23. Januar 2023

Ich war gerade in der Zahnarztpraxis meines Vertrauens. Es gibt ein neues Ärzte-Team, sieht ansonsten alles aus wie früher, auch die Behandlungsräume. Auf dem Stuhl saß ich in den letzten zwanzig Jahren schon oft. Dann drehte ich in einer kleinen Pause, in der die junge Zahnärztin irgendetwas zahntechnisches im Nebenraum werkelte, den Kopf nach links. An der Wand hing ein neues, gerahmtes Farbfoto. Darauf zu sehen: die Auslage einer Bäckervitrine, herzförmige Muffins mit Zuckerguss in Schmetterlingsform, appetitlich auf Tortenspitze arrangiert. Das ist doch eine sehr ansprechende Wandgestaltung für einen Behandlungsraum beim Zahnarzt. Der Patient wird nicht mit medizinischen Schautafeln geschulmeistert, sondern genau da abgeholt, wo er sich wohlfühlt. Hardenbergstr. 20, Charlottenburg. Rechts von C/O, am Bahnhof Zoo. Angela Winkler geht da auch seit Jahren hin, habe sie mehrfach im Wartezimmer angetroffen!

21. Januar 2023

Ich bilde mich fort: zufällig DSDS erwischt, wusste nicht, dass das wieder kommt, Bohlen ist auch wieder dabei und zwei junge Damen, von denen ich noch nie etwas gehört oder gesehen habe. Die eine sieht aus wie die Zwillingsschwester von Gisele Bündchen, die andere, wohl eine Rapperin, hat viel machen lassen. Aber beide scheinen das Herz am rechten Fleck zu haben. Mal gucken, was noch so kommt.

P.S. der Zwilling von Gisele ist eine englisch singende Popsängerin namens Leony, bürgerlich Leonie Burger aus einem Ort im Bayrischen Wald, die manchmal in der Jury mitsingt, was sich ziemlich gut anhört, für meinen Geschmack besser, als der etwas affektierte Gesang in ihren sehr mainstreamigen Popliedern. Die kunterbunt aufgestylte Rapperin heißt Katja Krasavic und kommt aus Leipzig und liebt etwas altbacken aufreizende, preisgünstig wirkende Posen und Themen in ihrem musikalischen Oeuvre. Hat Peep Show-Qualität. Wer es mag. Jeder, wie er kann und will. Ich gebe da nicht die Gouvernante oder Oberstudienrätin. Für mich persönlich langweilig, aber ich respektiere das individuelle Geschäftsmodell.

P.P.S. oh je… musikalisch NICHTS verpasst, in dieser dritten Folge der neuen Staffel. Bohlen wirkt auch ungeduldig bis genervt. Dass die Rapperin aus der Jury stark lispelt, ist auch keine Musik in meine Ohren. Nun schalte ich ab, da im Werbeblock gerade angedroht wurde, dass die Folgesendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ heißt. Mir zu unappetitlich. Tratsch und intime Bekenntisse immer gerne, aber nicht in Verbindung mit langweilig-sportiven und ekligen Prüfungen in unglamourösem Ambiente mit XYZ-Promis mit strähnigen Haaren in ewig gleichen Outdoor-Klamotten.

20. Januar 2023

Heute schaue ich mal wieder Nachtcafé im SWR mit Michael Steinbrecher. Ich muss ihn loben. Er macht das so gut und es werden echte Gespräche mit Tiefgang geführt, keine dieser Talkrunden, wo nur das neue Produkt des Gastes promotet wird. Obwohl das sicher auch alles seine Existenzberechtigung hat. Ich mag das Konzept, Gäste einzuladen die ein ähnliches Thema in ihrer Biographie haben und das zu vertiefen. Sehr bereichernd. Oft erlebte ich schon, dass ich auf einen prominenteren Gast gespannter war, als auf einen weniger bis gar nicht bekannten Menschen, aber die vermeintlichen Mauerblümchen-Gäste noch fesselnder erzählten. Wenn das routinierte Kamera-Bewußtsein wegfällt, bin ich oft angerührter. Gerade die Mischung ist gut. Ein feines Format. Heute mal wieder ein Thema zur Liebe. Immer um 22 Uhr am Freitag im SWR. Tatsächlich die einzige Talk-Sendung, die ich überhaupt noch verfolge.

19. Januar 2023

Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich zuerst ins Wohnzimmer, zur Musikanlage, schalte sie an, es dauert ein paar Sekunden bis sie hochfährt, dabei ziehe ich die doppelten Fensterrollos zur Auguststraße hoch, vom Fenster, und vom verglasten Balkon, fünf Stück, dann gehe ich wieder zur Musikanlage und drücke auf play. Sonst gehe ich dann in die Küche und setze Kaffeewasser auf, danach ins Bad, Zähneputzen und unter die Dusche. Heute aber habe ich den Mond gesehen, diese märchenhafte Sichel über dem Park Inn am Alexanderplatz und bin nicht in die Küche, sondern habe die Kamera geholt und zuerst Fotos gemacht. Heute morgen um 7:36 Uhr. Dann erst bin ich in die Küche, hab das Kaffeewasser aufgesetzt, das Kaffeepulver in die French Press eingefüllt, meine Lieblingstasse aus dem Schrank geholt, und dann ins Bad. Duschen, Zähneputzen und so weiter. Wenn ich geduscht bin, kocht das Wasser und ich gieße den Kaffee auf. Als ich nach dem Fotos machen ins Bad ging, kam Yello, von der Platte „You gotta say yes to another excess“ von 1983, ewig nicht gehört.„I love you“ und Lost again …I wish the wind was cold, I wanna hold you, Baby hold, hold me in your arms… und so weiter und so fort. Beides vollkommen unerwartet, der Mond und Yello. Vollkommener Moment, ich tanzte zur Dusche. Der Mond stand heute früh im Zeichen Schütze. So eine schöne Sichel. Wo ich das Park Inn Hotel so hässlich finde, aber der Mond hat es heute verzaubert.

18. Januar 2023

Heute zu faul und uninspiriert zum Bloggen. Lege noch fünf Minuten getrocknete Wäsche zusammen, um mir etwas Tatkraft zu beweisen. Ich habe es auch gerne schön aufgeräumt. Vermittelt rein optisch das Gefühl, nichts tun zu müssen, sehr erholsam für mein Wohlbefinden. Durcheinander in der Wohnung fühlt sich für mich weder kreativ noch künstlerisch an. Das sind billige Klischees, die schlecht organisierten Zeitgenossen, die auch sonst nicht sehr schöpferisch auffallen, wohlfeil als Entschuldigung herhalten! Da ich ja sonst sehr fleißig und tatkräftig bin, darf ich es heute auch mal beim Wäsche Zusammenlegen belassen!

15. Januar 2023

Wie vor ein paar Tagen in einem Eintrag angekündigt, gibt es nun exclusives Bildmaterial von meiner Konfirmation im März 1978 mit dem Hosenanzug-Outfit und dem Glitzerschal. Überrascht nahm ich vorhin zur Kenntnis, dass noch eine andere Konfirmandin einen Hosenanzug anhatte. Aber ohne Glitzerschal! Den sieht man nur auf dem Gruppenfoto, auf den Einzelfotos habe ich ihn nicht an, vielleicht war er mir zu warm. Scheint ein sonniger Märztag gewesen zu sein. Mein Bruder ist nicht auf dem Gruppenfoto, ich kann mich dunkel erinnern, dass es noch ein anderes gab, das ich aber nicht hier habe, da hat er sich an den äußersten Rand links gedrückt, er hasste es, fotografiert zu werden, zumal in einem spießigen Anzug. Ich glaube, seiner war ein brauner Cordanzug. Außerdem hatte er gerade eine Brille bekommen, die er ebenfalls hasste. Zum Friseur musste er auch, was er genauso hasste! Es war nicht sein schönster Tag. Meiner auch nicht, aber ich habe versucht, was draus zu machen. Ich wirke auf dem Gruppenfoto ganz gut gelaunt. Ich fühlte mich in meinen Klamotten wohl. Nicht unwichtig! Der Hosenanzug war schwarz, nicht dunkelbraun, das wirkt nur auf den vergilbten Fotos so. Ich glaube, das waren sogar mal Farbfotos, die ihre Farbe in den Jahrzehnten verloren haben.

Atmosphärisches P.S. zum Eintrag: am 12. März 1978 auf Platz Eins der deutschen Charts: „Mull of Kintyre“ von Paul McCartney und seinen Wings, das ich liebte, auf Platz drei Bonnie Tyler mit „Its a heartache“, auch ganz ok. Hingegen absolut indiskutabel fand ich Platz zwei, „Das Lied der Schlümpfe“ von Vadder Abrahahm. Selbst als Kind hätte mir das nicht gefallen, obwohl wir natürlich Schlümpfe hatten und sammelten. Albern und kindisch und witzlos und musikalisch unter aller Kanone fand ich das Schlümpfe-Lied. Sehe ich heute nichts anders. Klamauk hat in den Musik-Charts nichts verloren!

14. Januar 2023

Noch ein Werk von Bram van Velde. Etwas lebhafter, so wie ich gerne wieder wäre. Leider immer noch nicht komplett wiederhergestellt, Kräftepegel ist so mittelmäßig, ich fühle mich normalerweise sehr kräftig, also so kräftig, dass ich meine, ich könnte Bud Spencer umhauen. Ich war schon wieder fast vier Wochen brav arbeiten, aber mehr ist nicht drin, reicht ja auch. Und nun Wochenende mit nirgends hingehen, trotz Einladungen. Das ganze Herumgesterbe muntert mich auch nicht auf. Aber ich bin schon grundsätzlich auf dem aufsteigenden Ast. Der kräftemäßige Übermut fehlt halt noch. Dass ich mal mit der S-Bahn Wohinfahren nicht schon als anstrengende Action empfinde. Und das viele An- und Ausziehen. Mehrere Schichten, Schal, Mütze, Handschuhe… dass es über Null Grad hat, führt bei mir komischerweise nicht zu dem Empfinden, dass ich davon was weglassen könnte. Für mich ist der Wind im Gesicht immer kalt. Kalt genug für die ganze Verpackung. Bin da gar nicht hart im Nehmen. Das viele Daheimsein hat aber dazu geführt, dass ich viele Nähsachen erledigt habe, wo was zu reparieren war. Auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber danach ist es toll. Also den Saturday-Night-Fever-Glitzer-Konfirmationsschal hab ich auch fertig auf den flauschigen Schal aufgenäht. Ich bitte um Geduld, was meine Ausgeh-Verfassung angeht. Arbeite am Reset zur Werkseinstellung. Tatsächlich hab ich sogar an Silvester nach Mitternacht im Wohnzimmer getanzt, ein plötzlicher Schub, als von meiner Festplatte ein mir völlig unbekannter japanischer Discosong kam, keine Erinnerung warum, wann, wieso abgespeichert, aber sehr gut zum Tanzen und danach kam von den B52s „Song for a Future Generation„, den lieb ich ja so, mit den ganzen Sternzeichen, so ein süßer Text. Nach dem Getanze war ich sofort reif fürs Bett. Uff. Zwei Tänze und schon erledigt, das ist nicht normal! Sonst konnte ich zwanzig Tänze! Aber das wird wieder.

Wanna be the ruler of the galaxy?
Wanna be the king of the universe?
Let’s meet and have a baby now!


Wanna be the empress of fashion?
Wanna be the president of Moscow?
Let’s meet and have a baby now!

La! La! La! La! La!
La! La! La! La! La!
La! La! La! La! La!
La! La! La! La! La!

Hey, I’m Fred the Cancerian from New Jersey
I like collecting records and exploring the cave of the unknown!

Hello, I’m Cindy, I’m a Pisces and I like Chihuahuas and Chinese noodles!

Wanna be first lady of infinity?
Wanna be the nicest guy on earth?
Let’s meet and have a baby now!

La! La! La! La! La!
La! La! La! La! La!
La! La! La! La! La!
La! La! La! La! La!


Now! Now!
Now! Now!
Now! Now!
Now! La! La! La! La! La!

Hi, my name is Ricky and I’m a Pisces
I love computers and hot tamales

Hey, I’m Kate and I am a Taurus
I love tomatoes and black-capped chickadees

Hey, my name is Keith and I’m a Scorpio from Athens,
GA and I like to find the essence from within

Wanna be the captain of the Enterprise?
Wanna be the king of the Zulus?
Let’s meet and have a baby now!


Wanna be the daughter of Dracula?
Wanna be the son of Frankenstein?
Let’s meet and have a baby now!

Wanna be mother-father? (ooh, ooh, ooh)
Daughter-son, captain? (ooh, ooh, ooh)
Wanna be ruler-king and empress? (ooh, ooh, ooh)

13. Januar 2023

Entdeckung für meine Sammlung: „50/100, XXème Siècle“ von Bram van Velde, 61 x 84 cm. Datierung unklar. Der Niederländer Bram van Velde, geboren 1895, lebte zwei Jahre in Worpswede, lange in Paris, zeitweilig auf Mallorca, wieder in Paris, arbeitete in Genf, nahm 1964 an der documenta in Kassel teil und siedelte sich am Ende seines Lebens, seinem letzten Lebensjahr, an der Côte d’Azur an, in Grimaud, wo er auch starb. Ein wunderbares Bild.

