Später Sandwerder 5. (…)
02. September 2016
Ich verrate ein Geheimnis. Die analoge Qualität digitaler Bilder entsteht nicht bei der Nachbearbeitung, sondern bei der Aufnahme. Das gilt sowohl für Fotografien als auch für Filmaufnahmen. Wer bei der Aufnahme mit der falschen Einstellung arbeitet, kann es kaum mehr mit Filtern und so weiter herbeizaubern. ‚Einstellung‘ technisch gemeint, aber auch mental. Den Human Touch fängt man beim Auslösen ein. Die meisten digitalen Aufnahmen kranken an zu ausgezirkelten porentiefen Details. Messerschärfe ist bei Portraits nur in seltenen Fällen eine atmosphärische Aufwertung. Das gilt auch für den inflationären Gebrauch von Weichzeichnereffekten im Kontrast mit punktueller Tiefenschärfe. Das Ergebnis ist fast immer steriler Kitsch. Tausendmal gesehen, tausendmal nix gespürt. Bis auf die Absicht. Ein gutes Bild braucht eine kleine Schaufel Dreck.

02. September 2017
02. September 2016

Gruß von gestern aus Valentinswerder. Ich habe mich über alle Glückwünsche sehr gefreut. Einige davon waren so schön formuliert, dass ich sie am liebsten posten möchte, aber ich halte mich zurück. Das ist das Verführerische, wenn man mit Menschen befreundet ist, die sehr eloquent sind. Und noch dazu herzenswarm. Einen schönen zweiten Septembertag allen.
01. September 2016
Was einem so durch den Kopf geht. Als Bloggerin meine ich, Normalsterbliche ausgenommen. Zum Beispiel dachte ich bei diversen Sonnenbädern auf meinem Balkon in den letzten Tagen, wie wäre es, wenn ich zur Feier des Tages jeweils ein Bild (natürlich von mir, wem sonst – also eines, das mich abbildet – wen sonst) der letzten sagen wir – zehn – dokumentierten Jahrestage meiner Geburt in einem Eintrag hochladen würde. Best of natürlich. Jeder sollte sofort erkennen, dass ich mich unwahrscheinlcih gut gehalten habe. Das ist gut für’s Ego, auch wenn man sich das selber anschaut. Der Gedanke gefiel mir recht gut. Allein – ich war – und bin es noch – zu bequem, die Bilder herauszusuchen. Schade. Eitel genug für so einen Eintrag wäre ich. Aber stattdessen schreibe ich hier wieder einmal wortreich, warum etwas zu nichts geführt hat. Überhaupt mein Thema. Wie stellt man es an, dass etwas zu nichts führt. Darüber könnte ich Bücher schreiben. Aber nicht einmal dafür langt es. Nein, ich strebe keine Autorenexistenz an. Dann will irgendsoein Verlag, dass man nach dem ersten großen Wurf stetiglich nachliefert. Das ist meine Sache nicht. Ich kann nur unter meinen selbstgewählten anarchischen Bedingungen produktiv sein. Gerade lade ich übrigens im Hintergrund Bilder von vor genau – exakt! – einem Jahr hoch. Ja, ich bin mitunter von der schnellen Truppe, haha. Nein, Blödsinn. Tatsächlich habe ich in den letzten Monaten vieles bevorzugt behandelt, das chonologisch nachgeordnet ist. Aus Sympathie, freundschaftlicher Motivation. Man erahnt, dass sich der eine oder andere Protagonist über einen zeitnahen Upload freut. Und ich freue mich mit, wenn sich Menschen freuen, die meine Sympathie haben. Das ist eigentlich die einzige Voraussetzung. Aber natürlich nicht zu kaufen. Jedenfalls laden immer noch die Bilder vom ersten September 2015 hoch. Auch die werde ich in diesem nächtlichen Eintrag nicht einfügen. Viel zu aufwändig. Ich war wieder einmal am Teufelsberg vor genau einem Jahr. Keineswegs zum ersten oder zweiten Mal. Das ist in dreißig Jahren Berlin auch nicht weiter verwunderlich, denke ich. Aber tatsächlich wollte ich vor genau einem Jahr erstmalig die Gelegenheit nutzen, mir die Abhörstation auf dem Teufelsberg aus der Nähe anzuschauen. Und genau an dem Tag, dem ersten September 2015 um kurz vor 14 Uhr kam der Gerichtsvollzieher um die Kasse zu beschlagnahmen und den Leuten das Handwerk zu legen. Also nix mit Betreten des Geländes und auf den Turm steigen usw. Also umkreiste ich das Objekt und der Ausflug wurde stattdessen zu einer ausgiebigen (Irr)wanderung durch den allertiefsten Grunewald. Ich hatte keinen Plan mehr, wo ich bin. Ohne Mobilnetz, ohne Zugriff auf irgendsoeine Geotagging-App oder wie das heißt, ließ ich mich treiben und genoss es zugleich, mich ganz weit weg zu fühlen. Ich versuchte in der Ferne Zivilisationsgeräusche auszumachen, fernen Verkehr. Manchmal wähnte ich etwas zu hören, dann war ich wieder unsicher, was die Richtung anging. Ich folgte also meinem Gehör. Das war tatsächlich aufregend. Ein bißchen wie im Urwald. Ja, lachen Sie nur. Der Grunewald hat ungeahnte Tiefen und Weiten und Niederungen, in denen man kilometerweit kein vernünftiges Schild findet, wenn man sich nur anständig genug verirrt. Letztlich kam dann doch irgendwann der auditive Eindruck von echtem Verkehr und einer nicht allzufernen Straße, dem ich folgte. Ich kam dann irgendwo raus, wo ich auch noch nie war und bewunderte die nostalgischen Straßenleuchten. Schon war ich wieder in meinem Element. Es gab etwas noch nicht Gesehenes zu entdecken. Und irgendwann kommt immer die nächste Haltestelle. Ob Bus, ob Tram, ob S-Bahn. Oder sogar U-Bahn. Ich glaube, es war so ein Mix aus Busfahren und dann in die S-Bahn, wahrscheinlich Heerstraße. Weiß ich aber nicht mehr so genau. Egal. Die Bilder laden immer noch hoch – ah – es hakte gerade bei einer Datei, verstehe. Eigentlich wäre das jetzt doch ein passender Eintrag zur gesamten Bildstrecke vom ersten September 2015, wenn ich es so auf mich wirken lasse. Vielleicht füge ich die Bilder noch ein. Oder auch nicht. Oder wenigstens eines. Ich kann ja hier machen, was ich will. Freiheit des Bloggens. Ich liebe es. Für morgen habe ich auch einen vagen Ausflugsplan. Ich sage nur Valentinswerder. Aber das bleibt unter uns! Ach ja – das habe ich ja gar nicht erwähnt – vor einem Jahr war mein fünfzigster Geburtstag. Sie dürfen mir gerne nachträglich gratulieren! Ich liebe Geburtstagsgratulationen. Mir wird dann immer ganz feierlich und ich bin dann richtig gerührt. Ich weiß das zu schätzen. Und denken Sie sich nichts dabei, dass ich Sie nicht zur großen Geburtstagsparty nach Valentinswerder einlade. Die gibt es nämlich nicht. Also kein Grund, sich irgendwie ausgeschlossen zu fühlen. Ah – die Bilder sind endlich hochgeladen. Wurde ja auch langsam Zeit.

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Sehe gerade, am dritten September ist Sommerfest in Valentinswerder mit Live Musik. Da komme ich jetzt aber ins Schwanken. Nicht, dass ich nicht noch andere Ausflugsziele in petto hätte für morgen. Muss ich mal drüber schlafen Am dritten ist auch das Sommerfest im Literarischen Colloquium am Wannsee, da bin ich praktisch schon verabredet, aber man sollte immer flexibel bleiben. Und im nhow ist am selben Abend auch wieder ein ganz interessantes Konzert. Und außerdem das Straßenfest in der Veteranenstraße. Aber muss alles nicht heute Nacht entschieden werden.
31. August 2016
31. August 2016
31. August 2016
31. August 2016

Schönhauser Allee 165. Gebäude sind Persönlichkeiten. Es gibt edle, großzügige Charaktere, die Eleganz als formvollendete Rücksichtnahme, als höfliche Tugend verstehen. Und es gibt die anderen. Die kleinlichen, sparsam dahingeschluderten. Die für den Kontrast sorgen und einem in Zehntelsekunden vorführen, was Anmut ist – oder eben leider nicht.

30. August 2016

So vieles schon einmal durchdacht. Vor sechs Jahren schrieb ich einen Eintrag, der mir nachdem ich ihn im Blog gepostet hatte, passend schien, um ihn auf flickr im Profil als Text einzufügen. Seither ist er da. Er handelt davon, was in mir vorgeht, wenn ich jemanden erfasse. Innerlich und mit der Kamera. Er handelt von Projektion. Ich hatte in den letzten Tagen das Bedürfnis, meine timelinepostings auf facebook ins Archiv zu schieben. Ich habe nichts gelöscht, nur den Zugriff auf mich beschränkt und sie auch für mich nicht mehr auf der timeline sichtbar („hidden from timeline“). Es ist also leer geworden, bis auf eine ältere Fotografie, die meine Hand mit einer Kamera zeigt. Diese Kamera hat die meisten meiner Bilder auf flickr gemacht. Jetzt ist sie in einem Karton im voraussichtlich ewigen Schlaf, denn das Display ist kaputt. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, über das Display zu fokussieren, ich will nicht mehr anders. Über den Sucher ist es nicht dasselbe, ich kann nicht aus der Hüfte schießen. Und für Filmaufnahmen ist sie auch nicht mehr geeignet, sie kann kein HD und produziert ein Nebengeräusch beim Ton. Jedenfalls ist da jetzt nur noch dieses Hand-und-Kamera-Bild von 2012 zu sehen und ich beließ diesen Projektions-Eintrag, weil er etwas Wesentliches über mich erzählt. Er fand einen gewissen Zuspruch, was mich freute.

Aber in meinem Blog, meiner ersten virtuellen Heimat habe ich das noch nicht erzählt. Nachdem ich die Archivierung mit meinen externen Festplatten angegangen hatte, was immer eine Zäsur durch das umfangreiche Löschen auf meinen Arbeitsrechnern bedeutet, spürte ich, dass ich auch anderweitig, auf dieser facebook-timeline, ein Gefühl von einem Neubeginn brauche. Ich hätte beinah angefangen, die postings komplett zu löschen, das schien mir aber unangemessen. Zu viele schöne Kontakte sind darin dokumentiert. Aber ich möchte nicht mit diesen vielen Aktivitäten der letzten Monate konfrontiert werden. Ich brauche einen Neuanfang. So wie das Gefühl, eine Wohnung, in der man zu lange nichts renoviert hat, zu weißen. Man haut die frische, weiße Farbe an die Wand und fühlt sich, als ob man in eine neue Wohnung zieht, alles auf Anfang. Die letzten Augusttage, die ich sehr liebe. Ich schreibe das gerade auf meinem Balkon. Man hört schon dieses leichte Blätterrauschen, das zum Herbst gehört, aber noch ist Sommer.
28. August 2016

»Nur die wirklichen Heiden, wie ich eine bin, können wirkliche Katholiken sein. Die Verschmelzung des Heidentums und des Christentums ist nur im Katholizismus ganz gelungen. Die Protestanten stehen vor der Himmelstür und bitten um ein bißchen Brot. Wein wird ihnen nicht gereicht werden.«
Alma Mahler-Werfel, Dezember 1938
30. August 2016
Ich liebe diesen Eintrag. Besonders nach der ewig langen Einleitung. Bedeutet mir viel. Und ich habe es geschafft, all das in Worte zu fassen. Ja, ich lese mich selber hin und wieder. Rückblickend. Auf das, was wesentlich war. Dreissig Jahre später kann man das manchmal. Wenn alle Halbwertzeiten überwunden sind. Über Wunden. Als ich das vor zwei Jahren (be)schrieb und auch sicher war, keine unangemessene Grenze überschritten zu haben, versicherte ich mich dennoch, kurz nach der Veröffentlichung. Es war mir wichtig. Ich bekam – – .grünes Licht wäre zu wenig gesagt. Und ich glaube mich zu erinnern, dass Duke auch so etwas wie ein Angerührtsein und Überraschung zum Ausdruck brachte. Ich könnte auch das wieder aus einer Mail, die er mir schrieb, copypasten, aber ich habe da dann auch Grenzen. Obwohl im Moment ist es ehrlich gesagt eher Faulheit, in den Mailaccount zu wechseln und die Mail zu suchen etc. Na ja. So bin ich. Immer das Schöne verbreiten wollen. Spread the news. Ja, ich weiß wie man Diskretion buchstabiert. Aber ich fühle auch, wann der richtige Augenblick gekommen ist, dass etwas eine Bereicherung für die große Bibliothek des Weltwissens und der großen Gefühle darstellt.
28. August 2016

»Nur die wirklichen Heiden, wie ich eine bin, können wirkliche Katholiken sein. Die Verschmelzung des Heidentums und des Christentums ist nur im Katholizismus ganz gelungen. Die Protestanten stehen vor der Himmelstür und bitten um ein bißchen Brot. Wein wird ihnen nicht gereicht werden.«
Alma Mahler-Werfel, Dezember 1938
28. August 2016
28. August 2016
28. August 2016
27. August 2016

Anstelle unsere epische Geschichte zu erzählen (ich tat es bereits ausgiebig, nämlich hier), copypaste ich einen Auszug aus dem kleinen chat von heute Mittag zwischen Duke und mir.
Gaga Nielsen
(…) weißt du eigentlich wer das damals gemacht hat? 27. Aug. 83, im Hecht, 33 Jahre her! G. vielleicht?
Duke Meyer
Das Foto ist mir bekannt, aber ich kann nicht sagen, wer es knipste… Kann schon sein, dass es G. war, ich bin mir aber nicht sicher: (…) Am 12. September kommt mich G. besuchen, da könnte ich ihr’s zeigen und sie mal fragen (…)
Gaga Nielsen
nicht so existentiell – wollte mich nur nicht mit fremden Federn schmücken…! (…)
Duke Meyer
Hihi, dachte mir jetzt schon auch, dass es dir nicht schlaflose Nächte bereitete, in denen du dich hin- und herwälzend ratlos an Kissenenden nagtest… ;-) (…) Sorry für etwas ungelenken Satzbau. War spät zu Bett gegangen und bin noch nicht so eingeübt wach.
Gaga Nielsen
na ja, es hat mich in den letzten Stunden schon arg umgetrieben und Schlaf war demzufolge auch kaum zu finden…! Das finde ich jetzt sehr gefühlskalt von dir, dass du meine Hochsensibilität in diesen Dingen nicht empathisch erfühlst und teilst und keinerlei Anstalten machst, mit mir aufgrund dieser traumatischen Erfahrung eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Dabei wäre das heute so ein guter Zeitpunkt dafür, wir kennen uns nämlich genau seit diesem 27.08.83! Also ich dich ja schon vorher, aber halt einseitig, weißt schon, hab dich bei deinem Auftritt mit der Duke Meyer-Band (…) bewundert, seinerzeit, ich glaube 11. September 1980 oder so ähnlich. 33 Jahre ist schon echt lang, huiuiui…! Schön, dass wir immer noch miteinander zu tun haben. Und vor allem so relaxed. Lass es dir gut gehen. Gaga
Duke Meyer
Am 27.08.83 nahm ich dich zum ersten Mal wahr? Wow! Ach, seufz… :-) Jetzt hilft uns da aber auch keine Selbsthilfegruppe mehr… Müssenwa alleine mit klarkommen, wa. Aber ich werde nach Sonnenuntergang ein Glas Wein darauf trinken. Danke für den Hinweis, ich hätte es jetzt so genau nicht gewusst. Dir auch bestes Wohlergehen, Duke
Gaga Nielsen
JA. lass uns später in Gedanken anstoßen. Das machen wir…! <3
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Das Bild von mir von 1984 ist das, was ich vorhin gesucht habe, als ich über die Tagebuchseite stolperte. Es gibt kaum Bilder aus der Zeit von mir, also keines vom August 1983, aber ich denke, so in etwa wie im Januar 84 sah ich auch ein paar Monate vorher aus. Da auf dem Bild war ich achtzehn. Und Duke vierundzwanzig.
27. August 2016
Suchte gerade in meinem flickrstream eine Aufnahme von ca. 1983, nicht gefunden, aber stolperte darüber. Eine Tagebuchseite von 1988, als ich noch mit der Hand auf Papier schrieb. Sauklaue, aber schön eigentlich. Würde mich interessieren, was ein Graphologe dazu sagt. Übrigens eine Zeile aus einem Chanson von A. Heller. Vergessen, welches.

