24. Juni 2023

Am Ende – oder genauer: am Anfang der Burgstraße angelangt, schließt sich der Kreis. Wir sind wieder am Rathausplatz, dem Platz vor dem Hauptmarkt. Über den hatte ich bereits am 10. August 2022 berichtet. Bei einer Bank steht ein Aufsteller mit einem Plakat der kulturellen Sommerhöhepunkte, die Nürnberg zu bieten hat. Die wiederholen sich jedes Jahr, allen voran das Bardentreffen Ende Juli, inzwischen ein großes, internationales Singer-Songwriter-Musikfestival, das auf vielen Open Air Bühnen der Altstadt stattfindet. Das ganze Album der Nürnberger Burgstraße gibt es hier anzuschauen. Ich widme mich hier in Berlin nun meinem samstäglichen Tagwerk und will auch noch mal vor die Tür. Es ist wieder ein sehr schöner Sommertag mit 25 Grad.

24. Juni 2023

Unterhalb vom früheren Dominikanerkloster, auf derselben Seite, ein stattliches, barockes Amtsgebäude, nämlich das Nürnberger Gesundheitsamt. Adresse ist Burgstraße 4, Ecke Theresienstraße.

24. Juni 2023

Blick hinunter zum Hauptmarkt und auf eine schöne Giebelseite. Die hat die Adresse Burgstraße 6 und gehörte zu einem Dominikanerkloster, erbaut im 13. Jahrhundert. Danach war es der Amtssitz vom evangelischen Dekan. Zweitausendachtzehn ist es von der Kirche an einen privaten Investor verkauft worden, um genug Geld zu haben, den Sebalder Kirchhof zu restaurieren. Der hat daraus komfortable Mietwohnungen gemacht. Es gibt davon Fotos auf Immobilienportalen. Auf meinen Fotos sieht man am Fundament sehr schön die beträchtliche Steigung der Burgstraße.

24. Juni 2023

Und weiter. Nächste Querstraße ist die Obere Krämersgasse. Im Eckhaus Burgstraße 21 ist die Nürnberger Galerie für Naive Kunst. Eine Gruppe junger Frauen stellt sich mitten auf der Burgstraße für ein Foto auf. Sie tragen Sommerwiesen-Blumenkränze im Haar.

24. Juni 2023

Wir flanieren weiter. Die erste Querstraße die Burgstraße hinunter ist die Obere Schmiedgasse. Das Haus an der Ecke sieht mir nach Fünfziger Jahre aus. Aber vor dem Krieg war dort ein anderes, nämlich das Wohnhaus vom Goldschmied Albrecht Dürer. Der Vater vom berühmten Maler hieß nämlich auch so. Der kleine Albrecht ist also in Sebald, unterhalb der Burg aufgewachsen und da ist er auch sein Leben lang geblieben, indem er sich ein Haus ganz nah an der Burg gekauft hat, gegenüber vom Tiergärtnertor.

24. Juni 2023

Das Neueste von meinem Heile-Welt-Blog: Struppi wurde gerade gefüttert und chillt jetzt wieder an Mama oder Papa gekuschelt. Geschwisterchen Tim ist noch nicht geschlüpft, putzt sich noch. Unten im Garten vom Laden in der Joachimstraße 20 ist gerade ein Soundcheck, klingt nach spanischem Folklore-Pop. Ich schätze eine Sommerparty heute Abend. Man kann das Haus und den Garten mieten. Da wird oft gefeiert, schön grün, mitten in Mitte.

22. Juni 2023

Vor circa fünfzehn bis zwanzig Jahren hätte man mich mit Fotos von der Nürnberger Kaiserburg eher gelangweilt. Nun habe ich selbst welche gemacht. Nach meinem etwas pathetisch verkündeten Abschied und Schlenker in die Obere Schmiedgasse stehe ich nun auf einmal doch wieder vor dem Eingang zur Burg. Denn, tatataaa: ich habe ja die BURGSTRASSE noch gar nicht gewürdigt und dokumentiert. Also ich kehrte um und ging extra nicht die Bergstraße herunter, von der ich zur Burg gekommen war, sondern den anderen Weg, der außerdem direkt zum Hauptmarkt führt. Das ist die Burgstraße. Und rechts von der Burg sind die Kaiserstallungen, die hätte ich auch fast vergessen. Also die Unterbringung der kaiserlichen Rösser, vormals Kornspeicher. Heute beides nicht mehr. Denn heute ist da eine schicke Jugendherberge drin. Eine wirklich erste Adresse für junge Reiselustige. Mir ist gerade nicht geläufig, bis zu welchem Alter man da logieren darf. Moment, ich checke das. Aha! Man darf in jedem Alter dort eine Übernachtung buchen, aber für Jugendliche sind die Preise sehr viel niedriger pro Person. Interessant. So, und jetzt darf ich mich aber wirklich umdrehen und nun endgültig runter vom Burgberg, schnurstracks die Burgstraße entlang. Es gibt wirklich kein Zurück mehr bei diesem Spaziergang. Mein Zug fährt ja auch demnächst, also flott Richtung Hotel Saxx am Hauptmarkt, die Reisetasche mit der Hochzeitsgarderobe beim Portier abholen.

21. Juni 2023

Happy Birthday To You, Happy Birthday To You, Happy Birthday lieber Struppi, Happy Birthday To You! Das erste Tauben-Baby ist geschlüpft! Ich weiß nicht, wieviele Tage das schon her ist, oder ob gestern irgendwann. Foto von gestern Abend. Ich denke vielleicht vorgestern oder so. Interessant, dass kein einziger EischaIensplitter im Nest ist. Ob die aufgegessen wurden? Inzwischen haben sich Mama und Papa Taube daran gewöhnt, dass ich einmal am Tag auf den Balkon gehe und gieße. Allerdings sehr behutsam, ich will dem kleinen Nest keine kalte Dusche verabreichen. Möglicherweise ist nun heute auch schon das zweite Täubchen geschlüpft und ich habe es nicht mitgekriegt. Die sind ja so still! Kein Tschilpen und Piepsen. Mama und Papa Taube sitzen immer komplett sowohl auf dem Ei als auch auf dem Kleinen, ich sehe es nicht. Ich könnte jetzt mal mit ein bißchen Radau auf den Balkon und dann wäre es klar. Aber ich lasse mich überraschen. Das Foto habe ich gestern kurz vor Sonnenuntergang, mit ein bißchen Verrenkung über die Balustrade vom Balkon gemacht. Das wuselige kleine Ding sieht so struppig aus, dass ich beschlossen habe, es Struppi zu nennen. Tim und Struppi! Bin gespannt, wann Tim schlüpft. Man könnte denken, ich interessiere mich außerordentlich für Tiere, das ist gar nicht der Fall! Aber wenn sie einem so putzig serviert werden, gerne auch lebendig!

21. Juni 2023

Update Aloe, Foto von letzter Woche. Jetzt habe ich verstanden, dass die Blüten-Blättchen nicht “aufgehen“, das ist schon das fertige Blütenstadium. Sie ist also grün mit ein bißchen gelb. Oben gibt es immer noch die Knospe, nach unten werden sie langsam trocken und klappen nach unten. Der Stengel ist inzwischen über einem Meter hochgeschossen. Wieder was gelernt. Lernen durch Beobachten.

21. Juni 2023

Ein leerstehendes Ladengeschäft. Gefällt mir. Das müsste die Obere Schmiedgasse 43 sein. Oder 42? Ich weiß nicht, wie die Reihenfolge der Hausnummern dort ist. In Berlin haben wir so viele Varianten, einmal die, dass Nummer aufeinanderfolgen, dann die, dass gerade oder ungerade Nummern nebeneinander sind und auch noch irgendeine andere Variante, die mir gerade nicht einfällt. Jedenfalls: ein schönes Geschäft in erster Lage. Wäre auch schön für eine Galerie. Ob es wohl immer noch leersteht? Fräulein Gusti könnte dazu sicher Auskunft geben. Aber ich kenn sie ja gar nicht!