12. Januar 2023

Endlich geschaut: Rosa von Praunheims Doku-Spielfilm „Rex Gildo – Der letzte Tanz„, in der ARD-Mediathek, sehr sehenswert. Ich war als Kind vor dem Fernseher nie ein erotisierter Fan von Rex Gildo, wenn er in der Hitparade seinen Partyschlager „Fiesta Mexicana“ sang, aber jeder kannte ihn, er gehörte zur großen Schlagerfamilie im Fernseher, wie auch Jürgen Marcus, den ich aber cooler fand. Das Lächeln von Jürgen Marcus wirkte nicht so aufgesetzt. Rex Gildo war immer etwas zu stark gebräunt und hatte schon unnatürlich weiße Zähne. Dass von ihm keine Hetero-Vibes ausgingen, spürte ich wohl auch schon als Kind. In der „Neuen Post“, einer Boulevard-Illustrierten, die bei meinen Großeltern im Wohnzimmer lag, gab es auch hin und wieder Homestories über Rex Gildo daheim mit seiner Frau, die seine Cousine war, und mit ihm aus Publicity-Gründen für Fotostrecken Ehe spielte. Was man damals natürlich nur wusste, wenn man ihn persönlich kannte. Aber selbst seine jahrelange Haushälterin glaubte, dass sein Lebensgefährte, der mit seiner Ehefrau auf dem Papier auch im Landhaus lebte, ein Onkel war und eben sein Manager. Rosa von Praunheim hat sich nun seiner Lebensgeschichte gewidmet, mit dem traurigen Ende, das ihn aus dem Fenster springen ließ. Der Film weckt große Sympathien für Rex, er geht zu Herzen. Auch wenn so vieles schwierig war, ist es doch schön, dass er über viele Jahrzehnte so eine tiefe, innige Liebesbeziehung mit seinem Manager hatte, der ihm viel Halt zu geben schien. Das erleben auch nicht viele, so eine stabile und lange Liebe. Und auch nicht so eine späte Ehre, einen hingebungsvollen Dokumentarfilm mit grandioser Besetzung in den Spielszenen, wie zum Beispiel Ben Becker, der seinen Lebensgefährten spielt. Nicht als Schlagerfan, der ich nicht bin, obgleich mich rückblickend einige Schlager sehr amüsieren, sondern als mitfühlender Mensch empfehle ich den Film. Und als Fan von Rosas Filmkunst. Wirklich herzerwärmend.

11. Januar 2023

Tatjana Patitz ist heute in Kalifornien gestorben. Das trifft mich in gewisser Weise, weil sie meine Generation war, sechs Monate jünger als ich. Sie war sehr krank. Die ganzen legendären Supermodels der Neunziger waren mir früh präsent, weil ich ab Mitte der Achtziger Jahre sehr regelmäßig Vogue und Harper’s Bazaar las, ich besitze die alten Jahrgänge immer noch, und ich horchte immer auf, wenn man in diesen Tagen wieder von ihnen hörte. Wie zum Beispiel von Linda Evangelista, genauso alt wie ich. Was wurde aus ihnen, wie waren die privaten Entwicklungen, und wie hatten sie sich gehalten… Es ist okay, wenn ein jüngerer Mensch, oder jemand mit weniger Interesse an High Fashion und Fotografie keine Ahnung hat, wer Tatjana Patitz war. Ist mehr eine persönliche Notiz für mich selbst. Am Schönsten hat sie wahrscheinlich Peter Lindbergh eingefangen, dem ich zum Glück einmal persönlich begegnete, ein sehr amüsantes Aufeinandertreffen, zuerst mit seinem launigen Verleger Herrn Schirmer und dann mit ihm. Wir hatten einen Draht, was ich gehofft hatte. Er ist auch auf der anderen Seite, wie ich es immer so denke. Die andere Seite unserer Welt, die unbekannte. Rest in Peace, liebe Tatjana Patitz.

Naomi, Linda, Tatjana, Christy, Cindy, Foto: Peter Lindbergh

10. Januar 2023

Heute: Handarbeiten. NEIN! Nicht gähnen, bitte weiterlesen! Ich nähe von Hand einen langen, netzartigen, eisgrauen Schal mit Lurexfäden auf einen flauschigen hellgrauen Fransenschal. Dann habe ich einen passenden Schal zu meinem Silberoutfit, der was hermacht und nicht kratzt. Der glitzernde Schal war das erste etwas extravagantere Kleidungsstück, das ich je besaß.

Es muss 1978 gewesen sein. Die Konfirmationsfeier stand an. Mein Bruder, der nur anderthalb Jahre älter war, war vierzehn, dem damals üblichen Alter für die Konfirmation. Ich war zwischen zwölf und dreizehn und unsere Eltern hielten es für eine gute Idee, uns gemeinsam zum Konfirmanden-Unterricht zum Pfarrer zu schicken.

Der Unterricht wurde in einer Nachmittagsgruppe mit den anderen Konfirmanden im Alter meines Bruders abgehalten. Für die Feier war es üblich, ein festliches schwarz-weißes Ensemble anzuziehen, die Mädchen üblicherweise ein schwarzes Kostüm mit weißer Bluse oder ein schwarzes Kleid, gerne aus Samt, mit einem weißen Kragen. Von den pubertierenden Jungs wurde erwartet, zu diesem Anlass einen Anzug tragen. Nicht sehr beliebt bei vierzehnjährigen Jeans-Trägern in den Siebziger Jahren.

Ich sträubte mich vehement, eines der zur Auswahl stehenden artigen Kostüme oder Kleider zu tragen, ich fand das nicht schick und modern. Ich wollte einen Hosenanzug! Ich war absolut stur und kämpferisch und Hosenanzüge für Mädchen und Frauen waren sowieso gerade in Mode, so dass es in der Abteilung mit Konfirmanden-Kleidung tatsächlich einen einzigen schwarzen Hosenanzug aus Samt gab. Die Hose natürlich mit Schlag. Dazu eine rüschenfreie weiße Hemdbluse und als Krönung diesen silbern glitzernden langen Schal, einmal um den Hals geschlungen, die Enden hingen lässig bis zur Hüfte, über das Samtrevers des taillierten Blazers.

Den Samtblazer zog ich später fast täglich zur Schule an, das war cool und angesagt. Den Schal auch. Mit dem konnte man zur Plattenparty gehen, der Wochenend-Disco für Jugendliche im evangelischen Jugendheim! Dazu Kajal, Wimperntusche und Lipgloss mit Mandarinengeschmack! Es gab die Hits von Saturday Night Fever, die wir liebten: Stayin Alive und Night Fever, yeah! Und die Moves des unfassbar gutaussehenden John Travolta, uhh…! Die anderen Mädels aus der Konfirmandengruppe hatten von ihrer Konfirmation leider keine Teile, die sie zur Plattenparty hätten anziehen können.

Aber noch eine Extravaganz wurde mir zur Konfirmation gestattet: schwarze, hochhackige Nappaleder-Stiefeletten. Spitz zulaufend, zehn Zentimeter Absatz. Todschick! Die teuersten Schuhe, die ich bis dahin hatte. Ich fühlte mich richtig erwachsen damit. Ich war bereit für John Travolta! Auch die trug ich gerne und oft danach.

Ich war mit diesem Ausgeh-Outfit wohl die coolste Konfirmandin im ganzen Land, zumindest 1978, und fühlte mich sehr rebellisch und wegweisend! Es gibt kein anderes Kleidungsstück, das ich von den Siebziger Jahren in mein Erwachsenenleben rübergerettet habe, außer diesen Glitzerschal mit der aufregenden Disco-Aura von Saturday Night Fever. Wenn ich das gute Stück auf den weichen Fransenschal aufgenäht habe, mache ich ein Foto davon und schaue, ob ich auch eins von der Konfirmation finde.

09. Januar 2023

Ich habe da mal was vorbereitet. Heute früh kam von meiner nach Alphabet durchgehörten Festplatte, Udo Lindenberg mit einem Herzschmerz-Lied, bei dem mir durch den Kopf ging, dass man keine Liebesballaden mehr komponiert, wenn eine Sache durch ist. Das ist natürlich auch das Entlarvende an dem Lied, welches da heißt „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr“. Ein thematisch ähnlich gestrickes Werk gibt es von den Ärzten, Text vermutlich von Farin Urlaub, es heißt: „Nie gesagt“. Um den Widerspruch noch auf die Spitze zu treiben, habe ich mir erlaubt, gewissermaßen kuratierend, aus beiden Texten einen zu machen. Ganz erstaunlicherweise reimen sich die Zeilen mitunter sogar. Müsste nur noch vertont werden. Hier wäre schon mal der fertige Text:

„Ich wache auf und das Bett ist leer
Es tut nicht mehr weh
Das stört mich eigentlich gar nicht mehr
Endlich nicht mehr weh
Auch sonst ist alles in Ordnung soweit
Wenn ich dich zufällig mal wiederseh′.

Da wär‘ nur noch eine Kleinigkeit
Es ist mir egal
Du hast gesagt, ich schaff‘ es nie ohne Dich
Sowas von egal
Ich hab‘ gehört, daß Du das allen erzählst
Und mein Puls geht ganz normal.

Das finde ich absolut lächerlich
Mußt nicht glauben
Ich hab‘ doch nie gesagt, daß Du mir fehlst
Daß ich ohne dich nicht klarkomm‘
Du fehlst mir
Ich komm′ sehr gut zurecht.

Ich hab‘ gesagt, Du interessierst mich nicht mehr
Kannst ruhig glauben:
Jetzt merke ich, es ist ziemlich schwer
All die ander’n Frauen
Ich hab‘ gesagt, Du bist mir egal
Die sind auch nicht schlecht.

Jetzt sehe ich Dein Gesicht überall
Ich lieb‘ dich überhaupt nicht mehr
Ich hab gesagt,
Das ist aus
wie sehr ich mich freue
Vorbei und lange her.

Daß Du Dich sicherlich heimlich quälst
Endlich geht′s mir wieder gut
Ich hab‘ soviel gesagt, was ich jetzt bereue
Und ich hab′ jede Menge Mut
Aber: Ich hab‘ doch nie gesagt, daß Du mir fehlst
Und ich steh‘ da richtig drüber.

Ich wache auf und Du bist nicht hier
Den Fernseher, den ich eingetreten hab′
Doch in Gedanken bin ich immer bei Dir
Den hat die Versicherung voll bezahlt.
Ich war zu stolz um zuzugeben
Die Wohnung sieht jetzt anders aus

Ohne Dich kann ich nicht leben
Nichts erinnert mehr an dich
Das geht nur uns beide was an
Ich hab‘ alles knallbunt angemalt.
Ich möchte, daß Du es für dich behältst
Wenn ich manchmal nachts nicht schlafen kann

Damit ich weiterhin behaupten kann:
Geh′ ich in die Kneipe und sauf‘ mir einen an.
Ich hab‘ doch nie gesagt, daß Du mir fehlst
Du sagst, Da wär′ ’ne Trauer in meinem Gesicht
Du fehlst mir
Was für’n Quatsch! Das ist doch nur das Kneipenlicht.

Ich hab‘ gesagt, Du interessierst mich nicht mehr
Ich lieb′ dich überhaupt nicht mehr
Jetzt merke ich, es ist ziemlich schwer
Das ist aus, Vorbei und lange her.
Ich hab‘ gesagt, Du bist mir egal
Guck mich bitte nicht mehr so an

Jetzt sehe ich Dein Gesicht überall
Faß mich bitte nicht mehr so an
Ich hab gesagt,
Das zieht bei mir nicht mehr
wie sehr ich mich freue
Geh doch einfach weiter

Daß Du Dich sicherlich heimlich quälst
Es hat keinen Zweck.
Ich hab‘ soviel gesagt,
Ey du weißt doch
was ich jetzt bereue
Sonst komm′ ich da niemals drüber weg

Aber: Ich hab‘ doch nie gesagt,
Ich komm‘ da niemals drüber weg
daß Du mir fehlst
Geh doch einfach weiter.
Du fehlst mir.“

Bitte die Urheberrechte beachten und immer alle drei Textautoren erwähnen: Udo Urlaub, Farin Nielsen, Gaga Lindenberg.

08. Januar 2023

Die Mützenparade geht weiter! Heute: Silber-Schlumpf. Dieses vergleichsweise konventionelle Modell habe ich bereits in Gold präsentiert. Korrespondierend trage ich einen silbernen Daunen-Anorak mit Kapuze, den ich vor drei oder vier Jahren für 19,90 bei kik erstanden habe. Vorher war ich bei Karstadt Sport und habe einen ziemlich genauso aussehenden goldenen Daunen-Anorak von Bogner besichtigt. Der hätte 749,00 Euro gekostet. Gold ist eben etwas teurer, schon klar! In Silber hat er mir noch besser gefallen, ich hab es mir nicht nur eingeredet, um zu sparen! Heute war der Himmel – sagen wir: silbergrau. Also: passende Garderobe. Schick durch den Winter, nach dem Motto: „You Got the Silver, You Got the Gold.“ Das hat Keith Richards 1969 in einem Anita Pallenberg gewidmeten Song geschrieben, der auch zu mir passt!

08. Januar 2023

FEELS LIKE HOME. Alten, brüchigen, bleigrauen Rahmen am 6. November 2022 am Straßenrand in der Gipsstraße aufgegabelt, repariert, mit Klebstoff-Wellenrelief und Blattgold und Lapislazuli-blauen Mosaiksteinen gepimpt, Patchworkstoff auf Papprückwand, Farben mit Acryl überarbeitet, 7., 8., 9., 10., 29. November und 16. Dezember 2022, 71,5 x 80 cm, Staatliche Museen von Gaganien.

07. Januar 2023

Diaoqi-Schnitzlackdeckeldose, vormals schwarz und zinnoberrot, innen blau emailliert, China, circa Mitte 20. Jahrhundert. Am 26. Dezember 2022 mit Blattgold verzaubert. Mir war danach. Die Dose kannte ich schon in meiner Kindheit, seit gut sieben Jahren steht sie bei mir, sie fiel mir um Weihnachten beim Aufräumen wieder in die Hände, es war gar nichts drin. Jetzt bewahre ich viele bunte Sicherheitsnadeln darin auf und habe sie schon mehrmals seither in der Hand gehabt. Das Blattgold hat gerade noch gereicht, mein allerletztes Vergoldungswerk im vergangenen Jahr. Ich bewahre meine Schätze gerne in schönen Schatzkästchen auf.

