Dezember 1972. Ein halbes Jahrhundert ist das her. Nachdem ich meine Currywurst-Geschichte erzählt hatte, war ich neugierig, ob ich Fotos aus den Jahren finde, vom Anfang der Siebziger Jahre. Das sind drei Fotos, auf die meine Mama hinten drauf geschrieben hat „Weihnachten 1972„. Ich denke, während der Feiertage entstanden, von meinem Vater fotografiert. Am Küchentisch bei einem kleinen Imbiss und im Wohnzimmer. Mein größtes Hobby war Lesen. Im Dezember 1972 war ich Sieben und konnte schon sehr gut lesen. Ich sammelte Schneider-Bücher. Dazu gehörte auch „Hanni und Nanni“, weswegen ich unermüdlich von einem Leben im Internat träumte. Aber ich las auch alle möglichen Erwachsenen-Schmöker aus dem Eltern-Regal. Nicht nur die zwanzig dicken grünen Bände Brockhaus, aber auch! Darin gab es nämlich Faksimiles der Unterschriften berühmter Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Napoleon Bonaparte, welche ich bis zur Perfektion imitieren konnte. Unterschriften nachmachen war eines meiner Hobbies. Die von meiner Mutter konnte ich auch sehr gut, die war recht einfach, speziell im Vergleich zu der von Napoleon, was mir später in schulischer Hinsicht sehr gute Dienste leistete.

Vorhin habe ich nachgeschaut, welche Lieder 1972 im Radio gelaufen sind. Die deutschen, britischen und amerikanischen Charts waren sehr unterschiedlich, aber es gab so eine Handvoll Lieder, die überall gerne gespielt wurden und es in die Top Ten oder Top Twenty schafften. Die furchtbaren Jammer-Tiraden „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ von Christian Anders und „Am Tag, als Conny Kramer starb“ von Juliane Werding haben es nur in den deutschen Charts weit gebracht. Aber überall, also international waren 1972 die Knaller-Hits „A Whiter Shade of Pale“ von Procol Harum, „Clair“ von Gilbert O’Sullivan, „Let’s Stay Together“ von Al Green, „Heart of Gold“ von Neil Young, „American Pie“ von Don McLean, „A Horse With No Name“ von America (von dem heute noch einige denken, es wäre ein Lied von Neil Young). „Song sung blue“ von Neil Diamond dudelte rauf und runter, „Is this the way to Amarillo?“ wurde Toni Christie nicht müde zu fragen, usw. usf. Und die Stones veröffentlichten „Exile on Main Street“! Hildegard Knef sang „Schmelzen Butterblumen?“ und Barbra Streisand schäkerte im Kinofilm „Is was, Doc?“ mit ihrem tatsächlichen Lover Ryan O’Neal herum. Und ich war gerade mal Sieben, aber dafür ziemlich groß und las tapfer meine Schneiderbücher und guckte Partridge Family und schwärmte für Captain Kirk und David Cassidy.

2 Antworten auf „12. Dezember 2022

  1. Lydia G.
    Cool! Und schon damals ausgesprochen fotogen. Jetzt möchte ich eine Netflix-Serie über dein Aufwachsen sehen, mit allen interessanten zeitgeschichtlichen Details.

    Gaga Nielsen
    Da könnten wir glatt eine Watchparty machen, bin dabei! (leider gibt es keine einzige Filmaufnahme aus meiner Kindheit…. so schade)

    Lydia G.
    <3

    Saskia Rutner
    Und ich möchte Gaga in der Serie spielen!! 😂 Verflixt..wie schaffe ich das mit den 7 Jahren..Ich krieg das schon irgendwie hin 🤣🤪🙌💝

    Gaga Nielsen
    Du hast einfach die richtigen Kulleraugen, das klappt schon! Notfalls machen wir ein paar zusätzliche Einstellungen mit Charlie 🙂

    Gaga Nielsen
    Der Plot wird sehr viele Szenen beinhalten, die sich ausschließlich in meiner kindlichen Phantasie abgespielt haben. Erotische Phantasien! Ich hoffe, das stellt kein Problem dar. Ich war eigentlich immer in irgendwen verliebt, manchmal auch in mehrere! Konnte mich teilweise nicht zwischen Roy Black und Jürgen Drews entscheiden etc. pp. Wenn es zu sehr dokumentarisch aufbereitet wird, sieht man mich ja nur vor dem Fernseher sitzen oder Bücher lesen, das könnte etwas langweilen!

  2. Saskia Rutner
    Du wirst nie langweilen 😂 Oh das kenne ich mit dem in-mehrere-gleichzeitig-verliebt-sein 😄 Jürgen Drews?! 😂 Wie geil 🤣 Ich habe Karel Gott angeschmachtet. Ich fand ihn wunderschön! Und in Lex Barker war ich verliebt, obwohl der schon jahrelang tot war.

    Gaga Nielsen
    in Winnitou war ich natürlich auch verliebt! (ich hab immer Winnitou gesagt, obwohl er natürlich richtig Winnetou heißt, Pierre Brice, hach….❤ ) Ich war aber allen treu. Jeder hatte einen großen Platz in meinem Herzen! Komischerweise hat sich mein kindlicher Hang zur Polyamorie später total gelegt, nicht wegen der Moral, einfach so 🙂 Ich nehme an, wenn ich mit Sieben echte Beziehungen zu all meinen Schwarmen/Schwärmen (wie ist der Plural?) gehabt hätte, wäre mir schon ein Licht aufgegangen, dass es da logistische Probleme gibt. Ich finde übrigens, dass Jürgen Drews heute noch sehr attraktiv aussieht, im Vergleich zu seinen Altersgenossen. Außer Bett im Kornfeld habe ich aber keine Lieder von ihm gekannt oder gehört.

    P.S. bin gleich wieder neu verliebt:

    und WIRKLICH LIVE gesungen!!!
    Aber meine Affäre mit J. D. war erst 1976, da war ich dann ja schon ungefähr zehneinhalb!

    Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass ich bereits 1972 erste zarte Bande zu Jürgen D. geknüpft habe, als er mit den Les Humphries Singers in der Hitparade war:

    (eindeutig der bestaussehendste Sänger der Truppe!)

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