20. März 2016

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August 2010 „Opus 76 – Eine Zigarette lang“. Angela Winkler singt in dieser Aufnahme das Chanson „Eine Zigarette lang“ von Rudolf Nelson, dem erfolgreichsten Revue-Komponisten der ‚Goldenen Zwanziger Jahre‘ in Berlin. Nelson schrieb das Lied vermutlich Ende der Zwanziger für die Sängerin Eva Busch, die mit dem legendären Schauspieler und Regisseur Ernst Busch verheiratet war und wie Nelson nach Machtergreifung der Nazis aus Deutschland flüchtete. Diese Aufnahme entstand am 28. August 2010, anlässlich des Sommerfestes des Literarischen Colloquiums Berlin, am Sandwerder in Berlin Wannsee. „Du hältst in der Hand deine Seligkeit – eine Zigarette lang…“

15. März 2016

Entschuldigung… für diesen Stillstand hier
(besondere Geschehnisse erfordern besondere…. Prioritäten – – – alles gut, kein Grund zur Sorge, im Gegenteil…)

13. März 2016

2009 „Opus 38 – Blume der Ergebung“
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76735761&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
Ich bin die Blum‘ im Garten,
Und muß in Stille warten,
Wann und in welcher Weise
Du trittst in meine Kreise.
Kommst du, ein Strahl der Sonne,
So werd‘ ich deiner Wonne
Den Busen still entfalten
Und deinen Blick behalten.
Kommst du als Tau und Regen,
So werd‘ ich deinen Segen
In Liebesschalen fassen,
Ihn nicht versiegen lassen.
Und fährtest du gelinde
Hin über mich im Winde,
So werd‘ ich dir mich neigen,
Sprechend: Ich bin dein eigen.
Ich bin die Blum‘ im Garten,
Und muß in Stille warten,
Wann und in welcher Weise
Du trittst in meine Kreise.

Friedrich Rückert

08. März 2016

Etwas unkonzentriert zur Zeit. Gerade fast den Föhn in die Waschmaschine gesteckt, Als ich die Klappe vom Bullauge in der Hand hatte, kam es mir doch komisch vor, vor allem wegen dem Kabel dran. Des Kabels dran. Rein visuell ein ungewohnter Eindruck. Ich habe es dann korrigiert. Aber schon lange kein Besteck mehr in den Mülleimer geworfen. Mal was essen. Und dann die Bilder von der Böse Buben Bar, vorgestern. Traumschön. Werden Sie sehen.

08. März 2016

Wichtig! Dresscode Herren, s. u., wurde um Detailangaben zu Hemd und Farbe erweitert! (Link)
Leser T. W. fordert:
„Gaga, bitte etwas spezifischer. Anzug eher schwarz oder eher dunkelblau? Ein- oder Zweireiher? Geht beim Hemd Button Down, oder ist das ein NoGo? Haifischkragen? Du sagst einem ja nix!“
Gaga Nielsen antwortet:
„Button Down ist NO GO! Dunkelblau, nur wenn es sehr dunkelblau, ja ich möchte sagen mitternachtsblau ist. Haifischkragen meinethalben, Zweireiher eher nicht, sagen wir, mit einem schlichten Tuxedo bist du ganz vorne mit dabei! Schön übrigens, dass du auch kommst!“
Leser T. W. fragt:
„Ich hab‘ aber fast nur Button Down Hemden, also Oxford. Die gehen nicht?
Gaga Nielsen antwortet:
„heieiei, dann nimm halt das am wenigsten unelegante von den Dingern! Manche Männer können sich – figurabhängig – auch erlauben, nur ein tank top unterm Sakko zu tragen, schwarz natürlich.“
Leser T. W. meint:
„Aus dem tank top alter bin ich ziemlich raus.“
Gaga Nielsen räumt ein:
„du dürftest übrigens auch ein sehr dunkelblaues oder schwarzes Hemd mit deinem schwarzblauen Anzug kombinieren. Das ist erlaubt!“
Leser T. W. entgegnet:
„Das bringt dann aber deine s/w-Fotos durcheinander. Ich bringe mal vorsichtshalber paar Kameras mit Farbe mit.“
Leser T. W. ergänzt:
„(grau mit Fliege? Wie wär’s damit?)“
Gaga Nielsen erklärt:
„verstehe die Sache mit dem tank top natürlich. Meine Kamera bringt nichts durcheinander. Es geht nicht nur um die Fotos sondern auch um mein Erlebnis vor Ort! Ich möchte es möglichst schön haben! Auch in Farbe! Deswegen! Du ziehst bitte keinen grauen Anzug und bitte keine Fliege an. Fliege nur zum Tuxedo und auch nicht alle. Fliege für Fortgeschrittene ist übrigens, sie nicht zu binden, sondern so lässig einfach aufgebunden um den Kragen zu tragen.“
Leser T. W. berichtigt:
„Natürlich keinen grauen Anzug! Graues Hemd!“
Gaga Nielsen schlägt vor:
„haha – das müsste ich vorher sehen. Ich fürchte aber, wir haben morgen vorher noch etwas anderes zu tun“ (keine falschen Schlüsse ziehen bitte, liebe Mitleser)“

08. März 2016

WICHTIG! Dresscode Herren (nicht nur für morgen!) wurde just um Rasur/Bart erweitert: (Zitiere mich selbst)

Leserin C. T. räumt nach Verlinkung des Ratgebers ein: „Immer gerne. Nachher kommen die Hipster wieder unrasiert!“ (Link)
Gaga Nielsen merkt an: „Also dazu hätte ich auch eine Menge zu sagen. EINE MENGE!
Als da wäre: der Mann von Welt kommt
1. entweder vollständig rasiert, oder
2. mit gepflegtem 3 – 10-Tage-(KURZ!!!)-Bart.
3. Sonst nicht! (kein Fussel- oder Rübezahlbart!)
Beispielfoto: (ich sage nur P E R F E K T )


Mein Mann! Weiß gar nicht, warum ich das überhaupt toleriert habe, dass er mit Penelope rummacht!

08. März 2016

WICHTIG! Dresscode (vor allem für die Herren!) morgen:
Lesung: Isabel Bogdan „Der Pfau“
Wie lautet der Dresscode?
zitiere mich selbst:
„Wenn man den Leuten sagt, „jeder, wie er will“, kommen die Männer wieder in Schlumpfklamotten, als ob es sich um eine alltägliche Sache handeln würde. Frauen putzen sich natürlich von Natur aus mehr heraus, da habe ich geringere Sorge. Man lebt nur einmal und meine Fotos bleiben – mindestens für die nächsten fünf Jahrhunderte! Bitte alle sexy oder sophisticated anziehen. Am besten beides! Ich wünsche mir als Dresscode für die Herren, dunkler Anzug, Krawatte muss nicht, weißes, gebügeltes Hemd, die ersten zwei drei oberen Knöpfe geöffnet, dass man ein bißchen was erahnen kann. Sie wissen schon. Subtiler Sex Appeal. Keinesfalls ein T-Shirt oder Unterhemd unterm Oberhemd! No Go! Und keine Turnschuhe. Oxford, Chelsea Boots, Budapester, alles in Ordnung. Geputzt natürlich!“

ich fotografiere nämlich auch die Schuhe!

08. März 2016

Etwas unkonzentriert zur Zeit. Gerade fast den Föhn in die Waschmaschine gesteckt, Als ich die Klappe vom Bullauge in der Hand hatte, kam es mir doch komisch vor, vor allem wegen dem Kabel dran. Des Kabels dran. Rein visuell ein ungewohnter Eindruck. Ich habe es dann korrigiert. Aber schon lange kein Besteck mehr in den Mülleimer geworfen. Mal was essen. Und dann die Bilder von der Böse Buben Bar, vorgestern. Traumschön. Werden Sie sehen.

