
vorgestern
berlin.
18. april 2004
eins nach dem anderen. nicht, dass mir gestern keine spektakulären makroaufnahmen unserer zauberhaften flora gelungen wären. aber vor allen anderen, möchte ich das nachfolgende schöne bild der welt unter keinen umständen vorenthalten:

was sehen wir? einen jungen mann an einem strand. einen sehr jun- gen mann am strand. nein. einen sehr, sehr jungen mann am strand. den ich nicht kenne. bis heute nicht. ich traf ihn gestern am flug- hafensee in berlin. ein unbekannter idyllischer ort, was der name nicht vermuten ließe. angrenzend an ein vogelschutzreservat. viele sanddü- nen. schwäne, enten. ein paar liebespaare. und ein paar nachwuchs- machos. hübsche kleine mädchen dabei. keck und selbstsicher. zwölf vielleicht, dreizehn. wie er da oben. noch nicht mal ein milchbart wächst ihm.
ich fotografierte nur die beiden stühle am strand und er fragte mich nach einer weile, ob er sich auf einen drauf setzen soll. da sage ich doch nicht nein. ich frage ihn: „willste mal gucken?“ er sagt: „ey klar – cool, zeig mal!“ (er duzt mich! – ich mag das ja – bei solchen gören…).
ich glaube, er hatte für sich beschlossen, dass ich irgendwie in ord- nung sein müßte, da ich ihn nur fragte, ob er eine mailadresse hätte, um ihm das bild zu mailen. er konnte sich leider nicht daran erinnern. der kleine frechdachs, mit seiner zigarette.
ich drehte eine ausgedehnte runde den strand entlang. kam zurück und er fragte nach mehr. fotos. ich sage: ‚ist doch quatsch, wenn du dich an deine e-mail-adresse nicht erinnern kannst, kann ich sie dir doch nicht zuschicken, hm?‘ da grinst er und stammelt irgendwelche buchstaben und irgendwas mit gmx. kriegt es nicht mehr zusammen, der kleine. tschüs. die anderen aus seinem kleinen clan rufen mir auch noch ein tschüs hinterher. ich mag solche begegnungen.
16. april 2005
15. april 2005
manchmal telefoniere ich mit dem papagei, von dem diese schwanz- feder stammt. die nette frau, die mit ihm lebt, hat mir gestern überra- schend diese außerordentlich große feder geschenkt. vorsichtig, am kiel mit einem stückchen tesafilm an einer halben meter langen trüf- felschachtel befestigt, so lang und breit wie die türkisblaue feder.

was für eine verpackung. so kann man mich aus dem häuschen bringen. dabei konnte sie weder wissen, daß ich mich derart über eine blaue papageienschwanzfeder freuen kann, noch mit welcher halt- losen begeisterung ich trüffel verzehre.
13. april 2005

vor einem jahr am 12. und 13. april.
milliarden sterne. ich wollte nicht im zelt schlafen, zugedeckt von einer schweren navajodecke den großen himmel sehen, die winde im canyon hören. das klare wasser vom san juan river, der sich irgendwo mit dem colorado verbindet, in einem felsenbecken des fast ver- trockneten flussbettes, gleich neben mir. was für ein glück, das erlebt zu haben. und diesen oder jenen tag im april.
12. april 2005
10. april 2005

feuerchen gemacht. das ist das erwähnte, mexikanische pink auf dem balkon in meinem kleinen atelier.
und auf dem friedhof wachsen fotomodelle

wer erkennt die schöne?
06. april 2005

heute blüht sie. einen tag.
04. april 2005

warum kenne ich kaum männer, die die farbe rosa mögen? weil es eine verweichlichte babyfarbe ist? weil ich insgesamt zu wenig männer kenne? testosteron? die schilddrüse? barbie? es gibt furchtbares rosa aber auch ganz zauberhaftes. so wie gestern.
03. april 2005
robert capa.
ich war also im martin-gropius-bau. die dort gezeigten abzüge von seinen fotografien sind nicht groß. formate, wie man sie in alben finden könnte.
von der ersten fotografie an fühlte ich mich zuhause. in seinen bildern. in seinem blick. was dieses gefühl verursacht, ist, wohin er sich begeben hat, um zu fotografieren. bilder von flüchtlingselend, kriegsschauplätzen, verlorenen existenzen, erschossenen. ruinen. die gesichter gegen ende des zweiten weltkrieges. da steht man und schluckt, denkt an eigene familienschicksale und daran, wie die geschichte des zweiten weltkriegs in die gegenwart reicht. ich jedenfalls.
wie kann man sich da zuhause fühlen? man kann, weil es sich um archaische augenblicke handelt, die er für alle zeiten festgehalten hat. augenblicke, die raunen.
an diese orte hat er sich begeben, um geschundene, verzweifelte, einsame, ungläubig staunende und gerührte menschen in einem schlüsselmoment ihres lebens auf seinen film zu bannen. es gibt kein bild ohne tiefes gefühl. existentielle erschütterung. rührung. entsetzen, wut, trauer, fassungslosigkeit, zärtlichkeit. innige momente. nie kalte entblößung. keine innere distanz, äußere ganz sicher. so weit wie nötig.
wie hat er das gemacht. er war nah dran, weil man ihn ließ. ich glaube, er hat die menschen wissen lassen, was er vorhat. das spürt man. und wäre es nur ein sekundenlanger blick gewesen, der das einverständnis sucht. das sind keine bilder aus dem hinterhalt.
da steht man und schluckt. und hat das gefühl, in jenem moment genau am richtigen ort zu sein. einer dieser seltenen momente von völliger gegenwärtigkeit. die haut beginnt zu vibrieren und man fühlt, man ist jenseits der banalität.
es war ziemlich dumm, gleichzeitig eine karte für die umfangreiche ausstellung von stanley kubrick zu kaufen, der eine etage höher mit vielen requisiten aus seinem lebenswerk vertreten ist. ich konnte das nach diesen eindrücken in keiner form würdigen, und bin eigentlich nur unkonzentriert und eilig durchgelaufen, mit capas bildern und jenen des wunderbaren dokumentarfilms, der gezeigt wurde, im kopf. beim essen wäre man nicht so dumm. man hätte einen verdauungsspaziergang gemacht oder ein nickerchen.
mich hat in diesem moment kaum ein detail irgendeines kubrick-films interessiert. ein neugieriger, aber flüchtiger blick auf das faszinierende modell jener babypuppe, die in 2001 durchs weltall schwebte, rotierte. diese puppe hat die augen eines erwachsenen. sie sehen aus wie echte glasaugen. solche, die man als prothesen einsetzt.
innerlich war ich immer noch bei capa. neben diesen leidvollen dokumentationen, machte er auch bilder wie diese wunderbar flirrende serie von picasso am strand. mit françoise und dem schirm. ich liebe dieses foto. es begleitet mich seit vielen jahren und klebt immer an irgendeiner wand. ein bild, das das glück eines augenblicks zeigt. ich wusste nicht, dass es von robert capa ist.

03. april 2005
meinethalben. man nenne mich blümchenknipserin. mir doch scheißegal – da lache ich doch nur.

sonnabendsonne
02. april 2005

im grunewald
jetzt bin ich aber ganz schön müde vom vielen geschenke auspacken. na ja. geburtstag hat man ja auch nicht jeden tag. mein berlin-geburtstag. in der nacht vom ersten auf den zweiten april habe ich mich auf den weg gemacht . vor neunzehn jahren . ich hab diesen tag gerne.
01. april 2005
eine bildergeschichte.

