morgen wieder!
28. Januar 2022

BÄRLAUCH. Pouring VIII. Acryl, Pouring Medium, Silikonöl, Leinwand, 17. August 2019, 30 x 30, Staatl. Museen v. Gaganien



28. Januar 2022
Ich copypaste den Chat mit Lydia und Ina vom 21. Januar, am Tag nach dem Kino-Besuch des Films „Spencer“ OmU. Nicht abermals erwähnt, was ich zu den beiden direkt danach sagte, dass ein ganz wesentlicher Teil von Dianas Persönlichkeit in der Darstellung durch Kristen Stewart nicht vorkommt, nämlich ihre sehr warme Ausstrahlung, wenn sie lächelte, selbst wenn es nur für die Kameras war. Herzenswärme ist schlicht und ergreifend nicht einstudierbar oder imitierbar.
Gaga
ich wünsche mir von Euch beiden noch je ein, zwei Sätze, kurze (oder nach Belieben auch nicht so kurze) Statements zu dem Film gestern, das würde ich mit einklöppeln, wenn ich was drüber schreibe, wegen Meinungsvielfalt! Ich denke, Ihr steht der Hauptdarstellerin weniger distanziert als ich gegenüber!
Ina
Es war diesmal eine Kamerafrau, die das Schloss als Märchenschloss in Szene gesetzt hat. Stewart war nur 1,65 m und mir gefiel ihr Gesicht, vor allem der Mund
Lydia
oh, ad hoc muss ich nachdenken Statement kommt noch… Der Mund ist sicher eine gute Beobachtung…
Gaga
einen Mund zu haben ist ja an sich noch keine darstellerische Leistung. Stewart ist im Netz 165 cm, vermutlich aber kleiner, da wird gerne nach oben geschummelt, Diana war 178, evt. sogar größer. Für mich stimmte die Körperhaltung nicht, weil leichte Schieflage und der Kopf gedrungen auf dem Atlas saß!
Interessante Beobachtung einer Bloggerin, die Millenial ist und mit Stewart in dieser Twilight Serie aufwuchs, eine Art Fan war oder ist, die fand, dass zu viele Stewart-immanente Ticks zu sehen sind. Interessant auch das: „Stewart liefert hier zwar, wie Vulture schreibt, „beachtliche Durchsichtigkeit“ – anstatt mich aber in dieser Transparenz zu verlieren, fragte ich mich andauernd, wie gründlich sie jede einzelne Bewegung durchdacht hatte. Mit jedem zurückhaltenden Schritt und gehauchtem Satz konnte ich die sich drehenden Zahnräder in Stewarts Kopf erkennen.“
Hab vorhin dem Testzentrum-Team eine Szene erzählt, die mussten lachen – ich auch – dann hab ich betont, dass es aber keine Komödie ist. Es war die Szene, wo die Familie an der langen Festtafel sitzt und daneben ein Streichquartett aufpeitschende Weisen spielt, und sich die Streicher dann immer dramatischer steigern, wie in einem Hitchcock in der Duschszene, wo die Hand mit dem Messer kommt. Dann Kamera auf die gequälte, sich bekleckernd Suppe essende Diana und dann die platzende Perlenkette mit den Perlen in der Erbsensuppe. Schon eine hübsche, wenn auch sehr frei erfundene Szene. Das hatte Schmiss! Auch sehr frei dabei: die trostlose Freudlosigkeit aller Beteiligten am Tisch. Dabei lernt man doch schon in der ersten Klasse in Britischer-Königshaus-Kunde, dass es Vorschrift ist, zu Weihnachten Scherzartikel und Albernes zu schenken und vieldeutige Witzeleien an der Tagesordnung sind. Ganz bestimmt wird kein Streichquartett getragene oder dramatische Weisen zur Begleitung spielen. Wer im Royal-Unterricht nicht aufgepasst hat, wird das freilich für realistisch halten!
Lydia
Wow, du schaust wieder sehr scharf analytisch hin.
Ich hab mich eher berieseln lassen von den Bildern.
Gaga
die Bilder waren sensationell, klare Empfehlung DESWEGEN und Hammer-Schnitt, tolle Dramaturgie.
Diana hatte zu der Zeit übrigens durchgängig einen Lover, also versch. aber hintereinander, nicht zeitgleich, daher wird sie sicher auf dem Zimmerchen mit den Süßen am Tel. geturtelt haben. Die Haushälterin hat das alles mitgekriegt Steht in dem verbotenen Buch, u. a., also nicht soooooo einsam
https://www.amazon.de/Housekeepers-Diary-Charles-Before-Breakup/dp/156980057X
Lydia
Ich mochte Dianas 80er Jahre Outfit und den Offiziers-Butler mit dem krassen Gesicht. Diana war als Figur unglaublich nah und alles andere irgendwie entfernte Kulisse. Dadurch konnte ich mit der Figur einerseits mitfühlen und mitleiden. Aber ich fand sie auch manchmal unglaublich Ich-bezogen, als ob die gesamte Welt sich um nichts anderes als sie selbst dreht. Und es gab Punkte, da hat sie mich in diesem Film damit auch regelrecht genervt. (z.B. da wo nach den Dienern William noch mal extra klopfen musste, damit Mummy endlich mal raus kommt ….) Und da war es mir manchmal zu dramatisch. Weil eben die Welt um sie herum eher verschwommen gezeichnet war. Auch weil es zwischen all den Drama-Einstellungen manchmal kaum Luft zum aufatmen gab. Dann begann es für mich auch etwas unglaubhaft zu werden. Aber sicher hat der Film ja auch diesen, einen anderen Ansatz gesucht. Anders als alles, was man bisher über sie gemacht hat…
Ist vielleicht auch ne Stimmungsfrage, fand ihn dennoch auf jeden Fall sehenswert!
Gaga
Der Film hat ganz klar den Ansatz gehabt, schwarz-weiß zu malen, aber ich fand ihn auch sehenswert, wie gesagt visuell, schnitttechnisch, dramaturgisch, wenn auch viel Blödsinn. Aber tolle Szenen der Küchenbrigade usw. usf.
Ja, Diana war ne Prinzessin auf der Erbse, sie kam ja aus adligem Hause und kannte dieses auf großem Fuß, hochherrschaftlich zu leben, aber ohne Protokoll.
Lydia
Ja, das auf jeden Fall. Vor allem schön anzusehen. Gerade auf einer großen Kinoleinwand und wenn man durch die Pandemie ein bisschen ausgehungert ist. Stillt den Hunger und Durst nach Impressionen.
Gaga
total, herrliche Bilder, ich fand auch schön, dass das Publikum so einheitlich gefesselt war ab einer Weile und dann mucksmäuschenstill! Übrigens hat Diana keine Kindergärtnerinnenausbildung gehabt oder gemacht, sondern sie war eine verträumte schlechte Schülerin ohne Pläne, die dann das Angebot bekam, in einem befreundeten Nobelhaushalt Babysitting zu machen, das setzte sich dann fort und so kam sie zum Kita-Job.
Sie hat in ihrer Freizeit hauptsächlich Liebesromane gelesen, die in Adelskreisen spielen und in der High Society, die ihre Großtante Barbara Cartland schrieb. Sie hatte auch einen Minderwertigkeitskomplex wegen schlechter Bildung und mäßiger Allgemeinbildung und hat versucht, das in den letzten Lebensjahren aufzuholen. Sie hat sich ein paar mal bei öffentlichen Anlässen blamiert, weil sie immer zu faul war, das Briefing zu lesen, weil sie keine Lust hatte, etwas über Politik oder Wirtschaft etc. zu lesen.
Die Royals bekommen immer ein leicht konsumierbares Hand out mit Essentials zu einem Staatsgast oder zu einer Institution oder gemeinnützigen Stiftung. Später hat sie angefangen, die Sachen zu lesen und war gut vorbereitet und hat auch Unterricht im Reden halten genommen. Das war alles erst nach der Trennung von Charles, sie wollte weiter Aufmerksamkeit haben und bekam von ihrer Astrologin den Rat in die Charity-Richtung zu gehen, weil es ihr so offenkundig lag, vom Charakter her. Dann wollte sie sich profilieren, als Diana, nicht als Frau vom Thronfolger, es war auch ein Konkurrenzkampf um öffentliche Aufmerksamkeit. Sie hat viel dafür getan, um die Publicity am Laufen zu halten. Und auch oft Journalisten einen Tipp gegeben, in welchen Restaurant sie am Abend sein wird, die dann die Fotografen losschickten. Das war auch intensiv, als sie von Hasnat Khan verlassen wurde, ihrer großen Liebe, dem pakistanischen Herzchirurgen, sie wollte ihn eifersüchtig machen, indem möglichst viele Turtel-Bilder mit Dodi Al-Fayed in der Presse erscheinen. Sie hat die Presse informiert, dass sie nach Paris fliegen wird.
Lydia
oh dieses Thema kommt übrigens auch in der Serie the Queen auf, als Lilibet nämlich jung war, war sie auch recht schlecht gebildet. Hatte als Frau immer nur Etikette erzählt bekommen und als dann klar war, dass sie Queen wird, begann sie Unterricht in Politik und Wirtschaft zu nehmen. Und musste sich damit im Palast auch erst mal durchsetzen, weil man ihr das nicht angedeihen wollte.
Gaga
Der Unterschied bei Lilibet und Diana ist aber, dass Diana alle Möglichkeiten von klein auf offen standen, auch bildungsmäßig, und sie keine Böcke drauf hatte!
Lydia
oh, deine Buchempfehlung tönt aber wirklich interessant. Ich liebe ja dein Hintergrundwissen. So tief würde ich mich dann noch nie in die Materie hineinbegeben….ich hab es mal pro forma in den Warenkorb gepackt
Gaga
An dem englischen Buch der Haushälterin gefällt mir sehr ihre Schreibe, weil sie so tolle Redewendungen drauf hat, aus dem Volke und dem Alltag. Dabei war sie nicht ungebildet, sondern sogar mal Lehrerin. Ich kann dir das Buch auch ausleihen, kannst es lesen und Eselsohren reinmachen, mach ich auch!
Lydia
Oh ja! Besser
27. Januar 2022





SUMMERTIME. and the cotton is…, Pouring XII. Acryl, Silikonöl, Schokoladenpapier, Crémantmanschetten, Kleber, Rahmenrückw., 29. August 2019, 41 x 52 cm, Staatliche Museen von Gaganien
Mir ist bekannt, dass Winter ist. Einer mit viel Regen, so dass ich noch nicht einen dicken Wintermantel aus meiner Truhe geholt habe, sondern fast jeden Tag mein schwarzes Kapuzen-Lackmäntelchen trage. Mir persönlich ist es kalt genug, Schnee wird auch nicht benötigt. Wenn ich herumwerkle, beschwöre ich lieber die blühenden Jahreszeiten. Ein flirrendes Spätsommergrün mit goldenen Einsprengseln. Wie in Augusttagen. Das Bild hängt in meinem Atelier, links vom Küchenfenster, in der gelbgrünen Ecke.
26. Januar 2022



MARE. Am Straßenrand Gips- Ecke Joachimstraße ausgesetzter, aufgegabelter, Holz-Rahmen mit Papprückwand ohne Scheibe, zwei ausgesparte Fragmente von darüber gespanntem, gebatiktem Baumwollbatist-Halstuch von Berliner Wochenmarkt Neunziger Jahre, Grundierung, sieben Aquarellpapierfragmente, Wasserfarbe, Tinte, Raufaserspachtel, Kupfer- und Goldacryl, Pappkringel, Spiegelscherben, Kleber, Bohrlöcher, Flambierbrenner, 25. und 26. September 2021 und 2., 3., 9., 10., 15., 16., 17., 23., 24., 29., 30. und 31. Oktober 2021, 61 x 91 cm, Staatliche Museen v. Gaganien




26. Januar 2022
Die folgende Stelle gefällt mir auch noch ganz gut, weil ich mir schon mehrmals im Leben dachte, dass es sich genauso verhält. Nämlich die ganze Wahrheit einer Begebenheit, häufig so komplex verschlungen und auch auf absurde Art überaschend oder ungefällig bis bizarr ist, dass es sich in einem Roman oder als Drehbuch wie übertrieben fabuliert anhören müsste. WEIL wir an vereinfachte Geschichten gewöhnt sind. Leicht konsumierbar geglättet und abgeschmirgelt, ohne Grautöne. Schwarz-weiß plakativ, für schlichte Gemüter verstehbar. Und vielleicht rührt daher die Erwartungshaltung, dass unser Leben sich gefälligst leicht verständlich, eindeutig und unwidersprüchlich gestalten möge. In der Liebe und bei Karriereplänen und in der Erziehung und überhaupt. Hier also ein letzter kleiner Auszug aus Capotes „Erhörte Gebete“:
»(…) Seine Erzählungen sind immer realistisch, sogar wenn sie abgründig sind – wie ‘Das ungeheure Radio‘ oder ‘Der Schwimmer‘.« Woodrow war vergnatzt: »Wenn es wahr ist, und das ist es, warum sollle es dann niemand glauben?« »Wenn etwas wahr ist, so heißt das nicht, dass es überzeugend ist, weder im Leben noch in der Kunst. Denk an Proust. Würde die Suche nach der verlorenen Zeit so wahr klingen, wie sie es tut, wenn er sich buchstabengetreu an die historischen Umstände gehalten hätte, wenn er nicht das jeweilige Geschlecht, die Ereignisse, die Namen abgewandelt hätte? Wenn er sich strikt an die Tatsachen gehalten hätte, wäre sie weniger glaubwürdig gewesen, aber« – ein Gedanke, der mir oft durch den Kopf gegangen war – »vielleicht besser. Weniger leicht verdaulich, aber besser.« Ich entschied mich doch für noch einen Drink. »Das ist die Frage: ist die Wahrheit eine Illusion. Oder ist Illusion Wahrheit, oder sind sie im Grunde ein und dasselbe? Ich meinerseits, mir ist völlig egal, was jemand über mich sagt, solange es nicht wahr ist.«
Truman Capote, „Erhörte Gebete“, dt. Heidi Zerning, Kein & Aber Pocket, S. 64
25. Januar 2022
Kleine Boshaftigkeiten, wie die nachfolgend aus Capotes „Erhörte Gebete“ zitierten, können durchaus unterhaltsam und mitteilenswert sein. Nicht wegen Freude an der Herabwürdigung der beschriebenen Damen, deren Wahrheitsgehalt ich ohnehin nicht prüfen kann, sondern wegen der mit viel Liebe zum Detail gewählten Beschreibungen. Mir fiel zum Beispiel auf, dass ich das Wort „hochmütig“ niemals benutze, wo es doch so manches mal ganz vorzüglich passen würde. Ich will von nun an daran denken!
»(…) Während die Gäste sich auf Boatys Rosshaarsofas niederließen, kam ich zu dem Schluss, dass von den Dreien Estelle Winwood, eine Schauspielerin Anfang Sechzig, die Umwerfendste war. Parker – sie sah aus wie eine Frau, der man in der U-Bahn sofort seinen Sitzplatz anbietet, ein verletzliches, nur dem Anschein nach hilfloses Kind, das eingeschlafen und vierzig Jahre später wieder aufgewacht war, mit verquollenen Augen, falschen Zähnen und einer Whiskyfahne. Und Bankhead – ihr Kopf war zu groß für ihren Körper, ihre Füße dagegen zu klein; außerdem war ihre Persönlichkeit zu stark, um in ein Zimmer zu passen: sie brauchte einen Zuschauerraum. Aber Miss Winwood war ein exotisches Geschöpf – schlangenschlank, aufrecht wie eine Schulleiterin, trug sie einen riesigen, breitkrempigen schwarzen Strohhut, den sie den ganzen Abend über nicht abnahm; die Krempe dieses Hutes verschattete die Perlenblässe ihres hochmütigen Gesichts und verbarg, wenn auch nicht allzu erfolgreich, die Bosheit, die schwach in ihren lavendelblauen Augen glomm.(…)«
Truman Capote (über eine private Essenseinladung mit u. a. Dorothy Parker, Tallulah Bankhead u. Estelle Winwood), „Erhörte Gebete“, dt. Heidi Zerning, Kein & Aber Pocket, S. 132
24. Januar 2022
Wer kennt es? Bei einer Umarmung wie ein Hund getätschelt werden, wie beschwichtigend oder ausbremsend. Zum Glück selten und lange nicht erlebt, aber eben bei First Dates beobachtet. Habe nach der Hälfte zugeschaltet. Ein Pärchen hat beim Abschlussinterview bestätigt, sich nochmal ohne Kameras zu einem zweiten Date treffen zu wollen, und der Typ hat die recht attraktive junge Dame etwas verlegen umarmt und dabei getätschelt. Entweder war er wegen der Kamera gehemmt und verlegen oder er ist nicht erotisiert. Absolutes No Go. Ich tätschle noch nicht mal enge Freundinnen zur Begrüßung oder zum Abschied. Da wird ordentlich und unmißverständlich herzhaft zugepackt!
24. Januar 2022

FLUSH. Gustav gewidmet. aufgetrennter Klimt-Beethovenfries-Kissenbezug, Gummibaumblatt von Duke mit Widmung, um 2001, Messingteile, „Elfin Scents“-Räucherstäbchen-Verpackung von Wochenmarkt Neunziger J., Pralinengoldpapier, Fragmente „Edle Tropfen in Nuss“-Einlage (Geburtstagsmitbringsel von Lydia), Acryl, Kleber, Faserschreiber, Versandkarton, Flambierbrenner, Bleistift, 40 x 80 cm, 7. u. 13. Februar 2021, Staatliche Museen v. Gaganien











23. Januar 2022
Neues Buch, neue Eselsohren. Ich lese seit Mittwoch oder Donnerstag „Erhörte Gebete“ von Truman Capote. Oft ist mir der Duktus der Dialoge zu salopp und auch zynisch, ich fange schon an, ganze Seiten zu überfliegen, wenn sie mir wie im Kokainrausch dahergefaselt oder ausgekotzt vorkommen. Es gibt aber auch ab und zu sehr lesenwerte Passagen, die ich gründlich und mit Gewinn lese.
Wie die folgende, über Truman Capotes Begegnung mit Colette in Paris. Der Hauptprotagonist des Buches kann getrost als Alter Ego von Truman Capote genommen werden. Dieses Werk von ihm führte zum Bruch mit vielen seiner prominenten Freunde, da es vor Indiskretionen strotzt. Einige haben geänderte Namen, andere die Namen, die die Welt kennt. Bei der Recherche, welche Pseudonyme für welche realen Personen stehen, stellte ich fest, dass mir gerade die geänderten, verschleierten, auch als Klarnamen nicht viel sagten. Ein gewisser gealterter Schriftsteller namens Wallace soll Tennessee Williams sein. Damit konnte ich noch etwas anfangen. Aber nun zu der sehr schönen Passage mit Colette, die auch im Buch Colette sein darf.