05. Januar 2023

Heute fällt mir nicht viel ein. Bin etwas trunken von einem Umtrunk. Daheim trinke ich keine verschiedenen Getränke. Woanders kann es schon mal passieren. Gute Nacht.

03. Januar 2023

„Vor dem Krieg empfing Madeleine Lemaire dienstags. Von April bis Juni war das IHR Tag. Ihre Gäste überraschten sie beim Malen. Im Allgemeinen Rosen. Madeleine Lemaire war mehr Künstlerin als Lydie Aubernon, für die das Geistige wichtiger war. Wenn Madame Aubernon ein Diner gab, entschied sie im voraus über die Themen, über die gesprochen werden sollte. Nahm das Gespräch eine andere Richtung, läutete sie ein Glöckchen.“

Das mit dem Glöckchen gefällt mir sehr! Autoritäres Unterbinden von Verzetteln in den Konversationsthemen. Was hat man schon unter Smalltalk und ständigem Themenwechsel in größerer Gesellschaft gelitten! Also ich. Lauer Palaver ohne Ecken und Kanten, leider oft auch ohne Frivolität oder Pikanterie. Die könnte mich noch interessieren. Nun gut. Ich persönlich ziehe tiefere Erörterungen unter vier bis sechs Augen einem gefällig mäandernden Gruppenpalaver vor.

Die erwähnten Damen, Madame Lemaire und Madame Aubernon, führten zu Lebzeiten Marcel Prousts jeweils einen eigenen gehobenen Salon in Paris, Treffpunkt der kultivierten Gesellschaft. Beide inspirierten ihn zur Figur einer Salonnière in seinem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (welches mich beim enthusiastischen Leseversuch vor vielen Jahren nicht zu fesseln vermochte). Das eingangs Zitierte mit dem Glöckchen habe ich soeben aus der arte-Doku „Die Welt des Marcel Proust“ mitgeschrieben, die mich ansonsten, Gott sei’s geklagt, etwas langweilte. Ich fürchte, nun habe ich bald alle Kultur- und Geschichts- und Portraitdokus auf arte durch. Bitte die Mediathek neu befüllen! Dokumentationen sind mein erklärtes Lieblingsformat.

02. Januar 2023

In meiner ganz, ganz privaten (Wunschtraum-)Sammlung gibt es ein drittes Bild von František Kupka. Es ist 110 Jahre alt und heißt „Ordonnance sur verticales en jaune„, im Eigentum des Centre Pompidou in Paris. 70 x 70 cm. 1913 war das ein sehr unüblicher Stil der Malerei. Es gibt viel Palaver in der Kunstwelt darum, wer und wann in der abendländischen Kunst erstmals abstrakt malte. Nachdem nun unlängst auch noch Hilma af Klints Werk von der vorletzten Jahrhundertwende das Licht der Öffentlichkeit fand, wurden die Karten des Pionieranspruchs wieder neu gemischt. Jedenfalls liebe ich dieses Bild der gelben Vertikalen, eines der ersten abstrakten Gemälde Kupkas – und wohl überhaupt – sehr.

01. Januar 2023

Mützenmodenschau! Aus dramaturgischen Gründen mache ich nun mit einer der beiden schlichten Mützen weiter, welche ich jüngst erworben habe. Dieses Modell erfordert keinen besonderen Mut, um sich damit in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es ist eine dieser Kopfsocken, über die ich gerne auch schon einmal gelästert habe. Die aparten Goldakzente dieses Modells ließen mich mein Vorurteil überdenken. Gold-Gaga wünscht ein goldiges neues Jahr!

31. Dezember 2022

Ich wünsche allen Erdlingen und der Erde ein friedliches neues Jahr. Alderaan wurde zerstört, aber ihr seid nicht so dumm und passt auf Eure Erde schön auf, ja? Es grüßt Eure Prinzessin Leia.

P.S.: ich habe doch gesagt: extravagante Mützen! Diese hier ist ein Einzelstück für die Zielgruppe Cosplayer, mit der ich eigentlich nichts am Hut habe, aber offenbar an der Mütze! Happy New Year!

31. Dezember 2022

  1. Dezember 2012. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich vor zehn Jahren zu keiner Silvesterparty gegangen bin. Es hat mich keiner eingeladen! Das muss man sich mal vorstellen. Überhaupt habe ich mehr Silvester alleine, als in einer Partygesellschaft verbracht, aber auch oftmals ganz freiwillig. In den letzten Jahren war ich öfter mal auf Parties, gerne auch in der Paris Bar, wo der „Alte Westen“ mit Fliege und Smoking zugange war. Je oller, de doller! Heute bleibe ich auch fein daheim, aber nicht beleidigt, weil ohne Einladung, sondern wegen noch ein bißchen Ruhebedürfnis. Dass ich kräftemäßig zwar schon wieder relativ gut beieinander bin, auch nicht mehr husten muss, heißt aber noch nicht, dass es mich in Gesellschaft und zum Tanzen drängt. Das merke ich daran, dass ich in der S-Bahn mein Buch nicht aus der Tasche nehme, weil es mir zu anstrengend und umständlich ist. Mit Mütze auf dem Kopf, Maske vor dem Gesicht, dann Brille rausholen, der ganz Zirkus. Ich habe das Bedürfnis, die Augen zu schließen, bis ich am Ziel bin. So ein Schutz-Reflex. Mal sehen, ob ich es heute noch hinkriege, wenigstens ein einziges Foto zum Jahresabschluss zu machen. Ich war ja den ganzen Dezember mehr oder weniger außer Gefecht, keine Lust, meinen Zustand zu verewigen. Ich wünsche schon mal ein gutes Rüberkommen und wurstle hier gemütlich daheim herum. Auf jeden Fall werde ich später mit mir selber und Euch in Gedanken anstoßen, das gehört sich so. Und das schöne Feuerwerk werde ich auch nicht verschlafen, so müde bin ich nicht! Den erforderlichen Überblick habe ich hier oben in alle Richtungen!

30. Dezember 2022

STONES SIXTY II., 60 x 60 cm, 21., 25., 26. Juni 2022, 15., 16., 17., 18. Dezember 2022, Druckfragmente, Rosenblätter, Spiegel, Puderdose, Schokoladenverpackung, Weinetikett, Acryl, Kleber, Ausstellungskatalog, 3D-Leinwand, Staatl. Museen von Gaganien.

Zwei mich persönlich sehr berührende Weltereignisse im Jahr 2022 waren das sechzigjährige Bestehen der Rolling Stones und der Abschied von der Queen. Den Stones habe ich zwei Werke gewidmet. Das erste war dieses blaue Bild, das zweite ist das hier. Erst zufällig, aber dann doch gewahr, habe ich es am Geburtstag von Keith vollendet, am 18. Dezember. Der Queen habe ich vier Bilder gewidmet. Verarbeitet, jenen Abschied. Zeige ich Euch bald.

29. Dezember 2022

Heute war der Tag, an dem ich meinen neuen Personalausweis erhalten habe. Der letzte Akt der Wiederbeschaffungsarie persönlicher Ausweisdokumente. Hat 46 Euro gekostet, das Foto mitgerechnet. Ich lobe das Bürgeramt in der Klosterstraße über den grünen Klee. Ich war zweimal da und der Termin wurde jeweils nur um fünf Minuten überzogen, länger habe ich nicht gewartet. Waren beide Male jüngere Männer, die mich verarztet haben, die auch gerne geplaudert haben und gut gelaunt waren.

Danach bin ich wieder Richtung U-Bahn zurückgelaufen, also zum Alex. Als ich bei C&A vorbeigekommen bin, hat mich ein phantastisches Pink aus dem Schaufenster angesprungen. So ein blaues, nicht grelles, aber intensives Pink. Es war an einem Teddy-Wintermantel mit großem Revers. Ich habe eigentlich keinen Platz mehr im Schrank, aber die Farbe war wie Medizin! Ich musste ihn anprobieren. Es gab noch zwei Größen: S und L.

Ich habe beide mit in die Kabine genommen. Beide waren viel zu groß! Normalerweise bin ich mit Sachen in L ganz gut bedient. Der Mantel war runtergesetzt, ich hätte ihn mir leisten können. Aber ich habe auch in dem S-Mantel ausgesehen wie ein pinker Elefant! Wie eine Tonne. Noch nie habe ich ein Kleidungsstück angehabt, das so aufgetragen hat.

Ich hab mich ein bißchen gefreut, dass er überhaupt nicht vorteilhaft aussieht, so hatte ich kein Kleiderschrankplatzproblem vor mir. Habe beide sehr zufrieden zurückgehängt und bin heimgefahren.

28. Dezember 2022

Heute Mittag neues Buch einer mir unbekannten Autorin angefangen. Deutsche Übersetzung aus dem Englischen. Schon beim ersten Satz stilistische Desillusionierung. Es wird ein Vergleich bemüht. „An dem Nachmittag, an dem (…), war der Himmel blau wie ein Drosselei.“ W.t.f.? Der Himmel blau wie ein Drosselei? Zählt das Aussehen von Drosseleiern zur Allgemeinbildung? Soll das originell sein? Muss ich die Google-Bildersuche bemühen, um mir eine Himmelsfärbung vorzustellen? Da bin ich raus. Natürlich noch gegoogelt, wie das Gelege von Drosseln aussieht. Es gibt verschiedene Drosseleier. Zwei in Blautönen, variierend zwischen hellem Türkis und Hellblau, beide mit hellbraunen Einsprengseln. Ich nehme an, die Autorin hat sich zu dem Vergleich selbst beglückwünscht. Bei prätentiösen Formulierungen, die noch nicht einmal rhythmisch oder melodisch interessant sind, bekomme ich schnell schlechte Leselaune.

27. Dezember 2022

AESKULAP | Dom Perignon. Acryl, Spachtel, Spiralstempel, Inlay-Fragmente von fünfzackiger Sternschachtel Reber Mozartkugeln, Palettenholzlatte Prinzessinnengärten, Klebstoff, kleine Leinwand auf großer 3D-Leinwand, 50 cm x 100 cm x 4 cm, 19., 20., 22., 26., 27. und 29. November 2022, Staatliche Museen von Gaganien.

»Äskulap: griech: Asklepios, Gott der Heilkunst, Sohn des Apollo. Äskulap beherrschte die Medizin, Chirurgie und Kräuterkunde, sogar Tote vermochte er zu erwecken. Die Heilung im Äskulap-Kult bestand oft darin, dass der Kranke im meist außerhalb der Stadt gelegenen Tempel des Äskulap schlief. Im Traum erschien ihm dann der Arzt und gab dem Patienten Diäten oder andere Behandlungsmethoden auf. Dargestellt wird Äskulap meist als ein bärtiger, ernster Mann, sich auf einen Stab stützend, der von einer Schlange (Natter) umschlungen wird. Dieser Äskulapstab wurde zum Symbol der Heilkunde. In Rom gab es ein berühmtes Äskulapheiligtum auf der Tiberinsel.« Quellenverweis: fsg Marbach

25. Dezember 2022

Service-Information: heute Sissi! 15:45 „Sissi“, 17:30 „Sissi, die junge Kaiserin“, morgen 17:30 „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ (im Ersten). Natürlich mit Romy, nicht der neue Quatsch.

25. Dezember 2022

Ich kann auch wahrsagen! Mein Rabe flüstert mir alles ein! Was wollt Ihr wissen? Ich antworte dann in den Kommentaren! Gratis! Am 13. Juli 2020 hat mich Jan Sobottka in meiner kleinen Werkstatt besucht, dafür hatte ich mich künstlerisch wertvoll zurecht gemacht. Da saßen wir auf meinem kleinen Balkon und er kalauerte „Du siehst aus wie eine Wahrsagerin, die Wahrsagerin von Neukölln! Hihihi“ Ein bißchen hatte er schon Recht. Aber vielleicht kann ich ja wirklich wahrsagen! Ich hab ihm dann meinen Raben zum Abschied geschenkt. Weiß gar nicht, ob er den schon mal für ein Shooting eingesetzt hat. Er hat ja gerne Spielsachen. Dachte, der Rabe ist bei ihm in guten Händen. Hoffe ich doch sehr!

24. Dezember 2022

Heute vor zehn Jahren, vierundzwanzigster Dezember 2012. Festliche Modenschau vor dem Kleiderschrank in meinem kleinen Ankleidezimmer. Mein langes, schwarzes Samtkleid mit Trägern aus schwarzer Spitze. Sogar die Zuchtperlen sind echt! Heute habe ich bestimmt kein Trägerkleidchen an, vielmehr viele warme Sachen und darüber noch einen flauschigen Poncho. Aber auch vor zehn Jahren war das festliche Samtkleid nicht mein Tagesoutfit. Ich habe nur alle Kleider durchprobiert, die ich im Schrank habe, und mich jeden Tag mit einem anderen fotografiert. Manchmal neige ich zum Zwanghaften. Ich hatte im Februar 2012 plötzlich die Idee, ein Jahr lang täglich ein Foto von mir zu machen. Das habe ich dann durchgezogen, und meist wurde es mehr als ein Foto.

