01. Dezember 2022

Morgen Mittag zum Mediziner. Der mir unbekannte Herr praktiziert in der Konstanzer Straße. Hoffentlich überstehe ich die S-Bahn- und U-Bahnfahrt weitgehend ohne peinliche Hustenkrämpfe. Meine bisherige Humanmedizinerin am Rosenthaler Platz hat Ende letzten Jahres die Praxis verlassen, um in der Münzstraße eine eigene Praxis zu übernehmen. Ihre Nachfolgerin am Rosenthaler Platz kann morgen keine Patienten empfangen, weil selber krank. Auf der Website der neuen Praxis meiner Ex-Hausärztin stehen lauter Vorwarnungen, dass Behandlung von Atemwegsinfekten nur nach vorangegangener Absprache erfolgen können. Bei doctolib ist auch erst um Weihnachten bei ihr was frei und morgen nur von 8 – 13 auf. Habe mir daraufhin alle Allgemeinmediziner anzeigen lassen, die morgen einen Termin frei haben. Waren nur eine Handvoll, der zu dem ich morgen gehe, war der Einzige, wo die Reservierung geklappt hat. Bei den anderen hieß es „für diese Art von Behandlung ist keine Terminbuchung möglich“. Ich hatte diverse Behandlungsarten ausprobiert, war immer die falsche.

Karl Lagerfeld und ich haben ja nicht nur das Sternzeichen (Jungfrau) gemeinsam. Er konnte Gerede und Gejammer über Krankheiten auch auf den Tod nicht ausstehen. So hat man erst post mortem erfahren, dass es ihm die letzten Monate nicht so ganz super ging. Dahinter steckt ein überdimensionales Bewusstsein für den Sachverhalt, dass man damit das Übel hofiert, ja ich möchte sagen, auf einen Thron setzt. Das ist jetzt nicht von Karl, sondern von mir, aber er stimmt mir da sicher zu. Krankheiten gehören behandelt, aber nicht wortreich beschworen und debattiert. Es sei denn, man bewegt sich in einer entsprechenden Selbsthilfegruppe oder fachmedizinischen Forum. Daher schreibe ich auch nicht, welches von der Apothekerin empfohlene Mittel gegen Reizhusten bei mir keinerlei Wirkung zeigt. Bei anderen mag es wirken. Man steckt nicht drin. Mein siebter Sinn sagt mir, ich bin reif für Antibiotika, bevor ich da wieder was verschleppe, wie schon einmal vor fünfzehn Jahren geschehen.

30. November 2022

Mich hat außer Viktor Liebermann (Name von der Redaktion geändert) noch wer entfreundet, komme aber nicht drauf, wer. Kann dann nicht so nahestehend gewesen sein. Es gibt irgendein add on, das einen Abgleich mit Freundesliste vorher/nachher machen kann. Aber so wichtig ist es dann auch wieder nicht. Ich gehe mal davon aus, dass sich der oder die Betreffende kaum hier als Kommentar melden wird: „Na, ich war’s…!“ Aber neugierig ist man doch. Also es muss mehr so lockerer Bekanntenkreis gewesen sein. Sehr locker. Da wird dann auch mal so locker vom Hocker entfreundet. Hab ich auch schon gemacht. Jemanden, den ich als nahestehend empfand, habe ich nur ein einziges mal auf fb entfreundet, ist auch schon ungefähr fünf Jahre her.

Ganz, ganz früher, so vor zwölf Jahren, habe ich mal mit Vorwarnung engste Freunde entfreundet, um sie ein paar Minuten später erneut als Freund anzufragen, weil ich damit die Reihenfolge der angezeigten Freunde manipulieren wollte. Das war eine Weile so konfiguriert, dass immer die neun zuletzt angefreundeten Freunde unter den Fotos in der Freundesrubrik auf der Startseite (nur für mich) angezeigt wurden. Da wollte ich aber zu meiner Erbauung ganz bestimmte Gesichter sehen, die noch dazu hübsche Profilfotos hatten. Seither hat facebook zigmal die Programmierung verändert, eine Weile war es auch so, dass man gezielt Freundesfotos auswählen konnte und auch die Reihenfolge bestimmen. Mittlerweile ist es wieder irgendwie anders, aber mir inzwischen schnuppe.

P.S. Das Deaktivieren des FB-Accounts führt übrigens nicht zum Verschwinden von der Freundesliste. Da hab ich nämlich auch Kandidaten, die tauchen dann weiterhin mit einem standardisierten grafischen Platzhalter-Profilbild auf.

30. November 2022

Im Akutfall plädiere ich für
Experimente mit Medikamente

Reimt sich besser (ohne n). In meiner Hausapotheke: Aspirin, Pflaster, Verbandszeug, eine alte, brennende Salbe von einer Freundin gegen irgendwas im Rücken. Kann ich wegschmeißen, war ein Kurzexperiment, toi toi toi, Rücken ok. Mehr Gesundheits-Content: Haare – ok, Augen – ok, abgesehen von dieser komischen Veränderung, dass ich eine Lesebrille brauche. Nase – könnte schlimmer sein, läuft nicht, trotz spürbarem Flüssigkeitscontent. Finger – ok, Füße – ok, Ohren – ok, Zähne – ok, Ellenbogen – ok, Knie – ok, Waden – ok, Hüften – ok, Bauchnabel – ok, Brustkorb – ok, Schultern – ok, Beine – ok, Handgelenke – ok, Magen – ok, Verdauung – ok. Untenrum – ok. Der Rachenraum erfordert etwas Aufmerksamkeit, wegen Husten, aber besser als gestern. Heißer Kaffee ist auch ein sehr gutes Medikament.

Zum Arzt gehe ich nur im äußersten Notfall, obwohl ich keine Gegnerin der Schulmedizin bin. Ich sitze so ungern unter kranken Leuten im Wartezimmer. Das von meiner Hausärztin am Rosenthaler Platz ist auch nicht so wohnlich, dass ich mich da stundenlang aufhalten möchte. Morgen möchte ich wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Termine, Termine. Nix Privates. Ich delegiere ungern Sachen an Leute, die selbst schon genug zu tun haben. Wenn ich mich noch besser als heute fühle, ist es machbar. Da wünsche ich mir doch selbst: toi toi toi. Ich muss unbedingt was einkaufen, später irgendwann, wenn mich der Hunger übermannt. Ist aber nicht so weit, in der Gr. Hamburger Straße.

Lebensmittel-Content Stand 13:58 Uhr: 4 Päckchen Kaffeepulver, 1 Teebeutel (Darjeeling), 1 Flasche Saint-Émilion, 2 Flaschen Crémant, 1 Becher Schlagsahne, eine kleine Ecke Butter, 2 Maiswaffeln, ein Rest Mayonnaise, ein Löffelchen Bautzner Senf, ein Stückchen Ingwer, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Kümmel, 1 Dose Cashewkerne, 3 Äpfel, zwei Orangen.

Oh! Eine Dose Cashewkerne hat 872 Kalorien. Da ich mich kaum bewege, könnte ich damit den Tag überstehen. Eine Flasche Rotwein ca. 570. Damit wäre doch schon der Grundbedarf gedeckt. Leider immer noch keine Lust auf Alkohol. Das ist eigentlich das sicherste Zeichen, dass ich wiederhergestellt bin: Lust auf Alkohol und an hohen kirchlichen Feiertagen sogar Rauchen.

Ich mache mich jetzt erstmal zurecht, wenn ich mir rosige Bäckchen angemalt habe, kommt eventuell der Antrieb aus dem Haus zu gehen zurück.

28. November 2022

Bürgeramt Klosterstraße, Mitte. Es gibt ein Zimmer mit einem Fotoautomaten, wie ich ihn noch nicht gesehen habe. Man stellt sich vor den Apparat und wählt die Sprache auf einem Touch Screen. Auf der Scheibe erscheint die Aufforderung zu warten, bis sich das Objektiv angepasst hat. Die Kamera identifiziert, wie groß der Mensch davor ist und fährt auf Augenhöhe. Dann wurde ich aufgefordert, etwas zurückzutreten. Der Automat macht drei Aufnahmen, zeigt sie an, rödelt, ixt die zwei Aufnahmen durch, die er nicht so gut findet und macht ein Häkchen auf die, die er nehmen will. Selber kann man nicht mitauswählen. Es wäre wohl möglich, noch einmal von vorne zu beginnen. Geld wird übrigens nicht eingeworfen. Der Bezahlvorgang wird mit dem Ausweis bezahlen über Karte am Schreibtisch des Bearbeiters erledigt. Er sitzt ein paar Türen weiter und bekommt das Foto, das nicht ausgedruckt wird, digital übermittelt. Zum Glück hat der Apparat das Foto in der Mitte genommen und nicht das linke. Das in der Mitte hat mir auch am besten gefallen. Am 29. Dezember kann ich den Ausweis abholen. Letzter Akt der Wiederbeschaffungsarie.

Die Ecke zwischen Klosterstraße und Molkenmarkt ist derzeit eine Riesenbaustelle mit unfassbar vielen labyrinthischen Absperrungen, ich hätte das Bürgeramt deswegen fast nicht gefunden. Daheim recherchiert, wieso-weshalb-warum. Ein schöner, guter Grund: die in den Sechziger Jahren stark verbaute Ecke mit dem Autobahncharme der Grunerstraße soll zurückgebaut werden, schöner, lebenswerter werden, orientiert an dem historischen alten Marktplatz Molkenmarkt. Dafür muss man jetzt eine Weile dieses augenscheinliche Chaos in Kauf nehmen.

26. November 2022

In meiner lockeren Reihe „zehn Jahre alte Fotos von mir“ präsentiere ich den 26. November 2012. Ich habe jetzt keine Lust zu erklären, wieso ich vor zehn Jahren so viele Fotos von mir gemacht habe. Aber vielleicht beim nächsten. Bleiben Sie dran!

24. November 2022

Jetzt wurde es vor dem Zubettgehen doch wieder spät. In der arte-Mediathek noch etwas gefunden, das mich dranbleiben ließ. Eine vierteilige Dokuserie über Traumhäuser in Kalifornien. Der architekturinteressierte Schauspieler, Sprecher und Autor Christian Berkel besucht spektakuläre Architektur der Moderne in Kalifornien, plaudert mit den Bewohnern und trifft die Architekten, sofern noch am Leben. Kurze Folgen, immer nur fünfundzwanzig Minuten, grandiose Wohnskulpturen. Ich hätte noch weitere vier Folgen anschauen können (gibt nur vier). Das ist doch eher meine Welt als Eifersuchtsszenen und privates Hickhack und Gezeter in der französischen Provinz der Siebziger Jahre.

23. November 2022

„Wir werden nicht zusammen alt“ (1971)
Jean, ein jähzorniger, gescheiterter Filmemacher in seinen Vierzigern, hat eine Liebesaffäre mit der wesentlich jüngeren Catherine. Seine Frau Françoise ahnt nichts davon.

„Mach erst mal Abitur“ (1978)
In einer Stadt im Norden Frankreichs bereitet sich eine Gruppe Schüler auf das bevorstehende Abitur vor (…). Ihre Perspektivlosigkeit versuchen sie mit Sex und kurzlebigen Beziehungen zu kompensieren. Andere stürzen sich übereilt ins Eheleben oder ziehen nach Paris.

„Die Qual vor dem Ende“ (1974)
Monique liegt im Sterben. Um sie herum versammeln sich ihr untreuer Ehemann Roger, ihr Sohn, der genau wie sein Vater ein ewiger Schürzenjäger ist, und ihre Schwiegertochter.

Filme von einem gewissen Maurice Pialat. Alle in der arte-Mediathek. Kenne keinen davon, den ersten angeworfen, „Wir werden nicht zusammen alt“, da ich den Titel pikant und ansprechend fand. Die Darsteller nicht so. An die Siebziger Jahre-Mode kann ich mich noch aus eigener Anschauung erinnern. Schon gute Schauspieler, aber der schwarzhaarige Mann mit den Koteletten und dickem Bauch und Breitbeinig-Sitzer-Allüren und sonstigem Vorstadtmacho-Gehabe langweilt mich komplett. Seine Freundin ist auch kein Hingucker. Er spricht mit ihr wie mit einem lästigen Hündchen. Ich sehe lieber Filme mit Identifikations-Potenzial. Schalte wieder ab. Aber die Titel haben mich gerade zum Lachen gebracht. Und „Schürzenjäger“ ist auch ein schönes Wort, das unter Artenschutz gestellt gehört.

22. November 2022

Ich bin ja gar nicht gegen Werbung. Aber wieso gibt es so wenig, die ich nicht sofort wegklicken und wegzappen und stummschalten will? So, wie es doch die meisten Menschen meines Wissens tun? Ich glaube, Kinowerbung ist etwas ansprechender. Da hat man schon mal den einen oder anderen Clip gesehen, der einem ein Lächeln oder Interesse entlocken konnte. Fällt mir jetzt zwar auch keiner ein, aber mir ist so.

Eine meiner erwähnten Lampen im Wohnzimmer ist der Fernsehapparat, gerade läuft er. Vox. Ich habe – weil ich gerade tippe – versäumt, den Lautstärkeregler rechtzeitig auf stumm zu stellen, und musste leider, leider Gottes wieder die von mir am meisten gehasste weibliche Werbestimme hören. Nämlich die der Lidl-Reklame. So was angezicktes, unsympathisches, bitchmäßiges habe ich meinen Lebtag noch nicht gehört. Diese Stimme ist für mich eigentlich der Hauptgrund, Lidl zu boykottieren. Ok, es ist auch kein Laden in meiner Nähe, so ist die Versuchung gering. Aber die geht ja mal gar nicht.

Des Weiteren bin ich nicht amused, wenn mir zur Abendstunde sterile Vorträge über Reinigungsmittel, Zahnpasta und sonstige hygienische Errungenschaften angedient werden. ICH WEIß, dass es Waschmittel gibt, da ich es kaufe und benutze! Wenn Sie mir ihr Waschmittel näherbringen möchten, dann bitte stillschweigend durch die kurze Einblendung eines Fotos der attraktiven Verpackung (noch nie gesehen) plus kleingedruckter Information in ansprechender Typo, worin die high End-Komposition besteht. Reicht, danke.

