23. Juli 2021

irgendwelche tollen Events am Wochenende? Kommt mir vor, als müsste man auskosten, dass gerade kein Stubenarrest ist. Kleiderschrank ausgemistet, Sachen entdeckt, die ich wieder einmal anziehen und präsentieren könnte. Auch Kopfbedeckungen, wie eine schöne schwarze Kappe, so ein Mittelding aus Schiebermütze, Barett und Baskenmütze. Hab ich heute auf.

Das kam auch, weil ich in der Garage bei meinen Eltern, wo ein alter mehrtüriger Schlafzimmerschrank neben dem Auto steht, eine alte Mütze aus den Achtziger Jahren von meinem Großvater gefunden habe. Eine leichte Schiebermütze aus einem feinen grauen Wollstoff, ähnlich wie Leinen gewebt. Ich weiß nicht, wieso mein Vater die in dem Schrank hatte, wo sonst hauptsächlich Polster für Terrassenmöbel untergebracht sind. Ich hab ihn nie mit einer Mütze gesehen.

Aber mein Opa hat solche Schiebermützen täglich aufgehabt, er hatte sie in verschiedenen Ausführungen. Ich hab sie zum Spaß aufgesetzt, die schöne graue. Er ist 1984 gestorben, sie sieht aus wie neu. Vielleicht die letzte Mütze, die er geschenkt bekam. Ich hab sie mit nach Berlin genommen und schon zweimal aufgehabt und Komplimente erhalten. Ein Foto gibt es leider (noch) nicht davon.

Das Ergebnis meiner Kleiderschrankaktion führt leider nicht zu auffallend mehr Platz im Schrank, sondern nur dazu, dass die Sachen, die ich behalten will, nicht mehr ganz so eng gequetscht sind. Lücken sind leider keine zu erkennen. Aber immerhin seh ich jetzt die Sachen besser, die ich immer noch gerne mag und länger nicht anhatte.

Momentan tu ich mir mit Bloggen ein bißchen schwerer als sonst, weil ich viele Sachen im Kopf habe, die da rotieren und noch nicht greifbar genug sind, um sie aufzuschreiben. Wie ein Schwarm Mücken. Ganz abgesehen davon, dass ich einiges auch gar nicht aller Welt öffentlich mitteilen will. Ich kann aber versichern, das sind ausschließlich Dinge, die einem weder beim Aufschreiben noch beim Lesen den Tag schöner machen, also kein Verlust für meine Leserinnen und Leser.

Mein Konto ist ganz leicht überzogen, aber das gleicht sich demnächst wieder aus. Ich hab mir zuletzt auf einen Schlag, also neulich vor zwei Monaten oder so, ganz viele kurzärmlige Schleifenblusen bestellt. Zuerst eine, und die hat so gut gepasst, dass ich dann noch mehr haben wollte. Obwohl sie nicht teuer waren, summiert es sich dann doch, wenn man auf einen Schlag sechs Schleifenblusen kauft. Aber die sind so adrett! Als Kind habe ich es gehasst, adrett auszusehen, jetzt bin ich ganz versessen drauf! Wie ein Päckchen mit Schleife, das man gerne auspacken möchte.

Ich habe:

1 Schleifenbluse, weiß mit schwarzen Streifen
1 Schleifenbluse, weiß mit dunkelblauen Streifen
1 Schleifenbluse, weiß mit schwarzen Tupfen
1 Schleifenbluse, altrosa
1 Schleifenbluse, lila
1 Schleifenbluse, schwarz
1 Schleifenbluse, weiß

oh… das sind ja sieben!




P.S.
Ich will ehrlich sein. Ich hab noch mehr Schleifenblusen. Aber nicht neulich erst bestellt, drei langärmlige:

1 Schleifenbluse, hellgrauer Chiffon mit kleinen schwarzen Herzen
1 Schleifenbluse, Satin, schwarz mit großen weißen Tupfen
1 Schleifenbluse, dunkelblauer Satin, einfarbig

18. Juli 2021

Karin und Hans, meine Eltern, vor und nach der kirchlichen Trauung am Samstag, 31. August 1963 im Münster von Heilsbronn

Der Brautschleier war an einer Jackie-Pillbox aus weißem Brokat befestigt.

14. Juli 2021

Mein (vermutlich) erster streng geheimer Tagebucheintrag, im ansonsten ziemlich leeren Taschenkalender von Mama von 1975, ganz hinten. Am Wochenende zufällig in der Eckbanktruhe in der Küche gefunden. Da war ich zehn.

05. Juli 2021

Ich wusste ja gar nicht, dass Nabokov SO schreibt… (lese derzeit „Gelächter im Dunkel“, dt. Ausgabe v. 1962 (Rowohlt), bin stetiglich begeistert, die gelegentlichen, aber (ausreichend) seltenen, ungelenken Übersetzungs*-Schnitzer übersehend). Meine Güte, so schlicht und ergreifend auf den Punkt, so erbarmungslos und unbeschönigend aus dem Nähkästchen geplaudert. Diese Adjektive, die man nicht auszusprechen wagt. Grandios. Wenn ich damit durch bin, lese ich noch mal en detail, was Alban Nikolai Herbst zur Lektüre des Buches vermerkte. Aber erst danach. Dann erst kann ich qualifiziert mitreden:-)

Einstweilen mache ich meine kleinen Eselsohren bei den gnadenlosesten Stellen. Ich kam durch ein Geschichtsbuch über Berlin darauf, in dem erwähnt wurde, dass drei Bücher Nabokovs in Berlin spielen. Das ist eines davon.

*) übersetzt aus dem Englischen v. Renate Gerhardt u. Hans-Heinrich Wellmann

30. Juni 2021

ORGANIC. Messe-Check-in-Counter-Infoschild, Scanner-Kabel, Tücher-Bügel, Pinnwand-Kärtchen, Edding, Jalousien-Verpackung, 50 x 100 x 6 cm, 10./11./12. Juni 2018, Staatl. Museen v. Gaganien

Was sich so alles in (m)einem Haushalt findet. Diese Tücher-Bügel waren ein totaler Fehlkauf. Sahen untransformiert aus wie das Olympia-Logo von 1972. Ich habe ja sehr viele Tücher und Flatterschals. Ich war der Meinung, die könnte man intelligent und platzsparend und geschickt (und auch noch schick!) auf diesen Chrombügeln mit mehren Ringen aufbewahren. Die Idee ist, dass man durch die Ringe die Tücher und Schals steckt, die dann versetzt, aber überlappend runterhängen. Platz für 8 bis 40 Schals auf einem einzigen Bügel! Mega!

Als ich alles vorschriftsmäßig eingefädelt hatte und die schwer beladenen Bügel in den Schrank quetschte, fiel mir schon mal auf, dass der doppelt gemoppelte Aufhäng-Haken von den Bügeln so breit ist, dass er auf der Stange den Platz von drei bis vier normalen Bügeln einnimmt. Ärgerlich! In dicht bepackten Kleiderschränken wie meinen kann man nicht mal eben mit einem lockeren Griff einen Bügel herausnehmen. Das ist eine Operation! Wenn man den Tücherbügel nicht herausnimmt, sieht man nicht, welche Schals und Tücher hinten hängen. Ich kann so nicht arbeiten!

Eine Weile hab ich es probiert und festgestellt, dass ich zu bequem war, die Tücherbügel herauszuzerren um festzustellen, ob darauf genau das Exemplar von einem Flatterschal hängen könnte, der mein Tagesoutfit in Isadora Duncan-Manier komplettieren könnte. Schlussendlich riss ich die Bügel genervt aus dem Schrank und rupfte die Schals wieder heraus, um sie auf ungefähr einheitliche Größe gefaltet und nach Farben sortiert, zum Durchblättern in einen länglichen, oben offenen Pappkarton zu packen.

So gestaltet sich seither das Potpourri meiner Flatterschals und Tücher in meiner Garderobe. Der Karton steht unten auf dem Boden in einem der Schränke. Die Olympiabügel konnte ich aufgrund des respektablen Materials nicht wegwerfen. Ich kann ganz schlecht Metall entsorgen, da hab ich eine richtige Sperre. Weiterverschenken wollte ich sie auch nicht, da mich das Produkt nicht überzeugte – ich verschenke nur Sachen, die ich super finde!

So lagen sie also bis zu jenen Junitagen 2018 verscharrt unter dem Schrank im Schlafzimmer. Auch habe ich in meinem Ausmistanfall einen alten Scanner gefunden, der mal richtig gut und teuer war und bei dem der Anschluss-Stecker defekt war. Es gab auch keinen mehr in Onlineshops für historische Elektrogeräte. Dass ich Hemmungen habe, ein altes Kabel wegzuschmeißen, war selbst mir neu! Das Träger-Medium, um es mal profimäßig auszudrücken, war ein Schild, das dereinst für messeartige Veranstaltungen hergestellt wurde, da standen Buchstaben drauf, um Besucher alphabetisch zu sortieren, wie „A – F“ oder „G – K“, etcetera. Die weißen, runden Pinnwand-Kärtchen habe ich zugegebenermaßen zweckentfremdet, die passten rein zufällig genau in die Kringel von den blöden Bügeln!

28. Juni 2021

LIANA. 23 x 35 cm, 12. Juni 2018, Plätzchen-Ausstechförmchen auf Papier, auf Verpackungskarton, Staatliche Museen v. Gaganien

Auch vom Sommer 2018. Ich habe wirklich aufgeräumt und viele Dinge gegen das Licht gehalten. Weggeworfen habe ich fast nichts, aber transformiert! Seiner wahren Bestimmung zugeführt. Also der wahren Bestimmung in meinem gaganischen Haushalt. Ich nehme an, dass ich vor vielen Jahren einen handfesten Grund hatte, mir Plätzchen-Ausstechförmchen zu besorgen.

Ich glaube, ich wollte Zimtsterne backen, nachdem ich die besten der Welt gegessen hatte, und brauchte ein Sternförmchen dafür. Auch besorgte ich mir eigens eine Mandelmühle, weil die Privatzuckerbäckerin, die mich zu der Idee verführt hatte, darauf schwor, dass die weltbesten Zimtsterne niemals mit fertig gemahlenen Mandeln gemacht werden dürfen, da ginge zu viel kostbares Aroma verloren. Ich glaubte ihr alles.

In der Haushaltswarenabteilung vom KadeWe oder einem anderen Premiumkaufhaus erstand ich die weltbeste verchromte Mandelmühle, die je erschaffen wurde. Ok, vielleicht war es auch Amazon. Auf jeden Fall war es ein ganz schickes Gerät. Da war aber die Winterzeit dann gerade vorbei und ich war zu faul und unmotiviert, im Frühling oder Sommer Zimtsterne zu backen. Die weltbeste und schönste Mandelmühle nahm mir Platz im Küchenschränkchen weg und ich musste mir eingestehen, dass ich vermutlich auch im Herbst oder Winter keine Großbäckerei in Sachen Zimtsterne werden würde.

Auch sonst fiel mir keine Verwendung für die sehr schöne, weltbeste Mandelmühle ein. So gerne ich Nüsse mag, am liebsten ist mir da doch die Nussform für den Verzehr, oder gehobelt. Ich erkannte klar, dass in dieser Sache keine Änderung meiner Persönlichkeit oder Vorlieben zu erwarten war und die schönste Mandelmühle der Welt bei mir eindeutig Perlen vor die Säue ist.

Nun nahte abermals der Spätherbst und meine Motivation in Sachen Zimtsterneproduktion wuchs kein Stück. Stattdessen fragte ich interessiert bei der weltbesten Zimtsternebäckerin, wie es dieses Jahr denn um ihre Zuckerbäckerei stünde, insbesondere im Zimtsterne-Segment. Es folgte ein trauriger Bericht, dass meine Lieblingszuckerbäckerei dieses Jahr nicht absehbar sei, da ihre Mandelmühle (aus Plastik!!!), die ihr viele Jahre gute Dienste geleistet hatte, kaputt gegangen war.

Ich erkannte den Wink des Schicksals: dass nämlich die Zimt-Sternstunde meiner Mandelmühle geschlagen hatte! Großzügig bot ich ihr meine komplett unbenutzte, glänzende Mandelmühle zum Freundschaftspreis von ungefähr zwanzig Mark an. Vielleicht waren es auch Euro. Dank Internet konnte ich beweisen, dass die Mühle im Neukauf fast doppelt so viel gekostet hatte, womit ich sofort überzeugen konnte.

Am nächsten Tag wechselte die weltbeste Mandelmühle den Küchenschrank und wohnt seither im schönen Berlin Cladow, wo sie noch viele Winter und bis an ihr Lebensende bei der Zimtsternebäckerei behilflich sein kann.

Ich hatte aber nun noch die Plätzchen-Ausstechförmchen im Körbchen. Die gab es nur im Set zu kaufen, waren auch nicht sehr teuer und glänzten immerhin sehr hübsch. Da ich aber keine Freundin von in Körbchen versteckten Ausstech-Förmchen bin, hatte ich die Idee, ein wenig aufzuräumen, indem ich die Förmchen platzsparend auf einen alten Verpackungskarton klebe.

Um die Sache noch aerodynamischer zu machen, habe ich die Förmchen noch platzsparender kleiner gebogen, so dass die unnötig Platz einnehmenden Hohlräume stark reduziert wurden. Ich denke, das war eine gute Aufräum-Idee, die ich vielleicht in der Rubrik „life hacks“ als Video präsentieren könnte.

27. Juni 2021

Olympus µ [mju:] 140, Kamera-Eingeweide auf Zebra-Serviette und Karton, 27. Mai 2018, 17 x 21 cm, Staatl. Museen v. Gaganien

Im Mai 2018 räumte ich auf. In einer runden, geblümten Schachtel in einem Bücherregal fand ich zwei alte analoge Olympus-Kameras, die beide kaputt waren und auch für keinen Bastler von Interesse. Ich begab mich mit einem scharfen Messer, einem Schraubenzieher und einer Zange auf den sonnigen Balkon in den Halbschatten und zerlegte die erste Kamera. Es war eine Olympus µ [mju:] 140. Ich erkannte an den Kratzspuren am verchromten Ring um das Objektiv, dass es die Kamera war, die ich 2004 in Amerika dabei hatte, als ich im Südwesten unterwegs war, in Nevada und Arizona und Utah, auf dem Weg zur Navajo Nation Reservation, der größten der USA.

Als ich den Grand Canyon sah, und Las Vegas, und die Route 66, und den Antelope Canyon und das Monument Valley, und das inmitten versteckte Mystery Valley, wo ich in einem Hogan übernachten durfte und am nächsten Morgen um 6 Uhr von einem Navajo geweckt wurde, um mich und meine drei Begleiterinnen in einem Jeep zum „Totem Pole“ zu fahren, wo er eine halbe Stunde lang, ohne Unterbrechung, ein Lied in seiner Sprache, ohne viele Worte sang, bis die Sonne aufgegangen war.

Auf der Rückreise, ich glaube im Zion National Park, ging die Kamera kaputt. Ich hatte circa vierundzwanzig volle Filmrollen im Gepäck und hoffte, dass die Bilder brauchbar waren. Ich konnte bei den letzten Aufnahmen deutlich hören, dass sich Sand in der Kamera verfangen hatte, es knirschte jedesmal, wenn ich die Abdeckung auf- und zuschob. Als die Bilder aus dem Labor kamen, sehr große Erleichterung: nur die etwa zehn letzten Fotos hatten eine Streifspur von ein paar Sandkörnern.

Daran dachte ich, als ich die Kamera öffnete. Dass sie mich auf dieser unvergesslichen Reise begleitet hat und irgendwo in ihrem Bauch noch Wüstensand stecken könnte. Und dass ich sie schon deswegen nicht wegwerfen konnte. Ich war dann sehr fasziniert, welche Welten sich mir zeigten, als ich jedes einzelne Teil betrachtete. Die Teile aus verschiedenen Metallen und geschliffenem Glas und die Platine und die kleinen Transistoren wollte ich bewahren, in einer Weise, die ihre Schönheit sichtbar macht. Das sind die Teile, die das Wunder vollbringen, einen Moment zu verewigen, Fotografien zu erschaffen.

19. Juni 2021

Schatzkammer V. Der wichtigste Raum, where the magic happens. Die anderen Kammern sind Nebengelasse, die mir aber auch ans Herz gewachsen sind, im Lauf der Jahre. Von außen ist das Haus rosa, lachsrosa. Einst war es orange. Dann kam die Sonne. Noch davor war es blau und grün. Der Eigentümer mag kräftige Farben. Und er mochte meine Absichtserklärung, dort zu malen. Das Baujahr ist meiner Erinnerung nach 1912. Im Eingangsbereich sind grüne Jugendstilkacheln, die Wände sind zartgelb und es gibt Stuckreliefs von Frauenköpfen. Auch an der Hauswand ist noch Stuck, nicht abgeschlagen. Über meinem Küchenfenster, das exakt in der Mitte der Fassade ist, gibt es ein geschwungenes Ornament, wie ein Medaillon. Ich habe die Räume im Sommer 2003 angeschaut und Ende August den Mietvertrag unterschrieben. Ich habe es nie bereut. Es gab Jahre, in denen ich fast nur fotografierte und selten dort war, aber 2018 kam die Renaissance, mit der ich selbst schon nicht mehr gerechnet hatte. Ich legte die Kamera beiseite und renovierte ein bißchen und schraubte die alten Farbtöpfe wieder auf. Die Farben waren gar nicht eingetrocknet. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich konnte gleich wieder loslegen. Und wie. …And the magic happened again.

15. Juni 2021

Liebe. Geburt. Tod. Heute: Liebe.
Ich unterhielt mich heute Nachmittag mit einer jungen Frau, geboren in Berlin, Kind von türkischen Eltern. Sie ist Ende Zwanzig und war selbst bereits einmal verheiratet, es war leider eine nur etwa zwei- bis dreijährige Ehe. Sie feierte so, wie türkische Familien in Berlin Hochzeit feiern. Mit vielen Versatzstücken von türkischer Tradition, aber auch mit deutschen Elementen, die ihr gar nicht so sehr bewusst waren.