02. März 2016

NICO 70 20 (144)
Long time no see… vor siebeneinhalb Jahren. Zufällig entdeckt – Ari Paeffgen (Boulogne… Delon) ehrt in Berlin seine Mama Nico. So viel Ähnlichkeit. Mit beiden. Ich erinnere noch, dass Ari sehr gerührt war.

25. Februar 2016

Sehe ich gerade – 37 Grad – „Sugardaddy – suche Jugend, biete Geld„. Interessant. Eigentlich alle Folgen aus dieser Reihe. Die bewertungsfreie Dokumentation gefällt mir. Alles keine Arschlöcher. Menschen, Gefühle. Seltsam, ich war nie in dieser Situation, trotz Verbindungen zu bedeutend älteren Männern in früheren Lebensjahren. Eher umgekehrt, meistens war ich liquider als mein männliches Gegenüber, ohne dass der jeweilige Mann jünger gewesen wäre (bis auf wenige Ausnahmen). Ein weites Feld. Ich könnte Romane darüber schreiben (drängt aber nicht).

20. Februar 2016

16-02-14 Grüner Salon (1)

Soeben Bilder hochgeladen. Vom vierzehnten Februar. Irgendwann dann auch ein Eintrag. Mit Hingabe. Alles andere ist kalter Kaffee. Das ist der Grund, weshalb alles so lange dauert. Mitunter. Ja, es gibt Bilder, die ich früher online gestellt habe und immer noch nichts dazu geschrieben. Das bestimmt eine Kraft, die es braucht, um angemessen zu agieren. In allem. Ich teile nicht die Idee, dass zeitliche Nähe zum Geschehen eine Qualität an sich darstellt, es sei denn, wir reden vom Bewusstseinsstrom. Aber das ist ja nicht der Fall. Hier gibt es Bewusstseinsströme und das dazu passende Bildmaterial. Und wenn ich im Fluss bin, und alle Gedanken um jemanden oder eine Erinnerung kreisen, intensiv genug, dann wird es etwas zu erfahren geben. Was hinter den Bildern liegt. Und in meinem Kopf. Oder Herz. Oder Körper. Oder allem.

Komm, wir fahren Paternoster.

07. Februar 2016

Ich schaue normal keinen Tatort, außer alle zehn Jahre vielleicht einen der Klassiker wie Reifezeugnis mit Nasti Kinski, oder den einen mit der Elsner oder den anderen mit Curd Jürgens, die ich auf VHS-Kassetten habe, aber jetzt schaue ich mir einen an. Die gmx-Notiz dazu veführt mich. „Bizarrer Sex-Tod im Tatort. Wider den Casting-Wahnsinn: So war der „Tatort: Sternschnuppe“ aus Wien“ Sex-Tod, Casting-Wahnsinn und Wien. Das sind ja gleich drei Teaser, die mich locken. Hoffentlich ist er schon in der Mediathek, wofür hat man einen modernen Fernsehapparat. Wenn Sex und Gewalttätigkeit drin ist, kann man das nur nach 20 Uhr schauen, also muss ich es jetzt machen, die nächsten Tage vergesse ich es wieder oder bin anderweitig beschäftigt.

07. Februar 2016

Ich schaue normal keinen Tatort, außer alle zehn Jahre vielleicht einen der Klassiker wie Reifezeugnis mit Nasti Kinski, oder den einen mit der Elsner oder den anderen mit Curd Jürgens, die ich auf VHS-Kassetten habe, aber jetzt schaue ich mir einen an. Die gmx-Notiz dazu veführt mich. „Bizarrer Sex-Tod im Tatort. Wider den Casting-Wahnsinn: So war der „Tatort: Sternschnuppe“ aus Wien“ Sex-Tod, Casting-Wahnsinn und Wien. Das sind ja gleich drei Teaser, die mich locken. Hoffentlich ist er schon in der Mediathek, wofür hat man einen modernen Fernsehapparat. Wenn Sex und Gewalttätigkeit drin ist, kann man das nur nach 20 Uhr schauen, also muss ich es jetzt machen, die nächsten Tage vergesse ich es wieder oder bin anderweitig beschäftigt.

04. Februar 2016

Wie bin ich drauf. Das erste mal seit Jahren, dass mich eine gmx-Meldung in jeder Hinsicht anspricht. „Nach 41 Jahren für tot erklärt“. Lord Lucian oder so ähnlich, irgendein britischer Adeliger in Schlips und Anzug, sehr gelungenes s/w-Portrait. Irgendwie bizarr und sophisticated. Karl Lagerfeld hat mal – – – wie war das – irgendwas mit Normalität – – – „ich habe kein Interesse, keine Kapazitäten — er hat es besser formuliert – ach ja, hier. Schon mal gepostet. „Ich habe kein Verlangen nach Normalität“. Verlangen. Das war es. Ein schönes Wort. Verlangen. Verlangen. Verlangen. Ich könnte darin baden.

04. Februar 2016

Wie bin ich drauf. Das erste mal seit Jahren, dass mich eine gmx-Meldung in jeder Hinsicht anspricht. „Nach 41 Jahren für tot erklärt“. Lord Lucian oder so ähnlich, irgendein britischer Adeliger in Schlips und Anzug, sehr gelungenes s/w-Portrait. Irgendwie bizarr und sophisticated. Karl Lagerfeld hat mal – – – wie war das – irgendwas mit Normalität – – – „ich habe kein Interesse, keine Kapazitäten — er hat es besser formuliert – ach ja, hier. Schon mal gepostet. „Ich habe kein Verlangen nach Normalität“. Verlangen. Das war es. Ein schönes Wort. Verlangen. Verlangen. Verlangen. Ich könnte darin baden.

