02. November 2016

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Hans Werner Olm, Felix Bodner, Lucas Schneider, Daniel Tutschek und Fabian Balgenorth am Bass und Maria Schuster am Mikro, neulich im Rickenbackers. Locations wie das Rickenbackers, mit sehr viel Dekoration und Gedöns im Hintergrund und noch dazu Schummerbeleuchtung und bunter Lichtorgel stellen eine fotografische Herausforderung dar. Aber ich sehe das sportlich. Je mehr Kraut und Rüben das Drumherum, umso größer ist mein Ehrgeiz, halbwegs elegante Perspektiven zu errwischen. Habe ja Übung.

01. November 2016



»Das aktive Moment der Kreation ist weder die Arbeit selbst, noch das vorherige Skizzieren, sondern der Augenblick, in dem das Unbewusste ohne unser Zutun an die Oberfläche steigt. Die Wahrheit ist das, was sich unserem Willen und unserer Kontrolle entzieht.«

Hans Richter

29. Oktober 2016


OMG. Keine Photos bitte. Das ist glücklicherweise ein Satz den ich von Maria noch nie gehört habe. Höchstens mal im Nachhinein und dann aus nachvollziehbarem Grund. Nicht weil die Bilder so miserabel waren. Vielmehr in gewisser Weise zu schön. Ja, das gibt es. Sie weiß gar nicht, wie schön, aber egal. Also habe ich jetzt einen kleinen (sehr kleinen) Safe mit sehr schönen Aufnahmen. Auch ein paar Videos. Die werden nicht verarbeitet, nicht veröffentlicht, gar nichts. Aber auch nicht vernichtet. Vielleicht kennen wir uns in zwanzig Jahren ja immer noch und dann heißt es „Sag mal, hast du eigentlich noch diese Aufnahmen von damals, du weißt schon…? Ich wollte sie ja nie sehen – aber jetzt ist das ja alles lange her, wäre vielleicht doch mal interessant.“ Und dann sage ich: „Klar, Maria, du glaubst doch nicht, dass ich die schönsten Filmsequenzen, die ich möglicherweise überhaupt je von deinem Gesang gemacht habe, wegwerfe?“ Und dann wird sie ganz breit grinsen und sich freuen wie ein Kind. Dereinst. Dieses Bild da unten ist natürlich nicht aus der Giftschrank-Serie sondern von einem Auftritt im Rickenbackers, neulich mit der Band von H. W. Olm. Er hat sich verspielt.

29. Oktober 2016


Verrückte Welt. Vorgestern schreibt mich eine Arda auf englisch über flickr an, entschuldigt sich, dass sie mich behelligt, und fragt, ob ich ihr diesen Gürtel verkaufe. Sie könnte bis zu 800 Euro dafür bezahlen. Ich möchte das gute Stück gerne behalten und bin gerade auch nicht verschuldet, also wird nichts aus dem Geschäftsangebot. Aber es beschäftigt mich nun, ob ich nicht künftig doch eher Sac…hen von sehr bekannten Designern kaufen sollte, als wie bisher nach Lust und Laune und Gefallen, ungeachtet des Labels. Das Ding ist von Dolce & Gabbana und die Logo-Initialen sind auf der Schließe eingeprägt. Ich habe ja schön öfter mal gehört, dass sich Stücke aus der Haute Couture und von Labels wie Chanel und Dior zum Teil mit Wertsteigerung verkaufen lassen. Jedenfalls hat der Gürtel bei weitem nicht 800 Euro gekostet. Er ist aus dem KaDeWe und war als ich ihn entdeckte, reduziert von ca. 450 auf 220 Euro. Muss das Ding mal wieder anziehen. Ist auf jeden Fall ein Hingucker. Als ich ihn 2008 zum ersten mal bei der Eröffnung einer Galerie anhatte, verfolgte mich André Rival mit seiner Kamera, da wusste ich noch gar nicht, wer der lustige Mann mit dem Fotoapparat ist. Er schickte es mir später, so bin ich stolze Besitzerin einer Fotografie von Rival mit mir drauf, ohne ihn dafür bezahlt zu haben. Habe ich sicher dem Gürtel zu verdanken. Den kann ich doch gar nicht verkaufen.

29. Oktober 2016


amüsiere mich gerade über das alte Foto von Onkel Wolfgang. Normalerweise googelt man ja keine Bilder von der Verwandtschaft. Also ich jedenfalls nicht. Ich nehme mal an, er hat unterwegs auf Tour auch so einiges mitgenommen. Ich glaube, die waren damals auch im Westen mit der Günther Fischer Band. Irgendwas war da. Jedenfalls wusste die ganze Familie, dass das Telefon abgehört wird. Das war Standard. Big News. Und dann ist ja auch noch sein Sohn, der gute Michael vor Mauerfall in den Westen geflüchtet, er wollte einfach die Welt sehen. Und das erste was er gemacht hat, war sich Cannes und Nizza anzuschauen. Südfrankreich hatte es ihm angetan. Ich glaube, er lebt jetzt in irgendeinem anderen Land. War es die Schweiz? Oder Kanada? Ich merke mir das alles auch nicht, was mir meine Mutter da immer am Telefon erzählt. Eben Geschichten aus der Verwandtschaft. Kennt man ja.

28. Oktober 2016

Meine Superlative kommen von Herzen. Aus Opportunismus unterläuft mir kein ‚toll super grandios genial, ich habe geweint.“ Anderen schon. Kommt mir jedenfalls so vor. Bei grundlegender Sympathie halte ich immer Ausschau nach dem Potenzial. Den Stärken lobhudeln. Wenn sich Selbstvertrauen entfaltet, ist das eine hervorragende Basis für überragende Performance. Die eigene Stärke spüren, empfinden und dann frontal übertragen. Man muss ergriffen von sich selbst sein, von der Musik. Von sich als Instrument. Das man allerdings auch virtuos spielen können muss. Dann überträgt sich die Magie, die man selbst empfindet. Da fängt die wirkliche Kunst an und da hört die ‚Kleinkunst‘ (böses Wort, aber mitunter halt leider doch passend) auf. Wenn das Klappern und Gebrabbel aufhört. Der Atem stockt. Und sich alles verbindet.

28. Oktober 2016

unermüdlich – – – (fast) und nachtaktiv. und sogar bei Tag. Wo soll das hinführen. In welchen Olymp – – – ? Irgendwann eine Scheu bekommen, noch mehr zu materialisieren. Neulich erzählte mir eine Frau vom Erbe ihres Vaters. Bilder über Bilder. Gemalte. Zeichnungen. Blätter. Leinwände. Uferlos. Aber nicht museumsreif. Dilettantismus heißt ursprünglich übrigens nicht Unzulänglichkeit sondern sinngemäß Liebhaberei. Sich ergötzen. Erfreuen. Sie weiß nicht, wohin mit all den Bildern, will ihre eigenen Räume auch nicht zukacheln mit den Werken des Vaters. Und doch scheint sie das Erbe sehr zu würdigen, denn sie hat vieles aufgehängt. Aber wohin mit all dem anderen…. Man sollte sich doch zu Lebzeiten einen Plan machen und es in der Welt unterbringen. Irgendwann…. Ich hätte ja sehr gerne ein Gaga Nielsen-Museum. In einer alten Villa in Berlin. Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Und natürlich ein Ehrengrab. (Falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.)

28. Oktober 2016

“A man should learn to detect and watch that gleam of light which flashes across his mind from within, more than the lustre of the firmament of bards and sages. Yet he dismisses without notice his thought, because it is his. In every work of genius we recognize our own rejected thoughts: they come back to us with a certain alienated majesty.”
Ralph Waldo Emerson

27. Oktober 2016

“All photographs are memento mori. To take a photograph is to participate in another person’s mortality, vulnerability, mutability. Precisely by slicing out this moment and freezing it, all photographs testify to time’s relentless melt.”
Susan Sontag

27. Oktober 2016

Manne Krug ist tot – wie schade. Ich habe Liebling Kreuzberg geliebt und fand es ziemlich cool, dass (m)ein Onkel (über Eck – geschiedener Schwiegersohn der Treptower Cousine meines Vaters), der Jazz-Drummer Wolfgang ‚Zicke‘ Schneider mit ihm auf Tour war und in der Sauna. („und in den Siebzigern ‚zentrale Platten‘ aufnahm“, wie es im Wikipedia-Eintrag von Wolfgang so schön heißt) Also damals, in Ostberlin. Diese Szene um Günther Fischer. Da es zu Mauerzeiten intensiven Briefkontakt gab und nach Mauerfall viele Besuche, wurde familiär öfter mal aus dem Nähkästchen geplaudert. Aber immer respektvoll. Ich fand ihn auch ganz sexy. Also jetzt nicht meinen Onkel und auch nicht Günther, sondern Manfred. Farewell.