wünschen hilft eben doch
30. märz 2005
der link da ist nur, weil ich gerade so schön gelacht habe (was heißt nur!)
30. märz 2005
falls irgendjemand dieses zeichen erkennt, bitte in den kommentaren antworten. ich weiß nicht, was das ist, obgleich ich meine, es schon gesehen zu haben. möglicherweise könnten sinologen oder alchemie-affine weiterhelfen. wa- rum ich das überhaupt wissen möchte, und wo ich es her habe, erkläre ich später gerne noch. eventuell.
;-)
es ist weder ein mir bekanntes astrologisches symbol noch eine rune. vielleicht existiert es in mehreren kulturen gleichzeitig. mich interessiert die jeweilige geographische und ethnologische herkunft und zugewiesene bedeutung. entscheidend für den grundsätzlichen vergleich ist die form dieses zeichens, weniger die ausführung.
29. märz 2005
hilde

hilde
27. märz 2005
musik für sentimentale sonntagnachmittage wie diesen. rendezvous von j. terrasson & c. wilson und cassandras new moon daughter kann man, vorausgesetzt, man mag cassandra wilson überhaupt, blind kau- fen. wie eigentlich überhaupt alles von ihr. (‚belly of the sun‘ und und und…)
‚autumn leaves‘ u. ‚if ever I would leave you‘ auf der ersteren, und ‚love is blindness‘ (u2 cover), und last but not least, vor allem allem anderen ‚harvest moon‘ auf der zweiteren, liebe ich über alles. ich finde neil young-coverversionen tendenziell eher unzulänglich bis überflüssig, aber cassandras version von harvest moon schlägt alles. zum heulen schön.
27. märz 2005
schon merkwürdig, wie einen eine beinahe flüchtige bemerkung auf einer anderen seite von den socken hauen kann. gestern hatte ich die muße, nicht nur die gerade aktuellen beiträge von herrn kid in seinem hermetischen café zu lesen, sondern lust, mal zum anfang zu blättern und richtung gegenwart zu lesen.
ich war ein wenig überrascht, dass er ja noch gar nicht so lange schreibt, da mir sein schönes café schon beinahe wie eine institution vorkommen mag. dann las ich diesen eintrag. und wurde auf mich zurückgeworfen. ich las stratocaster. das reichte schon. und ein film lief vor meinem auge ab.
mein bruder, der nicht mehr lebt, spielte eine fender stratocaster, eine wunderschöne schwarze. und ich habe sie verloren. bei seinem unfall lag sie wie ein schatz neben ihm auf dem beifahrersitz. ich holte die gitarre ein paar tage danach ab, von dem ort, an dem der unfall geschah, in belzig. nahe berlin. er war ja auf dem weg zu mir. auf dem koffer zwei tropfen blut.
es war schwer, in ostberlin mit dem koffer über die grenze zurück nach westberlin zu kommen, denn ich hatte die gitarre nicht eingeführt, in die ddr. verheult stand ich stundenlang am grenzübergang friedrichstraße und stammelte, dass das die gitarre meines toten bruders sei. der koffer, das ‚case‘, hatte eine form, die für einen laien nicht gleich erkennen ließ, dass darin eine gitarre sein könnte. vielleicht sehen kalaschnikoff-behältnisse ja ähnlich aus. keine ahnung. kurz bevor die uhrzeit für die frist meines visums ablief, ließen sie mich gehen, nachdem mehrere telefonate zwischen ost- und westberlin geführt wurden, und sie verstanden hatten, dass auf dem hoheitsgebiet der ddr ein westberliner bürger tödlich verunglückt ist.
die gitarre. seine geliebte strat. verwaist stand sie in meiner wohnung. bis ich jemandem begegnete, der für eine zeit ein guter vertrauens- würdiger freund wurde. er verstand, was der verlust für mich bedeutete auf einer tieferen ebene, und ich fand es plötzlich in ordnung, wenn ich ihm für das einspielen einiger aufnahmen die stratocaster geben würde. er hat mich nie darum gefragt oder gebeten, es war meine idee. er war völlig demütig und respektvoll, als ich ihm wirklich die gitarre gab. als würde ich ihm eine seele anvertrauen. ich glaube, niemand hätte zu dem zeitpunkt behutsamer mit dieser gitarre umgehen können. ich wollte sie ihm nicht mehr wegnehmen, weil ich fand, dass er ihr wieder leben geben würde. dafür war sie ja da. nicht, um eine reliquie zu werden.
dann verloren sich unsere wege, einfach so. wie das manchmal so ist. ich dachte immer – wenn ich sie zurückwollte, müsste ich sie mir ja nur holen. ich habe es bis heute nicht getan. und es liegt nun schon siebzehn jahre zurück. eigentlich sollte die gitarre einer seiner söhne bekommen, mein bruder hat zwei söhne, der eine damals noch nicht geboren, der andere ein kleinkind. und heute spielt der eine tatsächlich e-gitarre und der andere klavier. ich könnte einen jungen mann sehr sehr glücklich machen, mit der gitarre seines vaters. aber es ist so lange her, und ich habe große hemmungen das anzupacken. niemand fordert das von mir. aber vielleicht sollte ich es eines tages doch noch versuchen.
26. märz 2005
und wenn ich schon lobhudle, kann ich auch noch gleich auf die umwerfenden tierbilder von herrn schmerles einen link setzen. (ich glaube ja, er ist in wahrheit dr. doolittle und verrät es nur nicht, bescheiden wie er ist)
25. märz 2005
25. märz 2005
wofür in drei teufels namen hat heinz rühmann zwölf bambis gekriegt? als kind mochte ich ihn auch. seine biographie der dreißiger und vier- ziger jahre hat erschreckende details. zwölf bambis.
rühmanns bambis

alle zwölf bambis von heinz rühmann, inclusive rockzipfel vom köpenick-mantel
22. märz 2005
ja, ich bin eben ein alter hippie.

(lustige zufallsbildchen vom mediaplayer zu sweet jane, coney island baby und hafencafé bis die kartoffeln durch waren)
20. märz 2005
18. märz 2005
marlenes schminke, peggy guggenheims herumgevögle. lauter momentaufnahmen. kleinste sequenzen. ablenkungsmanöver. nichts wesentliches.
die wesentlicheren dinge sind oft nicht benennbar. im guten wie im argen. (nicht im ‚bösen‘ – daran müsste man glauben, um diesen merkwürdigen begriff zu übernehmen). das gewaltige raubt die worte, raubt den atem, manchmal den verstand.
wozu also. um irgendeinen faden weiterzuspinnen. hier und da einen kleinen knoten zu knüpfen. ein zartes netz, ausgang unwägbar. das macht es auf jeden fall interessant. es gibt einen unberechenbar- keitsfaktor. im ungewissen bin ich zuhause. das fühlt sich immer vertraut an.
ich habe festgestellt, dass ich mich nicht wohl dabei fühle, direkt auf dieser seite, auf der ich schreibe, eine liste von verlinkungen zu anderen seiten zu setzen, auf denen geschrieben wird. selbst wenn ich diese schätze. ich fühlte mich beinahe, als ob mir diese ganzen adresseninhaber beim schreiben über die schulter sehen würden. das macht mich nervös. ich muß allein sein, wenn ich etwas schreibe.
woher sollen die, die ich regelmäßiger lese und schätze, es dann wissen, dass ich das tue? sie können es wenigstens vermuten, durch seltene kommentare oder einen hinweis in einem text von mir. vielleicht legt sich diese kleine feine hysterie irgendwann.
in den letzten drei wochen habe ich den kreis derer, die ich täglich lese, reduziert, das hatte eine beruhigende wirkung. es gibt nur noch zehn lesezeichen. was haben wir eigentlich alle früher gemacht?
18. märz 2005
marlenes koffer
marlenes schminkkoffer

marlenes schminkkoffer
17. märz 2005

was das bild da oben soll. ich habe vor ungefähr zwei wochen angefangen, in dieser seltsamen biographie zu lesen. mittlerweile ist sie im badezimmer gelandet, griffbereit, gegenüber von einem gewissen örtchen, falls mir nach lektüre sein sollte. tja. da liegt es nun, das dekorative büchlein. und heute morgen dachte ich mir – sieht ja aus wie hindrapiert, sollte ich mal knipsen.
der grund, warum es nicht vorangeht ist, dass mich an dem buch so manches nervt: peggy guggenheim ist mir nicht nur auf sämtlichen fotos unsympathisch (trotz zum teil humorig drapierter sujets), sondern wird auch noch auf eine art beschrieben, die bislang keinen zweifel daran lässt, dass sie eigentlich nur eine verwöhnte schnepfe à la paris hilton war, die aus langeweile die nähe von künstlern gesucht und mehr oder weniger gekauft hat. subtil formuliert.
letztlich hat guggenheim ihren zaster sinnvoll angelegt und ich habe ja eigentlich sympathie für menschen, die konventionen sprengen – aber bisher werde ich mit ihr darüberhinaus nicht warm.
des weiteren ist mir schleierhaft, wieso die biographin eine amateur-psychoanalyse übelster sorte fabriziert. man spürt, dass sie keine echte sympathie für ihre zentrale figur hat – wieso schreibt jemand über eine person, der man so spürbar distanziert gegenübersteht. rätsel über rätsel. ich frage mich die ganze zeit, inwieweit mich die kalte seziererei in richtung antipathie manipuliert und diese daher überhaupt gerechtfertigt ist.
peggy guggenheim hat eine autobiographie geschrieben, die vielfach erwähnt wird. vielleicht sollte ich mir die stattdessen holen. (ist ja zum glück nur geliehen, der blöde schmöker)
andererseits – wozu soll ich meine zeit mit der toten peggy guggenheim verbringen?
17. märz 2005
17. märz 2005
lubitsch
ernst lubitsch im filmmuseum berlin
filmmuseum berlin

videoinstallation im filmmuseum berlin
14. märz 2005
das gagabuch ist hierher umgezogen. ab sofort darf kommentiert werden – obwohl ich das ja lange nicht so gerne haben wollte. es wurde nun aber wieder und wieder bemäkelt, und ich bin jetzt willig. wer freche bemerkungen macht, kriegt freche bemerkungen zurück bzw. der schwachsinn wird gelöscht. je nachdem, wie ich gelaunt bin. niemals gelöscht dagegen werden lobhudeleien, komplimente aller art, liebeserklärungen. nichts einzuwenden ist außerdem gegen geschenke (am liebsten möglichst große pralinen-schachteln mit viel nougat und krokant sowie große tafeln feinster schokolade; bitte nicht zartbitter, das bin ich schon selber).
11. märz 2005
heute wüst bepinselt väterchen frost ignoriert. nackig durch die hütte gesprungen, in sonnenflecken gefaulenzt, undara dawn von david hudson, abgefackelte vanille und sagebrush aus arizona in der nase. es dauert nicht mehr lange, mit dem schnee. versprochen.