26. August 2016
26. August 2016
26. August 2016
26. August 2016
Backups. Sonne. Kaum Musik. Bis auf diesen Song von Roman Rappak. „Governing Correctly“. Annähernd tausend Gigabyte, ein Terabyte, die Backups. Auf drei externen Festplatten. Bilder. Filme, nur eigenes Zeug. Und Musik. Teile davon auch unveröffentlichtes Material, nicht von mir, von Musikern, die mir ihren work in progress zukommen ließen. Als Geste des Vertrauens, um sich darüber auszutauschen. Und der ganze Rest. So viel Rohmaterial, besonders bei den Filmdateien. Vor HD das meiste, aber was mir am wichtigsten war, habe ich sicher verarbeitet, meistens sofort. Die Ordnerstruktur bei den digitalen Fotografien ist erst seit ca. 2007 konsequent chronologisch, wie ich es in flickr seit geraumer Zeit mache. Viele Ordner sind noch umzubenennen, auf der einen Festplatte mit den Bildern, damit es synchron mit meinem online-Archiv wird Ich sehe flickr als online-backup, das ist einigen nicht klar, wie auch. Daher die Wiederholungen ähnlicher Motive, die sw- und Farbversionen nebeneinander. Es ist eine Sicherheitskopie, die mir ermöglicht, immer auf alles von überall Zugriff zu haben, die Wahl zu haben, wenn ich etwas verwenden möchte, ohne die Festplatten aus dem Archiv zu holen. Und eine zusätzliche Sicherung. Der nicht kuratierte Gesamtbestand. In Phasen, in denen ich sehr hingebungsvoll an Blogeinträgen arbeite – bzw. tue ich das ja immer, wenn ich es erst einmal mache – verwende ich geraume Zeit darauf, zu überlegen, welche Bilder aus einer umfangreichen Reihe – und das sind sie bei mir ja immer – in einem Eintrag erscheinen. Das ist dann wenn man so will, die kuratierte Selektion. Und auch das sind zumeist mehr als zwei, drei Bilder. Ich bin tatsächlich äußerst produktiv. Mir fällt niemand ein, der in vergleichbarem Umfang Material produziert, das einen ziiemlich hohen Anteil an Verwertbarem beinhaltet. Es ist keine große Kunst, zwölf großartige Bilder pro Jahr zu machen und mit viel Tamtam zu veröffentlichen. Wenn ich mich auf zwölf Bilder in zwölf Monaten beschränken sollte, hätte ich ein Problem. Wenn man den Übertragungsprozess bei dieser Menge von Bytes von einer Festplatte zur anderen aus dem Augenwinkel auf dem Monitor sieht, fragt man sich schon mitunter, wofür. Für welches Archiv. Aber das kennt wahrscheinlich jeder, der sein Werk sichert. Zunächst immer noch für den Zugriff in der Gegenwart oder näheren Zukunft Weiter will man dann auch nicht denken. Jetzt noch nicht. Ich habe tatsächlich seit Mai 2015 keine backups mehr gemacht. Aber heute gründlich. Bedeutet auch, die Festplatten meiner beiden Rechner weitgehend zu bereinigen, bis auf die Dateien, mit denen ich zur Zeit arbeite. Die Dateien aus der Vergangenheit ins Archiv der Festplatten zu schieben ist auch immer eine Zäsur. Es schafft Platz für neue Energien, die noch zu materialisieren sind. Die zu verewigende Zukunft. In Bytes.
24. August 2016
24. August 2016
(note to self)
keine halbtrunkenen Botschaften senden. Bestenfalls öffentlich. Wie diese hier. Gestern auch gerade noch mal die Kurve gekriegt.
23. August 2016
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mit Alban Nikolai Herbst, Phyllis Kiehl, Sebastian Rogler, Ina Weisse, Klaus Mellenthin, Anne Seubert, Elvira Vesolinovic, Gaga Nielsen u.v.m.
22. August 2016
The worst example that you ever gave
Was pressed into my palm and then engraved
I can see the sense in what you say
Doesn’t mean, it should be acted on
Like it was all written down like a narrative
That was absorbed and put down missing adjectives
To stick to your lips. Stick to your lips.
Roman Rappak | Breton | Governing correctly
21. August 2016
„In einer Zeit der zynischen Reklame, in der Karrieristen aller Sorten zu einer Namensmacht kommen, wie sie die Geschichte bisher noch nie vergeben hat und der Ruhm bis auf den Grund entwertet ist, in einer solchen Zeit lebt der ernste literarische Künstler gleichsam im Exil.“
Franz Werfel, Juli 1937
22. August 2016
22. August 2016

Ich kann mich nicht aufraffen. Dachte, es wäre ein erster Schritt zur Tat, aufzuschreiben, was ich bis morgen noch alles machen muss. Der Countdown läuft. Ich habe keine Lust aufzulisten, was ich noch machen muss. Dass ich es geschafft habe „to do:“ links oben auf das Blatt zu schreiben, ist fast schon ein kleines Wunder. Aber dann war der Elan auch schon wieder verpufft. Im Grunde war er ohnehin nicht da. Aber erstaunlicher Anflug von Schwung bei der Idee, das leere Blatt Papier hochzuladen und mein Problem der Welt mitzuteilen. Das ist doch krank. Oder einfach nur ein Zeichen von Kontaktbedürfnis. Kontakt mit Menschen, die nichts mit dem Zeug zu tun haben, das da auf die blöde Liste gehört und demzufolge auch keine Veranlassung haben, meine Untätigkeit zu kritisieren. Wie haben wir das eigentlich genannt, als prokrastinieren noch kein Modebegriff war? Ich nenne es Verschieberitis. Aber morgen dann, auf den letzten Drücker. Ach, morgen ist ja auch noch ein Tag. Der wird ganz der Arbeit gewidmet. Heute fühle ich mich einfach nicht in Form. Ich muss ein paar Telefonate führen, das reicht mir schon für den Rest des Nachmittags. Ich telefoniere gar nicht gerne, obwohl die Leute gerne mit mir telefonieren. Na ja, kommt drauf an. Wenn jemand plötzlich unsachlich wird, auf so eine charmante Art, gefällt mir das in der Regel schon recht gut. Dafür bin ich immer zu haben. So ein bißchen herumwitzeln, ein paar Wortspielereien. Jetzt nicht unbedingt Dreideutigkeiten, aber so die grobe Richtung, das gefällt mir. Aber auch wieder nur, wenn ich jemanden entweder überhaupt nicht kenne und nicht weiß, wie er ausschaut, dann kann man ja in der Phantasie einen wahrlichen Traummann dazu visualisieren, da solche Gespräche nicht unbedingt zu Verabredungen oder geschäftlichen Treffen führen, wo dann wohl oder übel verifiziert wird, ob die Wahrheit weit oder sehr weit von der Phantasievorstellung entfernt ist. Oder wenn ich sehr genau weiß, dass derjenige durchaus attraktiv ist, aber aufgrund der bekannten Lebensverhältnisse geklärt ist (also er ist idealerweise liiert oder unter der Haube), dass das kein Auftakt für irgendetwas weiterführendes ist, sondern nur ein kleiner amüsanter Zeitvertreib. Einmal hatte ich einen Mann am Hörer, der eine Wahnsinnsstimme hatte, die ging mir durch und durch, ich war richtig motivert, das Gespräch künstlich zu verlängern, er aber auch, es war fast schon aufregend, ich hatte keinen Schimmer, wie er aussieht, er wollte eigentlich auch jemand anderen sprechen, aber ich ging ran. Als ich der eigentlich gewünschten Ansprechpartnerin mitteilte, dass Herr Westerwald* angerufen hatte, reagierte sie im völligen Gegensatz zu meiner Verfassung komplett unaufgeregt, ja geradezu gelangweilt.. Sie nahm den Zettel mit der Notiz mit müdem Blick zur Kenntnis. Ich erwähnte, dass er eine sehr attraktive Stimme hatte und sehr, also wirklich SEHR sympathisch rüberkam. Sie fragte mich beiläufig, ob ich Herrn Westerwald schon mal gesehen hätte. Nein, wieso? Wie sieht er aus? Statt einer Antwort googelte sie ein Foto von Westerwald. Die Stimme war aber trotzdem toll. Wie komme ich jetzt darauf. Ach ja, telefonieren. Ich hatte mal vor Jahren eine Liebe in der Ferne, vor Skype und so weiter, da hat man schon mal fünf bis sechs Stunden am Stück telefoniert, das kam öfter vor. Wir hörten uns einfach gegenseitig auch gerne. Zu erzählen habe ich immer was, merkt man ja hier, an meinen Einträgen. Hatte er aber auch. Das war mehr so eine kreative Konversation, die auch absurde Phantastereien nicht scheute. Aber für so pragmatische Dinge, wie sich zu verabreden, brauche ich kein Telefon, das mache ich lieber online. Freitag Nacht, wir warteten in einer kleinen Gruppe auf die S-Bahn, und es trat wieder einmal zutage, dass ich als einzige kein Handy habe, da meinte einer der Männer, ein Maler, zu mir: „hey….! WIE SEXY ist das denn!“. Ich: „Finde ich auch!“. Er war wahnsinnig stark behaart, fällt mir gerade wieder ein. Das Brusthaar quoll bis zum Halsansatz. Vielleicht fast schon ein bißchen zu viel Wolle. Jedenfalls hat er meinen Ansatz kapiert. Es geht mir natürlich darum, mit allen Mitteln meinen Sex Appeal zu steigern. Es ist unglaublich, wie viele Menschen ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, mit denen ich noch nie telefoniert habe. Die haben nicht mal meine Telefonnummer. Ich ihre oft auch nicht, oder die hängt als Randbemerkung in irgendeinem online-Chat. Geht auch ohne, sieht man ja an mir. Ist aber auch abtörnend, wieviel dussliges Zeug von den Leuten in ihre Apparate gequatscht wird. Wenn die das per sms oder whatsapp oder fb-chat machen ist mir das auch lieber, dann muss man das dumme Zeug nicht zur Kenntnis nehmen. Diese desillusionierenden, pragmatischen Gespräche aus dem aufregenden Spektrum Kinder-Küche-Kontrollanruf. Koitus ist ja eher nicht das Thema, außer bei Frischverliebten und die treiben in einer anderen Sprache Konversation, wie es sich gehört. Und das Thema Kirche kommt natürlich auch zu kurz. Also im Grunde alles, was mich interessiert, haha. Im Ernst, in mir steckt eine Religions- und Ekstase-Forscherin, das wissen aber eben leider nur die, die meine 3536 Blogeinträge der letzten zwölf Jahre lückenlos gelesen, ja ich möchte sagen: studiert haben, oder die die exclusive Gelegenheit hatten, mich mehrfach persönlich zu treffen und zu sprechen. Die anderen müssen leider dumm sterben oder sich eben doch noch mal von Anfang bis Ende hier durcharbeiten. Natürlich gibt es bei meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit auch Projekte, über die ich mich hier nicht äußern darf, da noch keine wasserdichten Ergebnisse vorliegen. Aber früher oder später werde ich alle Studien veröffentlichen und mein Herrschaftswissen mit der Welt teilen. Ich bin nämlich in jeder Hinsicht ein sehr großzügiger Mensch. Ein besonders schöner Charakterzug, wie ich finde. Man muss sich auch ab und zu selbst loben, und die Vorzüge ein wenig herausstreichen. So, genug Text. Ich wünsche gute Unterhaltung.
* e r f u n d e n !
21. August 2016

„Gaga wurde von einem Kranich ausgebrütet.“
Phyllis Kiehl, 19. August 2016
21. August 2016
„In einer Zeit der zynischen Reklame, in der Karrieristen aller Sorten zu einer Namensmacht kommen, wie sie die Geschichte bisher noch nie vergeben hat und der Ruhm bis auf den Grund entwertet ist, in einer solchen Zeit lebt der ernste literarische Künstler gleichsam im Exil.“
Franz Werfel, Juli 1937
19. August 2016
„Es wurde gestern noch eine solenne Sauferei, und dies Schwein, der Manzow, hat endlose Pullen Sekt geschmissen, diese Weiberlimonade, die man saufen kann wie Wasser und die über Kreuz mit Schnaps und Bier genossen einen wütenden Kopfschmerz macht.“ Hans Fallada, „Bauern, Bonzen und Bomben“, 1931


„Es waren wirklich solenne Feiern, denen wir beiwohnten!“
Alma Mahler-Werfel, „Mein Leben“, Tagebuch 1936

„Am solennsten war die Feier in Leipzig, Mainz und Frankfurt, am ärmlichsten in Hamburg.“
Karl Gutzkow, „Oeffentliches Leben in Deutschland“, 1842

17. August 2016
Schöneberger Geschichten. Mit Tabea Blumenschein und Ulrike Ottinger.
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265





Mal sehen, ob ich das noch hinkriege, einen Eintrag zu dieser bald ein Jahr zurückliegenden Fotostrecke zu fabrizieren. Noch eleganter wäre, auf den Tag vor einem Jahr, 22. August 2015. Sehr viele Bilder. Historische Bilder. In vielerlei Hinsicht. Der Ort historisch. Die Personen von historischem Rang (ja okay, ich vielleicht nicht – NOCH nicht…). Versuche, es kurz zu machen. Wer hat schon Zeit, ausuferndes Geschwafel zu lesen. Es gab in Westberlin eine Szene, eine sehr spezielle, Künstler, Musiker, Durchgeknallte. Die, die dafür sorgten, dass Berlin anders als der Rest der Republik war. Dazu gehörten Künstlerinnen wie Tabea Blumenschein. Ulrike Ottinger. Die Tödliche Doris. Usw. usf. Damals, als sie aufbegehrten und damit zur Kenntnis genommen wurden, waren sie in ihren Dreissigern. Heute um die Sechzig. Aber nicht tot. Tabea malt heute vor allem und Ulrike Ottinger ist auch eine Hausnummer, kann man ja alles in Wikipedia nachlesen. Historisch auch der Ort. Schöneberg, Mansteinstr. Das Künstlergespräch, bei dem die Bilder entstanden, fand in einer Galerie in der Mansteinstraße statt, Galerie Zwinger.


Neben Leydicke. Ziemlich genau gegenüber vom früheren, dem zweiten, vorletzten Standort vom Ex’n’Pop. Der erste war in der Schwäbischen Straße, der zweite in der Manstein. Heute der dritte, ist in der Potsdamer. Aber es sah eigentlich immer ähnlich aus. Mansteinstr. 14. Auch ein Bild dabei in dieser Reihe. Ich finde es immer interessant, Menschen zu treffen, denen ein gewisser Ruf vorauseilt, um nicht zu sagen, ein gewisser Kultstatus. Man begegnet ihnen und verifiziert die gegenwärtige Aura. Und bekommt eine Ahnung davon, was zu diesem Status führte. Oder auch nicht. Tabea Blumenschein erinnerte mich ein wenig an Helen Vita. Ja, die Frisur, sicher. Aber auch der Witz. Die gelassene Souveränität. Warmherzig auch. Die Ähnlichkeit zwischen der Erscheinung der Siebziger und Achtziger erschließt sich nicht sofort, sie war damals ein ultimatives Sexsymbol, kokett ist sie immer noch, aber wirkt insgesamt eher gemütlich. Die Prioritäten haben sich verschoben. Eine amüsante Persönlichkeit. Nahbar. Ich traf neben Jan, meinem lieben Freund, auch eine Freundin von ihm, von der ich wusste, der ich aber bislang noch nicht begegnet war. Ana Schönsteiner, ebenfalls eine bildende Künstlerin, im besten, konstruktiven Sinne durchgeknallt. Ich mochte sie schon, als sie die Galerie betrat, eine sehr eigenwillige Ausstrahlung, wir hatten einen Draht, bevor Jan auftauchte und verifizierte, wer sie ist. Sie bemalt unter anderem kleine Streichholzschachteln, die sie in einer Tasche mit sich führt, mit sehr sinnlichen, unikaten Motiven. Ich kaufte ihr zwei ab, es war mir ein Anliegen, sie hätte sie mir geschenkt. Schöne, belebende Begegnungen. Und Elfi Mikesch war auch da, im Publikum. Die haben ja alle damals zusammengearbeitet. Alle vernetzt und miteinander verstrickt. Und Marc Brandenburg, eine Künstlerikone neuerer Generation – mein Jahrgang, 1965, war auch da, im Publikum, und ließ sich beglückt mit Tabea und dem interessanten Selbstdarsteller mit dem Hündchen ablichten. Nicht weit davon ist übrigens der Friedhof, auf dem Rio begraben ist. Man kann fast rüberspucken. Ana redete dauernd davon. Ich wusste natürlich, dass Rio inzwischen in Berlin ist, aber ich wollte erst ein bißchen gewachsene Patina an seinem Grab haben, bevor ich hinpilgere. Nicht zu frisch aufgeworfen sollte die Erde sein. Und so besuchte ich ihn ein wenig später, nicht lange nach diesem Abend. Längst hochgeladen die Bildstrecke davon, auch etwas dazu geschrieben. Zumal es nicht so viele Friedhöfe mit Kaffeeausschank gibt, DA war ich etwas schneller.




Damals in den Achtzigern war ich ab und zu im Ex’n’Pop in der Mansteinstraße, und auch vorher in der Schwäbischen. Für mich ist das bis heute – oder gerade – immer eine etwas sentimentale Zeitreise, wenn ich in dieser Ecke bin. Überhaupt wenn ich in Schönberg bin. Meine ersten Jahre in Berlin. 1986 bis 1993. Sieben Jahre. Eintätowiert. Geliebt. Heute ahnt kaum ein jüngerer Mensch, welchen Stellenwert Schöneberg in Westberlin hatte, außer er interessiert sich für die Historie der Westberliner Szene. Für mich war es der Ort in Berlin, an dem man sein musste.



Nicht Kreuzberg, nicht Charlottenburg. Schöneberg musste es sein. Lange vorbei, aber wahnsinnig schöne Erinnerungen. Wiedergeburt. Selbstgewählter zweiter Geburtsort. Unzerstörbar.



„(…) in den 1970er- und 80er-Jahren zählte Tabea Blumenschein als Schauspielerin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Schriftstellerin und Künstlerin zu den schillerndsten Persönlichkeiten im damaligen West-Berlin. Mit dem Film Bildnis einer Trinkerin von Ulrike Ottinger wurde sie zum Kultstar der Szene. Eng befreundet war sie mit der Krimiautorin Patricia Highsmith, dem Schauspieler Udo Kier und der Tänzerin Valeska Gert, mit der sie auch in dem Film Die Betörung der blauen Matrosen Regie: Blumenschein & Ottinger spielte. 1976 war sie eine Mitwirkende in dem Happening Regen von Wolf Vostell. 1980 spielte Blumenschein bei „Liebesgier“, einer Berliner Avantgarde Band mit Frieder Butzmann und Bettina Köster. 1981 bekam sie das Filmband in Gold verliehen für die Ausstattung in Looping, einem Film von Rolf Bührmann und Walter Bockmayer, mit dem sie sehr gut befreundet war. Tabea Blumenschein hat Filme, Maske und Kostüme für Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch sowie Walter Bockmayer gemacht. Sie ist Schauspielerin, Musikerin und hat Mode für Claudia Skoda entworfen. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied der Musik- und Künstlergruppe Die Tödliche Doris und trat mit dieser in New York, Hamburg, Berlin und Helgoland auf. Für die Band schneiderte sie auch Kostüme, schrieb Texte und Musik. Mitte der 1980er war sie mit ihrer damaligen Freundin Isabell unter der Schlagzeile: „Wir sind lesbisch“ auf dem Titelbild der Illustrierten Stern zu sehen. Nach ihrem auf Super-8 von Christoph Dreher gedrehten Fernsehspiel Zagarbata (eine Koproduktion mit dem ZDF, 1985) wurde es still um die Multikünstlerin. Sie zog sich zunehmend zurück und widmete sich der Malerei und Zeichnung“




21. August 2016

Gaga Nielsen, Sebastian Rogler, Galerie Nord I Kunstverein Tiergarten.
„…was macht ihr? ‚Bloggen’…? Wofür ist das gut?“
21. August 2016
Kollege Mellenthin und Frau Nielsen.

