18. Mai 2023

Ich sehe es so, dass die Weiterverarbeitung von bestehenden Kunstwerken mit zeitgenössischen Medien eine Erweiterung darstellt, als ob das Ur-Werk Kinder und Enkel bekommt. Das ursprüngliche Kunstwerk wird dadurch weder zerstört noch geschmälert, sondern erweitert und geehrt. Ich bin mir sicher, dass Gustav von oben herunterschaut und elektrisiert und voller Wohlwollen nickt. Es ist wie bei der Show „Sing meinen Song“. Die Coverversion vernichtet niemals das Lied, auf dem sie basiert, sondern ehrt die Grundidee und das hohe künstlerische Potenzial der Komposition. Meiner Erfahrung nach kommt Unverständnis oder bildungsbürgerlich borniertes Naserümpfen nur von klischeehaft rezipierenden, unoriginellen Zeitgenossen, die selbst in keiner Kunstform schöpferisch sind. Das Ist auffällig. Wer aus kreativem Holz geschnitzt ist, liebt das freie Spiel mit Medien und Mitteln aus Prinzip, hat das als Werkseinstellung, ohne x-beliebige Ergebnisse zu bejubeln. Das ist die Liebe zur Freiheit der Kunst. Wie Ludwig Hevesi so schön formuliert hat: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“ Ist im Wiener Secessionsgebäude eingemeißelt. Nicht von Klimt, das Zitat, wie es fälschlich auf der Infoseite der Münchner Klimtshow steht. Aber wir wissen ja, dass die Urheberschaft von gefälligen Zitaten nur seltenst geprüft wird.

18. Mai 2023

Visuals, visuals, visuals. Auch auf dem Boden. Der scheint mitunter zu schwanken, wie ein Schiff bei hohem Seegang. Körperliche Erfahrung. Die Show ist in München noch bis 27. Juni zu sehen.

18. Mai 2023

More Stuff. Visuals, Visuals, Visuals. Als ich den Abspann der Show sah, war ich baff, wieviele Visual Designer da zugange waren. Als ich vor fünfzehn Jahren den Poetryclub regelmäßig bei Bühnenperformances und Konzerten mit meinen Visuals bespielte, war das eine One Woman Show, die mich konzentrationsmäßig komplett forderte. Die Vorbereitung, welche Sequenz auf welchen Takt, welches Musikstück zu sehen sein muss, dann den Ablauf während der Show zu steuern. Bei der Klimtshow ist das alles vorprogammiert, es gibt keine Interaktion mit einer Live Performance, die berücksichtigt werden muss. Aber ich habe dennoch allergrößten Respekt vor dieser visuellen Meisterleistung.

18. Mai 2023

Platz gefunden, zu meinen Füßen. Immer wieder aufs Neue eine Überraschung, wo ein Bild seinen Platz findet. Ich hatte eine Wand im Flur im Kopf, von der ich dafür extra sechs kleinere Bilder abhängte. Farblich hätte es gepasst, auch von der Größe, aber da hatte es nicht das Licht, das es braucht, ja fordert! Ging mir schon oft so, dass ich dachte, den idealen Platz zu wissen, dann hält man es hin und ist enttäuscht. Und dann findet sich doch noch ein Platz, wo es sich entfalten kann. Jetzt lehnt es in meinem Schlafzimmer an der Wand, vor einem Wandbehang. Ein bißchen Schatzkammer Cleopatra-Nofretete. Wie ihr Schlafzimmer wohl ausgesehen hat?

17. Mai 2023

Alte Redensart, gerade zum ersten mal gehört: wenn ein weibliches Baby über dem errechneten Geburtstermin ist: „die putzt sich noch“. Und bei Buben? Oder werden das dann besonders eitle Jungs? Muss mir jetzt jedenfalls vorstellen, dass das gemeinte Mädchen, das gestern fällig gewesen wäre, noch an ihren Babyflaum-Löckchen herummacht.

17. Mai 2023

Auf dem einen Foto der Projektion steht:

MAY 8, 1945
IMMENDORF
CASTLE
LOWER AUSTRIA

Das Datum mit dem Ort steht für den großen Brand von Schloss Immendorf, wo bis zum 8. Mai 1945 wichtige österreichische Kunstschätze in Sicherheit gebracht wurden, unter anderem – angeblich – 16 Werke von Klimt, die dort – angeblich – verbrannten. Wichtige Werke. Grauenvolle Vorstellung wie diese Bilder in Flammen aufgehen. Es gibt aber Zweifel an der Behauptung der verbrannten Klimtbilder, wie ich in dem folgenden Artikel las.

16. Mai 2023

Die Wiener Secession ist in meiner DNA. Bei wenig anderen Gruppierungen habe ich annähernd vergleichbare familiäre ‚Kollegen‘-Empfindungen. Ähnlich vorhanden auch bei der Glasgow School, zu der Charles Rennie Mackintosh und seine Frau Margaret MacDonald Mackintosh zählten. Und bei der Bloomsbury Group, um Vanessa Bell und Duncan Grant. Das ist rein emotional und stark verankert. Mitunter läuft in meinem Kopf ein phantasiertes Qualitätsmanagement ab. Ich sitze vor meinem Werk, Bild oder Skulptur, annähernd fertig oder auf der Zielgeraden, und befrage eine andere Epoche, ob es den Segen erhält. Ein weiteres von mir gerne imaginiertes Qualitätskriterium ist, ob es sich als Grabmal eignen könnte. Nicht für mich, für irgendwen, grundsätzlich. Es geht dabei um die Aura des Erhabenen, Ewigen. Daher kommt auch, dass ich oft so extrem handwerklich aufwändige Sachen mache. Als ob mir die Koryphäen einer versunkenen Ära über die Schulter sehen, und könnte ich deren Blick channeln. Das mag für jemanden bizarr oder sogar lächerlich klingen, der anders vorgeht, aber es widerfährt mir.

15. Mai 2023

Sequenzen der Visuals vom Beethovenfries. Als ich das Werk im Original im Secessionsgebäude in Wien sah, musste ich weinen. Das komplexeste, welthaltigste und ergreifendste Werk von Klimt.

14. Mai 2023

Als mich Ina vor ein paar Tagen animierte, mit Ihr zum Maskenball der Künstlerinnen zu gehen, stand ich vor der Herausforderung, mir eine Maske zu besorgen! Oder zu basteln. Nachdem ich mich ergebnislos im Bett gewälzt hatte, stand ich am Tag des Balls, gestern am Samstag recht früh auf, um eine alte Stiermaske aus Pappe zu suchen, die ich vor zwanzig Jahren mal gebastelt hatte. Ich konnte sie aber nicht finden. Ich ärgerte mich fast schon, dass das Motto „Maske“ war, schließlich musste ich nun lange genug Maske tragen, auch ohne Ball. Ich wurde schon ein bißchen bockig. Dann fiel mir ein, dass ich doch noch unbenutzte FFP2-Masken in meinem Haushalt habe. Damit musste sich doch was anstellen lassen. Auf jeden Fall wollte ich Luft kriegen, aber die Ohrenhenkel könnte man bestimmt brauchen. Ich holte die Nagelschere und fing an zu operieren. Zuerst schnippelte ich das Mittelteil raus und stellte fest, dass das weder gut aussieht, noch bequem ist, das Kinnteil störte. Ich operierte weiter. Am Ende waren nur noch die Ohrenhenkel dran und ein schmaler Rand vom oberen Ende. Auf der Seite war der Rand noch breiter, da habe ich dann keck Fransen hineingeschnitten. Ich wollte mehr Fransen! Das waren dann die vier anderen FFP2-Masken. Es gefiel mir ganz gut und ich konnte das Ding in die Tasche stecken. Fertig für den Maskenball! Ich war damit zwar nicht die absolute Ballkönigin aber die originelle Idee wurde gelobt. Und auch nachhaltig, irgendwie!

14. Mai 2023

Bin heute noch gar nicht zum Bloggen gekommen, wegen Fotos. Also denen von gestern Abend. Ich war mit Ina beim Ball der Künstlerinnen im Camaro-Haus. Und da treffe ich unerwartet aber hocherfreut Katia! Sie sah einfach toll aus, für mich eine der besten Verkleidungen. Sie ist als Sachbearbeiterin gegangen! Mit Bürotasse und selbst gebastelter Marlboroschachtel in der Bluse. Toll. Einfach toll. Und schicker Haarfrisur, sehr gepflegt! Da, in dem Flickr-Album sind alle Bilder, könnt ihr schon mal gucken:

13. Mai 2023

Und nun hereinspaziert, in den Haupttempel der großen Projektion. So viel Wien ums Eck in Berlin! Die Fortsetzung folgt anderntags, voraussichtlich morgen. Muss mich nun kunstgerecht präparieren. Es steht ein Maskenball an, hoffe, meine Maskerade kommt an!

13. Mai 2023

Hernach passieren wir ein Chambre séparée. Ein funkelnder, turmhoher Raum mit Spiegeln und Goldpailletten. Ein Kind wollte gar nicht mehr weitergehen, es war so verliebt in sein Spiegelbild in der Glitzerwelt. Erwachsene trauen sich nie, sich so lange anzuschauen, obwohl sie es doch vielleicht auch gerne möchten!

13. Mai 2023

Im Eingangs-Parcours von Klimts Kuss empfangen einen Zitate-Banner. Mutmaßlich Zitate von Klimt, aber so ganz sicher kann man sich da nie sein. „Alle Kunst ist erotisch“ steht da zum Beispiel. Könnte von ihm sein. Für ihn war das sicher der Fall. Für mich auch, aber bei Einigen wird sich da Widerspruch regen. Gustav war jedenfalls der Chef-Erotiker unter den Künstlern seiner Zeit, da gibt es kein Vertun. Der gute Schiele hat ihn sich zum Vorbild genommen, er war sein Schüler. Klimt war Schieles Mentor und hat ihn unterstützt, indem er Zeichnungen von ihm kaufte. First Things First: bitte Schularbeiten machen und das erotische zeichnerische Werk von Klimt studieren. Nicht immer nur Adele, den Kuss und die Attersseebilder und jovial abwinken. Nachsitzen!

13. Mai 2023

Gestern Nachmittag begab es sich, dass ich mich in die Musikbrauerei in der Greifswalder Str. 23 begab. Dort läuft noch heute und morgen die Multimedia-Hommage an Gustav, die Show heißt „Klimts Kuss„. Hat mir gefallen, so in den Bildern zu baden. Ich konnte mich unverzüglich auf das Visuelle einlassen, ohne Schautafeln zu lesen, weil ich unendlich viel über Gustav und sein Werk gelesen habe. Auch mit Emilie Flöge habe ich mich eine Weile wissenschaftlich befasst. Aber letzten Endes wird das auch in dem großen Raum mit den psychedelischen Projektionen noch einmal erzählt. Ich kriege den Begriff nicht über die Lippen, wie so aufbereitete Shows mit Visuals neuerdings genannt werden, nicht, weil ich einen Sprachfehler hätte, sondern aus sprachästhetischen Gründen. Das Wort, das mit i anfängt und mit v aufhört, klingt für mich wie eine Operationsmethode, unangenehm. Ich bin da empfindlich. Ich habe hundertvierzehn Fotos dort gemacht, poste ich noch nach und nach. Hier sind alle, für den Gesamteindruck.

12. Mai 2023

Da fehlen mir selbst die Worte. Die goldene Schachtel ausgekippt. Was so zueinanderfindet, im Goldrausch. Als ich das letzte Fragment setzte, kam im Zufallsmodus „When we walked in fields of Gold“, die Aufnahme von Eva Cassidy (geschrieben von Sting).

KALEIDOSKOP I. Goldene Zeiten. „When we walked in fields of Gold.“ Spannkeile, Goldfolie, Messingteile, geknacktes Keller-Vorhängeschloss, geflochtenes Lederarmband, kupferfarbene Taschenhenkel, Spiegelscherben, Moser Roth-Caramell-Schokoladenpapier, handbemalte Streichholzschachteln von Ana Schönsteiner, Streichholzschachtel Theatercafé Schweinfurt, Lindt-Osterhasengoldpapier, Klimt-Beethoven-Fries-Bild-Schnipsel von Info-Flyern 2014 Wiener Secession, LOVE-Stretchborte von Surfbooties, Domaine Houchart-Côtes de Provence-Rotwein-Etikett (Flasche 2008 mit Cosmic im Hanffeld getrunken), Fotoschnipsel Designerstuhl, Schokoladenschachtel Original Beans, Gaga Nielsen-Visitenkarten, Haftnotiz mit Tel.-Nr. Jan und Telefonkritzelei, ausgeschnittene Drucke von Ausstellungsflyer, Verpackungsfüllstoff Papiernetz, Fragment VOGUE-Seite, Schnipsel Tagesspiegel-Zeitungsartikel mit Sonnenuntergang mit Palmen-Foto, Teetassengoldscherbe, aufgefaltete Trüffel-Goldschachtel, Zacken-Fragmente Ausdruck Gaga Nielsen-Bild „Evolution“, Postkartentüte mit Aufdruck „AT PUNKT“, blattvergoldetes Textilnetzfragment, blattvergoldete Papier-Zieharmonika, Eichenblätter vom Anita-Berber-Park, Jenny Kittmann-„Bargeflüster“-Booklet-Kuvert mit Widmung 17.11.2022, Herzblatt aus Pfütze Joachimstraße, Drucke von Frantisek-Kupka-Bildern „Amorpha, warm chromatic“ und „Ordonnance sur verticales en jaune“ 1913, Nielsen-Verpackungskarton, aufgesammelte Havel-Muscheln, Briefmarke aus den Siebzigern mit Jugendstilkopf, orange Halsmanschette Ginflasche, Fragmente zerlegte Geschenkschachtel mit Roségold-Arabesken, Etiketten von vier Flaschen Grauburgunder Schloss Bockfließ „Adele I“ mit Klimt-Motiv, Ausdruck Gaga Nielsen-Bild „Feuer des Lebens“, Foto Gaga Nielsen, aufgetrenntes Paillettenmäppchen, Postkarte mit Portrait-Zeichnung von Leonardo da Vinci, Flyer von Karl Neukauf-Konzert 2017, zerteilter Ausdruck „The Wassail“ von Charles Rennie Mackintosh 1900, Neil Young-Portraitfoto Siebziger Jahre, Zuckertütchen Café Einstein, Visitenkarten UFA Talentbase und Ana Schönsteiner, Zündholzheftchen Grill Royal, Visitenkarte Café Bleibtreu, goldfarbene Metallsägeblätter, oranger Einbandkarton, Klebstoff, Kleiderbügelrundhölzer, Bambus-Stöckchen von Blumentöpfen, Papprückwand, Barockrahmen Bordeauxgold, 107,5 x 157,5 cm, 10. – 11., 13. – 16., 18. – 19., 21. – 25., 27. – 29. April 2023 und 7. – 11. Mai 2023, Staatliche Museen von Gaganien

11. Mai 2023

Der Mai, so schön. Mit das Beste, was das Leben auf Erden zu bieten hat. Im Frühling verlieben sich die Menschen in die Erde, die lebende Materie. Herrliche, flirrende Materie. Die Erdmaterie. Das ist nicht verwerflich, sondern Würdigung des irdischen Lebens. In dem Moment, wo man durch das lichternde Grün streift, gehört es einem, auf jedem Meter. Und wer danach kommt, der hat es auch. Ich frage mich manchmal, ob Menschen, die viel Geld für einen Garten mit Zaun ausgeben, dieses Gefühl nicht kennen, durch eine grüne Wildnis zu streifen, mit dem Gefühl, dass einem das alles gehört. Mir reichen diese Sekunden von Besitz. Wichtig ist die Freiheit, diese Schätze besuchen zu können. Das ist der Reichtum.

