29. September 2016


Adrian v. Ribbentrop
Es war richtig, diese Ausnahme zu machen. Die Ausnahme, diese Aufnahmen zu machen. Ich hätte nicht von mir aus danach gefragt, aber als die Anfrage kam, hatte ich spontan und sofort Lust. darauf. Und ich denke, es hat sich gelohnt. Nein, da könnte nicht jeder kommen. Insofern ist es relativ kurzsichtig, die Gelegenheit nicht zu ergreifen, wenn ich signalisiere, dass ich Lust habe zu fotografieren. Schönes Tagwerk. Eine von ca. hundertsechzig Aufnahmen. Ewig kein verabredetes Einzelshooting gemacht.

28. September 2016

Heiterer Tagesbeginn, musste vorhin über meinem Kaffee lachen, als ich eine facebook-Message las. Ich habe neulich mal wieder eine – nein sogar zwei Ausnahmen von der Regel gemacht, nur Freundschaftsanfragen anzunehmen, wenn ich mit jemandem zumindest einmal persönlich Kontakt hatte, idealerweise schon mal getroffen und die Stimme und die Mimik etc. erlebt. Sich schon mal in die Augen geschaut und sympathisch gefunden. Ich verschicke ohnehin selbst äußerst selten derlei Anfragen, nicht aus Arroganz oder Desinteresse, sondern mehr aus höflicher Zurückhaltung bzw. wenn jemand dafür nach einer Begegnung in Frage kommt, sind diese überwiegend mit Smartphone bewaffneten Menschen meist schneller damit als ich. Aber nun hatte ich also neulich, vor ein, zwei Wochen einmal eine Anfrage von jemandem, den ich nur von Fotos und Videos kenne, der aber ein Dutzend gemeinsamer Freunde auf der Liste hat – so ist er wahrscheinlich über mich gestolpert. Ich war wieder einmal hin- und hergerissen, habe allen Ernstes zweimal drüber geschlafen, ob ich das akzeptieren soll. Ich finde das Rückgängigmachen ja schon immer ein bißchen peinlich. Es ist so ein negativer Akt, der mir eigentlich auch nicht so richtig gefällt. Und wirkt dramatischer als beabsichtigt. Nun dachte ich nach zwei Tagen, es könnte auch beleidigend oder arrogant rüberkommen, wenn ich mich so ziere. Hatte nach der Anfrage kurz gepostet „Du kennst mich doch gar nicht?“ Kam keine Reaktion. Hm. Ich weiß, dass ganz viele wie Schmetterlingssammler alle möglichen Leute anfragen, die facebook aufgrund mehrerer gemeinsamer Freunde vorschlägt. Wahrscheinlich auch so ein Fall, der Mann. In einer milden Stunde dachte ich dann, nachdem mir die Anfrage wiederholt präsentiert wurde, zick mal nicht rum, tut ja nicht weh. Und dann war da noch so eine Anfrage von einem Berliner Musiker, der auch drei, vier gemeinsame Freunde hat, von dem ich noch nie gehört habe, der aber ein sehr sympathisches Lächeln hat und sein Profilbild ist schwarzweiß. Damit sind seine Chancen gleich um zweihundert Prozent gestiegen, dass ich eine Ausnahme von der Regel mache. Ich liebe schwarzweiße Profilbilder. Umgekehrt muss ich gestehen, dass ich etwas irritiert bin, wenn in der Sammlung schwarzweißer Profilbilder hier links in der facebook-Leiste, wo diese neun Freunde mit Bild präsentiert werden, ein sehr buntes, womöglich rot oder orange dabei ist. Ich muss da dann immer verstärkt hingucken, ich hätte es da gerne etwas ruhiger. Aber facebook funktioniert so, dass in der Sammlung der neun Freundesbilder immer die zuletzt hinzugefügten erscheinen bzw. ein paar wenige, mit denen man intensivere virtuelle Verbindungen hat. Wenn man also steuern wollte, dass da bestimmte neun Profilbilder auttauchen, müsste man die Freunde mit den neun Lieblingsprofilbildern mal kurz entfreunden, und frisch als Freunde hinzufügen, schon hat man eine selbstbestimmte Auswahl an Fotos. Habe ich neulich mal gemacht, um zu testen, ob es wirklich so funktioniert. Hat es. Nun aber durch die beiden Neuzugänge ist meine schwarzweiß-Ästhetik durch den einen Herrn mit den vielen gemeinsamen Freunden zerschossen worden. Ich kann ihm ja – unbekannterweise – schlecht mitteilen: „Du, Franz (Name von der Redaktion geändert), würdest du bitte mir zuliebe dein Profilbild nicht in rot-orange sondern monochrom s/w einstellen? Das fände ich wahnsinnig ästhetisch für meine facebook-Ansicht!“ Der müsste ja denken, bei mir ist eine Schraube locker. Womöglich werde ich dann von ihm entfreundet. Wie auch immer. Ich bin immer noch nicht auf den Punkt gekommen, fällt mir gerade auf. Ich wollte ja schreiben, warum ich lachen musste. Also jedenfalls der andere, der mir eine Anfrage geschickt hat, und die ich wegen des sympathischen Aussehens und des s/w-Profilbildes bestätigt hatte, hat mir eine kurze Dankesbotschaft als message geschickt, was ich als sehr höflich empfand, ist ja auch nicht unbedingt so üblich. Daraufhin schrieb ich kurz zurück „- unbekannterweise…!“ Daraufhin er: das könnte man ja ändern, ich sollte Bescheid geben, wenn ich WIEDER EINEN AUFTRITT HABE. Wenn ich wieder einen Auftritt habe. Der Gedanke gefällt mir. Endlich mal wieder ein Auftritt! Ich überlegte, woher er die Zuversicht nimmt, dass ich mich demnächst auf einer Bühne präsentiere. Die einzige Erklärung scheint mir, dass er aufgrund des hundertprozentigen Anteils sehr aktiver Musiker unter den gemeinsamen Freunden, die Schlussfolgerung zieht, dass ich auch von der Truppe bin. Um ihn nicht zu enttäuschen, stehe ich jetzt vor der Aufgabe, ein Bühnenprogramm zu entwickeln und auf die Beine zu stellen. Aber da ich ja zum Glück jede Menge Bühnenkünstler im Freundeskreis beherberge, kann ich mir da ja ein paar Tipps und Unterstützung holen. Ich weiß noch nicht genau, was es werden wird, ob eine One Woman Show im Stil von Grace Jones oder eine Tanzperformance oder eine Leseshow. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ich zeige mich da offen.

27. September 2016

Opus 117 – Maria Schuster & Jovica Hendrix – „Who the fuck is Angelina“. Maria Schuster und Jovica Hendrix singen gemeinsam am 1. Juni 2016 im Rickenbackers Berlin ein Medley aus „Wicked Game“, „Weißen Leinen“, „Alles wird besser“ und „Angelina“, mit Herzblut und viel Vergnügen improvisiert,. Anlass war das dreijährige Jubiläum von Jovis Mittwochssession im Rickenbackers, musikalisch gefeiert mit befreundeten Musikern.

Opus 117

Maria Schuster & Jovica Hendrix „Who the fuck is Angelina“ 

►watch on youtube

Vor zehn Jahren und zehn Tagen, am 17. September 2006, habe ich mein erstes digitales, mit „weltweit gesperrt“ ausgewiesenes Opus 1 auf youtube veröffentlicht. Die weltweite Sperrung* liegt an dem darin zu hörenden Medley, nicht weil ich so furchtbar gesungen hätte (nur ein bißchen), sondern weil dieser Audiotracker diverse Hits identifiziert hat, die für meine Karaokevorstellung aus dem off im Wohnzimmer herhalten mussten. Ein bißchen Jimi, ein bißchen Iggy. All along the Watchtower, Passenger. Das hat schon gereicht. Eines von vielen Experimenten mit mir selbst als Versuchskaninchen. Der Ton war ziemlich krachig, weil ich damals noch nicht wusste, dass bei digitalen Fotokameras die automatische Justierung zu den besten Tonergebnissen führt. Jedenfalls hatte ich bald Blut geleckt, da dieser erste Versuch zu nicht geringem Amusement bei meinen Bloglesern führte, die mich bislang nur von meinen Texten und Fotos kannten. Meine relativ lebhafte Mimik schien zu überraschen. Ein Leser meines Blogs – war er zumindest damals – kommentierte allen Ernstes (nicht auf yoiutube, sondern im Blog) dass er den Bildschirm geküsst hätte. Ich war dann doch seltsam berührt. Aber auch amüsiert. Eine etwas unerwartete Reaktion. Allerdings muss man erwähnen, dass er ein bißchen in mich verknallt war. Wie auch immer. Zehn Jahre digitaler Filmdokumente. Mal privat, mal weniger. Ach eigentlich immer. Selbst wenn ich Künstler, ob Musiker oder Schriftsteller oder Fotografen filmte, gab es immer einen privaten Bezug. Dass ich nur eine Verbindung zum Kunstschaffenden, um seiner Kunst willen hatte, war eher Ausnahme. Sei es Vera von Lehndorff, sei es Helge Timmerberg. Cosmic, Duke Meyer, Farin Urlaub. Wie sie alle heißen. Zuletzt Little Annie und Tom Adams waren da eher insofern eine Ausnahme, als ich sie erstmalig auf der Bühne sah und unmittelbar den Impuls hatte, sie im bewegten Bild einfangen zu wollen. Aber selbst da ergab sich im Nachhinein ein persönlicher Austausch. Und heute Opus 117. Ich gehe nicht ganz chronologisch vor. Die Aufnahmen von Opus 115 und 116 mit Karl und Saskia sind später entstanden als diese hier. Die hier verewigte launige Session im Rickenbackers, bzw. der Teil von „Wicked Game“ (ja, ich habe vorher auch eine Kleinigkeit weggeschnitten, aber das Schönste bewahrt), als Maria angeschubst von Jovica im Rickenbackers begann zu improvisieren, nachdem sie zwei, drei Strophen von Wicked Game und dem Refrain gesungen hatten, war am ersten Juni 2016. Es war eine Bombenstimmung,, wie man so schön sagt und auch mal gerne nicht Dabeigewesenen gegenüber übertreibt, aber die war da wirkllich. Habe ich auch darüber geschrieben, als ich die Bildstrecke veröffentlichte. Ist hier zu lesen. Ich glaube, Maria und Jovi müssen schon langsam gedacht haben, ich rede nur von dieser Aufnahme und mehr passiert nicht mehr. Oh nein, das wäre ein Irrtum – wie man sieht. Ich gehe nach Lust und Laune vor. Über Nacht, von heute auf morgen bin ich im Flow und nehme mir nach Monaten eine Datei vor und es ergibt sich alles in kurzer Zeit. Die oft schon sehr wackelige Kamera rührt daher, dass ich nebenher die ganze Zeit getanzt habe und mich dabei nur hin- und wieder in verhaltenen Bewegungen übte, damit überhaupt irgendeine fokussierte Aufnahme zustande kommt. Ich wollte mir diesen Spaß nicht nehmen lassen und wie betoniert am Bühnenrand stehen, um makellos wackelfreie Bilder zu bekommen. Das ist der Luxus, den ich mir erlaube. Keiner bestellt mich, ich agiere selten nach Vorgaben, völlig autonom, und auch nur, wenn ich inspiriert bin. Normalerweise hätte man den Anspruch, eine Bühnensituation mit mindestens drei bis sechs Kameras aus verschiedenen Perspektiven einzufangen. Ich mache so etwas wie hier gerne aus dem Handgelenk, ungeplant, mit einer. Aber dafür haben Sie auch die Möglichkeit der sehr realen Erfahrung, wie mein Blick wandert. Das ist rough. Und ein bißchen dirty. Ich mag das. Nicht die aufgesetzte Version davon…. „heute machen wir mal was, das so ein bißchen lasziv rüberkommt“ (… Schnute…. Hauchen… ). Nein. Nein. Nein. Ohne mich. Zuerst kommt das wahre Erleben. Und wenn es schön ist, ist der Lebensmoment im Recall für meine Aufnahme. So geht das bei mir. Gekürzt habe ich schon auch, das Ende wurde noch ordentlich ausgedehnt, aber das ist dann im Video auch irgendwann eintönig, wenn es auch musikalisch und atmosphärisch ein schöner Vibe war, hat aber für die laufenden Bilder dramaturgisch nichts mehr hergegeben, das die Sache intensiviert hätte. Ich habe jetzt beim Hochladen nicht angegeben, dass es nur für einen eingeschränkten, erwachsenen Personenkreis geeignet wäre. Ich weiß ja nicht, was Fünf- bis Zwölfjährige für Reimideen auf Tanz haben. Ich finde,man sollte die Kreativität im Umgang mit Sprache und Phantasie nicht beschränken. In keinem Alter. Da bin ich ganz streng. Hardlinerin.

*auf youtube gesperrt – nicht Vimeo

26. September 2016

Was ist an mir eine Schauspielerin verloren gegangen. Oscarreif auf der Lebensbühne absurden Theaters. Korrigiere: Alma-Seidler-Ring-reif, das weibliche Pendant zum Iffland-Ring – für Theater gibt es ja keinen Oscar. Da standen wir neulich unten im Rauchereck vorm Grünen Salon, kleine Frauenrunde, darunter zwei Schauspielerinnen. Das Gespräch kam auf Asta, Gott hab sie selig, und ich erwähnte, dass auch ich in grauer Vorzeit eine Schauspielausbildung genossen habe, die große Laufbahn jedoch daran scheiterte, dass ich mir keine Texte merken konnte, doch stetiglich wurde mir überragender Ausdruck attestiert. Niemand könne so bedeutungsvoll, ohne auch nur ein Wort zu verlieren, quer über die Bühne gehen wie ich, lobte die Lehrerin. Stanislawski hätte ganz große Freude an mir gehabt. „STUMMFILM“ benannte Saskia scharfsinnig und völlig korrekt die einzige für mich geeignete Sparte, Fortführung der Familientradition. „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“. Gerne möchte ich das Feuer des Stummfilms weitergeben! Ein Zitat, das gerne Gustav zugeschrieben wird. Ich fühle mich durch die nun bald jahrelange Beschäftigung mit Alma und ihm mittlerweile quasi familiär verbunden, deshalb darf ich Gustav sagen. Eigentlich soll es ursprünglich von Thomas Morus stammen, etwas anders formuliert „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“. Wie auch immer. Es wird auch noch einem Dutzend anderen großen Köpfen in Abwandlungen formuliert in den Mund gelegt. Aber SO war das alles dann vielleicht doch nicht gedacht, dass dieses brachliegende Schauspielpotenzial mangels Stummfilmrollenangeboten aufs Private übergreift. Es sprang mir heute Vormittag manifestiert ins Gesicht. Eine Reihe, die vor sechs Jahren in Pankow entstand.

Das hier ist ein Bild daraus. Was sieht man? Einen zutiefst traurigen Menschen, der auf die Scherben eines zerbrochenen Traumes blickt und gerade das ganze Ausmaß des Verlustes realisiert, noch dazu personifiziert vor Augen geführt? Sie denken vielleicht, ich habe beim Copypasten die Bildadresse verwechselt. Wenn Sie das denken, wissen Sie, was ich meine. Das war mein innerer Zustand an diesem Abend, bei diesem Konzert vor sechs Jahren. Ich habe mich zusammengerissen und alles aufgeboten, um die Lebensbühne nicht mit dem Ausdruck des Scheiterns zu verlassen. Wenn ich mir die Bilder ansehe, bin sogar ich rückblickend von dieser darstellerischen Leistung beeindruckt. Denn ich erinnere mich noch genau, wie ich mich fühlte. Unendlich verlassen. Und jetzt bitte diesen Alma-Seidler-Ring auf Lebenszeit. Ich wäre aber durchaus gerne bereit, ihn vorher weiterzugeben, wenn ich die Schauspielerei einmal an den Nagel hänge. Besonders in der Sparte „Absurdes Theater“. Ich habe eigentlich gar keine Liebe dazu. Wikipedia: „Das absurde Theater ist eine Richtung des Theaters des 20. Jahrhunderts, die die Sinnfreiheit der Welt und den darin orientierungslosen Menschen darstellen will. (…) Der Begriff des Theaters des Absurden (fr. Théâtre de l’Absurde) bildete sich in den 1950er Jahren als Sammelbegriff für eine vorwiegend in Frankreich aufkommende Art von Dramen mit grotesk-komischen sowie irrealen Szenen.“ „Sinnfreiheit“. „orienterungslos“. „Grotesk-komische sowie irreale Szenen“. Ich möchte das nicht. Meine Liebe gilt unverändert einzig und allein dem Stummfilm.

