Nächtliche Message (Fragmente)
„(…) Termin am Nachmittag abgesagt und mich versucht vom Kater zu kurieren, ging so na ja – bin dann hastig aus der Wohnungstür, hab sie mit innen steckendem Schlüssel zugeschlagen, unkonzentriert, und wusste, ich muss nach dem Konzert den Zweitschlüssel holen. Auf den letzten Drücker mit einem Taxi zur Bar jeder Vernunft, kurz vor Beginn da gewesen, Ticket geholt, ein Ansager verkündet strikt, dass Fotografieren untersagt ist. Ich dachte, für mich gilt das nicht, weil man mich ja gebeten hatte, ob ich fotografieren könnte. Eigentlich hatte mich das Konzert nicht so brennend interessiert, auch fotografisch nicht, war eher ein Gefallen und für gratis Eintritt ok. Ich habe also ein paar Bilder zu Anfang geschossen und als ich den Ansager sah, ging ich offensiv auf ihn zu, um ihm zu sagen, dass ich es auf Wunsch der Künstler mache – hat ihn nicht interessiert, da müsste eine Fotografier-Erlaubnis vorher beantragt werden. Laber laber. Bin dann in eine versteckte Nische, wo auch Hans Rohe saß und Moritz, der Booker. Konnte mit meinem schwenkbaren Display diskret weiterfotografieren. (…) Trotzdem was rausgeholt, auch eine Filmsequenz, irgendeine Bob-Dylan-Nummer, na ja. Nach dem Auftrittsende kommt Dziuk an mir vorbei, begrüßt mich sehr herzlich – eigentlich unerwartet – ich kenn ihn ja nur von ein paar Mails, als ich ihm einen link zur Strecke im April geschickt hatte. Erzähl ihm von dem Verbot und meiner subversiven Vorgehensweise, freut sich wie Bolle und meint, da könnte man dann ja behaupten, das wären Bilder von woanders, wenn die so herumzicken. (…) Hole meinen Zweitschlüssel, fahre nach Hause, Schlüssel nützt nix, weil ich den anderen von innen drinnenstecken hatte, kann die Tür nicht öffnen. Zur Nachbarin, Schlüsseldienst gerufen, sagt 30 Minuten ca, ich sage ich warte unten im Hausflur, an der Tür. Setze mich auf den Boden, der kommt und kommt nicht, blättere meine Fotos durch, lösche (…). Nach über einer Stunde auf dem kalten Boden kommt der Mann. Es kam ein Notfall dazwischen, er konnte mich nicht erreichen, stillende Mutter hatte sich ausgesperrt, Baby auf dem Bett, Baby kann nicht unbetreut da ewig liegen, ist klar. Und jetzt bin ich gerade in meine Wohnung gekommen und fahre den Rechner nochmal hoch, Tapetenwechsel nach diesem Scheißtag. Und jetzt geh ich schlafen.“

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