„Bansin Seebad“ liegt lange hinter mir. Im ICE 933 nach Frankfurt am Main (Endhaltestelle). Ich steige Berlin Gesundbrunnen aus. sitze im Speisewagen, trinke Bitburger. Ankunft 14.58 Uhr, Gleis 7. Der Bahnhof Bansin war auch bei meiner heutigen Rückreise näher zu meiner Wohnung in der Villa Seestern als der altehrwürdige Bahnhof Heringsdorf. Bansin habe ich zweimal auskundschaftet. Einmal die renommierte Bergstraße mit den größten Villen und den Strand, auch Richtung FKK, der ungeniert auch mit Badeanzug frequentiert wird (wie u. a. von mir) und auch Hundestrand ist oder in den Hundestrand übergeht, ganz schön an dem Abschnitt, dass es zwar keine Steilküste dort gibt, aber eine höhere grüne Hecke im Rücken, wenn man dem Meer zugewandt ist. Beim zweiten Mal in Bansin habe ich meinen dunkelblauen Blazer verloren. Irgendwo zwischen dem Hans Werner Richter-Haus und dem Friedhof in Bansin, auf dem er liegt. Oder später in Heringsdorf. Vielleicht dort im Eiscafé Pinguin. Es wurde wärmer, ich zog die Jacke aus und hängte sie über meine Umhängetasche. Vielleicht ist sie beim Abstellen zum Eisessen heruntergerutscht. Habe sie oft und gerne getragen, war auch noch gut, aber nun auch kein einmaliges Liebhaberstück. Hat mich trotzdem gefuchst. Es hatte exakt den Dunkelblauton des quergestreiften sommerlichen Strickkleides in meinem Reisegepäck. Wir sind gerade irgendwo zwischen Pasewalk und Eberswalde, hier ist es auch bedeckt, aber kein Regen. Mache heute keine Fotos von unterwegs, reizt mich nicht, vielleicht bei Ankunft daheim. Oder auch nicht. Ich bestelle mir noch ein Pils. Und das Mango Curry!

5 Antworten auf „04. September 2026“

  1. Georg Nägle
    Hi, ich war auch kürzlich dort. Usedom gefällt mir sehr, Bansin oder Ahlbeck am liebsten. Mit dem E-Bike kann man es ganz entspannt erkunden und es gibt sehr viel zu entdecken. Zauberhafte Wälder und Strände, Meerwasser, Achternwasser und Süsswasser. Seeluft und Waldluft, Saline im WInd. Viel Geschichte. Alles sehr gepflegt und gut in Schuß. Gut, daß es noch nicht soo bekannt ist (wie Sylt zB) 😉

    Gaga Nielsen
    Bei einer gewissen Stammklientel aus Ostdeutschland ist es schon sehr bekannt und auch frequentiert. Ich werde noch sehr viel über meine Eindrücke berichten, auch über Bansin und Ahlbeck. Habe mir viele Ecken angesehen. Mit dem Rad sieht man erfahrungsgemäß zwar viel schnell an sich vorbeifliegen, aber man mäandert nicht so wie ein Flaneur. Radfahrer steigen ja nicht alle zehn Meter ab und schließen ihr Rad an, um mal um die Ecke zu schauen 🙂

    Sehr gepflegt unterschreibe ich und hat mich auch beeindruckt. Weniger allerdings, eine gewisse ästhetische Schere zwischen der wunderbaren Bausubstanz der drei Kaiserbäder und dem Publikum. Ich kam mir vor wie in einer Theaterkulisse mit Komparsen, die für eine andere Aufführung als ich gecastet wurden. Bin selten so (unsympathisch/argwöhnisch/misstrauisch) taxiert worden. Mir fehlte wohl der gewisse Stallgeruch, dazu mein bohèmienhafter Kleidungsstil mit Hut. Hat nicht mit der Funktionskleidungssästhetik allenthalben korrespondiert. Vor allem Frauen in schätzungsweise meinem Alter mit praktischen Kurzhaafrisuren guckten komisch. Kreative Köpfe und Paradiesvögel kann man dort leider mit der Lupe suchen und findet sie nicht. Zwei Ausnahmen begegneten mir – der Betreiber der Villa Irmgard (Maxim Gorki Museum) und der extravagante Chef-Sommelier vom Ahlbecker Hof. Vielleicht auch noch Tom Wickboldt vom Restaurant Kulmeck. Kam leider nicht dazu, bei ihm zu essen, bestimmt ein Versäumnis. Und die Crew vom Segelschiff Weiße Düne, die war auch extrem gut drauf. Die Kapitänin des riesigen Schiffs ist allerdings gebürtig Berlinerin und hat mal Kunst studiert.