lieblingsecke am u-bhf. alexanderplatz
und… schön, dass es noch männer gibt, die sich über ein gemaltes herzchen von mir freuen…
09. märz 2005

ein bild, das an irgendeinem tag der letzten monate entstehen hätte können. es ist vom vierten februar. wenn man wollte, könnte man schneeflocken studieren. heute war der schnee flockiger als sonst, jede flocke wollte für sich bleiben. eigensinnig. ich bin zuhause, wo es warm ist und versuche direkt ins objektiv zu blicken. das ist nicht immer so einfach, wie man denkt – wie man sieht
09. märz 2005
ich träumte erinnerbaren unfug letzte nacht:
die nicht ganz unbekannte gruppe rolling stones machte eine art inkognito probe/tourauftakt-konzert in einem laden-artigen, nicht sehr großen raum mit riesigen glasscheiben und turnstunden-atmosphäre. in irgendeiner deutschen stadt, nicht eindeutig identifizierbar. vielleicht ein randbezirk von berlin.
ich laufe zufällig die straße entlang, wo das ereignis stattfindet, komme an den großen glasfronten vorbei, es ist noch hell, später nachmittag vielleicht. ich weiß nichts von diesem konzert und wundere mich über die veranstaltung. ich erkenne durch die scheiben die einzelnen musiker, keith richards in einem weißen schlabberhemd rechts von jagger, der irgendetwas grünlich schimmerndes anhat und beim singen lässig mit den schmalen hüften wippt. der rest, charlie watts etc., bleibt eher im hintergrund, wie immer. die musiker sind gut drauf und geben sich viel mühe, sie scheinen regelrecht freude am musizieren zu haben.
im gegensatz zu der schwerfälligen menge vor ihnen. in ca. zwei meter abstand zur band, die auf derselben ebene wie das publikum steht, drängelt sich ein pulk von leuten im alter zwischen dreißig und vierzig mit gelangweilten gesichtern. manche bewegen sich eher mühevoll und lustlos, als müßten sie die zeit irgendwie herumbringen. freudlos, kaum den takt haltend. die meisten stehen hölzern herum.
sie wirken allesamt wie bestellte statisten, die sich noch nicht einmal die mühe gemacht haben, sich umzuziehen. einige tragen ausgeleierte jogginganzüge, in verwaschenem grau und rosa, komische zerdrückte kurzhaarfrisuren, wie gerade aus dem bett gekrochen. sie sehen ziemlich verlottert aus, wie jemand der auf die schnelle in der tankstelle nach ladenschluss noch etwas besorgen will, und zu faul ist, sich straßenkleidung anzuziehen.
die musiker tun mir leid, weil das publikum so uninteressiert ist, und ich schäme mich fast ein bißchen für die freudlosen menschen, weil sie ja immerhin aus meinem herkunftsland sind.
ich gucke schon eine kurze weile von der anderen straßenseite durch die scheibe, als mick jagger (übrigens gut in form) plötzlich aus dem raum auf den gehsteig robbt. wie durch zauberhand durchdringt er das fensterglas, auf dem bauch liegend. dabei singt er lächelnd weiter in sein handmikrophon und gibt mir zeichen, ich solle doch näher kommen. ich bin immer noch auf der anderen seite der straße und reagiere nicht sofort auf seine gesten, da ich es nicht für möglich halte, dass er, der berühmte mick jagger, tatsächlich mich meint.
er macht aber immer weiter mit seinem gewinke und dann komme ich schließlich doch zu ihm und gehe in die hocke, da er immer noch auf dem bauch liegt und singt. er flüstert mir, halb singend, irgendetwas ins ohr. sinngemäß ungefähr, dass ich unbedingt auch hineinkommen soll, es gäbe noch eine tolle party. so in der richtung. ich bin gleichzeitig fasziniert und überrumpelt. unentschlossen überlege ich eine weile.
szenenwechsel
ich erkenne im hinteren teil des raumes eine sehr gute freundin im publikum und bin verwirrt, dass sie mir nichts von diesem konzert erzählt hat. ich bin nicht wirklich mit ihr im selben raum. das konzert ist zu ende.
szenenwechsel
nächster tag: ich mache der freundin vorwürfe, sie hätte doch wissen müssen, wie gerne ich auch dabei gewesen wäre. sie wird rot vor lauter verlegenheit, fängt an zu stottern und meint, sie könne selbst nichts dafür, sie hätte vor kurzem völlig unerwartet eine gehaltserhöhung in zwei raten (?!?) bekommen und da wäre die konzertkarte zufällig mit im umschlag für die erste rate gewesen, und das sei alles eben ganz kurzfristig gewesen. sie stottert und stottert und ich bin fassungslos und stinksauer.
ich sage, dass ich das sehr komisch fände, dass sie ausgerechnet dieses ja doch sehr bemerkenswerte konzertereignis nicht für erwähnenswert gehalten hat, wo sie doch genau wüsste, was für ein stonesfan ich sei und sie doch sonst immer alles en detail erzählen würde. daraufhin stammelt sie beschämt noch eine weile herum, so dass sie mir fast schon wieder leid tut. ich ziehe mich daraufhin belämmert und grübelnd zurück. jedenfalls für den tag. einerseits zwar enttäuscht des versäumten konzertes wegen, aber andererseits und das umso mehr, wegen ihres kryptischen verhaltens.
an der blöden stelle bin ich dann leicht genervt aufgewacht und habe mich noch einmal umgedreht, in der hoffnung noch irgendeinen anderen murks zu träumen. am hanebüchensten war die absurdität der verdrucksten reaktion der freundin. die real existierende frau ist galaxienweit von irgendeinem undurchsichtigen getue entfernt, so dass ich mich über die geradezu beleidigende fehlbesetzung der rolle fast schon geärgert habe.
ach ja – ich habe die ollen stones anfang der neunziger zwei mal live gesehen und seither null interesse an einem weiteren konzert in olympiastadionformat. so ein kleines, feines, unrealistisches clubkonzert wäre gegebenenfalls schon eine nette sache. nur, warum ich davon geträumt habe, wissen die götter. ich kann mich absolut nicht erinnern, wann ich mir zuletzt einen kopp darüber gemacht hätte, ob die nun demnächst irgendwo auftreten oder nicht. und als ’stones-fan’ hätte ich mich vielleicht vor zwanzig jahren bezeichnet – wenn überhaupt. auch ist mick jagger nicht der traum meiner schlaflosen nächte, obwohl ich ihn als ikone schon durchaus nach wie vor mag und respektiere.
ich freue mich ja immer, wenn ich mich ausnahmsweise mal an das nächtliche wirrwarr erinnern kann und das ganze auch noch – zumindest dramaturgisch – halbwegs schlüssig ist…
j a e g e r
j a e g e r
dein herz ist ein jäger
die worte sind muskeln
sind lockender schweiß
ziel und gefahr
kein tier zu erlegen
nur blicke wie feuer
geruch eines lachens
und du bist gewahr
die losung ein handgriff
die beute ein flackern
In augen und herzen
die beute ist nah
das lauern erregt dich
ein tänzeln und taumeln
sie wirft sich zu füßen
und waidwund ergibt sich
kaum dass es geschah
der pfeil tief im innern
er traf im vorbeigehn
verliert sie die fassung
dem ende ganz nah
sich noch einmal windend
erlegt nun ihr lachen
ihr leben und feuer
und nichts bleibt mehr da
da liegt deine beute
doch du kannst kein blut sehen
und nimmst deinen köcher
bist längst nicht mehr hier
dein herz ist noch hungrig
es schreit tief im abgrund
nach fleisch und nach liebe
die feuer gebiert
das fleisch fressen fliegen
das blut trinkt der boden
das feuer entwichen
du lässt es zurück
bald knochen und erde
dem tod übergeben
versunken begraben
es gibt kein zurück
du ziehst immer weiter
dein herz bleibt ein jäger
du bist schon ganz müde
der köcher ist leer
und träumst immer weiter
vom lauern und beuten
verhungert nach blicken
dein herz ist nur schwer
dein herz ist ein jäger
es spürt all die pfeile
mit denen du zieltest
sie bleiben zurück
ein teil in der beute
ein teil tief im herzen
zerissen von blicken
von abschied und schmerz
dein ziel war das feuer
du nahmst es und gingst dann
es weiter zu tragen
um nahrung zu sein
für eine für viele
für mich oder diese
dein herz bleibt ein jäger
und du bist allein
dein herz ist ein jäger
hoffnungslos suchend
rastlos und fluchend
ahnst die gefahr
jäger gejagter
lockend und rufend
sehnsüchtig blutend
jenes geschah
zornig verzweifelt
siehst du die blutspur
auf deinem weg
der hinter dir liegt
dein herz bleibt ein jäger
sein schlag ist der köder
sein trommeln verhängnis
in feuer verwahrt
© gaga 2003
08. märz 2005
05. märz 2005
28. februar 2005
21. februar 2005
lächelndes eis

