

OLYMP. Pralinen- sowie Spirituosen-Verpackungs-Goldkarton, Lidschattenapplikationsdöschenspiegel, Kleber, High Tech-Gadget-Verpackung, 16x28x5, 28. April 2018, Staatl. Museen v. Gaganien






OLYMP. Pralinen- sowie Spirituosen-Verpackungs-Goldkarton, Lidschattenapplikationsdöschenspiegel, Kleber, High Tech-Gadget-Verpackung, 16x28x5, 28. April 2018, Staatl. Museen v. Gaganien

















Da war ich heute Nachmittag. In der Ausstellung über Salka Viertels Exilanten-Salon in Santa Monica, im wiederaufgebauten Liebermannhaus am Pariser Platz 7. Morgen ist der letzte Ausstellungstag. Zufällig lese ich gerade die letzten Seiten eines Buches über die Verbindung von Salka Viertel und Greta Garbo, da wollte ich diese Gelegenheit nicht versäumen. Und auch die virtuelle Begehung von Max Liebermanns Wohnräumen und seines Ateliers mit so einer Brille ausprobieren. Schon beeindruckend, war aber nicht ganz scharf zu sehen, das durch-die-Räume-gehen. Vielleicht war die Brille leicht beschlagen. Trotz 2G muss man die Maske aufbehalten. Ist schon ok. Wirklich neu war für mich in der Salka-Ausstellung das Haus in der Mabery Road von allen Seiten mit Pool und Garten in einem kurzen Film in Farbe zu sehen. Wundervolles Häuschen. Da hätte ich mich auch wohl gefühlt.






WIDDER & LOTUS. Goldkarton von Pralinenschachteln, Kleber, schwarzer Rückkarton mit Lederprägung von Präsentations-Hand out, 24 x 33 cm, 18. April 2018, Staatliche Museen von Gaganien.







GUTS. Eingeweide. The Core. Kupferspulen von Weltempfänger, Metallteile, Kartonschnipsel, Acryl, mit Stoff und Papier beklebter Pultordner, 24 x 35, 09. Juli 2018, Staatliche Museen v. Gaganien




SHEHERAZADE. Overheadprojektorfolienverpackungsschachtel, Rückseite schwarzer Schnellhefter, Acryl, Nagelschere-Cut outs, Papier, 22 x 31 cm, 08. Juli 2021, Staatliche Museen v. Gaganien.

Das Werk hängt über dem Durchgang zu meinem Schlafzimmer. Aus der Epoche meiner Basteleien auf dem Wohnzimmerteppich (beim Fernsehgucken), unter Verwendung von nicht benötigten irgendwie interessanten Verpackungen, im Jahre MMXVIII A.D.


Zauberhafter Neuzugang in der gaganischen Nationalgalerie, in der sich meine Lieblingsgemälde von Malern der letzten zwei Jahrhunderte befinden: František Kupka, Amorpha, warm chromatic, 1911 – 1912, 105 x 105, Öl auf Leinwand, Museum Kampa Prag. Der Staats-Etat für Kunst und Kultur ist in Gaganien besonders hoch, deswegen spielt Geld bei der Anschaffung neuer Werke für die Sammlung keine Rolle! Was natürlich sehr schön ist, weil Bilder von Herrn Kupka nicht zu den Schnäppchen gehören. Auch das ist ein Grund, weshalb ich sehr gerne in Gaganien lebe. Wir haben hier keinen extra Haushalt für Verteidigung, weil Waffen nur angeschafft werden dürfen, wenn sie kunsthandwerklich interessant sind, also hübsche Intarsien haben oder feine Ziselierungen, wie historische Dolche. Die gehören dann aber auch wieder in die Nationalgalerie und werden vom Staatsministerium für Kunst und Kultur bezahlt. Nicht hübsche Waffen oder Panzer werden nicht angeschafft, weil die nicht schön aussehen und keine musikalischen Töne machen können und daher völlig sinnlos sind!


WWerkstätte. Präsentgoldkarton (Schokoladentrüffel und Cognac? Calvados? Champagner?), Rahmenrückwand, Passepartout, Kleber, 31 x 37 cm, 29. April 2018, Staatliche Museen v. Gaganien.






Eben hat mir Beate Wedekind Wolf Biermanns Ermutigung in Erinnerung gebracht. Heute wird er fünfundachtzig, der alte Skorpion, der nie seinen Stachel versteckt hat. Zwischen 1986 und circa 2006 habe ich ihn oft gehört, vor allem, als ich seine Liebeslieder entdeckt hatte. Vor fünfzehn Jahren gab es eine schöne Feier im Berliner Ensemble (wo er in jungen Jahren Dramaturg war), bei der ich ihn auch fotografierte und er mir sein Buch signierte. Er hat ein paar ewige Lieder geschrieben, die völlig Regime-unabhängig ihren Wert haben, hatten und immer haben werden. Sicher, die Rebellions-Geschichte dahinter zu kennen, ist nicht irrelevant zu wissen, aber seine größere Kunst manifestiert sich in einem subtilen, eigentlich unakademischen Berührtwerden.

Neben „Ermutigung“ und der „Ballade vom preußischen Ikarus“ mochte ich immer besonders „Das Frühstück“ und „Kuckuck Kuckuck„…und den sehr, sehr geliebten „Hugenottenfriedhof„.

Hi Folks, hey Leute!
Guten Morgen. Ich wende mich heute mit einer kleinen Sonntagspredigt zum Thema Dankbarkeit an die Gemeinde. Da Predigten ja manchmal auch recht anstrengend sind, habe ich mir diese groovy Ansprache überlegt, um die Motivation zu erhöhen, weiterzulesen. Zum Thema. Ich bin schon seit einer Stunde auf, um 8:15 Uhr bin ich aus dem folgenden Traum erwacht:
Ich gehe am späten Nachmittag vermutlich, es war noch hell, die Kantstraße entlang, auf der Seite, wo die Paris Bar ist, ungefähr auch auf der Höhe, bißchen weiter hinten. Da kommt ein Lokal, eine sogenannte Pop up Bar, die mir bislang unbekannt war. Unspektakuläre Einrichtung, alles weiß, mehr wie eine Galerie. Es gibt ein paar Gäste, aber alles recht überschaubar, hauptsächlich Männer. Ich erkenne Keith Richards und Mick Jagger, die am weißen Tresen rumstehen, mit Blick zur Tür.
Keith nickt erkennend in meine Richtung und kommt auf mich zu. Wir begrüßen uns wie alte Bekannte und machen small talk. Es ist scheinbar kein Corona, ich habe weder G2-Aufkleber noch Maskenhinweise gesehen. Keith holt ein paar Karten aus seiner Jackentasche und gibt sie mir. Es sind keine Konzertkarten, aber besondere Tickets, um sich, wenn man schon mal drin ist, in einen besonderen Bereich zu begeben, so eine exclusive Spezialtribüne. Es sind ungefähr fünf Karten. Ich bedanke mich.
Unmittelbar danach treffe ich zufällig meine Facebook-Freundin Cosima Wald und frage sie, ob sie welche von den Tickets haben will, da sie mir als Stones-Fan in Erinnerung ist. Sie winkt ab und erklärt: „Nein Danke, das letzte mal war mir dann doch zu anstrengend.“ Ich bin überrascht, weil ich ihre Reaktion auf das letzte Stones Konzert anders in Erinnerung hatte. Ja, ich möchte sagen, begeistert.
Auf einmal bin ich wieder vor der Bar in der Kantstraße, vor der Tür, da kommt ein anderer Facebook-Freund, Max Zorn aus der Tür. Wir begrüßen uns „hi, Du auch hier?“ Ich biete abermals eines meiner Tribünen-Tickets an und flechte ein, dass ich sie von den Stones persönlich bekommen habe. Was ja eigentlich beeindrucken sollte.
Auch er winkt ab. Obwohl er mir nicht als sonderlicher Stones Fan in Erinnerung ist (im Gegensatz zu seiner Freundin Ilka), zieht er ein Konzert Ticket für ein Stones Konzert aus der Hosentasche und zeigt es mir mit den Worten „ich hab schon längst ein Ticket, für morgen!“ Ich wende ein, dass es sich bei meinen Tickets aber um besondere Zugangspässe für die VIP-Tribüne handelt. Er zeigt sich unbeeindruckt, überlegt einen Moment und meint dann: „ich überlege, ob ich überhaupt hingehe. Eigentlich hab ich gar keine Lust.“
So viel zum Thema Facebook-Freunde und Dankbarkeit. Ich habe jetzt immer noch fünf Spezialtickets für die VIP-Tribüne. Gelten für alle Konzertermine der Rolling Stones.

Wissenschaftliche Umfrage:
was war das danebenste (Geburtstags-)Geschenk, das du mal von (d)einem Lover/(d)einer Liebsten/deiner Frau/deinem Mann bekommen hast?
Meine Antwort:
zu meinem einunddreißigsten Geburtstag 1996 präsentierte mir mein damaliger (um einiges ältere) Langzeitliebhaber „Hitlers willige Vollstrecker“ von Daniel Goldhagen. Seinerzeit ein viel besprochener Bestseller. Möglicherweise hatte ich es in den vier Jahren der bis dahin vorhandenen Beziehung versäumt, meine romantische Ader zu offenbaren.
Kollegin:
zu ihrem einundzwanzigsten Geburtstag präsentierte ihr 25 Jahre älterer Liebhaber (der auch ihr Geographie-Professor an der Uni war) ihr mit großer Geste ein schlampig eingewickeltes Geschenk im DIN A-Format. Inhalt: seine Habilitationsschrift über Klimaveränderungen in Westafrika.
P.S. ich wäre sehr an euren Antworten interessiert ! :-)


Für Emilie Flöge. Zerstückeltes Kinderbilderbuch „Der Regenbogenfisch“, Geschenkpapier, blauer Nagellack, Kleber, Pappkarton, 34 x 42 x 6, 13. Mai 2018, Staatl. Museen v. Gaganien.
Emilie Flöge war eine Wiener Modeschöpferin, die in einem feinen Modesalon Reformkleider kreiert hat. Ihr Atelier und Verkaufsraum war mit Möbeln der Wiener Werkstätte ausgestattet. Ihr Lebensgefährte war Gustav Klimt, der ein Filou war. Alle Söhne, die er mit anderen Frauen gezeugt hat, wurden Gustav getauft. Emilie Flöge hat mich Zweitausendachtzehn arg beschäftigt. Wie auch die Wiener Werkstätte und die extravaganten Reformkleider, die immer lang und locker und weit und oft wild und grafisch gemustert waren. Darunter konnte man sehr gut Luft holen, was bei den gängigen Kleidern mit Korsett und Einschnürungen nicht der Fall war. Das Reformkleid war eine Revolution! Emilie hat viele entworfen, aber auch die Künstler der Wiener Werkstätte. Dazu hat Emilie sehr gerne aufwändigen Schmuck von Koloman Moser und Josef Hoffmann getragen. Ein Stück schöner als das andere. Grandios! In meiner Bibliothek gibt es manches schöne Buch über die Wiener Werkstätte, die Möbel, die Stoffe, die Silberwaren, den Schmuck und auch die Kleider. Diese werden nicht zerstückelt!



Wasserskorpion. Papier, Fragmente „Gaga Nielsen, Papillon„, Leinwand, Acryl, 30 x 50 cm, 13., 16. und 17. Oktober 2021, Staatliche Museen von Gaganien. Links von FLUSH II.hängend.






FLUSH II.. Papier, Fragmente „Gaga Nielsen, Papillon„, Leinwand, Acryl, 50 x 120 cm, 15./16. Okt. 2021, Staatl. Museen v. Gaganien.


In Charlottenburg über einer Tür, links um die Ecke vom JUPITIER


Jupitier. Tinte, Papier, Fragment „Walter Becker, Terzett III“, Acryl, Leinwand, 40 x 120, 23./24. Okt. 2021, Staatl. Museen v. Gaganien




Das Jupitier hier kommt links von Fabergé. Aber vielleicht ändere ich die Reihenfolge auch noch. Das hängt dann alles wie so ein Fries direkt unter einer Decke. Das Jupitier bringt ganz viel Glück!


Fabergé. Tinte, Papier, Acryl, Leinwand, 40 x 50 cm, 24., 31. Oktober und 02. November 2021, Staatliche Museen v. Gaganien



Das ist mehr so ein Domino-Anlegestein, rechts von einem anderen Bild gedacht…. heute hat sich gezeigt, meine Maßanfertigung ist zu schmal, ich hab mich vermessen. Jetzt bau ich nochmal zwanzig Zentimeter an, das Bild muss noch gemalt werden. Welches Bild links davon kommt, zeige ich auch gleich.