    Sylt hat natürlich keinerlei derartige Architektur zu bieten, aber die Reaktionen auf mich waren schon sehr anders. Man hat mir dort (gleichwohl unbekannterweise) wohlwollend zugenickt, gelächelt und beim Entgegenkommen am Strand von Kampen gegrüßt. Selbe Generation, andere Sozialisierung. Um diese Zeit ist Sylt auch gar nicht mehr so stark besucht, man kann herrlich einsame Ecken an der Westküste finden, auch am Roten Kliff (das mich landschaftlich sehr beeindruckte).

  2. Georg Nägle
    Beides. Aber die Erkundung per Rad ist sehr effektiv. Man kann die verschiedenen Attraktionen in Etappen erkunden. Mit dem Rad kommt man erstaunlich gut herum, und Rad anschließen und per pedes geht natürlich auch sehr gut. Manche Wege, macht man lieber nur zu Fuß, wie zB die Wege an der Steilküste. Laufen oder fahren, es ist einfach angenehm dort. Viel Sonne…

  3. Georg Nägle
    Ja, ich bin dort auch gern mit Hut unterwegs oder mit Hemd, Krawatte und Weste. Da fällt man auf, aber das soll kein Nachteil sein. Man zieht die Blicke auf sich, aber irgendwie ist es ja inzwischen fast schon eine Provokation, sich gepflegt anzuziehen. Selbst im Theater oder in der Oper ist es eine Seltenheit geworden. Daher sehe ich es schon fast als Verpflichtung, einen Kontrapunkt zu setzen. 😉

    Jedenfalls ist mir das Publikum dort auch nicht negativ aufgefallen. Es ist eine eigene Art, die aber dennoch sehr freundlich und unspektakulär im Stillen genießt. Manchmal ist es ganz gut, wenn der Anteil westdeutscher Klientel niedriger ist, denn die haben oft schnell eine unangenehme Arroganz und Überheblichkeit an sich. Das nivelliert sich dort automatisch.

    Insgesamt ist diese absolute Unaufgeregtheit der Insel vielleicht genau das, was ihren hohen Erholungswert ausmacht. Und natürlich die Fülle an sehr gut geführten Hotels in kaiserlicher Architektur, oft mit Spa, sowie die häufig kostenlos zugänglichen Kultur- und Sportveranstaltungen an den Strandpromenaden.

    Leider versagt die Bahn auf dem Weg dorthin. Wenn sie mal fährt, ist es ja von Berlin aus fast nur ein Katzensprung.

    Gaga Nielsen
    Es gab früher, bis 2014 eine direkte Bahnverbindung nach Heringsdorf, die wegen zu geringer Wirtschaftlichkeit eingestellt wurde. Aber die ebenfalls eininge Jahre eingestellte Direktverbindung nach Sylt wurde mit einem ICE neuer, barrierefreier Baureihe wieder aufgenommen, fährt einmal am Tag von Berlin Hauptbahnhof durch bis Westerland!

    „(…) irgendwie ist es ja inzwischen fast schon eine Provokation, sich gepflegt anzuziehen. Selbst im Theater oder in der Oper ist es eine Seltenheit geworden. Daher sehe ich es schon fast als Verpflichtung, einen Kontrapunkt zu setzen.“

    Das muss ich natürlich herzen. ❤

    Ich weiß, dass es einem als Arroganz des „Wessies“ ausgelegt werden kann, wenn man dort irgendetwas kritisiert, aber ich habe feine Antennen dafür, wie Menschen mental gestrickt sind, ob weltoffen oder engstirnig. Und beim Bus- und Bahnfahren habe ich extrem viele Gespräche und Bemerkungen mitgehört, die das Gegenteil weltoffenen Gedankenguts offenbaren, unter sich sprechen sie ja unverblümt.

