WIE ICH EINMAL DIE CURRYWURST ERFAND. Gestern, am Samstagabend fiel mir wieder etwas ein: wie ich wegen Raumschiff Enterprise 1972 oder 1973 oder 1974 die Currywurst erfand. Das war so: als Kind war mein Lieblingstag in der Woche Samstag. Keine Schule und am Abend Raumschiff Enterprise im zweiten Programm gucken. Das kam ungefähr um 18:30 Uhr.

Samstag war auch Badetag. Der hohe, runde, weiß emaillierte Vaillant-Ofen wurde mit Holz und Briketts angeschürt, damit es warmes Badewasser gab. Ich schätze mal, dass mein Bruder zuerst baden durfte, weil er der Ältere war. Es war sehr wichtig, dass die Baderei spätestens fertig war, wenn Raumschiff Enterprise anfing. Das gab es nämlich nur einmal in der Woche.

Um die Gemütlichkeit noch zu erhöhen und das besondere Ereignis angemessen zu begehen, durften wir beim Gucken im Wohnzimmer auch unser Abendessen einnehmen, es war fast wie eine kleine Party, die uns Mama erlaubte. Normalerweise wurde in der Küche am Tisch zu Abend gegessen, solche Sperenzien, wie mit dem Tellerchen auf dem Teppich vor dem Fernsehapparat sitzen, hätte mein Vater nicht erlaubt. Aber weil Samstag war, hatte er immer Auftritte mit seiner Combo und die Luft war rein. Mama war da lockerer.

Damals war mir der Ausdruck „TV Dinner“ natürlich noch nicht bekannt. Auch kannte ich keine Currywurst. Ich war ja noch nicht in Berlin. Aber ich mochte schon immer gerne Wiener Würstchen und Ketchup und auch gerne ein bißchen scharf. Weil wir in der Küche einen Toaster hatten, kam ich auf die Idee, da wo das Brot reinkommt, einfach mal Wiener Würstchen reinzustecken. Das schmeckte toll, sie platzen dann auch ein bißchen und hatten Super-Röstaromen, wie der Gourmet sagt.

Der Würstchen-Toast-Vorgang wurde von meiner Mutter sicher überwacht, ich war schließlich erst sieben oder acht oder neun Jahre alt. Zu den getoasteten Würstchen mochte ich gerne Toastbrot, schön goldgelb getoastet, leicht angekokelt. Um beim Gucken bequemer essen zu können, habe ich die Würstchen auf dem Teller in Scheibchen geschnitten und mir schön viel Ketchup mit Curry und Chilipulver drübergemacht. Ein Genuss!

So konnte ich auf dem Teppich sitzen, meine selbst erfundene Currywurst essen und die neuen Weltraumabenteuer von Mr. Spock und Captain Kirk verfolgen, in welchen ich auch ein bißchen verliebt war. Mein Bruder fand natürlich Mr. Spock am Wichtigsten, weil er so intelligent war. Mir gefiel am besten die Musik, die Einrichtung vom Raumschiff, die Stiefel von Uhura und die tollen außerirdischen Landschaften von fremden Planeten. Und das Beamen. Und wenn Captain Kirk romantische Gefühle hatte.

Manchmal toastete ich mir noch eine zweite und dritte Portion Gaga-Currywurst. Dazu Spezi. Das war ein feiner Samstagabend! Gestern hatte ich auf einmal Riesen-Appetit auf so eine Wiener Würstchen-Currywurst, aber leider keine daheim. Aber ich schaute ein bißchen Raumschiff Enterprise. Und fand auf youtube einen Clip mit allen Küssen von Captain Kirk. Toll!

Für mich gab es nur ein Raumschiff Enterprise, das mit der alten Crew. Eben dem einzigen wahren Raumschiff Enterprise. Die Erstausstrahlung im Deutschen Fernsehen war vom 27. Mai 1972 bis 29. Oktober 1974. Daher kann ich meine Erfindung sehr gut zeitlich einordnen!

Das orange Bild ist von der Currywurst-am-Samstagabend inspiriert, ich habe es gestern am Computer kreiert. Samstag ist für mich orange und schwarz. Vielleicht auch, weil wir über die ganze Fensterseite bis zur Terrassentür, lange orange Vorhänge im Wohnzimmer hatten. Und die Currywurst auch schön orange war. Im kuschelig dunklen Wohnzimmer geheimnisvoll erleuchtet von den Beamerstrahlen der Enterprise aus dem Fernsehapparat.

2 Antworten auf „11. Dezember 2022

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