»Miss Barney war es auch, die es mir ermöglichte, Colette zu besuchen, die ich unbedingt kennenlernen wollte, nicht aus meinen üblichen opportunistischen Gründen, sondern weil Boaty mich mit ihrem Werk bekannt gemacht hatte (vergessen Sie bitte nicht, dass ich intellektuell ein Landstreicher bin, der seine Bildung am Rande von Fernstraßen und unter Brücken aufsammelt) und ich davon beeindruckt war: Claudines Mädchenjahre sind meisterhaft, unvergleichlich in der Kunstfertigkeit des Spiels mit Sinneseindrücken – Geschmack, Geruch, Tastsinn, Sehkraft.
Außerdem war ich neugierig auf diese Frau; ich war der Meinung, jemand, der so freizügig gelebt hatte wie sie, der so intelligent war wie sie, musste auf einiges Antwort wissen. Deshalb war ich dankbar, als Miss Barney es so einrichtete, dass ich mit Colette in ihrer Wohnung im Palais Royal Tee trinken durfte. »Aber«, warnte Miss Barney mich am Telefon, »ermüden Sie sie nicht und bleiben Sie nicht zu lange; sie ist den ganzen Winter über krank gewesen.«
Es ist wahr, Colette empfing mich in ihrem Schlafzimmer – sie saß in einem goldenen Bett à la Louis Quatorze beim Lever; aber ansonsten wirkte sie so wenig indisponiert wie ein Watussi in voller Kriegsbemalung, der einen Stammestanz anführt. Auch ihre Maquillage konnte es durchaus mit dem Watussi aufnehmen: schräge Schlitzaugen, hell und klar wie die Augen eines Weimaraner Jagdhundes, dick mit Kajal umrandet; ein mageres und kluges, clownsbleich gepudertes Gesicht; der Mund trotz ihrer beträchtlichen Jahre von einem glitschigen, glänzenden, aufreizenden Revuegirl-Rot; und ihre Haare leuchtend rot oder rötlich, ein rosiger, krauser Schaum.
Das Zimmer roch nach ihrem Parfüm (irgendwann fragte ich sie, welches es sei, und Colette sagte: »Jicky. Die Kaiserin Eugénie hat es immer getragen. Ich mag es, weil es ein altmodischer Duft mit einer eleganten Geschichte ist und weil es witzig ist, ohne ordinär zu sein – wie ein guter Causeur. Proust hat es getragen. Behauptet jedenfalls Cocteau. Aber der ist bekanntlich nicht sonderlich zuverlässig«), nach Schalen mit Obst und einer Junibrise, die Vorhänge aus Voile bewegte.
Der Tee wurde von einer Zofe gebracht, sie stellte das Tablett auf einem Bett ab, das schon mit schlummernden Katzen überhäuft war, dazu mit Briefen, Büchern, Zeitschriften und diversen Nippes, vor allem einem Haufen alter französischer Briefbeschwerer aus Kristallglas – viele dieser kostbaren Kugeln lagen auch auf Tischen und einem Kaminsims herum. Ich hatte so etwas noch nie gesehen; Colette bemerkte mein Interesse, wählte ein Exemplar aus und hielt sein Geglitzer vor das gelbe Licht einer Lampe: »Dieses Stück heißt Weiße Rose. Wie Sie sehen, steckt mitten in reinstem Kristallglas eine weiße Rosenblüte. Es wurde 1850 in der Clichy-Manufaktur hergestellt.
Alle schönen Briefbeschwerer wurden zwischen 1840 und 1900 von nur drei Firmen angefertigt – Clichy, Baccarat und St. Louis. Als ich anfing, sie zu kaufen, auf Flohmärkten und an ähnlichen Orten, waren sie nicht übermäßig teuer, aber in den letzten Jahrzehnten ist es in Mode gekommen sie zu sammeln, eine wahre Manie, und die Preise sind horrend. Für mich« – sie ließ eine Kugel aufblitzen, die eine grüne Eidechse enthielt, und eine andere mit einem Korb voll roter Kirschen – »sind sie beglückender als Schmuck. Oder Skulpturen. Eine stumme Musik, diese Universen aus Kristall.
Und jetzt«, fuhr sie fort und kam überraschend zur Sache, »sagen Sie mir, was Sie vom Leben erwarten. Abgesehen von Ruhm und Reichtum – das ist ja selbstverständlich. Ich sagte: »Ich weiß nicht, was ich erwarten soll. Ich weiß, was ich gern wäre. Nämlich ein erwachsener Mensch.«
Colettes bemalte Augenlider hoben und senkten sich wie die langsam schlagenden Flügel eines großen blauen Adlers. »Aber das«, sagte sie, »ist ja das Einzige, was niemand von uns je sein kann: ein erwachsener Mensch. Falls Sie einen Geist meinen, nur gehüllt in Sack und Asche der Weisheit? Frei von allem Bösen – Neid und Bosheit und Habgier und Schuld? Unmöglich.
Voltaire, sogar Voltaire lebte mit einem Kind im Innern, eifersüchtig und zornig, ein schmutziger kleiner Junge, der ständig an seinen Fingern roch. Voltaire trug dieses Kind mit sich herum bis ins Grab, wie wir alle es tun werden. Der Papst auf seinem Balkon … der von einem hübschen Gesicht in der Schweizer Garde träumt.
Und der britische Richter mit vornehmer Perücke, woran denkt er, während er einen Mann an den Galgen bringt? An Gerechtigkeit und Ewigkeit und reife Dinge? Oder überlegt er womöglich, wie er es schaffen kann, in den Jockey Club aufgenommen zu werden?
Natürlich haben Menschen erwachsene Augenblicke, einige wenige edle Momente, hier und da verstreut, und der wichtigste davon ist natürlich der Tod. Denn der Tod verjagt endlich diesen schmutzigen kleinen Jungen und macht das, was von uns übrig ist, einfach zu einem Gegenstand, leblos, aber rein, so wie die Weiße Rose. Hier« –
sie hielt mir die Blumenkugel hin, »stecken Sie das in die Tasche. Es soll sie immer daran erinnern, dauerhaft vollkommen, mithin erwachsen zu sein, das bedeutet, ein Gegenstand zu sein, ein Altar, eine Gestalt in einem Kirchenfenster: in Ehren gehaltenes Zeug. Da ist es doch viel besser, zu niesen und menschliche Gefühle zu haben.«
Truman Capote, „Erhörte Gebete“, dt. Heidi Zerning, Kein & Aber Pocket, S. 56 – 59
22. Januar 2022
Ganz schöne Version von „I shall be released“ von Jack Johnson, der mir, bis ich dieses Cover auf youtube entdeckte, gar nichts sagte. Ich habe bestimmt dreißig oder vierzig Versionen von dieser Dylan-Komposition gehört. Wie eigentlich immer, gefällt mir seine eigene Aufnahme nicht so besonders, auch nicht die von „The Band“, wegen der hohen Tonlage. Ich finde, Dylan hat einige sehr bemerkenswerte Songs geschrieben, sowohl musikalisch als auch von den Lyrics her, aber seine Stimme mag man oder eben nicht. Ich habe überhaupt keine angenehmen Gefühle, wenn ich sie höre. Die Instrumentierung und das Arrangement gefällt mir schon bei der bekannten Version, aber das reicht mir nicht. Früher beeindruckte mich mal eine Weile die Version von Bette Midler, jetzt ist sie mir zu angeknipst, zu marktschreierisch. Ich bin da sehr heikel. Wenn ich Jack Johnsons Aufnahme produziert hätte, wäre mein Rat gewesen, ein bißchen mehr Dynamik in den Gesang zu legen, das ist ein wenig gleichförmig plätschernd, aber alles in allem eine der schönsten Versionen dieses weltberühmten Songs.
21. Januar 2022
Immer noch negativ. Ergebnis von heutigem, guten (tägl., Mo – Fr) Schnelltest. Besonders erfreulich, weil ich gestern das erste mal in diesem Jahr (zuletzt im November 2021 mit Jenny) aus war. Zuerst im Kino in den Hackeschen Höfen, wo ich von der Einlasserin für meinen selbstgebastelten, scheckkartenkleinen Booster-Ausweis gelobt worden bin (weil er schneller lesbar ist, als die smartphone-app) und danach im spanischen Lokal nebenan, dem Yosoy. Auch da haben sie diesmal ordentlich kontrolliert, nicht so huschhusch.
Im Kino war ich mit Ina und Lydia. Im Kino 2 in der hintersten, 13. Reihe mittig links. Da war außer uns nur noch ein Mann, drei Plätze entfernt, rechts. Die ganze Reihe vor uns war gesperrt, wg. „social distancing“, in der 11. Reihe waren drei Frauen, dann kam schon ein Gang und die ersten Reihen hatten auch jede Menge Lücken und Sperrplätze. Im Restaurant waren wir im hinteren Bereich, wo außer uns nur ein Liebespärchen war. Vorne war auch relativ leer. Hatte allerdings den Nachteil, dass die offenbar arbeitsmüde Kellnerin mit dem Herrn am Tresen beschlossen hat, schon vor Mitternacht das Putzlicht anzuknipsen, damit wir schneller austrinken. Frechheit! War dennoch ein schöner Abend, trotzdem. Ist aber bei der Gesellschaft auch garantiert. Über den Film („Spencer“) lasse ich mich voraussichtlich noch extra aus, ich finde ihn sehenswert, wenn ich auch der Lobhudelei die Hauptdarstellerin betreffend, nicht zustimme. Wir haben ihn im Original mit deutschen Untertiteln geguckt. Demnächst mehr!

Photo: Lydia
20. Januar 2022
Heute Kino!
19. Januar 2022
„Verliebt in scharfe Kurven“ guck ich gerade in der arte-Mediathek. Von Dino Risi, 1962. Charmant, charmant! Viel Sommer und Sonne, viel Rom, tolle Bilder, ein toller Flitzer, lustiger Palaver, altmodische Anbaggereien, flotte Bienen! Keine Ahnung wie Trintignant in den italienischen Film kommt. Auch die Synchronstimmen sehr anheimelnd. Ist mir fast schon egal, was geredet wird. Und die lustige Autohupe, süß!
18. Januar 2022
Letzte Adlon-Notizen. Nun bin ich fertig. Das Adlon hat mich schon immer mehr als jedes andere Berliner Hotel fasziniert. Erstmalig werde ich kurz nach Mauerfall davon gehört haben, als der Pariser Platz wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte. Egal, was ich las oder hörte, ich fühlte immer eine beinah familiäre Vertrautheit mit dem im Zeichen des Skorpion geborenen Hotel Adlon.
Als ich Ende der Neunziger Jahre, ca. 1998 oder 1999, nicht sehr lange nach der Eröffnung 1997 des am selben Platz wiederaufgebauten neuen Adlon, die Gelegenheit für eine besondere Führung durch alle Etagen und besonderen Räumlichkeiten hatte, war ich sehr aufgeregt. Ich war Teil einer Gruppe, die den damaligen, schon recht betagten Ausbildungsleiter aus anderen Zusammenhängen kannte. Er hatte vorher jahrzehntelang diese Aufgabe im „Kempi“, wie wir das Hotel Kempinski ausnahmslos liebevoll nennen, und das Adlon gehörte nun auch zur Kempinski-Gruppe.
Er führte uns auch in die Backstage-Bereiche und erklärte, dass Mehrsprachigkeit eine Mindestanforderung für angehende Auszubildende ist. Wir bekamen aber auch erklärt, welche Elemente aus der alten Ruine gerettet werden konnten und wieder eingebaut wurden oder als Repliken wiederhergestellt wurden. Und dass das ornamentale Relief der Fahrstuhltüren eine Nachbildung der Original-Fahrstühle ist. Wir sahen auch die staatstragende Suite, in der Gorbatschow und andere Herrscher nächtigten, mit Blick zum Brandenburger Tor. Ich erinnere mich an eine Art Chaiselongue mit Zebra-Bezug, die mich anlockte und ich durfte probeliegen. Am Ende der Führung servierte uns sehr charmant der damalige Hoteldirektor van Daalen höchstpersönlich ein Tablett mit Champagner und fragte, ob es uns gefallen hatte.
Noch einige Male war ich zur Teestunde mit feinem Gebäck in der Hotel-Lounge und erfreute mich am Anblick der Kissen-aufschüttelnden Pagen, die sich dabei bewegten, als ob sie ein Tambourin spielen. Auch in diesen schwierigen Zeiten für die Hotellerie gehört das Adlon unvermindert zu den Hotels mit den meisten Auszubildenden, und ist somit auch da ein Vorbild.
Zwar sah ich schon so manche Dokumentation und den Fernsehmehrteiler von Uli Edel über das Adlon, aber dieses familiäre Erinnerungsbuch von Felix Adlon lädt das alles noch mit mehr Gefühl und wichtigen Informationen auf. Zum Beispiel, dass das Adlon ein Treffpunkt für Widerstandskämpfer war, die dort unbehelligt sein konnten, da Louis Adlon und seine Frau Hella durch kalkulierte, aber völlig passive Parteimitgliedschaft lange als unverdächtig eingestuft wurden. Besonders dieser Aspekt beschäftigte Felix Adlon sehr und dementsprechend groß war seine Erleichterung, als er diese Zusammenhänge erhellen konnte.

18. Januar 2022


EXTRA BRUT IX. geschichtet geleimte Verpackungskartons, Kleber, Spachtel, Grundierung, Acryl, Flambierbrenner, Blattgold, 16 x 52 x 6 cm, 14., 15., 16. Jan. 2022, Staatl. Museen v. Gaganien

Jetzt wird es ein bißchen religiös. Wenn mir jemand so eine Vorlage gibt, wie letzten Freitag („Jetzt fehlt noch eine Flasche“), will ich dem mehr als gerecht werden. Wenn schon, denn schon: Dom Pérignon. Im Paradies wird es dereinst einen Hahn für kaltes und warmes Wasser geben und einen zweiten für eiskalten Dom Pérignon. Es gibt ein paar Verrückte wie mich, die der Ansicht sind, es handle sich hierbei um eine völlig eigenständige Kategorie von Getränk. Der Eindruck entstand vor einigen Jahren, als ich ein Glas davon serviert bekam und nicht wusste, was darin war. Ich war völlig begeistert von dem mir unbekannten, irrtümlich für gewöhnlichen Champagner gehaltenden Göttertrank, und hielt dann erst Ausschau nach der Quelle. Das Zauberelixier kam aus einer Methusalem-Flasche Dom Pérignon. Da war mir klar, dass es das Beste war, was ich je getrunken hatte und ich konnte nicht anders, als mich jenem tiefreligiösen Geheimbund anzuschließen, der schon beim Gedanken daran, ein Glitzern in den Augen bekommt. Was nicht bedeutet, dass ich ihn mir mit irgendeiner Regelmäßigkeit leisten würde. So eine Methusalem ist ja auch ein bißchen viel für eine Party alleine. Jedenfalls habe ich dieses Werk in Gedanken an meinen Bruder im Geiste gemacht, der meine Hingabe zu diesem Getränk zweihundertprozentig versteht. Nicht zufällig ist es jemand, der mit vielfältiger professioneller Ausbildung in der Gastronomie zu tun hat. Er war gleich angetan von meiner Umsetzung seiner albernen Bemerkung und jetzt hängt es neben „Extra Brut VIII.“, dem gaganisierten Verpackungs-Dings mit den Gläsern. Nun gibt es immer eine Flasche auf Vorrat. Vom Feinsten.



17. Januar 2022
Ich habe noch keine Lust auf den Eintrag, wo ich schreiben wollte, welche Werbespots im TV ich am meisten hasse. Vorhin war ein Werbeblock auf VOX und kein einziger von denen, die ich so wenig mag, dass es mich richtig ärgert, war drin. Ich kann so nicht arbeiten! In den Mediatheken kommt auch oft Werbung, die mich speziell reizt. Also nicht zum Kauf, sondern das Produkt grundsätzlich deswegen zu boykottieren.
Ich kann aber schon mal sagen, was für mich ein absoluter Trigger für tiefe Abscheu ist: arrogant-zickige, kalte, affektierte, pseudo-verführerisch bitchy näselnde Sprecherinnen-Stimmen, die ich nie und nimmer buchen würde. Da wird mir richtig körperlich schlecht. Das ist so eine neue Mode, speziell bei Produkten, die sich an eine jüngere Zielgruppe wenden. Wenn die nächste Reklame dieser Art kommt, berichte ich und verlinke das Machwerk des Schreckens.
Insbesondere ärgert es mich auch noch zusätzlich deswegen, weil es ja durchaus angenehme Sprecherinnen gibt! Alleine in meinem Freundeskreis gibt es fünf Frauen mit ausgesprochen schönen, angenehmen, anheimelnden Stimmen, drei davon sind sogar Professionelle! Also Sprecherinnen.
16. Januar 2022
Meinen ersten veritablen Blogeintrag habe ich am 16. Februar 2004 verfasst und seither nie eine Pause gemacht. Also keine längere Pause, als mal eine oder anderthalb Wochen, man musste sich nicht sorgen. Aber bestimmt habe ich eher jeden zweiten als jeden Tag etwas veröffentlicht. Heute habe ich wieder ein Lob von WordPress erhalten, weil ich dreißig Tage lang keinen einzigen Tag ausgelassen habe. Das ist mir Anlass, einmal zu zeigen, wie das Lob ausschaut!