Und wenn ein Werbespot, dann doch etwas visionärer. Zum Beispiel: extrem gut aussehender Mittdreißiger räkelt/rekelt sich in frisch gewaschener Bettwäsche, schnuppert selig, weil das Kopfkissen fast noch besser und anziehender riecht, als die Freundin, die gleich zu ihm ins Bett kriecht. Dann nur kurz den Namen den Waschmittels in einer eleganten Kursiv-Schrift wie einen Untertitel einblenden. Reicht!

Ja, das wäre so meine Werbewelt. Aber nein. Die knallharte Realität des Alltags wird mir um die Ohren gehauen. Leute in Durchschnittsklamotten, die in grell ausgeleuchteten, sterilen Räumen einen Wischmopp in die Kamera halten. Also wirklich. Gute Nacht.

Und nicht zu vergessen: mich kriegt man auch mit guten Produkt-Namen. Da nenne ich auch gerne Ross und Reiter. Toll finde ich zum Beispiel eine Produktserie, die es noch nie ins Fernsehen oder Kino geschafft hat: „OK.“ Ja. Ach ja! „JA!“ finde ich auch ok! „OK.“ ist die Eigenmarke von Saturn-Elektrogeräten. Formschön und preisgünstig. Ich kaufte bereits einen kleinen schwarzen Haartrockner zu 9,99 Euro und einen Kühlschrank in der Form eines weißen Würfels zu 149 Euro. Letzterer ziert die Küche meiner Werkstatt. Finde ich ok!

Und das absolute Gegenteil, also das Beispiel eines Produktes, das ich wegen des Namens nie nie nie kaufen könnte, ist ein süßer Schokoladenriegel mit Waffel glaube ich. Der Name fängt mit K an und endet mit S. Ich kann das Wort gar nicht schreiben, ich kriege eine Gefühl, wie wenn Kreide auf der Tafel quietscht, nur noch zusätzlich mit so einem peinlichen Ekel. So bin ich drauf. Also nur mal zur Info für die Werbebranche.

21. November 2022

Im Januar gekauft, das schöne Windlicht. Seit einigen Wochen das Erste, was ich mache, wenn ich heimkomme: die Kerze anzünden. Und noch ein paar andere flackernde Lichter, immer echte Kerzenflammen. Habe nun einen Vorrat an großen Kerzen. Am Wochenende hatte ich plötzlich Lust auf RÄUCHERSTÄBCHEN (!). Hatte noch welche, von vor ca. zwanzig Jahren. Ich glaube Vanille und Sandelholz. Kein Patchouli. War gemütlich. Kanne Darjeeling, Stövchen, kuscheliger weicher Poncho für daheim. Richtig schön. Außerdem noch viele Lampen, die indirektes, sehr warmes Licht spenden, immer am Boden, in Ecken. Deckenlicht gibts bei mir nur im Flur und im Bad und in der Küche, aber auch da eher indirekt. Mein Wohlbefinden ist sehr von der warmen Atmosphäre meiner Umgebung abhängig, und ich nehme an, das geht den meisten so.

18. November 2022

Ich war gestern nicht in der Lage zu fotografieren. Das meine ich körperlich. Nur zwei stark verwackelte Aufnahmen kann ich präsentieren. Aber schöne Beine von Maria und Lydia und ganz arg schönes Schild. Danke, Marc. Ich hoffe sehr, dass der Fotograf, der die Bilder für das Booklet von Jennys neuem Album gemacht hat, gestern etwas von Jennys Performance einfangen konnte. Sie war in großartiger Form und die Bilder davon, die ich mit meinem inneren Auge verewigt habe, sind überaus gelungen.

Das Bild von den Grazien im Suzie Mambo hat gestern Nacht ein Gast gemacht, wir waren dort nach Jennys Show. Ina hatte den weitesten Heimweg und kam nicht mehr mit. Schade. Aber sonst ein ganz feiner Abend.

18. November 2022

Dezember 2010. Avocado und Grapefruit in meinem Wohnzimmer, selbst gezogen. Grapefruitkern in Richtung Blumentopf geworfen, Avocadokern schätzungsweise in ein Glas Wasser gesteckt, bis der Keim spross. Später wohl Erde. Weiß nicht mehr, zu lange her.

15. November 2022

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden interessiert, dass ich seit ca. zwei Stunden preisvergleichend Glattkantbretter, Grobspanplattenzuschnitte und bespannte Keilrahmen im Format 35 x 200 Zentimeter recherchiere. Am günstigsten wäre der Zuschnitt einer Grobspanplatte, unter zehn Euro. Dann Glattkantbrett Kiefer, Tanne oder Fichte, dann 3D-Keilrahmen von Canvasi. Letzteres dauert mir aber zu lang. Ich denke, ich schaue morgen Mittag mal zum Bauhaus am Wittenbergplatz. Wenn ich mir materialmäßig etwas in den Kopf setze, habe ich keine Lust wochenlang zu warten. Habe auch überlegt, in der Gerümpel-Ecke von den Prinzessinnengärten, schräg gegenüber von meiner Werkstatt, nach alten Brettern zu schauen, aber das Format zu finden, wäre ein arg großer Zufall. Anlass der Recherche ist, dass mir heute eine Sichtachse, ein längerer Flur, mit einer neuen Perspektive am Ende der Flucht vorzuschweben begann, einem schmalen, hohen Tafelbild.

14. November 2022

3 Fridas. Auf links gedrehte, übermalte Stoffteile von aufgetrennter vintage Frida Kahlo-Tasche (v. Glam), Acryl, Mosaiksteine (Glas, Jade), Schaumweinmanschette, Kleber, Papprückwand von ausrangiertem Wechselrahmen, 75 x 105 cm, 8., 9., 15., 28., 29., 30. Oktober, 4., 5. November 2022, Staatl. Museen von Gaganien

Am Freitag habe ich einer Masseurin, die sich Bilder von mir anschaute, auf ihre Nachfrage erhellt, dass ich die gesamte Welt wie einen Malkasten wahrnehme. Wo ich gehe und stehe. Deshalb sehe ich bei Allem und Jedem das Potenzial für ein Bild nach meiner Vorstellung. So kommt es, dass mir ein Gegenstand zufliegt, den ich mir selbst nicht angeeignet hätte, und mein Auge sofort analysiert, ob er Potenzial als Baustoff oder Malkastenfarbe in sich trägt. Das findet sich ganz schnell heraus, in Sekunden, wie von selbst. Kaum hatte ich die (gebrauchte) Tasche ausgepackt, erkannte ich schon den ganz speziellen Wert für mich, als ich das Objekt dekonstruierte und die Rückseite erblickte. Die Vorderseite war (auch von den sehr bunten Farben her) ein recht bekanntes Kahlo-Portrait, ich glaube, basierend auf einem Foto. Ich erkenne sie als ästhetische Ikone an, kenne seit Jahrzehnten natürlich ihre dramatische Geschichte und überaus aparte Selbstinzenierung, bin aber kein derartiger Fan, dass ich mit einer Tasche mit ihrem Portrait durch die Welt laufen wollte. Aber diese Rückseite. Ich war gleich an die Südsee-Schönheiten von Gaugin erinnert und wusste sofort, in welche Farbstimmung ich beim Übermalen gehen würde. Warme Grün- und Gelbtöne, Ocker, ein bißchen Terrakotta und eine archaische Formsprache. Ich liebe Zickzack. Niemals mehr wird eine Einkaufstasche mit einem Frida Kahlo-Bild auf so einem feierlichen Podest landen, wie in diesem gaganischen Werk.

12. November 2022

Ich höre immer noch den musikalischen Bestand meiner Festplattenanlage alphabetisch durch. Seit einigen Tagen ist der Buchstabe N dran, das bedeutet viele, viele Neil Young Songs, da ich ihn seit meiner Jugend verehrte. Das Foto zeigt ein Case mit Equipment von Neil Young, am 19. August 2008 auf der Bühne der Zitadelle Spandau aufgenommen, wo ich ihn zuletzt live sah. Das erste mal war 1982, also vor vierzig Jahren. In den letzten zehn Jahren habe ich nicht mehr so verfolgt, was er Neues aufgenommen hat. Dass er Daryl Hannah geheiratet hat, habe ich noch mitgekriegt.

Vorhin kam einer der großartigsten Songs von ihm, mit dem ich eine Sternstunde meines Lebens verbinde, für immer und ewig. „Dead Man“, dieses reine Instrumentalstück mit der wummernden Gitarre wie einem Donnergrollen am jüngsten Tag. Das hörte ich vor achtzehn Jahren auf dem Weg zum South Rim des Grand Canyon, in einem Jeep Cherokee. Was da in mir vorging, unbeschreiblich. So lange hatte ich vom Grand Canyon geträumt und dann diese Musik, das war ein perfekter Moment in meinem Leben. Das Stück kam vorhin, als ich unter der Dusche stand.

Und kurz danach kam ein Lied, das ich niemals freiwillig gezielt abspielen würde, eine unfassbar langweilige, absehbare Melodie, so ein Country-mäßiges, behäbiges Geleier, ein Lied namens „Ever After“. Die einfallslose, schunkelige Komposition hat ungefähr die Komplexität vom Lalala im Sandkasten von Dreijährigen. Aber: ich ließ es über mich ergehen und entdeckte, dass er ein paar hübsche Zeilen dazu gedichtet hat. Ich war nun nicht versöhnt, aber fand diese doch hörenswert. Nämlich:

I love the sound of laughter
And music in the air
And in the ever after
I know it’s always there

Sometimes when I go walkin‘
In the trees, in the trees
That’s where I do my prayin‘
In the trees, in the trees

The world is full of answers
Some are right, some are wrong
The one that I believe in, is a wish in a song

I love to see you smilin‘
And hear your voice so fair
And in the ever after
I know you’re always there

Besonders „The world is full of answers, some are right, some are wrong. The one that I believe in, is a wish in a song“ gefiel mir. Ich empfehle niemandem, das Lied anzuhören, es ist musikalisch wirklich einfallslos, aber er schreibt doch immer wieder ein paar Sachen, die mich beeindrucken. Und dann fiel mir ganz zufällig auch noch ein, dass er heute, wo ich mich gedanklich mit seinem Werk beschäftigte, Geburtstag hat. Siebenundsiebzig ist er nun. Happy Birthday, Neil Young. Ever After.

10. November 2022

Zwanghaftes Bloggen… viel ist nicht drin heute. Komme gerade von der U-Bahn. Da war eine junge Frau mit einem (mutmaßlichen) viereckigen Geigenkasten auf dem Rücken. Klamotten in unfassbar grauslichen Mustern und Farben, alles durcheinander. Dachte, wenn ihr musikalisches Vermögen ihrem kleidungsmäßigen Kombinationstalent entspricht… huiuiui.

09. November 2022

Chat von gerade eben als Blogeintrag:

Gaga
ich hab noch gar nix gebloggt, muss mir schnell was einfallen lassen, sonst ist die Serie unterbrochen, ich will ein Jahr nonstop vollkriegen, fehlen nur noch 39 Tage glaub ich

Lydia
Blog was über Horoskope und Menschen die Sprachnachrichten schicken

Gaga
neeeee…. Horoskope ist mir zu komplex und zu platt zugleich…. beschäftigt mich gerade gar nicht…. Mir haben sehr wenige Menschen Sprachnachrichten geschickt, ich müsste da glatt auf äh — „fremden Content“ zugreifen…

Lydia
Äh.. ja.. also. Mmm Mach doch

Gaga
ich könnte auch schreiben, was ich gerade gegessen habe. Das wirkt bestimmt „relatable“ wie der Engländer sagt 🙂 und ich schreibe so gut wie nie, was ich esse!

Lydia
Mmh mhh äh.

Gaga
(weil langweilig irgendwie….)

Lydia
Mach es halt sexy
In französischen Romanen kommt immer viel Essen vor

Gaga
hui….! sexy….! toll! Wie denn? Mit „porn food“ Fotos?

Lydia
It’s culture!

Gaga
oder food porn heißt es wohl…
Weißt du was, ich copypaste einfach unser Geplapper, ist am Einfachsten! Also ab da, wo ich sage, ich muss noch was bloggen.

Lydia
Ich hab heut Kürbisuppe aus einem grünen Hokkaido aus dem Garten meiner Eltern gekocht.

Gaga
Mein Essen war aber nicht sehr sexy, mehr so bodenständig und quick und dirty zubereitet. Jetzt gibts auch grünen Hokkaido? Oder war der noch nicht reif? Oder so ne fancy neue Züchtung?

Lydia
Nee der ist so. Wird immer grün bleiben.

Gaga
Also fancy. Deine fancy Eltern!

Lydia
Meine Mutter hatte Angst, die Schale könnte bitter schmecken. Und gackerte immer, dass ich die abmachen soll. Aber ich habse drin gelassen. Ich glaube, meine Mutter baut die grünen Hokkaido sicher nicht an, weil sie fancy sind, sondern weil die irgendwo im Sonderangebot waren.

Gaga
Also bei mir gabs, weil sollte schnell gehen: Tiefkühlpommes Feinschnitt im Backofen aufgebacken plus eine Dose Thunfischsalat der Marke Saupiquet, Sorte „Mexicana“ (mit Mais und roten Bohnen drin), von mir verfeinert mit Bio-Zitronensaftspritzern und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und Mayo auf die Pommes. Sehr große Portion Pommes. Im Grunde ein ganzes Blech. Hat sehr gut geschmeckt. Nun pappsatt.

Lydia
👑
Wenn ich M. zum weniger Essen anhalte sagt er: „Lydia! – it’s my culture!

Gaga
Ich hab jetzt noch 22 Minuten Zeit, das zu bloggen! Bin nun beschäftigt! Kalinichta!

08. November 2022

Wie gestern beiläufig erwähnt, kann man auch auf den Französischen Dom steigen und um die Kuppel laufen. So geschehen, ebenfalls im März vor zehn Jahren. Naturgemäß sieht man die Kuppel in ihrer Gesamtheit vom Kuppelrundgang überhaupt nicht. Aber der Französische Dom ist ja der Zwilling vom Deutschen Dom, auf dessen gleich aussehende Kuppel man von dort oben exzellent gucken kann. Das Bild von unten von der Domkuppel ist aber der Französische Dom, vorm Hinaufgehen fotografiert. Da oben kann man auch heiraten und weiße Täubchen fliegen lassen, so man gerne möchte. Ein Angebot vom Standesamt Mitte. Hat mir nach meinem Ausflug eine Bekannte erzählt, die mal zur Hochzeit einer Freundin auf dem Französischen Dom war. Beeindruckt haben mich auch die stattlichen Amphoren mit den Widderköpfen und dem Vogel obendrauf. Königliche Aussicht! Der Kuppelrundgang ist recht eng, es gibt ein paar Bänke an der runden Wand lang. Zum Sonnenuntergang nach oben, falls noch geöffnet, eine gute Flasche mitnehmen und den Ausblick genießen. Meine Empfehlung. Ist natürlich windig, Sonnenbrille nicht vergessen. UND: unbedingt gucken, dass man zur vollen Stunde oben angelangt ist, wenn das herrliche Carillon, das mächtige Glockengeläut seine Melodie spielt. Gänsehaut absolut garantiert!