Sie berichtete mir, dass sie am Wochenende bei der Hochzeit einer Freundin eingeladen war, das erste Fest nach langer, langer Zeit. Alle mussten negativ getestet sein und dann konnte ganz normal ohne Masken gefeiert werden. Sie erzählte, wie sehr sie es genossen hatte. Es war eine türkisch-arabische Hochzeit, was sie noch nie erlebt hatte. Besonders beeindruckten sie die Trommeln. Ihre Augen leuchteten, ich stelle mir die arabischen Rhythmen vor, ich bin auch elektrisiert, wenn ich das höre.

Und dann sagte sie, dass sie nächste Woche schon wieder auf einer Hochzeit eingeladen ist, einer deutschen Hochzeit. Noch nie sei sie auf einer deutschen Hochzeit gewesen. „Meine erste deutsche Hochzeit! Ich bin so gespannt!!!“ Ich rekapitulierte, was mir so an üblichen, in der deutschen Kultur verankerten Ritualen einfiel. Das Werfen von Reis, wenn das Paar aus der Kirche kommt oder aus dem Standesamt, dass die Braut etwas Neues, etwas Altes, etwas Geborgtes und etwas Blaues tragen sollte. Das Anschneiden der Hochzeitstorte mit dem Orakel, wer die Hand oben behält. Das Werfen des Brautstraußes.

Einiges davon hat bereits in die neueren Hochzeitstraditionen von Familien mit türkischem Hintergrund Einzug gehalten. Dann erzählte sie mir von einem traditionell türkischen Ritual, von dem ich noch nicht gehört hatte: die Braut schreibt vor der Hochzeit mit einem Stift, einem Edding z. B., die Namen ihrer eingeladenen besten Freundinnen auf die Sohle ihrer Brautschuhe. Dann wird geheiratet und gefeiert und getanzt. Der Name, der am Abend auf der Schuhsole am meisten abgetanzt und verblasst ist, ist der Name der nächsten Braut. Wunderbares Orakel.

13. Juni 2021

“I do not fear death. I had been dead for billions and billions of years before I was born, and had not suffered the slightest inconvenience from it.”

Mark Twain

13. Juni 2021

Meine vierte Schatzkammer, aufgenommen am 6. Juni 2021. Am vergangenen Sonntag bin ich zu meinem Atelier gefahren, um diese Fotos zu machen. In der vierten Schatzkammer, die als Küche gedacht ist, gibt es eine Spüle und einen alten Gasherd, wo ich mir mein Teewasser koche. In der Spüle wasche ich meine Pinsel aus und spüle mein bißchen Geschirr ab und hole das Wasser zum Blumengießen für die Balkonblümchen. Und einen Minikühlschrank habe ich auch seit drei Jahren. So ein Würfel wie eine Minibar im Hotelzimmer. Es gibt immer so ein paar Sachen für einen Imbiss, Käse, Butter, Gürkchen, eine Sardinenbüchse. Ein, zwei Flaschen Jever, Tonic, Crémant. Großartig gekocht habe ich da in den vergangenen achtzehn Jahren nicht, außer mal eine Tiefkühlpizza vor vielen Jahren oder eine improvisierte Currywurst aus Wiener Würstchen und Chiliketchup. Es gibt für den Notfall eine alte Bratpfanne und einen Milchtopf, in dem man auch Kartoffeln oder Reis kochen könnte. Das Geschirr ist im Schrank unter der Spüle, da hab ich mir einen extra Regalboden reingemacht, und da stehen die Tassen und Teller. Links im Schränkchen sind die Gläser, Ich habe viele Gläser. Vor allem für Wein und Schaumwein. Ich glaube, ich sehe immer noch vor meinem geistigen Auge eine Ansammlung von Gästen, denen ich volle Gläser präsentieren möchte. Manchmal hatte ich ja schon Besuch in den letzten drei, vier Jahren. Ansonsten muss sich die alte Küche damit abfinden, dass sie meine vierte Schatzkammer ist und ich statt Hängeschränken überall Bilder aufhänge. Es ist mein gelb-grüner Salon. Alle Bilder mit Gelb und Grün, und auch ein bißchen Türkis, Richtung Tür, wohnen in der IV. Schatzkammer.

13. Juni 2021

Liebe Irina,

alles Gute zum vierzigsten Geburtstag in deinen Himmel. Wir denken immer noch viel an dich und sprechen von dir. Ich finde das Foto von dir und Jan besonders schön. So habe ich dich im Herzen bewahrt. Es ist vom 23. September 2010. Wir waren bei der Ausstellungseröffnung von Farin Urlaub, du weißt schon. Damals hattest du eine Liebesbeziehung mit meinem alten Freund Jan, und ich dachte so bei mir, das ist die erste Freundin, die ich von ihm mitkriege, die ich so richtig klasse finde. Ich mochte dich sofort. Da hat ein Augenblick in deine vor Übermut blitzenden Augen gereicht.

Ich habe wirklich ein paar schöne Fotos in meinem Leben zustande gebracht, also welche mit Gefühl. Das war mir immer wichtig beim Fotografieren. Viel Gefühl sollte rüberkommen. Also noch einmal alles Gute, liebste Irina. Vierzig ist nicht schlimm. Fünfzig auch nicht. Schlimm ist nur, wenn man nix daraus macht und die Möglichkeiten verpasst. Ich finde allgemein Geburtstage zu feiern schöner, als Todestage. Auch wenn jemand schon im Himmel wohnt, so wie Du.

Alles Liebe
Deine Gaga

Irina *13. Juni 1981
12. Oktober 2018 †

6. Juni 2021

Zwischen den Balkonen. Das ist jetzt die rechte Seite vom Atelierbalkon, wo ich Oleander und Bambus gepflanzt habe. Ich muss aber doch mehr gießen. Fotos von heute Nachmittag. Jetzt wieder in Mitte. Schnell vergangen, das Wochenende. Ob ich unterwegs bin oder daheim… die Zeit verfliegt. Nachts Unsinn geträumt. Ich habe viel geflirtet, das war angenehm. Aber gegen Ende des Traums hatte ich eine halb geheime Verabredung mit dem Mann einer Blogger-Freundin. Gleichzeitig hatte ich aber im Traum auch Konversationen mit ihr, ich mag sie sehr gerne. Den Mann finde auch sensationell lustig und scharfsinnig und charismatisch, aber er hat mich noch nie als erotisches Ziel beschäftigt. Mir war noch im Traum peinlich, dass ich nun so eine Verabredung mit ihm hatte. Zum Glück bin ich dann aufgewacht. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen! An die anderen Flirtereien kann ich mich nur vom Gefühl her erinnern, aber nicht, ob jemand den ich kenne, darunter war. Insgesamt aber angenehmer als problematische Träume mit Arbeit, was mir auch schon untergekommen ist. Dann lieber leichtsinniges Rumgeflirte!

31. Mai 2021

„Die Ergebnisse von Messungen, (…) lassen darauf schließen, dass Postings auf Facebook die größte Resonanz erzielen, wenn sie montags, mittwochs, donnerstags und freitags zwischen 12.00 und 15.00 Uhr oder aber am Wochenende zwischen 12.00 und 13.00 Uhr erscheinen.“

Na toll. Ich poste meistens um Mitternacht herum. Vielleicht sollte ich meine Mitteilungen auf das Publikum in Ozeanien abstimmen. Dort ist 13 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Wenn ich also heute Nacht um 1 Uhr etwas veröffentliche, erreicht es die Ozeanier pünktlich zum Mittagessen!

30. Mai 2021

Aus meinem goldenen Notizbuch XLIV. 24. Mai 2021, auch Balkon.

„(…) The Film was finished but not edited and Anders asked Max for help. (…) And snip, snip, went Anders‘ scissors, and a bit of film, fell to the floor and curled up there like a pigs tail. When I grew bored, I picked up a strip of film, took it outside and held it up to a bright light. There were tiny photographs of Anders, who was, as usual, playing the leading role, one after another, each barely different from the next, but of course, when speeded up, there was motion, there was the illusion of life. Each frame was like a little cell, confined by tiny white strips. The actor stood in each cell like a trapped criminal, but when the film ran, there were no small rooms, no one was walled up, everything was continous. And I thought, in life it is also like that and the problem is always how to jump from one moment to another so that time does not become empty, so that you do not freeze in one position forever.“

Susan Fromberg Schaeffer – First Nights, S. 352

Ein wahnsinnig starkes Bild in dem Buch, das mir Volker schickte. Wie sie das Zelluloid gegen das Licht hält und diese Gedanken. Die Hauptfigur ist von Greta Garbo inspiriert, daher auch die Fotografie auf dem Einband. Im Buch heißt sie „Anna Asta“ und sie erinnert sich und erinnert sich und erinnert sich. Und erzählt davon ihrer Haushälterin, einer jüngeren Amerikanerin. Also in Relation zu ihrem schon höheren Alter jünger. Es gibt intensive Momente in dem Buch. Ich muss zugeben, dass ich den Erinnerungen der Haushälterin nicht so interessiert folgen konnte. Sie stirbt vor Anna Asta. In einem der ersten Kapitel, ich konnte die Stelle nicht mehr finden, ging es um ihren Nachlass. Da kamen mir die Tränen. „Mein gutes schwarzes Kleid bekommt meine Nichte, mein rotes Transistorradio soll mein Neffe bekommen….“ So in etwa… ein paar wenige Habseligkeiten, kaum der Rede wert, aber doch von Wert für einen Menschen. Und im Vergleich dazu die Auktion der Schätze des Nachlasses einer der größten Stummfilmdiven der Geschichte bei einem der größten Auktionshäuser der Welt. Greta Garbo hatte tatsächlich eine Haushälterin, es gibt ein Foto aus der Schweiz, das sie mit ihr zeigt. Im Buch fährt sie anfangs nach der Arbeit, die um Sieben endet heim, aber später übernachtet sie unter der Woche auch in dem Apartment. Ich weiß nicht, ob damals schon Bilder von Greta Garbots traumhafter Wohnung am Hudson River bekannt waren, als die Autorin das Buch schrieb. Vielleicht ja. In einer Szene beschreibt sie das leicht orange Licht, die Stimmung. Es gibt dort neben den Holzvertäfelungen auch Wandbespannung mit einem apricotfarbenen Stoff von Fortuny. Sicher liest man mit anderen Bildern im Kopf, wenn man so wie ich, viele, viele, viele Aufnahmen des Apartments in New York kennt.

28. Mai 2021

Herr Weber hat mir gerade geschrieben, dass das Gerüst vor den Fenstern von meiner Werkstatt abgebaut worden ist. Ich war drei Wochen lang nur zum Blumengießen da. Alle Blümchen vom Balkon waren drinnen, weil das Gerüst direkt neben dem Balkon verschraubt war. Ich wollte keine Fassadenbröckelchen im Blumenkasten haben. Es wurde am Giebel was saniert. Wochenende soll wärmer und schöner werden. Dann putze ich den jetzt leeren Balkon auf Hochglanz und dann befreie ich meine beiden Oleander und den Bambus und den Blauregen und die Hortensien und den Lavendel und das Rosmarinbüschchen aus dem Schattenquartier.

Vor dem Gerüst hing die ganze Zeit über ein blaues Netz, das den Lichteinfall doch arg geschmälert hat. Da fühle ich mich gleich uninspiriert. Deswegen habe ich in der letzten Zeit auch mehr über meinen Adlerhorst geschrieben und die noch fehlenden Schatzkammern Nr. 4 und 5 nicht gezeigt. Nun kann es weitergehen. Ich fahre wieder regelmäßig hin, mit der schlimmen U8!

25. Mai 2021

Aus meinem goldenen Notizbuch XLI. 24. Mai 2021, auch Balkon.

Der Tod in Venedig. Im vergangenen Dezember bestellte ich mir dieses vermeintlich überaus bekannte Werk von Thomas Mann. Wenn ich es anderen gegenüber erwähnte, stellte sich meist heraus, dass viele den Titel kannten oder Viscontis Film gesehen hatten, daher zuweilen das Adagietto von Mahlers Fünfter damit verbinden konnten, jedoch das zugrundeliegende Buch nie gelesen hatten. Ebensowenig wie ich.

Eine private Konversation, in der ein Vergleich mit Aschenbach eine Rolle spielte, erweckte in mir den Wunsch der Lektüre. Als es angekommen war, verschönerte ich zunächst den mir zu schlicht erscheinenden Einband, der mir nicht angemessen erschien. Dann begann ich erwartungsfroh mit dem ersten Kapitel. Ich war enttäuscht, sehr enttäuscht. Und verärgert. Ich empfand unendlich viele Beschreibungen als unnötig verschachtelt, hölzern und umständlich, ja unvirtuos und erkennbar gedrechselt. Die Hauptfigur erschien träge, freud- und leblos. Aschenbach war noch lange nicht in Venedig, mir riss der Geduldsfaden. Dafür war ich nicht bereit, meine kostbare Lebenszeit zu opfern.

Ich war konsterniert und las zur Unterfütterung der Plausibilität meines Eindrucks, absichtsvoll Kritiken im unteren Bewertungsbereich, wo Unverständnis über die hohe Einstufung des Werkes geäußert wurde. Ich fühlte mich verstanden. Der Eindruck wuchs, dass es nicht das beste Werk von Mann zu sein schien, da einige Kritiken das Buch in Relation zu anderen Werken Manns setzten und es dabei nicht sehr gut abschnitt. Ich legte es beiseite und bedauerte, dass der von mir liebevoll verzierte Einband nicht mit dem Inhalt zu korrespondieren schien.

Dann aber ergab sich die Lektüre, die ich gestern beschrieb. Wälsungenblut war fünf Jahre früher entstanden und ich fand dort Gefallen an Manns Sprache, die mir in Wälsungenblut elegant und raffiniert und inspiriert erschien, ganz anders als jene ersten Seiten vom Tod in Venedig. Ich konnte mit dem empfundenen Gefälle nicht meinen Frieden machen. Nach einer Weile nahm ich das Buch erneut zur Hand und entschied, die mühseligen und mir unendlich ereignislos und langweilig erscheinenden Passagen bis zur Ankunft in Venedig zu ersparen. Ich blätterte vorwärts, bis Aschenbach am Lido eintrifft und es sich im Hotel kommod macht. Und siehe da, sobald die entscheidende Begegnung mit Tadzio stattgefunden hatte, bekam ich Lust weiterzulesen. Ab da überblätterte ich nichts mehr und fand an mehreren Passagen echten Gefallen. Sie versöhnten mich mit dem Buch. Ich will aus diesen Passagen zitieren.

S. 48
„(…) Oder war er einfach ein verzärteltes Vorzugskind, von parteilicher und launischer Liebe getragen? Aschenbach war geneigt, dies zu glauben. Fast jedem Künstlernaturell ist ein üppiger und verräterischer Hang eingeboren, Schönheit schaffende Ungerechtigkeit anzuerkennen und aristokratischer Bevorzugung Teilnahme und Huldigung entgegenzubringen.“

S. 82
„(…) Amor fürwahr tat es den Mathematikern gleich, die unfähigen Kindern greifbare Bilder der reinen Formen vorzeigen: So auch bediente der Gott sich, um uns das Geistige sichtbar zu machen, gern der Gestalt und Farbe menschlicher Jugend, die er zum Werkzeug der Erinnerung mit allem Abglanz der Schönheit schmückte und bei deren Anblick wir dann wohl in Schmerz und Hoffnung entbrannten. So dachte der Enthusiasmierte; so vermochte er zu empfinden. Und aus Meerrausch und Sonnenglast spann sich ihm ein reizendes Bild. Es war die alte Platane unfern den Mauern Athens, — war jener heilig-schattige, vom Dufte der Kirschbaumblüten erfüllte Ort, den Weihbilder und fromme Gaben schmückten zu Ehren der Nymphen und des Acheloos. Ganz klar fiel der Bach zu Füßen des breitgeästeten Baums über glatte Kiesel; die Grillen geigten. Auf dem Rasen aber, der sanft abfiel, so, daß man im Liegen den Kopf hoch halten konnte, lagerten Zwei, geborgen hier vor der Glut des Tages (…)“

S. 107
„(…) Aschenbach saß an der Balustrade und kühlte zuweilen die Lippen mit einem Gemisch aus Granatapfelsaft und Soda, das vor ihm rubinrot im Glase funkelte. Seine Nerven nahmen die dudelnden Klänge, die vulgären und schmachtenden Melodien begierig auf, denn die Leidenschaft lähmt den wählerischen Sinn und läßt sich allen Ernstes mit Reizen ein, welche die Nüchternheit humoristisch aufnehmen oder unwillig ablehnen würde.“

24. Mai 2021

Aus meinem goldenen Notizbuch XL. 24. Mai 2021, Balkon

Wälsungenblut. Dieses fein gedruckte Werk befindet sich seit etwa 1985 in meinem Besitz. Sechsunddreißig Jahre. Es war ein Geschenk von der Mutter meiner Neffen an mich. Ich verstand jetzt erst, dass sie irgendeine Parallele zwischen meinem Bruder und mir und dem Geschwisterpaar („Siegmund und Sieglind“) sah, um das es in Thomas Manns erst 1921 veröffentlichtem Buch von 1906 geht. Es heißt, er hätte beim Schreiben an seine Verlobte Katia Pringsheim und deren Zwillingsbruder gedacht.

Damals, als sie es mir überreichte, nahm ich zwar zur Kenntnis, dass es eine besondere Ausgabe und ein feiner Druck war, aber ich konnte mit der Geschichte nicht viel anfangen. Im letzten Jahr nahm ich es beim Neuordnen einiger Bücher wieder zur Hand und war völlig hingerissen von den beiden Portraits des Illustrators Th. Th. Heine. Auch die Geschichte hat einen besonderen Zauber und ist mitunter recht amüsant geschrieben. Meine Ausgabe stammt von 1975 und wurde auf den Original Druckstöcken von 1921 gedruckt, auch das Papier, der Ledereinband und die gesamte Aufmachung entspricht der Erstveröffentlichung. Ich gebe meine beiden Lieblingsstellen wieder (in denen die Geschwister nicht erkennbar beteiligt sind, sie sitzen aber mit am selben Tisch).