27. Oktober 2016


Genpool. 25 Prozent Alma, 25 Prozent André, 25 Prozent Anna, 25 Prozent Rudolf (?). Oder verteilt sich das anders? Ich habe den Eindruck, dass Merkmale der Großeltern oft offensichtlicher durchschlagen, als Merkmale der Eltern. Kann mich aber irren. Wobei ich eher wenig Verbindung zu meiner Großmutter väterlicherseits, Anna, spürte. Obwohl wir im selben Haus lebten. Ich glaube, ich habe die Langlebigkeit von meinem Großvater Rudolf mitbekommen, ein groß gewachsener Mann, immer in Bewegung. Ich kann mir nicht vorstellen, an einer langwierigen oder womöglich vorzeitigen Erkrankung das Zeitliche zu segnen. Eher trifft mich der Schlag. Ich habe mich früher sehr intensiv mit Astrologie befasst. Die Fachliteratur meint, es sei eine Korrelation zwischen Mars-Positon und Todesart zu beobachten. Ich habe den Mars im Skorpion. Das bedeutet traditionell ein Maximum an körperlicher Energie und die Gefahr von zu impulsiver Energieentladung, wenn die sonst stark praktizierte Kontrolle aufgehoben wird. Passiert aber selten und wenn, bewusst kontrolliert. Mars im Skorpion neigt zu Tod durch äußere Gewalteinwirkung, Unfall bzw. unerwartet, sehr plötzlich. Ich schneide mich aber öfter mal ins eigene Fleisch. Nicht nur metaphorisch. Beim Kochen oder Hantieren mit scharfen Instrumenten. An Ampeln, wo die Straßenbahn fährt, bleibe ich diszipliniert stehen, obwohl ich sonst pragmatisch entscheide, auch bei Rot über die Straße zu gehen. Mich hat fast einmal eine Straßenbahn am Hackeschen Markt erwischt. Vollbremsung. Mir tat der Fahrer wahnsinnig leid, der hatte so einen Schreck. Ich auch. Seitdem bin ich da sehr vorsichtig. Das wäre kein Tod nach meinem Geschmack. Ich hoffe, ich werde sehr alt und schlafe dann einfach plötzlich ein. Jupiter im achten Haus. Ein leichter Tod. Hoffe ich sehr. Ich habe auch keine Angst davor. Das letzte Abenteuer.

26. Oktober 2016



Alma, 1931 und 1932. Siebzehn Jahre alt. Die Mama meiner Mama, als sie André kennenlernte. Meine Mama war ein Wunschkind, das sieben Jahre auf sich warten ließ. Ich habe meine Oma Alma sehr geliebt. Sie hat viel gelacht und mich gerne zum Lachen gebracht. Und am liebsten Zarah-Leander-Lieder gesungen. YES SIR. Und ‚Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen‘. Meinen Großvater André habe ich nie kennengelernt, nur durch Erzählungen. Meine Mama sagt, dass sie glaubt, dass ich meine Talente von ihm habe. Er hat auch gemalt und Bilder mit tanzenden Elfen gestickt. Er starb, bevor mein Bruder 1964 geboren wurde, mit nur 54 Jahren, der Krieg hatte ihn sehr mitgenommen, er hatte ein Bein in der Schlacht von Sedan in Frankreich verloren, am 1. und 2. September 1940. Ich wurde fünfundzwanzig Jahre später, am ersten September geboren. Ich hätte ihn gerne gekannt. Aber eigentlich habe ich das auch. Durch die vielen liebevollen Erzählungen meiner Mama und meiner Oma Alma. Sie hat ihn sehr geliebt. Und er sie. Und manchmal glaube ich, dass sie mich beschützt. ~ ~ http://gaga.twoday.net/stories/822959 ~ ~

25. Oktober 2016

Hoppla da bin ja ich. Ist so ein 360-Grad-Foto, ich bin zwei Stühle weiter rechter Hand von Patrice Bouédibéla. Im ‚veganen‘ Ozelot mit Kamera. Linker Hand von ihm sitzt übrigens Marusha, falls sich noch jemand erinnert.

25. Oktober 2016


Der Satz, den ich am häufigsten höre, geht so: „Hast du Fotos gemacht? Hast du deine Kamera überhaupt dabei? Ich habe dich gar nicht gesehen.“ Kann man unbemerkt so ein Foto machen? Scheinbar ja. Na ja, ich trage ja auch gerne schwarz und es ist oft dunkel. Elisabeth King aus K̶̶a̶̶n̶̶a̶̶d̶̶a̶̶̶, Florida, Pianistin.

24. Oktober 2016

Hin und wieder muss ich etwas Grundsätzliches auffrischen. So sehr es mich freut, dass jemand meine Fotografien mag und gerne atmosphärische Aufnahmen von sich hätte. Ich bin nicht käuflich und agiere nicht auf Abruf. Ganz selten gehe ich geringfügige Kompromisse ein, aus freundschaftlicher Gefälligkeit, aber nicht bedingungslos. Am Ende entscheidet immer noch die Anziehungskraft des Szenarios und der einzelnen Protagonisten, wer in welchem Ausmaß stattfindet. Wer damit ein Problem hat, muss sich einen der vielen abrufbereiten Fotodienstleister einladen. So lange ich aus freien Stücken agiere, entscheide ich und niemand sonst, wer im Fokus ist. Ich verstehe natürlich den Wunsch, fokussiert zu werden – but you can’t always get what you want. Ich habe zu früheren Zeiten nach Auftrag agiert und mir diktieren lassen, wer stattzufinden hat. Dabei wäre mir fast die Liebe zur Fotografie abhanden gekommen. Und das wäre doch schade. Sogar sehr. Es ist keineswegs so, dass ich danach lechze, jegliche Bühnenperfomances fotografisch zu dokumentieren. Genauer genommen, ist es durchaus als Ehre zu verstehen, wenn ich mich irgendwohin bewege und die Kamera in die Hand nehme. Just for the record. Danke für die Aufmerksamkeit.

22. Oktober 2016


https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Ich denke, man sieht schon an der Auswahl der Bilder, wer mir gestern sympathischer war. Die Sitzpose von Til Brönner war mir zu aufgesetzt, aber sie macht sich überraschend gut auf dem Foto. Mir ist gestern wieder aufgefallen, wie ausschlaggebend (u. a.) die Körperspannung dafür ist, ob ich jemanden attraktiv oder unattraktiv finde. Ich fand Till Brönner gestern – erotisch gesehen – so interessant wie seine Musik (gar nicht). Olaf Heine dagegen sehr anziehend mit seinen unaffektierten, zielgerichteten Gesten. Nur der dicke Ehering hat ein klein wenig das Bild beeinträchtigt. Sehr sympathischer Mann. Und großartiger Fotograf.

21. Oktober 2016


Das hier ist das am häufigsten abgerufene Bild in meinem flickr account, achttausendfünfhundert Zugriffe. Ich mag die drei ja auch sehr. Das Muschi Obermaier gibt es leider nicht mehr. Und Jimi auch nicht. Aber Uschi und Keith. Wobei wir uns darauf einstellen werden müssen, dass uns Uschi vor Keith verlassen wird. Denn wie hat doch neulich ein Freund sehr richtig angemahnt: „Wir müssen darauf achten, welche Erde wir Keith Richards hinterlassen“.