07. November 2022

Gruß aus Mitte. Im März vor zehn Jahren begab ich mich zur Kuppel vom Berliner Dom. Man kann hinauf und um die Kuppel laufen. Schöne Ausblicke. Nicht ganzjährig begehbar, weil es in der kalten Jahreszeit vereist sein kann und Rutschgefahr besteht. Das ist jetzt aber sicher noch nicht der Fall. Vielleicht ist noch geöffnet. Und der Französische Dom hat auch einen Kuppelrundgang. Ich liebe alle Kuppeln. Alle, alle, alle. Kann gar nicht genug geben!

06. November 2022

Die Esche vor meinem Balkon am 29. November Zweitausendsechs. Jetzt hat sie auch noch viel Blätterkleid. Aber auch die Platanen am Gipsdreieck sind noch grün, mit Gelb dazwischen. Noch hat kein Herbststurm die Bäume entkleidet. Heute auch wieder Sonne. Bin ihr beim Frühstücken und Buch lesen auf dem Wohnzimmerteppich hinterhergewandert, Sonne im Gesicht, Fenster auf, Haare von der Sonne trocknen lassen.

Heute Nacht bin ich mittendrin aufgewacht und habe Gedanken vor mir hergeschoben, da waren plötzlich die Worte „verbrannte Orte“ in meinem Kopf und gingen nicht mehr weg. Ich dachte über verschiedene Orte nach, die ich aus privaten Gründen als verbrannt empfinde, die keine guten Gefühle auslösen und eine innere Sperre spürbar machen, ginge es darum, sie noch einmal aufzusuchen. Das sind ein paar wenige Orte in Berlin, wo unangenehme Gespräche stattfanden, und auch zwei woanders. Zwei der Orte sind Karlsruhe (eine Stadt, in der ich nur einmal war, und mit der mich ohnehin nichts verband) und die Insel Kos in Griechenland. Dann noch eine Ecke an einer Straßenkreuzung vor einem italienischen Restaurant in Friedrichshain, eine Ecke in der Nähe meiner Wohnung, an der ich mich aber weder vorher noch nachher jemals aus freien Stücken länger aufgehalten hätte und eine Kneipe in Kreuzberg. Eigentlich gut, dass das nie in meiner Wohnung oder meinem Atelier passiert ist. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen streitartigen Disput zuhause gehabt zu haben, mit jemandem, der mich besucht hat. Und mein Atelier ist auch in der Hinsicht ein Dornröschen. Ich bin kein Typ, der Disput und Debatten liebt und kultiviert, schon gar nicht, wenn es um Gefühle und private Beziehungen geht. Ich ziehe mich dann eher beklommen und sprachlos zurück. Auf jeden Fall eine gute Idee, falls so etwas unvermeidlich anstehen sollte, sich an einen möglichst unattraktiven Ort zu begeben, den man sowieso nicht freiwillig noch einmal aufsuchen wollen würde, der kann dann ruhig in Rauch und Flammen aufgehen. Blöd ist nur, wenn ein verbrannter Ort eine Lokalität mit Veranstaltungen ist. Ich wollte mich anlässlich einer Veranstaltung überwinden, und einem Ort eine neue Chance geben, obwohl es mich deutlich nicht hinzog. Ich hatte dann so unangenehme Gefühle und mir fielen immer mehr Details von der Situation ein, die die Abneigung verursachte, dass ich davon abließ. Daher wohl die unfreiwilllige nächtliche Beschäftigung und die einhergehenden Worte „verbrannte Orte“.

05. November 2022

Encore… Nizza! Nice. Berlin-Nizza :-) Gewusst wo. Irgendein Influencer wurde überführt, auf Insta ein schickes Foto eines Hotelzimmers als seinen aktuellen Aufenthaltsort in einem Luxus Resort in Miami oder irgendeinem anderen angesagten Hot Spot zu deklarieren, dabei hielt er sich tatsächlich in seiner deutschen Heimatstadt auf und hat da ein Foto von einem stylishen Badezimmer in einer Unterkunft gemacht. Da finde ich meine „Nizza“-Fotos doch etwas gekonnter. Wer kennt sie nicht, die Palmenkübel vor dem Bodemuseum und vor dieser Strandbar unter dem S-Bahnbogen. Falls nicht, bitte sehr. Weiß nicht, ob die Palmen aktuell noch draußen stehen, das Wetter wäre noch bestens geeignet. Die Fotos stammen von meinem Geburtstags-Spaziergang am ersten September, unterwegs zum Lustgarten. Ich finde, Nizza steht mir. Ich bin einfach der entsprechende Typ dafür!

04. November 2022

Neulich Nizza, heute nebliger November. Letztes Foto von der geklauten Prada-Brille. Habe mir kürzlich eine neue Angeber-Sonnenbrille gekauft, diesmal Versace. Noch nicht fotografiert, kommt noch. Wenn die Sonne mal wieder scheint. Wo auch immer.

03. November 2022

Heute Abend zum Caligariplatz, Brotfabrik. Uraufführung einer multimedialen Toncollage, bin gespannt. Gehe mit Lydia hin, deren Vorschlag es war, sie kennt den Komponisten. Nun leuchtet wieder etwas Nachmittags-Sonne hinter den Wolken. Ich will mit der Tram 12 hinfahren, bis Prenzlauer Allee Ecke Ostseestraße. Tramfahren ist mir nicht sehr vertraut, ich will lernen, wo welche Tram am Rosenthaler Platz abfährt. Mich stresst es immer ein bißchen, wenn Haltestellen an Plätzen auf mehrere Ecken verteilt sind. Es gibt die Haltestelle gegenüber vom Oberholz und dann die andere gegenüber vom Haus am See, schätze letztere ist es. Fahrzeit vierzehn Minuten. Die letzte zurück geht um 00:24 Uhr. Wie ich die Ecke da oben in Erinnerung habe, wartet man geraume Zeit auf ein vorbeifahrendes Taxi. Wird aber vermutlich gar nicht so spät werden. Ich lasse mich überraschen.

03. November 2022

Warten auf den Schornsteinfeger. Sonne im Gesicht. Ich kann wirklich Alles mit Fotos aus meinem Fundus illustrieren. Genau das Fenster, genau die Sonne. Die drei Rauchmelder stehen zur Wartung an. Er kommt zwischen 12:30 und 14:30 Uhr. Ich höre derweil den Bestand der Musikdateien auf der Festplattenanlage weiter alphabetisch durch. Gerade kamen ein paar Songs von Maxwell vom Album „Urban Hang Suite“ von 1996, was auch kaum noch einer erinnern wird. Sehr smoothe Soulsongs, wo man unwillkürlich an Schlafzimmersituationen denkt, speziell bei „Ascencion„. Nun Alexandra. Die Sortierung ist irgendwie seltsam. Manchmal nach Interpret, einige Songs nach Songtitel, deswegen „Mein Freund, der Baum“ nach Maxwell. Nun „Mein Kapitän“ von Silly mit Anna Loos. What’s next? Ah! Melina Mercouri singt auf Deutsch „Ein Schiff wird kommen“. Auch keine begnadete Gesangsstimme, aber hat nostalgischen Charme.

Ich habe eine Idee für ein neues Spiel: Ihr sagt mir ein Stichwort oder einen Namen und ich muss ein passendes Foto aus meinem Fundus posten!

Nun Melody Gardot: „Love me like a River“. Ich denke, ich werde noch das Bett machen, weil der Schornsteinfeger auch in mein Schlafzimmer kommt. Da ist auch ein Rauchmelder!

02. November 2022

Ich stöbere zur Zeit in alten Fotoalben. Mai 2016. Die Rückschau macht mich etwas melancholisch aber freut mich auch. Weil es auch gute Zeiten waren. Dennoch sind mir auch dunkle Aspekte präsent. Was davon auf einem alten Foto wahrzunehmen ist, weiß nur ich alleine. Aber gespielte Verfassung gibt es auf keinem Bild.

01. November 2022

Mysterium des Alltags: ich gehe die Joachimstraße in Mitte entlang, an der Ecke zur Gipsstraße liegt mitten auf dem Gehsteig ein zerbrochenes Hühnerei, weiße Schale, gelbe Dotterpfütze, eine Krähe schnuppert daran. Wie kommt ein einzelnes rohes Hühnerei auf den Gehsteig? Hat jemand auf einem der Balkone oberhalb des Gehweges eine Schachtel oder Schüssel mit rohen Eiern aufbewahrt, die Krähe hat es entdeckt, eins in den Schnabel genommen und beim Transportversuch zerbrochen und runterfallen lassen? Scheint mir am wahrscheinlichsten. Kann mir nicht vorstellen, dass ein einzelnes Ei aus einer Schachtel aus dem Einkaufsbeutel kullert.

31. Oktober 2022

Gestern, Ende Oktober. Nach der Austellung im Schloss, im Humboldtforum, über die Prachtstraße Unter den Linden zum Kunstmarkt am Zeughaus. Einmal bis nach hinten gelaufen und wieder zurück. Strahlender Sonnenschein. Handarbeiten, Malerei. Und Würstchenbuden mit herrlichem Duft von Grillwürstchen. Man hätte anstehen müssen, so ging ich weiter zur U-Bahn Museumsinsel, zwei Haltestellen bis Alex, dann in die U 8 zu meinem kleinen Refugium. Vorher noch kurz in die herbstlichen Prinzessinnengärten. Falls mir kein weiterer Herbstspaziergang mehr gelingen sollte, ist es der gewesen. Mitunter reichen zehn Minuten, um das Wesentliche einer Jahreszeit zu tanken. Aber ich habe ja viel Grün vor dem Balkon. Die Eschen vor meinem Fenster sind noch im dichten grüngelben Blätterkleid. Die rosa und orangen Blätter stammen von Roteichen in den Prinzessinnengärten.

31. Oktober 2022

Eines der großformatigen Werke der Ausstellung „Songlines – Seven Sisters“ im Humboldtforum. Leider, leider nun zu Ende. Das Bild hat circa das Format zwei mal zwei Metern und gefiel mir mit am besten. Leider konnte ich daheim nicht mehr rekonstruieren, wie genau der Name der Malerin des hier gezeigten Bildes „Kuru Ala“ ist. Der Vorname war so ähnlich wie Wingu, der Nachname was mit T. Irgendwann gab ich die Recherche auf. Sollte eigentlich nicht so schwer sein, schade. In der Bildbeschreibung stand ein ganzer Roman, die Bögen oben und unten im Bild bedeuten wohl eine tanzende Bewegung von Füßen im Sand. Die Kringel sind Frauen. Also stark vereinfacht von mir wiedergegeben.

Warten musste ich gar nicht, was ich zunächst befürchtete. Ich kam sofort rein, ohne lang anzustehen. Obwohl die Ausstellung sehr gut besucht war. Schon das Entrée war sehr beeindruckend, die Tür öffnete sich und man stand im Dunklen vor einer circa sechs Meter breiten und drei Meter hohen Projektionswand, die etwas zeigte, was wie ein animiertes Gemälde des Weltalls wirkte, wo plötzlich Tierspuren quer über das nächtliche Firmament liefen und phantastische Formen und Zeichen in Bewegung waren. Grandios.

Die Ausstellung wurde von den Aboriginee Künstlern selbst kuratiert, prächtige Werke und Figuren, subtil und heimelig beleuchtet. Sie war schon in mehreren Kontinenten und Ländern zu sehen und wurde gemeinsam mit dem National Museum of Australia konzipiert. Es gibt auch einen umfassenden Katalog.

Ich habe nicht fotografiert. Es gibt einen Blogeintrag von jemandem, der auch dort war und einige der Exponate abbildet, die mich mit am stärksten beeindruckten, ein Gemeinschaftsgemälde im Format von ca. drei mal fünf Metern in allen Farben der Welt, die sitzende Frauengruppe, wie Strohpuppen gefertigt und eben dieses Bild.

Es gab auch Keramiken, deren Bemalung etruskischen Vasen und Gefäßen ähnelte. Viele Ausstellungsstücke gefielen mir ausnehmend gut, das war aber keine Überraschung.

In einem separaten, runden Kuppel-Raum gab es eine meditative Filmprojektion an die Kuppeldecke mit Höhlenmalereien und Fragmenten der Gemälde und Erzählungen und Musik. Darunter konnte man im Kreis liegen, das war ein putziger Anblick, wie die Menschen da mit ihren Umhängetaschen und Straßenschuhen lagen, es waren alle Liegeplätze belegt.

Also ich war sehr inspiriert und fühlte mich gleich wie daheim. Ich machte den Rundgang mehrfach, sah mir einige Bilder mehrmals an. Gute Idee, hinzugehen. Lydia hatte nicht zu viel versprochen.

30. Oktober 2022

Symbolbild, Judy Watson Napangardi – Mina Mina Jukurrpa, 2005. Heute ist der letzte Ausstellungstag von „Songlines“ im Humboldt Forum, wo großformatige Aboriginee Kunst gezeigt wird. Gehe ich hin. Alles andere lässt sich ein andermal machen. Lydia war schon zu Anfang in der Ausstellung und erzählte angetan davon, auch, dass sie bei einigen Bildern an meine Sachen dachte. Was ich verstehe. Die Vorgehensweise beim Malen ist meiner verwandt. Die Leinwände liegen immer am Boden, und dann fließen lassen. Nicht die Farbe, es geht nicht um „Acrylic Pouring“, sondern den inneren Fluss, der mit Farbe materialisiert wird. Für scharf abgegrenzte Bildsegmente ist Acryl ideal, es trocknet schnell. Freilich steht in Australien eine andere Kultur und ein anderer Kontext dahinter, spezielle spirituelle Bedeutung. Aber dennoch gibt es innere Verwandtschaft, weil es auf einer Ebene passiert, die – wie ich glaube – mit dem kollektiven Unterbewussten zu tun hat. Fühlt sich jedenfalls deutlich so an. Als ob man dem inneren Wesen der Welt, das alles zusammenhält, ganz nah ist. Dem Urkern, Atom, der Urzelle, der Amöbe, dem Geist der Pflanzen, des Lichts und von allem Lebendigen. Dem Weltgeheimnis.