11. Mai 2023

Moos und Magnolie, Mai in den verwilderten Prinzessinnengärten. Was so ein wundervolles Grabmal wohl einmal gekostet haben mag? Unbezahlbar, wie nun Moos ihr Haar zum Leben erweckt.

10. Mai 2023

So sieht es in meinem Kopf aus, Stand 8. Mai 2023. Ich fabriziere eine neue Serie, die ich „Kaleidoskop“ nenne und römisch durchnummeriere. Dieses Exemplar heißt „Kaleidoskop II“ und hat mehrere Untertitel, nämlich „Das sentimentale Archiv“ – „gaga vision gallery“ und „kunterbunt“. Das war der Schachtelinhalt mit den kunterbunten Sachen, Schwerpunkt blau-weiß-orange. Es ist bisher das kleinste Bild der Serie, nämlich 50 x 70 cm. Es besteht aus: Zeitungsartikelschnipseln, in der Mitte einem Mousepad mit einem Foto und kleinen Bildern von mir, das mir einnmal eine liebe Frau geschenkt hat. Sie hatte das Bild ca. 2001 von der damaligen Startseite meiner Homepage runtergeladen. Damals benutzte ich noch Mousepads, heute nicht mehr. Außerdem im Bild mit demselben Motiv: zwei übrig gebliebene Visitenkarten, daneben eine Visitenkarte vom Café Bleibtreu, Stoffstückchen von einem kunterbunten Seitenstreifen einer Lieblingsjeans, die irgendwann am Hintern zerissen ist. Die Hose hatte ich Ende der Neunziger Jahre bei Orsay in Steglitz gekauft, der bunte eingenähte Streifen an den Hosenbeinen hatte so eine mexikanisch angehauchte Anmutung, ich habe ihn nun defragmentiert. Des weiteren im Bild: zwei Ausdrucke von zwei eigenen Gemälden, „orangeblue“ und „Julimond„, das auf Stoffresten von Jenny basiert. Bei den Schnipseln aus Illustrierten ist u. a. ein buntes Bild von Otmar Alt dabei, rechts unten. Außerdem ein Computerausdruck eines Lieblingsbildes von André Lhote, links oben. Dann noch Schnipsel von einer Eintrittskarte von 2018 für den Berlin Beat Club in der Freiluftbühne an der Zitadelle, und last but not least: ein Flugticket vom Mai 2014 für die Strecke Berlin-Vienna. Links, mittlere Höhe, der Flieger! Dann habe ich noch mit Acrylmalstiften drübergemalt, um alles miteinander zu verbinden, so wie in meinem bunten Kopf.

KALEIDOSKOP II. kunterbunt. Das sentimentale Archiv. gaga vision gallery. Memorabilia, Mousepad, Seitenstreifen Lieblingsjeans, Acryl, Kleber, Papprückwand, Holzrahmen, 50 x 70 cm, 30. April, 7. und 8. Mai 2023, Staatliche Museen v. Gaganien

09. Mai 2023

Las gerade bei Kirchhoff die selten gehörte Wendung „mit Aplomb“. Musste nachsehen, was das nochmal heißt. Kontext bei Kirchhoff: „(…) und Cathy, oder wie sie hieß, kam mit Aplomb auf die jungen Beine, nahm ihren Rucksack und ging (…).“

Wikipedia definiert Aplomb so: „Das (oder der) Aplomb (vom lateinischen plumbum „Blei“, „Senkblei“, im Französischen aplomb oder auch à plomp „senkrecht“) ist ein prägnanter Ausdruck für eine gerade, sichere Haltung, ein selbstsicheres Auftreten, Nachdrücklichkeit in der Rede, Gelassenheit bis hin zur Dreistigkeit. Im Balletttanz bezeichnet der Begriff Aplomb die Fähigkeit zum Abfangen einer Bewegung, entspricht also der Balance. Im 18. Jahrhundert, als das tägliche Verhalten in den höheren Gesellschaftsschichten stark von Tanzbewegungen geprägt war, wurde der Ausdruck Aplomb generell für ein souveränes bis stürmisches Verhalten verwendet, ähnlich der Bravour.“

In der Definition gefällt mir besonders das Bild „Gelassenheit bis hin zur Dreistigkeit“. Nicht die Haltung gefällt mir, die Beschreibung dieses speziellen Auftretens ist ungeheuer prägnant. Bei Kirchhoff hätte vielleicht „souverän“ oder „mit Verve“ besser gepasst, aber wer bin ich, Kirchhoff Vorschläge zu unterbreiten. Das Buch ist ja auch schon gedruckt und er wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Vielleicht kannte er auch den Ballett-relevanten Bezug von „Aplomb“, mit dem „Gleichgewicht ausbalancieren“ oder im Sinne von senkrecht, dann passt es wieder. Aber wer kennt diesen Bezug schon. Ich hatte nie Ballett-Unterricht. Ob Kirchhoff spezielle Kenntnisse von Ballett-Tanz hat? Aber an der Stelle klingt „mit Aplomb“ auch einfach gut. Knackig. Vom musikalischen her schon in Ordnung, und er ist ja ein musikalischer Schriftsteller. Sehr guter Rhythmus in seiner Schreibe.

09. Mai 2023

Der kleine Fliederbusch auf dem Balkon blüht wieder. Erst seit vier oder fünf Jahren beglückt mich ein Seitentrieb mit Blüten, bestimmt zehn Jahre gab es keine, ich dachte, er wäre tot und dass es eine blöde Idee war, einen Fliederbaum auf dem Balkon halten zu wollen, wenn ich auch von Anfang an ein relativ großes Erdreich für einen Balkon, ein kleines Beet für ihn geschaffen habe. Was da jetzt alles grünt, ist winterhart und immer da, der Bambus ist auch immergrün. Ich habe seit drei Jahren nichts dazugepflanzt. Am meisten freut mich, dass die Schneeballhortensie und die Hortensie daneben sich so gut eingelebt haben, dass sie jetzt im dritten Jahr wieder schön sprießen und bald blühen. Ich bin eine faule Gärtnerin, am liebsten soll alles wachsen, wie es will und bitte wiederkommen. Ich gieße momentan auch fast noch gar nicht, das mache ich aber schon ordentlich, wenn heiße Tage kommen. Für den schattigen Balkon auf der Nordseite sind Hortensien wie gemacht, die mögen das. Aber der Flieder reckt sich zur Sonne, die kriegt er nur, wenn er sich ein bißchen anstrengt. Macht er fein!

08. Mai 2023

Die vier kleinen Wanderfalkenkinder im Sinwellturm sind ganz schön gewachsen und das weiße flauschige Babykleid („Dunenkleid“), das ausgesehen hat wie der Bühnenmantel von Marlene Dietrich, wird gerade durch richtige, dunkle Federn ausgewechselt. Sieht aus, als hätte jemand einen Aschenbecher drübergekippt! Gestern Nachmittag große Aufregung, ein Falkenkind ist bei Flugübungen abgestürzt, ja, das gibt’s! Die können das nicht sofort perfekt. Hab ich auch nicht gewusst, die Feuerwehr musste kommen und den Kleinen vom Dach bergen.

Die Mitteilung im Logbuch: „7.5.2023 Erfolgreiche Rettungsaktion – Herzlichen Dank! Unsere vier jungen Wanderfalken sind nun wieder gemeinsam in Horst. Ein männlicher Jungvogel war gegen 17 Uhr bei Flugübungen abgestürzt. Wir haben umgehend die Rettungsaktion in die Wege geleitet ​(​Vielen Dank auch an die Burgverwaltung Nürnberg). Die Berufsfeuerwehr konnte den Vogel mit Unterstützung eines Falkners vom Dach bergen. Kurze Zeit später wurde er wieder zu seinen Geschwistern zurück in den Horst gesetzt.“

07. Mai 2023

TIARA TIME…! Just in case you missed MORE TIARASMinute 1:46 – 1:49 ist speziell interessant :-) Wie ich mich in diesen Haufen Royalisten aus dem Commonwealth eingeschmuggelt habe? Ich bin Fan von Fiona, einer Youtuberin, die den Channel „Avid Gardener“ betreibt. Sie hatte vor drei Wochen die Idee, wir, ihre Zuschauer, sollten ihr Tiara-Fotos schicken, um das historische Ereignis der Krönung von Charles III. zu würdigen. Sie schrieb ihre Mailadresse unter ihren Aufruf und ich schickte ihr die zwei Fotos, die da jetzt bei Minute 1:46 zu sehen sind. Viele der Bilder sind echt ganz schön blurry, das schreibt sie ja auch, aber die Geste zählt. Wirklich lustige Leute, die mitgemacht haben. Fiona stammt gebürtig aus Brighton, wo sie aufgewachsen ist, lebt aber seit ein paar Jahren in Gibraltar und macht dort mit ihrem Mann Graham Dolphin Safaris. Er hat ihr geholfen, die Fotos in das Video einzubauen. Eine schöne Erinnerung. Zumal es bei der Krönung auf den Wunsch von Charles keine Tiaras gab, es sollte ein tagestaugliches Outfit getragen werden. Nur Catherine hat ein bißchen geschummelt, mit ihrem Kopfputz. Sah wie eine Tiara aus, war aber keine, sondern nur ein silbern colorierter Blätter-Haarreif.

06. Mai 2023

Und Elisabeth schaut von oben zu. Das vierte Bild meines Elisabeth-Quartetts. Nun King Charles mit seiner Camilla auf dem Balkon, die schweren Kronen auf den Häuptern. Die Düsenflieger sind über den Buckinghampalast gedüst. Der wichtigste Teil der britischen Operette ist über die Bühne gegangen. Catherine toll in Alexander McQueen mit dem blauroten Cape und der Blütenblätter-Tiara, passend zu Prinzessin Charlotte, die Kleine winkt, süß wie immer. Das Volk jubelt. ♕ GOD SAVE THE KING.

ELIZABETH AD ASTRA. Bemalte Prints historischer Elisabeth-Briefmarken, Kleber, Acryl, Blattsilber, Blattgold, Jadesteine, Spiegelmosaiksteine, Strass, Leinwand, 64 x 74 x 4 cm, 30. September 2022, 9. – 13. Oktober, 15. – 17. Oktober, 20. Oktober, 22. – 23. Oktober, 25. – 30. Oktober 2022, 2. und 4. November 2022, Staatliche Museen von Gaganien, Königliche Sammlung ♕

06. Juni 2023

Jetzt begreift man erst die Grandezza dieser Krönung, die Repräsentanten anderer Religionen in die Liturgie einzubinden. Wunderbares Symbol für den Weltfrieden.

06. Mai 2023

Zur feierlichen Einstimmung auf die Krönung von Charles III. zeige ich das dritte Bild von vier Bildern, die anlässlich des Abschieds von Elisabeth II. entstanden sind. Welcher Tag könnte besser dafür passen, als der Tag der Krönungsfeierlichkeiten ihre Sohnes und Nachfolgers, Charles III. Ich poste dies, während ich die Fernsehbilder verfolge. Abwechselnd RTL mit Frauke Ludowig und Guido Maria Kretschmer und die Berichterstattung im Ersten mit Leontine von Schmettow und anderen Gästen. Ich schaue überwiegend Frauke und Guido, die ich beide sehr schätze, und in den Werbepausen schalte ich um. Tolles Musikprogramm in der Westminster Abbey, schöne feierliche Einstimmung. Am 2. Juni 1953 hat es auch in London geregnet, so wie heute. Wie wir gelernt haben, kein schlechtes Vorzeichen. Regen bringt Segen. Vorhin habe ich Nick Cave in den Reihen der Gäste in der Westminster Abbey entdeckt (schwarzer Anzug, weißes Hemd).

IN MEMORIAM ELIZABETH II. Ausdrucke vergrößerter historischer Briefmarken zur Krönung von Elizabeth II. am 2. Juni 1953, Kleber, Acryl, Blattgold, Strass, Leinwand, 50 x 100 x 4 cm, 27. – 30. September 2022, 9. – 13. Oktober, 15. – 17. Oktober, 20. Oktober, 22. – 23. Oktober, 25. – 30. Oktober 2022, 2. November 2022, Staatliche Museen von Gaganien, Königliche Sammlung ♕

05. Mai 2023

And now to something completely different! WAITING FOR THE CORONATION!♕ Ich habe meine bevorzugten Youtuber, die sich ganz der royalen Berichterstattung verschrieben haben. Eingeweihten sind „According 2taz„, „Lady C. (Lady Colin Campbell)„, „River„, „PDina„, „Avid Gardener“ und neuerdings auch „The Vintage Read Show“ ein Begriff, um nur die Sympathischsten zu nennen (for what it’s worth). Die Aufregung auf diesen Channels ist nun groß, da die Krönung unmittelbar bevorsteht. Ich mache daher nun einen innerlichen Switch, inneren Tapetenwechsel, um dieses Ereignis ab jetzt und am Wochenende zu würdigen. Da wird hier so manches von mir gepostet. Was ich sehr genieße, die tatsächlichen Alltagsredewendungen mitzukriegen und die bei bestimmten Worten unterschiedliche Aussprache. Das britische Englisch ist mir schon das Liebste. Ich bin ganz verliebt, wie zum Beispiel Taz Wochenende auf Englisch ausspricht. Das habe ich tatsächlich jetzt erst so richtig gelernt. Sie sagt „Wiek-Hend.“ PDina, die Amerikanerin, sagt „Wiekend“, wie wir es in der Schule gelernt haben. Die Australier glaube ich auch. Die genannten Youtuber sind aus Großbritannien, Nordamerika und Australien. It’s Tiara Time! Stay Tuned! ♕

05. Mai 2023

4. Mai 2023, Reisenotizen

10:10
S-Bahn Richtung Hbf., 3er Gruppe Berliner Rentner. 2 Damen, 1 Herr. „Man müsste viel öfter mal so….“ (Geste zum Fenster hinaus) „sich das alles mal wieder so“. Die Eine: „wie meinst Du das?“ „Na ja, wg. all dem, was jetzt so lange nicht ging“ (Gespräch kommt auf Spandau) „Spandau dit is ja ooch – hast det einmal jesehn und denn isset jut.“

Bln. Hbf, Tief, Gleis 1. Anzeige: „ICE 507 (nach München) 10:29 entfällt.“ Gleis 2 „ICE Soundso (nach München) 10:29. Selbe Route, Ersatz wg. techn. Probleme, kommt pünktlich. Selbe Fahrzeit.