28. Januar 2016

Kein Foto. Wieder nichts. Ein Tag mit enormer Kraft. Keine Metapher. Sehr wenig getrunken gestern. Länger geschlafen als sonst. Macht viel aus. Wann lerne ich endlich Maß zu halten. Hatte gestern Abend schon sehr früh Lust, einfach ins Bett zu gehen, zu dösen, ein bißchen schlummern, dann Tiefschlafphasen. Wie ein Bär geschlafen. Völlig unverkatert aufgewacht. Das müsste man halten. Ich möchte den Zustand so gerne halten. Und doch die Korken knallen lassen. Ich sitze hier schon wieder bei einem Glas, das sich wie von Zauberhand füllt, sobald es geleert wurde. Die reinste Hexerei. Ich habe ausnahmsweise die sehr alten Kristallflöten meiner Oma Alma genommen. Wieso denn Mehrzahl. Ich habe zwei davon, aber nur eine, aus der ich trinke. Da passt nicht so viel hinein, man bekommt beim derart häufigen Nachfüllen schneller den Eindruck, dass es nun langsam vielleicht genug sein könnte. Ich predige bei abendlichen Zusammenkünften gerne die hohe Kunst des „Virtuosen Trinkens“, sollte aber auch danach leben. Das bedeutet, unbedingt (erstklassigen) Alkohol zu trinken, wenn einem danach ist, aber auch an alkoholfreie Flüssigkeit dazwischen zu denken und aufzuhören, wenn die Grenze erreicht ist. Ich fürchte, ich denke mehr an alkoholfreie Flüssigkeiten als sie auch zu trinken. Ich hole mir sofort ein Glas Wasser. Moment. Erledigt. Ganz schnell heruntergekippt, wie bittere Medizin. Dabei tut es so gut. Und jetzt wieder das andere Glas. Ich trinke auf Alma. Meine Oma Alma. Und auf Mek. Der hat heute Geburtstag. Ich habe auf seiner fb-timeline behauptet, ich würde ein Glas auf ihn trinken. „Nein. zwei.“ Das kann ich nicht einfach nur dahin tippen. Also virtuos trinken bedeutet, man trinkt so tänzerisch durchchoreographiert, bis man rechtschaffen müde und beschwingt in die Federn sinkt, aber nicht derart hochkonzentriert, und natürlich schon gar nicht durcheinander, dass man am nächsten Tag womöglich einen schweren Kopf hat oder den Kater nicht einmal mit 5 x 2 Aspirin im Zweistundenrhythmus in den Griff kriegt. Virtuos bedeutet, mit maximalem Genuss und irgendwie hemmungslos zu trinken, bis man erotisiert ins Schlafzimmer wankt taum tanzt. Und am nächsten Tag, ich meine natürlich Abend, kann man schon wieder trinken. Ohne Berührungsängste. Ohne Probleme. Denn wenn es anders wäre, hätte man ein ernsthaftes Alkoholproblem. Und das möchte man doch nicht. Gerne möchte ich morgen Abend weiter trinken. Im Moment hat auch dauernd jemand auf facebook Geburtstag, das nimmt gar kein Ende. Morgen Abend möchte ich wirklich gut drauf sein und auch so aussehen. Das hängt ja auch noch zusammen. Schlafen, ausreichend Trinken. Weiß man ja. Jetzt fällt mir wieder ein, wieso ich gestern keine Lust hatte, etwas zu trinken, oder kaum. Mir war nicht schlecht, ich war ganz gut beieinander. Ich hatte weder Lust weiter im Internet zu lesen, noch in einem Buch, sondern machte den Fernseher an. Da kam auf Vox eine Sendung über Auswanderer, Goodbye Deutschland, so eine Serie. Die meisten wandern nach Mallorca aus, wie es scheint. Und da war eine Frau die auf der Bauchbinde als Alter 43 hatte. Ich bin erschrocken. Sehr braun gebrannt. Die Sonne oder vielleicht auch das Solarium oder beides hat Spuren hinterlassen. In der Dokumentation hat sie zwei verschiedene Männer getroffen, ungefähr zehn Jahre jünger. Eine Fitnesstrainerin. Seit fünf Jahren auf der Suche nach einem Gefährten, Liebhaber oder so ähnlich. Womit sie natürlich nicht unrecht hat, ist die Aussage, dass man Sex an jeder Ecke haben kann, aber Sex mit jemandem, den man liebt, das sei die Hohe Kunst. Große Neuigkeiten. Ja, ja. Schon mal gehört. Stimmt natürlich, wenn man mit sich umzugehen weiß. Wobei Herzensneigung und sexuelle Attraktion nicht unbedingt etwas mteinander zu tun haben. Wenn es zusammenkommt, handelt es sich in der Tat um einen Sechser im Lotto. Bevor ich jetzt noch weitere abgedroschene Binsen hier präsentiere, trinke ich lieber noch eine Kleinigkeit. Nur einen winzigen Schluck. Geht ja fast nichts hinein, in diese filigranen Kristallgläser. Das kann keine Sünde sein. Wie die Liebe. Usw. usf. Dass sie mir gerne Zarah-Leander-Lieder vorgesungen hat, hab ich schon mal erzählt, oder? Bestimmt. Gute Nacht, Alma. Gute Nacht, Leser. Gute Nacht.

02. Februar 2016

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265


Bei diesem Beitrag war ich immerhin schon am weitesten. Einige Aufnahmen aus der umfangreichen Strecke ausgewählt. Den Embed-Code für die jeweiligen Bilder eingefügt, die Bildgröße für den Blogeintrag angepasst. Breite 386 Pixel. Seither ruhte der Eintrag unter den Entwürfen. Neben einigen anderen, die nicht ganz so weit fortgeschritten waren, sind. Seit Wochen, bald Monaten, will sich der drängende Impuls nicht einstellen, die Bilder hier zu posten und etwas dazu zu schreiben. Obgleich ich mit großem Elan bei diesem Konzert war. Und noch dazu ein gewissermaßen Aha-Erlebnis hatte. Normalerweise erwarte ich nicht, dass der Hauptprotagonist eines Abends, eines Konzertes, zumal wenn es sich um mehr als Lokalprominenz handelt, ausgesucht auf meine Anwesenheit reagiert. Wie ich auf seine. Es ist ja nun ausgesucht, wenn ich irgendwo hingehe und die Kamera dabeihabe, bewusst den Akku geladen habe, damit ich Aufnahmen machen kann. Das ist ja alles nicht ausgewürfelt oder Zufall. Viel mehr war es eine zufällige Angelegenheit, dass ich in den Tagen vor dem Konzert auf der Website vom A-Trane war, diesem besonders schönen, viele sagen ‚legendären‚ Jazz-Club in Charlottenburg, in dem ich zwar in den letzten dreißig Jahren schon einige Male war, dessen Programm ich aber nicht dauernd verfolge. Ich bin auch insgesamt sehr wählerisch, wann und warum und ob ich überhaupt irgendwohin gehe. Ich kriege es nicht mehr zusammen, wieso ich im November auf der Seite war. Aber mir stach sofort das Foto von Dominic Miller ins Auge, ich hatte einen elektrischen Impuls. Erst eine ganze Weile später wurde mir bewusst, dass es sich um diesen Gitarristen handelt, dem die prägnanten Gitarrenakkorde in den Stücken von Sting zu verdanken sind. Dessen Gesamtwerk ich im übrigen in keinster Weise studiert habe, ich besitze kein einziges seiner Soloalben (und von Police auch nur die für mich nostalgisch-sentimental besetzte Outlandos d’Amour-Scheibe mit dem geliebten Roxanne). Vieles ist mir zu beliebig, nicht zwingend genug. Für meine Begriffe ist Stings „I’m an Englishman in New York“ eines der grauenhaftesten Lieder der Musikgeschichte, ein langweilig dahinplätscherndes Gedudel sondergleichen, eine x-beliebige Melodie ohne Dramaturgie und Spannung. Damit kann man mich foltern. Doch hin und wieder nehme ich durch einen Zufall irgendetwas von ihm mehr als gelangweilt oder wohlwollend zur Kenntnis. Nebenbei finde ich ihn äußerst sympathisch und durchaus viril. Im Zuge dessen hatte ich vor einiger Zeit sehr angetan dieses Video entdeckt und verlinkt, in dem auch Dominic Miller zu sehen ist. Und zwar mehr, als nur ein aus Gründen des professionellen Respekts geduldeter Begleitmusiker am äußersten Bildrand, neben dem vom Scheinwerfer geküssten Superstar. Ich mochte und mag die Intimität in diesem Video, die private Atmosphäre des Settings, die Augenhöhe. Und ich mag die beiden in diesem Video als Menschen und nichtzuletzt auch sehr als Männer. Sehr attraktiv und sinnlich, sensitiv, beide. Dominic Miller begleitet Sting seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten kontinuierlich auf den Bühnen der Welt und bei der Entstehung seiner Songs. So ist eine Freundschaft entstanden. Beinah jeder kennt Fragile. Dieses Kleinod von 1987 ist auch Dominic Millers Werk, seine überaus behutsame Gitarre. Als ich mich am zehnten November letzten Jahres in die Schlange vor dem Eingang einreihte, hatte ich aber eher dieses Schlaflied von Dominic Miller im Kopf, eine Verneigung vor den Kompositionen für Gitarre von Johann Sebastian Bach. Miller hat eine klassische Ausbildung genossen, und danach mit äußerster Virtuosität sein Repertoire ins Grenzenlose erweitert. Ich muss zugeben, ich hatte nicht damit gerechnet, dass er eine solche Menge von Konzertbesuchern anlocken würde, aber was weiß ich denn. Ich fand zunächst in Türnähe einen Stehplatz. Sämtliche Sitzplätze waren reserviert und belegt. Ein Trio von Männern im mittleren Alter (aber vermutlich etwas jünger als ich) bot mir einen vierten Platz an einem Tisch mit einem Barhocker an, ich nahm ihn dankend an. Auch deswegen dankbar, weil ich die Kamera auf der hölzernen Balustrade absetzen konnte und damit die Kamera stabilisieren. Ich ließ mir ein Jever bringen, in einem passenden Glas. Als die Musiker die Bühne betraten, war die Begeisterung im Publikum geradezu furios. Alles, was wir nun hörten, wurde dem gerecht. Ich war hin und weg von der Brillianz des Klanges, der Tontechnik des A-Trane. Aber auch jeder Ton jedes Stückes war vollendet, ich kannte die wenigsten. Es war unerwartet hypnotisch. Crossover, der nicht wie ein Gemischtwarenladen aus prätentiöser Tonakrobatik aus aller Herren Länder daherkam, sondern ein gleichermaßen filigran wie ekstatisch gestuftes Tongewebe. Absolut virtuos. Es gab keinen Stargitarristen, der sich begleiten lässt, es spielte keine Rolle, wer welchen Ton an welchem Instrument herstellte, alleine der Gottesdienst am zauberhaften Klang zählte. Dann gab es eine Pause. Ich wechselte den Platz, bewegte mich in den hinteren Bereich, wo es auch nicht weit zu den Toiletten ist. Und zur Künstlergarderobe, wie ich bald lernte.