21. Oktober 2016


Heute Abend um halbacht im nhow, Finissage von Olaf Heines ‚Do not disturb‚. Wahnsinnig lange Laufzeit für eine Ausstellung, über ein halbes Jahr, seit April. Er hängt da aber auch zu schön mit seinen wunderbaren Musikerportraits. Er setzt sich heute Abend mit Till Brönner zum artist talk aufs Podium. Brönner interessiert mich mehr als Fotograf, als aufgrund seiner musikalischen Aktivitäten. Seine Musik ist mir zu glatt und geschniegelt und zu berechenbar. Da fehlt komplett die Schaufel Dreck, die mich interessiert. Aber er macht phantastische Musikerportraits, die unter privilegierten Bedingungen entstehen, insofern, dass er als Vertrauter fotografiert. Genau das, was mich auch interessiert. Und ganz nebenbei finde ich sowohl Olaf Heine als auch Brönner durchaus fotogen und nicht unsexy. Gründe genug, da hinzugehen. Abgesehen davon, dass sich im nhow immer ein sehr interessantes, außerordentlich musikaffines Publikum einfindet und es eine überaus schöne Location ist. Und der Rotwein ist auch gut.
(Und alle anderen gehen heute Abend bitte ins BKA zu Hedwig!)

20. Oktober 2016


Ich war gestern Abend bei ‚Hedwig‚ im BKA. Kannte das Stück nicht. Es war von der ersten bis zur letzte Minute furios. Sven Ratzke ist eine Naturgewalt. An seiner Seite Maria Schuster und eine geile (noch dazu extrem gutaussehende) Band. Wenn jemand eine Stimmfarbe zwischen Iggy Pop und David Bowie hat, gehe ich sowieso in die Knie. Absolut großartige Performance, keine Sekunde langweilig. Es rockt ohne Ende. Ist ja auch ein ‚Rockmusical‘. Ich bin ja sonst eigentlich allergisch auf „Musical“ und theatermäßige Gesangsdarbietungen, aber das ist eine komplett andere Liga. Unbedingt hingehen. Noch heute und morgen Abend im BKA und dann noch mal drei Tage im November, ansonsten auf Tour in Hamburg. An meinem Tisch waren fünf junge Frauen, die das Stück schon am Broadway und in Linz und sonstwo gesehen hatten, sie pilgern zu den verschiedenen Inszenierungen. Seit Jahren. Sie waren völlig begeistert. Das war gestern eines meiner Konzert-Highlights 2016. Neben Blixa Bargeld und Teho Teardo und Tom Adams. Und Alexander Hacke und Danielle de Picciotto. Und Pharoah Chromium. Es gab auch noch andere großartige Momente bei Konzerten, Little Annie war auch ein Erlebnis, gesanglich aber nicht so durchgängig. Mit Maria hatte ich sowieso schöne Momente, nicht nur musikalisch. Karl Neukauf im Grünen Salon mit „Einzig und allein“ allein am Flügel, war ein unerwartetes Aha-Erlebnis. Ich weiß noch, wie Doro und ich uns ansahen. Großartige Momente auch bei der einen oder anderen Coverband, ich will da nichts unter den Teppich kehren. Oder Buzzdee und Romain bei der Open Stage im Blackland. Aber Hedwig gehört ganz nach oben auf der Treppe der Musikperformances. Selbstverständlich Bilder gemacht. Und gefilmt. Als wir uns nach der Show an der Bar trafen, und mich Maria Sven und der Rockband vorstellte, hatte ich noch mehr zu verarbeiten als ohnehin schon. Die sehen ja privat komplett anders aus. Natürlich auch gut, aber völlig andere Frisuren. Und wie sich Maria über mein ungläubiges Gesicht amüsierte. Besonders der Bassist hatte es mir angetan, mit seinem rockigen Bülent Ceylan-Style. Die schönen langen Haare waren weg. Die kajalumrandeten Augen jungfräulich. Oder der Gitarrist – oder war es der Keyboarder. Statt Rockermatte ein sehr cooler Undercut. Frisuren sind einfach unheimlich wichtig. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Wir haben dann noch eine Bio-Currywurst mit Pommes nebenan bei Curry 36 verdrückt und dann heim nach Mitte. Ohne Alkoholexzess. Nur zwei Jever und das halbe Bier von Maria. War ein wirklich schöner Abend. Danke, Hedwig. Danke, Maria.

18. Oktober 2016

Nächtliche Message (Fragmente)
„(…) Termin am Nachmittag abgesagt und mich versucht vom Kater zu kurieren, ging so na ja – bin dann hastig aus der Wohnungstür, hab sie mit innen steckendem Schlüssel zugeschlagen, unkonzentriert, und wusste, ich muss nach dem Konzert den Zweitschlüssel holen. Auf den letzten Drücker mit einem Taxi zur Bar jeder Vernunft, kurz vor Beginn da gewesen, Ticket geholt, ein Ansager verkündet strikt, dass Fotografieren untersagt ist. Ich dachte, für mich gilt das nicht, weil man mich ja gebeten hatte, ob ich fotografieren könnte. Eigentlich hatte mich das Konzert nicht so brennend interessiert, auch fotografisch nicht, war eher ein Gefallen und für gratis Eintritt ok. Ich habe also ein paar Bilder zu Anfang geschossen und als ich den Ansager sah, ging ich offensiv auf ihn zu, um ihm zu sagen, dass ich es auf Wunsch der Künstler mache – hat ihn nicht interessiert, da müsste eine Fotografier-Erlaubnis vorher beantragt werden. Laber laber. Bin dann in eine versteckte Nische, wo auch Hans Rohe saß und Moritz, der Booker. Konnte mit meinem schwenkbaren Display diskret weiterfotografieren. (…) Trotzdem was rausgeholt, auch eine Filmsequenz, irgendeine Bob-Dylan-Nummer, na ja. Nach dem Auftrittsende kommt Dziuk an mir vorbei, begrüßt mich sehr herzlich – eigentlich unerwartet – ich kenn ihn ja nur von ein paar Mails, als ich ihm einen link zur Strecke im April geschickt hatte. Erzähl ihm von dem Verbot und meiner subversiven Vorgehensweise, freut sich wie Bolle und meint, da könnte man dann ja behaupten, das wären Bilder von woanders, wenn die so herumzicken. (…) Hole meinen Zweitschlüssel, fahre nach Hause, Schlüssel nützt nix, weil ich den anderen von innen drinnenstecken hatte, kann die Tür nicht öffnen. Zur Nachbarin, Schlüsseldienst gerufen, sagt 30 Minuten ca, ich sage ich warte unten im Hausflur, an der Tür. Setze mich auf den Boden, der kommt und kommt nicht, blättere meine Fotos durch, lösche (…). Nach über einer Stunde auf dem kalten Boden kommt der Mann. Es kam ein Notfall dazwischen, er konnte mich nicht erreichen, stillende Mutter hatte sich ausgesperrt, Baby auf dem Bett, Baby kann nicht unbetreut da ewig liegen, ist klar. Und jetzt bin ich gerade in meine Wohnung gekommen und fahre den Rechner nochmal hoch, Tapetenwechsel nach diesem Scheißtag. Und jetzt geh ich schlafen.“

14. Oktober 2016


David Biene, OFFSTAGE

In irgendeiner trunkenen Nacht Zweitausendacht zeigte Jan mir die Sevenstar Gallery, nur von draußen, sie war schon lange zu. Aber ich sah die rund gebogenen Neonröhren, die kein kaltes Licht sondern die Magie von Aureolen abstrahlten. Die Zeit und Vergänglichkeit atmenden Wände, mit der Schönheit der Fragmente des abgetragenen Putzes von mehreren Generationen Leben, in diesem alten Haus im Scheunenviertel, wo auch ich seit siebzehn Jahren in der Auguststraße lebe, nicht weit von der Gormannstraße Sieben, hier in Berlin Mitte. Und dann noch der Name. Ich mit meiner Vernarrtheit in die Sieben. Ich war sofort in diese Galerie verliebt. Das ist mir nie zuvor passiert. Und nie mehr später. Eigentlich habe ich nur noch ein ähnlich spontanes Heimatgefühl in der Newton Foundation empfunden. Orte, wo ich nichts erklären muss. Wo mich nichts stört oder befremdet. Zuhause. Daheim.

12. Oktober 2016

»Unsere Sache ist es, den Funken des Lichts festzuhalten, der aus dem Leben überall da hervorbricht, wo die Ewigkeit die Zeit berührt.«
Friedrich von Schiller

08. Oktober 2016


Große Freude vorgestern, den Galeristen Thorsten Heinze nach Jahren wiederzusehen. Immer noch von Herzen verbunden, durch einen Lichtstrahl, der keine Zeit kennt. Hat offenbar sogar die Kamera gesehen.