Reisegruppe ca. 20 Personen, sammelt sich im Bistro, ich finde ein Plätzchen auf einer Polsterbank mit Tisch, links von mir ein junger Mann, der eifrig Zahlenkolonnen auf seinem Notebook studiert, ab und zu telefoniert er kurz leise, tauscht sich mit jemandem auf Englisch über seine Analysen aus, ich lausche aber nicht richtig. Er scheint tatsächlich zu arbeiten, kein Herumgedaddel, keine lautstarken Poser-Telefonate mit viel Getue, alles mit gesenkter Stimme. Die Reisegruppe, offenbar Kollegen, hauptsächlich Frauen, tauscht sich hingegen mit gar nicht gesenkten Stimmen aus. Es geht auf Elf zu, die ersten Sektfläschchen werden für die Runde geordert. Ich versuche mich auf Bodo Kirchhoff zu konzentrieren, brauche ungefähr 10 Minuten für eine Seite. Ich versuche aus dem Austausch der Damen herauszuhören, um welche Berufsgruppe oder Branche es sich handeln könnte. Eine Wortführerin, ca. Ende Dreißig, brünett, attraktiv, schicke Pferdeschwanzfrisur, eng sitzende Jeans, langärmliges, creme-weißes Shirt mit PARIS-Applikation und rotem Herz über dem i

(braungebrannt, gute Zähne), gibt ein Erlebnis zum besten. Inhalt sinngemäß ein Geburtsvorgang. Fragen zur Namenswahl für den Säugling, und dass mitgeteilt wurde, man wolle das Kind erst sehen (verstehe ich komplett). Die Pferdeschwanz-Kollegin berichtet im Ton des Unverständnisses. Ich tippe nun auf medizinisches Fachpersonal. Krankenschwestern, Ärzte! Die zwei Männer in der Gruppe haben kurzärmlige Poloshirts an und wirken auch irgendwie Ärzte-haft. Durchtrainiert, ruhige Ausstrahlung, intelligent, zupackend, kompetent. Die ganze Gruppe wirkt auf mich pragmatisch, praktisch veranlagt, zupackend aber auch gebildet. Gutes Gruppenverhalten, Teamgeist, unegoistisch. „Paris“ bestellt sich nun Currywurst und ist pünktlich zum Ausstieg in Leipzig fertig. Eine andere Kollegin sammelt die leeren Sekt-Pappbecher ein. Mitunter ging es im Palaver auch um Kostümierungen, die bevorzustehen scheinen. Eventuell Teambuilding-Maßnahme mit Ringelpiez mit Anfassen in Leipziger Seminarhotel? Ich weiß es nicht und werde es nie erfahren. Nur kriegte ich noch mit, dass der Bistro-Chef der ganzen Gruppe ein Gratis-Getränk ausgab. Ich vermute als Entschädigung für die entfallenen Platzreservierungen für die Großgruppe. Ich horche auf, sage „oh! Ein Getränk???“ Eine Kollegin aus der Gruppe klärt mich auf, durchaus freundlich: „Ja, aber nicht für Sie, Sie gehören ja nicht zu unserer Gruppe!“ Ich verstehe. Ich hatte ja auch keine entfallene Platzreservierung zu beklagen, da ich nie reserviere. Ich habe gerne die freie Auswahl, ohne Aufpreis. Es findet sich fast immer ein Plätzchen, manchmal auch auf dem weichen Teppich auf dem Gang. Nach Leipzig habe ich Lust auf einen Platzwechsel, nehme Buch und Umhängetasche und finde…

(…) einen Premiumplatz im Bord-Restaurant, weniger Meter vom Bordbistro. Sogleich kommt eine nette blonde Kellnerin mit Zopffrisur, adrett geflochten, und nimmt die Bestellung auf. Es ist kurz vor 12 Uhr, ich bestelle gegen meine sonstigen Gewohnheiten eine warme Mahlzeit, nämlich Chili con Carne, dazu ein kleines Bitburger. So früh trinke ich sonst nie, aber es korrespondiert einwandfrei mit dem Chili con Carne, das superheiß mit einem extra Tütchen Chiliflocken serviert wird. Heißes Chili, kaltes Pils, prima! Nebenher lese ich wieder im Kirchhoff, komme nicht recht voran, weil ich abermals der Konversation am Nebentisch folge. Ein Mann, eine Frau, offenbar Zugbekanntschaft, tauschen sich angeregt über ihren bisherigen beruflichen Werdegang aus. Er Hamburger Slang, sie leicht fränkisch. Auf meiner Sichtachse außerdem zwei, drei Männer, ca. um die Vierzig, der Eine in einer Art maritimen Freizeitlook gekleidet, dunkelblau-cremeweiß fein geringeltes Shirt, darüber ein lockeres dunkelblaues Sakko, hellgraue Popelinehose, Turnschuhe, guter Haarschnitt, brünett. Gutaussehend. Eine stylishe Brille mit Retro-Gestell à la Woody Allen liegt vor ihm auf dem Tisch, während er sich angeregt mit seinem Gegenüber austauscht. Mitunter geht sein Blick direkt in meine Richtung. Ich verstehe nicht, was gesprochen wird, aber höre die Stimmlage, relativ hoch und hell für einen „so“ aussehenden Mann. Mir fällt auf, dass er dadurch massiv an Attraktivität für mich verliert.

Ein älterer Mann, ca. Anfang Sechzig, intellektuell wirkend, schlank, groß, leicht furchige Gesichtszüge, betritt das Bordrestaurant und fragt mich, ob an meinem (2er-)Tisch noch Platz sei. Ich sage ja, er nimmt mir gegenüber Platz, ich löffle mein Chili. Er fragt, ob es gut ist, ich sage ja, „auch schön scharf“. Und dass es ja auch nur zwei Sachen zur Auswahl gibt: Chili con Carne und Curry Wurst (also an warmen Speisen, sonst Wraps und Baguettes). Er bestellt auch das Chili und eine Coke Zero. Ich denke kurz darüber nach, ob er trockener Alkoholiker ist. Viele Fahrgäste bestellen – wie ich auch – auf Reisen auch schon mal früher ein alkoholhaltiges Begleitgetränk. Er bestellt sehr routiniert zu seinem Chili eine „Extrawurst“, nämlich ein „getoastetes Brötchen mit extra Butter“. Die Kellnerin muss leider bei der extra Butter passen. Dass er das regulär mit dem Chili servierte Brötchen „getoasted“ bestellt hat, hat sie wohl geflissentlich übergangen. Kurz bevor sein Chili an den kleinen Tisch kommt, bin ich mit meinem fertig und kann Platz für seines machen, indem ich den dicken Kirchhoff zu mir ziehe. Ich bemerke mehr Lust zu haben, diese kleinen Reisebeobachtungen aufzuschreiben, als zu lesen. So sitze ich nun hier und schreibe auf DIN A4-Papier. Schon die vierte Seite! Leere Rückseiten meiner ausgedruckten Reise-Infos. Jetzt: „Bamberg“. Danach „Erlangen“. Da steige ich aus!

21:15 / ICE 500 Erlangen, Bln. Gesundbrunnen.

Bord-Restaurant. Currywurst mit Pommes (m. einer Extra Portion Chiliflocken! Dafür gabs schönes Trinkgeld). Das zweite Bitburger. Nun satt. Nach Ankunft in Erlangen Umsteigen in die S1 nach Fürth, Notar-Termin. Mein Neffe Valerian wusste nicht, dass ich mit der S-Bahn aus Erlangen komme, aber wir fanden uns unten im Gang zu den Bahnsteigen. Seine Sabrina war auch da, wir drückten uns. Dann Richtung Innenstadt spaziert, noch Zeit bis zum Notar-Termin, ich war gegen 14:05 angekommen, der Termin um 15 Uhr. Wir tranken Cappucchino im sehr sommerlichen Sonnenschein im Café … (Casa Pane) am xy-Platz (Friedrichstr. 8) mit Zuckerbäckerfassade (keine Fotos gemacht, Kamera daheim). Vorher unterwegs noch Mandarinen und Pfingstrosen für Mama besorgt. Nun Spaziergang zum Notar in der Königstr.. Was für eine Lage! Direkt am Wiesengrund, hier lässt es sich notariell arbeiten, toll. Der Notar hatte einen späteren Termin im Kalender, 16 Uhr, noch ein Mandant/Klient vor uns. Gehen wir spazieren, er würde auf dem Handy anrufen (Valerians) wenn der Klient vor uns versorgt wäre. Wir spazierten zum Wiesengrund und tauschten uns aus. Eingemachtes. Keine Details. Dann klingelte auch schon der Notar durch, weit vor 16 Uhr. Wir gingen zurück, ich hatte die Mama-Pfingstrosen zum Glück von der Notariatsfachangestellten ins Wasser stellen lassen. In einem sehr modernen Besprechungszimmer empfing uns der Stellvertreter des Notars, ein sehr adretter junger Mann in Schlips und Anzug. Und es ging los! Und dann kam uns der RÜCKLÄUFIGE MERKUR (!) dazwischen. →

Klärungsbedarf. (Hier Schweigepflicht) Ein neuer Termin, nach weiteren Abstimmungen, wurde anberaumt. So blöd das war, ich war auch erleichtert, weil ich erst tags zuvor in die Ephemeriden geschaut hatte, und gesehen, dass Merkur bis einschl. 15. Mai 23 rückläufig ist. Keine Verträge schließen! Urältestes Astrologengesetz. Keine Verträge um wichtige Angelegenheiten unterzeichnen. Puh, das war knapp. Der Notar hatte so entschieden. Ende Juni dann, da capo. Kein rückläufiger Merkur. Dann endlich zum Mama-Besuch. Und nun schreibe ich dies im ICE 500, zurück nach Berlin, auf dem letzten freien Platz meiner Reiseunterlagen-Zettellage. Im Bord-Restaurant sitzen außer mir nur noch Männer im Alter zwischen 35 und 50. Der Mann gegenüber hat vorhin seine Freundin(?) am Telefon angelogen. Er hatte nur eine Flasche Bier vor sich und kokettierte:

Und mit diesem halb fertigen Satz bricht mein handschriftlicher Reisebereicht komplett ab. Ich guckte wohl irgendwie nachdenkend in die Luft und nahm einen Schluck und legte den Stift hin. Der letzte Satz wäre in etwa so weitergegangen: „(…) Er hatte nur eine Flasche Bier vor sich und kokettierte: „ich sitze wie immer im Bordrestaurant, ich esse mich doch immer komplett durch die Karte“. Ich dachte so bei mir: Du Aufschneider! Überhaupt neigte er stark zum Ausschmücken seiner Erlebnisse, ich meinte, bei allem eine Übertreibung herauszuhören. Auf seiner picobello sauberen Tischhälfte war außer einem Bierglas und der Bierflasche kein einziger Fussel oder Krümel einer verzehrten Speise. Ich dachte mir so meinen Teil über diesen Herrn! Wahrscheinlich nimmt er es auch sonst nicht so genau mit der Wahrheit! Oder aber ich täusche mich, und er hat, bevor ich kam, schon jede Menge verzehrt, aber warum ist dann der Tisch so sauber?“

Aber das konnte ich nicht mehr schreiben, denn es entspann sich mit meinem Gegenüber, dem ich gerade mangelnde Wahrheitsliebe unterstellt hatte, ein sehr, sehr langes, durchaus anregendes Gespräch bis zum Ende der Fahrt nach Berlin.

Und das kam so: der plaudernde Geselle mir gegenüber hatte sein Telefonat mittlerweile beendet. Am Nebentisch saßen zwei Enddreißiger und der Eine fragte die Kellnerin nach einer Weinempfehlung. Oder doch lieber Bier? Mein Gegenüber mischte sich keck ein – man könnte es auch hilfsbereit nennen – und empfahl das von ihm gewählte Craft Beer (Name der Biersorte vergessen). Ich mischte mich nun ebenso keck ein: „ICH empfehle Bitburger!“ Die uns umringenden Herren begannen zu lachen. Der Orientierung suchende Herr am Nebentisch warf ein: „ja – und aber Wein?“ Ich: „Na was steht denn da, was gibt es denn? Ich kenne mich da ein bißchen aus!“ Der Weintrinker: „irgendein Cuvée“ Ich bat ihn, mir die Karte, auf die er gerade geguckt hatte, rüberzureichen. Da gab es in der Rotweinabteilung irgendeinen aus Baden Württemberg, hörte sich vertrauenswerweckend an, das sagte ich ihm. „Jedenfalls besser als ein Italiener!“ Die Kellnerin schwirrte vorbei: „wir haben nur vorzügliche Weine!“. Ich: „klingt gut!“.

Mein Gegenüber begann nun leicht zu rebellieren – oder man könnte auch sagen, seine freundliche Craft Beer-Empfehlung zu bestärken, also in meine Richtung: „Das ist WIRKLICH süffig!“ Ich schaute mir neugierig und durchaus anerkenned das Etikett seiner Flasche an (da stand der komische Name und Bio und dass Brot vergoren wird) und verteidigte mein Bitburger. „Ich mag es möglichst herb!“ Er führte nun en detail aus, wie er die Einführung dieser Craft Beer-Sorte als Fahrgast quasi begleitet hat und ein social media posting darüber abgesetzt hat. Auch das Datum war ihm wichtig, mir mitzuteilen. Ich winkte ab, das sei doch wohl nicht so wichig. Er insistierte. Wohl am 27 April. Oder war es der 27. März? Jedenfalls tränke er seit Einführung im Bord-Restaurant nichts mehr anderes, und er fahre annähernd täglich mit der Bahn!

Irgendwie war der Palaver mit ihm dann doch recht launig, er entschuldigte sich, dass er mich bei meinen sicher wichtigen Notizen unterbrochen hätte. Nun war es an mir, zu erhellen, worum es sich bei meinen Notizen handelte. Sein Gesicht hellte sich merklich interessiert auf! Ich ließ ihn wissen, dass es meine Reisenotizen während der heutigen Bahnfahrten waren, wo ich unter anderem meine Gedanken zu anderen Fahrgästen festhielte. Ob ich zu ihm auch was geschrieben hätte, wollte er wissen. Ich: „Ich war gerade dabei!“ Er: „ACH!“ Ich teilte ihm nun mit, dass ich das ja alles bloggen wollte und abfotografieren. Er gab mir den Tipp es aber auch noch abzutippen, weil er es machen würde, weil perfektionistisch in solchen Sachen. Ich überlegte. Hm ja. Da kam mir die Idee, ihn zu fragen, ob er versuchen wollte, meine Notizen zu entziffern, ich war unsicher, ob das meine Leser überhaupt lesen könnten und er wäre da ein hervorragender Proband. Ich schob ihm alle Notizblätter zu. Unverzüglich begann er vorzulesen und konnte das Meiste sofort richtig identifizieren. Hin und wieder kam er ins Stocken und ich musste Nachhilfe erteilen. Meistens hatte ich selbst bei den Stellen, wo er sich schwer tat, Probleme das Gelesene zu erkennen. Aber ich hatte ja schon einige Jahrzehnte Übung voraus und so klappte es im Teamwork recht gut.

Da er an den Stellen ein gewisses Amusement erkennen ließ, die mich selber amüsierten, musste ich nun eingestehen, dass mir da kein blöder Aufschneider, sondern, ein offenbar recht scharfsinniger junger Mann gegenüber saß. Man stellte sich nun ordungsmäß namentlich vor. Ich erfuhr auch sein Alter (42) und noch so manches mehr. Matthias, so sein Name, fand speziell die Stelle gut, wo ich meine Enterotisierung aufgrund der unerwartet hohen Stimme des einen attraktiven Fahrgastes beschrieb. Die Stelle fand ich auch selber sehr gelungen! Der langen Rede kurzer Sinn: wir kamen nach Ende der Lektüre meiner Notizen von Hölzchen auf Stöckchen und recht schnell zeigte sich, dass mir da doch eine recht komplexe Persönlichkeit gegenüber saß. Sogar Klavier spielen konnte er! Auch ernste Themen fanden ihren Platz in unserer intensiven Konversation. Das letzte Bitburger ging auf seine Rechnung. Wofür ich mich bedankte. Ich versicherte ihm noch, ihm einen Link zu diesem bevorstehenden Eintrag hier zu übersenden. Dies wird noch heute geschehen! Er stieg am Hbf aus, ich fuhr bis zur Endstation Gesundbrunnen und von da mit der U8 bis Rosenthaler Platz. Was für ein Tag. Ich fiel schwer ins Bett.

