18. Juni 2022

Letzte Minuten in Goslar: vorbei an der Klubgartenstraße 12, Fachwerkvilla mit grüner Hecke und Vorgarten, drinnen die Beratungsstelle des Landkreises Goslar für Eltern, Kinder und Jugendliche. Noch ein Blick auf die orangeblaue, ca. drei Meter breite Wandbemalung von 2022 am Eingang einer Unterführung, vermutlich ein Durchgang unterirdisch unter den Bahngleisen hindurch.

Wer sich fragt, wieso ich in der guten Stunde nicht die einmalige Gelegenheit ergriffen habe, mir ein bißchen mehr von der Goslarer Weltkulturerbe-Altstadt anzuschauen: ich hatte ja die ganze Zeit bei meinem kleinen Rundgang um den Bahnhofsvorplatz meine schwere große und eine kleinere Reisetasche dabei, daher konnte ich keine größeren Sprünge machen. Ich hatte ein Supersparticket, das nur für einen bestimmten Zug zu einer bestimmten Uhrzeit gültig war, wenn ich erst ausgekundschaftet hätte, wo ich ein Schließfach für mein Gepäck finde, um dann in die Altstadt zu spazieren, hätte das wahrscheinlich alleine schon genauso lang gedauert wie meine wissenschaftliche Erkundung der Klubgartenstraße und der Zug wäre ohne mich abgefahren.

Ich empfinde aber wohl auch deshalb kein niemals nicht wiedergutzumachendes Versäumnis, weil ich ab frühester Jugend schon so manches legendäre Fachwerk-Altstädtchen sehen durfte, als da wären Bamberg, Dinkelsbühl, Rothenburg und viele, viele, viele Male die Altstadt von Nürnberg. Übrigens hat die Spandauer Altstadt, besonders der Teil Kolk auch Fachwerkgässchen. Der Potsdamer Cecilienhof ist gar ein Fachwerkschloss. Der Bühnenturm des Theater des Westens ist in Fachwerkkonstruktion im oberen Bereich gebaut. In Pankow gibt es die Majakowski-Villa, reinstes Fachwerk, dann das kuriose Fachwerk-Überbleibsel-Haus vom Restaurant Paris-Moskau zwischen Bellevue und Hauptbahnhof. In Schöneberg gibt es ein Seniorenheim für Demenzpatienten in einer Fachwerkvilla.

Überhaupt lustig: wenn man googelt „Fachwerkhaus Berlin“: annähernd Null Suchergebnisse, googelt man hingegen „Fachwerkvilla Berlin“: schöne Ergebnisse. Auch mit Kaufangeboten, z. B. in Nikolassee. Und: ich hatte mal eine Fernbeziehung, einen Lover, der in Süddeutschland auch in einem puppigen Fachwerkhaus lebte. So viel zu meiner persönlichen Fachwerkbiographie. Last but not least wohnt Herr Ludewig in Liebenburg auf einem Anwesen, das man als Fachwerkensemble bezeichnen muss. Und da war ich ja auch drin. Und natürlich die POST! Ich kenne Fachwerk also von innen und außen.

Zwanzig Minuten vor Abfahrt ging ich zum Bahnhof, ins Gebäude hinein, wo ich mir im Deutsche Bahn-Shop einen Kaffee holte. Eigentlich war auch Bockwurst im Reiseshop im Angebot, die war aber gerade alle. Sehr nette Verkäuferin. Ich bestätige, dass in dieser Region kein auffälliger Dialekt gesprochen wird, wir sind ja nicht weit von Braunschweig, von dem man sagt, dass dort das beste Hochdeutsch zu hören ist. Alles was mir so vom Volke zu Ohren kam, war einwandfrei zu verstehen und hätte im deutschen Fernsehen ohne Untertitel gesendet werden können.

Nächste Etappe: Bahnsteig 2, Zug Richtung Braunschweig. Auf die Bank gesetzt, Maiswaffeln, Apfel und Bifi von meinem kleinen Reiseproviant aufgegessen und in Martensteins „Die neuen Leiden des alten M.“ geschmökert, bis der Zug einfuhr. Im Zug von Goslar nach Braunschweig hatte ich einen angenehmen Fensterplatz und machte ein paar Bilder durchs Fenster.

Dort angekommen, wechselte ich zu meinem ICE nach Berlin, beim Runtergehen auf der Treppe zum anderen Bahnsteig fiel mir wieder das gelbschwarze Aida-Plakat vom Staatstheater Braunschweig ins Auge, wie schon bei der Hinfahrt, und ich überlegte, davor ein Selfie zu machen, was aber hauptsächlich den Grund hatte, dass Volker zum Staatstheater Braunschweig gehört. Ich war dann aber ein bißchen müde und nicht in Stimmung, mich da so auffällig davor zu stellen und zu fotografieren. Da guckt ja jeder direkt drauf, der die Treppe runtergeht. Also kein Aida-Plakat-Selfie. Volker kennt es allerhöchstwahrscheinlich auswendig.

Meine letzte Etappe war die Fahrt mit dem ICE von Braunschweig nach Berlin, die ich komplett im Speisewagen verbrachte, allerdings ohne Speisen, nur mit einem, wie bereits erwähnt, nicht sehr schmackhaften, alkoholfreien Bitburger Pils, dem Martenstein und Blicken aus dem Fenster. Viel blühender Raps. Eigentlich war die wirklich letzte Reiseetappe ja die Fahrt mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof bis zum Hackeschen Markt, aber das fände ich jetzt doch etwas sehr prätentiös von einer Reiseetappe zu sprechen. Dann müsste man ja auch noch die Wanderung mit dem Gepäck vom S-Bahnhof die Rosenthaler Straße entlang, in die Gipsstraße bis zur August- Ecke Joachimstraße berücksichtigen. Also ich war am Pfingstmontagabend wieder daheim in Berlin. Eine gute Reise.

17. Juni 2022

Noch einmal Goslar, Bismarckstr. 1/Ecke Tappenstraße, auch in Bahnhofsnähe. Fiel mir auf – wie auch nicht. Ein Prachtgebäude, das zu recherchieren unfassbar langwierig war, weil es nicht auf googlemaps namentlich benannt wird. Der wunderschöne alte Kasten steht seit sieben Jahren leer. Dereinst war er legendär, nämlich das in Goslar berühmte Odeon-Theater. 1893 eröffnet als Bahnhofshotel „Schützenhof“, hinzu kam 1899 „Röttgers Kaisersaal“ mit Tanzveranstaltungen und ab 1922 Filmvorführungen, 1949 Umbau und festliche Eröffnung als Filmtheater Odeon, später auch Theaterbühne und Konzertsaal. Der Veranstaltungsbetrieb wurde aufgrund zunehmender baulicher und technischer Defekte 2015 eingestellt. Was für ein großer Verlust! Das gestern von mir präsentierte Hotel „Niedersächsischer Hof“ erwähnt auf seiner Seite zur Historie mit Stolz, dass insbesondere Künstlerinnen und Künstler, die Gastspiele im Odeon-Theater gaben, bevorzugt im gegenüber liegenden Niedersächsischen Hof logierten. Vor meinem inneren Auge entsteht ein kultureller, abendlicher Mittelpunkt der eleganten Gesellschaft, der dem Bahnhofsviertel besonderes Leben, Flair und Glanz verlieh. Muss man das Ende dieser Ära nicht bedauern?

Wikipedia weiß: „Am 22. Dezember 2015 wurde durch den Rat der Stadt aufgrund des nicht darstellbaren Finanzierungskonzeptes die endgültige Einstellung des Spielbetriebs beschlossen.“ Was hat man denn unter einem „nicht darstellbaren Finanzierungskonzept“ zu verstehen? Man fasst sich an den Kopf. Vielleicht geht in Goslar der ganze Denkmalschutz-Etat für die Instandhaltung der über 1500 Fachwerkhäuser drauf, die zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Meine weiteren Recherchen haben ergeben, dass das Gebäude von einem Investor gekauft wurde, dessen Pläne sind, dort Mietwohnungen einzubauen. Eine erste Adresse. So eine Wohnung sei jedem gegönnt, aber wenn man alte Fotos von dem Filmtheatersaal sieht, blutet einem schon das Herz, dass man dort keinen schönen Film-, Theater- oder Konzertabend mehr verbringen kann. Die bestehenden Goslarer Theater scheinen allesamt in profaneren Bauwerken untergebracht zu sein. Merkwürdige Politik. Im Forum „Goslarer Geschichten“ werden Erinnerungen und Geschichten und historische Daten von Goslarern zusammengetragen, die ein gutes Bild der Geschichte des Odeon-Theaters ergeben. Ich habe mich besonders in die kleine Feuertreppe, links vom 1100-Jahre-Goslar-Plakat verliebt.

16. Juni 2022

„Hotel Niedersächsischer Hof – Haus Pieper“, Klubgartenstraße 1 – 2, in Goslar am Bahnhof. Eröffnet an 17. April 1930, schönster Dampferstil. Interieur leider stilistisch überhaupt nicht beibehalten. Der Architekt Heinrich Ehelolf (1859-1940) wird auf der Seite des Hotels zur Geschichte des Hauses unerklärlicherweise nicht erwähnt. Der Geschichtsverein Goslar bezeichnet Ehelolf als wichtigsten Architekten der Stadt seiner Zeit und schreibt: „1930 zog Ehelolf sich aus dem Berufsleben zurück. Er kam damit der Ablehnung seiner individualistischen, „nicht-völkischen“ Architektur durch die Nationalsozialisten zuvor.“ Somit sein letztes Werk. Die Silhouette und das Relief der Schrift löst etwas in mir aus wie Fünfziger Jahre-Sonntag-Nachmittagsfilme mit Bernhard Wicki und Liselotte Pulver. Er gefällt mir, dieser unübersehbare, gemauerte Dampfer, den Hotelier Pieper in Auftrag gab. Nicht sein erstes Hotel, er hatte bereits das Hotel Achtermann, ebenso in der Nähe.

16. Juni 2022

Nach mehrwöchiger Pause unseres kleinen TV-Chats, begrüßen Tina und ich die neue Bachelorette und ihre männlichen Bewerber und werden sie mit gut gekühlten Getränken durch den Sommer begleiten. Gestern Abend, am Mittwoch, 15. Juni 2022, 20:15 Uhr gings los.

Tina
Ich habs eingeschaltet.

Gaga
Ich auch

Tina
Hu, du blinkst gar nicht aktiv.

Gaga
Rechner hat gerade Updates gemacht, aber ich hab den TV von Beginn an an. Lasse das Party-Gogo-Girl, das mal richtig „Bums in die Hütte bringen will“ auf mich wirken. Sympathiefaktor bislang eher nicht sehr hoch…. na ja, mal schauen. Hat so einen triumphierenden Zug mitunter, der mir unheimlich ist. Aber keine vorschnellen Urteile! Ich guck jetzt mal in Ruhe und melde mich im Extremfall Ich vergolde gerade nebenher Nikes mit Blattgold.

Tina
Was hatte sie am Anfang für ein Aua, weswegen sie abgemagert ist und alles? Na ja, wie dem auch sei. Sie sieht jedenfalls aus wie ein Topmodel. Eine leicht normalere Frau würde sich auch mal gut machen.

Gaga
Ich finde, sie ist bisher das ausgeprägteste „Show Girl“, schon von Berufs wegen… „Schauspielerin“, geübtes Anknipsen von Strahle-Lächeln für die Kamera. Sie hat kreisrunden Haarausfall und trägt Perücken, hat sich die Haare abrasiert. Bisher sahen 80 Prozent der Kandidaten aus wie die Herren, die ich bei tinder weggewischt habe. Äußerlich viel Bushido, er gerade speziell…

Tina
Ach, da waren auch genug Blondies.