Wegen der Pause war es nicht mehr so dicht gedrängt auf der Couch links von der Bühne, ich setzte mich auf die gepolsterte Armlehne und wollte sofort aufstehen, als ein Mann zurück kam, der dort seinen Platz neben ein paar Freundinnen hatte. Alle sehr nett, lächelten mich warm an, er aber nicht doch, wenn ich mich ausruhen möchte, gerne… Ich hatte die Tür zu den Toiletten im Blick, sie ging dauernd auf und zu, ich hatte den Eindruck, dass da noch etwas anderes vor sich ging. Ich hatte schon das dritte Jever und musste sowieso mal. Rechts, gegenüber vom Damenklo stand die Tür auf. Vier blendend gelaunte Männer standen herum und schienen sich launige Geschichten zu erzälen, es wurde geschäkert und gelacht. Die Musiker. Rechts von mir im Türrahmen Dominic Miller. THIS is interesting! entfuhr es mir. Vier Männerköpfe drehten sich zu mir und schauten amüsiert und man könnte sagen, interessiert. Ich öffnete kurz die Tür zum Damenklo und schloss sie wieder, denn wie üblich war alles belegt, man stand bereits an, es war recht eng. Da konnte ich auch vor der Tür warten. Ich spielte zum Zeitvertreib mit der Kamera rum und natürlich auch, um vielleicht ganz zufällig irgendein Bild zu machen, Richtung Garderobe versteht sich. Diese Männer sahen nicht aus, als ob sie mir etwas verübeln könnten. Mike Lindup, der Sänger und Keyboarder kam aus der Garderobe und gab sich Kamera-interessiert, ob das die Soundso-Lumix wäre. Er nannte irgendeine Modellnummer, ich war in dem Moment wirklich überfragt, ich merke mir das auch nicht, nach einer Weile der Dauerbenutzung, gehen mir die Bezeichnungen verloren, es ist mir einfach egal. Aber er sah auch nicht aus, als ob er sich wirklich über meine Kamera unterhalten wollte. Ich musste lachen, das war so ungelenk aber doch charmant und ich drohte ihm, ihn zu paparazzen, er ging brav zurück in die Garderobe, ich schaute wieder auf dem Damenklo, ob sich mittlerweile etwas getan hätte, kam wieder zurück, Schulter zuckend. Dominic Miller fixierte mich und wurde aktiv. Er kam aus der Garderobe, noch ein bißchen näher, als zuvor sein Freund, aber nicht zu nah, und sah mich sehr ernst an. Ich war äußerst gespannt, was nun kommen würde. Er wirkte ein bißchen schüchtern aber dennoch forsch. Er meinte, ich sollte es mal mit der Herrentoilette versuchen. „It’s the best thing, you can do. BELIEVE ME.“ Er musste mich gar nicht lange überreden, ich praktiziere das ohnehin häufiger, wenn mir die Schlange im Damenklo zu lang ist, und das ist sie oft. Mein Gott, wie er mich dabei ansah. Ich war hin und weg. So ernst. Man hätte denken können, gleich hält er um meine Hand an. Aber ich war auch leicht betrunken. Ich ging also aufs Herrenklo, da war gerade der Bassist mit seinem Geschäft fertig und wusch sich die Hände, irritiert lächelnd fragt er mich, ob er die Toiletten verwechselt hat. Nein, nein, no, no, don’t worry, everthing’s fine. Ich musste – wie erwartet – überhaupt nicht warten und war auch gleich fertig. Als ich die Tür öffne, schauen mich Mike Lindup und Dominic Miller erwartungsvoll an, Miller kommt wieder aus der Garderobe und erkundigt sich, ob es in Ordnung war, alles okay? Perfect. I told you. Er schaut mir noch ein bißchen in die Augen und ich will den Betrieb nicht aufhalten, das Konzert muss ja weiter gehen, die Meute wartet schon. Ich suchte mir einen strategisch guten Platz, nah an der Bühne, aber sehr seitlich. Ich fotografierte und tänzelte diskret herum. Ich beobachtete, dass Dominic Miller registriert hatte, wo ich mit der Kamera war. Ich stand hinter Mike Lindup und seinem Keyboard. Hier war der Klang noch hervorragender. Miller erzählte zwischen den Stücken launige Geschichten und erwähnte – in keinster Weise beiläufig – , dass er fünf oder sechs Kinder hat. Jedenfalls sehr viele, und wehrte mit gespielter Bescheidenheit den Applaus ab. Allerhand. Für die will gesorgt werden. Sicher gibt es auch eine Mutter. Oder mehrere. Jedenfalls scheint es sich um einen sinnenfreudigen Mann zu handeln. Er erinnerte mich auch ein bißchen an meinen allerersten Liebhaber. Was mir so alles durch den Kopf ging, während ich fotografierte und mich die Musik in sonstwelche Sphären beamte. Für solche Subtexte ist immer Raum. Mir ging durch den Kopf in welchen Garderoben ich in den letzten Jahren war, wie familiär sich dieser Backstage-Bereich anfühlt, wie sich sofort ein Gefühl von Vertrauen einstellt. Nicht im Publikum, und wenn, dann immer dann, wenn ich einen Musiker rieche. Ich glaube, ich sehe, ob einer Gitarren in seiner Wohnung hat. Und vielleicht spüren die Jungs das. In dem Moment dachte ich, ich sollte wieder viel öfter zu Konzerten gehen, Live-Musik hören. Während die Gedanken schwingten, fiel mir plötzlich meine Sonnenbrille ein, meine Kälteschutzbrille, die ich vor allem im Winter trage, noch mehr als im Sommer. Hatte ich sie nicht vorhin noch, als ich auf der Sofalehne saß? Nun stand ich drei Meter weiter, an der Bühne und sie war nicht mehr bei mir. Mein Blick scannte die Ecke mit dem Sofa und ich sah sie auf dem Tisch. Die Damen und der Herr von vorhin sahen meinen suchenden Blick und deuteten darauf. Ich freute mich, und angelte peitschenschnell mit dem langen Arm quer nach unten zum Tisch, um die schwarze Brille aufzuklauben. Möglich, dass es irgendwie lustig aussah, zumindest war es wohl ein unerwarteter Bewegungsablauf innerhalb des andächtigen Publikums. Als ich die Brille greife, sehe ich Dominic Miller um Konzentration ringen, er sieht aus, als ob er sich das Lachen verkneifen muss und wirkt überhaupt insgesamt äußerst amüsiert. Ich bin ein bißchen verliebt. Ab da war ich wieder artig. Niemand wurde in seinem Bewegungsspielraum beeinträchtigt. Ich bildete mir ein, dass mich das Publikum taxiert und sich irgendwelche Gedanken macht. Aber sicher nicht mehr als ich. Nach einigen Zugaben und schier nicht enden wollendem Beifall gingen die Herren von der Bühne, Miller musste an mir vorbei, hielt kurz inne und schaute mich wieder auf eine Art an, dass mir leicht anders wurde. Ich sagte leise „it was – – really – great“. Und er hypnotisiert mich noch ein letztes mal und flüstert zugeneigt „…yes…..??“.