20. Juni 2023

In Zeitlupe und in Schleifen vom Burgberg nach unten. Die Obere Schmiedgasse ist noch ganz nah dran. Die Flucht der Sichtachse hat mich zufällig den Tiergärtnertorturm richtig gut erwischen lassen, das ist der Turm, dessen Rückseite und Spitze auf die Bastei mit dem Baumrondell ragt. Und: Albrecht Dürer ist hier ganz oft entlangegangen. Täglich. Denn ganz hinten links am Ende, nicht zu sehen, weil um die Ecke, steht sein Haus. Aber da war ich ja schon ausführlich. Ich drehe hier keine Wiederholungsschleife.

19. Juni 2023

Bye bye, Burg und Burggarten. Am Eingang ist der Lageplan, ich war überall, wo eine Nummer dransteht. Insgesamt gut vier Stunden auf der guten alten Burg und in den Gärten verbracht. Mittlerweile ist es kurz nach achtzehn Uhr. Noch drei Stunden Zeit bis mein Zug nach Berlin am Nürnberger Hauptbahnhof fährt. Ich schlendere durchs Tor und zickzack durch Altstadtecken, die ich noch nicht gezeigt habe, den Berg hinunter, Richtung Hotel, wo ich meine Reisetasche deponieren durfte. Es geht also noch ein bißchen weiter mit Nürnberg, aber das verträumte Burgkapitel ist zu Ende. Hier ist das ganze Album vom Burggarten versteckt.

19. Juni 2023

Ich sehe schon das Tor vom Burggarten, da gehe ich gleich hinaus. Mein schönster Spaziergang im letzten Jahr, siebenunddreißig Jahre war ich nicht da. Viel Erinnerung, doch wie ein erstes Mal.

18. Juni 2023

An einem so heißen Tag wie diesem zweiten Juli des letzten Sommers, eine schattige Oase: die Burgwiese am frühen Abend. Ich ziehe mich nun für ein paar Stunden zurück. In Berlin ist heute ein herrlicher Sommertag, genießt alle den weiteren Nachmittag.

18. Juni 2023

Immer mit der Ruhe, ich schreibe kein Fast Food Blog. Ina meinte vorgestern, wir waren wieder beim Berlin Beat Club im Ballhaus, dass mein Spaziergang durch die Kaiserburg und die Basteien ja schon ein Jahr her sei, und ich jetzt erst darüber schreibe. Ich erinnerte daran, dass ich bereits nach meiner Rückkehr im Juli und August letzten Jahres viele Einträge zu Streifzügen durch Nürnberg verfasste, aber eben nicht alle. Dann kam das Stones Jubiläum, dann starb die Queen, da gab es auch viel zu verarbeiten. Ich mache nur einmal so eine gründliche Aufarbeitung. Mir gefällt es, der Langsamkeit des Spaziergangs entsprechend, etappenweise die vielen schönen Ecken und Details zu würdigen. Es ist zum Glück kein Ort, der sich stark verändert, ganz im Gegenteil. Die geradezu archaische Schönheit der Festung wird seit Jahrhunderten bewahrt. Insofern ist es egal, ob ich Bilder von 2022 oder 2023 davon zeige. Ich habe leider keine aus der Zeit, als ich dort lebte, obwohl ich auch als Teenie immer irgendeinen analogen Fotoapparat hatte, aber damals kultivierte man das nicht wie heute. Und schon gar nicht dort, wo man seinen Lebensmittelpunkt hatte. Das ist eine Entwicklung unserer digitalen Zeit, nicht nur auf Reisen oder an besonderen Festtagen die Kamera herauszuholen. Als Teenie wäre ich auch viel zu sehr auf dem Sprung zu irgendeiner Verabredung gewesen. Nie bin ich durch fast einsame Gärten in Nürnberg gestreift, auf der Burg war ich zum Bardentreffen, von daher waren mir die Wege durch die Bastionen und zum Burggraben vertraut. Ein angenehmes déjà vu, weil es ja immer ein erfreulicher Anlass war. Ich habe noch ein paar Bilder bis zum Ausgang in petto. Ein Ort zum Schlendern und Flanieren, ohne Hast und sportlichen Ehrgeiz. Sonst wär ich längst schlapp!

17. Juni 2023

Zur letzten Bastei bei meinem Burggartenspaziergang, zur Schwedenbastei. Da sind, nah am Eingang, mehr Besucher, aber es ist immer noch nicht annähernd so voll wie auf der Freiung. Ich paparazze eine Familie. Die Farben, das leuchtende Rosa und Pink vor flirrendem Grün, die ganze Choreographie fasziniert mich.

16. Juni 2023

Im Schatten der Bäume der „Großen Bastei“. Weil ich gerade die älteren Herrschaften mit Gehhilfe sehe: man muss keine Treppen steigen, um in die Basteigärten zu kommen. Die Treppen, die ich genommen habe, sind nicht der übliche Weg in die Burggärten, ich kam sozusagen aus dem Backstage. Der übliche Weg ist ein anderer, der ohne viele Stufen nach oben führt, die Burgstraße nach oben und dann gegen den Uhrzeigersinn um die Burg herum.

15. Juni 2023

Ein ganz besonderes Gefühl, auf den höchsten Ebenen der Bastionen herumzulaufen. Von unten kann man nicht gesehen werden, von oben schweift der Blick in große Weiten, man hat den Überblick. Die Wälle aus Sandstein geben mitunter Rätsel auf, wie sie an Ort und Stelle kamen. Überliefert ist, dass 1430 zeitweise 800 Mann am Ausbau der Mauern und Gräben gearbeitet haben.

15. Juni 2023

Und das hier, auch beim Baumrondell, ist der Tiergärtnertortum, aber nur die obere Hälfte mit der Spitze. Der komplette Turm mit dem unteren Teil ist nur von der anderen Seite zu sehen, wenn man vor dem Tiergärtnertor steht, dem wuseligsten, belebtesten Platz an der Burg überhaupt, mit vielen Restaurants und Cafés, genau gegenüber vom Haus von Albrecht Dürer. Geradezu spektakulär finde ich den Kontrast, dass dieser Burg-Hotspot rückwärtig, mit dem Baumrondell oben auf der Tiergärtnertorbastei, eine derart verträumte, wenig frequentierte Oase ist. Der extreme Kontrast wird mir jetzt erst so richtig deutlich, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das Relief mit dem Doppeladler finde ich auch grandios. Die Entstehung des Tiergärtnertorturms wird auf das späte 13. Jahrhundert datiert, steht bei Wikipedia. In dem Eintrag habe ich auch eine Abbildung eines tollen Gemäldes gefunden. Ein schottischer Maler, nämlich William Bell Scott, hat im Jahre 1854, frei komponiert, Albrecht Dürer auf dem Balkon seines Hauses gemalt, von wo er auf das Tiergärtnertor und den Turm schaut. Mir ist bislang nicht bekannt, dass an dem Haus von Albrecht je ein Balkon gewesen wäre. Also ein Phantasiebild, mit aber vielen stimmigen Details, wie dem Turm und dem Platz an sich. Der Maler hat vielleicht eine Reise nach Nürnberg unternommen, auf den Spuren seines Idols, daher die doch weitgehend genaue Darstellung des Platzes und der Perspektive. Falls es den Balkon nie gab, eine gute Idee, einen dazuzuerfinden und Albrecht herunterschauen zu lassen. Albrecht Dürer war da schon ein paar hundert Jahre tot. Interessant, dass das Szenario einen schottischen Maler beschäftigt hat. Ein echter Albrecht-Fan.

14. Juni 2023

Noch ein bisschen Baumrondell. Weil es so schön ist, und auch weil ich schon wieder eine Leserin auf einer Parkbank paparazzt habe. Sie blickt weniger gefesselt, eher angestrengt konzentriert, und ich glaube, ich habe einen flüchtigen Blick auf den Buchdeckel der Lektüre erhascht. Wohl was Juristisches oder Wirtschaftliches.

14. Juni 2023

Das luftige Baum- und Blumen-Rondell im hoch gelegenen südlichen Burggarten muss man ausführlich betrachten, auch der Blumen wegen. Ich widme diesen Eintrag meiner Blumen-Freundin Cosima, die heute Geburtstag hat! Vielleicht mal eine Ausflugsidee.