Gaga
Frage mich, ob die Kandidaten doch beim Casting befragt werden, auf welchen Frauentyp sie vorwiegend stehen.

Tina
Sind schon objektiv schöne Männer. Auch so mancher Blondie.

Gaga
Es gab schon in jedem Cast ein, zwei mit türkischem oder arabischen Background, hier sind es aber doch mehr als früher, meine ich. Wobei die ja auch Deutschland mitrepräsentieren, schon klar. Inzwischen sind bei Werbeshootings people of color höher dotiert von der Gage als hellhäutige, weil es der Trend ist, aktuell.

Tina
Können ja am Ende mal durchzählen.

Gaga
Ist mir eigentlich auch schnuppe, fiel mir nur auf. Sobald ich einen sehe, der mein Typ ist, guck ich vorwiegend auf den.

Tina
Aber Migrationshintergrund läuft auch in der Literaturszene schon seit Jahren gut oder gar besser. Hatte gerade so einen Zeit Podcast mit Olga Grasnovja gehört.

Gaga
Ja, ist eine Mode und Vermarktungsaspekt, wird sich langfristig wieder ausgleichen. Jetzt sind die eben mal dran, hoffe bald ist es mal schnurz.

Tina
Schade, dass Behinderte und Rentner keine Rolle spielen. Nein, das war jetzt mal zynisch.

Gaga
Dir stünde ein osteuropäischerer Name auch gut zu Gesicht! Tina ist ja schon ok, nur der Nachname muss noch nachjustiert werden. Schuberova, Schublinsky…

Tina
„Ist wieder keiner aus dem Osten“ sagt meine Mutter. Ja, der Osten ist auch immer unterrepräsentiert, das stimmt schon.

Gaga
Woher will sie wissen, dass keiner aus dem Osten dabei ist? Abwarten und analysieren!

Tina
Steht doch immer die Stadt dazu.

Gaga
Ach so… hab nicht drauf geachtet…. war mit meiner Anlegemilch beschäftigt. Ich finde „Anlegemilch“ klingt immer ein bißchen nach Stillen, oder? (so heißt das Medium, das man unter dem Blattgold aufträgt) Trocknet gerade noch durch, dann die Blattgoldblätter. Daher konnte ich gerade chatten!

Tina
Ah. ja. Und klingt absolut so.

Gaga
Sieht auch aus wie Muttermilch! Riecht aber wohl anders, Muttermilch ist angeblich recht süßlich, die Anlegemilch riecht ein bißchen wie Knoblauch.

Tina
Ich wünsche mir, dass du dir einen lustigen Cocktail ausdenkst und ihn dann genau so nennst.

Gaga
ich hab mir so seltene „Sneaker“, also Turnschuhe, bei ebay geschossen, die so ein faszinierendes Gold-auf-Schwarz-Gewebe haben, passen auch super, aber das Design hat von der Silhouette her Mängel, die ich erst beim Anziehen realisierte, will sie aber nicht nach England zurückschicken, jetzt gleiche ich die schwarzen Partien mit echtem Blattgold aus, damit die Silhouette nicht mehr wie komische Pantoffeln aussieht. Musste den Stoff aber erst mit Acryl grundieren, damit die Anlegemilch nicht komplett aufgesogen wird. Complicated! Aber bald ist das Werk vollendet. So ne Schuhe hat dann natürlich keiner, es gibt ja so bekloppte Sneaker-Sammler, denen fallen die Augen raus, wenn sie die Schuhe sehen… hihi

Tina
Ah, hi hi hi

Gaga
Aber jetzt Bachie gucken!

Tina
Ja.

Gaga
Also die Kandidatin ist schon sehr von sich erotisiert, was der Sache natürlich zuträglich ist….

Tina
Manche haben auch wieder entfernte Ähnlichkeit mit Timo. Heul.

Gaga
(welcher speziell?) https://www.rtl.de/cms/bachelorette-2022-alle-kandidaten-diese-maenner-kaempfen-um-sharon-battiste-4975952.html

Tina
Keiner speziell. Einige mal ein bisschen. Augen. Seitenwinkel usw.

Gaga
Ah ja. Bessere Übersicht:
https://www.rtl.de/cms/sendungen/show/die-bachelorette/kandidaten.html Für mich ist leider kein Schnuffi dabei. Ich finde ihre Körpersprache, besonders das Gestikulieren, etwas geschäftsmäßig, modisch-aufgesetzt.

Tina
Nun ja, ist vielleicht ein neuer Akzent der Produzenten. Der letzte Bachelor war auch schon so ein Vollprofi.

Gaga
Ich guck jetzt mal, was die Twitterer über die neue Bachie schreiben und dann leg ich das Gold auf! Wenn ich was Amüsantes auf Twitter oder so finde, schick ich dirs!

Tina
Ja, ich freue mich schon. Auch über den eventuellen Blogging-Eintrag.

Gaga
Lustig bei den Twitter-Beiträgen: die reiten total auf den komisch hochgekrempelten Hochwasserhosen der Kandidaten rum, fiel mir tw. auch auf, habs aber nicht erwähnt…
https://twitter.com/hashtag/bachelorette?lang=de Gruß an deine Mutter, Danny Liedtke ist aus Sachsen-Anhalt:
https://twitter.com/champagnetoney/status/1537161267105959938 Also die Twitter-Leute sind schon lustig:
https://twitter.com/Glycosid/status/1537145963877384192
Guts Nächtle!

Tina
Ja, Schlaf du auch gut

Gaga
<3

15. Juni 2022

Klubgartenstraße 5 in Goslar, direkt am Bahnhof. Die Villa fiel mir als erstes auf, bei meinem kleinen Rundgang um den Bahnhofsplatz. Die beiden Taxifahrer strafften sich etwas, als sie sahen, dass ich meine Kamera herausholte. In dieser beschaulichen Villa möchte man gerne auf ein Tässchen Kaffee oder Tee geladen sein. Eventuell machbar, wenn man einen Termin mit der dort ansässigen Goslarer Wirtschaftsförderung vereinbart.

Pippi Langstrumpf könnte die Villa auch gefallen, so wie mir! In einer bestimmten Richtung kann man bewaldete Hügel sehen, wir sind im berühmten Harz. Genau genommen, im West-Harz. Dass ich überhaupt über Goslar gefahren bin, war der wiederholten Anmerkung von Volker geschuldet, dass Liebenburg in der Nähe von Goslar sei. Also war das für mich die anzupeilende Reiseroute.

Als wir zu Besuch bei Mutter Ludewig waren, wo ich eine ausgezeichnete Bulette aß, und sie mich nach meiner Anreise befragte, und ich von der halbstündigen Busfahrt berichtete, erfuhr ich, dass Salzgitter-Bad näher gewesen wäre, da gibt es auch einen Bahnhof, und der ruckelige Bus fährt von dort nur eine Viertelstunde nach Liebenburg. Aber ich war mal in Goslar, wenn auch nur am Bahnhof.

Ich weiß, dass es Weltkulturerbe ist, vor allem wegen der unversehrten Altstadt mit viel Fachwerk. Rund um den Bahnhofsplatz ist kaum Fachwerk, das hatte ich aber ja schon in Liebenburg und bei der Busfahrt ausgiebig gesehen. Volker dachte, Goslar hat man eher schon mal gehört als Salzgitter. Aber mir waren beide Ortsnamen gleich geläufig. Ich hatte ihn allerdings nicht gefragt, was die bequemste Anreise mit Zug und Bus wäre.

15. Juni 2022

Wir nehmen Abschied von Liebenburg und gehen noch einmal durch den Garten und winken der kleinen Windmühle zu und herzen den Gastgeber. Gesehen habe ich: die Poststraße mit der Bushaltestelle, die Pension zur Post und das Anwesen mit vielen Fachwerkhäuschen von Herrn Ludewig, auch von innen! Alte Freundinnen und Freunde des Hausherren durfte ich treffen und Speis und Trank genießen, dafür vielen herzlichen Dank! Nun hieß es wieder auf den Überlandbus warten, der sich Harz-Bus nennt und der ganz schöne Kurven fährt. Es geht auf und ab und um die Ecke und im Kreis und mir war ein bißchen schummrig dabei. Eine gute halbe Stunde dauert die Fahrt bis Goslar, von wo mein Zug nach Braunschweig fuhr. In Goslar hatte ich eine Stunde und zwanzig Minuten Wartezeit, die ich auf einer schattigen Bank draußen vor dem Bahnhof verbrachte. Es war ganz schön heiß geworden. Nach zwanzig Minuten hatte ich mich ein bißchen von der ruckeligen Busfahrt erholt und drehte zu Fuß eine Runde um den Bahnhofsplatz. Da habe ich ein paar schöne Bauwerke fotografiert. Der Bahnhofsplatz wird gerade umgebaut, ich habe keine Baustellenabsperrungen abgelichtet, wie die aussehen, kann sich jeder vorstellen. Aber drumherum ist es so schön historisch, wie man es sich als Reisende wünscht. Kommen auch noch Bilder. Ich finde es selbst amüsant, wie ich eine winzige Wochenendreise über Pfingsten zu einer Riesensache aufbausche. Das ist ein Trick. Ich halte Ausschau nach kleinen Sensationen, wo ich gehe und stehe, und da sind sie dann auch. In einem Fachwerkhaus in Liebenburg oder einer Villa in Bel Air. Man nimmt den pittoresken Blick und die Sehenswürdigkeiten immer mit, das ist in einem drin.

14. Juni 2022

„Grün, grün, grün sind alle meine (…) grün, grün, grün ist alles, was ich hab.“ Das Anwesen des Gutsherren, Volker Karl Freiherr Ludewig zu Liebenburg besticht durch seinen gepflegten Rasen, dichte, blühende Hecken und vielgestaltiges, praktisches als auch formschönes, gleichwohl modernes wie auch historisches Sitzmobiliar im Außenbereich des weitläufigen Parks. Sehr achtet der Gutsherr auf korrespondierende Details beim Interieur, auch in den Nebengelassen, wie einem kleinen Badezimmer in den Wirtschaftsräumen (für das sehr gut untergebrachte Gesinde). Es gibt seltene, historische Seifendosen zu bewundern, die auch noch in Benutzung sind. Der auf Reinlichkeit bedachte Freiherr sorgt persönlich dafür, dass die Lieblingsmarke der Damen, „Janine D.“ aus dem Hause 4711, stets vorrätig ist. Die weibliche Dienerschaft weiß es zu danken und umgarnt seine Herrschaft mit zartem Duft.

14. Juni 2022

RAPHAEL. Erzengel, W.T.F. Corona II., Leinen-Tuch, Grundierung, Zeitungsfragmente, Goldacryl, Spachtel, Karton, 43 x 63 cm, 14., 15., 16. März und 04. April 2020, Staatliche Museen von Gaganien

Der Erzengel Raphael ist der Schutzpatron der Kranken. In der christlichen Mythologie die heilende Hand Gottes. Als ich ihn im März 2020 durch dieses Bild wegen Corona anrief, hätte ich nicht gedacht, dass er so lange braucht. Ich schätze, er ist kein Berliner. Ich widme meine Raphael-Ikone Mick Jagger und meiner Mama und allen, die Gesundheit und Heilung erhoffen. Und dem Geburtstagskind Cosima. Ein Engel an der Seite ist immer schön.