Manchmal hatte ich keine Lust und musste mich dazu zwingen, aber ich habe es gemacht. Das hat dann dazu geführt, dass ich während des Fotografierens den Ehrgeiz entwickelte, gut drauf zu kommen, also richtig echt und authentisch, ohne falsches Lächeln für die Kamera. Weil ich das meist am Tagesanfang gemacht habe, fing der Tag dann eigentlich schon mit einem kleinen Erfolgserlebnis an. Ich hatte es geschafft, mich selber zum Lächeln und in gute Verfassung zu bringen. Das war eine interessante Erfahrung. Ich wollte mir glaube ich beweisen, dass ich es schaffe, jeden Tag eines Lebensjahres wenigstens einen guten Moment zu haben, so dass sich der Tag nicht umsonst gelebt anfühlt. Nach einem Jahr hing es mir dann aber dann auch zum Halse heraus! Die Fotos mussten ja immer noch heruntergeladen werden, gesichtet, ein bißchen optimiert, wieder hochgeladen. Das Übliche. Das war ein bißchen stressig. Danach hatte ich das Bedürfnis, eine Weile keine Fotos machen zu müssen. War dann sehr erholsam. Ich wusste dann ja, dass ich es schaffe, mich selber gut drauf zu bringen, auch wenn blöde Sachen passiert sind. Und die waren gerade zwischen 2010 und 2012 reichlich geschehen. Ich zweifelte tiefgreifend an meinem Wert und vermisste eine gewisse Wertschätzung, die ich mir dadurch selber geben wollte. Obwohl das nicht ganz stimmt, dass ich an meinem Wert zweifelte, für mich war der schon da. Ich zweifelte vielmehr am Verstand meiner Umgebung bzw. an dem eines ganz bestimmten Menschen, an dem mir lag. Aber das ist lange her. Also das steckte dahinter, dass ich vom Februar 2012 bis Februar 2013 ein Jahr lang jeden Tag Fotos von mir machte. In den letzten Monaten dieses Fotoprojekts fing ich dann an, konsequent Kleider dafür herauszuholen, die ich normalerweise nicht angezogen hätte und die selten ans Licht kamen. So wurde es dann auch ein bißchen wie eine Modenschau.

Vorhin habe ich mir gerade die diesjährige Ansprache vom Nürnberger Christkind angeschaut, den Eröffnungsprolog. Immer wieder rührend. Es ist jedes Jahr derselbe Text. Am besten gefällt mir immer die Stelle am Ende, wo das Christkind sagt: „Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, seid es heut’ wieder, freut Euch in ihrer Art. Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein.“ und dann die Arme hebt und sich die goldenen Trompetenärmel wie Flügel auffächern. Das ist so schön! Musste daran denken, dass das Christkind genau gegenüber von meinem Hotelzimmer, das ich im Juli in Nürnberg hatte, auf der Empore der Frauenkirche steht. Ich habe ja noch ganz viele Nürnberg-Fotos von meinen Ausflügen rund um die Burg, die ich noch nicht gepostet habe. Das will ich nun bald nachholen. Denn wer war denn schon einmal auf dem Sinwellturm? Na ich! Ich wünsche allen erholsame und gesunde Feiertage und mehr als alles andere: inneren Frieden und Frieden auf Erden.

23. Dezember 2022

Hab mir kesse Sachen bestellt! Eine Mongolen-Teddy-Waschbär-Mütze in schwarzblau und dazu passende Pulswärmer, die auch noch in beige und noch eine schicke Schirmmütze und einen Pullover. Am meisten gespannt bin ich auf die Mongolenmütze. Kommt vielleicht schon am Dienstag! Dann kann ich mal wieder Erwachsenenfotos von mir posten, nicht nur immer Kinderbilder!

22. Dezember 2022

Heute früh zu Bett. Schlafen kann ich meistens gut. Husten ist weg, nur die Tatkraft ist noch nicht ganz wiederhergestellt. Der Übermut fehlt mir noch. Viel Bedürfnis draußen Maske aufzuziehen, auch weil es warm hält. War die ganze Woche immer wieder draußen und unterwegs, aber dann will ich wieder heim. Dick eingepackt mit flauschigem Schal, dickem Mantel und der Teddyfell-Tschapka. Lange Unterwäsche unter den anderen Sachen. Tasche nach vorne umgehängt, Handschuhe. Da stapfe ich dann (auch ohne Schnee) so schlenkernd herum, wie ein Schulkind, das keine Lust hat, heimzugehen, obwohl ich auf dem Heimweg bin. Aber ich trödele herum, wie eine zehnjährige Schulschwänzerin. Vielleicht hab ich mir in letzter Zeit zu viele Kinderfotos von mir angeschaut, dass das irgendwas angeschubst hat und wieder erweckt.

Und dann keinen Alkohol getrunken seit 27. November. Das ist auch so schulkinderhaft. Aber vorhin hatte ich immerhin Lust auf ein kleines Jever zum Essen. Ein kleiner Fortschritt.

Vorhin habe ich Perfektes Dinner geguckt, aber nicht richtig zugehört, weil beschäftigt. Da ging das Gespräch am Tisch auf einmal um Trinkgewohnheiten der Franzosen. Der eine Mann sagte, dass die Franzosen Wein nur, und wirklich nur, nur, nur als Begleitung zum Essen trinken. Einen Wein einfach so, ohne Essen aufzumachen, wäre unüblich. Das weiß ich gar nicht. Ob das stimmt? Oder vielleicht hat es auch eine Frau erzählt. Jedenfalls meinte jemand am Tisch, wenn man also in Frankreich nachdem das Essen beendet ist, noch nach einem weiteren Glas Wein fragt, würde man schon komisch angeguckt. Also ich habe wirklich gestaunt. Und wenn es stimmt, finde ich es gut und sehr interessant, dass ich etwas mir richtig Neues aus dem Fernsehen gelernt habe.

21. Dezember 2022

Zweimal ich als Baby. Im Taufkleidchen mit Rosenknospen aus dem Garten und davor neugeboren in der Wiege. Die Taufe war am Samstag, dem 11. September 1965, zehn Tage nach meiner Geburt. Leider wurde ich gehindert, zum ersten Stones-Konzert in Deutschland zu gehen, das in Münster gegeben wurde. Die Taufe ging vor, ich durfte nicht hin. Weltweit auf den ersten Plätzen der Charts im September 1965: „Satisfaction“ von The Rolling Stones, „I Got You Babe“ von Sonny & Cher und „Help!“ von The Beatles. In Deutschland außerdem ganz vorne mit dabei: „Mit Siebzehn hat man noch Träume“ von Peggy March. Und die karierte Baby-Decke war rosa und hellgelb. Weiß ich noch genau.

19. Dezember 2022

Noch zweimal Venedig vor siebenundzwanzig Jahren. Das Bild von Valy auf der Treppe habe ich gemacht. Es war bestimmt am Tag unserer Abreise, weil er seinen Rucksack dabei hat. Die Treppe sind wir ganz oft gelaufen, links um die Ecke war unser Hotel. Das Bild von der Piazza San Marco hat wieder seine Mama gemacht, ich bin nämlich drauf, hinten links, mit Blick zum Palazzo Ducale.

18. Dezember 2022

Mit Valerian in Venedig. 8. bis 10. Juni 1995. Die Fotos hat seine Mama gemacht. Valerian siebeneinhalb, ich 29dreiviertel. Wir waren zu dritt unterwegs, seine Mama liebte Venedig und war sehr ortskundig und hat uns ganz viel gezeigt. Unser Hotel war direkt an der Seufzerbrücke, auch nicht weit vom Marcusplatz. Man konnte die Seufzerbrücke aus dem Schlafzimmer sehen, wenn man nach links geschaut hat. Unter uns war ein Kanal. Nachts hallten die Schritte und der Gesang der Gondoliere nach oben zu unserem Fenster. Venedig hat für mich überhaupt nicht komisch gerochen, wie manche behaupten. Ich bin sehr geruchsempfindlich! Am Abend wurde Venedig ganz leer, wenn die Tagestouristen weg waren. Ich habe wenig dort fotografiert, weil ich wie erschlagen von all der Schönheit war. Aber habe ganz viele Postkarten gekauft.

17. Dezember 2022

Heute ist ein besonderer Tag. Nämlich der Geburtstag von meinem Neffen Valerian. Er wird schon fünfunddreißig. Seine Geburt am 17. Dezember 1987 hat sein Vater, mein Bruder, leider nicht mehr erlebt. Er war als Baby im Bauch seiner Mutter, und auch im Auto, mit dem der Unfall passierte, am 4. Juli 1987. Das Foto hat seine Mama am 29. September 1992 gemacht, also vor über dreißig Jahren. Es ist in einem Erinnerungsalbum eingeklebt. Ich war zum sechzigsten Geburtstag meines Vaters zu Besuch gekommen und einen Tag später war meine Rückreise nach Berlin. Vorher besuchte ich Valerian und seine Brüder und ihre Mama in Nürnberg, in der Tetzelgasse, in der Nähe der Burg. Sie begleiteten mich dann zum Bahnhof und es war noch ein bißchen Zeit, bis der Zug nach Berlin losfuhr, so krabbelte der kleine Valerian zu mir ins Zugabteil und seine Mama machte dieses Foto von uns beiden. Ich mag es sehr gerne. Das kleinere Foto von Valerian hab ich gemacht, als er bei mir im Zugabteil war, da sehe ich, dass er ein T-Shirt aus Santorini anhat. Ich war Anfang der Neunziger Jahre sehr oft in Griechenland und hatte T-Shirts für die Kids mitgebracht. Ich wünsche Dir alles Glück dieser Erde, mein liebster Valerian. <3

P.S. auf dem Foto ist Valerian viereinhalb, ich siebenundzwanzig

16. Dezember 2022

Ein Frühwerk. Diese farbenfrohe Klebearbeit habe ich im Februar 1972 erschaffen. Das Bild heißt „Blöde Streberin“ und ist aus Luftschlangenschnipseln auf DIN A3 Papier. Da war ich sechseinhalb und in der ersten Klasse und hatte wohl schon eine konkrete Vorstellung, wie eine Streberin ausschaut. Ob ich das Bild zum Zeitvertreib oder in der Schule gemacht habe, kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Ich finde das Bild ein bißchen gemein, aber eigentlich auch sehr gelungen. Ich gebe Mini-Gaga eine Eins!

14. Dezember 2022

Juli 1974. Achtdreiviertel. Fotos von meinem Bruder. Nein, das ist nicht mein Bruder, das sind Fotos, die er von mir gemacht hat. Das Cordjackett war von ihm, die Krawatte und der Hut waren vom Fasching. Die himbeerrosa Baumwollhose mit Schlag war meine Lieblingshose. Da habe ich mich langsam durchgesetzt und Hosen anziehen dürfen, die viel bequemer waren als die Kleidchen mit kratziger Strumpfhose darunter. Ich wollte kein Junge sein, hatte nur Lust mich zu verkleiden. Wenn mein Bruder, der schon zehn war, Fotos von mir gemacht hat, durfte ich alles machen, wozu ich Lust hatte. Aufs Mäuerchen steigen und eine Schnute ziehen. Böse gucken und andere Mätzchen. Eben einfach alles. Für Juli sieht es ein bißchen unsommerlich aus. Ich vermute, das war ein bedeckter Nachmittag nach der Schule oder am Wochenende, und wir wollten uns die Zeit vertreiben. Verkleiden war immer eine feine Sache. Es gibt eine Internetseite, wo man schauen kann, wie das Wetter früher war. Da heißt es: „Kalt ist der Juli des Jahres 1974. 134 Sonnenstunden sorgen für eine Durchschnittstemperatur von nur 15,8° C.“ Das erklärt das herbstliche Verkleidungsoutfit. Sommerkleider habe ich nämlich gerne angezogen, wenn es schön warm war, da musste man ja keine Strumpfhose dazu anziehen. Mein Lieblingshit vom Juli 1974 war Rock Your Baby von George McCrae, mehrere Wochen auf Platz Eins in Deutschland, der Schweiz, Österreich, England und Amerika. Ich denke, da hatte ich schon meinen Radiorekorder und habe meine Lieblingslieder auf Kassette aufgenommen. Mein Bruder auch, nämlich von der Sendung „Die Schlager der Woche“ vom Rias Berlin. Das war keine Spartensendung für „Deutsche Schlager“, sondern für angesagte Hits, quer durch den Gemüsegarten, also auch Disco-, Soul-, Country-, Pop- und Rockmusik. Da war man nicht kleinlich.

14. Dezember 2022

Juli 1973, Siebendreiviertel. Vom Klassenfoto abfotografiert. Die Klassenfotos wurden immer am Ende vom Schuljahr vom Schulfotografen gemacht. Meine ersten beiden sind schwarzweiß, später dann in Farbe. Meine Klassenkameraden wollte ich jetzt nicht herzeigen. Die waren auch nicht alle süß. Ich hatte schon Freundinnen in der Klasse, aber wurde auch von manchen aufgezogen. Wegen meiner Zahnlücke. Ich habe mich deswegen eingeschüchtert, auch oft nicht getraut, bei Fotos richtig zu lachen. Aber lustig war ich schon gerne. Streiche habe ich nicht so mitgemacht, weil ich gewusst habe, wie blöd es sich anfühlt, wenn die anderen über einen lachen. Mir war auch so peinlich, dass ich immer so schnell rot geworden bin, wenn mich einer anspricht. Ehrlich gesagt, sehen meine Mitschüler insgesamt etwas dickfelliger aus als ich. Wir waren am Anfang in der Grundschule immer gemischte Klassen, Mädchen und Jungs zusammen. Am liebsten hab ich aus dem Fenster geguckt und geträumt. Beim Aufsätze schreiben und Malen war ich immer die Klassenbeste, sonst aber gar nicht. Auswendiglernen hat mir überhaupt nicht gefallen und Mathematik (außer Einmaleins und Geometrie) war mir ein Rätsel. In Religion hatte ich auch immer eine Eins. Ich glaube, der Religionslehrer mochte mich auch gerne. Herr Fauser! Der war schon mal in Papua Neuguinea und war immer sehr angetan von meinen phantasievollen Jesus-Bildern. Er hat uns zum Beispiel als Hausaufgabe gegeben, wie Jesus über das Wasser geht zu malen. Dann wurde in der Klasse mit Hand hoch abgestimmt, wer das schönste Jesusbild gemalt hat und ich habe gewonnen und eine Kaurischnecken-Muschel aus Papua Neuguinea von Herrn Fauser geschenkt bekommen. Die habe ich heute noch.