04. Mai 2023

Heute ganz lang offline, muss in einer guten halben Stunde los, der ICE wartet auf mich. Bzw. wartet nicht! Sonne scheint, zuerst ein Notar-Termin mit meinem Neffen, dann Mama-Besuch. Am Abend mit dem ICE zurück. Schalte mich gegen Mitternacht wieder zu. Habt einen guten Tag.

03. Mai 2023

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Während ich derzeit unterwegs das sehr dicke „Die Liebe in groben Zügen“ von Kirchhoff in S-Bahn- und U-Bahn-Zügen lese, fange ich zunehmend an, Passagen, ganze halbe Kapitel zu überblättern. Warum ist dieses Buch so dick, warum diese staubigen Franz von Assisi-Einschübe. Ich möchte kein Schriftsteller sein, dessen Buch von mir renzensiert wird. Ich werde immer ungeduldiger, kommt es mir vor, wenn ein Buch in geschwätziges Ausleuchten von Nebenschauplätzen abdriftet. Als Hauptplot wurde doch die Liebesbeziehung eines reiferen Paares avisiert, beide beginnen Liebeleien mit anderen und sind dennoch unangetastet verbunden. Die Abschnitte sind gelungen, wo er genau bei diesem Kern der Geschichte bleibt. Großartige Passagen gibt es da. Und dann wieder zuviel Havanna und Geschwätzigkeit, die wohl für Atmosphäre herhalten soll, um die Seiten zu füllen… weil man es erlebt hat? Ich befrage mich, wann mich ein Text packt. Mich interessieren Hintergedanken. Das meist Unausgesprochene. Dafür lohnt es sich schon fast, Schriftsteller zu werden, weil man in einem Roman sehr persönliche Wahrheiten und Hintergedanken veröffentlichen kann, ohne als verräterisch oder indiskret zu gelten.

02. Mai 2023

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Les Climats, Pohlstr. 75, Nähe Potsdamer Str., Tiergarten. Nach dem Essen. Lauschiger Abend in guter Gesellschaft. Habe Vin Orange aus dem Burgund getrunken, der blind wie ein mineralischer, herber Weißwein mit wenig Säure schmeckt, aber im Glas hellrot ist. Da ich blumige Weine nicht mag, sehr gute Wahl.

01. Mai 2023

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Nach Einbruch der Dunkelheit zeigt sich der besondere Eingangsbereich der Potsdamer Straße 98 auch als ein besonderer Ausgangsbereich. Hier flaniert man dann, genießt den Gang, und was ins beste Licht gesetztes Bauwerk kann! Erhebend.

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01. Mai 2023

SOBOTTKA & NIELSEN. Klingt wie eine Firma, ist aber keine. Wir hätten auch ein sehr unterschiedliches Geschäftsmodell. Einerseits gut, weil der unterschiedliche, ja völlig konträre Ansatz im Ergebnis außer Konkurrenz wäre, andererseits kämen bald doch die Alphatiere raus. Wir sind beide sehr eigenwillig und rechthaberisch. Interessant finde ich schon die unterschiedliche Herangehensweise bei Selfies. Ich schmeiße mich in die Situation hinein, lege Wert auf Nähe, also emotionale, nicht nur Köpfe zusammenstecken, denke nicht darüber nach, ob ich einen interessanteren Gesichtsausdruck anbieten könnte, lediglich, ob das Licht in dem entsprechenden Winkel vorteilhaft ist. Jan fokussiert sich selbst, ein echter Kontrollblick! Ich baue darauf, dass es die Emotion schon richten wird, und auch was Entsprechendes über die Rampe kommt. Und das tut es. Aber wenn man genug Action macht und ihn belustigt, erwischt man auch mal einen unkontrollierten Treffer. Voilà! Wie heißt es in der Ferrero Küsschen-Werbung: Guten Freunden gibt man auch mal ein Küsschen. Wenigstens alle fünfzehn Jahre, das ist schon mal drin. Ich wünsche einen sehr schönen ersten Mai!

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30. April 2023

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Mit ihrer Fotografen-Adler-Antenne hat sie bemerkt, dass ich sie von der Treppe fokussiert habe, die versierte Angelika Platen. Im Hintergrund der Ausstellungsraum mit ihren Künstlerportraits. Schwerpunkt Bildene Kunst. Darunter Superstars, die zum Zeitpunkt der Aufnahme auch schon bekannt waren, aber nicht im heutigen Ausmaß. Sehr spannend, ihre Biographie nachzulesen.

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26. April 2023

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Bin leicht genervt! Gegenmaßnahme: Foto posten, wo ich nicht leicht genervt war. Scheinbar sogar gut drauf! Ein Glück, dass ich weiß, wieso ich genervt bin! Stelle ich mir schlimm vor, übellaunig zu sein und nicht zu wissen, wieso-warum-weshalb. Soll es geben. Ich bin super strukturiert und habe einen Ordnungs-Tick. Das ist nicht bei allen der Fall, das weiß ich. Ich leide etwas darunter, wenn ich mit Sachen konfrontiert bin, wo ich mit der Ordnung anderer zurecht kommen muss, weil ins kalte Wasser geschubst. Ist zwar keine Operation am offenen Herzen, aber recht lästig!

26. April 2023

Allerschönste Version von „Try to Remember“ von Harry Belafonte. Live gesungen. Ist seit vielen Jahren auf meiner Lieblings-Playlist.

Try to remember the kind of September
When life was slow and oh, so mellow
Try to remember the kind of September
When grass was green and the grain was yellow

Try to remember the kind of September
When you were a young and a callow fellow
Try to remember and if you remember
Then follow, follow

Try to remember when life was so tender
That no one wept except the willow
Try to remember when life was so tender
that dreams were kept beside your pillow

Try to remember when life was so tender
When love was an ember about to billow
Try to remember and if you remember
Then follow, follow

Deep in December, it’s nice to remember
Although you know the snow will follow
Deep in December, it’s nice to remember
Without a hurt the heart is hollow

Deep in December, it’s nice to remember
Fire of September that made you mellow
Deep in December, our hearts should remember
And follow, follow, follow

25. April 2023

Foto vom Samstag als Eintrag. Bin geschäftig. Arbeiten, werkeln, hin- und herfahren, lesen (Bodo Kirchhoff, „Die Liebe in groben Zügen“), essen, trinken, aufräumen, dies und das, von jedem was.

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24. April 2023

Liebe Freunde, insbesondere Sebastian. Bitte einmal dieses Gemälde ansehen. Ein Werk ohne erkennbaren Autor. Es wurde gerade restauriert, die Leinwand war doubliert, mit Wachs geklebt. Es muss mehrfach vom Rahmen genommen worden sein, unter anderem zu einer früheren Restaurierung, da es Spuren einer solchen gab. Die vielen alten Nagellöcher im Rahmen zeigen wohl auf, dass es mindestens dreimal abgenommen und wieder gerahmt wurde. Die Herkunft ist nur bis ca. zu den Fünfziger oder Sechziger Jahren zurückzuverfolgen, wo das Bild in München im Kunsthandel landete. Es gab erstaunlich geringe Spuren von Etiketten, Aufklebern. Nur zwei sehr kleine, mit einer Nummer. Es ist ein Mysterium. Die Restauratorin vermutet wenigstens achtzehntes Jahrhundert, aber vielleicht älter. Da sie keine Kunsthistorikerin ist, war das eher Vermutung aufgrund bisheriger Restaurierungserfahrungen. Ich sehe in dem Motiv zwei Jünglinge, der vordere einen Griffel oder Pinsel haltend, der hintere ist vielleicht sein Lehrer. Oder ein Geliebter? Ich sehe hier keine Frau(en). Und Ihr?

23. April 2023

Gestern die Abendstimmung in Berlin Frohnau, bei Ina und Mirjam. Jetzt kann ich den Weg von der S-Bahn dorthin schon auswendig.

Immer den Edelhofdamm entlang und dann rechts. Kam mir das erste mal vor ein paar Jahren einiges länger vor, ich musste auch wen fragen. Wege, die bekannt sind, gehen sich so viel schneller.

22. April 2023

Diabetiker bitte die Insulinspritze bereithalten, es wird zuckersüß. Vorhin tippte ich Lydia im Chat: „jetzt chillen sie wieder… die weißen Knäuel…. als ich das erste mal draufgeguckt habe, dachte ich, da liegt die alte Federboa von Marlene Dietrich in der Ecke… bis sie sich bewegt hat!“ Vorhin, als ich das erste mal Mama und Papa gleichzeitig kurz bei Beute-Übergabe gesehen habe, begriff ich, dass ich bisher den Papa für die Mama hielt, er ist kleiner und rundlicher als Mama Wanderfalke. Gelesen: „Die Geschlechter unterscheiden sich nicht in der Farbe, sehr wohl aber durch ihre Größe. So sind die weiblichen Wanderfalken mit einer Körpergröße von 51 cm und einer Flügelspannweite von 114 cm ihren männlichen Artgenossen, deren Größe sich, bei kleinen Exemplaren, auf 35 cm und eine Flügelspannweite von 79 cm beläuft, körperlich klar überlegen.“ Wer hätte es gedacht! Das auf dem Foto da unten ist Mama. Und noch beeindruckender: „Der Wanderfalke gehört zur Familie der Falkenartigen. Er zählt zu den größten Vertretern der Familie und ist mit einer Spitzengeschwindigkeit von mehr als 320 km/h das schnellste Tier des Planeten.“ Das sprengt meine Vorstellungskraft. SAGENHAFT.

20. April 2023

Es ist vollbracht, der Sinwellturm ist bestiegen, nun wieder vorsichtig die Wendeltreppe hinunter und dann bergab, durchs Himmelstor (oder heißt es anders?). Das war doch ein im wahrsten Sinne des Wortes erhebender Auftakt der Fortsetzung meiner Ausflugsdokumentation. Ich hoffe, ich habe nichts Wichtiges vergessen, ist ja schon wieder ein Dreivierteljahr her! Ich kann nur noch verifizieren, dass nach meiner Rückkehr lauter Stones-Jubiläums-Veranstaltungen waren, da war ich dann zu sehr damit beschäftigt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, ich habe mich schon wieder eingegroovt! Mir ist noch alles recht präsent.

20. April 2023

Und nun endlich der Ausblick vom Sinwellturm! Ich habe mein Objektiv durch die Querstreben geschoben, für den schönsten Blick auf die Spielzeugstadt von oben! Hauptsächlich Richtung Sebalduskirche, das sind die beiden spitzen Türmchen nebeneinander, mehr so rechts. Der dicke, eckige Turm heißt Heidenturm oder auch Margarethenturm und ist mit der älteste Bauteil der Burg. Er und der Sinwellturm wurden im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Sehr gute Qualität! Angeblich kommt der Name Heidenturm daher, dass er zu römischen Zeiten erbaut wurde, im ersten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts. Nürnberg gilt nicht nur als die Lebkuchen-, Bratwurst- Laugenbrezen-, Christkindlesmarkt- Kaiserburg- und Dürerstadt, sondern auch als die Spielzeugstadt, weil dort beginnend im 15. Jahrhundert die ersten serienmäßigen Holz- und Blechspielzeuge, Schaukel- und Steckenpferde, Trommeln, Puppen und vollständig eingerichteten Puppenhäuser gefertigt wurden, damals als „Tand“ bezeichnet (was aber erst in jüngerer Zeit die despektierliche Konnotation bekam), und sich bis heute die bekanntesten Spielzeughersteller dort finden. Seit den Fünfziger Jahren gibt es die Spielwarenmesse, sie gilt weltweit als die wichtigste Messe, die „Leitmesse“ für neue Spielsachen. Und ein Spielzeugmuseum hat Nürnberg auch. Mir fällt gerade auf, dass es die ganzen Nürnberger Verkaufsschlager ja auch auf dem Christkindlesmarkt gibt. Betende Hände, Lebkuchen, Tand und eine Bratwurstsemmel auf die Hand! Älteste Nachweise des Marktes datieren auf 1530. Da dünkt mir ein Zusammenhang. Was wäre die Welt ohne Tand.

20. April 2023

Tataaa…! So sieht der runde Sinwellturm oben von drinnen aus. Die zur Sicherung angebrachten Querstreben an den Fenstern nimmt man von unten gar nicht wahr. Es kann keiner herauspurzeln. In der Mitte, wo die Treppe aufhört, gibt es noch so eine Art extra Treppen-Leiter mit einer hölzernen Falltür nach oben. Die war aber abgeschlossen, ich hab dran gerüttelt, der geheime Raum hat mich interessiert. Ob da der Brutkasten ist, wo die Turmfalken brüten? Ich glaube, ja. Jedenfalls brüten seit zehn Jahren Turmfalken im Sinwellturm, genauer: Wanderfalken, und es gibt zwei Webcams. Zum Brutkasten und zum Abfluggitter. Hier…!

19. April 2023

Und nun bitte nach links zum Eingang vom SINWELLTURM. Ich lese im Wikipedia-Eintrag zum Turm, dass „sinwell“ im Mittelhochdeutschen „gewaltig rund“ bedeutete. Das ist er! Gewaltig und rund. Erbaut in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, lag er schon auf der Sichtachse von Albrecht Dürers Atelier und Wohnhaus gegenüber der Burg. Der putzige und trutzige 41 Meter hohe Turm wächst direkt aus dem Felsen heraus, was ich recht sehenswert finde. Burgen werden ja meistens auf dem höchsten Punkt eines Ortes errichtet, hier kann man den Sandstein sehr schön erkennen. Wir laufen also linksrum am Fundament vorbei, direkt zum Eingang, vor dem die sehr nette Turmwächterin mit Sonnenbrille residiert und mir ein Foto erlaubt, garniert mit ihrem freundlichsten Lächeln. Ich darf einfach hinein, weil ich ein Kombi-Ticket für die Burg und den Turm gekauft habe.

19. April 2023

Der SINWELLTURM in Nürnberg. Bestimmt werden sich noch einige daran erinnern, dass ich im letzten Sommer viele Fotos und Einträge über meinen Besuch in Nürnberg gepostet habe. Ich habe alle in eine Sammlung auf Flickr gepackt, im jeweiligen Album sind auch immer die zugehörigen Blogeinträge verlinkt, meine Erlebnisaufsätze. So hat das in meiner Schulzeit geheißen, wenn es als Hausaufgabe oder Schulaufgabe in Deutsch, einem meiner beiden liebsten Fächer, was zu schreiben gab, waren das vor allem in den ersten Schuljahren Erlebnisaufsätze. Die Lehrerinnen waren immer sehr erstaunt über meine Phantasie. bzw. wie ich die Details ausschmückte. Dabei habe ich gar nichts dazu erfunden, das dachten sie nur, ich habe eben nur sehr genau hingeguckt und beschrieben! Deswegen schaffe ich es auch locker, aus einem Besuch von gerade mal zweieinhalb Tagen ein Riesending mit Hunderten von Fotos und Aberdutzenden Einträgen zu generieren.

