Der Dean der St. Georges Chapel sprach einen Psalm, die Aussegnungsworte für Elisabeth, die ehemalige Königin des Vereinten Köngreiches, die nun wieder eine einfache Seele war, die ihren Frieden und ihre letzte Ruhe in Windsor finden sollte, wo auch schon ihre Eltern, ihre Schwester und ihr Mann Philip ruhten. Der Katafalk mit dem Sarg begann sich während er sprach, ganz langsam in den Boden zu senken. Nach dem Amen ergriff der „Garter King of Arms“ das Wort und verlas:

„Thus it hath pleased Almighty God to take out of this transitory life unto His Divine Mercy the late Most High, Most Mighty, and Most Excellent Monarch, Elizabeth the Second, by the Grace of God of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of Her other Realms and Territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith, and Sovereign of the Most Noble Order of the Garter.“

Der Sarg war bei seinen letzten Worten noch etwa halb zu sehen, als abermals ein Dudelsack erklang, gespielt von The Queens Piper, derselbe Dudelsackspieler, der ihr immer das morgendliche Ständchen gebracht hatte. Während er spielte, wechselte die Kamera dauerhaft auf ihn, er stand in einem Seitenchor im Gang, kehrte den Rücken und schritt gemessen auf einen Ausgang zu, während sich der Sarg in die Gruft senkte. Dieses Bild blieb den Fernsehzuschauern absichtsvoll verwehrt. Es durfte nicht gefilmt werden, da aus rituellen Gründen vermieden werden soll, das sich das einmalige Ritual wiederholt, wenn auch nur als gefilmtes Dokument. Das hatte Frauke Ludowig in der RTL-Dokumentation der Beisetzung ausgeplaudert, alle Produktionsteams mussten vertraglich unterschreiben, dass sie das endgültige Versenken des Sargs nicht filmen. Er spielte „a lament from the North Quire Aisle“ namens „A Salute to the Royal Fendersmith“. Man wusste, als er zu Ende war, dass nun der Sarg im Boden war. Das war ein sehr würdiger, berührender Abgang. Nach Segnung der in der Kirche anwesenden Trauergemeinde wurde zum Abschluss die Nationalhymne gesungen, die ab jetzt wieder God Save The King heißt. Die Reporter zeigten noch wie die Trauergäste die Kapelle verließen, manche zu Fuß, Richtung Schloss, andere mit dem Auto. Wer auf Windsor blieb, gehörte zur engsten Familie, die noch ein weiteres, privates Ritual, unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hatte. Nämlich wurde Elisabeths Sarg während der Piper spielte, in die historische Gruft gesenkt, in der bereits fünfzehn Könige und Königinnen ruhen, aber das war nicht der allerletzte Sehnsuchtsort der toten Königin. Sie war nun zwar in derselben Gruft, in die Philip im letzten Jahr gesenkt wurde, aber das war nur sein Wartezimmer, bis sie starb. Elisabeths Vater, King George VI. hatte eine zweite, kleinere Gruft anbauen lassen, in der nur die engste Familie ruhen sollte. Gegen 20.30 Uhr sollte der allerletzte Akt der Beisetzung stattfinden, und die Särge von Elisabeth und Philip gemeinsam in die kleine King George VI. Memorial Chapel-Gruft überführt werden, wo sie für immer nebeneinander stehen. So ist es geschehen, aber davon werden wir niemals etwas sehen.

Eine Antwort auf „21. September 2022

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