25. September 2016

Noch ein Sommertag. Balkon. Bilder, Filmsequenzen. Kaum Texte. Ich vermute, es war um die Jahrtausendwende, als ich damit aufhörte, Tagebucheinträge auf Papier zu schreiben. Bis dahin betrieb ich das seit meinem elften Lebensjahr äußerst intensiv. Also gut und gerne fünfunddreissigzwanzig Jahre. Mit einer inhaltlich anderen Intensität, als ich je wagte, Blogeinträge zu verfassen. So nackt und ohne Rücksicht auf Verluste, wie man nur sich selbst etwas erzählen kann. Ich spüre einen Drang, mehr von dieser Qualität zuzulassen, doch das ist öffentlich nicht möglich, ohne Grenzen zu überschreiten, die ich nicht zu überschreiten bereit bin. Also schreibe ich weniger. Aber es gibt auch keine nur für mich bestimmten, privaten Einträge, Das ginge ja auch digital. Eine Datei. Obwohl ich sehr gerne mit der Hand auf Papier schrieb.

Das Dilemma ist, wenn ich mich so hineinschreibe, auch nur für mich, und ich mich an der Intensität des Beschriebenen berausche, empfinde ich Bedauern, dass es privat bleiben sollte. Ich meine der womöglich virtuose Text. Also schreibe ich nichts, behalte alles Ungesagte in mir. Alles Gedachte, Erinnerte, Erträumte, Phantasierte, Verfluchte. Der Dreh wäre, vorgeblich fiktiv zu werden, einen anonymisierten Fortsetzungsroman zu schreiben. Herrje. Unter Pseudonym womöglich. Nein Danke. Oder Songtexte. Ach nein. Wer soll die singen? Ich bestimmt nicht, obwohl ich gerne singe. Jemand anders? Wäre ja noch schöner. Kommt überhaupt nicht in Frage. Ein Dilemma. Idealerweise sorgt man für Lebensverhältnisse und Befindlichkeiten, die jedem 1000-Watt-Scheinwerfer stand halten. Andererseits – so ein makellos präsentierbarer Zustand, was gäbe es da noch zu berichten, was von Interesse ist? Kein Dilemma, keine Selbstzweifel, immer nur die Wahrheit und nichts als eine harmlose Wahrheit? Der Drang nach intensivem Empfinden lockt vermutlich auf innere Wege, die schwieriges Terrain nicht aussparen. Immerhin Meta-Texte lassen sich in aller Unverblümtheit schreiben.
16-09-17 SIR (57)
Scheißdreck. Ich dachte innerhalb der letzten beiden Wochen ungefähr dreimal darüber nach, was ich denn da schreiben würde, nähme ich mir eine private Datei vor, oder ein Blatt Papier. Ich glaube, ich möchte das gar nicht lesen, ich will so manches gar nicht manifestiert wissen. Nicht auch noch in Worten auf Papier. In gewisser Weise hofiert man damit etwas, was nicht in allen Aspekten gefeiert werden muss. Und wenn ich diese Aspekte ausspare, was bleibt? Wahrscheinlich Pornographie. Haha. Kapiert kein Schwein, egal. Denken Sie sich einfach etwas Schönes. Ich tus auch. Mit tropfender roter und schwarzer Zaubertinte in Abertausende Zellen meiner Erinnerung geschrieben.

18. September 2016

Um 17:57 und dreissig Sekunden im Wahllokal. Alles im grünen Bereich. Nein, die andere Partei gewählt, die mir der Wahl-o-mat on top angezeigt hat, mit ebenfalls 84,2 Prozent Übereinstimmung der Positionen. Leider nix genützt. Aber wenigstens hat die Linke plus gemacht. Afd zweistellig – eine Schande, man schämt sich.

01. September 2016

Was einem so durch den Kopf geht. Als Bloggerin meine ich, Normalsterbliche ausgenommen. Zum Beispiel dachte ich bei diversen Sonnenbädern auf meinem Balkon in den letzten Tagen, wie wäre es, wenn ich zur Feier des Tages jeweils ein Bild (natürlich von mir, wem sonst – also eines, das mich abbildet – wen sonst) der letzten sagen wir – zehn – dokumentierten Jahrestage meiner Geburt in einem Eintrag hochladen würde. Best of natürlich. Jeder sollte sofort erkennen, dass ich mich unwahrscheinlcih gut gehalten habe. Das ist gut für’s Ego, auch wenn man sich das selber anschaut. Der Gedanke gefiel mir recht gut. Allein – ich war – und bin es noch – zu bequem, die Bilder herauszusuchen. Schade. Eitel genug für so einen Eintrag wäre ich. Aber stattdessen schreibe ich hier wieder einmal wortreich, warum etwas zu nichts geführt hat. Überhaupt mein Thema. Wie stellt man es an, dass etwas zu nichts führt. Darüber könnte ich Bücher schreiben. Aber nicht einmal dafür langt es. Nein, ich strebe keine Autorenexistenz an. Dann will irgendsoein Verlag, dass man nach dem ersten großen Wurf stetiglich nachliefert. Das ist meine Sache nicht. Ich kann nur unter meinen selbstgewählten anarchischen Bedingungen produktiv sein. Gerade lade ich übrigens im Hintergrund Bilder von vor genau – exakt! – einem Jahr hoch. Ja, ich bin mitunter von der schnellen Truppe, haha. Nein, Blödsinn. Tatsächlich habe ich in den letzten Monaten vieles bevorzugt behandelt, das chonologisch nachgeordnet ist. Aus Sympathie, freundschaftlicher Motivation. Man erahnt, dass sich der eine oder andere Protagonist über einen zeitnahen Upload freut. Und ich freue mich mit, wenn sich Menschen freuen, die meine Sympathie haben. Das ist eigentlich die einzige Voraussetzung. Aber natürlich nicht zu kaufen. Jedenfalls laden immer noch die Bilder vom ersten September 2015 hoch. Auch die werde ich in diesem nächtlichen Eintrag nicht einfügen. Viel zu aufwändig. Ich war wieder einmal am Teufelsberg vor genau einem Jahr. Keineswegs zum ersten oder zweiten Mal. Das ist in dreißig Jahren Berlin auch nicht weiter verwunderlich, denke ich. Aber tatsächlich wollte ich vor genau einem Jahr erstmalig die Gelegenheit nutzen, mir die Abhörstation auf dem Teufelsberg aus der Nähe anzuschauen. Und genau an dem Tag, dem ersten September 2015 um kurz vor 14 Uhr kam der Gerichtsvollzieher um die Kasse zu beschlagnahmen und den Leuten das Handwerk zu legen. Also nix mit Betreten des Geländes und auf den Turm steigen usw. Also umkreiste ich das Objekt und der Ausflug wurde stattdessen zu einer ausgiebigen (Irr)wanderung durch den allertiefsten Grunewald. Ich hatte keinen Plan mehr, wo ich bin. Ohne Mobilnetz, ohne Zugriff auf irgendsoeine Geotagging-App oder wie das heißt, ließ ich mich treiben und genoss es zugleich, mich ganz weit weg zu fühlen. Ich versuchte in der Ferne Zivilisationsgeräusche auszumachen, fernen Verkehr. Manchmal wähnte ich etwas zu hören, dann war ich wieder unsicher, was die Richtung anging. Ich folgte also meinem Gehör. Das war tatsächlich aufregend. Ein bißchen wie im Urwald. Ja, lachen Sie nur. Der Grunewald hat ungeahnte Tiefen und Weiten und Niederungen, in denen man kilometerweit kein vernünftiges Schild findet, wenn man sich nur anständig genug verirrt. Letztlich kam dann doch irgendwann der auditive Eindruck von echtem Verkehr und einer nicht allzufernen Straße, dem ich folgte. Ich kam dann irgendwo raus, wo ich auch noch nie war und bewunderte die nostalgischen Straßenleuchten. Schon war ich wieder in meinem Element. Es gab etwas noch nicht Gesehenes zu entdecken. Und irgendwann kommt immer die nächste Haltestelle. Ob Bus, ob Tram, ob S-Bahn. Oder sogar U-Bahn. Ich glaube, es war so ein Mix aus Busfahren und dann in die S-Bahn, wahrscheinlich Heerstraße. Weiß ich aber nicht mehr so genau. Egal. Die Bilder laden immer noch hoch – ah – es hakte gerade bei einer Datei, verstehe. Eigentlich wäre das jetzt doch ein passender Eintrag zur gesamten Bildstrecke vom ersten September 2015, wenn ich es so auf mich wirken lasse. Vielleicht füge ich die Bilder noch ein. Oder auch nicht. Oder wenigstens eines. Ich kann ja hier machen, was ich will. Freiheit des Bloggens. Ich liebe es. Für morgen habe ich auch einen vagen Ausflugsplan. Ich sage nur Valentinswerder. Aber das bleibt unter uns! Ach ja – das habe ich ja gar nicht erwähnt – vor einem Jahr war mein fünfzigster Geburtstag. Sie dürfen mir gerne nachträglich gratulieren! Ich liebe Geburtstagsgratulationen. Mir wird dann immer ganz feierlich und ich bin dann richtig gerührt. Ich weiß das zu schätzen. Und denken Sie sich nichts dabei, dass ich Sie nicht zur großen Geburtstagsparty nach Valentinswerder einlade. Die gibt es nämlich nicht. Also kein Grund, sich irgendwie ausgeschlossen zu fühlen. Ah – die Bilder sind endlich hochgeladen. Wurde ja auch langsam Zeit.
15-09-01 Teufelsberg (105)
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Sehe gerade, am dritten September ist Sommerfest in Valentinswerder mit Live Musik. Da komme ich jetzt aber ins Schwanken. Nicht, dass ich nicht noch andere Ausflugsziele in petto hätte für morgen. Muss ich mal drüber schlafen Am dritten ist auch das Sommerfest im Literarischen Colloquium am Wannsee, da bin ich praktisch schon verabredet, aber man sollte immer flexibel bleiben. Und im nhow ist am selben Abend auch wieder ein ganz interessantes Konzert. Und außerdem das Straßenfest in der Veteranenstraße. Aber muss alles nicht heute Nacht entschieden werden.

15. September 2016

GLEIS 4 – IN LIEBE – NACH POTSDAM – ZURÜCKBLEIBEN BITTE. Hat eine Weile gedauert vorhin, bis mein Verstand die Durchsage korrigiert hat. In Liebe klingt schöner als S Sieben. War spät gestern. Nachdem ich gegen halbzwei nach Hause gekommen war, wollte ich unbedingt sehen, wie die Aufnahmen geworden sind. Ich war in einer Galerie, in der Freunde einen schönen Abend bereiteten. Es gab u. a. eine Liveperformance einer bildenden Künstlerin, die auch Musikerin ist. Sie singt und spielt Gitarre und andere Saiteninstrumente, Catherine Lorent. Sie kündigte schon zu Beginn an, dass das Stück normalerweise eine Stunde dauern würde und sie würde sich auf dreissig Minuten beschränken, aber ich habe das offenbar geflissentlich überhört. Sie begann und ich fand es nach einigen Takten interessant genug, um es zu filmen. Nach etwa zehn Minuten begriff ich, dass es keine halbstündige Performance mehrerer getrennter musikalischer Segmente ist, sondern ein einziges Stück, in dem sie die Instrumente wechselte. Was deshalb funktionierte, weil sie in ihrer Armada von Effektgeräten auch einen Looper hatte, der vor sich hinechote, während sie das Instrument wechselte. Ich hielt fast die halbe Stunde bis zum Ende ihrer Performance durch, doch meine Kamera stieg kurz vor Ende aus. Ich hatte leichte Panik, dass die ganze Mühe umsonst war, denn meine vorherige Kamera beendete Aufnahmen (wenn der Akku aufgebraucht war) mitunter ohne die Datei zu speichern. Hier war der Grund aber die Überlänge der Aufnahmesequenz und die Datei wurde glücklicherweise gespeichert. Ich war neugierig gestern Nacht, ob es so gut aussah, wie ich es beim Filmen wahrgenommen hatte. Ich kann mich nicht entsinnen, je eine so lange Aufnahme von einer Musikperformance gemacht zu haben. Es war durchaus mit Mühe verbunden aber auch ungeheuer faszinierend, weil ich mit meiner Kamera das Szenario umkreisen und an Catherine Lorent auf- und abwandern konnte. Ich wechselte häufig die Perspektive und den Fokus, und zwischen extremen Close ups und Totalen. Das verlangt ausdauernde Körperbeherrschung, da man keine Nebengeräusche oder Wackeleien verursachen will. Es sieht für Außenstehende wie eine zeitlupenartig choreographierte Performance aus, doch das war mir gestern ausnahmsweise gleichgültig. Ich wage das selten. Es ist eigentlich nur möglich, mich so mit der Kamera zu bewegen, wenn ich Gewissheit habe, den Auftritt nicht zu beeinträchtigen, und das ging gestern unvergleichlich gut, da es zum einen in einem Rahmen stattfand, zu dem ich einen familiären Bezug habe und zum anderen, weil links und rechts von dem großen Schaufenster, das kurzerhand zur Bühne umfunktioniert wurde, kein Publikum berücksichtigt werden musste, und ich somit mit meinen Aktionsradius niemandem die Sichtachse verstellte. Das ist in dieser Form bei öffentlichen Veranstaltungen nicht möglich. Das Publikum müsste den Eindruck gewinnen, ich ziehe eine eigene Show ab. Es wäre kaum vermittelbar, dass meine Bewegungen ausschließlich durch das Interesse motiviert sind, möglichst intensive Aufnahmen einzufangen. Daher mache ich das fast nur in einem privateren Kontext. Die Aufnahme von gestern ist richtig gut geworden. Allerdings fiel mir beim nächtlichen Ansehen auf, dass es in der musikalischen Performance (die phasenweise atmosphärisch an Neil Youngs hypnotisierendes Gitarrengewitter aus Dead Man erinnerte) doch einige Längen gibt (und ab und zu auch einige schräge Töne), die es nicht braucht, und die gut und gerne auf jemanden, der nicht live dabei war, redundant wirken könnten. Ich muss sehen, ob ich die Tonspur auf Wesentliches reduziere oder es doch so belasse. Ich wünschte, ich könnte mich häufiger so unbeschränkt und frei mit der Kamera bewegen, die Ergebnisse werden ungleich dynamischer und intimer. Aufregender.