29. Oktober 2022

Demnächst hier bestimmt wieder lange, verschachtelte Gedankengänge. Heute nicht. Ich fahre zum Werkeln, wenn ich dann vor mich hinwurstle, rauschen alle möglichen Sachen durch meinen Kopf, die meistens nicht viel mit dem zu tun haben, was ich bearbeite. Oder nur sehr indirekt. Innerlich wird Vieles von verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und durchdacht und betrachtet, während sich Hände und Augen ordnend mit Formen und Farben und Klebstoff und Materialien beschäftigen. So ist das. Keine wilden, eruptiven Impulse. Inneres und äußeres Aufräumen. Alle Naturfotos der letzten Tage und Wochen übrigens aus meinem gut sortierten Bildarchiv. Habe in diesem Jahr noch keinen Herbstspaziergang gemacht, aber schon einige in meinem Leben.

28. Oktober 2022

Ganz neu beobachtet (aber vielleicht nicht neu): die modernen BVG-Busse haben jetzt eine Einstellungsmöglichkeit auf dem sehr großen Display über der Windschutzscheibe, also der Schnauze vom Bus, dass der Busfahrer oder die Busfahrerin einstellen kann, dass gerade PAUSE gemacht wird. Das wechselt sich dann ab mit der Anzeige BREAK und dem Bild einer riesigen dampfenden Kaffeetasse. Gefällt mir. Gemütlich irgendwie!

26. Oktober 2022

In der BBC-Dokumentation über das private Filmarchiv der Queen sprach sie selbst Kommentare ein. Sie erinnerte sich zurück und ließ an ihren Gedanken und Lebensweisheiten teilhaben. Eine blieb mir besonders in Erinnerung. Sinngemäß meinte sie, dass eine Alterserkenntnis ist, dass das Leben voller Widersprüche ist. „When you grow old, you learn: life is full of contradictions…“ Finde ich durchaus nicht banal, diese Erkenntnis. Führt auch zu Altersmilde. Man gesteht sich ein, dass man selbst widersprüchliche Empfindungen und Einschätzungen hat und nimmt sie bei anderen zur Kenntnis, ohne feurige Dispute anzuzetteln. Ich merke bei mir zum Beispiel, dass ich manchen gesellschaftlichen Gruppen gegenüber Vorurteile, Vorbehalte oder sogar Abneigungen habe, die auf wiederholten persönlichen Wahrnehmungen beruhen, die ich aber keinesfalls in breiter Öffentlichkeit zugeben würde und auch nicht als Grundlage für eine politische Wahlentscheidung nehmen würde. Weil ich immer Anwältin von Vielfalt und Toleranz sein werde, aus Prinzip. Das heißt, ich wähle keine Partei, die das Tragen von Regenjacken aus Kunststoffgewebe in rot, blau und grün verbieten möchte, obwohl ich es als ganz persönliche visuelle Bereicherung empfände, keine derartige Funktionskleidung mehr zu sehen. Da muss ich durch, als prinzipiell toleranter Mensch. Also bei politischen Wahlen: Verstand über Gefühl. Privat kann man sich dann ja von dem Unerquicklichen fernhalten. So hat es die Queen auch gehalten :-)

23. Oktober 2022

COUNT YOUR BLESSINGS. Alle bitte möglichst viel und oft daran denken, was auf der Habenseite vom Konto ist. Das ist so ein Kalenderspruch, so eine Binsenweisheit und doch kommt so Vielen das Bewusstsein im Alltag abhanden. Ich scheine gerade eine Phase zu haben, in der mir Verluste präsentiert werden. Und damit meine ich nur zuletzt den Verlust meiner Tasche mit den ganzen persönlichen Sachen, die durch die Bank irgendwie adäquat ersetzbar sind. Schlimmer, wie immer, nicht ersetzbare, weil nicht bei Amazon nachbestellbare, menschliche Verluste.

Zuerst starb am 8. September die Queen, bitte nicht lachen, das hat mich wirklich so bewegt, dass ich bis jetzt an drei Bildern arbeite, um das zu verarbeiten.

Dann hörte kurz danach das Herz einer liebenswerten Bloggerin im Alter von Mitte Vierzig auf zu schlagen, von heute auf morgen, Journelle. Wir waren nicht eng befreundet, aber persönlich bekannt. Das trifft schon.

Dann kam meine Tasche weg und ich hatte, wie berichtet die üblichen Rennereien, die man braucht wie einen Kropf.

Als Nachhut wurde mir eine Freundschaft gekündigt, weil ich zu erschöpft war, um eine Postsendung abzuholen, was mich so bestürzt hat, dass ich mich aufraffte, es doch zu machen, hörte aber über eine Freundin, dass ein weiterer Kontakt unerwünscht ist. Nun blieb das Gefühl, ich bin verpflichtet, mich immer stabil und unerschüttlich zu zeigen, Hypersensibilität oder sogar auch mal Panik wird mir nicht zugestanden, das gehört exclusiv zum persönlichen Portfolio anderer.

Dann gingen mein Grapefruitbaum und ein Orangen- oder Zitronenbäumchen gleichzeitig ein, die mich Jahre begleiteten.

Von den Lebensmittelmotten, die ich nie zuvor hatte, möchte ich gar nicht im Detail berichten. Nein, keine Bereicherung, auch ein Verlust, weil ich mich gar nicht mehr traue, irgendwelche Saaten und Körner in diversen Gefäßen aufzubewahren, die Motten kommen sogar durch geschlossene Verpackungen und Gefäße. Ok, ist mir schon gelungen, weitgehend zu reduzieren, aber nervig.

Dann ist ein Baby in der engeren Familie nicht über die zehnte Woche gekommen, sehr traurig.

Freitag erfahre ich, dass ein liebenswerter Kollege nicht mehr kommen wird, großer menschlicher Verlust im Alltag.

Und gestern Abend, oder besser schon Nacht, verlasse ich mein Atelier, die Treppe runter, in Gedanken, wo ich überhaupt die drei Elisabeth-Bilder hängen könnte, hab ja keinen Platz mehr, spielerischer Gedanke, würde im Treppenhaus auch gut wirken, auch von den Farben her, aber ist nicht realistisch, das Bild wäre ganz schnell geklaut, zumal ich wieder mit Blattgold und Blattsilber arbeite.

Und da fällt mein Blick auf die Wand unter der letzten Treppe. Da hängt immer so ein hässlicher dreiteiliger Bürokalender. Und darauf ein A4-Zettel, weiß, da steht gedruckt der Vor- und Nachname von meinem Vermieter. Und darunter zwei Daten. Und „In tiefem Schmerz“. Und ein weiblicher Name. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, denke ich völlig unlogisch, ob der weibliche Name eine Mitmieterin war und die tot ist, und denke noch, die ganz alte Dame im ersten OG hieß doch anders. Und wieso ist mein Vermieter ihr so verbunden gewesen oder wie oder was, dass er das hier verkündigt.

Und dann setzt die Logik wieder ein, ich begreife, dass hier mitgeteilt wird, dass mein Vermieter am 3. Oktober gestorben ist. Der beste Vermieter der Welt. Ich habe immer schon, so lange ich ihn kannte, seit 2003 gesagt, man müsste ihn klonen. Ein Vermieter, der keinen Mietwucher praktiziert, sich immer sofort um alles kümmert, fast schon väterlich. Das war mir in jeder Minute bewusst. In jeder Stunde, in jedem Jahr, dass das ganz selten ist.

Als ich ihn zuletzt sah, vor mehr als einem Jahr, als Sanierungsarbeiten an einem Fallrohr besprochen werden mussten, sah er schon nicht gesund aus, aber er war auch ein hagerer Typ. Nur fünf Jahre älter als ich. Ich weiß nichts um die Umstände, wir haben immer per Mail kommuniziert. Wie ich ihn kenne, hat er alles verfügt und gerichtet, wenn er nicht plötzlich und unerwartet gestorben ist.

Ich sende einen ganz warmen dankbaren Gruß in den Himmel und bin weiter für jeden Augenblick dankbar, den ich dort werkeln darf. Count your blessings. Und die Sonne scheint. Die guten Dinge, vor allem die in einem Blog zu zeigen und zu präsentieren, Fotos, wo man sich des Lebens freut, heißt nicht, dass es nicht auch dunkle Stunden gibt, sondern dass man das Helle in seinem Leben ganz besonders wertschätzt. Es damit tut. Genießt diesen Sonntag und Euer Leben.

20. Oktober 2022

Gute Coverversion von Chris Stapeltons Country Ballade „Tennessee Whiskey“ von Christina Kateria und ihrer Band, mit viel Hingabe gesungen. Von Stapelton selbst gefällt mir diese Live Version am besten. Grandiose Gitarre. Geiler Song. Warm, straight, sexy. Die charismatische Sängerin bei dem live Auftritt in Austin ist übrigens seine Frau Morgane, die zur Band gehört, selbst Songs schreibt und mit der er fünf Kinder hat.

19. Oktober 2022

Im Deli Alexander bekam ich meinen Eisbecher! Es gab mehrere zur Auswahl, ich nahm den mit Nuß-Krokant, welcher sehr schnell serviert wurde und mir gut geschmeckt hat. Nur die Mode mit den Betonschüsselchen statt Glaspokal finde ich nicht so überzeugend. In denen werden vermutlich auch die modischen Bowls serviert. Gerade ein stolzer Eisbecher entfaltet seine augenscheinliche Pracht doch erst, wenn man alle Zutaten aufeinandergeschichtet sehen kann, wie die Pastelltöne der Kugeln mit der herrlichen Schlagsahne ineinanderfließen, und die Sahnehaube einen fast in der Nase kitzelt, wenn der Pokal vor einem thront. Die ganze Geschirr-Mode mit rustikalem Steingut, Beton und grob getöpferten Schüsseln in ansonsten fein daherkommenden Lokalen finde ich zu inflationär. Nun könnte langsam einmal wieder klassisches Fine Dining-Zubehör her. Kristall und Porzellan! Im neuen Schloss wäre doch KPM die erste Wahl, nicht umsonst heißt sie KÖNIGLICHE Porzellan Manufaktur! Ich zeige mich hier gerne etwas konservativ.

19. Oktober 2022

Krönung meines Kuppel-Terrassen-Ausflugs am ersten September sollte ein prächtiger Eisbecher sein. Leider hat das Terrassen-Restaurant keine Eiscreme auf der Karte, nur Kuchenstückchen. Das Bedauern der Dame im Service war so tief und mitfühlend, dass ich sofort spürte, dass ihr die Frage schon sehr oft gestellt wurde. Ich beantrage eine Erweiterung der Speisekarte um mindestens einen gemischten Eisbecher. Sie empfahl mir die anderen Restaurants unten im Schloss. Da es im Schlüterhof noch zwei weitere Cafés gibt, begab ich mich dahin, zum Deli Alexander, wo ich einen lauschigen Platz in der Sonne hinter den Säulen fand.

19. Oktober 2022

Noch mehr Terrassenrundblicke. Olivenbäumchen und Kuppel-Potpourri. In ein paar Jahr(zehnt)en wird die Schlosskuppel der Domkuppel sehr ähneln. Türkis bis zur Laterne. Das wird ein schöner Kontrast zum kobaltblauen Band und dem blauen Himmel. Naturgegebene Patinierung ist erst in etwa zwanzig Jahren zu erwarten, man kann nachhelfen, aber dafür sind mir keine Pläne bekannt. Ich werde das hoffentlich noch erleben. Der Berliner Dom wurde von 1975 bis 1982 wiederaufgebaut und auf einem Foto von 1990 ist bereits ein Hauch von Grünspan-Patina zu erahnen. Als ich 1999 hier einzog, erschien die Kuppel schon hauptsächlich Türkis, das ist mir deutlich in Erinnerung. Also muss zwischen 1990 und 1999 ganz viel Patina entwickelt worden sein. Das lässt hoffen.

19. Oktober 2022

Ausblicke von der Humboldt-Terrasse, Fernsehturm, weiter Blick über Berlin Mitte mit Hedwigskathedrale, zum Gendarmenmarkt mit Französischem und Deutschem Dom, der nahe Berliner Dom und direkt auf der Terrasse das Café-Restaurant Baret, wo man auch draußen sitzen kann. Bißchen windig, aber beeindruckende Lage.

19. Oktober 2022

Die Laterne der wiedergeborenen Berliner Schlosskuppel. Acht Cherubim tragen in siebzig Metern Höhe die zweite Kuppelhaube, geformt wie goldene Palmblätter, gekrönt von Weltkugel und Kreuz.

17. Oktober 2022

Grotesker, teilweise erinnerbarer Traum, ganz weit weg von meiner privaten Situation oder meinen privaten Wünschen und Interessen. Ich habe im Traum eine frische Dreier-Beziehung mit einer attraktiven, hochgewachsenen, brünetten, langhaarigen Frau, athletischer, knochiger, herber, sehr gutaussehender Typ, ca. Mitte Dreißig und ihrem schon länger mit ihr in Beziehung stehenden Lebensgefährten, der eher blass und unscheinbar wirkt, zumindest im Vergleich zu ihr. Er hat recht weiche Züge, ist zwar schlank, aber wirkt eher untrainiert, dunkelblond, eventuell eine Brille mit einem silbernen Gestell, könnte Deutsch- und Englisch-Lehrer sein, Klamotten unauffällig, ebenfalls ca. Mitte oder auch Ende Dreißig. Aber er und sie sind irgendwie bedeutungsvoll, was beide attraktiv macht. Beruf unklar, wird nicht erhellt. Ich fühle mich geehrt, dass sie mich beide umgarnen, sie machen mir einen Heiratsantrag. Also für eine Ehe zu dritt. Ich fühle mich unwahrscheinlich geschmeichelt, obwohl ich keinerlei erotische Gefühle für Frauen habe, auch für sie nicht. Sie ist mir nur sympathisch und ich finde sie cool. Was ich für ihn empfinde, ist mir unklar, außer, dass ich beeindruckt bin, dass DIESE Beiden MICH auserwählt haben. Ich stimme daher der Eheschließung zu, es geht zum Standesamt.

