PINK ELEPHANT. Gaga Nielsen, September/Oktober 2020, pinke Einkaufstüte von Boutique „City Girl“, Geschenkpapier von Lydia, Bauplatte vom Gehsteig, 102 x 65 cm, Staatl. Museen v. Gaganien

Es ist ein Mysterium um die pinke Einkaufstüte, die ich hier transformiert habe. Mein Vater hat mir Äpfel aus dem Garten hineingepackt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er oder meine Mama oder meine Tante in einer Boutique namens „City Girl“ einkaufen waren. Wahrscheinlich hat irgendeine jüngere Bekannte, vielleicht eine Nachbarin, darin ein Mitbringsel eingepackt. Das goldene Geschenkpapier hingegen ist von Lydia. Sie hat damit die Packung Edle Tropfen in Nuss eingepackt, welche sie mir an meinem letzten Geburtstag überreicht hat. Für goldene Sachen habe ich immer Verwendung! Man könnte denken, ich wäre ganz versessen darauf, Geschenkpapier zu verarbeiten, aber das stimmt überhaupt nicht. Es ist nur eine Ehrerbietung, weil ich mich immer sehr geehrt und geschmeichelt fühle, wenn mir eine Freundin ein Geschenk gibt, das liebevoll eingepackt wurde. Es käme mir wie Frevel vor, das Geschenkpapier wegzuwerfen. Außer es wäre total hässlich, dann würde ich es wenigstens als Unterlage zum mit Farbe bekleckern benutzen und hätte dann eine Ausrede, warum ich es entsorgen muss. Aber meine Freundinnen nehmen ja nur ganz apartes Geschenkpapier! Was für ein Glück!

Der komische Titel „Pink Elephant“ ist mir so eingefallen, also danach. Ich finde er passt, obwohl ich selber auch keinen Elefanten erkennen kann. Aber es ist alles irgendwie so elefantig. Max Ernst, also der Maler, erzählt in einem Video, dass ihn ein Kurator oder Kunsthistoriker oder Galerist mal gefragt hat, wieso er seine Bilder immer so genau benennt, er könnte doch genausogut auch als Titel „Komposition Nr. XY“ und das Jahr verwenden, denn dem Betrachter würde damit ja die Freiheit genommen werden, selbst etwas ganz anderes darin zu sehen.

Dabei muss man wissen, dass Herr Ernst, so wie ich auch, oft erst nach Fertigstellung des Bildes Titel gewählt hat, manchmal auch schon mittendrin, wenn sich die Richtung manifestiert hat, aber niemals vorher, also nicht nach dem Motto: „heute male ich mal die Mona Lisa!“. Daraufhin antwortete Max Ernst, dass es ja jedem unabhängig von seiner Betitelung frei gestellt ist, alles mögliche in einem Bild zu sehen, aber er sich ebenfalls nicht die Freiheit nehmen lassen möchte, etwas eigenes darin zu entdecken, deswegen nimmt er sich heraus, seinem Bild den Namen zu geben, der ihm so spontan in den Sinn kommt. Ich kann jetzt nicht direkt empfehlen, sich Videos anzuschauen, in denen Max Ernst erzählt. Mich strengt seine Sprechweise etwas an. Er ist meistens auch schon recht alt in den Aufnahmen und spricht so ein bißchen schwerfällig, stockend, wobei ich nicht einordnen kann, ob das schon immer so war, oder ob es mit seinem Alter zu tun hat. Ich lasse gerne nebenher solche Dokus laufen, am liebsten vom youtube channel moriundmori. Etwas Schönes ist immer dabei.

3 Antworten auf „26. Februar 2021

  1. Aber es ist alles irgendwie so elefantig.

    Ja, erinnert an die Silhouetten von Elefanten mit unterschiedlicher Kopf- und Rüsselhaltung. Die zwei pinkfarbenen Elefanten sind Akrobaten im Zirkus, sie stehen aufeinander. ;-)

  2. kid37 – 27. Feb, 18:20
    Ich dachte zunächst, es wäre was mit Pink Tax, die nach und nach alles Gold im Portemoinnaie auffrißt. Max Ernst… nun ja, schwierig.

    g a g a – 27. Feb, 23:45
    Das Thema ist zwar nicht Pink Tax, aber der Preis auf jeden Fall :-)
    Ich bin kein Max Ernst Fan, aber ich studiere leidenschaftlich gerne die Eckdaten von hochpreisig am Markt positionierten Kollegen!

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