08. September 2016

Interessant, wie sich Informationen auf einen zubewegen. Vorgestern Nacht wanderte ich – nur in Gedanken – durch meinen Bilderstrom. Ich denke zunehmend über Sinn und Unsinn einer derart umfangreichen fotografischen Dokumentation nach, wie ich es in den letzten Jahren betrieben habe. Besonders in den letzten Tagen ist mir die Zahl fünfzigtausend vor Augen, wenn ich meinen flickr account aufrufe. Die Anzahl der von mir dort hochgeladenen Bilder. Das ist schon eine Zahl. Und dabei handelt es sich nur um die Aufnahmen, die online sind, es gibt noch einige weitere Tausende, die vor diesem account entstanden sind, seit meiner digitalen Existenz. Gar nicht zu reden von den Jahren analoger Fotografie, nur einiges ist davon digitialisiert, vornehmlich Aufnahmen von Reisen, zum Beispiel der Westen von Amerika oder Island. All das ist nicht auf flickr. Aber eben diese fünfzigtausend Aufnahmen seit Mai 2005. Das bedeutet, meine persönliche Lebenschronik in Bildern. Manchmal tauchen Erinnerungen aus versunkenen Tiefen nach oben, von vergangenen Zeiten und Begegnungen, und ich entsinne mich dann bestimmter Ereignisse, was mir dann die Erinnerung an einzelne Bilder beschert. Ich kann sie immer sehr leicht finden, weil ich eine chronologische Archivierung pflege und außerdem alle Bilder mit Suchbegriffen versehe. So fiel mir vorgestern plötzlich ein Musiker ein – eigentlich zwei, es war ein Duo, das sich Minneswing nannte – aber der Gitarrist und Sänger war mir besonders in Erinnerung. Oder vielmehr, dass ich von ihm einige Momente auf der Bühne einfing, die sehr gelungen waren. Ich hatte vollkommen vergessen, wie sein Name war. Das Konzert liegt acht Jahre zurück. In acht Jahren ändert sich manches. Bands lösen sich auf, neue gründen sich. Man kann heutzutage ja alles im Internet verfolgen und rückwirkend nachvollziehen. Die meisten Bands haben auch inzwischen neben ihrer regulären Website eine Bandseite bei facebook, youtube-Channels, das Übliche. Mich interessierte, ob ich die Aufnahmen von ihm auch heute noch als gelungen beurteilen würde oder ob mich meine Erinnerung trügt. Ich sah mir die Bilder an, eine ganze Reihe, manche finde ich immer noch ausgezeichnet, einige leider zu verrauscht, aber auch darunter ein paar, die den Ausdruck sehr schön eingefangen. Ich fand in den tags seinen Namen, der mir entfallen war, und suchte bei facebook auch nach dem Bandnamen, und fand beides. Ebenso bei youtube, wo ich mir einige Clips der letzten Jahre ansah. Leider fast alle aufnahmetechnisch unterirdisch, sowohl visuell als auch vom Ton her. Zwei Videos fand ich am interessantesten, das eine eine Aufnahme vom letzten April aus dem Proberaum, mit einem neuen Bandprojekt, und das andere war ein Amateurvideo, aus dem Publikum mit einem Handy gefilmt, vom letzten Jahr. Der Sänger und Gitarrist, Max Flierl heißt er, tritt in dem Video in einem Lokal in Marbella auf. Er steht vor einem seltsamen Vorhang und spielt Gitarre und singt. Die von ihm vertonte „Ballade vom roten Mohn“, die allgemein gerne als eine Art Übersetzung von Villon-Versen gehandelt wird, was aber nicht gesichert ist, denn der Verfasser der „Ballade vom roten Mohn“, der Schriftsteller, Dichter und Übersetzer Paul Zech, schrieb eine Reihe eigener Verse, die er, um der Zensur zu entgehen, besonders wenn sie erotisch waren, als Übersetzungen aus dem Französischen ausgab. Nun ist diese wunderschöne Ballade vom roten Mohn nicht so heikel und schlüpfrig, dass diese Finte erforderlich wäre, insofern gibt es vielleicht wirklich eine inhaltliche Vorlage bei Villon. Aber in jedem Fall handelt es sich um Nachdichtung, eigene Dichtung, anders lässt sich Dichtung ohnehin nicht in eine andere Sprache übertragen. Ich las ein bißchen über Paul Zech und ließ nebenher mehrmals das Video aus Marbella laufen. Er singt sie sehr schön die Ballade, zu schade, dass die Aufnahme nicht besser ist. Vielleicht sollten wir uns irgendwann verabreden, um eine gelungenere Aufnahme einzufangen.
Im Sommer war das Gras so tief
Daß jeder Wind daran vorüberlief
Ich habe da dein Blut gespürt
Und wie es heiß zu mir herüberrann
Du hast nur mein Gesicht berührt
Da starb er einfach hin, der harte Mann
Weils solche Liebe nicht mehr gibt
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt
Im Feld den ganzen Sommer war
Der rote Mohn so rot nicht wie dein Haar
Jetzt wird es abgemäht, das Gras
Die bunten Blumen welken auch dahin
Und wenn der rote Mohn so blaß
Geworden ist, dann hat es keinen Sinn
Daß es noch weiße Wolken gibt

Es war bereits nach Mitternacht, als ich begann, über Paul Zech zu recherchieren. Als ich im Wikipediaeintrag eine Fotografie der Berliner Gedenktafel in Schöneberg sah, wurde mir bewusst, dass gerade sein Todestag ist. Der siebte September. Er starb am 07.09.1946. Genau vor siebzig Jahren, eben da ich anfing, über ihn zu lesen. Paul Zech lebte also auch eine Zeit lang in Schöneberg. Ich sah mir mit googlemaps die Lage der Gedenktafel in der Naumannstraße an, nicht weit entfernt, wo ich von 1986 bis 1992 gelebt hatte. Dann fand ich eine Seite im Internet, die sich nur mit Berliner Gedenktafeln befasst. Mir kam in den Sinn, dass es mittlerweile Gedenktafeln für Marlene Dietrich und Hildegard Knef an zwei Häusern in der Leberstraße, in denen sie ihre Kindheit verbrachten, gibt, die noch nicht existierten, als ich dort wohnte, weil beide damals noch lebten. Gedenktafeln werden ja leider immer erst nach dem Ableben angebracht. Ich rief mit googlemaps die Positionen der Gedenktafeln auf, und neugierhalber auch, wo meine angebracht wäre, wenn es denn eine gäbe. Meine läge ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Hilde und Marlene. Und rechts unten im Ausschnitt des Plans war noch Platz für Paul Zechs Tafel. Ein bißchen geschummelt, denn eigentlich ist die Hausnummer ein paar Meter weiter unten, aber sei’s drum. Und das ist die Geschichte, wie es kam, dass ich zu Paul Zechs siebzigstem Todestag einen Eintrag auf facebook verfasste. Vielleicht der einzige Eintrag, der dazu gemacht wurde.
wichtige Gedenktafeln in Schöneberg

07. September 2016

m Sommer war das Gras so tief
Daß jeder Wind daran vorüberlief
Ich habe da dein Blut gespürt
Und wie es heiß zu mir herüberrann
Du hast nur mein Gesicht berührt
Da starb er einfach hin, der harte Mann
Weils solche Liebe nicht mehr gibt
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt
Im Feld den ganzen Sommer war
Der rote Mohn so rot nicht wie dein Haar
Jetzt wird es abgemäht, das Gras
Die bunten Blumen welken auch dahin
Und wenn der rote Mohn so blaß
Geworden ist, dann hat es keinen Sinn
Daß es noch weiße Wolken gibt

[ Paul Zech, ‚Ballade vom roten Mohn‘ nach François Villon ]

03. September 2016

»(…) nach dem Dinner zu Benatzky, einem der begabtesten Schlagerkomponisten, der in Wien den Namen ›Benutzky‹ hatte, weil er Musik stahl, wo es leicht ging. Aber das haben auch schon Größere getan.«
Alma Mahler-Werfel, Los Angeles 1941

02. September 2016

Ich verrate ein Geheimnis. Die analoge Qualität digitaler Bilder entsteht nicht bei der Nachbearbeitung, sondern bei der Aufnahme. Das gilt sowohl für Fotografien als auch für Filmaufnahmen. Wer bei der Aufnahme mit der falschen Einstellung arbeitet, kann es kaum mehr mit Filtern und so weiter herbeizaubern. ‚Einstellung‘ technisch gemeint, aber auch mental. Den Human Touch fängt man beim Auslösen ein. Die meisten digitalen Aufnahmen kranken an zu ausgezirkelten porentiefen Details. Messerschärfe ist bei Portraits nur in seltenen Fällen eine atmosphärische Aufwertung. Das gilt auch für den inflationären Gebrauch von Weichzeichnereffekten im Kontrast mit punktueller Tiefenschärfe. Das Ergebnis ist fast immer steriler Kitsch. Tausendmal gesehen, tausendmal nix gespürt. Bis auf die Absicht. Ein gutes Bild braucht eine kleine Schaufel Dreck.

02. September 2016


Gruß von gestern aus Valentinswerder. Ich habe mich über alle Glückwünsche sehr gefreut. Einige davon waren so schön formuliert, dass ich sie am liebsten posten möchte, aber ich halte mich zurück. Das ist das Verführerische, wenn man mit Menschen befreundet ist, die sehr eloquent sind. Und noch dazu herzenswarm. Einen schönen zweiten Septembertag allen.

01. September 2016

Was einem so durch den Kopf geht. Als Bloggerin meine ich, Normalsterbliche ausgenommen. Zum Beispiel dachte ich bei diversen Sonnenbädern auf meinem Balkon in den letzten Tagen, wie wäre es, wenn ich zur Feier des Tages jeweils ein Bild (natürlich von mir, wem sonst – also eines, das mich abbildet – wen sonst) der letzten sagen wir – zehn – dokumentierten Jahrestage meiner Geburt in einem Eintrag hochladen würde. Best of natürlich. Jeder sollte sofort erkennen, dass ich mich unwahrscheinlcih gut gehalten habe. Das ist gut für’s Ego, auch wenn man sich das selber anschaut. Der Gedanke gefiel mir recht gut. Allein – ich war – und bin es noch – zu bequem, die Bilder herauszusuchen. Schade. Eitel genug für so einen Eintrag wäre ich. Aber stattdessen schreibe ich hier wieder einmal wortreich, warum etwas zu nichts geführt hat. Überhaupt mein Thema. Wie stellt man es an, dass etwas zu nichts führt. Darüber könnte ich Bücher schreiben. Aber nicht einmal dafür langt es. Nein, ich strebe keine Autorenexistenz an. Dann will irgendsoein Verlag, dass man nach dem ersten großen Wurf stetiglich nachliefert. Das ist meine Sache nicht. Ich kann nur unter meinen selbstgewählten anarchischen Bedingungen produktiv sein. Gerade lade ich übrigens im Hintergrund Bilder von vor genau – exakt! – einem Jahr hoch. Ja, ich bin mitunter von der schnellen Truppe, haha. Nein, Blödsinn. Tatsächlich habe ich in den letzten Monaten vieles bevorzugt behandelt, das chonologisch nachgeordnet ist. Aus Sympathie, freundschaftlicher Motivation. Man erahnt, dass sich der eine oder andere Protagonist über einen zeitnahen Upload freut. Und ich freue mich mit, wenn sich Menschen freuen, die meine Sympathie haben. Das ist eigentlich die einzige Voraussetzung. Aber natürlich nicht zu kaufen. Jedenfalls laden immer noch die Bilder vom ersten September 2015 hoch. Auch die werde ich in diesem nächtlichen Eintrag nicht einfügen. Viel zu aufwändig. Ich war wieder einmal am Teufelsberg vor genau einem Jahr. Keineswegs zum ersten oder zweiten Mal. Das ist in dreißig Jahren Berlin auch nicht weiter verwunderlich, denke ich. Aber tatsächlich wollte ich vor genau einem Jahr erstmalig die Gelegenheit nutzen, mir die Abhörstation auf dem Teufelsberg aus der Nähe anzuschauen. Und genau an dem Tag, dem ersten September 2015 um kurz vor 14 Uhr kam der Gerichtsvollzieher um die Kasse zu beschlagnahmen und den Leuten das Handwerk zu legen. Also nix mit Betreten des Geländes und auf den Turm steigen usw. Also umkreiste ich das Objekt und der Ausflug wurde stattdessen zu einer ausgiebigen (Irr)wanderung durch den allertiefsten Grunewald. Ich hatte keinen Plan mehr, wo ich bin. Ohne Mobilnetz, ohne Zugriff auf irgendsoeine Geotagging-App oder wie das heißt, ließ ich mich treiben und genoss es zugleich, mich ganz weit weg zu fühlen. Ich versuchte in der Ferne Zivilisationsgeräusche auszumachen, fernen Verkehr. Manchmal wähnte ich etwas zu hören, dann war ich wieder unsicher, was die Richtung anging. Ich folgte also meinem Gehör. Das war tatsächlich aufregend. Ein bißchen wie im Urwald. Ja, lachen Sie nur. Der Grunewald hat ungeahnte Tiefen und Weiten und Niederungen, in denen man kilometerweit kein vernünftiges Schild findet, wenn man sich nur anständig genug verirrt. Letztlich kam dann doch irgendwann der auditive Eindruck von echtem Verkehr und einer nicht allzufernen Straße, dem ich folgte. Ich kam dann irgendwo raus, wo ich auch noch nie war und bewunderte die nostalgischen Straßenleuchten. Schon war ich wieder in meinem Element. Es gab etwas noch nicht Gesehenes zu entdecken. Und irgendwann kommt immer die nächste Haltestelle. Ob Bus, ob Tram, ob S-Bahn. Oder sogar U-Bahn. Ich glaube, es war so ein Mix aus Busfahren und dann in die S-Bahn, wahrscheinlich Heerstraße. Weiß ich aber nicht mehr so genau. Egal. Die Bilder laden immer noch hoch – ah – es hakte gerade bei einer Datei, verstehe. Eigentlich wäre das jetzt doch ein passender Eintrag zur gesamten Bildstrecke vom ersten September 2015, wenn ich es so auf mich wirken lasse. Vielleicht füge ich die Bilder noch ein. Oder auch nicht. Oder wenigstens eines. Ich kann ja hier machen, was ich will. Freiheit des Bloggens. Ich liebe es. Für morgen habe ich auch einen vagen Ausflugsplan. Ich sage nur Valentinswerder. Aber das bleibt unter uns! Ach ja – das habe ich ja gar nicht erwähnt – vor einem Jahr war mein fünfzigster Geburtstag. Sie dürfen mir gerne nachträglich gratulieren! Ich liebe Geburtstagsgratulationen. Mir wird dann immer ganz feierlich und ich bin dann richtig gerührt. Ich weiß das zu schätzen. Und denken Sie sich nichts dabei, dass ich Sie nicht zur großen Geburtstagsparty nach Valentinswerder einlade. Die gibt es nämlich nicht. Also kein Grund, sich irgendwie ausgeschlossen zu fühlen. Ah – die Bilder sind endlich hochgeladen. Wurde ja auch langsam Zeit.
15-09-01 Teufelsberg (105)
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Sehe gerade, am dritten September ist Sommerfest in Valentinswerder mit Live Musik. Da komme ich jetzt aber ins Schwanken. Nicht, dass ich nicht noch andere Ausflugsziele in petto hätte für morgen. Muss ich mal drüber schlafen Am dritten ist auch das Sommerfest im Literarischen Colloquium am Wannsee, da bin ich praktisch schon verabredet, aber man sollte immer flexibel bleiben. Und im nhow ist am selben Abend auch wieder ein ganz interessantes Konzert. Und außerdem das Straßenfest in der Veteranenstraße. Aber muss alles nicht heute Nacht entschieden werden.

31. August 2016


Schönhauser Allee 165. Gebäude sind Persönlichkeiten. Es gibt edle, großzügige Charaktere, die Eleganz als formvollendete Rücksichtnahme, als höfliche Tugend verstehen. Und es gibt die anderen. Die kleinlichen, sparsam dahingeschluderten. Die für den Kontrast sorgen und einem in Zehntelsekunden vorführen, was Anmut ist – oder eben leider nicht.

30. August 2016


So vieles schon einmal durchdacht. Vor sechs Jahren schrieb ich einen Eintrag, der mir nachdem ich ihn im Blog gepostet hatte, passend schien, um ihn auf flickr im Profil als Text einzufügen. Seither ist er da. Er handelt davon, was in mir vorgeht, wenn ich jemanden erfasse. Innerlich und mit der Kamera. Er handelt von Projektion. Ich hatte in den letzten Tagen das Bedürfnis, meine timelinepostings auf facebook ins Archiv zu schieben. Ich habe nichts gelöscht, nur den Zugriff auf mich beschränkt und sie auch für mich nicht mehr auf der timeline sichtbar („hidden from timeline“). Es ist also leer geworden, bis auf eine ältere Fotografie, die meine Hand mit einer Kamera zeigt. Diese Kamera hat die meisten meiner Bilder auf flickr gemacht. Jetzt ist sie in einem Karton im voraussichtlich ewigen Schlaf, denn das Display ist kaputt. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, über das Display zu fokussieren, ich will nicht mehr anders. Über den Sucher ist es nicht dasselbe, ich kann nicht aus der Hüfte schießen. Und für Filmaufnahmen ist sie auch nicht mehr geeignet, sie kann kein HD und produziert ein Nebengeräusch beim Ton. Jedenfalls ist da jetzt nur noch dieses Hand-und-Kamera-Bild von 2012 zu sehen und ich beließ diesen Projektions-Eintrag, weil er etwas Wesentliches über mich erzählt. Er fand einen gewissen Zuspruch, was mich freute.