Der langen Rede kurzer Sinn: es geht weiter! Ich war nämlich noch lange nicht fertig, als ich den letzten Eintrag am 2. September 2022 verfasste, der sich mit einem Besuch im Burgcafé beschäftigte, wo ich ausruhte und mich mit einem Eis und einem Getränk erfrischte, nachdem ich die Burg-Gemächer ausführlich besichtigt hatte. Vor mir lag als nächstes der heiß ersehnte Besuch des Sinwellturms, dem Wahrzeichen der Silhouette der Nürnberger Altstadt, neben der Kaiserburg gelegen. Und da sind wir nun. An diesem Hochsommertag des 2. Juli 2022. Noch nie war ich oben auf dem Turm, heute war der Tag gekommen. Der Winter ist nun vorbei, es ist wieder Ausflugswetter, bitte folgen Sie mir auffällig!

18. April 2023

Ein innerlich und äußerlich äußerst anstrengender Tag. Seelisch, körperlich. Ich kam nicht dagegen an. Meistens kriege ich die Kurve durch Ablenkungsmanöver, Augen und Hände irgendwie beschäftigen. Aber dieser Tag zeigte sich störrisch und widerspenstig. Am besten nicht unnötig verlängern und schlafen. Hoffentlich träume ich keinen Mist. Ich habe mir gestern Abend wohl zu lange alte Fotos angeschaut. Es gibt da ein paar Strecken, die ich nie hochgeladen habe, von 2015 und 2016 und weniger alte. Die älteren habe mich seltsam berührt, da war ich sieben, acht Jahre jünger. Bei einer Strecke, die superschöne Fotos hat, von Valentinswerder, kriegte ich richtig schlechte Laune, weil ich mich an die Gesamtsituation erinnerte, die schwierig war. Und ich sehe so attraktiv dabei aus. Könnte ich jetzt noch rückwärts kotzen! Ich kann da jetzt nicht in weitere Details gehen, aber ich tat mir einfach leid! Das hat sich bis in den heutigen Tag gezogen, ich spüre es. Vorhin habe ich sogar geweint, nur kurz, aber ich brauchte wohl irgendein Ventil. Was habe ich früher oft geweint. Ein Glück, dass das vorbei ist. Kann mich jetzt tatsächlich gar nicht mehr erinnern, wann davor. Ach doch, aus Trauer, als ein junger, netter Kollege gekündigt hat, noch gar nicht lange her, sechs Wochen, und davor im Sommer, als mein Neffe geheiratet hat, waren Freudentränen.

P.S. vielleicht auch noch am 19. September, bei der Beisetzung der Queen, könnte ich jetzt aber nicht beschwören. Auf jeden Fall gabs auch mal kurz zwischendurch ein paar Tränen wegen Lizzie, echte Trauer.

17. April 2023

Goldene Zeiten. Für mich auch überraschend, welche Reliquien sich zusammenfinden, wenn das Ordnungskriterium die Farbe ist. Zuerst waren auch noch gelb-weiße Elemente dabei, viele Eintrittskarten, z. B. ist das Logo der Philharmonie-Tickets gelb und gold. Aber als ich es anordnete, erkannte ich, dass die gelben Teile mit reinweißen Partien nicht hineingehören. Das ist eine extra Sammlung. Ich finde es auch amüsant, dass durch die Farbwelt-Auswahl jedes Element hervorgehoben wird, wie auf einen Thron gesetzt. Manche haben es auch verdient. Zum Beispiel die goldene Hülle mit Widmung des Booklets von Jenny’s Bargeflüster. Oder ein besonders schönes Etikett eines provencalischen Rotweins, der in einer besonderen Situation getrunken wurde. Oder die selbst an der Havel aus dem Wasser aufgesammelten Muscheln. Ich weiß zu jedem Teil eine Geschichte zu erzählen. Dazwischen Bambus-Stäbe von diversen Blumentöpfen. Die mittlere, breiteste Säule ist schon fertig. Das Goldpapier ober- und unterhalb des mittleren Motivs stammt von zwei Lindt-Hasen. Die Säulen links und rechts davon sind erst grob nach Breite angeordnet. Das aufzubringen wird noch viele, viele Stunden Arbeit brauchen, das Werk. Den Goldrrahmen habe ich schon bestellt, 100 x 150 cm. Mit Rückwand, die ist der stabile Untergrund. Darauf kommt das alles.

17. April 2023

So fangen Bilder an. Also meine. Schachteln auskippen, dann nach Farben sortieren und wie beim Puzzeln hin- und herschieben. Eigentlich ganz einfach. Das ist seit Freitag die rosapinkeflieder Ecke. Die liegt da noch ein ganzes Weilchen, weil ich jetzt an goldenen Zeiten arbeite. Wie der Name schon sagt. Davon gibt es auch work in progress-Bilder, die haben schon richtig angefangen.

16. April 2023

Bevor ich mich wieder meinen eigenen Reliquien und Memorabilia zur Weiterverarbeitung zuwende, eine charmante Idee, die ich gerade in der neuesten Folge von Architectural Digest „Open Door“ sah. AD ist zu Besuch in einer alten Hollywood-Villa im spanischen Kolonialstil aus den Zwanziger Jahren, die von einem jüngeren Schauspielerpaar und zwei Kleinkindern bewohnt wird. An der Wand zur Treppe zum Obergeschoss ist eine Erinnerungswand mit gerahmten Fotos. Außerdem gibt es einen breiten, schmalen Holzrahmen mit bekritzelten Zetteln mit einem Restaurantlogo. Der Hausherr erklärt (ab Minute 7:00), dass es sich um eine schriftliche Konversation zwischen seiner Frau und ihm in einem Lokal in Paris handelt. Sie hatten sich sehr gestritten und verständigten sich nur noch über diese Zettel. Er hatte sie bewahrt und ließ sie rahmen und schenkte sie ihr. Sehr charmant. Next Level, aus Scheiße Gold gemacht. Den Tiefpunkt nicht unter den Teppich gekehrt, sondern angenommen und vergoldet. Wie diese vergoldeten Risse in geklebtem japanischem Porzellan, Kintsugi.

15. April 2023

Happy Birthday, LIEBER JAN, zu Deinem besonderen heutigen Geburtstag. Das Bild ist vor fünfzehn Jahren entstanden, am 26. April 2008, in der Galerie Sakamoto in Kreuzberg. Dort haben wir uns zum ersten mal getroffen und eigentlich sofort Freundschaft geschlossen. Die Galerie gibt es schon lange nicht mehr. Aber Dich! Und mich. Schön, dass es Dich gibt 🧡. Many Happy Returns.

14. April 2023

Regnet. Gleich raus Richtung U9, dann Ringbahn bis Hermannstr., kleiner Fußweg bis Schierker. Werde als erstes die Heizung aufdrehen, Teewasser aufsetzen und mir ein gut gekühltes Glas Weißwein genehmigen. Wochenende einläuten! Heute Abend/Nacht gehe ich nicht zur Eröffnung der Troya Bar bei mir um die Ecke, ich reihe mich nicht in eine Schlange ein. Aber gerne ein andermal. Bitterböse Kommentare unter dem Tagesspiegel-Eintrag dazu gelesen, huiuiui… Soll mich nicht abhalten, demnächst einmal.

13. April 2023

Liebe Leute, liebe Leseratten,

Literaturkritik ist zwar nicht mein Fachgebiet, aber ich lese seit Kindesbeinen leidenschaftlich gerne und habe Vorlieben und Abneigungen und die Gabe einer differenzierten Wahrnehmung. Für mich gibt es nicht pauschal „genial“ oder „kannste in die Tonne kloppen“, wenn ich ein Buch vor mir habe. Ich bin eine detailverliebte Jungfrau und bemühe mich gerecht zu urteilen.

Unlängst wurde ich durch einen Blogeintrag von einer Freundin auf einen Roman aufmerksam. Sie hatte eine Leseprobe gelesen und war nicht weiter interessiert. Sie erwähnte sinngemäß, dass ihr das Buch von einer literatursachverständigen Freundin als ein durchschlagender Erfolg bei jüngeren Lesern, den Millenials, genannt wurde. Die Rede ist von dem um 2020 veröffentlichten Roman „Allegro Pastell“ von Leif Randt, ein bejubelter Bestseller, der 1982 geborene Randt gewann Jahre vorher auch einmal den Bachmannpreis.

Das Buch handelt grob von dem Lieben, Treiben und Hadern eines im Hessischen wohnenden Webdesigners Mitte Dreißig, namens Jerome, der zwischen zwei Frauen herumlaviert, die eine ist eine Fernbeziehung in Berlin, Autorin, Shootingstar, die andere eine ehemalige Schulkameradin, die bei ihm in der Nähe lebt. Ich war neugierig, was ein Buch beinhaltet, das so ein Erfolg ist, bestellte es mir für fünf Euro gebraucht bei Amazon und las es vor ca. zwei Wochen. Auf der Rückseite des Einbands steht als Testimonial eines FAZ-Kritikers, wenn man alle Stellen, die toll sind, gelb markerte, wären in dem Buch bald alle Seiten gelb.

Ich begann zu lesen, es las sich so locker weg und ich machte bald das erste Eselsohr, wo mir eine Stelle gefiel. Zwischen Seite 54 und 217 machte ich kein Eselsohr, da war nichts so Besonderes und ich begann mich auch ein wenig zu langweilen. Die Kurzweil der ersten fünfzig Seiten konnte sich nicht halten, ich empfand, dass das Buch in eine Schleife ging und langweilte mich speziell bei den wiederholten Beschreibungen von Ausgehen unter Zuhilfenahme der verschiedensten Partydrogen.

Als ich zwanzig war, hatte ich auch die wichtigsten damals erhältlichen Drogen durchprobiert, ich wollte mitreden können und war experimentierfeudig. Aber über die verschiedenen Zustände von Bekifftheit oder LSD-Trips zu palavern, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. An der Stelle finde ich das Werk für einen Mitt- bis Enddreißiger etwas pubertär und wundere mich auch, dass das repräsentativ für das Lebensgefühl seiner Generation sein soll. In Randts Buch wird eine ganz bestimmte Szene von wohlsituierten Mittdreißigern, die „irgendwas mit Medien“ machen, ungebunden sind und mit ihren Gefühlen hadern, beleuchtet. Ich finde das eher austauschbar, nur die Eckdaten der Versatzstücke sind bei jeder Generation etwas anders. Dass der Konsum dieser ganzen Litanei synthetischer Stimmungsaufheller bei in den Achtzigern Geborenen Alltags-Standard sind, glaube ich nicht.

Das also langweilte mich etwas. Aber, ich fand doch einige Passagen gelungen und manchen Gedanken orginell und lesenswert. Da diese Stellen nicht vollständig in der Leseprobe sind, nehme ich mir heraus, sie hier zu posten. Ich habe mir dafür sogar einen gelben Textmarker genommen und die Stellen im Buch markiert. Insgesamt macht das ca. 5 Prozent vom ganzen Buch aus. Ich bin also etwas anderer Meinung als der FAZ-Rezensent. Der Autor, Leif Randt ist mittlerweile übrigens Vierzig. Das Buch hat offensichtlich starke biographische Züge, wohl ausgprägtere, als seine beiden Vorgänger-Romane.

Also hier nun meine gelb gemarkerten Stellen, die durch entweder originäre Gedankengänge, eine scharfe Beobachtungsgabe oder einen gewissen Humor brillieren. Talent ist bei Randt durchaus vorhanden. Die Stellen, wo er seine Nostalgie-Kritik formuliert, haben mich speziell angesprochen. Ich teile diese Sichtweise, halte sie für valide!

S. 13
„Jerome hatte während der Lektüre häufig gelacht. Die zahlreichen Kritiken zu dem Buch hatte er erst nachgelesen, als er Tanja schon persönlich kannte. Offenbar hatten zu „Panoptikum Neu“ viele verschiedene Menschen viele verschiedene Zugänge gefunden. Einige Fans gingen so weit, zu behaupten, dass sie die Lektüre verändert habe. Und diejenigen, die das Buch nicht mochten, wirkten peinlich stolz darauf, es nicht zu mögen, denn sie mochten ein Buch nicht, das anderen etwas bedeutete, was ihnen ein Gefühl dunkler Überlegenheit gab.“

S. 14
„Tanja hatte geantwortet, dass sie genau das an ihm schätze. Dass so wenige Menschen sich trauten, ihre echten Erinnerungen zu erzählen, da diese naturgemäß arm an Pointen waren.“

S. 15
„Nostalgie war nur ein träger Reflex, der einem Mangel an Ideen entsprang – so ähnlich hatte es seine Mutter einmal formuliert.“

S. 23
„Mit einem (…) Glas in der Hand erzählte Jerome jetzt: »Während des Gottesdienstes verspielte sich eine minderjährige Flötistin bei einem Solo sehr oft. Es war eigentlich zum Lachen. Aber anstatt zu lachen, hat sich die gesamte Kirchengemeinde geschämt. Man war mitleidig berührt. Ich glaube, in diesem Moment habe ich die protestantische Religion verstanden: einem biederen Flötenkonzert aufmerksam zuhören, hoffen, dass sich niemand blamiert, und dann mitleiden, wenn die Schülerin nicht gut genug geübt hat, weil man ahnt, dass ihr dieses Versagen lange nachhängen wird. Das ist Protestantismus.«“

S. 39
„Sie liebte ihn, ja, sie liebte ihn wirklich, und genau das wollte sie ihm jetzt schreiben, aber sie sparte es sich dann doch. Ihre Situationen unterschieden sich zu sehr. Sie stand im Bass, er blickte ins Naturschutzgebiet.“

S. 46, 47
„Als sein Vater nach Tanja frage, erzählte er, dass Ostern sehr schön gewesen sei, eher ruhig, mit Museum und Kino, ohne ausschweifendes Ausgehen. Das Ausgehen der nach 1980 Geborenen konnte sich sein Vater nur bedingt vorstellen, aber es schien ihn auch nicht sonderlich zu interessieren.