20. August 2016
20. August 2016
Alban.

Alban Nikolai Herbst
(gestern beim Libanesen, der mit meiner Sonderbestellung „zwei gegrillte Hähnchenspieße mit irgendeiner scharfen Soße“ völlig überfordert war)
20. August 2016
20. August 2016
19. August 2016
„Es wurde gestern noch eine solenne Sauferei, und dies Schwein, der Manzow, hat endlose Pullen Sekt geschmissen, diese Weiberlimonade, die man saufen kann wie Wasser und die über Kreuz mit Schnaps und Bier genossen einen wütenden Kopfschmerz macht.“ Hans Fallada, „Bauern, Bonzen und Bomben“, 1931


„Es waren wirklich solenne Feiern, denen wir beiwohnten!“
Alma Mahler-Werfel, „Mein Leben“, Tagebuch 1936

„Am solennsten war die Feier in Leipzig, Mainz und Frankfurt, am ärmlichsten in Hamburg.“
Karl Gutzkow, „Oeffentliches Leben in Deutschland“, 1842

17. August 2016
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„Painlove wird mir persönlich nicht weiter fehlen“
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„Painlevé* wird mir persönlich nicht weiter fehlen, aber der Ministerpräsident einer großen Nation, der auf dem Sterbebett das Manuskript einer eigenen Faust-Übertragung liegen hat, ist schon etwas Einmaliges, Großartiges“, Alma Mahler-Werfel, Mai 1933 ]
* Paul Painlevé (* 5. Dezember 1863 in Paris; † 29. Oktober 1933 ebenda) war ein französischer Mathematiker und Politiker des reformsozialistischen Parti républicain-socialiste. 1917 und 1925 war er Premierminister der Dritten Französischen Republik.
17. August 2016
Schöneberger Geschichten. Mit Tabea Blumenschein und Ulrike Ottinger.
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Mal sehen, ob ich das noch hinkriege, einen Eintrag zu dieser bald ein Jahr zurückliegenden Fotostrecke zu fabrizieren. Noch eleganter wäre, auf den Tag vor einem Jahr, 22. August 2015. Sehr viele Bilder. Historische Bilder. In vielerlei Hinsicht. Der Ort historisch. Die Personen von historischem Rang (ja okay, ich vielleicht nicht – NOCH nicht…). Versuche, es kurz zu machen. Wer hat schon Zeit, ausuferndes Geschwafel zu lesen. Es gab in Westberlin eine Szene, eine sehr spezielle, Künstler, Musiker, Durchgeknallte. Die, die dafür sorgten, dass Berlin anders als der Rest der Republik war. Dazu gehörten Künstlerinnen wie Tabea Blumenschein. Ulrike Ottinger. Die Tödliche Doris. Usw. usf. Damals, als sie aufbegehrten und damit zur Kenntnis genommen wurden, waren sie in ihren Dreissigern. Heute um die Sechzig. Aber nicht tot. Tabea malt heute vor allem und Ulrike Ottinger ist auch eine Hausnummer, kann man ja alles in Wikipedia nachlesen. Historisch auch der Ort. Schöneberg, Mansteinstr. Das Künstlergespräch, bei dem die Bilder entstanden, fand in einer Galerie in der Mansteinstraße statt, Galerie Zwinger.


Neben Leydicke. Ziemlich genau gegenüber vom früheren, dem zweiten, vorletzten Standort vom Ex’n’Pop. Der erste war in der Schwäbischen Straße, der zweite in der Manstein. Heute der dritte, ist in der Potsdamer. Aber es sah eigentlich immer ähnlich aus. Mansteinstr. 14. Auch ein Bild dabei in dieser Reihe. Ich finde es immer interessant, Menschen zu treffen, denen ein gewisser Ruf vorauseilt, um nicht zu sagen, ein gewisser Kultstatus. Man begegnet ihnen und verifiziert die gegenwärtige Aura. Und bekommt eine Ahnung davon, was zu diesem Status führte. Oder auch nicht. Tabea Blumenschein erinnerte mich ein wenig an Helen Vita. Ja, die Frisur, sicher. Aber auch der Witz. Die gelassene Souveränität. Warmherzig auch. Die Ähnlichkeit zwischen der Erscheinung der Siebziger und Achtziger erschließt sich nicht sofort, sie war damals ein ultimatives Sexsymbol, kokett ist sie immer noch, aber wirkt insgesamt eher gemütlich. Die Prioritäten haben sich verschoben. Eine amüsante Persönlichkeit. Nahbar. Ich traf neben Jan, meinem lieben Freund, auch eine Freundin von ihm, von der ich wusste, der ich aber bislang noch nicht begegnet war. Ana Schönsteiner, ebenfalls eine bildende Künstlerin, im besten, konstruktiven Sinne durchgeknallt. Ich mochte sie schon, als sie die Galerie betrat, eine sehr eigenwillige Ausstrahlung, wir hatten einen Draht, bevor Jan auftauchte und verifizierte, wer sie ist. Sie bemalt unter anderem kleine Streichholzschachteln, die sie in einer Tasche mit sich führt, mit sehr sinnlichen, unikaten Motiven. Ich kaufte ihr zwei ab, es war mir ein Anliegen, sie hätte sie mir geschenkt. Schöne, belebende Begegnungen. Und Elfi Mikesch war auch da, im Publikum. Die haben ja alle damals zusammengearbeitet. Alle vernetzt und miteinander verstrickt. Und Marc Brandenburg, eine Künstlerikone neuerer Generation – mein Jahrgang, 1965, war auch da, im Publikum, und ließ sich beglückt mit Tabea und dem interessanten Selbstdarsteller mit dem Hündchen ablichten. Nicht weit davon ist übrigens der Friedhof, auf dem Rio begraben ist. Man kann fast rüberspucken. Ana redete dauernd davon. Ich wusste natürlich, dass Rio inzwischen in Berlin ist, aber ich wollte erst ein bißchen gewachsene Patina an seinem Grab haben, bevor ich hinpilgere. Nicht zu frisch aufgeworfen sollte die Erde sein. Und so besuchte ich ihn ein wenig später, nicht lange nach diesem Abend. Längst hochgeladen die Bildstrecke davon, auch etwas dazu geschrieben. Zumal es nicht so viele Friedhöfe mit Kaffeeausschank gibt, DA war ich etwas schneller.




Damals in den Achtzigern war ich ab und zu im Ex’n’Pop in der Mansteinstraße, und auch vorher in der Schwäbischen. Für mich ist das bis heute – oder gerade – immer eine etwas sentimentale Zeitreise, wenn ich in dieser Ecke bin. Überhaupt wenn ich in Schönberg bin. Meine ersten Jahre in Berlin. 1986 bis 1993. Sieben Jahre. Eintätowiert. Geliebt. Heute ahnt kaum ein jüngerer Mensch, welchen Stellenwert Schöneberg in Westberlin hatte, außer er interessiert sich für die Historie der Westberliner Szene. Für mich war es der Ort in Berlin, an dem man sein musste.



Nicht Kreuzberg, nicht Charlottenburg. Schöneberg musste es sein. Lange vorbei, aber wahnsinnig schöne Erinnerungen. Wiedergeburt. Selbstgewählter zweiter Geburtsort. Unzerstörbar.



„(…) in den 1970er- und 80er-Jahren zählte Tabea Blumenschein als Schauspielerin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Schriftstellerin und Künstlerin zu den schillerndsten Persönlichkeiten im damaligen West-Berlin. Mit dem Film Bildnis einer Trinkerin von Ulrike Ottinger wurde sie zum Kultstar der Szene. Eng befreundet war sie mit der Krimiautorin Patricia Highsmith, dem Schauspieler Udo Kier und der Tänzerin Valeska Gert, mit der sie auch in dem Film Die Betörung der blauen Matrosen Regie: Blumenschein & Ottinger spielte. 1976 war sie eine Mitwirkende in dem Happening Regen von Wolf Vostell. 1980 spielte Blumenschein bei „Liebesgier“, einer Berliner Avantgarde Band mit Frieder Butzmann und Bettina Köster. 1981 bekam sie das Filmband in Gold verliehen für die Ausstattung in Looping, einem Film von Rolf Bührmann und Walter Bockmayer, mit dem sie sehr gut befreundet war. Tabea Blumenschein hat Filme, Maske und Kostüme für Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch sowie Walter Bockmayer gemacht. Sie ist Schauspielerin, Musikerin und hat Mode für Claudia Skoda entworfen. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied der Musik- und Künstlergruppe Die Tödliche Doris und trat mit dieser in New York, Hamburg, Berlin und Helgoland auf. Für die Band schneiderte sie auch Kostüme, schrieb Texte und Musik. Mitte der 1980er war sie mit ihrer damaligen Freundin Isabell unter der Schlagzeile: „Wir sind lesbisch“ auf dem Titelbild der Illustrierten Stern zu sehen. Nach ihrem auf Super-8 von Christoph Dreher gedrehten Fernsehspiel Zagarbata (eine Koproduktion mit dem ZDF, 1985) wurde es still um die Multikünstlerin. Sie zog sich zunehmend zurück und widmete sich der Malerei und Zeichnung“




14. August 2016

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Sechzehnter Januar Zweitausendsechzehn. Eigentlich eine Geburtstagsfeier. Sechs Tage vorher starb David Bowie und die Welt erfuhr davon am elften Januar. Das Geburtstagskind und die geladenen Gäste der geplanten Geburtstagsparty waren derart von dieser Todesnachricht erschüttert, dass kurzerhand einvernehmlich beschlossen wurde, diese Zusammenkunft David Bowie zu widmen. Wir waren Feuer und Flamme, herauszufinden, was David am liebsten gegessen und getrunken hat, und recherchierten wie verrückt im Internet und trugen unsere Funde und Erkenntnisse dazu auf einer facebook-Eventseite in den Kommentaren zusammen. Es war gar nicht so einfach, aber am Ende gab es einige Aussagen, die vielleicht auch nur auf Gerüchten oder Polemik und Übertreibung basieren, aber egal. Jemand behauptete, David Bowie habe sich in den Siebziger Jahren ausschließlich von Milch, Kokain und rotem Paprika ernährt. Dann gab es einen Bericht, in dem Davids Frau Iman dem Reporter erzählt, das Gericht, das sie ihm am häufigsten zubereiten würde, weil es ihn an seine Kindheit erinnert und er es einfach liebt, sei Sheperd’s Pie (übrigens auch das Lieblingsgericht von Keith Richards). irgendwo erwähnte jemand Brownies, die er gerne mag – oder mochte. Und ich fand einen launigen Backstage-Bericht, diesen hier, in dem erwähnt wird, wie David mit zwei schwarzen Schönheiten und einem Korb mit Sancerre, französischem Käse und Räucherlachssandwiches auftauchte und alle damit versorgte.




„(…) So he comes back with this entourage of two black statuesque ladies and a hamper full of Sancerre, French cheeses and smoked salmon sandwiches and plonks himself next to us. I’d only ever had Blue Nun before, and as for smoked salmon… ”Sorry I don’t know you all,“ and he goes round shaking our hands, lordly and utterly charming. „Help yourself boys,” he beams…“




Das war mein Part, ich kaufte einige Flaschen Sancerre, ein wirklich großartiger französischer Weißwein, sehr erdig und charaktervoll, den ich auch gerne trinke, dazu fünf verschiedene Sorten französischen Käse, Räucherlachs und Weintrauben. Unser Geburtstagskind hatte sich den legendären Blitz ins Gesicht malen lassen und an den Füßen selbst gebastelte, futuristische Goldstiefel. Ich erschien in einem Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, wie ihn David als Thin White Duke trug, die Augenklappe über dem Windsorknoten. Und klebte mir zwei schwarze Sterne auf dem Handrücken, von denen alle meinten, ich sollte mir das tätowieren lassen, sie fanden es absolut cool. Unsere beiden Gastgeber hatten mehrere Portraits von David vervielfältigt, sie waren in der ganzen Wohnung verteilt und man konnte sie ausmalen. Es gab ein paar Linien mit weißem Pulver (was auch immer) und ein Becherchen mit Milch und einer roten Paprikaschote. Und einen Browniekuchen mit einem Blackstar in der Mitte. Und sie hatten sich die unglaubliche Mühe gemacht, eine phantastische Playlist aus allen erdenklichen Songs von David einschließlich zahlloser Coverversionen seiner Songs vorzubereiten. Wir tanzten, als gäbe es kein Morgen, davon gibt es keine Bilder, weil beim Tanzen selbst ich die Kamera beiseite lege, und derlei Aufnahmen ohnehin verwackelt werden. Als ich mich zu diesem Fest aufmachte, war ich gar nicht so sehr in Partylaune, doch kaum war ich da, weckte die gute Stimmung, der Sancerre und die Musik meine Lebensgeister und wir tranken, tanzten, rauchten und aßen und erinnerten uns an die Zeiten in Schöneberg, in memoriam David. Für immer ein Held.




17. August 2016
[ gelesen ]
„Painlove wird mir persönlich nicht weiter fehlen“
[ anstelle
„Painlevé* wird mir persönlich nicht weiter fehlen, aber der Ministerpräsident einer großen Nation, der auf dem Sterbebett das Manuskript einer eigenen Faust-Übertragung liegen hat, ist schon etwas Einmaliges, Großartiges“, Alma Mahler-Werfel, Mai 1933 ]
* Paul Painlevé (* 5. Dezember 1863 in Paris; † 29. Oktober 1933 ebenda) war ein französischer Mathematiker und Politiker des reformsozialistischen Parti républicain-socialiste. 1917 und 1925 war er Premierminister der Dritten Französischen Republik.
16. August 2016
15. August 2016
….und das Herz für die große altmodische Sehnsucht nach mehr Tempo. Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen – man wäre verloren.
Wolf Wondratscheck
14. August 2016

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Sechzehnter Januar Zweitausendsechzehn. Eigentlich eine Geburtstagsfeier. Sechs Tage vorher starb David Bowie und die Welt erfuhr davon am elften Januar. Das Geburtstagskind und die geladenen Gäste der geplanten Geburtstagsparty waren derart von dieser Todesnachricht erschüttert, dass kurzerhand einvernehmlich beschlossen wurde, diese Zusammenkunft David Bowie zu widmen. Wir waren Feuer und Flamme, herauszufinden, was David am liebsten gegessen und getrunken hat, und recherchierten wie verrückt im Internet und trugen unsere Funde und Erkenntnisse dazu auf einer facebook-Eventseite in den Kommentaren zusammen. Es war gar nicht so einfach, aber am Ende gab es einige Aussagen, die vielleicht auch nur auf Gerüchten oder Polemik und Übertreibung basieren, aber egal. Jemand behauptete, David Bowie habe sich in den Siebziger Jahren ausschließlich von Milch, Kokain und rotem Paprika ernährt. Dann gab es einen Bericht, in dem Davids Frau Iman dem Reporter erzählt, das Gericht, das sie ihm am häufigsten zubereiten würde, weil es ihn an seine Kindheit erinnert und er es einfach liebt, sei Sheperd’s Pie (übrigens auch das Lieblingsgericht von Keith Richards). irgendwo erwähnte jemand Brownies, die er gerne mag – oder mochte. Und ich fand einen launigen Backstage-Bericht, diesen hier, in dem erwähnt wird, wie David mit zwei schwarzen Schönheiten und einem Korb mit Sancerre, französischem Käse und Räucherlachssandwiches auftauchte und alle damit versorgte.




„(…) So he comes back with this entourage of two black statuesque ladies and a hamper full of Sancerre, French cheeses and smoked salmon sandwiches and plonks himself next to us. I’d only ever had Blue Nun before, and as for smoked salmon… ”Sorry I don’t know you all,“ and he goes round shaking our hands, lordly and utterly charming. „Help yourself boys,” he beams…“




Das war mein Part, ich kaufte einige Flaschen Sancerre, ein wirklich großartiger französischer Weißwein, sehr erdig und charaktervoll, den ich auch gerne trinke, dazu fünf verschiedene Sorten französischen Käse, Räucherlachs und Weintrauben. Unser Geburtstagskind hatte sich den legendären Blitz ins Gesicht malen lassen und an den Füßen selbst gebastelte, futuristische Goldstiefel. Ich erschien in einem Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, wie ihn David als Thin White Duke trug, die Augenklappe über dem Windsorknoten. Und klebte mir zwei schwarze Sterne auf dem Handrücken, von denen alle meinten, ich sollte mir das tätowieren lassen, sie fanden es absolut cool. Unsere beiden Gastgeber hatten mehrere Portraits von David vervielfältigt, sie waren in der ganzen Wohnung verteilt und man konnte sie ausmalen. Es gab ein paar Linien mit weißem Pulver (was auch immer) und ein Becherchen mit Milch und einer roten Paprikaschote. Und einen Browniekuchen mit einem Blackstar in der Mitte. Und sie hatten sich die unglaubliche Mühe gemacht, eine phantastische Playlist aus allen erdenklichen Songs von David einschließlich zahlloser Coverversionen seiner Songs vorzubereiten. Wir tanzten, als gäbe es kein Morgen, davon gibt es keine Bilder, weil beim Tanzen selbst ich die Kamera beiseite lege, und derlei Aufnahmen ohnehin verwackelt werden. Als ich mich zu diesem Fest aufmachte, war ich gar nicht so sehr in Partylaune, doch kaum war ich da, weckte die gute Stimmung, der Sancerre und die Musik meine Lebensgeister und wir tranken, tanzten, rauchten und aßen und erinnerten uns an die Zeiten in Schöneberg, in memoriam David. Für immer ein Held.