dabei war ich doch nur durch ein fenster auf das verbotene dach geklettert, um den sonnenuntergang zu sehen…

letzten freitag

in charlottenburg

auf einem einsamen windigen dach

13. februar 2005
dienstag

helmut newton stiftung
mittwoch

warten auf die s-bahn
09. februar 2005
kann leider im moment keine beiträge schreiben und so, bin gerade nach hamburg gefahren. beweis
06. februar 2005
ein paar verwackelte bilder von gestern
der schnee ist schon seit ein paar tagen weg, und jetzt scheint die sonne. noch mal bilder vom eis vom dach in der sonne, weil es so schön war, vor drei tagen fotografiert. ich glaube, diese eisbrocken hat niemand außer mir jemals gesehen… ist ja auch selten, dass auf einem dach eis liegt und der schnee ist schon weg. das eis funkelt wie kristall. ein zauberhaftes geschenk. bedeutet mir mehr als irgendwelche klunker für den hals.

schmelzendes eis
03. februar 2005
ein wenig betrunken – und schön. betrunken meine ich. das andere vielleicht auch. man guckt ja nicht in den spiegel, so spät in der nacht.
ich höre abwechselnd street hassle, perfect day und modern dance. na schnackelts? lou reed. und finde es so schade, dass man das nicht automatisch hören kann, wenn man das liest. aus dem rechner. wie ich es höre.
da schimpfe ich immer auf das ganze trashige gepansche aus aller welt im supermarkt, wein meine ich – und habe mich testweise, aus faulheit, in einen ordentlichen laden zu gehen, mit einem aus südafrika betrunken, von meinem supie um die ecke, knapp sechs euro, und bin glücklich wie nach einer flasche bestem bordeaux. street hassle. das stück dauert über zehn minuten. viel zu kurz.
ich guck mal aufs etikett: ‚swartland winery’ shiraz steht da. weiter nix – ach so: 2003. der is lecker. große überraschung. sehr große überraschung. man ist ja schon gehemmt in der richtung. also ich zumindest. nicht wegen standesdünkel, sondern furcht vor scheiss- dreck. neulich habe ich mich durch ein paar junge franzosen in dem jetzt auch neuerdings in der hardenbergstr. eröffneten ‚jacques weindepot‘ geschlürft, davon hat mir keiner so gut geschmeckt wie der hier. irgendwas stört mich an diesem komischen weinladen. ich weiß nicht genau was es ist. das ist mir irgendwie zu… weiß nicht. gefällt mir nicht. lässt sich gar nicht in worte fassen. atmosphärisch. ich trau dem laden irgendwie nicht. ich bin ein bißchen enttäuscht gegangen, ohne was zu kaufen, nebenan in den gutsortierten supermarkt am zoo und eine flasche chateauneuf geholt, scheiß drauf.
muß wein, der mir schmeckt, ausgerechnet so scheiße teuer sein, denke ich jedes mal. ist doch prima, wenn mir in der unteren kategorie was zusagt. etiketten sind mir schnurzegal. nur meistens liegt im supermarkt nur parfümierter scheißdreck im regal. aber der tut richtig gut. erst trinken, dann die augenbrauen hochziehen. ich habe genug edelstes zeug getrunken, um das zu beurteilen. das kann ich riechen. das trinkt sich aber auch weg…
eigentlich wollte ich doch nur mal wieder ein bißchen was schreiben. und dachte so, hörte so, dieses cello in street hassle oder diese celli vielmehr, und bedauere bedauere bedauere – – – denke, wie blöd das immer ist, wenn da einer oder eine in seinem, ihrem seitchen textstellen zitiert, kurze hinweise auf musikstücke – ohne die verlinkung auf dem tablett zu servieren. wen interessiert das, das ist doch scheiße. keiner liest einen musiktitel, der in einem dahingeworfenen brocken schwärmerei genannt wird und recherchiert dann sämtliche mp3-dateien danach durch – es sei denn man hats und kennts. das ist so hoffnungslos, hilflos. ach schade ist es eben. ich verstehe das bedürfnis. man möchte sagen: macht alles aus, was ihr jetzt gerade auf den ohren habt. sucht dieses stück, kauft es euch. hört es, werdet glücklich, für einen kurzen moment. diesen hier. street hassle. perfect day. modern dance. coney island baby. turning time around. mehr hab ich nicht zu sagen. heute
…maybe I should go and live in amsterdam in a side street near a big canal. spend my evenings in the van gogh museum, what a dream, van gogh museum. maybe it’s time to see tangiers. a different life-style, some different fears. and maybe I should be in edinburgh in a kilt in edinburgh, doin’ a modern dance
or maybe I should get a farm in southern france, where the winds are wispy and the villagers dance, and you and I we’d sleep beneath the moon. moon in june and sleep till noon. and maybe you and I could fall in love, regain the spirit that we once had. you’d let me hold you and touch the night, that shines so bright, so bright with fright – doin’ a modern dance…
brechendes eis

heute
31. januar 2005
hier spielen sich sachen ab…
30. januar 2005
25. januar 2005

schöne überraschung

taps taps taps

krümelmonster

der erste schnee!!!
23. januar 2005

sonnabend

und da
21. januar 2005
gegen nachmittag erhielt ich die folgende mitteilung ohne kontakt- daten: „heute bin ich zufällig – auf der suche nach bernd begemann – auf diese seite gestoßen. und habe nicht herausgefunden, wer dazu gehört?“
aha. okay. und auf welchem weg darf das undurchsichtige gaga- kollektiv antworten? soll ich eine pressemitteilung versenden? gut.
lieber anonym, liebe welt,
ich, als meine pressestelle, teile zur klärung der verhältnisse einmal und nie wieder mit, dass zu gaga erstens, zweitens und drittens sie selber gehört.
bei mir handelt es sich um eine (in zahlen 1) person weiblichen geschlechts, die es amüsiert hingenommen hat, dass ihr usprünglicher name in einem briefwechsel liebenswert launig vergagat wurde, und die seither freiwillig und lustig damit lebt.
gaga ist die da oben, die da auf den fotos und die in der vita, und das ganze hier stammt ausnahmslos von mir – äh – also ihr, und keinem sonst. ja, ich war da überall.
hast du noch eine frage, anonym? schuhgröße? 41 1/2. gewicht: weiß ich nicht, aber fühlt sich gut an. haarfarbe: wechselhaft, ohne manipulation braun. größe: 1,80 m. alter: genug – siehe vita, (ändert sich ja dauernd).
auch mein kleines verschwiegenes atelier ist alles andere als ver- steckt und im gegensatz zu diesem virtuellen schaufenster, auf besonderen wunsch körperlich betretbar. sogar wo ich wohne, könnte jeder der neugierig genug ist, genau herausfinden.
der name ist durchaus programm. wenn es (und ich weiß wohl, dass es das tut) jemandes vorstellungskraft sprengt, dass jemand ungeniert ein vielfach zweifelhaft benutztes adjektiv in vollem bewußtsein und zu dessen ehrenrettung (des begriffs: ja, ich mag verrückte, die sind der wahrheit näher) zu einem namen erhebt, der möge sich einfach versuchen vorzustellen, hier stünde rechts oben anstelle von ‚gaga‘ – gretel oder hanni und nanni.
wenn du noch weitere fragen hast, lieber anonym, liebe welt, hinter- lasse doch einfach deine e-mail-adresse.
ich meine es ja nur gut.
deine gaga
21. januar 2005