13. Juni 2022

Gute Besserung, Mick! Ich trinke auf deine baldige Genesung. Wir wissen natürlich alle, dass Keith länger leben wird, weil er uns alle überleben wird, aber du musst bitte noch mithalten, zumal du ja sehr viel dafür tust. Keith hat erst vor drei Jahren mit dem Rauchen aufgehört und sieht richtig erholt aus. Wer hätte das 1971 gedacht! 1977 hast du Jerry erzählt, dass du angeblich manchmal Heroin rauchen würdest, aber wir beide wissen, dass du dich nur ein bißchen interessant machen wolltest, Rauchen war noch nie wirklich dein Ding. Von daher wird deine jungfräuliche Lunge das bißchen Covid wegstecken. Das erwarte ich einfach. Also: pfleg dich und dann geht’s weiter! Mel will doch weiter Insta-Fotos von deinen Spaziergängen machen. Wollen wir alle sehen! Gruß und Kuß! 💋

13. Juni 2022

Ich erkläre, wieso ich so unermüdlich Einträge über meine kleine Reise nach Liebenburg poste. Mir ist, als müsste ich dem Aufwand und der Hingabe des Gastgebers irgendwie gerecht werden. Ja, auch meinem eigenen Aufwand! Das kann ja nicht sein, dass man Wochen vorher plant und recherchiert und nach einer Unterkunft sucht und passenden Zugverbindungen und Pläne ausdruckt und Busverbindungen studiert und sich Gedanken über die Garderobe macht und dann kommt am Ende nur eine Fußnote raus, ein durchlaufender Posten in der timeline. Neben Erinnerungen, die im eigenen Kopf und Herz versteckt sind. Es muss etwas damit zu tun haben, dass Volker und ich einen beinah schon historischen Blogger-Hintergrund haben, wenn er auch eher Blogger im Ruhestand ist. Mir kommt es vor, als wären vor fünfzehn Jahren mit großer Hingabe Erlebnisaufsätze in Blogs verfasst worden, besonders wenn man sich untereinander traf. Nun war das zwar kein Bloggertreffen, aber ohne den Hintergrund wären wir uns kaum begegnet. Mir tut es leid um Fotos, die nur in einem Album herumliegen, ohne dass die Geschichten dazu erzählt werden, das ist mir immer noch ein Bedürfnis. Es bereichert mein Erlebnis. Vielleicht schreibe ich stellvertretend für all die Blogger, die früher bei Volkers Festen waren, die mir entgangen sind, da wir uns immer verfehlten, auch wenn man irgendwie voneinander wusste.

13. Juni 2022

Hallo, ich bin Nessi Ludewig! Ich wohne im Garten auf der Hollywoodschaukel und passe auf, dass die Pink- und Erdbeerquote eingehalten wird. Bitte immer pinke Blumen schenken und Erdbeeren bereithalten. Die Hollywoodschaukel ist der Thron vom derzeitigen Gutsherr zu Liebenburg, Herrn Ludewig.

13. Juni 2022

Intime Ausblicke! Der Fensterausguck mit Dächern und Grün ist, was ich rechts aus dem Fenster von der Post gesehen habe. Links davon ist das Fachwerkhaus mit den privaten Fenstern von Herrn Ludewig, er wohnt wirklich genau neben der Post, weswegen ich auch sehr froh war, dort ein Zimmerchen zu bekommen. Einmal bin ich müßig auf dem Doppelbett gelegen und habe ein bißchen gechillt und im Internet rumgeguckt und ein Schläfchen gemacht und nicht dauernd auf die Uhr geschaut, da höre ich in einem doch recht autoritären Tonfall durchs Fenster, wie man das so aus der Kindheit kennt: „ESSEN STEHT AUF DEM TISCH!“ Ich hatte mich mit Herrn Ludwig für 19:30 Uhr verabredet, also ich dachte, ich gehe dann mal rüber, und wir machen zusammen das Abendessen, da hatte er es schon ganz alleine gekocht und pünktlich auf den Tisch gebracht! Es war schon 19:35 Uhr als der Ruf kam. War mir etwas peinlich. Hab mich dann gesputet! Es gab Würstchengulasch und Kroketten, hab alles aufgegessen, hat mir gut geschmeckt! Mir hat ewig keiner was gekocht! Supernett!!!

12. Juni 2022

Wenn ich schon bei Anziehsachen bin, die Paillettenhose von Herrn Ludewig. Man fragt sich, warum die Hose so komisch hochgekrempelt ist. Auch ein Wermutstropfen für den Gastgeber, sicher hätte er lieber seine Leopardenslipper anstatt eines riesigen, orthopädischen Plastikstiefels damit kombiniert. Er hat sich den Vorderfuß beim Blumengießen gebrochen. Hände und Füße weg von Extremsportarten!

12. Juni 2022

Heute vor einer Woche begab es sich, dass ich postete: „Gruß aus der Post, habe die Küche geputzt und mache mich zurecht für die Party!“ Für die Leserinnern und Leser, die seither beschäftigt, wie ich mich zurecht gemacht habe, präsentiere ich nun Bildmaterial.

Ich hatte zum zweiten Mal ein cremeweißes Spitzenkleid an, bodenlang! Vor drei Jahren habe ich es mir zum Geburtstag gekauft. Leider sieht man auf den Bildern von letzter Woche nur das Oberteil, da es in der Post keinen großen Spiegel gab. Hier auf den alten Fotos sieht man es ganz.

Dazu habe ich meine uralten, und ebenfalls nur circa zwei- bis dreimal getragenen rosa Wildleder-Zehensandalen von Ralph Lauren angehabt, aufgepeppt mit einem weißen Spitzenschleifchen. Diesmal hab ich mir ein Stirnband angezogen, leider sieht man auf den Fotos nicht, dass die Lederstreifen auf einer Seite silbern glitzern. Ich dachte mir, das wäre ein angemessenes Outfit für ein Gartenfest. Im Etikett vom Kleid steht „Hallhuber Donna“. Gabs auch in Schwarz, in Cremeweiß hat es mir aber besser gestanden.

Als ich zur Gartenparty tapste, hatte ich schnell noch ein Gänseblümchen als Mitbringsel für das Geburtstagskind gepflückt. Kam gut an! Ein Geschenk sollte von Herzen kommen und nicht nach dem Geldbeutel bemessen sein.

Mein Highlight waren die Komplimente von Miriam, die selbst immer spitze aussieht, andere Komplimente habe ich leider nicht erhalten. Sie meinte sogar „Du siehst aus wie eine Braut!!!“ Hoffe, ich bin damit nicht irgendwie ins Fettnäpfchen getreten, war ja schließlich keine Hochzeit! Und der Gastgeber hat ja auch eine Schippe draufgelegt, mit seiner Paillettenhose. Also…!

12. Juni 2022




Fotoalbum Liebenburg: habe schon einige Bilder daraus gepostet und was erzählt, die anderen werden auch noch hier gepostet und mit exclusiven Insider-Berichten unterfüttert! Von Goslar um den Bahnhof rum habe ich auch Fotos und ein paar aus dem Zugfenster. Die poste ich extra. Ich pflege die gute alte Tradition der Reiseberichterstattung, das geht natürlich nicht hoppla-hopp mit einem einzigen Eintrag. Wer es langweilig findet, kann ja wegklicken!


10. Juni 2022

Liebreizende Liebenburger. Habe mit meiner Kamera geübt, während Herr Ludewig die Partyreste weggeräumt hat. Er hat das sehr gut und zügig gemacht, da er ein praktisch veranlagter Typ ist. Von den Bildern haben ja alle was, er auch! Ich habe lange keine Blümchen geknipst. Warum nur. Ja, alles hat man schon mal ähnlich gesehen, aber doch ist jede Blume einmalig und wird nie wieder genauso entstehen. Solche wundervollen Wesen. Wenn man so eine Blüte anschaut, ist das so ähnlich, wie wenn man psychedelische Drogen genommen hat, nur ohne Kater hinterher. Ich kann das beurteilen, weil ich vor vierzig Jahren sehr experimentierfreudig mit gewissen Substanzen war. Am meisten haben mich psychoaktive Sachen interessiert, vor allem LSD. Interessante Erfahrungen, die erstaunliche Wahrnehmungstüren aufstoßen können, wovon man erfahrungstechnisch immer noch profitieren kann, wenn der Trip vorbei ist. Aber es sollten gute Drogen sein, beste Qualität, nichts Dubioses. Darauf sollte man ja sowieso immer achten, auch bei alkoholischen Getränken. Ich bin da inzwischen recht virtuos und habe höchst selten einen Kater. Wenn mir jemand drittklassige Ware anbietet, lasse ich die Finger davon. Ich spreche jetzt von Alkohol, vor allem Wein und Schaumwein, da kenne ich mich sehr gut aus. Wenn es keine gute Qualität gibt, schwenke ich notfalls auf gutes Leitungswasser um. Das ist hierzulande geschmacklich und auch sonst risikofrei. Und Jever geht auch immer. Was rauchen selten, hätte aber mal wieder Lust. Dann aber verbietet sich Alkohol wieder. Verträgt sich nicht!

09. Juni 2022

In einem Liebenburger Fachwerkhaus versteckt sich eine Zauberwelt, von der man unzählige Bilder machen könnte, aber das gehört sich nicht. Es ist mir nicht oft passiert, dass ich mich in einer Wohnung, die nicht meine ist, so sehr daheim fühle. Die schönsten Wohnräume, die ich bisher betreten haben, waren von Frauen, nur wenige von Männern. Jan hat sehr virtuos und liebevoll gestaltete, ja eklektische Räume in Frohnau. Auch Alban. Volkers Refugium in der Lausitzer Straße war mir gleich vertraut, und so ist es auch mit diesem in Liebenburg. Die wenigen Details, die ich zeige, sind Zitate, die etwas erahnen lassen. Natürlich gibt es viele Bücherregale und Bilder an den Wänden, kleine Kommoden und Truhen und Tischchen, schönste Trouvaillen, bequeme, antiquarische Sessel aus den Fünfziger Jahren, sehr warmes, subtiles Licht, das von alten, gefältelten Lampenschirmen verströmt wird. Einen großen, gemütlichen Küchentisch, ein Schlafzimmer mit einer Wand wie in einem venezianischen Palazzo, so schön ist der Putz von Hundert Jahren abgetragen. Ein geliebtes Filmarchiv und eine sich schwer biegende Kleiderstange mit verheißungsvoll glitzernden Gewändern. Und immer Musik – die mir selbst unbekannterweise vertraut vorkommt. Da ich in der Post direkt nebenan schlief, musste ich irgendwann doch aus dem Sessel aufstehen und in mein eher profanes Zimmerchen wechseln. Aber eigentlich war ich innerlich immer noch in der Zauberwelt nebenan, bei Marilyn und Audrey und David und Glam.

08. Juni 2022

Was mir vorhin auch noch durch den Kopf ging, als ich vor mich hinpinselte: ein Glück, dass die Stones bei ihrer SIXTY-Tour nicht heute in Berlin gespielt haben. Dann wäre nämlich äußerste Gefahr gewesen, dass Mick Jagger mal wieder den KuDamm entlang hätte flanieren wollen, und zwar am Vormittag, Richtung KadeWe und zufällig wäre da der gestörte Fahrer angerast gekommen und hätte Mick Jagger totgefahren! Ein Glück, dass die Stones nicht in Berlin spielen. Bisher hab ich mich ja geärgert, man könnte sogar sagen, ich war beleidigt deswegen. Aber nun bin ich froh! Mick Jagger postet seit Start der Tour ständig Fotos von seinen Spaziergängen durch die Innenstädte der Orte, wo sie gerade spielen.