    Auf der Insel herrscht ein Fachkräftemangel in der Gastronomie und Hotellerie, der nur durch eine Rekrutierungskampagne in anderen Ländern, explizit Asien und noch genauer Vietnam ausgeglichen werden kann. Inzwischen ist es auch nicht mehr so leicht, Polen für die Gastro-Jobs zu bekommen, sie können inzwischen ganz gut in ihrem Land verdienen.

    Ich war u. a. in zwei Restaurants der gehobenen Klasse, nämlich dem „Heinrichs“ in Heringsdorf, das einen Stern hat und im Restaurant „Kaiserblick“ im Ahlbecker Hof. In beiden Restaurants sind im Service auffallend viele Menschen mit asiatischen Gesichtszügen. Genauer: junge Frauen aus Vietnam, die auf Usedom eine gute Ausbildung in der Gastronomie und Hotellerie erhalten. Biodeutsche Mecklenburg-Vorpommener finden sich nicht dafür. Diese aus Vietnam stammenden Restaurantfachfrauen sind extrem nett und zuvorkommend, ganz liebreizend.

    https://www.hogapage.de/nachrichten/arbeitswelt/personal/vietnamesen-gegen-deutschen-azubimangel

    Auf der Segeltour, die ich in Neppermin machte, waren auch Einheimische zu Gast, ich hörte eine Konversation mit, in der über Gastarbeiter, wie es früher hieß, gelästert wurde. Ich mischte mich ein, da ich mich gerade schlau gemacht hatte, wie das zusammenhängt, dass man in der Spitzengastronomie so viele Menschen aus Asien vorfindet. Die wussten das alle nicht. Guckten dumm aus der Wäsche, regelrecht perplex, als ich es ihnen erklärte.

    Wie auch immer… es ist anstrengend von Menschen umgeben zu sein, die keine Weltoffenheit zeigen. Ich war ja nun zum Saisonende dort, wo es dann auch weniger Publikum geben mag, obwohl schon noch gut besucht – aber der Ahlbecker Hof mit seinen drei Spitzenrestaurants war nicht stark frequentiert. Man muss sich das als Betreiber natürlich auch dauerhaft leisten können, die stolze Pracht aufrecht zu erhalten, eben so picobello, wie wir es vorfinden. Dass da keine Spitzengehälter gezahlt werden, ist plausibel. Ich habe aber jeweils viel Trinkgeld gegeben. War mir ein echtes Bedürfnis.

  4. Georg Nägle
    Das Weltoffene oder Engstirnige an West- oder Ostdeutschland festzumachen, ist etwas engstirnig. Wir im Westen sind nur in einem anderen System aufgewachsen (nach dem Krieg), das aber in sich mindestens genauso manipulativ ist, wie man es dem Osten zuschreibt.

    Klar wurde das gerade in den Jahren seit 2020, denn gerade unsere westliche Gesellschaft hat bzgl. „Aufklärung“ kolossal versagt. Das war ein richtiger Augenöffner. Gerade viele der „Intellektuellen“ haben überhaupt gar nichts verstanden, nicht mal bis heute. Deshalb bin ich da ganz vorsichtig geworden.

    Es gibt da sozusagen verschiedene Antennen, über die man verfügt – oder auch nicht. Oft werden „einfache“ Menschen massiv in ihrer Intelligenz unterschätzt, da sie einfach nur andere Dinge wahrnehmen und anders und direkter verstehen. Das ist mir damals auch aufgefallen: Bauarbeiter oder Handwerker waren mir in ihrem Verständnis oft näher als Tausende von gebildeten „Tagesspiegel-Lesern“.

    Wenn Du weißt, was ich meine. 😉

    Gaga Nielsen
    Ich meine erkennbare Zeichen von Kleingeistigkeit bis hin zu mentaler Debilität. Die auch in der Provinz im Westen zu finden ist. Der Grund, wieso ich dringend aus Bayern weg wollte. Ich komme eben vom LCB am Wannsee. Sehr erholsam, von Menschen umgeben zu sein, die geistig beweglich sind.