14. Juni 2023

Zur Erinnerung: ich ging vom Bürgermeistergarten kommend, an dem lesenden jungen Mann mit dem Goethe-Buch vorbei, dann ging es ums Eck, eine kleine verwinkelte Treppe hinauf, noch ein Durchgang und dann war ich plötzlich da, ich wusste nicht, wie mir geschah! Wie auf einem Plateau ist der große Platz mit den rund gepflanzten Bäumen auf einer der Bastionen. Es ist der südliche Burggarten, nicht mehr der Bürgermeistergarten. Das schreibe ich, weil man Fotos von diesem Platz in Verbindung mit dem Bürgermeistergarten beim Googeln bekommt. Das ist falsch. Das war nicht das Revier vom Bürgermeister, sondern vom Kaiser. Übrigens hat Kaiser Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Albert Viktor von Preußen, der letzte deutsche Kaiser, bis zu seiner unfreiwilligen Amtsenthebung 1918, tatsächlich ab und zu auf der Nürnberger Kaiserburg logiert. Was Kaiser Karl IV. recht war, war Kaiser Wilhelm gerade gut genug. Er war ein sehr standesbewusster, nostalgischer Monarch, der sich noch im Exil im niederländischen Doorn gerne hochherrschaftlich verwöhnen ließ.

12. Juni 2023

Die dritte Balkon-Überraschung ist der Balkon von meiner Werkstatt. Die Eberesche davor wurde vor über einem Jahr ganz arg zurückgestutzt, dass ich mich über jeden Zweig gefreut habe, der bis zum Balkon hochgewachsen ist. In diesem Frühling habe ich eine richtige kleine grüne Wand direkt vorm Balkon, es ist, als schaue ich in eine Wolke aus gefiederten Blättern. Und gestern Abend, beim Gehen, steht die Haustür auf und meine Nachbarin links hat den Gartenschlauch vom Hinterhof durchs ganze Haus gezogen, um damit an den Baum auf der Straße heranzukommen und wässert ihn gründlich. Deswegen sieht er so prächtig aus. So eine Baumkrone direkt vorm Balkon erspart fast schon die eigene Bepflanzung. Es ist wie mitten im Grünen. Ich bin ganz begeistert.

12. Juni 2023

Balkonüberraschung Nummer Zwei. Auf meinem anderen Balkon zum Hinterhof wächst ein Bambus, ein Flieder, meine Schneeballhortensie, eine blaue Hortensie, ein Knöterich und an den Wänden Weinlaub. Die Hortensien sind sehr durstig und ich gieße jetzt immer täglich, einmal am Abend. Seit ungefähr einer Woche fällt mir auf, dass ich durch das Gießen eine Taube aufschrecke, die auf dem äußeren Balkonsims, versteckt hinter Blätterwerk sitzt. Das gab mir doch zu denken und als sie am Samstag wieder wie aufgeschreckt hochflog, sah ich mir ihren Platz genauer an. Und da entdeckte ich die zwei weißen Eier. Es wird gebrütet! Habe mich gestern schlau gemacht und gelernt, dass Tauben monogam sind, immer zwei Eier legen, ihrem Brutplatz treu sind und sich Männchen und Weibchen beim Brüten abwechseln. Angeblich brütet der Taubenpapa von 9 – 14 Uhr, die Taubenmama am Nachmittag und Abend. Ich weiß nicht, wen ich da erwischt habe, es war früher Nachmittag. Die Brut dauert wohl ca. achtzehn Tage, und wenn die Kleinen geschlüpft sind, bleiben sie ewig und drei Tage im Nest, bis sie annähernd so groß wie die Eltern sind. Ganz anders als die Wanderfalken vom Sinwellturm. Die sind längst flügge, haben Fliegen und Beute machen gelernt und kommen nur noch selten zurück ins Elternhaus im Sinwellturm. Bei den Taubenküken muss dann wohl angebaut werden, wenn die solche Stubenhocker sind. Das Nest sitzt auf einem länglichen Blumenkasten, wo nicht viel gewachsen ist, ich kam auch nicht so richtig gut ran. Jetzt hat er eine sinnvolle Verwendung. Gefällt mir.

12. Juni 2023

Zur Abwechslung Berliner Balkonbilder. Dieser Juni ist für mich der Monat der Balkon-Überraschungen. Gleich dreimal wurde ich überrascht. Das ist Überraschung Nummer Eins auf dem Balkon zur Auguststraße. Da steht eine von vielen Aloe Vera-Pflanzen, die mindestens zwanzigste Generation schon. Habe viele Kinder. Ich kann mich nicht erinnern, dass schon mal eine geblüht hätte. Aber die scheint sich sehr wohl zu fühlen, ich vermute, die Blüte wird gelb. Es gibt gelbe und orange Blüten, bin schon sehr gespannt.

11. Juni 2023

Ich lege eine kleine Verschnaufpause von meinem Nürnberg-Spaziergang ein. Die habe ich mir nach rund vierzig Fotoalben auch verdient. Hier sind soweit alle chronologisch, die Geschichten dazu sind immer im Header verlinkt. Also wenn ich Nürnberg nicht kennen würde, hätte ich jetzt direkt Lust, es mir mal anzuschauen! Ich fahre nun in meine kleine Werkstatt und vollende das gelb-weiß-goldene Kaleidoskop-Werk, Nummer vier glaube ich. Mit Jenny, Maria und Saskia auf Fotos von Wabe-Flyern und Eintrittskarten usw. usf. Fehlt nur noch eine kleine Lage Blattgold.

11. Juni 2023

Hinter dem steinernen Durchgang geht es weiter, an Bänken vorbei. Auf der hintersten sitzt ein junger Mann und liest. Ich vermutete anhand der Weise, wie er das Buch hält, dass es sich bei dem Büchlein um erbauliche, irgendwie romantische Lektüre handelt. So hält man kein Handbuch mit Tipps zur Steuererklärung. Ich habe mal ein bißchen rangezoomt und meine, da steht GOETHE. Mit diesem erbaulichen Szenario schließe ich das Album Bürgermeistergarten. Das nächste ist schon in Arbeit. Und ein paar andere Sachen habe ich auch noch vor, an diesem schönen Sonntag. Erst mal Kaffee und Frühstück auf dem sonnigen Balkon.

11. Juni 2023

Und weiter und so weiter. Beim Recherieren über den Nürnberger Bürgermeistergarten hatte ich auch Suchergebnisse zu einem Bürgermeistergarten in Wien und einem in München. Soweit ich das anhand des überschaubaren Bildmaterials zu dem in Wien und München beurteilen kann, ist der Nürnberger Bürgermeistergarten schon besonders romantisch, auch was die Lage, Bausubstanz und die Ausblicke anbelangt. Wien hat ja häufig die unübertrefflichsten Sehenswürdigkeiten, aber in Sachen Bürgermeistergarten hat eindeutig Nürnberg die Nase vorn. Der in München ist eine Parkanlage um eine neobarocke Villa herum.

10. Juni 2023

Für mich sehen die Skulpturen wie Kapitell-Fragmente eines monumentalen Bauwerks aus. Vielleicht sind sie erst nach dem zweiten Weltkrieg im Bürgermeistergarten aufgestellt worden. Ich finde keine Quelle im Internet dazu, ihre Herkunft liegt im Dunkeln.

09. Juni 2023

Unsere BVG. Vorhin fährt eine Straßenbahn an mir vorbei, darauf steht in riesiger Schrift (sinngemäß) „Nicht nur bist hier zweigleisig unterwegs.“ Auf dem Bahnsteig kecke große Aufkleber mit dem Hinweis „Deine Nummer für DIRTY TALK…!“ Dann eine Tel.-Nr. der BVG, wo man mitteilen soll, wenn Züge verschmutzt oder bekritzelt wurden. Beides ein Hingucker. Ich kann mich über solche dreideutigen, anzüglichen Wortspielereiern nicht so wirklich aufregen, finde es eher lustig. Frage mich aber, ob es etwas prüdere Zeitgenossen gibt, die davon pikiert sind. Ich vermute ja. Ist von euch jemand pikiert?