„Ich bin ein Glücksmensch, dass ich einen Beruf habe, der mir erlaubt, so viel unterwegs zu sein. Und dann wiederum kann ich von Glück sagen, dass ich Pianist bin. Ein großartiges Instrument, das Klavier, gerade groß genug, um es nicht mitnehmen zu können! Anstatt zu üben, kann ich lesen, essen, trinken und anderen Aktivitäten nachgehen. Bin ich nicht ein Glückspilz?“
Arthur Rubinstein
Arthur Rubinstein – Das Abschiedskonzert 1975 (auf arte)

GOTT IV. Planets of the Universe. Schlangenvogel. Leinwand, Acryl, 30 x 100 cm, 03./04. Nov. 2021, Staatl. Museen v. Gaganien














Olympus μ [mju] Zoom 115. Eingeweide Olympus μ [mju] Zoom 115…Linsen, Platine, Transistoren, Klebstoff, Zebraserviette, Karton, 25 x 31 cm, 29. Mai 2018, Staatliche Museen v. Gaganien




METROPOLIS. Metallbeschläge, Wechselrahmenklammern, Schuhlöffel, Puderdoseneinlagen, Acryl, Chromspray, Lackmalstift, Zebraserviette, Rahmenrückwand, 30 x 40 cm, 30. Mai 2018, 10. März 2019, 14., 15., 17. März 2020, Staatl. Museen v. Gaganien

Manchmal dauerts länger. Begonnen auf dem Wohnzimmerteppich im Mai 2018, ins Atelier transportiert, weil keinen Platz in der Wohnung gefunden und im März 2019 weiter daran gewerkelt, weil ich nicht zufrieden war. Im März 2020 fiel mein Blick wieder darauf und ich pinselte nochmal drei Tage herum, bis es dann genug war.



PANTHER. Möbelscharniere, Schrauben, Bilderrahmen-Aufhänger, Tonpapier, leere Pralinenschachtel, Gliedergürtel-Messingpanther, 19 x 19 x 4,5 cm, 22. Mai 2018, Staatliche Museen von Gaganien

Mehr Metall. Irgendwann in den Neunzigern habe ich einen Versace-mäßigen Gliedergürtel aus Messing gekauft, der aus verketteten hintereinanderlaufenden Leoparden besteht. Panther ist biologisch nicht ganz korrekt, weil Panther ganz dunkle Leopardenkatzen ohne helle Leopardenflecken sind. Es gibt aber auch dunkelbraune Panther mit schwarzen Leopardenflecken. Der Gürtel war ziemlich lang, zu lang. Ich habe ein paar Teile abmoniert und davon eine Stiefelkette gemacht. Eine Raubkatze war übrig. Für mich sieht das Tier sehr pantherig aus. Der ganze Bewegungsablauf, wie er so herumpanthert. Ich glaube, den Gürtel hab ich nur ein- oder zweimal angehabt. Aber ich hab ihn noch. Schwierig zu kombinieren! Eine echte Challenge. Aber zu schade zum Aussortieren. Solche Sachen finden sich in meinem Haushalt.



EXTRA BRUT III. Schrauben, Dübel, Kringel-Büroklammern, Lackmalstift, Bastelkleber, Acryl, auf Verpackungsschachtel. 22 x 26 cm, 28. Juli/2./3./11. August 2018, Staatl. Museen v. Gaganien


Nein, das ist NICHT nochmal „Extra Brut II.“ sondern „Extra Brut III.“! Wesentlicher Unterschied neben der völlig anderen Silhouette: hier wurden Dübel verarbeitet, außerdem haben die Schrauben nicht für alle Kringel gereicht, aber dennoch ein prickelndes Werk, wie Champagner, extra brut! Ist parallel zu Extra Brut II. entstanden. Annähernd synchron, auf dem Wohnzimmerteppich. Ich vermute, die Schrauben-Epoche meines Werkes ist hiermit beendet. Es gibt da noch ein Werk namens „Gott II.“, auch mit Schrauben, ebenfalls aus dieser Schaffensära. Kommt noch. Ist alles dokumentiert. Danach Nägel und div. andere alte Schachteln.




EXTRA BRUT II. Schrauben, Kringel-Büroklammern, Lackmalstift, Uhu-Bastelkleber, Acryl, auf Bilderrahmen-Verpackungsschachtel. 19 x 24 cm, 28. Juli/2./3./11. Aug. 2018, Staatl. Museen v. Gaganien

Mehr Schrauben! Aufräumtipp für Schrauben, die man voraussichtlich nicht mehr anderweitig verschrauben wird. Wieso hatte ich eigentlich so viele Schrauben? Da muss doch irgendetwas auseinandergeschraubt worden sein. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben Schrauben gekauft zu haben. Nägel schon! Riesige Zimmermannsnägel, kurze Nägel, lange Nägel, alle möglichen Nägel! Aber Schrauben? Egal, interessiert ja auch niemanden! Ich werde mal weiter präsentieren, was ich Zweitausendachtzehn aufräumenderweise alles fabriziert habe, nachdem mir die Lust zu fotografieren vergangen war. Dann war daheim alles ausgemistet und aufgeräumt und ich wollte immer noch weiterwerkeln. Und dann fiel mir wieder ein, dass man ja auch Sachen auf Leinwänden machen kann, es müssen nicht immer Verpackungsschachteln sein. So kam das, dass ich wieder anfing Bilder zu malen. Auf Leinwände, wie man das halt so macht.



PRAYER. Anrufung. Gebet. Nicht definierbare, weil unerinnerbare Scharnierteile, Handtaschenglieder, Verpackungskarton, Tippex, Schrauben, 21 x 29 cm, 15. Mai 2018, Staatl. Museen v. Gaganien




„Wenn einer von uns stirbt, fahr ich nach Amerika“
(angeblich) Sigmund Freud zu seiner Frau. Wurde zitiert in einer gerade laufenden Doku auf Arte über jüdischen Humor.
Charmant. Genau mein Humor!


Das Foto mit dem Dachgiebel ist eigentlich nicht so wahnsinnig toll, aber für mich interessant. Es handelt sich hierbei um ein Forschungsergebnis. Ich wollte erforschen, ob ich, wenn ich in den Prinzessinnengärten bin, von irgendeiner Position das Haus sehen kann, in dem meine kleine Werkstatt ist. Das ist das Ergebnis: ich kann das Dach mit dem Giebel sehen! Drunter geht es rosa weiter. Jawohl! Das ganze Haus ist mittlerweile Rosa, abgesetzt mit einem zarten Hellgelb. Mittlerweile deswegen, weil es vor fünfzehn Jahren Orange war und das ist das Resultat der fleißigen Sonne. Als ich vor achtzehn Jahren entdeckt habe, dass das stuckverzierte Fenster in der Mitte zu meiner kleinen Küche gehört, war ich entzückt, ja ich habe mich ein wenig geadelt gefühlt! Obwohl ich es von drinnen ja gar nicht sehen kann. Aber wenn ich auf dem Balkon bin, der sich hinter der Vogelbeere rechts im Bild versteckt, und Richtung Westen zu den Prinzessinnengärten gucke, seh ich die Verzierung schon. Ich denke mir, dass von meiner Werkstatt in der Mitte vom rosa Haus gute Vibrations in alle Richtungen und Etagen ausgehen, dafür ist die Position mittendrin am allerbesten!


Mit zwei Schnappschüssen von den schönsten Trend-Accessoires schließe ich meinen Bericht von den diesjährigen Herbst-Schauen. Wir sehen eine große Federboa in Dschungelgrün, die sich im Grunde mit jedem Outfit kombinieren lässt (man muss es tragen können), vom Label „Jungle Princess“, und ein fein gewebtes Chiffon-Carré im Ahornblätter-Dessin in Limette, Chartreuse und Maigrün von „Evergreen“. Das war wieder eine tolle Fashion Week!


Ganz starker Auftritt beim gestrigen Opening der Show des Berliner Labels „Emerald Ivy“: asymmetrische, smaragdgrüne, bodenlange one shoulder Abendrobe mit Stretchanteil aus vollständig ökologisch abbaubaren Naturfasern. Die dekorativen Blätter wurden einzeln in einem sich selbst prozessierenden öko-high-tech-Zellteilungsverfahren hergestellt und maßgeschneidert mit Biomasse am Körper des Models fixiert. Obwohl das Kleid sehr figurbetont ist, bleibt Bewegungsspielraum für den großen Auftritt.*

*Preis auf Anfrage



Als Modereporterin sehe ich mich in der Pflicht, meine Leser*innen auf die wichtigsten Trends aufmerksam zu machen! Ganz stark waren bei den gestrigen Schauen Hagebutten-Muster vertreten. Es gab praktisch keinen Designer, der nicht irgendwo eine Hagebutte gezeigt hat, und wenn es nur als Gehänge am Hals oder Revers oder Rocksaum war. Das absolute MUST HAVE in dieser Saison!


Gestern war ich bei einer tollen Fashion Show. Das coolste Outfit war ein schwarz-weiß-roter Mantel aus Federn von einem Berliner Label („Stylish by Nature“). Ich habe bei der After Show im Gespräch mit dem Male Model versucht rauszubringen, ob das ein Einzelstück ist oder ob ich das auch in meiner Größe kriegen kann. Leider habe ich ihn ganz schlecht verstanden, es war dermaßen laut. So ein technomäßiger Sound wie „tock tock tock“ hat ein vernünftiges Gespräch leider unmöglich gemacht.







Und dann gibt es in den Prinzessinnengärten auch noch interessante Marmor- und Steintafeln mit Inschriften in Jugendstilbuchstaben. Es sind Ehrentafeln für Menschen, die einmal gelebt haben. Meistens steht der Name und das Geburtsdatum und das Datum vom letzten Tag, den sie auf der Erde verbracht haben, darauf. Sehr hübsch. Manche haben ein kleines Gärtchen mit eigenem Gartenzaun davor. Hier sieht man zum Beispiel einen Gartenzaun mit Jugendstilblumen. Gefällt mir sehr gut. Ich möchte später auch eine Gedenktafel haben, die ein Hingucker ist. Zaun brauche ich nicht, mehr so offen. Auf jeden Fall sind die Jugendstilschriften und -Formen immer noch sehr stylish und kommen nicht aus der Mode. Wie die Natur eben auch! Sie kommt einfach nicht aus der Mode! Ein echter Dauerbrenner in Sachen Erdfashion! Die Herbstkollektion ist wieder sehr gelungen!



Bäume in den Prinzessinnengärten. Die Entfernung von meiner Werkstatt in der Schierker Str. 27 zur Adresse Hermannstr. 103 – 105 beträgt angeblich 134 Meter, aber ich stelle fest, dass der Eingang auf der Landkarte falsch positioniert ist, daher ziehe ich 34 Meter ab und komme auf 100 Meter. Diese nehme ich gerne zu Fuß. Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah! Ich bin ein effizienter Typ. Zum Beispiel habe ich mich letztes Wochenende gar nicht damit aufgehalten, möglichst weit nach hinten zu laufen, sondern habe im Radius der vorderen hundert Meter eine kleine Runde gedreht, Oktobersonne im Gesicht, querfeldein nach links und rechts, fertig war der Herbstspaziergang mit Fotobeute! Und schon konnte ich wieder weiterpinseln. Hatte aber trotzdem das volle, satte Herbstspaziergang-Erlebnis mit Sonne-Tanken (Vitamin D!). So gefällt mir das. Es gibt auch in der Stadt beeindruckende Baum-Personalities, man muss nicht umständlich in den Taunus oder Bayrischen Wald. Augen auf!











Beide Tage unglaublich schön, Samstag und Sonntag. Oktobersonne kann so wärmen. Drumherum der satte Herbst. Jetzt werden auch die Blätter gelb. Sonne, die nicht so inflationär brennt, dass es einem zuviel wird und man wieder den Schatten sucht. Vormittags habe ich in meiner Wohnung die volle Ladung bekommen, später raus. Gestern war ich mal wieder in den Prinzessinnengärten, schräg gegenüber von meiner Werkstatt. Der stillgelegte Friedhof wird immer schöner verwildert. Jetzt mit Baumlehrpfad. Bilder gemacht. Zeig ich noch. In meiner Werkstatt kommt die Sonne jetzt nicht mehr ganz übers Dach, erst zum Sonnenuntergang scheint sie durch den Bambus. Heute Mittag eine Pflanze vom Dach von meiner Wohnung geangelt, die mit schwerem Blumentopf beim Sturm runtergefallen ist. Das Gitter an der Rinne hat sie abgebremst. Nix gebrochen! War eine komplexe Aktion mit Stange von kaputtem Sonnenschirm und drangeklebter Plastiktüte, zum Kescher umfunktioniert. Beides heil durch die Luft geangelt und wieder an den alten Platz gestellt. Im Atelier war kein Sturmschaden, nur ein Häufchen gelbe Blätter in einer Balkonecke.