13. August 2016
I’m an atheist and I thank God for it.
George Bernard Shaw
13. August 2016
No man ever believes that the Bible means what it says: He is always convinced that it says what he means.
George Bernard Shaw
12. August 2016

Unter meinen annähernd 50.000 Bildern der letzten Dekade müsste fast jeder, der das liest, und dem ich persönlich begegnet bin, in diesem Lexikon der Suchbegriffe dabei sein – und Viele mehr. Wobei einige der früheren Bilder teilweise nicht namentlich getagged wurden, da es ab und zu Befindlichkeiten gab, die ich berücksichtigt habe. Hoffe, es hagelt jetzt nicht haufenweise Bitten, die tags zu entfernen. Erschiene mir zumindest bei Personen, die von Berufs wegen in der Öffentlichkeit stehen, eher skurril. Ich werde auch keine schwarzen Balken über Augen machen. Übrigens interessant: am unkompliziertesten mit Fotografien in der Öffentlichkeit sind die, die bereits einen Namen und eine nennenswerte Karriere haben, Herumgezicke findet man eher bei Leuten, die gerne mal ganz groß rauskommen wollen und Panik haben, dass ein unvorteilhaftes Bild die Weltkarriere gefährdet. Haha. Aber zum Glück habe ich ja so gut wie nie mit solchen Zicken zu tun. Fehlte noch. Auch sehr bizarr, vor gut zehn Jahren mal erlebt: ein (damals) relativ gutaussehender Mann, ein Journalist, der auch bloggt, woraus er nie ein Geheimnis machte, (nein, nicht Du, Thomas) machte zunächst Komplimente, wie gut die Bilder doch geworden seien, es ging um eine Lesung, bei der er auch anwesend war, ich veröffentlichte die Bilder innerhalb der Strecke, zwei Tage später mailte er mir erneut, ich sollte doch bitte sämtliche Bilder mit ihm unverzüglich entfernen. Der Tonfall war ungefähr so charmant wie der Drohbrief einer Rechtsanwaltskanzlei. Während der Lesung hat er nett mit mir geplaudert, sah, dass ich fotografiere, ich war auch eigens von den Veranstaltern aufgefordert, das zu tun, er teilte mir zu keinem Zeitpunkt mit, dass ich ihn aussparen sollte. Bizarr. Und zum Glück selten. Ein anderer Blogger, der mich um ähnliches bat, allerdings sehr freundlich und aus nachvollziehbaren Gründen. Er schrieb damals ein tendenziell erotisches Blog, was er mit seiner Tätigkeit als Redakteur im politischen Ressort eines nicht unbekannten Nachrichtenmagazins nicht vermengt haben wollte, und lachte vor nicht allzu langer Zeit darüber, als ich ihn daran erinnerte. Ich wollte die Gruppenfotos, auf denen er war, nicht komplett löschen und klebte tatsächlich schwarze Balken über seine Augen oder zog ihm einen schwarzen Strumpf über den Kopf. Und ein Fotograf, auch recht gutaussehend, meckerte über drei Bilder in einer unverfänglichen Bildstrecke von einer Fotomesse. Nicht, dass die Bilder unvorteilhaft gewesen wären, ganz und gar nicht. Ich hatte eines in meinem Blog innerhalb eines Kommentars gepostet, was zur Resonanz hatte, dass eine Kommentatorin schrieb „Woher kennst du nur immer diese vielen gutaussehenden Männer?“ Ich entfernte die Bilder bzw. setzte sie auf ‚privat‘, so dass nur noch ich sie sehen kann. Vor wenigen Monaten traf ich ihn nach Jahren wieder bei einer Eröffnung in einer Fotogalerie in Friedrichshain und erinnerte ihn an seine damalige Aufforderung, die Bilder zu entfernen. Er grinste, als ob er selbst darüber lachen müsste. Er wusste auch nicht mehr, warum er das wollte. Und noch eines – je reifer an Jahren die Menschen sind, umso unkomplizierter werden sie in dieser Hinsicht, vielleicht, weil man sich freut, überhaupt noch als relevant erachtet zu werden.
11. August 2016
10. August 2016
09. August 2016
Ein Eintrag vom 20. Januar 2016, den ich nie veröffentlichte, weil ich wohl dachte, ich sollte noch etwas über das Buch, aus dem Alban Nikolai Herbst las, Traumschiff, dazuschreiben. Ich tat es nie, ich mochte das Buch, es beeindruckte mich teilweise tief, aber ich sehe mich nicht zur Rezensentin berufen. Ich wünschte, es würde so oft gekauft werden, wie manche anderen Romane in deutschen Bestsellerlisten, die mich nicht im Ansatz berühren konnten. Überaus sensitiv, eine einzige Liebeserklärung an das irdische Leben. Es gibt ja durchaus eine Reihe von Besprechungen im deutschen Feuilleton. Wie auch immer, ich sichte gerade, was ich an Beiträgen im offline-Status habe, und da stieß ich eben auf diesen Eintrag, der auch in seinem vormals als unvollständig erachteten Bearbeitungsstatus endlich online gehört.

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Keine tote Wasserglaslesung. Jörg Meyer hat es schön beschrieben: „Nichts dergleichen. Herbst lässt das Wasserglas unberührt, schenkt sich (mehrmals und zum Lesefluss dramaturgisch passend) Wein ein – weißen wie der Seeschwalben Federkleid, nicht sterbensblutroten. Hängt das Jackett schwungkunstvoll über die Lehne, befreit seinen Hals von der knebelnden Krawatte, knöpft das Hemd auf, krempelt die Ärmel hoch … Und beginnt (…)“ Was will man mehr? Zumal das Gelesene und anderweitig Vorgetragene gleichermaßen Körper, Säfte und Dynamik in sich trägt. Gehen Sie ruhig zu diesen Lesungen hin, wenn Sie ein bißchen Unruhe brauchen könnten.




Wenn man bei solchen Gelegenheiten fotografiert, rechnet man am wenigsten damit, dass sich ein Autor durch den Raum bewegt. Zumindest nicht derart frei. Und doch ohne eine Grenze zu überschreiten, die einem anderen etwas von seinem Raum nehmen würde. Das hat schon eine tänzerische Virtuosität, die man sich gut anschauen kann. Alban Nikolai Herbst lebt den Rhythmus seiner schönen Worte, da gibt es keinen Zweifel.


Schade nur, dass ich die Strümpfe und die Schuhe nicht richtig eingefangen habe. Ein bißchen dachte ich auch an Luis Trenker. (Natürlich in seinen allerbesten Jahren.) Derbe, wetterfeste Wanderschuhe, grobgestrickte wollweiße Strümpfe über der braunen Cordhose. Das hat alles wunderbar gepasst. Wir hatten gerade den ersten richtigen Schnee in diesem Winter in Berlin.

08. August 2016
Gypsy Punk am Märchenbrunnen
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07. August 2016

Rückzugsbedürfnis. Badewanne. Am schönsten gerade, die erste Sonate für Solovioline von Bach, gespielt von Shlomo Mintz, 1985 in Salzburg. Hat mir Alban Nikolai Herbst dankenswerterweise vor einiger Zeit zukommen lassen, nachdem ich die Aufnahme von Gidon Kremer erwähnt hatte. Die Violinsonate kam by random, von der Liste mit Kammermusik. Ich ließ heißes Wasser nachlaufen. Es war noch nicht dunkel, dämmerte. Das Stück war mir, in seiner kristallenen Klarheit, als könnte es meine Gedanken und die Atmosphäre bereinigen, die ganze Luft und Wirrnis. Die perfekte Entsprechung zum reinigenden Ritual des Körpers. Obgleich der keiner Reinigung bedurfte. Ich wollte vor allem das Gefühl des Eintauchens in das warme, nasse Element spüren. Mich ein wenig auflösen. Dabei an eine Passage im Buch von Alma Mahler-Werfel gedacht, in dem man nie weiß, was sie davon tatsächlich irgendwann geschrieben hat und was der Ghostwriter fabulierte. Denn fabuliert wird in jedem Fall. Sie selbst neigte ohnehin zu starker Übertreibung und Ausschmückung und Verdrehung der Tatsachen zu ihren Gunsten, insofern sind auch die Fragmente in dem Buch, die auf ihren ureigenen Quellen beruhen, immer zu hinterfragen und im besten Fall als nette Anekdoten zu nehmen, ungeachtet des Wahrheitsgehalts. Die Passage, an die ich in der Badewanne dachte, handelt von einem geselligen Abend, irgendwann 1927, ein illustrer Kreis von Künstlern, vorwiegend Schriftstellern, hatte sich versammelt, die auch musikzugetan waren, Alma ohnehin, sie spielte ja bis zu ihrem Lebensende fleißig Klavier. Dass sie in Jugendjahren eine Handvoll Lieder komponierte, vor Ihrer Verbindung mit Gustav Mahler, sei nur am Rande erwähnt. Die Passage ist folgende:
»Gestern waren wir zum vierten Male bei Gerhart Hauptmann. Jedesmal ist man einander näher, die Stimmung freier. Zum Überfluß waren gestern auch Herbert Eulenberg und d’Albert da. Des Saufens und Lachens war kein Ende. Das Stammeln Gerhart Hauptmanns, wenn er ein wenig zuviel getrunken hat, ist zu reizend. „…ja,ja, wenn man es bedenkt, sollte man doch … Sie verstehen mich ja … nicht wahr?“ Und alle hatten ihn verstanden. Er hat einen göttlichen Gleichmut. Seine blauen Augen sind tief wie der Himmel in einer Berglache. Er sagte gestern zu mir: »Es ist ein Jammer, daß wir beide kein Kind miteinander haben! Das wäre etwas gewesen …« (…) D‘ Albert war sternhagelvoll. Er schrie, nachdem Franz Werfel ahnungslos das Wort »Hollywood« in das Gespräch geworfen hatte: »Eine Fratze der Menschheit!«, hieb mit der Faust auf den Tisch und rief ein über das andere Mal aus: »In Gegenwart Hauptmanns hat niemand das Wort Hollywood auszusprechen, das ist eine Entweihung!« Er tobte, er war nicht zu beruhigen, und alle waren ja seiner Meinung, aber das zu begreifen, war er zu betrunken. Endlich sprang er auf und ließ die deutsche Kunst leben! Mit wutflammenden Augen … auf jeden von uns zornig, die wir doch alle seiner Meinung waren. Im Anfang hatte er schön brav mit Franz Werfel diskutiert. …Verdi, Wagner, Beethoven. Der ›undramatische‹ Beethoven, die mangelnde ›Ökonomie‹ Wagners, die Impotenz der Atonalen, die ›Musikfabrik‹ Bachs, der sich zum Beispiel in einem Brief über das Abnehmen der Pest in Leipzig beklagt hatte, weil es weniger Tote gebe, er also weniger Bestellungen für Kantaten und so ein geringeres Einkommen habe. Kurz, alles mußte herhalten, und der kleine Gnom d’Albert kicherte in sich hinein, blinzelte mit seinen müde schlauen Äuglein, rieb sich die Hände und war ganz von sich hingerissen. Franz Werfel war auch etwas betrunken, aber schwungvoll, paradox und dann wieder voll offener Wahrheit. Gerhart Hauptmann hatte sichtbar Freude an ihm. «

Usw. usf. Die Erwähnung vom Brief Bachs ließ mich danach suchen, mich interessierte der originale Wortlaut dieser bizarren Äußerung. Ich fand den Brief auch, die Stelle liest sich aber in den Zeilen von Johann Sebastian Bach nicht ganz so zynisch, wie man befürchten könnte. Bach war damals fünfundvierzig Jahre alt und hatte Frau und sieben Kinder zu versorgen und sich auf eine Anstellung als Musiklehrer in einem Gymnasium in Leipzig eingelassen, was aber hinten und vorne nicht reichte, so verdiente er sich ein Zubrot mit Auftragskompositionen. Am 28. Oktober 1730 schrieb Bach an seinen Freund Georg Erdmann:
»(…) so fügte es Gott, daß zu hiesigem Directore Musices u. Cantore an der Thomas Schule vociret wurde. Ob es mir nun zwar anfänglich gar nicht anständig seyn wolte, aus einem Capellmeister ein Cantor zu werden, weßwegen auch meine resolution auf ein vierthel Jahr trainirete, jedoch wurde mir diese station dermaßen favorible beschrieben, daß endlich (zumahln da meine Söhne denen studiis zu incliniren schienen) es in des Höchsten Nahmen wagete, u mich nacher Leipzig begabe, meine Probe ablegete, u. so dann die Mutation vornahm. Hieselbst bin nun nach Gottes Willen annoch beständig. Da aber nun finde, daß dieser Dienst bey weitem nicht so erklecklich als mann mir Ihn beschrieben, viele accidentia dieser station entgangen, ein sehr theürer Orth ist u. eine wunderliche und der Music wenig ergebene Obrigkeit ist, mithin fast in stetem Verdruß, Neid und Verfolgung leben muß, als werde genöthiget werden mit des Höchsten Beystand meine Fortun anderweitig zu suchen.
Solten Eu: Hochwohlgebohren vor einen alten treüen Diener dasiges Ohrtes eine convenable station wißen oder finden, so ersuche gantz gehorsamst vor mich eine hochgeneigte recommendation einzulegen; an mir soll es nicht manquieren, daß dem hochgeneigten Vorspruch und interceßion einige satisfaction zu geben, mich bestens beflißen seyn werde. Meine itzige station belaufet sich etwa auf 700 rthl. , und wenn es mehrere, als ordinairement Leichen gibt, so steigen auch nach proportion die accidentia; ist aber eine gesunde Lufft, so fallen hingegen auch solche, wie denn voriges jahr an ordinairen Leichen accidentien über 100 rthl. Einbuße gehabt. In Thüringen kan ich mit 400 rthl. weiter kommen als hiesigen Ohrtes mit noch einmahl so vielen hunderten, wegen der exceßiven kostbahren Lebensahrt.
Nunmehro muß doch auch mit noch wenigen von meinem häußlichen Zustande etwas erwehnen. Ich bin zum 2ten Mahl verheurathet und ist meine erstere Frau seelig in Cöthen gestorben. Aus ersterer Ehe sind am Leben 3 Söhne und eine Tochter, wie solche Eu: Hochwohlgebohren annoch in Weimar gesehen zu haben, sich hochgeneigt erinnern werden. Aus 2ter Ehe sind am Leben 1 Sohn u. 2 Töchter. Mein ältester Sohn ist ein Studiosus Juris, die anderen beyden frequentieren noch, einer primam, der andere 2dam Classem, und die älteste Tochter ist auch noch unverheurathet. Die Kinder anderer Ehe sind noch klein, u. der Knabe als erstegebohrener 6 Jahre alt. Insgesamt aber sind sie gebohrene musici, u. kan versichern, daß schon ein Concert Vocaliter u. Instrumentaliter mit meiner Famillie formieren kan (… usw. usf.)
Eu: Hochwohlgebohren
gantz gehorsamst«

04. August 2016
04. August 2016
ich bin ja kein Fan von Sunburst Finish bei Gitarren und auch sonst nicht. Gerade wieder Bilder vor mir gehabt, die im Farbmodus sehr schön gewesen wären, wäre da nicht dieser unselige Farbverlauf auf dem Gitarrenkorpus. Das beißt sich mit allen Klamotten und Hintergründen. Bitte nicht kaufen! Ich präferiere schwarze Gitarren.
03. August 2016
Muss noch einmal ein wenig in Sachen meines heutigen Blogeintrags missionieren. Das geht mir hier schon wieder zu sehr unter. Gern genommen werden auf fb ja auch immer knackige Zitate und Auszüge. Heute im Angebot: „Aber eigentlich sehe ich den größeren Missionierungsbedarf bei meinen männlichen Lesern (jetzt hätte ich fast „Kunden“ geschrieben, was ist denn da in meinem Unterbewußtsein). Insofern: die Botschaft muss an den Mann! Ich denke es ist doch auch wahnsinnig interessant für so einen Mann, wie ich als Frau denke, und natürlich auch, was ich über Männer denke! Ich interessiere mich zum Beispiel auch sehr dafür, wie Männer denken! Wenn man mal ein paar ehrliche Statements haben möchte, empfiehlt es sich daher, sich mit dem einen oder anderen Mann anzufreunden, sein Vertrauen zu gewinnen, und ihn dann nach Herzenslust plappern zu lassen. Da kann man eine ganze Menge lernen! Das funktioniert nicht ganz so gut bzw. fast überhaupt nicht mit Männern, mit denen man sich in irgendwelchen erotischen Verstrickungen befindet, dann wird von beiden Seiten kalkuliert kommuniziert, weil irgendeine dämliche Strategie zugrundeliegt. Da lernt man so gut wie gar nichts, außer Training in strategischer Kommunikation, wenn man diszipliniert ist.“
usw. usf.
Kompletter Eintrag incl. Exclusiv-Fotos, die rein gar nichts mit dem obig Zitierten zu tun haben, hier.
03. August 2016
Jetzt erst mitbekommen, dass Bommi Baumann am 19. Juli gestorben ist. Ich habe den alten Haschrebellen vor sieben Jahren bei einer Lesung abgelichtet. Er wirkte ganz aufgeräumt und in sich ruhend. Ich denke, er wird in Frieden ruhen, wünsche ich ihm.