08. Juni 2022

Ich präsentiere zwei wichtige Türen in Niedersachsen. Die eine von der Post, die andere von Herrn Ludewig. Für mich eindeutig die wichtigsten Türen, durch die ich mehrfach gehen durfte. Es handelt sich bei den zugehörigen Häusern um Liebenburger Fachwerk (behaupte ich Kraft meiner Wassersuppe) in ortstypischer Farbgebung, nämlich hübschen Tönen von Taubengraublau über Flaschengrün zu Petrolgrün. Andernorts mag gewöhnliches Dunkelbraun dominieren, hier liebt man es etwas freundlicher und experimenteller. Nun könnte man denken, ich sei qualifiziert, solche Vergleiche anzustellen. Eigentlich nicht, aber ich habe auch in meiner Kindheit und Jugend häufiger Fachwerkhäuser gesehen, und kann mich so direkt nicht an andersfarbiges Gebälk als dunkelbraun gestrichenes erinnern. Von daher: gut beobachtet!

08. Juni 2022

Eigentlich hat mich ab heute Vormittag gedanklich nur noch beschäftigt, ob der Unfallverursacher am Tauentzien privat gestört ist oder politisch motiviert, in offizieller Mission. Ich habe alle halbe Stunde nach neuen Informationen zur Ermittlung und Befragung des Fahrers gesucht. Ich wollte wissen, ob jetzt eine neue Terror-Psychoterror-Phase mit Einschränkungen, Ängsten und Kontrollen droht. Insofern wünschte ich mir, dass es ein individueller Amoklauf war. Ich bin dann, ohne neuere Erkenntnisse in mein Atelier gefahren, wo ich weder Internet, noch TV, noch Radio habe. Auch nicht haben will. Dort versucht, einen inneren Tapetenwechsel hinzukriegen, ging so einigermaßen, mit etwas Alkohol nachgeholfen. Ich will mir meine kostbare Lebenszeit nicht von gruseligen, destruktiven Taten anderer dominieren lassen, die ich ohnehin nicht beeinflussen kann. Was mir (u. a.) unendlich leid tut ist, dass die zehnte Schulklasse aus Nordhessen, mit der die totgefahrene Lehrerin unterwegs war, nun bis zum Lebensende ein Trauma hat, das mit Berlin verbunden ist. Das hat Berlin und auch der Kudamm und der Tauentzien nicht verdient. Ich hoffe, sie werden gut psychologisch betreut und können es irgendwie verarbeiten. Jetzt beschäftige ich mich zur Erholung wieder mit meinen Fotos von meiner kleinen Reise nach Niedersachsen.

08. Juni 2022

Bin in Charlottenburg, war aber nicht in der Menschenmenge, in die vor einer Stunde am Tauentzien ein PKW gefahren ist. Dreißig Verletzte, ein Toter. Schlimm. Entweder ist die Person irre oder hat die Kontrolle aus anderen Gründen verloren… ist noch nicht bekannt. Gruß aus der Fasanenstraße.

07. Juni 2022

Man macht ja immer mindestens drei Fotos. Das sind die anderen beiden von gestern Vormittag nach der Feier. Und: jeweils ohne Kater. Endlich gelernt, Entsprechendes in richtiger Dosis zu trinken.

07. Juni 2022

…Essen gabs auch. Alles selbst vorbereitet, ich durfte zuarbeiten. Handwerkliche Arbeiten gefallen mir gut, alles wo man richtig anpacken und mit anfassen kann. Ich bin eindeutig ein haptischer Typ und finde Materie großartig! Deswegen war ich in Algebra nicht besonders gut, aber in Geometrie ganz hervorragend. Demzufolge ist Buddhismus keine geeignete Weltanschauung für mich, da wohl eines der Ideale ist, sich maximal von der Anhaftung an irdische Materie zu lösen. Ich könnte mich darin wälzen! Ich will alles Irdische sehen, berühren und fühlen und schmecken und riechen.

07. Juni 2022

Die herrlichen Blumen sind selbst aus dem Garten gepflückt! So einen schönen Strauß habe ich selten gesehen, wenn überhaupt. Eine alte Freundin von Volker hat sie zu seinem Geburtstagsfest mitgebracht, man konnte sich gar nicht sattsehen. Gut, dass ich sie fotografiert habe, so kann man sich immer wieder dran erfreuen.

07. Juni 2022

Abschiedsfoto von gestern mit Herrn Ludewig und Nessi Ludewig! Ich habe meinen Harz-Bus 860 nach Goslar und den Zug nach Braunschweig und den Zug nach Berlin Hauptbahnhof pünktlich erwischt und bin wieder daheim in Berlin. Im Zug von Braunschweig nach Berlin habe ich mich in den Speisewagen gesetzt und wollte ein kleines Bitburger Pils bestellen. Mir war so, obwohl ich tagsüber selten Bier oder andere Sachen mit Alkohol trinken mag. Ausgerechnet da war das normale Bitburger alle und es gab nur noch alkoholfreies Bitburger. Hab ich dann genommen, hat mir nicht geschmeckt! Es ist irgendwie weniger herb, würde ich nicht nochmal bestellen. In Berlin scheint es geregnet zu haben, weil die Blumentöpfe gar nicht trocken waren. Ich habe den gestrigen Tag eigentlich nur mit Heimfahren und Auspacken verbracht und dann spät noch Bilder durchgucken. Ich hab noch mehr. Nachher.

06. Juni 2022

Abschiedsgruß aus der Post! Kleines Frühstück auf dem Bett. Habe schon gepackt und gehe noch rüber zu Herrn Ludewig um mich zu verabschieden. Dann fahre ich mit dem Harzbus über Land nach Goslar, von wo mein Zug nach Braunschweig fährt. Dort steige ich um in den Zug nach Berlin. Der Bus fährt um 11:49 Uhr vor der Post ab, ich darf ihn nicht verpassen! Er fährt nur alle zwei Stunden! Habe noch mehr Fotos gemacht, zeige ich wenn ich wieder daheim in Berlin bin!

04. Juni 2022

VERGESSEN. Acryl, Leinwand, Rahmen Genua Gold, 47 x 37 cm, 28. Juli und 17. November 2019, Staatliche Museen v. Gaganien. Das Bild heißt „vergessen“, weil ich vergessen habe, wie ich es nennen wollte. „Life on Mars“ vielleicht? Bin unsicher — vergessen.

03. Juni 2022

Heute morgen, mein kleiner Nordbalkon, 9:17 Uhr. Ganz oben, auf der hellen Wand, links von den beiden Baumwipfeln saß ein Täubchen und sonnte sich. Als ich die Kamera nahm, ließ ich mir Zeit, weil sie ja schon eine ganze Weile dasaß. Als ich sie fokussieren wollte, flog sie weg. Aber ich seh sie noch vor mir. Ein hübsches, hellgraues Täubchen. Und ein ganz besonders schöner, klarer, sommerlicher Morgen. Darunter im Schatten explodiert meine blaue Hortensie, links davon meine Annabelle, die Schneeballhortensie. man sieht schon die kleinen grünen Knospen, die zu den Blütenbällen werden. Nicht auf dem Foto, aber wenn ich ganz nah hingehe. Ich habe keinen der beiden Büsche beschnitten. Die normale, aber auch die Schneeballhortensie liebt lichten Schatten. Also ein schattiges Plätzchen unter großem, offenen Himmel. Als ich einmal aus Gründen der Schönheitssehnsucht blaue Hortensien auf einem knalligen Südbalkon hegte, merkte ich bald, dass sie sich einen Sonnenschirm wünschen. Haben sie bekommen, war aber anstrengend. Ich bin eine faule aber hingebungsvolle Gärtnerin. Mit viel Liebe wird gepflanzt und das soll dann bitte jahrelang immer wieder kommen, ohne Zurechtschneiden und Düngen, nur mit Gießen. Bis jetzt spielen die beiden mit, die Annabelle und die blaue Hortensie da in der Mitte. Nur Blaudünger hab ich mal ins Gießwasser gemacht. Wegen Blau! Bin schon mächtig gespannt.

02. Juni 2022

Zwei vier Tage alte Fotos von mir zu posten, geht eindeutig schneller als Exemplare von meinem Gepinsel. Daher. Ich beschäftige mich gerade gedanklich damit, dass ich morgen mein Reiseköfferchen packen muss. Wie immer keine Lust, die Sache anzugehen. Wenn ich erst den Reißverschluss zumache, komme ich auch in Aufbruchstimmung. Dabei ist es eine Minireise. Ich fahre nur zweieinhalb Tage in ein anderes Bundesland, in dem ich allerdings noch nie war. Dort übernachte ich in einer Herberge, die „Zur Post“ heißt. Wie in guten alten Postkutschenzeiten! Es geht nach Liebenburg, das ist ein Ort im Harz, in der Nähe von Goslar. Bei der Erwähnung von Goslar bekamen bisher alle einen begeisterten Gesichtsausdruck: „Goslar! Da ist es sehr schön!“ Umso besser. Ich habe jedenfalls schon mal mehr Lust wohin zu fahren, wo die Reaktion keine mitleidiger Blick ist. Ich hatte schon immer so eine komische Antriebsschwäche, wenn es ums Packen geht. Was Reisen angeht, war ich früher hochgradig begeistert, durch die Welt zu gondeln, und letztlich ist es ja immer noch so, wenn ich dann erst mal unterwegs bin. Aber bis jetzt liege ich noch mehr oder weniger regungslos herum. Wobei Bloggen ja auch nicht ohne ist und durchaus als Aktivität bewertet werden kann. Mein Ziel ist, morgen im Drogeriemarkt noch erforderliche Sachen für meinen Kulturbeutel zu kaufen und mir über die Reisegarderobe klar zu werden. Es gibt nämlich ein Geburtstagsfest zu feiern und es würde mir die Packerei erleichtern, wenn es einfach heißen würde: „Zieh bitte ein dramatisches Abendkleid an“ oder alternativ: „Egal, was immer du anziehst, du siehst absolut phantastisch aus!“

01. Juni 2022

Gruß nach Liebenburg zu Geburtstagskind Volker-Glam! Willkommen im Juni und Deinem neuen Lebensjahr! Bin gerade wieder aufgestanden. Nach einem langen Arbeitstag mit einem Riesenschnitzel und Bier und Holunderschnaps am späteren Nachmittag bettschwer fast auf den Holztisch bei der Dicken Wirtin geklatscht. Gerade noch zur S-Bahn geschafft, daheim gleich ins Bett. Nun wieder wach für eine kleine Mitteilung und Darjeeling!

30. Mai 2022

GOTT. (Das Auge). Gefundene Styroporkugel, Pin-Nadeln, French Press-Metallstab und Sieb, Versandrohr, beschwert mit tausend Infoblättern, Grundierung, Spachtel, Durchmesser 12 cm, Höhe 86 cm, 2016, 2017, 23. September 2018, Staatl. Museen v. Gaganien

27. Mai 2022

Sehr putzig und interessant: dreijähriges, groß gewachsenes Mädchen, das besonders gerne malt und bastelt, schaut sich dreißig Bilder von mir an. Ich zeige ihr das erste, das aussieht wie Eierschalen von frisch geschlüpften Küken, sie juchzt: „cool“ und steckt ihre kleinen Fingerchen in die Löcher und bohrt drin rum. Ihre Mama wollte sie aus Respekt davon abhalten, aber ich erlaube es ihr.

Die Hälfte der Bilder hat angeklebte Fundsachen, die offenbar zum Anfassen einladen. Mit Wonne tastet sie die verschiedenen Oberflächen und Materialien ab und freut sich über jede Vertiefung und jedes Loch, wo sie den Finger reinstecken kann. Ich kriege selber Lust, die Finger reinzustecken, einfach so! Ich freue mich an der kindlichen Begeisterung und wie unterschiedlich sie reagiert.