Aber in meinem Blog, meiner ersten virtuellen Heimat habe ich das noch nicht erzählt. Nachdem ich die Archivierung mit meinen externen Festplatten angegangen hatte, was immer eine Zäsur durch das umfangreiche Löschen auf meinen Arbeitsrechnern bedeutet, spürte ich, dass ich auch anderweitig, auf dieser facebook-timeline, ein Gefühl von einem Neubeginn brauche. Ich hätte beinah angefangen, die postings komplett zu löschen, das schien mir aber unangemessen. Zu viele schöne Kontakte sind darin dokumentiert. Aber ich möchte nicht mit diesen vielen Aktivitäten der letzten Monate konfrontiert werden. Ich brauche einen Neuanfang. So wie das Gefühl, eine Wohnung, in der man zu lange nichts renoviert hat, zu weißen. Man haut die frische, weiße Farbe an die Wand und fühlt sich, als ob man in eine neue Wohnung zieht, alles auf Anfang. Die letzten Augusttage, die ich sehr liebe. Ich schreibe das gerade auf meinem Balkon. Man hört schon dieses leichte Blätterrauschen, das zum Herbst gehört, aber noch ist Sommer.

28. August 2016


»Nur die wirklichen Heiden, wie ich eine bin, können wirkliche Katholiken sein. Die Verschmelzung des Heidentums und des Christentums ist nur im Katholizismus ganz gelungen. Die Protestanten stehen vor der Himmelstür und bitten um ein bißchen Brot. Wein wird ihnen nicht gereicht werden.«
Alma Mahler-Werfel, Dezember 1938

30. August 2016

Ich liebe diesen Eintrag. Besonders nach der ewig langen Einleitung. Bedeutet mir viel. Und ich habe es geschafft, all das in Worte zu fassen. Ja, ich lese mich selber hin und wieder. Rückblickend. Auf das, was wesentlich war. Dreissig Jahre später kann man das manchmal. Wenn alle Halbwertzeiten überwunden sind. Über Wunden. Als ich das vor zwei Jahren (be)schrieb und auch sicher war, keine unangemessene Grenze überschritten zu haben, versicherte ich mich dennoch, kurz nach der Veröffentlichung. Es war mir wichtig. Ich bekam – – .grünes Licht wäre zu wenig gesagt. Und ich glaube mich zu erinnern, dass Duke auch so etwas wie ein Angerührtsein und Überraschung zum Ausdruck brachte. Ich könnte auch das wieder aus einer Mail, die er mir schrieb, copypasten, aber ich habe da dann auch Grenzen. Obwohl im Moment ist es ehrlich gesagt eher Faulheit, in den Mailaccount zu wechseln und die Mail zu suchen etc. Na ja. So bin ich. Immer das Schöne verbreiten wollen. Spread the news. Ja, ich weiß wie man Diskretion buchstabiert. Aber ich fühle auch, wann der richtige Augenblick gekommen ist, dass etwas eine Bereicherung für die große Bibliothek des Weltwissens und der großen Gefühle darstellt.

28. August 2016


»Nur die wirklichen Heiden, wie ich eine bin, können wirkliche Katholiken sein. Die Verschmelzung des Heidentums und des Christentums ist nur im Katholizismus ganz gelungen. Die Protestanten stehen vor der Himmelstür und bitten um ein bißchen Brot. Wein wird ihnen nicht gereicht werden.«
Alma Mahler-Werfel, Dezember 1938

28. August 2016

„Manchmal liebe ich am meisten das an jemandem, was er (oder sie), wenn es nach mir ginge, immer sein könnte. Und schon auch ist, aber vergleichsweise selten. Man muss aufpassen, dass die Phantasie nicht überhand nimmt, und die Projektion bigger than life wird. Ich neige sehr dazu. Sehr. Aber vielleicht muss man auch nicht aufpassen, vielleicht ist es gut, dass ich so viel projezieren kann, phantasieren kann, provozieren kann. Ein kleines Detail genügt. Ein Moment, ein Augenblick, in dem es sich erfüllte. Das ist das Fatale. Schön Fatale. Homme Fatale. Der Beweis, dass es erfüllt werden kann. Manchmal. Daran halte ich mich fest, mit meinen Augen, meiner Seele, meinem Herz, an einem Quadratmillimeter. Die Hunderttausend Quadratmillimeter darum herum ignorierend. Weil der kleine diamantglitzernde Quadratmillimeter alles überstrahlt, als ob der erste Sonnenstrahl das Paradies erhellt. Ich bilde mir dann ein, ich hätte den wertvollsten, wichtigsten, zentralen Quadratmillimeter an diesem Lebewesen entdeckt und halte ihm meinen Zauberspiegel, meine Kamera vor. Das Wesen ist dann immer sehr entzückt. Berückt, entzückt, von sich selbst. Ein schöner Moment. Dann hoffe ich, dass sich der Zauberaugenblick unendlich spiegelt. Ping Pong Ping Pong. Ich glaub an dich, du glaubst an dich, ich glaub an dich, du glaubst an dich. Ich sehe dich, du siehst mich, du siehst, ich sehe dich, und wie. Ich liebe dich. Du siehst, wie ich dich sehe, an meinen Augen siehst du es, und dass du mir gefällst. Du bist entzückt von dem Glitzern in meinen Augen, weil du weißt, es gilt dir, weil du mir gefällst. Und nun gefällst du dir. Und strahlst noch mehr. Ich halte den Zauberspiegel vor dein leuchtendes Gesicht und der Zauber wirkt. Glaube und Schönheit. Explodiert. Jetzt und hier.“
Gaga Nielsen | 11. April 2010

27. August 2016


Anstelle unsere epische Geschichte zu erzählen (ich tat es bereits ausgiebig, nämlich hier), copypaste ich einen Auszug aus dem kleinen chat von heute Mittag zwischen Duke und mir.
Gaga Nielsen
(…) weißt du eigentlich wer das damals gemacht hat? 27. Aug. 83, im Hecht, 33 Jahre her! G. vielleicht?
Duke Meyer
Das Foto ist mir bekannt, aber ich kann nicht sagen, wer es knipste… Kann schon sein, dass es G. war, ich bin mir aber nicht sicher: (…) Am 12. September kommt mich G. besuchen, da könnte ich ihr’s zeigen und sie mal fragen (…)
Gaga Nielsen
nicht so existentiell – wollte mich nur nicht mit fremden Federn schmücken…! (…)
Duke Meyer
Hihi, dachte mir jetzt schon auch, dass es dir nicht schlaflose Nächte bereitete, in denen du dich hin- und herwälzend ratlos an Kissenenden nagtest… ;-) (…) Sorry für etwas ungelenken Satzbau. War spät zu Bett gegangen und bin noch nicht so eingeübt wach.
Gaga Nielsen
na ja, es hat mich in den letzten Stunden schon arg umgetrieben und Schlaf war demzufolge auch kaum zu finden…! Das finde ich jetzt sehr gefühlskalt von dir, dass du meine Hochsensibilität in diesen Dingen nicht empathisch erfühlst und teilst und keinerlei Anstalten machst, mit mir aufgrund dieser traumatischen Erfahrung eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Dabei wäre das heute so ein guter Zeitpunkt dafür, wir kennen uns nämlich genau seit diesem 27.08.83! Also ich dich ja schon vorher, aber halt einseitig, weißt schon, hab dich bei deinem Auftritt mit der Duke Meyer-Band (…) bewundert, seinerzeit, ich glaube 11. September 1980 oder so ähnlich. 33 Jahre ist schon echt lang, huiuiui…! Schön, dass wir immer noch miteinander zu tun haben. Und vor allem so relaxed. Lass es dir gut gehen. Gaga
Duke Meyer
Am 27.08.83 nahm ich dich zum ersten Mal wahr? Wow! Ach, seufz… :-) Jetzt hilft uns da aber auch keine Selbsthilfegruppe mehr… Müssenwa alleine mit klarkommen, wa. Aber ich werde nach Sonnenuntergang ein Glas Wein darauf trinken. Danke für den Hinweis, ich hätte es jetzt so genau nicht gewusst. Dir auch bestes Wohlergehen, Duke
Gaga Nielsen
JA. lass uns später in Gedanken anstoßen. Das machen wir…! <3
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265


Das Bild von mir von 1984 ist das, was ich vorhin gesucht habe, als ich über die Tagebuchseite stolperte. Es gibt kaum Bilder aus der Zeit von mir, also keines vom August 1983, aber ich denke, so in etwa wie im Januar 84 sah ich auch ein paar Monate vorher aus. Da auf dem Bild war ich achtzehn. Und Duke vierundzwanzig.

27. August 2016

Suchte gerade in meinem flickrstream eine Aufnahme von ca. 1983, nicht gefunden, aber stolperte darüber. Eine Tagebuchseite von 1988, als ich noch mit der Hand auf Papier schrieb. Sauklaue, aber schön eigentlich. Würde mich interessieren, was ein Graphologe dazu sagt. Übrigens eine Zeile aus einem Chanson von A. Heller. Vergessen, welches.

26. August 2016

Backups. Sonne. Kaum Musik. Bis auf diesen Song von Roman Rappak. „Governing Correctly“. Annähernd tausend Gigabyte, ein Terabyte, die Backups. Auf drei externen Festplatten. Bilder. Filme, nur eigenes Zeug. Und Musik. Teile davon auch unveröffentlichtes Material, nicht von mir, von Musikern, die mir ihren work in progress zukommen ließen. Als Geste des Vertrauens, um sich darüber auszutauschen. Und der ganze Rest. So viel Rohmaterial, besonders bei den Filmdateien. Vor HD das meiste, aber was mir am wichtigsten war, habe ich sicher verarbeitet, meistens sofort. Die Ordnerstruktur bei den digitalen Fotografien ist erst seit ca. 2007 konsequent chronologisch, wie ich es in flickr seit geraumer Zeit mache. Viele Ordner sind noch umzubenennen, auf der einen Festplatte mit den Bildern, damit es synchron mit meinem online-Archiv wird Ich sehe flickr als online-backup, das ist einigen nicht klar, wie auch. Daher die Wiederholungen ähnlicher Motive, die sw- und Farbversionen nebeneinander. Es ist eine Sicherheitskopie, die mir ermöglicht, immer auf alles von überall Zugriff zu haben, die Wahl zu haben, wenn ich etwas verwenden möchte, ohne die Festplatten aus dem Archiv zu holen. Und eine zusätzliche Sicherung. Der nicht kuratierte Gesamtbestand. In Phasen, in denen ich sehr hingebungsvoll an Blogeinträgen arbeite – bzw. tue ich das ja immer, wenn ich es erst einmal mache – verwende ich geraume Zeit darauf, zu überlegen, welche Bilder aus einer umfangreichen Reihe – und das sind sie bei mir ja immer – in einem Eintrag erscheinen. Das ist dann wenn man so will, die kuratierte Selektion. Und auch das sind zumeist mehr als zwei, drei Bilder. Ich bin tatsächlich äußerst produktiv. Mir fällt niemand ein, der in vergleichbarem Umfang Material produziert, das einen ziiemlich hohen Anteil an Verwertbarem beinhaltet. Es ist keine große Kunst, zwölf großartige Bilder pro Jahr zu machen und mit viel Tamtam zu veröffentlichen. Wenn ich mich auf zwölf Bilder in zwölf Monaten beschränken sollte, hätte ich ein Problem. Wenn man den Übertragungsprozess bei dieser Menge von Bytes von einer Festplatte zur anderen aus dem Augenwinkel auf dem Monitor sieht, fragt man sich schon mitunter, wofür. Für welches Archiv. Aber das kennt wahrscheinlich jeder, der sein Werk sichert. Zunächst immer noch für den Zugriff in der Gegenwart oder näheren Zukunft Weiter will man dann auch nicht denken. Jetzt noch nicht. Ich habe tatsächlich seit Mai 2015 keine backups mehr gemacht. Aber heute gründlich. Bedeutet auch, die Festplatten meiner beiden Rechner weitgehend zu bereinigen, bis auf die Dateien, mit denen ich zur Zeit arbeite. Die Dateien aus der Vergangenheit ins Archiv der Festplatten zu schieben ist auch immer eine Zäsur. Es schafft Platz für neue Energien, die noch zu materialisieren sind. Die zu verewigende Zukunft. In Bytes.

22. August 2016


The worst example that you ever gave
Was pressed into my palm and then engraved
I can see the sense in what you say
Doesn’t mean, it should be acted on
Like it was all written down like a narrative
That was absorbed and put down missing adjectives
To stick to your lips. Stick to your lips.

Roman Rappak | Breton | Governing correctly

21. August 2016

„In einer Zeit der zynischen Reklame, in der Karrieristen aller Sorten zu einer Namensmacht kommen, wie sie die Geschichte bisher noch nie vergeben hat und der Ruhm bis auf den Grund entwertet ist, in einer solchen Zeit lebt der ernste literarische Künstler gleichsam im Exil.“
Franz Werfel, Juli 1937

22. August 2016


Ich kann mich nicht aufraffen. Dachte, es wäre ein erster Schritt zur Tat, aufzuschreiben, was ich bis morgen noch alles machen muss. Der Countdown läuft. Ich habe keine Lust aufzulisten, was ich noch machen muss. Dass ich es geschafft habe „to do:“ links oben auf das Blatt zu schreiben, ist fast schon ein kleines Wunder. Aber dann war der Elan auch schon wieder verpufft. Im Grunde war er ohnehin nicht da. Aber erstaunlicher Anflug von Schwung bei der Idee, das leere Blatt Papier hochzuladen und mein Problem der Welt mitzuteilen. Das ist doch krank. Oder einfach nur ein Zeichen von Kontaktbedürfnis. Kontakt mit Menschen, die nichts mit dem Zeug zu tun haben, das da auf die blöde Liste gehört und demzufolge auch keine Veranlassung haben, meine Untätigkeit zu kritisieren. Wie haben wir das eigentlich genannt, als prokrastinieren noch kein Modebegriff war? Ich nenne es Verschieberitis. Aber morgen dann, auf den letzten Drücker. Ach, morgen ist ja auch noch ein Tag. Der wird ganz der Arbeit gewidmet. Heute fühle ich mich einfach nicht in Form. Ich muss ein paar Telefonate führen, das reicht mir schon für den Rest des Nachmittags. Ich telefoniere gar nicht gerne, obwohl die Leute gerne mit mir telefonieren. Na ja, kommt drauf an. Wenn jemand plötzlich unsachlich wird, auf so eine charmante Art, gefällt mir das in der Regel schon recht gut. Dafür bin ich immer zu haben. So ein bißchen herumwitzeln, ein paar Wortspielereien. Jetzt nicht unbedingt Dreideutigkeiten, aber so die grobe Richtung, das gefällt mir. Aber auch wieder nur, wenn ich jemanden entweder überhaupt nicht kenne und nicht weiß, wie er ausschaut, dann kann man ja in der Phantasie einen wahrlichen Traummann dazu visualisieren, da solche Gespräche nicht unbedingt zu Verabredungen oder geschäftlichen Treffen führen, wo dann wohl oder übel verifiziert wird, ob die Wahrheit weit oder sehr weit von der Phantasievorstellung entfernt ist. Oder wenn ich sehr genau weiß, dass derjenige durchaus attraktiv ist, aber aufgrund der bekannten Lebensverhältnisse geklärt ist (also er ist idealerweise liiert oder unter der Haube), dass das kein Auftakt für irgendetwas weiterführendes ist, sondern nur ein kleiner amüsanter Zeitvertreib. Einmal hatte ich einen Mann am Hörer, der eine Wahnsinnsstimme hatte, die ging mir durch und durch, ich war richtig motivert, das Gespräch künstlich zu verlängern, er aber auch, es war fast schon aufregend, ich hatte keinen Schimmer, wie er aussieht, er wollte eigentlich auch jemand anderen sprechen, aber ich ging ran. Als ich der eigentlich gewünschten Ansprechpartnerin mitteilte, dass Herr Westerwald* angerufen hatte, reagierte sie im völligen Gegensatz zu meiner Verfassung komplett unaufgeregt, ja geradezu gelangweilt.. Sie nahm den Zettel mit der Notiz mit müdem Blick zur Kenntnis. Ich erwähnte, dass er eine sehr attraktive Stimme hatte und sehr, also wirklich SEHR sympathisch rüberkam. Sie fragte mich beiläufig, ob ich Herrn Westerwald schon mal gesehen hätte. Nein, wieso? Wie sieht er aus? Statt einer Antwort googelte sie ein Foto von Westerwald. Die Stimme war aber trotzdem toll. Wie komme ich jetzt darauf. Ach ja, telefonieren. Ich hatte mal vor Jahren eine Liebe in der Ferne, vor Skype und so weiter, da hat man schon mal fünf bis sechs Stunden am Stück telefoniert, das kam öfter vor. Wir hörten uns einfach gegenseitig auch gerne. Zu erzählen habe ich immer was, merkt man ja hier, an meinen Einträgen. Hatte er aber auch. Das war mehr so eine kreative Konversation, die auch absurde Phantastereien nicht scheute. Aber für so pragmatische Dinge, wie sich zu verabreden, brauche ich kein Telefon, das mache ich lieber online. Freitag Nacht, wir warteten in einer kleinen Gruppe auf die S-Bahn, und es trat wieder einmal zutage, dass ich als einzige kein Handy habe, da meinte einer der Männer, ein Maler, zu mir: „hey….! WIE SEXY ist das denn!“. Ich: „Finde ich auch!“. Er war wahnsinnig stark behaart, fällt mir gerade wieder ein. Das Brusthaar quoll bis zum Halsansatz. Vielleicht fast schon ein bißchen zu viel Wolle. Jedenfalls hat er meinen Ansatz kapiert. Es geht mir natürlich darum, mit allen Mitteln meinen Sex Appeal zu steigern. Es ist unglaublich, wie viele Menschen ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, mit denen ich noch nie telefoniert habe. Die haben nicht mal meine Telefonnummer. Ich ihre oft auch nicht, oder die hängt als Randbemerkung in irgendeinem online-Chat. Geht auch ohne, sieht man ja an mir. Ist aber auch abtörnend, wieviel dussliges Zeug von den Leuten in ihre Apparate gequatscht wird. Wenn die das per sms oder whatsapp oder fb-chat machen ist mir das auch lieber, dann muss man das dumme Zeug nicht zur Kenntnis nehmen. Diese desillusionierenden, pragmatischen Gespräche aus dem aufregenden Spektrum Kinder-Küche-Kontrollanruf. Koitus ist ja eher nicht das Thema, außer bei Frischverliebten und die treiben in einer anderen Sprache Konversation, wie es sich gehört. Und das Thema Kirche kommt natürlich auch zu kurz. Also im Grunde alles, was mich interessiert, haha. Im Ernst, in mir steckt eine Religions- und Ekstase-Forscherin, das wissen aber eben leider nur die, die meine 3536 Blogeinträge der letzten zwölf Jahre lückenlos gelesen, ja ich möchte sagen: studiert haben, oder die die exclusive Gelegenheit hatten, mich mehrfach persönlich zu treffen und zu sprechen. Die anderen müssen leider dumm sterben oder sich eben doch noch mal von Anfang bis Ende hier durcharbeiten. Natürlich gibt es bei meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit auch Projekte, über die ich mich hier nicht äußern darf, da noch keine wasserdichten Ergebnisse vorliegen. Aber früher oder später werde ich alle Studien veröffentlichen und mein Herrschaftswissen mit der Welt teilen. Ich bin nämlich in jeder Hinsicht ein sehr großzügiger Mensch. Ein besonders schöner Charakterzug, wie ich finde. Man muss sich auch ab und zu selbst loben, und die Vorzüge ein wenig herausstreichen. So, genug Text. Ich wünsche gute Unterhaltung.
* e r f u n d e n !

