Daheim geblieben. Im Warmen und Trockenen. Vor dem Fenster Regen. Habe Portraits („Personenbeschreibung“) von Georg Stefan Troller auf youtube geschaut, eine Sendung nach der anderen. Vor zwei Tagen auch schon eine über Peter Handke und sein Leben in den Siebzigern in Paris. Wie er seine Tochter versorgt, ihre Kindergartentasche packt. Pausbäckig. Also er. Danach spätnachts ein späteres Interview vom ZDF, war auch eine Nachtsendung damals („Nachtstudio“, nicht mit Troller, sondern Volker Panzer). Schönes Gespräch. Da war Handke dann nicht mehr pausbäckig, viel charismatischer. Schon ein bißchen verwelkt, aber durch die insgesamt unprätentiösere Ausstrahlung attraktiver.

Dann heute die Personenbeschreibung-Sendung über Leonard Cohen, der nichts von sich preisgab, was man ohnehin schon wusste, und das war nicht viel. Aber es gibt ja die Lyrik, die Texte, da ist alles drin, darauf wird immer verwiesen, von den sich bedeckt und verschlossen gebenden Künstlern, die ja doch mit ihrem sehr persönlichen Werk in die Öffentlichkeit wollen. Ist ja alles legitim. Wen ich sehr unangenehm fand, war Woody Allen. Ich hatte auch ein déjà vu, dass ich diese Sendung schon einmal damals gesehen haben muss. Vielleicht in den Achtziger Jahren, als ich seine ganzen gewitzten Manhattan Filme mit Diane Keaton schon kannte und dann fröstelnd dem griesgrämig und depressiv wirkenden Allen in Trollers Interview folgte.

Dann gab es noch zwei kurze Portraits, Interviews vielmehr. Mit Juliette Gréco, die damals in den Sechzigern eine Beziehung mit Michel Piccoli führte, der daneben saß und Sätze einwarf, sehr persönlich, man spürte die Vertrautheit mit Gréco, und ein weiteres Interview mit Kommentaren von Troller mit Edith Piaf, die damals, auch in den Sechzigern, gerade ihren letzten Mann ehelichte. Sie war 47, er 26. Und Troller spekulierte ungeniert über die vermutet wahren Hintergründe, warum sich der Friseurgehilfe mit der verlebten Piaf zusammentat. Geld könnte nicht der Grund gewesen sein, da sie es mit beiden Händen zum Fenster herauswarf, also die garantierte Aufmerksamkeit, die Publicity. Mag sein. Ich habe die kommentierende Stimme mit dem österreichischen Tonfall und dem betont unemotionalen Duktus offenbar noch von früher sehr stark verinnerlicht. Wenn ich Trollers Kommentare in den Dokus höre, stellt sich immer Gemütlichkeit ein, auch wenn er etwas spitzfindig eher ungemütliche Beobachtungen einstreut. Er ist schon ein Original, der nun Hundertjährige. Die von mir erwähnten Portraits und Interviews sind alle sehr leicht auf youtube zu finden.

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