Auf ein Bild, das für mich irgendwie eine Art Echse (aus Holzkeilen auf einer Leinwand, mit einem Zickzackmuster aus Goldacryl) ist, rennt sie zielgerichtet zu und fragt was es ist. Ich sage: „irgendsoein Krabbeltier“. Sie sagt: „ICH WEISS ES!“ Mama: „Ja? Was ist es denn?“. „EINE AMEISE!“ und streichelt die Holzbeinchen und sagt anerkennend: „Cool!“. Ich bestätige etwas opportunistisch, dass es sich um eine „GOLDAMEISE“ handelt. Meines Erachtens handelt es sich bereits um ein Kompliment, dass sich jemand Gedanken macht, welche Spezies ich da erschaffen habe.

Als sie weg war, hab ich mich nochmal extra gefreut, dass ich die Bilder ja auch anfassen kann. So oft und so viel ich will. Super! Die Staatlichen Museen von Gaganien sind da sehr großzügig, was man gar nicht genug schätzen kann! Ich interveniere bei Betatsch-Attacken eigentlich nur, wenn ich weiß, dass ich partiell einen dieser dubiosen Kalkstifte benutzt habe, die nie richtig durchtrocknen. Aber da fällt mir gerade nur das Bild mit den zweihundertsechsunddreißig Streifen ein.

27. Mai 2022

SECRET. Assemblage: Eintrittskarte, Postkarten Matisse, Picasso, Macke, Zakynthos, Santorini, Briefmarken, Einkaufstüte, Klebstoff, Karton, 38 x 64 cm, 6. Mai 2018, Staatliche Museen von Gaganien

Sehen Sie: genau das bleibt mein Geheimnis. Ganz rechts gibt es einen grünlichen Schnipsel, das ist eine Eintrittskarte, die mir eine Begegnung mit denkwürdigen Folgen bescherte. Ich habe sie aus Gründen der Geheimhaltung umgedreht, aber nicht festgeklebt :-)

27. Mai 2022

Der alte Martenstein schreibt sich im nachfolgenden Kapitel seines Werkes „Die neuen Leiden des alten M.“ seinen Neid auf bildende Künstler von der Seele. Teil der im Internet hängenden Leseprobe, daher gestatte ich mir, das Eingangskapitel „Das Schreiben“ in Gänze zu copypasten:

„Ach, Sie sind Maler? Wie interessant. Ich bin gegen die bildende Kunst. Den Kunstbetrieb lehne ich ab. Warum? Hauptsächlich aus Neid. Ich bin Autor, wissen Sie. Ich schreibe Kolumnen, Reportagen, Romane, ich erfinde Geschichten, man könnte wohl sagen, dass ich künstlerisch tätig bin, wenngleich auf einem anderen Feld.

Das Problem dabei ist, dass man sich immer was Neues einfallen lassen muss. Ein gewisser Sound ist natürlich da, ein Autor muss einen Sound haben. Wenn aber jeder Text klingt wie der andere, wendet das Publikum sich ab. Das Publikum verlangt schon ein bisschen Abwechslung.

Die Leute wollen unterhalten werden, oder berührt. Wenn Sie Unterhaltung nicht hinbekommen, können Sie es als Autor mit tiefen Gedanken probieren, gehen Sie halt auf die intellektuelle Schiene. Und wenn Sie auch das nicht hinkriegen, dann tun Sie so, als ob. Werden Sie dunkel, raunen Sie, weichen Sie aus ins Ungefähre. Oft funktioniert das. Wenn die Leute etwas nicht verstehen, dann werden zumindest einige von ihnen denken, es sei groß, was, wie wir beide wissen, nur selten tatsächlich der Fall ist. Die Musik funktioniert übrigens ganz ähnlich wie die Literatur, meiner Erfahrung nach.

In der bildenden Kunst brauchen Sie eine Idee, nur eine. Und das ziehen Sie dann durch, wieder und immer wieder. Sie gießen Tiere in Plastik ein. Oder Autos in Beton. Sie verfremden Schreibmaschinen. Malen Sie einfarbig. Machen Sie Bilder aus lauter Nägeln, aus lauter Punkten, aus Buchstaben, malen Sie mit Blut, kommen Sie, Ihnen wird schon was einfallen. Es muss natürlich neu sein, das, was ich gerade aufgezählt habe, gibt es alles schon. Sie müssen eine Marke werden, wiedererkennbar.

Wenn Sie zu Ihrem Kram eine Theorie haben und reden können, umso besser, aber das muss nicht sein. Wichtig ist, dass Sie als Typ was hermachen. Sie müssen ein Typ sein. Es muss rüberkommen, dass Sie das, was Sie tun, einfach tun müssen, verstehen Sie.

Handwerkliche Fertigkeiten sind nicht erforderlich, Handwerk ist 19. Jahrhundert. Es muss nicht gefallen oder gut gemacht sein, es muss beeindrucken, es muss wirken. Legen Sie ein geschlachtetes Tier in eine Glasbox, stellen Sie den Verwesungsprozess aus, Maden, Fliegen, das gefällt nicht, aber es beeindruckt. Leider gibt es auch das schon.

Wenn Sie Glück haben, kommen Sie mit einer einzigen Idee Ihr ganzes Leben lang über die Runden. Das ist es, worauf ich neidisch bin. Klar, bei uns Autoren wird auch mit Wasser gekocht. Viele schreiben immer wieder das gleiche Buch, ich könnte Namen nennen. Aber das darf bei uns eben nicht zu sehr auffallen. Bei euch ist es ein Vorteil, bei uns ist es ein Nachteil. Wenn ich ein Jahr lang über das gleiche Thema etwa das Gleiche schreibe, immer besser vielleicht sogar, immer perfekter, werfen die mich raus. Wenn Sie zwanzig Jahre lang das Gleiche machen, sind Sie am Ende vielleicht Millionär.

Sie werden lachen: Ich kaufe Kunst. O ja. Ich investiere. Festgeld wirft nichts mehr ab, für Aktien bin ich nicht blöd genug oder nicht schlau genug. Wirtschaftlich glaube ich an die bildende Kunst. Im Herzen bin ich für die Realisten, ich glaube, das habe ich deutlich gemacht. Ich bin Realist, oder Reaktionär, wenn Sie so wollen. Das ist ja fast das Gleiche. Die Neue Leipziger Schule finde ich ganz gut, Neo Rauch und so was, obwohl die natürlich nicht mehr so gut malen können wie die Alte Leipziger Schule, Tübke, Mattheuer und Konsorten, die Alten waren besser, klar. Aber der Wille zählt. Die Jungen probieren es wenigstens.

Das ist alles sehr teuer, leider. Ich kaufe, was ich mir leisten kann, auch wenn ich nicht immer überzeugt bin. Ein Buch würde ich niemals als Geldanlage kaufen, nur aus Neugier, ein Buch ist eine ganz miese Investition. Das ist der Unterschied.“

26. Mai 2022

CÔTE D’AZUR. Selektierte Fragmente Siebdruckstoff Achtziger Jahre, Keramiktellerrand-Scherben, Ausdruck „El Morocco“-Nachtclub-Anzeige 50er Jahre, Klebstoff, Lackmalstift, Leinwand, 53 x 73 cm, 17. Februar 2019, Staatliche Museen von Gaganien

25. Mai 2022

ZAUBERKREIS: LANZE-PFLANZE, GELEGE, GOLD-PLISSEE, SHRINE. Altes, rundes Verkehrsschild vom Straßenrand (Baustelle Gipsstraße), Frühstücksbrettchen, Blattgold, Acrylstifte, zwei ausrangierte Spülschrankgriffe, Kleber, Pralinenschachteleinlagen, Eyelinerverschlusskappen, Acryl, Teilsegment Styroporverpackung Onyx-Weinkühler, 36 sinnlose Zierknöpfe, Spiralen Stiebel Eltron-Boiler, Spiegelkachelscherben, Segment OH-Folienschachtel, Kaffeetassenverpackungsschachtel, Lackstift, 3D-Leinwand, 60 x 60 x 4 cm, 4., 12., 14., 15., 16., 17., 18., 19. und 22. Mai 2022, Staatliche Museen von Gaganien, Privatsammlung Fasanenstraße

25. Mai 2022

NIKOLAUS. Pralinenschachtel, Klebe-Etikett, Lackmalstifte, 10 x 10 x 2 cm, 05.(?6.?) Dezember 2017, Staatl. Museen v. Gaganien

Wenn mir jemand eine kleine Schachtel Lindt-Pralinen oder Niederegger Marzipan oder Nougateier auf den Schreibtisch legt, und der Anlass eines dieser abendländischen Kalenderfeste ist, werde ich einen Teufel tun, die Gabe mit dem Hinweis zurückzuweisen, dass ich weder an den Osterhasen, noch an das Christkind noch an den Nikolaus glaube. Vielmehr verspeise ich den Inhalt mit Begeisterung und verziere die Schachtel so lange, bis alle Spuren des Anlasses verwischt sind und sich das Ergebnis in meinen persönlichen gaganischen Festtagskalender einfügt. Bei dem Dings ist mir aber wohl ein Schönheitsfehler unterlaufen. Ich habe es mangels Phantasie „Nikolaus“ genannt. Und dazu vermerkt „ca. 5. Dez.“. Nikolaus ist – glaube ich – am 6. Dezember. Egal. Kann sein, dass ich die Schachtel schon am Vorabend erhielt und sogleich öffnete und transformierte. Das ist auch ein Vorteil: wenn man sich nicht weiter für diesen Festkalender interessiert, ist man auch nicht verpflichtet, Nikolauspralinen am Nikolaustag zu essen. Und man kann einfach im Mai ein Nikolaus-Dings posten! Die Schachtel liegt in meiner Werkstatt im Bad und enthält, wenn sie nicht gerade leer ist, Notfall-Kopfwehtabletten, nämlich Aspirin.

24. Mai 2022

SHE’S A RAINBOW. The extraordinary Life of Anita Pallenberg“. Ausgelesen. Meine Eselsohren in Notizen übertragen und nachrecherchiert. Da auch einige Filme genannt wurden, die ich nicht kannte, war das eine aufwändige Nachbereitung. Die Notizen sind auf dem einen Bild zu sehen. Wenn es noch „Der große Preis“ mit Wim Thoelke geben würde, könnte ich jetzt als Kandidatin mit dem Thema „Anita Pallenberg“ antreten. Ich wusste ja schon einiges über sie, da sie mich seit Gedenken faszinierte, in dem Buch ist alles Erfahrbare zu ihrer Biografie chronologisch aufgearbeitet. Das vorletzte Kapitel deprimierte mich etwas, weil es die Lebensphase war, wo sie von Keith getrennt war, ihre vitalsten Zeiten vorbei waren und sie orientierungslos und verbraucht wirkte.

Die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens schienen dann wieder besser zu sein, sie hatte neue Interessen und Kontakte, machte eine Ausbildung an der Hochschule für Modedesign in London, überwand ihre Heroin- und Alkoholabhängigkeit und wurde wieder überall eingeladen und als Kultfigur verehrt. Sie wirkt in Interviews immer gelassen und heiter und leicht amüsiert. Ihre Verbindung zu Keith wurde zu einer engen Freundschaft, sie wohnte auch in der Nähe von Redlands und zog in den letzten Lebenswochen zu Keith und Patti, wo sie von beiden bis zu ihrem Tod umsorgt wurde. Am Ende bleiben doch die Bilder ihrer strahlenden Persönlichkeit, die wir aus den Sechziger und Siebziger Jahren erinnern, die lässige Ikone aus Performance.

