TELEDAT. Kernprozessoreinheit(?) Transformator aus Kupferspule mit gewichtigem Eisenkern v. Telekom-Modem (?), Kugelschreiber, Acrylgold, Verpackungsschachtel (v.?), 12,5 x 12,5 x 2 cm, 30. Juni/22. Aug. 2018/21. Nov. 2021, Staatliche Museen v. Gaganien

Beruhigende Geometrie. Geordnete Linien und Flächen. Sehr leicht, visuelle Ordnung herzustellen. Ich glaube, das ist in meinem Fall ein Gegenzauber, ein Harmonisierungsversuch gegenüber dem (scheinbaren) Chaos, das einen sonst so umgibt. Ich kann mir sehr, sehr sicher sein, dass mich in der Zurückgezogenheit meiner privaten Wände niemand hindern wird, ein altes Teledat-Modem zu öffnen und einzelne Teile zu explantieren und mit geometrischen Verzierungen zur Reliquie zu erklären. Kaum jemand würde daran gehindert werden. Viel zu unspektakulär. Viel, viel schwieriger ist es für mich zu verstehen, wie man nicht-materielle Hinterlassenschaften ordnet. Gefühlshinterlassenschaften zum Beispiel. Wenn ich Materie ordne, versuche ich auch eine höhere Ordnung zu beschwören, anzurufen. Ob sie mich erhört, weiß ich nicht, aber wenn so ein materieller Prozess abgeschlossen ist, habe ich immer die völlig irrationale Empfindung, dass sich auch innerlich etwas geordnet hat. Was ich dabei an irdischer Materie bearbeitet habe, steht nicht in direktem Zusammenhang mit meiner inneren Empfindungswelt, die Gedanken verfolgen kann, die nicht das Geringste mit dem Objekt und den entstehenden Formen zu tun haben. Nur manchmal trifft es an einem Punkt zusammen, dann bin ich immer perplex. Auch elektrisiert. War bei diesem Teil nicht der Fall, aber es gibt einige. Als ich den Kern mit der Kupferspule ausgebaut hatte, realisierte ich, dass ausschließlich dieser quaderförmige Kern das immense Gewicht der alten Modems ausmachte. Das kann ja nur Eisen sein. Ich habe etwas dilettantisch versucht, den technischen Hintergrund, die Spezifikation zu eruieren, vielleicht habe ich es auch falsch verstanden. Leider habe ich zu wenig Kenntnis von Kommunikations- und Elektrotechnik. Aber dass in allen Geräten, die ich bisher aufgeschraubt und aufgebrochen habe, Kupferspulen in unterschiedlichen Größen sind, ist mir nicht entgangen. Einmal habe ich angefangen, eine größere Kupferspule abzuwickeln. So groß nun auch wieder nicht, aber es gibt ja auch ganz kleine auf den Platinen. Ich wickelte und wickelte und wickelte. Es nahm kein Ende. Es war ein endloser Strang wie feines Engelshaar aus Kupfer. Vor mir war ein immer größer werdendes Knäuel aus haarfeinen Kupferfäden. Erinnerte mich ein bißchen an meine jugendlichen LSD-Experimente Mitte der Achtziger Jahre, bei denen ich bizarrste visuelle und zeitliche Wahrnehmungen hatte.

Eine Antwort auf „10. Dezember 2021

  1. kid37 – 12. Dez, 11:19
    Ah, ein Transformator! Das lädt das Kunstwerk auf mit elektro-spirituellen Untertönen. Eines meiner Lieblingszitate von Patti Smith: „The transformation of waste ist perhaps the oldest pre-occuptaion of man“.

    g a g a – 12. Dez, 11:28
    Ah! Ein TRANSFORMATOR! Toll. Die Elektro- und Telekommunikationstechnik hat so hübsche Namen! Aber mit dem Eisenkern lag ich schon mal richtig!

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