09. Juni 2023

Oh. Blick in eine andere Zeit. Zoom. 21st century. Fata Morgana durchs Bürgermeistergartengebüsch. Da fährt eine Straßenbahn (Erfindung 1881, Werner v. Siemens). Mit beiden Beinen im Mittelalter, Blick auf die Adresse Neutorgraben 5 und den angrenzenden Stadtteil Johannis. Dort, auf dem alten Friedhof liegt Albrecht Dürer. Die Hesperidengärten, ein Renaissancegarten, sind auch ein Highlight für Romantiker. Da war ich aber im letzten Juli nicht. In meiner Jugend zog es mich in die „Desi“ und den „Hecht“. Die „Desi“ gibt es immer noch. Ein alternatives Kulturzentrum in der Brückenstraße. Geradezu ein schicksalshafter Ort für mich. Aber das Epos erzähle ich heute nicht. Eine längere Geschichte.

08. Juni 2023

Bürgermeistergartenmäuerchen. Wenn er sich ein bißchen zu weit drübergebeugt hat, ist er in den tiefen Burggraben geplumpst, der Bürgermeister. Ist aber bestimmt nicht passiert. Heutzutage ist unten im Graben ein Biergarten, früher war dort das Bardentreffen.

08. Juni 2023

Lasse nebenher Germany’s Next Topmodel laufen, die eine Kandidatin bekam ein nicht begeistertes Feedback von Philipp Plein auf ihren walk. Elle Macpherson, auch Gast-Jurorin heute, war nicht so direkt. Die Kandidatin danach im Backstage ins Mikro: „ich fands geil, es hat geBockt, ich war confident.“ Oder höre ich schon schlecht? Hat sie gesagt „es hat gerockt“? Oder ist das eine neue trendy Redewendung zu sagen „es hat GEBOCKT“? Weiß da wer mehr? Ich finde die gar nicht so schlecht, falls. Oder habe ich die hiermit erfunden, weil ich nicht mehr richtig hören kann?

08. Juni 2023

Im Bürgermeistergärtlein gibt es auch ein Brünnlein. Je tiefer ich mich in meine Burgbilder einarbeite, umso mehr komme ich in einen Märchentante-Modus, in dem ich alles verniedlichen möchte und niedlich finde. Aber das ist es doch auch! So putzig. Dem Herrn Bürgermeister, dem ersten zivilen, den es ab 1818 gab, wurde ein eigenes Wohntürmlein am anderen Ende vom Garten zugedacht. Aus Wackersteinen, angrenzend an den altehrwürdigen Burggarten. Damals war so eine revolutionäre Übergangsphase, wo der erste zivile Bürgermeister (in Nachfolge des „Königlichen Magistrats“), nicht aus einem Patriziergeschlecht stammte. Kann man alles nachlesen. Jedenfalls war er als erster „Erster Bürgermeister“ in Nachfolge von adligem Geblüt tätig. So hat man sich gedacht: ein Patrizier oder Kurfürst oder Kaiser ist er ja nicht, aber schon auch wer! Auf der Kaiserburg soll er nicht wohnen, aber ganz nah dran! Ein kleiner Ritterschlag. Und ein Gärtlein kriegt er auch! Mit einem Brünnlein mit Wasserhahn. Ganz modern!

07. Juni 2023

Ich spaziere immer noch in der Erinnerung herum. Ich verarbeite die Bilder, bevor sich mein 2.-Juli-Marathon-Nürnberg-Spaziergang jährt. Sich wiederholende, ähnliche Motive ergeben das Bild, wie die Nürnberger Altstadt über die bekannte Postkartensilhouette hinaus aussieht. Schön ist auch, dass es ausnahmsweise mal keine Friedhöfe sind, wo sich blühende Romantik und Ruhe finden. Nach dem Heilpflanzengarten kam ich unten am Neutor, einem der wichtigsten alten Stadttore heraus, ging durch einen Torbogen und schon zeigte sich abermals ein Garten-Zugang, der den „Bürgermeistergarten“ ankündigte. Ebenfalls erhöht in der Bastion gelegen, zwischen Burggraben und Mauer. Früher, bis 1974, war das der persönliche Garten, der dem Bürgermeister zur Verfügung stand. Seit 1975 ist er der Öffentlichkeit zugänglich. Er sieht ein bißchen anders aus als der Heilpflanzengarten, da es dort alte Steinskulpturen gibt. Mein Alltag ist gerade recht unruhig, die Ruhe in den Gärten tut mir gut, auch wenn ich sie nur auf Fotos sehe.

06. Juni 2023

Am vierten Juni, also vorgestern, Sonntag, war ich gut drauf. Am dritten Juni hingegen war ich überhaupt nicht gut drauf, ich fühlte mich unerklärlich schlapp, den ganzen Tag lang, legte mich zwischendurch hin. Am Sonntag ganz das Gegenteil. Da habe ich mir gleich die Kamera genommen, um das Ereignis festzuhalten. Das Wetter war perfekt, nicht zu kalt, nicht zu warm, herrliche Sonne, ein Lüftchen. Gestern und heute bin ich so mittel drauf, weil viel Arbeit und hin und her und innere Hektik. Aber am vierten war ich gut drauf! Ich bin an sich nicht der Typ, der schlecht drauf ist, ich bin nur not amused, wenn ich einen freien Tag habe und mich schlapp fühle, als wäre man schon alt. Das geht ja mal gar nicht.

05. Juni 2023

Ich kann durch Mauern gehen…! Der Heilkräutergarten, also der Neutorzwinger, hat einen Ausgang, wie er einen Eingang hat. Hinein treppauf, heraus treppab, durch dieses wunderbar beschlagene Holztor. Adresse Neutor 3, in der Nürnberger Altstadt.

05. Juni 2023

Herrlich blauer Himmel und putziger Hut von putzigen Turm. Welchem? Auch Teil der Kaiserburg. Nicht vom Sinwellturm, bei dem endet die Wetterfahne mit der „Fahne“, keinem darüber hinausragendem Schniepel. Und die Kugel ist beim Sinwellturm ganz türkis. Nicht so wichtig. Aber interessant: die Elemente sind bei allen Burgtürmchen komplett gleich: Kugel und Fähnchen. Ich studiere gerne Details, wenn mir etwas insgesamt gefällt. Die gar nicht unwichtige Virtuosität aller Einzelheiten einer Komposition.

05. Juni 2023

Auf den letzten Schritten durch den Heilpflanzengarten erscheint die Burg wieder im Blick. Innerhalb der Bastion mit den Wällen, Gräben und Festungsmauern ist keine Gefahr verloren zu gehen. Als ich noch zu Mauerzeiten nach Berlin zog, ließ ich mich auch gerne treiben, in der Gewissheit, dass ja irgendwann die Mauer kommt und daher nicht zu befürchten ist, im absoluten Nirwana außerhalb des BVG-Netzes verloren zu gehen. Ich hatte schnell gelernt, dass es Nachtbusse gibt. Mir ist noch deutlich in Erinnerung, dass es immer wieder Menschen gab, die erklärten, sich in Westberlin eingesperrt zu fühlen, würden sie dort leben. Die hatten aber auch nicht diese innere Wahrnehmung, dass Westberlin der freieste, weil freigeistigste Lebensraum im ganzen Land war. Vielleicht immer noch ist. Berlin hat in meiner Wahrnehmung eine besondere DNA. Eine dynamische, leicht aggressive libertäre Grundsubstanz. Warum auch immer. Auch Nürnberg galt innerhalb Bayerns politisch als weniger konservativ, was an den Wahlergebnissen von SPD und Grünen abzulesen war.

04. Juni 2023

Mehr Alice-im-Wunderland im Heilkräutergarten. Außer mir war da für ein paar Minuten ein junges Paar, das ein gemeinsames Selfie machte. Ich beobachte immer wieder gerne heimlich, wie das vonstattengeht. Ein Platz wird gewählt, konzentriert verschiedene Positionen getestet. Kurz vor dem Auslösen wird breites Lächeln angeknipst, als sei es eine Zusatzfunktion der Smartphone-Foto-App, die sich nach der Serie sofort deaktiviert. Dann werden die Bilder betrachtet. Bei Unzufriedenheit folgt eine neue Serie. Dann wird kontaktlos weiterspaziert, hintereinander, jeder für sich allein.