Zuerst heirate ich sie, indem ich eine Unterschrift leiste, dann geht es in ein weiteres Trauzimmer, wo er wartet, und er mich quasi dazuheiraten soll, weil beide wohl schon mit sich verheiratet sind. Die Standesbeamtin erklärt nun, um die Ehe mit ihm schließen zu können, müsste vorher ein Kuss ausgetauscht werden, um sicherzustellen, dass man zusammenpasst. Durch das Küssen würde das überprüft werden. Nun geht es erstmalig überhaupt ans Küssen, und zwar nur mit ihm, wie verlangt. Ich finde den Kuss überhaupt nicht animierend und attraktiv und möchte am liebsten gleich wieder damit aufhören. Aber weil die Situation irgendwie peinlich ist und ich überhaupt nicht damit gerechnet habe, dass es mir nicht gefallen könnte, ihn zu küssen, überspiele ich mein plötzliches Desinteresse und mache Leidenschaft vortäuschend mit. Ich finde die Küsserei ausgesprochen lahm und von mir aus zumindest verlogen und denke noch, das sollte der Standesbeamtin jetzt reichen. Sie guckt streng und lässt den Kuss dann als akzeptabel durchgehen. Zum Glück muss ich nicht beantworten, ob er mir gefallen hat. Dann bin ich aufgewacht.

16. Oktober 2022

Am Lustgarten zwinkert das hier von mir gezeigte Alte Museum dem neuen Schloss vis à vis zu. Vertragen sich bestens, die beiden. Renaissance einer alten Ehe. Genau hundertzwanzig Jahre währte die enge Verbindung, von 1830 bis 1950. Das Alte Museum wurde 1825 bis 1830 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel Im Auftrag von König Friedrich Wilhelm III. erbaut.

Das dem Alten Museum exakt gegenüberliegende Schloss war um einiges älter. Zuerst als Renaissanceschloss von 1443 bis 1451 unter Friedrich II. erbaut. Dann erfolgte von 1699 unter der Umbau zur barocken Königsresidenz, Bauleiter war Andras Schlüter. Schlüter wurde 1706 als Hofbaumeister von Johann Friedrich Eosander abgelöst, der einen neuen Erweiterungsplan für das Schloss vorlegte, Ergebnis waren der Eosanderhof und das Eosanderportal. Die krönende, oktogonale Kuppel mit pilastergeschmücktem Tambour wurde in den Jahren 1845 bis 1853 von Friedrich August Stüler als Architekten und seinem Bauleiter Albert Dietrich Schadow errichtet.

Ich erwähne diese ganzen Architekten und Bauleiter deshalb, damit man erfasst, begreift, kapiert, dass hier nicht mal eben irgendein drittklassiger Entwurf gebaut und wieder platt gemacht wurde, um den es eigentlich nicht wirklich schade war. Mitnichten. Das war die ultimative Oberliga von Baumeistern im Königreich.

Weiter steht im Wikipediaeintrag: „Das Schloss wurde bei einem Luftangriff am 3. Februar 1945 schwer beschädigt und brannte großenteils aus. Teile des Schlosses blieben allerdings intakt, so dass von 1946 bis 1948 noch vier Ausstellungen vor allem im Weißen Saal gezeigt werden konnten. Der Baustadtrat Hans Scharoun, setzte sich für eine Sicherung der Substanz ein, da er das Schloss für den „hervorragendsten Bau des norddeutschen Barock“ hielt, und bekam entsprechende Mittel vom Magistrat (Sicherungsarbeiten ab 1. Oktober 1945). Auch später, 1950 aus dem Amt ausgeschieden, setzte er sich in Briefen an Otto Grotewohl für die Rettung des Schlosses ein. (…) Trotz internationaler Proteste wurde das Schloss 1950 gesprengt, also vollständig vernichtet, um eine Fläche für einen Aufmarschplatz zu gewinnen, der später durch den Palast der Republik teilweise bebaut wurde. (…) Am 7. September 1950, dem Tag nach dem Volkskammerbeschluss, begannen die abschnittsweisen Sprengungen des Schlosses. Diese Vernichtung von einzigartigem Kulturgut wurde weltweit kritisiert. Von erfolglosen Protesten begleitet, endeten sie am 30. Dezember 1950 mit der Niederlegung des Eosanderportals. Zerkleinerungssprengungen von Kapitellen, anderen größeren plastischen Teilen und von Kelleranlagen endeten im März 1951.“

Die Fassade und Silhouette des 2012 bis 2020 neu erbauten Berliner Schlosses, die wir heute wieder sehen dürfen, entspricht der Ansicht, die das Alte Museum von 1853 bis 1950 vor sich hatte. Wer darin keinen historischen, architektonischen und ästhetischen Wert erkennt, darf sich von mir als Banause/in betitelt fühlen. Nun darf wieder gezwinkert werden. Ich zwinkere mit.

Mein Weg führte mich am ersten September über den Lustgarten direkt ins Schloss. Denn ich musste ja unbedingt endlich die fertige oktagonale Kuppel aus allernächster Nähe sehen. Bilder folgen.

13. Oktober 2022

Ich habe das Gefühl, die Aufregung, ja Empörung mancherorts über die Rekonstruktion der Fassaden des Berliner Schlosses gegenüber vom Lustgarten hat sich gelegt. Ich war damals weder fanatisch dafür, noch dagegen. Ich fand schade, dass der Palast der Republik abgerissen wurde, weil mir die klare Silhouette mit den kupfer-verspiegelten Flächen gefiel. Ganz im Gegensatz zu den Wohn-Plattenbauten, wirkten die Kupferfassaden-Platten ausgesprochen schmuck, und ich glaube, Mies van der Rohe hätte ihn auch gelungen empfunden, zumindest von Außen. Aber da war dieser Drang, Zeichen zu setzen und die Asbest-Verseuchung ein willkommener Aufhänger, sich nicht weiter mit Sanierung des Renommierpalasts der DDR aufzuhalten. Und nun ist an selber Stelle das Humboldtforum mit den rekonstruierten Prachtfassaden des einst von der DDR weggefeudelten Schlosses. Ich mag, was daraus geworden ist. Wegen mir hätte es auch keine preisgünstig schmucklose Westfassade im Schlüterhof gebraucht. Die beteiligten Bildhauer aus ganz Deutschland, die die Kolossalfiguren wiedererschaffen haben, hätten das Übrige sicher auch noch gerne als Auftrag erhalten. Alles in allem: stimmig, wenn man durch den sommerlichen Lustgarten flaniert und die wiederauferstandene Fassade durch die Trompetenbäume sieht. Ich sehe kein Problem.

12. Oktober 2022

Jetzt hab ich die neue EC-Karte und stecke sie NICHT ins neue Portemonnaie. Mir dämmerte, dass ich alle möglichen Kärtchen in dem alten hatte, weil man das eben so macht UND weil die Geldbörsen immer so viele Fächer dafür haben. In meiner Kindheit hatten Mädchen gerne einen sogenannten „Setzkasten“, das war so ein Mini-Holzregal zum an die Wand hängen mit Mini-Fächern für Mini-Nippes. Da hat man dann kleine Figürchen heineingestellt, wie seine Schlümpfe oder ein kleines Grammophon oder ein kleines Telephon. Und kein Fach sollte leer sein. Das hat man dann wahrscheinlich nahtlos auf das erste Portemonnaie mit Fächern übertragen. Überall muss ein Kärtchen drin sein! Das EC-Kärtchen, das Personalausweis-Kärtchen, das Krankenversicherungs-Kärtchen, das Douglas-Kärtchen, das Barberini-Kärtchen, das BVG-Kärtchen. Ja, ja, so kam das alles. Aber nun bin ich erwachsen und kann auch ein Portemonnaie mit ein, zwei leeren Kärtchen-Fächern ok finden. Ich unterschreibe jetzt noch die neue Karte und packe sie dann weg, in ein Geheimversteck.

11. Oktober 2022

Gerade heimgekommen, an drei Elisabeth-Bildern gearbeitet. Wollte nur eins machen, hatte dann so viel Material… Ansonsten nachdenklich. Bin im Verarbeitungs-Modus, in jeglicher Hinsicht. Vor meiner Werkstatt war ich bei Galeria am Hermannplatz, da sind auf allen Etagen immer eine von zwei Rolltreppen stillgelegt, die in dieselbe Richtung fahren, wegen Energie-Ersparnis. Schilder davor: „Diese Rolltreppe ist nicht defekt, sondern wurde aus (…) Gründen außer Betrieb gesetzt“. Reicht auch, so wenig Kunden wie da waren, am Dienstag Nachmittag. Schwieriger finde ich, die Raumtemperatur in Büros verordnungsmäßig auf 19 Grad einzustellen. Nicht meine Wohlfühltemperatur. Hab mir heute ein Thermometer bestellt, um zu messen, ob das wirklich 19 Grad waren, die mich heute so frieren ließen. Morgen nehme ich einen Stapel Ponchos mit, um gewappnet zu sein. Hatte mal eine Neigung, jeden apart gemusterten weichen Poncho zu erstehen, der mir über den Weg lief. Zu jedem Outfit eine wärmende Kuscheldecke. Nur wenn der Handrücken so auskühlt… das sehe ich noch nicht, dass ich mir Handschuhe drinnen anziehe.

10. Oktober 2022

Wieder einmal durch die Kolonnaden spaziert. Neulich, am ersten September, Richtung Lustgarten, auf dem Weg zum Schloss oder Humboldtforum. Es zog mich zur Kuppel, die ich immer ganz fern aus meinem Wohnzimmerfenster sehe. Die Kolonnaden hinter der Friedrichsbrücke liebe ich sehr, das ganze Ensemble mit Alter Nationalgalerie und Neuem Museum, all den Säulen und Treppen, das ist schon meins. Nach dreiundzwanzig Jahren in Mitte freue ich mich immer noch jedes mal neu, dass ich da so hinspazieren kann.

09. Oktober 2022

Um nicht weiter Trübsinn zu verbreiten, ein paar heitere Fotos vom ersten September, wo ich mir in der Nachmittagssonne auf dem Balkon selber zum Geburtstag zugeprostet habe. Ausnahmsweise, ich habe selten Lust, schon am Nachmittag etwas Alkoholisches zu trinken, aber da war mir danach und die wärmende Nachmittagssonne so schön. Ich bin an sich kein Trübsal blasender Typ, das ist nicht meine Werkseinstellung. Aber wenn was Doofes passiert, kann ich schon auch empfindlich darauf reagieren und lache nicht alles immer nur weg. Innere Anspannung oder Traurigkeit ist mir dann auch nicht fremd. Aber immer Anlass-bedingt. Grauschwarze Gedanken wegen Nichts und wieder Nichts sind mir fremd. Ich habe viel geweint in meinem Leben, vor allem, als ich jünger war, dafür gab es aber immer handfeste Ursachen wie menschlichen Verlust oder Trennung oder sonstige Enttäuschungen. Gerade vorhin musste ich auf einmal weinen, als ich einen Bericht über das Lieblings-Pony von der Queen gelesen habe, es wurde ein neues Foto von dem lieben Tier veröffentlicht. Emma, so heißt das Pony, sieht da ganz traurig aus. Das griff mir ans Herz. Sonst weine ich nicht mehr so viel. Und jetzt ist ein Tag mit herrlicher Sonne, den will ich nicht traurig verbringen, deswegen auch Fotos von einem anderen Tag, der doch recht schön war. Ich wünsche allen einen schönen, friedlichen Sonntag.

08. Oktober 2022

Ich habe das Päckchen geholt. Danke, Volker. Inhalt fährt gleich in meine Werkstatt. Kommt auf ein neues Bild. Gemorpht und transformiert. Leinwand 50 x 100 gerade bestellt. Gobelingewebe, vormals eine Einkaufstasche, ein berühmtes Gesicht, sieht von links aus wie dunkelhäutig. Ich halbiere die hellhäutige Schönheit, in der Mitte ist die dunkle. Das wird grandios. Beim sieben Jahre alten Reisepass vorlegen hat der Postmann dreimal geguckt, ob ich das bin. Weil meine Haare da viel dunkler waren. Sind Sie DAS???? Also ich nehme an, dass es die Haare waren, weil ich auf dem Foto nicht jünger aussehe als heute, beinah eher älter sogar. Na ja, das Licht in der biometrischen Fotokabine.