Ich poste einen Eintrag auf meinem gaganielsen.com-Blog (nachdem ich ihn initial bei gaga.twoday.net geschrieben und veröffentlicht habe) und dann leuchtet rechts oben ein Glöckchen auf und ich weiß, dass ich nun wieder Lob gekriegt habe, dergestalt. Ich bin mitunter einfach glücklich zu machen.
Ich habe meine Ansprüche in Sachen Zuspruch im Laufe des Lebens so weit nach unten geschraubt, dass ich mich darüber freuen kann, obwohl ich natürlich weiß, dass das eine Maschine ist, die mich da lobt. Mir gefällt das Ping Pong. Ich mache was und kriege gleich eine Reaktion.
Nicht gefällt mir hingegen, wenn ich etwas Schönes mache oder poste oder mitteile und kein Schwein reagiert darauf. Ich hasse das, wenn ich ehrlich bin! Daher habe ich nun trainiert, mich an computergesteuertem Zuspruch zu erfreuen. Ich denke, dafür habe ich die Goldmedaille in Resilienz verdient.
16. Januar 2021



EXTRA BRUT VIII. Schaumstoffverpackungshälften, Kleber, Spachtel, Grundierung, Acryl, Flambierbrenner, Blattgold, 16 x 51 x 5,5 cm, 9., 11., 12. Januar 2022, Staatliche Museen von Gaganien

Zum Glück gibt es in den Schichten des Unterbewußtseins auch Harmloses und Lebensbejahendes. Sonst gäbe es keine profanen Szenen in den nächtlichen Traumfilmen. Bei dem vorliegenden Exponat war ich allerdings nicht ganz eigenverantwortlich, was die Silhouette der Vertiefungen angeht. Ich hatte mir zwei Weingläser bestellt, die ein besonderes, zylindrisches Format haben. Die Lieferung kam in einer vorbildlich bruchsicheren Verpackung, nämlich einer Art Sarkophag aus sehr stabilem, schwarzen Schaumstoff. Ein anderes Material als Schaumstoff für Stuhlpolster, sehr festes Zeug, wie Styropor, aber doch flexibel.
Da ich seit einer Weile den Wunsch hegte, „mal was mit Gastronomie“ zu machen, also ein Bild o. ä., schien mir hier das Schicksal die Lösung auf dem Tablett zu servieren. Ich musste allerdings von der einen Schaumstoffhälfte den Unterboden ablösen und seitenverkehrt wieder ankleben, damit der Rhythmus stimmte. Hier kommt dann wieder das unterbewusste Instrumentarium zum Einsatz. Ich lege es mal so und mal anders hin und stelle fest: da stimmt was nicht. Das wird identifiziert und sodann behoben.
Inzwischen hängt das Bild an einem Ort mit einem gewissen gastronomischen Bezug. Weil aber der Bereich links davon jetzt wie eine Leerstelle wirkt, arbeite ich seit zwei Tagen an einem korrespondierenden Zwilling mit einer Vertiefung, die eine Flasche Dom Perignon zitieren soll. Dafür musste ich einen Rohling aus mehreren Schichten Verpackungskarton aufbauen. Die Schichten zu einem Block leimen und die Silhouette ausschneiden. Daran werde ich heute weiterwerkeln.
Die Idee mit der korrespondierenden Flasche stammt nicht von mir, aber ich fand sie amüsant. Der Rohling ist über Nacht getrocknet, jetzt kommt Spachtel drüber, dann Grundierung, dann Acryl, Bearbeitung der Oberfläche mit dem Flambierbrenner, dann Blattgold und als Finish ein paar Akzente mit Acryl.
Aber erstmal Kaffeetrinken und fertig machen. Der Himmel sieht verheißungsvoll aus, schön hell, da hinten, die Sonne im Süden.






15. Januar 2022
13G:
G-boostert -G-pinkelt – G-zähneputzt – G-duscht – G-föhnt – G-frühstückt – G-bloggt – G-schminkt – G-kämmt – G-kleidet – G-spült – G-räumt – G-packt.
15. Januar 2022

GHOSTDANCE. Geistertanz. Ausrangiertes Messe-Check-in-Counter-Infoschild „G – K“, Edding, Jalousien-Verpackung, 50 x 100 x 6 cm, 17. Juni, 22. Juli 2018, Staatliche Museen v. Gaganien


Das ist das wahrscheinlich unheimlichste Bild, das ich je gemalt habe. Es ist für mich der ultimative Beweis, dass mein Unterbewußtes agiert, wenn ich mit Farben und Materie werkle. Bei wachem Verstand, hätte ich mich geweigert, etwas Derartiges zu malen. Ich war irritiert, ja leicht verstört, als ich es am Ende betrachtete. Es basiert auf einem ausrangierten Hinweisschild für Besucher-Check-in bei großen Veranstaltungen. Ich hatte die anderen, A-F, L-N, O-R und S-Z schon verarbeitet, G-K war noch übrig. Wenn man sich das Bild querdenkt, kann man die beiden Buchstaben und den verbindenden Strich erahnen. Zwei Tage nachdem ich das Bild gemalt hatte, widerfuhr mir ein unheimliches Erlebnis, das mir das Bild wie eine Vorahnung erscheinen ließ. Plötzlich ergab es Sinn. Deswegen liegt es mir sogar am Herzen.




14. Januar 2022
Auch ganz, ganz schlimm, die Frage:
„Wo siehst du dich in zehn Jahren?“
Komme drauf, weil gerade bei einem Pärchen in der „First Dates“-Sendung gehört. Derartigen Unsinn fragen meist Menschen in der Altersgruppe Fünfundzwanzig bis Fünfundvierzig. Pikant wäre natürlich, wenn das mal eine Fünfundsiebzigjährige einen Fünfundachtzigjährigen fragen würde (oder umgedreht). Würde das Antwortspektrum innovativ modifizieren. („im betreuten Wohnen“, „im Friedwald“). Aber man muss nachsichtig mit den jungen Leuten sein.
14. Januar 2022
Ich kann jetzt schon mal ankündigen, dass ich schwanger bin.
Also ich meine, damit schwanger gehe, einen Eintrag zu verfassen, in dem ich die mir am meisten verhassten Fernsehreklame-Spots aufführe. Ich werde mich nicht scheuen, Ross und Reiter zu nennen! Die Werbebranche kann sich auf etwas gefasst machen, ja ich möchte sagen: warm anziehen! Das wird kein Osterspaziergang und kein Streichelzoo. Bleiben Sie dran!
13. Januar 2022
Meine (einseitige) Tinder-Korrespondenz der letzten Monate.

Ich gebe zu, es handelt sich um einen Verlegenheits-Eintrag, um die Chose am Laufen zu halten. Wer sich für Algorithmen der Dating-Plattform Tinder interessiert, kann hier ablesen, in welchem ungefähren Rhythmus welche Mitteilungen zugestellt werden. Weiterhin habe ich keine Lust, Tinder zu besuchen und erhalte weiterhin mahnende Erinnerungsmails. Inzwischen weiß ich, dass das Profil auch nicht ausgeblendet wird, wenn damit gedroht wurde, sonst wäre es ja recht unlogisch, dass ich ein paar Tage nach der Ausblendungs-Androhung eine begeisterte Mitteilung folgenden Wortlauts erhalte:
„Deine Likes gehen voll ab! 😲 Du hast echt so viele Likes wie noch nie bekommen. Neugierig? Dann geh jetzt auf Tinder und schau sie dir an. Hey, immer noch da?! Los jetzt – ab auf Tinder und losgematcht!“
Ich wollte das einfach mal für diejenigen teilen, die auch immer von Tinder hören und es nicht kennen. Nun habe ich wieder einen Eintrag für heute fertig und bekomme gleich wieder ein Lob von WordPress, was mir mehr bedeutet als Lob von Tinder. Kann ich schlecht erklären.
12. Januar 2022

Das sind soweit meine (unerledigten) Hausaufgaben vom Adlon-Buch-Lesen. Schon mal aufgeschrieben, dann kann ich die Eselsohren schon wieder zurückklappen. Bin gut halb durch mit dem Buch. Liest sich besser als das vorherige Sacher-Hotel-Buch. Liegt auch daran, dass Felix Adlon aus erster Hand schreibt, als Ur-Urenkel des Hotelgründers Lorenz Adlon. Viele schöne alte Fotos aus dem Privatarchiv sind im Buch. Ich freue mich immer, wenn ich begleitend zu meiner Lektüre zusätzliche Bilder im Internet finde, dann ist das Lesen noch mehr wie ein Film.
Ich bemühe mich, jeden Tag einen kleinen Eintrag zu posten. Wenn ich keine Lücke habe, kriege ich jeden Tag ein Lob von WordPress, was ich nicht kriege, wenn ich nur jeden zweiten Tag schreibe. Ich bin sehr empfänglich für Lob!
Adlon-Notizen:
S. 30 – Schloss Peleș, Karpaten
(Sommerresidenz König Carol I.)
Bembé: Kaiser-App., Speisesaal
Holzvertäfelungen
S. 51 – „Johannisloge zur Eintracht“
Berl. Freimaurer
S. 55 – „Vossische Zeitung“
S. 68 – Berl. Gewerbeausstellung 1896
S. 112 – Olivaer Pl. 10 (Wohnung)
S. 113 – „Das feine Dienstmädchen, wie
es sein soll“, Isa von der Lütt 1892
S. 117 – Porzellan-Bettwärmer (v. Adlon)
-> Sammlung Bernhard Paul (Roncalli)
S. 118 – „Terrapin“ = Schildkröte! (-Suppe)
S. 121 – Rudolf Laubentahl, Opernsänger
S. 134 – Claire Dux, Schausp. (?)
S. 164 – Joa v. Preußen
11. Januar 2022
„There is no such thing as a moral or an immoral book.
Books are well written, or badly written. That is all.“
Oscar Wilde, Preface “The Picture of Dorian Gray”
10. Januar 2022
09. Januar 2022


MAHLER VI. Tinte, Antikgoldacryl, leinenbezogene Unterschriftenmappe, Klebstoff, Verpackungsschachtel, 29 x 39 x 4 cm, 1., 4., 6. und 7. Juli 2018, Staatliche Museen von Gaganien.


Dieses Werk aus dem Juli 2018 ist eines der seltenen, das einen direkten Bezug zu einem Erlebnis hat. Die Sechste von Mahler wurde im Juni 2018 bei seinem Abschiedskonzert von den Berliner Philharmonikern von Sir Simon Rattle dirigiert. Ich konnte keine Karten für das Konzert in der Philharmonie bekommen, obwohl ich wirklich alles versucht hatte. Mir vorher einen Account angelegt und den Vorgang online durchexerziert. Ich wusste, dass die Platzwahl-Anzeige nur über den Internet Explorer funktioniert, nicht über Firefox. Vor dem Start der Freischaltung der Tickets war ich online und versuchte fast schon atemlos Karten zu ergattern. Vergeblich. Sicher gab es bereits ein Kontingent für Abonnenten, das früher freigeschaltet wurde. Ich war wirklich traurig deswegen. Was es noch gab. waren Tickets für eine Live-Übertragung in ausgewählten Kinos in Berlin. Dafür bekam ich Karten, im Kino in der Kulturbrauerei. Immerhin. Ich hatte mich schon lange vorher mit verschiedenen Aufnahmen der sechsten Symphonie beschäftigt, mich eingehört. Ich kannte die subtile Tragik der Entstehungsgeschichte und warum diese Symphonie „Die Tragische“ genannt wird. Das kann jeder nachlesen, wer sich dafür interessiert. Dieses Konzert der Berliner Philharmoniker war brillant. Ich musste weinen. Sehr. Es hat mich aus verschiedenen Gründen noch lange beschäftigt. Ich musste es verarbeiten. Nicht nur mental und emotional. Es irgendwie greifbar für mich machen.







08. Januar 2022
Laterne Laterne, Sonne Mond und Sterne… Foto von 16.02 Uhr, die Stimmung in meinem Wohnzimmer. Das sehe ich, wenn ich leicht nach rechts schaue. Ich habe meinen Booster doch digitalisieren lassen und mir von dem Ausdruck mit dem QR-Code eine kleine Scheckkarte gebastelt, für mein Portemonnaie. Dafür hab ich den QR-Code ein bißchen kleiner kopiert und bin am selben Tag zu Butlers am Hackeschen Markt, weil ich da schon bestimmt ein Jahr nicht mehr war und meine Booster-Checkkarte austesten wollte. Hat einwandfrei geklappt, die scannen da den Code. Dann bin ich durch den Laden spaziert und habe mich an den frühlingshaften Angeboten erfreut. Ich brauche ja nix, aber dann wollte ich doch würdigen, dass die Sachen so schön dekoriert sind und mir doch einiges gut gefällt. Bei der Laterne bin ich dann hängengeblieben. Sie macht schönes warmes Licht, was mich besonders nach Sonnenuntergang sehr anspricht. Ich habe immer überall kuschelige Beleuchtung. Auch jetzt, wenn ich tippe. Der Monitor leuchtet ja auch, das reicht mir, mit den noch fünf anderen Lampen.

08. Januar 2022
Nun Tee.

08. Januar 2022
Vorhin, 10.48 – 10.52 Uhr. Ich habe wohl nicht genug gebetet. Die Sonne hat sich schon wieder versteckt. Keine Lust auf meine Werkstatt. Zu tun hab ich auch hier. Aus meinen Otto-Friedrich-Büchern über Berlin und Hollywood habe ich jetzt genug Highlights gepostet. Die Lektüre ist schon ein paar Wochen her, ich habe damit Eselsohren abgearbeitet. D. h., die unten umgeknickten Ecken auf Seiten, wo Sachen stehen, die ich besonders lesenswert gefunden habe oder etwas recherchieren will. Wenn ich es erledigt habe, klappe ich die kleinen Eselsohren wieder zurück. Man sieht meinen Büchern an, dass sie gelesen wurden. Aber ich schreibe nichts hinein. Die letzten Tage begleitet mich ein Buch von Felix Adlon über die Geschichte des Hotels und wie es überhaupt dazu kam und so weiter und so fort. Ist auch immer Berlin-Geschichte, die mich unverändert interessiert. Oh, die Sonne hat wohl gelesen, dass ich sie vermisse. Jetzt guckt sie wieder hinter der Wolke vor.






07. Januar 2022
„Was Musik anbelangt, war Berlin immer noch eine Bastion des Traditionalismus“ meint Yehudi Menuhin. „Beethoven und Brahms waren die Götter und Furtwängler und Walter ihre Propheten; und Frau Louise Wolff, die Inhaberin der größten Konzertagentur Berlins, ihre Hohepriesterin. Ich erinnere mich noch gut an das Galadiner, das Frau Wolff am Tage meines Debüts, am 12. April 1929, nach der Generalprobe gab. Die Generalprobe war entscheidender als das Konzert selbst, weil dazu alle wichtigen Musiker erschienen. Am Diner nahmen mindestens vierzig Personen teil. Sie alle verbeugten sich voreinander und schüttelten sich die Hände: „Mahlzeit“.
Mehr als vierzig Jahre nach diesem Ereignis spielt Menuhin im Durcheinander seines New Yorker Hotelzimmers die Szene nach. Er schüttelt die Hände imaginärer Prominenz und wiederholt die Aufforderung, zu speisen. „Dann aßen sie, bis sie nicht mehr konnten. Schließlich erhoben sie sich und verbeugten sich wieder, so tief sie konnten – allerdings nicht mehr ganz so tief wie vor dem Essen: „Mahlzeit, Mahlzeit“. Diese Art, zu leben – repräsentiert durch Damastdecken auf jedem Tisch und Spitzendeckchen auf dem Damast -, wollte man unbedingt aufrechterhalten, so lange wie man es irgend konnte.“
„Ich spreche speziell vom kulinarischen Musikgenuß, weil er im damaligen Berlin sehr wichtig war“, fährt Menuhin fort. „Dieses Musikleben ersetzte etwas, was in der Hauptstadt einer Weltmacht durch Kolonien oder sonst einen außenpolitischen Prunk repräsentiert werden mag. Alle Lust an Macht- und Prachtfreudigkeit, die in anderen Völkern durch die Staatsmacht befriedigt wird, wurde in Berlin auf die Opernbühnen und Konzertpodien transponiert.“
Otto Friedrich, Weltstadt Berlin – Größe und Untergang 1918 – 1933, Verlag Kurt Desch 1973, S. 173/174
07. Januar 2022
„Sie müssen das ändern, Schönberg. Haben Ihre Schüler Dostojewskij gelesen, so ist das wichtiger als der Kontrapunkt.“
Gustav Mahler
„Wenn Sie Gelegenheit haben, zu beobachten, wie Mahler seine Krawatte bindet, erfahren Sie mehr über den Kontrapunkt, als Sie in drei Jahren Konservatorium lernen können.“
Arnold Schönberg
„Berlin empfing alles, was jung, neu, kühn und anders war, mit offenen Armen“ (R. Serkin). Die Philharmoniker hatten es sich weitgehend zum Prinzip gemacht, zeitgenössische Komponisten ihre eigenen Werke dirigieren zu lassen, und so hatten die Berliner Gelegenheit, die Originalinterpretationen der gerade letzten Schöpfungen von Strawinsky, Ravel, Bartok oder Prokofieff zu hören. Einer der interessantesten dieser Gaststars war Arnold Schönberg. Im September 1925 kam Schönberg nach Berlin – der radikalste Extremist der modernen Musik. Er bezog eine Wohnung in der Nürnberger Straße, wo er ein Musikzimmer zunächst mit einem Klavier, einem Harmonium und einer Gitarre ausstattete. Ein weiterer Raum war ausschließlich für Tischtennis reserviert, das der Meister leidenschaftlich gern spielte. Schönberg unterrichtete nur ungern in den Räumen der Hochschule am Steinplatz, also kamen seine Studenten in seine Wohnung, um seinen Analysen zuzuhören – keineswegs über neue Musik, sondern über Bach und Mozart.
Zu dieser Zeit war Schönberg 51 Jahre, hager, kahlköpfig, asthmatisch, streng und überaus reizbar – viele Jahre lange giftige Feindseligkeiten hatten ihn, der seit 1908 in freier Atonalität komponierte, verbittert. Diejenigen, die Schönberg genauer kannten, ließen sich von seiner scheinbaren Kälte und seiner Aggressivitätt nicht beirren. „Schönberg war ein phantastischer Mensch“, berichtet Rudolf Serkin weiter. „Ich liebte ihn. Aber ich konnte seine Musik nicht lieben. Ich sagte es ihm, und er hat es mir nie verziehen. Er meinte nur: „Es ist Ihre Sache, zu entscheiden, auf welcher Seite der Barrikaden Sie stehen wollen.“
„Ich studierte eine Zeitlang Kompositionslehre bei ihm“, fährt Serkin fort „Es ging ganz unförmlich zu, wir waren höchstens sechs oder sieben Schüler in der Klasse. Aber auch akademisch! Er lehrte uns den Kontrapunkt. Wir mußten Variationen über irgendein Thema schreiben. Einmal komponierte ich ein Rondo für Klavier. Er sah es an und sagte: „Serkin, ich werde alle die Teile, die Ihnen am besten gefallen, streichen.“ Serkin ahmte einen Mann nach, der eine riesige Schere handhabt. „Das tat er auch. Er strich alles Überflüssige, alles Dekorative weg. Er wollte nur das Essentielle. Für ihn war Komposition ein Handwerk, und jedes Einzelteil sollte möglichst gut gezimmert sein. Er pflegte Mendelssohns Trio in d-Moll als Beispiel eines schlecht geschriebenen Stücks anzuführen. „Aber es ist so schön“, prostestierte ich. War er dagegen, weil es sentimental ist? Nein, wegen der Konstruktion. Er hielt das zweite Thema für falsch und einen Teil des Aufbaus für unproportioniert. Schönberg hatte eigentlich nichts gegen Gefühle. Er bemühte sich in all seinen Werken sogar um Emotion. Und ich glaube, er änderte schließlich auch seine Ansicht über Mendelssohn – „gar nicht so schlecht“.
Otto Friedrich, Weltstadt Berlin – Größe und Untergang 1918 – 1933, Verlag Kurt Desch 1973, S. 168, 175 – 176
07. Januar 2022
Gott, ist das dunkel.
06. Januar 2022
„Ja, ich habe Nabokov damals gekannt“, erzählt mir Michael Josselson. „Ich habe ihn auf dem Tennisplatz getroffen. Ich sehe ihn noch vor mir auf einem Tennisplatz in der Lietzenburger Straße, unweit vom Kurfürstendamm, wo wir damals wohnten. Er war ein ausgezeichneter Tennisspieler, und er war bereits bekannt als, nun, er war außerdem ein hervorragender Schriftsteller. Wir alle lasen die Kurzgeschichten und die Artikel, die er unter dem Namen Sirin schrieb. Die russische Kolonie Berlins war in den zwanziger Jahren recht groß – vielleicht fünfzigtausend, vielleicht auch mehr“, sagt Josselson.
Wir sitzen Kaffee trinkend in seiner neuen, gegenüber einem Park gelegenen Wohnung in Genf. „Und es waren nicht nur Intellektuelle. Es war eine Welt für sich. Ärzte, Anwälte, Geschäftsleute. Aber Nabokov, Wie war Nabokov damals? Er sah sehr gut aus. Und war sehr nett. Wie er es auch heute noch sein kann, wenn er jemanden mag. Wollen Sie ihn aufsuchen? Er wohnt in Montreux, am anderen Ende des Sees. Es ist allerdings ziemlich kompliziert. Sie müssen zunächst beim Palace Hotel in Montreux anrufen, und dort wird man Ihnen sagen: „Bleiben Sie am Apparat“, denn erst muß bei Vera, Nabokovs Frau nachgefragt werden. Immer sind diese beiden vermittelnden Stationen zwischengeschaltet. Manchmal zieht er sich auch nach Bex zrück, einem Kurort, etwa eine halbe Stunde von Montreux entfernt. Aber das werden Sie im Hotel erfahren.“
Montreux ist ein wunderschöner Ort. Beete mit roten und gelben Tulpen ziehen sich am Ufer des Sees hin, und jenseits ragen die Berge der Alpen steil auf, deren Schneegipfel sich in der untergehenden Sonne rötlich und orange verfärben. Das Palace Hotel ist der höchste Patriarch unter den dortigen Hotels. Die mit weichsten Teppichen ausgelegten Korridore ziehen sich endlos hin, von den Balkons hat man nicht nur einen bezaubernden Blick auf den See, sondern auch auf den Hotelgarten, das Schwimmbad und die hauseigenen Tennis- und Golfplätze. Die Badehandtücher auf den Zimmern sind fast drei Quadratmeter groß. Der schwarz uniformierte Empfangschef aber beteuert, Vladimir Nabokov sei weder in Montreux noch in Bex, sondern in Sizilien, wo jetzt die beste Zeit zur Schmetterlingsjagd ist.
Wenn also nicht dort, in seinen Büchern ist das Phantom Nabokov immer zu finden, denn über die vierzehn Jahre seines Lebens in Berlin, um die es hier geht, hat er viel geschrieben — und mehr noch vielleicht nicht geschrieben. „Blicke ich auf diese Jahre des Exils zurück“, hat er einmal gesagt, „dann sehe ich mich und Tausende anderer Russen, wie wir damals ein seltsames, aber keineswegs unangenehmes Leben führten, ärmlich in materieller Hinsicht, geistig aber im Luxus, und das unter völlig unbedeutenden Fremden, geisterhaften Deutschen oder Franzosen, in deren mehr oder weniger ebenso geisterhaften Städten wir, die Emigranten, per Zufall wohnten. Diese Einheimischen waren vor dem geistigen Auge flach und durchscheinend wie aus Cellophan geschnittene Figuren (…)“