16:17 nasses dach

da rest
19. januar 2005

17:11 mond im stier
18. januar 2005

heute vormittag
mehr in farbe hier
17. januar 2005
ich lese einige seiten regelmäßig, aber ehrlich gesagt, nur ganz wenige mit uneingeschränkter sympathie. diese ist eine ausnahme.
als ich die seite über einen kommentar entdeckte, war ich so lange vollkommen sicher, sie wäre von einer frau, bis durch ein foto klar wurde, dass hier ein mann texte schreibt. alles ist derart behutsam ausgewählt, ohne einen anflug von zynismus. es ist so erholsam.
mir hängen zyniker und abgebrühte sprücheklopfer zum hals heraus. es ist mir gleichgültig, aufgrund welcher nackenschläge sich die vielen verhärteten männer ihren schutzanzug angelegt haben. nicht, dass mir das harte, sperrige getue von solchen gestalten furcht einflößen würde, es ist nur unendlich langweilig.
ich mag weicheier. verträumte schöngeister, die ihren kinderglauben nicht verloren haben. männer, die ihre küche dekorieren und fotografieren. männer, die romane lesen und kürbissuppe kochen. männer, die ’serengeti darf nicht sterben‘ und einen sonnenaufgang ansehen.
männer, die erkennbar an sich zweifeln und sich verzweifelt und erkennbar entschuldigen. heulsusen. von mir aus mit brille. die autos langweilig finden. eigentlich interessieren mich nur männer, die eher wie frauen gestrickt sind. und die sind ganz furchtbar selten.
16. januar 2005

heute über den dächern

15. januar 2005
13. januar 2005
es gibt auch abende, an denen man beim lesen staunt. heute, gerade eben. die folgenden sätze, die aus dem jahr 1996 stammen, sind, unglaublich aber wahr von – . nein. erst lesen
„Gestern wurde im Tempodrom Abschied von Rio Reiser genommen. Und ich träume immer noch davon, daß anschließend im Berliner Dom ein feierliches Requiem für ihn stattfindet – mit den Repräsentanten des Volkes. Ich träume, daß der Sarg mit den sterblichen Überresten von Rio Reiser für heut’ und alle Zeit in der Gruft unterm Dom beigesetzt wird. Da, wo Deutschlands Könige und Kaiser ruhen! Das wäre ein Wallfahrtsort nach meinem geschmacklosen Geschmack, die ganzen Wilhelms und Friedrich-Wilhelms und dazwischen einer, der es gerne geworden wäre, als es längst keine Könige mehr gab. Und auf dem Sarg ein Schild mit vollem Adelstitel: „Rio Reiser von Ton Steine Scherben“
da hat sich wer ins zeug gelegt. ganz abgesehen davon, dass sich rio unter seinem apfelbaum sicher wohler fühlt. ein platz zum gedenken, hier oder da in berlin, wäre schon schön. vielleicht gibt es einen, und ich weiß es nur nicht.
das da oben hat allen ernstes der seelentröster jürgen fliege am tag nach dem gedenkkonzert in der bz geschrieben. salbungsvoll. fast schon monströs. was herr fliege großartig mit rio am hut gehabt hat – keine ahnung. wir wissen es nicht. aber der respekt scheint ehrlich zu sein. schade, dass die zeitung nicht zu seinen lebzeiten platz für eine solche ehrerbietung eingeräumt hat. vielleicht wäre sein verrückter traum ja ein kleines bißchen wahr geworden. ein könig, der klavier spielt und seinem volk sein liebstes volkslied vorsingt: „wenn ich ein vöglein wär“.
ich erinnere mich, als er gerade diesen hit hatte, gab es ein längeres interview im tip. da war so ein fragebogen. und das lied war die antwort auf die frage, ob er ein lieblingslied hätte. und eine lieblingsfarbe? ja: blau. und ein lieblingswort? ja: und. das versteht man sofort oder nie.
ich habe dann noch ein paar andere artikel aus diesem riesenarchiv über jenes legendäre abschiedskonzert im tempodrom gelesen. damals, wäre ich gerne dabei gewesen, aber die karten waren ganz schnell weg und ich hatte keinerlei lust auf gedränge oder gar womöglich volksfest vor dem unzugänglichen zelt.
als rio gestorben ist, hatte ich einen schock. ich wurde kreidebleich und fühlte ein taumeln. an diesem morgen, als ich die schlagzeile beim vorbeigehen an einem kiosk sah. es war, als würde die temperatur der ganzen welt fallen. ich starrte benommen auf die zeitungsartikel aller zeitungen, die man bekommen konnte. tief traurig. das geschieht mir so gut wie nie, wenn jemand stirbt, den ich nicht persönlich kannte. aber irgendwie kannte ich ihn ja. es fühlte sich so an, ich konnte nichts dafür.
im sommer 1982 befand ich mich in einem ähnlichen zustand von mehrere wochen andauernder innerer fassungslosigkeit und trauer, als romy schneider in einem alter starb, das ich mittlerweile fast selbst erreicht habe. ihr leben und ihr tod fühlte sich nicht ‚fertig‘ an. wie ein irrtum. wie ein stück, das im bestenfalls vorletzten akt plötzlich abgebrochen wird. es musste doch irgendwie endlich wieder besser werden, nach all den talfahrten. man wollte dieses einmalige lachen wieder sehen, dieses flutende heitere strahlen aus einer besseren welt, dieses glückliche, wärmende lächeln aus den zeiten von ’césar und rosalie’, diese heile, tiefe kraft, die ihre kindliche lebendigkeit verströmen konnte.
damals war ich sechzehn, und es war, als würde eine nächstmögliche verwandte, die man von herzen liebt und versteht (und im wirklichen leben so gar nicht hat), weggerissen. aus der welt gerissen. absurd vielleicht, so zu empfinden. beinahe hysterisch. vielleicht. aber nur vielleicht. und auf einer gewissen anderen ebene wahr. ein energiestrom, der die seele streichelte, verlor etwas. der innere clan stirbt weg. die wahren verwandten, die man gerne hätte – und auch irgendwie hat.
interessanterweise gibt es einige tote, die ich zu lebzeiten sehr mochte, deren tod sich mehr oder weniger folgerichtig anfühlt, beinahe heiter. ich fand den zeitpunkt von helmut newton sehr gut, auch peter ustinov. das sind eher beispiele von tiefer sympathie auf einer weniger sentimentalen ebene. in einem guten alter abgetreten. auch klaus kinski, der mir in der welt immer wieder aufs neue fehlt, wenn ich ihn in den wenigen berüchtigten interviews, die ich auf sperrigen alten videocassetten habe, sehe.
klaus kinski schien sich nicht zu einem zu frühen zeitpunkt zu entziehen. als hätte er alles gegeben, genug gehabt. als wäre er einfach fertig geworden. folgerichtig. es reicht. dieses „das ist doch vollkommen uninteressant, das interessiert doch niemanden“, von ihm als ungeduldige reaktion auf ewig klischeehafte interviewfragen, entgegnet, als hätte man ewig zeit, als würde sie einem nicht davonrennen. vielleicht war es das, vielleicht war er an genau dem punkt von ’genug davon’, in einem größeren kontext. dem größten. aber ich kann mich irren.
warum ich mir einbilde, das beurteilen zu können, weiß ich selber nicht. es gibt menschen, die man sieht und sofort überzeugt ist, sich wunderbar zu verstehen. ich weiß, daß ich mich mit ihm großartig verstanden hätte. wir hätten viel spaß gehabt. ich wundere mich auch nicht, wenn die freundliche brigitte grothum von ihren vielfachen erfahrungen mit ihm als überaus liebenswertem kollegen berichtet. da staune ich keine sekunde. warum auch. wer seinen eigenen inneren teufelsbraten kennt, hat wenig anlass für gestaune.
