Heute vor zehn Jahren, vierundzwanzigster Dezember 2012. Festliche Modenschau vor dem Kleiderschrank in meinem kleinen Ankleidezimmer. Mein langes, schwarzes Samtkleid mit Trägern aus schwarzer Spitze. Sogar die Zuchtperlen sind echt! Heute habe ich bestimmt kein Trägerkleidchen an, vielmehr viele warme Sachen und darüber noch einen flauschigen Poncho. Aber auch vor zehn Jahren war das festliche Samtkleid nicht mein Tagesoutfit. Ich habe nur alle Kleider durchprobiert, die ich im Schrank habe, und mich jeden Tag mit einem anderen fotografiert. Manchmal neige ich zum Zwanghaften. Ich hatte im Februar 2012 plötzlich die Idee, ein Jahr lang täglich ein Foto von mir zu machen. Das habe ich dann durchgezogen, und meist wurde es mehr als ein Foto.

Manchmal hatte ich keine Lust und musste mich dazu zwingen, aber ich habe es gemacht. Das hat dann dazu geführt, dass ich während des Fotografierens den Ehrgeiz entwickelte, gut drauf zu kommen, also richtig echt und authentisch, ohne falsches Lächeln für die Kamera. Weil ich das meist am Tagesanfang gemacht habe, fing der Tag dann eigentlich schon mit einem kleinen Erfolgserlebnis an. Ich hatte es geschafft, mich selber zum Lächeln und in gute Verfassung zu bringen. Das war eine interessante Erfahrung. Ich wollte mir glaube ich beweisen, dass ich es schaffe, jeden Tag eines Lebensjahres wenigstens einen guten Moment zu haben, so dass sich der Tag nicht umsonst gelebt anfühlt. Nach einem Jahr hing es mir dann aber dann auch zum Halse heraus! Die Fotos mussten ja immer noch heruntergeladen werden, gesichtet, ein bißchen optimiert, wieder hochgeladen. Das Übliche. Das war ein bißchen stressig. Danach hatte ich das Bedürfnis, eine Weile keine Fotos machen zu müssen. War dann sehr erholsam. Ich wusste dann ja, dass ich es schaffe, mich selber gut drauf zu bringen, auch wenn blöde Sachen passiert sind. Und die waren gerade zwischen 2010 und 2012 reichlich geschehen. Ich zweifelte tiefgreifend an meinem Wert und vermisste eine gewisse Wertschätzung, die ich mir dadurch selber geben wollte. Obwohl das nicht ganz stimmt, dass ich an meinem Wert zweifelte, für mich war der schon da. Ich zweifelte vielmehr am Verstand meiner Umgebung bzw. an dem eines ganz bestimmten Menschen, an dem mir lag. Aber das ist lange her. Also das steckte dahinter, dass ich vom Februar 2012 bis Februar 2013 ein Jahr lang jeden Tag Fotos von mir machte. In den letzten Monaten dieses Fotoprojekts fing ich dann an, konsequent Kleider dafür herauszuholen, die ich normalerweise nicht angezogen hätte und die selten ans Licht kamen. So wurde es dann auch ein bißchen wie eine Modenschau.

Vorhin habe ich mir gerade die diesjährige Ansprache vom Nürnberger Christkind angeschaut, den Eröffnungsprolog. Immer wieder rührend. Es ist jedes Jahr derselbe Text. Am besten gefällt mir immer die Stelle am Ende, wo das Christkind sagt: „Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, seid es heut’ wieder, freut Euch in ihrer Art. Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein.“ und dann die Arme hebt und sich die goldenen Trompetenärmel wie Flügel auffächern. Das ist so schön! Musste daran denken, dass das Christkind genau gegenüber von meinem Hotelzimmer, das ich im Juli in Nürnberg hatte, auf der Empore der Frauenkirche steht. Ich habe ja noch ganz viele Nürnberg-Fotos von meinen Ausflügen rund um die Burg, die ich noch nicht gepostet habe. Das will ich nun bald nachholen. Denn wer war denn schon einmal auf dem Sinwellturm? Na ich! Ich wünsche allen erholsame und gesunde Feiertage und mehr als alles andere: inneren Frieden und Frieden auf Erden.

Eine Antwort auf „24. Dezember 2022

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