Otto Friedrich, Weltstadt Berlin – Größe und Untergang 1918 – 1933, Verlag Kurt Desch 1973, S. 92 – 94
05. Januar 2022



COVER. Maßanfertigung Abdeckung für Wand-Thermostat auf Augenhöhe. Papierbezogenes Schachtelsegment, Kleber, Tesa, Filzstift 8 x 13,5 x 3 cm, 5. Jan. 2022, Staatl. Museen v. Gaganien


05. Januar 2022
„(…) 9. November 2018… Etwa um vier Uhr nachmittags, als es zu schneien begann, erreichte Karl Liebknecht, begleitet von einer Gruppe rebellierender Matrosen, das Schloss. „Jubel erscholl“, erzählt Ben Hecht, der gerade als vierundzwanzigjähriger Reporter der Chicagoer ‚Daily News‘ nach Berlin gekommen war. „Ich sah, wie ein kleiner Mann, fahl und übernächtigt, aus einem Taxi stieg und durch den Schnee zum Eingang des Schlosses tappte. Liebknecht eilte, von etwa hundert Matrosen gefolgt, die Marmortreppe hinauf. „Es waren keine Befehle ausgegeben worden“, berichtet Hecht. „Es sah aus wie eine Revolution, bei der jeder tun konnte, was er wollte. Ich stellte keinerlei Fragen und folgte Liebknecht. Die weiten Schlossräume waren verlassen, anwesend war nur ein verwirrter alter Mann mit einer Lederschürze.“ Vom Hauptbalkon des Schlosses begann Liebknecht vor den Tausenden seiner Anhänger eine Rede zu halten. „Der Tag der Freiheit ist gekommen“, rief er. „An dieser Stelle wird nie wieder ein Hohenzoller stehen. Ich proklamiere die freie sozialistische Republik.“ Mit Ben Hechts Deutschkenntnissen war es noch nicht weit her, und so entgingen ihm Teile der Rede.

Aber als gewissenhafter Reporter folgte er dem Redner in das verlassene Schlafzimmer des Kaisers. „Liebknecht fing an, sich auszuziehen. Seine schwarzen Augen funkelten fast poetisch verklärt. Nach kurzer Zeit stand Liebknecht barfüßig in seinem langen Winter-Unterzeug da. Einige Knöpfe fehlten, und die ausgebeulte Sitzfläche war vom vielen Waschen abgenutzt. Er nahm eine Aktentasche und vier dicke Bücher auf. Mit ihnen unter dem Arm, näherte er sich dem Bett des Kaisers. Die Matrosen standen erstarrt und beobachteten ihn. Liebknecht placierte seine ausgebauchte Aktentasche und die vier Nachschlagewerke auf dem kleinen Nachttisch und kroch unter die kühlen königlichen Decken. In dem Raum war es still geworden. Ich hörte die königlichen Sprungfedern quietschen, als Liebknecht die Beine ausstreckte. Und dann, als er nach einem der Bücher griff, gab es plötzlich ein krachendes Geräusch. Der zierliche Nachttisch mit seinen spindeldürren Beinen war unter dem ungewohnten Gewicht revoulutionärer Literatur zusammengebrochen. Die Lampe schlug auf den Boden, und die Glühbirne zerplatzte. Und die Revolutionsgarde floh von ärgeren Gespenstern verfolgt, als ich sie mir in meiner Phantasie hätte vorstellen können.“

Otto Friedrich, Weltstadt Berlin – Größe und Untergang 1918 – 1933, Verlag Kurt Desch 1973, S. 25 – 26
04. Januar 2022
„(…) So schön wird es nie wieder sein. …1929. Man sprach von Berlin wie von einer sehr begehrenswerten Frau. Wir nannten sie arrogant, versnobt, parvenühaft, kulturlos, ordinär. Insgeheim aber sah sie jeder als das Ziel seiner Wünsche: der eine füllig, mit hohem Busen in Spitzenwäsche, der andere schlank mit Pagenbeinen in schwarzer Seide, Unmäßige sahen beides, und der Ruf ihrer Grausamkeit reizte erst recht zum Angriff. Wer Berlin hatte, dem gehörte die Welt.“ Carl Zuckmayer
Otto Friedrich, Weltstadt Berlin – Größe und Untergang 1918 – 1933, Verlag Kurt Desch 1973, S. 246
04. Januar 2022
03. Januar 2022
Diese Geschichte ist meine liebste in dem Hollywood-Geschichtsbuch von Otto Friedrich:
„Der Schriftsteller und Drehbuchautor Ben Hecht spielte Geige mit dem Wohlbehagen des Amateurs, und so beschloss er, die sogenannte Ben-Hecht-Symphonietta zu gründen, die sich jeden Donnerstagabend in Hechts Villa zum Konzertieren treffen sollte. Er warb ein eigenartiges Bündel von Talenten an. Charles MacArthur (ein Dramatiker und in den Dreißiger Jahren einer der höchstbezahlten Drehbuchautoren) spielte Klarinette, Harpo Marx die Harfe, aber nur in A-Dur. George Antheil, ein Komponist, sollte vom Klavier aus so etwas wie Ordnung halten.
Groucho Marx wollte gern mitmachen, aber die anderen entschieden, dass das nicht ginge, weil er nur Mandoline spielen konnte, und die hielten sie für unter der Würde der Ben-Hecht-Symphonietta. Das Ganze war zum Teil ein Witz, aber irgendwo nehmen alle Kammermusiker ihre Obsession ernst.
Bei ihrer ersten Probe in einem der oberen Räume des Hechtschen Hauses hatten die Musiker gerade zu spielen begonnen, als lautes Klopfen an der Tür ertönte. Plötzlich flog die Tür auf, und auf der Schwelle erschien Groucho Marx. »RUHE BITTE!« rief er, dann verschwand er wieder und knallte die Tür hinter sich zu.
Die versammelten Musiker blickten einander ziemlich ratlos an. »Groucho ist eifersüchtig«, erklärte Harpo Marx. Hecht meinte von unten merkwürdige Geräusche gehört zu haben, aber die Musiker beschlossen einmütig, die Unterbrechung zu ignorieren und Groucho sich selbst zu überlassen. Sie fingen wieder an zu spielen. Und wieder klopfte es an der Tür. Wieder erschien Groucho Marx. »RUHE, IHR LAUSIGEN AMATEURE!« schrie er.
Als die Musiker ihn immer noch ignorierten, drehte Groucho sich um und stampfte die Treppe hinunter. Erneut wandten sich die Musiker ihren Instrumenten zu. Da kam von unten ein donnernder Orchestertusch. Es war die Ouvertüre zu Tannhäuser.
»Wie vom Donner gerührt«, erzählte Antheil, »krabbelten wir alle die Treppe hinunter, um zu sehen, was los war. Und da stand Groucho und dirigierte mit großen, fledermausartigen Bewegungen das Symphonieorchester von Los Angeles. Mindestens hundert Mann hatten sich in das Wohnzimmer gequetscht. Groucho hatte sie angeheuert, weil es ihn (wie er später erklärte), verletzt habe, daß wir ihn nicht in unsere Symphonietta aufnehmen wollten. Wir nahmen ihn auf.«“

Otto Friedrich, City of Nets/Markt der schönen Lügen. Die Geschichte Hollywoods in seiner großen Zeit, S. 80 – 81, Kiepenheuer & Witsch (dt. Übersetzung) 1988
03. Januar 2022
Ich präsentiere: mein erstes West-City-Shopping-Festival-Bändchen. Ist heute gelb. Damit kann ich heute bis Ladenschluss in alle Geschäfte im Europa-Center und im Bikini und ins Kadewe und zu Karstadt und noch alle möglichen anderen Läden. Hatte schon davon gelesen, aber es noch nicht gesehen. Ich war vorhin bei Saturn im Europa-Center, da wird man am Eingang beim Check in mit Perso und Impfnachweis gefragt, ob man ein Bändchen haben will. Bzw. das Gleiche bei jedem anderen Geschäft, das mitmacht. Kostet natürlich nichts. Dann kann man alle Läden betreten, ohne weitere Kontrolle. Ich habe leider nur eine neue Funkmaus gebraucht. Auch wollte ich noch ein Baby-Waffeleisen, hats aber nicht gegeben. Dann war ich schon fertig mit Shopping. Hab gerade mein Handgelenk gescannt, und ein bißchen mit Filter gespielt. Das Bild hat mir in Natur nicht gefallen, schimm, wie vom Seziertisch! Ich will aber mein Bändchen zeigen!

03. Januar 2022
Kleiner Auszug aus meiner kürzlichen Lektüre „Markt der schönen Lügen. Die Geschichte Hollywoods in seiner großen Zeit“ von Otto Friedrich:
„Hanns Eisler, ein Radikaler aus Berlin, der die Musik zu einigen Brechtstücken geschrieben hatte, staunte bei seinem ersten Besuch in Hollywood im Jahre 1935, wie das System funktionierte. »Jede Fabrik hat fünf oder sechs Musikspezialisten, die sich pünktlich an die Bürostunden zu halten haben«, schrieb er später. »Nummer eins ist Fachmann für Militärmusik, Nummer zwei für sentimentale Liebeslieder, Nummer drei ist ein besser ausgebildeter Komponist symphonischer Musik, Nummer vier ist Spezialist für die Wiener Operette, Nummer fünf ist für Jazz da. Wenn also für einen Film Musik gebraucht wird, hat jeder Komponist seiner Spezialität entsprechend einen bestimmten Abschnitt zu bearbeiten. Die Komponisten haben keine Ahnung, was sich sonst noch in dem Film abspielt.«
Als die MGM-Fabrikation Mitte der vierziger Jahre ihren Höhepunkt erreichte, waren jeden Tag rund fünfzehn Filme gleichzeitig in Arbeit. Die Musikabteilung der MGM, Hollywoods größte, konnte zwanzig Vollzeitkomponisten auf ihrer Gehaltsliste vorweisen, dazu noch fünfundzwanzig Arrangeure/Orchestrierer und vierzig Kopisten. »Die Musikabteilung«, sagte André Previn »hatte nicht weniger und nicht mehr Bedeutung als die Abteilung für Kunstrasen. Wir reihten uns jeden Tag in der Musikabteilung auf wie Lastwagenfahrer, die warteten, ob nicht einer Tomaten nach Chicago oder Möbel nach Delaware zu bringen hätte«, erinnerte sich Previn. »Wir wussten nie, wer was brauchen würde. Wenn ein Komponist in Druck war, weil die Hintergrundmusik für seinen Boxkampffilm unverzüglich fertig sein mußte, scheuchte man uns vielleicht alle zu diesen Aufnahmen hinüber, damit wir ihm dort ein paar Tage lang unter die Arme greifen konnten.«
Wenn diese Musiker am Ende eines Tagewerks nach Hause gingen, sehnten sie sich danach, andere Musik zu spielen. Leonard Slatkin, Leiter des Symphonieorchesters von St. Louis, wuchs in Hollywood auf und berichtete, dass sein Vater Felix Slatkin, Geiger im Dienste der Twentieth Century-Fox, und seine Mutter Eleanor Aller, Cellistin bei der Warner Bros. sich im Filmdienst kennengelernt und schließlich das »Hollywood String Quartet« gegründet hätten. »Sie kamen um fünf nach Hause und musizierten die ganze Nacht hindurch«, erzählte Slatkin. »Sie kannten jeden, und man konnte nie wissen, wer vorbeischauen würde, alle kamen, von Schönberg bis Sinatra.«
Otto Friedrich, City of Nets/Markt der schönen Lügen. Die Geschichte Hollywoods in seiner großen Zeit, S. 76; 77; 78; 79, Kiepenheuer & Witsch (dt. Übersetzung) 1988
02. Januar 2022
„Ich weigere mich zu glauben, dass Dinge, nur weil sie geschehen sind, einen Sinn haben. Dass sie zwangsläufig gewesen sind, dass sie unvermeidbar gewesen sind. Nun ist es allerdings so, dass wir Menschen es sehr schwer ertragen, unsere Geschichte nicht als eine sinnvolle Geschichte zu sehen. Wir haben natürlich den Wunsch, was geschehen ist, als ein Schicksal zu betrachten, denn wir müssen es ja ertragen.“ Max Frisch
01. Januar 2022
„The brain may take advice, but not the heart, and love, having no geography, knows no boundaries.“ Truman Capote
(deutschsprachige Dokumentation, 53 Minuten)
01. Januar 2022

Werke 2018 – 2021. Mein Gewerkel der vergangenen drei Jahre. Nicht chronologisch, nach Farben. Ein paar fehlen, die ich noch nicht ordentlich dokumentiert habe. Kommt noch. Ich war doch recht fleißig, stelle ich fest. Langsam kriegen die Sachen Lust, auch mal was anderes zu sehen. Also woanders zu hängen und zu stehen. Man nennt das auch Ausstellung. Ich werde mich da mal ein bißchen mehr drum kümmern. Aber erst mal muss der Coronaquatsch erledigt sein. Musste heute sehr lachen, als ich bei der Kaltmamsell ein verlinktes Video mit einem phantasierten Jahresrückblick 2022 gesehen habe, in dem keiner mehr genau wusste, was Corona und dieser Dorsten?Drosten? eigentlich war, weil die Regierung Anfang 2022 ein Impfverbot beschlossen hatte, was aus Trotz zu rebellierenden Impfaktivitäten führte und damit zu hundert Prozent Impfschutz in der Bevölkerung. Wenn es nur helfen würde. Also erst das Impfverbot und dann stelle ich mein Zeug aus. So richtig öffentlich, mit was Schickes anziehen und hingehen und Sachen trinken (Schampus, Bordeaux, Sancerre, Kaffee, Coke Zero, Tonic, Ananassaft, Orangensaft, Wasser, Jever) und Musik und Häppchen und Nüsschen und Leute küssen und herzen und allem anderen, was das Herz begehrt und dazugehört.
01. Januar 2022
FROHES NEUES JAHR
Orchestre National de l’Opéra de Monte-Carlo · Richard Bonynge
Joan Sutherland · Jane Berbié · DECCA 1968
31. Dezember 2021
Countdown mit Alma. Gerade auf youtube entdeckt, guck ich mir jetzt an. Ich habe so ungefähr alle auf dem Buchmarkt befindlichen Bücher über Alma Mahler-Werfel und ihre Zeit mit Gustav K. und Gustav M. und Oskar K. und Walter G. und Franz W. gelesen. Bin mir nicht schlüssig, ob ich sie mögen soll oder furchtbar finden. Das macht sie gerade interessant! In der Küche brutzeln Fischstäbchen in einem Buttersee und Kartoffeln sind aufgesetzt. Eine gute Flasche kühlt im Gefrierfach noch ein bißchen auf Idealtemperatur runter. So der Stand der Dinge in Berlin Mitte. Also Gaganien meine ich natürlich. Wer kann schon sagen, mit Alma Mahler-Werfel die Silvesternacht verbracht zu haben. Ich muss gestehen, mich etwas gefreut zu haben, dass es geregnet hat, und es vielleicht sogar nochmal regnet, das hält vielleicht doch noch den einen oder anderen ab, der seine Knallfrösche gebunkert hat und loslassen will. Bin da empfindlich. Aber bunte Raketen dürfen schon sein, drei bis fünf!
31. Dezember 2021