„Tell me.“ Papier, Tinte, Alu, Kleber, Zellstoff, Acryl, Wellpappe, Schachtel, 45 x 63 x 5 cm, Juli 2018, Staatl. Museen v. Gaganien





„SECESSION II.„ kaputte Schere, Kleber, Klimbim, Kalk, Karton, Acryl, 22 x 32 cm, Juli 2018, Staatliche Museen von Gaganien


Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht. Für Große wie mich aber schon. Weitere Erklärungen biet ich nicht!

„SECESSION I.“ Turn, turn, turn… there is another world spinning inside of this one…“ Zellstoff, Kleber, Holz, Verpackungskarton, Acryl, 47 x 73 cm, Juni/Juli 2018, Staatliche Museen v. Gaganien



Du sollst mein Beifahrer sein
im Fahrtwind stehen, im Sonnenwind
In schimmerndem Gold, in Purpur gehüllt
Durch Gefahr führt unser Weg und Bilder von Bestien
Komm auf meine Sonnenbarke
Komm auf meine Sonnenbarke
Im rötenden Osten öffnet Aurora ihre Rosentore
Es fliehen die Sterne
Die Sichel des Mondes vom Rand her verblasst
steil ist am Anfang die Bahn, am Morgen
schwindelnd hoch in der Mitte des Himmels
jäh neigt sich am Ende der Weg
Komm auf meine Sonnenbarke
Komm auf meine Sonnenbarke
Die Finsternis vertrieben
durch rasende Flammen
verzehrende Glut
Überall reisst die Erde auf
Selbst in die Unterwelt dringt durch Spalten Licht
versetzt die Herrscher in Angst und Schrecken
Komm auf meine Sonnenbarke
Komm mit auf meiner Sonnenbarke
Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit Komm mit mir Komm auf meine Sonnenbarke…
(Blixa Bargeld | Einstürzende Neubauten, 2000)

„Extra Brut V. (komm auf meine…) Sonnenbarke.“ Aluminium /Schaumweinmanschette, Büroklammern, Perlmuttacryl, Kleber, Papier, 21 x 26 cm, Juli/August 2018, Staatl. Museen v. Gaganien


Melina, 31, Sachbearbeiterin in der Arbeitssicherheit:
„Ja, der erste Eindruck war eigentlich ganz sympathisch.“
„Ja, also seinen Beruf (sozialpädagogische Fachkraft an zwei Grundschulen) fand ich eigentlich super – da ich auch ein Kind habe…“
First Dates, Vox, Sendung vom Montag, 18. Oktober 2021
„Eigentlich“? Ist „eigentlich“ nicht eher der angekündigte Weg zum Ausgang? Ist „eigentlich“ nicht die diplomatische Übersetzung für „eher nicht“? Mal sehen, was rauskommt!

Extra Brut! Kabellage, Wasserfarbe, Acryl, Papier, Versandkarton, Textmarker, 50 x 70, 10.-22. Juli 2018, Staatl. Museen v. Gaganien


Ich weiß zwar nicht, ob der große Jean Dubuffet, Patenonkel der „Art Brut„, meiner Kabellage seinen Segen gegeben hätte, aber das ist ja eigentlich auch schnurzpiepegal. Ich habe auf diesem Weg wieder einen Haufen nicht benötigte, von Stromadaptern explantierte Kabel entsorgt. Mülltrennung für Fortgeschrittene! Ach doch, ich denke Jean hätte das gefallen. Er hat ja auch gerne jede Menge Gewurstel auf seinen eigenen Bildern gemalt. Auf jeden Fall habe ich einen unakademischen Ansatz und kann hoch und heilig versichern, dass ich nie eine Kunstakademie besucht habe, was mich schon arg für die Kategorie qualifiziert. Sogar extra brut!






GOTT III. GOTT HAT EIER. (big sista is watching you). Zufallsfund Weihnachtsbaumkugeln, Kalkgrundierung, Acryl, Hammerschläge, Kleber, Rahmen-Rückwand, 57 x 77 x 7 cm, 19. – 27. Februar 2020, Staatl. Museen v. Gaganien, Privatsammlung Fasanenstraße



„Ich bin Frank und ich will eine Frau, die mir alle Wünsche erfüllt.“
First Dates, Vox, Frank, 56, Wuppertal, Materialplaner in einer Autolackfabrik
Kabelsalat ausgemistet!

Wave. Scannerkabel, Pappkarton, Kleber, Perlmuttacryl, Spachtel, 24 x 32 x 3 cm, Juni 2018/Mai 2019, Staatl. Museen von Gaganien




Graceland. Kabel, Kleber, Acrylgold, Karton, Edding, 25 x 18 x 5 cm, August 2018/Dezember 2020, Staatliche Museen v. Gaganien

Im August Zweitausendachtzehn beschäftigte mich Elvis außerordentlich. Erstmalig wieder nach einer Fanphase in meiner Kindheit. Was genau der Auslöser war, kann ich nicht erinnern, aber ich bloggte vor drei Jahren auch über Elvis. Das hier zum Beispiel. Ich war regelrecht entflammt. Elvis was the real stuff! Dieses Gefühl in der Stimme, dieses charismatische Strahlen, dieser Sinn für Performance. Ich zitiere Keith Richards: „Before Elvis, everything was in black and white. Then came Elvis. Zoom, glorious Technicolor.“ Dieses hier vorliegende Werk „Graceland“ aus dem Jahr 2018 (vollendet im Jahr 2020), ist daher absolut und zu hundert Prozent eine Abbildung vom Reich von Elvis in Memphis. Es handelt sich hierbei um eine Luftaufnahme. So sieht Graceland von oben aus! Auf youtube schaute ich mir alle Videos über Graceland an und hatte demzufolge eine entsprechende Vorbildung, um diese detailgerechte Abbildung aus der Luftperspektive anzufertigen. Ich widme es Elvis Aaron Presley ♕.





Medical Detectives II. Kaputte Drogeriemarkt-Sonnenbrille, Kleber, Zebrastoffrest, Edding, auf hinter Büroschrank entdecktem Wechselrahmen, 22 x 31, 23.07.2018, Staatl. Museen v. Gaganien

Corpus delicti II.


Medical Detectives I. Kaputte Drogeriemarkt-Sonnenbrille, Kleber, Zebrastoffrest, Edding, auf hinter Büroschrank entdecktem Wechselrahmen, 22 x 31, 23.07.2018, Staatl. Museen v. Gaganien
Die heutigen Untersuchungen der Berliner Mordkommission haben zutage gefördert, dass sich die Tatverdächtige, Frau Gaga Nielsen, mutmaßlich in der Nacht von Sonntag, dem 22. Juli, auf Montag, dem 23. Juli 2018 in ihrer Wohnstätte im fünften Stock in Berlin Mitte aufhielt. Die Spurensicherung hat festgestellt, dass sie während der ermittelten Tatzeit, nämlich ab ca. 00:20 Uhr und ca. 03:30 Uhr morgens, mehrere Folgen der Kriminalserie „Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin“ verfolgte, und zwar auf dem Teppich sitzend, wobei sie verschiedene Materialien mit Klebstoff zusammenfügte. Darunter das Corpus Delicti, eine schwarze Sonnenbrille mit abgebrochenen Bügeln, mit Herkunft aus dem Drogeriemarkt Rossmann, an der sich eindeutige Fingerabdrücke befanden. Es wird vermutet, dass es sich um eine Vertuschungsaktion der Täterin handelte. Die Tatwaffe sollte als eine Art künstlerische Klebearbeit verschleiert, unbehelligt aus den Wohnräumen entfernt werden, um in ein Versteck im Süden von Berlin, vermutlich Neukölln transportiert zu werden. Die mutmaßliche Täterin Gaga Nielsen bestreitet hartnäckig, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Bei der Vernehmung erklärte sie, dass sie die Sendung nicht als Inspiration und Vorlage für den Tathergang genommen hat, sondern die Sendung lediglich „gemütlich“ fand, vorgeblich wegen der altmodischen Bilder aus den Neunziger Jahren, sowie der vertrauten alten Synchronstimmen der Kriminologen. Die Verdächtige bleibt trotz mehrer Vernehmungen bei dieser Version des Tathergangs. Der Verhandlungstermin vor dem Obersten Berliner Kriminalgericht steht noch nicht fest. Die Verdächtige befindet sich bis zur Verhandlung weiterhin in Untersuchungshaft in Berlin Mitte.


„Tanzlustbarkeiten und ähnliche Unternehmen, die in geschlossenen Räumen stattfinden, dürfen nur noch unter 2G-Bedingungen für den Publikumsverkehr geöffnet werden.“
(seit 10. Oktober 2021 in Berlin gültig)
Da hätte ich doch mal wieder Lust das Tanzbein bei einer Lustbarkeit zu schwingen!

GEISTESBLITZ…! MIR GEHT EIN LICHT AUF!!!
Toll, dass das nun auch einmal fotografisch dokumentiert werden konnte, wie mein Gehirn funktioniert. Schon frühzeitig wurde mit Hilfe der Astrologie erforscht, dass ich blitzartige Einfälle habe. Uranus, der Erfindergott, steht in meinem Horoskop in exakter Konjunktion mit dem umstürzlerischen Revoluzzerplaneten Pluto! Da sich beide in der Jungfrau treffen, zeichnen sich meine Einfälle durch unwiderlegbare Praktikabilität aus. Alles, was ich erfinde, ist nützlich – von großem Nutzen für die Menschheit! Wenn Sie also ein Problem im Haushalt haben, ich habe für Alles die Lösung!

Weiter – work in progress „Mare“




Oktobergrün. Gestern in Gaganien. Maigrün ist bekannt, das muss nicht erklärt werden. Möglicherweise liegt es an den Gärtnern von Gaganien, die sich hingebungsvoll um die Bewässerung kümmern! Besonders interessiert beobachte ich seit einigen Wochen, dass sich Männertreu zeigt, das ich für tot hielt. Eigentlich hatte ich mich mit dem Gedanken abgefunden, dass das im vorvorletzten Frühjahr von mir gepflanzte Männertreu kein Interesse an meiner Gesellschaft hat, wir also nicht matchen, sozusagen. Und nun gucken mich frische blaue Blüten an. Im Oktober! Wie soll ich das deuten? Jedenfalls sieht es sehr hübsch aus in dem Oktobergrün.

Viele Sonnenstunden in diesem Oktober. Jetzt wird es gegen Sieben dunkel. Wundersamer Weise habe ich häufiger Lust, früher schlafen zu gehen. Gestern schon um Mitternacht! Fünf Minuten nach Acht aufgestanden. Schon am Vormittag in meiner Werkstatt angekommen. Ich kannte den Lichteinfall um diese Zeit.gar nicht. Am Nachmittag kam die Sonne auf den Balkon. Um Sieben Pinsel ausgewaschen, umgezogen, zugesperrt und wieder los. Bei dm Spüli und Duschgel geholt. In der U 8 fasziniert auf dem Monitor die frühe Uhrzeit gesehen. Vor Acht daheim! Bedeutet auch früher gekocht und gegessen und eine Flasche aufgemacht. Letzten Endes werde ich nicht mehr Stunden wach sein, als wenn ich später schlafen gehe und später aufstehe. Aber ich erlebe mehr Tageslicht, was schon schön ist! Das mag ein banaler Gedankengang sein, aber für mich revolutionär! Meine Werkseinstellung ist nachtaktiv; jedenfalls in dieser Zeitzone hier.




KALEIDOSCOP. Zebra-Papierserviette, Kosmetikspiegelscherben, Eingeweide Weltempfänger (für Griechenlandurlaube 1990 – 1992), Messing-Schrankscharnier, Messing-Garderobehaken, Rückwand Bilderrahmen. 30 x 40, Mai/Juni 2018, Staatl. Museen v. Gaganien


ELEKTROGIRAFFENZEPTER, KINGDOM OF GAGANIA. Krepp, Netzteiladapterstecker, Tonerkartuscheschachtel, Kleber, Acrylgold, Wasserfarbe, Edding, 60 x 9 x 8 cm, Juli 2018, Staatl. Museen.