„(…) »Nehmen Sie noch ein Täßchen, Beckerath«, sagte er. »Das nährt. Wer arbeitet, hat das Recht, sich zu pflegen, und zwar mit Genuß…Essen Sie eigentlich gern? Essen Sie mit Vergnügen? Wo nicht, desto schlimmer für Sie. Mir ist jede Mahlzeit ein kleines Fest. Jemand hat gesagt, das Leben sei doch schön, da es so eingerichtet sei, daß man täglich viermal essen könne. Er ist mein Mann.

Aber um diese Einrichtung würdigen zu können, dazu gehört eine gewisse Jugendlichkeit und Dankbarkeit, die sich nicht jeder zu erhalten versteht…Man wird alt, gut, daran ändern wir nichts. Aber worauf es ankommt, ist, daß die Dinge einem neu bleiben, und daß man sich eigentlich an nichts gewöhnt…

Da sind nun«, fuhr er fort, indem er ein wenig Rindermark auf einen Semmelbrocken bettete und Salz daran streute, »Ihre Verhältnisse im Begriffe, sich zu ändern; das Niveau Ihres Daseins soll sich nicht unwesentlich erhöhen.« (von Beckerath lächelte.) »Wenn Sie Ihr Leben genießen wollen, wahrhaft genießen, bewußt, künstlerisch, so trachten Sie, sich niemals an die neuen Umstände zu gewöhnen. Gewöhnung ist der Tod. Sie ist der Stumpfsinn.

Leben Sie sich nicht ein, lassen Sie sich nichts selbstverständlich werden, bewahren Sie sich einen Kindergeschmack für die Süßigkeiten des Wohlstandes. Sehen Sie…Ich bin nun seit manchem Jahr in der Lage, mir einige Annehmlichkeiten des Lebens zu gönnen« (von Beckerath lächelte), »und doch versichere ich Sie, daß ich noch heute jeden Morgen, den Gott werden läßt, beim Erwachen ein wenig Herzklopfen habe, weil meine Bettdecke aus Seide ist. Das ist Jugendlichkeit…Ich weiß doch, wie ich’s gemacht habe; und doch, ich kann um mich blicken wie ein verwunschener Prinz …«“

[…]

„Das Fischgericht stieg hernieder. Die Diener eilten damit vom Büfett durch die Weite des Saales. Sie reichten die cremeartige Sauce dazu und schenkten Rheinwein, der leis auf der Zunge prickelte. Man sprach von Sieglindens und Beckeraths Hochzeit.

Sie stand nahe bevor, in acht Tagen sollte sie stattfinden. Man erwähnte der Aussteuer, man entwarf die Route der Hochzeitsreise nach Spanien. Eigentlich erörterte Herr Aarenhold allein diese Gegenstände, von seiten von Beckeraths durch eine artige Fügsamkeit unterstützt. Frau Aarenhold speiste gierig und antwortete, nach ihrer Art, ausschließlich mit Gegenfragen, die wenig förderlich waren.

Ihre Rede war mit sonderbaren und an Kehllauten reichen Worten durchsetzt, Ausdrücken aus dem Dialekt ihrer Kindheit. Märit war voll schweigenden Widerstandes gegen die kirchliche Trauung, die in Aussicht genommen war und die sie in ihren vollständig aufgeklärten Überzeugungen beleidigte.

Übrigens stand auch Herr Aarenhold dieser Trauung kühl gegenüber, da von Beckerath Protestant. war. Eine protestantische Trauung sei ohne Schönheitswert. Ein anderes, wenn von Beckerath dem katholischen Bekenntnis angehört hätte. — Kunz blieb stumm, weil er sich in von Beckeraths Gegenwart an seiner Mutter ärgerte.

Und weder Siegmund noch Sieglind legten Teilnahme an den Tag. Sie hielten einander zwischen den Stühlen an ihren schmalen und feuchten Händen. Zuweilen fanden sich ihre Blicke, verschmolzen, schlossen ein Einvernehmen, zu dem es von außen nicht Wege noch Zugang gab. Von Beckerath saß an Sieglindens anderer Seite.“

Thomas Mann, Wälsungenblut, S. 17/18, S. 21, Phantasus-Verlag 1921

23. Mai 2021

Zum Ahorn. Wollte ich gestern Abend schon posten, aber dann ist mir Lydia mit ihrer Idee, den ESC zu gucken, dazwischengefunkt. Ich habe mein Bäumchen gestern Nachmittag besucht. Es wächst und gedeiht und macht einen guten Eindruck. Nun darf man sich nicht vorstellen, dass es sich bei meinen Besuchen um einen großen Ausflug handelt. Das neue Zuhause ist im begrünten Hinterhof, wo ich wohne. Wenn ich den Müll und die leeren Flaschen runterbringe, komme ich automatisch daran vorbei. Aber in letzter Zeit gehe ich auch manchmal, wenn ich heimkomme, durch den Hintereingang über den Hof, um nach seinem Befinden zu gucken. Das ist jetzt so ein kleines Hobby von mir. Ich habe den kleinen Ahorn ja nicht gezüchtet, sondern er ist auf einmal in einem Blumentopf auf dem Balkon gesprossen und ich hab ihn gelassen.

Er war ganz gewiss nicht der einzige Ahornsamen, der mir je auf den Balkon geweht ist. Ich sammle die geflügelten Samen seit Jahren auf und werfe sie in hohem Bogen übers Dach in alle Lüfte. Es gab also niemals einen Aufzuchtplan. Weil er aber so keck und kräftig aufgeblüht ist, wollte ich ihm eine Chance geben. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, ihn übers Dach zu werfen, nachdem er schon geschlüpft war, oder gar in die Tonne. Man weiß ja von vorneherein, dass man einen riesigen Topf bräuchte, um einen Baum auf dem Balkon zu halten, schon deswegen mache ich die Samen nie in die Erde. Aber er war clever, er hat mich ausgetrickst, der kleine Bergahorn! Das sollte dann doch auch belohnt werden.

22. Mai 2021

Gesendet von Lydia: Heute um 20:20
Heute kommt der ESC. Guckst du das zufällig?

Von dir gesendet: Heute um 20:40
hab ich nicht gewusst. Wann und wo?

Von dir gesendet: Heute um 20:43
ah ja 21 Uhr Ard, ich schalte mal zu! 🙂

Von dir gesendet: Heute um 20:45
auf den früheren Röhrenfernsehern, also Farbfernsehern, konnte man die Farbe einstellen und konnte aus Farbbild Schwarzweiß machen. Das hab ich oft gemacht, wenn es mir zu bunt wurde. Auch wegen Nostalgie. Schade, dass das nicht mehr geht. Jedenfalls bei meinem TV nicht.

Von dir gesendet: Heute um 20:45
also man konnte stufenlos die Farbe stärker oder ganz schwach einstellen oder eben komplett wegmachen.

Von dir gesendet: Heute um 20:47
Das fällt mir ein, weil die schönsten ESC-Erinnerungen Schwarzweißclips von Annoknips sind. Aus den Sechzigern, oder eben so alte Farben. leicht bräunlich…

Von dir gesendet: Heute um 20:47
ist Deutschland auch dabei? Und mit wem?

Gesendet von Lydia: Heute um 20:48
Ja ist dabei.

Gesendet von Lydia: Heute um 20:48
Mit so nem Hendrik Blondie

Von dir gesendet: Heute um 20:48
ah jendrik in Pink.
https://www.eurovision.de/teilnehmer/Jendrik-Portraet-des-deutschen-ESC-Kandidaten-2021,deutschland1624.html

Gesendet von Lydia: Heute um 20:48
Läuft schon ein Vorgeplänkel mit Barbara Schöneberger

Von dir gesendet: Heute um 20:48
ich möchte jetzt schon die Farbe abdrehen. Jaja ist gut, ich mach bald an. Schöneberger ist ja immer dabei.

Von dir gesendet: Heute um 20:51
ein trallala Liedchen zum Schnellwiedervergessen… kann nicht mal einer wieder Deutsch singen….? Mal sehen, was die Osteuropäer am Start haben, obs wieder viel Bling Bling gibt.

Von dir gesendet: Heute um 21:00
oh toll die Fanfare! aber da müssen gelbe Sternchen auf Blau sein. Das ist ein Fehler!

Von dir gesendet: Heute um 21:03
Israel, tolles Outfit

Von dir gesendet: Heute um 21:04
haha Serbia. dreimal Beyonce

Von dir gesendet: Heute um 21:05
haha Moldovia…. wie ne Eisprinzessinn aus den Sechzigern, MArika Kilius is in da house

Von dir gesendet: Heute um 21:09
das goldene Kleid von der Moderatorin ist mir zu altbacken, irgendwie. Oder auch lustig altmodisch, wie aus den Achtzigern oder Neunzigern

Von dir gesendet: Heute um 21:11
iiih, das ist ja wie ein Miley Cyrus Lookalike, macht auf bitchy und jodelt affig herum. Zero Points von mir!

Von dir gesendet: Heute um 21:12
Lieder, die die Welt nicht braucht! Next!

Von dir gesendet: Heute um 21:16
hilfe… die Rauchpilze. Aber Anxhela aus Albanien erfüllt alles was man von einem mittelmäßigen Klischeeauftritt aus der Ecke erwartet. Glitzer und Pathos. Vergißt man natürlich gleich wieder, aber es kommt ESC-Stimmung auf!

Von dir gesendet: Heute um 21:17
worum gings in dem Lied?

Von dir gesendet: Heute um 21:18
jetzt kommt das super Outfit. Israel!

Gesendet von Lydia: Heute um 21:19
Ich war noch duschen

Gesendet von Lydia: Heute um 21:19
P. ist auch da, ich genieße deine Kommentare

Von dir gesendet: Heute um 21:19
jetzt schon beste Frisur! Auch austauschbares Liedchen, aber bißchen moderner.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:20
Alles Lieder so elektronisch aus der Konserve

Von dir gesendet: Heute um 21:20
Aber die Israelis sind ja eh hip.

Von dir gesendet: Heute um 21:20
vielleicht kommt noch was Handgemachtes, ne schöne Ballade….

Gesendet von Lydia: Heute um 21:21
Ja stimmt hab so dokus gesehen wieder

Gesendet von Lydia: Heute um 21:21
dana international
War auch toll

Von dir gesendet: Heute um 21:21
ich freu mich wenn du auch kommentierst, musst aber nicht, wenn du lieber mit P. plaudern willst! Ich tipp trotzdem. Kann man ja schon wieder nen Blogeintrag draus klöppeln.

Von dir gesendet: Heute um 21:23
Belgien. Die Sängerin ist aber auch nicht mehr Zwanzig. ganz gute Föhnfrisur. ABer schon wieder kein Ohrwurm.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:23
P. sagt Belgien ähnelt moloko

Von dir gesendet: Heute um 21:23
kenn ich nicht.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:24
Klar

Von dir gesendet: Heute um 21:24
klingt wie ein Eis von Langnese!

Gesendet von Lydia: Heute um 21:24
https://youtu.be/-GY9DWIfpwc

Von dir gesendet: Heute um 21:24
Eis am Stil mit Schokoladenüberzug.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:25
Für später…

Von dir gesendet: Heute um 21:26
P. hat Recht! Role Model offensichtlich, aber das Original haucht akzentuierter!

Von dir gesendet: Heute um 21:27
Russia ist ja geradezu avantgardistisch schräg. Gefällt mir musikalisch auch nicht, aber die Outfits sind gewagt.

Von dir gesendet: Heute um 21:28
cooles Bühnenbild mit dem Ikonenbildchen

Von dir gesendet: Heute um 21:29
oh das ist toll mit dem Chor auf der Wand, sehr zeitgemäß!

Von dir gesendet: Heute um 21:29
also modernste Show bis jetzt.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:29
🎀

Von dir gesendet: Heute um 21:31
ich finde jetzt könnten die als Refrain auch mal singen „Its raining men!“

Von dir gesendet: Heute um 21:32
Malta erinnert mich vom Bühnenbild an die Finalshows von Germanys Next Topmodel.

Von dir gesendet: Heute um 21:32
ein neckisches Liedchen, zum einen Ohr rein, zum andern raus.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:34
In Malta leben einigermaßen viele übergewichtige

Gesendet von Lydia: Heute um 21:34
Ich war da mal da

Von dir gesendet: Heute um 21:34
was du alles weißt!

Gesendet von Lydia: Heute um 21:35
Schwarz Weiß!!!!!!!!!

Von dir gesendet: Heute um 21:35
also der Schwarzweißmodus überzeugt mich nicht, mir wird nicht nostalgisch.

Von dir gesendet: Heute um 21:36
Schwarzweiß ist nicht gleich Schwarzweiß! Sie haben mich gehört, jetzt wieder bunt!

Von dir gesendet: Heute um 21:37
der knödelt ja auch so unangenehm beim „Singen“ oder was er da macht. Klingt wie eine Coverversion oder ein Plagiat von einem der schlechtesten Beatles Songs, wo mir der Titel gerade nicht einfällt.

Von dir gesendet: Heute um 21:39
„Serbias next Topmodel“ Ich bin für die Rothaarige links. Die wirds.

Von dir gesendet: Heute um 21:40
ob man sich doch mal Extensions gönnen sollte? Oder tuns auch Clip ins?

Gesendet von Lydia: Heute um 21:40
Drag Queens!!!!

Von dir gesendet: Heute um 21:41
und jetzt bitte mit der Harley Davidson von der Bühne düsen! Echt drags? Das macht es natürlich besser. Wenn auch langweiliges Lied!

Von dir gesendet: Heute um 21:42
Die Moderatorin erinnert mich an Adele vor der Diät.

Von dir gesendet: Heute um 21:42
Wahrscheinlich wegen der Frisur und der starken Präsenz!

Gesendet von Lydia: Heute um 21:42
Die ist auch transgender

Gesendet von Lydia: Heute um 21:42
Oder drag

Von dir gesendet: Heute um 21:43
echt? Du bist ja voll informiert! Hast du dich vorbereitet????

Von dir gesendet: Heute um 21:43
Mir fiel nur vorhin der riesige Größenunterschied zu dem Moderator neben ihr auf.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:44
Bin nicht informiert

Von dir gesendet: Heute um 21:44
Aber vielleicht ist sie auch das Top Curvy Model der Niederlande…?

Gesendet von Lydia: Heute um 21:44
Aber der Contest ist wohl auch eine sehr diverse Sache mittlerweile

Von dir gesendet: Heute um 21:44
mir kommt sie vom Gesicht her nicht vor wie ne Drag.

Von dir gesendet: Heute um 21:46
was sollen uns die Riesentrompeten sagen?

Von dir gesendet: Heute um 21:47
so ne Lockenfrisuren wie die von dem Sänger gefallen mir überhaupt nicht, zu schmalzig! Unseriös irgendwie.

Von dir gesendet: Heute um 21:47
Und unsexy.

Von dir gesendet: Heute um 21:49
jetzt kommt was für DICH! Griechenland!

Von dir gesendet: Heute um 21:51
ich hab nicht gleich erkannt, dass sie englisch singt. Schade, kein Lokalkolorit, auch nicht von der Instrumentierung. Total beliebig. Schade. Demis Roussus hätte mir besser gefallen!

Von dir gesendet: Heute um 21:52
kommt sehr gecastet rüber, die Sängerin und auch der Rest.

Gesendet von Lydia: Heute um 21:52
Stimme zu

Von dir gesendet: Heute um 21:53
genau! Wo sind die Bouzukis???

Von dir gesendet: Heute um 21:53
ich muss mal aufs Klo höre aber zu!

Gesendet von Lydia: Heute um 21:55
Suisse scheint künsterlisch

Von dir gesendet: Heute um 21:57
ja, geht so… aber wenn ich so ne Falsettgesänge hören will, dann lieber das Original aus den Achtzigern. Wie hießen die? Depeche Mode?

Gesendet von Lydia: Heute um 21:59
Island uhhhhhh

Gesendet von Lydia: Heute um 21:59
Cooler Tanz und eingängig
🎀 🎀 🎀

Von dir gesendet: Heute um 22:00
tanzbar! Erinnert mich aber auch an was…. warte

Von dir gesendet: Heute um 22:00
sly and the family stone

Gesendet von Lydia: Heute um 22:01
Macht nix

Gesendet von Lydia: Heute um 22:01
Die sind mein Favorit

Von dir gesendet: Heute um 22:05
ich meinte WOMACK & WOMACK – Life’s just a ballgame z. B.
https://www.youtube.com/watch?v=XLVgEC4dMz4

Von dir gesendet: Heute um 22:05
Spain fand ich auch nicht prickelnd, aber schönes schwarzes Satinhemd

Gesendet von Lydia: Heute um 22:06
Spanien? Heulender Ricky Martin ?

Gesendet von Lydia: Heute um 22:06
Madonna und Lady Gaga irgendwo dazwischen

Von dir gesendet: Heute um 22:07
ja. Nur nicht so hübsch wie Ricky.

Pass auf, Teardrops von Womack und Womack müsste dir SEHR gefallen, das geht genau in die Richtung von den Isländern:
https://www.youtube.com/watch?v=R8AOAap6_k4

Von dir gesendet: Heute um 22:08
da dachte ich vorhin beim Einlass, da kommt Marika Kilius (sagt dir nix, war ne Supereisprinzessin im Paar mit Hans Jürgen Bäumler)

Von dir gesendet: Heute um 22:08
also in den Sechzigern.

Von dir gesendet: Heute um 22:08
doofes Lied, hör lieber Teardrops, das ist richtig richtig toll!

Gesendet von Lydia: Heute um 22:09
Ich kenne das Lied

Gesendet von Lydia: Heute um 22:09
Höre ich zum joggen

Von dir gesendet: Heute um 22:10
ah! oh Gott Kasperletheater aus DLand

Von dir gesendet: Heute um 22:11
ich bin nicht die Zielgruppe für Klamauk.

Von dir gesendet: Heute um 22:13
ich bin nicht aus diesem Land.

Von dir gesendet: Heute um 22:13
na ja, Hauptsache die Message came across, nech.