13. Dezember 2022

Noch ein Foto, vom September 1972. Vielleicht an meinem siebten Geburtstag gemacht. Früher hat man ja nur an besonderen Tagen fotografiert. Ich stehe auf einem kleinen Mäuerchen, das den Vorgarten von der Auffahrt trennt. Ich kann mich noch an das Kleid erinnern, es war ein Lieblingskleid von mir. Die Ärmel waren mit buntem Zickzackmuster, wie Missoni. Mode 1972! Der einfache Schnitt ohne blöde Knöpfe und Borten und Rüschen hat mir gefallen. Ein bißchen wie die coolen Enterprise-Anziehsachen, obwohl die ja aus den Sixties waren, aber eben der Zeit voraus. Ich habe mich nicht gerne fotografieren lassen, weil ich mich immer brav hinstellen sollte. Schüchtern war ich auch, aber das war nicht der Hauptgrund. Es ist mir unnatürlich vorgekommen. Was es ja auch war. Aber trotzdem sieht man Jahrzehnte später, dass doch etwas Wesentliches der Persönlichkeit eingefangen wurde. Es dringt einfach durch, wenn man innerlich widerspenstig artig spielt.

In jenen Tagen, im September 1972, wurde „CHILDREN OF THE REVOLUTION“ von T. Rex veröffentlicht. Ich fand Marc Bolan und das Lied super. „Well, you can bump and grind, it is good for your mind. Well, you can twist and shout, let it all hang out. But you won’t fool the children of the revolution. No, you won’t fool the children of the revolution, no no no. Well, you can tear a plane in the falling rain. I drive a Rolls Royce ‚cause it’s good for my voice. But you won’t fool the children of the revolution. No, you won’t fool the children of the revolution, no no no, yeah.no way, yeah, wow.“

12. Dezember 2022

Dezember 1972. Ein halbes Jahrhundert ist das her. Nachdem ich meine Currywurst-Geschichte erzählt hatte, war ich neugierig, ob ich Fotos aus den Jahren finde, vom Anfang der Siebziger Jahre. Das sind drei Fotos, auf die meine Mama hinten drauf geschrieben hat „Weihnachten 1972„. Ich denke, während der Feiertage entstanden, von meinem Vater fotografiert. Am Küchentisch bei einem kleinen Imbiss und im Wohnzimmer. Mein größtes Hobby war Lesen. Im Dezember 1972 war ich Sieben und konnte schon sehr gut lesen. Ich sammelte Schneider-Bücher. Dazu gehörte auch „Hanni und Nanni“, weswegen ich unermüdlich von einem Leben im Internat träumte. Aber ich las auch alle möglichen Erwachsenen-Schmöker aus dem Eltern-Regal. Nicht nur die zwanzig dicken grünen Bände Brockhaus, aber auch! Darin gab es nämlich Faksimiles der Unterschriften berühmter Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Napoleon Bonaparte, welche ich bis zur Perfektion imitieren konnte. Unterschriften nachmachen war eines meiner Hobbies. Die von meiner Mutter konnte ich auch sehr gut, die war recht einfach, speziell im Vergleich zu der von Napoleon, was mir später in schulischer Hinsicht sehr gute Dienste leistete.

Vorhin habe ich nachgeschaut, welche Lieder 1972 im Radio gelaufen sind. Die deutschen, britischen und amerikanischen Charts waren sehr unterschiedlich, aber es gab so eine Handvoll Lieder, die überall gerne gespielt wurden und es in die Top Ten oder Top Twenty schafften. Die furchtbaren Jammer-Tiraden „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ von Christian Anders und „Am Tag, als Conny Kramer starb“ von Juliane Werding haben es nur in den deutschen Charts weit gebracht. Aber überall, also international waren 1972 die Knaller-Hits „A Whiter Shade of Pale“ von Procol Harum, „Clair“ von Gilbert O’Sullivan, „Let’s Stay Together“ von Al Green, „Heart of Gold“ von Neil Young, „American Pie“ von Don McLean, „A Horse With No Name“ von America (von dem heute noch einige denken, es wäre ein Lied von Neil Young). „Song sung blue“ von Neil Diamond dudelte rauf und runter, „Is this the way to Amarillo?“ wurde Toni Christie nicht müde zu fragen, usw. usf. Und die Stones veröffentlichten „Exile on Main Street“! Hildegard Knef sang „Schmelzen Butterblumen?“ und Barbra Streisand schäkerte im Kinofilm „Is was, Doc?“ mit ihrem tatsächlichen Lover Ryan O’Neal herum. Und ich war gerade mal Sieben, aber dafür ziemlich groß und las tapfer meine Schneiderbücher und guckte Partridge Family und schwärmte für Captain Kirk und David Cassidy.

11. Dezember 2022

WIE ICH EINMAL DIE CURRYWURST ERFAND. Gestern, am Samstagabend fiel mir wieder etwas ein: wie ich wegen Raumschiff Enterprise 1972 oder 1973 oder 1974 die Currywurst erfand. Das war so: als Kind war mein Lieblingstag in der Woche Samstag. Keine Schule und am Abend Raumschiff Enterprise im zweiten Programm gucken. Das kam ungefähr um 18:30 Uhr.

Samstag war auch Badetag. Der hohe, runde, weiß emaillierte Vaillant-Ofen wurde mit Holz und Briketts angeschürt, damit es warmes Badewasser gab. Ich schätze mal, dass mein Bruder zuerst baden durfte, weil er der Ältere war. Es war sehr wichtig, dass die Baderei spätestens fertig war, wenn Raumschiff Enterprise anfing. Das gab es nämlich nur einmal in der Woche.

Um die Gemütlichkeit noch zu erhöhen und das besondere Ereignis angemessen zu begehen, durften wir beim Gucken im Wohnzimmer auch unser Abendessen einnehmen, es war fast wie eine kleine Party, die uns Mama erlaubte. Normalerweise wurde in der Küche am Tisch zu Abend gegessen, solche Sperenzien, wie mit dem Tellerchen auf dem Teppich vor dem Fernsehapparat sitzen, hätte mein Vater nicht erlaubt. Aber weil Samstag war, hatte er immer Auftritte mit seiner Combo und die Luft war rein. Mama war da lockerer.

Damals war mir der Ausdruck „TV Dinner“ natürlich noch nicht bekannt. Auch kannte ich keine Currywurst. Ich war ja noch nicht in Berlin. Aber ich mochte schon immer gerne Wiener Würstchen und Ketchup und auch gerne ein bißchen scharf. Weil wir in der Küche einen Toaster hatten, kam ich auf die Idee, da wo das Brot reinkommt, einfach mal Wiener Würstchen reinzustecken. Das schmeckte toll, sie platzen dann auch ein bißchen und hatten Super-Röstaromen, wie der Gourmet sagt.

Der Würstchen-Toast-Vorgang wurde von meiner Mutter sicher überwacht, ich war schließlich erst sieben oder acht oder neun Jahre alt. Zu den getoasteten Würstchen mochte ich gerne Toastbrot, schön goldgelb getoastet, leicht angekokelt. Um beim Gucken bequemer essen zu können, habe ich die Würstchen auf dem Teller in Scheibchen geschnitten und mir schön viel Ketchup mit Curry und Chilipulver drübergemacht. Ein Genuss!

So konnte ich auf dem Teppich sitzen, meine selbst erfundene Currywurst essen und die neuen Weltraumabenteuer von Mr. Spock und Captain Kirk verfolgen, in welchen ich auch ein bißchen verliebt war. Mein Bruder fand natürlich Mr. Spock am Wichtigsten, weil er so intelligent war. Mir gefiel am besten die Musik, die Einrichtung vom Raumschiff, die Stiefel von Uhura und die tollen außerirdischen Landschaften von fremden Planeten. Und das Beamen. Und wenn Captain Kirk romantische Gefühle hatte.

Manchmal toastete ich mir noch eine zweite und dritte Portion Gaga-Currywurst. Dazu Spezi. Das war ein feiner Samstagabend! Gestern hatte ich auf einmal Riesen-Appetit auf so eine Wiener Würstchen-Currywurst, aber leider keine daheim. Aber ich schaute ein bißchen Raumschiff Enterprise. Und fand auf youtube einen Clip mit allen Küssen von Captain Kirk. Toll!

Für mich gab es nur ein Raumschiff Enterprise, das mit der alten Crew. Eben dem einzigen wahren Raumschiff Enterprise. Die Erstausstrahlung im Deutschen Fernsehen war vom 27. Mai 1972 bis 29. Oktober 1974. Daher kann ich meine Erfindung sehr gut zeitlich einordnen!

Das orange Bild ist von der Currywurst-am-Samstagabend inspiriert, ich habe es gestern am Computer kreiert. Samstag ist für mich orange und schwarz. Vielleicht auch, weil wir über die ganze Fensterseite bis zur Terrassentür, lange orange Vorhänge im Wohnzimmer hatten. Und die Currywurst auch schön orange war. Im kuschelig dunklen Wohnzimmer geheimnisvoll erleuchtet von den Beamerstrahlen der Enterprise aus dem Fernsehapparat.

10. Dezember 2022

Was ich vorhin meinem Neffen Valerian geantwortet habe, auf die Frage, wie es mir geht.

„Bin gerade „aufgestanden“…14 Stunden tief geschlafen…wird besser, Mo zum Doc. Der schlimme Husten ist viel besser geworden…ich bleib nur in der warmen Wohnung, nicht viel denken, nur ausruhen…muss auch mal sein…ich war seit bestimmt zehn Jahren nicht mal erkältet, nie beim Doc, hab gar nicht gewusst, dass meine Hausärztin nicht mehr bei mir um die Ecke ist… ich lass innerlich einfach alle Termine los…einfach mal nix denken müssen, nix machen. Gesund bin ich wieder, wenn ich Kraft hab, die Bettwäsche abzuziehen und zu waschen… dann bin ich neugeboren (das mag ich schon gesund nicht gerne machen..:-))

So viele machen den Fehler, sich nicht auszukurieren, aber ich will den nicht machen. Wo auch die Büros so schwach geheizt sind, da wird man gleich wieder krank (…) ich fühl mich ein bißchen wie so ein Brotteig, so ein Hefeteig in einer Schüssel, der vor sich hinatmet… so ist es auch mal vielleicht, wenn man dann älter ist und nicht mehr so kann… es ist einem Vieles einfach schnuppe, ganz friedlich… (…) Ich poste jetzt immer nur schöne alte Fotos vom Blick aus meinem Wohnzimmer, Fenster und Balkon zur Auguststraße, mit den Kuppeln vom Dom, der Synagoge… jetzt hab ich aber viel getippt…uff…“

(„aufgestanden“ in Gänsefüßchen, weil „Aufstehen“ eigentlich nur aus dem Bett aufstehen, duschen, kuschelige Sachen anziehen, Kaffee, Tee kochen, und gleich wieder hinsetzen, halb liegen, aber an meinem Lieblingsplatz im Wohnzimmer ist, wo ich auch tippe.)

07. Dezember 2022

Tippen noch anstrengend. Foto von 2015, aus meinem Fenster. Wird langsam besser, aber kann noch nicht rausgehen. Wenn ich die Balkontür zum Durchlüften aufmache, ist nur die kalte Luft zu atmen so kräftezehrend wie Klimmzüge. Die Hälfte der Antibiotika genommen, jetzt die zweite Palette (oder wie das heißt). Viel Schlaf. Bin im Reparaturmodus. Wach gucke ich halb liegend Sachen aus Mediatheken, lasse leise Musik laufen. Dusche mich jeden Tag, weil das warme Wasser so gut tut und ich mich dann nicht so gammelig fühle. Föhne die nassen Haare ganz schnell, heute ein bißchen Wimpern getuscht, um nicht aus der Übung zu kommen, für mich selbst, sieht ja sonst keiner. Ist immer erhebend, sich ein bißchen hübsch zu machen. Wenn die Haare trocken sind, gebe ich mir auch ein paar Sprühstöße von meinem Armani-Parfum. Danach riecht es bei mir, nicht nach Medikamenten oder Hustentee. Ich trinke Darjeeling, nix aus dem Gesundheitsregal. Die Dallmanns in der blau-gelben Schachtel mag ich ganz gerne. So lange ohne Alkohol trinken ist auch besonders für mich. Ohne mich dazu zu zwingen, einfach keine Lust, und soll man ja auch nicht mit Antibiotika kombinieren. Ich ruhe mich mal weiter aus.

05. Dezember 2022

Sophienkirchentürmchen im Nebel. Davor Baumkronenspitzen Gipsdreieck mit Nebelkrähen drauf. Blick aus meinem Wohnzimmer. Links davon, nicht im Bild, sind die Kuppeln vom Berliner Dom und vom Schloss, auch alle im Nebel versunken. Vorhin eine große Krähenversammlung am Himmel. Wie eine große Besprechung. Vor kurzem habe ich erst gelernt, dass Krähen in Schlafbäumen schlafen. Sie sitzen dicht an dicht auf den Ästen, mit gesenktem Köpfchen und Augen zu und schlafen so. Sie haben feste Treffpunkte für die Nachtruhe, auch wenn sie tagsüber anderswo in der Stadt ihren festen Lebensmittelpunkt haben. Zum Beispiel kann es sein, dass meine Balkonbesucherinnen, die Krähen, die gerne auf meiner Balustrade sitzen, und auch sonst im Gipsdreieck herumhüpfen, zur Schlafenszeit rüber zu ihrer festen Schlafgruppe im Lustgarten fliegen. Sie kuscheln zu Hunderten in den Schlafbäumen. Vielleicht gehen sie im Dezember schon früher schlafen, wenn es so früh dunkel wird wie jetzt.