ein gutes jahr bevor hildegard knef starb, wurde ich trotz ihres erreichten alters (was erstaunlich genug war) auf diese merkwürdig betroffene art, latent nervös und unruhig, als ich hörte, dass sie in ernsthafter lebensgefahr schwebte, mit einer schweren lungenentzündung im krankenhaus lag. ich fing geradezu an zu bangen. ich hatte gerade noch ihre aktuelle coverversion von ’ne dame werd ich nie’ mit dem souligen groove und dem fast schon gewagten beat im ohr. ich war überhaupt nicht darauf gefasst. als wäre es meine allerpersönlichste angelegenheit, mich mit ihrem künftigen nicht-mehr-da- sein, nicht-mehr-in-der-welt-sein auseinanderzusetzen. meine ikonen. furchtbar.
ich erinnere mich als kind. im radio lief „eins und eins das macht zwei“ und „für mich soll’s rote rosen regnen“. ich war von der irgendwie mehr sprechenden als singenden stimme völlig fasziniert, darin lag so viel aufregendes, gelebtes leben. anfang zwanzig las ich alle bücher, die sie so geschrieben hatte, verschlang sie, ehrfürchtig vor ihrer kraft, vor ihrem schicksal, dem überwundenen (im wahrsten sinne des wortes ’über wunden’) voller – bewunderung. ich liebte ihre stimme wie mutter- milch. und hörte cassetten mit ihren bekanntesten liedern im reverse mode. als in den neunzigern eine sammlung mit sieben cds fast aller ihrer aufnahmen erschien, rannte ich sofort los, um endlich alles zu haben. mehr ihrer wunderbaren geschichten zu hören. denn ihre vielen texte sind große geschichten. was für eine fundgrube.
als sie dann mehr als ein gutes jahr nach jener lungenentzündung tatsächlich starb, hatte ich mich gefasst darauf eingestellt und es war gar nicht mehr schlimm. als ich ihren letzten zustand begriff, empfand ich es als willkommene erlösende transformation. notwendig. die wende ihrer körperlichen not.
jimi hendrix ist auch ein teil von dieser geheimen sippe. würde ich abendgebete sprechen, würde ich ihn immer einschließen. so viele sind es gar nicht, um die ich auf diese seltsame art trauere.
wie kann mir das derart nah gehen. es fühlt sich wie eine unterirdische verbindung auf einer unnennbaren ebene an. als ob man derselben zeitlosen seelensippe entstammt. einer sippe von verrückten leiden- schaftlichen menschen, die immer alles wollen, ihre grenzen ausloten, alles versuchen, vieles bekommen und vieles verlieren – weil sie so viel zu verlieren haben.
vielleicht das. brennend, lichterloh, oft verzeifelnd, impulsiv, wütend auch. aggressiv gegen sich selbst und – zum selbstschutz – gegen andere. und die sich wieder und wieder am eigenen schopf packen, um die großen verrückten träume – trotz allem entgleiten und scheitern, festzuhalten, neu zu erschaffen, egal wie oft sie verloren gegangen sein mögen. das alte lied. himmelhochjauchzend, zu tode berübt.
das ist eigentlich fast schon zu persönlich, privat, nah. darüber wollte ich gar nicht schreiben. es ist merkwürdig, wie die worte manchmal eigene wege zu finden scheinen. die finger kommen gerade noch hinterher, die plötzlich in eine vehemente richtung jagenden gedanken zu übertragen.
ich wollte eigentlich nur vermitteln, dass ich ungeheuer gerührt war, dieses konzert durch diese beschreibungen wieder ins gedächtnis gerufen zu bekommen. ich weine selten, wenn ich zeitungsartikel im internet lese. was da im internet hängt, kann gar nicht schlecht genug geschrieben sein, dass es mich nicht immer noch rühren würde. hier
12. januar 2005
wo du auch bist, du bist auf dieser erde
ich hoffe nur, dass ich dich finden kann
oder… von dir gefunden werde
ich glaub du bist ein – tierfilmer
bist du in china kommunist?
oder haust du ein bild auf dem montmartre in paris?
bist du ein fischer auf dem großen ozean?
fährst du grade weg oder kommst du grade an?
tierfilmer
ich glaub du bist ein tierfilmer
tierfilmer.
tier.
ulla meinecke
muß ich sagen. in den zwei jahren, die ich die platte jetzt höre, habe ich die luft ist rein und darauf dieses stück – noch nicht einmal zuviel gehört. man soll keine fremden zeilen auf seine seiten kopieren, aber das ist reklame und ehrerbietung für eine großartige sängerin, songschreiberin ohne verfallsdatum.
nicht alle texte auf dieser platte sind so freundlich und nett, aber immer mitten hinein, ins herz. wunderbare stücke, die sich einen feuchten kehricht um modischen effektkrempel scheren. (das muss man sich leisten können). wer so gut bei stimme ist, wie die wunderbare ulla meinecke, braucht keine häkelborten und keinen schnickschnack. kein mädchengesäusel. gottseidank. von mir aus könnte sie die texte auch sprechen, es wäre musik in meinen ohren.
nackt, schön und sentimental, böse auch – und doch so sanft. hoffnungslos unfähig, mit dem ewigen hoffen aufzuhören. auch gottseidank.
schade – ich hätte an dieser stelle gerne ein paar zeilen von fritz rau eingefügt, aber ich weiß nicht mehr, wo ich sie las. der text beschrieb seine eindrücke, als er diese cd das erste mal zuhause hörte. das war sehr anrührend, was er da schrieb, der alte fritz. er hatte wohl seitdem die platte nicht mehr gewechselt.
wenn du am abend zu mir kamst
und mich in deine arme nahmst
an meinem herzen
das wär schön
da lass dich gehn
(sonntag morgen)
11. januar 2005
ich bin ein bißchen perplex, als ich gestern in rudolf thomes tagebuch lese, dass er tatsächlich eine anzeige im berliner tagesspiegel geschaltet hat, die eine schlüsselfunktion in dem film haben wird, den er ab nächste woche mit hannelore elsner in charlottenburg und kreuzberg dreht.
ich dachte immer, zeitungsannoncen in filmen würden, ohne aus- nahme, von geschickten requisiteuren hergestellt. das muss teuer sein, so eine große anzeige. verrückt. für einen kurzen moment frage ich mich, was mit ernstgemeinten zuschriften auf diese annonce geschehen mag. vermutlich nichts weiter. die chiffre-nummer ist wahrscheinlich blödsinn.
aber rudolf thome hat recht. wer könnte eine zeitungsseite authenti- scher herstellen, als eine echte zeitungsdruckerei. es hat außerdem etwas wunderbares, wenn ein traumgebilde in die reale welt tritt. seine vorgehensweise hat durchweg etwas unberechenbares. er ließ seine leser im letzten sommer am täglichen entstehen des drehbuchs teilhaben. er scheint selbst noch nicht so genau zu wissen, wo ihn der film hinführen wird. ich mag das. die herangehensweise.
den filmtitel finde ich allerdings ganz und gar fürchterlich. in der rolle des liebhabers würde ich neben der elsner eher jemanden vom kaliber von thomas fritsch besetzen. passendes alter, mehr als nur gutaussehend, charismatisch, mit seelentiefe und einer wunderbaren stimme, die man viel zu häufig nur aus dem doku-off und viel zu selten in filmen hört. da verstehe ich die wahl von thome überhaupt nicht.
na ja. wir werden sehen.
drehtagebuch
09. januar 2005
mein kleines biotop ist im winterschlaf. auf den verwunschenen steinen wächst ein zarter moosflaum mit der botschaft: „bitte nicht stören, wir schlafen noch“