06. Oktober 2016

gehe ich heute Abend ̶e̶̶v̶̶e̶̶n̶̶t̶̶u̶̶e̶̶l̶̶l̶̶ ̶-̶ ̶̶w̶̶a̶̶h̶̶r̶̶s̶̶c̶̶h̶̶e̶̶i̶̶n̶̶l̶̶i̶̶c̶̶h̶̶ ̶-̶ ̶̶v̶̶i̶̶e̶̶l̶̶l̶̶e̶̶i̶̶c̶̶h̶̶t̶ hin – ist bei mir um die Ecke. Ewig nicht bei Sevenstar gewesen. Schönste Galerie in Berlin, unvergleichlich. David Biene fotografiert vor allem Musiker. In diesem Fall unmittelbar nach dem Auftritt vor einer Wand „OFFstage is a series of portraits shot in the moment after an artist steps away from his or her performance.“ Ab 19 Uhr, Gormann 7.

05. Oktober 2016


Sechzehndreiviertel. Ich im Juni 1982. Müsste Tagebücher ausgraben, um nachzulesen, was da genau war. Aber verliebt war ich sicher. In den letzten Zügen dieser Reihe. Ich setze diese Bilder ja immer auf den privateren Freunde-Status. Obgleich sie für einen durchaus nicht privaten Zweck gemacht wurden. Ich glaube, die besondere Qualität ist nichtsdestoweniger eine private. Ich suche beim Fotografieren immer eine private Qualität. Alles andere langweilt mich. Wenn Sie die Bilder betrachten, und nicht genau wissen, was vor sich ging, ist alles in Ordnung. Niemand muss alles wissen. Die Abwesenheit von Unwägbarkeit hat die Qualität von Wartehallen mit Neonlicht. Niemand liebt Wartehallen. Und niemand liebt Neonlicht.

04. Oktober 2016


Adrian v. Ribbentrop
»I’ve worked out a series of no’s. No to exquisite light, no to apparent compositions, no to the seduction of poses or narrative. And all those no’s force me to the “yes.” I have a white background. I have the person I’m interested in and the thing that happens between us.«
Richard Avedon

04. Oktober 2016

Das ist wahrer Ruhm, wenn Kalauer als Aphorismen gefeiert werden. „Es kommt bei einer Frau nicht nur auf Äußerlichkeiten an. Auch die Dessous sind wichtig.“. Andernorts: „Es kommt gewiss nicht bloß auf den Körper einer Frau an. Auch die Dessous sind wichtig.“ Der gute Karl hat da manches auf Lager. Mein lieber Schieber.

29. September 2016


Adrian v. Ribbentrop
Es war richtig, diese Ausnahme zu machen. Die Ausnahme, diese Aufnahmen zu machen. Ich hätte nicht von mir aus danach gefragt, aber als die Anfrage kam, hatte ich spontan und sofort Lust. darauf. Und ich denke, es hat sich gelohnt. Nein, da könnte nicht jeder kommen. Insofern ist es relativ kurzsichtig, die Gelegenheit nicht zu ergreifen, wenn ich signalisiere, dass ich Lust habe zu fotografieren. Schönes Tagwerk. Eine von ca. hundertsechzig Aufnahmen. Ewig kein verabredetes Einzelshooting gemacht.

28. September 2016

Heiterer Tagesbeginn, musste vorhin über meinem Kaffee lachen, als ich eine facebook-Message las. Ich habe neulich mal wieder eine – nein sogar zwei Ausnahmen von der Regel gemacht, nur Freundschaftsanfragen anzunehmen, wenn ich mit jemandem zumindest einmal persönlich Kontakt hatte, idealerweise schon mal getroffen und die Stimme und die Mimik etc. erlebt. Sich schon mal in die Augen geschaut und sympathisch gefunden. Ich verschicke ohnehin selbst äußerst selten derlei Anfragen, nicht aus Arroganz oder Desinteresse, sondern mehr aus höflicher Zurückhaltung bzw. wenn jemand dafür nach einer Begegnung in Frage kommt, sind diese überwiegend mit Smartphone bewaffneten Menschen meist schneller damit als ich. Aber nun hatte ich also neulich, vor ein, zwei Wochen einmal eine Anfrage von jemandem, den ich nur von Fotos und Videos kenne, der aber ein Dutzend gemeinsamer Freunde auf der Liste hat – so ist er wahrscheinlich über mich gestolpert. Ich war wieder einmal hin- und hergerissen, habe allen Ernstes zweimal drüber geschlafen, ob ich das akzeptieren soll. Ich finde das Rückgängigmachen ja schon immer ein bißchen peinlich. Es ist so ein negativer Akt, der mir eigentlich auch nicht so richtig gefällt. Und wirkt dramatischer als beabsichtigt. Nun dachte ich nach zwei Tagen, es könnte auch beleidigend oder arrogant rüberkommen, wenn ich mich so ziere. Hatte nach der Anfrage kurz gepostet „Du kennst mich doch gar nicht?“ Kam keine Reaktion. Hm. Ich weiß, dass ganz viele wie Schmetterlingssammler alle möglichen Leute anfragen, die facebook aufgrund mehrerer gemeinsamer Freunde vorschlägt. Wahrscheinlich auch so ein Fall, der Mann. In einer milden Stunde dachte ich dann, nachdem mir die Anfrage wiederholt präsentiert wurde, zick mal nicht rum, tut ja nicht weh. Und dann war da noch so eine Anfrage von einem Berliner Musiker, der auch drei, vier gemeinsame Freunde hat, von dem ich noch nie gehört habe, der aber ein sehr sympathisches Lächeln hat und sein Profilbild ist schwarzweiß. Damit sind seine Chancen gleich um zweihundert Prozent gestiegen, dass ich eine Ausnahme von der Regel mache. Ich liebe schwarzweiße Profilbilder. Umgekehrt muss ich gestehen, dass ich etwas irritiert bin, wenn in der Sammlung schwarzweißer Profilbilder hier links in der facebook-Leiste, wo diese neun Freunde mit Bild präsentiert werden, ein sehr buntes, womöglich rot oder orange dabei ist. Ich muss da dann immer verstärkt hingucken, ich hätte es da gerne etwas ruhiger. Aber facebook funktioniert so, dass in der Sammlung der neun Freundesbilder immer die zuletzt hinzugefügten erscheinen bzw. ein paar wenige, mit denen man intensivere virtuelle Verbindungen hat. Wenn man also steuern wollte, dass da bestimmte neun Profilbilder auttauchen, müsste man die Freunde mit den neun Lieblingsprofilbildern mal kurz entfreunden, und frisch als Freunde hinzufügen, schon hat man eine selbstbestimmte Auswahl an Fotos. Habe ich neulich mal gemacht, um zu testen, ob es wirklich so funktioniert. Hat es. Nun aber durch die beiden Neuzugänge ist meine schwarzweiß-Ästhetik durch den einen Herrn mit den vielen gemeinsamen Freunden zerschossen worden. Ich kann ihm ja – unbekannterweise – schlecht mitteilen: „Du, Franz (Name von der Redaktion geändert), würdest du bitte mir zuliebe dein Profilbild nicht in rot-orange sondern monochrom s/w einstellen? Das fände ich wahnsinnig ästhetisch für meine facebook-Ansicht!“ Der müsste ja denken, bei mir ist eine Schraube locker. Womöglich werde ich dann von ihm entfreundet. Wie auch immer. Ich bin immer noch nicht auf den Punkt gekommen, fällt mir gerade auf. Ich wollte ja schreiben, warum ich lachen musste. Also jedenfalls der andere, der mir eine Anfrage geschickt hat, und die ich wegen des sympathischen Aussehens und des s/w-Profilbildes bestätigt hatte, hat mir eine kurze Dankesbotschaft als message geschickt, was ich als sehr höflich empfand, ist ja auch nicht unbedingt so üblich. Daraufhin schrieb ich kurz zurück „- unbekannterweise…!“ Daraufhin er: das könnte man ja ändern, ich sollte Bescheid geben, wenn ich WIEDER EINEN AUFTRITT HABE. Wenn ich wieder einen Auftritt habe. Der Gedanke gefällt mir. Endlich mal wieder ein Auftritt! Ich überlegte, woher er die Zuversicht nimmt, dass ich mich demnächst auf einer Bühne präsentiere. Die einzige Erklärung scheint mir, dass er aufgrund des hundertprozentigen Anteils sehr aktiver Musiker unter den gemeinsamen Freunden, die Schlussfolgerung zieht, dass ich auch von der Truppe bin. Um ihn nicht zu enttäuschen, stehe ich jetzt vor der Aufgabe, ein Bühnenprogramm zu entwickeln und auf die Beine zu stellen. Aber da ich ja zum Glück jede Menge Bühnenkünstler im Freundeskreis beherberge, kann ich mir da ja ein paar Tipps und Unterstützung holen. Ich weiß noch nicht genau, was es werden wird, ob eine One Woman Show im Stil von Grace Jones oder eine Tanzperformance oder eine Leseshow. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ich zeige mich da offen.