Gesendet von Lydia: Heute um 22:14
Einfach I am happy einmal umgedreht
Gesendet von Lydia: Heute um 22:14
Meint P.

Von dir gesendet: Heute um 22:14
ja, aber leider funktioniert Musik nicht so, dass man ein geniales Lied auf links dreht.

Von dir gesendet: Heute um 22:15
ach die Finnen, süß wie sie hart sein wollen. Goldig.

Von dir gesendet: Heute um 22:16
auf nach Wacken! Können ja mal als Roadies anfangen.

Gesendet von Lydia: Heute um 22:15
Him

Gesendet von Lydia: Heute um 22:16
Blink 1 82 oder so

Von dir gesendet: Heute um 22:16
ja, you name it – HIM.

Von dir gesendet: Heute um 22:17
und ein Hauch Ozzy Osborne. Frisurenmäßig und so.

Von dir gesendet: Heute um 22:18
ich finde das Asymmetrische an dem Kleid von der Moderatorin schwierig.

Von dir gesendet: Heute um 22:18
Dachte einen Moment, sie hätte nur ein Bein.

Von dir gesendet: Heute um 22:23
Bulgarien. Es gibt leider viele jungen Sängerinnen, die nicht wahrhaben wollen, dass sie nicht Billie Eilish sind und es nicht langt, weinerlich zu hauchen.

Von dir gesendet: Heute um 22:24
ein Plagiat von vielen.

Gesendet von Lydia: Heute um 22:25
Kommt auch auf den an, der das Lied schreibt

Von dir gesendet: Heute um 22:25
das ist übrigens Marika Kilius ((lookalike der Sängerin, die dich an eine Mischung aus Lady Gaga und Madonna erinnerte
https://www.sueddeutsche.de/leben/leute-marika-kilius-kam-in-corona-krise-bei-ihrer-familie-unter-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200603-99-288223

Von dir gesendet: Heute um 22:26
ja der Song von Möchtegern Billie war auch nicht sehr eingängig oder erinnernswert. Aber am meisten nervt mich der affektierte Duktus.

Von dir gesendet: Heute um 22:27
Litauen recht modern. Aber Litauen ist auch modern. Ich war da!

Von dir gesendet: Heute um 22:28
kann man mal zu abhotten, in der „Disco“.

Von dir gesendet: Heute um 22:28
bis jetzt war noch kein erinnernswerter Refrain im Sortiment.

Von dir gesendet: Heute um 22:30
aha… bißchen Bulgarian Voices go Ethnotechno oder so…

Gesendet von Lydia: Heute um 22:31
Yeahhhh

Gesendet von Lydia: Heute um 22:31
Traditionell

Von dir gesendet: Heute um 22:31
ist auch tanzbar.

Gesendet von Lydia: Heute um 22:31
Coole Ästhetik

Von dir gesendet: Heute um 22:31
mit am wenigsten schlecht bis jetzt.

Gesendet von Lydia: Heute um 22:32
Schöne Stimme

Von dir gesendet: Heute um 22:32
erinnert mich an Pink Parte, die frühere Band von Maria, wo sie rumänisch gesungen hat. Ist mit das Coolste, find ich auch.

Von dir gesendet: Heute um 22:33
oh Schangsong!

Von dir gesendet: Heute um 22:35
wenn die Stimme nicht so piepsig dünn in den Höhen wäre…. die Gesten sind schon arg klischeehaft piafmäßig.

Von dir gesendet: Heute um 22:36
ich überlege gerade, ob ich auch beim EC singen könnte.

Von dir gesendet: Heute um 22:36
Für Fronkraisch! 🙂

Gesendet von Lydia: Heute um 22:37
Ich finde aber sie stellt sich in die Tradition und das ganz gut

Gesendet von Lydia: Heute um 22:37
Platz 2 oder 3

Von dir gesendet: Heute um 22:37
sie stellt sich klischeehaft überzogen in die Tradition.

Von dir gesendet: Heute um 22:38
oh Bauchtanzrhythmen, geil

Gesendet von Lydia: Heute um 22:38
Aber zu dem ganzen anderen elektronischen Quatsch

Gesendet von Lydia: Heute um 22:38
Uhhhh Azerbaijan!!!

Von dir gesendet: Heute um 22:39
Mata Hari erinnert mich an Dschingdschingdschingdiskhan!

Gesendet von Lydia: Heute um 22:39
Passt aber rein

Von dir gesendet: Heute um 22:39
schon heiße Katzen, die Mädels aus Azerbaidschan

Von dir gesendet: Heute um 22:40
so stell ich mir eine Nachtclubshow in dem Arabischen Emiraten vor!

Gesendet von Lydia: Heute um 22:41
Ich mag ja voll, wenn sie sich in die Tradition stellen

Gesendet von Lydia: Heute um 22:41
Blöder Kommentar vom Kommentator

Von dir gesendet: Heute um 22:42
jaja, ich mag es auch voll, wenn sie sich in die Tradition stellen! Ja er hat die Gruppe diskredidiert mit seinem Europop_Lästerkommentar.

Von dir gesendet: Heute um 22:43
Der Norweger glaubt er ist der Sohn von David Bowie.
Ist er NICHT.

Gesendet von Lydia: Heute um 22:44
Ich dachte auch an Engel von Rammstein

Gesendet von Lydia: Heute um 22:44
Aber schlecht

Von dir gesendet: Heute um 22:44
ja, das Video hat er bestimmt auch gesehen.

Von dir gesendet: Heute um 22:45
ach, das ist also ein „Hübscher Popsong“. Nun ja.

Von dir gesendet: Heute um 22:45
der Moderator hat auch einen komischen Geschmack.

Gesendet von Lydia: Heute um 22:45
Er ist eher Silbereisen als Kasperletheater

Von dir gesendet: Heute um 22:45
Du bringst es auf den Punkt!

Gesendet von Lydia: Heute um 22:45
Sind doch alles alte weiße Männer beim öffentlich rechtlichen 🙄

Von dir gesendet: Heute um 22:46
der Moderator muss allerdings sein, er ist eine feste Institution beim EC-Kommentieren. Peter Urban oder so.

Von dir gesendet: Heute um 22:46
oh richtige, echte Sänger!

Gesendet von Lydia: Heute um 22:47
Ich finde der dürfte generell nicht so tendenziös kommentieren, aber vielleicht kommt er vom Fußball

Von dir gesendet: Heute um 22:47
Niederlande! Wär cool, wenn sie zum zweiten mal hintereinander gewinnen.

Von dir gesendet: Heute um 22:47
ich weiß gar nicht, wie das entschieden wird, wer gewinnt.

Von dir gesendet: Heute um 22:48
Zuschauervoting? Ne Jury? Das ändert sich doch auch dauernd.

Von dir gesendet: Heute um 22:48
Das Lied hat eine eingängige hook.. Aber das mit dem Birth of a new Age ist schon arg abgedroschen

Gesendet von Lydia: Heute um 22:49
50 Prozent deutsche Jury und 50 Zuschauer per App und Telefon

Von dir gesendet: Heute um 22:49
aha.

Von dir gesendet: Heute um 22:50
Italien hat Rockbands?

Von dir gesendet: Heute um 22:50
(Urban: „Jetzt kommt die erfolgreichste Rockband Italiens“)

Von dir gesendet: Heute um 22:50
oh sexy

Von dir gesendet: Heute um 22:51
also mit dem Look kann sich der Sänger schon auf der Fashion Week in Milano sehen lassen!

Von dir gesendet: Heute um 22:52
die italiener sind halt modesachverständig!

Von dir gesendet: Heute um 22:52
ich mein der Song hat keinen Wiedererkennungswert, aber seine Hose!

Von dir gesendet: Heute um 22:53
der Auftritt macht bestimmt mit am meisten Laune in der Halle!

Von dir gesendet: Heute um 22:55
Der Urban ist echt alt wie der Wald „das war waschechter Rock n Roll (…)“ Bestimmt hat er sich gewundert, dass keiner richtige Rock n Roll-Frisuren hatte.

Von dir gesendet: Heute um 22:56
bei dem schwedischen Sänger kann er auch wieder mit seinem „erinnert an König der Löwen“-Kommentar um die Ecke kommen.

Von dir gesendet: Heute um 22:56
muss aufs Klo.

Von dir gesendet: Heute um 23:00
Es gibt ein Land, das „San Marino“ heißt???

Von dir gesendet: Heute um 23:00
(kenne nur San Remo)

Von dir gesendet: Heute um 23:01
auf jeden Fall scheinen die da auch gerne zu tanzen!

Gesendet von Lydia: Heute um 23:02
https://de.m.wikipedia.org/wiki/San_Marino

Von dir gesendet: Heute um 23:02
Wikipedia:
„San Marino ist ein bergiger Kleinstaat im Norden Mittelitaliens. Er ist eine der ältesten Republiken der Welt und verfügt über viele historische Gebäude.“

Gesendet von Lydia: Heute um 23:03
Siehste Bildung!!!

Von dir gesendet: Heute um 23:03
hätten Sies gewusst?

Von dir gesendet: Heute um 23:05
Also ich bin für Russia und Dings….

Von dir gesendet: Heute um 23:05
war das Ukraine mit dem Bulgarian Voices Techno?

Von dir gesendet: Heute um 23:06
Iceland war auch nice

Von dir gesendet: Heute um 23:07
wenn man den Zusammenschnitt sieht, denkt man die Lieder waren viel besser.

Von dir gesendet: Heute um 23:07
(waren sie aber nicht)

Von dir gesendet: Heute um 23:07
ich bin nun auch noch mal für Litauen

Von dir gesendet: Heute um 23:08
ja Ukraine war Pink Parte 2

Von dir gesendet: Heute um 23:09
Der Norweger erinnnert mich an Otto Waalkes. (was kein Kompliment sein soll)

Von dir gesendet: Heute um 23:09
also wenn Otto Elton John persifliert.

Von dir gesendet: Heute um 23:10
berühmte Erasmusbrücke? Hä?

Von dir gesendet: Heute um 23:10
oh Gott, meine Bildungslücken.

Von dir gesendet: Heute um 23:12
Noch ein schönes Bild von Marika Kilius:
https://www.imago-images.de/st/0095822845

Von dir gesendet: Heute um 23:13
Schon toll, diese Erasmusbrücke, alle Achtung!
https://de.wikipedia.org/wiki/Erasmusbr%C3%BCcke

Von dir gesendet: Heute um 23:16
DAS ist jetzt Europop, Herr Urban.

Von dir gesendet: Heute um 23:25
ich meinte übrigens vorhin beim dem Schweizer nicht Depeche Mode sondern Bronski Beat. Jimmy Somerville, nicht wahr.

Gesendet von Lydia: Heute um 23:27
Mal sehen nun

Von dir gesendet: Heute um 23:27
Bronski Beat, Smalltown Boy
https://www.youtube.com/watch?v=88sARuFu-tc

Von dir gesendet: Heute um 23:28
ich mach mal ein prickelndes Getränk auf.

Von dir gesendet: Heute um 23:35
beim dritten Rückblick gefällt mir der Schnipsel von dem Schweizer doch auch ganz gut. Also im weltweiten Vergleich des Angebots.

Von dir gesendet: Heute um 23:40
Dingdong…! Das waren noch Lieder. Ein echter Ohrwurm! Ich bin für dieses Lied!

Von dir gesendet: Heute um 23:42
Teach In – Ding-A-Dong 1975
https://www.youtube.com/watch?v=sI78Bqp6z6g
Mega hook!

18. Mai 2021

Meine neueste Beobachtung, Erkenntnis: ich meine bereits an der Augenpartie zu erkennen, ob ich jemanden auch sonst attraktiv finde. Ich habe innerhalb von zwei Sekunden impulsive Rückschlüsse auf die übrige Physiognomie, die sich hinter der Maske verbirgt. Immer kann ich es nicht verifizieren, es wird ja nicht probeweise die Maske für mich heruntergezogen. Das ist eine Mixtur aus der Silhouette der Gesichtsknochen und des Blicks. und durchaus auch der übrigen Körperlichkeit. Ich mag ganz offenkundig keine sehr eng stehenden Augen. Mich zieht eher alles an, was in die Weite und Breite geht.

Großzügigkeit, weit auseinanderstehende Augen. Breiter, knochiger Kiefer, breite Stirn. Gepflegt. Man trägt mit Sicherheit ein Beuteschema in sich, das superarchaisch tickt. Wenn ich den kleinsten gemeinsamen Nenner zu identifizieren versuche, was mir einen erotischen Kick gibt, sind es diese Eckdaten im Gesicht, eine überdurchschnittliche Intelligenz und gute Körperbeherrschung, Feinmotorik, athletische Körperspannung. Und Forscherdrang. Und natürlich Eloquenz. Und Feingeist. Ja! Der Frühling ist dran, ich passe mich thematisch an.

17./18. Mai 2021

Jaja… meine nächtlichen Einträge. – – – ich liebe Rio so sehr. Wie jeder eben. Das kann sich mal jeder anhören, der nicht den Arsch in der Hose hat, sein Herz auf den Tisch zu legen. Zu knallen. So geht das. „Du kommst 14:30, ich um halb drei.“ Hey…! Und auch noch witzig! Aber Witzischkeit kennt Grenzen. Herz-Blut und -Wut.

Du bist zu warm, ich bin zu kalt.
Du bist zu jung, ich bin zu alt.
Du bist zu arm, ich bin zu reich.
Du bist zu hart, ich bin zu weich.

Ahahahahaaaa…

Du bist zu high, ich bin zu down.
Du bist zu ernst, ich bin n Clown.
Ich bring dich runter, du bringst mich rauf.
Ich mach nich weiter, aber du gibst nicht auf.

Ahahahahaaaa…

Alles Schutt und Asche.
Alles Rauch und Staub.
Alles Trick und Masche
Alles welkes Laub.

Ahaaaaa…

Ich bin müde.
Du denkst nach vorne, ich denk zurück.
Ich zieh das Pech an, du hast nur Glück.
Du bist der Größte, ich bin bankrott.
Ich bin n Teufel, du bist n Gott.
Du bringst das Geld rein, ich schmeiß es raus.
Du gehst durchs Feuer, ich geh nach Haus.

Ahahahaaaa…
Ohohohooo…

Alles Schutt und Asche.
Alles Rauch und Staub.
Alles Trick und Masche
Alles welkes Laub.

Ahaaaaa…

Ich bin müde.
Du kennst die Wahrheit, ich nicht mal dich.
Du bist die Liebe, ich lieb nur mich.
Ich bin verkrampft, du bist so frei.
Du kommst 14:30, ich um halb drei.

Ahahahahaaaa…

Alles Schutt und Asche.
Alles Rauch und Staub.
Alles Trick und Masche
Alles Rauch und Staub.

Ahaaaaa…

Ich bin müde.

16. Mai 2021

Heute 233. Geburtstag von Friedrich Rückert und 130. Geburtstag von Richard Tauber! Friedrich Rückert habe ich schon sehr oft hier zitiert, aber heute wollen wir des Tenors Richard Tauber gedenken.

Meine Oma Alma hatte einige Jahre nachdem sie nach dem Tod meines Großvaters André Witwe war, noch einmal einen Mann geehelicht, der dann mein Stief-Opa war, Anton. Er hatte eine stattliche Sammlung von Schellack-Platten und auch ein altes Grammophon, auf dem er bis in die Siebziger Jahre immer noch gerne seine alten Schallplatten angehört hat. Das war sehr gemütlich.

Eine ganz große Rolle nahm in der Sammlung Richard Tauber ein. Er erzählte immer wieder begeistert von seinem Lieblingssänger, dass ich schon als kleines Kind verstand, dass er wohl so eine Art Frank Sinatra seiner Zeit gewesen sein muß. Die Zeitungen seiner Zeit bezeichneten ihn als König des Belcanto.

Ich mag auch viele Aufnahmen von ihm recht gerne, wobei das auch sehr viel mit den alten Arrangements und der Instrumentierung zu tun hat. Da wird man auf eine besondere Art nostalgisch. Das Gefühl stellt sich bei mir allerdings nicht bei Neuaufnahmen ein, die ähnlich arrangiert sind und so tun, als ob. Wie z. B. bei diesem bekannten Sänger, der das imitiert. Wie heißt er noch. … wohnt auch in Berlin und macht den Gesangsstil nach. Ich meine nicht Henry de Winter, sondern den anderen. Sie wissen, wen ich meine.

Das ist mir zu sehr Karikatur und Klamauk. Obwohl ich gerne lache, aber betont lustig gemeinte Lieder finde ich allermeistens eher langweilig. Wobei die Comedian Harmonists schon erheiternd und unterhaltsam waren. Besonders auch die Texte. Aber das gibt es ja alles als Aufnahmen, das muss man nicht imitieren. Die operettenhafte, proklamierende Art, überdeutlich zur artikulieren, war damals Standard, State of Art, und ganz ernst gemeint. Das Pathos von Richard Tauber war echt. Ich nehme ihm das alles ab.

Das Lied von der Lore-Ley, nach dem Gedicht von Heinrich Heine 1837 von Friedrich Silcher vertont, kennt jeder. Richard Tauber hat es 1939 in London aufgenommen, am Klavier begleitet von Percy Kahn. Tauber war 1938 nach England emigriert, während einer Welttournee hatte er die Gelegenheit ergriffen.

Er spielte selbst sehr gut Klavier und dirigierte sogar gelegentlich das London Philharmonic Orchestra. Er starb im Alter von nur 56 Jahren an einer Lungenerkrankung in London. Neben dem Lied von der Lore-Ley gefallen mir auch seine Aufnahmen des Schäferliedes und von Schuberts Ständchen ganz besonders gut.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin;
ein Märchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
und ruhig fließt der Rhein;
der Gipfel des Berges funkelt
im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
dort oben wunderbar;
ihr goldnes Geschmeide blitzet,
sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
und singt ein Lied dabei;
das hat eine wundersame,
gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh;
er schaut nicht die Felsenriffe,
er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende Schiffer und Kahn;
und das hat mit ihrem Singen
die Lore-Ley getan.