21. August 2016

„In einer Zeit der zynischen Reklame, in der Karrieristen aller Sorten zu einer Namensmacht kommen, wie sie die Geschichte bisher noch nie vergeben hat und der Ruhm bis auf den Grund entwertet ist, in einer solchen Zeit lebt der ernste literarische Künstler gleichsam im Exil.“
Franz Werfel, Juli 1937

19. August 2016

„Es wurde gestern noch eine solenne Sauferei, und dies Schwein, der Manzow, hat endlose Pullen Sekt geschmissen, diese Weiberlimonade, die man saufen kann wie Wasser und die über Kreuz mit Schnaps und Bier genossen einen wütenden Kopfschmerz macht.“ Hans Fallada, „Bauern, Bonzen und Bomben“, 1931


„Es waren wirklich solenne Feiern, denen wir beiwohnten!“
Alma Mahler-Werfel, „Mein Leben“, Tagebuch 1936

„Am solennsten war die Feier in Leipzig, Mainz und Frankfurt, am ärmlichsten in Hamburg.“
Karl Gutzkow, „Oeffentliches Leben in Deutschland“, 1842

17. August 2016

Schöneberger Geschichten. Mit Tabea Blumenschein und Ulrike Ottinger.
https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265





Mal sehen, ob ich das noch hinkriege, einen Eintrag zu dieser bald ein Jahr zurückliegenden Fotostrecke zu fabrizieren. Noch eleganter wäre, auf den Tag vor einem Jahr, 22. August 2015. Sehr viele Bilder. Historische Bilder. In vielerlei Hinsicht. Der Ort historisch. Die Personen von historischem Rang (ja okay, ich vielleicht nicht – NOCH nicht…). Versuche, es kurz zu machen. Wer hat schon Zeit, ausuferndes Geschwafel zu lesen. Es gab in Westberlin eine Szene, eine sehr spezielle, Künstler, Musiker, Durchgeknallte. Die, die dafür sorgten, dass Berlin anders als der Rest der Republik war. Dazu gehörten Künstlerinnen wie Tabea Blumenschein. Ulrike Ottinger. Die Tödliche Doris. Usw. usf. Damals, als sie aufbegehrten und damit zur Kenntnis genommen wurden, waren sie in ihren Dreissigern. Heute um die Sechzig. Aber nicht tot. Tabea malt heute vor allem und Ulrike Ottinger ist auch eine Hausnummer, kann man ja alles in Wikipedia nachlesen. Historisch auch der Ort. Schöneberg, Mansteinstr. Das Künstlergespräch, bei dem die Bilder entstanden, fand in einer Galerie in der Mansteinstraße statt, Galerie Zwinger.


Neben Leydicke. Ziemlich genau gegenüber vom früheren, dem zweiten, vorletzten Standort vom Ex’n’Pop. Der erste war in der Schwäbischen Straße, der zweite in der Manstein. Heute der dritte, ist in der Potsdamer. Aber es sah eigentlich immer ähnlich aus. Mansteinstr. 14. Auch ein Bild dabei in dieser Reihe. Ich finde es immer interessant, Menschen zu treffen, denen ein gewisser Ruf vorauseilt, um nicht zu sagen, ein gewisser Kultstatus. Man begegnet ihnen und verifiziert die gegenwärtige Aura. Und bekommt eine Ahnung davon, was zu diesem Status führte. Oder auch nicht. Tabea Blumenschein erinnerte mich ein wenig an Helen Vita. Ja, die Frisur, sicher. Aber auch der Witz. Die gelassene Souveränität. Warmherzig auch. Die Ähnlichkeit zwischen der Erscheinung der Siebziger und Achtziger erschließt sich nicht sofort, sie war damals ein ultimatives Sexsymbol, kokett ist sie immer noch, aber wirkt insgesamt eher gemütlich. Die Prioritäten haben sich verschoben. Eine amüsante Persönlichkeit. Nahbar. Ich traf neben Jan, meinem lieben Freund, auch eine Freundin von ihm, von der ich wusste, der ich aber bislang noch nicht begegnet war. Ana Schönsteiner, ebenfalls eine bildende Künstlerin, im besten, konstruktiven Sinne durchgeknallt. Ich mochte sie schon, als sie die Galerie betrat, eine sehr eigenwillige Ausstrahlung, wir hatten einen Draht, bevor Jan auftauchte und verifizierte, wer sie ist. Sie bemalt unter anderem kleine Streichholzschachteln, die sie in einer Tasche mit sich führt, mit sehr sinnlichen, unikaten Motiven. Ich kaufte ihr zwei ab, es war mir ein Anliegen, sie hätte sie mir geschenkt. Schöne, belebende Begegnungen. Und Elfi Mikesch war auch da, im Publikum. Die haben ja alle damals zusammengearbeitet. Alle vernetzt und miteinander verstrickt. Und Marc Brandenburg, eine Künstlerikone neuerer Generation – mein Jahrgang, 1965, war auch da, im Publikum, und ließ sich beglückt mit Tabea und dem interessanten Selbstdarsteller mit dem Hündchen ablichten. Nicht weit davon ist übrigens der Friedhof, auf dem Rio begraben ist. Man kann fast rüberspucken. Ana redete dauernd davon. Ich wusste natürlich, dass Rio inzwischen in Berlin ist, aber ich wollte erst ein bißchen gewachsene Patina an seinem Grab haben, bevor ich hinpilgere. Nicht zu frisch aufgeworfen sollte die Erde sein. Und so besuchte ich ihn ein wenig später, nicht lange nach diesem Abend. Längst hochgeladen die Bildstrecke davon, auch etwas dazu geschrieben. Zumal es nicht so viele Friedhöfe mit Kaffeeausschank gibt, DA war ich etwas schneller.




Damals in den Achtzigern war ich ab und zu im Ex’n’Pop in der Mansteinstraße, und auch vorher in der Schwäbischen. Für mich ist das bis heute – oder gerade – immer eine etwas sentimentale Zeitreise, wenn ich in dieser Ecke bin. Überhaupt wenn ich in Schönberg bin. Meine ersten Jahre in Berlin. 1986 bis 1993. Sieben Jahre. Eintätowiert. Geliebt. Heute ahnt kaum ein jüngerer Mensch, welchen Stellenwert Schöneberg in Westberlin hatte, außer er interessiert sich für die Historie der Westberliner Szene. Für mich war es der Ort in Berlin, an dem man sein musste.



Nicht Kreuzberg, nicht Charlottenburg. Schöneberg musste es sein. Lange vorbei, aber wahnsinnig schöne Erinnerungen. Wiedergeburt. Selbstgewählter zweiter Geburtsort. Unzerstörbar.



„(…) in den 1970er- und 80er-Jahren zählte Tabea Blumenschein als Schauspielerin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Schriftstellerin und Künstlerin zu den schillerndsten Persönlichkeiten im damaligen West-Berlin. Mit dem Film Bildnis einer Trinkerin von Ulrike Ottinger wurde sie zum Kultstar der Szene. Eng befreundet war sie mit der Krimiautorin Patricia Highsmith, dem Schauspieler Udo Kier und der Tänzerin Valeska Gert, mit der sie auch in dem Film Die Betörung der blauen Matrosen Regie: Blumenschein & Ottinger spielte. 1976 war sie eine Mitwirkende in dem Happening Regen von Wolf Vostell. 1980 spielte Blumenschein bei „Liebesgier“, einer Berliner Avantgarde Band mit Frieder Butzmann und Bettina Köster. 1981 bekam sie das Filmband in Gold verliehen für die Ausstattung in Looping, einem Film von Rolf Bührmann und Walter Bockmayer, mit dem sie sehr gut befreundet war. Tabea Blumenschein hat Filme, Maske und Kostüme für Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch sowie Walter Bockmayer gemacht. Sie ist Schauspielerin, Musikerin und hat Mode für Claudia Skoda entworfen. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied der Musik- und Künstlergruppe Die Tödliche Doris und trat mit dieser in New York, Hamburg, Berlin und Helgoland auf. Für die Band schneiderte sie auch Kostüme, schrieb Texte und Musik. Mitte der 1980er war sie mit ihrer damaligen Freundin Isabell unter der Schlagzeile: „Wir sind lesbisch“ auf dem Titelbild der Illustrierten Stern zu sehen. Nach ihrem auf Super-8 von Christoph Dreher gedrehten Fernsehspiel Zagarbata (eine Koproduktion mit dem ZDF, 1985) wurde es still um die Multikünstlerin. Sie zog sich zunehmend zurück und widmete sich der Malerei und Zeichnung“



19. August 2016

„Es wurde gestern noch eine solenne Sauferei, und dies Schwein, der Manzow, hat endlose Pullen Sekt geschmissen, diese Weiberlimonade, die man saufen kann wie Wasser und die über Kreuz mit Schnaps und Bier genossen einen wütenden Kopfschmerz macht.“ Hans Fallada, „Bauern, Bonzen und Bomben“, 1931


„Es waren wirklich solenne Feiern, denen wir beiwohnten!“
Alma Mahler-Werfel, „Mein Leben“, Tagebuch 1936

„Am solennsten war die Feier in Leipzig, Mainz und Frankfurt, am ärmlichsten in Hamburg.“
Karl Gutzkow, „Oeffentliches Leben in Deutschland“, 1842

17. August 2016

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„Painlove wird mir persönlich nicht weiter fehlen“
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„Painlevé* wird mir persönlich nicht weiter fehlen, aber der Ministerpräsident einer großen Nation, der auf dem Sterbebett das Manuskript einer eigenen Faust-Übertragung liegen hat, ist schon etwas Einmaliges, Großartiges“, Alma Mahler-Werfel, Mai 1933 ]
* Paul Painlevé (* 5. Dezember 1863 in Paris; † 29. Oktober 1933 ebenda) war ein französischer Mathematiker und Politiker des reformsozialistischen Parti républicain-socialiste. 1917 und 1925 war er Premierminister der Dritten Französischen Republik.

17. August 2016

Schöneberger Geschichten. Mit Tabea Blumenschein und Ulrike Ottinger.
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Mal sehen, ob ich das noch hinkriege, einen Eintrag zu dieser bald ein Jahr zurückliegenden Fotostrecke zu fabrizieren. Noch eleganter wäre, auf den Tag vor einem Jahr, 22. August 2015. Sehr viele Bilder. Historische Bilder. In vielerlei Hinsicht. Der Ort historisch. Die Personen von historischem Rang (ja okay, ich vielleicht nicht – NOCH nicht…). Versuche, es kurz zu machen. Wer hat schon Zeit, ausuferndes Geschwafel zu lesen. Es gab in Westberlin eine Szene, eine sehr spezielle, Künstler, Musiker, Durchgeknallte. Die, die dafür sorgten, dass Berlin anders als der Rest der Republik war. Dazu gehörten Künstlerinnen wie Tabea Blumenschein. Ulrike Ottinger. Die Tödliche Doris. Usw. usf. Damals, als sie aufbegehrten und damit zur Kenntnis genommen wurden, waren sie in ihren Dreissigern. Heute um die Sechzig. Aber nicht tot. Tabea malt heute vor allem und Ulrike Ottinger ist auch eine Hausnummer, kann man ja alles in Wikipedia nachlesen. Historisch auch der Ort. Schöneberg, Mansteinstr. Das Künstlergespräch, bei dem die Bilder entstanden, fand in einer Galerie in der Mansteinstraße statt, Galerie Zwinger.


Neben Leydicke. Ziemlich genau gegenüber vom früheren, dem zweiten, vorletzten Standort vom Ex’n’Pop. Der erste war in der Schwäbischen Straße, der zweite in der Manstein. Heute der dritte, ist in der Potsdamer. Aber es sah eigentlich immer ähnlich aus. Mansteinstr. 14. Auch ein Bild dabei in dieser Reihe. Ich finde es immer interessant, Menschen zu treffen, denen ein gewisser Ruf vorauseilt, um nicht zu sagen, ein gewisser Kultstatus. Man begegnet ihnen und verifiziert die gegenwärtige Aura. Und bekommt eine Ahnung davon, was zu diesem Status führte. Oder auch nicht. Tabea Blumenschein erinnerte mich ein wenig an Helen Vita. Ja, die Frisur, sicher. Aber auch der Witz. Die gelassene Souveränität. Warmherzig auch. Die Ähnlichkeit zwischen der Erscheinung der Siebziger und Achtziger erschließt sich nicht sofort, sie war damals ein ultimatives Sexsymbol, kokett ist sie immer noch, aber wirkt insgesamt eher gemütlich. Die Prioritäten haben sich verschoben. Eine amüsante Persönlichkeit. Nahbar. Ich traf neben Jan, meinem lieben Freund, auch eine Freundin von ihm, von der ich wusste, der ich aber bislang noch nicht begegnet war. Ana Schönsteiner, ebenfalls eine bildende Künstlerin, im besten, konstruktiven Sinne durchgeknallt. Ich mochte sie schon, als sie die Galerie betrat, eine sehr eigenwillige Ausstrahlung, wir hatten einen Draht, bevor Jan auftauchte und verifizierte, wer sie ist. Sie bemalt unter anderem kleine Streichholzschachteln, die sie in einer Tasche mit sich führt, mit sehr sinnlichen, unikaten Motiven. Ich kaufte ihr zwei ab, es war mir ein Anliegen, sie hätte sie mir geschenkt. Schöne, belebende Begegnungen. Und Elfi Mikesch war auch da, im Publikum. Die haben ja alle damals zusammengearbeitet. Alle vernetzt und miteinander verstrickt. Und Marc Brandenburg, eine Künstlerikone neuerer Generation – mein Jahrgang, 1965, war auch da, im Publikum, und ließ sich beglückt mit Tabea und dem interessanten Selbstdarsteller mit dem Hündchen ablichten. Nicht weit davon ist übrigens der Friedhof, auf dem Rio begraben ist. Man kann fast rüberspucken. Ana redete dauernd davon. Ich wusste natürlich, dass Rio inzwischen in Berlin ist, aber ich wollte erst ein bißchen gewachsene Patina an seinem Grab haben, bevor ich hinpilgere. Nicht zu frisch aufgeworfen sollte die Erde sein. Und so besuchte ich ihn ein wenig später, nicht lange nach diesem Abend. Längst hochgeladen die Bildstrecke davon, auch etwas dazu geschrieben. Zumal es nicht so viele Friedhöfe mit Kaffeeausschank gibt, DA war ich etwas schneller.