Nun ja. Zweitausendachtzehn. Es gibt da noch eine Reihe von Dingen, die ich in jenem Sommer fabrizierte und dokumentierte, aber nicht publizierte. Ich hatte mich Monate geweigert, die Kamera in die Hand zu nehmen und Menschen zu verewigen. Ich konnte aber dokumentieren, was ich stattdessen machte, wie ich dachte. So geschehen. Die Sachen waren in meiner Wohnung entstanden. Dann besuchte ich, wie jemand, der einen fremden Speicher betritt, mein altes Atelier. Da waren seit Monaten die Sachen meiner Ausstellung vom September 2017. Ich räumte auf und renovierte etwas, nachdem ohnehin die Fenster von Eigentümerseite ausgebessert werden mussten. Die überwiegend auf fragwürdigen Untergründen, wie gefundenen Schachteln, entstandenen Werke konnte ich nicht mehr an den Wänden meiner Wohnung unterbringen, jedenfalls nicht alle. Bevor ich eines auf die Reise zu meiner Werkstatt schickte, machte ich jeweils Aufnahmen davon. So auch von diesem Zepter. Wie eigentlich fast immer, ging dem Sammelsurium eine Aufräum- und Ausmistaktion voraus. Diese Unmenge von Netzadaptern für Elektrogeräte, die man gar nicht mehr zuordnen kann. Die Apparate waren oft schon entsorgt, aber die Adapter lagen noch in einer Schachtel. Ich habe im Zuge dessen auch eine Serie mit Kabel-Werken gemacht. Da gab es den Nachhaltigkeitsmodebegriff noch gar nicht in dem Ausmaß. Es war und ist schlichtweg meine Natur, mich von dem anregen zu lassen, was mir zufällt. Es ist ein quasi verspielter, kultivierter Fatalismus.



SONNE. Wechselrahmen-Edelstahl-Klammern, Kleber, Teelicht-Aluminium, , Acrylgold, Edding, Pappschachtel, 30,5 x 21,88 x 5,3 cm, April 2002/Juli 2018, Staatliche Museen Königreich Gaganien.









Berlin, im Jahre 1793
Liebes Tagebuch,
heute war wieder der gefragte Maler Stroehling da, um mein Portrait als Hebe vor dem Brandenburger Tor zu vollenden! Als Göttin der Jugend! Dabei bin ich doch nun auch schon siebzehn Jahre alt und die Jugend ist bald vorbei! Gut, dass mich der Maler Stroehling noch einmal mit seinem Pinsel eingefangen hat, so lange ich noch als jugendlich durchgehe!
Später einmal, wenn ich alt bin, kann ich auf mein Portrait schauen und mich daran freuen, dass ich einmal jung war! Das Volk wird dann Postkarten von meinem Bildnis erstehen können und so kann ich ihm immer nah sein! Als Königin von Preußen möchte ich eine Königin zum Anfassen sein! Jawohl, so will ich es halten! Nun bin ich rechtschaffen müde vom langen Modellstehen und will ein wenig ruhen!
Bis morgen, liebes Tagebuch
Deine Luise ♕
Königin von Preußen














P.S. mein ergebenster Dank für die Depesche dieser königlichen Herausforderung gilt meiner ersten Hofdame Lydia.
::: ♕ :::
Wilhelm Schlegel dichtete zum 6. Juli 1798:
»Louisens Lächeln heißt den Kummer scherzen, Vor Ihrem Blick ist jedes Leid entflohn. Sie wär‘ in Hütten Königin der Herzen, Sie ist der Anmuth Göttin auf dem Thron…«
Was das noch werden soll. Ein Gedanke der auf alles Mögliche passt, wenn ich so darüber nachdenke. Bei meinem Gepinsel gefällt mir gerade, dass ich nicht weiß, wo es am Ende hinwill. Auf jeden Fall wird es am Ende immer gut. Also gut genug für mich, nach meinem Ermessen. Bei anderen Dingen im Leben fühle ich mich nicht immer so virtuos. Ich glaube zum Beispiel Zuspruch immer erst, wenn er total extrem ist. Moderate Freundlichkeiten rauschen bei mir durch. Aber wenn eine extra Portion Zuneigung artikuliert wird, schön mit Superlativen präsentiert und garniert, bin ich hellwach und sehr geneigt, dem Glauben zu schenken. Ist das eine Störung? Bin ich größenwahnsinnig? Oder ist das ein Minderwertigkeitskomplex? Oder etwa gar beides? Gibt es das?





BEANS & DREAMS. Aquarellpapier, Tinte, Grundierung, Acryl, Spachtel, Fragmente Corona-Stoffmaske, Klebstoff, Leinwand, 60 x 80 cm, 5. – 26. September 2021, Staatliche. Museen v. Gaganien

Wer jetzt noch nicht wählen war, muss sich sputen. Ich war so früh wie nie zuvor im Wahllokal, diesmal in der Linienstraße. Vor dem Wahlraum war ein Mann hinter einem Tisch und einer Plexiglasscheibe, bei dem man nach dem Wählen nochmal einen Zettel für die Prognose von ARD und ZDF ausfüllen konnte. Hab ich gemacht. Ob man damit späte Wähler beeinflussen kann? Die letzten Wahlen bin ich immer auf den letzten Drücker ins Wahllokal, so ca. gegen 17:55 Uhr. Heute acht Stunden früher! Bin gestern früh zu Bett und daher sehr früh aufgestanden. War äußerst fleißig!










Puck! Postkartenchallenge von Ina! Dieses Motiv von Magritte stammt von einem Plakat aus dem Jahre 1965, meinem Geburtsjahr! Es heißt „L’envolée“ – Höhenflug. Vorschriftsgemäß habe ich das Motiv auf mein Gesicht übertragen. Und auf einmal schaute mich Puck an, der Waldgeist! Damit konnte ich mich auf Anhieb identifizieren. Ende der Neunziger Jahre habe ich mich einmal einer Schauspielausbildung ausgesetzt, während der mir überdeutlich klar wurde, dass für mich nur der Stummfilm in Frage kommt. Ich wurde nämlich ausgewählt, in einer Szene, die am Ende des Kurses zur Aufführung kam, den Puck aus dem Sommernachtstraum zu spielen, was mir erstmal ganz gut gefiel, weil er die intelligentesten und pfiffigsten Textzeilen hat. Die Elfenkönigin Titania hätte mir von Hause aus auch zugesagt, aber mehr wegen der schönen Kleider. Ich lernte also den Text von Puck und ärgerte mich schon mal, dass man ja immer auch den Text der anderen kennen muss, damit man den eigenen Einsatz nicht versäumt. Anstrengend! Mir gefielen die Verse zwar ausnehmend gut, aber ich hatte größte Mühe, sie mir zu merken. Gelobt wurde ich demzufolge auch nicht für mein exzellentes Gedächtnis, sondern für meine angeblich stark beeindruckende Art und Weise, über die Bühne zu laufen und Blicke zu werfen. Nun gut, ich habe es mal gemacht! Da mir Pantomime leider überhaupt nicht gefällt, gibt es auf dem Theater keine Zukunft für mich! Für kommende Stummfilmrollen zeige ich mich weiterhin offen!







Postkartenchallenge von Jenny! Eine weitere königliche Herausforderung erster Güte! Ihre Majestät, Königin Elisabeth II. feiert nächstes Jahr ihr siebzigjähriges Thronjubiläum. Das hat noch keine Regentin erreicht, auch kein Mann! Ihr zu Ehren habe ich gestern einen kleinen Spitzentanz einstudiert – der klassische Tanz ist meine Welt! Wäre ich nicht so hoch gewachsen und spät berufen, aus mir hätte eine zweite Margot Fonteyn an der Seite von Nurejev werden können, Gott hab ihn selig! Diese Erkenntnis hatte ich jüngst, genau genommen gestern am etwas späteren Nachmittag, als mich die Muse küsste. Vielleicht kann ich meine Darbietung sogar nächstes Jahr in London bei Hofe zum Thronjubiläum im großen Thronsaal vom Buckingham Palast vorführen, da wäre noch etwas Zeit um die Schrittfolge zu perfektionieren. Das Jubiläum ist zwar schon am 6. Februar, aber die großen Feierlichkeiten finden erst vom 2. bis 5. Juni 2022 statt. Ich hoffe inständig, dass Jenny mit meiner gestrigen Leistung zufrieden ist. Und ich BETE, dass ich die Herausforderung im Juni meistere und der Königin von England keine Schande bereite!
























Postkarten-Challenge von Ina! Abermals habe ich mir zum Geburtstag Postkarten mit ansprechenden Herausforderungen gewünscht, diesmal Thema Adel. Die Challenge hat mir erlaubt nochmal meine Pulp Fiction-Frisur von Mia Wallace aufzutragen. Das war im letzten Jahr eine sehr anspruchsvolle Challenge von Jenny. Ein goldenes Geschenkband von ihr hat mir auch sehr gute Dienste geleistet, um Cleopatra Taylor zu channeln. Der kleine Ibis ist ein nachgemachtes Museumsstück aus dem Neuen Museum, wo vielleicht auch Sachen aus Cleopatras Königshaus aufgehoben werden. Der ist zwar nicht auf der Postkarte drauf, aber bestimmt hat Cleopatra in Alexandria auch manchmal mit einem kleinen Ibis gespielt, wenn Marcus Antonius mal nicht zur Verfügung war.






Gestern bei Annabelle. Wenn ich den Müllbeutel und die leeren Flaschen runterbringe, komme ich an Annabelle vorbei. Sie ist eine Schneeballhortensie und das ist der Name, nach dem man suchen muss, wenn man eine haben will. Ich wollte schon lange eine haben, und diesen Frühling habe ich mir eine beim Holländer geholt und auf meinen Balkon nach hinten raus gepflanzt, sie ist sehr schön geworden. Annabelle kommt jedes Jahr wieder und sieht auch sehr schön aus, wenn die Schneeballblüten vertrocknet sind. Wenn ich mal ein Grab habe, will ich eine Annabelle darauf. Das freut dann auch Menschen, die mich gar nicht gekannt haben. Wollte jetzt nicht pathetisch werden, aber ich mache mir hin und wieder Gedanken über solche Dinge. Nicht ständig, aber mir ist ja auch nicht egal, wie meine Wohnung zu Lebzeiten aussieht. Ok?

Um vom Leben zu sprechen: das Konzert am Freitag vom Berlin Beat Club war wie erwartet von viel Begeisterung auf allen Seiten getragen. Leider hatte ich ganz plötzlich einen Durchhänger, weil ich seit vier Uhr früh auf den Beinen war. Aber immerhin habe ich am Anfang noch ein bißchen auf dem Platz im Stehen getanzt. Wegen 3G konnte man nicht auf die eigentliche Tanzfläche direkt vor der Bühne. Ich habe Jever getrunken, vorher ein Schnitzel. Leider fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt, als hätte ich Alkohol konsumiert. Das ging mir neulich im Strandbad Plötzensee auch schon so, ich hatte schon den Verdacht, dass man mir versehentlich alkoholfreies Bier eingeschenkt hat, das es auch zur Auswahl gab. Im Rickenbackers bat ich Ina, mir einen Schnaps zu holen, um irgendwas vom Alkohol zu spüren. Ich trinke sonst so gut wie nie Schnaps. Sie brachte mir einen Wodka, hat ganz gut geschmeckt. Ich war dann zwar nicht gerade putzmunter, aber immerhin nicht mehr kurz vorm Einschlafen. Die letzten drei Songs habe ich dann doch relativ aufmerksam würdigen können. Richtig schön war die einzige Zugabe „Paint it Black“, zu Ehren von Charlie Watts. Mir ist nie vorher aufgefallen, mit welcher Wucht die bass drum den Song trägt. Sehr beeindruckend am Schlagzeug war der als Urlaubsvertretung eingesetzte Perzi Perzborn, der sonst unter anderem bei Plan B und der Surfband Kilauea spielt.




Gestern Mittag in Charlottenburg, meine rosa Schleifenbluse! Rosa ist nicht gleich Rosa. Rosa gefällt mir, wenn es so pudrig ist, es darf nicht quieken. Auch finde ich sehr schön, wenn Männer klassisch geschnittene rosa Hemden anhaben, dann muss es aber wieder ein anderes Rosa sein, eines mit ein bißchen mehr Blauanteil, so ein ganz helles, fast schon Richtung Flieder, aber immer noch Rosa. Unwiderstehlich. Muß natürlich mit einem schwarzen oder grauen Anzug kombiniert werden, ist klar. Und bitte niemals ein T-Shirt unters Herrenhemd anziehen, die oberen zwei Knöpfe auflassen, und dann guckt ein T-Shirt raus. NO GO!
Ich weiß immer noch nicht, was ich heute zum Berlin Beat Club anziehe. Ina weiß immerhin schon, dass sie eine Jeans mit Schlag anzieht. Jedenfalls ziehe ich heute keine Schleifenbluse und auch kein Rosa an! Der Mond steht im Wassermann, das schreit nach Age-of-Aquarius-Outfit! Silber-Lamé! Hair! The Fifth Dimension…!!!







