Gerade bestellt: Claire Goll – „Ich verzeihe keinem“. Auszug aus der Bewertung einer Leserin:
„(…) Als ich das Buch aus dem Karton genommen habe, wusste ich erst gar nicht was ich damit anfangen soll. Da mir weder die Dame noch der Buchtitel etwas sagten. Nachdem ich die Rückseite gelesen hatte, klang es schon recht interessant. Nicht wegen ihrer Biographie, sondern auf Grund der vielen Skandale, die enthalten sein sollten. Schon der Einstieg in das Buch war sehr faszinierend, wenn man liest, wie ihre Mutter sie behandelt hat. Allein die Vorstellung, auf welche Foltermethoden sie gekommen ist. Da kann ich nur froh sein, dass meine Mutter nicht so war. Schnell geht es weiter, so dass man zu ihrem ersten Liebhaber und Mann kam. Als sie dort erwähnt, dass sie mit 76 mit einem 20jährigen geschlafen hat und dort ihren ersten Orgasmus hatte, war ich echt schockiert. Wobei dies eher an dem Altersunterschied lag. Danach wird ständig in einer sehr anschaulichen Weise von Intimitäten geredet und viele ihrer Gedankengänge rund um dieses Thema kann ich sogar sehr gut nachvollziehen. Zum Beispiel bezüglich der Nähe und dem Sex. Wenn man dieses Buch liest, dann hat man nicht das Gefühl, dass es sich um die damalige Zeit handelt. Fremdgehen, zwei Männer und ähnliches. Von meiner Mutter oder meiner Oma, war ich eher ein anderes Bild aus dieser Zeit gewohnt. „
Das klingt doch sehr kurzweilig. Ich bin allerdings wieder einmal im Zuge meiner nun schon viele Monate andauernden wissenschaftlichen Recherchen zu Alma Mahler-Werfel darüber gestolpert, da sich Cläre Goll darin (recht despektierlich) über ihre Begegnungen mit der guten Alma äußert. Und zwar dergestalt:
„Um ihre welkenden Reize aufzufrischen, trug sie gigantische Hüte mit Straußenfedern; man wußte nicht, ob sie als Trauerpferd vor einem Leichenwagen oder als neuer d’Artagnan aufzutreten wünschte. Dazu war sie gepudert, geschminkt, parfümiert und volltrunken. Diese aufgequollene Walküre trank wie ein Loch.“
Der Titel des nur noch antiquarisch erhältlichen „Ich verzeihe keinem“ aus dem Jahre 1976 ist von Goll natürlich auch sehr apart gewählt, keine Frage. Verspricht Unverblümtes. Untertitel zudem: „Eine literarische Chronique scandaleuse unserer Zeit“.

3 Antworten auf „28. Juli 2016

  1. auch pikant – Goll hatte ja bekanntlich eine längere Affäre mit Rilke – im Rilke Forum wurden einige Auszüge aus Passagen des verzeihe-keinem-Büchleins zu Golls privater Einschätzung von Rilke gepostet….huiuiui…

    „Die panische Angst, zerpflückt und ausgesogen zu werden, verfolgte ihn ständig. Der Altersunterschied zwischen uns betrug 13 Jahre. Rilke überschüttete seine jeweilige Geliebte mit Aufmerksamkeiten. Rilke riskierte nichts. Sogar die Zärtlichkeit war für ihn ein Mittel, sich einzuhüllen und zu schützen. Er lieferte sich niemandem aus, sondern errichtete sein Denkmal für die Ewigkeit. Während er vor mir auf den Knien lag, behielt er sich selbst gut im Auge. Was er anfaßte, geriet zum Märchen.
    *
    Die Reichswehr marschierte in München ein. Dort geriet auch Rainer Maria Rilke in den Strudel. … Rilke fühlte sich in keiner Weise für den Lauf der Welt verantwortlich. Vielleicht dachte er, ein Dichter habe nur dem jeweiligen Blatt Papier Rechenschaft abzulegen … [aber, Rilke] der Mann, der am allerwenigsten geeignet war, Risiken auf sich zu nehmen, gab sich Mühe, Tollers Flucht zu decken. Man zog Rilkes Paß ein. ..Er erzählte mir von Duino auf seinen steilen Klippen. Von seinem Zimnmer aus überblickte er die grünen Wasser der Adria, von der Terrasse den Sandstrand. Außer zum Spazierengehen brauchte er nie hinabzusteigen, denn er hat sein Leben lang kein Meerbad genommen. Rilke hatte einen Widerwillen gegen jeden Sport. Als ich ihm mitteilte, daß ich ein Kind von ihm erwartete, war er entsetzt. – – Meine beiden Männer verlangten nichts weiter, als nie wieder ein Wort von dem Kind zu hören. Ich mußte also abtreiben. Der Operation ging eine längere Korrespondenz zwischen den beiden Dichtern voraus, die schließlich übereinkamen, alle Spuren zu verwischen und die gegenseitigen Briefe zu verbrennen.
    *
    [Rilke kümmerte sich nie um Golls Schaffen] – – Rilke war von seinem Genie überzeugt. Seine Eitelkeit war sicher der Hauptgrund, daß er so wenig geschrieben hat. er vertrug keine Bemerkung, die auch nur den kleinsten Vorbehalt verriet.
    *
    Ich habe selten ein so kritikempfindliches Wesen gesehen. Große Empfänge behagten ihm. Gefeiert, umschmeichelt, von Prinzessinnen angehimmelt, ging er selbst vor jeder Null in die Knie. – – – Panische Angst vor der Armut. Pariser Erfahrungen. Dort hatte er ein Dutzend Jahre in elenden Buden gehaust, nicht alle Tage etwas zu Essen und noch weniger zum Heizen gehabt.
    Nach seiner traurigen Jugend steuerte Rainer nun einem Ende zu, daß als Schiffbruch bezeichnet werden kann. Er wurde zum Verbannten. Er lernte, überall nur „auf Zeit“ zu leben, immer auf dem Sprung zu sein.“

    .
    (CLAIRE GOLL: ICH VERZEIHE KEINEM)

  2. Ja, das ist sehr vergnüglich. Aber auch unerbittlich. Ich habe noch eine alte Taschenbuchausgabe. Heute hätte sie ein gern gelesenes Blog.

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