(…)

Jeromes Eindruck war, dass sein Vater nachfolgende Generationen zu keinem Zeitpunkt abschätzig betrachtete, viel eher schien er auf eine gesunde Weise wehmütig zu sein. Jerome schätze es, wenn Menschen in der Lage waren, Wehmut zu entwickeln. Nostalgie bewertete er deutlich kritischer. Jerome glaubte, dass Wehmut als politisch links und Nostalgie als politisch rechts einzustufen war. Im Aufkommen von Wehmut erkannte er ein Eingeständnis von Schwäche und Schutzbedürftigkeit, während Nostalgie die selbstgerechte und zumeist stolze Glorifizierung einer Vergangenheit war, die es nie gegeben hatte. Jerome äußerte diesen Gedanken aber nie, da er ihm nicht gänzlich valide vorkam.“

S. 54
„(…) aber diese Anziehung, die auch schon ein Jahr zuvor auf einem Konzert der Crystal Castles in Frankfurt spürbar gewesen war, vermischte sich mit einer peinlichen Intimität, die daher rührte, dass man sich aus Grundschulzeiten kannte. Als wäre die Anziehung folglich verboten oder auf eine abgründige Weise konservativ.“

S. 217
„Jerome erzählte seiner Mutter mit einer etwas zu großen Ernsthaftigkeit, die womöglich auch von den Knieschmerzen getriggert wurde, dass er im Endeffekt immer jene Gerichte am liebsten mochte, die sich im weitesten Sinne unter der Bezeichnung ‘Internationale Hausmannskost‘ subsumieren ließen. »Das gilt eigentlich für Asien genauso wie für Europa und Amerika«, sagte Jerome, »bei Afrika und Ozeanien kann ich es nicht sagen.« Seine Mum lächelte mild und sagte: »Das erzählst du oft.«

S. 221, 222
„Es lief eine Spotify-Playlist mit dem Titel ‘Christmas Calling 2018‘, die sie selbst zusammengestellt hatte. Darauf befanden sich klassische amerikanische Weihnachtslieder ebenso wie angenehme Hintergrundmusik. So saß die Familie Arnheim in einem Klangteppich aus freundlichen Songs, die unweigerlich an alte Disney-Filme erinnerten, und unterhielten sich über das bevorstehende Ende der Ära Merkel, weil das ein Thema war, das auf keinen Fall zum Streit führen würde. Alle vier Arnheims hatten Angela Merkel ins Herz geschlossen, auf einer affektiv-menschlichen Ebene, ohne sie je gewählt zu haben.“

S. 224, 225
„Sarah hatte eine Videoarbeit von Steve Bishop im KW so sehr gemocht, dass sie alleine noch mal zurückgegangen war, um das Video, das eine Kamerafahrt durch ein verlassenes kanadisches Dorf zeigte, ein weiteres Mal in voller Länge anzuschauen. Tanja hatte sich darüber gefreut. In Wahrheit passierte es ja selten, dass einem ein Kunstwerk wirklich gefiel, und wenn es dann doch mal vorkam, zudem an Weihnachten, war das ein Grund zum Feiern, fand sie, und das sagte sie auch zu Sarah, die das wohl als Bevormundung empfand. Sie könne sich ziemlich oft für ruhige Videoarbeiten begeistern, erwiderte Sarah, diese Nichtbegeisterungsfähigkeit, die sei doch viel eher Tanjas Problem.“

S. 271
„Die Frau, die neben ihm am Steuer saß, hatte er schon immer gemocht, und dennoch war sie neu für ihn. Am Comer See hatte sie gesagt: »Seit mein Vater an Krebs gestorben ist, glaube ich an Willkür. Man sollte die Realität akzeptieren und genießen.« Jerome hatte dieser Perspektive einiges abgewinnen können.“

S. 273
„»Angenehme Standard-Pizza«, sagte Jerome und musste dabei an Tanja denken, denn sie hätte sicher Ähnliches gesagt. Tanjas Freude daran, sich mittelmäßig oder sogar schlecht zu ernähren, hatte Jerome immer charmant gefunden.“

S. 275
„Die Verhaltensweisen der Teenagergruppe im Film deckten sich mit denen von Jeromes Freundeskreis aus den frühen Zweitausendern nahezu komplett, obwohl seine Jugend in Maintal stattgefunden hatte und nicht in Kalifornien. Jerome fragte sich, ob der Film ihn so sehr aufwühlte, weil er ihn daran erinnerte, dass selbst sein Leben einmal anstrengend gewesen war, oder weil er ihm die Austauschbarkeit seiner Erfahrungen vor Augen führte.“

S. 277
„Die Wahrheit ist ja, dass ich nicht unglücklich bin, wenn ich alleine bin. Und doch besteht diese vage Sehnsucht danach, dass etwas passiert, das sich der eigenen Kontrolle entzieht. Mit dir ist es ein bisschen so gewesen. Und du warst trotzdem immer weit genug weg.“

12. April 2023

Gestern im Fahrgastfernsehen in der U8 auf dem Monitor ein Zitat, gerade noch so aus dem Augenwinkel erfasst:

„Die Wurzel des Bösen ist die Vergänglichkeit.“

Noch nie irgendwo gelesen oder gehört. Interessanter Gedanke. Also quasi die Bedrohung, dass alles dem Untergang und dem Vergessen geweiht ist, sterben wird, sich in Nichts auflöst, verursacht bösartige Taten? Um eine unvergängliche Spur zu hinterlassen, einen Fußabdruck in der Menschheitsgeschichte oder auch nur in einem privaten Kontext? Rosenkrieg zum steten Gedenken an die einstige Liebe, bis in alle Ewigkeit? Weltliche Kriegstreiberei, mangels anderer Talente, um als historische Persönlichkeit im Lexikon zu landen? Sehr spannendes Erklärungsmodell!

Nach ein paar Stationen wiederholte sich das Zitat. Überrascht las ich nun etwas anderes: „Die Wurzel des Bösen ist die Begehrlichkeit.“ Geoffrey Chaucer (um 1342 – 1400)

Oh. Ich hatte mich beim ersten mal offenbar verlesen. Die erste Variante fand ich viel spannender. Vor allem meine Bereitschaft und offenbar damit einhergehende Fähigkeit, dem so nicht existierenden Zitat eine plausible Logik zu entlocken. Interessanter Mechanismus in meinem Gehirn. Wahrscheinlich nicht nur in meinem.

11. April 2023

Hier kommt mein persönlicher Life Hack in puncto tip-top gestylt durch den Alltag: GURTE! Regelmäßige Leserinnen und Leser werden sich eventuell erinnern, dass mir im letzten Herbst meine Tasche abhanden kam. Sie war schwarz, aus Textilgewebe, unscheinbar, bis auf mein dunkelgrau aufgedrucktes Logo. Ich kaufte mir ein neue Tasche, die eine ähnliche Größe hatte, aber aus schwarzem Leder, mit einem abnehmbaren, passenden schwarzen Ledergurt. Es gehen Lebensmitteleinkäufe hinein, mein Zeug, das ich unterwegs bei mir habe, also ein geräumiges Modell. Zur besseren Veranschaulichung: man kriegt drei Flaschen Schaumwein in die Tasche, dann geht der Reißverschluss noch zu. Ich brauchte ein Weile, mich an die neue Tasche mit den vielen abgeteilten Innenfächern zu gewöhnen, ich musste mich sozusagen einwohnen in der neuen Tasche. Weil ich ein bißchen von dem Verlust der alten Tasche samt Inhalt traumatisiert war, wollte ich mit der neuen Tasche ein Gefühl installieren, dass sie doch besser als die davor wäre, so dass der Verlust irgendeinen Sinn ergeben könnte. Dann fiel mir ein, dass ich die Tasche für mich noch attraktiver machen könnte, indem ich mir einen weiteren hübschen Gurt dafür kaufe. Ich hatte mal einen in einem Schaufenster gesehen, der mir gut gefiel. Ganz bunt. Boho-Style. Ich setzte mich vor meinen Rechner und fing an, Taschengurte zu googeln. Auf den Fotos nun das Ergebnis. Ich konnte nicht aufhören. Ich musste jeden Gurt kaufen, der mir gefiel. Wo ich doch so viele verschiedene Mäntel und Jacken habe. Da sollte der Taschengurt schon perfekt abgestimmt sein. Es war wie eine Sucht! Über einen Zeitraum von ungefähr zwei Wochen habe ich mir diese ganzen Gurte bestellt. Das kann man jetzt ein bißchen wahnsinnig finden, aber ich meine, es ist eine Anschaffung für’s Leben! Wenn mir wieder einmal die Tasche geklaut wird, habe ich jedenfalls noch jede Menge Gurte. Und nun kommen wir zum Life Hack: der besteht darin, niemals mehr eine Handtasche umpacken zu müssen, um ein auf die Tages- oder Abendgarderobe abgestimmtes Modell zu tragen. So ein Gurt ist wirklich schnell gewechselt, das dauert nur Sekunden, wieder clever Lebenszeit gespart und gewonnen! Kosten so circa zwischen 13 und 30 Euro. Ein bißchen habe ich es doch übertrieben und würde den einen oder anderen Gurt auch gegen eine gute Flaschengärung tauschen, nicht jeden, aber einige sind verzichtbar für mich. Z. B. der mit dem rot-orange-schwarzen Muster oder der mit dem schwarz-wollweißen Ethnomuster oder mit dem helleren Zebramuster und den dunkelrot-grün-beigen mit den Fransen. Interessensbekundungen mit Beschreibung gerne als Kommentar!

10. April 2023

Hier sitze ich auf den Kissen auf meiner Insel am Boden und werkle. Für eine Staffelei hätte ich gar keine Verwendung. Die Schwerkraft würde meine Bemühungen zunichte machen. Der senkrechte Ansatz liegt mir nicht. Im wahrsten Sinne des Wortes.

10. April 2023

Gestern vor meinem rosa Puppenhaus mit der kleinen Werkstatt. Früher war es orange, dann lachsrosa, jetzt ganz rosa. Das Fenster mit dem Stuckrelief und die zwei rechts davon sind meine.

10. April 2023

Gestern beim Osterspaziergang vor einer grünen Wand. Heute ist noch mehr Osterspaziergangswetter, aber ich will es mal nicht übertreiben. Habe mich beim Frühstücken gerade an der offenen Balkontür gesonnt, mit nix an. Jetzt wieder Richtung Süden. Den von Berlin. Wer kennt es nicht: Schachteln mit Erinnerungen, Eintrittskarten, Zettel, besondere Restaurantquittungen, Schnipsel, Flyer, Fotos. Habe gestern gründlich nach Farben sortiert und begebe mich heute in goldgelbe Welten. Wird ein neues, sentimentales Werk, 100 x 150 cm. Ich sortiere so gerne Sachen auseinander, das beruhigt und befriedigt mich ungeheuer. Autisten haben auch oft eine starke Vorliebe dafür. Eine frühere Freundin hatte eine autistische Schwester, die noch im höheren Erwachsenenalter Micky-Maus-Hefte sammelte und verwaltete und immer wieder die korrekte Reihenfolge überprüfte. Außerdem liebte sie es, Schrauben nach Größen zu sortieren. Ich auch! Gestern auf dem Balkon in meiner Werkstatt in der Sonne gesessen und Dutzende Reliquien nach Gold-Gelb-Ocker-Orange, Pink, Blau-Grün-Türkis, Schwarz-Weiß und Kunterbunt auseinanderdividiert. Ich mache am allerliebsten Sachen, wo ich nicht viel denken muss.

10. April 2023

Die Prinzessinnengärten befinden sich auf dem alten St. Jacobi Friedhof, der nun mit Urban Gardening vom Prinzessinnengärten-Kollektiv betreut wird. Es gibt auch ein Gartenlokal, das ist im vorderen Eingangsbereich. Das Areal ist mehr oder weniger um die Ecke, schräg gegenüber von meiner kleinen Werkstatt. Vom Balkon kann ich rechts die Sonne in die Baumwipfel sinken sehen.

10. April 2023

Mein kleiner Osterspaziergang. Überall blaue Blümchenteppich-Inseln in den Prinzessinnengärten. Auf einer Gartenseite heißt es: „Von März bis April imponiert das Blausternchen – häufig auch Sibirischer Blaustern genannt – mit einer Fülle seiner leuchtend blauen Glockenblüten, die mit der Zeit ganze Flächen teppichartig bedecken können.“ So ist es. Wundervoll, elfengleich, zauberhaft.

09. April 2023

Meine fertig gebackenen Süßen Teilchen und wo sie jetzt sind. Frohe Ostern. Happy Easter. Buona Pasqua. Pascha felix. ¡Felices Pascuas. Paşte fericit. Joyeuses Pâques. חג פסחא שמח. Srećan Uskrs. Chúc Mừng Phục Sinh. عید پاک مبارک. Καλό Πάσχα. God påske. Häid lihavõttepühi. Wesołych Świąt. Hyvää pääsiäistä. Счастливой пасхи. Veselé Velikonoce. Páscoa feliz. Schöni Ostera. Beannachtaí na Cásca. Gleðilega páska. ქრისტე აღდგა.

09. April 2023

SÜßES TEILCHEN II., mit Handtaschenschutzbeutelstoff beklebte Dokumentenbox, Kleber, Acryl, Schattenfuge, 26,4 x 35,4 cm, 24., 25., 27., 30., 31. März, 1. April 2023, Staatl. Museen v. Gaganien. Aus dem Keim formt sich das Wesen, ein Tier, ein Blatt, das Leben.

09. April 2023

SÜßES TEILCHEN I., mit Handtaschenschutzbeutelstoff beklebte Dokumentenbox, Kleber, Acryl, Schattenfuge, 26,4 x 35,4 cm, 24., 25., 27., 30., 31. März, 1. April 2023, Staatl. Museen v. Gaganien. Kein Osterei, aber auch ein Keim des Lebens. Die Form von Eiern, Saaten und Samenkapseln hat schon eine innere Verwandtschaft.

08. April 2023

Gegen Mitternacht ging es wieder nach Hause, Ina brachte mich mit dem Auto zur S-Bahn und ich nahm mir wieder mein Buch von Zelda Fitzgerald. An einer Halte stieg ein junger Mann im nahezu leeren Wagon zu, sah mich und bemerkte: „Seltener Anblick heutzutage, dass jemand ein Buch liest…“ Ich entgegnete: „Ja?“ und rekapitulierte in Gedanken, wie oft oder selten ich das bei anderen Fahrgästen sehe, kommt doch eigentlich bei jeder Fahrt ein- bis zweimal pro Abteil vor, die übrigen Fahrgäste lesen, wischen oder tippen auf ihrem Smartphone. Der nächtliche Mitfahrer stieg nach nur einer Station wieder aus und verabschiedete sich lächelnd „Na, denn wünsch ick ein frohet Osterfest!“. Ich ihm dasselbe. Gegen eins war ich wieder daheim.

08. April 2023

Hier eine Handvoll quick and dirty-Bilder von gestern Abend in der Hafenbar. Mir war gestern eindeutig mehr nach Tanzen als nach Fotografieren. Da es rappelvoll war, fanden wir einen Platz an der hinteren Wand vor der Koje 5. Ich nenne es mal Kojen, das sind so kleine lauschige Nischen mit Eckbänken und maritimer Schiffs-Deko in der Hafenbar Tegel. Vor uns waren entsprechend viele tanzende Gäste, ich sah den ganzen Abend Hans an der Gitarre nur sekundenweise, weil er ganz rechts hinter einer dicken Säule stand, also von meiner Sichtachse aus.

Nachdem wir uns für den Stehplatz entschieden hatten, brauchten wir noch einen Tisch, um unsere Getränke abzustellen, da wir nicht zu der Generation gehören, die mit Glas in der Hand Tanzen performt. Vor uns war ein mehr oder weniger leerer Tisch mit Stühlen, da ja alle tanzten, und auf der Tischplatte war noch reichlich Platz für unsere zwei Gläser, die Taschen schoben wir unter einen leeren Stuhl, die Jacken hingen in der Garderobe.

Als ich mein Glas gerade abstellte, fuchtelte rechts von mir eine stämmige, groß gewachsene Frau mit engem Pullover und schulterlanger Königspudel-Dauerwelle (Minipli), schätzungsweise Anfang Sechzig, gestenreich Richtung Tisch. Ich interpretierte es als: „Hier ist schon besetzt, reserviert, kein Platz für Euch!“. Wir wollten uns gar nicht hinsetzen, nur die Gläser hinstellen. Sie fuchtelte weiter hektisch mit Armen und Händen herum, ich versuchte trotz der lauten Musik zu fragen, ob sie sich hinsetzen möchte. Sie schaute mich unwirsch und irritiert an, gab keine Antwort, gestikulierte zackig weiter. Ina und ich guckten uns fragend an.