07. Oktober 2022

Der heutige Freitag lief ab Nachmittag vom Weg her identisch ab, wie vor einer Woche, das gab mir ein unheimliches déjà vu. Ich hatte vergessen oder nicht mitbekommen, dass die U9 vom Zoo Richtung Steglitz nicht bis Bundesplatz durchfährt, wegen Bauarbeiten. Überraschte mich vor einer Woche schon, weil ich auf dem routinierten Weg nicht großartig aufmerksam auf das Schild mit der Fahrtrichtung gucke. Eigentlich nur selektiv wieviele Minuten ich warten muss, ob 2 oder 4 bis die nächste U-Bahn kommt. Die neue Tasche schräg über den Oberkörper gehängt, im Grunde an den Körper getackert. Trotzdem dauernd angespannt. Dann aussteigen Güntzelstr. in einen Ersatzverkehrbus, dann bis Bundesplatz, dann wieder in die S-Bahn bis Hermannstraße. Das hat mir schon soviel Konzentration abverlangt, dass ich unfähig war, mich auf das Buch einzulassen, ich ließ es gleich in der Tasche. Von Bundesplatz bis Hermannstr. vielleicht zwei Absätze halbherzig gelesen, gemerkt, ich wusste nicht, was ich gelesen habe. Schon in Tempelhof Buch zurück in die Tasche. Hermannstr. raus, zum Atelier, die nachgemachten Schlüssel durchprobieren. Alle nachgemachten funktionieren. Aber ich habe keinen Kellerschlüssel mehr, hatte wohl nur einen, der wurde geklaut. Aber ich muss nie in den Keller, außer wenn der Vermieter einen Handwerker ankündigt, der irgendwo in der Ecke rumschrauben muss. Ich habe da nix und würde ihn am liebsten aufgeben. Ich lasse auch keinen nachmachen, mir nun egal. Dann oben ein paar Sachen verstaut, auch einen Ersatzschlüssel für die Wohnung, Blumen gegossen, wieder los. Wieder einkaufen zu Netto in dieser Hermannpassage oder Quartier oder wie das heißt. Ich habe wieder nahezu die identischen Sachen gekauft wie letzte Woche. Flashback. Und es hat wieder nicht in die eine identisch große Tasche gepasst. Baumwollbeutel aus der Tasche geholt. Hatte einen Wechselgurt an der Tasche, da brach beim Versuch, die Tasche zu schließen, der Karabiner. Habe noch diverse alternative Gurte, aber das bedeutete, ich musste die schwere Tasche wie ein Baby auf den Arm nehmen. In der U-Bahn einen Platz gesucht, wo ich an der Trennscheibe sitzen konnte, zwischen der Scheibe und mir mein Einkaufsbeutel und die Tasche, habe dann die Baumwollbeutelhenkel durch den Verschlussgurt der neuen Tasche gefädelt, um beides während der Fahrt im Griff haben zu können. Wieder recht unkonzentriert nur wenig gelesen. Nur daran gedacht, endlich meine Wohnungstür hinter mir zu schließen, einzige Sehnsucht. Dann wieder der Weg von der U-Bahn mit dem Taschenbaby auf dem Arm und dem Beutel über der Schulter. Exakt der Weg wie letzte Woche, ich mir dauernd gepredigt: DU DARFST DIE TASCHE NICHT ABSTELLEN, AUF KEINEN FALL, EGAL WIE SCHWER SIE IST, AUCH NICHT, UM NUR KURZ DIE HAUSTÜR ZU ÖFFNEN. Habe deswegen schon im Gehen den Hausschlüssel hervorgekramt, um flüssig aufschließen zu können. Dann im Briefkasten ein Abholschein bei der Post, ab Samstag 14 Uhr ein Päckchen abholbereit. Statt Freude nur Panik. Wohin müssen. Wo anstehen. Leute dicht auf dicht. Horror. Ich muss mich erst noch ein paar Tage oder Wochen therapieren, um für solche Aktivitäten bereit zu sein. Morgen hat diese Post bis 15 Uhr auf. Ab 14 Uhr ist es da. Vielleicht habe ich morgen bessere Nerven oder nächste Woche. Tut mir echt leid, weil es ja eine gut gemeinte Sendung ist. Von einem lieben Menschen. Ich bestelle zwar einiges online, lasse es aber nie an meine Wohnadresse liefern, weil ich ja zu Zustellzeiten nie da bin. Bin nun sicher in meiner Wohnung und habe hier meine aktuelle Verfassung beschrieben. Ich habe gerade auch keine Lust, Fotos zu posten, obwohl ich genug nicht gepostete Strecken in petto habe. Ich will bitte mit Samthandschuhen angefasst werden und brauche Welpenschutz.

07. Oktober 2022

Inständige Bitte: mir keine Sachen, keine Gegenstände schicken. Und auch keine Bücher oder Ähnliches, was nicht durch den schmalen Briefkastenschlitz passt. Trost und Zuspruch bitte digital. Sachen bei Poststellen abholen müssen, ist für mich Superstress. Außerdem hab ich aktuell keinen Perso, nur eine Reisepasskopie im Portemonnaie. Werde ich auch nicht mehr ändern, nur wenn ich den neuen Perso abhole… Mir ist momentan jede Schlange und jede Stelle wo ich hinmuss, um anzustehen und etwas abzuholen, zuviel. Hatte gerade eine Überdosis davon. Bitte um Verständnis, bin traumatisiert.

05. Oktober 2022

Uhhh… gerade auf VOX eine Doku über Identitätsdiebstahl…. was man schon mit einem Personalausweis so anstellen kann…. Fake Account bei Ebay anlegen, Pseudo-Produkte anbieten und Geld abzocken. Heieiei…. man darf gar nicht genauer drüber nachdenken. Dadurch, dass ich die Sperre des Persos veranlasst habe und Anzeige erstattet habe, kann ich im Fall des Falles nachweisen, dass ich das nicht war. Aber schon die raffinierte Kategorie von Gaunerei. In der Doku kam es, weil eine junge Frau ihren ersten Personalausweis auf Instagram gepostet hat, aus Besitzerstolz, wollte ihn den engsten Freunden zeigen und hat die falsche Öffentlichkeitskategorie gewählt, es konnten alle 800 Follower sehen. Schön blöd.

Mein abendliches Tagwerk: die bestellten Schlüssel abgeholt und markiert, die nachgemachten Wohnungsschlüssel ausprobiert, einer funktioniert nicht. Aber Lob der BVG: trotz viel Stress wegen irrsinniger Nachfrage nach dem Billig-Abo habe ich nur drei Tage nach Meldung des Verlusts die Ersatzkarte im Briefkasten. Am Sa, 1. Okt. gemeldet, So und Mo war Feiertag, heute Dienstag schon zugestellt. Super. Morgen Abend dann wieder zum Schlüsselcopyshop und den nicht funktionierenden nachbessern lassen. Ob alle fürs Atelier funktionieren, werde ich erst Freitag ausprobieren können. Ich hoffe. Und die Krankenkasse hat auch bestätigt, dass die neue Karte in Arbeit ist und in spätestens vierzehn Tagen kommt. Und die neue Sonnenbrille kam auch und passt. Allerdings gewichtiger auf der Nase als die Prada, liegt an den Metallintarsien an den Bügeln. Aber schon schön. Versace Greca.

04. Oktober 2022

Zitat aus einem Kommentar von mir vorhin: „(…) was mich gedanklich dazu beschäftigt ist, dass ich ziemlich genau eine Woche bevor es passierte, aus heiterem Himmel mehrfach von dem Gedanken eingeholt wurde, dass ich doch endlich mal alle meine Ausweise, vor allem auch den Perso kopieren und scannen sollte, um IRGENDETWAS parat zu haben, falls es abhanden käme. Es gab keinen Anlass eines ähnlichen Vorfalls, der mich auf den Gedanken gebracht haben könnte. War das luzide??? Und ich habe mich nicht der Hellsicht gefügt…?“

Hm.

Erledigt: heute Mittag in der Sparkassenfiliale Rankestraße neue EC-Karte bestellt, Kontobewegungen seit Freitag betrachtet, nichts, was ich nicht selbst verursacht hätte.

Wieder einmal die Abo-Schlange am BVG-Kundencenter besucht, diesmal Bahnhof Zoo, Fachgespräch mit BVG-Mitarbeitern, die neben der Schlange quasi als Aufsicht und Auskunft fungieren, ergab: wer da steht und auf eine Abokarte zum gleich Mitnehmen hofft, irrt. Es kann lediglich eine Bestellung des Abos entgegengenommen werden, dasselbe, was man bequem daheim an seinem Internet erledigen kann. Ich jedoch, als langjährige Abonnentin hätte sehr wohl zu erwarten, direkt eine Ersatzkarte zu erhalten. Aber die Schlange war mir zu lang. Ich solle doch um 6:30 Uhr morgen kommen, da sei es immer ganz leer, keiner hätte Lust so früh aufzustehen. Ich auch nicht, bekannte ich. Da hatte ich allerdings schon eine geliehene Monatskarte in der neuen Umhängetasche, die darf ich benutzen, bis mir die Ersatzkarte von der BVG geschickt wird. Das macht mir schon sehr viel weniger Stress. Heute morgen habe ich nach Jahren einen Einzelfahrschein gekauft, den Preis musste ich recherchieren. Drei Euro für die Berechtigung im Innenstadtbereich 120 Minuten zu fahren. Schon happig.

Bei der Krankenkasse hatte ich auch nachgehakt, wie lange es dauert, bis die neue Gesundheitskarte mit der Post kommt, wohl ca. 14 Tage, aber nicht länger. Und wenn ich währenddessen in ärztliche Behandlung müsste, sollte ich mir – Achtung – jetzt kommts: die FAXNUMMER von der Praxis geben, dann würde die Krankenkasse da eine Art provisorische Bescheinigung hinfaxen, die für meinen Versicherungsnachweis sorgt. Ich fragte den Callcentermann am Telefon, ob er denn sicher sei, dass alle Arztpraxen noch ein FAXGERÄT besäßen. Er beteuerte, da sei er ganz, ganz sicher. Das hätte noch immer funktioniert, nie sei ihm etwas anderes untergekommen. Soso. Nun gut, ich habe – toi toi toi – aktuell keinen Arzttermin im Kalender, auch keine Zahnschmerzen zum Glück. Count your blessings!

Beim Bürgeramt-Terminvereinbarungs-Service mit der Nummer (030) 115 habe ich auch angerufen, es gab einen schicken Service für die Warteschleife. Nach der Ansage vom Band, dass viele aktuell in der Warteschleife sind, kam eine Schätzung, wieviele Minuten es ca. noch dauert, bis ich dran komme. Vierundzwanzig Minuten. Ich legte dann den Hörer einfach hin und beschäftigte mich anderweitig, während ich die Ohren spitzte, um nicht zu verpassen, wenn ein richtig lebendiger Mensch das Wort an mich richtet. Ich kam dann tatsächlich ziemlich genau nach 24 Minuten dran und konnte den frühesten Termin in der Kosterstraße in Mitte vereinbaren, also beim Bürgeramt. Am 28. November 2022 ist es so weit: ich kann den neuen Personalausweis beantragen. Ich wollte gerne zu diesem Bürgeramt, weil ich es noch nicht kenne und es in Mitte ist, wo ich ja nun seit dreiundzwanzig Jahren residiere. In meinem Reisepass steht, dass ich ihn 2015 beim Bezirksamt Spandau ausgestellt bekommen habe. Das fand ich schon damals etwas unpassend, aber es gab bei keinem anderen Bürgeramt so schnelle Termine. Diesmal warte ich lieber ein Weilchen, hab ja den Reisepass, der bis 2025 gilt.

Mit meinem guten Vorsatz, Kopien von Ausweisen statt Originale mit mir zu führen, habe ich auch gleich angefangen, indem ich meinen Reisepass farbig kopiert habe und die Kopie ins Portemonnaie gesteckt. Den echten brauche ich absehbar erst wieder Ende November, wenn ich den neuen Perso beantrage.

Bei dem ganzen Palaver mit dem neuen Personalausweis beantragen, informierte mich die Dame am Telefon, dass ich den abhanden gekommenen auch noch sperren lassen sollte, weil elektronisch lesbar, auch über dieselbe Sperrtelefonnummer wie für die Sperre der EC-Karte, also die 116 116. Da rief ich an und erfuhr, die Sperrung des Personalausweises ist nur möglich, wenn ich mein persönliches Sperrkennwort kenne. Das sei auf dem Schreiben, das man bei Aushändigung mit dem Personalausweis bekommt. Daheim danach gesucht und gefunden und tatsächlich: da ist ein seltsames Sperrkennwort gedruckt. Konnte ich dann heute Abend auch erledigen.

Und zuguterletzt ein Potpourri von Schlüsseln beim Schlüsseldiscounter in der Brunnenstraße bestellt. Knapp hundert Euro. Sind aber auch viele und spezielle dabei. Sollten ein paar Jährchen reichen.

Morgen ist dann ein fast normaler Tag, außer, dass ich am Abend einen Haufen Schlüssel abhole. Und Amazon hat ein paar Zustellungen angekündigt, auch Wiederbeschaffungsbestellungen, u. a. eine Sonnenbrille, aber nicht das gleiche Modell, das mir abhanden kam. Ich hoffe, das nicht aufprobierte, sehr aparte Modell passt.

03. Oktober 2022

To do Di

-Bürgeramt Klosterstr. anrufen (030) 115, Perso-Termin machen

-BVG-Kundencenter Zoo, vormittags oder mittags checken, ob immer noch lange Schlange, wenn nicht, Ersatzabokarte abholen (falls das geht…)

-Sparkasse Rankestr. (bis 18:00 auf, lieber mittags hin) neue EC-Karte bestellen, Kontoauszug drucken lassen, Kontobewegungen checken

-Schlüsseldiscount Brunnenstr. 8, alle Schlüssel nachmachen lassen: Wohnung 2 x, Atelier-Hauseingang 2 x, Briefkasten 2 x, Türschloss unten 1 x, Türschloss oben 2 x (hat bis 18:30 auf)

03. Oktober 2022

Vorsatz: wenn ich wieder alle Ausweise und Karten neu erstellt erhalten haben werde, will ich nur noch die absolut im Alltag notwendigen im Original bei mir haben. Ich brauche weder täglich meinen Personalausweis noch die Krankenversichertenkarte. BVG-Karte muss ich bei mir haben. Und die Schlüssel, die an dem jeweiligen Tag notwendig sind. Ansonsten Bargeld. EC-Karte kann auch daheim bleiben und bei Bedarf, wenn das Bargeld absehbar nicht reichen könnte mitgenommen werden. Perso als Kopie, kann dann auch im Original nachgereicht werden. Musste ich zuletzt bei der Corona-Impfung vorlegen. Und die kommende Woche sicher mehrfach meinen Reisepass, wenn ich zur Bank gehe, um die neue EC-Karte zu beantragen, und beim Bezirksamt den neuen Perso. Aber sonst? Ich weiß ja wer ich bin. Wenn ich tot umfalle, kann man auch anhand der Ausweiskopie feststellen, dass ich das war.

Hab vorhin zur Unterfütterung meiner Lektüre zu Hemingways Liebschaften nach Filmdokumenten gesucht, die ihn selbst zeigen, auch sprechend. Das war etwas ent-erotisierend. Er war da auch schon recht alt, also so alt wie ich jetzt, aber heruntergewirtschaftet und sprach so seltsam behäbig, nicht flüssig, als hätte er sich schon diverse Hirnzellen weggesoffen, was wohl auch der Fall war. Ich hatte ihn mir anhand der Fotos feuriger und schneller, temperamentvoller vorgestellt. Auf den Bildern finde ich ihn zumindest in jüngeren Jahren recht attraktiv. Ich habe tatsächlich hauptsächlich Spaß an der Lektüre, weil ich ihn mir als maximal attraktiven Mann vorstelle, das wurde jetzt etwas beeinträchtigt, muss das verdrängen. Mir ist der Roman wohl eher Projektionsfläche für meine eigenen Phantasien, mehr als Interesse am echten Hemingway und seinen Damen. Ich stelle mir bei der Lektüre auch die Frauen attraktiver vor, als sie auf den Fotos wirken. Sonst funktioniert für mich das Ganze nicht.

