983 und 1985 im Vorbeigehen einen jungen Mann sah, damals Mitte Zwanzig, der mich stark beschäftigte. Er war nicht allein, seine wesentlich ältere Freundin lief neben ihm. Er stolzierte geradezu über diesen Platz und fiel auch auf, da er sich immer extravagant kleidete. Bis dahin war ich ihm immer im näheren Freundes- und Bekanntenkreis begegnet, in einer Gruppensituation. Von der Freundin wusste ich, da sie immer und überall dabei war, auch als seine Chauffeurin. Ich war völlig aufgewühlt, weil ich mich auf diese zufällige Begegnung (die noch nicht einmal gegenseitig war, die liefen einfach nur vorbei und ich sah sie, sie mich aber vermutlich nicht) innerlich nicht vorbereiten konnte, so wie sonst. Ich spürte überdeutlich, wie stark meine erotisierten Gefühle waren. Obwohl sie mich auch kannten, aber wohl nicht wahrnahmen, hatte ich keinen Impuls sie anzusprechen. Ich war nur an einer Begegnung mit ihm alleine interessiert und hatte keine Lust auf höflichen, zu nichts führenden Small Talk mit seiner mutterhaft agierenden Freundin. Das ist natürlich keine adäquate Geschichte für einen Reiseführer durch Nürnberg für Gott und die Welt, den ich aber auch gar nicht zu verfassen beabsichtige. Für mich einfach reflexartig mit dieser Stelle in der Königstraße, Ecke Karolinenstraße verbunden. Beim Durchsehen der Fotos fällt mir jetzt erst auf, wieviele aufgemalte Sonnenuhren es in Nürnberg an mittelalterlichen Bauwerken gibt.

22. Juli 2022

Letztes Kapitel Hotelflurbilder. Noch einmal gegenübergestellt Jakob Fugger seitenverkehrt in der Hotelbar und Jakob Fugger im Original, auch wieder im Besitz der Alten Pinakothek, aber in Augsburg hängend, und noch einmal ich vor Kaiser Maximilian I., den Albrecht Dürer kurz nach seinem Tod malte, wohl im Auftrag von Jakob Fugger. Das Maximilian I. Bild hängt wieder in Wien im KHM. Albrecht hat erreicht, was er wollte: sehr bekannt werden. Seit über einem halben Jahrtausend beschäftigen sich die Menschen mit ihm und seinem Werk. Auch bei meinen kommenden Fotoalben spielt er immer wieder mal eine Rolle, am Ende werden alle denken, sie waren in Nürnberg und sind mit Albrecht auf Du und Du. Mir kommt er auch schon vor wie ein alter Freund von früher. Komisch, dass er nicht bei der Hochzeit von meinem Neffen war. Vielleicht war er gerade wieder in Venedig und konnte deshalb nicht dabei sein, Albrecht Dürer wurde übrigens nur knapp 57 Jahre alt, er starb sechs Wochen vor seinem 57. Geburtstag. Und ich werde in knapp sechs Wochen exakt genauso alt! Da ich noch Hunderte Fotos aus Nürnberg zu verarbeiten habe, werde ich mir ganz gewiss keinen unzeitigen Abgang gestatten!

22. Juli 2022

Die Sonne tritt soeben in das Zeichen Löwe! Auch im Flur des Hotel Saxx gibt es einen Löwen, natürlich von Albrecht Dürer. Wer hätte es gedacht: das große Tier ist im Original eine sehr kleine Zeichnung, von der vermutet wird, dass sie von Dürer unterwegs bei seiner ersten Venedigreise 1494 mit Aquarell und Deckweiß angefertigt wurde, möglicherweise erst später mit Gold erhöht. Das Pergamentblatt ist nur 12,6 x 17,2 Zentimeter groß. Einen leibhaftigen Löwen hat Albrecht Dürer – soweit bekannt – zu dem Zeitpunkt noch nicht lebendig vor sich gehabt, ebensowenig wie sein berühmtes Rhinocerus auf einer persönlichen Naturstudie beruht. Da es in Venedig aber schon damals an allen Ecken Löwen gab, wird davon ausgegangen, dass ein Markuslöwe seine Vorlage war. Auf der Seite der Hamburger Kunsthalle, die dieses kostbare Pergament seit 1863 im Kupferstichkabinett bei „Zeichnungen, Deutschland, 15. – 18. Jh.“ verwahrt, finden sich ausführliche kunsthistorische Mutmaßungen und Untersuchungsergebnisse.

22. Juli 2022

Klein im Original und groß im Hotelflur. „OSWOLT KREL 1499“ hat Albrecht mit feinem Pinsel in Gold über das Portrait geschrieben. Der junge Mann war der Rechnungsführer der „Großen Ravensburger Handelsgesellschaft“ und weilte nur vorübergehend in Nürnberg. Ich gehe davon aus, dass das auch ein Auftragsportrait war. Es ist auf ein Stück Lindenholz im Format 49,7 x 38,9 cm gemalt und der Mittelteil eines Triptychons. Das gute Stück ist seit 1828 im Besitz der Alten Pinakothek in München. Im Dürersaal des Albrecht Dürer-Hauses befindet sich eine hochkarätige Kopie des Triptychons, von 1961 von Andreas Bach.

21. Juli 2022

Ich komme noch einmal auf meine Schlafzimmergenossin, die junge Venezianerin von Dürer zurück. Ich hatte gleich so ein vertrautes Gefühl, aber mir war doch tatsächlich völlig entfallen, dass sie auf dem alten 5-Mark-Schein war. Die viel kleineren grünen 5-Mark-Scheine waren für uns als Kinder etwas ganz Besonderes. Sie waren so selten. Oder es kam uns nur so vor. Man freute sich über jeden, den man im Portemonnaie oder im Sparschwein hatte, viel mehr als über ein 5-Mark-Stück. Sie waren so hübsch und kleinformatig wie Spielgeld und das Mädchen guckte auch nicht so streng und schulmeisternd, man hätte sie gerne als Freundin gehabt. Das fiel mir gestern alles erst wieder ein, als ich mir den Elsbeth-Tucher-Zwanzigmarkschein anschaute, daneben waren auch die anderen Geldscheine abgebildet. Das schöne Portrait der namenlosen Venezianerin ist aus dem Jahr 1505. Das nur 24,2 x 32,5 cm kleine Original hängt seit 1923 im Kunsthistorischen Museum in Wien. Auf dem blaugrauen Zehnmarkschein war ein Mann mit langen lockigen Haaren und ich glaube, wir dachten, das sei Albrecht Dürer, weil es im Zusammenhang mit den Geldscheinen immer hieß, die sind alle irgendwie von Dürer. Hat aber gar nicht bei allen gestimmt. Zum abgebildeten langhaarigen Herrn heißt es: „Bartloser junger Mann“ (nach älterer Ansicht nach einem Gemälde von Albrecht Dürer oder Anton Neupauer, nach neuerer Forschung nach einem frühen Bildnis von Lucas Cranach dem Älteren, welches sich in landgräflich-hessischem Privatbesitz befindet und nicht öffentlich zugänglich ist)“. Wie auch immer – Albrecht Dürer war schon in meiner Kindheit sehr präsent. Ein „household name“ sozusagen.

21. Juli 2022

Im Hotelflur vor Elsbeth Tucher. Das Original „Bildnis der Elsbeth Tucher“ aus dem Jahr 1499 von Albrecht Dürer hängt in der Gemäldegalerie „Alte Meister“ in Kassel. 1961 bis 1992 zierte Elsbeth Tucher den bundesrepublikanischen Zwanzigmarkschein. Ich kann mich dunkel erinnern, dass ich mich als Kind gefragt habe, womit es die gestreng dreinblickende, humorlos wirkende Frau mit der seltsamen Haube geschafft hat, auf einem Geldschein zu landen, den Millionen Menschen im Portemonnaie haben. Dass es ausschließlich dem ruhmreichen Maler des Auftragsportraits zu verdanken ist, hat mir keiner erklärt. Oder ich habe es vergessen.

21. Juli 2022

Im Frühstückrestaurant vom Hotel Saxx. Auch da habe ich mir ein schönes Plätzchen mit Blick auf den Schönen Brunnen gewählt. Links und rechts von mir saßen Hotelgäste. Es gibt ein großes Buffet und tollen Kaffee, kann man auch nach oben aufs Zimmer nehmen. Hier mein erster Gang mit Obstsalat und Joghurt, danach holte ich mir noch Rührei und Nürnberger Rostbratwürstchen. Ich geniere mich grundsätzlich etwas, in einem Restaurant mit der Kamera zu hantieren. Das war am 1. Juli 2022, danach lief ich rüber zum Rathaus, zum Trausaal, wo geheiratet wurde. Auch weil das Paar vegan lebt, hatte ich keinen starken Impuls, meine Würstchen zu fotografieren. Am nächsten Tag nahm ich mir einen Frühstücksteller und Kaffee nach oben aufs Zimmer, dafür gibt es extra Kaffeebecher zum Mitnehmen. Frühstück gibt es ab ziemlich früh bis elf Uhr. Am Nachmittag wird es zum Nachmittagscafé erklärt, ich vermute dann auch für Laufkundschaft, also Passanten.

20. Juli 2022

Wir kommen nun in die Badestube mit stattlicher Badewanne, die durch einen kessen, hinter einer Holzschiebetür versteckten, gläsernen Durchblick eingesehen werden kann. Man muss sich vorstellen, dass links von der Schiebetür die venezianische Dürerschönheit vom Schlafzimmer ist. Ich hatte kein direktes Bedürfnis ins Bad zu schauen, während ich auf dem herrlichen King Size Bett lag, aber anderen mag es da anders gehen, z. B. Paaren. Eine Badewanne hätte ich jetzt auch nicht dringend gebraucht, weil ich vor allem duschen möchte, aber die Großzügigkeit dieses Badezimmers würde manchen vielleicht animieren, von einem Wellnessbereich zu sprechen. Gestört hat mich allerdings, dass der Föhn so seltsam konstruiert ist, dass man zum Föhnen dauernd auf einen Knopf drücken muss, sonst tut sich nichts. Was sich der Föhndesigner dabei gedacht haben könnte, erschließt sich mir nicht. Der Druck vom Duschstrahl hätte ein bißchen stärker sein können, das hab ich aber bei meiner Abreise hinterlassen, und es wurde eifrig notiert. Auch angenehm: die unkomplizierte rundum-Gepäckaufbewahrung vor dem Ein- und nach dem Ausschecken, wenn man noch unbelastet flanieren will, bis die eigentliche Abreise ist. Gefallen hat mir auch beim Abschied, nachdem ich erwähnte, dass ich dort jederzeit wieder übernachten würde, mir der Herr vom Empfang (mit dem Eiskübel) einen tiefen, ernsten Blick zukommen ließ und sehr bestimmt sagte: Wir WARTEN auf Sie! Und dann noch so ein subtiles Schmunzeln hinterher. Hier logiert man gerne! Das Hotel gibt es seit März 2014 in dieser Ausstattung, ich hätte gedacht, es ist noch neuer, wirkt alles sehr einladend und frisch. Einfach picobello.

20. Juli 2022

Man sieht mir an der Nasenspitze an: ich war angetan. Eben noch einmal geschaut, wann der Schöne Brunnen im Auftrag von Kaiser Karl IV. erbaut wurde: 1385 bis 1396. Also hat ihn der kleine, 1471 geborene Albrecht Dürer auch schon vor der Nase gehabt, wenn er aus seinem Geburtshaus gelugt hat. Sein Vater war ein sehr erfolgreicher Goldschmied und hatte ab 1468 ein Ladenlokal am Hauptmarkt, ich vermute, da hat die Familie auch gewohnt, und da ist der kleine Albrecht auf die Welt gekommen, da wo ich geschlafen habe! Vielleicht nicht genau unterm Dach, aber wer weiß. Toll. 1475, als Albrecht vier war, hat der Vater ein Haus „in bester Lage“ erwerben können, das war vermutlich das Haus in der Bergstraße, zwischen Hauptmarkt und Burg. Also ist der Mini-Albrecht seine ersten vier Lebensjahre hier herumscharwenzelt. Die 1361 eröffnete Frauenkirche gegenüber prägte damals auch schon lange das Bild des Hauptmarkts, also bot sich dem kleinen Albrecht Dürer mehr oder weniger das gleiche Bild wie mir im Jahre 2022. Wie aufregend! Noch toller wäre, wenn die Zimmer einen Minikühlschrank hätten, also eine Minibar, aber der sehr zuvorkommende Herr vom Empfang hat Abhilfe geschaffen, indem er mir für meine Flasche einen großen Kühler mit Eis serviert hat, damit ich meinen Schlaftrunk perfekt gekühlt einnehmen konnte.