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ganz warmherziger Mensch. Wie ein lieber lustiger Onkel hat er erzählt. (…) „Freunde, schmeißt die Knarre weg.“ und damals noch ordentlich zeitnah gebloggt und sogar Kommentare… das waren noch Zeiten…
03. August 2016
03. August 2016

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Van Gia, Greifswalder Str. 11. Vietnamesisch. Sehr, sehr gut und alles knackfrisch im Einmann-Betrieb in der Pfanne gebrutzelt, man kann zuschauen. Schon die Zubereitung war ansprechend. Im Grunde viel zu preisgünstig, wenn man die Qualität begreift. Wären die Gerichte doppelt so teuer, wären sie immer noch niedrigpreisig. Weiß nicht mehr, was ich von der Karte, die zum Teil links und rechts von der Tür hängt, hatte, aber es war eines davon. Die anderen tranken ein exotisches Guavensaftgetränk aus der Dose, ich mein Lieblingsbier, dessen Namen ich nicht mehr erwähne, um etwaige Promotionunterstellungen nicht zu befördern. Wobei ich gar kein Problem darin sähe, beiläufig Markennamen zu nennen, wenn es im Eintrag organischer wirkt, als deren Umschiffung. Manchmal möchte man die Welt ja auch wissen lassen, was man gerne mag, nicht dass man sich in einer Bar oder Kneipe verabredet, wo es weder Bordeaux Superieur noch einen schönen Haut Médoc, oder Dom Perignon, Krug oder Feuillatte oder meinethalben auch Blanquette de Limoux oder Sancerre oder noch nicht mal ein Bier aus dem hohen Norden in einer grünen Flasche mit goldfarbigem Etikett gibt. Sehen Sie, genau das meinte ich mit organisch. Man möchte Alltagsbegriffe nicht narrativ erschließen müssen, das liest sich holprig und umständlich. Ich bin ein großer Fan davon, komplexe Dinge mit möglichst einfacher Sprache zu vermitteln. Ich schreibe in der Tat nicht, um ambitionierte, stilistische Häkelborten zu fabrizieren, und dafür Bewunderung einzuheimsen, sondern um klare Botschaften an den Mann zu bringen. An die Frau, Schwestern im Geiste – selbstredend – auch.

Aber eigentlich sehe ich den größeren Missionierungsbedarf bei meinen männlichen Lesern (jetzt hätte ich fast „Kunden“ geschrieben, was ist denn da in meinem Unterbewußtsein). Insofern: die Botschaft muss an den Mann! Ich denke es ist doch auch wahnsinnig interessant für so einen Mann, wie ich als Frau denke, und natürlich auch, was ich über Männer denke! Ich interessiere mich zum Beispiel auch sehr dafür, wie Männer denken! Wenn man mal ein paar ehrliche Statements haben möchte, empfiehlt es sich daher, sich mit dem einen oder anderen Mann anzufreunden, sein Vertrauen zu gewinnen, und ihn dann nach Herzenslust plappern zu lassen. Da kann man eine ganze Menge lernen! Das funktioniert nicht ganz so gut bzw. fast überhaupt nicht mit Männern, mit denen man sich in irgendwelchen erotischen Verstrickungen befindet, dann wird von beiden Seiten kalkuliert kommuniziert, weil irgendeine dämliche Strategie zugrundeliegt. Da lernt man so gut wie gar nichts, außer Training in strategischer Kommunikation, wenn man diszipliniert ist. So, das war jetzt wieder ein sehr schöner Abschweif vom Bildmaterial. Man könnte fast sagen, ein Alleinstellungsmerkmal meiner Blogeinträge! Nun muss man aber auch zugestehen, dass ich ja nun wirklich viel Bildmaterial produziere, und wenn es dann auch noch immer wieder dieselben Protagonisten vorführt, wäre es auch nicht sonderlich interessant, immer wieder zu schreiben, wer da drauf ist. Da sollte es ja nun auch einen Lernprozess geben, sofern man meine Einträge kontinuierlich verfolgt. Was ich Ihnen dringend empfehle. Aber ich gebe noch einmal eine Hilfestellung. Wir sehen abermals den französischen Regisseur und die Musikgruppe PINK PARTE , die ich gestern schon ausführlich erwähnt und vorgestellt habe, diesmal nach dem Videodreh. Wir waren da essen. Und falls es irgendwelche Fragen dazu gibt, beantworte ich die gerne im Kommentarfeld. Natürlich auch sonstige Fragen – praktisch Alles. Ich habe theoretisch keine Tabus, nicht Menschliches ist mir fremd und ich habe bzw. finde auf so gut wie alles eine Antwort. Nur zu…!
02. August 2016
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Gestern Abend auf facebook zu dem geposteten Link vermerkt: „Schon mal hier gepostet, einzeln, in Kommentaren, aber doppelt hält besser. Ich schreibe noch etwas dazu. Einen veritablen Blogeintrag. Ich werde das wieder kultivieren und sogar rückwärtig. Noch rückwärtiger als diese Bildstrecke hier mit der Fingernägelläckiererei von Romain. Bis zum Mai 2015. Und alles was danach geschah, umfassen und umarmen.“ So sei es. Allerdings schon sportlich. Aber hey, wir haben bald Olympia. Ich habe quasi eine Art backstage-Hotline nach Rio und werde seit ca. zwei Wochen mit Bildern vom Aufbau versorgt. Also nicht nur ich, alle die mit dem Mitarbeiter vor Ort eben bei fb connected sind, wie wir jungen Leute sagen. Durch die Zeitverschiebung wünsche ich gegen zwei Uhr eine Gute Nacht und erhalte die Rückmeldung „ich gehe jetzt mal was einkaufen“. Das Olympiastadion* da an der Copacabana hat ja wirklich Premiumlage, direkt am Strand, sagenhaft. Und was hat das jetzt mit den Bildern hier zu tun? Nichts.

Rein gar nichts. Aber das ist die Freiheit des Bloggens: Schreiben ohne Zusammenhang, was einem gerade in den Sinn kommt. Bin ja schließlich keine Reporterin, höchstens in eigener Sache. Dennoch möchte ich nicht vorenthalten, was es mit dieser Bildstrecke mit dem Mann, dem die Fingernägel lackiert werden, auf sich hat. Ich war für halbeins, also mittags, zum Studio und Proberaum einer der Bands bestellt, in denen Maria (wir erinnern uns) singt. Die Gruppe besteht aus drei Mitgliedern und macht Gypsy Punk. Ich denke, damit ist alles gesagt. Nein, natürlich nicht. Also die drei Hübschen heißen PINK PARTE und spielen zu dritt sehr eigene Arrangements von rumänischen Volksliedern, aber auch Preziosen aus anderer Herrinnen Länder, zum Beispiel aus Frankreich. Da kommt Romain her, der Mann im Trio. Und was für einer. Er ist unter anderem Drummer bei den Siebzehn Hippies und beim Flic Flac-Zirkus. Aber bei Pink Parte hat er hauptsächlich die Gitarre in der Hand. Die in dieser Bildstrecke nur am Ende auftauchende dunkelhaarige Schönheit ist Judith, die Violinistin, die auch Geigenbauerin ist. Aber ich greife vor. Ich muss mir ja noch ein bißchen Schießpulver aufheben, für die kommenden Strecken mit den Dreien. Da kommt nämlich noch viel mehr, vor allem eine überaus umfangreiche von einem Videodreh, an dem ich beteiligt war, am zauberhaften Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Deshalb erkläre ich jetzt nur noch kurz und knapp, dass es sich hier um Bilder aus Romains Studio handelt, irgendwo in der Greifswalder Straße im Prenzlauer Berg, und das war unser Treffpunkt. Maria lackierte allen mit demselben brombeerroten Glitzernagellack die Fingernägel. Das war quasi ein schamanischer Akt, der das die Band festigt! Mit Äußerlichkeiten hat das nichts zu tun! Romain hat sehr artig still gehalten, das kann er gut. Die motorische Disziplin des Profimusikers. Mich kann man ja sehr mit kontrollierten Bewegungsabläufen beeindrucken. Apropos beeindrucken – kurz bevor wir los sind zu unserem Videodreh, wobei noch unbedingt zu erwähnen ist, dass auch Luc de La Selle dabei war, der Regisseur des Projekts, auch ein Franzose, also was ich sagen wollte – kurz bevor wir also aufbrachen, beschloss Romain sich etwas anderes anzuziehen. Er stand so rechts in der Ecke vom Studio und bückte sich kurz, wie das Männer so machen, wenn sie sich ein Shirt über den Kopf ziehen. Das war etwas unerwartet. Ich meine – also – ich habe mich ein bißchen geärgert, dass meine Reflexe versagt haben, sonst gäbe es jetzt in dieser schönen kleinen Strecke noch ein Bild von Romain mit Shirt über dem Kopf. Das hätte Ihnen (, meine Damen) ganz sicher gefallen. Und mir erst. Ich durfte den Anblick immerhin ungefähr fünf Sekunden genießen, dann hatte er schon wieder ein anderes Hemd an. Na ja, mit Ende Zwanzig ist so ein Körper natürlich in Bestform. Abgesehen davon, dass er sich, obwohl der jüngeren Generation zugehörig, nicht der unseligen Mode verschrieben hat, etwaige Brusthaare abzurasieren. Ganz und gar nicht. Das ist jetzt vielleicht ein bißchen too much information – ich verstehe den Einwand – aber ich sehe diese Blogeinträge auch mit einem gesellschaftlichen Auftrag verbunden, und der erfordert nun einmal, solche Themen, die uns alle angehen, immer wieder investigativ anzusprechen. PINK PARTE sind übrigens ab übermorgen, 4. August auf Tour im Norden. Wenn Sie einmal einen schönen Abend mit drei sexy Musiker/innen erleben möchten, gehen Sie hin. Ein Dream Team.


WAS FRAUEN ‚EIGENTLICH WOLLEN’….? ….EXTREM VIRILE Männer, die sich die Fingernägel lackieren lassen!


28. Juli 2016
Gerade bestellt: Claire Goll – „Ich verzeihe keinem“. Auszug aus der Bewertung einer Leserin:
„(…) Als ich das Buch aus dem Karton genommen habe, wusste ich erst gar nicht was ich damit anfangen soll. Da mir weder die Dame noch der Buchtitel etwas sagten. Nachdem ich die Rückseite gelesen hatte, klang es schon recht interessant. Nicht wegen ihrer Biographie, sondern auf Grund der vielen Skandale, die enthalten sein sollten. Schon der Einstieg in das Buch war sehr faszinierend, wenn man liest, wie ihre Mutter sie behandelt hat. Allein die Vorstellung, auf welche Foltermethoden sie gekommen ist. Da kann ich nur froh sein, dass meine Mutter nicht so war. Schnell geht es weiter, so dass man zu ihrem ersten Liebhaber und Mann kam. Als sie dort erwähnt, dass sie mit 76 mit einem 20jährigen geschlafen hat und dort ihren ersten Orgasmus hatte, war ich echt schockiert. Wobei dies eher an dem Altersunterschied lag. Danach wird ständig in einer sehr anschaulichen Weise von Intimitäten geredet und viele ihrer Gedankengänge rund um dieses Thema kann ich sogar sehr gut nachvollziehen. Zum Beispiel bezüglich der Nähe und dem Sex. Wenn man dieses Buch liest, dann hat man nicht das Gefühl, dass es sich um die damalige Zeit handelt. Fremdgehen, zwei Männer und ähnliches. Von meiner Mutter oder meiner Oma, war ich eher ein anderes Bild aus dieser Zeit gewohnt. „
Das klingt doch sehr kurzweilig. Ich bin allerdings wieder einmal im Zuge meiner nun schon viele Monate andauernden wissenschaftlichen Recherchen zu Alma Mahler-Werfel darüber gestolpert, da sich Cläre Goll darin (recht despektierlich) über ihre Begegnungen mit der guten Alma äußert. Und zwar dergestalt:
„Um ihre welkenden Reize aufzufrischen, trug sie gigantische Hüte mit Straußenfedern; man wußte nicht, ob sie als Trauerpferd vor einem Leichenwagen oder als neuer d’Artagnan aufzutreten wünschte. Dazu war sie gepudert, geschminkt, parfümiert und volltrunken. Diese aufgequollene Walküre trank wie ein Loch.“
Der Titel des nur noch antiquarisch erhältlichen „Ich verzeihe keinem“ aus dem Jahre 1976 ist von Goll natürlich auch sehr apart gewählt, keine Frage. Verspricht Unverblümtes. Untertitel zudem: „Eine literarische Chronique scandaleuse unserer Zeit“.
01. August 2016
Erlebnisaufsatz: „Wie ich einmal mit Maria im Rickenbackers war“

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Wie fange ich an. Ich muss ja wohl nicht erklären, was auf den Bildern ist. Höchstens wer. Und warum. Also, das war so. Maria, das ist die schöne blonde Sängerin hier auf den Bildern, genauer Maria Schuster – ich habe sie meinen Bloglesern ja noch gar nicht offiziell vorgestellt, weil ich in den letzten Wochen und Monaten ein bißchen geschlampt habe, was Blogeinträge zu den Bildern angeht. Hier und da mal eine Strecke verlinkt, oft auf facebook, und dann zu faul gewesen, oder auch gar nicht faul, sondern zu beschäftigt, um noch ansprechende Einträge zu den Bildern auszubrüten. Wobei ich ja nicht brüte, das ist ja schon wieder gelogen. Ich denke ein bißchen ins Blaue und tippe das dann ab, mehr passiert hier nicht konzeptionell. Ich trinke übrigens Jever, während ich das hier tippe, im Aschenbecher glimmt die erste Zigarettte heute. Dort, wo die Bilder gemacht wurden – was heißt hier ‚gemacht wurden‘. Ich habe die Bilder gemacht, wer sonst – – –




das sieht ja man ja wohl – ich kenne niemanden, der sonst mit ornithologischem Ehrgeiz diesen ganz speziellen Ausdruck sucht, über den ich jetzt ganz viel erzählen könnte, aber das lasse ich heute mal – jedenfalls gab es da auch Jever. Ich glaube, der Wein erschien mir nicht so vertrauenswürdig, im Ricki, wie man das Rickenbackers Music Inn auch nennen kann. Wenn der Wein auf der Karte nicht meinen Vorlieben entspricht und es ein Jever gibt, trinke ich Jever. Noch Fragen? Nein. Gut. Also Maria hat mir am Tag vorher gesagt, dass sie dort auftritt, bei so einer Session, und ob ich Lust hätte, mitzukommen. Wenn Maria auftritt, komme ich gerne, das ist immer hörenswert. Und sehenswert natürlich, sehen Sie ja selbst. Es war eine Art Jubiläumssession von Jovi. Jovica Hendrix. Er ist der Gastgeber bei einer quasi open stage in dem sympathischen Laden, die jeden Mittwoch über die Bühne geht.





Verschiedene befreundete Musiker kommen vorbei, manchmal auch wildfremde, und spielen zusammen bekanntere Songs. Also jetzt nicht völlig Kraut und Rüben-mäßig unvorbereitet, es findet schon eine Absprache vorher statt, aber kann schon auch passieren, dass da mal jemand einfach mit seinem Instrument vorbeikommt und dann mittut. Hatte ich zumindest an dem Abend den Eindruck. Jovica ist ein sehr warmherziger Gastgeber auf der Bühne, eine Art väterliches Alphatier. Er hat den Laden im Griff und verbreitet gute Stimmung. Er kam mir ein bißchen vor wie eine Mischung aus Willy de Ville und – wie heißt er noch – Bruce Springsteen. Ich kannte ihn vorher jedenfalls nicht. Als ich kam, war die Show zum dreijährigen Jubiläum schon im Gange, Maria saß rechts an der Bühne und wir herzten uns und holten uns das schon mehrfach erwähnte Jever. Man könnte denken, ich kriege Geld dafür, also genug jetzt davon. Ich fragte sie, ob sie schon gesungen hätte, zum Glück nicht, das wäre ja wirklich ärgerlich gewesen. Drei Songs wollte sie mit Jovi singen, erzählte sie mir. Nämlich Easy, Wicked Game und Where the Wild Roses grow. Ich war schon sehr gespannt. Das Publikum war in denkbar größter Feierlaune, es wurde gewippt und mitgerockt und viel gelacht, man merkte, die sind nicht zum ersten mal da. Man müßte schon sehr griesgrämig sein, um sich da nicht stimmungsmäßig anstecken zu lassen. Das Schöne ist ja im Rickenbackers, dass man ganz nah an der Bühne dran ist. Man könnte ohne weiteres ein bißchen mit auf die Tasten vom Keyboard drücken oder an der Kabellage herumspielen, aber das macht man natürlich nicht. Für mich ist es auch insofern schön, keine hermetische Grenze zu haben, weil ich dann so familiär nah rangehen kann, wie ich das gerne mache.




Das Schummerlicht ist natürlich schwierig. Dazu ist permanent eine sehr bunte Lichtorgel im Einsatz, die aber auch dieses gewisse Siebziger Jahre-Flair in dem Laden ausmacht. Rauchen ist nicht erlaubt, man trifft sich vor der Tür oder hinten raus, im Biergarten, und gönnt sich eine. Als Maria dran war, hat sich meine Fotografiererei schon sehr auf sie konzentriert, das muss ich zugeben. Kein einziges Foto vom Publikum. Es gab ja auch noch Drummer und Bassisten und den einen oder anderen Keyboarder, aber das Schlagzeug war genau auf der anderen Seite und da waren auch die Bassisten. Das ist jetzt natürlich eine faule Ausrede, ich hätte ja ohne weiteres in die andere Ecke gehen können, aber meine gefiel mir ganz gut. Man merkte schon, dass die Performances etwas improvisiert waren, was das Zusammenspiel anging, also mit anderen Worten, dass in den Konstellationen nicht wochenlang geprobt wurde, aber das hat auch wieder einen gewissen schrägen Charme. Und doch gab es im Grunde bei jedem Song einen Moment, wo der Funke übergesprungen ist – beim Publikum sowieso – ich meine auch musikalisch. In dieser Reihe sind ja auch ein paar Bilder, wo Maria zwei Blätter mit Text vor sich hinhält, vor sich und Jovi. Das war der Text von Where the Wild Roses grow. Normalerweise spielen die Künstler dort, ohne Zettel vor sich hinzuhalten, aber es war nicht zu leugnen, dass beide den Text nicht aus dem Effeff beherrschten.