Nur einmal habe ich mich richtig geärgert, als vom Autor behauptet wird, Nico hätte sich an Anita Pallenberg orientiert und sie imitiert. Das ist absolut lächerlich. Tatsächlich hatte Nico den ikonographischen Look mit den glatten, langen blonden Haaren und dem langen Pony vor Anita, und Nico war eine profilierte originäre Musikerin, Sängerin und Songschreiberin, die vielmehr von Anita hätte idolisiert werden können. Sie hatten Überschneidungen in ihren privaten und beruflichen Kreisen, beide Beziehungen zu Brian Jones, dieselbe Pariser Modelagentur, waren zeitgleich in Rom, beide blond und überragend gutaussehend. Und beide charismatisch. Jede hatte ihre eigenen Qualitäten.

Ich las das Buch auf Deutsch, musste häufiger über nachlässiges Lektorat bei der Übersetzung hingweglesen. Mir war nicht klar, dass Anita doch bis wenige Jahre vor ihrem Tod 2017 immer wieder kleine Filmrollen in größeren Produktionen hatte. Die Filmschnipsel habe ich mir auch angesehen. In einem Madonna-Video von 1998 kommt sie auch vor, „Drowned World“, mehr oder weniger sich selbst als Partygast spielend. Das legendäre Himmelbett aus Performance ging übrigens nach den Dreharbeiten in ihren Besitz über, stand seitdem in ihrer Wohnung in Chelsea.

22. Mai 2022

GOLDEN FAIL. Pouring XI., Siliconöl, Pouring Medium, Acryl, Schaumweingoldalumanschettenschnipsel, Pappkarton, 21,5 x 30 cm, 27./28. August 2019, Staatliche Museen v. Gaganien. Eventuell der letzte transformierte Fehlversuch der Pouring-Experimentreihe 2019. Da war mir dann klar, das ist einfach nicht mein Ding, dieses hippiehafte Farbgeschwurbel, das sich da ansatzweise abzeichnet. Sollen andere machen, die nicht mit dem Pinsel umzugehen wissen! Das rosa Dings fügt sich so in meiner pinkrosa Schatzkammer ein, gehört aber nicht zu den Werken, die ich im Gaga Nielsen-Pavillon auf der nächsten Documenta in Kassel präsentieren wollen würde. So zwischen Abfall und Beifang!

22. Mai 2022

Gestern war ich ganz alleine beim Berlin Beat Club! Es war trotzdem schön. Meine Kamera habe ich daheim gelassen, was ich aber schon bald bedauerte. Ich hatte einen Platz an dem langen Tisch rechts von der Bühne, wo schon andere Gäste waren. Es kamen noch drei dazu, zwei reifere Herren, die eine zierliche Frau in ihre Mitte nahmen. Sie gehörte wohl zu dem einen. Der andere Mann, der über Eck quasi fast neben mir saß, hatte den Stuhl zum Tisch gedreht, wie er normalerweise steht. Ich gab ihm den Tipp, er könnte den Stuhl drehen, so dass er Richtung Bühne gucken könnte. Er entgegnete: „Aber dann kann ich Sie ja gar nicht mehr sehen!“ Ich deutete Richtung Bühne und erklärte: „DA spielt die Musik!“ Er gab zu bedenken: „So schön sind die aber nicht!“ Da kam auch schon meine Currywurst, die mir Hans empfohlen hatte. Er saß (wie meistens, wenn er nicht auf der Bühne steht) bevor es losging, im Biergarten, wo ich Hallo sagte. Zur Currywurst trank ich, wie im Rickenbackers immer, ein kleines Jever. Daraus werden dann immer mehrere kleine Jever, die ich irgendwann nicht mehr zähle. Meistens vier bis fünf. Ich könnte mir natürlich auch gleich ein großes Jever bestellen, aber ich trinke lieber aus den kleineren Tulpen. Das große kommt in so dicken, schweren Henkelgläsern, da schmeckt es mir nicht so gut.

Um dazuzukommen, warum ich bedauerte, die Kamera daheim gelassen zu haben: es waren die Gäste. Weibliche Gäste, die zum Teil spektakulär waren, und damit meine ich nicht mich. Hinter unserem Tisch saß eine schlanke Brünette mit schulterlangem Haar, ca. Mitte/Ende Vierzig, ein silbergraues Paillettentop legte ihre herrlich gebräunten, straffen Arme frei. Dazu eine toll sitzende hellgraue Hose mit scharfer Bügelfalte. Schönes Abend-Make up mit stark betonten, dunkel geschminkten Augen, Ein strahlendes Lächeln ließ ihre schönen weißen Zähne sehen. Als sie an mir vorbeiging, machte ich ihr ein Kompliment für ihren Look: „Das ist ein ganz tolles Outfit, ich ärgere mich gerade, dass ich meine Kamera nicht mitgenommen habe!“ Sie griff mir ergriffen an den Arm und strahlte: „DANKE!!!!“

Die zweite Dame, die mich fesselte, war eine schätzungsweise 82 – 87-jährige Lady von filigraner Statur mit hennarot gefärbtem, hochgesteckten Haar und einem kirschrot geschminkten Mund, die einen farbenfroh geometrisch gemusterten Glockenrock mit einer dunkelroten Häkelweste kombiniert hatte. Dazu vielerlei Schmuck, über dem Arm eine rote Henkeltasche, rotlackierte Fingernägel und in der rechten Hand stets ein kleines Gläschen, wie eine Schnapstulpe, in der eine klare Flüssigkeit war, von der ich nicht sagen könnte, ob es Wodka oder Leitungswasser war. Sie ließ es nicht aus der Hand und es war mysteriöserweise immer halb gefüllt. Manchmal nippte sie daran. Sie tanzte an allen Tischen vorbei und gab sich den Songs aus den Sechzigern und Siebzigern hin. Bei Jimi Hendrix war sie besonders in ihrem Element und hob beide Arme, um sie im Rhythmus zu wiegen.

Des weiteren gab es jüngeres weibliches Publikum zu begrüßen. Zwei circa 23-jährige junge Frauen standen hinter einem älteren Pärchen, der Mann im Rollstuhl. Ob sie zusammengehörten, kann ich nicht beurteilen. Mir fiel auf, dass die Mädels die ganze Zeit beim Mittanzen im Stehen ihre Gläser in der Hand behielten, obwohl vor ihnen ein Tisch stand, wo noch Platz zum Abstellen gewesen wäre. Da im Rickenbackers überwiegend eine ältere Generation feiert, also bei meiner angefangen, nach oben offen, stellt man traditionell das Glas auf den Tisch, bevor man tanzt. Tanzen heißt ja nicht, auf einer Stelle stehend mit der Fußspitze wippen. Das kostbare Naß möchte man ungern verschütten.

Aber: ich habe gelernt, dass der jüngeren Generation, also sprich den Millenials und wohl auch der in den Dreißigern eingetrichtert wurde, das Getränk niemals aus der Hand zu geben, damit keiner k.o.-Tropfen reinschütten kann. Das war in meiner Jugend natürlich überhaupt kein Thema. Und auch das Rickenbackers-Publikum hätte sicher Probleme zu beantworten, wo es solche k.o.-Tropfen überhaupt zu kaufen gibt. Man fühlt sich dort zu Recht von der Problematik unbehelligt. Da die beiden jungen Frauen nun auf meiner Sichtachse waren und ich auch deswegen immer hingucken musste, weil die eine Blonde im Ringelshirt eine unheimliche Ähnlichkeit mit den beiden jüngeren Töchtern von Keith Richards hatte, sie sah aus wie die heimliche dritte Schwester von Theodora und Alexandra. Als sich die Stimmung bis zum Geht-nicht-mehr steigerte, wir waren inzwischen bei den Top Ten der gestrigen Beat Club-Hitparade, und die Tanzereien ekstatischer wurden, beobachtete ich, wie Theodora-Alexandra die älteren Herrschaften am Tisch vor sich mutig fragte, ob sie ihr Glas abstellen dürfte. Sie durfte. Mit etwas noch zaghaften Bewegungen tanzte sie zum ersten mal in ihrem jungen Leben ohne Getränk in der Hand. Sie probierte ganz neue Armbewegungen aus, das klappte recht gut!

Auch mich hielt es natürlich nicht mehr auf meinem Stuhl, die Currywurst war längst verspeist, Zeit für etwas Bewegung. Unter den Top Ten waren zum Teil kuriose Titel wie „Here Comes The Sun“, was ja sehr schön ist, aber nicht so wirklich die Tanznummer erster Kategorie. Auf Platz eins war „Riders On The Storm“. Schön als Ausklang. Aber getanzt hab ich bei „Wild Thing“ und „Paint it Black“ und noch ein paar anderen Nummern und der Zugabe „Gloria“. Auch herrlich zum Mitsingen. Mein Kavalier am Tisch ließ es sich bei allen Titeln in denen irgendwas mit „I love you“ vorkam, nicht nehmen, mich gestenreich anzusingen, ich sang kräftig mit. Zum Abschied küsste er mir die Hand, ich ließ ihn gewähren, da er so eine nette Bemerkung zu meinem Lächeln gemacht hatte: „Kennst du die Mona Lisa? Die lächelt ja immer. Und Dein Lächeln….!“ Ich habe es als Kompliment genommen.

Auch noch bemerkenswert war die Stimmungsänderung bei der eingangs von mir erwähnten Damenbegleitung zwischen den beiden Herren am Tisch. Die kleine dunkelhaarige Frau trank gut gefüllte Gläser mit schätzungsweise Weißwein und schwang auch das Tanzbein. Ihr Tanzstil war so eine Mischung aus verhaltenem Aggressionsabbau und Hingabe. Einmal sah sie begeistert aus, dann wieder wütend. Nach dem dritten sehr großen Glas stierte sie plötzlich schlecht gelaunt vor sich hin und schimpfte in einer Art Selbstgespräch mit dem Rest der Welt. Ich verstand es nicht, die Musik war zum Glück zu laut. Mein Tischkavalier überredete sie dann noch mal zum Tanzen und sie beruhigte sich wohl. Aber es hatte nichts mit mir zu tun, das weiß ich ganz bestimmt. Denn ihr Verehrer saß ja auf der anderen Seite hinter ihr. Ein Nichttänzer. Aber immerhin stand er für ein Selfie mit dem Smartphone zur Verfügung. Bildunterschift „superhappy@Rickenbackers“. Oder so.

21. Mai 2022

Beim Aufwachen. Was ich vorhin beim Aufwachen als Erstes gesehen habe. Das ist die Perspektive geradeaus und halbrechts, wenn ich noch im Bett liege. Kann man auch mal präsentieren. Würde mich interessieren, was andere sehen, wenn sie die Augen aufschlagen! Heute ist Drinnenwetter in Berlin. Sonne im Herzen…

20. Mai 2022

Berlin, Freitag Abend, 20.22 Uhr, Regen, Donner, hier oben mein von der heutigen Sonnenwärme aufgeladenes Dachgeschoss. Ich wünsche ein schönes Wochenende. Morgen wohl auch Regen, am Abend Berlin Beat Club – allein – immerhin Getränke-Begleitung! :-)

18. Mai 2022

Mein Salbei blüht! Schon ein paar Wochen. Ich weiß, dass das keine Prachtstaude ist, aber ich hänge an dem Gewächs, das seit mindestens sieben Jahren auf meinem Balkon steht, tapfer jeden Winter meistert und die heißesten Sonnentage auf der Südseite übersteht. Ich habe diese etwas ins Kraut geschossene Pflanze noch nie blühen sehen, meine Dankbarkeit kennt keine Grenzen. Du tapferes Blümelein hast dir jetzt wirklich einen Eintrag verdient!