Ja ja, Berlin Art Week. Bei mir auch. 14. September 2021, Balkon. Satter Sommertag. Nach einer guten Stunde in der heißen Nachmittagssonne war es genug. Man muss immer alles richtig dosieren, keine unsinnigen Pläne machen, wie lange etwas dauern sollte. Wenn es am Schönsten ist, ausklingen lassen. Man muss ja nicht gleich gehen und davonrennen. Von wegen „wenn es am Schönsten ist, soll man gehen“. Langsam zurückziehen ist eleganter. Dann was anderes machen, was auch schön ist. Anders schön, noch nicht ausgereizt. Dramaturgie! Das Bild ist übrigens noch nicht fertig, noch lange nicht. Da passiert noch ganz viel. Irgendwann die nächsten Tage. Vielleicht scheint wieder die Sonne. Ich beschwer mich sowieso nicht. Meine Lieblingsbeschäftigungen sind nicht so abhängig von blauem Himmel, wenn ich ihn auch liebe. Und das Grün, immer noch sommerlich, der Oleander und die Eberesche, Mitte September…











au weia… ich bin wohl etwas geschädigt…First Dates auf VOX, Frank (56), LKW-Fahrer aus der Nähe von Karlsruhe, erklärt im (dialektgefärbten) Einzelinterview auf die Frage, auf welche Art Frauen er steht: „ich mag auch dritte Frauen!“
Das war das, was ICH gehört habe. Dann habe ich es nochmal nachklingen und sacken lassen, nachdem er die Aussage abgewandelt wiederholt hat. Tatsächlich waren seine Worte: „Ich mag adrette Frauen.“
Verwirrung in Berlin. Seit gestern können Veranstalter die 2G-Regelung praktizieren. 2G- oder 3G-Regelung am Freitag im Rickenbackers beim indoor Konzert? Wenn ich es recht verstanden habe, wäre 3G Einlass für Geimpfte, Genesene und Getestete mit Masken- und Abstandspflicht innen, wenn man nicht an (s)einem festen Platz sitzt/steht/tanzt und 2G nur Einlass für Geimpfte und Genesene ohne Masken- und Abstandspflicht. Da bin ich doch sehr für 2G. Aber falls doch 3G: kann man beim Tanzen auch einen bestimmten Platz im Raum als „festen Platz“ definieren und dann die Maske abnehmen? Fragen über Fragen. Einlass für maximal 70 Gäste. Ich lasse mich überraschen. Ina kommt auch mit am Freitag, endlich mal wieder zum Berlin Beat Club! Große Freude!

Gerade wieder ein Erinnerungsschreiben von tinder im Mail-Eingang, folgenden Inhalts: „Du hast eine lange Liste von Likes. Das solltest du vielleicht wissen … Wer wohl dein Secret Flirt ist? Dein nächster Match wartet schon auf dich. Und die Spannung steigt. Finde heraus, wer es ist! Du wirst es nicht bereuen. Diese Mail wurde von Tinder gesendet. 8833 Sunset Blvd. West Hollywood, CA 90069“
Tinder ist aus Hollywood? Also machen sich Leute in Hollywood Gedanken darüber, warum ich nicht sonderlich aktiv bin. Toll!


Kleiner kurzer Eintrag. Den Freitagnachmittag und Abend verbrachte ich in Plötzensee, wo ich niemals vorher war. Hätte ich nicht eine Einladung ins Strandbad Plötzensee zu einer Feier gehabt, wäre ich wohl bis zum Ende meines Lebens nicht da hin, außer zur Gedenkstätte, wo die Nazis unfassbar viele Menschen, darunter viele Widerstandskämpfer, erhängt und enthauptet haben. Das verbinde oder verband ich bislang ausschließlich mit diesem Ortstteil von Berlin. Tatsächlich ist das Freibad Plötzensee ein großes Idyll mit langem Sandstrand am langgezogenen See. Dort werden regelmäßig Parties veranstaltet, es gibt verschiedene Ebenen mit Holzböden und Loungemöbeln im Freien. Ich seilte mich etwas von der Ecke ab, wo gegrillt und gefeiert wurde, kleiner Strandspaziergang. Tolle Ecke und mitten in Berlin. Von der U-Bahn Amrumer oder Westhafen kann man hinlaufen. Der zauberhafte See kann ja nichts für die Verbrechen in Plötzensee.


„Ich suche nicht nach Problemen, ich suche nach Lösungen.“
Moritz, 21, First Dates, VOX, 14.09.21
(nicht banal – existentiell)

Am Donnerstag war ich nach sehr langer Zeit einmal wieder in der Wabe, wo ein Theaterstück unter der Regie von Marc Lippuner Premiere hatte: „Des werd doch eh nix!“ Es ging um Karl Valentin und seinen Lebenslauf und sein Hin- und Her zwischen seiner Frau und den Kindern und seiner Geliebten Liesl Karlstadt.
In Bayern, wo ich aufgewachsen bin, gab es im dritten Programm im Fernsehen regelmäßig alte Aufnahmen von den Sketchen von Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Dass die beiden ein Liebespaar waren, ist nie zu mir durchgedrungen, war aber auch außerhalb meiner kindlichen Vorstellungskraft. Die beiden hatten meiner Erinnerung nach keine Szenen mit Erotik drin und wirkten auch sonst hauptsächlich hemdsärmlig, geschlechtsneutral und burschikos.
In dem zwei-Personenstück wurden gekonnt alle möglichen Bon Mots von Valentin untergebracht. Den Kalauer „ein Glück, dass der Hitler nicht Kräuter geheißen hat, sonst hätte es immer heißen müssen HEIL KRÄUTER…“ habe ich tatsächlich lustig gefunden, obwohl ich kein großer Fan von Kalauern bin. Jenny, die neben mir saß und die Idee hatte hinzugehen, hat da auch sehr lachen müssen. Es gab aber auch ernste Stellen.
Danach haben wir uns zu den Schauspielern Heike Feist und Andreas Nickl und zu Marc gesellt (den Jenny und ich ein bißchen kennen) und noch ein bißchen geplaudert und getrunken.
Momentan bin ich bereit mir alles Mögliche anzuschauen, Hauptsache ein Geschehen auf einer Bühne. Am liebsten aber was mit Musik! Leider kann ich das Theaterstück nicht dergestalt empfehlen, dass man auf die nächsten Vorstellungen hinweist, da diese noch nicht feststehen. Sonst natürlich sofort!
Das Wildlederkleid mit dem Trachtenmoden-Charme habe ich seit vielen Jahren im Schrank und extra dafür wieder rausgeholt, weil ich vorher auf Fotos gesehen habe, dass die Hauptdarstellerin mitunter ein Dirndl anhat. Ich passe mich da immer gerne an!







Jenny hat uns gestern zwei Tickets für Silly (mit AnNaR und Julia Neigel als Gastsängerinnen) am 27. November 2021 im Tempodrom geschossen. Oberrang, Block 6, Reihe 1. Damit es später nicht heißt „hab ich gar nicht gewusst…“, gibt noch Tickets, wird bestimmt schön!


Am vergangenen Montag Abend hatte ich endlich mal wieder ein Date, nach langer Zeit! Ich hatte eine Verabredung mit einem sehr gut aussehenden Italiener. Sein Name war Galileo Galilei! Bevor ich mich zum verabredeten Treffpunkt im Monbijou-Theater bei mir um die Ecke machte, checkte ich noch, was er für einen Kleidungsstil bevorzugt und versuchte mich daran zu orientieren, um ihn für mich zu interessieren. Meine weiße Rüschenbluse hat mir schon oft gute Dienste geleistet, wenn es um ein geschmackvolles Outfit geht. Wir hatten einen sehr schönen Abend! Galileo hat einen sehr visionären Geist, was mir immer gut an einem Mann gefällt.


Zufällig gibt es heute Abend im ZDF einen neuen Film in der Reihe Terra X, der sich mit Galileo Galilei beschäftigt! Schalten Sie um 19:30 zu und verschaffen Sie sich einen eigenen Eindruck von der Attraktivität von Galileo Galilei! Das opulent ausgestattete und an den schönsten Originalschauplätzen in Italien gedrehte Werk wurde am Montag im Monbijou-Theater vorgeführt, wo sich das Produktionsteam und viele Mitstreiter und Mitstreiterinnen der vergangenen Produktionen einfanden, um den Film schon mal probeweise zu sichten, bevor er auf die Fernsehzuschauer losgelassen wird. Eike Schmitz, der Regisseur und Urgestein von Atlantis, hatte die Idee, ich könnte DJane mit dem Grammophon spielen, das er am Eingang aufgestellt hatte. Unter den Schelllack-Platten fand ich „An der schönen blauen Donau“, die ich sogleich aufs Grammophon legte. Man muss da immer kurbeln.
Da ich aber ja eigentlich Galileo Galilei treffen wollte, begab ich mich alsbald ins Auditorium, wo die große Leinwand aufgebaut war, damit Galileo und ich uns – ganz coronagerrecht – via Videokonferenz matchen konnten. Ina war auch da, und warf als Freundin einen Blick auf meinen neuen Verehrer. Da Liebe ja oft blind macht, wollte ich von ihr ein fachliches Urteil bekommen, ob Galileo und ich aus ihrer Sicht zusammenpassen. Sie hatte keine Einwände. Daraufhin wurde das Buffet eröffnet und wir stießen auf Galileo an. Seine schicken Anzüge bezieht Galileo übrigens aus dem Atelier Pietro Longhi in Venedig!























An vertrautem Ort, der Villa des Literarischen Colloquiums am Sandwerder in Wannsee, begab ich mich am vergangenen Sonnabend abermals zum Stelldichein, um hauptsächlich ein wenig am Wasser zu sein. Es wurde gelesen. Autorinnen und Autoren vom dtv-Verlag saßen auf der Seebühne. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich meiner Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, als den Vorträgen der Schriftsteller. Man versteht auch nicht ganz so gut, wenn man so nah bei Wind und Wellen am Seeufer sitzt.
Eine wohl recht bekannte und erfolgreiche Autorin namens Dora Heldt las Auszüge aus einem Buch, in dem es um eine Autorin geht, die sich mit Filmleuten trifft, die ihr Buch verfilmen wollen. Es schien direkt um eine Szene am Set zu gehen. Mir fiel auf, dass sich Frau Heldts Gedankengänge bzw. die der Figur, stark um fehlende alkoholische Getränke drehten. Sie hatte „beim Film“ wohl eine gute Flasche Wein zur Überbrückung von Wartezeiten erhofft. Das war recht launig und leicht verständlich geschrieben. Ich dachte mir, wenn man Erfolgs-Autorin ist, kann man sich doch gewiss noch mehr als sowieso schon erlauben, einfach anzubieten, was man erlebt hat. Da sich das Publikum von Frau Heldt schätzungsweise nicht so gut mit den mannigfaltigen Einschränkungen bei Filmdrehs auskennt, ist das bestimmt ein interessantes Thema für ein, zwei Kapitel.
Ich holte zwei Berliner Pilsner und eine weitere, äußerst schmackhafte Bulette mit Kartoffelsalat und Röstzwiebeln (die erste hatte Lydia spendiert). Zum Finale begab sich der aus Dresden stammende und hierzu schriftstellernde Ingo Schulze, den man wohl kennen muß, auf die Seebühne. Ich kannte und kenne ihn bzw. sein Werk leider Gottes nicht. Die Sonne sank in den Wannsee. Ein etwas größerer Vogel betrachtete das Schauspiel mit gebührender Aufmerksamkeit. (Ich meine die Sonne.)