27. September 2016

Opus 117 – Maria Schuster & Jovica Hendrix – „Who the fuck is Angelina“. Maria Schuster und Jovica Hendrix singen gemeinsam am 1. Juni 2016 im Rickenbackers Berlin ein Medley aus „Wicked Game“, „Weißen Leinen“, „Alles wird besser“ und „Angelina“, mit Herzblut und viel Vergnügen improvisiert,. Anlass war das dreijährige Jubiläum von Jovis Mittwochssession im Rickenbackers, musikalisch gefeiert mit befreundeten Musikern.

Opus 117

Maria Schuster & Jovica Hendrix „Who the fuck is Angelina“ 

►watch on youtube

Vor zehn Jahren und zehn Tagen, am 17. September 2006, habe ich mein erstes digitales, mit „weltweit gesperrt“ ausgewiesenes Opus 1 auf youtube veröffentlicht. Die weltweite Sperrung* liegt an dem darin zu hörenden Medley, nicht weil ich so furchtbar gesungen hätte (nur ein bißchen), sondern weil dieser Audiotracker diverse Hits identifiziert hat, die für meine Karaokevorstellung aus dem off im Wohnzimmer herhalten mussten. Ein bißchen Jimi, ein bißchen Iggy. All along the Watchtower, Passenger. Das hat schon gereicht. Eines von vielen Experimenten mit mir selbst als Versuchskaninchen. Der Ton war ziemlich krachig, weil ich damals noch nicht wusste, dass bei digitalen Fotokameras die automatische Justierung zu den besten Tonergebnissen führt. Jedenfalls hatte ich bald Blut geleckt, da dieser erste Versuch zu nicht geringem Amusement bei meinen Bloglesern führte, die mich bislang nur von meinen Texten und Fotos kannten. Meine relativ lebhafte Mimik schien zu überraschen. Ein Leser meines Blogs – war er zumindest damals – kommentierte allen Ernstes (nicht auf yoiutube, sondern im Blog) dass er den Bildschirm geküsst hätte. Ich war dann doch seltsam berührt. Aber auch amüsiert. Eine etwas unerwartete Reaktion. Allerdings muss man erwähnen, dass er ein bißchen in mich verknallt war. Wie auch immer. Zehn Jahre digitaler Filmdokumente. Mal privat, mal weniger. Ach eigentlich immer. Selbst wenn ich Künstler, ob Musiker oder Schriftsteller oder Fotografen filmte, gab es immer einen privaten Bezug. Dass ich nur eine Verbindung zum Kunstschaffenden, um seiner Kunst willen hatte, war eher Ausnahme. Sei es Vera von Lehndorff, sei es Helge Timmerberg. Cosmic, Duke Meyer, Farin Urlaub. Wie sie alle heißen. Zuletzt Little Annie und Tom Adams waren da eher insofern eine Ausnahme, als ich sie erstmalig auf der Bühne sah und unmittelbar den Impuls hatte, sie im bewegten Bild einfangen zu wollen. Aber selbst da ergab sich im Nachhinein ein persönlicher Austausch. Und heute Opus 117. Ich gehe nicht ganz chronologisch vor. Die Aufnahmen von Opus 115 und 116 mit Karl und Saskia sind später entstanden als diese hier. Die hier verewigte launige Session im Rickenbackers, bzw. der Teil von „Wicked Game“ (ja, ich habe vorher auch eine Kleinigkeit weggeschnitten, aber das Schönste bewahrt), als Maria angeschubst von Jovica im Rickenbackers begann zu improvisieren, nachdem sie zwei, drei Strophen von Wicked Game und dem Refrain gesungen hatten, war am ersten Juni 2016. Es war eine Bombenstimmung,, wie man so schön sagt und auch mal gerne nicht Dabeigewesenen gegenüber übertreibt, aber die war da wirkllich. Habe ich auch darüber geschrieben, als ich die Bildstrecke veröffentlichte. Ist hier zu lesen. Ich glaube, Maria und Jovi müssen schon langsam gedacht haben, ich rede nur von dieser Aufnahme und mehr passiert nicht mehr. Oh nein, das wäre ein Irrtum – wie man sieht. Ich gehe nach Lust und Laune vor. Über Nacht, von heute auf morgen bin ich im Flow und nehme mir nach Monaten eine Datei vor und es ergibt sich alles in kurzer Zeit. Die oft schon sehr wackelige Kamera rührt daher, dass ich nebenher die ganze Zeit getanzt habe und mich dabei nur hin- und wieder in verhaltenen Bewegungen übte, damit überhaupt irgendeine fokussierte Aufnahme zustande kommt. Ich wollte mir diesen Spaß nicht nehmen lassen und wie betoniert am Bühnenrand stehen, um makellos wackelfreie Bilder zu bekommen. Das ist der Luxus, den ich mir erlaube. Keiner bestellt mich, ich agiere selten nach Vorgaben, völlig autonom, und auch nur, wenn ich inspiriert bin. Normalerweise hätte man den Anspruch, eine Bühnensituation mit mindestens drei bis sechs Kameras aus verschiedenen Perspektiven einzufangen. Ich mache so etwas wie hier gerne aus dem Handgelenk, ungeplant, mit einer. Aber dafür haben Sie auch die Möglichkeit der sehr realen Erfahrung, wie mein Blick wandert. Das ist rough. Und ein bißchen dirty. Ich mag das. Nicht die aufgesetzte Version davon…. „heute machen wir mal was, das so ein bißchen lasziv rüberkommt“ (… Schnute…. Hauchen… ). Nein. Nein. Nein. Ohne mich. Zuerst kommt das wahre Erleben. Und wenn es schön ist, ist der Lebensmoment im Recall für meine Aufnahme. So geht das bei mir. Gekürzt habe ich schon auch, das Ende wurde noch ordentlich ausgedehnt, aber das ist dann im Video auch irgendwann eintönig, wenn es auch musikalisch und atmosphärisch ein schöner Vibe war, hat aber für die laufenden Bilder dramaturgisch nichts mehr hergegeben, das die Sache intensiviert hätte. Ich habe jetzt beim Hochladen nicht angegeben, dass es nur für einen eingeschränkten, erwachsenen Personenkreis geeignet wäre. Ich weiß ja nicht, was Fünf- bis Zwölfjährige für Reimideen auf Tanz haben. Ich finde,man sollte die Kreativität im Umgang mit Sprache und Phantasie nicht beschränken. In keinem Alter. Da bin ich ganz streng. Hardlinerin.

*auf youtube gesperrt – nicht Vimeo

26. September 2016

Was ist an mir eine Schauspielerin verloren gegangen. Oscarreif auf der Lebensbühne absurden Theaters. Korrigiere: Alma-Seidler-Ring-reif, das weibliche Pendant zum Iffland-Ring – für Theater gibt es ja keinen Oscar. Da standen wir neulich unten im Rauchereck vorm Grünen Salon, kleine Frauenrunde, darunter zwei Schauspielerinnen. Das Gespräch kam auf Asta, Gott hab sie selig, und ich erwähnte, dass auch ich in grauer Vorzeit eine Schauspielausbildung genossen habe, die große Laufbahn jedoch daran scheiterte, dass ich mir keine Texte merken konnte, doch stetiglich wurde mir überragender Ausdruck attestiert. Niemand könne so bedeutungsvoll, ohne auch nur ein Wort zu verlieren, quer über die Bühne gehen wie ich, lobte die Lehrerin. Stanislawski hätte ganz große Freude an mir gehabt. „STUMMFILM“ benannte Saskia scharfsinnig und völlig korrekt die einzige für mich geeignete Sparte, Fortführung der Familientradition. „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“. Gerne möchte ich das Feuer des Stummfilms weitergeben! Ein Zitat, das gerne Gustav zugeschrieben wird. Ich fühle mich durch die nun bald jahrelange Beschäftigung mit Alma und ihm mittlerweile quasi familiär verbunden, deshalb darf ich Gustav sagen. Eigentlich soll es ursprünglich von Thomas Morus stammen, etwas anders formuliert „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“. Wie auch immer. Es wird auch noch einem Dutzend anderen großen Köpfen in Abwandlungen formuliert in den Mund gelegt. Aber SO war das alles dann vielleicht doch nicht gedacht, dass dieses brachliegende Schauspielpotenzial mangels Stummfilmrollenangeboten aufs Private übergreift. Es sprang mir heute Vormittag manifestiert ins Gesicht. Eine Reihe, die vor sechs Jahren in Pankow entstand.