19. Juli 2022

Ich begebe mich zurück nach Nürnberg – erinnernderweise. Und zwar zum Hotel, in dem ich die drei Tage logierte. Ich finde logieren klingt etwas gehobener, das wird dem Haus gerecht. Von außen ist es eher eines der unspektakuläreren Bauwerke am Hauptmarkt. Es hat die Adresse Hauptmarkt 17, der Eingang ist um die Ecke, Waaggasse 7. Dieses Sorat-Hotel heißt Saxx und ich nehme an, das ist eine Anspielung auf Hans Sachs, den Meistersinger – aber ich kann mich irren. Der Mann im Entrée, der Richtung Bar schaut, ist aber nicht Hans Sachs, sondern der von Albrecht Dürer um 1518 gemalte „Jakob Fugger, der Reiche“. Im Original schaut Jakob Fugger in die andere Richtung, ich vermute, der Interior Designer fand es aparter, wenn er zur Bar schaut, dann kann er auch besser nachbestellen, wenn das Glas leer ist. Jakob Fugger war superreich aber auch supersozial und hat die erste Sozialsiedlung der Erdgeschichte einrichten lassen, wo Arme fast nichts für das Wohnen bezahlen müssen. Die Miete beträgt drei Gebete pro Tag und stattliche 88 Cent Jahresmiete, die Fuggerei in Augsburg. Aber ich schweife ab. Jedenfalls ist das eines der vielen großen Albrecht Dürer-Portraits im Hotel, die sich durch alle Etagen und Flure und Zimmer ziehen. Ich war sehr davon angetan.

Als nächstes bitte ich um Beachtung des Fotos vom Dach, insbesondere der Fenster ganz oben. Rechts sind zwei mit halb heruntergelassenen Jalousien, das waren meine Fenster. Auf einem weiteren Bild präsentiere ich, was es unterhalb der Jalousie durch das Fenster zu sehen gab. Für Menschen, die noch nie einen touristischen Trip nach Nürnberg gemacht haben: ich habe direkt auf den Hauptmarkt und den Schönen Brunnen geschaut. Ganz wundervoller Ausblick. Tatsächlich habe ich genau das Zimmer bekommen, das mir auf den Fotos am besten gefallen hat, im Dachgeschoss in der fünften Etage mit der Zimmernummer 503.

18. Juli 2022

Diese ungeplante Langzeitbelichtung von meinem südlichen Wohnzimmerbalkonausblick in der Nacht vom 15. Juli hat etwas Wesentliches erfasst, das mich vor dreiundzwanzig Jahren bewog, genau an diese Ecke zu ziehen: es war die hohe Energie, die hier in der Luft liegt. Wer weiß, was vom Fernsehturm für Vibrations ausgehen, und noch dazu der Vollmond daneben. Ich wohnte vorher im schläfrigen südlichen Wilmersdorf, Nähe Friedenau, da beim Rüdesheimer Platz. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Schon das Tempo, in dem sich die Menschen hier fortbewegen ist anders. Und doch ist es hier oben still und erholsam. Ich höre zwar das Feiern vom Park am Gipsdreieck und das Kindergequake vom Spielplatz und so ein Grundrauschen von den Lokalen unten, aber alles sehr friedlich, ganz unaggressiv. Immer noch ein Gefühl wie in einer Ferienwohnung irgendwo am Mittelmeer. Bin dankbar. Bei der Hochzeit neulich fragte mich ein alter Freund, den ich seit Jahrzehnten nicht mehr getroffen hatte, der mich früher ab und zu in Schöneberg besuchte (und auch bei mir gemeldet war, um nicht zur Bundeswehr zu müssen), wo ich inzwischen wohne. Er kennt Berlin ganz gut, hatte auch mal eine Fernbeziehung hier. Ich antwortete „in Mitte, schon über zwanzig Jahre jetzt…“ Er darauf: „Hat wahrscheinlich Vor- und Nachteile, oder?“ Ich: „Nö. Nur Vorteile :-)“ Also ernsthaft, das war eine ironiefreie Antwort.

Wie kapriziös müsste ich sein, um hier nach Defiziten Ausschau zu halten. So lange ich es bezahlen kann, ist es mein Paradies, mein Adlerhorst. Wer mich jemals besucht hat, versteht das aber auch. Als Luxusproblem könnte man natürlich anführen, dass ich die türkise Kuppel vom Berliner Dom sehen muss, was mir ein christlichen Glaubensbekenntnissen abholder Freund einmal als für ihn hochproblematisch anführte. Ich war etwas sprachlos. Der Blick auf die Domkuppel war unter anderem ein absoluter Teaser für mich, als ich die Wohnung besichtigte, und da war ich schon fünf Jahre aus der Kirche ausgetreten. Ich liebe runde Kuppeln, was sich darunter rituell religionsmäßig abspielt, ist mir wumpe.

17. Juli 2022

Frau Nielsen am 12. Juli 2022, vor und nach dem Konzert. Ich saß anschließend noch mit Lydia bis halbzwei draußen in der warmen Sommernacht in einer Kneipe in der Kastanienallee. Erstaunlich voll für Dienstag weit nach Mitternacht. Ich saß zwar auch da, aber wusste, dass ich am nächsten Tag erst mittags anfange zu arbeiten, was nicht so üblicherweise der Fall ist. Heute habe ich wirklich viele Einträge gemacht, das ist nun der elfte. Jetzt ist erst mal Schluss mit Berichten und Gedankengängen über dieses Stones-Jubiläumskonzert. Ich verfolge nun still weiter, wie die SIXTY-Tour der echten Stones verläuft. Gerade haben sie in Wien gespielt. Am Abend vor dem Konzerttag hat sich Mick an einer Würstelbude mit einer Bierdose knipsen lassen, den Tag nach dem Konzert ging sein Sightseeing mit seiner Freundin weiter, und er hat im Hofburggarten eine Truppe von jungen Wienerinnen in Aufregung versetzt, die dort einen Junggesellinnenabschied begingen und ihn erkannten, Gab schöne Fotos, er ganz Hahn im Korb. Ganz der Alte. Weiter so! I like…! Für unser Berliner Stones Konzert am 3. August in der Waldbühne hab ich immer noch kein bezahlbares Ticket. Ich verfolge täglich den Fansale von Eventim. Einmal gabs schon eins der unteren Kategorie, da aber nun Ina auch mitkommen will, schau ich nach zwei. Unser Plan ist aktuell, wir fahren mit einer gut gekühlten Flasche einfach zur Waldbühne und gucken, was da so angeboten wird. A bisserl was geht immer!

17. Juli 2022

Last but not least: Danke an die Band und an den Frannz Club, der Get Stoned anlässlich des 60. Stones-Geburtstags eine Marquee-Club-mäßige Bühne bot. Schwer vorzustellen, dass die echten Stones in zehn Jahren noch auf Tour gehen, aber Cover- und Tributebands wie Get Stoned und Brown Sugar werden in Berlin die Stonesfahne weiter hochhalten und uns grandiose Konzerte mit den besten Stones-Nummern spielen. Because IORR – but I like it.

17. Juli 2022

Um nochmal auf Get Stoned zurückzukommen. Die Jagger-Signature Moves sind schon ziemlich gut. Mick macht viele Armbewegungen nach vorne und wedelt gerne rum. Immer mal die Hand in die Hüfte. Die Bewegungen müssen zackig gespreizt und ein bißchen kasperlemäßig sein. Ich wünsche mir weniger Schnute, weil ausreichend Schnute hat Mick-Martin von Natur aus.

17. Juli 2022

Gaga und Ina üben Selfie. Beide haben noch nicht verstanden, wo man hinschauen muss, damit es aussieht, als ob man in die Kamera schaut. Ina sollte es eigentlich wissen, ihr gehört das Smartphone nämlich, und es ist nicht ihr erstes Foto. Gaga hat immerhin begriffen, dass Begeisterung und absolute Hingabe gefragt ist, und lächelt fein, das ist sogar echt, weil sie sich gefreut hat. Ina wird beim Selfiemachen immer ganz ernst, sie ist unsicher, wie sie gucken soll. Danach hat sie wieder gelacht, aber beim Knipsen hat sie’s nicht geschafft. Sie müssen noch sehr viel üben!

17. Juli 2022

Ich vermute ja, dass der Mick-Sänger Martin Glaß der große Bruder vom Keith-Gitarristen Florian Glaß ist. Der Bassist sieht ein bißchen wie Bruce Willis aus. Die Get Stoned-Stones spielen in der klassischen Stones-Besetzung mit Schlagzeug, Bass, zwei Gitarristen, Sänger und einer Sängerin für Backing Vocals. Die Bläser-Section Sticky Stones ist nur manchmal dabei. Allerdings trauert die Band um ihren Keyboarder, der wohl festes Bandmitglied war und vor ca. zwei Jahren gestorben ist. Es gab eine Gedenkminute mit einem extra Song für ihn. Jetzt spielen sie vermutlich einige Songs nicht mehr, für die man traditionell einen Pianisten in der Band braucht. Der Ronnie Wood-Gitarrist ist schon etwas älter, der Schlagzeuger auch. Sie sehen aus wie aus einer Folge Beat Club aus den Siebzigern, richtige Urgesteine. Man merkt, dass es eine gewachsene Band ist. Sie treten seit 2006 auf.

17. Juli 2022

War, Children – It’s just a shot away – It’s just a shot away – It’s just a shot away – It’s just a shot away – It’s just a shot away – Love, Sister – It’s just a kiss away – It’s just a kiss away – It’s just a kiss away – It’s just a kiss away – It’s just a kiss away – Kiss away, kiss away. Gimme Shelter. GET STONED, 12. Juli 2022. Backing Vocal-Sängerin Kristin Panzlaff und Front-Mick Jagger Martin Glaß.

17. Juli 2022

Mit so einem Mantel kann man auch bei mir punkten. Ich liebe es über alle Maßen, wenn einer dergestalt den Mick gibt. Das ist doch neben der Musik mit der Hauptspaß beim Stones-Covern. Wer das nicht versteht, hat den Stones Spirit nicht verstanden! Es gab mal ein Cover von Paint it Black vom London Symphony Orchestra, sehr beeindruckend, da wäre ich jetzt nicht so streng, und erwarte auch nicht, dass der Soloviolinist über die Bühne springt und mit dem Hintern wackelt, aber wenn die Original Arrangements mehr oder weniger das Vorbild sind, muss es einen Mick und einen Keith geben, alles andere kann mich nicht überzeugen!

17. Juli 2022

Danke an meine zuckersüßen Begleiterinnen Ina und Lydia, ohne die der Stones-Sixty-Abend mit Get Stoned im Frannz Club nur halb so schön gewesen wäre. Ich habe ja noch andere, genauso zuckersüße Freundinnen, die sind aber nicht alle so durch die Bank für Herumgetanze zu Stones-Hits zu begeistern.

Ich kann mir ja immer gar nicht vorstellen, dass jemand die Moves von Jagger und den ganzen Stones-Spirit, der ja schon eine Form der Religion ist, nicht Weltklasse findet.

Ich war schon als Kind Stones-Fan, es wurde dann eigentlich immer schlimmer. Bis auf einen kleinen Einbruch in meinem Fantum Mitte der Neunziger, weil mir ein Stoneskonzert im Olympiastadion nicht so super gefiel. Die Beziehungskrise ist aber längst überwunden. Ich bin einfach nur froh, dass es sie noch gibt.

16. Juli 2022

Vorgestern, am 14. Juli 2022. Bei einer Buchpremiere im Bücherbogen am Savignyplatz wurde „Schwule Architekten – Gay Architects, verschwiegene Biografien vom 18. bis zum 20. Jahrhundert“ von Wolfgang Voigt und Uwe Bresan vorgestellt. Erschienen im Verlag für Architekturgeschichte Wasmuth & Zohlen. Hier ist eine Leseprobe, zweisprachig in Deutsch und Englisch.

Ich copypaste eine kleine Facebook-Konversation zwischen dem Fotografen Jan Sobottka und mir, bevor ich hinging:

Jan Sobottka
(…) Kommst du?

Gaga Nielsen
Nein, leider nicht, eben erst entdeckt, ich gehe gleich zum Bücherbogen am Savignyplatz, wo eine Buchvorstellung (über schwule Architekten) von Wasmuth und Zohlen stattfindet, um 19:30 Uhr. Ina ist natürlich da.

Jan Sobottka
wie blöd… schade
… schwuler Minimalismus …vorstellbar?

Gaga Nielsen
es geht nicht um „schwulenspezifische“ Architektur (falls es so was überhaupt gibt), sondern um die Geschichte von Architekten, die diesen Aspekt ihres Lebens im letzten Jahrhundert akribisch vertuschen mussten, um arbeiten zu dürfen und an relevante Aufträge zu kommen (wenn ich es richtig verstanden habe…) Natürlich ist schwuler Minimalismus nicht nur vorstellbar, sondern vorhanden, da ästhetische Neigungen nicht von sexueller Präferenz gesteuert sind, soweit ich weiß. Es ist sicher kein Zufall, dass es unter heterosexuellen Menschen sowohl zu Opulenz neigende, als auch Minimalismus liebende gibt. Was dich sicher nicht überrascht 🙂

14. Juli 2022

Die schönsten Performances von Mick sind die vom Rock’n’Roll Circus 1968. Nie hat er schöner und lässiger mit der Kamera geflirtet. Eine Augenweide. Bei Sympathy For The Devil zieht er gegen Ende sein Shirt aus und lässt aufgemalte Tattoos an seinem sehnigen Körper sehen. Er singt und kreischt und robbt über den Boden, ganz das schöne Tier. Er sieht leicht bekifft aus, aber sogar das steht ihm, dieser leicht verschleierte, entrückte Blick. Brian Jones dagegen… na ja. Er fügt sich in die Rolle der Nebenfigur, arbeitet das Erforderliche so ab, aber er hat mich nie angezogen.