Die Reihen leerten sich langsam, aber es war noch immer sehr voll. Ich wusste, dass die Jungs nun erst einmal tief Luft holen würden und ein Bier in der Garderobe trinken, sich den Schweiß von der Stirn wischen. Und dann vielleicht einige Zeit später an die Bar kämen. Ich war ein bißchen durcheinander. Und wenn ich dann noch da wäre. Und dann. Herrje. Ich wollte gar nicht weiterdenken. Ich ging zum Ausgang in die Nacht. So kurz kam mir die S-Bahnfahrt vom Savignyplatz zum Hackeschen Markt noch nie vor. Dominic Miller hat ein paar Tage später ein Foto von dem Abend aus dieser Reihe getwittert, da waren sie schon längst in weiter Ferne, irgendwo in Belgien oder in Amsterdam oder… oder



02. Februar 2016

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Bei diesem Beitrag war ich immerhin schon am weitesten. Einige Aufnahmen aus der umfangreichen Strecke ausgewählt. Den Embed-Code für die jeweiligen Bilder eingefügt, die Bildgröße für den Blogeintrag angepasst. Breite 386 Pixel. Seither ruhte der Eintrag unter den Entwürfen. Neben einigen anderen, die nicht ganz so weit fortgeschritten waren, sind. Seit Wochen, bald Monaten, will sich der drängende Impuls nicht einstellen, die Bilder hier zu posten und etwas dazu zu schreiben. Obgleich ich mit großem Elan bei diesem Konzert war. Und noch dazu ein gewissermaßen Aha-Erlebnis hatte. Normalerweise erwarte ich nicht, dass der Hauptprotagonist eines Abends, eines Konzertes, zumal wenn es sich um mehr als Lokalprominenz handelt, ausgesucht auf meine Anwesenheit reagiert. Wie ich auf seine. Es ist ja nun ausgesucht, wenn ich irgendwo hingehe und die Kamera dabeihabe, bewusst den Akku geladen habe, damit ich Aufnahmen machen kann. Das ist ja alles nicht ausgewürfelt oder Zufall. Viel mehr war es eine zufällige Angelegenheit, dass ich in den Tagen vor dem Konzert auf der Website vom A-Trane war, diesem besonders schönen, viele sagen ‚legendären‚ Jazz-Club in Charlottenburg, in dem ich zwar in den letzten dreißig Jahren schon einige Male war, dessen Programm ich aber nicht dauernd verfolge. Ich bin auch insgesamt sehr wählerisch, wann und warum und ob ich überhaupt irgendwohin gehe. Ich kriege es nicht mehr zusammen, wieso ich im November auf der Seite war. Aber mir stach sofort das Foto von Dominic Miller ins Auge, ich hatte einen elektrischen Impuls. Erst eine ganze Weile später wurde mir bewusst, dass es sich um diesen Gitarristen handelt, dem die prägnanten Gitarrenakkorde in den Stücken von Sting zu verdanken sind. Dessen Gesamtwerk ich im übrigen in keinster Weise studiert habe, ich besitze kein einziges seiner Soloalben (und von Police auch nur die für mich nostalgisch-sentimental besetzte Outlandos d’Amour-Scheibe mit dem geliebten Roxanne). Vieles ist mir zu beliebig, nicht zwingend genug. Für meine Begriffe ist Stings „I’m an Englishman in New York“ eines der grauenhaftesten Lieder der Musikgeschichte, ein langweilig dahinplätscherndes Gedudel sondergleichen, eine x-beliebige Melodie ohne Dramaturgie und Spannung. Damit kann man mich foltern. Doch hin und wieder nehme ich durch einen Zufall irgendetwas von ihm mehr als gelangweilt oder wohlwollend zur Kenntnis. Nebenbei finde ich ihn äußerst sympathisch und durchaus viril. Im Zuge dessen hatte ich vor einiger Zeit sehr angetan dieses Video entdeckt und verlinkt, in dem auch Dominic Miller zu sehen ist. Und zwar mehr, als nur ein aus Gründen des professionellen Respekts geduldeter Begleitmusiker am äußersten Bildrand, neben dem vom Scheinwerfer geküssten Superstar. Ich mochte und mag die Intimität in diesem Video, die private Atmosphäre des Settings, die Augenhöhe. Und ich mag die beiden in diesem Video als Menschen und nichtzuletzt auch sehr als Männer. Sehr attraktiv und sinnlich, sensitiv, beide. Dominic Miller begleitet Sting seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten kontinuierlich auf den Bühnen der Welt und bei der Entstehung seiner Songs. So ist eine Freundschaft entstanden. Beinah jeder kennt Fragile. Dieses Kleinod von 1987 ist auch Dominic Millers Werk, seine überaus behutsame Gitarre. Als ich mich am zehnten November letzten Jahres in die Schlange vor dem Eingang einreihte, hatte ich aber eher dieses Schlaflied von Dominic Miller im Kopf, eine Verneigung vor den Kompositionen für Gitarre von Johann Sebastian Bach. Miller hat eine klassische Ausbildung genossen, und danach mit äußerster Virtuosität sein Repertoire ins Grenzenlose erweitert. Ich muss zugeben, ich hatte nicht damit gerechnet, dass er eine solche Menge von Konzertbesuchern anlocken würde, aber was weiß ich denn. Ich fand zunächst in Türnähe einen Stehplatz. Sämtliche Sitzplätze waren reserviert und belegt. Ein Trio von Männern im mittleren Alter (aber vermutlich etwas jünger als ich) bot mir einen vierten Platz an einem Tisch mit einem Barhocker an, ich nahm ihn dankend an. Auch deswegen dankbar, weil ich die Kamera auf der hölzernen Balustrade absetzen konnte und damit die Kamera stabilisieren. Ich ließ mir ein Jever bringen, in einem passenden Glas. Als die Musiker die Bühne betraten, war die Begeisterung im Publikum geradezu furios. Alles, was wir nun hörten, wurde dem gerecht. Ich war hin und weg von der Brillianz des Klanges, der Tontechnik des A-Trane. Aber auch jeder Ton jedes Stückes war vollendet, ich kannte die wenigsten. Es war unerwartet hypnotisch. Crossover, der nicht wie ein Gemischtwarenladen aus prätentiöser Tonakrobatik aus aller Herren Länder daherkam, sondern ein gleichermaßen filigran wie ekstatisch gestuftes Tongewebe. Absolut virtuos. Es gab keinen Stargitarristen, der sich begleiten lässt, es spielte keine Rolle, wer welchen Ton an welchem Instrument herstellte, alleine der Gottesdienst am zauberhaften Klang zählte. Dann gab es eine Pause. Ich wechselte den Platz, bewegte mich in den hinteren Bereich, wo es auch nicht weit zu den Toiletten ist. Und zur Künstlergarderobe, wie ich bald lernte.