Das hier ist ein Bild daraus. Was sieht man? Einen zutiefst traurigen Menschen, der auf die Scherben eines zerbrochenen Traumes blickt und gerade das ganze Ausmaß des Verlustes realisiert, noch dazu personifiziert vor Augen geführt? Sie denken vielleicht, ich habe beim Copypasten die Bildadresse verwechselt. Wenn Sie das denken, wissen Sie, was ich meine. Das war mein innerer Zustand an diesem Abend, bei diesem Konzert vor sechs Jahren. Ich habe mich zusammengerissen und alles aufgeboten, um die Lebensbühne nicht mit dem Ausdruck des Scheiterns zu verlassen. Wenn ich mir die Bilder ansehe, bin sogar ich rückblickend von dieser darstellerischen Leistung beeindruckt. Denn ich erinnere mich noch genau, wie ich mich fühlte. Unendlich verlassen. Und jetzt bitte diesen Alma-Seidler-Ring auf Lebenszeit. Ich wäre aber durchaus gerne bereit, ihn vorher weiterzugeben, wenn ich die Schauspielerei einmal an den Nagel hänge. Besonders in der Sparte „Absurdes Theater“. Ich habe eigentlich gar keine Liebe dazu. Wikipedia: „Das absurde Theater ist eine Richtung des Theaters des 20. Jahrhunderts, die die Sinnfreiheit der Welt und den darin orientierungslosen Menschen darstellen will. (…) Der Begriff des Theaters des Absurden (fr. Théâtre de l’Absurde) bildete sich in den 1950er Jahren als Sammelbegriff für eine vorwiegend in Frankreich aufkommende Art von Dramen mit grotesk-komischen sowie irrealen Szenen.“ „Sinnfreiheit“. „orienterungslos“. „Grotesk-komische sowie irreale Szenen“. Ich möchte das nicht. Meine Liebe gilt unverändert einzig und allein dem Stummfilm.

25. September 2016

Noch ein Sommertag. Balkon. Bilder, Filmsequenzen. Kaum Texte. Ich vermute, es war um die Jahrtausendwende, als ich damit aufhörte, Tagebucheinträge auf Papier zu schreiben. Bis dahin betrieb ich das seit meinem elften Lebensjahr äußerst intensiv. Also gut und gerne fünfunddreissigzwanzig Jahre. Mit einer inhaltlich anderen Intensität, als ich je wagte, Blogeinträge zu verfassen. So nackt und ohne Rücksicht auf Verluste, wie man nur sich selbst etwas erzählen kann. Ich spüre einen Drang, mehr von dieser Qualität zuzulassen, doch das ist öffentlich nicht möglich, ohne Grenzen zu überschreiten, die ich nicht zu überschreiten bereit bin. Also schreibe ich weniger. Aber es gibt auch keine nur für mich bestimmten, privaten Einträge, Das ginge ja auch digital. Eine Datei. Obwohl ich sehr gerne mit der Hand auf Papier schrieb.

Das Dilemma ist, wenn ich mich so hineinschreibe, auch nur für mich, und ich mich an der Intensität des Beschriebenen berausche, empfinde ich Bedauern, dass es privat bleiben sollte. Ich meine der womöglich virtuose Text. Also schreibe ich nichts, behalte alles Ungesagte in mir. Alles Gedachte, Erinnerte, Erträumte, Phantasierte, Verfluchte. Der Dreh wäre, vorgeblich fiktiv zu werden, einen anonymisierten Fortsetzungsroman zu schreiben. Herrje. Unter Pseudonym womöglich. Nein Danke. Oder Songtexte. Ach nein. Wer soll die singen? Ich bestimmt nicht, obwohl ich gerne singe. Jemand anders? Wäre ja noch schöner. Kommt überhaupt nicht in Frage. Ein Dilemma. Idealerweise sorgt man für Lebensverhältnisse und Befindlichkeiten, die jedem 1000-Watt-Scheinwerfer stand halten. Andererseits – so ein makellos präsentierbarer Zustand, was gäbe es da noch zu berichten, was von Interesse ist? Kein Dilemma, keine Selbstzweifel, immer nur die Wahrheit und nichts als eine harmlose Wahrheit? Der Drang nach intensivem Empfinden lockt vermutlich auf innere Wege, die schwieriges Terrain nicht aussparen. Immerhin Meta-Texte lassen sich in aller Unverblümtheit schreiben.
16-09-17 SIR (57)
Scheißdreck. Ich dachte innerhalb der letzten beiden Wochen ungefähr dreimal darüber nach, was ich denn da schreiben würde, nähme ich mir eine private Datei vor, oder ein Blatt Papier. Ich glaube, ich möchte das gar nicht lesen, ich will so manches gar nicht manifestiert wissen. Nicht auch noch in Worten auf Papier. In gewisser Weise hofiert man damit etwas, was nicht in allen Aspekten gefeiert werden muss. Und wenn ich diese Aspekte ausspare, was bleibt? Wahrscheinlich Pornographie. Haha. Kapiert kein Schwein, egal. Denken Sie sich einfach etwas Schönes. Ich tus auch. Mit tropfender roter und schwarzer Zaubertinte in Abertausende Zellen meiner Erinnerung geschrieben.

18. September 2016

Um 17:57 und dreissig Sekunden im Wahllokal. Alles im grünen Bereich. Nein, die andere Partei gewählt, die mir der Wahl-o-mat on top angezeigt hat, mit ebenfalls 84,2 Prozent Übereinstimmung der Positionen. Leider nix genützt. Aber wenigstens hat die Linke plus gemacht. Afd zweistellig – eine Schande, man schämt sich.