13. Juli 2022

The Berlin Rockchicks Gaga, Lydia & Ina yesterday celebrating the 60th anniversary of The Rolling Stones @Frannz Club in Berlin. On stage the fabulous Get Stoned feat. The Sticky Stones! What a Night. Cheers to the Glimmer Twins and Many Happy Returns <3

13. Juli 2022

Ohrwurm seit gestern Abend. „Let’s drink to the hard workin‘ people, let’s think of the lowly of birth, spare a thought for the rag-tagged people, let’s drink to the salt of the earth….“ Salt of the Earth vom Beggars Banquet Album von 1968 ist so ein toller Song. Kenne ich seit einem halben Jahrhundert, klar! Aber bis gestern noch nie so gänsehautmäßig live erleben dürfen…

Es war ganz wundervoll, das Stones Sixty-Jubiläumskonzert von GET STONED. Der ganze Frannz Club hat Salt of the Earth gesungen… und alle anderen Songs auch. Und Miss You war schon wieder super! Der Sänger hatte einen ganz tollen langen, champagnerfarbenen Satinmantel an, später tolle Glitzerhemdchen und natürlich bei Sympathy for the Devil wieder seinen Zylinder und den Zauberstab. Auch immer sehr apart, wenn das Mikro mal zwischendurch in die Hose gesteckt wird, so schräg in den Hosenbund. Muss natürlich zur Figur passen. Sehr kess, gefällt mir. Die Bläser waren auch sehr attraktiv. Der allgemeine Liebling (bei einer repräsentativen Umfrage) von Ina, Lydia und mir ist der junge Keith-Gitarrist der Gruppe, Flori. Er ist so sehr in der Musik, es fließt entspannt aber doch hochkonzentriert aus ihm heraus. Dabei hat er immer so ein leichtes Schmunzeln um die Lippen. Ganz arg begabt. Also: es war toll. Schön ist auch, dass man für frische Luft in den Biergarten vom Frannz Club kann. Musste mir vorstellen, dass da neulich im Mai tatsächlich die Ärzte auf der relativ kleinen Bühne gespielt haben. Sie hatten eine Clubtour in Berlin und die war natürlich innerhalb von Sekunden komplett ausverkauft. Ist klar. Gestern war aber auch schön voll. Ein sing- und tanzfreudiges Publikum – wie wir! Fotos werden nachgereicht.

12. Juli 2022

St. Klara. Oder vielmehr der moderne Eingangsbereich, eine Vorkapelle mit dem Namen Pirckheimerkapelle. Wir sind nur wenige Meter vom Königstor entfernt, dem Eingang zum Handwerkerhof in der Königstraße. St. Klara ist etwas nach hinten versetzt in der Königstraße Ecke Klaragasse. Alles fotografiert auf meinem Weg zwischen meinem Hotel, dem Sorat Saxx am Hauptmarkt und dem Hauptbahnhof.

Ich habe keinerlei Erinnerung an St. Klara und diese ganz spezielle Ecke, wie ausradiert. Mich zog der 2006 bis 2007 umgebaute, nun moderne Spitzbogen-Eingang von weitem magnetisch an. Da der Tag heiß war, um die 32 Grad oder mehr, lockte der kühle, schattige Eindruck. Die eigentliche alte, konservierte Kapelle ist darüber indirekt zugänglich, ich warf einen Blick durch ein Innenfenster auf den mittelalterlichen Gottesraum. Grandioser Vorraum, klasse zeitgenössische Innenarchitektur. Wie ich immer sage: wenn der Entwurf, die Qualität hochkarätig ist, verträgt sich Neues sehr gut mit Altem, das ebenfalls eine hohe Qualität hat. Nie bei Architektur und Formgebung sparen, niemals! Wie wir sehen, sind Bauwerke mit das Nachhaltigste, was unsere Zivilisation hervorgebracht hat und leider Gottes sind darum eben auch die missratensten Bauwerke überaus nachhaltig, um diesen mittlerweile ausgeleierten Modebegriff zu benutzen. „Nachhaltigkeit“ ist nicht per se „gut“, sondern lediglich eine zeitbezogene Eigenschaft. Mein Interesse an der Nachhaltigkeit von Billig-Architektur ist gleich Null. Bausünden einstampfen und zwar nachhaltig! Kurzum: was da in der Vorkapelle der St. Klara-Kirche gemacht wurde, ist einfach schön. Magisches Licht. Erhebend.

Seit wann die schmerzensreiche Hiob-Skulptur aus den Fünfziger Jahren von Gerhard Marcks dort steht, vermag ich nicht zu verifizieren. Ich finde es dokumentationswürdig, dass vor einer mittelalterlichen Kapelle eine Figur eines Künstlers steht, der aus der Berliner Secession stammt und dem Bauhaus verbunden war, dessen Werke von den Nazis als entartet eingestuft wurden, außerdem ein Autodidakt, der größtes künstlerisches Renommée erlangte (eigenes Museum) und vieles noch selbst erlebte. Will sagen: in dieser Stadt ist nicht nur Platz für Mittelalter-Folklore, was man zunächst meinen könnte, wenn man meine bisherigen Fotografien sieht. Ich habe mich explizit und mit Wonne den historischen Ecke gewidmet, die ich als Jugendliche als Alltagskulisse selbstverständlich nahm, aber nicht relevant, mich damit näher zu beschäftigen.

Die biblische Geschichte des gramgebeugten Hiob, der nach Ruhm und Erfolg alles verlor, hat in der Bibel übrigens ein Happy End, damit vom lieben Gott begründet, dass er trotz der Plagen an seinem Glauben festhielt. Was für jeden schön ist, der harte Prüfungen durchstehen muss, ob seelisch oder körperlich. Wenn das der Deal sein sollte, glaube ich gerne! Wenn ich auch 1994 bei vollem Bewusstsein aus der evangelischen Kirche ausgetreten bin.

11. Juli 2022

Der Handwerkerhof. Ich hatte schon erwähnt, dass der Handwerkerhof für mich, vom Hauptbahnhof kommend, eine ideale Durchgangspassage zur Königsstraße darstellte. Nicht mehr und nicht weniger. Nie wäre man auf die Idee gekommen, sich dort niederzulassen und etwas zu essen oder trinken oder sich gar dort mit jemandem zu verabreden – völlig indiskutabel. Der Handwerkerhof galt als disneyhafte Touristenfalle. Die mangelnde Authentizität ließ sich schon an der lebkuchenhäuschenartigen Kulissenarchitektur erkennen, dazu Abtrennungen mit Jägerzaun, alles eng und puppenstübchenhaft vollgestopft, eine Kirmesbude neben der anderen, so das harte Urteil. Der Handwerkerhof konnte einfach nicht überzeugen. Man war sich einig, das ist ausschließlich für die touristische Zielgruppe „Christkindlesmarkt“ erschaffen worden, die ganzjährig einen kleinen Weihnachtsmarkt benötigt. Als aufgeklärter junger Mensch eilte man schnell durch, um zum place to be zu kommen, nämlich dem exakt gegenüberliegenden KOMM. (Ich komme noch ausführlich dazu)

Ich muss allerdings sagen, als ich nun vor einer guten Woche vom Bahnhof kommend, etwas müde mit meiner schweren Reisetasche durch das Frauentor trat, empfand ich so etwas wie eine kleine Idylle. Fast hätte ich mich in eines der puppigen Lokale in den Halbschatten gesetzt. Ich hatte die rosa Touristenbrille auf. Mein Zeitplan gab das aber nicht so recht her, ich wollte auch erst mal zum Hotel und mein Gepäck loswerden. Es ergab sich dann auch zu einem anderen Zeitpunkt nicht mehr, sich dort niederzulassen, wäre jetzt auch nicht meine allererste Wahl für ein Treffen, aber ich sehe das Ensemble nun mit einer gewissen Altersmilde. Der Handwerkerhof wurde 1971, im „Dürerjahr“, seinem 500. Geburtstag, aus der Taufe gehoben und sollte 1972 wieder abgebaut werden. Das Handwerkerdörflein kam so gut an, dass man es im ehemaligen Waffenhof am Frauentorturm ließ. So gibt es bis heute den Handwerkerhof. Was mir jedoch ausnehmend gut gefällt, sind die gestreiften Holztore der beiden Eingänge Königstor und Frauentor. Hier gehe ich aber von der traditionellen Altstadtmöblierung aus. Wirkt auf mich doch recht überzeugend.

10. Juli 2022

Lorenzkirche. Der U-Bahnhof. Das erwähnte Zitat der Rosette über dem Hauptportal der Westfassade – sehr gelungen. Ich betrachte den U-Bahnhof nun mit dem Wissen um viele andere U-Bahnhöfe, vor allem in Berlin natürlich, aber auch in Paris oder London. Ende der Siebziger Jahre gebaut. Mir dämmert, dass die Fahrt mit der U-Bahn vom Nürnberger Hauptbahnhof die eine Station zur Lorenzkirche in meinen Träumen noch heute eine Rolle spielt. Es gibt wiederholte Sequenzen, vor allem die lange Rolltreppe am Hauptbahnhof hinunter in den U-Bahn-Bauch. So lange Rolltreppen kenne ich nur aus Paris. In meinen Träumen bin ich in Eile, um einen Zug zu erwischen, der Zug fährt immer Richtung Prag, es ist viel Umsteigen, Hektik um verlorenes Gepäck, vergessene Fahrkarten, die, warum auch immer, nicht rechtzeitig gekauft wurden. Als ich nach langer langer Zeit wieder diese Rolltreppe nach unten fuhr, erkannte ich diese Szenen, was für ein Déjà vu. Zumal mich diese Bahnhöfe bald vier Jahrzehnte nicht tangieren. Das verrückte, geheimnisvolle Unterbewusstsein.

09. Juli 2022

Ich hatte Abkühlung, Inspiration und Stärkung gefunden, als ich die Lorenzkirche durch den kleinen seitlichen Eingang wieder verließ. Meine letzte Aufnahme in der Kirche war der Tauftisch, der mir sehr gefiel und möglicherweise vom gleichen Bildhauer stammt, wie die neueren Bronzetüren. Ich wechselte noch ein paar Worte mit einer Ordensschwester im Habit, sie machte in der Kirche den Besucherdienst. In der Mitte des Kirchenschiffes, weit vor dem Altar, hängen ungefähr drei rote Stoffbahnen wie Schals von der Decke, unterschiedlich lang. Ich wollte wissen, ob das dauerhaft da hängt und welche Bedeutung es hat. Sie erklärte mir, dass diese Stoffbahnen das Feuer des Heiligen Geistes symbolisieren und immer zu Ostern angebracht werden. Wie lange sie dort hängen, weiß ich nicht, aber zur Adventszeit kommt ein Adventskranz an dieselbe Stelle.

Ich trat auf den Lorenzer Platz und ging links in die Königstraße, in meiner Tasche hatte ich eine aus Berlin mitgebrachte Schneeballhortensienblüte, mit kleiner Wasserversorgung aus Plastiktütchen um den Stengel. Ein Mitbringsel für meine Mama, die an diesem Tag Geburtstag hatte, mein nächster Weg war der Nürnberger Hauptbahnhof, von wo ich zu ihr fuhr. Man geht einfach die Königstraße entlang, sieht schon von weitem einen großen runden, dicken Turm, den Frauentorturm und daneben den Eingang zum Handwerkerhof, geht durch und verlässt damit die Altstadt durch das Frauentor, und schon steht man vor dem Bahnhof. Man könnte auch linksrum, um den Turm, aber durch den Handwerkerhof ist es der schönere und auch kürzere Weg. Diesen Weg bin ich sehr, sehr oft gegangen. Bestimmt siebenhundert mal.

09. Juli 2022

Liebe Gemeinde. Am vergangenen Montag widmete ich mich bereits mit einem Eintrag dem altehrwürdigen Netzgewölbe der Basilika Sankt Lorenz. Zu meiner allergrößten Freude meldete sich daraufhin einer der Restauratoren höchstpersönlich zu Wort, nämlich der bildende Künstler und ausgebildete Restaurator Sebastian Rogler, der mir seit mindestens siebzehn Jahren ein treuer Freund unter den mir bekannten Bloggern geworden ist. Im Jahre 2009 stand er mit Hilfe eines eingezogenen Arbeitsbodens unter der Decke und verrichtete Restaurierungsarbeiten am Netz. Er verlinkte sogar ein Video von der Fahrstuhlfahrt nach oben zu seinem Arbeitsplatz unter der Decke.

