Besuch in Zelle 4 @Soeht7. Zweiter September 2017. Nach dem Konzert von Maria und Sibylle im bestuhlten Zellenflur, das mit Gastauftritten von Jenny und Saskia und Hans aufgelockert wurde. Als alle weg waren, räumte ich noch ein bißchen auf und bekam Besuch von dem hier gezeigten, jungen Mann. Er hatte einen Job in Soeht7, so eine Art „Mädchen für Alles“ beim Veranstaltungsmanagement. Ich hatte noch Champagner in der Flasche und bei mir lief immer diese schöne Musik und da war dieses angenehme Licht und diese einladende Pritsche. Das hatte ich alles absichtlich so eingerichtet, dass es den Charakter hatte, als würde ich da tatsächlich „wohnen“. Demzufolge kam auch immer wieder die Frage „übernachtest du da auch?“. So auch von Maxime, so hieß der junge Mann, kein Tippfehler, hinten mit „e“. Bzw. wollte er mich überreden, da zu übernachten. Und zwar mit ihm. Ich amüsierte mich über seine Avancen und sah photographisches Potenzial. Mehr aber auch nicht, er war schlicht und ergreifend nicht mein Typ. Ich seiner aber wohl schon, daher entstanden diese willigen Aufnahmen von ihm. Ich hatte tatsächlich ein recht kaltes Kalkül dabei, dass er sich eignen würde, etwas klischeehafte Fotos Richtung sexy Gesetzesbrecher zu machen. So geschehen. Ihn dann abzuwimmeln, war nicht so ganz einfach. Er war nicht körperlich aggressiv, aber mental und verbal beharrlich. Ich musste letztlich etwas unterkühlt eine Grenze setzen. Aber meine Fotos hatte ich. Lange waren sie in meiner Schublade, ich hatte keine Lust mich damit zu beschäftigen und sie zu posten. Er verfolgte mich danach noch etwas auf facebook, wo ich ihn kurzerhand als Kontakt blockierte. Ich wollte damals auch nicht, dass der Eindruck entstünde, ich hätte was mit ihm gehabt, ich finde die Fotos sehen sehr danach aus. Ich müsste das natürlich auch jetzt nicht erhellen, aber ich will. Nicht dass mir ihm ähnelnde Kandidaten demnächst Avancen machen. Ich finde man kann hier wieder sehr schön sehen, welchen Sex Appeal so ein leicht aggressives Posing hat. Insofern sind das mit die gelungensten Fotos, die ich je von einem jungen Mann machte.

3 Antworten auf „25. Februar 2022

  1. Nur als P.S. für die, die es nicht (mehr) wissen, diese Zelle im Knast mit der Pritsche war einer von zwei Ausstellungsräumen, die ich bespielt habe. Das Szenario war eine Installation und es liefen Filme und Fotos von mir in Endlosschleife auf Projektionswänden (in der Strecke nicht im Bild, weil an der rechten Zellenwand).

  2. Jens F.
    Die Inszenierung gefällt mir, kann sie sich doch nicht entscheiden zwischen der kalten Trostlosigkeit der Moderne und der Melancholie altmodischer Bohème. Sollten wir nicht alle mehr Bohèmiens sein?

    Gaga Nielsen
    doch Jens, die Inszenierung konnte sich ganz klar entscheiden, nämlich für die Transformation von Räumen, die pragmatisch für exekutive Verwahrungszwecke kreiert wurden, zu verführerischen gaganischen Höhlen, in denen Platz für Freiheit und freie Aktionen und Kreationen und Gedanken ist. Das waren heimelige, hypnotisierende Enklaven. Das zu erschaffen, ist auf kleinstem Raum möglich. Ich kann mein Universum auch in einem Schuhkarton machen!

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