17. Mai 2022

GOLDEN WARRIOR. Zeitungspapier (Artikel mit Lieblingsfoto von Che Guevara), beim Bearbeiten gerissen, versaut, Fragmente m. Wasserfarbe, Acryl und Aquarellpapierfragmenten mit schwarzer Tinte, Kleber, Pappkarton weiterverarbeitet, 16./29. Februar 2020, 1./2./3./4./5. März 2020, 30,5 x 43 cm, Staatl. Museen v. Gaganien

16. Mai 2022

Heute, 16. Mai 2022, 234. Geburtstag von Friedrich Rückert.
Ganz viele seiner Zeilen berühren mich wie Musik. (Sind es.)

10-05-12 (30)

Auf Erden gehest du und bist der Erde Geist;
Die Erd erkennt dich nicht, die dich mit Blüten preist.

Auf Sonnen stehest du und bist der Sonne Geist;
Die Sonn erkennt dich nicht, die dich mit Strahlen preist.

Im Winde wehest du und bist der Lüfte Geist;
Die Luft erkennt dich nicht, die dich mit Atmen preist.

Auf Wassern gehest du und bist des Wassers Geist;
Das Wasser kennt dich nicht, das dich mit Rauschen preist.

Im Herzen stehest du und bist der Liebe Geist;
Und dich erkennt das Herz, das dich mit Liebe preist.

„Auf Erden gehest du“, Friedrich Rückert
(* 16.05.1788, † 31.01.1866)

15. Mai 2022

NEMRUT. Unterlagekarton Pouring Mitte August bis September 2019, Finish: Acryl, Goldmarker, Blattvergoldung Rahmen, 26. und 27. Oktober 2019, 45 x 55 cm, Staatliche Museen von Gaganien

Ich trage mich momentan zwar nicht mit Verkaufsabsichten, aber wenn doch irgendwann, hat das Vorkaufsrecht für dieses Bild auf jeden Fall Ina, die es irgendwann in den letzten drei Jahren in meinem Atelier sah. Es gibt noch vier andere Bilder, von denen ich genau weiß, wer sie am liebsten hätte. Ich merke mir das. Meinen großen Phoenix A. H., meinen Baby-Adler D. G., Gott IV. I. L. und Scorpio A. T. Aber bevor es so weit ist, checke ich mal die High End Reproduktionsmöglichkeiten. Ich weiß, ich weiß, das ist dann nicht das Original, aber ich möchte das ja mit Museumsqualität.

14. Mai 2022

Bißchen durchwachsen das Wetter in Berlin heute, aber nicht schlecht. Wenn die Sonne kommt, sehr frühlingshaft. Gerade wieder eine Wolke vor der Sonne. Mal gucken. Ich fahre ins Atelier.

13. Mai 2022

Über die Jahre habe ich einundsechzig Alben-Sammlungen auf Flickr angelegt. Das sind immer mehrere thematisch gebündelte Alben, die zum Beispiel einer bestimmten Person gewidmet sind, der ich häufiger begegnet bin, oder einer Location oder einer Reise. Die meisten wissen gar nichts davon, dass es von ihnen so eine Sammlung gibt, ich habe das selten publik gemacht, dass sie existieren, insofern könnten da einige Überraschungen dabei sein. In Berlin heute ein wenig wolkig, Genau das richtige Wetter, um in Fotokisten zu stöbern.

12. Mai 2022

Bemerkenswerteste Beobachtung bislang heute: U8-Bahnsteig Leinestr. gegen 17 Uhr: zwei muslimische, evt. türkische junge Frauen, von Hause aus schon sehr hübsch, haben ihr Make up auf der Wartebank ausgebreitet und schminken sich von A – Z. Als Spiegel dient das jeweilige Smartphone. Alles sehr gekonnt und zügig. Mir fällt auf, dass die Eine ca. 5 mal routiniert pudert und konturiert. Dann wurden Wimpern angeklebt. Dann kam die U-Bahn. Sie setzten sich beide links von mir und führten ihr Werk fort.

Der Blick der Einen begegnete meinem und sie lächelte mich etwas verlegen aber auch verschmitzt an. Ich sagte: „Ihr macht das richtig gut, sieht jetzt schon gut aus – finde ich gut!“ Sie bedankten sich und es wurde eine dicke helle Contouring-Creme unter den Augen aufgetragen. Die musste natürlich noch verwischt, also verblendet werden.

Die Wimpern waren so Knef-mäßig, für meinen Geschmack etwas zu künstlich und ich erlaubte mir zu sagen, dass man die Wimpern früher (heute ja eigentlich auch noch) etwas zurechtschnitt, die Kontur anpasste. Die Eine meinte, ja ja, das hätte sie auch gemacht. Ich nehme an, das ist einfach der Trend, dass es auch künstlich und over the top aussehen soll.

Ich fragte, ob die Lippen auch noch drankämen, beide schüttelten energisch den Kopf. Es sah aber auch schon so vollendet aus. Betonung eben eindeutig auf den stark geschminkten Augen. Die Andere sagte dann zu mir, dass ihre Mutter es nicht mag, wenn sie sich stark schminkt. Ich sagte: „Ja ja, so sind alle Mütter.“ Sie lächelte und beide mussten aussteigen, wir wünschten uns noch einen schönen Abend.

P.S. weil es so wunderbar passt, „ALLES HELAL“ von der zauberhaften ELIF:

11. Mai 2022

Ich habe kein Insta, kein TikTok, kein Twitter, kein Telegram, kein Handy, kein Tablet, kein Whatsapp. Bin ich uncool? Und wenn ja, womit muss ich anfangen? Mit welchen Veränderungen in meinem Leben kann ich rechnen?

P.S. ich hab was vergessen: ich hab auch kein Netflix und kein Spotify und kein Auto. Und rauche fast nie.

11. Mai 2022

Rosa von Praunheim hat eine sehr gut lesbare Handschrift, was ich begrüße und lobend erwähnen möchte. Ich konnte – ohne andere um Hilfe bitten zu müssen – erkennen, dass auf dem Schild steht:

Ich bin nicht tot
Ich schlafe nur
und
träum von Dir

Hat mich aber auch inhaltlich gleich stark angesprochen!

11. Mai 2022

Und jetzt Ihr: was steht da in der Mitte über 8. Mai 2022? „Für Gaga in Freundschaft…“ ist klar. Darunter? Ich lese „(..?) der ersten Lesung (..?)“. Alban darf aber nicht mitraten, das wäre zu einfach!

11. Mai 2022

Jetzt ist mir eingefallen, woran mich das Foto erinnert. Es könnte auch von Jan sein. Zumindest der Blickwinkel, dieses le̷i̷c̷h̷t schwer Übergriffige in den Rückenausschnitt. Auch ich bin nicht frei davon!

11. Mai 2022

Mein Krähenmädchen bei der Morgentoilette. Mein Gefühl sagt mir, dass es ein Mädchen ist. Ich könnte jeden Tag Fotos von meinen gefiederten Freunden machen. Die Zutraulichkeit ist gewachsen. Ich füttere aber nicht! Bei mir gibt es nur Getränke. Muß reichen!

11. Mai 2022

22-05-11 Freunde

Meine Mitbewohner, vorhin. Mich beschäftigt das weiße Pünktchen über den Augen der Beiden. Bei Googeln von anderen Nebelkrähenfotos habe ich nur auf einem ein Tier mit so einem weißen Pünktchen über dem Auge gesehen. Vielleicht ist es auch ein Lichtreflex und das Pünktchen ist gar nicht weiß, sondern ein glänzender kleiner Sensor. Aber wofür? Ich werde weiterforschen!

10. Mai 2022

Keith Richards

Vorhin Konversation mit meinem Neffen Valerian, dem Sohn meines Bruders Andreas. Er hätte heute seinen 58. Geburtstag. Leider feiert er seine Geburtstage ja seit fünfunddreißig Jahren ohne uns, auf irgendeiner Rock’n’Roll-Wolke. Was mich nicht gehindert hat, mir zu überlegen, was ich ihm zum Geburtstag schenke(n würde). Mir sind zwei super Geschenke eingefallen: ein Ticket für ein SIXTY-Konzert der Stones und/oder der knallrote, im letzten Jahr erschienene Bildband „LA VILLA“ von Dominique Tarlé (den ich auch habe), mit vielen Fotos von Keith Richards und den anderen Stones in der Villa, in der sie 1971 in Villefranche-sur-mer Exile on Mainstreet aufgenommen haben. Keith war sein Gott. Nicht, weil er ihn „besser“ als andere Rockgitarristen gefunden hätte, sondern weil er sich ihm so nah fühlte, auch vom Typ her, und wegen der ganzen Stones Aura. Außerdem finden alle E-Gitarristen Keith Richards gut. Wieviele gibt es, die einen so charakteristischen Sound haben, wenn sie ein Riff spielen? Nicht viele. Wirklich nicht viele. Wer fällt mir denn da so ein… also als erstes: Keith Richards, dann äh…. Jimi Hendrix (sowieso Gott, finde ich auch) und Neil Young. O.k. Carlos Santana ist auch sehr charakteristisch. Eric Clapton… bin ich mir schon nicht mehr ganz sooo sicher. Also Keef über alles. Ja, ich denke das wären beides Super-Geburtstagsgeschenke. Cheers! ❤

10. Mai 2022

Was verbindet Rosa von Praunheim und Alban Nikolai Herbst? Die Liebe zu Ohren! Also bestimmten Ohren nehme ich an. Nicht allen Ohren! Ich bin auch in Körperteile verliebt, wenn ich überhaupt verliebt bin. Dann auch speziell in bestimmte Körperteile extra. Also zum Beispiel Kieferknochen, Adamsäpfel und Unterarme. Wer sagt, dass er nicht auch in Körperteile- oder -Partien extra verliebt sein kann, lügt! Ich bin nun zum Beispiel nicht speziell in Ohren verliebt, aber verstehe das Prinzip. Verliebt bin ich zum Beispiel auch in das Bild „Deine Ohren verzaubern mich, darf ich sie küssen?“ von Rosa. In der Ausstellung Bleibtreustr. 17 zu sehen.

10. Mai 2022

Das Bild hier zum Beispiel. Elvira greift zum Wasserglas und sieht gleichzeitig zuhörend Alban an. Wie sie sich vorbeugt, eine schwungvolle, aber doch elegante Bewegung, ihr Profil, wie die Haare fallen. Das ist der Zauber eines unchoreographierten Bewegungsablaufes, der viel vom ureigenen Wesen eines Menschen zeigt. Nicht konstruierbar, nicht imitierbar. Schlichte Gemüter könnten das Bild als nicht besonders gelungen einstufen, links oben schief ins Bild ragend der Monitor, die Haare verdecken das Gesicht. Links unten eine Hand, warum fehlt der Rest der Person? Für mich ist dieses Bild zauberhaft, es elektrisiert mich.

10. Mai 2022

Die Beiden. Schriftsteller Alban Nikolai Herbst und Lektorin Elvira M. Gross aus Wien. Ich fotografiere am liebsten Energie, die mir besonders gefällt. Die ich sehen und spüren kann. Ich forsche unablässig, um dem Weltgeheimnis auf die Spur zu kommen. Das ist ein Teil davon. Ein Teilaspekt meiner praktischen, angewandten Forschungstätigkeit! Wer bisher der Meinung war, ich mache gewöhnliche „Fotos“ mit einem handelsüblichen Fotoapparat, irrt!

10. Mai 2022

Liebe Freunde, hier kommen Fotos von Alban Nikolai Herbsts Buchpremiere „Die Brüste der Béart“, der ich am Sonntag Nachmittag beiwohnen durfte. Alban las, seine Lektorin Elvira stellte Fragen zu seinem Schaffensprozess, ich benutzte zum zweiten Mal meine neue Kamera. Die alte ging aufgrund von Materialermüdung tw. kaputt und ich holte mir eine wunderbare Panasonic Lumix FZ 1000 mit Leica-Objektiv.