(nach) BERLIN 86. Kinderwaschlappen, Schokoladenverpackung, Paillettenapplikation von irgendwie kratzigem Langarm-Shirt, Papierschnipsel, kaputter Handtaschenhalter, dc-fix, kaputtes Zippofeuerzeug, Spiegelscherben, Klebstoff, Acryl, Leinwand, 50 x 70 cm, 31. Aug./2./3. Sept. 2021, Staatliche Museen v. Gaganien





1986 bin ich nach Berlin gezogen. Es war im Frühling, die Sonne schien. Pink passt zu dem Gefühl, das ich damals hatte. Viel Energie und Begeisterung! Schwarz oder Grau hätte gar nicht gepasst, auch wenn das damals DIE Farbe in allen Clubs war, die man damals noch Diskotheken nannte. Ich war überall, wo man sein musste, klar! Deswegen kann ich auch verbindlich darüber Auskunft geben, dass der Dschungel zwar sehr cool war, aber nicht gerade der lauschigste Laden. Ich erinnere mich an recht grelle Beleuchtung. Da gefiel mir das Cha Cha nebenan, und das Blue Note in der Courbièrestr. schon viel besser. Die Domina-Bar in Schöneberg sowieso. Da waren aber nur sehr verstreut beruflich dominante Damen, es war eine heimelige, extravagante Mischung.
Vor ca. sieben Jahren entdeckte ich in einem Schaufenster an einer Puppe ein Shirt mit einer großen 86 aus Pailletten. Das musste ich haben! Mein Geburtsjahr sozusagen. Mein Berlin-Geburtsjahr. Ich hab es nur ca. dreimal angehabt, weil der Stoff irgendwie leicht kratzig war, obwohl es auf den ersten Blick wie Baumwolle ausgesehen hat. Beim Kleiderschrankausmisten vor vier Wochen habe ich die Applikation herausoperiert und den Rest weggeschmissen. Die 86 musste ich natürlich behalten und irgendwie verewigen. Ich denke sehr, sehr, sehr gerne an diesen Anfang in Berlin zurück. Daher! Der Kinderwaschlappen ist das Orange-Pinke aus Frottee in der Mitte oben. In meiner Generation wurden Kinder mit dem Waschlappen gewaschen. Das war eigentlich kein Kindermotiv, aber mein Lieblingswaschlappen, wegen der tollen Farben. Ich hab ihn als Erinnerung mitgenommen, als ich daheim bei meiner Mama eine Reihe Geschirrtücher, Frotteetücher und Waschlappen sortiert habe.











Es ist, wie es ist. Die Zahl ist, wie sie ist. Sollte ich 76 werden, im Jahr 2041, werde ich sicher an diese Jahre zurückdenken, als eine Fünf das Alter anführte: „Hach ja, damals, Mitte Fünzig, als ich gerne biologisch zehn oder zwanzig Jahre weniger auf dem Lebenskonto gehabt hätte, wie bemerkenswert jung ich mich doch eigentlich noch fühlte, damals 2021!“ Immer SO an die Zukunft denken! Das hilft. Tinder hat sich aktualisiert. Auf der Bauchbinde steht nun 56. Da ich dort allerdings ewig niemanden geherzt habe, kann ich gar nicht beurteilen, wie nun meine Aktien stehen.
Bevor ich mich für den Ausflug zum Café am Neuen See fertig gemacht hatte, vorgestern, blätterte ich auf dem Balkon in einem schönen Bildband über die Häuser von Picasso. Den habe ich schon ein paar Monate, auch schon mal drin geblättert, aber nun hatte ich die Idee (weil ich mir nichts weiter zum Geburtstag geschenkt habe), ich könnte so tun, als sei das ein Geburtstagsgeschenk. Ich hab mich gefreut! Da ich noch mehr Bücher und Bildbände habe, die ich dergestalt würdigen könnte, plane ich weitere Rollenspiele. Man tut so, als wäre das, was man hat, ganz neu und aufregend, und nimmt es ganz vorsichtig und neugierig in die Hand und freut sich dran!
In dem Buch sind auch Teppiche abgebildet, die in den Siebziger Jahren einmalig nach Entwürfen von Picasso gewebt wurden. Toll! In dem Schloss, wo er zu vorletzt gewohnt hatte, Château de Vauvenargues, ist sein Grab, also im Garten. Sich im Garten begraben zu lassen, war nicht überall erlaubt, aber da schon. In einem Buch las ich, dass er in ein traditionelles spanisches Cape gekleidet wurde, zu dem er eine besondere Beziehung hatte, in dem man ihn dann in den Sarg bettete.
Ich habe schon ganz schön viel über Pablo gelesen, fällt mir auf. Wenn ich so alt werden würde wie er, hätte ich noch fünfunddreißig Jahre vor mir. Ich will mich darum bemühen, sehr gesund und beweglich zu bleiben. Alkohol trinke ich moderat, immer so viel, wie ich eben gut vertrage, aber schon täglich. Rauchen tue ich eher selten, aber wenn dann sehr gerne. Essen immer sehr frisch und vitamin- und mineralstoffreich! Regelmäßig Licht und Sonne. Dann immer schön Treppensteigen, was sich ja nicht vermeiden lässt an manchen Orten, z. B. die Treppen rauf zu meiner Werkstatt oder die Treppen runter und rauf Richtung U 8, oder zum S-Bahnsteig Hackescher Markt. Bin immer gut unterwegs.
Aber die Treppe zu meiner Wohnung im fünften Stock nehme ich nur, wenn der Fahrstuhl mal kaputt ist. Man soll es wiederum auch nicht übertreiben, mit den schweißtreibenden Aktivitäten. Wenn man zu viel schwitzt, ist das nicht gut für die Gelenke, habe ich gelesen. Entzündungsförderlich! Ein Altersforscher empfiehlt moderate, kontinuierliche Alltagsbewegungen. Zum Einkaufen zu Fuß, flott spazieren gehen. Ich versuche in letzter Zeit wieder mehr auf eine gerade Haltung zu achten, besonders wenn ich an den Hipstern und Millenials da unten am Gipsdreieck vorbeiflanieren muss. Ich bin immer noch stolz, wenn mich jemand einfach duzt, also von den Jüngeren meine ich. Ältere dürfen mich ruhig siezen, eine Frage des Respekts!

















Gestern Abend in zauberhaftester Damenbegleitung ein Jahr älter geworden. Hat gar nicht wehgetan (oder nicht mehr als sonst…). Wir waren im Café am Neuen See, mitten im Tiergarten, draußen im lauschigen Garten. Nicht die erste Runde in dieser Zusammensetzung, und hoffentlich nicht die Letzte. Ich bin optimistisch. Gut, dass ich meinen Hut aufhatte, sonst hätten mich die anderen inmitten der zahlreichen Gäste gar nicht so leicht gefunden. Warum ich nur mit Damen gefeiert habe, ist eine gute Frage. Es gibt schon Männer zu den Damen, keine alten Jungfern! Aber das sind besondere Gespräche zwischen uns. Vor allem es ist ein gemeinsames Gespräch, keine dreiundvierzig Gesprächsinseln. Getrunken wurde natürlich auch, gegessen sowieso. Nur geraucht hat keine von uns. Ich hatte sicherheitshalber Zigaretten dabei, aber keinen Drang, ich wollte mich nur absichern, für den Fall der Fälle, der mich mitunter sehr impulsiv überkommt.
Es gab wieder als Hausaufgabe die Bitte, mir neue Postkarten-Challenges zukommen zu lassen, diesmal zum Thema Adel. Schöne Herausforderungen dabei, ich habe zu tun! Jede Challenge bekommt ihre eigene Würdigung. Aber von einer Karte kann ich nicht umhin, jetzt schon den Text preiszugeben, ohne das Motiv zu verraten. Lydia ließ mir folgende Zeilen zuteil werden:
„Liebe Gaga,
zu Deinem 28. Geburtstag wünsche ich Dir Alles Gute!
Möge der ewige Wind der Jugend Deinem Haar stets einen eleganten Sitz verleihen!“



MOVE ON UP! T-Shirt-Applikation Pailletten-Papagei von zu eng gewordenem schwarzen Langarmshirt (ca. Neunziger Jahre), Badeanzug-Applikationen von Postkarten-Challenge kid37, Sept. 2020: „Hiltrud Kardatzke“ aus lila gestreiften Servietten (1-Euro-Shop) und Papierresten, dekonstruierter Flohmarktring aus Liebenburg von Volker-Glam, Metallteile unbekannter Provenienz, sowie Klobrillenbefestigungs-Abdeckungen, Bastelkleber, Acryl, Leinwand, 50 x 70, 30. Aug. 2021, Staatliche Museen v. Gaganien

Es gibt eine Studie, die besagt, dass abstrakte, schwer nachvollziehbare Titel von Kunstwerken zu einer höheren Beachtung bei Kunstkritikern, Sammlern, Kuratoren und Kunsthistorikern, sowie einer größeren Ehrfurcht beim Publikum führen. In diesem Sinne lege nun auch ich mehr Augenmerk auf meine Betitelungen und werde demzufolge dieses Werk keinesfalls „Papagei im Tropenwald“ nennen. Gerne bin ich aber dennoch bereit zu erhellen, was es mit dem Titel „move on up!“ auf sich hat.
Nicht ist jetzt direkt damit gemeint, aufzustehen und den Blick nach oben zu richten, um den Papagei im Tropenwald besser sehen zu können. Vielmehr ist das Lied gelaufen, als ich die wesentlichen Anordnungsarbeiten auf der Leinwand ausgeführt habe. Lustigerweise war ich genau damit fertig, als „move on up!“ von Curtis Mayfield zu Ende war. Das war mir ein Zeichen! Allerdings handelte es sich um die sogenannte „extended version“ von 8:47 Minuten. Als ich ca. vier Stunden später die letzten weißen Pinselstriche um das Tier und die Gewächse herum ausführte, lief der Song schon wieder. Das war nun wirklich ein Zeichen!
Außerdem gefällt mir die message von dem Song. Der läuft übrigens auch auf meinem etwas verwaisten tinder-Profil, da kann man einen Song einbinden, damit die potenziellen Bewerber gleich mal eine Vorstellung haben, wie man so drauf ist. Eine uptempo Nummer schien mir da zielführender als eine schmerzensreiche Ballade.
Außerdem kann man ein Motto unter sein Foto schreiben. Ich habe mich für „save water, drink champagne“ entschieden, das hat was Flottes und ist auch ein bißchen frivol. Ich wollte den tinder account noch so lange beobachten, bis ich Geburtstag habe, um zu sehen, ob sich dann mein Alter auf der Bauchbinde unter dem Profilfoto ändert, also aktualisiert. Bis jetzt leider nicht festzustellen.
Ich hatte tinder über facebook verknüpft und die glänzende Idee, mich zwecks Erweiterung der Zielgruppe zehn Jahre jünger zu machen. Also habe ich bei facebook einfach mein Geburtsjahr geändert, in der Hoffnung, eine niedrigere Altersangabe unter meinem Foto auf tinder zu sehen. Hat leider nicht geklappt, die Reihenfolge war falsch!
Ich hätte es erst bei facebook ändern müssen und mich erst anschließend bei tinder anmelden. Aber vorher wusste ich ja noch nicht, dass das Alter da immer so überdimensioniert unter dem Foto gezeigt wird. Das kann man nur bei den Bezahlaccounts abstellen. Das ist es mir nicht wert. Ich gucke sowieso nur alle vier fünf Tage bei tinder vorbei und ixe nur Fotos weg. Nix dabei für meinen Geschmack.
Angeblich kann man für ein fresh up des Alters sorgen, wenn man seinen Account löscht und sich neu anmeldet, das ist mir auch zu umständlich. Gibt Wichtigeres! Zum Beispiel, dass ich mich heute Abend mit vier charmanten Damen im Café am Neuen See zum Stelldichein treffe. Dann gibt es endlich neue Postkartenperformance-Challenges! Ich hab das Thema etwas vorgegeben, bin gespannt, ob sich die Damen dran halten!
Kenner meiner Performances könnten ein déjà vu bei dem Papageienbild haben, ich habe nämlich die Badeanzug-Applikationen von Hiltrud Kardatzke recycelt.


Hush now child
And don’t you cry
Your folks might understand you
By and by
Just move on up
Towards your destination
Though you may find, from time to time
Complication
Bite your lip
And take a trip
Though there may be wet road ahead
And you cannot slip
Just move on up
For peace you will find
Into the steeple of beautiful people
Where there’s only one kind
So hush now, child
And don’t you cry
Your folks might understand you
By and by
Move on up
And keep on wishin‘
Remember your dream is your only scheme
So keep on pushin‘
Take nothing less
Than the supreme best
Do not obey rumors people say
‚Cause you can pass the test
Just move on up
To a greater day
With just a little faith, if you put your mind to it
You can surely do it
Curtis Mayfield 1970



FLÜGELSCHLAG. Pappkarton Philosphen-Memory und Domino-Steine von Ina, Klebstoff, Grundierung, Acryl, Aquarellstift, 19,5 x 19,5 cm, 1. – 28. August 2021, Staatliche Museen v. Gaganien

Message an Ina, 29. August 2021, 20:34 Uhr:
„sicher erinnerst du dich, dass ich das Dominospielkästchen und das Philosophenmemory beim Spiele-Ausräumen interessant fand und mitgenommen habe…. daheim hab ich das Philosophenmemory angeschaut und war total traurig, dass fast kein Philosoph hübsch war und dass es nur alte Männer auf den Fotos waren (außer Nietzsche). Immerhin hätte man Beauvoir oder Hannah Arendt berücksichtigen können…. ein Club von alten Männern. Aber die Schachtel war schön stabil und zu gebrauchen. Mir fiel dann ein, dass ich bestimmt auch nie Domino spielen werde, aber die Holzschachtel war doch so schön…
Ich hab dann rumgespielt und hatte ein bißchen Farbe daheim und habe dann mit dem Türkis und Weiß, was ich eben da hatte, rumgebastelt und gemalt, da ist das dann dabei rausgekommen…
ich hoffe, du verzeihst mir die Transformation….! Das kleine Bild heißt Flügelschlag…“



Und noch ein paar Balkonfotos von gestern, Auguststraße nach Süden mit dem Zebragras und hinten raus, nach Norden, wo meine Schneeballhortensie Annabelle ihren ersten Sommer verbracht hat. War schön sonnig gestern bis die Wolken kamen.