Heinrich Heine, 1824

P.S. „Lore-Ley“ ist die originale Schreibweise von Heine.

15. Mai 2021

15. Mai 2021. Unangekündigte Sonne! Die sechzehn-Tage-Prognose für Berlin verkündete gestern durchgängige Bewölkung und Regen für die kommenden Wochen. Bitter! Aber: die Prognose stimmt nicht. Ja, da waren auch Wolken, aber wenn die Sonne kam, dann richtig. Unten am Gipsdreieck fand wieder unermüdlich eine Art Parkfest statt. Ich sehe das von da oben. Ich sehe alles! Am Morgen danach kommen dann immer die Jungs von der BSR und räumen die leeren Wein-, Prosecco-, Crémant-, Sekt- und Champagnerflaschen weg. Bierkästen gibt es während des Gelages auch zu sehen, die werden dann aber meistens wohl doch wieder mitgenommen. Aber es sind schon hauptsächlich – ich nenne sie mal „Parkgäste“, die vorzugsweise vergorenen Traubensaft konsumieren.

Neulich hab ich wo ein Foto von den leeren Flaschen gesehen, bevor sie weggeräumt wurden. Darunter waren Kommentare, die die Grüppchen, die sich da unten treffen, als „Millenials“ bezeichnet haben. Sie sind insgesamt friedlich (es gibt kein Gezeter, wie auch schon mal andernorts), aber sehr kommunikativ. Das ist meiner Vermutung nach auch der Grund der Versammlung. Eine meinungsstarke Demonstration für den Genuss von Wein und Small Talk. Es ist halt doch was anderes, mit jemandem nur virtuell zu chatten oder Auge in Auge gegenüberzustehen. Auch mir ist der Vorgang nicht unbekannt. Aber bei den Feierlichkeiten da unten war ich noch nie dabei. In letzter Zeit gibt es auch manchmal Musik, die von einem Gerät abgespielt wird, das jemand mitgebracht hat. Es wird viel geschnattert und gelacht. Da ich bei gekipptem Fenster schlafe, höre ich manchmal beim Einschlafen noch das Klappern von Flaschen.

Mein Samstag heute war unaufgeregt. Aber ich habe etwas zum ersten mal gemacht. Sogar zwei Sachen. Ich habe die Regenrinne unter dem kleinen Balkon zur Nordseite ein bißchen sauber gemacht, sie sah schon aus wie ein Blumenkasten, in dem das Kraut sprießt. An sich lasse ich ja gerne alles wachsen, was so kommt, aber so eine starke Zweckentfremdung der Regenrinne war mir auf Dauer doch suspekt. Das kam von den ganzen Resten von den zweiundzwanzig Frühlingen und Sommern und Herbsten und Wintern, die ich hier verbracht habe. Erde, Hölzchen, Laub. Das wird irgendwann Humus. Ich hab die Erde dann in meine zwei kleinen Beete verteilt. Beim Saubermachen hab ich aber Sauerei auf dem Steinboden fünf Etagen tiefer verursacht. Ich bin dann mit meiner Gießkanne und dem Müll nach unten und hab die Hölzchen und Stöcken weggemacht und mit Wasser weggespült. Dann hab ich den kleinen Ahorn besucht, der sich nun gut eingelebt hat. Ich besuche ihn fast jeden Tag. Schon am dritten Tag hat er die Flügel nicht mehr hängen lassen, es geht ihm gut. Gegossen hab ich ihn auch noch extra, obwohl es ja zwischendurch immer mal geregnet hat und er jetzt auch Wasser aus dem richtigen Berliner Erdreich ziehen kann. Das war mehr so als Geste, um ihm zu zeigen, dass ich mich immer noch um ihn sorge und kümmere!

Jetzt sprießt auch wieder das Weinlaub an den Hauswänden und rankt zu mir herauf. Die linke Wand aus meiner Blickrichtung ist schon wieder schön grün, aber die Blätter werden noch größer. Auch rechts kommt jetzt eine Ranke zu mir hoch, das ist das erste mal. Um den Wuchs zu mir noch mehr zu ermuntern, habe ich die drei Stöcke, die die Wände bewuchern, extra noch mal mit der Gießkanne gegossen. Unten im grünen Hinterhof, wo auch mein Ahorn wohnt, ist ein Wasserhahn. Ich bin begeistert, wie sich der Wuchs in diesem Jahr entwickelt. Wenn man Blumen und Sträucher und Bäume um sich hat, um die man sich kümmert, fühlt man sich mit dem Ort noch mehr verbunden, ja verwurzelt.

Dann habe ich noch Wäsche gewaschen und mit Lydia ausführlich über Hüte geplaudert. Ferngesteuert im Chatfenster. Zwischendurch natürlich auch noch gegessen und getrunken und Musik gehört. Und gelesen. Und in die Sonne geblinzelt, wie man sieht. Ach, und bei Edeka in der Großen Hamburger war ich ja auch noch. So Sachen eben.

10. Mai 2021

Sonntag in Gaganien! (Zitat „Ich mache nachher ein Foto.“) (…) Wir sehen zunächst den Ausblick vom Südbalkon des Gagingham Palasts, zu dessen Füßen sich das gaganische Volk beim Picknick unter dem Apfelbaum und mit Ballspielen die Zeit vertreibt. Nachdem mein Blick ausreichend und wohlwollend auf dem sonntäglichen Treiben geruht hatte, begab ich mich in die geheimen Gärten, die nur mit einem Schlüssel begehbar sind (über welchen ich selbstverständlich verfüge).

Dort sah ich nach dem von mir am gestrigen Abend gepflanzten Ahorngewächs, welches zu meinem Entsetzen die Flügel (oder wie man das nennt) hängen ließ. Nun gut, es ist mein erster Baum, den ich gepflanzt habe, mir fehlen da noch Erfahrungswerte und Daten, ob das normal ist. Ich vermute, die Kreatur muss sich noch etwas eingewöhnen. Im Vergleich zu dem doch recht kleinen Topf vorher ist das wahrscheinlich, als ob man von einer zwanzig Quadratmeter Studentenbude in die Villa von Bill Gates umzieht. Da müsste sich wohl jeder umgewöhnen und die Eindrücke erstmal verarbeiten.

Hernach führte mich mein Spaziergang zum alten Garnisonsfriedhof von Gaganien, wo wir herrliche alte Gräber haben, unter anderem vom preußischen Generalleutnant, Chef der Land- und Grenzgendarmerie, Stadtkommandant und Gouverneur von Berlin: Ludwig Matthias Nathanael Gottlieb von Brauchitsch, geboren am 7. Mai 1757 zu Breslau; verstorben am 19. Januar 1827 in Berlin (Sie werden ihn kennen).

Auch dort blüht der Flieder und es gibt grüne Wiesen, die das gaganische Volk sehr gerne dafür nutzt, sich hinzulegen und rechtschaffen von der beschwerlichen Coronawoche auszuruhen. Auf so einem Friedhof wird ja allgemein eher gelegen, daher habe ich keinerlei Einwände dagegen vorzubringen, dass die noch lebende Bevölkerung auch diese Position einnimmt. Ich zeige mich in diesen Dingen großzügig.

Der Rückweg zum Gagingham Palast führte mich an den Anpflanzungen des Amano-Hotels vorbei, dessen Gärtner sich heuer für Zitronenbäume entschieden hat. I approve!

09. Mai 2021

Wer kennt es(?): auf fb im Newsstream einen Werbebeitrag zwecks Bereinigung wegklicken, die angebotenen Antworten zur Begründung „irrelevant“ / „sensibles Thema“ / „zu persönlich“ / „weiß zu viel“ (???) / „beleidigend“ / „wiederholend“ / „bereits erworben“ ebenfalls wegklicken, ohne eine Auswahl zu treffen.

Soeben habe ich ausnahmsweise mal nicht sofort weggeklickt, sondern als Begründung „bereits erworben“ gewählt. Es ging um ein Bild von Basquiat, das bei Sotheby’s zur Auktion steht. Stimmt zwar nicht, war aber ein tolles Gefühl! Ich habe bei Sotheby’s einen BASQUIAT ersteigert!!!!! (Meine blühende Phantasie ist mehr wert als Gold.)

09. Mai 2021

Das (mir bekannte) sexieste Mai- und Frühlingslied der Welt wurde 1973 von Manfred Krug getextet (alias „Clemens Kerber“), gesungen und aufgenommen. „Wenn’s draußen grün wird“. Beachten Sie auch das extrem flotte Schlagzeug von Wolfgang ‚Zicke‘ Schneider!

Wenn’s draußen grün wird, fällt mir nur noch Liebe ein (ohh yeah)
Es kommt über mich und bricht mir das Herz (bibi, düdüdüdü)
Mag Sonne scheinen oder mag es trübe sein (düdüdüdüdü)
Ein Gefühl so zwischen Freude und Schmerz

Im wunderschönen Monat Mai
Als alle Knospen sprangen
Da ist nicht nur in Heines Herz
Liebe aufgegangen

Wenn’s draußen bunt wird, dann wird mir so gut zumut‘ (ohoho)
Und auch jeder Blume, jedem Getier (weep, weep, wowowo)
Dann steigt der Saft in Bäume und auch uns ins Blut (weep, wowowowo)

Dann muss ich zu dir und du musst zu mir
Im wunderschönen Monat Mai
Als alle Knospen sprangen
Da ist nicht nur in Heines Herz
Die
Liebe aufgegangen

09. Mai 2021

ERNTE IN GAGANIEN, Papier, Acryl, Geschirrtuch, Karton, Aug./Sept./Okt. 2020, 50 x 60, Staatliche Museen von Gaganien

Jawohl, es gab auch eine Ernte in Gaganien! Im letzten Herbst wurde fleißig geerntet und die Früchte eingelagert, die ich jetzt präsentiere. Das Bild hat ein Geheimnis. Die Früchte sind aus kleinen Kernen von einer anderen großen Frucht gezogen. Also einem größeren Bild, das ich noch nicht gezeigt habe. Ich möchte keine Herbststimmung verbreiten, sondern auf die Schönheit der Natur aufmerksam machen, die jetzt ja wieder ihr allerschönstes Kleid anzieht. Heute ist endlich ein richtig frühlingshaft warmer Tag.

Meine Haare sind noch vom Duschen nass. Ich werde in der Sonne spät frühstücken und mich zurechtmachen und ein wenig durch Gaganien spazieren. Auch will ich den Ahornbaum besuchen, den ich gestern bei uns unten im grünen Hinterhof gepflanzt habe. Seit drei Jahren kam immer wieder so ein kleiner Baum in einem Blumentopf auf dem Südbalkon, den ich gar nicht gepflanzt hatte, den hat es einfach zu mir geweht. Jetzt wird er langsam so kräftig, dass mir der Topf zu klein vorkam, als Dauerwohnung. Deswegen habe ich ihn gestern an einer guten Stelle ins Berliner Erdreich gepflanzt. Der erste Baum, den ich gepflanzt habe! Gewächse umtopfen zähle ich nicht dazu, dann hätte ich ja auch den kleinen Olivenbaum, den ich gestern umgetopft hätte, mitzählen müssen. Ich mache nachher ein Foto!

06. Mai 2021

Es färbte sich die Wiese grün
Und um die Hecken sah ich blühn,
Tagtäglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Und immer dunkler ward der Wald
Auch bunter Sänger Aufenthalt,
Es drang mir bald auf allen Wegen
Ihr Klang in süßem Duft entgegen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Es quoll und trieb nun überall
Mit Leben, Farben, Duft und Schall,
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Daß alles möchte lieblich scheinen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Vielleicht beginnt ein neues Reich –
Der lockre Staub wird zum Gesträuch
Der Baum nimmt tierische Gebärden
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Wie ich so stand und bei mir sann,
Ein mächtger Trieb in mir begann.
Ein freundlich Mädchen kam gegangen
Und nahm mir jeden Sinn gefangen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Sie ging vorbei, ich grüßte sie,
Sie dankte, das vergeß ich nie –
Ich mußte ihre Hand erfassen
Und Sie schien gern sie mir zu lassen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Uns barg der Wald vor Sonnenschein
Das ist der Frühling fiel mir ein.
Kurzum, ich sah, daß jetzt auf Erden
Die Menschen sollten Götter werden.
Nun wußt ich wohl, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Novalis (Georg Philipp Friedrich v. Hardenberg 1772 – 1801)

05. Mai 2021

Ich habe heute viereinhalb Stunden lang Trendfrisuren bei neun jungen Männern im Alter zwischen 20 und 29 Jahren studieren können. Zu meiner Zeit waren Männerhaare nicht so toll und perfekt gestylt. Sieben von neun hatten einen rasanten Kurzhaarschnitt mit kurz gehaltenen Schläfen, so sidecut-mäßig und länger gehaltenem, vollem Deckhaar, das zum Teil kunstvoll hochgestylt war, so ein bißchen Elvismäßig, aber ohne Rockabilly-Anmutung, sondern modern.

Einer hatte eine nicht so attraktive Mütze auf (Kopfsocke), da konnte ich nur sehen, dass die herausschauenden Haare auch eher kurz und dunkel waren. Einer hatte die ganze Zeit die Kapuze von seinem Hoodie auf (brauchte er vermutlich für sein Wellnessgefühl), da guckte im Stirnbereich nur irgendwas dunkelblondes vor, ich habe keine Ahnung, was er für eine Frisur hatte, ob kurz oder lang.

Bei den gestylten Jungs saß die Frisur auch noch nach der vierten Stunde, daher vermute ich Stylingpräparate, evt. sogar Haarspray. Aber die Haare sahen bei keinem verklebt aus. So viel zu meinen Beobachtungen in Sachen Trendfrisuren bei jungen Herren, Stand 5. Mai 2021. Auch noch für die Statistik: sieben davon sind Berliner, einer Brandenburger, einer von irgendwo außerhalb.

P.S.: bei keiner Frisur konnte ich gefärbte Haare identifizieren, sahen alle aus wie die Naturhaarfarbe. Also diverse Töne von Dunkelblond über Hellbraun bis Dunkelbraun und auch Schwarz.

P.P.S. Alle haben einen Negativ-Test von gestern vorgelegt. Ich habe auch einen!

3. Mai 2021

VF III. Vanity Fair Logos 1992 – 2020, Papier, Acryl, Blattgold, PVC, 42 x 54 cm, 28. – 29. November 2020, Staatl. Museen v. Gaganien. Dritter Teil der Vanity Fair Trilogie. I. und II. sind im Flur, III. hängt an der Waschmaschine. Das Vanity Fair Logo hat sich seit Gründung des Magazins im Jahr 1913 immer wieder verändert. In den vergangenen dreißig Jahren gab es mitunter die Renaissance einer älteren Typographie, die ich am schönsten finde. Mit diesem dritten Werk hatte ich tatsächlich hinbekommen, für die von meiner Buchbinderei der Editionen übrigen Logos in allen möglichen Größen, eine Anordnung zu finden, die alle Schnipsel unterbringt.

01. Mai 2021

Erster Mai! Ich war spazieren. Es hat doch nicht geregnet, bißchen Sonne sogar zuweilen. War im Atelier, habe Scherben von einem zerbrochenen Keramikteller im Bambus-Blumenkasten verteilt. Wenn die Sonne knallt, wird die Erde nicht so schnell trocken und es sieht ganz schön aus. Dann ist mir die Lust vergangen, noch mehr zu machen. Ich war unruhig und wollte was anderes sehen.

Die Kamera eingepackt und Richtung schräg gegenüber, in die Wildnis der Prinzessinnengärten, vormals Friedhof. Da ist eine schöne Magnolie. Mach doch mal so ein typisches Frühlingsfoto vor blühendem Baum, dachte ich mir. Das kommt gut an! Die Magnolie war schon kurz vorm Verblühen. Dann bin ich weiter, mir fiel ein, dass es ein paar hundert Meter weiter noch andere Friedhöfe gibt und auch Magnolien. Da landete ich dann auf einem Friedhof, wo die türkischstämmigen Anwohner ihre Angehörigen bestattet haben. Also unter anderem. Es gibt auch uralte deutsche Gräber, aber jede Menge neue mit türkischer und arabischer Schrift. Viel Text, ich kann das ja leider nicht lesen. Und die neueste Mode ist offenbar, dass man Lieblingsfotos von den Verstorbenen direkt auf den Grabstein appliziert, irgendein digitales Verfahren. Die reinsten Fotoalben in überdimensional.

Ich hab es nicht fotografiert, weil es mir zu persönlich erschienen wäre, wie übergriffig. Sind ja keine Angehörigen von mir. Aber schon ungewohnt, so eine Dame im Bauchtanzkostüm auf einem schwarzen Grabstein zu sehen, lebensgroß. Für meinen Geschmack werden zu viele Herzen verarbeitet, aber es ist nunmal eine Herzenssache. Auch sieht man oft eine Sitzgruppe aus dem gleichen Granit oder Marmor vor dem Grab. Mit Tisch in der Mitte, wie im Gartenlokal. Das muss unfassbar teuer sein. Manche Gräber sind so großformatig, fast schon pyramidenartig, mit mehreren Stufen mit einem Plateau, dass mir nicht mal Berliner Ehrengräber in der Größe einfallen. Also ich fand die alle nicht „schön“, aber sehr speziell und so noch nie gesehen.

Dann war ich noch bei einer Magnolie am Ausgang und hab noch mal Frühlingsfotos gemacht und fertig war der Spaziergang! Gibt einem ein bißchen das Gefühl, den ersten Mai angemessen begangen zu haben. Weniger wegen Friedhof, sondern wegen Spaziergang und Magnolien. Jetzt bin ich wieder daheim.

Da fällt mir noch ein, in der U 8 hinwärts hatte ein junger Mann seinen Musikapparat laut aufgedreht und beschallte das Abteil mit „Keine Macht für Niemand“. Ich wurde ein wenig sentimental. Oder nein – nicht sentimental – nostalgisch! Ich kam mir für ein paar Minuten wie ein Fahrgast-Komparse in einem Rock-Musical über den ersten Mai in den Achtzigern vor. Er ist am Hermannplatz ausgestiegen, die Hoodie-Kapuze tief ins Gesicht gezogen.