    Mit die sympathischsten Zeitgenossen, die mir begegneten, waren und sind Handwerker, Menschen die ihr eigenes Ding machen, nicht jammern und neidisch auf das schielen, was andere haben. Es steht jedem frei, sich ebenfalls einen preisgünstigen Sonnenhut bei dm für 12.90 € zu holen und aufzusetzen und sein Leben spielerisch in die Hand zu nehmen, zu versuchen, anderen etwas zu geben, und sei es nur ein schöner Anblick. Das ist eine Grundeinstellung, kein politisches Schicksal.

  5. Georg Nägle
    Aber natürlich. Heute werde ich ins Theater gehen – es gibt eine Premiere, und es wird politisch. Ich bin ja sehr gespannt, ob es wieder einen Eklat gibt.

    Das letzte politische Theater, das ich besuchte, war an der Schaubühne. Damals habe ich noch für das Zentrum für Politische Schönheit gearbeitet. Das Stück war so engstirnig und derart eindeutig tendenziell progressiv-propagandistisch, dass sich mir alle Nackenhaare aufstellten. Während alle anderen das Stück brav weiterschauten, bin ich irgendwann laut fluchend aus dem Saal gegangen. Ich muss heute noch schmunzeln, wenn ich daran denke.

    Es geht nicht nur um einen schönen Anblick. Manchmal geht es auch darum, komplett gegen den Strich zu gehen und dem Mainstream so richtig in die Parade zu fahren. 😉

    Apropos: In der ARD-Mediathek gibt es eine sehenswerte Doku über die Geschichte der deutschen Seebäder an der Ostsee.

    Erstaunlich fand ich, dass der Strandkorb tatsächlich eine ziemlich typisch deutsche Erscheinung ist, die sich in dieser Form in anderen Ländern Europas kaum durchgesetzt hat. Als sein Erfinder gilt der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann, der 1882 für eine rheumakranke Dame einen windgeschützten „Strand-Stuhl“ für Warnemünde baute. Schon ein Jahr später folgte der Zweisitzer und seine Frau eröffnete die erste Strandkorbvermietung.

    Auch die Geschichte der Bademode ist eng mit dieser neuen europäischen Badekultur verbunden. Deutschland und insbesondere die Seebäder an Nord- und Ostsee spielten dabei eine wesentlich größere Rolle, als ich gedacht hätte. Ich hätte diesen Einfluss spontan eher Frankreich oder Italien zugeschrieben.

    Gaga Nielsen
    In Ückeritz ist die Werkstätte der ältesten Strandkorbmanufaktur Deutschlands, ich habe die Werkstatt besucht und viele Fotos gemacht. 101 Jahre alt der Betrieb, die Räume waren bis vor kurzem in Heringsdorf, die mussten sie räumen, dadurch dass sie jetzt größere Werkstätten haben, können sie wieder mehr in eigener Werkstätte produzieren, was vorher durch Zulieferung erledigt wurde.

    https://www.korbwerk.de/historie

    Vorgestern war zufällig eine Werksführung, die ist immer Donnerstag ab zehn Uhr. Gelernt: die beiden Grundformen der dortigen Strandkorbmodelle heißen Sylt und Usedom, die sich in der Bauart unterscheiden. Auf den ersten Blick durch eine geschwungene Linie an den Seitenteilen beim Ostseestrandkorb Usedom und einer geraden Linie beim Nordeseestrandkorb Sylt. Der Nordseestrandkorb hat mehr Tiefe und erlaubt, dass man die Sitzfläche komplett zu einer flachen Liegefläche auszieht und auch auf dem Bauch liegen kann. Grund für mehr Tiefe ist der härtere Wind an der Nordsee, so ist man besser geschützt Sie machen auch verrückte Sonderanfertigungen. Es gibt auch ein Doppelbett, das wie ein Strandkorb aussieht und den riesigen Korb auf der Strandpromenade in Heringsdorf haben sie auch angefertigt. Da passen 98 Leute rein und er hat einen WLAN Hotspot eingebaut. Obwohl ich Strandkörbe wunderschön finde, miete ich mir nie einen, weil ich gerne im Sand auf einem Tuch liege und auch nie so lange nur an einem Platz verweile. Bin gerne in Bewegung in der Natur.

    KORBWERK.DE

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