Wegen der Pause war es nicht mehr so dicht gedrängt auf der Couch links von der Bühne, ich setzte mich auf die gepolsterte Armlehne und wollte sofort aufstehen, als ein Mann zurück kam, der dort seinen Platz neben ein paar Freundinnen hatte. Alle sehr nett, lächelten mich warm an, er aber nicht doch, wenn ich mich ausruhen möchte, gerne… Ich hatte die Tür zu den Toiletten im Blick, sie ging dauernd auf und zu, ich hatte den Eindruck, dass da noch etwas anderes vor sich ging. Ich hatte schon das dritte Jever und musste sowieso mal. Rechts, gegenüber vom Damenklo stand die Tür auf. Vier blendend gelaunte Männer standen herum und schienen sich launige Geschichten zu erzälen, es wurde geschäkert und gelacht. Die Musiker. Rechts von mir im Türrahmen Dominic Miller. THIS is interesting! entfuhr es mir. Vier Männerköpfe drehten sich zu mir und schauten amüsiert und man könnte sagen, interessiert. Ich öffnete kurz die Tür zum Damenklo und schloss sie wieder, denn wie üblich war alles belegt, man stand bereits an, es war recht eng. Da konnte ich auch vor der Tür warten. Ich spielte zum Zeitvertreib mit der Kamera rum und natürlich auch, um vielleicht ganz zufällig irgendein Bild zu machen, Richtung Garderobe versteht sich. Diese Männer sahen nicht aus, als ob sie mir etwas verübeln könnten. Mike Lindup, der Sänger und Keyboarder kam aus der Garderobe und gab sich Kamera-interessiert, ob das die Soundso-Lumix wäre. Er nannte irgendeine Modellnummer, ich war in dem Moment wirklich überfragt, ich merke mir das auch nicht, nach einer Weile der Dauerbenutzung, gehen mir die Bezeichnungen verloren, es ist mir einfach egal. Aber er sah auch nicht aus, als ob er sich wirklich über meine Kamera unterhalten wollte. Ich musste lachen, das war so ungelenk aber doch charmant und ich drohte ihm, ihn zu paparazzen, er ging brav zurück in die Garderobe, ich schaute wieder auf dem Damenklo, ob sich mittlerweile etwas getan hätte, kam wieder zurück, Schulter zuckend. Dominic Miller fixierte mich und wurde aktiv. Er kam aus der Garderobe, noch ein bißchen näher, als zuvor sein Freund, aber nicht zu nah, und sah mich sehr ernst an. Ich war äußerst gespannt, was nun kommen würde. Er wirkte ein bißchen schüchtern aber dennoch forsch. Er meinte, ich sollte es mal mit der Herrentoilette versuchen. „It’s the best thing, you can do. BELIEVE ME.“ Er musste mich gar nicht lange überreden, ich praktiziere das ohnehin häufiger, wenn mir die Schlange im Damenklo zu lang ist, und das ist sie oft. Mein Gott, wie er mich dabei ansah. Ich war hin und weg. So ernst. Man hätte denken können, gleich hält er um meine Hand an. Aber ich war auch leicht betrunken. Ich ging also aufs Herrenklo, da war gerade der Bassist mit seinem Geschäft fertig und wusch sich die Hände, irritiert lächelnd fragt er mich, ob er die Toiletten verwechselt hat. Nein, nein, no, no, don’t worry, everthing’s fine. Ich musste – wie erwartet – überhaupt nicht warten und war auch gleich fertig. Als ich die Tür öffne, schauen mich Mike Lindup und Dominic Miller erwartungsvoll an, Miller kommt wieder aus der Garderobe und erkundigt sich, ob es in Ordnung war, alles okay? Perfect. I told you. Er schaut mir noch ein bißchen in die Augen und ich will den Betrieb nicht aufhalten, das Konzert muss ja weiter gehen, die Meute wartet schon. Ich suchte mir einen strategisch guten Platz, nah an der Bühne, aber sehr seitlich. Ich fotografierte und tänzelte diskret herum. Ich beobachtete, dass Dominic Miller registriert hatte, wo ich mit der Kamera war. Ich stand hinter Mike Lindup und seinem Keyboard. Hier war der Klang noch hervorragender. Miller erzählte zwischen den Stücken launige Geschichten und erwähnte – in keinster Weise beiläufig – , dass er fünf oder sechs Kinder hat. Jedenfalls sehr viele, und wehrte mit gespielter Bescheidenheit den Applaus ab. Allerhand. Für die will gesorgt werden. Sicher gibt es auch eine Mutter. Oder mehrere. Jedenfalls scheint es sich um einen sinnenfreudigen Mann zu handeln. Er erinnerte mich auch ein bißchen an meinen allerersten Liebhaber. Was mir so alles durch den Kopf ging, während ich fotografierte und mich die Musik in sonstwelche Sphären beamte. Für solche Subtexte ist immer Raum. Mir ging durch den Kopf in welchen Garderoben ich in den letzten Jahren war, wie familiär sich dieser Backstage-Bereich anfühlt, wie sich sofort ein Gefühl von Vertrauen einstellt. Nicht im Publikum, und wenn, dann immer dann, wenn ich einen Musiker rieche. Ich glaube, ich sehe, ob einer Gitarren in seiner Wohnung hat. Und vielleicht spüren die Jungs das. In dem Moment dachte ich, ich sollte wieder viel öfter zu Konzerten gehen, Live-Musik hören. Während die Gedanken schwingten, fiel mir plötzlich meine Sonnenbrille ein, meine Kälteschutzbrille, die ich vor allem im Winter trage, noch mehr als im Sommer. Hatte ich sie nicht vorhin noch, als ich auf der Sofalehne saß? Nun stand ich drei Meter weiter, an der Bühne und sie war nicht mehr bei mir. Mein Blick scannte die Ecke mit dem Sofa und ich sah sie auf dem Tisch. Die Damen und der Herr von vorhin sahen meinen suchenden Blick und deuteten darauf. Ich freute mich, und angelte peitschenschnell mit dem langen Arm quer nach unten zum Tisch, um die schwarze Brille aufzuklauben. Möglich, dass es irgendwie lustig aussah, zumindest war es wohl ein unerwarteter Bewegungsablauf innerhalb des andächtigen Publikums. Als ich die Brille greife, sehe ich Dominic Miller um Konzentration ringen, er sieht aus, als ob er sich das Lachen verkneifen muss und wirkt überhaupt insgesamt äußerst amüsiert. Ich bin ein bißchen verliebt. Ab da war ich wieder artig. Niemand wurde in seinem Bewegungsspielraum beeinträchtigt. Ich bildete mir ein, dass mich das Publikum taxiert und sich irgendwelche Gedanken macht. Aber sicher nicht mehr als ich. Nach einigen Zugaben und schier nicht enden wollendem Beifall gingen die Herren von der Bühne, Miller musste an mir vorbei, hielt kurz inne und schaute mich wieder auf eine Art an, dass mir leicht anders wurde. Ich sagte leise „it was – – really – great“. Und er hypnotisiert mich noch ein letztes mal und flüstert zugeneigt „…yes…..??“.