Damals in den Achtzigern war ich ab und zu im Ex’n’Pop in der Mansteinstraße, und auch vorher in der Schwäbischen. Für mich ist das bis heute – oder gerade – immer eine etwas sentimentale Zeitreise, wenn ich in dieser Ecke bin. Überhaupt wenn ich in Schönberg bin. Meine ersten Jahre in Berlin. 1986 bis 1993. Sieben Jahre. Eintätowiert. Geliebt. Heute ahnt kaum ein jüngerer Mensch, welchen Stellenwert Schöneberg in Westberlin hatte, außer er interessiert sich für die Historie der Westberliner Szene. Für mich war es der Ort in Berlin, an dem man sein musste.



Nicht Kreuzberg, nicht Charlottenburg. Schöneberg musste es sein. Lange vorbei, aber wahnsinnig schöne Erinnerungen. Wiedergeburt. Selbstgewählter zweiter Geburtsort. Unzerstörbar.



„(…) in den 1970er- und 80er-Jahren zählte Tabea Blumenschein als Schauspielerin, Regisseurin, Kostümbildnerin, Schriftstellerin und Künstlerin zu den schillerndsten Persönlichkeiten im damaligen West-Berlin. Mit dem Film Bildnis einer Trinkerin von Ulrike Ottinger wurde sie zum Kultstar der Szene. Eng befreundet war sie mit der Krimiautorin Patricia Highsmith, dem Schauspieler Udo Kier und der Tänzerin Valeska Gert, mit der sie auch in dem Film Die Betörung der blauen Matrosen Regie: Blumenschein & Ottinger spielte. 1976 war sie eine Mitwirkende in dem Happening Regen von Wolf Vostell. 1980 spielte Blumenschein bei „Liebesgier“, einer Berliner Avantgarde Band mit Frieder Butzmann und Bettina Köster. 1981 bekam sie das Filmband in Gold verliehen für die Ausstattung in Looping, einem Film von Rolf Bührmann und Walter Bockmayer, mit dem sie sehr gut befreundet war. Tabea Blumenschein hat Filme, Maske und Kostüme für Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch sowie Walter Bockmayer gemacht. Sie ist Schauspielerin, Musikerin und hat Mode für Claudia Skoda entworfen. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied der Musik- und Künstlergruppe Die Tödliche Doris und trat mit dieser in New York, Hamburg, Berlin und Helgoland auf. Für die Band schneiderte sie auch Kostüme, schrieb Texte und Musik. Mitte der 1980er war sie mit ihrer damaligen Freundin Isabell unter der Schlagzeile: „Wir sind lesbisch“ auf dem Titelbild der Illustrierten Stern zu sehen. Nach ihrem auf Super-8 von Christoph Dreher gedrehten Fernsehspiel Zagarbata (eine Koproduktion mit dem ZDF, 1985) wurde es still um die Multikünstlerin. Sie zog sich zunehmend zurück und widmete sich der Malerei und Zeichnung“



14. August 2016


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Sechzehnter Januar Zweitausendsechzehn. Eigentlich eine Geburtstagsfeier. Sechs Tage vorher starb David Bowie und die Welt erfuhr davon am elften Januar. Das Geburtstagskind und die geladenen Gäste der geplanten Geburtstagsparty waren derart von dieser Todesnachricht erschüttert, dass kurzerhand einvernehmlich beschlossen wurde, diese Zusammenkunft David Bowie zu widmen. Wir waren Feuer und Flamme, herauszufinden, was David am liebsten gegessen und getrunken hat, und recherchierten wie verrückt im Internet und trugen unsere Funde und Erkenntnisse dazu auf einer facebook-Eventseite in den Kommentaren zusammen. Es war gar nicht so einfach, aber am Ende gab es einige Aussagen, die vielleicht auch nur auf Gerüchten oder Polemik und Übertreibung basieren, aber egal. Jemand behauptete, David Bowie habe sich in den Siebziger Jahren ausschließlich von Milch, Kokain und rotem Paprika ernährt. Dann gab es einen Bericht, in dem Davids Frau Iman dem Reporter erzählt, das Gericht, das sie ihm am häufigsten zubereiten würde, weil es ihn an seine Kindheit erinnert und er es einfach liebt, sei Sheperd’s Pie (übrigens auch das Lieblingsgericht von Keith Richards). irgendwo erwähnte jemand Brownies, die er gerne mag – oder mochte. Und ich fand einen launigen Backstage-Bericht, diesen hier, in dem erwähnt wird, wie David mit zwei schwarzen Schönheiten und einem Korb mit Sancerre, französischem Käse und Räucherlachssandwiches auftauchte und alle damit versorgte.




„(…) So he comes back with this entourage of two black statuesque ladies and a hamper full of Sancerre, French cheeses and smoked salmon sandwiches and plonks himself next to us. I’d only ever had Blue Nun before, and as for smoked salmon… ”Sorry I don’t know you all,“ and he goes round shaking our hands, lordly and utterly charming. „Help yourself boys,” he beams…“




Das war mein Part, ich kaufte einige Flaschen Sancerre, ein wirklich großartiger französischer Weißwein, sehr erdig und charaktervoll, den ich auch gerne trinke, dazu fünf verschiedene Sorten französischen Käse, Räucherlachs und Weintrauben. Unser Geburtstagskind hatte sich den legendären Blitz ins Gesicht malen lassen und an den Füßen selbst gebastelte, futuristische Goldstiefel. Ich erschien in einem Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, wie ihn David als Thin White Duke trug, die Augenklappe über dem Windsorknoten. Und klebte mir zwei schwarze Sterne auf dem Handrücken, von denen alle meinten, ich sollte mir das tätowieren lassen, sie fanden es absolut cool. Unsere beiden Gastgeber hatten mehrere Portraits von David vervielfältigt, sie waren in der ganzen Wohnung verteilt und man konnte sie ausmalen. Es gab ein paar Linien mit weißem Pulver (was auch immer) und ein Becherchen mit Milch und einer roten Paprikaschote. Und einen Browniekuchen mit einem Blackstar in der Mitte. Und sie hatten sich die unglaubliche Mühe gemacht, eine phantastische Playlist aus allen erdenklichen Songs von David einschließlich zahlloser Coverversionen seiner Songs vorzubereiten. Wir tanzten, als gäbe es kein Morgen, davon gibt es keine Bilder, weil beim Tanzen selbst ich die Kamera beiseite lege, und derlei Aufnahmen ohnehin verwackelt werden. Als ich mich zu diesem Fest aufmachte, war ich gar nicht so sehr in Partylaune, doch kaum war ich da, weckte die gute Stimmung, der Sancerre und die Musik meine Lebensgeister und wir tranken, tanzten, rauchten und aßen und erinnerten uns an die Zeiten in Schöneberg, in memoriam David. Für immer ein Held.



17. August 2016

[ gelesen ]
„Painlove wird mir persönlich nicht weiter fehlen“
[ anstelle
„Painlevé* wird mir persönlich nicht weiter fehlen, aber der Ministerpräsident einer großen Nation, der auf dem Sterbebett das Manuskript einer eigenen Faust-Übertragung liegen hat, ist schon etwas Einmaliges, Großartiges“, Alma Mahler-Werfel, Mai 1933 ]
* Paul Painlevé (* 5. Dezember 1863 in Paris; † 29. Oktober 1933 ebenda) war ein französischer Mathematiker und Politiker des reformsozialistischen Parti républicain-socialiste. 1917 und 1925 war er Premierminister der Dritten Französischen Republik.

15. August 2016

….und das Herz für die große altmodische Sehnsucht nach mehr Tempo. Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen – man wäre verloren.
Wolf Wondratscheck

14. August 2016


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Sechzehnter Januar Zweitausendsechzehn. Eigentlich eine Geburtstagsfeier. Sechs Tage vorher starb David Bowie und die Welt erfuhr davon am elften Januar. Das Geburtstagskind und die geladenen Gäste der geplanten Geburtstagsparty waren derart von dieser Todesnachricht erschüttert, dass kurzerhand einvernehmlich beschlossen wurde, diese Zusammenkunft David Bowie zu widmen. Wir waren Feuer und Flamme, herauszufinden, was David am liebsten gegessen und getrunken hat, und recherchierten wie verrückt im Internet und trugen unsere Funde und Erkenntnisse dazu auf einer facebook-Eventseite in den Kommentaren zusammen. Es war gar nicht so einfach, aber am Ende gab es einige Aussagen, die vielleicht auch nur auf Gerüchten oder Polemik und Übertreibung basieren, aber egal. Jemand behauptete, David Bowie habe sich in den Siebziger Jahren ausschließlich von Milch, Kokain und rotem Paprika ernährt. Dann gab es einen Bericht, in dem Davids Frau Iman dem Reporter erzählt, das Gericht, das sie ihm am häufigsten zubereiten würde, weil es ihn an seine Kindheit erinnert und er es einfach liebt, sei Sheperd’s Pie (übrigens auch das Lieblingsgericht von Keith Richards). irgendwo erwähnte jemand Brownies, die er gerne mag – oder mochte. Und ich fand einen launigen Backstage-Bericht, diesen hier, in dem erwähnt wird, wie David mit zwei schwarzen Schönheiten und einem Korb mit Sancerre, französischem Käse und Räucherlachssandwiches auftauchte und alle damit versorgte.




„(…) So he comes back with this entourage of two black statuesque ladies and a hamper full of Sancerre, French cheeses and smoked salmon sandwiches and plonks himself next to us. I’d only ever had Blue Nun before, and as for smoked salmon… ”Sorry I don’t know you all,“ and he goes round shaking our hands, lordly and utterly charming. „Help yourself boys,” he beams…“




Das war mein Part, ich kaufte einige Flaschen Sancerre, ein wirklich großartiger französischer Weißwein, sehr erdig und charaktervoll, den ich auch gerne trinke, dazu fünf verschiedene Sorten französischen Käse, Räucherlachs und Weintrauben. Unser Geburtstagskind hatte sich den legendären Blitz ins Gesicht malen lassen und an den Füßen selbst gebastelte, futuristische Goldstiefel. Ich erschien in einem Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, wie ihn David als Thin White Duke trug, die Augenklappe über dem Windsorknoten. Und klebte mir zwei schwarze Sterne auf dem Handrücken, von denen alle meinten, ich sollte mir das tätowieren lassen, sie fanden es absolut cool. Unsere beiden Gastgeber hatten mehrere Portraits von David vervielfältigt, sie waren in der ganzen Wohnung verteilt und man konnte sie ausmalen. Es gab ein paar Linien mit weißem Pulver (was auch immer) und ein Becherchen mit Milch und einer roten Paprikaschote. Und einen Browniekuchen mit einem Blackstar in der Mitte. Und sie hatten sich die unglaubliche Mühe gemacht, eine phantastische Playlist aus allen erdenklichen Songs von David einschließlich zahlloser Coverversionen seiner Songs vorzubereiten. Wir tanzten, als gäbe es kein Morgen, davon gibt es keine Bilder, weil beim Tanzen selbst ich die Kamera beiseite lege, und derlei Aufnahmen ohnehin verwackelt werden. Als ich mich zu diesem Fest aufmachte, war ich gar nicht so sehr in Partylaune, doch kaum war ich da, weckte die gute Stimmung, der Sancerre und die Musik meine Lebensgeister und wir tranken, tanzten, rauchten und aßen und erinnerten uns an die Zeiten in Schöneberg, in memoriam David. Für immer ein Held.



12. August 2016


Unter meinen annähernd 50.000 Bildern der letzten Dekade müsste fast jeder, der das liest, und dem ich persönlich begegnet bin, in diesem Lexikon der Suchbegriffe dabei sein – und Viele mehr. Wobei einige der früheren Bilder teilweise nicht namentlich getagged wurden, da es ab und zu Befindlichkeiten gab, die ich berücksichtigt habe. Hoffe, es hagelt jetzt nicht haufenweise Bitten, die tags zu entfernen. Erschiene mir zumindest bei Personen, die von Berufs wegen in der Öffentlichkeit stehen, eher skurril. Ich werde auch keine schwarzen Balken über Augen machen. Übrigens interessant: am unkompliziertesten mit Fotografien in der Öffentlichkeit sind die, die bereits einen Namen und eine nennenswerte Karriere haben, Herumgezicke findet man eher bei Leuten, die gerne mal ganz groß rauskommen wollen und Panik haben, dass ein unvorteilhaftes Bild die Weltkarriere gefährdet. Haha. Aber zum Glück habe ich ja so gut wie nie mit solchen Zicken zu tun. Fehlte noch. Auch sehr bizarr, vor gut zehn Jahren mal erlebt: ein (damals) relativ gutaussehender Mann, ein Journalist, der auch bloggt, woraus er nie ein Geheimnis machte, (nein, nicht Du, Thomas) machte zunächst Komplimente, wie gut die Bilder doch geworden seien, es ging um eine Lesung, bei der er auch anwesend war, ich veröffentlichte die Bilder innerhalb der Strecke, zwei Tage später mailte er mir erneut, ich sollte doch bitte sämtliche Bilder mit ihm unverzüglich entfernen. Der Tonfall war ungefähr so charmant wie der Drohbrief einer Rechtsanwaltskanzlei. Während der Lesung hat er nett mit mir geplaudert, sah, dass ich fotografiere, ich war auch eigens von den Veranstaltern aufgefordert, das zu tun, er teilte mir zu keinem Zeitpunkt mit, dass ich ihn aussparen sollte. Bizarr. Und zum Glück selten. Ein anderer Blogger, der mich um ähnliches bat, allerdings sehr freundlich und aus nachvollziehbaren Gründen. Er schrieb damals ein tendenziell erotisches Blog, was er mit seiner Tätigkeit als Redakteur im politischen Ressort eines nicht unbekannten Nachrichtenmagazins nicht vermengt haben wollte, und lachte vor nicht allzu langer Zeit darüber, als ich ihn daran erinnerte. Ich wollte die Gruppenfotos, auf denen er war, nicht komplett löschen und klebte tatsächlich schwarze Balken über seine Augen oder zog ihm einen schwarzen Strumpf über den Kopf. Und ein Fotograf, auch recht gutaussehend, meckerte über drei Bilder in einer unverfänglichen Bildstrecke von einer Fotomesse. Nicht, dass die Bilder unvorteilhaft gewesen wären, ganz und gar nicht. Ich hatte eines in meinem Blog innerhalb eines Kommentars gepostet, was zur Resonanz hatte, dass eine Kommentatorin schrieb „Woher kennst du nur immer diese vielen gutaussehenden Männer?“ Ich entfernte die Bilder bzw. setzte sie auf ‚privat‘, so dass nur noch ich sie sehen kann. Vor wenigen Monaten traf ich ihn nach Jahren wieder bei einer Eröffnung in einer Fotogalerie in Friedrichshain und erinnerte ihn an seine damalige Aufforderung, die Bilder zu entfernen. Er grinste, als ob er selbst darüber lachen müsste. Er wusste auch nicht mehr, warum er das wollte. Und noch eines – je reifer an Jahren die Menschen sind, umso unkomplizierter werden sie in dieser Hinsicht, vielleicht, weil man sich freut, überhaupt noch als relevant erachtet zu werden.