Ok, das will niemand so genau wissen, aber ich bin schon wieder sehr vertraut mit dem Apparat. Größer als meine bisherigen Kameras, aber ich kann noch sehr beweglich und diskret agieren, das ist mir wichtig. So kann ich auch nach Herzenslust Liebespaare paparazzen. Was gibt es im blühenden Frühling Schöneres als eine blühende Liebe unter zwei Menschen. Ich muss allerdings sagen, dass ich die Bilder von Albans Sohn Adrian und seiner Liebsten nur gewagt habe, weil ich keine Fremde bin, es gibt ein familiäres Grundgefühl. Über all dem habe ich aber auch nicht vergessen, die anderen schönen Menschen zu bemerken und einzufangen.

Alban hat sehr, sehr lange an diesem Werk, diesem Lyrikband gearbeitet, man hat den Prozess innerlich begleitet. Nun ist er da. Die Seiten müssen erst aufgeschnitten werden, aufregend! Ein ritueller Akt. Ich hatte schon mitunter Bücher in der Hand, Mängelexemplare, bei denen manche Seiten nicht aufgeschnitten waren, aber hier ist es kein Versehen, sondern Dramaturgie. Wer die Haptik von Büchern ohnehin liebt, wird einen Sinn dafür haben.

Danach waren wir noch in kleinerer Gruppe, ca. zehn Leute, im Sale e Tabacchi, wo wir zu Fuß hinspazierten. Ich hatte gegrillte Dorade und trank Pils vom Fass. Danach ein Tartufo, das mir ein bißchen zu wenig schokoladig war. Doch insgesamt ein ganz feiner Nachmittag und Abend in allerbester Gesellschaft.

09. Mai 2022

Anschließend Selfies mit Jü̷r̷g̷e̷n̷ ̷P̷r̷o̷c̷h̷n̷o̷w Jan Sobottka. Hingabe ist wichtig! Und nicht: gucken, ob die eigene Schnute als Lippenstift-Reklame durchgeht. Anschmiegsamkeit kommt immer gut, egal wie die wahre Beziehung ist! Sobottka und ich kuscheln eigentlich nur für solche Fotos, alles fürs Bild! Tatsächlich würde ich bei tatsächlicher Kuschelbeziehung wohl zögern, Fotos davon zu forcieren, obwohl man ja immer gerne welche hätte. Ich besitze nicht ein einziges Foto von mir und jemandem, mit dem ich eine intime Beziehung hatte. Außer einen Videoschnipsel, der ist aber eher nebenher entstanden, weil eine Videokamera auf einem Stativ weiterlief. Nun ja, soviel dazu. Wollte ich gar nicht ausplaudern…!

09. Mai 2022

Endlich mal wieder Fotos mit Jürgen Prochnow! Ewig her, dass ich ihn fotografiert habe. Habe ich eigentlich schon mal erzählt, dass mich um 2009 die Redaktion der Zeitschrift Freitag angerufen hat, um Bildrechte an einer Strecke zu erwerben, um sie in einem mehrseitigen Artikel über Jürgen Prochnow zu drucken? Leider war das aber gar nicht Jürgen Prochnow, sondern Jan Sobottka. Auf den Bildern hier vom letzten Freitag auch. Für aparte Aufnahmen stelle ich gerne meine neue Prada-Brille zur Verfügung. Steht Jan Sobottka ausgezeichnet, wie ich finde. Fast noch besser als mir!

08. Mai 2022

Vorgestern viel Vergnügen mit Ina und Ricky Shayne gehabt! Nun wird man sich fragen, was hat Gaga Nielsen mit Ricky Shayne zu schaffen? Er wurde mir – oder uns – von Jan bei Rosa von Praunheims Ausstellungseröffnung quasi auf dem Tablett serviert. Jan drängte es, uns bekannt zu machen, so geschehen! Ehrlich gesagt, hätte ich Ricky Shayne nicht erkannt, es ist ja schon eine Weile länger her, dass er dunkelhaarig war. Ein sehr netter Mann, der sich auch auf Deutsch zu verständigen weiß, er hat also nicht nur die Texte von „Ich sprenge alle Ketten“ und „Mamy Blue“ und „Ich mache keine Komplimente“ auswendig gelernt, er wusste sogar, was er da singt. Solche Bilder kommen dann schnell zustande. Wenn Jan Zazie de Paris oder Riccardo Simonetti oder Kati Karrenbauer oder Else Buscheuer, die auch alle da waren, angeschleppt hätte, hätte ich jetzt eben ein Foto mit denen. Es kommt, wie es kommt! Jan spricht die Leute auch einfach an, wenn er sie nicht kennt. Ich bin da eher schüchtern. Aber wenn sie erstmal vor mir stehen, fällt meine Schüchternheit ganz schnell ab!

08. Mai 2022

Ganz viele Bilder von Freitag, Rosas Ausstellungseröffnung in der Galerie Mond. Nicht fotografiert, die sehr große Menschenansammlung vor der Galerie, auch bekannte Gesichter darunter, die andere eingefangen haben. Ich habe eher die fokussiert, die in meiner Nähe waren, also Ina und Jan und die zuckersüßen Affen!

05. Mai 2022

  1. Mai 2012, vor zehn Jahren. Ich kann gar nicht exakt rekonstruieren, in welcher Verfassung ich vor zehn Jahren war. Ich glaube, in so einer Art Rekonvaleszenz. Seelisch. Scheint ein roter Faden zu sein. Oder ein rosa Faden. Ja, das kann man so sagen.

04. Mai 2022

GARTEN. pouring 10., Siliconöl, Acryl, Leinwand, div. Chromteile: kaputter Handtaschenhalter, Scharnierkaschierelement Klobrille, Wechselrahmenklammern, Antennenfragment Weltmpfänger, Kugelschreiberclip, seltsames Werkzeug, Packpapierfragment, 30 x 30 cm, 23. und 25. August 2019, Staatliche Museen v. Gaganien

03. Mai 2022

GOLDMOTTE. Messing- und Kupferteile Stiebel Eltron Boiler, Siemens Staubsauger, Puderpinsel, Eyelinerverschlusshülse, Liquid Make up-Spenderdüse, Kleber, Acryl, Verpackungsstyropor, 20 x 15 x 2 cm, 18. u. 27. April 2022, Staatl. Museen v. Gaganien

Ich finde aufgespießte Insekten irgendwie eklig, aber die Motte hat sich selber da draufgesetzt!

02. Mai 2022

GRAL. Messingpflanzwanne, Faltschrankstangen, Zement, Chrom-Keramikkerzenhalterscherben, Schachtel, Spachtel, Chromquader, Trüffeleierschachteleinlage, Klebstoff, Grundierung, Goldacryl, März – 22. April 2019, 100 x 16×16 cm, Staatl. Museen v. Gaganien

02. Mai 2022

Seltsam. „One Step Ahead“ von Aretha Franklin ist auf keiner „Best of“ oder „Love Songs“ Compilation von Aretha. Mir völlig unverständlich, das ist eine ihrer schönsten Balladen.


02. Mai 2022

Wundervoll


We lived our little drama, we kissed in a field of white
And stars fell on Alabama last night
I can’t forget the glamour, your eyes held a tender light
And stars fell on Alabama last night

I never planned in my imagination a situation so heavenly
A fairy land where no one else could enter
And in the center just you and me, dear
My heartbeat like a hammer, my arms wound around you tight
And stars fell on Alabama last night

I never planned in my imagination a situation so heavenly
A fairy land where no one else could enter
And in the center just you and me, dear
My heartbeat like a hammer, my arms wound around you tight
And stars fell on Alabama last night

Stars fell on Alabama, Mitchell Parish, 1934

01. Mai 2022

Ich behaupte hier und heute, dass Mick Jagger und ich in einer besonderen mentalen Verbindung stehen, die Anderen nicht zugänglich ist. Selbstverständlich kann ich das auch beweisen. Es trug sich am Freitag, dem 25. September 2015 in den Abendstunden zu, dass ich gegen 17 Uhr mit konkreter Kaufabsicht ein Fachgeschäft in der Gipsstraße für hippe Sneaker aufsuchte, nachdem mir ein Modell schon mehrfach beim Vorbeigehen im Schaufenster ins Auge gestochen war (Ortszeit Nashville: 10 Uhr vormittags). Ein recht seltenes und auch nicht ganz preisgünstiges Modell aus irgendeiner Spezial-Edition von Nike. Moment, ich schaue mal, was draufsteht… „NIKE F.C.“ – „Arguably the best sequel sneaker of the year.“ verlautbarte Anfang September 2015 ein Artikel über Neuerscheinungen über das Modell in der Fachpostille „Sneakernews“. Hört hört.

Am folgenden Tag, Samstag, 26. September 2015 machte sich Mick Jagger in Nashville fertig für seinen Gastauftritt beim Konzert von Taylor Swift. Er zog sich eine schwarze Lederhose und eine blaue Lederjacke an und seine brandneuen NIKE F.C.-Turnschuhe an, die gerade erst im September herausgekommen waren und die er unbedingt haben musste. Heute war der Tag, an dem er sie stolz der Öffentlichkeit präsentieren würde. Er sollte Satisfaction im Duett mit Taylor Swift performen und dabei seine berühmten „Moves like Jagger“ vorführen. Dafür waren die neuen Schuhe wie gemacht! Gesagt, getan, ein voller Erfolg!

Am Sonntag nach dem Konzert, wir schreiben den 27. September 2015, las Gaga Nielsen vermutlich gegen Mittag, nachdem sie ausgiebig ausgeschlafen hatte, den neuesten Klatsch aus dem Showbiz in der Online Ausgabe der britischen Daily Mail. In einem am selben Tag um 08:28 Uhr britischer Ortszeit veröffentlichten Artikel wusste die Daily Mail über den Gastauftritt von Mick bei Taylor Swift zu berichten, bei dem er seine neuen Turnschuhe präsentierte. Illustriert wurde der Bericht mit mehreren Fotos, die auch die Schuhe sehr gut zur Geltung brachten. Während Mick in Nashville noch in seinem Hotelbett schlief, traute Gaga Nielsen in Berlin ihren Augen nicht! Mick hatte sich die gleichen Nikes gekauft wie sie zwei Tage vorher, womöglich auch am Freitag, ja womöglich sogar zur selben Uhrzeit!

Fasziniert überprüfte Gaga Nielsen sogleich das Geburtshoroskop von Mick Jagger und glich es mit ihrem eigenen ab. Hier war es deutlich zu sehen: Mick Jagger und Gaga Nielsen haben denselben Merkur-Aspekt im Löwen, eine Konjunktion! Mick auf 10 Grad Löwe, Gaga auf 20 Grad. Merkur, der Planet des Handels und Wandels und der Kaufleute! Ein ganz klarer Turnschuh-Kauf-Aspekt. Am Freitag, dem 25. September 2015 stand Venus auf 20 Grad Löwe, Gaga musste dem mehr Schönheit fordernden Venusaspekt nachgeben, indem sie diese schönen Schuhe kaufte. Und Mick ging es genauso! Das ist unsere geheime Verbindung. Jetzt ist raus, alle dürfen es wissen! Von daher war es natürlich überhaupt kein Zufall, dass ich am letzten Freitag meine Moves-like-Jagger-Nikes zum Konzert von Get Stoned angezogen habe. Überhaupt plädiere ich dafür, Kleidung mit Bedacht und nicht nach Zufallsprinzip auszuwählen. Findet Mick auch. Surprise surprise :-)