04. Dezember 2022

Ich mache mir jetzt wieder Instant-Hühnerbrühe mit Ingwerschnipseln. Bin doch froh, dass ich nicht ins Krankenhaus eingewiesen wurde. Nur bei zwei schlimmen Hustenanfällen, wo mir ein bißchen Angst wurde, hatte ich die Notrufnummern rekapituliert. Es gibt ganz verschiedene Arten von Lungenentzündung, bakterielle und virale. Und wichtige Unterscheidung: ob man sich im privaten Alltag oder im Krankenhaus angesteckt hat. Die Krankenhaus-Infektionen sind die Schlimmsten, ein Grund mehr, nur im Notfall dort zu weilen. Ich bin sehr ruhebedürftig, da wären dann dauernd andere Leute im Zimmer, man wird geweckt, um seine Antibiotika zu nehmen, soll zu bestimmten Uhrzeiten essen, noch dazu Sachen, die ich mir wohl nicht selber zubereiten würde. Die Hustenkrämpfe sind nicht mehr so angsteinflößend, bin aber sehr schnell angestrengt. Aber es gibt ja Hoffnung, es wird im Schildkrötentempo besser. Essen hab ich auch noch, war am Donnerstag mit letzter Kraft einkaufen. Ich könnte mir auch mit meinem Rewe Account Lebensmittel bestellen, erst einmal gemacht, funktioniert sehr gut. Nach Gesellschaft ist mir gar nicht, das ist aber so eine Typsache, denke ich. Die Vorstellung, dass alle zwei Stunden jemand an mein Lager tritt und mir prüfend und mitfühlend die Hand auf die Stirn legt, ob ich erhöhte Temperatur habe, ist mir ein Graus. Das müsste man dann ja antworten… ich bin der Krankentyp Autistin. Aber manchmal hier hineinschreiben, ohne zu sprechen, ist mir angenehm.

03. Dezember 2022

Friedrich Schiller arbeitete in den Tagen vor seinem Dahinscheiden (am 9. Mai 1805), die Lungenentzündung hatte sich bereits voll entwickelt, mit letzten Kräften an dem unvollendeten „Demetrius“. In diesem gibt es einen Monolog von Marfa, der Frau Mama von Demetrius. Das müssen die letzten Zeilen gewesen sein, die er je schrieb, da das Manuskript mit dem nunmehr vollendeten Monolog auf seinem Schreibtisch lag.

Dies sind die allerletzten Zeilen des Monologs:

Du ewge Sonne, die den Erdenball umkreist,
Sei du die Botin meiner Wünsche!

Du allverbreitet ungehemmte Luft,
Die schnell die weitste Wanderung vollendet,

O trag ihm meine glühnde Sehnsucht zu!
Ich habe nichts als mein Gebet und Flehn,

Das schöpf ich flammend aus der tiefsten Seele,
Beflügelt send ichs in des Himmels Höhn,

Wie eine Heerschar send ich dirs entgegen!

Schillers Leibarzt drängte ihn, bevor er das Bewusstsein verlor, zur Belebung seiner Kräfte zu einem Bad, was er ablehnte, sowie zu einem Glas Champagner, welches er zu sich nahm und sein letztes war.

03. Dezember 2022

Friedrich Schiller war promovierter Mediziner und verstarb im Alter von fünfundvierzig Jahren an einer akuten Lungenentzündung. In lichteren Momenten ist es mir möglich, das Schmerzenslager ins Wohnzimmer zu verlegen und dort in Liegeposition am Computergerät zu verweilen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das Aspirin (2 Stück) hat den Schädeldeckenkopfschmerz gemildert. Etwas geschlafen und später lange sehr warm geduscht, den Strahl immer auf die Lungenflügel, hinten am Rücken und auf die Schädeldecke. Angenehm auch ist, wenn ich Kaffeewasser gekocht habe, die Ceranfeldplatte weiter glühen zu lassen und das Gesicht drüber zu halten. Wie früher die Rotlichtlampe von meinem Opa. Wärme ist so wohltuend. Jetzt im Wohnzimmer lasse ich als leichte Krankenkost einen Hörbiger-Film, wo auch Heidelinde Weis mitspielt, aus der ARD-Mediathek laufen, spielt hauptsächlich auf Mallorca, kam noch in der Nacht nach ihrem Tod. In dem Film gibt sich Frau Hörbiger wieder etwas ruppig, was mir besonders an ihr gefällt und entgegnet ihrer von Heidelinde Weis gespielten Freundin: „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Außer in der Mitte!“

02. Dezember 2022

Am 2. Dezember 2012 im Kleidchen durch die Wohnung hüpfen und sich wundern, wenn der Arzt zehn Jahre später eine Lungenentzündung feststellt. Außerdem hat er mir Küssen verboten. Ich nehms als Kompliment, dass er da grundsätzlich noch Potenzial sieht. Als ich die Bilder gerade entdeckte, habe ich sofort gegoogelt, ob der 2. Dezember vor zehn Jahren aufs Wochenende fiel. Ja. War ein Sonntag. Daher wohl Modenschau zum Zeitvertreib. Habe immer noch keine Lust zu enthüllen, warum ich das gemacht habe. Aber das kommt alles noch, versprochen!

02. Dezember 2022

Genug vom Thema Krankheiten und Medikamente. Wenden wir uns anderen Themen zu: Christiane Hörbiger und Christine McVie sind vorgestern gestorben. Sie haben die Erde verlassen, aber ihr Geist und Talent bleibt schön hier unten bei uns gesichert. Die Hörbiger! Vor den Guldenburgs habe ich sie niemals wahrgenommen, ihre Filmerei war ja auch aus einer anderen Generation. Aus deutschsprachigen Fünfziger Jahre-Produktionen sind mir nur weibliche Hauptrollenstars wie Lilo Pulver und Ruth Leuwerik hängengeblieben. Wobei die Hörbiger ja die Romy-Generation war, sogar derselbe Jahrgang. Und wie ich gerade sehe, gar nur mit zwanzig Tagen Abstand im Herbst 1938 geboren. Einen angekündigten TV-Film mit Frau Hörbiger habe ich mir immer gerne vorgemerkt, da ein Christiane Hörbiger-Film für Qualität bürgte. Hier würde keine mittelmäßige Besetzung zu ertragen sein, subtiles Spiel mit Hintersinn erwartete einen. Elegant dazu. Ich sehe gerne elegante Menschen. Dass ein solches Gesamtpaket an Darstellungskunst eine hohe Intelligenz voraussetzt, versteht sich von selbst. Schlimm finde ich, dass sie mit ihrer letzten Liebe so ein Unglück ertragen musste, der „Tötschinger“ (so hat sie ihn selbst in Interviews genannt) ist sechs Tage vor der geplanten Hochzeit (nach dreißig Jahren Liebesbeziehung ohne Trauschein) plötzlich an einer Lungenembolie verstorben. Und sie soll auch ein Lungenleiden gehabt haben. Aber das hab ich nur beim österreichischen Kurier aufgeschnappt. Und ich wollte ja das Thema Krankheiten umschiffen. Jedenfalls: schade um die Hörbiger, danke für die schönen Fernsehstunden!

Und Christine McVie hat auch ihre Verdienste als Songschreiberin und Pianistin und Sängerin von Fleetwood Mac. Einmal sah ich sie in echt, in der Waldbühne bei Regen. Lauter aufgespannte Schirme im Publikum, aber ich ganz vorne, das war damals ja so leicht, keine Einteilung in Ränge, jedes Ticket hatte denselben Preis, wer zuerst kam, hatte den besten Platz. Den beiden zu Ehren habe ich ein zartes Lied ausgesucht, das der Hörbiger bestimmt auch gefallen hat, Songbird. Christine McVie hat es für das legendäre Rumours-Album geschrieben, gesungen und gespielt. Auch einige Zeilen daraus passen für die beiden sehr schön. Ein letzter Gruß.

For you, there’ll be no more crying
For you, the sun will be shining
And the songbirds are singing,
Like they know the score

02. Dezember 2022

Als der Doc meinte, ich MÜSSE NUN UNBEDINGT starke Antibiotika nehmen, war ich einfach nur froh, dass er meine instinktive Selbstverordnung bestätigt hat. Unbedingt wollte ich Antibiotika, hier würde nichts anderes mehr helfen, so mein siebter Sinn. Wir waren uns so einig. Dass meine irrtümlich als „Reizhusten“ verschubladete krampfige Husterei aus seiner Sicht nichts Geringeres als eine Lungenentzündung im Anfangsstadium ist, war dann doch auf eine Art überraschend und interessant. Später las ich, dass es bei Lungenentzündung in den Lungenbläschen zu Flüssigkeitsansammlungen kommt und dadurch entstehenden eindeutigen, obskuren Geräuschen aus dem Brustkorb. Ich hatte mich die letzten zwei Tage gewundert, wieso ich immer mal wieder so eine Wahrnehmung eines ganz leisen inneren Blubberns aus meinem Oberkörper hatte. Als ob etwas Flüssiges arbeitet. Vielleicht ist das die Erklärung.

01. Dezember 2022

Morgen Mittag zum Mediziner. Der mir unbekannte Herr praktiziert in der Konstanzer Straße. Hoffentlich überstehe ich die S-Bahn- und U-Bahnfahrt weitgehend ohne peinliche Hustenkrämpfe. Meine bisherige Humanmedizinerin am Rosenthaler Platz hat Ende letzten Jahres die Praxis verlassen, um in der Münzstraße eine eigene Praxis zu übernehmen. Ihre Nachfolgerin am Rosenthaler Platz kann morgen keine Patienten empfangen, weil selber krank. Auf der Website der neuen Praxis meiner Ex-Hausärztin stehen lauter Vorwarnungen, dass Behandlung von Atemwegsinfekten nur nach vorangegangener Absprache erfolgen können. Bei doctolib ist auch erst um Weihnachten bei ihr was frei und morgen nur von 8 – 13 auf. Habe mir daraufhin alle Allgemeinmediziner anzeigen lassen, die morgen einen Termin frei haben. Waren nur eine Handvoll, der zu dem ich morgen gehe, war der Einzige, wo die Reservierung geklappt hat. Bei den anderen hieß es „für diese Art von Behandlung ist keine Terminbuchung möglich“. Ich hatte diverse Behandlungsarten ausprobiert, war immer die falsche.

Karl Lagerfeld und ich haben ja nicht nur das Sternzeichen (Jungfrau) gemeinsam. Er konnte Gerede und Gejammer über Krankheiten auch auf den Tod nicht ausstehen. So hat man erst post mortem erfahren, dass es ihm die letzten Monate nicht so ganz super ging. Dahinter steckt ein überdimensionales Bewusstsein für den Sachverhalt, dass man damit das Übel hofiert, ja ich möchte sagen, auf einen Thron setzt. Das ist jetzt nicht von Karl, sondern von mir, aber er stimmt mir da sicher zu. Krankheiten gehören behandelt, aber nicht wortreich beschworen und debattiert. Es sei denn, man bewegt sich in einer entsprechenden Selbsthilfegruppe oder fachmedizinischen Forum. Daher schreibe ich auch nicht, welches von der Apothekerin empfohlene Mittel gegen Reizhusten bei mir keinerlei Wirkung zeigt. Bei anderen mag es wirken. Man steckt nicht drin. Mein siebter Sinn sagt mir, ich bin reif für Antibiotika, bevor ich da wieder was verschleppe, wie schon einmal vor fünfzehn Jahren geschehen.

30. November 2022

Mich hat außer Viktor Liebermann (Name von der Redaktion geändert) noch wer entfreundet, komme aber nicht drauf, wer. Kann dann nicht so nahestehend gewesen sein. Es gibt irgendein add on, das einen Abgleich mit Freundesliste vorher/nachher machen kann. Aber so wichtig ist es dann auch wieder nicht. Ich gehe mal davon aus, dass sich der oder die Betreffende kaum hier als Kommentar melden wird: „Na, ich war’s…!“ Aber neugierig ist man doch. Also es muss mehr so lockerer Bekanntenkreis gewesen sein. Sehr locker. Da wird dann auch mal so locker vom Hocker entfreundet. Hab ich auch schon gemacht. Jemanden, den ich als nahestehend empfand, habe ich nur ein einziges mal auf fb entfreundet, ist auch schon ungefähr fünf Jahre her.

Ganz, ganz früher, so vor zwölf Jahren, habe ich mal mit Vorwarnung engste Freunde entfreundet, um sie ein paar Minuten später erneut als Freund anzufragen, weil ich damit die Reihenfolge der angezeigten Freunde manipulieren wollte. Das war eine Weile so konfiguriert, dass immer die neun zuletzt angefreundeten Freunde unter den Fotos in der Freundesrubrik auf der Startseite (nur für mich) angezeigt wurden. Da wollte ich aber zu meiner Erbauung ganz bestimmte Gesichter sehen, die noch dazu hübsche Profilfotos hatten. Seither hat facebook zigmal die Programmierung verändert, eine Weile war es auch so, dass man gezielt Freundesfotos auswählen konnte und auch die Reihenfolge bestimmen. Mittlerweile ist es wieder irgendwie anders, aber mir inzwischen schnuppe.

P.S. Das Deaktivieren des FB-Accounts führt übrigens nicht zum Verschwinden von der Freundesliste. Da hab ich nämlich auch Kandidaten, die tauchen dann weiterhin mit einem standardisierten grafischen Platzhalter-Profilbild auf.

30. November 2022

Im Akutfall plädiere ich für
Experimente mit Medikamente

Reimt sich besser (ohne n). In meiner Hausapotheke: Aspirin, Pflaster, Verbandszeug, eine alte, brennende Salbe von einer Freundin gegen irgendwas im Rücken. Kann ich wegschmeißen, war ein Kurzexperiment, toi toi toi, Rücken ok. Mehr Gesundheits-Content: Haare – ok, Augen – ok, abgesehen von dieser komischen Veränderung, dass ich eine Lesebrille brauche. Nase – könnte schlimmer sein, läuft nicht, trotz spürbarem Flüssigkeitscontent. Finger – ok, Füße – ok, Ohren – ok, Zähne – ok, Ellenbogen – ok, Knie – ok, Waden – ok, Hüften – ok, Bauchnabel – ok, Brustkorb – ok, Schultern – ok, Beine – ok, Handgelenke – ok, Magen – ok, Verdauung – ok. Untenrum – ok. Der Rachenraum erfordert etwas Aufmerksamkeit, wegen Husten, aber besser als gestern. Heißer Kaffee ist auch ein sehr gutes Medikament.