Hat geklappt! Die drei letzten Flaschen Crémant de Loire im Angebot und eine Tüte Chips bei Bio Company geschossen. Hätte auch noch einen ganz guten Cava gegeben und noch diverse deutsche Provenienzen. Nun belaufen sich meine Privat-Party-Vorräte auf viereinhalb Flaschen französische Schaumweine aus Flaschengärung sowie eine Flasche roten Bordeaux „Légende“ 2017 von Rothschild, plus 1 Tüte Kartoffelchips und die stets vorrätigen Cashewnüsschen! Mein Outfit ist nicht so partymäßig, aber wer weiß, welche Anwandlungen mich noch im Laufe des Nachmittags und Abends heimsuchen. Ich hätte da noch so eine glitzernde, staatstragende Krone, ein herrliches Diadem, das ich noch nicht präsentieren konnte. Dass sich Edeka keine betriebswirtschaftlichen Gedanken über den Umsatzvorteil von Rewe und Bio Company macht, durch die zwei Stunden längeren Öffnungszeiten an Silvester, finde ich doch recht erstaunlich. Aber soll nicht mein Problem sein, war ein netter Einkauf bei Bio Company. Drei Flaschen Schaumwein und eine Tüte Chips, ging ruckzuck, war nicht sehr voll.
Dann bin ich noch rüber zur Apotheke am Rosenthaler Platz, die war aber schon zu. Wollte meinen Boosternachweis digitalisieren lassen. Obwohl ich den nicht wirklich brauche. Meine Erfahrungen beim Einkauf sind bislang, dass kein Laden einen QR-Scan machen konnte und einfach immer die Daten daneben studiert werden mussten. Also nicht so wichtig. Hab den digitalisierten Nachweis vom ersten und zweiten Pieks immer im Portemonnaie und zusätzlich den Extrazettel über den Booster aus Tegel. „Urban Tech Republic“ heißt das Impfzentrum in Tegel. Klingt wie ein cooler Techno Club. Berlin halt! Ich musste nicht eine Sekunde auf irgendwas warten, überall sofort drangenommen worden, nach 15 Minuten war ich wieder im Bus heimwärts. Die winken einem da immer schon von weitem zu, als Orientierung. Ich nehme so was immer persönlich, wenn mir jemand winkt, lächelt und mich direkt anschaut. Ich hab mich gefreut! Ich bin da sehr empfänglich. Guten Rutsch, falls wir uns nicht mehr hören und sehen. Kann aber sein, dass ich mich nochmal melde, hier von meinem Privatpartyclub!
31. Dezember 2021
Letztes Jahr um diese Zeit (also Silvester), stand ich fünf Minuten nach Zwei am Nachmittag belämmert vor meinem geschlossenen Edeka in der Großen Hamburger Straße und wurde über das Alkoholverkaufsverbot informiert. Tapste weiter zu Rewe hinterm Hackeschen Markt und stand vor Absperrungen mit Klebebändern an den Regalen mit Spirituosen und Schaumwein etc.
Ich sitze nicht komplett auf dem Trockenen, aber es kommen ja noch zwei Tage nach Heute, die ich zu erleben gedenke. Daher habe ich soeben recherchiert, ob es dieses Silvester denselben Alkoholverkaufsverbot-Irrsinn gibt. Offensichtlich nicht. Letztes Jahr bin ich dann am Neujahrstag zu einem der wenigen geöffneten Supermärkte, das war der mir bislang unbekannte Denns-Biosupermarkt an der U-Bahn Gesundbrunnen, dort habe ich dann drei gute Flaschen gekauft.
Finde ich ja einen interessanten Erkenntnisprozess, dass die Bevölkerung nicht doppelt und dreifach bestraft werden muss, indem auch noch an DEM Tag für inspirierende Getränke ein Verkaufsverbot verhangen wird. Da habe ich mich schon sehr wie in einem großen Kindergarten mit altmodischen Gouvernanten gefühlt. Ich muss aber noch die Öffnungszeit von meinem Edeka checken, nicht dass die Versorgung daran scheitert.
30. Dezember 2021
Linda Evans erzählt eine bezaubernde Geschichte über ein Foto Shooting im mittleren Alter um die Vierzig mit zwei langjährigen Freundinnen. In diesem Video von 2018 war sie fünfundsiebzig.
30. Dezember 2021
Spüli
Teelichte
Highlighter
Waschmittel
Schlagsahne
Pfefferkörner
30. Dezember 2021
Flotte Lebensweisheiten von Dame Joan Collins (88½):
29. Dezember 2021

SEILSPRINGEN. bemalte Reste von löchrigem Strickponcho von „Who Killed Bambi?“, Kleber, Grundierung, Acrylstifte (Königsblau, Türkisblau, Lindgrün, Orange, Weiß, Pink), Reparaturspachtel aus der Tube, 3D-Leinwand 50 x 50 cm, 28. November und 1., 4., 12., 14., 15. und 16. Dezember 2021, Staatliche Museen v. Gaganien.





28. Dezember 2021



WANZE. HETEROPTERA, geschenkter Scrapbook-Papierbogen, Schere, Klebstoff, Acryl, Leinwand, 28. November und 4. u. 25. Dezember 2021, 40 x 120 cm, Staatliche Museen von Gaganien




28. Dezember 2021
Eine sehr persönliche Frage in die geneigte Runde:
welche fünf zwei Musikstücke, Songs, Lieder, Chansons habt ihr zuletzt heruntergeladen/gerippt/gespeichert/als Neuzugang in eine Lieblingsplaylist einverleibt/erworben?
Ich (in chronologischer Reihenfolge):
19. September 2021: Greg Knowles – „Heartstrings“
06. Oktober 2021: Manfred Krug – „Früh war der Tag erwacht“
05. November 2021: Henry Wright – „AbatJour“
27. Dezember 2021: Jack Jones – „I shall be released“
27. Dezember 2021: Chuck Mangione, Don Potter – „Children of Sanchez“
(interessiert mich aus Gründen der Inspiration)
27. Dezember 2021

Ich hatte schon mal fast einen Booster-Termin am 16. Dezember. Aber dann wurde amtlich herumgerechnet, dass mir ein paar Tage zu fünf Monaten fehlen und ich wurde rausgekickt. Letzte Woche dann plötzlich die Änderung, dass drei Monate reichen. Auf der Seite vom Berliner Senat gab es eine Telefonnummer zur Terminvereinbarung. Hat gleich geklappt, eine nette, geduldige Dame hat mir einen Termin für morgen Nachmittag in Tegel gegeben. Mal wieder zum Flughafen Tegel. Von da bin ich immer gerne geflogen, weil ich immer sofort mein Terminal gefunden habe, das war so schön überschaubar. Und die Form der Halle gefiel mir auch. Nicht so ein Schuhkarton. Morgen soll ich zum Gate C, in die Halle 007. „Für über-Dreißigjährige“ Da reihe ich mich doch gerne ein! Ja, ich bin nun auch schon Dreißig-plus. Gibt dann wohl Moderna. Pieks eins und zwei war Comirnaty von Biontech. Kreuzimpfung soll wohl noch besser boostern. Darauf will ich vertrauen. Ich hatte keine Nebenwirkungen beim ersten und zweiten Impfen, die der Rede wert wären. Nur jeweils ein vorübergehendes Gefühl im Impfarm oben wie einseitiger Muskelkater, als hätte ich meine (verstaubenden) Hanteln einseitig benutzt.
Weiter bete ich für eine baldige Endemie. Dass es einfach als normale Sache gehandelt wird, dass man sich mal was einfängt und dann keine großartigen Symptome oder Einschränkungen hat und vor allem nicht in Quarantäne verdonnert wird. Mein absoluter Horror! Nun könnte man denken, ich bin so eine umtriebige Maus, die immer rauswill und um die Häuser ziehen. Nein, nein. Ich bin sehr häuslich, immer schon. Aber ich habe keine Lust, zu Home Office verdonnert zu werden. Davon krieg ich Rückenschmerzen, die ich sonst nie habe. Jetzt bin ich fast zwei Jahre unbeschadet durchgekommen, trotz fast täglich S-Bahn und U-Bahnfahren. Bin aber auch sehr, sehr artig. Ich kenne eigentlich niemanden, der das so penibel betreibt. Mein Schnupfen von neulich war nach zwei Tagen erledigt. Also morgen auf nach Tegel.
Ich erzähle nicht so gerne von medizinischen Sachen, das finde ich doch sehr privat. Dieses ganze Körperliche gehört für mein Gefühl in den Intimbereich. Aber nachdem nun alle alles breittreten. Bitte sehr! Meine Klopapiersorte hab ich ja auch schon offenbart. In meiner Hausapotheke gibt es übrigens nur Pflaster und Aspirin. Ich nehme keine Hormone und auch keine Blutdruck- oder Schilddrüsentabletten. Asthmaspray brauche ich seit fünfzehn Jahren nicht mehr. Geheilt. Lunge vollständig regeneriert. Lungenvolumen zwanzig Prozent über erforderlicher Norm! So gut, dass ich in den letzten Jahren sogar rauchen kann, wenn mir danach ist. Kommt aber nicht so oft vor. Aber wenn, supergerne!
27. Dezember 2021
Liebe Marlene,
heute ist Dein hundertzwanzigster Geburtstag, wozu ich Dir recht herzlich gratuliere. Du musst keine Angst haben, dass wir Dich hier unten vergessen haben. Du hast Dich so angestrengt, dass Dich alle lange in guter Erinnerung behalten, sogar versteckt hast Du Dich dafür, das ganze letzte Drittel Deines Lebens, in Deiner Wohnung in Paris, in der Avenue Montaigne. Ich möchte Dir aber trotzdem sagen, dass mich am allerallermeisten bewegt hat, wie Du bei Deinem letzten Filmauftritt „Schöner Gigolo“ gesungen hast. Ich habe geweint. Da war Dein ganzes Leben darin, so schön. Ewig. Zur Feier des Tages habe ich ein anderes Chanson gewählt, welches mir auch sehr gut gefällt, weil es auch mit viel Gefühl vorgetragen ist. Und das ist ja das Wichtigste. Wir gehen nicht von Dir fort, mach Dir keine Sorgen, da oben auf Deiner weißen Wolke.
27. Dezember 2021
Ich hätte da mal wieder einen Gourmet-Tipp. Wer kennt sie nicht die Merci-Schokoladenriegel in Goldpapier und Zellophan, beliebtes Mitbringsel zu hohen kirchlichen Feiertagen. Da ja viele verschiedene Sorten in den Geschenkpackungen sind, nehme ich mir stets zwei. Dabei achte ich auf korrespondierende Geschmacksnuancen. Grundsätzlich gilt: Vollmilch- Nuss- und Mousse-Sorten werden achtsam mit dunklen und der Marzipan-Sorte kombiniert. Wir packen beide Riegel aus und legen sie wie eine Klappstulle aufeinander, wickeln das Goldpapier wieder um eine Hälfte und beißen rein. So vermeiden wir Schokoladenfinger und können uns die zweite Hälfte für (ca. 5 Minuten) später aufheben – bon appétit!
26. Dezember 2021
Christmas in Britain! ❤

26. Dezember 2021

Jetzt. 26. Dezember 2021, 15:30 Uhr, Berlin Mitte. Blick Südwest. Bin sehr ausgeschlafen. Hauptbeschäftigung bis jetzt: am offenen Fenster (mit drei Meter Abstand) Gesicht in die Sonne halten. Dann hab ich meine Lieblingskaffeetasse zerbrochen und mich in den Daumen geschnitten. Brauchte sogar ein Pflaster. Gestern gab es auch einen Küchenunfall bei mir. Als ich von einem Kürbis ein dickes Stück mit meinem größten Messer abschneiden wollte, bin ich ausgerutscht und die Spitze bohrte sich leicht in mein Handgelenk, ungefähr einen halben Millimeter neben der Pulsader. Da bin ich etwas erschrocken. Hab aber kein Pflaster gebraucht, weil ich die Pulsader ja nicht erwischt habe, ein Glück! Mein Schutzengel war wieder sofort zur Stelle. Danke, Schutzengel! Von dem Kürbis hab ich noch ein großes Stück, da werde ich mir wieder ein Süppchen zubereiten, immer schön frisch. Aufgehellt mit einem ordentlichen Schuß Sahne. Farblich passend zum Sonnenuntergang und einer Handvoll Cashewkerne. Übrigens finde ich, dass sich aus Cashews mit Mayonnaise und Cayenne und frisch gemahlenem Pfeffer etwas zubereiten lässt, das wie Krabbencocktail schmeckt. Nach einer Weile werden die Cashewkerne weich und schmecken wie Krabben. Vorausgesetzt, man mag Krabben und Shrimps und so Zeugs. Ich ja! Nur Muscheln und Schnecken sind nicht so meins. Glibberige Sachen finde ich unangenehm. Auch glibberiges Eiweiß in einem nicht richtig weichgekochten Ei und so weiter und so fort. Ich habe gerne Essen mit Biss! Menschen auch! Mit einem labbrigen Charakter kann ich so wenig anfangen wie mit einem labbrig gekochten Ei!




25. Dezember 2021
divine
25. Dezember 2021
„Weißt du, was mir am meisten zum Hals raushängt? Das ist das ganze verdammte Herumgehacke auf dem, was wir tun sollen, was wir tun müssen, und was wir berücksichtigen müssen. Was wird deine Mutter denken, was werden die Kinder sagen? Sollten wir nicht lieber die Soundso zum Abendessen bitten und wird es nicht höchste Zeit, meinen Vater einzuladen? Wir müssen an die Westküste fahren. Wir müssen in die Berge fahren. Wir müssen nach Sankt Moritz fahren. Wir müssen Weihnachten feiern, Ostern, Pfingsten. Namenstage, Hochzeitstage, Geburtstage – diese ganze gottverdammte Scheiße.“
24. Dezember 2021





Baby-Adler. Für König Ludwig II., Passepartout-Fragmente, Spiegelscherben, Klebstoff, Reparaturspachtel aus der Tube, Acryl, Lackmalstift, Goldacryl, Flambierbrenner, Blattgold, Leinwand, Rahmenrückwand, Schattenfugenrahmen, 29. Dezember 2019 und 6., 7., 13., 14., 15., 17., 18. November und 1. Dezember 2021, 43 x 53, Staatl. Museen von Gaganien, Privatsammlung Fasanenstraße
24. Dezember 2021

Ich will ein paar Gedanken einfangen, die mir zu dem Buch durch den Kopf gingen (und gehen), das Romy Schneiders Tochter Sarah Biasini über ihre (verlorene) Beziehung zu ihrer Mutter schrieb. Es heißt in der deutschen Eins-zu-Eins-Übersetzung des Titels des französischen Originals, „Die Schönheit des Himmels„. Diese Neuerscheinung las ich vor etwa zwei, drei Wochen. Ein eher schmales Buch. Auf dem Cover ein zauberhaftes Foto, wo Romy die kleine Sarah im Swimmingpool hochhält und liebkost. Sarah ist jetzt so alt wie Romy, als sie starb, dreiundvierzig. Das Buch schrieb sie, als sie eher spät, schon Anfang Vierzig schwanger mit ihrer Tochter wurde. Wobei das heutzutage ja nicht mehr wirklich spät oder bedenklich ist, fast die Normalität.
Das Buch ist so angelegt, dass man nach dem Eingangskapitel, das spannenderweise mit einer Grabschändung an Romys und Davids Grab beginnt, einen Dialog mit dem im Bauch von Sarah wachsenden Töchterlein liest. Eine Zwiesprache, wie sie sicher viele werdende Mütter halten, was nur deshalb für eine Veröffentlichung relevant scheint, weil hier Romys Tochter schreibt und die geneigte Leserin hofft, recht viele Gedanken zu erhaschen, die sich auf ihre für alle Zeiten faszinierende Mama Romy beziehen. Wäre der prominente familiäre Zusammenhang nicht da, hätte Sarah, so sympathisch sie auch sein mag, kaum einen Markt für ihre Gedankengänge gefunden.
Schon auf den ersten Seiten lässt sie die Fangemeinde ihrer Mutter wissen, dass sie in besitzergreifender, ja eifersüchtiger Weise ein Problem damit hat, dass Romy wie ein Allgemeingut von jedem vermeintlich gekannt und verehrt wurde. Aber dann gesteht sie auch wieder zu, dass sie selbst kaum Erinnerungen hat und diese eher atmosphärisch sind, Frühstücken auf dem Bett, sie war drei oder vier. Eine gemütliche Situation im Schlafzimmer.
So leid es mir für Sarah tut, dass sie ihre Mama nicht länger hatte und nicht wirklicher erinnern kann, sondern aus nebulöser Erinnerung und Fragmenten von Filmen ein Mutterbild zusammenbauen muss, so unverhältnismäßig empfinde ich es, dass sie der Generation, die Romys Weg verfolgen konnte, nicht zugesteht, ebenfalls etwas Wahrhaftiges von ihrer Mutter erkannt zu haben. Regelrecht wütend wird sie über das deutsche Biopic „Drei Tage in Quiberon“. Das Schlimmste für sie ist daran, dass Romys Alkohol- und Tablettenkonsum gezeigt und thematisiert wird. Offenbar hat Sarah eine große Not, es bis zur Unkenntlichkeit abgemildert betrachten zu wollen, dass Romy – so berichten es durchweg alle ihr sehr zugetanen Zeitzeugen, keinen Tag ihres erwachsenen Lebens ohne Bordeaux, Champagner, Stimmungsaufheller und keine Nacht ohne Schlafmittel verbracht hat. Und wer weiß, was sonst noch alles.
Es ist davon auszugehen, dass in den frühkindlichen Erinnerungen wenig Situationen gespeichert sein können, die mit dem Entkorken von Flaschen und Herunterspülen von Stimmungsaufhellern verbunden sind. Das wird nur offen praktiziert, wenn es nicht grenzwertig ausufert. Dass es schwierig ist, eine reale, nahe Person durch einen Schauspieler nachgeahmt zu sehen, liegt wohl in der Natur der Sache. Aber ich gehe davon aus, wenn Sarah nicht biographisch verstrickt wäre, hätte sie „Drei Tage in Quiberon“ zumindest schauspielerisch würdigen können.
Weil die sensible, aber immerhin sehr von der Familie ihres Vaters behütete und geliebte Sarah noch keine Großzügigkeit walten lassen kann und ihre Mutter und deren Leben nicht mit dem Rest der Welt teilen will, geizt sie leider mit Mitteilungen, die den Wert einer Neuigkeit hätten.
An zwei Stellen reißt sie Begegnungen an, die einen neugierig machen, man freut sich gerade schon auf etwas Fleisch und Blut in der schmalen Kost der Erzählungen. Einmal trifft sie Michel Piccoli und erzählt die Vorgeschichte der Begegnung bis zu ebendieser. Was dann aber gesprochen und erinnert und mitgeteilt wurde, enthält sie den Lesern vor. Ebenso bei einer sehr spannend aufgebauten Beschreibung der Begegnung mit einem der wichtigsten Regisseure für Romy, Claude Sautet. Man trifft sich in einem Pariser Restaurant, das immerhin namentlich genannt wird. Dass er sie, Sarah, ergriffen anblickt (sie kannten sich nicht), dürfen wir noch erfahren. Alles weitere bleibt Sarahs Geheimnis. Schade.
Liebe Sarah, du wirst das hier nie lesen und kannst ja auch gar kein Deutsch, aber ich hoffe, dass du mit den Jahren etwas großzügiger wirst und tolerierst, dass viele Menschen deine Mutter verehrt und geliebt haben, egal ob sie getrunken hat oder nicht, ob sie sich mit ein paar Mittelchen über den Tag geholfen hat oder eben auch nicht. Ihre Qualität war seelischer Natur. So hat sie sich schon als junges Mädchen verströmt, in jedem noch so trivialen Heimatfilm. Das spielt die Rolle für die Nachwelt. Wer so einen Empfindungsreichtum in sich trägt, muss sich manchmal mit Hilfsmitteln dämpfen. Das virtuos zu handhaben, ist eine der größten Herausforderungen überhaupt. Mich würde heute schon interessieren, wie du dein Buch in zehn oder zwanzig Jahren beurteilst.
In den Amazon-Bewertungen ging es einigen so wie mir, wenn ich die Kritiken lese. Es ist nicht völlig irrelevant oder wertlos, aber man klappt es zu mit dem Gefühl, dass einem das, was zu teilen gewesen wäre, vorenthalten wurde.
23. Dezember 2021


SCHILDKRÖTE. neu geordnete Teile von kaputtem Strickponcho aus der „Who Killed Bambi?“-Boutique hinterm Hackeschen Markt (wegen mir zu kompliziert zu stopfendem, frontalem Motten- oder Waschmaschinenloch), Kleber, Goldacryl, Flambierbrenner, Grundierung, Acrylstifte (Königsblau, Türkisblau, Lindgrün), Blattgold, auf 2020 von Jenny geschenkter leerer Leinwand Nummer zwei von zwei, 44 x 64 cm, 20./21./28. November und 04./12./14. u. 15. Dezember 2021, Staatliche Museen v. Gaganien.