Da ich das Gewölbe ausnehmend schön finde und den Gedanken, dass da ein lebender Mensch daran arbeiten darf, absolut elektrisierend, muss ich das noch einmal würdigen. Es schafft eine lebendige Verbindung zu den Baukünstlern und Stukkateuren der Vergangenheit, bis zurück in die Spätgotik.

Ich finde das ganz und gar aufregend. Die Lorenzkirche wurde im zweiten Weltkrieg so sehr zerstört, dass seither durch Restauratoren grundlegende Aufbauarbeiten verrichtet werden mussten und weiterhin werden. In der Kirche sind immer einige Bereiche wegen dieser Arbeiten abgehängt, und die Zerstörung liegt nun siebenundsiebzig Jahre zurück. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Leistung, die künstlerisch aufwändigsten Details der Renaissance wieder herzustellen.

Hinzu kommt, dass es zeigt, dass es in unserer Welt immer noch Menschen gibt, die altes Kunsthandwerk am Leben halten und es eigentlich auch möglich wäre, bei neuen Bauwerken künstlerisch hochwertig und komplex zu arbeiten. Wonach wir uns eigentlich alle sehnen. In Verbindung mit neuesten Technologien könnte einiges sogar leichter als früher bewerkstelligt werden. Ich fordere alle Architekten auf, eine neue Ära einzuläuten, die aufwändigen Gestaltungselementen wieder einen angemessenen Raum gibt.

09. Juli 2022

In meinem sakralen Feuilleton-Blog ist auch Platz für den Engelsgruß, die „Angelic Salutation“ von Veit Stoß. Ein ausgenommen hübscher Name für einen Bildhauer, wie ich finde. 1517 bis 1518 hat der damals schon betagte Holzschnitzer die beiden Figuren, den Erzengel Gabriel und die künftige Mutter Maria aus Lindenholz gezaubert. Sie hängen hoch oben im Chor der Lorenzkirche. Schätzungsweise sind die Figuren mit dem umgebenden ovalen Rosenkranz zweieinhalb bis drei Meter groß. Einmal sind sie wohl schon abgestürzt und seither mit einer schweren Kette verankert. Im zweiten Weltkrieg wurden sie zum Schutz vor Bombenangriffen heruntergelassen und versteckt eingebunkert und haben auch diesen Krieg unbeschadet überstanden. Die Lorenzkirche wurde vielfach schlimm getroffen.

Der Engel verkündet Maria gerade, dass sie mit dem kleinen Erlöser schwanger ist, woraufhin ihr vor Schreck das Gesangbuch oder was sie da auch immer hält, aus der Hand rutscht. Also kein Wunschkind womöglich! Sie hat sich dann ja arrangiert, sonst gäbe es nicht so viele Abbildungen der Mutter Maria mit ihrem Söhnchen, auf denen es den Anschein hat, dass sie sich ordentlich um den Säugling sorgt und kümmert. Das Täubchen über ihrem Kopf gefällt mir ausnehmend gut. Vom Typ erinnert sie mich an die bezaubernde Braut von meinem Neffen, was mir wohl gerade deshalb auffällt, weil ich seit einigen Tagen dreihundert Bilder von der Hochzeit editiere. Ich bin noch nicht so weit, dass ich sage: „Ich kann kein Brautkleid mehr sehen!“ – weil es war schon arg schön…!

09. Juli 2022

Der Kirchgang ist noch nicht beendet! Ab sofort biete ich meine seelsorgerischen Dienste jeden Donnerstag von 17 – 18 Uhr hinter dieser schmucken Tür von St. Lorenz an. Gerne finden Sie sich zeitig ein und warten im Gestühl auf mich. Wer es zeitlich nicht einzurichten vermag, kann sich auch hier aussprechen, ich habe immer ein offenes Ohr. Das bleibt alles hinter dieser Tür. Es handelt sich um keinen Beichtstuhl, die Lorenzkirche ist ja evangelisch-lutherisch. Ein schlechtes Gewissen ist also nicht von Nöten. Manchmal möchte man nur seine Sorgen mit jemandem teilen. Dafür bin ich gerne da! Ich habe ja auch schon so manches erleben dürfen, nichts Menschliches ist mir fremd. Liebeskummer, Eifersucht, Mordgelüste. Die Kommentare sind jetzt freigeschaltet!

08. Juli 2022

Schönes Hütchen, der Zauberhut von St. Lorenz. Ich habe kein einziges Foto von der ganzen Basilika gemacht, vielleicht weil ich die Silhouette in mir gespeichert habe, aber die Details bislang nie so genau betrachete. Die Rosette über dem Portal ist schon auch spektakulär, habe ich auch nicht fotografiert. Sie wird sogar im U-Bahnhof Lorenzkirche an den Wänden mit großen Metallreliefs zitiert. Es gibt längst unzählbare Fotos im Internet davon. Man kann auch nicht jeden Winkel der Welt noch einmal selbst fotografieren, da käme man zu gar nichts mehr. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wäre irrsinnig und unrealistisch. Abgesehen davon, gefällt mir auch nicht jedes Detail in und an Kirchen. Beim Stephansdom in Wien zum Beispiel mag ich das Dach mit dem Zickzackmuster sehr, aber so gar nicht das stilistische Kraut- und Rüben-Sammelsurium der verschiedenen Bauabschnitte. Oder der Berliner Hohenzollern-Dom: gefällt mir von innen überhaupt nicht, überladene Dekoration, aber die große, runde türkise Kuppel und die kleineren Kuppeln mit den musizierenden Figuren dazwischen habe ich fest ins Herz geschlossen. Und den Kuppelrundgang!

07. Juli 2022

Das ist der linke Durchgangsflügel des Hauptportals der Lorenzkirche. Die Mädchen auf dem Foto in meinem vorigen Eintrag hatten sich vor dem rechten Durchgangsflügel des Portals niedergelassen. Ich gehe davon aus, dass das offenbar werktags geschlossene Hauptportal der Westfassade mit den prächtigen Löwen-Türklopfern zu Gottesdiensten und Konzerten geöffnet wird.

06. Juli 2022

An einem heißen Tag wie diesem sitzt es sich auch schön im Schatten auf den Stufen vor dem Löwenportal der Lorenzkirche. Mittags, wenn die Schule aus ist, kann man sich mit den Freundinnen hinsetzen und wichtige Sachen beprechen, bevor man heim muss. Man wird bestimmt nie weggejagt, weil das schöne eiserne Hauptportal mit den Löwenköpfen meistens geschlossen ist, der Besucher-Eingang ist rechts um die Ecke, auf der Seite. Andere, ebenso renommierte Kirchen in Nürnberg haben nie diese Anziehung für junge Menschen gehabt. Es liegt ganz sicher auch an dem belebten, zentralen Ort, wo so viele Menschen die Königstraße entlang des Wegs gehen, und man einen weiten Blick über den Lorenzer Platz hat, zur Karolinenstraße, im Rücken immer das vertraute, schützende Portal der uralten Kathedrale.

05. Juli 2022

Und das, meine Damen und Herren, ist der Brunnen vor der Lorenzkirche, an dem sich vor vierzig Jahren die Jugend so gerne traf. Er heißt Tugendbrunnen und ist den sieben mittelalterlichen Tugenden gewidmet, nämlich: Gerechtigkeit (Kranich – Symbol der Wachsamkeit, verbundene Augen, Waage und Schwert), Glaube (Kreuz und Kelche), Liebe (zwei Kinder), Hoffnung (Anker) und Großmut (Löwe), Mäßigkeit (Krug und Schale) und Geduld (Lamm). Erbaut 1584 bis 1589 in der sinnenfrohen Zeit der Renaissance vom Nürnberger Erzgießer Benedikt Wurzelbauer.

Damals haben wir uns in keinster Weise mit den Brunnen-Figuren und ihrer Bedeutung aufgehalten, wir waren viel zu sehr mit den lebendigen Brunnenfiguren auf den Stufen beschäftigt. Es war ein buntes Völkchen, das auch gerne das eine oder andere Kraut dort geraucht hat. Damals war Punk und Gebatiktes in Mode. Man sah entweder schwarze, löchrige Klamotten, Nieten, Sicherheitsnadeln und Leder oder späten Hippiestyle, hennarote Haare, indische Stoffe, Jesuslatschen und selbstgefärbte Windeln in Pastellfarben um den Hals. Wenn das Wetter nicht mitspielte, zog man weiter zum „KOMM“, dem Hot Spot der rebellischen Nürnberger Jugend.

Im Hintergrund zu sehen: die Burg mit dem Sinwellturm, dem Wahrzeichen von Nürnberg. Wem die Silhouette bekannt vorkommt: es ist das Firmenlogo der Nürnberger Versicherung. Übrigens habe ich gerade den zweihundertsten Tag in Folge, ohne einen Tag Pause gebloggt, das System hat mir hierzu gerade gratuliert. Ich hoffe, diese beachtliche Leistung findet auch Anerkennung bei meiner Leserschaft!

04. Juli 2022

Hello Followers! Me last thursday inside the very instagrammable „Lorenzkirche“ in Nuremberg. I highly recommend to visit! Habe noch weitere siebenundzwanzig Aufnahmen des Sakralbaus, die ich noch nicht hochgeladen habe. Die Lorenzkirche war in meiner Jugend ein beliebter Treffpunkt, um sich dort zu verabreden, besonders der Brunnen davor. In die Kirche hinein ist man eigentlich nie gegangen. Sie liegt sehr zentral in der Königstraße und hat einen eigenen U-Bahnhof. Das ist schon eine Errungenschaft für eine Kirche, einen persönlichen U-Bahnhof zu bekommen. Ich gratuliere der Lorenzkirche hierzu recht herzlich! Diesmal war der U-Bahnhof für mich auch von Bedeutung, weil in der Nähe von meinem recht schicken Hotel. Auch instagrammable!

03. Juli 2022

Albrecht Dürer und ich. Ich glaube, da läuft irgendwas. Nein, nicht erotisch, aber er lief mir gestern immer wieder überraschend über den Weg, das kann doch kein Zufall sein. Nun wird jeder sagen, das ist lächerlich, da in Nürnberg an allen Ecken Reklame für Albrecht Dürer zu finden ist. Noch dazu bin ich gestern Vormittag keinesfalls zufällig im Albrecht Dürer-Haus gewesen, wo er bis zu seinem Tod gelebt hat.

Dennoch möchte ich folgende Situationen zu bedenken geben: ein Wohnhaus aus den Fünfziger Jahren fiel mir wegen seiner aparten Fassadengestaltung besonders ins Auge. Als ich jene bildschöne grafische Verzierung ablichtete und dabei etwas nach rechts ging, um den Winkel zu ändern, entdeckte ich eine Gedenktafel mit dem Hinweis, dass an jener Stelle das Wohnhaus des Goldschmieds Albrecht Dürer gestanden hatte, des Vaters von Albrecht Dürer dem Maler.

Dann setzte ich mich zur Überbrückung der Zeit bis mein Zug fuhr, auf eine Buswartebank gegenüber meines Hotels, das innen die schönsten Albrecht Dürer-Bilder an der Wand hat, was ich bisher auf eine Idee des Interior Designers zurückführte, der wusste, dass Nürnberg und Albrecht Dürer immer eine gute Kombi ist.

Als ich die Fassade des nach dem zweiten Weltkrieg gebauten Hotelgebäudes am Hauptmarkt 17, Ecke Waaggasse 7 auf mich wirken ließ, entdeckte ich rechts oberhalb vom seitlichen Eingang eine Gedenktafel, die Auskunft darüber gab, dass an genau dieser Stelle das Haus gestanden hatte, in dem Albrecht Dürer geboren wurde. Das kann doch kein Zufall sein. Ich fühle mich Albrecht Dürer jedenfalls inniglich freundschaftlich verbunden. In das Hotel würde ich sofort wieder gehen.

Gestern war nach dem Auschecken aus dem Hotelzimmer noch so viel Zeit bis mein Zug fuhr, dass ich eine gründliche Tour durch die Altstadt und die Burganlage machen konnte. War wunderschön.

Ich ärgerte mich ein bißchen, dass ich nie vorher in den Burggärten war, durch Besuche beim Bardentreffen war mir lediglich der Burggraben bekannt. Auch auf dem Sinwellturm war ich. Habe fast die ganze Altstadt dokumentiert, wann ich all das hochladen werde, wissen die Götter. Also: da kommt noch ganz ganz viel.

02. Juli 2022

Guten Morgen aus Nürnberg! Neffe prima unter die Haube gebracht, war sehr schön. Erst meine dritte Hochzeit. Ich war auf wesentlich mehr Beerdigungen. Ich fände es schön, wenn da ein bißchen aufgeholt würde. Nun muss ich packen für die Rückreise nach Berlin.