Cape Canaveral der Seele, die in himmlische Gefilde gestartet ist.

RISING II. Brokat (Stoffrest blaues Cocktailkleid v. Mama), Baumwolle (Reißverschluss-Kragen von zu kleinem Hot Pant-Spielanzug, Ornamentfragment T-Shirt-Applikation), Nickistoff (Einbrenner-Ornament auf eingegangenem Langarmshirt), Leinen (Webmusterfragment Befestigungsschleife Stuhlkissenbezug), Textil-Etikettschnipsel (Safavieh-Teppich), Papier (Jugendstil-inspiriertes Weinflaschen-Etikett, Löwinnen-Motiv-Weinflaschen-Etikett, gegoogelter, gedruckter Schmetterling, Laser-Fehldrucke, Textfragmente Sommernachtstraum), Klecks, Karton (afrikanische Fair Trade-Schokoladenverpackungen Bio Company, Fragment Buchdeckel Geschenk-Bildband Lorraine von französischer Praktikantin, Goldpapierkarton Trüffelschachtel), Messing (türkische Teekesselgriff-Fragmente, Handtaschenlogo, Teelöffel), Kupfer (breite Creole aus den Achtzigern), Glas (Fuß, Scherben Champagnerkelch), Spiegelscherben, Wachs (Ornamentfragment Swazi-Kerze), Porzellan (gebrochener japanischer Reislöffel), Lapislazuli (Donut-Steinscheiben-Geschenk), Kleber, Grundierung, Edding, Kunststoff (Synthetik-Samt-Einlage von Kosmetikspiegel-Verpackungsschachtel, Höhensonnenbrillen-Hälfte), Leinwand, 1 m x 1,5 m, 24., 25., 26. August 2021, Staatliche Museen v. Gaganien.















Gerade entdeckt: Beauty-Tipps auf Berlin.de!
Wie man Knutschflecken los wird.
Gerade entdeckt: „Berlin.de“ hat nicht nur die neueste Corona-Verordnung in petto, sondern auch ein Potpourri an Tipps zur Hausarbeit (nicht „Home Office“, sondern Haushaltsführung!).
Also, ich war beim neuen Edeka und beim neuen Rossmann. Eingang nun gegenüber von CHANEL! Es geht die Rolltreppe runter und man merkt gleich, wir bewegen uns in neuen Dimensionen, sehr geräumig! Der neue Edeka wirkt von innen ein bißchen ähnlich wie die Lebensmittelabteilung von Karstadt-Wertheim am KuDamm (ich kann mir nicht merken, wie das Kaufhaus aktuell firmiert). Als preisliches Referenzprodukt habe ich einen Crémant angesteuert, von dem ich den regulären Preis aus dem effeff kenne. Da ging mir doch gleich das Herz auf, denn das Getränk hat z. Z. den absoluten Tiefstpreis von 5,49! Sensationeller Preis.
Gelernt: Preisschilder mit rotem Etikett am Regal sind Sonderangebote. Auch die 1,5-Liter-Flasche Tonic Water der Marke „gut und günstig“ war noch günstiger als sowieso schon. Es gibt nun neben normalen Kassen noch zusätzlich drei Schnellkassen für kleinere Einkäufe, mit sehr freundlichem Kassenpersonal. Ich habe mit meinem Kassierer ein Pläuschchen gehalten und mich als ehemalige Stammkundin vorgestellt. Die Mitarbeiter merken sich das! Ich bin früher so gerne dahin, weil es sowieso auf meinem Weg liegt, aber auch noch extra gerne, weil so eine bestimmte blonde Kassiererin wie ein beleidigter Dackel geguckt hat, wenn ich länger nicht da war und gefragt hat, warum wieso weshalb und dass sie mich schon vermisst hat. Es hat gemenschelt. Überhaupt freuen sich Kassierer immer, wenn man ein persönliches Wort für sie hat, so wie ich mich als Kundin ja auch.
Bei Rossmann ähnlich! Ich brauchte den 10-Prozent-Rabatt-Gutschein gar nicht, es gibt gerade für jeden Kunden auf alles zehn Prozent. Habe Glühbirnen gekauft, die sind ja immer noch überall so unverschämt teuer. Und Deo. Auch dort ein sehr charmanter junger Kassierer, der mir ebenfalls gutgelaunt seine Wünsche für ein schönes Wochenende übermittelt hat.
Auf dem Rückweg kam mir zwar nicht Frank Castorf in der Sophienstraße entgegen, aber ein Mann der original wie Peter Handke aussah. Mit zwei vollen Einkaufsbeuteln aus Baumwolle. Muss gleich mal googeln, ob Handke jetzt zwischen Paris und Berlin pendelt. Kann aber auch ein Doppelgänger gewesen sein (Handke lebt noch, oder?).
Beim Weg durch die Sophie-Gips-Höfe überholte ich eine Mutter mit zwei kleinen Töchtern. Die eine Tochter, ca. drei oder vier, war auf dem Arm der Mutter und ganz ruhig. Die andere Tochter, ca. vier oder fünf, lief lustlos und weinend und jammernd hinterher. Gemeinerweise mussten alle Erwachsenen (ich eingeschlossen) darüber grinsen. Es war schon ein bißchen dick aufgetragen, um nicht zu sagen theatralisch. Die Mutter guckte ganz ungerührt, ich drehte mich zu ihr um und sagte: „vielleicht will sie auch auf den Arm?“ Die Mutti etwas hilflos lächelnd: „Ja. Ja ja. Ich wechsle schon dauernd ab.“ Ich in Richtung des Töchterchens auf dem Arm deutend: „Und wenn SIE dann unten ist, weint sie dann auch?“ Mutti: „Ja. Ganz genau dasselbe.“ Uff.
P.S. Der Edeka hat jetzt eine extra Abteilung mit riesiger Überschrift „VEGAN“, wie es sich für die vegane Welthauptstadt gehört. Bin zwar keine Veganerin, begrüße das aber.
Die Sonne zeigt sich! Ich gehe mal zum neueröffneten Rossmann und Edeka in der Rosenthaler Straße. Das waren früher zwei Geschäfte, in denen ich viel eingekauft habe, bis das Haus abgerissen wurde, um ein neues zu bauen. Jetzt ein bißchen weiter nach links versetzt, haben beide wieder geöffnet. Per Post kamen zehn Rossmann-Gutscheine, wo man auf jeden Einkauf zehn Prozent Rabatt erhält. Bin gespannt.
Die Baulücke war zu Anfang sehr schön, weil man plötzlich Richtung Rochstraße durchgucken konnte und von dort die Sonne auf die sonst eher schattige Rosenthaler Straße durchbrach. Waren bestimmt zwei oder drei Jahre mit der Baustelle, wenn nicht mehr. Hoffe, die Edeka-Preise haben keinen Mitte-Aufschlag. Wehe! Ich merke das!
Mal sehen, ob ich wieder Frank Castorf an der Kasse treffe. Wir hatten früher offenbar sehr ähnliche Einkaufszeiten-Gewohnheiten. Er muss da irgendwo Richtung Sophienstr. wohnen, da ist er immer mit seinem Einkaufsbeutel abgebogen. Ich berichte!

Mein kleiner Balkon an meiner Werkstatt, gestern Nachmittag. Die Krone vom arg zurechtgestutzen Vogelbeerbaum ist so schön erblüht, dass ich jetzt vom zweiten Stock in ein grünes Blättermeer schaue. Ein Zweig ist durch das Balkongeländer gekrabbelt. Die letzten Tage wieder täglich da gewesen und auch den Oleander und Bambus mit viel Wasser verwöhnt. Habe siebzehn Stunden an einem recht großen Bild gearbeitet. Ist jetzt fertig. Zeige ich später.

„Ja, das war doch ein SCHÖNER AUFTAKT“
(der Herr gibt 6 Punkte v. max. 10; in dt. Schulnoten: 3- oder 4+). Perfektes Dinner, Montag. Habe die Sendung nicht gesehen, nur den Schluss mit der Bewertung. Jetzt eine meiner Lieblingssendungen, „Goodbye Deutschland“. Großes Treffen der Auswanderer in einer Villa in Mallorca, zum fünfzehnjährigen Jubiläum der Sendung.
Zur Erinnerung an Oma Alma, heute hundertsechster Geburtstag.

Message an Lydia, 19. August 2021, 21:08 Uhr:
„eben sehr gelacht…! Gerade kam ich spät heim, von einem langen Arbeitstag. Kurz den TV angemacht, bißchen gezappt, ca. zweieinhalb Minuten bei einem Format namens „The Beauty and the Nerd“ hängengeblieben, das noch gekünstelter und noch gescripteter rüber kam, als wir uns zuletzt mal vor ein oder zwei Jahren drüber kurz austauschten, sehr, sehr preisgünstig wirkender Trash.
ABER! Ich erwischte ein absolutes Highlight von einem Satz einer Kandidatin, die der deutschen Sprache entweder nicht mächtig ist, oder es handelt sich um eine neue Ausdrucksweise einer jüngeren Generation. Wenn es ein unfreiwilliger Fehler war, ist er doch von gewisser Poesie und es ist überlegenswert, diese (für mich) Neuschöpfung in den alltäglichen Sprachschatz zu integrieren.
Ein Blondchen mit frustriertem Gesicht saß neben einem Kandidaten, vermutlich einem gedateten „Nerd“, und sprach in die Kamera:
„Isch fühle mich unterbehandelt! Und wenn isch mich unterbehandelt fühle, dann gehe ich!!!“
Wumms! Rumms! Das hatte doch einen sprachlichen Charme, der sicher in der Sendung für heute nicht mehr übertroffen wird, daher schaltete ich sofort ab, um Dir dies mitzuteilen.“
Nicht vergessen: wie schön es im Schlüterhof am Abend sein kann, in der Abenddämmerung, wenn eines der Konzerte im Hof ist. Jetzt jeden Freitag und Samstag ab 19 Uhr, Eintritt frei. Es gibt auch Getränke und Sitzgelegenheiten. Der Schlüterhof ist der Innenhof vom neuen Berliner Stadtschloss und bei Tag und Nacht geöffnet.

2015 entdeckte ich erstmalig die Kuppelkonstruktion beim Blick aus meinem Wohnzimmer, Richtung Süden, zur Auguststraße. Bis dahin gab es nur die große und eine kleinere Kuppel vom Berliner Dom für mich zu sehen. Und auf einmal war dazwischen etwas Neues, das Gerüst der Schlosskuppel. Nun ist sie fertig, eine Weile schon. Ich freue mich, wenn die Patina kommt, mit Grünspan, dann sehe ich drei türkise Kuppeln! Dürfte noch etwas dauern, Grünspan entwickelt sich schneller, umso salzhaltiger die Luft ist, deswegen geht es in Hamburg flinker. Zehn bis fünfzehn Jahre muss man mindestens rechnen.
Es kann meiner Meinung nach gar nicht genug Kuppeln in einer Stadt geben. Religion egal! Ob Protestantismus, Islamismus, Katholizismus, Hinduismus, Judaismus, Eklektizismus, Royalismus oder Historizismus – ich nehme jede Kuppel mit offenen Armen entgegen. Erotizismus!
Auch am kommenden Wochenende gibt es wieder Live-Musik, Eintritt frei. War ein großartiger Klang am letzten Samstag. Lydia hatte die Idee. Es war überhaupt schön, von zuhause hinzulaufen. Draußen saßen überall Menschen an Tischen mit flackernden Teelichtern, laue Sommerabendluft. Mich beeindruckte das ganze Ensemble im Abendlicht, der subtilen Beleuchtung der Architektur. Man muss es gesehen haben, den Raum erleben.
Ich fand ein Video, in dem die Herstellung der sogenannten Kolossalfiguren und deren Einbringung in den Schlüterhof gezeigt wird, dieses hier. Ich schrieb Lydia, als ich ihr den Link schickte, dass ich aus mir selber nicht völlig klaren Gründen plötzlich weinen musste, als man sah, wie die drei Meter großen Figuren nebeneinander auf dem Transporter standen und am Schloss eintrafen. Schön, dass die Bildhauer gezeigt werden. Kolossal.
Die Konzertreihe heißt „Durchlüften – Open Air im Schlüterhof“ und geht noch fast bis Mitte September. Man muss sich nicht anmelden, kein Zeitfenster buchen, einfach hingehen, keine Maskenpflicht, ist ja draußen. In einem etwas abgegrenzten Bereich direkt vor der Bühne gibt es Sitzplätze, die ein Ticket erfordern, aber es gibt auch außerhalb der dezenten Absperrung Sitzgelegenheiten, z. B. an den Tischen vom Café. Ich habe den nächsten Freitag schon wieder ins Auge gefasst.
Das Foto von den Kuppeln aus meinem Wohnzimmerfenster ist am 20. Dezember 2015 entstanden.

