Genug vom Thema Krankheiten und Medikamente. Wenden wir uns anderen Themen zu: Christiane Hörbiger und Christine McVie sind vorgestern gestorben. Sie haben die Erde verlassen, aber ihr Geist und Talent bleibt schön hier unten bei uns gesichert. Die Hörbiger! Vor den Guldenburgs habe ich sie niemals wahrgenommen, ihre Filmerei war ja auch aus einer anderen Generation. Aus deutschsprachigen Fünfziger Jahre-Produktionen sind mir nur weibliche Hauptrollenstars wie Lilo Pulver und Ruth Leuwerik hängengeblieben. Wobei die Hörbiger ja die Romy-Generation war, sogar derselbe Jahrgang. Und wie ich gerade sehe, gar nur mit zwanzig Tagen Abstand im Herbst 1938 geboren. Einen angekündigten TV-Film mit Frau Hörbiger habe ich mir immer gerne vorgemerkt, da ein Christiane Hörbiger-Film für Qualität bürgte. Hier würde keine mittelmäßige Besetzung zu ertragen sein, subtiles Spiel mit Hintersinn erwartete einen. Elegant dazu. Ich sehe gerne elegante Menschen. Dass ein solches Gesamtpaket an Darstellungskunst eine hohe Intelligenz voraussetzt, versteht sich von selbst. Schlimm finde ich, dass sie mit ihrer letzten Liebe so ein Unglück ertragen musste, der „Tötschinger“ (so hat sie ihn selbst in Interviews genannt) ist sechs Tage vor der geplanten Hochzeit (nach dreißig Jahren Liebesbeziehung ohne Trauschein) plötzlich an einer Lungenembolie verstorben. Und sie soll auch ein Lungenleiden gehabt haben. Aber das hab ich nur beim österreichischen Kurier aufgeschnappt. Und ich wollte ja das Thema Krankheiten umschiffen. Jedenfalls: schade um die Hörbiger, danke für die schönen Fernsehstunden!

Und Christine McVie hat auch ihre Verdienste als Songschreiberin und Pianistin und Sängerin von Fleetwood Mac. Einmal sah ich sie in echt, in der Waldbühne bei Regen. Lauter aufgespannte Schirme im Publikum, aber ich ganz vorne, das war damals ja so leicht, keine Einteilung in Ränge, jedes Ticket hatte denselben Preis, wer zuerst kam, hatte den besten Platz. Den beiden zu Ehren habe ich ein zartes Lied ausgesucht, das der Hörbiger bestimmt auch gefallen hat, Songbird. Christine McVie hat es für das legendäre Rumours-Album geschrieben, gesungen und gespielt. Auch einige Zeilen daraus passen für die beiden sehr schön. Ein letzter Gruß.

For you, there’ll be no more crying
For you, the sun will be shining
And the songbirds are singing,
Like they know the score

Eine Antwort auf „02. Dezember 2022

  1. Saskia R.
    Zufällig beim Aufräumen gefunden am Tag ihres Todes! (Buch „Meine liebsten Weihnachtsgeschichten) Sie hatte auch einen feinen literarischen Geschmack ❤️👑

    Gaga Nielsen
    Sie war so feinsinnig, das kommt einfach über die Rampe. Tatsächlich hat sie mitunter auch in Hausmannskost der trivialeren Machart gespielt, aber eine interessante Persönlichkeit macht das dann wett, weil man ihr grundsätzlich gerne zuschaut und zuhört. Da trifft auch das zu, was Lilo Pulver mal gesagt hat: dass ein Schauspieler, den das Publikum sehr liebt, als Person interessiert, gar nicht weil die Wandlungsfähigkeit so immens ist. Wenn dann noch gutes Handwerk dazukommt, umso besser. Die Pulver war der Meinung, dass sie keine große Schauspielerin war, aber eben irgendwas an ihr „interessiert hat“. Ich habe sofort gewusst, was sie meint.

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