Schlafe recht gut in Heringsdorf! Anfangs war mir das Bettzeug etwas steif – Wäschestärke? Liegt wohl daran, dass ich daheim in Baumwollsatin-Überzügen schlafe. Aber schon in der zweiten Nacht hat es sich gelegt und nun ist es ein angenehmes Schlafen, bei offener Balkontür zur Meeresseite, in der kleinen Schlafkoje.

Nach dem Aufstehen und Duschen pflege ich meinen Obstsalat mit griechischem Joghurt und starkem Kaffee zu frühstücken. Das verbinde ich gerne damit, mich zurechtzumachen. Sofern die Sonne scheint, am Fenster zur Maxim-Gorki-Straße, wo der Blick auf die Nachbarvillen Marie-Anna und Irmgard (die in beige) fällt.

Jawohl, die in Heringsdorf berühmte Villa Irmgard, in der Maxim Gorki mehrere Sommermonate verlebte und der mein erster Ausflug gewidmet war. Man kann nämlich seine einstigen Räume mit original Mobiliar von damals besichtigen. Dazu komme ich noch en detail, wenn ich alles ausführlich beschreibe, versehen mit entsprechendem Bildmaterial. Dafür vorab ein intimer Einblick: auf dem Fensterbrett stehen zwei Kosmetikspiegel, beide mit Vergrößerung. Der größere ist aus dem Badezimmer der Villa Seestern, den kleineren habe ich mitgebracht. Ich wollte sehen, welcher stärker vergrößert. Ohne geht es nicht. Das ist quasi die altersbedingte Lesebrille fürs Wimperntuschen etc. Wenn ich mit der Prozedur fertig bin, nehme ich mmer noch einen Kontrollblick mit Lesebrille vor, wobei sich dann manchmal kleine schwarze Pünktchen vom Wimperntuschen-Bürstchen finden, wenn ich komisch abgerutscht bin oder Lidschattenpartikelchen an den komischsten Stellen, wie auf der Nasenspitze oder der Backe. Hier ist Vertrauen eindeutig nicht gut und Kontrolle unbedingt besser.

Habe den Eindruck, mein kleiner Reise-Vergrößerungsspiegel ist minimal stärker. Bin nun mehr oder weniger fertig und startbereit für den ersten Ausflug. Heute besuche ich das Hans Werner Richter-Haus in Bansin. Werde die zwei Haltestellen mit dem Bus fahren, mit der Kaiserbäder-Linie, die alle zwanzig Minuten fährt. Muss mich noch anziehen. Auf jeden Fall etwas, das ich noch nicht getragen habe, damit ich mir bei Abreise sagen kann, ich habe nichts umsonst mitgenommen. Wetter wechselhaft, kein Regen!

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