Vor zehn Jahren habe ich mich dem Gedenken des damals fünfzig Jahre zurückliegenden Mauerbaus gewidmet. Wie sicher auch heute, gab es mehrere Gedenkveranstaltungen, die der RBB begleitete. Ich war damals am Mauerdenkmal, der Mauergedenkstätte mit den Fotos der an der Grenze Erschossenen, und im Mauermuseum an der Ackerstraße und bei den Mauerresten in der Bernauer Straße, und habe sehr, sehr viel fotografiert und auch nicht wenig dazu geschrieben, ist hier versammelt zu sehen und nachzulesen.
Auch blöd: seit fast drei Wochen durchgeimpft, Wochenende vor der Tür und nichts vor, da mir Informationen oder Einladungen fehlen. Keine tollen Konzerte oder rauschenden Gartenparties oder Barbesuche. Ich hätte gerne einen Veranstaltungskalender. Früher hat man in den Tipp geguckt oder in die Zitty. Tipp hat keinen vernünftigen Veranstaltungskalender mehr, nur so komische Themenkacheln, nicht mehr die Möglichkeit, ein Datum zu wählen und dann Alles oder Konzerte oder was es eben sonst noch gibt, zu selektieren. Zitty gibts gar nicht mehr. Berlin.de hat ein paar Sachen unter Veranstaltungen – aber das kann doch nicht alles sein. Wer soll denn bitte noch diesen Tipp lesen, wo nur noch irgendwelche ausgewählten Kulturveranstaltungen portraitiert werden, ohne Veranstaltungskalender. Was für ein unausgegorenes Konzept. Das war früher der Hauptgrund, warum man sich das Blättchen geholt hat. Oder ist das nur online nicht verfügbar? Egal. Seit der Tipp nicht mehr Tip heißt, bin ich raus! Ist doch Scheiße! Bin orientierungslos.


Streisand singt „What are you doing with the rest of your life?“, eine Aufnahme von einem Rehearsal in ihrem Wohnzimmer, die ersten Takte, dann geht es in die Studioaufnahme über, die mir zu glatt und arrangiert und parfümiert, zu pathetisch erhöht ist. Aufgebauscht. Benjamin Biolay, „Tu es mon amour“. Ist mir jetzt zu larifari, zu flott und gut gelaunt. Next. Harry Belafonte, „Try to remember“ . Das ist schön. Sehr.
Das war ein sehr zurückgezogenes Wochenende. Nicht nur, weil ich impulsiv ALLE tinder matches entmatcht habe. Auslöser war ein neues match von einem 51-jährigen aus dem Kulturbereich, der mir ernsthafte Zeilen schrieb, die mich überforderten. Ich hatte ihn nur – wie soll ich das nennen – „herzen“? Geherzt? Also auf dieses Herzsymbol geklickt. Es gibt da ja nur dieses Herzsymbol oder ein X (für ab in die Tonne) in der PC-Version. Nach-rechts-Wischen wäre weniger gefühlsduselig. Ich habe manchmal nach 50 – „Nieten“ sollte ich es nicht nennen, das ist zynisch – Bildern von Kandidaten, dir mir nicht zusagten, jemandem ein „Go“ gegeben, der einen kleinsten gemeinsamen Nenner hatte. Der Interpretationsspielraum ist naturgemäß gigantisch, wenn man nur die Wahl zwischen Top oder Flop hat. Es könnte große Liebe und Zuneigung auf den ersten Blick sein, oder lediglich eine Sympathiebekundung, zumal in Relation zu den anderen vorgelegten „Bewerbern“.
Ich habe nach diesem ernsthaften Bewerber aus Schöneberg nicht nur ihn entmatcht (ich hätte ihn enttäuschen müssen), sondern auch alle anderen unnötig in die Länge gezogenen Konversationen. Da war einfach niemand dabei, der mich ernsthaft elektrisiert hat. Und es hat mich auch nicht in Abgründe gestürzt, dass es so war. Es war mir tatsächlich eher gleichgültig. Ich spüre, ich bin unverändert fatalistisch und glaube, dass es passiert, wenn es passieren soll. Egal wie und wo.

Den Hut mit der Kuckucksfeder trug ich am zweiten Tag zu Jans Ausstellung bei feinart, am Freitag, wo Bazon Brock Hof hielt. Ich gehörte allerdings nicht zu den Höflingen. Keineswegs (im Gegenteil). Am Samstag räumte ich rum, hier und da, und schon war er vorbei, der Samstag.
Am Sonntag wollte ich ernsthaft nach – oh Gott, wie heißt der Ort noch – Luckenwalde, hatte mir schon die Zugverbindung mit der Regionalbahn herausgeschrieben, und wie ich zur Breiten Straße in der City komme, dem sog. „Boulevard“, wo ein kleines Kunstfestival stattfand, u. unter anderem eine Malerin ausstellte, die ich von mehreren Begegnungen kenne, Evelyn, ich traf sie Freitag bei feinart, sie lud mich ein. Ich hatte mir gemerkt, dass der Zug von Gesundbrunnen immer um xx.25 Uhr fährt. Insgesamt eine gute Stunde Anreise, oder eine und eine Viertelstunde mit allen Wegen zur U-Bahn, vom Bahnhof zu diesem Boulevard, über eine Käthe-Kollwitz-Straße entlang.
Es war bereits Nachmittag und ich hatte endlich Lust (jetzt oder nie), eine Näharbeit an einer Hose anzugehen, von Hand die Hosenbeine zu verlängern. Mir sind Hosen oft zu kurz. Ich bin nicht versessen darauf, mit Nadel und Faden eine unsichtbare Naht an zwei Hosenbeinen zu fabrizieren, um Stoff anzunähen. Wie auch immer – das war die Stunde.
Vergeht dann auch schnell so eine Stunde. Als ich wieder auf die Uhr sah, war es kurz vor Vier. Ich hätte mich langsam – oder besser nicht so langsam – ausgehfertig anziehen müssen. Zur vollen Stunde müsste ich los, um den Zug zu kriegen. Zu stressig. Ich könnte ja noch mal zur nächsten vollen Stunde einen Versuch machen. Ich war dann auch mit der Näharbeit fertig, da zog es zu, es wurde immer wolkiger und ungemütlicher. Das schien mir gar nicht attraktiv, unter einer grauen Wolkendecke unterwegs zu sein.
Ich ließ davon ab, schon auch mit Bedauern. Anderthalb Stunden später wurde es wieder heller, sogar sonnig, das war mir dann zu spät. Ich wusste ja, dass ich im Falle von keiner Mitfahrgelegenheit in Luckenwalde, den Zug um 22 Uhr irgendwas, der der letzte nach Berlin ist, kriegen müsste. Um 18 Uhr wollte ich wirklich nicht mehr zu einer über einstündigen Anreise nach Luckenwalde aufbrechen, wo ich dann um einiges nach 19 Uhr ankommen würde, und zweieinhalb Stunden später schon wieder gehen müsste, um den letzten Zug zurück nach Berlin zu kriegen.
War dann ein sehr ruhiger Sonntag. Und endlich die blöde Hochwasserhose länger gemacht. Ich hätte sie auch wegwerfen können, hat mich aber irgendwie gereizt, sie zu verlängern. Hatte ich heute an. Keine Fotos! Aber auch Mütze auf dem Kopf, die von meinem Großvater. Korrespondierte mit dem Grau des Shirts, das ich anhatte. Vorne ist B.B. drauf, „oben ohne“ aber so dezent grau in grau, das SW-Foto, und sie raucht eine Zigarette, ganz verrucht.
Jetzt Esther und Abi Ofarim, „Morning of My Life“ (schön wär’s). „in the evening I will fly you to the moon, to the top right hand corner of the ceiling in my room, where we’ll stay until the sun shines“ – – –




Ich will nun öfter meine Mützen und Hüte tragen. True Royalty wears hat! So geschehen vorgestern und gestern. Jahre ist diese schöne Mütze nicht gewürdigt worden. Fotos vom 5. Aug., auf dem Weg zu Jans Ausstellung bei feinart, die fein gehängt ist. Gestern war ein Hut dran, den ich in einem Geschäft auf dem Weg nach oben zu Schloß Neuschwanstein gefunden habe, mit einer herrlichen Kuckucksfeder am Hutband. Nun will ich Kaffee trinken!

Freitag hatte ich die Idee, die privaten Konversationen (überwiegend mit Lydia) über meine virtuellen Dating-Plattform-Aktivitäten zu copypasten. Das Formatieren der 29 A4-Seiten hat einige Zeit beansprucht. Dann war ich allerdings verabredet (kein Date in dem Zusammenhang) und hatte keine Zeit für den letzten Schliff. Eine Idee war auch, daraus eine Lesung zu veranstalten.
Um das Ganze mit noch mehr Authentizität und Substanz zu unterfüttern, schwebt mir vor, echte Chatfragmente einzubauen. Das lässt sich moralisch allerdings nur bewältigen, wenn man sich nicht ernsthaft verstrickt hat. Gut eignen sich dafür Kontakte, die mit einer Entmatchung endeten. Ich habe da schon ein schönes Potpourri von zum Teil haltlosen Halbsätzen.
Bislang gibt es keinen realen Kontakt, also keine Begegnung. Nicht, dass nicht auch schon mal danach gefragt worden wäre. Ich hatte dann auch wieder zu tun. Ich war z. B. bei Ina in Frohnau, Sachen rumräumen und grillen und Wein trinken. Oder ein paar Tage vorher mit Lydia bei einer Ausstellungseröffnung von einem schwulen Maler, wo fast nur schwules Publikum war. So stelle ich mich mir Galerien in San Francisco vor. Interessante Atmosphäre. Und noch vorher traf ich mich mit Maria zum Picknick mit einer gekühlten Flasche im Rosengarten vom Weinbergspark.
Ich ziehe aus mir selber nicht ganz klaren Gründen Treffen mit mir bestens bekannten und vertrauten Freundinnen den Treffen mit mir bestens unbekannten und komplett unvertrauten Tindermatches vor. Stimmt irgendwas nicht mit mir? Das sympathischste Match hat sich leider zurückgezogen, mit angekündigtem Löschen der app, aber wer weiß das schon. Ich hab tinder noch nicht platt gemacht.
Lydia ist der Meinung, wenn ich meine Erfahrungen auf einer Bühne zum Lesevortrag bringe, muss ich noch mindestens ein Date haben, sonst wäre das eine halbe Sache. Wahrscheinlich hat sie recht. Sie soll dann übrigens den anderen Part lesen, also was sie mir jeweils geschrieben hat. Alles ganz natürlich, wie im echten digitalen Leben. Ich sehe da ein Publikum. Wenn ich dann auch noch tinder-Chatstränge eingebaut habe, wären Männerstimmen sehr charmant. Freiwillige melden!
gelernt: entmatchen
(ja, ich lerne schnell…)
Wer von euch ist bei Tinder? ![]()
Irgendwie leichter über Schleifenblusen als über die Beisetzung seines Vaters zu schreiben. Obwohl sie sehr gelungen war, trotz des sintflutartigen Regens. Ich warte noch, bis ich ein paar Aufnahmen von den schönen Blumen habe… (Ich habe nicht fotografiert… auch ohne Kamera schon nicht einfach mit Maske, Regenschirm, Taschentuch, Händchen halten zu jonglieren…). Heute vor zwei Wochen war es.