04. Juni 2023

Ein entrücktes Refugium für Romantiker. Es war ein Samstag Nachmittag und auf der Burg wimmelte es vor Besuchern aus aller Welt. Doch diesen versteckten, nahen, nahezu menschenleeren Neutorzwinger suchen und finden nur wenige Findige oder Einheimische. Die junge Frau auf der Bank, mit dem Buch in der Hand, vielleicht Studentin, die Pflichtlektüre auf angenehme Weise erledigt. In ihrem Studentenwohnheim hat sie sicher keinen Balkon.

04. Juni 2023

Immer noch im Heilkräutergarten. An der Rückseite der ungefähr zweieinhalb Meter hohen Holzfigur ist ein Schild, darauf steht:

„ZEIDLARIUS NORIMBERGENSIS.
Aus der Volkskunst der Figurenbeuten.
HIER LEBEN BIENEN.“

Daheim muss ich googeln, was „Figurenbeuten“ sind, noch nie gehört. Da lese ich: Die Figurenbeuten sind eine eigene sorbisch-deutsche Form der Volkskunst, die in Schlesien, im nördlichen Böhmen, in der Lausitz, in Sachsen und Thüringen zu finden war. Zunächst hatte man abgeholzte Baumstämme für die Imkerei verwendet. An diesen Klotzbeuten wurden die Einfluglöcher der Bienen mit reliefartigen Gesichtern verziert, deren große Augen starr und drohend blickten. Dadurch sollten Krankheiten und böse Geister, aber vor allem diebische Tiere und Menschen von den Bienenstöcken ferngehalten werden. Ab dem frühen 18. Jahrhundert entwickelten sich aus den aufrecht stehenden Klotzbeuten die überlebensgroßen Holzfiguren, die oft als Wachen neben weiteren Kastenbeuten standen.“ Honigdiebe sind heute vermutlich keine bedeutungsvolle Verbrechergattung mehr, umso schöner, dass da ein Hönigwächter steht. Hat etwas Märchenhaftes. Die Bildhauerin Birgit Maria Jönsson hat das Holzschnitzen an der Akademie für Holzschnitzerei in Oberammergau erlernt. Den Honig kann man dann wohl in ihrem feinen Atelier in der Bergstr. 23 neben dem Albrecht-Dürer-Haus erstehen. Da hängt so ein Schild mit einer großen goldenen Biene.

03. Juni 2023

Im Heilkräutergarten wird gerade gegossen, jemand mit Strohhut wässert die Stauden. Es gibt Bänke und ich finde eine an der rückwärtigen Mauer, im Schatten. Bei zweiunddreißig Grad sehr erholsam. Ich lege eine Rast ein und hole meinen Proviant aus der Tasche. Schöner Platz, sehr idyllisch. Ich frage mich, wie lange es den Garten gibt. Ich kann es nicht verifizieren, aber es ist wohl eine neuere Nutzung. Mir ist auch nicht bekannt oder klar, ob der Neutorzwinger bereits in den Achtziger Jahren geöffnet und begehbar war. Und selbst wenn, hätten wir als Jugendliche urbanere Ziele fokussiert und bevorzugt. Eine schöne Entdeckung.

03. Juni 2023

Eine Treppe nach oben, beim Zugang Neutormauer 3 zum Heilpflanzengarten im Neutorzwinger in der Altstadt von Nürnberg. Wikipedia erklärt Zwinger in der Architektur: „Der Zwinger vor einem Stadttor ist ein befestigter Raum zwischen Haupttor und Vortor einer mittelalterlichen Stadttoranlage. Die Stadttore waren oft in Form eines Torturms gestaltet, wobei dem Haupttor ein zweites, manchmal auch ein drittes Tor vorgelagert war. Vor den Stadtmauern wurde im Bereich der Stadttore in der Regel dabei ein zweiter Mauerzug vorgebaut, in dem sich das Vortor befand.“ Aha.

03. Juni 2023

Am Ende der Neutormauer – für mich – aber eigentlich am Anfang, bei der Hausnummer 3, ist der Zugang zum Neutorzwinger, wo sich ein Heilpflanzengarten versteckt. Nicht gewusst. Schaue ich mir an.

02. Juni 2023

Letzte Meter Neutormauer. Und dann entschwand ich. An einen überraschenden Ort. Kleiner Cliffhanger! Das wird die nächste Strecke von meinem völlig planlosen Nürnberg-Spaziergang.

02. Juni 2023

Neutormauer, Neutorstraße, Neutorgraben, Neutorbastion… uff. Verwirrend, diese ähnlichen Straßennamen im derselben Ecke. Also ich bin die Neutormauer entlang, mit diesen rosa Sandsteinquadern, dann ging davon eine Seitenstraße ab, die hieß Neutorstraße. Da war dann der abgeschrabbelte Bäckersladen, der den Betrieb aufgegeben hat. In meinem Mittelaltertaumel hielt ich es schon für möglich, dass der Bäcker inclusive der verblichenen, leicht zerfledderten Markisen auch noch aus Albrecht Dürers Zeiten stammt. Bei soviel Liebe zu Relikten des Mittelalters und der Renaissance. Aber das ist Unfug, schätze ich mal. Der Bäcker hat wohl vor wenigen Jahren sein Geschäft aufgeben müssen, die Konkurrenz von Backwaren aus dem Discounter war zu groß. Auch denkbar, dass in einer solchen Premium-Wohnlage anderweitig gespart wird, bei der Miete hat man ja keine billigere Alternative à la „Ach, ich gebe meine Mietkosten diesen Monat mal Aldi“. Wohnraum-Discounter in Spitzenwohnlage wurden nicht erfunden.

31. Mai 2023

Mauer ist nicht gleich Mauer. Die in Nürnberg trutzig putziges Wahrzeichen aus Sandstein, die Berliner aus Stacheldraht und Beton trauriges Symbol von Trennung. Als Schulkind habe ich nicht verstanden, wieso immer Aufhebens um die alte Nürnberger Stadtbefestigung gemacht wird. Sie war einfach da, wie eine Kirche in jedem Dorf. Ich kannte als Kind ja gar keine andere Stadt ohne mittelalterliche Stadtmauer. Heute weiß ich, dass diese sehr lange Sandsteinmauer um den Altstadtkern sehr wohl etwas Besonderes ist, was den Umfang, die gewaltige Größe, und das Ausmaß ihrer beständigen Erhaltung seit dem Mittelalter angeht. Linker Hand grüßt ein Dürer-Hotel, gegenüber sonnenwarme Sandsteinquader.

30. Mai 2023

Ich habe versäumt zu erwähnen, dass der Affenfelsen im Nürnberger Stadtplan anders heißt, nämlich „Am Ölberg“. Und da fängt eine Straße an, die von einer Seite von der Neutormauer begrenzt wird, die Straße heißt auch Neutormauer. Hier gibt es linker Hand ganz normale Wohnhäuser, manche sehr farbenfroh, wie hier Ecke Radbrunnengasse. Mich zog es an der alten Sandsteinmauer entlang, im Halbschatten immer der Nase nach. Ich hatte nun keinerlei konkrete Pläne mehr, außer mich ohne Blick auf die Uhr treiben zu lassen, innerhalb der Altstadt zu bleiben. Ich war neugierig, ob ich weitere Déjà-vus bekomme. Wie einen plötzlich an einer Ecke eine Erinnerung an ein Erlebnis befällt. Ich konnte nicht einmal erinnern, ob ich je zuvor so gezielt an der Neutormauer entlang gegangen bin. Zu lange her, alles. Und Nürnberg ist nicht so klein. Es gibt schon Ecken, wo ich nie war, auch innerhalb der Altstadt. Jedes Gässchen kennt man wohl nur in einer Kleinstadt. Früher hätte ich nie gewagt, mich für eine Mietwohnung in der historischen Altstadt zu interessieren. Meine Freunde wohnten damals überwiegend in Gostenhof oder in der Südstadt, das galt noch als bezahlbar. Viele in WGs. Wenn man da jemanden besuchte, hatte man gleich eine Handvoll neuer Bekanntschaften, sehr praktisch, wenn man jung und erlebnishungrig ist. Ich selbst wohnte nie in einer WG, hat sich nicht so ergeben, und ein kleines Reich für mich erschien mir auch reizvoller. Genug Kontakte hatte ich ja. Meine erste eigene, also gemietete Wohnung in Gostenhof war im Hinterhof, der war sehr gesellig und grün, mit Biergartenbänken und im Vorderhaus eine WG mit vielen guten Freunden. Eigentlich habe ich da irgendwie mitgewohnt, saß dauernd mit ihnen zusammen in der Küche, wir kochten und feierten zusammen und so war ich bestens vernetzt. So ein Künstlervölkchen. Alle hatten irgendwas mit Musik und Kino zu tun. Eine aus der WG war die Cousine von Hannes Jänicke, sie schrieb Filmkritiken. Ob sie ihn da löblich erwähnt hat, ist mir aber nicht bekannt. Was ich an WGs nicht so attraktiv fand, war das gemeinsame Benutzen des Badezimmers, dass man sich da irgendwie absprechen muss und auch mal anstehen wie auf Klassenfahrt im Landschulheim. Das erschien mir unkomfortabel.