01. Mai 2021

Im Mai sind alle Blätter grün, im Mai sind alle Kater kühn. Drum wer ein Herz hat, faßt sich eins, und wer sich keins faßt, hat auch keins.

Otto Julius Bierbaum (1865 – 1910)

Boudoir. Papier, Acryl, Zitat-Fagmente „Maikaterlied“ Otto Julius Bierbaum, 1901 (Reliquie 2016), Fragment Otto Mueller „Drei Mädchen im Spiegel“, 1912, Leinengeschirrtuch, Plexiglas, Bütten, Tinte, PVC-Pfeffersalamiverpackung, Blattgold, 30 x 40, 1. Mai 2016, 3. – 5. Juli 2020, 12. Dez. 2020, Staatl. Museen v. Gaganien

30. April 2021

Schatzkammer III befindet sich im Eingangsbereich meines kleinen Hauptstadtateliers! Wir bewegen uns im Uhrzeigersinn, vorbei am Eingang zur noch nicht gezeigten Schatzkammer IV. (Küchenkammer), von der im hinteren Bereich die bereits gezeigte Schatzkammer II. (Speisekammer) abgeht, vorbei am Eingang zur auch schon gezeigten Schatzkammer I. (Badekammer), vorbei an der Haupteingangstür, vorbei am Eingang zur noch geheimen Schatzkammer V., in der ich noch ein bißchen aufräumen muss.

Außerdem kommen jetzt lauter Regentage und ich will schon ein bißchen flutendes Sonnenlicht auf den Bildern von Kammer IV. und Kammer V. haben. Ich möchte jetzt nicht so weit gehen, den kleinen Balkon auch noch als Schatzkammer VI. zu bezeichnen. Da wäre eventuell doch ein bißchen arg prätentiös. Obwohl da auch ein Bild hängt! Mal sehen. Das hier ist jedenfalls erstmal die dritte Schatzkammer, wie sie jetzt seit allerneuestem aussieht.

Ein ganz klarer Vorteil im Vergleich zu den Schatzkammern der alten Pharaonen in Ägypten ist, dass in meinen Schatzkammern die Luft zirkuliert und man nicht husten muss, da es keinen Schimmel gibt! Ich muss keine Maske in den Räumen tragen, sehr angenehm! Eintritt ist auch frei. Und es gibt Getränke! Aus einem kleinen gekühlten Schatzkästchen in Schatzkammer IV. Auch für Häppchen ist gesorgt. Die bereite ich mir höchstpersönlich selber zu, ich bin demzufolge unabhängig von Dienern. Auch ein Vorteil im direkten Pharaonen-Vergleich! Noch mehr Bilder aus sämtlichen Winkeln der Schatzkammer gibt es hier. Obwohl das jetzt ja auch schon recht viele sind, die ich hier zeige. Aber mehr ist mehr!

29. April 2021

VF II. vom Buchbinden übrige Vanity Fair-Logos, Lackmalstift, Kunststoff, 30 x 56, Nov. 2020, Staatl. Museen v. Gaganien. Gaga Nielsen und wie sie die Welt sah. Nämlich: grafisch! Ich weiß, dass andere Menschen wohl andere erste Wahrnehmungen haben müssen, wenn sie etwas sehen. Für mich ist zunächst alles Sichtbare losgelöst von der Funktion, obwohl ich in der Lage bin, diese zu erkennen. Mir springt zuerst die Form und die Farbe ins Auge, beides gleichzeitig. Wie Puzzleteilchen, die am besten an einer bestimmten Stelle aufgehoben sind und passen. So sehe ich die Welt. Dass diese Sachen auch noch Sachen machen können, ist eine feine Sache, die ich mir gerne auch zunutze mache!

28. April 2021

Sehr geehrte Damen und Herren, heute präsentiere ich Ihnen mein Schmutziges Hobby! 50 x 50, Acryl, Leinwand, Tombola-Lose von der Viewing Party „Queen of Drags“ 2019, Reklame-Toy Boy aus gratis Gay-Zeitschrift aus dem Hobby! Staatl. Museen v. Gaganien.

Leider kann man auf dem fertigen Werk nur noch mit der Lupe erkennen, was auf den einzelnen Losen steht. Es ist so eine Art Poesie-Album, das ich zum steten Gedenken im Mai 2020 gebastelt und gemalt habe. Im November und Dezember 2019 bin ich immer mit Lydia zu den Viewing Parties ins Hobby gepilgert, das ist so ein lustiger Club auf dem RAW-Gelände in der Revaler Straße. Schön aufgetranst mit Glitzer und Klimper-Wimpern. Einmal war auch Jenny mit und einmal Ina. Und noch zwei andere Freundinnen von Lydia. Wir hatten viel Spaß und haben wild getanzt. „Damals“ war Bad Guy von Billie Eilish gerade der heiße Scheiß und wir haben abgehottet, als gäbe es kein Morgen.

Da habe ich gelernt, dass es auf der Erde nur eine deutschsprachige männliche Bevölkerungsgruppe gibt, die richtig, richtig, richtig gut tanzen kann, und das ist die Gay Community <3. Und dann die tollen Ehrengäste aus der Show! Katy Bähm und Candy Crash und Bambi Mercury, für den ich IMMER gevotet habe und der an dem Tag im Hobby war, als er Papa von Zwillingsmädchen wurde. Da haben wir alle darauf angestoßen – mir kommen gleich die Tränen! Es war alles eine Augenweide und man durfte mitmachen, so schön….! Im Mai 2020 kam es mir schon wie ewig her vor, dass wir tanzen waren. Aber jetzt…. ! Puh. Das fehlt mir mit am meisten. Und natürlich Live Musik. Und Essen gehen. Und Trinken gehen. Und Tanzen Tanzen Tanzen! Am besten alles zusammen. Hab ich erwähnt, dass ich gerne tanze?

27. April 2021

Sonnenschein! Gestern auf dem Balkon im Atelier geknipst. Jetzt in der Sonne an der Balkontür von meinem Adlerhorst. Die Haare sind noch nicht ganz trocken und übrigens nicht blondiert. Das sieht in der knalligen Sonne nur so hell aus. Habe diese Woche Ferien und fahre gleich zum „Holländer“ am Olympiastadion. Ein Pflanzengeschäft, mit großer Draußen-Verkaufsfläche, da muss man keinen Negativtest vorlegen. Ich hab eine Negativbescheinigung vom 23. April, die zählt ja nicht mehr. Morgen könnte ich natürlich schummeln und aus der 23 eine 28 machen. Mit einem schwarzen Fineliner wäre das kein Problem. Aber ich bescheiße nicht! Das ist nicht mein Stil. Das kommt alles zu einem zurück. Schwindeln, Lügen und Betrügen gehört nicht zu meiner Werkseinstellung! Meiner Meinung nach wirken sich Unwahrheiten und Schummeleien ungünstig auf die Ausstrahlung aus. Da wäre ich schon viel zu eitel, ich möchte gut aussehen!

Meine Haare sind bestimmt gleich trocken, die Sonne ist endlich mal richtig warm, aber man spürt drumherum immer noch so ein kühles Lüftchen. Gabs schon mal so einen kalten April mit Winterprognose für Mai? Na ja, nichts Schlimmeres soll uns widerfahren. Ich höre gerade gute Laune-Musik. „Señorita“ von Shawn Mendes und soundso. Ähnlich gute Stimmung macht mir „Shape of You“ von dem rothaarigen Sänger, Dings – Ed Sheeran. Neulich hat er irgendwo erzählt, dass er ein heimliches Hobby hat, das darin besteht, überall Legosteine mitzunehmen, z. B. früher, wenn er auf ein Date gewartet hat. Hilfe! Abgesehen davon, dass er mir von der Optik her auch zu mainzelmännchenhaft ist – ich möchte kein Date mit jemandem, der vorher mit Legosteinen spielt. Ich bin ja auch verspielt und spiele mit Farbtöpfen und so weiter, aber doch nicht, wenn ich im Lokal auf eine im Idealfall erotische Begegnung warte.

Auch noch gute Laune macht mir „New York – Empire State of Mind“ von Alicia Keys und ein neueres Lied, also auch nicht mehr ganz neu, aber ich habs bisher nicht richtig registriert, von diesem Ex-The Voice-Kandidaten Max Giesinger und einer gewissen Lotte, „Auf das, was da noch kommt„, schon eine supertolle Hook! Kann man nicht schlechtreden. Ich ziehe mich langsam mal an, für mein Rendezvous mit meinem Holländer! Ich will hochwachsende Gräser kaufen, als Sichtschutz für die rechte Seite von meinen Atelierbalkon. Das ist charmanter als so eine Trennwand und die Sonnenstrahlen können zwischen den Grashalmen zu mir tanzen!

24. April 2021

Schatzkammer II. Ich mach mir die Welt, wiedie wiedie, wie sie mir gefällt! Stolze anderthalb Quadratmeter, aber drei Meter hoch! So eine Speisekammer bietet locker Platz für zwanzig Bilder und einen bequemen Schaumstoffblock als kleine Liegewiese und Muschi-Pupu-Beleuchtung! – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Ich hab‘ ein Haus, ein kunterbuntes Haus, ein Äffchen und ein Pferd, die schauen dort zum Fenster raus. Drei x drei macht sechs, wer will’s von mir lernen? Alle groß und klein, trallalala lad‘ ich zu mir ein!

18. April 2021

Mein kleines Schatzkammer-Bad im Atelier. Jetzt mit schickem, neuen Teppichboden! Eigentlich war das gar keine Auslegware, sondern ein freiliegender Teppich von einem Laden in New York, wo ich natürlich nicht selbst zum Einkaufen war.

In den Sechziger Jahren ist eine Familie aus dem Iran nach Amerika ausgewandert und hat dort ein Geschäft mit Teppichen eröffnet. Das haben sie immer weiter und sehr erfolgreich ausgebaut und jetzt ist es ein riesiges Einrichtungsgeschäft in der Fifth Avenue!

Man merkt bei dem Teppich, dass er für amerikanische Ansprüche gewebt wurde. Extra dick und weich. Nicht alles, was aus Amerika kommt, ist schlecht! Wird aber natürlich in der Türkei gewebt, wie die meisten guten Teppiche. Eine Behausung ganz ohne Teppiche kann ich mir gar nicht vorstellen.

Das ist die erste Schatzkammer von meinem neu sortierten Atelier. „Neu eingerichtet“ wäre der falsche Begriff, weil man sich dann irgendwelche neuen Möblierungen vorstellt, die es dort ja so gut wie gar nicht gibt. Ein paar Bilder hängen anders.

In der Dusche, die ich nicht so richtig fotografiert habe, sind jetzt viele Säulenskulpturen. Nur auf einem etwas verschwommenen Foto mit mir drauf, kann man es im Hintergrund sehen. Ich fotografiere auch noch die anderen Schatzkammern.

17. April 2021

[…]

Schau den Regenbogen an und preise den, der ihn gemacht hat! Überaus schön ist er in seinem Glanz.

Er zog am Himmel einen Kreis von Herrlichkeit, die Hände des Höchsten haben ihn ausgespannt.

Mit seinem Befehl führt er rasch den Schnee herbei und er beschleunigt Blitze, wie er es bestimmt.

Deswegen sind die Schatzkammern geöffnet und die Wolken sind ausgeflogen wie Vögel.

In seiner Größe hat er Wolken zusammengeballt und Hagelsteine aus ihnen geschlagen.

Bei seinem Anblick erbeben die Berge, durch seinen Willen weht der Südwind.

Die Stimme seines Donners versetzt die Erde in Wehen, ebenso ein Sturm aus dem Norden und ein Wirbelwind.

Wie Vögel herabfliegen, so streut er Schnee aus, wie eine Heuschrecke, die sich niederlässt, fällt er herab;

Seine weiße Pracht bewundert das Auge und über Schneeschauer staunt das Herz.

Er streut Reif wie Salz auf die Erde, und wenn er gefroren ist, entstehen Eiszapfen.

Ein eisiger Nordwind weht und Eis gefriert auf dem Wasser.

Auf jedem stehenden Gewässer lässt es sich nieder, wie mit einem Panzer bekleidet sich das Wasser.

Er verschlingt die Berge, dörrt die Wüste aus und versengt das sprossende Grün wie Feuer.

Feuchter Nebel bringt rasch für alles Heilung, der Tau, der niederfällt, wird nach der Hitze erfrischen.

Nach seinem Plan bändigt er den Abgrund des Meeres und pflanzt Inseln hinein.

Die das Meer befahren, erzählen von seiner Gefahr und wir staunen über das, was unsere Ohren hören.

Dort gibt es unglaubliche und wunderbare Werke, eine Vielfalt von allen Lebewesen, eine Schöpfung von Ungeheuern.

Seinetwegen ist sein Bote erfolgreich und durch sein Wort ist all das zusammengefügt.

Vieles werden wir sagen, aber wir kommen nie an ein Ziel und das Ende der Worte ist: Er ist das All.

Wo werden wir die Kraft finden, ihn zu preisen? Denn er selbst ist der Große über all seinen Werken.

Ehrfurcht gebietend und überaus groß ist der Herr, wunderbar ist seine Herrschaft.

Die ihr den Herrn lobt, erhöht ihn, so viel ihr könnt, denn er wird es noch übertreffen!

Die ihr ihn erhöht, tut es mit vermehrter Kraft! Werdet nicht müde, denn ihr kommt nie an ein Ziel!

Wer hat ihn gesehen und kann von ihm erzählen? Wer preist ihn, wie er ist?

Viele verborgene Dinge sind größer als dies, denn nur wenige seiner Werke haben wir gesehen.

Denn alles hat der Herr gemacht und den Frommen hat er Weisheit geschenkt.

Jesus Sirach 43,28, Altest Testament, 190/180 v. Chr.

14. April 2021

„Es ist vollbracht.“ Farewell, June. Gruß an Helmut.

Ich habe June Newton, die als Fotografin unter dem Namen Alice Springs arbeitete, zweimal aus der Nähe erlebt. Einmal um die Jahrtausendwende mit Helmut Newton auf der Bühne des Renaissance-Theaters, eine Matinée an einem Sonntagvormittag, bei der die beiden mit Gero von Boehm sehr launig plauderten.

Und dann noch einmal im Juni 2008, oder eigentlich zweimal, kurz hintereinander anlässlich einer Ausstellungseröffnung in der Newton Foundation, zuerst bei der Pressekonferenz am Vormittag und dann am darauffolgenden Abend beim Opening. Jan war auch dabei. Dreizehn Jahre her… da war sie auch schon betagt, aber noch kein bißchen gebrechlich. Dabei entstanden eine Reihe Aufnahmen von ihr (von mir), unter anderem dieses. Hier sind die anderen Bilder zu sehen.

13. April 2021

Fasanenpalme rahmen, hängen ERLEDIGT! (Blattgoldfinish?)
Glasplattenschachtel hinter David ERLEDIGT!
– Weltgeheimnis Seitenhaken Wand Nagel/Holz Schraube hängen ERLEDIGT!
Käferdings Rückwand 3 D-Abstand, hängen ERLEDIGT!
Zebradings Rückwand 3 D-Abstand, hängen ERLEDIGT!
Durchgang-Vorhang anders rum ERLEDIGT!
Läufer Missina (Mi?) ERLEDIGT!
– Arm, wohin, wie? ERLEDIGT!
Über Weltgeheimnis? Nix, ERLEDIGT!
Marokk. Spiegelfenster Weiß, ERLEDIGT! wohin? Balkon?
Rostigen Übertopf mit- (selbe Farbe) ERLEDIGT!
Scherben einweichen ERLEDIGT!
– Kupferkessel zerlegen

26. März 2021

Greta to Glam. …

„This issue of 1992 Architectural Digest has been hauting me for more than 20 years. It presents photos of Greta Garbo’s colorful NY Apartment. I Always regretted Not Stealing it From It’s owner. I usually don’t Steal From people’s Coffee tables but that was exactly how the owner, a very terrible Person, had come into It’s possession.Thanks to the incredible one-and-only Gaga Nielsen it’s with me now. No Stealing necessary.“

Glam|Volker Ludewig, 23. März 2021

: : A R C H I T E C T U R A L : : D I G E S T : :

ACADEMY AWARDS EDITION ~ April 1992

~ TABLE OF CONTENTS ~

12 Letters from Readers

16 Contributors

20 William Wellmann in Hollywood
Flying High with the Director of the Academy’s First Best Picture

34 Dressing Rooms of the Stars
Vintage Studio Bungalows Tailored to Film Personas

48 Robert Usher: Imagining Movies
Visual Genius of Paramount’s Innovative Art Director

66 George Hurrell’s Hollywood Glamour
The Photographer’s Glittering Visions of Stars at Home

78 Maurice Chevalier
Suave Star of Gigi in His Spanish-Style House

88 Stars in Residence

114 D. W. Griffith
The Father of American Film in Beverly Hills

120 Greta Garbo
The Legendary Star’s Secret Garden in New York

128 Cedric Gibbons and Dolores Del Rio
The Art Director and the Star of Flying Down to Rio in Santa Monica

134 Jack L. Warner
The Beverly Hills Estate of the Archetypal Hollywood Mogul

142 Vivien Leigh and Laurence Olivier
Gone With the Wind and Wuthering Heights Stars in England

146 Judy Garland
The Wizard of Oz Star in Bel-Air

150 Leslie Howard
Star of Intermezzo and Gone With the Wind in Beverly Hills

152 Lana Turner
Best Actress Nominee for Peyton Place at Home in Brentwood

156 Preston Sturges
Writer and Director of Sullivans’s Travels and The Miracle of Morgan’s Creek in the Hollywood Hills

160 Janet Gaynor and Adrian
Nominee for A Star Is Born and Her Costume Designer Husband

164 Garson Kanin and Ruth Gordon
The Turtle Bay House of the Writers of Adam’s Rib and Pat and Mike

168 Jennifer Jones and David O. Selznick
The Song of Bernadette Star and Producer of Gone With the Wind at Tower Grove

174 Greer Garson
Mrs. Miniver’s Best Actress with Husband Richard Ney in Bel-Air

178 Robert Montgomery
Debonair Leading Man and Two-Time Nominee in Beverly Hills

180 Paulette Goddard
Star of Modern Times and Kitty in Goldwater Canyon

184 David Niven
Separate Tables‘ Best Actor in the Pink House

186 Joan Fontaine
Suspicion’s Best Actress on Rodeo Drive

188 Gene Kelly
Star of An American in Paris on Alta Drive

190 Rosalind Russell
Auntie Mame at Home in Beverly Hills

192 Hal Wallis
The Producer’s Valley Farm

194 Olivia de Havilland
The Beverly Hills House of the Best Actress in To Each His Own and The Heiress

196 Anatole Litvak
Oceanside Retreat of The Snake Pit’s Director

200 Gene Tierney
Beverly Hills Backdrop for the Enigmatic Star of Laura

202 John Huston
Mercurial Director of The Maltese Falcon and The Dead at St. Clerans

206 Leland Hayward and Margaret Sullavan
Hollywood’s First Super-Agent and the Nominee for Three Comrades

210 Henry Fonda
The Bel-Air Residence of On Golden Pond’s Best Actor

214 Ava Gardner
Nominee for Mogambo in London

218 Vicente Minelli
MGM’s Visionary Director of Gigi and Lust for Life in Beverly Hills

220 Deborah Kerr
Six-Time Nominee in Pacific Palisades

222 William Goetz
Prolific Producer’s Holmby Hills Collection

226 Edith Head
The Award-Winning Costume Designer’s Hacienda-Style Retreat in Beverly Hills

228 Sammy Cahn
Bicoastal Lives of the Master Lyricis; New York, Los Angeles

232 Claire Trevor
A Spacious New York Apartment for Key Largo’s Best Supporting Actress

238 Cher
Moonstruck’s Best Actress in Malibu

244 Michael Douglas
The Manhattan Apartment of Wall Street’s Best Actor

250 William Holden
Best Actor in Stalag 77 in His San Fernando Valley House

294 AD-at-Large
Inside the Design World

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Dieses Inhaltsverzeichnis sagt wohl mehr als tausend Adjektive.