Aber warum nicht aus der Not eine Tugend machen und die Unterlagen ungeniert in die Show einbauen. Ich freute mich über das Motiv, Maria tadelte Jovi, dass die Blätter verknittert waren, die hätte er ja nun wirklich noch mal bügeln können. Die ersten beiden Strophen waren ein bißchen holprig, aber bei der dritten waren sie plötzlich sehr schön im Flow und sangen veritabel im Duett, das hörte sich richtig gut an. Ich weiß das so genau, weil ich eine Videoaufnahme davon habe. Auch bei den anderen Songs, die Maria gesungen hat, habe ich zum Teil mitgefilmt. Es gab noch eine Nummer, bei der sie miteinstieg, Rolling on a River. Meine liebste Nummer an dem Abend war aber Wicked Game, denn mittendrin, begannen Jovi und vor allem Maria zu improvisieren und sangen ein paar eigene Lyrics auf Deutsch. Und ich habe es für die Ewigkeit festgehalten. Das war in einigen Momenten sehr besonders, vor allem, was Maria da sang, und wie sie dann wieder die Kurve kriegten zu No, I don’t wanna fall in love – This girl is only gonna break your heart – No, I don’t wanna fall in love – This girl is only gonna break your heart – With you. With you. Das war schön. Eines Tages werde ich diese Aufnahme zeigen. Aber jetzt erst einmal die Bilder von diesem schönen Abend. Ja, das war er.









30. Juli 2016
30. Juli 2016
28. Juli 2016
Gerade bestellt: Claire Goll – „Ich verzeihe keinem“. Auszug aus der Bewertung einer Leserin:
„(…) Als ich das Buch aus dem Karton genommen habe, wusste ich erst gar nicht was ich damit anfangen soll. Da mir weder die Dame noch der Buchtitel etwas sagten. Nachdem ich die Rückseite gelesen hatte, klang es schon recht interessant. Nicht wegen ihrer Biographie, sondern auf Grund der vielen Skandale, die enthalten sein sollten. Schon der Einstieg in das Buch war sehr faszinierend, wenn man liest, wie ihre Mutter sie behandelt hat. Allein die Vorstellung, auf welche Foltermethoden sie gekommen ist. Da kann ich nur froh sein, dass meine Mutter nicht so war. Schnell geht es weiter, so dass man zu ihrem ersten Liebhaber und Mann kam. Als sie dort erwähnt, dass sie mit 76 mit einem 20jährigen geschlafen hat und dort ihren ersten Orgasmus hatte, war ich echt schockiert. Wobei dies eher an dem Altersunterschied lag. Danach wird ständig in einer sehr anschaulichen Weise von Intimitäten geredet und viele ihrer Gedankengänge rund um dieses Thema kann ich sogar sehr gut nachvollziehen. Zum Beispiel bezüglich der Nähe und dem Sex. Wenn man dieses Buch liest, dann hat man nicht das Gefühl, dass es sich um die damalige Zeit handelt. Fremdgehen, zwei Männer und ähnliches. Von meiner Mutter oder meiner Oma, war ich eher ein anderes Bild aus dieser Zeit gewohnt. „
Das klingt doch sehr kurzweilig. Ich bin allerdings wieder einmal im Zuge meiner nun schon viele Monate andauernden wissenschaftlichen Recherchen zu Alma Mahler-Werfel darüber gestolpert, da sich Cläre Goll darin (recht despektierlich) über ihre Begegnungen mit der guten Alma äußert. Und zwar dergestalt:
„Um ihre welkenden Reize aufzufrischen, trug sie gigantische Hüte mit Straußenfedern; man wußte nicht, ob sie als Trauerpferd vor einem Leichenwagen oder als neuer d’Artagnan aufzutreten wünschte. Dazu war sie gepudert, geschminkt, parfümiert und volltrunken. Diese aufgequollene Walküre trank wie ein Loch.“
Der Titel des nur noch antiquarisch erhältlichen „Ich verzeihe keinem“ aus dem Jahre 1976 ist von Goll natürlich auch sehr apart gewählt, keine Frage. Verspricht Unverblümtes. Untertitel zudem: „Eine literarische Chronique scandaleuse unserer Zeit“.
28. Juli 2016

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Die Verteilung von Zuneigung, Faszination erfolgt nicht nach demokratischen Regeln. Das gilt auch für die Verteilung der Aufmerksamkeit beim Fotografieren. Eine völlige Ungleichbehandlung der Protagonisten, in dieser Reihe besonders auffällig. Hätte ich mit Auftrag fotografiert – was ich exakt aus diesem Grund ungerne mache – hätte ich die beiden Künstlerinnen mit einem gleichwertigen Anteil berücksichtigen müssen, obwohl meine visuelle Zuneigung eindeutig auf die Cellistin Rachel Maio gerichtet war. Weil ich diese Vorgabe nicht hatte und radikal meinen Impulsen und Neigungen folge, musste ich rein gar nichts berücksichtigen. Ich liebe das. Die Gitarristin und Sängerin Marta Collica spielte und sang ganz wunderbar, aber es vermittelte sich nicht derart visuell in der Bühnenpräsenz wie bei Rachel Maio, die mich in kürzester Zeit mit ihrer sphinxhaften Erscheinung hypnotisiert hatte. Ich kann die Musik kaum beschreiben, habe keine Aufnahme davon. Nur von den Solosachen von Rachel Maio, hier ein wundervoller Song von ihr, Sea Shanty. Elegisch, sphärisch, melancholisch, aber nicht weinerlich. Ich erinnere mich, dass es etwas Ruhiges und Entrücktes hatte, was sie spielten, eine dunkle, hypnotische Qualität. Ich mochte es sehr. Sie traten nach Pharoah Chromium auf, auch das war an dem Abend der Record Release von Perseverantia von Alexander Hacke und Danielle de Picciotto im Roten Salon. Hatte ich ja vorgestern die Bilder gepostet. Die beiden, Rachel und Marta waren der zweite Support Act. Ich hatte nie zuvor von ihnen gehört. Ein besonderes Merkmal von einer besonderen Qualität und Substanz eines Musikacts ist für mich, wenn ich keine pädagogisch wertvolle Haltung dazu in mir suche, sondern einfach nur gebannt zuhöre und die Intensität des Moments empfinde, tiefe Resonanz in mir spüre. Das konnte diese Musik. Aber meine Kamera konzentrierte sich immer wieder einseitig auf Rachel Maio. Verteilung von Zuneigung ist nicht gerecht, sondern neigungsbedingt. Für mich ist es mitunter heikel und auch zu kompliziert, wenn ich irgendwo, ob bei einem Konzert oder einer Ausstellungseröffnung mit der Kamera unterwegs bin, wo ich einige der Musiker, Künstler oder Gäste persönlich kenne, berücksichtigen zu sollen, dass sich jemand unzureichend gewürdigt und beachtet fühlen könnte, wenn die Bilder in der Gesamtheit vorliegen. Solche Befindlichkeiten kann man eigentlich nur berechtigterweise haben, wenn ein Auftrag zugrundeliegt, der beinhaltet, von jedem Protagonisten einen gleichwertigen Anteil an Bildmaterial zu liefern. Wer leidenschaftlich arbeitet, kann sich nicht mit demokratischen Idealen aufhalten, so entsteht kein leidenschaftliches Ergebnis.


Mitunter denke ich, ich schreibe hier doch Binsenweisheiten, aber dann sehe ich wieder zuhauf, wie in diesem Bereich dilettiert wird und langweiliges Material produziert wird, und dann ist es vielleicht doch der schriftlichen Erhellung wert, wie diese Dinge funktionieren. Zum Beispiel Fotos oder noch schlimmer, Videos von Liveperformances einer Gruppe. Eine fünfköpfige Band. Nichts ist langweiliger, uninteressanter als eine Aufnahmereihe von einer Totalen der Bühnensituation, in der garantiert immer alle musizierenden Akteure gleichermaßen berücksichtigt sind. So ein Schuss ist lediglich für den Gesamteindruck der Situation ganz vereinzelt von Interesse, aber so gut wie nie, als elektrisierende Erinnerung an einen besonderen Bühnenmoment. Am sehenswertesten sind noch am ehesten diese Verbeugungen vor dem Publikum, weil in dem Moment eine sehr schöne gemeinsame Energie innerhalb der Gruppe fokussierbar ist und Berührung stattfindet. Wenn es aber einen klaren Frontmann oder eine Frontfrau gibt, gebührt diesem Alphatier auch die größte Aufmerksamkeit in der visuellen Dokumentation, sofern Charisma vorhanden. Wenn jetzt natürlich der Drummer im Hintergrund den größten Sex Appeal hätte, könnte es bei meiner speziellen Vorgehensweise schon passieren, dass sich meine Kamera auf ihn fokussiert. Aber in jedem Fall werde ich den Bereich mit der höchsten Elektrizität ins Auge fassen. Das interessiert mich. Elektrizität und Intensität. Danach suche ich. Und das finde ich. Insofern ist jeder eingeladen, mir möglichst hohe Elektrizität anzubieten, ich werde den Impuls spüren. Und sehen.



28. Juli 2016
Entschuldigung, dass ich lachen muss. Suggested Page „Männerwelt – Hier gehts um Auto´s, Grillen & Heimwerken“ So so, um „Auto’s“ mit Deppenapostroph. Wahnsinnig attraktiv. Womit habe ich mich diesmal für diesen Vorschlag qualifiziert? Ist mein (Chat-)Content der letzten Tage so testosteronhaltig? Apropos – interessant, dass in dieser Männerwelt weder Frau noch Sex im Claim ist. Wie kann das sein? Anfänge von Demenz? Verstand versoffen oder vervögelt?
27. Juli 2016
Oh Mensch Gib Acht // Was spricht die tiefe Mitternacht? // Ich schlief, ich schlief // Aus tiefem Traum bin ich erwacht // Die Welt ist tief // Und tiefer als der Tag gedacht // Tief ist ihr Weh // Lust – tiefer noch als Herzeleid: // Weh spricht: Vergeh! // Doch alle Lust will Ewigkeit // will tiefe, tiefe Ewigkeit
Friedrich Nietzsche
26. Juli 2016
read on, my dear.

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Wenn man viel schreibt, kann man auch bei sich selbst abschreiben. Copypasten. Selten habe ich Lust, mich noch einmal rückwärtig in ein Erlebnis zu vertiefen, um es in einem Eintrag zu verarbeiten. Ich bin da auch bequem. Nun liiegen aber die Bilder hier und niemand wird sich die Mühe machen, zu recherchieren, was das war. Wieso weshalb warum. Am Ende interessiert den Schreiber sein Geschriebenes am meisten. Der Autor als dankbarstes Publikum seiner Selbst. Wie auch immer. Ich schaue mal, was ich hier und da zu diesem Abend vermerkt habe. Bin gleich wieder da. Ah ja. Einiges gefunden. Am zehnten Mai postete ich unter dem Bild von Monika Döring, das auch hier im Eintrag nun zu sehen ist (die ältere punkige Lady im Profil) auf facebook: „Die Legende lebt. Godmother of Loft, Ärzte-Mentorin Monika Döring, gestern im Roten Salon. Großartiger Abend mit Danielle de Picciotto und Alexander Hacke und ihren Supporting Acts. Keine Minute Mittelmäßigkeit. Monika Döring und ich haben uns eine ganze Weile sehr angeregt und warm unterhalten. Sternstunde (liebe sie seit je). Bestes Konzert 2016 bislang.“ Und als Kommentar einen erhellenden Link für diejenigen, die keinen blassen Schimmer haben, wer denn bitte „Monika Döring“ ist und wieso ich hier einigermaßen pathetisch von einer Legende rede.


Am 11. Mai, um Acht vor Zwei, schrieb ich eine nächtliche, private Message, hier sind einige Auszüge: „(…) Ich war bei der Record Release von Danielle de Picciotto und Alexander Hacke im Roten Salon. Beide liegen mir seit langem am Herzen, ich mag sie sehr, wir sind alle drei gleich alt. Alexander schreibt neben seinem Neubauten-Zeug grandios atmosphärische Filmmusiken und ist mit seiner Gypsy Danielle nun ein paar Jahre unterwegs, beide sehen ihr Leben als ein Gesamtkunstwerk. Und wenn du siehst, was Danielle als Malerin und Zeichnerin und Filmerin da seit Jahren zuwege bringt – ohne Worte. Grandios. „We are Gypsies now“ ist sicher eines der schönsten Bücher in der Menschheitsgeschichte. Sie illustrierte den Weg von der festen base in Berlin in die weite Welt, ohne festen Wohnsitz. Danielle wurde in New York geboren und kam in den Achtzigern nach Berlin, war immer visuell aktiv. Ich liebe eigentlich allles, was sie macht. Mir sehr nah. Und Alexander, der vielleicht Gefühlvollste, Empfindsamste der Neubauten. Unglaubliche Antennen, starkes Gefühl für Atmosphäre in Musik, sehr suggestiv, unterirdisch. Trifft mich. Was die beiden da gestern aufführten, hinterließ mich ein wenig fassungslos, weil ich nicht damit rechnete, überwiegend instrumentale Musik zu hören, die mich zum Weinen bringt. Das war nun das Allerletzte, was ich erwartet hätte. So war es aber. Dieses Gewebe von sphärischen Klängen ging so tief. Wenn du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, dein innerer, ureigener Ton Resonanz erfährt. Dunkel, melancholisch auch. Es ist das ganze Spektrum zwischen Indigoblau und tiefem Schwarz. Die Support Acts waren mir unbekannt und ich war schon beim ersten nahezu sprachlos, auf welchem Level der Abend begann. Pharoah Chromium. Stunning. (schrieb ich unter ein Foto auf fb). Elektrischer Schamanismus. Mit (vermeintlich) viel Pose, die bereits nach dem ersten Takt komplett überzeugt. Psychedelisch, transzendent. Ja, magisch. Nicht übertrieben. Was macht dieser Ambient-Musiker da, was hat er da für zahllose Effektgeräte auf der Bühne…. in seiner Mönchskutte mit der martialischen Maske. Es war einfach großartig. Wenn man nicht mehr weiß, ob man Junge oder Mädchen ist…. alles gut. Alles gut. Danach eine Cellistin mit einem Sphinxgesicht und eine E-Gitarristin, die auch sang, alles war hochgradig sensitiv und filigran ohne je ins Weinerliche zu driften. So beeindruckend. Da saß die gute Betty Rust auf dem Sofa links der Bühne und ich sage noch zu ihr, na, das müssen die beiden jetzt erst mal toppen und sie grinst verständig. Hat ja nun auch schon viel gehört. Und die beiden haben das Level so dermaßen gehalten, wie gesagt (…)






(…) Dass Monika Döring, die Legende da war, das sah ich schon recht früh, ich wollte sie aber auch nicht plump von der Seite anquatschen. Ich merkte aber nach einer Weile, dass sie mich immer wieder anschaute und unsere Blicke trafen sich sehr warm und vertraut. Ich wusste, wer sie war, natürlich, – DIE Veranstalterlegende der Schöneberger, ach was, der Westberliner Musikszene, die von ihr über Jahre im Loft im Metropol am Nollendorfplatz organisierten Konzerte waren legendär und auch sie selbst als charismatische Erscheinung. Sie hat immer nach der Avantgarde Ausschau gehalten und sich ungemein für die Ärzte engagiert, die beim Rockwettbewerb des Senats mitmachten, wie eine Löwin hat sie für die Ärzte gekämpft. Ich war so gerührt, sie nach so sehr langer Zeit wieder einmal zu sehen, wir haben nie vorher gesprochen, sie war für mich eine unnahbare Autorität. Nun ist sie in einem Alter, wo sie besonderer Aufmerksamkeit beinah demütig begegnet, obwohl ihr gesunder Eigenstolz sehr schön präsent ist, nach wie vor. Unsere Blicke begegneten sich also in absoluter Präsenz und sie wirkte so interessiert und ich sagte also…. „Sie sind doch Monika Döring….“ (sicher ja, ich lächelte auch verbindlich, na klar) Und sie strahlt mich an, strahlt zurück, als hätte jemand den 500-Watt-Scheinwerfer angeknipst. Und so kamen wir ins Gespräch. Tauschten uns darüber aus, was wir besonders mochten… (ja, den ersten support act…) und auch was es sonst noch so gibt – oder wie wenig es mitunter gibt, das so sehr eigenwillig ist. Was unbeugsam ist und durch eine ureigene Qualität besticht. Ich musste an dich denken. Sie schaute mich neugierig an. Monika Döring, die Legende. (…) Na ja, wie auch immer – sie gab mir ihre Mailadresse und sagte, dass sie nicht auf fb ist. Süß, wie sie mir ihre Adresse dreimal deutlich vorsagte, „Döring mit oe!“ bei Dingenskirchen at sowienoch. Schöne Begegnung. Und dann wollten wir die Künstler mit Plattenkäufen supporten und Monika wollte unbedingt eben von dem pharaonischen support act die Platte, und ich unbedingt die von Danielle und Alexander, weil so oft heult man dann auch nicht vor lauter Berührtheit beim Musikhören. Monika Döring kann nicht mehr so gut gucken, ich glaube, sie ist schon einiges über Siebzig, bestimmt…. deswegen gerät das Augen Make up auch etwas drastisch, aber egal – Hauptsache es rockt. Ich suchte ihr also mit ihre Wunschplatte aus und wollte selber nur die CD haben, von Danielle und Alex und da war aber als quasi give away eine Vinylplatte dabei – bzw. umgekehrt. Man konnte die Vinylplatte haben, in der dann auch eine CD versteckt war, aber nicht separat. Und dann überlegte ich, was ich mit einer Vinylplatte soll, wieviele Menschen kenne ich noch, mit Plattenspieler? Ich glaube zwei. Aber du bist mir zuerst eingefallen. (…) Das Werk heißt Perseverantia. Auf dem Cover ist ein Rhinozerus. Sehr schön. Schönes Cover. (…)“ Und am fünfzehnten Mai postete ich auf fb eine Aufnahme, die Danielle de Picciottos archaisch-psychedelische Visuals zeigt, mit der Bildunterschrift „DAS sind Visuals. Alexander Hacke, Danielle De Picciotto, Perseverantia„

