Bücher. Und uralte VHS-Video-Kassetten. Das Regal mit dem Schmetterling. Ingmar Bergman, „Szenen einer Ehe“. In den Neunzigern mitgeschnitten. Ich war eine Perfektionistin darin, beim Aufnehmen von Filmausstrahlungen im TV die Werbung exakt herauszuschneiden. Aber damals hatten wir auch noch kein Internet und keine Mediatheken. Es gab Zeit für solche Beschäftigungen. Ich habe immer noch einen funktionierenden alten VHS-Rekorder, der sich mit meinem smarten TV-Gerät verbinden lässt. Gar nicht mal schlecht die Bildqualität. Eine einzige VHS-Kassette ist mir mal gerissen, einer meiner Lieblingsfilme darauf: „Die Kaktusblüte“ mit Walter Matthau, Ingrid Bergman und Goldie Hawn. Gekauft habe ich nicht so viele Filme. Nur zuletzt mal, das war aber ein Fehlkauf.

Ich hatte vor anderthalb Jahren mit Jenny im Kino den Claude Lelouch-Film „Die schönsten Jahre eines Lebens“ mit Anouk Aimée und Jean Louis Trintignant gesehen und war hingerissen. Da er sich auf zwei Filme vorher bezieht, nämlich „Ein Mann und eine Frau“ von 1966 und „Ein Mann und eine Frau, zwanzig Jahre später“ von 1986, wollte ich auch diese beiden Filme sehen. Vielleicht hatte ich sogar den ersten schon einmal als Jugendliche im Fernsehen erlebt, aber wenn, war es mir entfallen. Ich bestellte also die beiden Filme und lud Ina vor drei Wochen zum Heimkino ein. Irrtümlich hatte ich scheinbar zweimal den gleichen Film geliefert bekommen, nämlich „Ein Mann und eine Frau, zwanzig Jahre später“. Am liebsten hätte ich mit Ina den dritten, neuesten gesehen, aber den gibt es nicht auf DVD.

Nun hatte ich also zur Verabredung nur den zweiten parat, den ich auch nicht kannte. Testweise legte ich am Abend vor dem Treffen die DVDs in das Gerät, um zu sehen, ob es funktioniert. Der Film begann mit einer mich langweilenden Autorallye, die kein Ende nehmen wollte. Mir schien es auch wohl deshalb elend lang, weil ich auf eine Szene wartete, wo gesprochen wird, um festzustellen, ob ich erfolgreich „Deutsch“ als Filmsprache gewählt hatte. Hatte ich, dann brach ich ab, ich wollte den Film ja mit derselben Neugier wie Ina gucken. Auf der anderen DVD war gar kein Spielfilm, sondern nur französischsprachiges Bonusmaterial. Ich verstehe so là là ein Drittel, wenn Franzosen in normal schnellem Tempo sprechen, ich rate herum, also es ist kein wirklicher Genuss.

Der Abend war da, Ina kam, Wein wurde geöffnet, ich hatte Sushi geholt, wir redeten uns erstmal warm und aßen an meinem Küchentisch. Dann zogen wir ins Wohnzimmer um (wo auch diese Regale sind) und ich schmiss den Film an. Ein hanebüchenes Drehbuch, selten so einen konstruierten Unsinn gesehen. Völlig mit Nebenhandlungen überladen, anstatt sich auf die Liebesgeschichte zu konzentrieren. Ein Film, den man wahrlich nicht gesehen haben muss. Aber schön war der Abend dann doch, weil wir uns zum Glück einig waren, dass der Film zurecht nahezu unbekannt ist.

Es gibt in diesem Zimmer und den Nebenräumen weitere Regale, in denen sich Bücher befinden. Ich weiß nicht mehr wohin mit neu dazukommenden Büchern, es wird eng, richtig eng. Die alten CDs will ich jetzt aber auch noch nicht aussortieren. Man hat sich alles bewusst und mit Hingabe angeignet, da hängen viele Gedanken und Erinnerungen und Gefühle gelebter Jahre daran. Auch wenn alles zusätzlich auf Festplatten ist und von da abgespielt werden kann. Ich habe lange keine CD eingelegt. Aber dennoch. Ein Blick in private Regale ist etwas sehr Persönliches. Aber warum nicht das private Universum teilen, es geht dadurch ja nicht verloren.

Eine Antwort auf „02. März 2022

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