22. März 2021

GAGANISCHES WASSERPFERD. Indische Paillettenchiffon-Schnipsel, kariertes Baumwollhalstuch, Strandponchoborte, Papier, Karton, 70 x 150 cm, Februar 2021, Staatl. Museen von Gaganien

In den Gärten von Gaganien gibt es viele Gewässer. Zu den zahlreichen endemischen Tieren gehört das prachtvolle Gaganische Wasserpferd. Es wurde am 28. Februar 2021 erstmalig gesichtet und von den Forschern dokumentiert. Seine Länge beträgt 1,50 m und es ist 70 cm dick, also wohlgenährt. Putzmunter springt und schwimmt es durch den großen Teich und freut sich des Lebens. Wovon es sich ernährt ist noch nicht abschließend geklärt, aber es freut sich über wohlwollende Blicke!

20. März 2021

Bildergruß aus meinem Klischeeatelier! Bei mir ist Ausnahmezustand, dergestalt, dass meine kleine Werkstatt erstmalig wie ein richtiges Atelier aussieht, mit so an die Wand gestapelten Leinwänden und alles Kraut und Rüben! Das habe ich meinem Vermieter, dem Klempner und dem zweiten Handwerker zu verdanken, der die Wand von meinem Kämmerchen aufgestemmt hat, um an das Fallrohr zu kommen, zwecks Austausch. Er hat mir auch empfohlen, möglichst alles beiseite zu räumen, weil es sehr, sehr, sehr viel Dreck machen wird, also einstauben. Hab ich dann gemacht. Also von 16 (!) Wänden Bilder abgehängt. Jawohl. Die erstaunliche Zahl kommt daher, dass vier mal vier sechzehn ergibt. 4 Wände vom Kämmerchen, 4 Wände von der Küche, 4 Wände vom Bad, 4 Wände vom Flur. Ich habe dann einfach alles in das große Zimmer geräumt und die Tür zugemacht. Und jetzt ist es fast fertig und ich räume wieder alles zurück. Allerdings hänge ich viele Bilder anders. Alles neu macht der Frühling! Und natürlich mal richtig durchgewischt. Am Montag wird noch der Syphon unterm Handwaschbecken erneuert und das dicke Rohr, das vom WC in die Wand geht. Dem Minibad habe ich einen neuen Luxusteppich gegönnt, hab ich schon zugeschnitten.

Ulkig war bei der Begehung vor den Bauarbeiten, dass der Mann, der die Wand aufgestemmt hat, der auch Malermeister ist, auf dem Weg vom Flur durch die Küche Richtung Kämmerchen mehrfach bei meinem großen Space Oddity-Bild von David innegehalten hat. Er konnte nicht normal dran vorbeigehen, er musste es immer aus dem Augenwinkel genauer fixieren. Ist mir richtig aufgefallen!

Der pink bezogene Schaumstoffblock hat eigentlich ganz gut vor das Fenster gepasst, war auch gemütlich. Aber nimmt zu viel Platz weg, der ist jetzt schon wieder im Kämmerchen, wo er hingehört. Ich hab den vor achtzehn Jahren in einem Schaumstoff- und Markisengeschäft in der Schöneberger Hauptstraße zuschneiden lassen und selbst bezogen. Am Anfang war er nicht pink, sondern so zartgelb. Dann war mir nach Pink und ich habe den Bezug gefärbt. Pink gibt mir immer kleine elektrische Stöße! Am lustigsten ist immer, wenn jemand mein Kämmerchen noch nicht gesehen hat und die Tür noch zu ist. Und dann mach ich die Tür auf und dann klappen die Kinnladen runter! Es ist wohl nicht so üblich, dass man eine Speisekammer total komplett mit einem pink bezogenen Schaumstoffblock möbliert. So, ich muss mich nun fertig machen.

08. März 2021

Nach diesem aufregenden Interview bei Oprah Winfrey ist das Publikum natürlich – verständlicherweise – an unmittelbaren Reaktionen in royalen Kreisen interessiert. Hier kann ich Abhilfe schaffen. Wie sagte Harry neulich so schön: “We can all live a life of service. Service is universal.” In diesem Sinne sehe auch ich mich als Dienstleisterin des öffentlichen Interesses und biete exclusives Bildmaterial!

Man könnte auch sagen, ich habe das Regelwerk in diesem großen Theaterstück, das sich Monarchie nennt, verstanden. Es ist sehr hilfreich, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass das Konstrukt der Monarchie davon lebt, dass die Rollen tadellos ausgeführt werden. Der Text sollte sitzen und das Kostüm ebenso. Die Regieanweisung „Never explain, never complain“, gilt für das gesamte, vom Zuschauer mit teuren Steuern bezahlte Stück.

Bei dieser Aufführung geht es schwerpunktmäßig nicht um gesellschaftliche Erneuerung, Modernität, Gleichberechtigung oder freizügige Ausgestaltung. Eigentlich ist das auch nicht ganz unbekannt, wenn man seine Schularbeiten gemacht hat. Wer insbesondere die englische Monarchie mit einem libertären, demokratischen Schwerpunkt umzumodeln wünscht, muss sich die Frage gefallen lassen, welchen Zweck dann noch luxuriöse Privilegien erfüllen sollen.

Das Kasperletheater Monarchie lebt davon, dass die Königin die Königin ist, der Kasper, der Kasper, der Polizist, der Polizist und das Krokodil das Krokodil. Es ist zwar ein lustiger Schlenker, und für die Allgemeinheit ab und zu Salz in der Suppe, wenn die Besetzung der Nebenrollen aufbegehrt und auch einmal Königin spielen will, aber so funktioniert das uralte Stück auf Dauer nicht.

Interessant, dass sich Meghan offenbar nicht der Widersprüchlichkeiten ihrer Aussagen bewusst ist. Angeblich hat sie niemals die Presse über sich verfolgt, aber dennoch Handlungsbedarf gesehen, Anklage gegen diverse Gazetten zu erheben. Der Move nach L.A., ins Mekka von Showbiz und Publicity, soll größere Privatheit sicherstellen. Passend dazu gibt es ein „tell-all“-Interview mit der populärsten TV-Personality in Sachen Celebrity-Reportagen. Jetzt warten wir alle gespannt, wer die rassistischen Bemerkungen zur möglichen Hautfarbe von Archie gemacht hat und ob es irgendeine Verlautbarung dazu geben wird.

Ich nehme an, bei den britischen Royals gibt es denselben unterschwelligen Rassismus wie in der gemeinen Bevölkerung. Der größere Teil akzeptiert Vielfältigkeit, ein gewisser Prozentsatz erhält sich ein Weltbild mit der insgeheimen Überzeugung einer besseren „Rasse“. Ach, es hat schon auch Entertainmentqualität, wenn das mal unverblümt hochkocht. Ich beobachte das Theaterstück mit Interesse und denke mir meinen Teil. Mein Mitleid hält sich allerdings im Hinblick auf alle Seiten in Grenzen.

07. März 2021

Guten Tag! Ich melde mich heute hochexclusiv aus dem Palais Niederegger. Die Abbildung zeigt die prunkvolle Klinke des Portals. Die Einladung habe ich erhalten, weil ich fleißig Marzipan gegessen habe, auch die eine oder andere kleine Marzipantorte war dabei. Zum Lohn darf ich heute und wann immer ich will, das traumhafte Palais Niederegger besuchen. Wenn Sie mich jetzt fragen, ob das Palais in Lübeck steht, kann ich leider aus Gründen der Geheimhaltung nicht exakt antworten. Im weitesten Sinne steht es im schönen Gaganien. Und das ist ja vor allem in meinem Kopf.

In Abwandlung eines André Heller-Zitates teile ich mit: die schönsten Schlösser sind im Kopf – und in Gaganien! Ich weiß zwar auch ein Palais aus Stein und Mörtel und Marmor zu würdigen, aber manchmal muss es schnell gehen, und dann weiß ich mir auch anders zu behelfen. Ich bin ja sowieso eine Meisterin darin, aus vermeintlichem Müll Schätze zu heben. Das Marzipan hat mir wieder sehr gut geschmeckt. Als Kind habe ich Marzipan gehasst! Mir wurde fast schlecht von Marzipanpralinen. Aber die waren auch nicht von Niederegger. Ich wollte nur die mit Nougat. Momentan ist meine Lieblings-Nervennahrung allerdings nicht reines Marzipan, sondern Mozartkugeln, in denen ja auch ein bißchen Marzipan ist. Ich habe immer welche da. Die oberste Schicht ist Marzipan, dann kommt Nougat und dann Pistazie, drumherum Schokolade. Eine ganz meisterhafte Kreation. Ein Mozart-Palais wird es aber in absehbarer Zeit nicht in Gaganien geben, da die Mozartkugeln-Verpackung (Zellophantüte) meines Erachtens kein geeigneter Baustoff ist. Ich achte immer sehr stark auf Nachhaltigkeit, wenn ich meine Schlösser und Paläste baue.

PALAIS NIEDEREGGER. Marzipan(törtchen)verpackungen auf Leinwand, 20 x 30 cm, Staatliche Museen von Gaganien

06. März 2021

Am 26. und 27. Februar habe ich an meinem vorletzten Werk gewerkelt. Als ich die dritte Blume aus Spiegelscherben und den schönen alten EierMokkalöffeln von meiner Oma Alma gepflanzt hatte, wusste ich, das es Alma-Blumen sind. So heißt das Bild auch. Gewidmet Alma, 23.08.1915 – 24.03.1982. Lange habe ich die Löffelchen und korrespondierenden Eierbecher in Ehren gehalten. Von den Bechern habe ich nur zwei, aber vier Löffel. Ich finde sie ein bißchen arg klein geraten, aber sehr putzig. Jetzt haben sie den richtigen Platz gefunden und gleich sind Blumen daraus gewachsen. Das ist bestimmt der kommende Frühling. Die Natur ist einfach voller Wunder! Die Eierbecher sind ein Beweis, dass Hühnereier früher kleiner gewesen sein müssen. Ich kann mir nicht denken, dass meine Oma Alma zum Frühstück Wachteleier gegessen hat. Dafür sind sie dann wieder zu groß. Ich habe lange kein Frühstück mit weichgekochten Eiern zelebriert. Auf jeden Fall hebe ich die beiden silbernen Eierbecher auf. Irgendwann kommt der Tag! Zuletzt habe ich einen benutzt, um Aquarellstifte in Wasser zu tunken. Gerade ist es bedeckt in Berlin. Ich muss schon wieder einkaufen und Müll runterbringen. Und Wimpern tuschen. Ich kann mich nicht erinnern, ob Alma die Wimpern getuscht hat. Aber den Mund angemalt, das weiß ich bestimmt. Und Augenbrauenstift hat sie auch benutzt. Wahrscheinlich noch mehr, aber als Kind durchschaut man das ja noch nicht. Also ich schicke einen Gruß in den Himmel, ich hoffe sehr, die Alma-Blumen gefallen Dir.

ALMA-BLUMEN. EierMokkalöffel von Alma, Spiegelscherben, Acryl, Pappkarton, 50 x 70 cm. Feb. 2021, Staatl. Museen von Gaganien

02. März 2021

„Ich denke sehr viel, aber entscheide mich mit meinem Herzen.“
Dimitrios, 42, „First Dates“, VOX, 2. März 2021

Mal sehen, ob wir noch mehr Gemeinsamkeiten haben.

27. Februar 2021

Säule II. Stoffreste Jenny u. v. altem Indienstoff u. abgeschnittene Ärmelborten von Strandponcho-Fehlkauf im Internet, auf altem Papprohr, 60 x 18 cm, 25. Feb. 2021, Staatl. Museen v. Gaganien

So eine staatstragende Säule ist eine schöne Sache. Ich habe sie Säule II. getauft, weil es die zweite gaganische Säule in diesem Jahr ist, aber es gibt noch viel mehr. Die Stoffreste von Jenny sind die mit den großen Blumen in der Mitte. Sie hatte mir den Stoff auf ihrem Smartphone gezeigt, als wir vor einem halben Jahr im Kino waren und ich wollte gleich die Reste haben. Die hat sie mir dann in einem goldenen Säckchen zum Geburtstag mitgebracht. Mit der Mia-Wallace-Challenge-Postkarte. Es ist immer geheimnisvoll, wie sich ganz plötzlich ein Teil aus meinem Fundus bemerkbar macht und sofort transformiert werden will, obwohl es vorher monatelang nichts von mir wollte. Ich räume so rum, und dann habe ich etwas wieder im Blick, weil ich rumgeräumt habe, ich habe es nicht gesucht. Und dann passiert es. In so eine schöne Fundsache wie ein großes dickes Versandrohr kann man auch Sachen hineintun. Zum Beispiel andere Fundstücke, die auch mal was werden wollen.

26. Februar 2021

PINK ELEPHANT. Gaga Nielsen, September/Oktober 2020, pinke Einkaufstüte von Boutique „City Girl“, Geschenkpapier von Lydia, Bauplatte vom Gehsteig, 102 x 65 cm, Staatl. Museen v. Gaganien

Es ist ein Mysterium um die pinke Einkaufstüte, die ich hier transformiert habe. Mein Vater hat mir Äpfel aus dem Garten hineingepackt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er oder meine Mama oder meine Tante in einer Boutique namens „City Girl“ einkaufen waren. Wahrscheinlich hat irgendeine jüngere Bekannte, vielleicht eine Nachbarin, darin ein Mitbringsel eingepackt. Das goldene Geschenkpapier hingegen ist von Lydia. Sie hat damit die Packung Edle Tropfen in Nuss eingepackt, welche sie mir an meinem letzten Geburtstag überreicht hat. Für goldene Sachen habe ich immer Verwendung! Man könnte denken, ich wäre ganz versessen darauf, Geschenkpapier zu verarbeiten, aber das stimmt überhaupt nicht. Es ist nur eine Ehrerbietung, weil ich mich immer sehr geehrt und geschmeichelt fühle, wenn mir eine Freundin ein Geschenk gibt, das liebevoll eingepackt wurde. Es käme mir wie Frevel vor, das Geschenkpapier wegzuwerfen. Außer es wäre total hässlich, dann würde ich es wenigstens als Unterlage zum mit Farbe bekleckern benutzen und hätte dann eine Ausrede, warum ich es entsorgen muss. Aber meine Freundinnen nehmen ja nur ganz apartes Geschenkpapier! Was für ein Glück!

Der komische Titel „Pink Elephant“ ist mir so eingefallen, also danach. Ich finde er passt, obwohl ich selber auch keinen Elefanten erkennen kann. Aber es ist alles irgendwie so elefantig. Max Ernst, also der Maler, erzählt in einem Video, dass ihn ein Kurator oder Kunsthistoriker oder Galerist mal gefragt hat, wieso er seine Bilder immer so genau benennt, er könnte doch genausogut auch als Titel „Komposition Nr. XY“ und das Jahr verwenden, denn dem Betrachter würde damit ja die Freiheit genommen werden, selbst etwas ganz anderes darin zu sehen.

Dabei muss man wissen, dass Herr Ernst, so wie ich auch, oft erst nach Fertigstellung des Bildes Titel gewählt hat, manchmal auch schon mittendrin, wenn sich die Richtung manifestiert hat, aber niemals vorher, also nicht nach dem Motto: „heute male ich mal die Mona Lisa!“. Daraufhin antwortete Max Ernst, dass es ja jedem unabhängig von seiner Betitelung frei gestellt ist, alles mögliche in einem Bild zu sehen, aber er sich ebenfalls nicht die Freiheit nehmen lassen möchte, etwas eigenes darin zu entdecken, deswegen nimmt er sich heraus, seinem Bild den Namen zu geben, der ihm so spontan in den Sinn kommt. Ich kann jetzt nicht direkt empfehlen, sich Videos anzuschauen, in denen Max Ernst erzählt. Mich strengt seine Sprechweise etwas an. Er ist meistens auch schon recht alt in den Aufnahmen und spricht so ein bißchen schwerfällig, stockend, wobei ich nicht einordnen kann, ob das schon immer so war, oder ob es mit seinem Alter zu tun hat. Ich lasse gerne nebenher solche Dokus laufen, am liebsten vom youtube channel moriundmori. Etwas Schönes ist immer dabei.