Die Reihen leerten sich langsam, aber es war noch immer sehr voll. Ich wusste, dass die Jungs nun erst einmal tief Luft holen würden und ein Bier in der Garderobe trinken, sich den Schweiß von der Stirn wischen. Und dann vielleicht einige Zeit später an die Bar kämen. Ich war ein bißchen durcheinander. Und wenn ich dann noch da wäre. Und dann. Herrje. Ich wollte gar nicht weiterdenken. Ich ging zum Ausgang in die Nacht. So kurz kam mir die S-Bahnfahrt vom Savignyplatz zum Hackeschen Markt noch nie vor. Dominic Miller hat ein paar Tage später ein Foto von dem Abend aus dieser Reihe getwittert, da waren sie schon längst in weiter Ferne, irgendwo in Belgien oder in Amsterdam oder… oder



28. Januar 2016

Kein Foto. Wieder nichts. Ein Tag mit enormer Kraft. Keine Metapher. Sehr wenig getrunken gestern. Länger geschlafen als sonst. Macht viel aus. Wann lerne ich endlich Maß zu halten. Hatte gestern Abend schon sehr früh Lust, einfach ins Bett zu gehen, zu dösen, ein bißchen schlummern, dann Tiefschlafphasen. Wie ein Bär geschlafen. Völlig unverkatert aufgewacht. Das müsste man halten. Ich möchte den Zustand so gerne halten. Und doch die Korken knallen lassen. Ich sitze hier schon wieder bei einem Glas, das sich wie von Zauberhand füllt, sobald es geleert wurde. Die reinste Hexerei. Ich habe ausnahmsweise die sehr alten Kristallflöten meiner Oma Alma genommen. Wieso denn Mehrzahl. Ich habe zwei davon, aber nur eine, aus der ich trinke. Da passt nicht so viel hinein, man bekommt beim derart häufigen Nachfüllen schneller den Eindruck, dass es nun langsam vielleicht genug sein könnte. Ich predige bei abendlichen Zusammenkünften gerne die hohe Kunst des „Virtuosen Trinkens“, sollte aber auch danach leben. Das bedeutet, unbedingt (erstklassigen) Alkohol zu trinken, wenn einem danach ist, aber auch an alkoholfreie Flüssigkeit dazwischen zu denken und aufzuhören, wenn die Grenze erreicht ist. Ich fürchte, ich denke mehr an alkoholfreie Flüssigkeiten als sie auch zu trinken. Ich hole mir sofort ein Glas Wasser. Moment. Erledigt. Ganz schnell heruntergekippt, wie bittere Medizin. Dabei tut es so gut. Und jetzt wieder das andere Glas. Ich trinke auf Alma. Meine Oma Alma. Und auf Mek. Der hat heute Geburtstag. Ich habe auf seiner fb-timeline behauptet, ich würde ein Glas auf ihn trinken. „Nein. zwei.“ Das kann ich nicht einfach nur dahin tippen. Also virtuos trinken bedeutet, man trinkt so tänzerisch durchchoreographiert, bis man rechtschaffen müde und beschwingt in die Federn sinkt, aber nicht derart hochkonzentriert, und natürlich schon gar nicht durcheinander, dass man am nächsten Tag womöglich einen schweren Kopf hat oder den Kater nicht einmal mit 5 x 2 Aspirin im Zweistundenrhythmus in den Griff kriegt. Virtuos bedeutet, mit maximalem Genuss und irgendwie hemmungslos zu trinken, bis man erotisiert ins Schlafzimmer wankt taum tanzt. Und am nächsten Tag, ich meine natürlich Abend, kann man schon wieder trinken. Ohne Berührungsängste. Ohne Probleme. Denn wenn es anders wäre, hätte man ein ernsthaftes Alkoholproblem. Und das möchte man doch nicht. Gerne möchte ich morgen Abend weiter trinken. Im Moment hat auch dauernd jemand auf facebook Geburtstag, das nimmt gar kein Ende. Morgen Abend möchte ich wirklich gut drauf sein und auch so aussehen. Das hängt ja auch noch zusammen. Schlafen, ausreichend Trinken. Weiß man ja. Jetzt fällt mir wieder ein, wieso ich gestern keine Lust hatte, etwas zu trinken, oder kaum. Mir war nicht schlecht, ich war ganz gut beieinander. Ich hatte weder Lust weiter im Internet zu lesen, noch in einem Buch, sondern machte den Fernseher an. Da kam auf Vox eine Sendung über Auswanderer, Goodbye Deutschland, so eine Serie. Die meisten wandern nach Mallorca aus, wie es scheint. Und da war eine Frau die auf der Bauchbinde als Alter 43 hatte. Ich bin erschrocken. Sehr braun gebrannt. Die Sonne oder vielleicht auch das Solarium oder beides hat Spuren hinterlassen. In der Dokumentation hat sie zwei verschiedene Männer getroffen, ungefähr zehn Jahre jünger. Eine Fitnesstrainerin. Seit fünf Jahren auf der Suche nach einem Gefährten, Liebhaber oder so ähnlich. Womit sie natürlich nicht unrecht hat, ist die Aussage, dass man Sex an jeder Ecke haben kann, aber Sex mit jemandem, den man liebt, das sei die Hohe Kunst. Große Neuigkeiten. Ja, ja. Schon mal gehört. Stimmt natürlich, wenn man mit sich umzugehen weiß. Wobei Herzensneigung und sexuelle Attraktion nicht unbedingt etwas mteinander zu tun haben. Wenn es zusammenkommt, handelt es sich in der Tat um einen Sechser im Lotto. Bevor ich jetzt noch weitere abgedroschene Binsen hier präsentiere, trinke ich lieber noch eine Kleinigkeit. Nur einen winzigen Schluck. Geht ja fast nichts hinein, in diese filigranen Kristallgläser. Das kann keine Sünde sein. Wie die Liebe. Usw. usf. Dass sie mir gerne Zarah-Leander-Lieder vorgesungen hat, hab ich schon mal erzählt, oder? Bestimmt. Gute Nacht, Alma. Gute Nacht, Leser. Gute Nacht.