Als Teenie hatte ich eine Freundin, die mit ihrer Familie in einem schicken Bungalow in einem Vorort irgendwo zwischen Nürnberg und Fürth wohnte. Ihre Mama war eine ganz schicke Frau mit platinblondem Pagenkopf. Die Küche im Bungalow war offen, hatte einen weiß gekalkten Tresen zum Wohnbereich. Einmal hatte meine Freundin die Idee, dass wir ihre Mama in Nürnberg abholen, wo sie privat in einer Wohnung zum Essen eingeladen war. Bei ihrem besten Freund, der ein älterer Professor war. Unverheiratet lebte er alleine in einer Wohnung in der Nähe der Burg. Das war der aufregendste Besuch in einer Wohnung, an den ich mich erinnern kann. Alles wirkte supermodern und schick und durchgestylt. Viele große Bücherwände, moderne Kunstwerke an den Wänden. Und der Knaller: durch die großzügigen Fenster im Esszimmer – wo eine lange Tafel ganz edel gedeckt war – ich glaube mit einer Tischplatte aus Glas – sah man die nächtlich beleuchtete Kaiserburg. Ich war schwer beeindruckt. So toll wollte ich auch einmal wohnen! So etwas hatte ich bis dahin nur in französischen Filmen gesehen. Da muss ich wohl abgespeichert haben, dass man sich so eine Hammerwohnung nur als Professor leisten kann, von denen man ja wusste, dass sie schön viel verdienen. Und ich war ja kein Professor! Also habe ich mich nicht getraut, nach einer Wohnung in der Nähe der Burg zu schauen.

29. Mai 2023

Süße Grüße aus Berlin. Fotos von vorhin, Pfingstmontag. War, ist, super Wetter. Ich habe rumgewerkelt, wieder an so einem Kaleidoskop. Gestern angefangen, teilweise schockiert, was ich da gefunden und angeordnet habe. Wie ich mir vor zweiundzwanzig Jahren den Arsch aufgerissen hatte, mit unfassbarer Hingabe einen Internetauftritt (für wen) entworfen habe, einzelne Seiten, super aufwändig, war dann auch nicht umsetzbar, zu komplex. Aber so schön und detailliert, was ich mir da ausgedacht hatte. Von den entworfenen Seiten hatte ich kleine Ausdrucke gemacht. Die habe ich heute angeordnet. Entzückend. Unglaublich. Jetzt kann ich es wenigstens so auf diese Weise würdigen. Nun Nr. 5. Wäre ja auch schade. Mir schwebt schon eine Ausstellung vor, in der ich Themenräume mache, einzelnen Herren gewidmet. Das werden mindestens drei sehr opulente Räume. Träume, keine Schäume…!

29. Mai 2023

Der Affenfelsen. An diesem sehr hitzigen 2. Juli 2022 war er am frühen Nachmittag leer, die Sonne brannte heiß. Am frühen Abend gab es Halbschatten, und so manche hatten sich niedergelassen.

29. Mai 2023

Eine Treppe im Gestein vom Affenfelsen führt in die Altstadt. Eine meiner liebsten Ecken. Wenn ich dort wohnen würde, dann am liebsten in der Nähe der Burg. Ich habe mal im Internet neugierhalber Mietwohnungen in St. Sebald recherchiert und war überrascht, dass sie gar nicht so extrem teuer wie erwartet waren.

29. Mai 2023

Hier sehen wir die Freiung, beliebter Aussichtspunkt der Kaiserburg, von unten. Die Burg ist auf einen Sandsteinfelsten gebaut, der Affenfelsen genannt wird. Schon immer ein beliebter Treffpunkt in der Nürnberger Altstadt, zu Füßen der Burg. Unverfehlbar, und es sitzt sich recht angenehm auf dem Gestein.

28. Mai 2023

Jetzt habe ich aber das letzte Tor hinter mir gelassen. Um das Burggelände tut sich auch immer etwas. Eine Braut steht herum, aber die ist nicht echt. Sie posiert vermutlich für Fotos für ein Brautmodengeschäft. Echte Bräute stehen nicht gelangweilt ohne Bräutigam herum. Außerdem strahlt eine echte Braut und hat auch einen Brautstrauß. Den Look mit den superlangen Fingernägeln finde ich auch etwas speziell. Sehr bling-bling alles. Wähnte mich Sekunden in Dubai. Mir war nicht klar, welcher Hintergrund fokussiert wurde. Da wo ich stand, war keine Burg. Für ein Burgfräuleinfoto hätte er in die andere Richtung halten müssen.

28. Mai 2023

Das war so ein Ausguck über eine hölzerne Treppe, wie ein gezimmerter Balkon im Allgäu. Am anderen Ende vom Gelände, wo es zu den Burggärten geht. Zu denen komme ich auch noch ausgiebig, viele Stunden später. Alle hatten Hüte auf, außer mir!

28. Mai 2023

Noch ein Tor und noch ein Tor und noch ein Tor. Das Verwinkelte und die Unüberschaubarkeit zaubern den besonderen Charme der Nürnberger Kaiserburg. Ich begeistere mich für jeden Torbogen.

28. Mai 2023

Zurück zur Kaiserburg. Nach den kaiserlichen Gemächern, Eisbecher im Burgcafé und dem Sinwellturm hatte ich doch ganz Wesentliches gesehen und spazierte vom Burgberg abwärts, der Meute hinterher, zu diesem Tor. Vielleicht war das das Himmelstor.

27. Mai 2023

Es geht weiter. Mein drittes oder viertes Kaleidoskop-Werk, work in progress. In wenigen Jahren, ja teilweise heute schon, wird es vielleicht gar keine gedruckten Eintrittskarten mehr geben. Ich hebe heute auch schon keine digitalen Tickets mit QR-Code mehr auf, die ich ausgedruckt bei mir hatte. In solche ästhetisch irrelevanten Dokumente meiner Ausgehaktivitäten wickle ich Obst- und Gemüseschnippelabfall, um Obstfliegen im Mülleimer entgegenzuarbeiten. Aber früher! Ja früher, da gab es fein gedruckte Eintritts-Billets, die man gerne einmal wieder angeschaut hat. Ich hätte fast geschrieben „in die Hand genommen“, aber das stimmt ja nicht, das wäre ja gelogen. Wer macht einmal im Jahr die Schachtel mit den Reliquien auf und hält sie nach und nach gegen das Licht. Niemand. Nur, wenn es ans Ausmisten geht, oder man gezielt etwas sucht. Aber selbst um ein Datum einer Veranstaltung zu rekonstruieren, braucht es kein gedrucktes Ticket, alles, was im digitalen Zeitalter über die Bühne ging, ist im Internet dokumentiert. Wollte ich wissen, wann genau die Veranstaltung war, zu der jeweilige Flyer mit den Fotos von Saskia oder Maria oder Jenny gehörte, kann ich in meinem facebook-Veranstaltungs-Archiv suchen, oder noch schneller finde ich es in meinem digitalen Foto-Archiv, wo ich die Damen ordentlich mit ihrem Namen und dem Datum getagged und in Alben gepackt habe. Meine Reliquien-Bilder mit dem wilden Kaleidoskop an Tickets, Zetteln, Quittungen, Flyern und Bildchen sind absehbar ein Auslauf-Modell. Antiquierte, nostalgische Dokumente, Schätze einer untergehenden Ära.