Ich beobachte sie nun etwas genauer und musste erkennen, dass das kein Kommunkationsversuch in unsere Richtung gewesen war, sondern ihre Art zu tanzen. Der Oberkörper zuckte mal nach vorne, mal nach hinten, der Kopf wurde nach links und rechts geschüttelt, als ob jemand energisch NEIN sagt, und die Unterarme schossen mit zackigen Bewegungen abwechselnd nach vorne, als ob ein Schweizer Messer aufklappt. Ich hatte ein bißchen Angst, dass sie mir einen Kinnhaken versetzt, und versuchte möglichst geschickt auszuweichen, und bekam es auch einigermaßen hin. Diese nie gesehene tänzerische Darbietung war so eigenartig, dass ich ein Lachen unterdrücken musste. Ich bekam davon erst recht einen Krampf. Als ich Ina anschaute, konnte sie sich auch nicht mehr beherrschen, es schaukelte sich richtig hoch. Schlimm! Als hätte man monatelang verschüttetes Lachen nachholen müssen, es war geradezu ein körperlicher Reflex, aber sehr, sehr befreiend.

Die Setlist war einfach grandios, ein Knaller nach dem anderen, der Sound war gut, die Stimmung war super. Und dann bat Tom, der Sänger, einen Gast, den er im Publikum entdeckt hatte, auf die Bühne. Mit ihm hatte er wohl vor kurzem in Leipzig einen Song gespielt. Der Gast ließ sich nicht lange bitten. Es handelte sich um Beppo Pohlmann von den Gebrüdern Blattschuss, und nun wurde das von ihm komponierte Stimmungslied „Kreuzberger Nächte sind lang“ zu Gehör gebracht. Nicht erwähnt werden muss, dass das Publikum vollständig, lauthals und textsicher mitsang:

Kreuzberger Nächte sind lang! Kreuzberger Nächte sind lang! Erst fang’se janz langsam an – Aber dann – Aber dann!

Jetzt fragt mich doch so’n Typ, ob ich studier‘ – Ich sag: „Ja, Wirtschaftspolitik, drum sitz‘ ich hier!“ Da sagt er, dass er von der Zeitung wär‘ Und da wär‘ er der Lokalredakteur! Ein Rentner ruft: „Ihr solltet Euch was schäm‘!“ Ein and’rer meint, das läge alles am System! „Das ist so krank wie meine Leber“ sag‘ ich barsch – Die zwölf Semester war’n doch nicht so ganz umsonst!

Kreuzberger Nächte sind lang! Kreuzberger Nächte sind lang! Erst fang’se janz langsam an – Aber dann – Aber dann!

Es war ein Fest. Herr Pohlmann feierte noch bis zum Schluss mit seiner Frau mit. Habe ihn nicht fotografiert, war zu sehr mit Mitsingen und Tanzen beschäftigt. Ich erinnere mich an „Riders On The Storm“, das fehlende Fender Rhodes genial durch die Gitarren ersetzt, grandios. Ein paar Hendrix Songs, Jumpin‘ Jack Flash, Bus Stop, Albatros, Help, You Really Got Me, Venus, Honky Tonk Woman, Here Comes The Sun, usw. usf. Großes Kino. Schönstes BBC-Konzert bis jetzt in diesem Frühjahr. Danke. Danke. Danke.

08. April 2023

Liebes Tagebuch,

gestern Abend bin ich um 19:30 recht pünktlich losgegangen, um zeitig zu meiner Verabredung mit Ina beim Berlin Beat Club-Konzert in der Hafenbar Tegel zu kommen, wo ich noch nie war. Mein Fußweg zur S-Bahn-Halte „Oranienburger Straße“ hat zehn Minuten gedauert, ich bin gemütlich geschlendert. Die S-Bahn S 25 ist erst um 19:55 Richtung Hennigsdorf losgefahren, ich hatte noch ein bißchen Wartezeit und habe mein Buch rausgeholt, es heißt „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ von Zelda Fitzgerald. Das sind elf Kurzgeschichten aus den Zwanziger Jahren, die mir recht gut gefallen. Das Buch habe ich auch während der Fahrt weitergelesen. Sie hat nur 22 Minuten gedauert, ich war überrascht, wie schnell das nach Tegel ging. Wie im Flug, obwohl ohne Flugzeug! Die Geschichten sind sehr kurzweilig, daher wohl.

Auf meiner Fahrverbindung, die ich mir ausgedruckt hatte, stand, dass ich nun links an der U-Bahn vorbei zu einer bestimmten Straße müsste, habe ich auch gut gefunden, dann gab es ein Stückchen Tegeler Berliner Straße und dann in die Fußgängerzone, die „Alt Tegel“ heißt. Es war schon dunkel, es kam ein Restaurant nach dem anderen, eine richtige Fressmeile! Deutsch, Französisch, Asiatisch, Kroatisch, alles Mögliche dabei. Viele Restaurants wirkten einladend, es ging über altes Kopfsteinpflaster Richtung Tegeler See, also zum Hafen. Es nieselte ein bißchen und war auch frisch, also kein gemütlicher Spaziergang, aber ich konnte mir vorstellen, dass er sehr gemütlich sein könnte, wäre es eine laue Frühlings- oder Sommernacht.

Dann war ich am Ende der Straße, wo die Wilkestraße kommt, ich hatte mir gemerkt, dass ich nach rechts musste, guckte nicht mehr auf meinen Plan in meiner Umhängetasche, weil ich mir einbildete, das erkennt man bestimmt gleich von außen, dass da die „Hafenbar Tegel“ ist. Die Hausnummer hatte ich vergessen. Ich ging vorbei an einem riesigen modernen Gebäude namens „Tegeler Seeterrassen“, immer weiter nach hinten. In meiner Vorstellung war die Hafenbar in einem alten, urigen Ziegelbau, irgendwie zünftig, ich kannte nur Fotos von innen. Dann war ich am Ende der Straße, es kamen nur noch Wohnhäuser, Mietshäuser, ein Parkplatz. Da nahm ich meinen Plan aus der Tasche und prüfte die Hausnummer. Aha! Wilkestraße 1 – 5. Also am Anfang, ich musste vorbeigelaufen sein. Womöglich da, wo die Seeterrassen sind? Kann ja nur so sein. Davor stehend, sah ich keinen Hinweis auf eine Hafenbar. Aber weil die da ja sein musste, ging ich linksrum zur Hinterseite, wo es zum See ging. Und da sah ich ein Grüppchen unterhalb einer Treppe, im Tiefparterre des modernen Seeterrassen-Gebäudes, hier gings also lang!

Es war nun schon zehn Minuten später als mit Ina verabredet, wir wollten gegen 20:30 da sein. Der Berlin Beat Club spielte noch nicht, weil es ja erst ab 21 Uhr erlaubt war, und ich kam nicht rein, weil ausverkauft, bzw. reserviert. Die beiden Mitarbeiter vom Einlass ließen mich aber aufs Klo und nachschauen, ob Ina reingekommen wäre, das war sehr nett. Dann meinten sie, wenn um 21 Uhr nicht alle reservierten Plätze besetzt sind, komme ich noch rein. Ich blieb nach dem WC-Gang und Ina Suchen – sie war noch nicht da – neben dem jungen Mann am Einlass stehen. Von da konnte ich sogar die Bühne sehen. Es kamen nach mir noch welche, die reinwollten und auch nicht reserviert hatten, nur ein Paar harrte wie ich aus, die Anderen gingen gleich woanders hin.

Pünktlich um 21 Uhr ging es los, und es gab freigebliebene Reservierungen, ich durfte rein. Habe im Eingangsbereich gewartet, um Ina nicht zu verfehlen, und da kam sie auch schon und bekam auch noch eine Eintrittskarte. Prima! Ich hatte mir schon ausgemalt, was das für ein jämmerlicher Eintrag geworden wäre, dass ich fast eine Stunde bis nach Tegel unterwegs war und dann wieder heimgefahren wäre, weil ich nicht reingekommen wäre. Aber so weit kam es ja zum Glück nicht! Der junge Mann am Einlass meinte noch, das wäre erst das zweite mal überhaupt, dass es dermaßen ausverkauft wäre, hätte er noch nicht erlebt. Das wird er mit dem Berlin Beat Club noch oft erleben, da bin ich mir sicher. Fortsetzung der Berichterstattung folgt, ich muss noch einkaufen!

07. April 2023

Der heutige Karfreitag ist übrigens innerhalb Europas KEIN gesetzlicher Feiertag in: Belgien, Frankreich, Irland, Italien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien und Slowenien.

In England ist der „Good Friday“ zwar ein Feiertag, aber die Geschäfte sind geöffnet und getanzt werden darf auch.

Israel hatte gestern einen offiziellen Feiertag, „Pessach“, den Gründonnerstag, heute ist kein gesetzlicher, in Tel Aviv und Jerusalem wird heute nachweislich gesungen und getanzt.

Der zur „Heiligen Woche“ „Semana Santa“ gehörende Karfreitag ist zwar im katholisch geprägten Spanien und Lateinamerika ein Feiertag, hält aber nicht von Musik und Tanz ab, Konzerte finden statt, Clubs haben geöffnet.

Bei Italien war ich besonders überrascht, dass dort heute kein Feiertag ist, reichlich Konzerte, u. a. tritt heute Eros Ramazzotti in Rom auf, Clubs haben auf, es darf getanzt werden.

In der Schweiz ist der Karfreitag ein Feiertag, aber es gibt kein Verbot für Tanzveranstaltungen.

Hierzulande wird sich an den „stillen“ Feiertag geklammert. Allerdings mit gelockertem Tanz- und Musizierverbot in Berlin und Bremen. Ab 21 Uhr ist Singen und Tanzen in Berlin heute KEINE Ordnungswidrigkeit. Ich bin am Abend mit Ina beim Berlin Beat Club in der Hafenbar in Tegel verabredet und freu mich drauf. Das Leben ist zu kurz, um nicht zu tanzen! Ich wünsche einen genehmen Freitag, ob in stiller Einkehr oder mit Musik, wie es beliebt. Bedrohung, Verletzung und kriegerische Aggression ist in meinen Augen pietätlos, aber nicht inniges Singen und Tanzen. Bei mir gibt’s heute übrigens Fischstäbchen und Kartoffelsalat. Amen.

06. April 2023

Holla. Heute bei Germany’s Next Topmodel: zu den bereits vorhandenen dreizehn Kandidatinnen im Alter zwischen 18 und 23 kommt überraschend eine Handvoll neuer Kandidatinnen um die Fünfzig. Erst Shooting mit Heidi hinter der Kamera (macht sie gut), nun Walk in Dessous von Allen, den Twentysomethings und den Fiftysomethings. Schon alle sehr gut in Form. Ich denke, ohne regelmäßiges Workout kriegt man eine derartig straffe Erscheinung nicht hin. Chapeau. Heidi wird übrigens dieses Jahr auch Fünfzig, am 1. Juni. Ich mag sie ja, ihr gewitztes Naturell. Ich gucke mal weiter.

05. April 2023

Was noch bemerkenswert, bedenklich, erwähnenswert war. Am Nachmittag gegen Drei vor der Haustür, wo meine Werkstatt ist. Am Baumstamm gegenüber der Tür, auf dem Gehsteig, lehnt hochkant ein alter, schmaler Heizkörper. Die Haustür steht auf. Ich mach sie zu. Gehe nach oben, ich höre Gerumpel. Zwei junge Männer wuchten ein Regal aus der Wohnung der alten Dame unter mir. Die Wohnungstür steht auf. Das ist kein Umzug. Hier wird ein Haushalt aufgelöst. Die alte Dame war sehr liebenswürdig, ich sah sie oft auf dem Balkon sitzen, und auch, dass sie schon etwas durchsichtig wirkte, filigran. Wir trafen uns selten im Treppenhaus, aber zuletzt hielten wir ein Schwätzchen. Sie dekorierte nämlich immer das Fensterbrett auf dem Treppenabsatz und ihre Eingangstür mit jahreszeitlichen Dekoteilen. Zu Weihnachten ein kleiner Elch und eine Schneekugel, Sterne. Zu Ostern eine kleine Schubkarre mit Ostereiern und ein Gießkännchen. Ganz süß. Die Sachen waren auf so einer kleinen Erhöhung in einer großen weißen Laterne arrangiert. Sie dekorierte mindestens vier mal im Jahr um. Aber zuletzt gar nicht mehr. Auf einmal war der Schrein weg. Ich dachte schon, sie ist nicht mehr in der Wohnung. Dann hörte ich vom Schornsteinfeger, dass sie krank wurde und zu ihrem Sohn ist. Keine Deko mehr vor der Tür. Jemand anders muss jetzt das Fensterbrett dekorieren, weil da ist immer noch welche. Als ich dann oben in meinem Atelier war, musste ich die Musik lauter aufdrehen, weil mich das Gerumpel traurig gemacht hat, die Vorstellung, dass da so ein Leben aufgelöst wird, die Hinterlassenschaften, Möbel auseinanderdividiert auf dem Sperrmüll landen oder sonstwo. Einfach so. Und ich überlegte, ob sie endgültig nicht wiederkommt, weil in einem Pflegeheim oder ob sie gestorben ist. Und es rumpelte weiter da unten. Und die Männer sahen so fröhlich aus. Ist ja Frühling. Sie können nichts dafür, ist ihr Job. Ich blieb gar nicht lang, rahmte nur zwei Bilder und fotografierte sie ab. Als ich die Treppe runterging, hing unten an der Wand gegenüber dem letzten Treppenabsatz eine Karte mit einer schnörkeligen Schrift. Ich holte die Brille aus der Tasche, ahnte schon, was es ist. An derselben Stelle, wo neulich die Todesanzeige von meinem Vermieter hing, war eine Trauerkarte angepinnt. Die alte Dame war gestorben. Am 13 März. Sie war am 21. November 1937 geboren. Also wurde sie fünfundachtzig. Das Datum der Beisetzung stand auch da, auf einem der Friedhöfe in der Nähe, dem St. Thomas-Friedhof, am 4. April um 10 Uhr. Also an dem Tag, wo ich es las. Aber es war schon Nachmittag. Ich überlegte, ob ich kurz zum frischen Grab gehe, aber das wäre ein Umweg gewesen, so ging ich zur U-Bahn und dachte immer wieder an sie. Und dass es niemals mehr Elch in der Laterne geben wird.

02. April 2023

ODALISKE. Rahmen für kleinen Druck „L’Algérienne“ von Henri Matisse, 1909 (Original im Centre Pompidou Paris, 81 x 65 cm), Passepartout, Holzrahmen, Acryl, Hochzeits-Geschenkband, Klebestift, 20 x 26 cm, 2. April 2023, Privatsammlung Gaganien.

Heute nach dem Aufwachen, kurz nach Zehn, fiel mein Blick auf das kleine Odaliskenbild „L’Algérienne“ von Matisse. Ich hatte den Rahmen vor einiger Zeit in diesem Hermès-Orange gestrichen, und plötzlich hatte ich die Idee, ihn noch weiter zu verschönern. Gesagt, getan. Gegen Mittag fuhr ich in mein kleines Atelier und verklebte goldenes Geschenkband, das einst um Geschenke gewickelt war. Längsstreifen haben im Ambiente der Odaliskenbilder von Matisse große Tradition, ich denke, es hätte ihm gefallen. Vielleicht habe ich das Bild sogar im Original einmal gesehen, als ich 1995 im Centre Pompidou war, ich erinnere mich nicht. Der kleine Druck stammt aus einem Notizbuch, das vom Centre Pompidou herausgegeben wurde, Geschenk einer früheren Freundin an mich, das muss Ende der Neunziger Jahre gewesen sein. Die lockere Freundschaft war nicht so eng, sie plätscherte einfach peu à peu aus, als wir nicht mehr miteinander arbeiteten.