25. Juli 2016
25. Juli 2016
25. Juli 2016
Alma Mahler about the trophies in her house and about Gustav Mahler
25. Juli 2016

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Hatte ich ja erwähnt. Meinen Ausflug zur Villa Kult. In Lichterfelde. In dreißig Jahren in Berlin war ich ungefähr zweimal in Lichterfelde, diesen Besuch mitgerechnet. Der Hindenburgdamm ist auf dieser Höhe von Villen gesäumt, die meisten direkt zur verkehrsreichen Straße hin, aber dieses Objekt liegt ganz weit hinten, man überquert eine große Rasenfläche bis zur Villa, die auch ein kleines Hotel ist. Ich bin entdeckungsfreudig, was unbekannte Orte anbelangt, vor allem in Berlin. Wenn mir jemand den Besuch in einer Kneipe, Bar oder einer sonstigen Location vorschlägt, wo ich schon dreimal war oder eine mir unbekannte Alternative, wähle ich den unbekannten Ort. Für mich lohnt es sich schon alleine deshalb, weil es etwas Neues ist. Ich mag keine nahezu identischen Wiederholungen. Außer vielleicht beim Essen, Trinken und Rauchen. Und ich gehe wiederholt gerne zurück in meine Wohnung, aber sonst eher nicht. Ich bin einfach zu neugierig und erlebnishungrig. Wenn dieser Abend mit identischer Besetzung an einem Ort, den ich kenne, stattgefunden hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr gering gewesen, dass ich mich dazugeselle. Obwohl ich wusste, dass nette oder interessante Menschen da sein würden. Ich hatte eigentlich mit Jan gerechnet, der wollte gegen Halbacht dort sein, ich habe aber zuhause ein bißchen getrödelt und war noch online anstatt mich anzuziehen und war dann erst nach Acht da, und da war Jan bereits wieder weg, der Umtriebige. Ich bin zunächst eher aus Höflichkeit gegenüber Konstantin etwas länger geblieben, als ich wollte, aber dann zeigte er seine Filmschnipsel und erzählte so kurzweilig, und ich hatte auch nichts anderes vor. Die anderen kannte ich nur flüchtig, teilweise vom Sehen. Trotzdem saßen wir dann später in so trauter Runde, als wären wir uralte Freunde, wobei einige sich tatsächlich länger kannten. Die beiden Frauen, die ich da fotografierte – sie wollten es gerne – ich wäre nicht auf die Idee gekommen – habe ich zum ersten mal gesehen, Rita, die mit den ausladenden Armbewegungen, die filigranere, mochte ich auf Anhieb. Sehr lebhaftes Naturell. Sie hatte ihren Neffen dabei, ein junger Mann namens William, ein Italiener, der auf eine sehr interessante Weise Deutsch spricht, relativ langsam und artikuliert, um Fehler zu vermeiden. Ich habe keinen einzigen Fehler ausgemacht, alles grammatikalisch korrekt. Ein Akzent ist da, aber das ist ja auch normal. Er war einer der wenigen Raucher, ich hatte kein Feuerzeug dabei, habe ich nie. Ich lasse mir gerne Feuer geben. Rita war sehr beglückt, dass ich Zigaretten hatte, William dreht, das mag sie nicht so, also Selbstgedrehte ohne Filter rauchen. Ich war ziemlich verblüfft, welche Themen zur Sprache kamen. In solchen Runden ist ja gerne mal Klatsch und Tratsch aus der Szene Gesprächsthema, aber nein, es ging um den vor kurzem erbrachten wissenschaftlichen Nachweis von Einsteins Theorie der Gravitationswellen, um die Zeit-Raum-Achse und andere physikalische Wellen-Phänomene. Ich glaube, einer der Männer in der Runde hatte da auch einen universitären Hintergrund, anders kann ich mir dieses aus der Pistole geschossene Fachwissen nicht erklären. Nur, dass die anderen da auch mit Feuereifer am Diskutieren waren, war schon recht interessant. Na gut, einiges stand ja auch darüber in der Zeitung, das habe sogar ich mitbekommen. Es mäanderte dann stellenweise ein bißchen ins Esoterische, aber das ist ja heutzutage auch normal. Schon angenehm, in einer Sommernacht draußen zu sitzen und zu trinken, zu rauchen und herumzuphilosphieren. Wobei ich dann doch hauptsächtlich zugehört habe. Ich rede eigentlich selten, um mich reden zu hören, sondern nur wenn ich glaube, etwas Substanzielles beitragen zu können. Wieder einen Ort erkundet. Ich mag es, wenn Kunst in einem Umfeld ist, wo getrunken und gelebt wird. Galerien gefallen mir eigentlich nur, wenn sie sich bemühen, atmosphärisch einen sinnlichen, einladenden Lebensraum zu erschaffen, das gibt es viel zu selten. Deswegen war ich auf Anhieb in die Sevenstar Gallery bei mir hier um die Ecke, in der Gormannstraße verliebt. Ein besonderer Ort, den ich gerne mehrmals besucht hatte. Aber dann war eine Weile nichts, und es war dann auch mal gut. Seit wieder Galeriebetrieb ist, war ich nicht mehr da, es fehlt mir aber auch nicht wirklich. Ich kann mich immer so gut an alles erinnern. Und es gibt hier noch so viel anderes zu entdecken und zu erleben.




23. Juli 2016
Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg

Villa Kult
22. Juli 2016

Gestern, Villa Kult. Konstantin, der Kunstkontakter. Herr Schneider hat sich ja nun sehr gefreut mich zu sehen. Beim Geplauder im Garten der Villa fängt er nach einer Weile wieder mit seiner Phantasie-Unterstellung an, er würde sich noch genau erinnern, dass ich mich ja damals, seinerzeit, „mit Sobottka“ – wie hat er es formuliert… „Ich weiß noch genau, es war Winter und Schnee, vor irgendeiner Galerie, und da habt ihr euch, du und Sobottka, mitten auf der Straße – auf dem Boden – gewälzt!“ Ich: „Das hat nur in deiner Phantasie stattgefunden, wir haben niemals auf der Straße gelegen, das bildest du dir ein und das erzählst du mir jedes mal, wenn wir uns sehen.“ Konstantin: „ja ja, Immer JAN JAN JAN, immer nur JAN! Gerade eben hast du ja schon wieder gefragt „Wo ist Jan? Immer nur Sobottka, du bist doch wieder nur wegen Sobottka gekommen!“. Ich: „Ja, natürlich, nur wegen Jan, ich gehe überhaupt nur irgendwohin in der Hoffnung, Jan zu treffen. Genauso ist es. Komm, wir machen mal ein Foto, von uns beiden.“ Konstantin begeistert, JA! Lass uns endlich ein Foto machen von UNS!!!“ Klick, klick, klick. Männlicher Gast fragt, ob er auch ein Foto von uns beiden machen darf. „Ja, mach, gerne.“ Macht Foto, klick klick. Zeigt uns das Ergebnis. Ich schmiege mich wieder mal zutraulich an meinen Fotopartner, wie mir das bei solchen Aufnahmen irgendwie automatisch immer unterläuft, ich kann scheinbar gar nicht anders. Ich bin fast ein bißchen sprachlos, WIE zutraulich. Konstantin juchzt und jauchzt: „Oh mein Gott! Ein Traum! Endlich das ultimative Bild von uns beiden als Paar! Endlich!“ Ich: „OMG…das ist ja unglaublich! Das ist ja nicht zu fassen. Man könnte denken, wir wären uns irgendwie sympathisch! Wahnsinn!“. Na ja, so in etwa lief gestern die Konversation zwischen Frau Nielsen und Herrn Schneider ab. Aber er hat auch wieder launige Anekdoten aus der Kunstwelt parat gehabt, als er einen Zusammenschnitt seiner filmischen Kunstszene-Impressionen der letzten Jahre vorführte. Mit einem Abspann wie ein Nachruf, direkt ein bißchen unheimlich. Und dann noch dazu seine Idee, aufzuhören und als nächste Aktion zu propagieren „Der Kunstkontakter ist nun Kunstgeschichte!“ Obwohl die Idee nicht schlecht ist. Na so oder so, ich hoffe, Konstantin bleibt uns noch lange erhalten. Ich mag ihn wirklich.
22. Juli 2016
»Das Dichten hat für mich immer mehr Fallen. – Der Kampf gegen den Egoismus macht weder ethisch noch ästhetisch besser. Wahrhafte Fruchtbarkeit muß vielleicht immer mit starken Irrtumsmöglichkeiten über sich selbst und hitzigen Interessen verbunden sein.«
[ Franz Werfel, Tagebuch, 7. August 1918 ]
22. Juli 2016
21. Juli 2016

Ich liebe dieses Bild von Wolfram Adalbert Scheffler. Gesehen, geliebt. Geht so schnell wie mit Menschen. Gesehen, geliebt. Na gut, manchmal auch erst auf den zweiten Blick, wenn man genau hinsieht, hinsehen kann, nichts den Blick verstellt. Interessant, wie kleine Details die Empfindung sofort umkehren können. In der S-Bahn vor einigen Tagen wieder bemerkt. Ein Mann, vielleicht Mitte, Ende Dreißig, durchschnittlich groß, nicht klein, schlank, stand halb angelehnt, las ein Buch, mit geneigtem Kopf. In dem Winkel wirkte er ganz attraktiv, ich sah durch die Neigung mehr vom oberen Teil des Kopfes, die Stirn, die Nase. Da ich selbst stand, ich bin ja ziemlich groß, war mein Blickwinkel etwa auf Augenhöhe mit dem Mann. Sein Blick war gesenkt. Als die S-Bahn hielt, seine Station gekommen war, kam er in Bewegung, packte das Buch in die Tasche und hob den Kopf, ich sah das ganze Gesicht. Die Augen und die Mund- und Kinnpartie. Ich war innerhalb des Bruchteils einer Sekunde sofort desinteressiert. Der Blick drückte keinerlei Scharfsinn aus, eine völlig humorlose Ausstrahlung, der Mund leicht verkniffen, schmal, beinah geizig, nichts war aus dieser Perspektive mehr anziehend. Es fiel mir in diesem Moment wieder so deutlich ins Bewusstsein wie selten, wie Gesichtszüge, Blick und Ausstrahlung in der Summe in kürzester Zeit zu dem Urteil führen, dass einem jemand interessant oder uninteressant erscheint. Keine neue Erkenntnis, ich weiß. Aber dieser Moment war dennoch interessant, weil mein eingeschränkter Blickwinkel zunächst zu einer anderen Einschätzung kam. Kann man metaphorisch weiterspinnen, die Sache mit dem eingeschränkten Blickwinkel. Dass man mitunter vielleicht auch einen sehr attraktiven Eindruck von sämtlichen äußerlichen Parametern hat, Dank eines umfassenden Betrachtungswinkels. Aber man sieht immer noch nicht, was in einem Menschen vorgeht, man kann nur eine Ahnung bekommen, in einem Moment. Wenn jemand möchte, dass Bereiche unsichtbar bleiben, ist das leicht hinzubekommen, leichter, als etwas Äußeres zu verbergen. Ich denke, dass jeder Dinge verbirgt, auch vor den Menschen, die einem näher oder sogar sehr nahe stehen. Auch ich. Es gibt Dinge, die sind zu filigran, um sie zu äußern, man gibt den Dingen damit auch mehr Gewicht, als man in der Welt haben möchte. Nur einer von vielen Gründen, die es dafür geben kann. Oder man möchte etwas schützen. Möchte etwas nicht diskutieren und bewahrt deshalb Stillschweigen. Ich verurteile das nicht. Die Sache mit der absoluten Wahrheit existiert nur als nobles Dogma. Es gibt viele Wahrheiten. Was als offene Struktur, materialisiert, manifestiert sichtbar ist, zu Tage tritt, kann zwar als solche als „real“, „wirklich“, definiert werden, dennoch kann es darüberhinaus ein Innenleben geben, das dieser äußerlich sichtbaren Struktur widerspricht. Ich gebe ein Beispiel. Ein altes Ehepaar in einem Restaurant, das nicht miteinander spricht, auf das bestellte Essen wartet, den Blick aus dem Fenster richtet, nicht sehr glücklich erscheint. Ein frisch verliebtes Paar am Nebentisch, das innigen Bickkontakt zueinander sucht, turtelt, sich an den Händen fasst, könnte denken, „hoffentlich werden wir nie so, das ist ja furchtbar, warum sind die überhaupt noch zusammen“. Es könnte sein, dass das alte Ehepaar sich in Jahrzehnten schon alles in Wiederholung erzählt hat und zurückblickt, einfach nur sinniert und auch im Augenblick ist, nachdenklich vielleicht. Und es eine Bindung auf einer Ebene gibt, die sich nicht in Händchenhalten und unablässigem Reden ausdrückt. Das gibt es. Das ist nur ein Beispiel einer nicht sofort sichtbaren Ebene einer inneren Wahrheit. In dem Fall einer gemeinsamen inneren Wahrheit. Und es gibt individuelle innere Wahrheiten. Und so trägt jeder das Wissen um seine eigenen innersten Lebenswahrheiten in sich, in all ihrer Vielfalt, die nicht jeder andere, nicht jeder Außenstehende wissen muss, kann, soll. Das ist völlig normal und es gibt immer einen guten Grund dafür.

20. Juli 2016

Gefährlicher Zustand. Nah am löschen. Warten, bis sich die innerliche Wellenbewegung beruhigt. Wird sie. Wahrscheinlich die Hormone. Zuviel Testosteron. Ich habe sowieso ziemlich viel davon. Nein, kein übermäßiger Haarwuchs. Das andere. Aggression, Kraft, Lust. Ich wäre wahrscheinlich als Mann nicht unattraktiv. Ich habe mal gehört, dass die Ernährungsweise den Hormonspiegel beeinflussen kann. Angeblich fördert eiweiß- und fettreiche Nahrung den Testosteronspiegel und kohlehydratereichere Nahrung den Östrogenspiegel. Ich bin eindeutig Fleischfresser. Fresserin. Bei der Auswahl von einer Tafel Schokolade und einem Grillteller müsste ich nie lange überlegen, eindeutig den Grillteller. Oder zwei. Unglaublich befriedigend. Ich habe sehr gute Schokolade daheim aber überhaupt keine Lust mehr darauf, früher regelmäßig. Seltsam. Vielleicht kommt das mal wieder, aber im Augenblick brauche ich Fleisch. Raubtiergelüste. In vielen Aspekten, manchmal aber auch blinde Aggression, die ich nicht auslebe, nicht ausagiere. Nur in Bewegung transformiere. Oder in solche Einträge. Ebbt schon etwas ab. Habe auch zu wenig geschlafen, zu viel geraucht (für meine Verhältnisse, ich rauche ohne Regel, habe wenn, seltsamerweise nur am Abend diesen Drang, dann aber ungeheuer gierig) und vielleicht ein halbes Glas mehr getrunken, als ideal. Ist nicht immer so leicht zu erkennen, erspüren, wenn man im Flow ist, schon leicht angetrunken, auch euphorisiert, und es schmeckt, dass die Grenze erreicht ist, wo man keine Nebenwirkungen am Tag danach spürt. Das alte Thema mit dem virtuos Trinken, das ich seit geraumer Zeit auslote. Na ja, wer nicht. Im Moment kenne ich keinen einzigen konsequenten Antialkoholiker. Manche Freunde, die mit dem Auto unterwegs sind, halten sich manchmal zurück aber auch nicht radikal, oder wenn es mal eine gesundheitliche Einschränkung oder Krise gibt, die dazu zwingt, aber sonst nicht. Meine anderthalb Jahre ohne einen Tropfen Alkohol zwischen November 2010 und Mai 2012 waren definitiv auch nicht glücklicher, ich hatte niemals einen Kater, woher auch, aber sonst fühle ich mich jetzt insgesamt besser und zufriedener. Ich brauche diese Rituale, ich liebe sie. Total. Auch ohne Gesellschaft. Ich trinke und rauche allein, das macht mich gerade bei den ersten Gläsern und Zügen regelrecht euphorisch. Dafür sind Drogen schließlich da. Danke Gott für diese hervorragende Erfindung. Man muss sich ab und zu darüber klar werden, wofür man dankbar sein kann. Zum Beispiel dafür. Und noch ganz viele andere Dinge, die ebensowenig profan sind. Euphorische Zustände sind keine profane Sache, ganz und gar nicht. Ich sehe da vielmehr einen Zugang zu religiösen Gefühlen, das meine ich ganz ohne Ironie. Stufen der Ekstase, Entzückung. Glückliche Auflösung. Die Lösung, Ablösung, Erlösung von allem, das einen nüchtern beschwert, den Zugang zum Glück verwehrt.