09. August 2016

Ein Eintrag vom 20. Januar 2016, den ich nie veröffentlichte, weil ich wohl dachte, ich sollte noch etwas über das Buch, aus dem Alban Nikolai Herbst las, Traumschiff, dazuschreiben. Ich tat es nie, ich mochte das Buch, es beeindruckte mich teilweise tief, aber ich sehe mich nicht zur Rezensentin berufen. Ich wünschte, es würde so oft gekauft werden, wie manche anderen Romane in deutschen Bestsellerlisten, die mich nicht im Ansatz berühren konnten. Überaus sensitiv, eine einzige Liebeserklärung an das irdische Leben. Es gibt ja durchaus eine Reihe von Besprechungen im deutschen Feuilleton. Wie auch immer, ich sichte gerade, was ich an Beiträgen im offline-Status habe, und da stieß ich eben auf diesen Eintrag, der auch in seinem vormals als unvollständig erachteten Bearbeitungsstatus endlich online gehört.

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Keine tote Wasserglaslesung. Jörg Meyer hat es schön beschrieben: „Nichts dergleichen. Herbst lässt das Wasserglas unberührt, schenkt sich (mehrmals und zum Lesefluss dramaturgisch passend) Wein ein – weißen wie der Seeschwalben Federkleid, nicht sterbensblutroten. Hängt das Jackett schwungkunstvoll über die Lehne, befreit seinen Hals von der knebelnden Krawatte, knöpft das Hemd auf, krempelt die Ärmel hoch … Und beginnt (…)“ Was will man mehr? Zumal das Gelesene und anderweitig Vorgetragene gleichermaßen Körper, Säfte und Dynamik in sich trägt. Gehen Sie ruhig zu diesen Lesungen hin, wenn Sie ein bißchen Unruhe brauchen könnten.




Wenn man bei solchen Gelegenheiten fotografiert, rechnet man am wenigsten damit, dass sich ein Autor durch den Raum bewegt. Zumindest nicht derart frei. Und doch ohne eine Grenze zu überschreiten, die einem anderen etwas von seinem Raum nehmen würde. Das hat schon eine tänzerische Virtuosität, die man sich gut anschauen kann. Alban Nikolai Herbst lebt den Rhythmus seiner schönen Worte, da gibt es keinen Zweifel.


Schade nur, dass ich die Strümpfe und die Schuhe nicht richtig eingefangen habe. Ein bißchen dachte ich auch an Luis Trenker. (Natürlich in seinen allerbesten Jahren.) Derbe, wetterfeste Wanderschuhe, grobgestrickte wollweiße Strümpfe über der braunen Cordhose. Das hat alles wunderbar gepasst. Wir hatten gerade den ersten richtigen Schnee in diesem Winter in Berlin.

07. August 2016


Rückzugsbedürfnis. Badewanne. Am schönsten gerade, die erste Sonate für Solovioline von Bach, gespielt von Shlomo Mintz, 1985 in Salzburg. Hat mir Alban Nikolai Herbst dankenswerterweise vor einiger Zeit zukommen lassen, nachdem ich die Aufnahme von Gidon Kremer erwähnt hatte. Die Violinsonate kam by random, von der Liste mit Kammermusik. Ich ließ heißes Wasser nachlaufen. Es war noch nicht dunkel, dämmerte. Das Stück war mir, in seiner kristallenen Klarheit, als könnte es meine Gedanken und die Atmosphäre bereinigen, die ganze Luft und Wirrnis. Die perfekte Entsprechung zum reinigenden Ritual des Körpers. Obgleich der keiner Reinigung bedurfte. Ich wollte vor allem das Gefühl des Eintauchens in das warme, nasse Element spüren. Mich ein wenig auflösen. Dabei an eine Passage im Buch von Alma Mahler-Werfel gedacht, in dem man nie weiß, was sie davon tatsächlich irgendwann geschrieben hat und was der Ghostwriter fabulierte. Denn fabuliert wird in jedem Fall. Sie selbst neigte ohnehin zu starker Übertreibung und Ausschmückung und Verdrehung der Tatsachen zu ihren Gunsten, insofern sind auch die Fragmente in dem Buch, die auf ihren ureigenen Quellen beruhen, immer zu hinterfragen und im besten Fall als nette Anekdoten zu nehmen, ungeachtet des Wahrheitsgehalts. Die Passage, an die ich in der Badewanne dachte, handelt von einem geselligen Abend, irgendwann 1927, ein illustrer Kreis von Künstlern, vorwiegend Schriftstellern, hatte sich versammelt, die auch musikzugetan waren, Alma ohnehin, sie spielte ja bis zu ihrem Lebensende fleißig Klavier. Dass sie in Jugendjahren eine Handvoll Lieder komponierte, vor Ihrer Verbindung mit Gustav Mahler, sei nur am Rande erwähnt. Die Passage ist folgende:
»Gestern waren wir zum vierten Male bei Gerhart Hauptmann. Jedesmal ist man einander näher, die Stimmung freier. Zum Überfluß waren gestern auch Herbert Eulenberg und d’Albert da. Des Saufens und Lachens war kein Ende. Das Stammeln Gerhart Hauptmanns, wenn er ein wenig zuviel getrunken hat, ist zu reizend. „…ja,ja, wenn man es bedenkt, sollte man doch … Sie verstehen mich ja … nicht wahr?“ Und alle hatten ihn verstanden. Er hat einen göttlichen Gleichmut. Seine blauen Augen sind tief wie der Himmel in einer Berglache. Er sagte gestern zu mir: »Es ist ein Jammer, daß wir beide kein Kind miteinander haben! Das wäre etwas gewesen …« (…) D‘ Albert war sternhagelvoll. Er schrie, nachdem Franz Werfel ahnungslos das Wort »Hollywood« in das Gespräch geworfen hatte: »Eine Fratze der Menschheit!«, hieb mit der Faust auf den Tisch und rief ein über das andere Mal aus: »In Gegenwart Hauptmanns hat niemand das Wort Hollywood auszusprechen, das ist eine Entweihung!« Er tobte, er war nicht zu beruhigen, und alle waren ja seiner Meinung, aber das zu begreifen, war er zu betrunken. Endlich sprang er auf und ließ die deutsche Kunst leben! Mit wutflammenden Augen … auf jeden von uns zornig, die wir doch alle seiner Meinung waren. Im Anfang hatte er schön brav mit Franz Werfel diskutiert. …Verdi, Wagner, Beethoven. Der ›undramatische‹ Beethoven, die mangelnde ›Ökonomie‹ Wagners, die Impotenz der Atonalen, die ›Musikfabrik‹ Bachs, der sich zum Beispiel in einem Brief über das Abnehmen der Pest in Leipzig beklagt hatte, weil es weniger Tote gebe, er also weniger Bestellungen für Kantaten und so ein geringeres Einkommen habe. Kurz, alles mußte herhalten, und der kleine Gnom d’Albert kicherte in sich hinein, blinzelte mit seinen müde schlauen Äuglein, rieb sich die Hände und war ganz von sich hingerissen. Franz Werfel war auch etwas betrunken, aber schwungvoll, paradox und dann wieder voll offener Wahrheit. Gerhart Hauptmann hatte sichtbar Freude an ihm. «

Usw. usf. Die Erwähnung vom Brief Bachs ließ mich danach suchen, mich interessierte der originale Wortlaut dieser bizarren Äußerung. Ich fand den Brief auch, die Stelle liest sich aber in den Zeilen von Johann Sebastian Bach nicht ganz so zynisch, wie man befürchten könnte. Bach war damals fünfundvierzig Jahre alt und hatte Frau und sieben Kinder zu versorgen und sich auf eine Anstellung als Musiklehrer in einem Gymnasium in Leipzig eingelassen, was aber hinten und vorne nicht reichte, so verdiente er sich ein Zubrot mit Auftragskompositionen. Am 28. Oktober 1730 schrieb Bach an seinen Freund Georg Erdmann:
»(…) so fügte es Gott, daß zu hiesigem Directore Musices u. Cantore an der Thomas Schule vociret wurde. Ob es mir nun zwar anfänglich gar nicht anständig seyn wolte, aus einem Capellmeister ein Cantor zu werden, weßwegen auch meine resolution auf ein vierthel Jahr trainirete, jedoch wurde mir diese station dermaßen favorible beschrieben, daß endlich (zumahln da meine Söhne denen studiis zu incliniren schienen) es in des Höchsten Nahmen wagete, u mich nacher Leipzig begabe, meine Probe ablegete, u. so dann die Mutation vornahm. Hieselbst bin nun nach Gottes Willen annoch beständig. Da aber nun finde, daß dieser Dienst bey weitem nicht so erklecklich als mann mir Ihn beschrieben, viele accidentia dieser station entgangen, ein sehr theürer Orth ist u. eine wunderliche und der Music wenig ergebene Obrigkeit ist, mithin fast in stetem Verdruß, Neid und Verfolgung leben muß, als werde genöthiget werden mit des Höchsten Beystand meine Fortun anderweitig zu suchen.
Solten Eu: Hochwohlgebohren vor einen alten treüen Diener dasiges Ohrtes eine convenable station wißen oder finden, so ersuche gantz gehorsamst vor mich eine hochgeneigte recommendation einzulegen; an mir soll es nicht manquieren, daß dem hochgeneigten Vorspruch und interceßion einige satisfaction zu geben, mich bestens beflißen seyn werde. Meine itzige station belaufet sich etwa auf 700 rthl. , und wenn es mehrere, als ordinairement Leichen gibt, so steigen auch nach proportion die accidentia; ist aber eine gesunde Lufft, so fallen hingegen auch solche, wie denn voriges jahr an ordinairen Leichen accidentien über 100 rthl. Einbuße gehabt. In Thüringen kan ich mit 400 rthl. weiter kommen als hiesigen Ohrtes mit noch einmahl so vielen hunderten, wegen der exceßiven kostbahren Lebensahrt.
Nunmehro muß doch auch mit noch wenigen von meinem häußlichen Zustande etwas erwehnen. Ich bin zum 2ten Mahl verheurathet und ist meine erstere Frau seelig in Cöthen gestorben. Aus ersterer Ehe sind am Leben 3 Söhne und eine Tochter, wie solche Eu: Hochwohlgebohren annoch in Weimar gesehen zu haben, sich hochgeneigt erinnern werden. Aus 2ter Ehe sind am Leben 1 Sohn u. 2 Töchter. Mein ältester Sohn ist ein Studiosus Juris, die anderen beyden frequentieren noch, einer primam, der andere 2dam Classem, und die älteste Tochter ist auch noch unverheurathet. Die Kinder anderer Ehe sind noch klein, u. der Knabe als erstegebohrener 6 Jahre alt. Insgesamt aber sind sie gebohrene musici, u. kan versichern, daß schon ein Concert Vocaliter u. Instrumentaliter mit meiner Famillie formieren kan
(… usw. usf.)
Eu: Hochwohlgebohren
gantz gehorsamst«

04. August 2016

ich bin ja kein Fan von Sunburst Finish bei Gitarren und auch sonst nicht. Gerade wieder Bilder vor mir gehabt, die im Farbmodus sehr schön gewesen wären, wäre da nicht dieser unselige Farbverlauf auf dem Gitarrenkorpus. Das beißt sich mit allen Klamotten und Hintergründen. Bitte nicht kaufen! Ich präferiere schwarze Gitarren.

03. August 2016

Muss noch einmal ein wenig in Sachen meines heutigen Blogeintrags missionieren. Das geht mir hier schon wieder zu sehr unter. Gern genommen werden auf fb ja auch immer knackige Zitate und Auszüge. Heute im Angebot: „Aber eigentlich sehe ich den größeren Missionierungsbedarf bei meinen männlichen Lesern (jetzt hätte ich fast „Kunden“ geschrieben, was ist denn da in meinem Unterbewußtsein). Insofern: die Botschaft muss an den Mann! Ich denke es ist doch auch wahnsinnig interessant für so einen Mann, wie ich als Frau denke, und natürlich auch, was ich über Männer denke! Ich interessiere mich zum Beispiel auch sehr dafür, wie Männer denken! Wenn man mal ein paar ehrliche Statements haben möchte, empfiehlt es sich daher, sich mit dem einen oder anderen Mann anzufreunden, sein Vertrauen zu gewinnen, und ihn dann nach Herzenslust plappern zu lassen. Da kann man eine ganze Menge lernen! Das funktioniert nicht ganz so gut bzw. fast überhaupt nicht mit Männern, mit denen man sich in irgendwelchen erotischen Verstrickungen befindet, dann wird von beiden Seiten kalkuliert kommuniziert, weil irgendeine dämliche Strategie zugrundeliegt. Da lernt man so gut wie gar nichts, außer Training in strategischer Kommunikation, wenn man diszipliniert ist.“
usw. usf.
Kompletter Eintrag incl. Exclusiv-Fotos, die rein gar nichts mit dem obig Zitierten zu tun haben, hier.

03. August 2016

Jetzt erst mitbekommen, dass Bommi Baumann am 19. Juli gestorben ist. Ich habe den alten Haschrebellen vor sieben Jahren bei einer Lesung abgelichtet. Er wirkte ganz aufgeräumt und in sich ruhend. Ich denke, er wird in Frieden ruhen, wünsche ich ihm.

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ganz warmherziger Mensch. Wie ein lieber lustiger Onkel hat er erzählt. (…) „Freunde, schmeißt die Knarre weg.“ und damals noch ordentlich zeitnah gebloggt und sogar Kommentare… das waren noch Zeiten…

03. August 2016


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Van Gia, Greifswalder Str. 11. Vietnamesisch. Sehr, sehr gut und alles knackfrisch im Einmann-Betrieb in der Pfanne gebrutzelt, man kann zuschauen. Schon die Zubereitung war ansprechend. Im Grunde viel zu preisgünstig, wenn man die Qualität begreift. Wären die Gerichte doppelt so teuer, wären sie immer noch niedrigpreisig. Weiß nicht mehr, was ich von der Karte, die zum Teil links und rechts von der Tür hängt, hatte, aber es war eines davon. Die anderen tranken ein exotisches Guavensaftgetränk aus der Dose, ich mein Lieblingsbier, dessen Namen ich nicht mehr erwähne, um etwaige Promotionunterstellungen nicht zu befördern. Wobei ich gar kein Problem darin sähe, beiläufig Markennamen zu nennen, wenn es im Eintrag organischer wirkt, als deren Umschiffung. Manchmal möchte man die Welt ja auch wissen lassen, was man gerne mag, nicht dass man sich in einer Bar oder Kneipe verabredet, wo es weder Bordeaux Superieur noch einen schönen Haut Médoc, oder Dom Perignon, Krug oder Feuillatte oder meinethalben auch Blanquette de Limoux oder Sancerre oder noch nicht mal ein Bier aus dem hohen Norden in einer grünen Flasche mit goldfarbigem Etikett gibt. Sehen Sie, genau das meinte ich mit organisch. Man möchte Alltagsbegriffe nicht narrativ erschließen müssen, das liest sich holprig und umständlich. Ich bin ein großer Fan davon, komplexe Dinge mit möglichst einfacher Sprache zu vermitteln. Ich schreibe in der Tat nicht, um ambitionierte, stilistische Häkelborten zu fabrizieren, und dafür Bewunderung einzuheimsen, sondern um klare Botschaften an den Mann zu bringen. An die Frau, Schwestern im Geiste – selbstredend – auch.

Aber eigentlich sehe ich den größeren Missionierungsbedarf bei meinen männlichen Lesern (jetzt hätte ich fast „Kunden“ geschrieben, was ist denn da in meinem Unterbewußtsein). Insofern: die Botschaft muss an den Mann! Ich denke es ist doch auch wahnsinnig interessant für so einen Mann, wie ich als Frau denke, und natürlich auch, was ich über Männer denke! Ich interessiere mich zum Beispiel auch sehr dafür, wie Männer denken! Wenn man mal ein paar ehrliche Statements haben möchte, empfiehlt es sich daher, sich mit dem einen oder anderen Mann anzufreunden, sein Vertrauen zu gewinnen, und ihn dann nach Herzenslust plappern zu lassen. Da kann man eine ganze Menge lernen! Das funktioniert nicht ganz so gut bzw. fast überhaupt nicht mit Männern, mit denen man sich in irgendwelchen erotischen Verstrickungen befindet, dann wird von beiden Seiten kalkuliert kommuniziert, weil irgendeine dämliche Strategie zugrundeliegt. Da lernt man so gut wie gar nichts, außer Training in strategischer Kommunikation, wenn man diszipliniert ist. So, das war jetzt wieder ein sehr schöner Abschweif vom Bildmaterial. Man könnte fast sagen, ein Alleinstellungsmerkmal meiner Blogeinträge! Nun muss man aber auch zugestehen, dass ich ja nun wirklich viel Bildmaterial produziere, und wenn es dann auch noch immer wieder dieselben Protagonisten vorführt, wäre es auch nicht sonderlich interessant, immer wieder zu schreiben, wer da drauf ist. Da sollte es ja nun auch einen Lernprozess geben, sofern man meine Einträge kontinuierlich verfolgt. Was ich Ihnen dringend empfehle. Aber ich gebe noch einmal eine Hilfestellung. Wir sehen abermals den französischen Regisseur und die Musikgruppe PINK PARTE , die ich gestern schon ausführlich erwähnt und vorgestellt habe, diesmal nach dem Videodreh. Wir waren da essen. Und falls es irgendwelche Fragen dazu gibt, beantworte ich die gerne im Kommentarfeld. Natürlich auch sonstige Fragen – praktisch Alles. Ich habe theoretisch keine Tabus, nicht Menschliches ist mir fremd und ich habe bzw. finde auf so gut wie alles eine Antwort. Nur zu…!