winterschlaf
08. januar 2005

der vormittag
morgenrot und sonnenschlaf bis nachmittag
beim faulen blinzeln, warme gelbe sonnenflecken an der wand

05. januar 2005
die sonne versteckte sich
dann kam das blau
und dann die nacht

der himmel heute in berlin
[ soundtrack: „an einem wundervoll leuchtenden strahlenden grauen und feuchten schmutzigen wintertag in berlin“ ]
04. januar 2005
grießbrei. ich muß jetzt schreiben, warum ich mir schon wieder grießbrei gemacht habe. nie, zu keinem erinnerbaren zeitpunkt hat mir grießbrei in den letzten drei jahrzehnten irgendetwas bedeutet. ich muss den letzten teller davon in meiner kindheit, vielleicht ende der sechziger jahre gegessen haben. ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich brei besonders gerne gemocht hätte. ich erinnere mich dunkel an das gefüttert werden. den löffel in den mund geschoben kriegen. von mama. und daran, dass sie den beim essen ver- kleckerten brei aus dem mundwinkel gewischt hat.
1987 musste ich mich einige tage um meine auf einmal halb- verwaisten kleinen neffen kümmern, einer davon war noch im kleinkindalter, zwei jahre. ich erinnere mich, dass ich ihm brei angerührt habe, den er besonders mochte. irgendein fertigprodukt, pulver, das man mit heißem wasser anrührt. nur um die genießbarkeit zu prüfen, probierte ich vor dem füttern immer ein löffelchen davon.
siebzehn jahre später in amerika. ich sitze am frühstückstisch und bin zu gast bei einer navajo-familie im südwesten der usa, dem größten reservat in nordamerika, das sich auf arizona, utah, colorado und new mexico erstreckt. wir sind gerade in utah, der blick aus dem küchenfenster geht nach arizona. weite, stille. frei lebende pferde frühstücken in der morgensonne wüstengras, von keinem zentimeter asphalt am wachsen gehindert.
sara, mobile krankenschwester im reservat, und mutter von fünf kindern, hat das frühstück zubereitet. das, was sie fast jeden morgen für ihre familie, die auf dem rainbow-plateau, der höchsten ansiedlung des reservats lebt, kocht. es gibt bratkartoffeln mit rührei, viel kaffee, navajo fry bread – ein fladenbrot aus weizenmehl, in der pfanne mit öl gebacken. alle erdenklichen sorten von kellogg’s knusperflocken sind im wandschrank griffbereit. joghurt, früchte, milch, eier, käse, honig, orangensaft. eine große flasche tabasco steht immer auf dem tisch. und neben der pfanne mit den kartoffeln steht ein großer hoher topf mit deckel.
in dem topf ist brei. es ist maisbrei. die farbe ist grau mit einem hauch blau. warmer brei. das ist der traditionellste teil des frühstücks. jeder nimmt davon. nicht jeder nimmt von all dem anderen (abgesehen von dem unwiderstehlichen, immer frisch gebackenen fladenbrot), aber jeder der familie nimmt sich ein kleines schüsselchen ‚blue corn mush’. manche rühren zucker hinein. ich bin nicht begeistert vom anblick des blaugrauen breis. er sieht schleimig aus, nicht wirklich lecker. kosten will ich aber schon.
die überraschung ist groß. ich nehme einen kleinen löffel des warmen breis in den mund und er schmeckt wie trost. weich warm und tröstend. als ob man von innen gestreichelt wird. ich fühle mich auf- gehoben, beschützt und versorgt, mit meinem brei-schüsselchen. ich sitze zufrieden da und bin einfach nur dankbar. ich bin wieder ein sattes kleines kind.
‚blue corn’, der blaue mais, ist wie mais überhaupt, das heiligste nahrungsmittel für die navajo. ‚the pollen’ ist zentraler bestandteil ihrer spirituellen und weltlichen welt – beide welten sind ungetrennt, den vermeintlichen unterschied zwischen den welten verstehen ohnehin nur wir.
auf dem steinboden, zwischen dem runden esstisch und saras küchenzeile aus dunklem holz, steht ein mahlstein wie aus der steinzeit. er stammt noch von der letzten zeremonie für eine von saras töchtern, einer ‚coming of age-’ oder ‚puberty-cermony’, in dessen verlauf das mädchen drei tage ohne unterbrechung mais mahlen muss, mit unterstützung ihrer verwandten. später wird daraus ein riesiges fladenbrot, von geflochtenen maisblättern bedeckt gebacken, in einem erdofen neben dem hogan, in dem die zeremonie stattfindet (und in dem ich jetzt schlafe).
die anrührenden rituale innerhalb der dreitägigen zeremonie, die darüberhinaus stattfinden, treiben mir fast die tränen in die augen, als sara an einem anderen tag davon erzählt. der in der westlichen welt weit verbreitete begriff ‚to walk in beauty’ , um das wesen und ideal ihrer spirituellen welt zu umschreiben, fällt kein einziges mal, schon alleine weil sara pompöse begriffe vemeidet. es gibt nichts prätentiöses in ihrer sprache. aber anmut wie wüstensand. das was sie nicht benennen muß, ist überall spürbar. beeindruckend und mehr als alles andere – zärtlich, anrührend.
vor zwei wochen etwa, im dezember, stand ich in berlin bei mir um die ecke, in dem kleinen spar-supermarkt, auguststraße ecke rosenthaler straße, der von einem asiatischen ehepaar geführt wird. es kann überhaupt keinen netteren supermarkt geben. ich kaufe ungefähr alle drei tage dort ein und aus irgendeinem grund packen mir die beiden seit jahren immer wieder meine tüten. obwohl ich jedesmal selber damit anfange, nehmen sie mir immer wieder zuvorkommend das einpacken aus der hand und lachen dabei schelmisch.
angeblich gibt es das nur in amerikanischen supermärkten. nein. ich kenne das von diesem kleinen supermarkt. allerdings machen die beiden das vielleicht nur deswegen bei mir, weil ich vor fünf jahren durch einen gipsarm einige monate nicht gut selber eintüten konnte. manchmal müssen die kunden nach mir deswegen ein bißchen warten, aber die beiden zelebrieren es wie ein ritual, mit einem warmen lächeln. ich fühle mich verwöhnt wie ein baby. blöderweise habe ich noch nie beobachtet, das sie für andere kunden eintüten. es ist mir ein bißchen ein rätsel, womit ich diese ausnahmebehandlung trotz meines längst wieder gesunden arms verdiene.
in diesem supermarkt stand ich also vor einigen tagen ein bißchen unentschlossen, und mein blick fiel auf eine packung grießbrei. es war kalt draußen, und ich stellte mir plötzlich vor, wie gut es sein müßte, einen teller warmen süßen brei zu essen. zum aufwärmen. ich war selbst überrascht, mit welcher begeisterung ich mich bereits auf den geschmack freute. auf der packung las ich, dass man milch dazu braucht. milch hatte ich.
ich ging schnell nach hause und setzte milch auf. rührte den griess in die aufgekochte milch. ließ den brei fünf minuten stehen. rührte nochmal. banane könnte gut dazu schmecken dachte ich mir. der brei war fertig. ich zündete mein kerzenfeuer an, machte es mir gemütlich und löffelte den brei. und war selig. trost. ich fütterte mich mit tröstendem warmen brei und fühlte mich aufgehoben und zuhause. satt und warm. das war der erste grießbrei seit meiner kindheit.
wenige tage später hatte ich schon wieder appetit darauf. mein zweiter grießbrei wurde richtig raffiniert. ich rührte einen schuss eierlikör hinein, ein paar übriggebliebene milkaherzen und wieder bananen- stückchen. ich aß. ich war selig. ich seufzte. es schmeckte großartig. satt und zufrieden wurde mir klar, dass ich mir dieses vergnügen unbedingt noch oft bereiten muß. die packung grieß war leer.
und heute kaufte ich zwei neue packungen grießbrei. wieder in der bereits bewährten eierlikör-banane-schoko-kombination zubereitet. es müssen keinesfalls milkaherzen sein, die ich ohnehin nur hatte, weil ich sie geschenkt bekam. andere schokolade geht auch. das tolle ist, dass die schokolade langsam weich wird, wenn der heiße brei darüber gelaufen ist und auf der zunge restlos schmilzt. großartig.
ich glaube, es gibt nicht viele erwachsene in unserer kultur, die in betracht ziehen, brei zu essen, außer wenn sie krank sind. aber ich rate es ab jetzt allen. unbedingt. esst grießbrei. was für ein wunder- barer trost an einem kalten winterabend.