22. Dezember 2021
„Wie früher von einem Seligen gesagt wurde:
Er durfte den Himmel sehen
so würde ich mir wünschen,
immer die Erde sehen zu dürfen.“
Peter Handke, Das Gewicht der Welt, Januar 1977
(Notizen, Aufzeichnung zweckfreier Wahrnehmungen)
21. Dezember 2021
20. Dezember 2021
„You can do anything in this world if you are prepared to take the consequences.“ W. Somerset Maugham, The Circle
Demzufolge wäre die einzige Rechtfertigung, (noch) nicht ausreichend auf die Konsequenzen vorbereitet zu sein. Oder keine Lust auf die Vorbereitung zu haben. Oder keine Lust auf ALLE der Aktivität folgenden Konsequenzen zu haben. Puh. Beschäftigt mich schon lange, aber ich komme immer ein kleines Stückchen weiter.
William Somerset Maugham hat mich gestern zum Weinen gebracht. War fast schon ein kleiner Nervenzusammenbruch. Georg Stefan Troller traf ihn einst persönlich, 1963, da war er (Maugham) Neunzig. Sie gingen auf seinem Anwesen in Südfrankreich spazieren. Plötzlich fing er an Goethe zu zitieren, lesend. Auf Deutsch mit seinem englischen Akzent. „Alles geben die Götter, die unendlichen, ihren Lieblingen ganz, alle Freuden, die unendlichen, alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.“ Wer kennt es nicht, kennt sie nicht, diese Zeilen. Die übrigens aus einem Brief stammen, keine Verse sind, die Goethe je als „Gedicht“ veröffentlicht hätte. Der Hintergrund wurde 1999 in diesem FAZ-Artikel von Reich-Ranicki erhellt. Mir ist, als würden diese Zeilen häufiger von sehr alten Menschen zitiert, die viel erlebt und gesehen haben. Und wen sie tief treffen, ist Götterlieblingen begegnet oder fühlt, einer zu sein und darum zu wissen. Zum Glück musste ich nicht so lange weinen, dass ich völlig fertig gewesen wäre. War nur ein kurzer, sehr starker Ausbruch.
( ab Minute 2:50 die alte Reportage, ab Minute 12:00 Goethe )

19. Dezember 2021



gn. Messing-Kleinteile, Goldpapierreste, Acryl, Blattgold, Einlage Niederegger Mini-Marzipantorte, Visitenkarte, Klebstoff, Karton, 09./15. Februar 2020, 20 x 20 cm, Staatliche Museen v. Gaganien

19. Dezember 2021
Daheim geblieben. Im Warmen und Trockenen. Vor dem Fenster Regen. Habe Portraits („Personenbeschreibung“) von Georg Stefan Troller auf youtube geschaut, eine Sendung nach der anderen. Vor zwei Tagen auch schon eine über Peter Handke und sein Leben in den Siebzigern in Paris. Wie er seine Tochter versorgt, ihre Kindergartentasche packt. Pausbäckig. Also er. Danach spätnachts ein späteres Interview vom ZDF, war auch eine Nachtsendung damals („Nachtstudio“, nicht mit Troller, sondern Volker Panzer). Schönes Gespräch. Da war Handke dann nicht mehr pausbäckig, viel charismatischer. Schon ein bißchen verwelkt, aber durch die insgesamt unprätentiösere Ausstrahlung attraktiver.
Dann heute die Personenbeschreibung-Sendung über Leonard Cohen, der nichts von sich preisgab, was man ohnehin schon wusste, und das war nicht viel. Aber es gibt ja die Lyrik, die Texte, da ist alles drin, darauf wird immer verwiesen, von den sich bedeckt und verschlossen gebenden Künstlern, die ja doch mit ihrem sehr persönlichen Werk in die Öffentlichkeit wollen. Ist ja alles legitim. Wen ich sehr unangenehm fand, war Woody Allen. Ich hatte auch ein déjà vu, dass ich diese Sendung schon einmal damals gesehen haben muss. Vielleicht in den Achtziger Jahren, als ich seine ganzen gewitzten Manhattan Filme mit Diane Keaton schon kannte und dann fröstelnd dem griesgrämig und depressiv wirkenden Allen in Trollers Interview folgte.
Dann gab es noch zwei kurze Portraits, Interviews vielmehr. Mit Juliette Gréco, die damals in den Sechzigern eine Beziehung mit Michel Piccoli führte, der daneben saß und Sätze einwarf, sehr persönlich, man spürte die Vertrautheit mit Gréco, und ein weiteres Interview mit Kommentaren von Troller mit Edith Piaf, die damals, auch in den Sechzigern, gerade ihren letzten Mann ehelichte. Sie war 47, er 26. Und Troller spekulierte ungeniert über die vermutet wahren Hintergründe, warum sich der Friseurgehilfe mit der verlebten Piaf zusammentat. Geld könnte nicht der Grund gewesen sein, da sie es mit beiden Händen zum Fenster herauswarf, also die garantierte Aufmerksamkeit, die Publicity. Mag sein. Ich habe die kommentierende Stimme mit dem österreichischen Tonfall und dem betont unemotionalen Duktus offenbar noch von früher sehr stark verinnerlicht. Wenn ich Trollers Kommentare in den Dokus höre, stellt sich immer Gemütlichkeit ein, auch wenn er etwas spitzfindig eher ungemütliche Beobachtungen einstreut. Er ist schon ein Original, der nun Hundertjährige. Die von mir erwähnten Portraits und Interviews sind alle sehr leicht auf youtube zu finden.

19. Dezember 2021


EXTRA BRUT VII.. schwarze Tinte, Edding, Acryl, Blattgold, Rahmenrückwand, 17. Juni, 29./30./31. Juli, 1./2./4./9./11./26. August 2018, 4./5.11. Januar 2020, 55 x 55, inspiriert v. William de Morgan, Fliesenentwurf fruit um 1882, Staatl. Museen v. Gaganien




18. Dezember 2021

Alnatura Fischstäbchen
Femeg Schollenfilet Müllerin Art
Ostseefisch Seelachschnitzel
Edeka Heimatliebe Biokartoffeln Erdige Brandenburger
Gut und Günstig Mayonnaise
2 x Gut und Günstig Markenbutter
Edeka Bioeier
2 x Bio Alnatura Joghurt
Bio Alnatura Schlagsahne
demeter Bio Rote Bete
Gut und Günstig Champignons
Gut und Günstig Käseaufschnitt
Gut und Günstig Fischstäbchen
2 x Monmousseau Crémant de Loire
ital. Bio Rucola
2 x Gut und Günstig Cashewkerne
Messmer Darjeeling Tee
Ostmann Kümmel
Edeka immergrüne Bobbybohnen
Edeka Bio Blattspinat
Posten: 24 – SUMME EUR 59,98
Ich hab das Klopapier vergessen. Vor dem Regal habe ich mich etwas zögerlich für die Marke Edeka 4-lagig entschieden. Dann habe ich mein sehr volles Körbchen an einer Ecke in der Nähe der Kasse abgestellt und die große Klopapierpackung hochkant daneben gestellt. Und vergessen. Es ist mir ungefähr nach zwanzig Metern auf dem Rückweg in der Auguststraße eingefallen. Ich überlegte, umzudrehen und hatte dann überhaupt keine Lust, nochmal zurückzugehen. Mir fiel dann ein, dass ich ja noch ein paar Blatt auf der Rolle daheim habe und es bis morgen reichen müsste. Vielleicht, hoffentlich (!) bin ich morgen fit genug, um in meine kleine Werkstatt zu fahren, da ist noch Klopapier, da hole ich mir eine Rolle. Es ist eben Schicksal.
Mein Schutzengel hat mich davor bewahrt, das vierlagige Edeka Klopapier zu kaufen, ich hatte auch kein wirklich gutes Gefühl dabei! Jetzt könnte man denken, ich bin eine Prinzessin auf der Erbse, dass mir nur fünflagiges Klopapier akzeptabel erscheint. Aber die Wahrheit ist: vor ca. zwei Jahren hat die Klopapierindustrie die Produktion auf dünnere Blättchen umgestellt, so dass seither jede Lage nur noch ungefähr halb so dick wie früher ist! Mir war nämlich früher vierlagiges Klopapier durchaus ausreichend. Meistens habe ich das von Rossmann geholt. Auf einmal ist es mir so dünn vorgekommen, dass ich empört andere vierlagige Marken gekauft habe, und war ebenso enttäuscht und empört! Die anderen Marken vierlagig waren teilweise noch dünner! Deshalb kaufe ich seither fünflagiges von dm, was dem früheren vierlagigen von Rossmann entspricht.
Aufmerksamen Analytikern meines Einkaufs- und Kassenzettels könnte auffallen, dass ich gar kein Obst auf dem Zettel habe. Grund ist, dass ich noch Obst vorrätig habe! Genau genommen ca. 37 Weintrauben, 3 runde Pflaumen, ca. 13 Brandenburger Elstar-Äpfelchen und 1 Mandarine! Obst habe ich immer da und verspeise es täglich! Die Müllbeutel auf dem Einkaufszettel habe ich verworfen, da es nichts mir Passables im Angebot gab. Hat Zeit bis Montag. Hole ich mit der neuen Klopapierpackung bei dm! Ich nehme immer 60-Liter-Beutel mit Zugband. Wäre das auch geklärt!
Ich stelle gerade etwas überrascht fest, dass manche Sachen in meinem heutigen Körbchen Bio sind, von denen es mir gar nicht bewusst war. Z. B. die Rote Bete und die Kartoffeln. Schadet ja nicht. Dass ich eine Packung Alnatura Bio-Fischstäbchen und eine Packung Gut und Günstig Fischstäbchen gekauft habe, dürfte überraschen. Tatsächlich schmecken mir die Gut und Günstig Fischstäbchen recht gut und ich wollte mal einen Geschmacksvergleich mit den natürlich viel teureren und moralisch vertretbareren (?) von Alnatura machen. Das Bio-Alnatura-Joghurt ist für mich geschmacklich eher ein Kompromiss, weil ich am liebsten eigentlich das stichfeste von Onken mag, das gibt es aber nicht überall. Und wenn ich schon so labbriges Flüssigjoghurt kaufe, dann kanns auch gleich Bio sein, dann wenigstens was in die Moral investiert. Leider muss ich sagen, dass mir manche Bioprodukte überhaupt nicht schmecken.
Einmal hab ich Bio Wiener Würstchen bei bio company gekauft, welche mir überhaupt nicht geschmeckt haben. Also Bio schmeckt nicht immer besser, wenn die Gewürze und die Herstellung nicht von Feinschmeckerhand kontrolliert werden. Was hingegen immer ohne Wenn und Aber besser schmeckt, ist Bio-Schlagsahne. Nicht-Bio, wie z. B. von durchaus guten und teueren Marken wie Weihenstephan, ist ebenso mit Carrageen versetzt (damit es keinen Butterpropfen im Becher gibt), wie Discounter-Schlagsahne. Meine selbst kreierte Kaffeespezialität mit der schaumig geschüttelten Schlagsahne funktioniert nämlich nur mit Carrageen-freier Schlagsahne, die andere lässt sich nicht zuverlässig schaumig schütteln. Und das Carrageen gibt einen komischen Beigeschmack, den man erst erkennt, wenn man sich erst mal an gute, reine Bio-Schlagsahne gewöhnt hat. Das waren nun genug Haushaltstipps für heute.
Bei mir ist jetzt Tea-Time! Neben mir steht eine Kanne Darjeeling. Der Beuteltee von Messmer ist mir dafür gut genug, den Zirkus mit losem Tee mache ich schon lange nicht mehr mit, es lebe die Erfindung des qualitätvollen Teebeutels! In meiner Jugend war das ja völlig tabu, da war ich auch Stammkundin im „Teeladen“, wo es immer sehr verführerisch geduftet hat. Es war ein richtiger Kult, man hatte mindestens fünf verschiedene komplizierte Teesorten aus China und Indien in diesen schwarzroten Blechdosen. „Ming Xiang“ und „Gunpowder“ und weiß der Teufel. Eine schöne Erinnerung, aber mir schmeckt Beutel-Darjeeling, wenn er gut ist, genauso wie loser aus dem Fachgeschäft. Im Stövchen flackert das Teelicht. Sehr gemütlich!
18. Dezember 2021
Noch drei Tage bis Wintersonnwende, der ich entgegenfiebere. Hoffentlich ohne erhöhte Temperatur. Kann sein, dass ich mir gestern einen leichten Schnupfen eingefangen habe, als ich eine malade Kollegin seelsorgerisch betreute, bis sie abgeholt wurde, und dabei ein bißchen lange beim offenen Fenster saß. Seit Jahren keinen Schnupfen gehabt. Ich habe gar keine Lust, die warme Wohnung zu verlassen, aber ich will ein bißchen einkaufen. Butter und Klopapier ist fast alle. Joghurt, was zum in die Pfanne hauen, Eier, Käse, Champignons, grüne Bohnen, Lachs, evt. Fischstäbchen.
Ich brate nur mit Butter. Guter Butter! Getränkemäßig habe ich nur noch eine Flasche Rotwein und eine ungeöffnete Flasche Wasser mit Sprudel. Letztere war von einem Catering übrig. Ich kaufe nie Wasser in Flaschen. Leitungswasser ist mir ausreichend. Biosahne brauche ich auch noch, für meinen Frühstückskaffee. Ich fülle die frische flüssige Sahne in ein Schraubgefäß mit großer Öffnung, schüttle ein paar mal kräftig und dann habe ich einen sehr guten sahnigen Schaum, den ich mir in Wölkchen auf den Kaffee hebe. Schmeckt ausgezeichnet. Ich koche Espresso mit einer French Press und einer Prise Salz. Unorthodoxe Vorgehensweise, aber sehr gutes Ergebnis. Ich bin eine Feinschmeckerin! Wem ich bisher meine Kaffeespezialität serviert habe, war sehr angetan.
Ich muss mich mal zurecht machen, dann habe ich auch Elan, zu Edeka in die Große Hamburger Straße zu gehen. Das ist mein nähester Supermarkt, den ich auch sehr gerne besuche. Ecke Auguststraße, rechts vom Obstladen. Das einzige, was mir nicht gefällt, ist der Kassenbereich seit dem Umbau. Das ist alles nicht sehr praktisch. Wäre jetzt zu kompliziert, das zu erklären. Aber die Kassiererinnen sind auch nicht happy damit, wir haben schon manches mal zusammen darüber gelästert! Neulich hab ich dort einen Weißkohlkopf gekauft, weil er so schön ausgesehen hat und so preisgünstig war. Der wird und wird nicht kleiner. Ich weiß gar nicht recht, was ich damit machen soll. Ich schäle immer einzelne von den riesigen Blättern ab und hau sie zerpflückt mit in die Pfanne. Vielleicht versuch ich es doch mal mit klassischer Verarbeitung.
Der kleine Edeka hat eigentlich nicht mein Lieblingsklopapier zur Auswahl, aber ich hab keine Lust zu dm zu gehen, ist mir zu weit weg, da hinterm Hackeschen Markt. Ich kaufe immer fünflagiges von der Eigenmarke von dm. Ich hab so dermaßen keine Lust raus zu gehen. Aber wenn ich die nächsten zwei Tage dann keine Auswahl an Getränken usw. habe und mir den Hintern mit Tempo abwischen muss, ärgere ich mich. Man soll ja keine Papiertaschentücher ins Klo werfen, das löst sich wohl sehr schlecht auf. Also ich muss wohl oder übel vor die Tür. So, nun habe ich mein Elend in Worte gekleidet. Und nun ran an die Wimperntusche. Ich würde ja nie nicht zurecht gemacht aus dem Haus gehen. Ich meine: BERLIN MITTE – hallo? Ich repräsentiere schließlich den Nabel der Welt. Entschuldigung – ich meinte natürlich den Nabel von GAGANIEN!