02. August 2016

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Gestern Abend auf facebook zu dem geposteten Link vermerkt: „Schon mal hier gepostet, einzeln, in Kommentaren, aber doppelt hält besser. Ich schreibe noch etwas dazu. Einen veritablen Blogeintrag. Ich werde das wieder kultivieren und sogar rückwärtig. Noch rückwärtiger als diese Bildstrecke hier mit der Fingernägelläckiererei von Romain. Bis zum Mai 2015. Und alles was danach geschah, umfassen und umarmen.“ So sei es. Allerdings schon sportlich. Aber hey, wir haben bald Olympia. Ich habe quasi eine Art backstage-Hotline nach Rio und werde seit ca. zwei Wochen mit Bildern vom Aufbau versorgt. Also nicht nur ich, alle die mit dem Mitarbeiter vor Ort eben bei fb connected sind, wie wir jungen Leute sagen. Durch die Zeitverschiebung wünsche ich gegen zwei Uhr eine Gute Nacht und erhalte die Rückmeldung „ich gehe jetzt mal was einkaufen“. Das Olympiastadion* da an der Copacabana hat ja wirklich Premiumlage, direkt am Strand, sagenhaft. Und was hat das jetzt mit den Bildern hier zu tun? Nichts.

Rein gar nichts. Aber das ist die Freiheit des Bloggens: Schreiben ohne Zusammenhang, was einem gerade in den Sinn kommt. Bin ja schließlich keine Reporterin, höchstens in eigener Sache. Dennoch möchte ich nicht vorenthalten, was es mit dieser Bildstrecke mit dem Mann, dem die Fingernägel lackiert werden, auf sich hat. Ich war für halbeins, also mittags, zum Studio und Proberaum einer der Bands bestellt, in denen Maria (wir erinnern uns) singt. Die Gruppe besteht aus drei Mitgliedern und macht Gypsy Punk. Ich denke, damit ist alles gesagt. Nein, natürlich nicht. Also die drei Hübschen heißen PINK PARTE und spielen zu dritt sehr eigene Arrangements von rumänischen Volksliedern, aber auch Preziosen aus anderer Herrinnen Länder, zum Beispiel aus Frankreich. Da kommt Romain her, der Mann im Trio. Und was für einer. Er ist unter anderem Drummer bei den Siebzehn Hippies und beim Flic Flac-Zirkus. Aber bei Pink Parte hat er hauptsächlich die Gitarre in der Hand. Die in dieser Bildstrecke nur am Ende auftauchende dunkelhaarige Schönheit ist Judith, die Violinistin, die auch Geigenbauerin ist. Aber ich greife vor. Ich muss mir ja noch ein bißchen Schießpulver aufheben, für die kommenden Strecken mit den Dreien. Da kommt nämlich noch viel mehr, vor allem eine überaus umfangreiche von einem Videodreh, an dem ich beteiligt war, am zauberhaften Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain. Deshalb erkläre ich jetzt nur noch kurz und knapp, dass es sich hier um Bilder aus Romains Studio handelt, irgendwo in der Greifswalder Straße im Prenzlauer Berg, und das war unser Treffpunkt. Maria lackierte allen mit demselben brombeerroten Glitzernagellack die Fingernägel. Das war quasi ein schamanischer Akt, der das die Band festigt! Mit Äußerlichkeiten hat das nichts zu tun! Romain hat sehr artig still gehalten, das kann er gut. Die motorische Disziplin des Profimusikers. Mich kann man ja sehr mit kontrollierten Bewegungsabläufen beeindrucken. Apropos beeindrucken – kurz bevor wir los sind zu unserem Videodreh, wobei noch unbedingt zu erwähnen ist, dass auch Luc de La Selle dabei war, der Regisseur des Projekts, auch ein Franzose, also was ich sagen wollte – kurz bevor wir also aufbrachen, beschloss Romain sich etwas anderes anzuziehen. Er stand so rechts in der Ecke vom Studio und bückte sich kurz, wie das Männer so machen, wenn sie sich ein Shirt über den Kopf ziehen. Das war etwas unerwartet. Ich meine – also – ich habe mich ein bißchen geärgert, dass meine Reflexe versagt haben, sonst gäbe es jetzt in dieser schönen kleinen Strecke noch ein Bild von Romain mit Shirt über dem Kopf. Das hätte Ihnen (, meine Damen) ganz sicher gefallen. Und mir erst. Ich durfte den Anblick immerhin ungefähr fünf Sekunden genießen, dann hatte er schon wieder ein anderes Hemd an. Na ja, mit Ende Zwanzig ist so ein Körper natürlich in Bestform. Abgesehen davon, dass er sich, obwohl der jüngeren Generation zugehörig, nicht der unseligen Mode verschrieben hat, etwaige Brusthaare abzurasieren. Ganz und gar nicht. Das ist jetzt vielleicht ein bißchen too much information – ich verstehe den Einwand – aber ich sehe diese Blogeinträge auch mit einem gesellschaftlichen Auftrag verbunden, und der erfordert nun einmal, solche Themen, die uns alle angehen, immer wieder investigativ anzusprechen. PINK PARTE sind übrigens ab übermorgen, 4. August auf Tour im Norden. Wenn Sie einmal einen schönen Abend mit drei sexy Musiker/innen erleben möchten, gehen Sie hin. Ein Dream Team.



WAS FRAUEN ‚EIGENTLICH WOLLEN’….? ….EXTREM VIRILE Männer, die sich die Fingernägel lackieren lassen!

28. Juli 2016

Gerade bestellt: Claire Goll – „Ich verzeihe keinem“. Auszug aus der Bewertung einer Leserin:
„(…) Als ich das Buch aus dem Karton genommen habe, wusste ich erst gar nicht was ich damit anfangen soll. Da mir weder die Dame noch der Buchtitel etwas sagten. Nachdem ich die Rückseite gelesen hatte, klang es schon recht interessant. Nicht wegen ihrer Biographie, sondern auf Grund der vielen Skandale, die enthalten sein sollten. Schon der Einstieg in das Buch war sehr faszinierend, wenn man liest, wie ihre Mutter sie behandelt hat. Allein die Vorstellung, auf welche Foltermethoden sie gekommen ist. Da kann ich nur froh sein, dass meine Mutter nicht so war. Schnell geht es weiter, so dass man zu ihrem ersten Liebhaber und Mann kam. Als sie dort erwähnt, dass sie mit 76 mit einem 20jährigen geschlafen hat und dort ihren ersten Orgasmus hatte, war ich echt schockiert. Wobei dies eher an dem Altersunterschied lag. Danach wird ständig in einer sehr anschaulichen Weise von Intimitäten geredet und viele ihrer Gedankengänge rund um dieses Thema kann ich sogar sehr gut nachvollziehen. Zum Beispiel bezüglich der Nähe und dem Sex. Wenn man dieses Buch liest, dann hat man nicht das Gefühl, dass es sich um die damalige Zeit handelt. Fremdgehen, zwei Männer und ähnliches. Von meiner Mutter oder meiner Oma, war ich eher ein anderes Bild aus dieser Zeit gewohnt. „
Das klingt doch sehr kurzweilig. Ich bin allerdings wieder einmal im Zuge meiner nun schon viele Monate andauernden wissenschaftlichen Recherchen zu Alma Mahler-Werfel darüber gestolpert, da sich Cläre Goll darin (recht despektierlich) über ihre Begegnungen mit der guten Alma äußert. Und zwar dergestalt:
„Um ihre welkenden Reize aufzufrischen, trug sie gigantische Hüte mit Straußenfedern; man wußte nicht, ob sie als Trauerpferd vor einem Leichenwagen oder als neuer d’Artagnan aufzutreten wünschte. Dazu war sie gepudert, geschminkt, parfümiert und volltrunken. Diese aufgequollene Walküre trank wie ein Loch.“
Der Titel des nur noch antiquarisch erhältlichen „Ich verzeihe keinem“ aus dem Jahre 1976 ist von Goll natürlich auch sehr apart gewählt, keine Frage. Verspricht Unverblümtes. Untertitel zudem: „Eine literarische Chronique scandaleuse unserer Zeit“.

01. August 2016

Erlebnisaufsatz: „Wie ich einmal mit Maria im Rickenbackers war“

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Wie fange ich an. Ich muss ja wohl nicht erklären, was auf den Bildern ist. Höchstens wer. Und warum. Also, das war so. Maria, das ist die schöne blonde Sängerin hier auf den Bildern, genauer Maria Schuster – ich habe sie meinen Bloglesern ja noch gar nicht offiziell vorgestellt, weil ich in den letzten Wochen und Monaten ein bißchen geschlampt habe, was Blogeinträge zu den Bildern angeht. Hier und da mal eine Strecke verlinkt, oft auf facebook, und dann zu faul gewesen, oder auch gar nicht faul, sondern zu beschäftigt, um noch ansprechende Einträge zu den Bildern auszubrüten. Wobei ich ja nicht brüte, das ist ja schon wieder gelogen. Ich denke ein bißchen ins Blaue und tippe das dann ab, mehr passiert hier nicht konzeptionell. Ich trinke übrigens Jever, während ich das hier tippe, im Aschenbecher glimmt die erste Zigarettte heute. Dort, wo die Bilder gemacht wurden – was heißt hier ‚gemacht wurden‘. Ich habe die Bilder gemacht, wer sonst – – –




das sieht ja man ja wohl – ich kenne niemanden, der sonst mit ornithologischem Ehrgeiz diesen ganz speziellen Ausdruck sucht, über den ich jetzt ganz viel erzählen könnte, aber das lasse ich heute mal – jedenfalls gab es da auch Jever. Ich glaube, der Wein erschien mir nicht so vertrauenswürdig, im Ricki, wie man das Rickenbackers Music Inn auch nennen kann. Wenn der Wein auf der Karte nicht meinen Vorlieben entspricht und es ein Jever gibt, trinke ich Jever. Noch Fragen? Nein. Gut. Also Maria hat mir am Tag vorher gesagt, dass sie dort auftritt, bei so einer Session, und ob ich Lust hätte, mitzukommen. Wenn Maria auftritt, komme ich gerne, das ist immer hörenswert. Und sehenswert natürlich, sehen Sie ja selbst. Es war eine Art Jubiläumssession von Jovi. Jovica Hendrix. Er ist der Gastgeber bei einer quasi open stage in dem sympathischen Laden, die jeden Mittwoch über die Bühne geht.





Verschiedene befreundete Musiker kommen vorbei, manchmal auch wildfremde, und spielen zusammen bekanntere Songs. Also jetzt nicht völlig Kraut und Rüben-mäßig unvorbereitet, es findet schon eine Absprache vorher statt, aber kann schon auch passieren, dass da mal jemand einfach mit seinem Instrument vorbeikommt und dann mittut. Hatte ich zumindest an dem Abend den Eindruck. Jovica ist ein sehr warmherziger Gastgeber auf der Bühne, eine Art väterliches Alphatier. Er hat den Laden im Griff und verbreitet gute Stimmung. Er kam mir ein bißchen vor wie eine Mischung aus Willy de Ville und – wie heißt er noch – Bruce Springsteen. Ich kannte ihn vorher jedenfalls nicht. Als ich kam, war die Show zum dreijährigen Jubiläum schon im Gange, Maria saß rechts an der Bühne und wir herzten uns und holten uns das schon mehrfach erwähnte Jever. Man könnte denken, ich kriege Geld dafür, also genug jetzt davon. Ich fragte sie, ob sie schon gesungen hätte, zum Glück nicht, das wäre ja wirklich ärgerlich gewesen. Drei Songs wollte sie mit Jovi singen, erzählte sie mir. Nämlich Easy, Wicked Game und Where the Wild Roses grow. Ich war schon sehr gespannt. Das Publikum war in denkbar größter Feierlaune, es wurde gewippt und mitgerockt und viel gelacht, man merkte, die sind nicht zum ersten mal da. Man müßte schon sehr griesgrämig sein, um sich da nicht stimmungsmäßig anstecken zu lassen. Das Schöne ist ja im Rickenbackers, dass man ganz nah an der Bühne dran ist. Man könnte ohne weiteres ein bißchen mit auf die Tasten vom Keyboard drücken oder an der Kabellage herumspielen, aber das macht man natürlich nicht. Für mich ist es auch insofern schön, keine hermetische Grenze zu haben, weil ich dann so familiär nah rangehen kann, wie ich das gerne mache.




Das Schummerlicht ist natürlich schwierig. Dazu ist permanent eine sehr bunte Lichtorgel im Einsatz, die aber auch dieses gewisse Siebziger Jahre-Flair in dem Laden ausmacht. Rauchen ist nicht erlaubt, man trifft sich vor der Tür oder hinten raus, im Biergarten, und gönnt sich eine. Als Maria dran war, hat sich meine Fotografiererei schon sehr auf sie konzentriert, das muss ich zugeben. Kein einziges Foto vom Publikum. Es gab ja auch noch Drummer und Bassisten und den einen oder anderen Keyboarder, aber das Schlagzeug war genau auf der anderen Seite und da waren auch die Bassisten. Das ist jetzt natürlich eine faule Ausrede, ich hätte ja ohne weiteres in die andere Ecke gehen können, aber meine gefiel mir ganz gut. Man merkte schon, dass die Performances etwas improvisiert waren, was das Zusammenspiel anging, also mit anderen Worten, dass in den Konstellationen nicht wochenlang geprobt wurde, aber das hat auch wieder einen gewissen schrägen Charme. Und doch gab es im Grunde bei jedem Song einen Moment, wo der Funke übergesprungen ist – beim Publikum sowieso – ich meine auch musikalisch. In dieser Reihe sind ja auch ein paar Bilder, wo Maria zwei Blätter mit Text vor sich hinhält, vor sich und Jovi. Das war der Text von Where the Wild Roses grow. Normalerweise spielen die Künstler dort, ohne Zettel vor sich hinzuhalten, aber es war nicht zu leugnen, dass beide den Text nicht aus dem Effeff beherrschten.




Aber warum nicht aus der Not eine Tugend machen und die Unterlagen ungeniert in die Show einbauen. Ich freute mich über das Motiv, Maria tadelte Jovi, dass die Blätter verknittert waren, die hätte er ja nun wirklich noch mal bügeln können. Die ersten beiden Strophen waren ein bißchen holprig, aber bei der dritten waren sie plötzlich sehr schön im Flow und sangen veritabel im Duett, das hörte sich richtig gut an. Ich weiß das so genau, weil ich eine Videoaufnahme davon habe. Auch bei den anderen Songs, die Maria gesungen hat, habe ich zum Teil mitgefilmt. Es gab noch eine Nummer, bei der sie miteinstieg, Rolling on a River. Meine liebste Nummer an dem Abend war aber Wicked Game, denn mittendrin, begannen Jovi und vor allem Maria zu improvisieren und sangen ein paar eigene Lyrics auf Deutsch. Und ich habe es für die Ewigkeit festgehalten. Das war in einigen Momenten sehr besonders, vor allem, was Maria da sang, und wie sie dann wieder die Kurve kriegten zu No, I don’t wanna fall in love – This girl is only gonna break your heart – No, I don’t wanna fall in love – This girl is only gonna break your heart – With you. With you. Das war schön. Eines Tages werde ich diese Aufnahme zeigen. Aber jetzt erst einmal die Bilder von diesem schönen Abend. Ja, das war er.