27. Mai 2023

Jetzt hätte ich fast die Gurkenmaske vergessen. Unverzeihlich. Einer meiner Top-Favoriten beim Maskenball. Katia war ein bißchen pikiert, als ich ihr mitteilte, dass ihr Sachbearbeiterinnen-Kostüm ernsthafte Konkurrenz bekommen hat, und fand es nicht so überzeugend, nur ein FOTO von einer Gurkenmaske als Maske zu präsentieren. Ich muss ihr doch zustimmen, dass die perfekte Gurkenmaske natürlich mit echten Gurkenscheiben gemacht werden muss. Diese Steigerung der an sich sehr hübschen Idee umzusetzen, behalte ich mir für den nächsten Maskenball vor. Quark wird ja nach einer Weile trocken und bröckelig, ich würde, um die Schicht unter den Gurkenscheiben für die Ballnacht dauerhaft zu machen, evt. auf ein Töpfchen Eldena von Aldi ausweichen. Aber sonst tipptopp die Maske! Auch das Frotteetuch um die Schultern. Ich weiß nicht, wer die Leute waren, aber sie waren nett.

26. Mai 2023

Zuguterletzt mehr Hintergrund zur Geschichte des Balls der Künstlerinnen, habe ich heute erst auf der fb-Seite der Alexander und Renata Camaro Stiftung gelesen: „(…) Der erste Ball der Künstlerinnen fand als Gegenstück zu den absurd prächtigen Hofbällen der späten Wilhelminischen Zeit statt, die im krassen Widerspruch zu den Lebensverhältnissen der übrigen Bevölkerung standen. Wir kennen die Bälle von den Bildern Adolph von Menzels und von denen des berüchtigten Direktors der Hochschule der Künste Anton von Werner, der den Frauen den Zugang zum Studium verweigerte und dessen Haus sich heute noch auf der anderen Straßenseite der Potsdamer Straße befindet. Dieser Ball ist also unter der Direktion von Käthe Kollwitz allen Konventionen zum Trotz als freier Maskenball erfunden worden. Frauen verkleideten sich, Männer waren als Frauen willkommen. Es sollte der Zeit und „trotz alledem“ etwas Freudvolles entgegengesetzt werden.“ An Käthe Kollwitz hätte ich zuletzt als Initiatorin eines wilden Tanzvergnügens gedacht, aber man lernt nicht aus! Sie war zuerst Schülerin an der Zeichenschule, dann dort Lehrerin und ab 1901 bis zu ihrem Tod 1945 (mit achtundsiebzig) Vereinsmitglied.

Auf der Vereins-Seite lese ich: „Bereits um 1900 feierten die Künstlerinnen opulente Kostümfeste in den jetzigen Räumen der Camaro Stiftung. Das Haus wurde 1893 für den Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e. V. als Mal- und Zeichenschule erbaut und die lichten, hohen Räume sind einst wie heute ein prachtvoller Rahmen für ausgelassene Feste.“ Das lässt vermuten, dass Käthe Kollwitz gleich zu Beginn ihrer Vereinsmitgliedschaft 1901, da war sie vierunddreißig, tatkräftig ihre Idee mit dem Ball umsetzte.

25. Mai 2023

Die Damen. Ja – aber was für Damen? Das verhält sich so, ich zitiere: „Der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. ist der älteste, aktive Zusammenschluss Bildender Künstlerinnen in Deutschland, gegründet 1867, als Frauen der Zugang zur Kunsthochschule verwehrt war. Der Verein vergibt alle zwei Jahre den „Marianne-Werefkin-Preis“ an zeitgenössische Künstlerinnen. Unter anderem waren Lotte Laserstein, Käthe Kollwitz und Paula Modersohn-Becker Mitgliederinnen des Vereins.“ Der Verein hatte früher eine Balltradition, die letztes Jahr wiederbelebt wurde. Einmal im Jahr findet nun wieder ein Maskenball statt, bei dem sich die Künstlerinnen in besonderer Aufmachung präsentieren. Faszinierend, dass der Ball in denselben Räumen stattfindet, wo er früher war. Heute befindet sich in dem Gebäude in der Potsdamer Straße 98 die Alexander und Renata Camaro-Stiftung. Was für eine schöne Tradition, dort zu tanzen, wo schon Lotte Laserstein, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker und auch Jeanne Mammen feierten. Ein guter Geist in diesen ehrwürdigen Räumen. Zum Ball der Künstlerinnen sind übrigens auch Herren geladen!

24. Mai 2023

Ich bin eine Romantikerin aus dem Bilderbuch. Das führt offenbar dazu, dass ich von Orten angezogen werde, die ein besonders romantisches Potenzial haben. Die ehre ich dann ausführlich, gebe mich hin und ignoriere den Rest der Zivilisation, der mir ein Dorn im Auge ist, sehr erfolgreich. Ich kultiviere die Idee, das Schöne auf ein Podest zu heben und das Unwirtliche absichtsvoll nicht mit Aufmerksamkeit zu ehren. Vielleicht bringt das dem Rest der Welt und der Evolution nichts, aber mir persönlich sehr viel. Ganz insgeheim hoffe ich, mit der Würdigung des unstrittig Schönen ein bißchen zu manipulieren, Vorstellungen einer schöneren, heileren Welt zu verankern. Als Inspiration, als Plan. Idealismus, oder? Mich fasziniert immer wieder, dass es Erscheinungsformen in unserer irdischen und himmlischen Welt gibt, auf deren Schönheit sich ein großer Teil der Menschheit einigen kann. Selten bzw. nie gehört, dass jemand einen strahlenden, farbintensiven Sonnenauf- oder Untergang langweilig oder gar hässlich findet. Oder ein Tierkind im Vollbild seines flauschigen Kindchenschemas. Die jährliche Flieder- oder Pfingstrosen-Blüte zum Kotzen fände. Nichts davon je gehört.

24. Mai 2023

Surprise, surprise… gut zehn Minuten Fußweg vom Alex und der donnernden, monströsen Mollstraße, tausendvierhundert Meter. Ja, wirklich. Verstecktes Paradies. Nur ich. Und Vogelgezwitscher

23. Mai 2023

Bin Fan: „Zwergenwiese Zwiebelschmelz“ (vegan). Vollmundig. Kein Fan: „Gelato Glassico Eispralinen Mango Maracuja“ (vegan). Nicht vollmundig. Essenstechnisch habe ich vom Gourmet-Aspekt keine Berührungsängste mit tierischen Nahrungsmitteln, zeige mich aber auch offen für nicht-tierische Nachbauten, wenn die Bestandteile nicht übermäßig dubios sind. Für wiederholten Kauf ist aber der Gourmet-Aspekt unerlässlich. Gilt auch für Tierisches.

23. Mai 2023

Nicht viel Text, nur Gedenken. Der Engel mit dem Grünspankleid trauert um die im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne der Mariengemeinde. Ich finde leider keinen Bildhauerverweis.

22. Mai 2023

Als erster deutscher Brauer wurde Bötzow mit seinem Qualitätsbier zum „Hoflieferanten seiner Majestät des Königs von Preußen“ ernannt. Und als solchem gebührte dem Familienoberhaupt und seinen Angehörigen mehr als ein Grab auf dem herrlichen alten Friedhof, der an das Bötzowviertel grenzt. Hat mans mal gehört! Ich schummle ein bißchen mit den Fotos in diesem Eintrag. Der gotisch insprierte Spitzbogeneingang zu einem Mausoleum hat nichts mit Bötzow zu tun. Der gehört zum Mausoleum Zeitler, einer zu großem Reichtum gekommenen Weberfamilie. Ein Sproß, Carl Ludwig Zeitler, wurde Baumeister und entwarf das Mausoleum. Mit seinen Brüdern war er Zeit seines Lebens Förderer der Wissenschaften und Begründer verschiedener wohltätiger Stiftungen. Noch nie gehört? Ich auch nicht. Aber nun!