14. Dezember 2021
„I don’t think in any language. I think in images.“
Vladimir Nabokov
Mich hat immer irritiert, ja befremdet, wenn ein mehrsprachiger Mensch, (beispielweise nach jahrzehntelangem Aufenthalt in einem Land, in dem nicht die Muttersprache gesprochen wird) in einem Interview auf die Frage „in welcher Sprache denken Sie und in welcher Sprache träumen Sie?“ mit der jeweiligen Angabe einer Sprache parierte. Besonders die Idee von „in einer Sprache träumen“ machte mich ratlos. Ich weiß wohl, dass auch in meinen Träumen gesprochen wird, manchmal gibt es kurze Dialoge, aber ich müsste lügen, wenn ich eine Folge von Worten zitieren sollte. Es gibt Informationsübermittlungen, das ja. Aber alles in allem erinnere ich Bilderfluten, die mehr Information als nur Farbe und Form tragen. Wie Erinnerungen. Kaum würde ich die Erinnerung an gesprochene Worte beschwören. Eher an ein Lachen, einen Blick. Elektrizität. Gefühle und Bilder. Gefühlsgeladene Bilder.
13. Dezember 2021
„(…) Später als Grosz bereits als der radikalste Karikaturist der deutschen Bourgeoisie und ihrer Militärclique galt, erklärte er, seine Haltung sei marxistisch fundiert. Aber die gesellschaftskritische Schärfe, die aus seinen Werken spricht, dürfte aus seinen Jugendjahren stammen, in denen er die Berliner Hinterhöfe kennenlernte oder mit ansehen mußte, wie arrogante, monokeltragende Offiziere seine Mutter wie eine Dienstmagd herumkommandierten.
Grosz selber hält ein anderes, freundlicheres Kindheitserlebnis für wesentlicher. Eines Nachts sei er auf eine Kiste stiegen und habe heimlich in das Schlafzimmer einer Frau geblickt, die sich entkleidete. Gemächlich schälte sie sich aus Bluse und Rock und Korsett und Unterrock – den Hüllen, die den Körper einer Dame der Jahrhundertwende zu verbergen pflegten. Schließlich stand sie nackt, nur mit Strumpfbändern am Leib, vor dem Spiegel, löste den Dutt, zu dem ihr sehr langes Haar zusammengehalten war, und kämmte es – ohne zu ahnen, daß draußen vor dem Fenster ein Junge stand, der sie fasziniert beobachtete. »Dieser Anblick ging mir durch und durch«, schrieb Grosz später. »Es war ungeheuerlich! Ich habe bis heute diesen ersten Eindruck nicht überwunden. Ich wollte ihn auch gar nicht überwinden.«“
Otto Friedrich, Weltstadt Berlin – Größe und Untergang 1918 – 1933, Verlag Kurt Desch 1973, S. 143
12. Dezember 2021
Liebe Gemeinde,
ich freue mich, dass Sie sich zum Gottesdienst und gemeinsamen Gebet eingefunden haben. Am heutigen heiligen Sonntag wollen wir uns einigen von mir ausgewählten Psalmen zuwenden:
Ehe die Berge geboren wurden, die Erde entstand und das Weltall, bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Du lässt die Menschen zurückkehren zum Staub und sprichst: «Kommt wieder, ihr Menschen!»
Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.
Du hast unsre Sünden vor dich hingestellt, unsere geheime Schuld in das Licht deines Angesichts.
Denn all unsre Tage gehn hin unter deinem Zorn, wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer.
SO LASSET UNS BETEN:
Herr, wende dich uns doch endlich zu! Hab Mitleid mit deinen Knechten!
Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, so viele Jahre, wie wir Unglück erlitten.
Zeig deinen Knechten deine Taten und ihren Kindern deine erhabene Macht!
Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes. Lass das Werk unsrer Hände gedeihen, ja, lass gedeihen das Werk unsrer Hände!
Amen.
Ps 90,2 – Ps 90,17
11. Dezember 2021


OLYMPUS AF-1. analoge Kompaktkamera, Baujahr 1984, Linsen, Platine, Transistoren, Metall, samtbezogene Rahmenrückwand, Klebstoff, 17 x 22 cm, 26. Mai 2018, Staatl. Museen von Gaganien



10. Dezember 2021



TELEDAT. Kernprozessoreinheit(?) Transformator aus Kupferspule mit gewichtigem Eisenkern v. Telekom-Modem (?), Kugelschreiber, Acrylgold, Verpackungsschachtel (v.?), 12,5 x 12,5 x 2 cm, 30. Juni/22. Aug. 2018/21. Nov. 2021, Staatliche Museen v. Gaganien
Beruhigende Geometrie. Geordnete Linien und Flächen. Sehr leicht, visuelle Ordnung herzustellen. Ich glaube, das ist in meinem Fall ein Gegenzauber, ein Harmonisierungsversuch gegenüber dem (scheinbaren) Chaos, das einen sonst so umgibt. Ich kann mir sehr, sehr sicher sein, dass mich in der Zurückgezogenheit meiner privaten Wände niemand hindern wird, ein altes Teledat-Modem zu öffnen und einzelne Teile zu explantieren und mit geometrischen Verzierungen zur Reliquie zu erklären. Kaum jemand würde daran gehindert werden. Viel zu unspektakulär. Viel, viel schwieriger ist es für mich zu verstehen, wie man nicht-materielle Hinterlassenschaften ordnet. Gefühlshinterlassenschaften zum Beispiel. Wenn ich Materie ordne, versuche ich auch eine höhere Ordnung zu beschwören, anzurufen. Ob sie mich erhört, weiß ich nicht, aber wenn so ein materieller Prozess abgeschlossen ist, habe ich immer die völlig irrationale Empfindung, dass sich auch innerlich etwas geordnet hat. Was ich dabei an irdischer Materie bearbeitet habe, steht nicht in direktem Zusammenhang mit meiner inneren Empfindungswelt, die Gedanken verfolgen kann, die nicht das Geringste mit dem Objekt und den entstehenden Formen zu tun haben. Nur manchmal trifft es an einem Punkt zusammen, dann bin ich immer perplex. Auch elektrisiert. War bei diesem Teil nicht der Fall, aber es gibt einige. Als ich den Kern mit der Kupferspule ausgebaut hatte, realisierte ich, dass ausschließlich dieser quaderförmige Kern das immense Gewicht der alten Modems ausmachte. Das kann ja nur Eisen sein. Ich habe etwas dilettantisch versucht, den technischen Hintergrund, die Spezifikation zu eruieren, vielleicht habe ich es auch falsch verstanden. Leider habe ich zu wenig Kenntnis von Kommunikations- und Elektrotechnik. Aber dass in allen Geräten, die ich bisher aufgeschraubt und aufgebrochen habe, Kupferspulen in unterschiedlichen Größen sind, ist mir nicht entgangen. Einmal habe ich angefangen, eine größere Kupferspule abzuwickeln. So groß nun auch wieder nicht, aber es gibt ja auch ganz kleine auf den Platinen. Ich wickelte und wickelte und wickelte. Es nahm kein Ende. Es war ein endloser Strang wie feines Engelshaar aus Kupfer. Vor mir war ein immer größer werdendes Knäuel aus haarfeinen Kupferfäden. Erinnerte mich ein bißchen an meine jugendlichen LSD-Experimente Mitte der Achtziger Jahre, bei denen ich bizarrste visuelle und zeitliche Wahrnehmungen hatte.

09. Dezember 2021


GOD. Nähkästchenfundsachen, nach launigem Verkaufs-Small Talk Anno Soundso im Quartier 205, aus dem Lafayette im UG kommend, in die Passage tretend, mit dem jungen Inhaber des Labels in seinem kleinen, luxuriösen Laden erstandene Gratiae Organics Ultrox Anti Wrinkle Serum-Schachtel, Gold-Acryl, 7,5 x 14,5 x 5 cm, 21. Mai und 22. Juli 2018, Staatl. Museen von Gaganien. Ich weiß nicht genau, worum es sich handelt, könnte mit Kabbala zu tun haben. For more Information please contact GOD.


09. Dezember 2021




EXTRA BRUT VI. PVC-Jalousien-Verpackungsverschlusskappen, Silber- und Gold-Acryl, geerbter, original Siebziger Jahre-Disco-Make up-Flitter, Edding, Krepppapier, Toner-Einheit-Schachtel., 81,5 x 10 x 3,7 cm, 3. August 2018, Staatl. Museen von Gaganien


08. Dezember 2021



TRIAS. Stromkabel Flachbettscanner, Kleber, Grundierung, Karton, 24 x 31 x 4 cm, 25. Juni 2018, Staatliche Museen von Gaganien
Trias: altgr. τριάς, gen. τριάδος=Dreiheit. Aber das sind doch vier Dreiecke. So ein Titel springt einen an, man geht da ja nicht wissenschaftlich vor. Ich empfinde immer noch drei, auch wenn ich vier Dreiecke zählen kann. Ich kann überhaupt gut zählen, wenn ich will. Ich will nur oft nicht. Es langweilt mich. Berechnungen mag ich nur beim Ausmessen von Mobiliar oder wenn ich gleichmäßige Abstände ermitteln will.
Früher dachte ich, dass man menschliche Beziehungen nicht berechnen kann, nicht berechnend angehen kann. Vielleicht gilt das aber nur für mich. Aus der Ferne kommt es mir mitunter vor, dass manche Verbindungen trotz eines berechnenden Elementes bestehen können. Dass mir das nicht gefällt, steht auf einem völlig anderen Blatt. Die Rechnung muss wohl einfach irgendwie aufgehen. Und man muss signalisieren, dass mit einem zu rechnen ist, wie man so sagt. Auch im Sinne von Verbindlichkeit, Verlässlichkeit. Ich bin schon ein verbindlicher, verlässlicher Charakter, aber wedle vielleicht nicht sehr plakativ mit meiner Fahne.
Die Mysterien von Bindungen. Ich habe mich in meinen Zwanzigern so sehr ausführlich in die Geheimnisse der Astrologie eingearbeitet, dass mich zuletzt Partnerschaftsastrologie sehr stark beschäftigte. Wenn man in diesem Bereich in die Lehre geht, schaut man sich naheliegenderweise an, was bei einem selbst vorliegt. Ob es einen roten Faden gibt. Gibt es. Ist nur nicht so einfach bei Beziehungsarchäologie den Staub wegzuwischen und den Kern der Fundsachen freizulegen. Letztlich kann man auch ganz ohne astrologische Analysen zu Erkenntnissen kommen, sogar zu nicht von der Hand zu weisenden, was man von der Sterneguckerei nicht behaupten kann. Aber es in der Komplexität zu betrachten, schadet auch nicht.
Ich werde hier jetzt keine Details ausbreiten, was mir über mich klar geworden ist. Ich bin da gerne diskret und auch der Erkenntnisprozess ist work in progress. Solche eingemachten Sachen betreffen auch familiäre Zusammenhänge, die ich nicht auf dem Tablett servieren will. Ich kann aber verraten, dass ich Mama-Papa-Kind-spielen das uninteressanteste Spiel von allen denkbaren fand. Und meine Puppen waren in meinen Gedanken keine kleinen Mädchen, keine Kinder und schon gar keine Säuglinge. Sie waren erwachsen und frei und wollten in bunten Sechziger- und Siebziger Jahre-Partykleidern die Welt entdecken. Die ganze große, bunte freie Welt. Wo sich „was sollen die Nachbarn denken“-Nachbarn nicht einmal im Traum hin verirren.
07. Dezember 2021


SPEEDPORT W 722V. Platine v. Gaga Nielsens 3. Internet-Router, online 27. September 2012 – 16. Juni 2018, Serviette, Kleber, Acryl, Karton, 22 x 32, 16. Juni 2018, Staatl. Museen v. Gaganien

Wer sich im Zeitraum 27. September 2012 und 16. Juni 2018 mit mir im Internet über Facebook-Chat oder Kommentare oder Mails ausgetauscht hat, kann davon ausgehen, dass alles was getippt wurde, über diese Platine gerauscht ist. Und vielleicht ist ja auch irgendetwas davon hängen geblieben. Jetzt hängt sie in meinem Wohnzimmer. Ich kann sie sehen, wenn ich tippe und mein vierter Router die Buchstaben ins All des World Wide Web schießt. Schon aufregend! Ich habe den Router tatsächlich an dem Tag zerlegt, nachdem ich den neuen erfolgreich angeschlossen hatte. Es war eine Zeremonie und ich musste, als ich das Gehäuse aufschraubte, beinah mit einem religiösen Gefühl daran denken, wie viele Gedanken und Gefühle mit rasender Geschwindigkeit über weite Entfernungen damit transportiert wurden, nicht nur meine. Das unsichtbare Netz elektronischer und oft auch elektrisierender Verbindungen, über Dächer und Schornsteine, Bezirke und Grenzen von Städten hinweg. Ich sehe urbane Landschaften auf der Platine. Relief unserer Kultur. Eine Reliquie.




06. Dezember 2021
LET’S DANCE. Regalbodenträger, 1. Zebra-Papier-Serviettenlage von hinten, Kleber, Acryl, A3-Kopier-Papier, Pappkarton, 3. Juni und 8. Juli 2018, 28,5 x 44,5 cm, Staatliche Museen von Gaganien


Dieses rhythmische Werk ist entstanden, als ich wieder einmal meinen Krimskrams sortiert und aussortiert habe, was sich gerne auf dem Teppich sitzend im Wohnzimmer abspielt. Da alle meine Regalböden fest sitzen, besteht kein weiterer Bedarf an Regalbodenstiften. Ich musste mal eine ganze Schachtel kaufen, obwohl ich nur ungefähr acht gebraucht habe. Zufällig lief Let’s Dance im Fernseher, was mich stark inspirierte! Wer getanzt hat, weiß ich nicht mehr, aber war wohl sehenswert. Andere Staffeln habe ich dann nicht mehr so verfolgt.
Ich begeistere mich manchmal für Mainstream-Formate, gucke eine Weile und dann reicht’s mir wieder! Z. B. habe ich mal eine Weile, allerdings schon viele Jahre her, Shopping Queen geguckt, natürlich wegen Guido, den Wohnungseinrichtungen der Damen und Guidos kecken Bemerkungen. Auf einmal war mein Interesse vorbei, ich hatte den Eindruck, es wiederholt sich und ich kenne schon alle Sprüche. Nichts Neues unter der Sonne!
Ich bin ein sehr begeisterungsfähiger Charakter, aber mag keine Wiederholung, wenn es sich nach Wiederholung anfühlt. Außer bei meinen Lieblingsgetränken und Lieblingsessen und Lieblingsmusik. Aber bei Musik muss ich auch immer wieder mal aussortieren. Ich habe auch schon Freundschaften sozusagen auslaufen lassen, wenn ich das Gefühl hatte, die Gespräche haben kein Entwicklungspotenzial mehr. Ich bin eindeutig nicht der „ach weißt du noch, damals, wie schön war es doch“-Typ. Mich interessiert die Gegenwart und das Kommende hundertzwanzigtausendmal mehr, weil unwägbar und damit interessant.
Aber historische Angelegenheiten von Anno Dazumal in Dokus oder Büchern kann ich verschlingen, wenn für mich neue Sachen exhumiert werden können. Gerade lese ich ein Buch über die Geschichte vom Hotel Sacher in Wien. Außerdem auf meinem Stapel ungelesener Bücher, ein Buch über die Geschichte vom Hotel Adlon seit seiner Gründung bis in die Gegenwart, vom Nachkommen Felix Adlon recherchiert und verfasst.
Parallel zu dem Sacher-Buch von Monika Czernin lese ich ein Mammutwerk über die Geschichte von Hollywood, wo auch sehr interessante Nähkästchenplaudereien zu finden sind. Von dem Harvard-Historiker Otto Friedrich in den Achtziger Jahren verfasst. Unglaubliche Details! „Markt der schönen Lügen“ heißt es. Da werde ich bald daraus zitieren. Allerdings lese ich auch ein bißchen quer, manches ist mir zu ausführlich, was geschäftliche Hintergründe angeht, zum Beispiel. Das Sacher-Buch lese ich unterwegs in der S-Bahn und U-Bahn und mittags, weil ein leichtes Taschenbuch. Das Hollywood-Buch lese ich nur daheim, es ist mir zu schwer zum Mitnehmen!

06. Dezember 2021
Heute Morgen, Viertelzehn. Vor dem S-Bahneingang Hackescher Markt: ca. 23-jährige Frau mit Selfiestick. Mundwinkel happy nach oben, löst aus. Mundwinkel fallen wieder runter. Fotocheck mit ernster Miene. Selfiestick wieder im Anschlag, Mundwinkel happy nach oben, löst aus. Mundwinkel fallen runter. Freudloses Gesicht. Licht an, Licht aus, Licht an, Licht aus. Making of „My-Happy-Life“-Show für Insta. Gewusst hat man es ja schon immer, aber so hautnah beobachten konnte ich das noch nie. Beeindruckendes Gefälle. Dabei können das unmöglich Sponsoren-Aufnahmen gewesen sein, die Klamotten und die Gesamterscheinung waren zu beliebig. Der Hintergrund, Eingang S-Bahnhof unglamourös, unfotogen, wirr, unruhig. Vielleicht eine einsame Touristin?
05. Dezember 2021

LIFE ON EARTH. Kaffeemaschinenteil, Puderdosenspiegel, Nägel, Silberpapier von geschäftlichem Briefumschlag, Goldpapier von Jenny-Geburtstagsgruß-Kuvert, beim Umzugskartonpackenhelfen geerbte Disco-Make up-Glitzersternchen aus den Siebzigern, DIVA-Lindt-Pralinenschachtelanhänger, Visitenkarte, Pappkarton, Kleber, 25 x 36 cm, 1. Mai 2018, Staatliche Museen von Gaganien

Es gibt Leben auf der Erde! Das ist der Beweis. Die Erdlinge machen Sachen wie Kaffeeautomatentassenabstellwärmeplatten und kleine Schminkspiegelchen und Glitzersternchen für Siebziger-Jahre-Disco-Make up und dicke kurze Nägel und Schachteln und Silber- und Goldpapier, aus denen die Erdbewohnerin Gaga Nielsen dann detailgetreue Abbildungen von den anderen Erdbewohnern macht! Mit Armen und Beinen und Bauch und Kopf mit Hipster-Dutt und noch was Rundlichem zwischen den Beinen!