24. Februar 2021

Gestern war ein aufregender Tag für Gaganien! Der Besatzung der SpaceX Crew-1, der zweiten bemannten Raumfahrtmission des Raumschiffs Crew Dragon, das seit 17. November 2020 an der internationalen Raumfahrtstation ISS angedockt ist, sind erstmalig Aufnahmen von Gaganien aus dem All gelungen! Es war schon bekannt, dass Gaganien ein prunkvoller Planet ist, aber aus dem Weltall betrachtet, bietet sich doch noch mal ein ganz anderer Eindruck! Nachdem ich die Aufnahme über Satellit bekommen habe, musste ich sie mir gleich ausdrucken und einrahmen. Sie hat nun einen Ehrenplatz in der Empfangshalle vom gaganischen Palast! Ich bedanke mich bei der NASA und den Astronauten Shannon Walker, Victor Glover, Michael Hopkins und Sōichi Noguchi und wünsche gute Reise und gute Heimkehr im Mai 2021.

GAGANIEN. Mission SpaceX Crew-1, Gaga Nielsen, Feb. 2021, Spiegelscherben, Glammy Geschenkpapier, Tackerklammern, Schattenfuge, Leinwand, 26 x 32 cm, Staatl. Museen v. Gaganien

23. Februar 2021

STALKING! Gaga Nielsen, Februar 2021, Schlüsseletui, Schokoladenpapier, Glammy Geschenkpapier, Spiegelscherben, Acryl, Holzbrett, 30 x 37 x 3 cm, Staatliche Museen von Gaganien

Wer kennt es nicht, mit funkelnden Pupillen vor einem Insta- oder Facebook-Profil zu sitzen und Eins und Eins zusammenzuzählen. Ergebnis: Zwei. Oder auch Drei. Und so weiter. Früher war man auf Getratsche angewiesen, heute ist das etwas einfacher, ja man könnte sagen eleganter, diskreter geworden. Die Bildersprache hat inzwischen einen Subtext entwickelt. Ein bestimmtes Bild zu einem bestimmten Zeitpunkt, das mit einem bestimmten Bild zu einem bestimmten Zeitpunkt eines anderen Profils korrespondiert, hilft beim Lösen anstehender Rechenaufgaben. Die Grundrechenarten werden leichter beherrscht. Eine Freundin bekannte einmal mit gesenkter Stimme, eine Zeit lang ein gewisses Instagram-Profil vehement verfolgt zu haben. Wie man sich schon denken kann, stand es in direktem Zusammenhang zu ihren persönlichen Beziehungen. Sie guckte, als hätte sie das Briefgeheimnis verletzt. Dabei handelte es sich um aller Welt zugängliches Bildmaterial. Ich wiegelte ab, dass das völlig normal und verständlich sei, wenn man Klarheit gewinnen will. Das ist quasi eine therapeutische Maßnahme. Ebenso wie aus ähnlicher Motivation, bestimmte Profile gerade nicht (mehr) anzusehen, um den Seelenfrieden wieder zu erlangen. Darüber könnte man Bücher schreiben, vermutlich wurden sie auch schon geschrieben. In einer Welt, in dem es einzelne Menschen zu einem höchsten Wert erkoren haben, in allen EInzelheiten betrachtet zu werden, muss man es aushalten, auch aus anderen Gründen seziert zu werden. Wen das stört, muss mit öffentlichen Bildern ganz viel Zurückhaltung üben.

„Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein (…)“ Die Bibel, Neues Testament, Johannes 8

22. Februar 2021

Sonne! Schon der dritte sonnige Tag in Folge. Den ersten, am Samstag, konnte ich leider gar nicht genießen, mir gings nicht gut und ich blieb bis Sonnenuntergang im Bett. Gestern schon viel besser, ich war im Atelier, bißchen herumgepuzzelt, wie man so sagt. Tatsächlich war es so ähnlich wie Puzzeln, was ich gemacht habe. Das tu ich oft, wenn etwas Neues entsteht. Ich sitze am Boden mit meinen Puzzleteilen verschiedenster Provenienz und finde heraus, welche Anordnung die ideale ist.

Das sind Stücke aus Metall, Papier, Leder, Spiegelscherben, übrig gebliebene kleine Sachen, die ich nicht brauche, aber aus einem interessanten Material sind, oder eine inspirierende Silhouette haben, in der ich etwas völlig anderes sehe.

Zum Beispiel ein kleines Täschchen aus schwarzem, groben Leder mit Reißverschluss, um einen Schlüsselbund aufzubewahren. Hat mir meine Tante geschickt. Brauch ich nicht, ich hab meine Schlüssel in einer aufgenähten Tasche an meiner Umhängetasche. Auseinandergeklappt sieht es aus wie eine Sonnenbrille. Ich hab goldene Augen reingemalt und blitzende Pupillen aus Spiegelscherben aufgeklebt und werde es auf einem vergoldeten alten Holzbrett fixieren. Das Werk heißt „Stalking“ :-) Genauso sieht Stalking aus! Was man ja selber auch manchmal im Internet macht, nicht wahr.

Das Foto ist symbolisch, genau das sehe ich gerade. Da ich schon ewig hier wohne, kann ich alte Bilder aufwärmen, und muss sie nicht neu machen. Nur der Fuß stimmt nicht ganz. Ich hab nämlich Socken an! Mein erster Ferientag und Ferienwetter und ich bin fit wie ein Turnschuh! Von selbst um 8:45 Uhr aufgewacht (ICH!). Jetzt noch Kaffee und Augen anmalen und los!

21. Februar 2021

„Bildersturm im Dritten Reich – Es sprechen die Zeugen“. Beeindruckende Dokumentation von 1965, schmerzhaft. Zu sehen und zu hören sind betroffene Künstler, Angehörige und ehemalige Mitarbeiter, wie der von den Nazis seines Amtes enthobene Direktor der Berliner Nationalgalerie, Eberhard Hanfstaengl, der sich weigerte, die Bilder der Moderne zu entfernen.

19. Februar 2021

Aus meiner Fotokiste. Vor zehn Jahren. Café Einstein Unter den Linden, 21. März 2011. Eine Feier zum fünfzehnjährigen Bestehen. Das heißt, in diesem Jahr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Vielleicht kann es mit der Wiedereröffnung im März verbunden werden. Das Einstein Unter den Linden war das Baby, ein Herzensanliegen von Gerald Uhlig, der leider nicht mehr lebt. Ohne Gerald wäre ich nicht zu dieser Feier eingeladen gewesen, denn ich war kein Stammgast. Wir hatten uns bei der Eröffnung einer Fotogalerie kennengelernt, wo er selbst als Gast war, mit seinem guten Freund André Rival. Bei der Begegnung hat etwas zwischen uns gefunkt. Geistig, menschlich, sympathisch.

Meine Güte, was soll ich machen, außer in alten Fotokisten zu kramen, mich zu erinnern und herumzupinseln? Jeder macht, was ihm Erholung und irgendeine Entspannung und Beruhigung verschafft. Vor mir liegen ein paar ganz und gar freie Tage, die ich in Berlin verbringen werde. Mit viel Ausschlafen und Herumtrödeln und Herumräumen und so weiter und so fort. Auch muss man immer einkaufen und den Müll herunterbringen und die Blumen gießen. Und sich pflegen. Und sich erinnern. Erinnern. Erinnern. Erinnern. Das macht man immer besonders intensiv, wenn nichts Ersehntes vor einem liegt. Ja, ich glaube, es ist so.

16. Februar 2021

Gaga in Paris. Oktober 1995. Eine zu dieser Zeit enge Freundin begleitete mich und hat die Fotos geschossen. Wir erliefen uns die schönsten Arrondissements. Unser Hôtel Américain in der Rue Charlot im Marais, nah dem Place de la République und dem Musée Picasso war dafür ausgezeichnet gelegen. Ich machte vorher daheim in Berlin Pläne und tüftelte die schönsten Routen aus. In Versailles waren wir auch. Draußen auf dem sonnigen Marktplatz spielte ein älterer Franzose Akkordeon und wir tranken den besten Café au Lait. Lauter Klischees. Alle wahr.

Auch das, dass die Pariser etwas arrogant sind und nicht gewillt, sich anders als auf Französisch zu verständigen, worum ich mich dann auch sehr bemühte. Aber sie waren trotzdem kein bißchen charmant, gar nicht, kein einziger. Ob das noch Ressentiments gegen Deutsche waren? In Berlin wurde ich noch nie so gleichgültig abgefertigt. Auch deswegen war ich nie wieder in Paris. Mir ging das Herz nicht auf, in dieser schönen Kulissenstadt. Wenn ich die alten Fotografien von 1995 sehe, die Ilona von mir aufgenommen hat, ist mir unbegreiflich, wie man uns nicht überaus charmant gegenübertreten konnte. Meine Freundin war eine attraktive, sympathische Blondine mit einem frechen Lächeln und Grübchen. In den Siebziger Jahren hatte sie als Fotomodell und Mannequin gearbeitet (was nicht dasselbe ist).

Vielleicht war es aber auch eine besonders angespannte und misstrauische Atmosphäre, weil Paris gerade eine Serie von U-Bahn-Anschlägen hinter sich hatte. In allen Museen und beim Betreten jeglicher sonstigen Sehenswürdigkeiten wurden die Handtaschen bis in den kleinsten Winkel kontrolliert.

Als wir die Avenue Montaigne entlangschlenderten, wo Marlene Dietrich bis zu ihrem Tod lebte, kamen wir beim Stammhaus von Dior vorbei und Ilona fotografierte mich, wie ich vorbeilaufe, als sei es ein selbstverständlicher Weg für mich. Ich freute mich sehr über das Bild. Natürlich habe ich auch fotografiert, analog. Etwas anderes kannte man damals noch nicht. Aus den Bildern wurden zwei dicke Alben, im Format alter Telefonbücher, von Hand geleimt. Das hier sind nur die Bilder, die mich zeigen. Die anderen Motive hat man ja so oder so schon mal gesehen.

Aber da fällt mir ein, im Kaufhaus Samaritaine oder im Galeries Lafayette muss doch eine ältere Verkäuferin sehr nett gewesen sein. Ich handelte nämlich ein Set von drei Kochtöpfen am Stiel mit schönen Holzgriffen noch mal herunter, obgleich sie bereits ein Sonderangebot waren. Das hätte ich mir gar nicht so zugetraut, also rein sprachlich. Nach einer Weile traut man sich immer mehr.

Und auf einem der Flohmärkte im Norden, im 18. Arrondissement, Nähe Montmartre, wo es vor Händlern aus der arabischen Welt wimmelte, gab es auch ein paar warme Blicke. Und von den singenden Nonnen beim Gottesdienst in Sacre Coeur. Niemals zuvor einen so schönen Gottesdienst mit so himmlischem Gesang erlebt. Und der spätsommerliche Oktober-Nachmittag in der Großen Pariser Moschee, draußen im Garten mit den Mosaiken beim Tee war auch unvergesslich.

Ganz ohne Frage hat die Schönheit der alten Straßenzüge und Fassaden und Interieurs einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Wie an vielen Orten und Situationen in der Welt kommt es auf das Entrée an, das man genießt. Uns hat einfach die weltliche Connection gefehlt, innere Verbundenheit mit Picasso und den Schöngeistern und allem Schönen dieser Welt hat leider nicht gereicht. Aber ich bin Frankreich im Alltag tief verbunden. Ich trinke nämlich nur Weine aus Frankreich und nicht zu knapp!

Meine private Situation war damals speziell (wie eigentlich immer). Ich hatte einen regelmäßigen Geliebten, das heißt, die Unregelmäßigkeit hatte sich zur Regel entwickelt. Er hatte in Berlin als Übersetzer und Dolmetscher zu tun, während ich mit meiner Freundin auf Reisen ging. Mit ihm wäre sie vermutlich weniger amüsant gewesen, weil er auf eine bildungsbürgerlich intellektuelle Art sehr dominant war, zum Dozieren neigte, und sicher seiner Wege gegangen wäre, die ich dann hätte begleiten dürfen.

Vielleicht hätte ich dann den Maler Botero kennengelernt, mit dem er gut befreundet war, aber ich hätte nicht wie an einer Perlenschnur aufgereiht, diese insbesondere mich interessierenden Schätze gesehen und erlebt. Ich habe die wesentlichsten Museen und Sehenswürdigkeiten gesehen und ein Gefühl für die Architektur bekommen. Meine Freundin hatte eine starke Neigung zu denselben schönen Dingen wie ich, in einer Lebensphase hatte sie auch einmal einen Antiquitätenladen in Berlin. Und wir lachten viel. Wie es war, war es gut.

Zwei Reisen hatte ich mit meinem damaligen Liebhaber erlebt, eine nach Prag und eine auf eine griechische Insel. Wir waren nicht dafür bestimmt, gemeinsam zu reisen. Alle anderen Reisen meines Lebens waren schöner, ob allein oder mit engen Freundinnen. Wenn eine Verbindung so lange zurückdatiert, fast dreißig Jahre, kann ich etwas darüber sagen. Über spätere Dinge und Ereignisse dann entsprechend später. Ich könnte Bücher schreiben (oh oh…!)

14. Februar 2021

Aus einem Standbild der alten Aufnahmen von 1995 auf dem Fernseher, habe ich 1999 diese Zeichnung gemacht, mit Bleistift auf Leinwand, 50 x 70 cm. Hängt heute in meinem Atelier im Flur, über der Tür zum kleinen Badezimmer. Wie man sieht, war ich zu faul, die Hände richtig gut zu zeichnen. Hände sind schwierig. Gekonnt hätte ich es, aber es soll immer alles schnell gehen. Mit der Zeichnung habe ich einen Nachmittag zugebracht. Habe ewig nicht mehr gezeichnet. Satter Farbauftrag mit Pinsel ist während des Prozesses für mich viel befriedigender. Haptischer, sinnlicher.

14. Februar 2021

Historische Aufnahmen, Film-Schnipsel von 1995. Ich hatte mir eine analoge Sony Handycam gekauft und ließ sie im Aufnahmemodus laufen, während ich versuchte, die Verbindung mit dem TV-Gerät herzustellen. Manchmal schaue ich nach unten in die Bedienungsanleitung. Ende 1995 war ich Dreißig. Später habe ich es hinbekommen, eine Standleitung zum Fernseher einzurichten, und ich kaspere herum, so ähnlich wie Kinder, die zum ersten mal ihr Spiegelbild entdecken. Gegen Ende liege ich auf der Couch. Ich hatte von einem Fahrradunfall eine kleine Prellung an der Wirbelsäule und lag viel rum. Es ist in der Wohnung in Wilmersdorf, wo ich bis Mai 1999 gewohnt habe. Im Juni 99 bin ich nach Mitte gezogen. Die Frisur hatte ich etwa zwei Jahre, immer selber geschnitten. Dann hab ich die Haare wieder wachsen lassen.

07. Januar 2021

Am Samstag, dem 12. Dezember 2020, fiel mein Blick aus der Balkontür Richtung Norden, auf den höchsten Baumwipfel. Dort balancierte ein Vogel. Ich musste an die Vögel aus buntem Glas aus den Sechziger Jahren denken, die man an Weihnachtsbaumäste klemmte, und überlegte, ob es auch eine Weihnachtsbaumspitze in Vogelform gibt, oder ob da immer nur Engel thronen dürfen. Immerhin auch gefiederte Wesen, aber nicht ersten Ranges in der irdischen Welt, da weniger materialisiert und auch etwas strittig und nicht so unwiderlegbar erfahrbar.

Ich fand den echten Vogel auf dem echten Baum da draußen viel beeindruckender. Mich beschäftigte, ob die souveräne Balance auf diesem sehr, sehr hohen Baum, deshalb so souverän ist, weil der Vogel – eine Elster, wie ich beim Vergrößern erkannte – weiß, dass er nicht abstürzen wird, weil er fliegen kann. Ja natürlich, so ist es. Sonst würde er bestimmt ein bißchen zittern und die Balance wäre in Gefahr. Wenn man auf den festen Boden vertraut oder darauf, weich zu landen, braucht man vermutlich viel weniger Fläche, weniger Raum, um die Balance zu halten, als man vermeintlich glaubt, wenn man weiß, dass der Raum sehr begrenzt ist.

Könnte das nicht bedeuten, dass man zu riskanteren Bewegungen, zu einem größeren Radius fähig ist, wenn man keine Furcht hat? Ich glaube, so ist es. Das ist metaphorisch sehr spannend und geradezu aufregend. Wenn man keine Angst vor irgendetwas hat, ist man zu einem grenzenlosen Bewegungsradius fähig. Das möchte ich gerne verinnerlichen.

02. Januar 2021

Will den jemand haben?

Ein cremeweißer Eisen-Gartenstuhl, Barhockerhöhe, zusammenklappbar. Ideal auch für eine erhöhte Position des Künstlers beim Open air-Konzert im Garten!

Befindet sich auf meinem Balkon und nimmt Platz weg!

Drei Jahre alt. Dachte, ich würde ihn bei untergehender Spätnachmittagssonne benutzen, um die letzten Strahlen abzubekommen.

Hab ich aber nur zweimal praktiziert, da sehr kurzes Vergnügen (die Sonne bleibt ja nicht stehen).

31. Dezember 2020

So sehe ich heute nicht aus, aber ich könnte, wenn ich wollte! Ich will halt nur nicht! Ich weiß ja auch gar nicht mehr, wie man feiert, das ist alles so lange her. Und dann habe ich auch noch die Berliner Coronachrichten nicht richtig verfolgt und demzufolge verschlafen, dass man nur bis 14 Uhr Schaumwein kaufen durfte. ich hab ja noch eine angebrochene halbe Flasche von gestern, falls ich einen Schlaftrunk brauche. Ich höre besinnliche Musik (nichts Weihnachtliches, um Gottes willen), was meine Lieblingsplaylist so anbietet. Mehr Erbauliches habe ich jetzt auch nicht zu berichten. Ich wünsche einen angenehmen Abend!