30. Juni 2022

Gruß aus Nürnberg! Als Eintrag für heute copypaste ich einen Auszug aus den Kommentaren unter meinem gestrigen Eintrag zu den beiden Mitbringseln. Die historische Altstadt von Nürnberg nie intensiver als heute wahrgenommen. Mehr Bilder davon folgen – nun schlafen, morgen Trauung.

„(…) Ich bin gerade auf meinem King Size Bett im Dachgeschoss vom Hotel Sorat Saxx, direkt gegenüber vom Standesamt am Nürnberger Hauptmarkt und kann immer noch nicht fassen, dass ich aus dem Fenster auf die goldenen Spitzen vom Schönen Brunnen schaue. Hab ich auch alles schon verewigt. Da lieg ich gerade drauf 🙂 Und die Schöne von Dürer guckt zu. Ein hypermodernes Hotelzimmer, wo man einige high-technische Zusammenhänge erst durchschauen muss, aber sonst große Klasse… pikant: die Holzplatte rechts von der Schönen ist eine Schiebetür, die den Blick auf die Badewanne freigibt, durch eine Scheibe kann man vom Bett ins Bad gucken…. wenn man möchte. Das Original von Dürers junger Venezianerin hängt im „Kunsthistorischen“ in Wien (wie der Wiener gerne abkürzt).“

29. Juni 2022

Immerhin schon mal Mitbringsel verpackt: ein Geburtstag, eine Hochzeit. Damit qualifiziere ich mich unwiderlegbar für den Nachhaltigkeitspreis in Sachen Verpackung. Geburtstagsgeschenk ist in (unbenutzter) großer Serviette, Hochzeitsgeschenk in sexy schwarzem Latex, vulgo Müllsack. Ich benutze keinen Tesafilm, sondern weiß die Sachen geschickt einzuschlagen und mache mit dem Geschenkband eine einfache Schleife, die alles zusammenhält, aber kein Aufschneiden und Gefummel erfordert, kann also auch wiederbenutzt werden. Ich habe einfach an alles gedacht! Der Müllsack ist natürlich jungfräulich und nicht aufgeschnitten, und kann für anfallenden Müll bei der Hochzeitsfeier genutzt werden. Bin zufrieden mit meinem Werk! Und nun werde ich mal langsam anfangen zu packen. Ich finde ein starkes Zeichen, wie uninteressant ich die diesjährige Bachelorette finde ist, dass ich die Sendung nicht mal zum Vorwand nutze, die Packerei weiteraufzuschieben. TV ist aus, ich hör Musik. Hab mich schon bei Tina entschuldigt. Die Bachie ist mir zu showgirl- und geschäftsmäßig, nicht feinstofflich genug, hab ich vorhin erläutert.

29. Juni 2022

Ich muss schon wieder packen, schon wieder keine Lust meine Siebensachen zusammenzusuchen. Mick Jagger wäre wegen dieser ständigen Packerei schon mal ein schwieriger Beruf für mich. Der heutige Stones Presale für die Waldbühne am 3. August hat nur noch Tickets von 500 – 850 Euro. Mal sehen, was sich morgen noch so bewegt. Es gibt schon auch Grenzen, was meine Investitionsbereitschaft angeht. Heute Mittag war ich leider nicht an meinem ideal konfigurierten Gerät, da gabs noch alle Varianten, aber ich wurde durch irgendeine Sicherheitseinstellung behindert. Es geht los bei 192 Euro, günstigere gibts in der vergleichsweisen kleinen Waldbühne nicht. Erfahrungsgemäß kommt nach einigen Tagen wieder Bewegung in die Ticketauswahl. Und wer hat es nicht schon selbst erlebt: vor Ort gibts dann Tickets, die andere überzählig haben. Also: ich gehe so oder so hin.

P.S. musste gerade lachen, obwohl es unanständig ist… im Stones Forum, wo die Konzerte, Örtlichkeiten und Ticket Sales der Sixty Tour diskutiert werden, warnt einer die anderen vor den vielen vielen vielen beschwerlichen Stufen in der Waldbühne und dass man ins Stolpern käme. Ist vielleicht doch ein Hinweis auf das höhere Alter des durchschnittlichen Stones Fans. Ich bin ja auch nicht mehr Zwanzig, aber lache gemein drüber. Ich muss mal in mich gehen… wahrscheinlich ein mittelschweres Petra Pan-Syndrom (dabei fällt mir fast täglich auf, dass ich bei der Treppe zum S-Bahnsteig Hackescher Markt früher grundsätzlich zwei Stufen auf einmal genommen habe. Wann hat das eigentlich aufgehört…)

27. Juni 2022

HOBBY II. HURRA. Schnipsel gratis Gay-Magazin und Tombola-Losnummer aus dem Schmutzigen Hobby, Kleber, Acryl, Schaumweinmanschette, Fragmente Horoskop Dez.-Vogue, Leinwand 30 x 40, 18. Jan. 2020, Staatl. Museen v. Gaganien

Wer sich nun fragt, was mich dazu treibt, aus einem gratis Gay-Magazin Bilder und Reklamebotschaften auszuschneiden und zu verarbeiten, dem kann ich antworten: weil mir die Bilder und Botschaften gefallen! Dazu muss ich kein schwuler Mann sein. Mich spricht eine bestimmte, gekonnte körperbetonte Ästhetik immer an, und die ist bei so einem Gay-Magazin ganz, ganz weit vorne. In der Hörzu oder im Spiegel fände ich nicht so ansprechendes Bildmaterial. Also wie dieser Mann da vor der Sonne steht. Ganz wundervoll. Da die Gedanken frei sind, kann ich ihm beliebige Interessen zuphantasieren. Wer nun noch wissen möchte, wie ich zu dem Magazin gekommen bin: es lag stapelweise gratis im Toilettenbereich vom Schmutzigen Hobby, dem Club, wo ich im November und Dezember 2019 immer fleißig mit Lydia zu den Viewing Parties zur TV-Show „Queen of Drags“ gepilgert bin. Ich hatte schon mal ein Werk gefertigt, wo ich ein ausgeschnittenes Foto aus dem Heft und Tombola-Lose verarbeitet hatte. Mit viel Pink und Orange. Hier. Titel: „Schmutziges Hobby“.

26. Juni 2022

GOTT V.. Abgetrennte Hutkrempe von blind in den Einkaufswagen gelegten (weil kein Spiegel vorhanden), unkleidsamen gestreiftem Aldi-Sonnenhut zu 4,99 €, Fragment Ausdruck Möbelstoffmuster Terence Ikat Peacock v. Schumacher, Spiegelscherben von Volkers glammy Tablett aus Liebenburg; Lower Saxonia, Acryl, Acrylstifte, Kleber, 3D-Leinwand 60 x 60 cm, 19., 20., 21., 22. und 23. Juni 2022, Staatliche Museen von Gaganien, Sammlung Fasanenstraße

25. Juni 2022

Zu später Stunde etwas Lokalkolorit für meine auswärtige Leserschaft. Gerade auf dem Weg zur U-Bahnhaltestelle Hermannstr., in eben jener, flanieren zwei junge, in eine philosophische Unterhaltung vertiefte Herren an mir vorbei, ich vermute eingeborene Neuköllner, ich höre den vielleicht wichtigsten Satz der gesamten Unterhaltung: „EY FUCK IT – es ist nicht alles nur Scheiße!“

24. Juni 2022

Annabelle, ach Annabelle…
du bist die Schönste
…im Balkon-Gestell…!

Kenner werden sie kennen. Annabelle ist natürlich meine bei mir sehr beliebte Schneeballhortensie, welche eben so heißt. Ältere Semester denken bei Annabelle aber auch ganz schnell an Reinhard Meys Annabelle. Als Kind hab ich das Lied öfter gehört, es lief im Radio! Ich erinnerte nur die Zeile „Du bist so herrlich intellektuell“. Beim Recherchieren nach dem vollständigen Text des Liedes klappte mir ganz unintellektuell die Kinnlade runter, weil das ist ja ganz, ganz, ganz viel Text! Und schmissig formuliert.

Reinhard Mey war schon auch immer ein bißchen frech. Heute wäre da ganz Vieles noch diskussionswürdiger als damals, schätze ich mal. Zum Beispiel die letzte Zeile: „Und zum Zeichen deiner Emanzipation beginnt bei dir der Bartwuchs schon“. Äh. Ja. Ich kann da drüber ehrlich gesagt trotzdem lachen. Meine Lieblingsstelle ist: „Annabelle, erhör‘ mein Fleh’n, lass uns zu einem Diskussionsabend geh’n!“ Je länger ich den Text sacken lasse, umso aktueller kommt er mir vor. Ist jetzt aber nur meine ganz persönliche, eventuell leicht hedonistisch geprägte Privatmeinung. Ansonsten widme ich den heutigen Eintrag natürlich Annabelle, aber auch Lydia, die der Meinung war, ich könnte meinen Nordbalkon mehr featuren. Et voilà: Balkon-Gestell!

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich unkonventionell
Du bist so wunderbar negativ
Und so erfrischend destruktiv
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Ich bitte dich, komm sei so gut
Mach meine heile Welt kaputt!

Früher war ich ahnungslos wie ein Huhn
Doch sie erweitert mein Bewusstsein nun
Und diese Bewusstseinserweiterung
Ist für mich die schönste Erheiterung
Seit ich auf ihrem Bettvorleger schlief
Da bin ich ungeheuer progressiv
Ich übe den Fortschritt und das nicht faul
Nehme zwei Schritt auf einmal und fall‘ aufs Maul

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich unkonventionell
Du bist so wunderbar negativ
Und so erfrischend destruktiv
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Ich bitte dich, komm sei so gut
Mach meine heile Welt kaputt!

Früher hab‘ ich oft ein eigenes Auto benutzt
Hab‘ mir zweimal täglich die Zähne geputzt
Hatte zwei bis drei Hosen und ein paar Mark in bar
Ich erröte, wenn ich denk‘ was für ein Spießer ich war
Seit ich Annabelle hab‘, sind die Schuhe unbesohlt
Meine Kleidung hab‘ ich nicht mehr von der Reinigung abgeholt
Und seit jenem Tag gehör‘ ich nicht mehr zur Norm
Denn ich trage jetzt die Nonkonformisten-Uniform

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich unkonventionell
Du bist so wunderbar negativ
Und so erfrischend destruktiv
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Ich bitte dich, komm sei so gut
Mach meine heile Welt kaputt!

Früher, als ich noch ein Spießer war
Ging ich gern ins Kino, in Konzerte sogar
Doch mit diesem passiv-kulinarischen Genuss
Machte Annabelle kurzentschlossen Schluss
Wenn wir heut‘ ausgehn‘, dann geschieht das allein
Um gesellschaftspolitisch auf dem Laufenden zu sein
Heut‘ bitt‘ ich: „Annabelle, erhör‘ mein Fleh’n
Lass uns zu einem Diskussionsabend geh’n!
„

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich unkonventionell
Du bist so wunderbar negativ
Und so erfrischend destruktiv
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Ich bitte dich, komm sei so gut
Mach meine heile Welt kaputt!

Früher hab‘ ich manchen Tag und manche Nacht
Auf dem Fußballplatz und in der Kneipe zugebracht
Mit Freunden geplaudert, meine Zeit verdöst
Doch dann hat Annabelle mich von dem Übel erlöst
Heut‘ sitz‘ ich vor ihr und hör‘ mit offenem Mund
Wenn sie für mich doziert, Theorien aufstellt und
Ich wünsche, diese Stunden würden nie vergeh’n
Ich könnt‘ ihr tagelang zuhör’n, ohne ein Wort zu versteh’n

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich unkonventionell
Du bist so wunderbar negativ
Und so erfrischend destruktiv
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Ich bitte dich, komm sei so gut
Mach meine heile Welt kaputt!

Früher dachte ich korruptes Spießerschwein
Wer was schaffen will, der müsste fröhlich sein
Doch jetzt weiß ich, im Gegenteil
Im Pessimismus liegt das Heil!
Früher hab‘ ich nämlich gerne mal gelacht
Doch auch hier hat sie mich weitergebracht
Heut‘ weiß ich, die Lacherei war reaktionär
Infolgedessen denk‘ ich nach und schreite ernst einher

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Zerstör‘ mir meine rosa Brille
Und meine Gartenzwergidylle!
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Ich bitte dich, komm sei so gut
Mach‘ meine heile Welt kaputt!

Früher saß ich gerne tagelang
Vorm Fernsehapparat und aß und trank
Und war ein zufriedener Konsument
Doch im höchsten Grade dekadent
Dann hat Annabelle mich vor nicht langer Zeit
Vom Konsumterror befreit
Nur noch geist’ge Werte sind’s, die ich begehr‘
Und von nun an bleibt der Kühlschrank leer!

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich unkonventionell
Du bist so wunderbar negativ
Und so erfrischend destruktiv
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Ich bitte dich, komm sei so gut
Mach meine heile Welt kaputt!