01. September 2016

Was einem so durch den Kopf geht. Als Bloggerin meine ich, Normalsterbliche ausgenommen. Zum Beispiel dachte ich bei diversen Sonnenbädern auf meinem Balkon in den letzten Tagen, wie wäre es, wenn ich zur Feier des Tages jeweils ein Bild (natürlich von mir, wem sonst – also eines, das mich abbildet – wen sonst) der letzten sagen wir – zehn – dokumentierten Jahrestage meiner Geburt in einem Eintrag hochladen würde. Best of natürlich. Jeder sollte sofort erkennen, dass ich mich unwahrscheinlcih gut gehalten habe. Das ist gut für’s Ego, auch wenn man sich das selber anschaut. Der Gedanke gefiel mir recht gut. Allein – ich war – und bin es noch – zu bequem, die Bilder herauszusuchen. Schade. Eitel genug für so einen Eintrag wäre ich. Aber stattdessen schreibe ich hier wieder einmal wortreich, warum etwas zu nichts geführt hat. Überhaupt mein Thema. Wie stellt man es an, dass etwas zu nichts führt. Darüber könnte ich Bücher schreiben. Aber nicht einmal dafür langt es. Nein, ich strebe keine Autorenexistenz an. Dann will irgendsoein Verlag, dass man nach dem ersten großen Wurf stetiglich nachliefert. Das ist meine Sache nicht. Ich kann nur unter meinen selbstgewählten anarchischen Bedingungen produktiv sein. Gerade lade ich übrigens im Hintergrund Bilder von vor genau – exakt! – einem Jahr hoch. Ja, ich bin mitunter von der schnellen Truppe, haha. Nein, Blödsinn. Tatsächlich habe ich in den letzten Monaten vieles bevorzugt behandelt, das chonologisch nachgeordnet ist. Aus Sympathie, freundschaftlicher Motivation. Man erahnt, dass sich der eine oder andere Protagonist über einen zeitnahen Upload freut. Und ich freue mich mit, wenn sich Menschen freuen, die meine Sympathie haben. Das ist eigentlich die einzige Voraussetzung. Aber natürlich nicht zu kaufen. Jedenfalls laden immer noch die Bilder vom ersten September 2015 hoch. Auch die werde ich in diesem nächtlichen Eintrag nicht einfügen. Viel zu aufwändig. Ich war wieder einmal am Teufelsberg vor genau einem Jahr. Keineswegs zum ersten oder zweiten Mal. Das ist in dreißig Jahren Berlin auch nicht weiter verwunderlich, denke ich. Aber tatsächlich wollte ich vor genau einem Jahr erstmalig die Gelegenheit nutzen, mir die Abhörstation auf dem Teufelsberg aus der Nähe anzuschauen. Und genau an dem Tag, dem ersten September 2015 um kurz vor 14 Uhr kam der Gerichtsvollzieher um die Kasse zu beschlagnahmen und den Leuten das Handwerk zu legen. Also nix mit Betreten des Geländes und auf den Turm steigen usw. Also umkreiste ich das Objekt und der Ausflug wurde stattdessen zu einer ausgiebigen (Irr)wanderung durch den allertiefsten Grunewald. Ich hatte keinen Plan mehr, wo ich bin. Ohne Mobilnetz, ohne Zugriff auf irgendsoeine Geotagging-App oder wie das heißt, ließ ich mich treiben und genoss es zugleich, mich ganz weit weg zu fühlen. Ich versuchte in der Ferne Zivilisationsgeräusche auszumachen, fernen Verkehr. Manchmal wähnte ich etwas zu hören, dann war ich wieder unsicher, was die Richtung anging. Ich folgte also meinem Gehör. Das war tatsächlich aufregend. Ein bißchen wie im Urwald. Ja, lachen Sie nur. Der Grunewald hat ungeahnte Tiefen und Weiten und Niederungen, in denen man kilometerweit kein vernünftiges Schild findet, wenn man sich nur anständig genug verirrt. Letztlich kam dann doch irgendwann der auditive Eindruck von echtem Verkehr und einer nicht allzufernen Straße, dem ich folgte. Ich kam dann irgendwo raus, wo ich auch noch nie war und bewunderte die nostalgischen Straßenleuchten. Schon war ich wieder in meinem Element. Es gab etwas noch nicht Gesehenes zu entdecken. Und irgendwann kommt immer die nächste Haltestelle. Ob Bus, ob Tram, ob S-Bahn. Oder sogar U-Bahn. Ich glaube, es war so ein Mix aus Busfahren und dann in die S-Bahn, wahrscheinlich Heerstraße. Weiß ich aber nicht mehr so genau. Egal. Die Bilder laden immer noch hoch – ah – es hakte gerade bei einer Datei, verstehe. Eigentlich wäre das jetzt doch ein passender Eintrag zur gesamten Bildstrecke vom ersten September 2015, wenn ich es so auf mich wirken lasse. Vielleicht füge ich die Bilder noch ein. Oder auch nicht. Oder wenigstens eines. Ich kann ja hier machen, was ich will. Freiheit des Bloggens. Ich liebe es. Für morgen habe ich auch einen vagen Ausflugsplan. Ich sage nur Valentinswerder. Aber das bleibt unter uns! Ach ja – das habe ich ja gar nicht erwähnt – vor einem Jahr war mein fünfzigster Geburtstag. Sie dürfen mir gerne nachträglich gratulieren! Ich liebe Geburtstagsgratulationen. Mir wird dann immer ganz feierlich und ich bin dann richtig gerührt. Ich weiß das zu schätzen. Und denken Sie sich nichts dabei, dass ich Sie nicht zur großen Geburtstagsparty nach Valentinswerder einlade. Die gibt es nämlich nicht. Also kein Grund, sich irgendwie ausgeschlossen zu fühlen. Ah – die Bilder sind endlich hochgeladen. Wurde ja auch langsam Zeit.
15-09-01 Teufelsberg (105)
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Sehe gerade, am dritten September ist Sommerfest in Valentinswerder mit Live Musik. Da komme ich jetzt aber ins Schwanken. Nicht, dass ich nicht noch andere Ausflugsziele in petto hätte für morgen. Muss ich mal drüber schlafen Am dritten ist auch das Sommerfest im Literarischen Colloquium am Wannsee, da bin ich praktisch schon verabredet, aber man sollte immer flexibel bleiben. Und im nhow ist am selben Abend auch wieder ein ganz interessantes Konzert. Und außerdem das Straßenfest in der Veteranenstraße. Aber muss alles nicht heute Nacht entschieden werden.

15. September 2016

GLEIS 4 – IN LIEBE – NACH POTSDAM – ZURÜCKBLEIBEN BITTE. Hat eine Weile gedauert vorhin, bis mein Verstand die Durchsage korrigiert hat. In Liebe klingt schöner als S Sieben. War spät gestern. Nachdem ich gegen halbzwei nach Hause gekommen war, wollte ich unbedingt sehen, wie die Aufnahmen geworden sind. Ich war in einer Galerie, in der Freunde einen schönen Abend bereiteten. Es gab u. a. eine Liveperformance einer bildenden Künstlerin, die auch Musikerin ist. Sie singt und spielt Gitarre und andere Saiteninstrumente, Catherine Lorent. Sie kündigte schon zu Beginn an, dass das Stück normalerweise eine Stunde dauern würde und sie würde sich auf dreissig Minuten beschränken, aber ich habe das offenbar geflissentlich überhört. Sie begann und ich fand es nach einigen Takten interessant genug, um es zu filmen. Nach etwa zehn Minuten begriff ich, dass es keine halbstündige Performance mehrerer getrennter musikalischer Segmente ist, sondern ein einziges Stück, in dem sie die Instrumente wechselte. Was deshalb funktionierte, weil sie in ihrer Armada von Effektgeräten auch einen Looper hatte, der vor sich hinechote, während sie das Instrument wechselte. Ich hielt fast die halbe Stunde bis zum Ende ihrer Performance durch, doch meine Kamera stieg kurz vor Ende aus. Ich hatte leichte Panik, dass die ganze Mühe umsonst war, denn meine vorherige Kamera beendete Aufnahmen (wenn der Akku aufgebraucht war) mitunter ohne die Datei zu speichern. Hier war der Grund aber die Überlänge der Aufnahmesequenz und die Datei wurde glücklicherweise gespeichert. Ich war neugierig gestern Nacht, ob es so gut aussah, wie ich es beim Filmen wahrgenommen hatte. Ich kann mich nicht entsinnen, je eine so lange Aufnahme von einer Musikperformance gemacht zu haben. Es war durchaus mit Mühe verbunden aber auch ungeheuer faszinierend, weil ich mit meiner Kamera das Szenario umkreisen und an Catherine Lorent auf- und abwandern konnte. Ich wechselte häufig die Perspektive und den Fokus, und zwischen extremen Close ups und Totalen. Das verlangt ausdauernde Körperbeherrschung, da man keine Nebengeräusche oder Wackeleien verursachen will. Es sieht für Außenstehende wie eine zeitlupenartig choreographierte Performance aus, doch das war mir gestern ausnahmsweise gleichgültig. Ich wage das selten. Es ist eigentlich nur möglich, mich so mit der Kamera zu bewegen, wenn ich Gewissheit habe, den Auftritt nicht zu beeinträchtigen, und das ging gestern unvergleichlich gut, da es zum einen in einem Rahmen stattfand, zu dem ich einen familiären Bezug habe und zum anderen, weil links und rechts von dem großen Schaufenster, das kurzerhand zur Bühne umfunktioniert wurde, kein Publikum berücksichtigt werden musste, und ich somit mit meinen Aktionsradius niemandem die Sichtachse verstellte. Das ist in dieser Form bei öffentlichen Veranstaltungen nicht möglich. Das Publikum müsste den Eindruck gewinnen, ich ziehe eine eigene Show ab. Es wäre kaum vermittelbar, dass meine Bewegungen ausschließlich durch das Interesse motiviert sind, möglichst intensive Aufnahmen einzufangen. Daher mache ich das fast nur in einem privateren Kontext. Die Aufnahme von gestern ist richtig gut geworden. Allerdings fiel mir beim nächtlichen Ansehen auf, dass es in der musikalischen Performance (die phasenweise atmosphärisch an Neil Youngs hypnotisierendes Gitarrengewitter aus Dead Man erinnerte) doch einige Längen gibt (und ab und zu auch einige schräge Töne), die es nicht braucht, und die gut und gerne auf jemanden, der nicht live dabei war, redundant wirken könnten. Ich muss sehen, ob ich die Tonspur auf Wesentliches reduziere oder es doch so belasse. Ich wünschte, ich könnte mich häufiger so unbeschränkt und frei mit der Kamera bewegen, die Ergebnisse werden ungleich dynamischer und intimer. Aufregender.