23. Januar 2016

Seductive. Verführerisch, wunderbare Erotik. Zufällig entdeckt. Die ersten vier Takte Walk on by, aber dann ein ganz eigenes Werk mit lässigen Bacharachzitaten und einer großartigen männlichen Stimme. Ein Erfolg aus der Jahrtausendwende der London-based Band Cousteau. Vornehmlich – außer in Großbritannien – in Italien und den USA, lese ich. Zu verdanken der Verwendung in italienischen und amerikanischen Werbeclips. Heute zum ersten mal gehört. Aus irgendeinem Grund erinnerte ich mich heute nach dem Aufwachen an eine Begegnung auf einem Schiff. Vor fast sechsundzwanzig Jahren, 1990. Ich war auf dem Weg von Harwich nach Hoek van Holland, nach einer Woche, die mich neben London, vor allem durch Wales geführt hatte, auf den Spuren von Dylan Thomas. Zunächst nach Swansea und dann nach Carmarthen, wo er in Laugharne, in seinem entlegenen Boat House in einer Bucht, mit Blick auf die Gezeiten, an der Küste lebte. Ich fuhr damals mit dem Schiff, beginnend mit einer Zugfahrt von Berlin nach Rotterdam, Hoek van Holland und dann einem Wechsel zur Fähre Richtung England. Harwich heißt der Hafen, Grafschaft Essex. Von da mit dem Zug nach London, und nach einer Übernachtung in einer Absteige am Kings Cross von Paddington nach Wales. Und genauso zurück. Mit Eindrücken und zwei Büchern, die ich im Boat House kaufte, über die Liebesgeschichte von Dylan und seiner Frau und noch ein anderes. Und Audio-Kassetten mit Lesungen, Aufnahmen seiner beseelt vibrierenden Stimme. Do not go gentle into that good night. Ich war verliebt in seine exzessive Empfindsamkeit und so war es eine Art Pilgerfahrt. In der Westminster Abbey interessierte mich nur die Gedenkplatte mit seinem Namen. Ich fand sofort die Tafeln von Shakespeare und Elizabeth Barrett-Browning und ihrem Mann Robert Browning in der Poet’s Corner. Die steinern aufgebahrte Mary Queen of Scots nicht weit davon, aber Dylans Gedenktafel fand ich nicht. So fragte ich doch endlich nach längerem Suchen einen Wärter, ob er mir bei der Suche helfen könnte. „Excuse me – I’m looking for Dylan Thomas‘ memorial, it must be somewhere here in the Poet’s Corner, but I just can’t find it…!?“. Der uniformierte Wärter hört mir aufmerksam zu und beginnt zu schmunzeln, während er mir rät: „Just look at your feet.“ Ich stand mit den Füßen auf einer schwarzen Marmorplatte mit einer Gravur
DYLAN THOMAS
27 October 1914
9 November 1953
Time held me green and dying
Though I sang in my chains like the sea
Buried at Laugharne
.
Ich blickte ungläubig auf den Boden. Die Westminster Abbey wird mir immer in Erinnerung bleiben. Nach zwei, drei Tagen im beschaulichen Dörflein Laugharne fuhr ich mit dem Zug wieder zurück nach London, wo ich hauptsächlich spazieren ging und zur Kenntnis nahm, dass es viele gut gekleidete Männer in dunklen Anzügen mit weißem Hemd und Krawatte im Straßenbild gab, die sich sehr souverän darin bewegten. Ich war auch im VOGUE House in Mayfair, im Kellerarchiv, weil gerade ein großformatiger Bildband über The Sixties, a Decade in Vogue erschienen war, den man dort erwerben konnte. Ich erinnere mich noch an die unendlichen Archivregale mit mehreren Jahrzehnten alter Ausgaben der britischen Vogue. Den großen Bildband hatte ich auch im Gepäck auf meiner Rückreise. Ich hatte keine Kabine gemietet, sondern verbrachte die Überfahrt nach Hoek van Holland in einer der Lounges auf dem Zwischendeck. ich wechselte von Deck zu Deck, es gab mehrere Räume mit Ruhesesseln und einen sehr großen mit violetten Polstermöbeln, wo die meisten Reisenden die Überfahrt verbrachten. Man konnte sich etwas zu trinken holen und die Füße hochlegen. Ich hatte mir zuletzt in London im Bahnhof ein paar Socken mit dem eingewebten Union Jack auf der Fußsohle gekauft. Obwohl ich schon damals keine ‚lustigen‘ Socken trug, die gefielen mir. Ich hatte die Schuhe ausgezogen und diese Socken an und legte die Füße hoch, auf einen gegenüber geschobenen Sessel, es gab ja genug davon, und begann zu lesen. In dem Buch über Dylans Geschichte mit seiner Frau Caitlin. Nach einer Weile spürte ich – und sah auch – aus dem Augenwinkel, dass mich ein Mann fixierte, der etwa zehn, fünfzehn Meter von mir entfernt saß. Er schien auch allein zu reisen. Sein intensiver Blick war unausweichlich. Er wartete, bis ich ihn offen anblickte und stand langsam auf. Mit zurückhaltender Vorsicht, aber doch seltsam entschieden, deutete er mit seinem Blick auf meine Strümpfe und sagte ohne Koketterie „I like your socks“. Es klang wie eine Liebeserklärung. Ich erlaubte ihm, sich neben mich zu setzen. Er stellte seinen Seesack auf den Teppich und suchte meinen Blick, hielt ihn ohne Unterbrechung, während wir uns in kürzester Zeit erzählten, woher wir gerade kamen, und wieso, weshalb, warum und wohin uns der weitere Weg führte. Wir tranken etwas und rauchten auch. Ich weiß nicht mehr, ob es drinnen war, aber ich glaube schon. Damals gab es noch kein uneingeschränktes Rauchverbot in öffentlichen Räumen, oder es war ein Bereich, in dem es erlaubt war. Ich erinnere das Gefühl, dass er mir Feuer gab. Er erzählte, dass er eigentlich aus Wales kommt, aber in London als Studio-Gitarrist arbeitet. Und jetzt gerade auf dem Weg zu guten Freunden in Amsterdam sei. Wir sprachen sehr bald über Wesentliches. Es wurde unweigerlich metaphysisch. Tod, letzte Dinge. Damals interessierte mich immer das Geburtsdatum, wenn ich eine gewisse Energie spürte. Wir kamen auf Astrologie zu sprechen, ich erzählte ihm, dass ich wiederholt eine seltsame Affinität zu Skorpionen hätte. Er atmete hörbar und fixierte mich. Sein Geburtstag sei der 9. November. Er hieß Ray. Wir verbrachten die ganze Überfahrt miteinander. Neun Stunden blieben wir wach. Als das Schiff angelegt hatte, verabschiedeten wir uns draußen am Pier. Ich glaube, noch war es dunkel. Wir waren die ganze Nacht gefahren, langsam dämmerte es. Es war fast ein Kuss, den wir uns zum Abschied gaben. Unsere Wangen berührten sich, wir umarmten uns. Er flüsterte „You’re a heavy going woman.“ Mehrmals. Ich gab ihm meine Adresse. Ich war nicht verliebt, aber beflügelt. Ich erinnere nicht, ob ich seine Adresse hatte. Selbst wenn, wollte ich es bei dieser Begegnung belassen. Einige Jahre später erhielt ich einen Brief. Ich glaube, es war etwa fünf Jahre später. Darin lag eine Zeichnung mit seinem Portrait, eine Freundin hatte es gezeichnet, wie er schrieb, und dass er mich nicht vergessen konnte, in all den Jahren. Und dass er das kleine Blatt Papier mit der Adresse, das ich ihm gegeben hatte, verloren glaubte, und es plötzlich wieder auftauchte, als er aus einer Wohnung auszog. Der Zettel lag am Boden an der Wand hinter dem Bett. Er hatte nie dort nachgesehen. Ich habe auf diesen Brief nicht geantwortet. Es war lange her und immer noch eine aufregende Erinnerung. Aber ich war anderweitig absorbiert. Ich weiß nicht, wo ich den Briefumschlag mit diesem Brief habe. Solche Dinge werfe ich eigentlich nicht weg, aber ich will auch nicht alles auf den Kopf stellen und danach suchen. So wichtig ist es auch wieder nicht. Ich erinnerte mich nur heute daran, an diese intensive Zuwendung. Und dass er einen ganz kurzen Nachnamen hatte, an den ich mich absolut nicht erinnern kann. Ich suchte im Internet nach Seiten mit den häufigsten walisischen Familiennamen. Überflog alle, besonders die kurzen. Dann eine Seite mit britischen Familiennamen. Ich blieb bei „Moor“ hängen, obgleich ich auch da kein Déjà-vu hatte, nur weil er auch kurz war und irgendwie ähnlich. Ich gab im Internet ein „Ray Moor“ und „London“ und „Guitar“ und „Recordings“ und unter den ersten Suchergebnissen war Davey Ray Moor. Ich sah nach Bildern und Videos und fand dabei dieses von Cousteau. Davey Ray Moor war ein Sänger. Ein anderer Ray. Ich habe den Ray von dieser unvergesslichen nächtlichen Überfahrt von Harwich nach Hoek van Holland nicht gefunden, aber dieses Lied. Er sagte mir, wie alt er ist, sein Geburtsjahr, ich weiß es nicht mehr genau. Vielleicht 1957. Ist auch nicht wichtig. Wer weiß, ob er noch lebt. Damals war ich knapp fünfundzwanzig. Und auch ein Vierteljahrhundert ist es her.

There’s something there
Amongst the fallen fruit and flowers
Won’t rest
Only minutes, only hours
Unless
Now the morning breaks in showers
I’m left
With the North Wind breathing down my neck
On The Last Good Day of The Year
Don’t know where I end and where you begin