Zum Arzt gehe ich nur im äußersten Notfall, obwohl ich keine Gegnerin der Schulmedizin bin. Ich sitze so ungern unter kranken Leuten im Wartezimmer. Das von meiner Hausärztin am Rosenthaler Platz ist auch nicht so wohnlich, dass ich mich da stundenlang aufhalten möchte. Morgen möchte ich wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Termine, Termine. Nix Privates. Ich delegiere ungern Sachen an Leute, die selbst schon genug zu tun haben. Wenn ich mich noch besser als heute fühle, ist es machbar. Da wünsche ich mir doch selbst: toi toi toi. Ich muss unbedingt was einkaufen, später irgendwann, wenn mich der Hunger übermannt. Ist aber nicht so weit, in der Gr. Hamburger Straße.

Lebensmittel-Content Stand 13:58 Uhr: 4 Päckchen Kaffeepulver, 1 Teebeutel (Darjeeling), 1 Flasche Saint-Émilion, 2 Flaschen Crémant, 1 Becher Schlagsahne, eine kleine Ecke Butter, 2 Maiswaffeln, ein Rest Mayonnaise, ein Löffelchen Bautzner Senf, ein Stückchen Ingwer, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Kümmel, 1 Dose Cashewkerne, 3 Äpfel, zwei Orangen.

Oh! Eine Dose Cashewkerne hat 872 Kalorien. Da ich mich kaum bewege, könnte ich damit den Tag überstehen. Eine Flasche Rotwein ca. 570. Damit wäre doch schon der Grundbedarf gedeckt. Leider immer noch keine Lust auf Alkohol. Das ist eigentlich das sicherste Zeichen, dass ich wiederhergestellt bin: Lust auf Alkohol und an hohen kirchlichen Feiertagen sogar Rauchen.

Ich mache mich jetzt erstmal zurecht, wenn ich mir rosige Bäckchen angemalt habe, kommt eventuell der Antrieb aus dem Haus zu gehen zurück.

28. November 2022

Bürgeramt Klosterstraße, Mitte. Es gibt ein Zimmer mit einem Fotoautomaten, wie ich ihn noch nicht gesehen habe. Man stellt sich vor den Apparat und wählt die Sprache auf einem Touch Screen. Auf der Scheibe erscheint die Aufforderung zu warten, bis sich das Objektiv angepasst hat. Die Kamera identifiziert, wie groß der Mensch davor ist und fährt auf Augenhöhe. Dann wurde ich aufgefordert, etwas zurückzutreten. Der Automat macht drei Aufnahmen, zeigt sie an, rödelt, ixt die zwei Aufnahmen durch, die er nicht so gut findet und macht ein Häkchen auf die, die er nehmen will. Selber kann man nicht mitauswählen. Es wäre wohl möglich, noch einmal von vorne zu beginnen. Geld wird übrigens nicht eingeworfen. Der Bezahlvorgang wird mit dem Ausweis bezahlen über Karte am Schreibtisch des Bearbeiters erledigt. Er sitzt ein paar Türen weiter und bekommt das Foto, das nicht ausgedruckt wird, digital übermittelt. Zum Glück hat der Apparat das Foto in der Mitte genommen und nicht das linke. Das in der Mitte hat mir auch am besten gefallen. Am 29. Dezember kann ich den Ausweis abholen. Letzter Akt der Wiederbeschaffungsarie.

Die Ecke zwischen Klosterstraße und Molkenmarkt ist derzeit eine Riesenbaustelle mit unfassbar vielen labyrinthischen Absperrungen, ich hätte das Bürgeramt deswegen fast nicht gefunden. Daheim recherchiert, wieso-weshalb-warum. Ein schöner, guter Grund: die in den Sechziger Jahren stark verbaute Ecke mit dem Autobahncharme der Grunerstraße soll zurückgebaut werden, schöner, lebenswerter werden, orientiert an dem historischen alten Marktplatz Molkenmarkt. Dafür muss man jetzt eine Weile dieses augenscheinliche Chaos in Kauf nehmen.

26. November 2022

In meiner lockeren Reihe „zehn Jahre alte Fotos von mir“ präsentiere ich den 26. November 2012. Ich habe jetzt keine Lust zu erklären, wieso ich vor zehn Jahren so viele Fotos von mir gemacht habe. Aber vielleicht beim nächsten. Bleiben Sie dran!

24. November 2022

Jetzt wurde es vor dem Zubettgehen doch wieder spät. In der arte-Mediathek noch etwas gefunden, das mich dranbleiben ließ. Eine vierteilige Dokuserie über Traumhäuser in Kalifornien. Der architekturinteressierte Schauspieler, Sprecher und Autor Christian Berkel besucht spektakuläre Architektur der Moderne in Kalifornien, plaudert mit den Bewohnern und trifft die Architekten, sofern noch am Leben. Kurze Folgen, immer nur fünfundzwanzig Minuten, grandiose Wohnskulpturen. Ich hätte noch weitere vier Folgen anschauen können (gibt nur vier). Das ist doch eher meine Welt als Eifersuchtsszenen und privates Hickhack und Gezeter in der französischen Provinz der Siebziger Jahre.

23. November 2022

„Wir werden nicht zusammen alt“ (1971)
Jean, ein jähzorniger, gescheiterter Filmemacher in seinen Vierzigern, hat eine Liebesaffäre mit der wesentlich jüngeren Catherine. Seine Frau Françoise ahnt nichts davon.

„Mach erst mal Abitur“ (1978)
In einer Stadt im Norden Frankreichs bereitet sich eine Gruppe Schüler auf das bevorstehende Abitur vor (…). Ihre Perspektivlosigkeit versuchen sie mit Sex und kurzlebigen Beziehungen zu kompensieren. Andere stürzen sich übereilt ins Eheleben oder ziehen nach Paris.

„Die Qual vor dem Ende“ (1974)
Monique liegt im Sterben. Um sie herum versammeln sich ihr untreuer Ehemann Roger, ihr Sohn, der genau wie sein Vater ein ewiger Schürzenjäger ist, und ihre Schwiegertochter.

Filme von einem gewissen Maurice Pialat. Alle in der arte-Mediathek. Kenne keinen davon, den ersten angeworfen, „Wir werden nicht zusammen alt“, da ich den Titel pikant und ansprechend fand. Die Darsteller nicht so. An die Siebziger Jahre-Mode kann ich mich noch aus eigener Anschauung erinnern. Schon gute Schauspieler, aber der schwarzhaarige Mann mit den Koteletten und dickem Bauch und Breitbeinig-Sitzer-Allüren und sonstigem Vorstadtmacho-Gehabe langweilt mich komplett. Seine Freundin ist auch kein Hingucker. Er spricht mit ihr wie mit einem lästigen Hündchen. Ich sehe lieber Filme mit Identifikations-Potenzial. Schalte wieder ab. Aber die Titel haben mich gerade zum Lachen gebracht. Und „Schürzenjäger“ ist auch ein schönes Wort, das unter Artenschutz gestellt gehört.

22. November 2022

Ich bin ja gar nicht gegen Werbung. Aber wieso gibt es so wenig, die ich nicht sofort wegklicken und wegzappen und stummschalten will? So, wie es doch die meisten Menschen meines Wissens tun? Ich glaube, Kinowerbung ist etwas ansprechender. Da hat man schon mal den einen oder anderen Clip gesehen, der einem ein Lächeln oder Interesse entlocken konnte. Fällt mir jetzt zwar auch keiner ein, aber mir ist so.

Eine meiner erwähnten Lampen im Wohnzimmer ist der Fernsehapparat, gerade läuft er. Vox. Ich habe – weil ich gerade tippe – versäumt, den Lautstärkeregler rechtzeitig auf stumm zu stellen, und musste leider, leider Gottes wieder die von mir am meisten gehasste weibliche Werbestimme hören. Nämlich die der Lidl-Reklame. So was angezicktes, unsympathisches, bitchmäßiges habe ich meinen Lebtag noch nicht gehört. Diese Stimme ist für mich eigentlich der Hauptgrund, Lidl zu boykottieren. Ok, es ist auch kein Laden in meiner Nähe, so ist die Versuchung gering. Aber die geht ja mal gar nicht.

Des Weiteren bin ich nicht amused, wenn mir zur Abendstunde sterile Vorträge über Reinigungsmittel, Zahnpasta und sonstige hygienische Errungenschaften angedient werden. ICH WEIß, dass es Waschmittel gibt, da ich es kaufe und benutze! Wenn Sie mir ihr Waschmittel näherbringen möchten, dann bitte stillschweigend durch die kurze Einblendung eines Fotos der attraktiven Verpackung (noch nie gesehen) plus kleingedruckter Information in ansprechender Typo, worin die high End-Komposition besteht. Reicht, danke.

Und wenn ein Werbespot, dann doch etwas visionärer. Zum Beispiel: extrem gut aussehender Mittdreißiger räkelt/rekelt sich in frisch gewaschener Bettwäsche, schnuppert selig, weil das Kopfkissen fast noch besser und anziehender riecht, als die Freundin, die gleich zu ihm ins Bett kriecht. Dann nur kurz den Namen den Waschmittels in einer eleganten Kursiv-Schrift wie einen Untertitel einblenden. Reicht!

Ja, das wäre so meine Werbewelt. Aber nein. Die knallharte Realität des Alltags wird mir um die Ohren gehauen. Leute in Durchschnittsklamotten, die in grell ausgeleuchteten, sterilen Räumen einen Wischmopp in die Kamera halten. Also wirklich. Gute Nacht.

Und nicht zu vergessen: mich kriegt man auch mit guten Produkt-Namen. Da nenne ich auch gerne Ross und Reiter. Toll finde ich zum Beispiel eine Produktserie, die es noch nie ins Fernsehen oder Kino geschafft hat: „OK.“ Ja. Ach ja! „JA!“ finde ich auch ok! „OK.“ ist die Eigenmarke von Saturn-Elektrogeräten. Formschön und preisgünstig. Ich kaufte bereits einen kleinen schwarzen Haartrockner zu 9,99 Euro und einen Kühlschrank in der Form eines weißen Würfels zu 149 Euro. Letzterer ziert die Küche meiner Werkstatt. Finde ich ok!

Und das absolute Gegenteil, also das Beispiel eines Produktes, das ich wegen des Namens nie nie nie kaufen könnte, ist ein süßer Schokoladenriegel mit Waffel glaube ich. Der Name fängt mit K an und endet mit S. Ich kann das Wort gar nicht schreiben, ich kriege eine Gefühl, wie wenn Kreide auf der Tafel quietscht, nur noch zusätzlich mit so einem peinlichen Ekel. So bin ich drauf. Also nur mal zur Info für die Werbebranche.

21. November 2022

Im Januar gekauft, das schöne Windlicht. Seit einigen Wochen das Erste, was ich mache, wenn ich heimkomme: die Kerze anzünden. Und noch ein paar andere flackernde Lichter, immer echte Kerzenflammen. Habe nun einen Vorrat an großen Kerzen. Am Wochenende hatte ich plötzlich Lust auf RÄUCHERSTÄBCHEN (!). Hatte noch welche, von vor ca. zwanzig Jahren. Ich glaube Vanille und Sandelholz. Kein Patchouli. War gemütlich. Kanne Darjeeling, Stövchen, kuscheliger weicher Poncho für daheim. Richtig schön. Außerdem noch viele Lampen, die indirektes, sehr warmes Licht spenden, immer am Boden, in Ecken. Deckenlicht gibts bei mir nur im Flur und im Bad und in der Küche, aber auch da eher indirekt. Mein Wohlbefinden ist sehr von der warmen Atmosphäre meiner Umgebung abhängig, und ich nehme an, das geht den meisten so.

18. November 2022

Ich war gestern nicht in der Lage zu fotografieren. Das meine ich körperlich. Nur zwei stark verwackelte Aufnahmen kann ich präsentieren. Aber schöne Beine von Maria und Lydia und ganz arg schönes Schild. Danke, Marc. Ich hoffe sehr, dass der Fotograf, der die Bilder für das Booklet von Jennys neuem Album gemacht hat, gestern etwas von Jennys Performance einfangen konnte. Sie war in großartiger Form und die Bilder davon, die ich mit meinem inneren Auge verewigt habe, sind überaus gelungen.

Das Bild von den Grazien im Suzie Mambo hat gestern Nacht ein Gast gemacht, wir waren dort nach Jennys Show. Ina hatte den weitesten Heimweg und kam nicht mehr mit. Schade. Aber sonst ein ganz feiner Abend.

18. November 2022

Dezember 2010. Avocado und Grapefruit in meinem Wohnzimmer, selbst gezogen. Grapefruitkern in Richtung Blumentopf geworfen, Avocadokern schätzungsweise in ein Glas Wasser gesteckt, bis der Keim spross. Später wohl Erde. Weiß nicht mehr, zu lange her.

15. November 2022

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden interessiert, dass ich seit ca. zwei Stunden preisvergleichend Glattkantbretter, Grobspanplattenzuschnitte und bespannte Keilrahmen im Format 35 x 200 Zentimeter recherchiere. Am günstigsten wäre der Zuschnitt einer Grobspanplatte, unter zehn Euro. Dann Glattkantbrett Kiefer, Tanne oder Fichte, dann 3D-Keilrahmen von Canvasi. Letzteres dauert mir aber zu lang. Ich denke, ich schaue morgen Mittag mal zum Bauhaus am Wittenbergplatz. Wenn ich mir materialmäßig etwas in den Kopf setze, habe ich keine Lust wochenlang zu warten. Habe auch überlegt, in der Gerümpel-Ecke von den Prinzessinnengärten, schräg gegenüber von meiner Werkstatt, nach alten Brettern zu schauen, aber das Format zu finden, wäre ein arg großer Zufall. Anlass der Recherche ist, dass mir heute eine Sichtachse, ein längerer Flur, mit einer neuen Perspektive am Ende der Flucht vorzuschweben begann, einem schmalen, hohen Tafelbild.