02. Oktober 2022

Heute keine Berge versetzt. Wiederbeschaffungsmaßnahmen auf Dienstag vertagt. Zettelwirtschaft auf dem Teppich gestern noch aufgeräumt. Vorher, also auch gestern, war ich am Alex, bei Galeria Kaufhof und im fürchterlich vollen Alexa. Bei Galeria große Umhängetasche gekauft, hatte ich schon nach einer Minute entdeckt, schwarzes weiches Leder mit einer schönen Silberschließe, von der Größe her so, dass man neben dem Krimskrams, der immer drin ist, auch noch gut drei bis vier Flaschen unterbringt, um das Volumen anschaulich zu machen. Außerdem ein schwarzes kleines schlichtes Lederportemonnaie und ein Etui, das für Schlüssel gedacht ist, ich aber für Taschentücher benutze, aktuell.

Dann wollte ich noch ein Kosmetiketui, da war aber nicht viel zur Auswahl. Daher zu dm nebenan, was mir auch die nette Galeria-Verkäuferin riet, die übrigens sehr viel Mitgefühl zeigte, als ich kurz erwähnte, dass ich mir eine neue Grundausstattung kaufen muss, wegen geklauter Tasche. Sie wollte den ganzen Tathergang wissen, eine Kollegin stand auch daneben, war auch stark interessiert, aber ich hatte keinen Nerv, das nochmal en detail zu berichten, da hatten sie auch Verständnis. War irgendwie familiär, sehr nett.

Jedenfalls war ich dann bei dm und da war es so furchtbar voll, dass ich wieder raus bin. Dann zu Alexa, da hätte man auch denken können, es gibt was umsonst. So schön ist es da doch nicht, dass man da als Touristengruppe dringend hinmüsste. Mich trieb da nur die Kauflust hin, ich wollte viel innerliche Abwechslung durch viele Geschäfte angucken, um die etwas trübselig grauen letzten 24 Stunden auszugleichen und weil ich ja wirklich Sachen nachkaufen musste.

Zuerst war ich bei Mister Spex nach Sonnenbrillen gucken. Die hatten zwar Markenbrillen der bekanntesten Labels, aber nichts für mich dabei. Dann war ich bei Apollo, da gefiel mir auch keine. Gegenüber war ein hübsch eingerichtetes Kosmetikgeschäft, wo lauter mir unbekannte Marken und Produkte in Retro-Verpackungen waren. Da habe ich ein hübsches Kosmetiktäschchen erstanden, und an der Kasse noch ein Döschen mit einem Balsam entdeckt, welches sich auch sehr gut unterwegs in meinem neuen Kosmetiktäschchen in der neuen Umhängetasche macht.

Dann war ich nach Jahrzehnten mal wieder kurz im Bodyshop, habe aber festgestellt, dass ich nichts brauche. Gegenüber kam dann Hussel, wo ich auch nie einkaufe, aber um ein Zeichen zu setzen dergestalt „besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen“, drei Packungen mit Trüffeln und Pralinen erstand, weil ich gerade Appetit draufhatte. Unterwegs Richtung Ausgang aß ich schon mal ein paar Trüffel und da kam plötzlich ein Douglas, wo es auch irrwitzig voll war. Ich konnte aber eine Verkäuferin erwischen, um sie zu fragen, ob sie so kleine Kosmetikspiegel für die Handtasche führen. Sie zeigte mir den einzigen Handtaschenspiegel, den Douglas selbst herstellen lässt, kleines schwarzes Etui und zwei richtig super vergrößernde Spiegelchen drin, genau richtig und gar nicht teuer, rund sechs Euro.

So, nun war ich schon recht gut versorgt und machte mich auf den Weg zurück. Ich fuhr wieder eine Haltestelle schwarz bis Weinmeisterstr., wobei ich ja nicht wirklich schwarz fahre, ich habe ja ein Abo, nur eben ist die nachbestellte Karte noch nicht zugestellt. Kann ich ja alles beweisen.

Weinmeisterstraße bin ich aus der U8 links in die Rosenthaler Straße bis zu Roßmann, da habe ich dann eine kleine Haarbürste, einen Kamm, Eyeliner, Kajal, Highlighter und Konturstifte gekauft. Dann war mir nach Heimgehen und die Sachen auspacken. Auf dem Teppich lag immer noch der ganze Papierkram, dazu kamen noch meine Einkäufe. Bis zum Schlafengehen hatte ich alles schön ausgepackt und betrachtet und Etikettenanhänger entfernt und die neue Tasche bestückt.

Dann noch den Papierkram verräumt. Währenddessen schaute ich alle möglichen royalen Dokus in der arte-Mediathek. Davon zwei über Kaiserin Elisabeth von Österreich, eine über ihre Kinder und deren Nachkommen. Dann war alles schön aufgeräumt und ich fühlte mich nicht mehr so verunfallt wie am Tag davor. Ich war mit meinem Tagwerk zufrieden.

Und heute wollte ich wieder – wie schon gestern – zuerst zum BVG-Kundencenter, aber da war wieder – wie zu erwarten – die hunderte Meter lange Schlange derer, die zum ersten mal in ihrem Leben ein BVG-Abo kaufen wollen, weil es die nächsten drei Monate so günstig zu haben ist, zum Schnäppchenpreis von 29 Euro pro Monat. Kann man auch online bestellen, aber die Zustellung der Karte dauert dann noch ein paar Tage, daher diese Schlange.

Ich entschied mich für weiter schwarz fahren und fuhr in mein Atelier, wo ich sämtliche Schlüssel, die ich daheim gefunden habe, ausprobieren wollte. Der Schlüsselbund, den ich sonst benutzt habe, war ja auch geklaut. Jedenfalls: ich kam rein und hab noch für jede erforderliche Tür einen, muss ich sicherheitshalber nachmachen lassen.

Die Sonne schien auf dem Balkon und mir war nach in der Sonne sitzen und lesen. Habe ich bestimmt anderthalb Stunden gemacht. Und dann an dem zweiten und dritten von drei Elisabeth-Bildern gewerkelt. Also Königin Elisabeth, nicht Kaiserin Elisabeth. Und dann war ich müde und bin heim.

Und jetzt habe ich das geschrieben und lese noch ein bißchen weiter in dem Buch, das ich auf dem Balkon gelesen habe, gefällt mir gut, der Schreibstil. Es heißt in der deutschen Übersetzung „Als Hemingway mich liebte“ von Naomi Wood. Im Original „Mrs Hemingway“. Geht um Hemingway und seine vier Ehefrauen, die ersten Kapitel spielen in Antibes, wo Hemingway mit seiner ersten Frau und seiner Geliebten die Sommerfrische verbringt. Diese spannungsreiche Konstellation wird angemessen dargelegt und ausgeschmückt. Obwohl mich Aufbereitungen von Biographien in Form eines ausschmückenden Romans oft nerven, gefällt es mir in diesem Fall ausgeprochen gut. Stilistisch, und sehr gut übersetzt.

01. Oktober 2022

In meinem Wohnzimmer siehts aus… auf dem ganzen Teppichboden behördliche Schreiben mit irgendwelchen Nummern und Zeugs ausgebreitet… kann ich mal wieder Ablage machen und ausmisten…. Der Polizeimitarbeiter hat heute durch mich gelernt, wie eine IBAN aufgebaut ist. Gab ein bißchen Irritation, weil ich ein altes Schreiben der Sparkasse dabeihatte, wo die alte Version meiner Kontonummer stand, die war vor Einführung von SEPA und IBAN nämlich 9-stellig. Damit der 10-stellige Standard für alle Kontonummern vorhanden ist, wurden damals kürzere Kontonummern vorneweg mit entsprechend vielen Nullen aufgefüllt. Bei mir klebt nun eine Null davor, ich musste das nachweisen, wieder heim, anderes Schreiben mit neuerer Nr. mit der Null davor vorlegen. Der Polizist war so jung, dass er sich nicht vorstellen konnte, dass es früher kürzere Kontonummern gab. Ja sogar 5-stellige hat mir der Sparkassen-Notrufmann erzählt. Jetzt ist jedenfalls alles, auch KUNO-mäßig, an der alten EC-Karte gesperrt. Konnte mit der Visacard Bargeld am Automaten holen. Jetzt fahr ich eine Station schwarz mit der BVG, um zum BVG-Kundencenter zu gehen, wegen Ersatz-Abokarte und eine neue Umhängetasche kaufen, schön geräumig und ein neues Portemonnaie, Haarbürste, Kamm, kleinen Kosmetikspiegel, Schminktäschchen, kleine Thermoskanne, und vielleicht als Trostpflaster eine neue Sonnenbrille. Die Polizisten in der Dienststelle, zwei Männer, eine Frau, waren alle recht jung, so zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Dreißig und sahen alle gut aus. Der junge Mann, der mich verarztet hat, war etwas sanftmütiger als die Frau.

30. September 2022

Statt launigem Eintrag. Ich bin gerade neben mir stehend, hab in geistiger Umnachtung meine Umhängetasche mit Portemonnaie mit Bargeld, Ausweis, EC-Karte, Krankenversichertenkarte, Schlüsselbund, Wochenendeinkauf, Pradabrille wohl vor der Haustür abgestellt, als ich die Tür aufgeschlossen habe, die Tasche war so schwer, ich in Gedanken, in die Wohnung…. da will ich die Sachen wegpacken und merke erst eine halbe Stunde später, dass sie weg ist. Auch nicht vor der Wohnungstür, auch nicht in der Kneipe abgegeben, bei allen Nachbarn geklingelt…. Scheiße… nix – – – – auch mein BVG-Abo drin… ich muss schauen, ob ich irgendwo einen Scan von meinem Perso hab… muss ich morgen zur Polizei. Bin gerade echt durcheinander… oder ich ruf dort an? Weiß gerade gar nicht, was man da alles machen muss. Kann man mit Visacard Bargeld am Automaten abheben? Wenigstens bin ich in meiner Wohnung und hab Internet. An dem langen Wochenende werde ich wohl wenig Antwort erhalten. Bißchen Getränke und Essen hab ich noch. Ein Glück, dass ich nicht auf der Straße sitze. Ich muss jetzt was trinken. Und dann den Perso-Scan suchen, den es hoffentlich gibt.

29. September 2022

MARE. Am Straßenrand Gips- Ecke Joachimstraße ausgesetzter, aufgegabelter, Holz-Rahmen mit Papprückwand ohne Scheibe, zwei ausgesparte Fragmente von darüber gespanntem, gebatiktem Baumwollbatist-Halstuch von Berliner Wochenmarkt Neunziger Jahre, Grundierung, sieben Aquarellpapierfragmente, Wasserfarbe, Tinte, Raufaserspachtel, Kupfer- und Goldacryl, Pappkringel, Spiegelscherben, Kleber, Bohrlöcher, Flambierbrenner, 25. und 26. September 2021 und 2., 3., 9., 10., 15., 16., 17., 23., 24., 29., 30. und 31. Oktober 2021, 61 x 91 cm, Staatliche Museen v. Gaganien

Hängt jetzt auch in der Fasanenstraße, noch einmal fotografiert. Die Farben besser eingefangen als beim letzten Mal. Wenn ich erzähle, was ich dabei gedacht habe, rede ich immer vom Meeresboden, wo Leben entsteht, ganz unten, Einzeller, Amöben… so Krabbengetier, ein kleiner Rochen, Seepferdchen, Scampis, und dass alles noch in der Entwicklung ist, aber wenn die Scampis so weit sind, dann schön in der Pfanne mit Rosmarin anbraten, grob gemahlenen schwarzen Pfeffer drüber. Hat bis jetzt noch jeder sofort verstanden und nachvollziehen können, meine Erklärungen.

28. September 2022

Der guten Ordnung halber historische Zeitdokumente vom Todestag der Königin von England. Ein Bild hatte ich schon mal gepostet, wo Lydia und ich in der Paris Bar anstießen, zum Himmel toasteten. Anlass des Treffens war aber ein anderer, nämlich hatte Jan Sobottka mal wieder eine Ausstellungseröffnung mit Fotografien. Ausschließlich Frauenportraits. Dort traf ich auch auf die Französin Sophie, Architektin und Champagnerimporteurin, die ich zum zweiten mal sah, vorher nur von Fotos von Jan kannte. Ein seltsamer Mechanismus bewirkt, dass wir dauernd lachen müssen. Ich weiß nicht, ob die Fotos vor der Todesmitteilung gemacht wurden oder danach. Ich hatte selbst keine Kamera dabei. Die Bilder sind bei Jan geklaut und von Lydias Smartphone. Nun ist es gerade zwanzig Tage her, dass Königin Elisabeth auf Balmoral gestorben ist. Mir kommt es schon viel länger vor, weil so unglaublich viel Berichterstattung dazu war, wie man es sonst in der Fülle nur nach einer längeren Zeit vorfindet. Die Welt musste ganz viel verarbeiten. Ich ja auch. Mir sickerte ein, welche Qualität die Beständigkeit der Queen für die Welt hatte. Diese unsere Zivilisation in der immer schneller alles Mögliche wieder über den Haufen geworfen wird und durch etwas Neues, Schnelleres, Hipperes ersetzt wird. Sie war die personifizierte Entschleunigung, ein Symbol für diesen Sehnsuchtsort, wo es kein hektisches Geflimmer und Antreiben und Verwerfen gibt. Diesem Phänomen zum Dank werde ich an einem Bild für Queen Elizabeth II. arbeiten. Ich sammle gerade noch Material, es formt sich bereits innerlich.

27. September 2022

SEILSPRINGEN. bemalte Reste von löchrigem Strickponcho von „Who Killed Bambi?“, Kleber, Grundierung, Acrylstifte (Königsblau, Türkisblau, Lindgrün, Orange, Weiß, Pink), Reparaturspachtel aus der Tube, 3D-Leinwand 50 x 50 cm, 28. November und 1., 4., 12., 14., 15. und 16. Dezember 2021. UPDATE mit Acrylstift weiß, Spiegelmosaik, Finish mit Gesso: 21. Juni, 5., 18., 19., 20., 21., 22. Juli 2022, Staatl. Museen v. Gaganien, Sammlung Fasanenstraße.

26. September 2022

STONES SIXTY I., 60 x 60 cm, 21. Juni, 25. – 27. Juni, 13. August, 22. – 29. August, 01., 10. September 2022, Druckfragmente, blautürkisgrüngelbe Glasscherben von marokkanischem Windlicht, Aquarellpapier, Tinte, Wasser, 3D-Leinwand, Spiegelscherben, Kleber, Staatl. Museen von Gaganien, Sammlung Fasanenstraße.