Früher war ich, wie das alles zeigt
Einem billigen Vergnügen niemals abgeneigt
Doch ab heute wird nicht mehr genossen
Dafür diskutier’n wir beide unverdrossen
Wenn ich zu Ihren Füßen lieg‘
Dann üb‘ ich an mir selbst Kritik
Und zum Zeichen ihrer Sympathie
Nennt sie mich „Süßer Auswuchs kranker Bourgeoisie“

Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich unkonventionell
Du bist so herrlich emanzipiert
Und hast mich wie ein Meerschweinchen dressiert
Annabelle, ach Annabelle
Du bist so herrlich intellektuell
Und zum Zeichen deiner Emanzipation
Beginnt bei dir der Bartwuchs schon

Reinhard Mey, 1972

22. Juni 2022

Rechtschaffen müde, aber nicht vom Bachelorette-Gucken. Gerade Tina, die nachfragte, folgende Mitteilung geschickt:

„War bis jetzt in meiner Werkstatt, da ist es kühler und ich wollte an einem Bild arbeiten… die Bachie hat mich nicht angezogen…. wollte erst pünktlich zum Gucken heim, dann war das Herummalen schöner, dachte, wegen so einer trashigen Tante lass ich mein Bild nicht liegen, wo ich gerade im Flow war…. hab dort kein Internet, sonst hätt ich dir Bescheid gegeben… dachte mir, du weißt dich eh auch zu beschäftigen, ist ja nicht unser Lebensinhalt…“

20. Juni 2022

TANZ DER WIDDER. Malificent. Spiegelscherben von ausrangiertem, barocken glammy Volker-Spiegeltablett aus Liebenburg, Umschlaghochglanzkarton, Schattenfugenrahmen, Kleber, 15 x 25 cm, 11. Juni 2022, Staatliche Museen v. Gaganien

19. Juni 2022

NIKE MAGISTA. Nike x Olivier Rousteing Collection Air Footscape Magista QS15 v. 2015, Goldacryl, Gaganisches Blattgold, 15. Juni 2022, 10 x 31 cm, Königliche Turnschuhsammlung von Gaganien.

Ich hatte in der letzten Woche quasi die Ehre mit dem Chefdesigner des Hauses Balmain, Olivier Rousteing und Nike für dieses besondere Paar von Schuhen zu kooperieren. Olivier zeichnet für die Silhouette und die textilen Partien mit dem schönen eingewebten Muster verantwortlich, Nike hat die technische Umsetzung und Herstellung ermöglicht, meine Aufgabe war das Finish mit Blattgold im oberen Bereich des Modells.

Leider wissen bislang weder Olivier Rousteing noch Nike von der Existenz dieses High End-Exclusiv-Modells, das es sage und schreibe nur einmal gibt! Nämlich in Gaganien! Für die normalsterblichen Käufer und Turnschuhsammler wurde 2015 ein ähnliches Modell auf den Markt gebracht, hier zu sehen.

Ich hatte es neulich bei Ebay entdeckt, als ich für meine Turnschuh-Story mit dem schwarzweißen Modell recherchierte, das sich Mick Jagger und ich 2015 gleichzeitig gekauft hatten. Bei unserem Chat zur neuen Bachelorette-Staffel habe ich Tina erläutert, wieso ich nicht so viel wie sonst dabei chatten konnte, ich copypaste die entsprechenden Absätze:

„(…) Ich guck jetzt mal in Ruhe und melde mich im Extremfall Ich vergolde gerade nebenher Nikes mit Blattgold. (…) war mit meiner Anlegemilch beschäftigt. Ich finde „Anlegemilch“ klingt immer ein bißchen nach Stillen, oder? (so heißt das Medium, das man unter dem Blattgold aufträgt) Trocknet gerade noch durch, dann die Blattgoldblätter. Sieht auch aus wie Muttermilch! Riecht aber wohl anders, Muttermilch ist angeblich recht süßlich, die Anlegemilch riecht ein bißchen wie Knoblauch. (…) ich hab mir so seltene „Sneaker“, also Turnschuhe, bei ebay geschossen, die so ein faszinierendes Gold-auf-Schwarz-Gewebe haben, passen auch super, aber das Design hat von der Silhouette her Mängel, die ich erst beim Anziehen realisierte, will sie aber nicht nach England zurückschicken, jetzt gleiche ich die schwarzen Partien mit echtem Blattgold aus, damit die Silhouette nicht mehr wie komische Pantoffeln aussieht. Musste den Stoff aber erst mit Acryl grundieren, damit die Anlegemilch nicht komplett aufgesogen wird. Complicated! Aber bald ist das Werk vollendet. So ne Schuhe hat dann natürlich keiner, es gibt ja so bekloppte Sneaker-Sammler, denen fallen die Augen raus, wenn sie die Schuhe sehen… hihi“

19. Juni 2022

DEDICATED TO GLAM. transformiertes Spiegeltablett aus Liebenburg, in memoriam Frühstückstablett „Post“@Liebenburg, Goldacryl, Spiegelscherben, Schaumweinmanschette „Mousseux Rosé“ v. Weingut Carl Jung, Kleber, schwarze Papprückwand 24 x 36 cm, 07., 08. und 11. Juni 2022, Staatliche Museen v. Gaganien

Vor zwei Wochen zu Pfingsten saß ich bei Volker-Glam in seiner Küche in Liebenburg und wir sprachen über die von ihm geplante Bewirtung der Gäste und er präsentierte mir seine Servierplatten und Tabletts, darunter ein angeschlagenes Exemplar mit Spiegelplatte, welches er auf keinen Fall benutzen würde, da mit Sprung in der Ecke. Er hatte noch ein zweites, heiles, und legte mir das angeknackste vor die Nase mit der Ansage: „Das kannst du weiterverarbeiten!“

Er hatte also aufmerksam meine Zutaten einiger Werke zur Kenntnis genommen, immer wieder tauchen Scherben von Spiegeln auf. Dem Auftrag Folge leistend, habe ich das kleine Tablett mit rüber in die Post genommen, mir zunächst Erdbeeren und Kaffee zum Frühstück darauf serviert, dabei geschickt den Sprung mit den Erdbeeren bedeckt, und es hernach in meine Reisetasche gesteckt. Da ich ja „verabeiten“ sollte, konnte ich es nicht einfach so belassen.

Ich schraubte die Rückwandpappe ab, nahm den gebrochenen Spiegel raus und haute mit dem Hammer drauf. Nur zwei Teile zum Weiterverarbeiten wäre mir entschieden zu wenig gewesen. Dann nahm ich die Säge und sägte einen der beiden Griffe ab. Schnell Acrylgold drüber, um das abgesägte Elend zu überdecken, dann weiter Goldacryl auf die von Hause aus schwarze Rückwandpappe gekleckert, die Farbflasche war sowieso gerade auf. Unter den Splittern waren ein paar passende Exemplare, um ein paar aparte Akzente zu setzen und die Bestandteile wieder zusammenzuführen.

In das Griffloch des nicht abgesägten Griffs klebte ich ein Stück vom Wappen der von Glam bevorzugten Schaumweinsorte vom Weingut Carl Jung, das sich auf alkoholfreie Weine und Schaumweine spezialisiert hat. Auf den Kopf gestellt zufällig ein barockes L, wie der Familienname des Gutsherrn von Liebenburg. Also L wie Ludewig aber auch wie Liebenburg. It’s a match! Fertig war das Prunkstück, Auftrag ausgeführt! Die übrigen Spiegelsplitter hab ich zum Teil auch schon weiterverarbeitet, kommt alles noch.

19. Juni 2022

CAFÉ CENTRAL. Pouring XV., Siliconöl, Goldacryl, Lackmarker, Pouring Medium, Leinwand, Schattenfuge, Blattgold, 33 x 33 cm, 05., 06., 08. September 2019, Staatliche Museen von Gaganien.

An diesem heißen Juni-Sonntag lade ich zu einem Eiskaffee oder wahlweise zu einer Eisschokolade ins Café Central. Natürlich das Original in Wien! Vor acht Jahren habe ich ein paar Fotos gemacht und einen ausgiebigen Eintrag über das Café Central in Wien geschrieben. So eine Betitelung eines Bildes ist eine intuitive Angelegenheit. Man spürt, wie es heißt und welcher Name passt. Das Gold und die sahnigen Eiskaffeeperlen haben mich ans Café Central erinnnert. Nicht ans Griensteidl und nicht ans Hawelka,, auch nicht ans Schwarzenberg oder ans Jelinek, ausschließlich ans Café Central im Palais Ferstel. Daher! Ich wünsche einen angenehm temperierten Platz und ein schönes laues Lüftchen.

18. Juni 2022

Letzte Minuten in Goslar: vorbei an der Klubgartenstraße 12, Fachwerkvilla mit grüner Hecke und Vorgarten, drinnen die Beratungsstelle des Landkreises Goslar für Eltern, Kinder und Jugendliche. Noch ein Blick auf die orangeblaue, ca. drei Meter breite Wandbemalung von 2022 am Eingang einer Unterführung, vermutlich ein Durchgang unterirdisch unter den Bahngleisen hindurch.

Wer sich fragt, wieso ich in der guten Stunde nicht die einmalige Gelegenheit ergriffen habe, mir ein bißchen mehr von der Goslarer Weltkulturerbe-Altstadt anzuschauen: ich hatte ja die ganze Zeit bei meinem kleinen Rundgang um den Bahnhofsvorplatz meine schwere große und eine kleinere Reisetasche dabei, daher konnte ich keine größeren Sprünge machen. Ich hatte ein Supersparticket, das nur für einen bestimmten Zug zu einer bestimmten Uhrzeit gültig war, wenn ich erst ausgekundschaftet hätte, wo ich ein Schließfach für mein Gepäck finde, um dann in die Altstadt zu spazieren, hätte das wahrscheinlich alleine schon genauso lang gedauert wie meine wissenschaftliche Erkundung der Klubgartenstraße und der Zug wäre ohne mich abgefahren.

Ich empfinde aber wohl auch deshalb kein niemals nicht wiedergutzumachendes Versäumnis, weil ich ab frühester Jugend schon so manches legendäre Fachwerk-Altstädtchen sehen durfte, als da wären Bamberg, Dinkelsbühl, Rothenburg und viele, viele, viele Male die Altstadt von Nürnberg. Übrigens hat die Spandauer Altstadt, besonders der Teil Kolk auch Fachwerkgässchen. Der Potsdamer Cecilienhof ist gar ein Fachwerkschloss. Der Bühnenturm des Theater des Westens ist in Fachwerkkonstruktion im oberen Bereich gebaut. In Pankow gibt es die Majakowski-Villa, reinstes Fachwerk, dann das kuriose Fachwerk-Überbleibsel-Haus vom Restaurant Paris-Moskau zwischen Bellevue und Hauptbahnhof. In Schöneberg gibt es ein Seniorenheim für Demenzpatienten in einer Fachwerkvilla.

Überhaupt lustig: wenn man googelt „Fachwerkhaus Berlin“: annähernd Null Suchergebnisse, googelt man hingegen „Fachwerkvilla Berlin“: schöne Ergebnisse. Auch mit Kaufangeboten, z. B. in Nikolassee. Und: ich hatte mal eine Fernbeziehung, einen Lover, der in Süddeutschland auch in einem puppigen Fachwerkhaus lebte. So viel zu meiner persönlichen Fachwerkbiographie. Last but not least wohnt Herr Ludewig in Liebenburg auf einem Anwesen, das man als Fachwerkensemble bezeichnen muss. Und da war ich ja auch drin. Und natürlich die POST! Ich kenne Fachwerk also von innen und außen.

Zwanzig Minuten vor Abfahrt ging ich zum Bahnhof, ins Gebäude hinein, wo ich mir im Deutsche Bahn-Shop einen Kaffee holte. Eigentlich war auch Bockwurst im Reiseshop im Angebot, die war aber gerade alle. Sehr nette Verkäuferin. Ich bestätige, dass in dieser Region kein auffälliger Dialekt gesprochen wird, wir sind ja nicht weit von Braunschweig, von dem man sagt, dass dort das beste Hochdeutsch zu hören ist. Alles was mir so vom Volke zu Ohren kam, war einwandfrei zu verstehen und hätte im deutschen Fernsehen ohne Untertitel gesendet werden können.

Nächste Etappe: Bahnsteig 2, Zug Richtung Braunschweig. Auf die Bank gesetzt, Maiswaffeln, Apfel und Bifi von meinem kleinen Reiseproviant aufgegessen und in Martensteins „Die neuen Leiden des alten M.“ geschmökert, bis der Zug einfuhr. Im Zug von Goslar nach Braunschweig hatte ich einen angenehmen Fensterplatz und machte ein paar Bilder durchs Fenster.