08. September 2016

Interessant, wie sich Informationen auf einen zubewegen. Vorgestern Nacht wanderte ich – nur in Gedanken – durch meinen Bilderstrom. Ich denke zunehmend über Sinn und Unsinn einer derart umfangreichen fotografischen Dokumentation nach, wie ich es in den letzten Jahren betrieben habe. Besonders in den letzten Tagen ist mir die Zahl fünfzigtausend vor Augen, wenn ich meinen flickr account aufrufe. Die Anzahl der von mir dort hochgeladenen Bilder. Das ist schon eine Zahl. Und dabei handelt es sich nur um die Aufnahmen, die online sind, es gibt noch einige weitere Tausende, die vor diesem account entstanden sind, seit meiner digitalen Existenz. Gar nicht zu reden von den Jahren analoger Fotografie, nur einiges ist davon digitialisiert, vornehmlich Aufnahmen von Reisen, zum Beispiel der Westen von Amerika oder Island. All das ist nicht auf flickr. Aber eben diese fünfzigtausend Aufnahmen seit Mai 2005. Das bedeutet, meine persönliche Lebenschronik in Bildern. Manchmal tauchen Erinnerungen aus versunkenen Tiefen nach oben, von vergangenen Zeiten und Begegnungen, und ich entsinne mich dann bestimmter Ereignisse, was mir dann die Erinnerung an einzelne Bilder beschert. Ich kann sie immer sehr leicht finden, weil ich eine chronologische Archivierung pflege und außerdem alle Bilder mit Suchbegriffen versehe. So fiel mir vorgestern plötzlich ein Musiker ein – eigentlich zwei, es war ein Duo, das sich Minneswing nannte – aber der Gitarrist und Sänger war mir besonders in Erinnerung. Oder vielmehr, dass ich von ihm einige Momente auf der Bühne einfing, die sehr gelungen waren. Ich hatte vollkommen vergessen, wie sein Name war. Das Konzert liegt acht Jahre zurück. In acht Jahren ändert sich manches. Bands lösen sich auf, neue gründen sich. Man kann heutzutage ja alles im Internet verfolgen und rückwirkend nachvollziehen. Die meisten Bands haben auch inzwischen neben ihrer regulären Website eine Bandseite bei facebook, youtube-Channels, das Übliche. Mich interessierte, ob ich die Aufnahmen von ihm auch heute noch als gelungen beurteilen würde oder ob mich meine Erinnerung trügt. Ich sah mir die Bilder an, eine ganze Reihe, manche finde ich immer noch ausgezeichnet, einige leider zu verrauscht, aber auch darunter ein paar, die den Ausdruck sehr schön eingefangen. Ich fand in den tags seinen Namen, der mir entfallen war, und suchte bei facebook auch nach dem Bandnamen, und fand beides. Ebenso bei youtube, wo ich mir einige Clips der letzten Jahre ansah. Leider fast alle aufnahmetechnisch unterirdisch, sowohl visuell als auch vom Ton her. Zwei Videos fand ich am interessantesten, das eine eine Aufnahme vom letzten April aus dem Proberaum, mit einem neuen Bandprojekt, und das andere war ein Amateurvideo, aus dem Publikum mit einem Handy gefilmt, vom letzten Jahr. Der Sänger und Gitarrist, Max Flierl heißt er, tritt in dem Video in einem Lokal in Marbella auf. Er steht vor einem seltsamen Vorhang und spielt Gitarre und singt. Die von ihm vertonte „Ballade vom roten Mohn“, die allgemein gerne als eine Art Übersetzung von Villon-Versen gehandelt wird, was aber nicht gesichert ist, denn der Verfasser der „Ballade vom roten Mohn“, der Schriftsteller, Dichter und Übersetzer Paul Zech, schrieb eine Reihe eigener Verse, die er, um der Zensur zu entgehen, besonders wenn sie erotisch waren, als Übersetzungen aus dem Französischen ausgab. Nun ist diese wunderschöne Ballade vom roten Mohn nicht so heikel und schlüpfrig, dass diese Finte erforderlich wäre, insofern gibt es vielleicht wirklich eine inhaltliche Vorlage bei Villon. Aber in jedem Fall handelt es sich um Nachdichtung, eigene Dichtung, anders lässt sich Dichtung ohnehin nicht in eine andere Sprache übertragen. Ich las ein bißchen über Paul Zech und ließ nebenher mehrmals das Video aus Marbella laufen. Er singt sie sehr schön die Ballade, zu schade, dass die Aufnahme nicht besser ist. Vielleicht sollten wir uns irgendwann verabreden, um eine gelungenere Aufnahme einzufangen.
Im Sommer war das Gras so tief
Daß jeder Wind daran vorüberlief
Ich habe da dein Blut gespürt
Und wie es heiß zu mir herüberrann
Du hast nur mein Gesicht berührt
Da starb er einfach hin, der harte Mann
Weils solche Liebe nicht mehr gibt
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt
Im Feld den ganzen Sommer war
Der rote Mohn so rot nicht wie dein Haar
Jetzt wird es abgemäht, das Gras
Die bunten Blumen welken auch dahin
Und wenn der rote Mohn so blaß
Geworden ist, dann hat es keinen Sinn
Daß es noch weiße Wolken gibt

Es war bereits nach Mitternacht, als ich begann, über Paul Zech zu recherchieren. Als ich im Wikipediaeintrag eine Fotografie der Berliner Gedenktafel in Schöneberg sah, wurde mir bewusst, dass gerade sein Todestag ist. Der siebte September. Er starb am 07.09.1946. Genau vor siebzig Jahren, eben da ich anfing, über ihn zu lesen. Paul Zech lebte also auch eine Zeit lang in Schöneberg. Ich sah mir mit googlemaps die Lage der Gedenktafel in der Naumannstraße an, nicht weit entfernt, wo ich von 1986 bis 1992 gelebt hatte. Dann fand ich eine Seite im Internet, die sich nur mit Berliner Gedenktafeln befasst. Mir kam in den Sinn, dass es mittlerweile Gedenktafeln für Marlene Dietrich und Hildegard Knef an zwei Häusern in der Leberstraße, in denen sie ihre Kindheit verbrachten, gibt, die noch nicht existierten, als ich dort wohnte, weil beide damals noch lebten. Gedenktafeln werden ja leider immer erst nach dem Ableben angebracht. Ich rief mit googlemaps die Positionen der Gedenktafeln auf, und neugierhalber auch, wo meine angebracht wäre, wenn es denn eine gäbe. Meine läge ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Hilde und Marlene. Und rechts unten im Ausschnitt des Plans war noch Platz für Paul Zechs Tafel. Ein bißchen geschummelt, denn eigentlich ist die Hausnummer ein paar Meter weiter unten, aber sei’s drum. Und das ist die Geschichte, wie es kam, dass ich zu Paul Zechs siebzigstem Todestag einen Eintrag auf facebook verfasste. Vielleicht der einzige Eintrag, der dazu gemacht wurde.
wichtige Gedenktafeln in Schöneberg

07. September 2016

m Sommer war das Gras so tief
Daß jeder Wind daran vorüberlief
Ich habe da dein Blut gespürt
Und wie es heiß zu mir herüberrann
Du hast nur mein Gesicht berührt
Da starb er einfach hin, der harte Mann
Weils solche Liebe nicht mehr gibt
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt
Im Feld den ganzen Sommer war
Der rote Mohn so rot nicht wie dein Haar
Jetzt wird es abgemäht, das Gras
Die bunten Blumen welken auch dahin
Und wenn der rote Mohn so blaß
Geworden ist, dann hat es keinen Sinn
Daß es noch weiße Wolken gibt

[ Paul Zech, ‚Ballade vom roten Mohn‘ nach François Villon ]

03. September 2016

»(…) nach dem Dinner zu Benatzky, einem der begabtesten Schlagerkomponisten, der in Wien den Namen ›Benutzky‹ hatte, weil er Musik stahl, wo es leicht ging. Aber das haben auch schon Größere getan.«
Alma Mahler-Werfel, Los Angeles 1941