19. Juli 2016
Keine Lust, nur Englisch zu reden. Dieses äh – nennen wir es „Portal“, auf das mich die Freundin gebracht hat, wird ausschließlich englischsprachig betrieben, was zwar einerseits den Vorzug hat, dass sich dort Berliner einfinden, die zumindest ausreichend sprachbegabt sind, um den Fragenkatalog abzuarbeiten und die Datenmaske auszufüllen, sich demzufolge offenbar nicht komplett vor der Regelschulzeit gedrückt haben, was andererseits aber auch Herrschaften anzeigt, die kaum oder nur geringfügig Deutsch beherrschen, aber durchaus Kontakte zu deutschen Frauen suchen. Ich kann ja wohl von einem ausländischen Bewerber verlangen, dass er mich – um sich für die nächste Runde ziu qualifizieren – mit flüssig vorgetragenen Versen aus der klassischen deutschen Lyrik zu beeindrucken versucht. Ein Foto habe ich ja weiterhin nicht hochgeladen, auch keinerlei Hobbies oder Interessen angegeben. Na gut, man konnte bei den Vorgaben an die Männer schon ein bißchen eingrenzen, wo so das untere Limit ist, also habe ich bei der Frage nach dem Aussehen angegeben „überdurchschnittlich gut“. Körpergröße 1,86 bis 1,96, Alter 29 – 52. Man möchte sich ja auch nicht verschlechtern. Nun hat mir einer – obwohl er ja nichts über mich weiß, außer dass ich „38“ bin und ‚fit‘ eine Message geschickt, in der er fragt, was ich bei dem – ich übersetze mal „schwierigen Wetter“ so treibe. Ich gehe also auf das Profil, man sieht nur ein kleineres Bild (es wäre wohl größer zu sehen, wenn ich selber ein Bild eingestellt hätte), auf dem man jemand mit Sonnenbrille sieht, mutmaßlich nicht hässlich, 38 (also wie ich, falls es stimmt!), schreibt im Profil was von engineering und audio field, also wohl Toningenieur. Spricht flüssig Englisch, etwas Französisch und wenig Deutsch. Wohnt in Mitte. Klingt ja eigentlich nicht unattraktiv. Aber ich habe keine Lust, mich nur auf Englisch zu unterhalten! Ich brauche jemanden, der mir verwertbares Material für meine Blogeinträge liefert, ich kann mir nicht immer alles nur selber ausdenken. Da muss sich ordentlich artikuliert werden, so dass es quasi eins zu eins verwertbar ist. Ich habe das Portal seither auch nicht mehr besucht. Ja, was dachten Sie denn, wofür ich Kontakte suche? Für irgendwelchen Schweinkram oder was? Die reine Liebe zur Literatur treibt mich an, das hehre Wort, geistig hochstehender Austausch, die Hingabe an die Poesie! Dass ich dabei den einen oder anderen Anspruch an das Erscheinungsbild habe, hat rein künstlerische Aspekte. Sie wissen ja, ich fühle mich der visuellen Dokumentation verpflichtet, da muss die ganze Performance stimmen. Es geht hier langfristig um das Werk, und was ich der Welt einmal hinterlassen werde.
19. Juli 2016
Keine Lust, nur Englisch zu reden. Dieses äh – nennen wir es „Portal“, auf das mich die Freundin gebracht hat, wird ausschließlich englischsprachig betrieben, was zwar einerseits den Vorzug hat, dass sich dort Berliner einfinden, die zumindest ausreichend sprachbegabt sind, um den Fragenkatalog abzuarbeiten und die Datenmaske auszufüllen, sich demzufolge offenbar nicht komplett vor der Regelschulzeit gedrückt haben, was andererseits aber auch Herrschaften anzeigt, die kaum oder nur geringfügig Deutsch beherrschen, aber durchaus Kontakte zu deutschen Frauen suchen. Ich kann ja wohl von einem ausländischen Bewerber verlangen, dass er mich – um sich für die nächste Runde ziu qualifizieren – mit flüssig vorgetragenen Versen aus der klassischen deutschen Lyrik zu beeindrucken versucht. Ein Foto habe ich ja weiterhin nicht hochgeladen, auch keinerlei Hobbies oder Interessen angegeben. Na gut, man konnte bei den Vorgaben an die Männer schon ein bißchen eingrenzen, wo so das untere Limit ist, also habe ich bei der Frage nach dem Aussehen angegeben „überdurchschnittlich gut“. Körpergröße 1,86 bis 1,96, Alter 29 – 52. Man möchte sich ja auch nicht verschlechtern. Nun hat mir einer – obwohl er ja nichts über mich weiß, außer dass ich „38“ bin und ‚fit‘ eine Message geschickt, in der er fragt, was ich bei dem – ich übersetze mal „schwierigen Wetter“ so treibe. Ich gehe also auf das Profil, man sieht nur ein kleineres Bild (es wäre wohl größer zu sehen, wenn ich selber ein Bild eingestellt hätte), auf dem man jemand mit Sonnenbrille sieht, mutmaßlich nicht hässlich, 38 (also wie ich, falls es stimmt!), schreibt im Profil was von engineering und audio field, also wohl Toningenieur. Spricht flüssig Englisch, etwas Französisch und wenig Deutsch. Wohnt in Mitte. Klingt ja eigentlich nicht unattraktiv. Aber ich habe keine Lust, mich nur auf Englisch zu unterhalten! Ich brauche jemanden, der mir verwertbares Material für meine Blogeinträge liefert, ich kann mir nicht immer alles nur selber ausdenken. Da muss sich ordentlich artikuliert werden, so dass es quasi eins zu eins verwertbar ist. Ich habe das Portal seither auch nicht mehr besucht. Ja, was dachten Sie denn, wofür ich Kontakte suche? Für irgendwelchen Schweinkram oder was? Die reine Liebe zur Literatur treibt mich an, das hehre Wort, geistig hochstehender Austausch, die Hingabe an die Poesie! Dass ich dabei den einen oder anderen Anspruch an das Erscheinungsbild habe, hat rein künstlerische Aspekte. Sie wissen ja, ich fühle mich der visuellen Dokumentation verpflichtet, da muss die ganze Performance stimmen. Es geht hier langfristig um das Werk, und was ich der Welt einmal hinterlassen werde.
18. Juli 2016
17. Juli 2016
High on Rebellion

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»Der Künstler ist immer vollkommen in die Gesellschaft integriert, aber nicht in die Gesellschaft seiner Zeit, sondern in jene der Zukunft.« Ein Zitat von Ernesto Cardenal, einem nicaraguanischen, vom Papst wegen seiner politischen Aktivitäten suspendierten katholischen Priester und Dichter. Passt sehr gut unter das Bild von Trak Wendisch da oben. Er steht vor einem Selbstportrait, 1984 in Ostberlin entstanden, mit einem Koffer in der Hand. Das Bild heißt auch „Mann mit Koffer“. Symbolträchtig. Es hängt seit zwei Tagen in der großen Ausstellung „Gegenstimmen“, eine Retrospektive rebellischer Kunst in der DDR. Trak Wendischs Bild ist seit vielen Jahren Bestandteil der ständigen Sammlung der Berlinischen Galerie. Insofern könnte das Zitat kaum passender sein. Aber auch auf die gesamte Ausstellung bezogen. Sehr sehenswerte Exponate. Einer der beiden Kuratoren, Christoph Tannert erklärt: „Das ist eine Verbeugung vor den Künstlerinnen und Künstlern, die sich in erster Linie nicht haben einsacken lassen und vereinnahmen für ideologische Vorhaben“. Rebellion hat einen eigenen Sex Appeal, dem man sich – oder ich mich – nicht entziehen kann. Radikalität ist immer Symptom einer großen Kraft, die irgendwohin will, wo sie sich unbeschnitten entfalten darf. Ein Ausdruck von Potenz, wenn man so will. Wo die Kräfte mittelmäßig vor sich hinplätschern, gibt es keine anschwellenen Wellen, keine Aufregung, da wird niemand nass. Und auch schön, das Zitat dort, an die Wand genagelt: „Die Freiheit wird nicht kommen, Freiheit wird sich rausgenommen“ von Bert Papenfuß. Man muss das auf sich wirken lassen. Für eine alles entschuldigende Opferhaltung bleibt da nicht mehr viel Platz. Daher: High on Rebellion. Übrigens hätte ich das wieder gar nicht mitbekommen, wenn mich Jan nicht ein, zwei Stunden vorher deswegen angepostet hätte. Die einzigen Ausstellungen, die ich in diesem Jahr besucht habe, waren eine Finissage von Rosa von Praunheim und dann diese seltsame Installation in einer Schöneberger Privatwohnung mit Exponaten, Notizen und Collagen von Wolf Wondratschek. Inspirierend, diese Ostberliner Rebellen.
16. Juli 2016
»Die Freiheit wird nicht kommen, Freiheit wird sich rausgenommen.«
Bert Papenfuß
16. Juli 2016
15. Juli 2016





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Roter Salon, vor und nach dem Konzert von Tom Adams, Andrea Belfi war der support act. Da es meine Idee war und ich zwei Karten hatte, war ich sehr froh, dass das Experiment glückte, da ich nicht genau wusste, was uns da erwarten würde. Und es war der Abend, als ich zum ersten mal nach anderthalb Jahren wieder filmte, ungeplant. Was Tom Adams machte, war vom ersten Augenblick von einer derartigen Intensität, dass ich mehr als nur Bilder einfangen wollte. Und auch das ist geglückt. Ich hatte so einen schönen Winkel, allerdings auch mit Bedacht gewählt, war relativ früh vor Konzertbeginn da und konnte die Plätze aussuchen. Ich saß direkt vor ihm, dicht an seinem Flügel und fokussierte ihn von unten, teilweise hautnah, mit einer sehr intimen Wirkung. Geradezu privat wirkt es. Ich habe es ja schon vielfach dokumentiert und verlinkt, was dabei herausgekommen ist. Dass es Tom Adams auch mochte, sogar ausgesprochen, ist eine schöne Streicheleinheit, wenn man mit der Verarbeitung von solchen Ergebnissen einige Zeit verbracht hat. Allerdings empfinde ich es nicht als anstrengend, Filmsequenzen zu schneiden, wenn ich gerade im Flow bin, das ist ein weitgehend irrationaler Vorgang, sobald man die Technik beherrscht, schlafwandlerisch. Ich sehe beim Schneiden auf die Filmsequenz und höre dabei die Tonspur, als sähe ich einen fertigen Film und nehme dann die mir notwendig oder passend erscheinenden Korrekturen vor, so lange, bis mich nichts mehr stört. So in etwa. Wenn ich an einer Stelle nicht spielerisch weiterkomme, schließe ich das Projekt und arbeite an etwas anderem weiter, wo sich der Flow sofort einstellt. Irgendwann ist dann die beiseite gelegte Projektdatei wieder fällig, ich sehe dann nach einer gewissen Zeit, beim neuen Sichten, plötzlich völlig offensichtlich, was ich wo wegschneiden muss oder wo ich die Reihenfolge der Bildspuren wie ändern muss, damit es stimmig und zu einem organischen Gefüge mit der Tonspur wird. Und immer rhythmisch schneiden, bei Musik immer nach Takt. Ich staune, wie oft man Musikvideos ansieht, dass die Schnitte nicht konsequent dem Takt folgen. Ist mir ein Rätsel, wie man einen Film, der für ein Musikvideo gedacht ist, ohne die Musik zusammenschustern kann und dann am Ende nur die Audiospur darunterklebt. Passiert sogar bei kommerziellen Clips. Hier striktes rhythmisches Editieren mit laufender Tonspur. Wen das hier auch immer interessieren mag.
14. Juli 2016
14. Juli 2016
14. Juli 2016
manche machen aber auch wirklich nette Angaben
„I’m really good at:
Taschentücher mitwaschen. Namen vergessen.“
kann man mal bookmarken.
oder so schöne nicks wie „tastaturproblem“. leider optisch nicht mein Fall, trinkt außerdem nie und Veganer. Das matcht ja überhaupt nicht mit meinem Wiener Schnitzel.
(Habe mich gleich mal zwölf Jahre jünger gemacht, erweitert die Zielgruppe! Aber noch kein Foto hochgeladen. Können mich ja googeln. Bin noch unentschieden, was ich da eigentlich will. Morgen ist auch noch ein Tag. Ein Kandidat sieht fast aus wie Götz George. Müsste man direkt mal überprüfen. Was hat man zu verlieren. Die Unschuld sicher nicht mehr, mit flotten – äh – (wie alt bin ich noch mal laut Profil….?) achtunddreißig!)
13. Juli 2016
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als Film zu betrachten.
11. Juli 2016
Man kann ja gegen Fußball sagen, was man will, aber in Sachen Trendfrisuren und durchtrainierte Körper sind die jungen Männer ganz vorne mit dabei. Ja, man könnte sagen allererste Liga!
10. Juli 2016
06. Juli 2016
– mehr so für’s Protokoll – ein fb-spezifischer Beitrag, gerade dort ins Fenster getippt – hierherkopiert, der Vollständigkeit halber –
Was man auch mal austesten könnte, ist mit einem Aufwasch alle hier entfreunden. Und dann abwarten, wer sich beschwert oder wem es überhaupt auffällt. Das sind dann die drei echten Freunde und die zweieinhalb, die einen stalken. Oder so ähnlich. Ich habe in den letzten Jahren ja schon häufiger durchgefeudelt. Einfach „Freunde“ gelöscht, die man aus einem kurzen Kontakt und einem Anflug von Sympathie vor Monaten oder gar Jahren ohne weiteren Kontakt so mitgeschleppt hat. Manchmal habe ich solche Bedürfnisse. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich zum Beispiel die Angewohnheit, Seiten nur kurzfristig zu ‚liken‘, um einen Kommentar zu ermöglichen und dann wieder zu ‚unliken‘, war immer schön leer und aufgeräumt hier, problematisch für algorithmische Berechnungen. In letzter Zeit habe ich verschiedene Likes aus dem Bekanntenkreis belassen, man will ja auch niemanden beleidigen, wenn man freundschaftlich verbandelt ist. Allerdings finde ich es doch immer recht mutig, jemanden einzuladen, eine Seite zu liken. Das ist so ähnlich, wie wenn man ein Foto von sich an alle schickt mit der dezidierten Aufforderung, einem eine Liebeserklärung zu machen. Schwierig, schwierig. Dann ist es mir schon lieber, wenn jemand knallhart erklärt, dass er mehr traffic braucht, weil es sich um ein kommerzielles Projekt handelt. Wahrscheinlich stört mich auch nur diese Wortwahl mit dem „einladen“. ich „lade dich ein, meine Seite zu mögen“. Und? Was ist der Gegenwert bei dem Deal? Komme ich auf sämtliche Gästelisten? Freibier? Handsignierte Schallplatten aus Künstlerhand mit persönlicher Widmung? Ihr müsst mir schon auch etwas bieten. Eine schöne Kiste Bordeaux, da kann man nicht viel falsch machen. Im Grunde schreibe ich nur so ein Zeug, weil ich hier gerne ein bißchen Provokation hätte. Das ist mir schon wieder alles zu brav und lieb und nett. Agent Provocateur kennen Sie doch. Nicht die Dessous.
09. Juli 2016

„Breiter aufgestellt“. Kommt ja auch aus dem Fußball. In dem Zusammenhang, in dem es gestern in einer nächtlichen Unterhaltung fiel, war allerdings ein anderes Spiel gemeint, in dem man breiter aufgestellt ist. Mich amüsiert die Formulierung. Ich kenne ja so einige, die breiter aufgestellt sind. Mich nicht komplett ausgenommen. Es gibt so ungeheuer viele Männ enschen auf der Welt. Was man dann real praktiziert, steht auf einem anderen Blatt. Tatsächlich fehlen mir (ich bedaure das) die mentalen, gefühlsmäßigen und zeitlichen Kapazitäten, um mich in der gelebten Realität noch „breiter aufgestellt“ zu positionieren. Aber von der Sache her ist mir das überaus nachvollziehbar. Ich habe immer noch dieses Bild von einer Truppe von vier bis sechs kräftigen jungen Männern vor dem inneren Auge, schön breit aufgestellt, um möglichst viele Bälle abzugreifen. Ja ja, ich werde schon wieder albern. Neulich die Idee gehabt (surprise, surprise! – im Chat), man müsste mal die ganzen Perlen, die da so geäußert werden, in einer Lesung auf die Bühne bringen. Mit Klavieruntermalung. Weiblicher und männlicher Chatstrang markant besetzt (ich lese natürlich meine Sätze). Fragt sich nur, ob es nicht Ärger gibt, wenn man all diese goldenen Worte öffentlich herausposaunt. Es sind aber auch zu schöne Sachen dabei. Man könnte allerdings auch sportlich behaupten, das wäre alles im Rahmen eines Literaturprojektes entstanden und natürlich völlig frei erfunden, „jedwede Ähnlichkeit mit den Äußerungen tatsächlich lebender Personen ist nicht beabsichtigt und beruht auf reinem Zufall“ etc. pp. Gestern ging es (u. a.) auch um Gurkenfotos. Ich kann jetzt hier nicht den ganzen Strang copypasten, das gehört sich nicht, aber es fiel die Formulierung „Gurkenphotos kommen nur bei bestehenden Gurkereien gut. Sonst nicht.“ Lasse ich mal so stehen.
09. Juli 2016

Agapanthus praecox [Lily of the Nile] »Die Gattung Agapanthus wurde 1788 durch Charles Louis Héritier de Brutelle aufgestellt. Der Gattungsname Agapanthus ist von den griechischen Wörtern agapé für Liebe und anthos Blüte abgeleitet. Das Verbreitungsgebiet der Gattung reicht im südlichen Afrika von Mosambik bis Südafrika. Eine Art ist auf Madeira ein Neophyt.«
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09. Juli 2016

Agapanthus praecox [Lily of the Nile] »Die Gattung Agapanthus wurde 1788 durch Charles Louis Héritier de Brutelle aufgestellt. Der Gattungsname Agapanthus ist von den griechischen Wörtern agapé für Liebe und anthos Blüte abgeleitet. Das Verbreitungsgebiet der Gattung reicht im südlichen Afrika von Mosambik bis Südafrika. Eine Art ist auf Madeira ein Neophyt.«
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08. Juli 2016
»On peut envisager les évènements de la vie avec humour pendant des années, parfois de très longues années, dans certains cas on peut adopter une attitude humoristique pratiquement jusqu’à la fin ; mais en définitive la vie vous brise le coeur.« [ Man kann die Ereignisse jahrelang mit Humor hinnehmen, aber letztlich bricht das Leben einem doch immer das Herz. ] M.H.