Dort angekommen, wechselte ich zu meinem ICE nach Berlin, beim Runtergehen auf der Treppe zum anderen Bahnsteig fiel mir wieder das gelbschwarze Aida-Plakat vom Staatstheater Braunschweig ins Auge, wie schon bei der Hinfahrt, und ich überlegte, davor ein Selfie zu machen, was aber hauptsächlich den Grund hatte, dass Volker zum Staatstheater Braunschweig gehört. Ich war dann aber ein bißchen müde und nicht in Stimmung, mich da so auffällig davor zu stellen und zu fotografieren. Da guckt ja jeder direkt drauf, der die Treppe runtergeht. Also kein Aida-Plakat-Selfie. Volker kennt es allerhöchstwahrscheinlich auswendig.

Meine letzte Etappe war die Fahrt mit dem ICE von Braunschweig nach Berlin, die ich komplett im Speisewagen verbrachte, allerdings ohne Speisen, nur mit einem, wie bereits erwähnt, nicht sehr schmackhaften, alkoholfreien Bitburger Pils, dem Martenstein und Blicken aus dem Fenster. Viel blühender Raps. Eigentlich war die wirklich letzte Reiseetappe ja die Fahrt mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof bis zum Hackeschen Markt, aber das fände ich jetzt doch etwas sehr prätentiös von einer Reiseetappe zu sprechen. Dann müsste man ja auch noch die Wanderung mit dem Gepäck vom S-Bahnhof die Rosenthaler Straße entlang, in die Gipsstraße bis zur August- Ecke Joachimstraße berücksichtigen. Also ich war am Pfingstmontagabend wieder daheim in Berlin. Eine gute Reise.

17. Juni 2022

Noch einmal Goslar, Bismarckstr. 1/Ecke Tappenstraße, auch in Bahnhofsnähe. Fiel mir auf – wie auch nicht. Ein Prachtgebäude, das zu recherchieren unfassbar langwierig war, weil es nicht auf googlemaps namentlich benannt wird. Der wunderschöne alte Kasten steht seit sieben Jahren leer. Dereinst war er legendär, nämlich das in Goslar berühmte Odeon-Theater. 1893 eröffnet als Bahnhofshotel „Schützenhof“, hinzu kam 1899 „Röttgers Kaisersaal“ mit Tanzveranstaltungen und ab 1922 Filmvorführungen, 1949 Umbau und festliche Eröffnung als Filmtheater Odeon, später auch Theaterbühne und Konzertsaal. Der Veranstaltungsbetrieb wurde aufgrund zunehmender baulicher und technischer Defekte 2015 eingestellt. Was für ein großer Verlust! Das gestern von mir präsentierte Hotel „Niedersächsischer Hof“ erwähnt auf seiner Seite zur Historie mit Stolz, dass insbesondere Künstlerinnen und Künstler, die Gastspiele im Odeon-Theater gaben, bevorzugt im gegenüber liegenden Niedersächsischen Hof logierten. Vor meinem inneren Auge entsteht ein kultureller, abendlicher Mittelpunkt der eleganten Gesellschaft, der dem Bahnhofsviertel besonderes Leben, Flair und Glanz verlieh. Muss man das Ende dieser Ära nicht bedauern?

Wikipedia weiß: „Am 22. Dezember 2015 wurde durch den Rat der Stadt aufgrund des nicht darstellbaren Finanzierungskonzeptes die endgültige Einstellung des Spielbetriebs beschlossen.“ Was hat man denn unter einem „nicht darstellbaren Finanzierungskonzept“ zu verstehen? Man fasst sich an den Kopf. Vielleicht geht in Goslar der ganze Denkmalschutz-Etat für die Instandhaltung der über 1500 Fachwerkhäuser drauf, die zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Meine weiteren Recherchen haben ergeben, dass das Gebäude von einem Investor gekauft wurde, dessen Pläne sind, dort Mietwohnungen einzubauen. Eine erste Adresse. So eine Wohnung sei jedem gegönnt, aber wenn man alte Fotos von dem Filmtheatersaal sieht, blutet einem schon das Herz, dass man dort keinen schönen Film-, Theater- oder Konzertabend mehr verbringen kann. Die bestehenden Goslarer Theater scheinen allesamt in profaneren Bauwerken untergebracht zu sein. Merkwürdige Politik. Im Forum „Goslarer Geschichten“ werden Erinnerungen und Geschichten und historische Daten von Goslarern zusammengetragen, die ein gutes Bild der Geschichte des Odeon-Theaters ergeben. Ich habe mich besonders in die kleine Feuertreppe, links vom 1100-Jahre-Goslar-Plakat verliebt.

16. Juni 2022

„Hotel Niedersächsischer Hof – Haus Pieper“, Klubgartenstraße 1 – 2, in Goslar am Bahnhof. Eröffnet an 17. April 1930, schönster Dampferstil. Interieur leider stilistisch überhaupt nicht beibehalten. Der Architekt Heinrich Ehelolf (1859-1940) wird auf der Seite des Hotels zur Geschichte des Hauses unerklärlicherweise nicht erwähnt. Der Geschichtsverein Goslar bezeichnet Ehelolf als wichtigsten Architekten der Stadt seiner Zeit und schreibt: „1930 zog Ehelolf sich aus dem Berufsleben zurück. Er kam damit der Ablehnung seiner individualistischen, „nicht-völkischen“ Architektur durch die Nationalsozialisten zuvor.“ Somit sein letztes Werk. Die Silhouette und das Relief der Schrift löst etwas in mir aus wie Fünfziger Jahre-Sonntag-Nachmittagsfilme mit Bernhard Wicki und Liselotte Pulver. Er gefällt mir, dieser unübersehbare, gemauerte Dampfer, den Hotelier Pieper in Auftrag gab. Nicht sein erstes Hotel, er hatte bereits das Hotel Achtermann, ebenso in der Nähe.

16. Juni 2022

Nach mehrwöchiger Pause unseres kleinen TV-Chats, begrüßen Tina und ich die neue Bachelorette und ihre männlichen Bewerber und werden sie mit gut gekühlten Getränken durch den Sommer begleiten. Gestern Abend, am Mittwoch, 15. Juni 2022, 20:15 Uhr gings los.

Tina
Ich habs eingeschaltet.

Gaga
Ich auch

Tina
Hu, du blinkst gar nicht aktiv.

Gaga
Rechner hat gerade Updates gemacht, aber ich hab den TV von Beginn an an. Lasse das Party-Gogo-Girl, das mal richtig „Bums in die Hütte bringen will“ auf mich wirken. Sympathiefaktor bislang eher nicht sehr hoch…. na ja, mal schauen. Hat so einen triumphierenden Zug mitunter, der mir unheimlich ist. Aber keine vorschnellen Urteile! Ich guck jetzt mal in Ruhe und melde mich im Extremfall Ich vergolde gerade nebenher Nikes mit Blattgold.

Tina
Was hatte sie am Anfang für ein Aua, weswegen sie abgemagert ist und alles? Na ja, wie dem auch sei. Sie sieht jedenfalls aus wie ein Topmodel. Eine leicht normalere Frau würde sich auch mal gut machen.

Gaga
Ich finde, sie ist bisher das ausgeprägteste „Show Girl“, schon von Berufs wegen… „Schauspielerin“, geübtes Anknipsen von Strahle-Lächeln für die Kamera. Sie hat kreisrunden Haarausfall und trägt Perücken, hat sich die Haare abrasiert. Bisher sahen 80 Prozent der Kandidaten aus wie die Herren, die ich bei tinder weggewischt habe. Äußerlich viel Bushido, er gerade speziell…

Tina
Ach, da waren auch genug Blondies.

Gaga
Frage mich, ob die Kandidaten doch beim Casting befragt werden, auf welchen Frauentyp sie vorwiegend stehen.

Tina
Sind schon objektiv schöne Männer. Auch so mancher Blondie.

Gaga
Es gab schon in jedem Cast ein, zwei mit türkischem oder arabischen Background, hier sind es aber doch mehr als früher, meine ich. Wobei die ja auch Deutschland mitrepräsentieren, schon klar. Inzwischen sind bei Werbeshootings people of color höher dotiert von der Gage als hellhäutige, weil es der Trend ist, aktuell.

Tina
Können ja am Ende mal durchzählen.

Gaga
Ist mir eigentlich auch schnuppe, fiel mir nur auf. Sobald ich einen sehe, der mein Typ ist, guck ich vorwiegend auf den.

Tina
Aber Migrationshintergrund läuft auch in der Literaturszene schon seit Jahren gut oder gar besser. Hatte gerade so einen Zeit Podcast mit Olga Grasnovja gehört.

Gaga
Ja, ist eine Mode und Vermarktungsaspekt, wird sich langfristig wieder ausgleichen. Jetzt sind die eben mal dran, hoffe bald ist es mal schnurz.

Tina
Schade, dass Behinderte und Rentner keine Rolle spielen. Nein, das war jetzt mal zynisch.

Gaga
Dir stünde ein osteuropäischerer Name auch gut zu Gesicht! Tina ist ja schon ok, nur der Nachname muss noch nachjustiert werden. Schuberova, Schublinsky…

Tina
„Ist wieder keiner aus dem Osten“ sagt meine Mutter. Ja, der Osten ist auch immer unterrepräsentiert, das stimmt schon.

Gaga
Woher will sie wissen, dass keiner aus dem Osten dabei ist? Abwarten und analysieren!

Tina
Steht doch immer die Stadt dazu.

Gaga
Ach so… hab nicht drauf geachtet…. war mit meiner Anlegemilch beschäftigt. Ich finde „Anlegemilch“ klingt immer ein bißchen nach Stillen, oder? (so heißt das Medium, das man unter dem Blattgold aufträgt) Trocknet gerade noch durch, dann die Blattgoldblätter. Daher konnte ich gerade chatten!

Tina
Ah. ja. Und klingt absolut so.

Gaga
Sieht auch aus wie Muttermilch! Riecht aber wohl anders, Muttermilch ist angeblich recht süßlich, die Anlegemilch riecht ein bißchen wie Knoblauch.

Tina
Ich wünsche mir, dass du dir einen lustigen Cocktail ausdenkst und ihn dann genau so nennst.

Gaga
ich hab mir so seltene „Sneaker“, also Turnschuhe, bei ebay geschossen, die so ein faszinierendes Gold-auf-Schwarz-Gewebe haben, passen auch super, aber das Design hat von der Silhouette her Mängel, die ich erst beim Anziehen realisierte, will sie aber nicht nach England zurückschicken, jetzt gleiche ich die schwarzen Partien mit echtem Blattgold aus, damit die Silhouette nicht mehr wie komische Pantoffeln aussieht. Musste den Stoff aber erst mit Acryl grundieren, damit die Anlegemilch nicht komplett aufgesogen wird. Complicated! Aber bald ist das Werk vollendet. So ne Schuhe hat dann natürlich keiner, es gibt ja so bekloppte Sneaker-Sammler, denen fallen die Augen raus, wenn sie die Schuhe sehen… hihi

Tina
Ah, hi hi hi

Gaga
Aber jetzt Bachie gucken!

Tina
Ja.

Gaga
Also die Kandidatin ist schon sehr von sich erotisiert, was der Sache natürlich zuträglich ist….

Tina
Manche haben auch wieder entfernte Ähnlichkeit mit Timo. Heul.

Gaga
(welcher speziell?) https://www.rtl.de/cms/bachelorette-2022-alle-kandidaten-diese-maenner-kaempfen-um-sharon-battiste-4975952.html

Tina
Keiner speziell. Einige mal ein bisschen. Augen. Seitenwinkel usw.

Gaga
Ah ja. Bessere Übersicht:
https://www.rtl.de/cms/sendungen/show/die-bachelorette/kandidaten.html Für mich ist leider kein Schnuffi dabei. Ich finde ihre Körpersprache, besonders das Gestikulieren, etwas geschäftsmäßig, modisch-aufgesetzt.

Tina
Nun ja, ist vielleicht ein neuer Akzent der Produzenten. Der letzte Bachelor war auch schon so ein Vollprofi.

Gaga
Ich guck jetzt mal, was die Twitterer über die neue Bachie schreiben und dann leg ich das Gold auf! Wenn ich was Amüsantes auf Twitter oder so finde, schick ich dirs!

Tina
Ja, ich freue mich schon. Auch über den eventuellen Blogging-Eintrag.

Gaga
Lustig bei den Twitter-Beiträgen: die reiten total auf den komisch hochgekrempelten Hochwasserhosen der Kandidaten rum, fiel mir tw. auch auf, habs aber nicht erwähnt…
https://twitter.com/hashtag/bachelorette?lang=de Gruß an deine Mutter, Danny Liedtke ist aus Sachsen-Anhalt:
https://twitter.com/champagnetoney/status/1537161267105959938 Also die Twitter-Leute sind schon lustig:
https://twitter.com/Glycosid/status/1537145963877384192
Guts Nächtle!