14. November 2022

3 Fridas. Auf links gedrehte, übermalte Stoffteile von aufgetrennter vintage Frida Kahlo-Tasche (v. Glam), Acryl, Mosaiksteine (Glas, Jade), Schaumweinmanschette, Kleber, Papprückwand von ausrangiertem Wechselrahmen, 75 x 105 cm, 8., 9., 15., 28., 29., 30. Oktober, 4., 5. November 2022, Staatl. Museen von Gaganien

Am Freitag habe ich einer Masseurin, die sich Bilder von mir anschaute, auf ihre Nachfrage erhellt, dass ich die gesamte Welt wie einen Malkasten wahrnehme. Wo ich gehe und stehe. Deshalb sehe ich bei Allem und Jedem das Potenzial für ein Bild nach meiner Vorstellung. So kommt es, dass mir ein Gegenstand zufliegt, den ich mir selbst nicht angeeignet hätte, und mein Auge sofort analysiert, ob er Potenzial als Baustoff oder Malkastenfarbe in sich trägt. Das findet sich ganz schnell heraus, in Sekunden, wie von selbst. Kaum hatte ich die (gebrauchte) Tasche ausgepackt, erkannte ich schon den ganz speziellen Wert für mich, als ich das Objekt dekonstruierte und die Rückseite erblickte. Die Vorderseite war (auch von den sehr bunten Farben her) ein recht bekanntes Kahlo-Portrait, ich glaube, basierend auf einem Foto. Ich erkenne sie als ästhetische Ikone an, kenne seit Jahrzehnten natürlich ihre dramatische Geschichte und überaus aparte Selbstinzenierung, bin aber kein derartiger Fan, dass ich mit einer Tasche mit ihrem Portrait durch die Welt laufen wollte. Aber diese Rückseite. Ich war gleich an die Südsee-Schönheiten von Gaugin erinnert und wusste sofort, in welche Farbstimmung ich beim Übermalen gehen würde. Warme Grün- und Gelbtöne, Ocker, ein bißchen Terrakotta und eine archaische Formsprache. Ich liebe Zickzack. Niemals mehr wird eine Einkaufstasche mit einem Frida Kahlo-Bild auf so einem feierlichen Podest landen, wie in diesem gaganischen Werk.

12. November 2022

Ich höre immer noch den musikalischen Bestand meiner Festplattenanlage alphabetisch durch. Seit einigen Tagen ist der Buchstabe N dran, das bedeutet viele, viele Neil Young Songs, da ich ihn seit meiner Jugend verehrte. Das Foto zeigt ein Case mit Equipment von Neil Young, am 19. August 2008 auf der Bühne der Zitadelle Spandau aufgenommen, wo ich ihn zuletzt live sah. Das erste mal war 1982, also vor vierzig Jahren. In den letzten zehn Jahren habe ich nicht mehr so verfolgt, was er Neues aufgenommen hat. Dass er Daryl Hannah geheiratet hat, habe ich noch mitgekriegt.

Vorhin kam einer der großartigsten Songs von ihm, mit dem ich eine Sternstunde meines Lebens verbinde, für immer und ewig. „Dead Man“, dieses reine Instrumentalstück mit der wummernden Gitarre wie einem Donnergrollen am jüngsten Tag. Das hörte ich vor achtzehn Jahren auf dem Weg zum South Rim des Grand Canyon, in einem Jeep Cherokee. Was da in mir vorging, unbeschreiblich. So lange hatte ich vom Grand Canyon geträumt und dann diese Musik, das war ein perfekter Moment in meinem Leben. Das Stück kam vorhin, als ich unter der Dusche stand.

Und kurz danach kam ein Lied, das ich niemals freiwillig gezielt abspielen würde, eine unfassbar langweilige, absehbare Melodie, so ein Country-mäßiges, behäbiges Geleier, ein Lied namens „Ever After“. Die einfallslose, schunkelige Komposition hat ungefähr die Komplexität vom Lalala im Sandkasten von Dreijährigen. Aber: ich ließ es über mich ergehen und entdeckte, dass er ein paar hübsche Zeilen dazu gedichtet hat. Ich war nun nicht versöhnt, aber fand diese doch hörenswert. Nämlich:

I love the sound of laughter
And music in the air
And in the ever after
I know it’s always there

Sometimes when I go walkin‘
In the trees, in the trees
That’s where I do my prayin‘
In the trees, in the trees

The world is full of answers
Some are right, some are wrong
The one that I believe in, is a wish in a song

I love to see you smilin‘
And hear your voice so fair
And in the ever after
I know you’re always there

Besonders „The world is full of answers, some are right, some are wrong. The one that I believe in, is a wish in a song“ gefiel mir. Ich empfehle niemandem, das Lied anzuhören, es ist musikalisch wirklich einfallslos, aber er schreibt doch immer wieder ein paar Sachen, die mich beeindrucken. Und dann fiel mir ganz zufällig auch noch ein, dass er heute, wo ich mich gedanklich mit seinem Werk beschäftigte, Geburtstag hat. Siebenundsiebzig ist er nun. Happy Birthday, Neil Young. Ever After.

10. November 2022

Zwanghaftes Bloggen… viel ist nicht drin heute. Komme gerade von der U-Bahn. Da war eine junge Frau mit einem (mutmaßlichen) viereckigen Geigenkasten auf dem Rücken. Klamotten in unfassbar grauslichen Mustern und Farben, alles durcheinander. Dachte, wenn ihr musikalisches Vermögen ihrem kleidungsmäßigen Kombinationstalent entspricht… huiuiui.

09. November 2022

Chat von gerade eben als Blogeintrag:

Gaga
ich hab noch gar nix gebloggt, muss mir schnell was einfallen lassen, sonst ist die Serie unterbrochen, ich will ein Jahr nonstop vollkriegen, fehlen nur noch 39 Tage glaub ich

Lydia
Blog was über Horoskope und Menschen die Sprachnachrichten schicken

Gaga
neeeee…. Horoskope ist mir zu komplex und zu platt zugleich…. beschäftigt mich gerade gar nicht…. Mir haben sehr wenige Menschen Sprachnachrichten geschickt, ich müsste da glatt auf äh — „fremden Content“ zugreifen…

Lydia
Äh.. ja.. also. Mmm Mach doch

Gaga
ich könnte auch schreiben, was ich gerade gegessen habe. Das wirkt bestimmt „relatable“ wie der Engländer sagt 🙂 und ich schreibe so gut wie nie, was ich esse!

Lydia
Mmh mhh äh.

Gaga
(weil langweilig irgendwie….)

Lydia
Mach es halt sexy
In französischen Romanen kommt immer viel Essen vor

Gaga
hui….! sexy….! toll! Wie denn? Mit „porn food“ Fotos?

Lydia
It’s culture!

Gaga
oder food porn heißt es wohl…
Weißt du was, ich copypaste einfach unser Geplapper, ist am Einfachsten! Also ab da, wo ich sage, ich muss noch was bloggen.

Lydia
Ich hab heut Kürbisuppe aus einem grünen Hokkaido aus dem Garten meiner Eltern gekocht.

Gaga
Mein Essen war aber nicht sehr sexy, mehr so bodenständig und quick und dirty zubereitet. Jetzt gibts auch grünen Hokkaido? Oder war der noch nicht reif? Oder so ne fancy neue Züchtung?

Lydia
Nee der ist so. Wird immer grün bleiben.

Gaga
Also fancy. Deine fancy Eltern!

Lydia
Meine Mutter hatte Angst, die Schale könnte bitter schmecken. Und gackerte immer, dass ich die abmachen soll. Aber ich habse drin gelassen. Ich glaube, meine Mutter baut die grünen Hokkaido sicher nicht an, weil sie fancy sind, sondern weil die irgendwo im Sonderangebot waren.

Gaga
Also bei mir gabs, weil sollte schnell gehen: Tiefkühlpommes Feinschnitt im Backofen aufgebacken plus eine Dose Thunfischsalat der Marke Saupiquet, Sorte „Mexicana“ (mit Mais und roten Bohnen drin), von mir verfeinert mit Bio-Zitronensaftspritzern und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und Mayo auf die Pommes. Sehr große Portion Pommes. Im Grunde ein ganzes Blech. Hat sehr gut geschmeckt. Nun pappsatt.

Lydia
👑
Wenn ich M. zum weniger Essen anhalte sagt er: „Lydia! – it’s my culture!

Gaga
Ich hab jetzt noch 22 Minuten Zeit, das zu bloggen! Bin nun beschäftigt! Kalinichta!

08. November 2022

Wie gestern beiläufig erwähnt, kann man auch auf den Französischen Dom steigen und um die Kuppel laufen. So geschehen, ebenfalls im März vor zehn Jahren. Naturgemäß sieht man die Kuppel in ihrer Gesamtheit vom Kuppelrundgang überhaupt nicht. Aber der Französische Dom ist ja der Zwilling vom Deutschen Dom, auf dessen gleich aussehende Kuppel man von dort oben exzellent gucken kann. Das Bild von unten von der Domkuppel ist aber der Französische Dom, vorm Hinaufgehen fotografiert. Da oben kann man auch heiraten und weiße Täubchen fliegen lassen, so man gerne möchte. Ein Angebot vom Standesamt Mitte. Hat mir nach meinem Ausflug eine Bekannte erzählt, die mal zur Hochzeit einer Freundin auf dem Französischen Dom war. Beeindruckt haben mich auch die stattlichen Amphoren mit den Widderköpfen und dem Vogel obendrauf. Königliche Aussicht! Der Kuppelrundgang ist recht eng, es gibt ein paar Bänke an der runden Wand lang. Zum Sonnenuntergang nach oben, falls noch geöffnet, eine gute Flasche mitnehmen und den Ausblick genießen. Meine Empfehlung. Ist natürlich windig, Sonnenbrille nicht vergessen. UND: unbedingt gucken, dass man zur vollen Stunde oben angelangt ist, wenn das herrliche Carillon, das mächtige Glockengeläut seine Melodie spielt. Gänsehaut absolut garantiert!

07. November 2022

Gruß aus Mitte. Im März vor zehn Jahren begab ich mich zur Kuppel vom Berliner Dom. Man kann hinauf und um die Kuppel laufen. Schöne Ausblicke. Nicht ganzjährig begehbar, weil es in der kalten Jahreszeit vereist sein kann und Rutschgefahr besteht. Das ist jetzt aber sicher noch nicht der Fall. Vielleicht ist noch geöffnet. Und der Französische Dom hat auch einen Kuppelrundgang. Ich liebe alle Kuppeln. Alle, alle, alle. Kann gar nicht genug geben!

06. November 2022

Die Esche vor meinem Balkon am 29. November Zweitausendsechs. Jetzt hat sie auch noch viel Blätterkleid. Aber auch die Platanen am Gipsdreieck sind noch grün, mit Gelb dazwischen. Noch hat kein Herbststurm die Bäume entkleidet. Heute auch wieder Sonne. Bin ihr beim Frühstücken und Buch lesen auf dem Wohnzimmerteppich hinterhergewandert, Sonne im Gesicht, Fenster auf, Haare von der Sonne trocknen lassen.

Heute Nacht bin ich mittendrin aufgewacht und habe Gedanken vor mir hergeschoben, da waren plötzlich die Worte „verbrannte Orte“ in meinem Kopf und gingen nicht mehr weg. Ich dachte über verschiedene Orte nach, die ich aus privaten Gründen als verbrannt empfinde, die keine guten Gefühle auslösen und eine innere Sperre spürbar machen, ginge es darum, sie noch einmal aufzusuchen. Das sind ein paar wenige Orte in Berlin, wo unangenehme Gespräche stattfanden, und auch zwei woanders. Zwei der Orte sind Karlsruhe (eine Stadt, in der ich nur einmal war, und mit der mich ohnehin nichts verband) und die Insel Kos in Griechenland. Dann noch eine Ecke an einer Straßenkreuzung vor einem italienischen Restaurant in Friedrichshain, eine Ecke in der Nähe meiner Wohnung, an der ich mich aber weder vorher noch nachher jemals aus freien Stücken länger aufgehalten hätte und eine Kneipe in Kreuzberg. Eigentlich gut, dass das nie in meiner Wohnung oder meinem Atelier passiert ist. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen streitartigen Disput zuhause gehabt zu haben, mit jemandem, der mich besucht hat. Und mein Atelier ist auch in der Hinsicht ein Dornröschen. Ich bin kein Typ, der Disput und Debatten liebt und kultiviert, schon gar nicht, wenn es um Gefühle und private Beziehungen geht. Ich ziehe mich dann eher beklommen und sprachlos zurück. Auf jeden Fall eine gute Idee, falls so etwas unvermeidlich anstehen sollte, sich an einen möglichst unattraktiven Ort zu begeben, den man sowieso nicht freiwillig noch einmal aufsuchen wollen würde, der kann dann ruhig in Rauch und Flammen aufgehen. Blöd ist nur, wenn ein verbrannter Ort eine Lokalität mit Veranstaltungen ist. Ich wollte mich anlässlich einer Veranstaltung überwinden, und einem Ort eine neue Chance geben, obwohl es mich deutlich nicht hinzog. Ich hatte dann so unangenehme Gefühle und mir fielen immer mehr Details von der Situation ein, die die Abneigung verursachte, dass ich davon abließ. Daher wohl die unfreiwilllige nächtliche Beschäftigung und die einhergehenden Worte „verbrannte Orte“.