22. Mai 2023

Aber schon auch hübsch, der kleine Kulissen-Tempel, gewissermaßen die Reihenhausvariante. Das war dann wohl seinerzeit für das kleinere Portemonnaie, wenn es für etwas Freistehendes oder den großen Tempel nicht gereicht hat. Aber immer noch imposanter als die Pappkulisse für Diana in Althorp. Gerüchte besagen, dass sie gar nicht auf der kleinen Insel beigesetzt wurde, sondern in der Familiengruft der Spencers in der Kapelle. Aber William und Harry wären ja an der Quelle, und die haben der Insel immer wieder Besuche abgestattet. Wer hat recht?

22. Mai 2023

Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte erläutert das Grab mit dem hübschen Familiennamen Dionysius: „Gotisierende Erbbegräbniswand mit vorgelagerter Gruft aus dem Jahr 1817. (…) Die Familie legte ganz offenbar Wert aus die Darstellung ihrer christlichen Religion. Der antike Weingott Dionysus war vermutlich nicht der „Namenspate“ des vermutlich aus einem (christlichen) Vornamen abgeleiteten Familiennamens, sondern der Heilige Dionysius aus vorreformatorischer Zeit.“ . Wenn in diesem Fall auch nicht der lustvolle Dionysos der Familie den Namen gab, will ich dennoch dessen Bedeutung in Erinnerung bringen. Bei Wikipedia heißt es u. a.: „Dionysos ist in der griechischen Götterwelt der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase. (…) In der Literatur und Poesie wird er häufig als Lysios (…) („der Sorgenbrecher“) bezeichnet.“ Dass er als auch Sorgenbrecher betitelt wird, war mir neu. Hübsch. Sehr, sehr hübsch. Klingt wie aus einem alten Film mit Heinz Erhardt. Plane, mich alsbald auf einen Sorgenbrecher zu verabreden. Oder auch zwei! Ach was – aller guten Dinge sind drei!

21. Mai 2023

Mehr Pomp! Ich oute mich als Fan bombastischer Grabstätten. Was bei der vergleichsweise schlichten Grabstätte von Familie Ende passiert ist, täte mich auch interessieren. Das sieht aus, als wäre vor dem Rundbogen irgendetwas entfernt worden, ein Relief oder eine Figur. Das kann doch nicht das Ende der Familie Ende gewesen sein, so eine leere Fläche. Wer liegt denn da alles? Ich mache mir Gedanken über das Familien-Ende der Familie Ende!

21. Mai 2023

Spreeathen. Auch auf meinem Rückweg von der Musikbrauerei. Da, wo die Greifswalder anfängt, gibt es auf der Anhöhe, dem echten Prenzlauer Berg, einen denkmalgeschützten Friedhof. Er heißt Georgen Parochial I. und hat selten schöne alte Grabstätten.

Die Abendsonne schien warm, ich ließ mich ein bißchen treiben.

20. Mai 2023

Greifswalder Straße. Mein Rückweg von der Klimtshow in der Musikbrauerei war ein Spaziergang die Greifswalder Straße entlang, Laufrichtung Alexanderplatz. Bestimmt keine Empfehlung in Reiseführern, diese verkehrsreiche Straße für einen Spaziergang zu wählen. Aber ich hatte auf dem Hinweg auf der anderen Straßenseite von weitem diese Ladenfassade des Tattooladens gesehen, die wollte ich näher betrachten. Es korrespondierte stilistisch vorzüglich mit dem eben in der Projektion Gesehenen. So konnte ich meine Stimmung ein bißchen in die reale Außenwelt ausdehnen. Sehr gelungen, das Art Déco-inspirierte Fassadenelement. Und wenige Schritte weiter kam auf einmal das Hotel Adele. Auch wie ausgesucht, denn eines der letzten Projektionsbilder war Adele Bloch-Bauer. Dazwischen ein fast archaisch anmutendes Fassadentattoo, Herrn Putin gewidmet, auch geschmackvoll, schwarz auf sandfarbenem Ocker. Zuletzt fing mein Blick die rhythmisch gut gegliederte Fassade des neuen großen Gold Palais Hotel auf der gegenüberliegende Straßenseite. Dank meines ausgeprägten Talents, die Welt ausschnittweise zu fokussieren, das heißt, wie ein Location Scout durch einen Passepartoutrahmen zu betrachten, war es dann ein durchaus angenehmer Spaziergang. Ich bin übrigens nicht tätowiert.

19. Mai 2023

Es wird noch mal bunt. Und damit schließe ich das Kapitel „Wie ich neulich bei der Multimedia-Show über Gustav war“. Übrigens bin ich nicht in jedem Fall von großen bunten Visuals oder Animationen beeindruckbar. Das muss schon geschmackssicher dargeboten sein. Ich sah einmal ausschnittsweise auf youtube einen animierten Zeichentrickfilm über das Leben von Vincent van Gogh, im Stil seiner Bilder aufbereitet. Ich konnte mir das nur zwei Minuten anschauen, mir wurde fast körperlich schlecht von dem Geflimmer, ich empfand da überhaupt keinen Mehrwert. Aber Viele fanden das Experiment toll, ja sensationell. Ich bin prinzipiell für alle Experimente, erlaube mir aber auch, etwas nicht zu mögen. Schnuppe ist mir dabei, ob es Mainstream ist oder nicht. Dass etwas breiten Anklang findet, ist für mich kein Auswahl- oder Ablehn-Kriterium für Qualität oder Relevanz. Ein großer Bekanntheitsgrad basiert auf einer Mischung aus gekonntem Marketing und dem Potenzial für breite Resonanz. Zu diesem Potenzial gehört unbedingt auch der Wille des Künstlers „da“ hinzuwollen. Also ganz nach oben. Gustav Klimt hatte diesen Willen. Und Albrecht Dürer und Gustav Mahler und Elvis usw. usf. Und die waren alle toll. Das wussten sie und wollten es dem Rest der Welt zeigen. Meine Privat-These zu weltlichem Erfolg ist seit geraumer Zeit, dass der Wille, sich professionellem Marketing zu unterziehen, genauso stark ausgeprägt sein muss, wie das künstlerische Potenzial und absolute Bereitschaft zur unausgesetzten Fokussierung darauf, in der DNA sein muss. Wer vor und nach dem Gepinsel oder Konzert oder Aufnahmestudio lieber chillt, kommt dann da eben niemals hin. Außerdem muss man den Status auch aushalten können, eine öffentlich bekannte Person zu sein. Einige kriegen es sehr konsequent hin, ihr Privatleben nahezu geheim zu halten, aber irgendetwas sickert halt immer durch. Wer privat in „it’s complicated“-Konstellationen lebt, wird mit einem prominenteren Status ein paar zusätzliche, Herausforderungen bekommen. Das will alles fein bedacht sein.

18. Mai 2023

Letzter Eintrag für diesen Tag. Es dämmert. Ich habe nach langer Zeit gestaubsaugt, mit seltener Lust. Danach Bordeaux getrunken und eine Kiste davon bestellt, fand den so gut, Château Mont-Saint-Pey 2020. Bestellt Jahrgang 2013. Hoffe gut. Bis morgen.

18. Mai 2023

Lavendel, Terracotta. Die geheime Kraft der Farben. Neulich ging mir durch den Kopf, ob es auf anderen Planeten Farben gibt, die wir nicht kennen, unvorstellbare Schattierungen, Töne, die wir niemals sehen werden. Ich ging an einem frühen, sonnigen Nachmittag die Hermannstraße entlang, ich fokussiere dann zumeist die alten Fassaden. Ein Mietshaus aus dem vorletzten Jahrhundert hatte einen Farbton zwischen Pastellgrün und Beige. Mir fiel die Bezeichnung für diesen Farbton nicht ein. Aber es gibt eine. Chamois ging mir durch den Kopf, aber das ist es auch nicht. Farben inspirieren mich ungeheuer. Ich bade darin, wenn sie mich in angenehmer Weise anspringen. Da tun sich Gefühlsexplosionen, ganze Zeitalter auf. Dieses Pastellviolett und angestaubte Orange. Was passiert da bei mir. Eine sehr verführerische Farbkombination ist für mich Orange mit Blau. Glücksgefühle, ekstatische Energien.