Tina
Ja, Schlaf du auch gut

Gaga
<3

15. Juni 2022

Klubgartenstraße 5 in Goslar, direkt am Bahnhof. Die Villa fiel mir als erstes auf, bei meinem kleinen Rundgang um den Bahnhofsplatz. Die beiden Taxifahrer strafften sich etwas, als sie sahen, dass ich meine Kamera herausholte. In dieser beschaulichen Villa möchte man gerne auf ein Tässchen Kaffee oder Tee geladen sein. Eventuell machbar, wenn man einen Termin mit der dort ansässigen Goslarer Wirtschaftsförderung vereinbart.

Pippi Langstrumpf könnte die Villa auch gefallen, so wie mir! In einer bestimmten Richtung kann man bewaldete Hügel sehen, wir sind im berühmten Harz. Genau genommen, im West-Harz. Dass ich überhaupt über Goslar gefahren bin, war der wiederholten Anmerkung von Volker geschuldet, dass Liebenburg in der Nähe von Goslar sei. Also war das für mich die anzupeilende Reiseroute.

Als wir zu Besuch bei Mutter Ludewig waren, wo ich eine ausgezeichnete Bulette aß, und sie mich nach meiner Anreise befragte, und ich von der halbstündigen Busfahrt berichtete, erfuhr ich, dass Salzgitter-Bad näher gewesen wäre, da gibt es auch einen Bahnhof, und der ruckelige Bus fährt von dort nur eine Viertelstunde nach Liebenburg. Aber ich war mal in Goslar, wenn auch nur am Bahnhof.

Ich weiß, dass es Weltkulturerbe ist, vor allem wegen der unversehrten Altstadt mit viel Fachwerk. Rund um den Bahnhofsplatz ist kaum Fachwerk, das hatte ich aber ja schon in Liebenburg und bei der Busfahrt ausgiebig gesehen. Volker dachte, Goslar hat man eher schon mal gehört als Salzgitter. Aber mir waren beide Ortsnamen gleich geläufig. Ich hatte ihn allerdings nicht gefragt, was die bequemste Anreise mit Zug und Bus wäre.

15. Juni 2022

Wir nehmen Abschied von Liebenburg und gehen noch einmal durch den Garten und winken der kleinen Windmühle zu und herzen den Gastgeber. Gesehen habe ich: die Poststraße mit der Bushaltestelle, die Pension zur Post und das Anwesen mit vielen Fachwerkhäuschen von Herrn Ludewig, auch von innen! Alte Freundinnen und Freunde des Hausherren durfte ich treffen und Speis und Trank genießen, dafür vielen herzlichen Dank! Nun hieß es wieder auf den Überlandbus warten, der sich Harz-Bus nennt und der ganz schöne Kurven fährt. Es geht auf und ab und um die Ecke und im Kreis und mir war ein bißchen schummrig dabei. Eine gute halbe Stunde dauert die Fahrt bis Goslar, von wo mein Zug nach Braunschweig fuhr. In Goslar hatte ich eine Stunde und zwanzig Minuten Wartezeit, die ich auf einer schattigen Bank draußen vor dem Bahnhof verbrachte. Es war ganz schön heiß geworden. Nach zwanzig Minuten hatte ich mich ein bißchen von der ruckeligen Busfahrt erholt und drehte zu Fuß eine Runde um den Bahnhofsplatz. Da habe ich ein paar schöne Bauwerke fotografiert. Der Bahnhofsplatz wird gerade umgebaut, ich habe keine Baustellenabsperrungen abgelichtet, wie die aussehen, kann sich jeder vorstellen. Aber drumherum ist es so schön historisch, wie man es sich als Reisende wünscht. Kommen auch noch Bilder. Ich finde es selbst amüsant, wie ich eine winzige Wochenendreise über Pfingsten zu einer Riesensache aufbausche. Das ist ein Trick. Ich halte Ausschau nach kleinen Sensationen, wo ich gehe und stehe, und da sind sie dann auch. In einem Fachwerkhaus in Liebenburg oder einer Villa in Bel Air. Man nimmt den pittoresken Blick und die Sehenswürdigkeiten immer mit, das ist in einem drin.

14. Juni 2022

„Grün, grün, grün sind alle meine (…) grün, grün, grün ist alles, was ich hab.“ Das Anwesen des Gutsherren, Volker Karl Freiherr Ludewig zu Liebenburg besticht durch seinen gepflegten Rasen, dichte, blühende Hecken und vielgestaltiges, praktisches als auch formschönes, gleichwohl modernes wie auch historisches Sitzmobiliar im Außenbereich des weitläufigen Parks. Sehr achtet der Gutsherr auf korrespondierende Details beim Interieur, auch in den Nebengelassen, wie einem kleinen Badezimmer in den Wirtschaftsräumen (für das sehr gut untergebrachte Gesinde). Es gibt seltene, historische Seifendosen zu bewundern, die auch noch in Benutzung sind. Der auf Reinlichkeit bedachte Freiherr sorgt persönlich dafür, dass die Lieblingsmarke der Damen, „Janine D.“ aus dem Hause 4711, stets vorrätig ist. Die weibliche Dienerschaft weiß es zu danken und umgarnt seine Herrschaft mit zartem Duft.

14. Juni 2022

RAPHAEL. Erzengel, W.T.F. Corona II., Leinen-Tuch, Grundierung, Zeitungsfragmente, Goldacryl, Spachtel, Karton, 43 x 63 cm, 14., 15., 16. März und 04. April 2020, Staatliche Museen von Gaganien

Der Erzengel Raphael ist der Schutzpatron der Kranken. In der christlichen Mythologie die heilende Hand Gottes. Als ich ihn im März 2020 durch dieses Bild wegen Corona anrief, hätte ich nicht gedacht, dass er so lange braucht. Ich schätze, er ist kein Berliner. Ich widme meine Raphael-Ikone Mick Jagger und meiner Mama und allen, die Gesundheit und Heilung erhoffen. Und dem Geburtstagskind Cosima. Ein Engel an der Seite ist immer schön.

13. Juni 2022

Gute Besserung, Mick! Ich trinke auf deine baldige Genesung. Wir wissen natürlich alle, dass Keith länger leben wird, weil er uns alle überleben wird, aber du musst bitte noch mithalten, zumal du ja sehr viel dafür tust. Keith hat erst vor drei Jahren mit dem Rauchen aufgehört und sieht richtig erholt aus. Wer hätte das 1971 gedacht! 1977 hast du Jerry erzählt, dass du angeblich manchmal Heroin rauchen würdest, aber wir beide wissen, dass du dich nur ein bißchen interessant machen wolltest, Rauchen war noch nie wirklich dein Ding. Von daher wird deine jungfräuliche Lunge das bißchen Covid wegstecken. Das erwarte ich einfach. Also: pfleg dich und dann geht’s weiter! Mel will doch weiter Insta-Fotos von deinen Spaziergängen machen. Wollen wir alle sehen! Gruß und Kuß! 💋

13. Juni 2022

Ich erkläre, wieso ich so unermüdlich Einträge über meine kleine Reise nach Liebenburg poste. Mir ist, als müsste ich dem Aufwand und der Hingabe des Gastgebers irgendwie gerecht werden. Ja, auch meinem eigenen Aufwand! Das kann ja nicht sein, dass man Wochen vorher plant und recherchiert und nach einer Unterkunft sucht und passenden Zugverbindungen und Pläne ausdruckt und Busverbindungen studiert und sich Gedanken über die Garderobe macht und dann kommt am Ende nur eine Fußnote raus, ein durchlaufender Posten in der timeline. Neben Erinnerungen, die im eigenen Kopf und Herz versteckt sind. Es muss etwas damit zu tun haben, dass Volker und ich einen beinah schon historischen Blogger-Hintergrund haben, wenn er auch eher Blogger im Ruhestand ist. Mir kommt es vor, als wären vor fünfzehn Jahren mit großer Hingabe Erlebnisaufsätze in Blogs verfasst worden, besonders wenn man sich untereinander traf. Nun war das zwar kein Bloggertreffen, aber ohne den Hintergrund wären wir uns kaum begegnet. Mir tut es leid um Fotos, die nur in einem Album herumliegen, ohne dass die Geschichten dazu erzählt werden, das ist mir immer noch ein Bedürfnis. Es bereichert mein Erlebnis. Vielleicht schreibe ich stellvertretend für all die Blogger, die früher bei Volkers Festen waren, die mir entgangen sind, da wir uns immer verfehlten, auch wenn man irgendwie voneinander wusste.

13. Juni 2022

Hallo, ich bin Nessi Ludewig! Ich wohne im Garten auf der Hollywoodschaukel und passe auf, dass die Pink- und Erdbeerquote eingehalten wird. Bitte immer pinke Blumen schenken und Erdbeeren bereithalten. Die Hollywoodschaukel ist der Thron vom derzeitigen Gutsherr zu Liebenburg, Herrn Ludewig.

13. Juni 2022

Intime Ausblicke! Der Fensterausguck mit Dächern und Grün ist, was ich rechts aus dem Fenster von der Post gesehen habe. Links davon ist das Fachwerkhaus mit den privaten Fenstern von Herrn Ludewig, er wohnt wirklich genau neben der Post, weswegen ich auch sehr froh war, dort ein Zimmerchen zu bekommen. Einmal bin ich müßig auf dem Doppelbett gelegen und habe ein bißchen gechillt und im Internet rumgeguckt und ein Schläfchen gemacht und nicht dauernd auf die Uhr geschaut, da höre ich in einem doch recht autoritären Tonfall durchs Fenster, wie man das so aus der Kindheit kennt: „ESSEN STEHT AUF DEM TISCH!“ Ich hatte mich mit Herrn Ludwig für 19:30 Uhr verabredet, also ich dachte, ich gehe dann mal rüber, und wir machen zusammen das Abendessen, da hatte er es schon ganz alleine gekocht und pünktlich auf den Tisch gebracht! Es war schon 19:35 Uhr als der Ruf kam. War mir etwas peinlich. Hab mich dann gesputet! Es gab Würstchengulasch und Kroketten, hab alles aufgegessen, hat mir gut geschmeckt! Mir hat ewig keiner was gekocht! Supernett!!!

12. Juni 2022

Wenn ich schon bei Anziehsachen bin, die Paillettenhose von Herrn Ludewig. Man fragt sich, warum die Hose so komisch hochgekrempelt ist. Auch ein Wermutstropfen für den Gastgeber, sicher hätte er lieber seine Leopardenslipper anstatt eines riesigen, orthopädischen Plastikstiefels damit kombiniert. Er hat sich den Vorderfuß beim Blumengießen gebrochen. Hände und Füße weg von Extremsportarten!

12. Juni 2022

Heute vor einer Woche begab es sich, dass ich postete: „Gruß aus der Post, habe die Küche geputzt und mache mich zurecht für die Party!“ Für die Leserinnern und Leser, die seither beschäftigt, wie ich mich zurecht gemacht habe, präsentiere ich nun Bildmaterial.

Ich hatte zum zweiten Mal ein cremeweißes Spitzenkleid an, bodenlang! Vor drei Jahren habe ich es mir zum Geburtstag gekauft. Leider sieht man auf den Bildern von letzter Woche nur das Oberteil, da es in der Post keinen großen Spiegel gab. Hier auf den alten Fotos sieht man es ganz.

Dazu habe ich meine uralten, und ebenfalls nur circa zwei- bis dreimal getragenen rosa Wildleder-Zehensandalen von Ralph Lauren angehabt, aufgepeppt mit einem weißen Spitzenschleifchen. Diesmal hab ich mir ein Stirnband angezogen, leider sieht man auf den Fotos nicht, dass die Lederstreifen auf einer Seite silbern glitzern. Ich dachte mir, das wäre ein angemessenes Outfit für ein Gartenfest. Im Etikett vom Kleid steht „Hallhuber Donna“. Gabs auch in Schwarz, in Cremeweiß hat es mir aber besser gestanden.

Als ich zur Gartenparty tapste, hatte ich schnell noch ein Gänseblümchen als Mitbringsel für das Geburtstagskind gepflückt. Kam gut an! Ein Geschenk sollte von Herzen kommen und nicht nach dem Geldbeutel bemessen sein.

Mein Highlight waren die Komplimente von Miriam, die selbst immer spitze aussieht, andere Komplimente habe ich leider nicht erhalten. Sie meinte sogar „Du siehst aus wie eine Braut!!!“ Hoffe, ich bin damit nicht irgendwie ins Fettnäpfchen getreten, war ja schließlich keine Hochzeit! Und der Gastgeber hat ja auch eine Schippe draufgelegt, mit seiner Paillettenhose. Also…!

12. Juni 2022




Fotoalbum Liebenburg: habe schon einige Bilder daraus gepostet und was erzählt, die anderen werden auch noch hier gepostet und mit exclusiven Insider-Berichten unterfüttert! Von Goslar um den Bahnhof rum habe ich auch Fotos und ein paar aus dem Zugfenster. Die poste ich extra. Ich pflege die gute alte Tradition der Reiseberichterstattung, das geht natürlich nicht hoppla-hopp mit einem einzigen Eintrag. Wer es langweilig findet, kann ja wegklicken!