01. April 2023

CHEVRON (I 🧡 Missoni). Zwanzig Jahre altes, abgeschrabbeltes Lieblings-Strandtuch aus Baumwollvelours, Verpackungskarton, übermalte Digiprint-Fragmente v. Möbelstoffmuster „Zig Zag Weave“ von Trina Turk, Acryl, Spiegelsplitter, Kleber, Blattgold, Bordeauxgold-Barockrahmen, 127,5 x 57,5 cm, 1., 4., 5., 7., 11., 12., 13., 14., 15., 16., 18., 19., 21., 26. Februar, 4., 5., 10., 12., 18., 19., 24., 25., 27., 30., 31. März 2023, Staatl. Museen v. Gaganien.

Das ist das späteste Werk aus meinem Zyklus auf der Grundlage aussortierter Frotteetücher. Ich liebe Zickzack. Der Anblick beruhigt und erheitert mich gleichermaßen. Die Farben sind partiell von mir verändert. Jetzt ist es für mich vollendet. Je älter ich werde, und umso länger ich herumpinsle und werkle, umso froher bin ich, dass mich keine Tradition oder akademische Lehre von irgendetwas abhält. Meine inneren Welten und Vorlieben brechen in die Materie durch, ich liebe es jedes mal aufs Neue. Gleich, ob das Kunsthistorikern als Kunstgewerbliches oder geweihte Kunst gilt.

31. März 2023

GOODBYE ELIZABETH. Fragmente Zeitungsartikel BZ „Das letzte Goodbye“ und Tagesspiegel-Artikel vom 20. September 2022 zur Beisetzung am 19. September 2022, Foto Elizabeth und Philipp und historische Briefmarkenausdrucke aus dem Internet, Spiegelscherben, Straßsteine als Charlottes Hufeisenbrosche, Kleber, Acryl, Blattgold, Leinwand, Karton, blaue Mosaiksteine, Barockrahmen, 68 x 78 cm, 30. September 2022, 9. bis 13., 15. bis 17., 20., 22., 23., 25. bis 30. Oktober 2022, 2., 29. November 2022, 15. bis 18. Dezember 2022, Königliche Sammlung von Gaganien

King Charles und Queen Camilla sind in den letzten Zügen ihres Deutschlandsbesuchs. Heute morgen sind sie im Sonnenschein aus Berlin abgereist, mit dem ganz normalen ICE nach Hamburg, wo der Himmel weinte. Korrespondierend zur Abschiedsstimmung präsentiere ich mein ultimatives Abschiedswerk zum Gedenken an Queen Elizabeth II. Ich habe ganze vierundzwanzig Tage daran gearbeitet, im Durchschnitt sechs Stunden an einem Tag, mal vier, mal acht Stunden, mal sechs. Ich habe keinen Aufwand und keine Mühen gescheut, jeder wird mir zustimmen, dass man mir Gründlichkeit nicht absprechen kann. Im Zentrum des Werkes stehen zwei verschiedene Zeitungsartikel, die über die Beisetzung von Elizabeth berichteten. Ich kaufe mir keine Papierzeitungen, habe aber Zugriff auf einen Gratisverteiler von Papierexemplaren älteren Datums, so habe ich bei der Trauerausgabe vom 20. September 2023 der BZ und der Ausgabe vom Berliner Tagesspiegel selben Datums zugegriffen. Ich war gleich sehr verliebt in das Layout und die Übeschriften der mehrseitigen BZ-Sonderberichterstattung. Viele, viele Fotos, alles in Dunkelblau-Violett und Gold gehalten, sehr angemessen! Der Tagesspiegel hingegen geradezu unanständig schlicht und zurückgenommen. Den ersten Preis für schönste Berichterstattung bekommt eindeutig die Berliner BZ! Hier menschelt es, hier hat man einen Sinn für emotionale Überschriften und Bilder, die das Herz erweichen! Operetten-Qualität! Ganz herrlich. Die allerschönsten Überschriften und Fotos habe ich sorgsam ausgeschnitten und arrangiert. Gerne zitiere ich noch einmal die tollsten Statements auf dem Bild.

Die B.Z. titelt: „SIEBEN SONDERSEITEN!“ – „DAS LETZTE GOODBYE“ – „TRÄNEN UM DIE QUEEN“ – „DIE KÖNIGE DER WELT VERNEIGEN SICH“ – „PERLENGRUß AN DIE QUEEN“ – „DIE KÖNIGSHÄUSER AUS EUROPA HATTEN DIE BESTEN PLÄTZE“ – „BITTERE TRÄNEN! NACH TRAUERGOTTESDIENST UND PROZESSION DURCH LONDON WURDE CHARLOTTE VON IHREM KUMMER ÜBERWÄLTIGT, WEINTE UM DIE QUEEN.“ – „WIE IHRE UROMA LIEBT AUCH CHARLOTTE DAS REITEN – DIE DIAMANTENE HUFEISENBROSCHE WAR EIN GESCHENK DER QUEEN.“ – „GEORGE WISCHTE SICH WÄHREND DES GOTTESDIENSTES TRÄNEN AUS DEN AUGEN.“ (Kleine Erläuterung zum „Perlengruß“: die engsten weiblichen Familienmitglieder trugen Perlenschmuck, welchen die Queen am meisten liebte, so auch Catherine, deren mehrreihiges Perlencollier zu sehen ist.)

Der Tagesspiegel: „GOODBYE – DIE WELT NIMMT ABSCHIED VON QUEEN ELIZABETH II:“ – „TRAUERFEIER FÜR DIE QUEEN“ – „LETZTE EHRE – GEKRÖNTE, GEWÄHLTE, GEWEIHTE, POLITIK, MILITÄR UND KIRCHE KAMEN ZUR BEERDIGUNG DER QUEEN. DIESE FRAU SOLL KEINE MACHT GEHABT HABEN? VIELLEICHT WAR SIE IN WAHRHEIT DIE MÄCHTIGSTE FRAU DER WELT.“

Dies ist mein Requiem für Königin Elisabeth, das zweite von vier Bildern. Die beiden, die ich noch nicht gezeigt habe, präsentiere ich zu den Krönungsfeierlichkeiten von King Charles am 6. Mai 2023.

30. März 2023

Gestern Abend sparsamer Tina-Gaga-Chat zum Bachelor. Tina plagte Kopfweh, ich abgelenkt vom Staatsbankett mit Camilla und Charles.

Gaga
Bachie geht los!

Tina
Ja. Mir tut ein wenig der Kopf weh, werde wieder wenig tippen. Die rauchen. Das hab ich ja noch nie gesehen. Am Ende werden hier noch Marken für Zigaretten beworben 🥺

Gaga
Awww… gute Besserung, ich puste mal. Ich kann ja trotzdem bißchen was schreiben – z. B. dass ich gerade beim Date von Yolanda und ihm, wo die Gespräche ernsthafter wurden, so einen eher freundschaftlichen Grund-Vibe hatte, weniger erotisch. Aha, er hat ihr nach dem Date eine Rose mit auf den Heimweg gegeben, schon irritierend, wie extrem die anderen Mädels feiern, dass sie eine Rose bekommen hat, so ganz uneifersüchtig… hm. Hab ich in der Form auch noch nie in einer der Staffeln beobachtet. Als gäbe es keine, die ihn nur für sich will…

Tina
Lisa ist schon eifersüchtig.

Gaga
Aber dennoch hat sie vorhin ekstatisch geklatscht, als Yolanda die Rose rausholte… Die Mädels haben schon immer geraucht, aber es wurde noch nie so selbstverständlich abgefilmt… Gerade sagt Lisa, dass sie sich so für Rebecca freut…. sie ist wohl doch nicht so entflammt für ihn… Habe bei keiner den Eindruck, für ihn entflammt zu sein, keine Vibes von weichen Knien, eher Interesse, weiter im Format zu bleiben, so „just for fun“ and fame… Was Rebecca sagt, von wegen, er sähe unfassbar sexy aus, kaufe ich ihr nicht ganz ab. Sie strahlt es nicht aus. Bin schon mal im Runterfahrmodus.

29. März 2023

LILIBET. Lilibet-Footage aus dem Internet (historische Briefmarken, Warhol), Schnipsel von goldenen Pralinenschachtel-Inlays, Kinokarten und Eintrittskarten vom Grünen und Roten Salon, gewebter Stoff von zerschlissenem, indischen Meditationskissen, goldene Schaumwein-Aluminium-Manschette, blaue Mosaiksteine, australische Elisabeth-Geldmünze von Lydia, Kleber, Acryl, Blattgold, Leinwand, Schattenfugenrahmen, 44 x 54 cm, 5. – 13. November 2022, Königliche Sammlung von Gaganien

Zur Einstimmung auf den heutigen und morgigen Besuch von King Charles und Queen Camilla in Berlin, dem ich aus Termingründen leider nur virtuell beiwohnen kann, präsentiere ich eines meiner vier Elisabeth-Werke, das kleinste. Zwischen September und November 2022 sind vier Gedenkbilder entstanden, da ich den Tod von Elizabeth II. verarbeiten musste. Hier nun der Auftakt. Besonderen Dank an Lydia, die mir die Elisabeth-Münze schenkte.

28. März 2023

Dit war wohl nüscht. Kein ista. Keiner gekommen. Gerade angerufen. Dame im Büro: „Der Monteur war wohl heute früh vor Ort, das System ist abgestürzt, er musste wieder fahren, zum nächsten Termin. Das kriegt man nicht hin, da dann alle zu informieren. Tut mir leid, machen Sie sich einen schönen Tag.“ Gibt neuen Termin.

28. März 2023

Chat mit Tina während „First Dates Hotel“ von gestern Abend, der mehr zu einem Monolog meinerseits wurde, da Tina anderweitig beschäftigt war. Danach wenige Minuten einer neuen Datingshow auf Vox, die ich bald abschaltete, und stattdessen eine klasse Inga Rumpf-Doku schaute.

Gaga
Bin um 20:26 im Hotel eingecheckt (First Dates…. VOX), war von 14:00 – 20:00 Uhr in meiner Werkstatt… wg. Zeitumstellung jetzt blöderweise später Abenddämmerung, ich guck nicht auf die Uhr, sondern auf das Licht… daher nicht ganz pünktlich! Gerade der Indianer mit der Friseurin – und es gibt eine Elena mit einem gigantischen Dekolleté – Halleluja!

Tina
Ich passe heut mal. 😕

Gaga
Geht klar, weiß ich Bescheid. Hab auch hier rumzuwursteln, Einkäufe auspacken, etc. pp. Alles so nebenher… vielleicht mach ich auch einen Chat-Monolog, mal was Anderes! Nach Lust und Laune.

Tina
Ich muss noch bisschen performen.

Gaga
Ich sabbel ja eh immer mehr als Du. OH GOTT, ich muss SOFORT kommentieren!!! Die bescheuertste Frage ever vom Date vom Indianer, sie zu ihm: „Wo siehst du dich in fünf Jahren????“ Das müsste mich mal einer fragen, absolutes No Go. Oder ich sage: „Im Gropius Bau. Hängend.“ Das wäre dann wahrscheinlich mein letzter Satz ever zu dem Typen. So eine klischeehafte Kackfrage. Er, der Indianer, hat aber cool reagiert: „Was soll ich mir Gedanken machen, was in fünf Jahren ist?“ Zumal weder er noch sie in den Zwanzigern sind. Nun Reklame, damit du rückwärts lesend weißt, auch in dieser Sendung gab es Werbeunterbrechungen, wurden nicht mit der Sommerzeit abgeschafft. Ich hau mir nun was in die Pfanne, bin ja Schnell-Köchin. Nach der Reklame dann zurück mit fertigem Essen.

Tina
Schau
(postet Fotos von sich und Björn unter blühendem Baum)

Gaga
Voll süß. Und unterm rosa Frühlingsblütenbaum… Kirschbaum…? Ah – wenn die jetzt blühen, müsst ihr unbedingt in die Gärten der Welt, in den Japanischen Garten, wollte ich immer schon mal hinkriegen, immer verpasst. So romantisch!

Tina
Ja, ein Passant hat uns fotografiert, als ich an Fotos von Björn rumdokterte.

Gaga
Wunderschöne Blüten. Ich wollte doch was kochen! Na, ja wer ein eigenes Dauerdate unter Blüten hat, braucht keinen TV-Ersatz im Hotel auf Mallorca. Reklame gleich vorbei, nix zu essen gemacht, aber was Prickelndes im Glas.

Tina
Ja, ich bin jetzt auch still. Muss noch bisschen was aufholen.

Gaga
D’accord….! Heieiei, der Ausschnitt…. sie hat ein Tattoo zwischen den Brüsten, unterhalb der Brustfalte, so tief ist der Ausschnitt vom Kleidchen… Oh, ein neuer Kellner mit superlangen offenen Haaren und kleinem Dutt am Hinterkopf. Stylish. Hoffe auf baldige Werbung, um mir Bratkartoffeln mit Wiener Würstchen in guter Butter gebraten in die Pfanne zu hauen.

Tina
Mehr?

Gaga
Wie meinen?

Tina
Ach, ich dachte du kommentierst weiter. Schiele doch immer mal hin, also nicht in den TV, aber ins Chatfenster.

Gaga
Ich hab süße Teilchen gebacken (Blogeintrag!) und endlich Bratkartoffeln mit Würstchen, welche ich nun verspeise! Ist jetzt eh vorbei, war nix mehr Superbemerkenswertes für mich, ich guck jetzt die Folgesendung, wo’s auch um Partnerschaftstastrologie geht.

Tina
Goodbye Deutschland?

Gaga
Nein, ein neues Datingformat.

Tina
Uhhhhhhh.

Gaga
Da ich mich da recht gut auskenne, mit der Partnerschaftsastrologie, werde ich mal hinhören, ob korrekt analysiert wird!

Tina
Auch auf Vox?

Gaga
Jajaaa. Jetzt, noch am Anfang die Sendung. 1. Folge. Läuft erst seit drei Minuten.

Tina
Okay, ich schalte es mal ein.

Gaga
Der sportliche Wettbewerbsansatz bei dieser Show langweilt mich jetzt schon…. so nach dem Motto: „Wer ist die tollste Kupplerin?“ – wie doof. Aber ich lass mal laufen. Auch sinnlos: wenn die Astrotante wichtigtuerisch sagt „da fehlt mir die Venus“ und der Laie unter den Zuschauern mit dem Klugscheißer-Fachchinesisch nichts anfangen kann, weil sie es nicht leicht verständlich erklärt. Und nun auch sportliche Challenges, was für dich wohl unter Actiondate fällt…. und mich (so so so) langweilt. Ich schalte die Sendung ab, das ist nix für mich, zu sportiv. Aus die Maus!

Tina
Mich hauts auch nicht gleich vom Hocker. Höre aber bisher nur.

Gaga
Ich guck lieber weiter eine der Dokus im ZDF. Bei dem Format fehlt mir das Emotional-Sinnliche in dem gesamten Setting. Hab es vor zwei Minuten abgeschaltet. Gute Nacht, ich guck woanders weiter!

Tina
Schade, dass es nicht cool ist. Na ja, werde es dennoch beim Essen anschauen.

Gaga
Ich schaue jetzt diese Doku über Inga Rumpf, die coole Hamburger Rockröhre aus den Seventies, die immer noch rockt, mit über Siebzig: https://www.zdf.de/hr/dokus-reportagen/page-video-ard-inga-rumpf—my-life-is-a-boogie-100.html Sie ist soooo cool, wow. Ich fand sie schon als Teenie beeindruckend, Role Model.

Tina
Dating Astro Dings ist besser geworden.

Gaga
Bin bei Inga.

Tina
Weiß ich.