Leider sehr schwer reproduzierbar. Sonst würde ich Mick und Keith ein Exemplar schenken. Hat fünfzehn Tage mit je ungefähr sechs Stunden gedauert. Das SIXTY-Jubiläum war eine schöne Inspiration für mich. Es gibt auch noch ein zweites SIXTY-Bild, ist noch in der Mache. Andere Farbwelt, Feuerfarben. Das heißt SIXTY II. und wird wohl genauso schwer zu vervielfältigen. Das mit der Reproduktion beschäftigt mich schon eine Weile, auch im Hinblick auf andere Bilder. Aber speziell bei den Stones Sixty-Teilen ist es schon arg schade, weil es hätten doch manche gerne, wenn ich den bisherigen Reaktionen darauf Glauben schenken darf. Gibt ja ein paar Stones-Fans in der Welt. Ich werde die Stones Sixty I.-Fotos einfach mal den Glimmer Twins schicken…

25. September 2022

In Grün. Um auf die Bühnenperformance einzugehen: Blixa las mit viel Nachdruck Verdichtetes der Beat Generation, Kerouac und Ginsberg. Am besten war er, wenn die Texte genervt bis zornig waren, das schien zu seinem Befindlichkeitsstatus zu passen. Die drei Musiker, die ich nicht beim Namen nennen werde, haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten sicher alles gegeben. Wenn man diese grandiosen Jazz Klassiker allerdings in maximal virtuoser Umsetzung im Ohr hat, wirkt es schon etwas sportlich, mit einem eher mittelprächtigen musikalischen Vermögen auf eine solch exclusive Bühne zu gehen. In einer schummrigen Bar als Hintergrundgeplätscher kann ich das noch tolerieren, aber das war mir entschieden zu selbstgefällig herausgehoben. Die drei Musikanten und Blixa Bargeld waren leider auch kein Match made in Heaven. Sie kommunizierten in keinem Aspekt miteinander. Kein Lächeln, kein freundliches Zunicken, Körpersprache übersetzt: man wollte nichts miteinander zu tun haben. Auch gab es keine gemeinsame Verbeugung vor dem Publikum. Die drei mit den Instrumenten blieben auf ihrer Bühnenseite, Blixa blieb rechts, jeder machte sein Ding und schien froh zu sein, dass es dann auch vorbei war. Vielleicht hat sich jemand diese Kombination am Schreibtisch ausgedacht, wirkte so auf mich. Muss nicht wiederholt werden. Unterm Strich empfand ich Blixa als eine andere Liga. Besser zu seinen eigenen Projekten oder den Neubauten gehen. Aber das Publikum zeigte sich – wohl aus Prinzip – angetan. Ich vermute darunter nicht wenige langjährige Fans des schriftstellernden Bandleaders und Hobbytrompeters und seiner Bandkollegen. Bereut habe ich es nicht, dort gewesen zu sein, denn der Saal war schon alleine den Besuch wert. Und Ina treffen, ist immer schön.

25. September 2022

Der Konzertsaal hat beeindruckende Wände, mit Erhebungen wie Blubberblasen. Der französische Stararchitekt Rudy Ricciotti hat sich im Jahr Zweitausend des Nikolaisaals angenommen, so lange gibt es ihn schon in dieser modernen Version. Ina war genauso beeindruckt wie ich. Man könnte sagen: der Star des Abends war der Saal selbst. Über der Bühne wurden expressive Gemälde gebeamt. Darunter waren die drei Musiker, die Jazz Standards aus den Vierziger bis Fünfziger Jahren intonierten, rechts, etwas im Abseits, stand ein barocker Tisch mit gedrechselten Beinen, an dem Blixa Bargeld saß und las, wenn gerade nicht gespielt wurde.

25. September 2022

Als ich nur fünf Minuten später nach den Bildern an der Engeltreppe von der Potsdamer Yorckstraße in die Wilhelm-Staab-Straße bog, war blaue Stunde, die Minuten, wenn der Himmel tief indigoblau ist, bevor die Dunkelheit einbricht. Der Eingang vom Nikolaisaal war aufregend beleuchtet. Lauter schöne Barockfassaden in dieser Straße, wie im Bilderbuch. Ina hatte die Eintrittskarten, ich wartete im Eingangsbereich auf sie, lief im Hof und Entrée herum und fand das gesamte Ensemble richtig schön.

25. September 2022

Freitag, vorgestern, auf dem Weg zum Nikolaisaal in Potsdam, kam ich an der wiederauferstandenen Engeltreppe am Stadtschloss vorbei. War mir gar nicht so präsent, dass Potsdam neben den vielen Schlössern in Sanssouci auch noch ein Stadtschloss hat. Und so groß. Da wo auch der Landtag mit der schönen Kuppel ist, und das Barberini. Mein Weg war von der S-Bahn Potsdam kommend, über den Fluss, die Friedrich-Ebert-Straße entlang. Schnell Fotos von der rosa Fassade mit den goldigen Putten gemacht, gerade noch hell genug, dämmerte aber schon sehr, gegen 19:30 Uhr. Stellen sich royale Gefühle ein, da im Prinzessinnenpotsdam.
Es grüßt herzlich: Gaga von Preußen ♕

24. September 2022

Trübe heute. Kein Wetter, Licht oder Himmel, um aus dem Fenster zu fotografieren. Ich habe es gemacht, weil ich bei meiner Kamera versehentlich etwas maßgeblich verstellt hatte, was scharfes Fokussieren in der Ferne verhindert hatte. Der Makromodus war es nicht. Deshalb habe ich die drei Kuppeln fokussiert, als meine Versuchskaninchen. Und es ist eben manchmal auch trübe, gerade im Herbst. Aber die Kuppeln geben immer alles, also was her. Das goldene Kuppelchen in der Mitte ist die Spitze der Schlosskuppel. Die hatte ich an meinem Geburtstag bei blauem Himmel besucht. Habe ich auch Fotos, noch nicht gezeigt. Kommt aber alles noch.

21. September 2022

Der Dean der St. Georges Chapel sprach einen Psalm, die Aussegnungsworte für Elisabeth, die ehemalige Königin des Vereinten Köngreiches, die nun wieder eine einfache Seele war, die ihren Frieden und ihre letzte Ruhe in Windsor finden sollte, wo auch schon ihre Eltern, ihre Schwester und ihr Mann Philip ruhten. Der Katafalk mit dem Sarg begann sich während er sprach, ganz langsam in den Boden zu senken. Nach dem Amen ergriff der „Garter King of Arms“ das Wort und verlas:

„Thus it hath pleased Almighty God to take out of this transitory life unto His Divine Mercy the late Most High, Most Mighty, and Most Excellent Monarch, Elizabeth the Second, by the Grace of God of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of Her other Realms and Territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith, and Sovereign of the Most Noble Order of the Garter.“

Der Sarg war bei seinen letzten Worten noch etwa halb zu sehen, als abermals ein Dudelsack erklang, gespielt von The Queens Piper, derselbe Dudelsackspieler, der ihr immer das morgendliche Ständchen gebracht hatte. Während er spielte, wechselte die Kamera dauerhaft auf ihn, er stand in einem Seitenchor im Gang, kehrte den Rücken und schritt gemessen auf einen Ausgang zu, während sich der Sarg in die Gruft senkte. Dieses Bild blieb den Fernsehzuschauern absichtsvoll verwehrt. Es durfte nicht gefilmt werden, da aus rituellen Gründen vermieden werden soll, das sich das einmalige Ritual wiederholt, wenn auch nur als gefilmtes Dokument. Das hatte Frauke Ludowig in der RTL-Dokumentation der Beisetzung ausgeplaudert, alle Produktionsteams mussten vertraglich unterschreiben, dass sie das endgültige Versenken des Sargs nicht filmen. Er spielte „a lament from the North Quire Aisle“ namens „A Salute to the Royal Fendersmith“. Man wusste, als er zu Ende war, dass nun der Sarg im Boden war. Das war ein sehr würdiger, berührender Abgang. Nach Segnung der in der Kirche anwesenden Trauergemeinde wurde zum Abschluss die Nationalhymne gesungen, die ab jetzt wieder God Save The King heißt. Die Reporter zeigten noch wie die Trauergäste die Kapelle verließen, manche zu Fuß, Richtung Schloss, andere mit dem Auto. Wer auf Windsor blieb, gehörte zur engsten Familie, die noch ein weiteres, privates Ritual, unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hatte. Nämlich wurde Elisabeths Sarg während der Piper spielte, in die historische Gruft gesenkt, in der bereits fünfzehn Könige und Königinnen ruhen, aber das war nicht der allerletzte Sehnsuchtsort der toten Königin. Sie war nun zwar in derselben Gruft, in die Philip im letzten Jahr gesenkt wurde, aber das war nur sein Wartezimmer, bis sie starb. Elisabeths Vater, King George VI. hatte eine zweite, kleinere Gruft anbauen lassen, in der nur die engste Familie ruhen sollte. Gegen 20.30 Uhr sollte der allerletzte Akt der Beisetzung stattfinden, und die Särge von Elisabeth und Philip gemeinsam in die kleine King George VI. Memorial Chapel-Gruft überführt werden, wo sie für immer nebeneinander stehen. So ist es geschehen, aber davon werden wir niemals etwas sehen.

21. September 2022

Ein letztes Mal wurde die tote Königin Elisabeth von den starken jungen Männern in ihrem mit Blei ausgegossenen Eichensarg aus dem Wagen gehoben und in die St. Georges Chapel getragen, wo die letzte von Kameras begleitete Beisetzungszeremonie abgehalten wurde. Nach Gebeten und Gesängen wurde es noch einmal richtig aufregend. Der Sarg stand noch mit allen Insignien auf dem Katafalk. Dann kam ein behandschuhter Diener und hob nacheinander die Insignien vom Sarg, um sie einem jeweils anderen zum Halten zu geben. Zuerst das Zepter, dann den Reichsapfel und zuletzt die Krone. Der Dean nahm die Insignien nacheinander entgegen und legte sie auf violette Samtkissen, die auf dem Altar bereitlagen. Dann kam King Charles, bekam ein rotes besticktes Tuch gereicht, das er auf den Kopf des Sarges legte. Das leere Samtkissen, auf dem vorher die Krone war, blieb darauf, die Blumen auch. Dann kam Lord Chamberlain mit einem langen, dünnen Holzstab, der in der Mitte eine mit Metall überzogene Sollbruchstelle hatte. Er hielt den Stab quer über den Sarg der Königin und brach ihn in zwei Stücke. Damit war die Köngin endgültig ihrer irdischen Königswürde enthoben und ihre Regentschaft auf Erden zu Ende. Die beiden Stabhälften wurden auf das rote Tuch gelegt. Ich war ganz schön beeindruckt.

20. September 2022

Dann wurde der Sarg zu einem herrlichen Choral in die Westminster Abbey getragen, wo außer der Familie der Königin schon alle Staatsgäste aus der ganzen Welt Platz genommen hatten. Königliche Häupter und Präsidenten und alle noch lebenden ehemaligen Premiers und die neue Premierministerin. Unter den zweitausend Gästen waren auch zweihundert Menschen, die von der Queen für besondere Verdienste geehrt oder geadelt wurden. Nach der Trauerzeremonie in der Westminster Abbey wurde die Lafette mit dem Sarg durch London gezogen, am Buckingham Palast vorbei bis zum Wellington Arch, alles begleitet von Abertausenden uniformierten Gardisten aller königlichen Regimenter. Die tollsten Uniformen waren zu sehen. Es gab auch welche mit Leopardenfellen über der Brust. Die Durchfahrt durch den Bogen vom Wellington Arch war das Ende der Prozession und der endgültige Abschied von London für die Queen. Ihr Sarg wurde von der Lafette gehoben und in das Auto mit dem gläsernen Heck geschoben. Zur nun wirklich letzten Reise nach Windsor. Dort säumten, wie auch sonst überall, Tausende von Menschen die Wege, an denen die Prozession im Schritttempo vorbeifuhr. Bald passierte der Wagen das Tor des Schlosses und links und rechts der Auffahrt waren über viele hundert Meter die Blumen auf dem Rasen arrangiert, die vorher zum Abschied und Gedenken niedergelegt worden waren. Auf einmal stand da ein schwarzes Pony mit langer wilder Mähne, gehalten vom Rittmeister der Königin. Das Pony war Emma, das Lieblingspferd der Queen, auf dem sie zuletzt geritten ist. Als der Wagen Emma und den Rittmeister passierte, neigte er den Kopf und das Pony hob den rechten Huf. Das war sehr ergreifend. Zwei ihrer Corgies waren auch da und guckten traurig. Aber das mit Knicks von Emma, dem „Curtsy“ war besonders schön. Ich beschreibe nur, was mir besonders gut gefallen hat, es war ja ein sehr langer Tag mit vielen Prozessionen und Ritualen. Die Fotos sind nicht gegoogelt und runtergeladen, ich hab Screenshots von den Stellen im Video gemacht, die mich besonders beeindruckt haben. Zum Erinnern.

20. September 2022

Als das Zeichen gegeben wurde, dass sich die Prozession mit dem Sarg auf der Lafette in Bewegung setzt, begannen die Pipes and Drums der königlichen schottischen Garde zu spielen, insgesamt zweihundert Dudelsackspieler und Trommler. Ich hatte absolute Gänsehaut. Man muss sich nur entsinnen, was für gewaltige Töne nur ein einziger Dudelsack erzeugen kann. Die Queen liebte Musik von Bagpipers über alles. Ich verstehe es. Sie bekam jeden Morgen um Punkt Neun Uhr, egal ob im Buckingham Palast, auf Windsor, Sandringham oder Balmoral von ihrem persönlichen, königlichen Dudelsackspieler ein viertelstündiges Konzert. Dieses Instrument bringt derart metaphysische Töne hervor, es ist Hypnose und Gottesdienst. Dazu die treibenden Trommeln, ein wunderbarer Rhythmus und sehr meditativ, den Sarg mit dieser Musik zu begleiten. Sie spielten den ganzen Weg von Westminster Hall zur Westminster Abbey. Nur wegen dieses magischen Teils lohnt es, die Aufzeichnung der Beisetzung zu sehen und zu hören.