05. Dezember 2021

HOPE – Extra Brut IV. Netzadapter-Transistoren, Netzadapter-Stecker, Teelicht-Alu, Büroklammern, Spiegelmosaik, Kleber, Acryl, Papier, Rahmenrückwand, 25 x 33 cm, 23./24./28. Juli, 01./22. August 2020, 10. August 2020, Staatliche Museen von Gaganien

Hope, Hoffnung. Auf alles Mögliche. Dass aus der Pandemie eine Endemie wird. Dass ich mich nicht mehr Montag bis Freitag alle vierundzwanzig Stunden testen lassen muss. Das ist übrigens kein Weihnachtsbaum, und war nie so beabsichtigt. Im Juli und August vor drei Jahren habe ich bestimmt noch weniger als sowieso schon an Weihnachtsbäume gedacht. Aber die Teile machen was sie wollen. Geschlachtete Netzadapter. Solche Sachen sind da drin.
Was mich trotz persönlicher Weihnachtssperre immer rührt, ist der Wunsch nach Glitzer in der Bevölkerung. Dem kann ich ganzjährig entsprechen! Ich habe das Bild aber quer aufgehängt, in meinem kleinen Bad im Atelier links unterm Waschbecken, ganz diskret. Halte ich jetzt nicht für mein Meisterwerk, aber dann gefällt mir doch wieder der Eispalast-Zauber, den es hat. Ich bin der Meinung, dass eine göttliche Hand meine als Verlängerung benutzt, und ich habe da nicht viel mitzureden. Also muss ich akzeptieren, dass im Juli und August vor drei Jahren ein Dings, das wie ein geschmückter Weihnachtsbaum aussieht, das Licht erblicken wollte.
Das Silly-Konzert war übrigens mit vorbildlicher Einlasskontrolle, alles wurde genau angeguckt. Wenn es überall und immer so wäre, ginge ich auch jetzt noch weiter zu irgendwelchen Veranstaltungen. Ist aber leider nicht der Fall. Das Konzert selbst war nicht so, dass ich es als Highlight meiner Konzertbesuche in Erinnerung behalte, deswegen auch kein ausführlicher Jubelbericht. Der Ton war leider nicht gut ausgesteuert, ich hab mir Tempotaschentücherfitzel in die Ohren gestopft, um überhaupt etwas zu verstehen. Die Damen haben alles gegeben und sehr artikuliert gesungen. Die Musiker sind eh gut. Aber für meinen – und auch Jennys – Geschmack zu viel nostalgische Ehrerbietung vor Tamara Danz und zu wenig Verneigung vor den Frontfrauen Julia Neigel und AnnaR, die jeweils eine nicht geringere Karriere hatten. Und noch am Leben sind!
Danach waren wir im Yo Soy in der Rosenthaler Str., Tapas und Wein. Da gibt es immer noch zu später Stunde Essen in schönem Ambiente. Aber den Impfausweis ohne Perso-Abgleich angucken, ist jetzt auch nicht so state of art. Also ich bin weiterhin gesund, wenn ich den letzten fünf Schnelltests glauben darf. Was ja auch nicht so in Beton gegossen ist. Aber fühlt sich so an.
Schönen Sonntag Allen! Besonders meinen Freundinnen, denen ich zuletzt Körbe gegeben habe. Ist nicht persönlich gemeint, wisst ihr ja. Bin nur übervorsichtig. Und last but not least einen innigen Geburtstagsgruß an Maria, die heute hat. Ich widme ihr allen Glitzer dieser Welt!


01. Dezember 2021
Lieblingsstelle. Vladimir Nabokov, Gelächter im Dunkel
»Nichts als tiefes Blau über sich, lag Margot auf dem platinfarbenen Sand ausgestreckt, ihre Glieder in Dunkelhonigbraun und mit einem dünnen weißen Gummigürtel, der das Schwarz ihres Badeanzugs unterstrich: das vollkommene Strandplakat. Der Länge nach neben ihr liegend, stützte Albinus seine Wange und schaute mit unendlichem Entzücken auf ihre geschlossenen Lider und ihren frisch geschminkten Mund. Ihr nasses dunkles Haar war aus der runden Stirn zurückgestrichen, und Sandkörner glitzerten in ihren kleinen Ohren. Wenn man sehr genau hinsah, konnte man ein schillerndes Glänzen in den Grübchen auf ihren braun glänzenden Schultern sehen. Das eng anliegende, schwarze, seehundartige Ding, das sie anhatte, war viel zu kurz, um wahr zu sein.
Albinus ließ eine Handvoll Sand wie aus einem Stundenglas auf ihren eingezogenen Bauch rinnen. Sie öffnete die Augen, blinzelte in die silberblaue Helligkeit, lächelte und machte die Augen wieder zu. Nach einer Weile richtete sie sich auf, legte die Arme um die Knie und blieb reglos sitzen. Nun konnte er ihren bis zur Hüfte bloßen Rücken sehen, auf dem entlang der Wirbelsäule Sandkörner glitzerten. Er wischte sie behutsam weg. Ihre Haut war seidig und heiß. «Himmel», sagte Margot, «wie blau das Meer heute ist. Es war wirklich blau: violettblau in der Ferne, pfauenblau mit zunehmender Nähe, diamantblau, wo die Wellen das Licht einfingen. Der Schaum überstürzte sich, rann, wurde langsamer, zog sich dann zurück und hinterließ einen glatten Spiegel auf dem nassen Sand, den die nächste Welle wieder überspülte. Ein behaarter Mann in orangeroten Hosen stand am Wasser und putzte seine Brille. Ein kleiner Junge quietschte vor Vergnügen, als der Schaum in die von einer Mauer umgebene Stadt strömte, die er gebaut hatte. Fröhliche Sonnenschirme und gestreifte Zelte schienen in der Sprache der Farben zu wiederholen, was die Rufe der Badenden für das Ohr waren. Ein großer bunter Ball wurde von irgendwoher geworfen und prallte mit einem dumpfen Ton auf den Sand. Margot grapschte ihn, sprang auf und warf ihn zurück.
Nun sah Albinus ihre Gestalt in das fröhliche Muster des Strandes eingerahmt; ein Muster, das er kaum bemerkte, so völlig war sein Blick auf Margot konzentriert. Schlank, sonnverbrannt, mit ihrem dunklen Wuschelkopf und den einen Arm mit dem Glanz eines Armbands noch immer vom Wurf ausgestreckt, erschien sie ihm wie eine köstlich kolorierte Vignette über dem ersten Kapitel seines neuen Lebens. Sie lief zu ihm hin, wie er der Länge nach ausgestreckt lag (ein Handtuch über den rosa Schultern voller Blasen) und die Bewegungen ihrer kleinen Füße beobachtete. Sie beugte sich über ihn und gab ihm mit einem berlinerischen Kichern einen ziemlich harten Klaps auf die wohlgefüllte Badehose.
«Is dit Wasser aber nass!», rief sie und lief in die Brandung. Dort ging sie mit schwingenden Hüften und ausgebreiteten Armen voran, watete in das knietiefe Wasser vor, fiel dann auf alle Viere, versuchte zu schwimmen, gluckste, krabbelte wieder hoch und ging weiter, bis zu den Hüften im Schaum. Er platschte hinter ihr her. Sie wandte sich nach ihm um, lachte, sputzte, wischte sich das nasse Haar aus den Augen. Er versuchte, sie unterzutauchen, packte sie dann am Fußgelenk, und sie strampelte und schrie.«
13, S. 57 – 59
29. November 2021

ERDE. Tinte, Acryl, Aquarellpapier, Spachtel, 30 x 100 cm, 14./15./17./18./24./25./28. November 2021, Staatl. Museen von Gaganien






28. November 2021


SECESSION III. Treasures from Gagania – Schätze aus Gaganien! Art Déco. Lidschattendöschen, runde Büroklammern, Visitenkarte, Kleber, Edelstahlrahmen, Acryl, Blattgold, 17 x 22 cm, 28. Juli, 02. August 2018, 04.. Januar 2020, Staatliche Museen von Gaganien


27. November 2021
Reiseunterlagen für die große Reise heute zum Tempodrom komplett: Perso, digitale Impfbescheinigung, frische Antigentestbescheinigung, Registrierung Eventim-Checkin, bei trinity per Mail Registrierung hingeschickt, dann vor Ort wohl noch mal Luca und natürlich das ausgedruckte Ticket, das uns Jenny besorgt hat. Tatsächlich findet das SILLY-Konzert nach drei Änderungen der Zugangsbedingungen in Berlin statt. In anderen Städten wurde abgesagt. Zuerst war es 3G, dann Änderung zu 2G, dann Änderung zu 2G+Test.
Ist nicht dieselbe unbefangene Vorfreude wie sonst bei Konzerten, klar. Aber wir haben keine Pläne mit anderen zu kuscheln. Ich zumindest nicht. Gibt feste Sitzplätze, man muss schon um 18 Uhr beim checkin sein. Ich könnte mittlerweile ein praktisches Handbuch schreiben: „Überleben ohne Smartphone“. Es ist z. B. nicht selbstverständlich, dass man nach einem Test in einem Testzentrum eine ausgedruckte Bescheinigung aus Papier bekommt, nur auf besonderen Wunsch, aber es ist möglich. Nun versuche ich mich weiter in vorfreudige Stimmung zu bringen, auch wenns regnet.
Es ist das Abschlusskonzert einer verzögerten Tour mit vielen Ausfällen und Verschiebungen, das finale Heimspiel in Berlin. An den Silly-Mikros singen die Damen AnnaR, früher Frontfrau von Rosenstolz und Julia Neigel, die meiner Generation noch ein Begriff sein sollte! Also ich freu mich jetzt einfach mal. Aufgrund der verschärften Auflagen wird es übrigens noch einige Tickets geben. Für Kurzentschlossene.
Als alter Wessi bzw. nur „gelernter“ Ossi ist es nicht selbstverständlich, einen Bezug zu Silly zu haben. Ich entdeckte einige Songs in den Neunzigern über das Album „Ostende“ von IC Falkenberg und Herrn Zöllner. Da ist z. B. „Asyl im Paradies“ gecovert, sehr schöner Song. Dann starb Tamara Danz und das ging durch die Presse. Sie war eine auffällige Figur, ich war aber kein Fan von ihr und ihrem Gesang. Als Anna Loos zu Silly kam und das Album ALLES ROT ein Erfolg wurde, hörte ich es mir komplett an und war völlig begeistert. Da kenne ich jeden Song aus dem Effeff. Ich mochte Anna sehr. Gefiel mir besser als Tamara Danz, was die alten Silly-Fans natürlich als Sakrileg betrachten werden. Aber Anna kam gut an. Nachdem sie die Band vor ca. zwei Jahren verließ, war das Mikro verwaist und die Silly-Musiker kamen auf die Idee, die Doppelbesetzung mit AnnaR und Julia Neigel auf Tour auszuprobieren, was gut zu funktionieren scheint. Bin also gespannt!
Mein Lieblingssong von ALLES ROT ist „Erinnert“.
25. November 2021
Salka Viertel erinnert den Tod ihres Freundes Fritz Murnau „Murr“:
»Berthold und ich saßen abends am Kamin und tranken unseren Kaffee, als ein Reporter der Santa Barbara Morning Post anrief und uns mitteilte, dass Murnau einen Autounfall gehabt hatte und in Santa Barbara im Krankenhaus lag. Sein Butler habe dringend darum gebeten, uns zu verständigen. Wir fuhren sofort nach Santa Barbara; der Nebel auf der Straße war so dicht, dass wir nur sehr langsam vorankamen. Auf dem Gaviotta-Pass sahen wir zwei total zerstörte Autos.
Es muss gegen ein Uhr nachts gewesen sein, als wir das Krankenhaus erreichten. Am Eingang wartete völlig verstört ein dunkler, schlanker junger Mann. Es war Stevenson. Stockend berichtete er. Sie hatten bei einer Tankstelle gehalten, und Murnau hatte ihn aufgefordert zu fahren. Der gemietete Chauffeur hatte eingewendet, dass er niemanden ans Steuer lassen dürfe. Aber Murnau reagierte so heftig, dass der Chauffeur schließlich Stevenson das Steuer überließ. Sie waren kaum zwanzig Meilen weit gefahren, als in einer Kurve ein Lastauto auf sie zukam und Stevenson den Wagen nach rechts riss. Er stürzte zehn Meter tief die Boschung hinunter. Weder ihm noch dem Chauffeur war etwas passiert, doch Murnau hatte eine schwere Kopfverletzung erlitten. Der Hund war weggelaufen.
Während Berthold sich verzweifelt bemühte, einen Gehirnspezialisten in Los Angeles zu erreichen, ging ich zu Murnau. Sein Zimmer war hell erleuchtet, das Bett in der Mitte blendend weiß. Er lag auf dem Rücken, sein Kopf war verbunden. Die Augen waren geschlossen, und aus dem einen Nasenloch sickerte eine dünne Blutspur zum Kinn hinab. Am Fußende des Bettes stand Mrs. Kearin, seine Sekretärin. Sie weinte. Ich beugte mich über ihn und flüsterte: »Murr- hörst du mich, Murr?« Mrs. Kearin schluchzte auf. »Er ist tot. Sehen Sie denn nicht, er ist soeben gestorben.« Ich konnte es nicht glauben. Seine Hände waren warm. Starb man so leicht? Sein Gesicht hatte den abweisenden Ausdruck, den es immer annahm, wenn er Fremden begegnete oder traurig war.
In Hollywood hat der Tod keine Erhabenheit und Würde. Dem Schock und dem Kummer folgten groteske Debatten mit dem Bestatter, der nicht begreifen konnte, warum ich es nicht zulassen wollte, Murnaus reservierten, hochmütigen Gesichtsausdruck mithilfe eines angemessenen Make-ups zu »mildern«. Der einbalsamierte Leichnam lag, in einen grauen Anzug gekleidet, eingesargt in einem sogenannten Salon des Bestattungsinstituts, umgeben von Gartenstühlen mit bunt gemusterten Chintzkissen für die Besucher, und von Kränzen und Kreuzen aus Gardenien. Nach einer trostlosen Zeremonie (in letzter Minute hatte der Bestatter doch noch seinen Willen durchgesetzt und Murnau geschminkt) wurde der Sarg nach New York und an Bord der Europa gebracht. Es war das Schiff, mit dem Murnau hatte heimfahren wollen – am 31. März.«
Salka Viertel, „Das unbelehrbare Herz“, S. 204, 205 (von der Autorin überarbeitete Übersetzung aus dem amerikanischen Original „The Kindness of Strangers“, 1969)



24. November 2021
Heute im gmx-Eingang:
Absender: tinder
Betreff: Dein Profil ist ausgeblendet
„Playing hard to get, ist ja ganz interessant – bis dein Profil gar nicht mehr angezeigt wird. 😱 Geh jetzt auf Tinder, damit das nicht passiert!“
Ah ja. Jetzt wird mir gedroht, weil ich nicht aktiv bin und länger niemanden geliked habe. Interessant! Im Betreff liest es sich, als ob ich schon ausgeblendet werde, in der Mail mehr so, als hätte ich noch eine Möglichkeit, das Ausgeblendet-werden zu stoppen. Habe mich kooperativ gezeigt, bin kurz auf tinder und habe dann den Zweiten, der mir vorgelegt wurde, geliked. Ein Max, 29, der wirklich ganz sympathisch rüberkommt. War gleich ein Match. Ich habe aber nichts geschrieben, gleich wieder zugeklappt. Bin gespannt, wie es weitergeht. Also nicht mit Max, sondern mit den Ermahnungsmails von tinder. Ich komme mir ein bißchen wie ein Schulkind vor, das seine Hausaufgaben nicht ordentlich macht und von der Frau Lehrerin immer wieder ermahnt werden muss. Das gefällt mir auf eine Art, weil ich mich dann sehr, sehr jung fühle! 🖤

24. November 2021
Oh… hätte ich nicht gedacht. Laut einer Studie ist es egal, ob man fünf Zigaretten oder eine Schachtel pro Tag raucht, der Schaden ist identisch. Betrifft mich zwar nicht persönlich, aber ich kenne doch einige verbliebene Raucher/innen. Möglicherweise ist es dann weniger schädlich wenn man UNTER fünf Zigaretten pro Tag raucht? Inhalieren spielt sicher auch eine Rolle, also die Intensität des Inhalierens. Ich gehe davon aus, dass leidenschaftliche Raucher immer inhalieren. Fragt sich nur wie tief. Wenn ich alle paar Wochen mal gelegenheitshalber rauche, ist es mir ein Bedürfnis zu inhalieren. Ich habe das Glück, nie abhängig davon gewesen zu sein. Für mich ist Rauchen vergleichbar mit dem Genuss einer besonderen Spirituose.
24. November 2021


I’LL BE YOUR MIRROR. Puder- und Lidschattendöschenspiegel, Zehensandalenkettenglieder, Ordnerrückenetikettenlochaufkleber, Pappe, 15 x 20 cm, 25. Mai 2018, Staatliche Museen v. Gaganien
23. November 2021

SERENDIPITY. Ladekabelschachtel, Pralinenpackungsschnipsel, Pappe, 17 x 22 cm, 28. April 2018, Staatliche Museen v. Gaganien






23. November 2021
„Ich habe belgische Pralinen mitgebracht, weil ich finde, das lockert ein bißchen am Anfang das alles auf.“
Günter, 52, First Dates, VOX
23. November 2021


ELVIS forever. Pappkrone Bedingungsloses Grundeinkommen 2009, Dreikant-Versand-Pappschachtel 44 x 11 x 11 x 11 cm, Lack-dc-fix in weiß, 23. August 2018, Staatliche Museen von Gaganien


Das ist ein Portrait von Elvis Presley, man könnte auch von einer Skulptur sprechen. Ich habe viel Hingabe aufgewendet, das Wesentliche einzufangen. Man erinnert sich auf Anhieb an seine schönsten weißen Bühnenoveralls mit Goldapplikationen. Das Werk spricht meines Erachtens für sich, was soll ich da groß erklären. Es befindet sich in meinem Privatbesitz. Nach meinem Ableben erhält es nach Rücksprache mit Priscilla und Lisa-Marie einen besonderen Platz in Graceland. Dieses ist mein Vermächtnis!


22. November 2021

„…OVER THE MOON…“ . Acryl, Gesso, Leinwand, 20 x 40 cm, Schattenfuge,13. November 2021, Staatliche Museen v. Gaganien



Noch ein Anlegebild. Zwischen Jupitier und Fabergé. Zwanzig Zentimeter Lückenfüller. Aber viel wichtiger: „Vokabeln lernen mit Gaga Nielsen!“ Die überaus liebreizende Formulierung „over the moon“ kommt nicht aus der Raumfahrt und ist kein Fachausdruck der NASA, sondern ist ungefähr dieselbe geographische Ortsangabe wie „Cloud Nine“, was dasselbe ist wie im siebten Himmel sein. Überglücklich, aus dem Häuschen! Ich finde, es tut einfach gut, sich mit solchen Begriffen zu beschäftigen, das färbt dann immer ein bißchen ab. Bedauerlich hingegen finde ich, dass ich diese schöne Formulierung von keinem Englischlehrer gehört habe. Und ich hatte zuletzt immerhin sogar einen Briten und einen Amerikaner als Lehrkräfte. Das wäre doch hilfreich gewesen! Zielführend! Aber nein. Wo habe ich es her? Entweder von einer englischsprachigen Doku auf youtube, wahrscheinlich über Lady Diana, oder irgendeinem englischsprachigen Buch, das sich ebenfalls mit Royal Gossip befasste. Mein bevorzugtes Themengebiet, um mein Englisch ganz nach vorne zu bringen!

22. November 2021

LUXUS-CHAOS. Luxus-Gold-Schnipsel von Luxus-Pralinen- und Luxus-Spirituosen-Karton, und Luxus-Geburtstagsbriefumschlag von Luxus-Jenny, fixiert mit Luxus-Kleber auf Luxus-Karton, 8 x 18 x 2,5 Luxus-cm, 28. April 2018, Staatl. Luxus-Museen v. Gaganien