trost
02. januar 2005

[ progress ]
02. januar 2005

halbacht
01. januar 2005
satt und warm

griessbrei
01. januar 2005

bunte reste
31. dezember 2004

bye bye

abendmahl
30. dezember 2004
winterabend. zuhause bleiben

26. dezember 2004
letzte nacht träumte ich eine kleine geschichte, die als hauptprotagonisten den internetberühmten schreiber don dahlmann, die münchner hexenkünstlerin luisa francia sowie meine bescheidene wenigkeit vereinte. in einer eher unwichtigen nebenrolle war auch noch die tochter von frau francia kurz zu sehen.
der traum:
aus mir unbekannten gründen war ich zu besuch bei frau luisa francia (die ich nicht persönlich kenne!). sie wohnte (wohl nicht nur in meinem traum) in einer reichlich verschachtelten altbauwohnung in münchen mit allerlei zeugs aus aller welt. die recht gemütliche küche und das wohnzimmer waren mehr oder weniger ein raum.
in jenem saßen frau francia und ich abwechselnd an einem großen runden holztisch und dann wieder auf einem altertümlichen sofa mit blutrotem brokatbezug und plauderten, während sie immer wieder aufstand, um hinüber zum herd zu gehen und einen eintopf (möglicherweise gulasch) umzurühren.
plötzlich kam das gespräch auf verschiedene leute, die im internet schreiben. als der name don dahlmann fiel, guckte sie weitaus interessierter als vorher. ich erwähnte, dass ich mit jenem herrn dahlmann angelegentlich ein paar biere getrunken habe, was sie dazu veranlasste, aufgeregt „ach tatsächlich?!“ auszurufen.
da ich nicht weiter ins detail ging, begann sie nun überlegungen anzustellen, wie herr dahlmann wohl aussehen würde und fragte mich, ob ich es für möglich hielte, dass man über die bildersuchfunktion in google ein foto von ihm finden könnte. ich sagte „natürlich, kein problem. allerdings kommt man da nur auf ein älteres, nicht so supertolles foto, wo er an einem tisch sitzt und liest“. sie könnte ihm aber auch einfach eine mail schicken, er wäre neuen bekanntschaften immer aufgeschlossen. da sei doch gar nichts dabei, versuchte ich ihr mut zu machen.
frau francia schien richtig hibbelig zu sein und hatte wohl das gefühl, sich für ihr unverkennbares interesse an don dahlmann entschuldigen zu müssen. sie erklärte, sie hätte schon einiges von ihm gelesen und er könne recht gut schreiben, sie fände es allerdings zwiespältig und aber äh durchaus interessant. besonders diesen text über ’haut und knochen’. aha. ich ahnte welchen text sie meinte und amüsierte mich über ihre anstrengungen, ihr erotisches interesse an herrn dahlmann vertuschen zu wollen.
ich hatte das deutliche gefühl, dass sie denkbar größtes interesse hätte, ihn persönlich kennenzulernen. das wunderte mich insofern, als sie in ihrem tagebuch nicht den eindruck vermittelt, sich auch nur im geringsten für männerbekanntschaften zu interessieren. frau francia ist ungefähr 55 und militante feministin.
frau francia stand nun auf, um aus irgendeinem anderen zimmer etwas zu holen. während ihrer abwesenheit erschien plötzlich aus dem nichts eine art projektionsfläche, die herrn dahlmann per video- konferenz zuschaltete. so ähnlich wie in den tagesthemen, nur größer und moderner. der ca. 1,50 x 1,20 große monitor schwebte ungefähr zwei meter über dem boden in der luft, gleich links vom herd mit dem brodelnden eintopf. er trug eine art beigefarbenen trenchcoat, der bildausschnitt zeigte allerdings nur die obere körperhälfte.
am meisten überraschte mich jedoch seine neue frisur. das unlängst noch kurzgeschnittene haar von don dahlmann hatte plötzlich eine gewisse länge und ähnelte bis aufs haar der neuen raddatz-frisur von harald schmidt. da ich haarlänge durchaus zu schätzen weiß, war ich angetan von seiner neuen haarpracht und äußerte mich anerkennend. sinngemäß sagte ich ungefähr, die längeren haare würden sich auch auf den neuen fotos gut machen.
don dahlmann begann zu erörtern, wie er sich die neuen fotos von sich genau vorstellt. er benutzte den ausdruck ’bon vivant’. er möchte am liebsten so richtung ’bon vivant’-mäßig rüberkommen. darauf würde er wert legen. sonst hätte ich freie hand, wobei er sich mit etwas eitler geste, genießerisch beidseitig das graumelierte haar hinter die ohren strich. ich sagte daraufhin richtung monitor, dass er dafür ja nun schon einmal genau die richtige frisur hätte. allerdings von der kleidung her würde ich ihn mir da eher in einem klassischen weißen hemd, nicht zu zugeknöpft und einem schwarzen sakko vorstellen, das allerdings unbedingt tailliert sein müßte.
herr dahlmann guckte etwas unwirsch und meinte, ja, das mit dem weißen hemd und auch dem schwarzen sakko könnte er sich schon durchaus vorstellen, nur warum denn um himmels willen tailliert? er würde das jackett ohnehin offen tragen, da wäre es doch egal, ob es tailliert ist oder nicht. ich pflichtete ihm bei, dass er das sakko selbstverständlich offen tragen soll, aber nichtsdestotrotz sei es für die silhouette ungemein wichtig, dass das ding tailliert geschnitten sei. dann ging ich noch kurz darauf ein, wieso es außerdem wichtig wäre, dass das weiße hemd möglichst weit offen steht, also nicht zu weit aber eben so, dass es noch in der art eines lebemanns lässig wirkt.
damit war das thema dann erledigt, die monitorschaltung bestand allerdings immer noch. mit möglichst unverfänglichem ausdruck in der stimme fragte ich ihn nun gelegenheitshalber, ob er eigentlich luisa francia kennen würde, und falls ja, wie er sie so findet. don dahlmann ließ ein wegwerfendes ’phh’ vernehmen und sagte in etwa ‚die ist ja ganz furchtbar – sogar gefährlich! die züchtet und quält doch kröten oder so etwas ähnliches. dafür ist die doch sogar vorbestraft – hab ich jedenfalls in der bildzeitung gelesen’. ich beschloss, nicht weiter auf das thema einzugehen und die videokonferenz schien damit erst einmal beendet zu sein, sogleich verschwand der monitor im nichts.
im selben moment kam frau francia zurück in die wohnküche und setzte sich wieder zu mir auf das sofa, das plötzlich seitenverkehrt an der anderen wand stand. ihre tochter war diesmal auch dabei und fing an in allen möglichen schubladen herumzukramen. gegenüber vom sofa hatte man jetzt die tür zum flur und die haupteingangstür im blick. wie zufällig und doch selbstverständlich kam nun don dahlmann wie die bezaubernde jeannie als flaschengeist durch die tür geschwebt, ganz ohne monitor-begrenzung, dreidimensional, leibhaftig. allerdings konnte nur ich ihn sehen. für frau francia und ihre tochter war er unsichtbar. was er allerdings selbst nicht wusste.
da er frau francia von fotos aus der bildzeitung erkannte, war seine überraschung umso größer, dass ich mit ihr offenbar persönlich bekannt und wohl sogar befreundet war. man sah, dass er sich peinlich berührt an seine kürzlich gemachten abfälligen äußerungen über sie erinnerte und schämte sich ein wenig. diese frau da auf dem sofa sah eigentlich ganz interessant aus, fand er, mit der könnte man mal was trinken gehen.
tja, und dann bin ich aufgewacht.
ich schwöre bei meiner großmutter, ich habe nichts dazugedichtet.
25. dezember 2004

vollmond

feuer

[ finish ]
24. dezember 2004
22. dezember 2004
tauch-revier

[ in progress ]
16. dezember 2004

amazon kommt auf ideen
14. dezember 2004
tauchen in farbe. wie in schlaf

[ in progress ]
12. dezember 2004
09. dezember 2004
kleiner blick durchs schlüsselloch
p.s. an irgendwelche hobbydetektive: ich bin nicht frau gabel, die da auch auf der tafel steht. das ist eine liebenswürdige ältere junggesellin (obwohl das auf mich ja irgendwie auch schon zutrifft). ich wohne jedenfalls, soweit ich mich erinnere, woanders.
04. dezember 2004
phrasen, die mir auf die nerven gehen: „ganz groß“. bis zum ohnehin allerlängst eingetretenen überdruss von sich vermutlich für originell haltenden schreiberlingen, anlässlich allerbeliebigster, innerhalb der nächsten fünf minuten geräuschlos zerplatzender seifenblasen, strapaziert.
haltet doch einfach euer maul, wenn euch keine lesenswerten adjektive für euer trend-gesummse einfallen. lest doch einfach mal ein paar gute alte bücher und merkt euch die wörter, die darin vorkommen. vielleicht sollte man diktatschreiben bei erwachsenen einführen. einer liest vor, alle schreiben mit. da bleibt doch bestimmt was hängen.
ich vermeide hartnäckig das-nicht-zu-überbieten unästhetische wort- gebilde ’blog|ger’ und dessen anverwandte. was scherts mich, ich mag es nicht schreiben, ich muß mich schütteln, wie das schon aussieht, wie das schon klingt. es klingt nach schleimig-schlab- berigem bubblegum, schweinchenrosa, schwabbelig-dehnbar und schmierig. beziehungsweise nach dem, was es überwiegend ist. geblubber eben. what you see is what you get. oder schöner: wohin du gehst, da bist du dann. (konfuzius)
hilfe. wo kommen diese bösen sätze da oben wieder her. und wo wollen sie hin. trotz solcher uncharmanter satzgebilde erhalte ich völlig unerwartet, und das auch noch zunehmend, charmante zuschriften. nie böse, immer höflich, immer nett. ich finde, so kann es bleiben.
obgleich. manchmal denke ich schon, dass es interessant wäre zu lesen, was verschiedene tagebuchflaneure gerade zu weniger netten beiträgen wie dem da oben, so spontan im affekt zu hinterlassen hätten. ja, ich meine kommentare, diese allseits beliebte plapper- funktion. könnte man ja. aber eigentlich hätte ich überwiegend einiges dagegen, hier seltsame fußspuren zu sehen. es wäre ein bißchen so, als würde ich kneipenbekanntschaften, gleich beim ersten zufalls- treffen noch am selben abend zu mir in die badewanne bitten. ach nein. die zeiten von one-night-stands sind vorbei. verbale auch.
aber nicht doch. ich bin gar nicht so vernichtend, wie es scheint. ich miste nur gerne aus. es gibt eine menge sätze, die ich gerne lese. man findet sie nur sehr selten in internetaufzeichnungen.
es sind sätze wie diese; ich falle anlässlich des folgenden, mit der bitte um copyright, vor dem autor sven lindqvist auf die knie
als ich 15 war, 1947, erschien die schwedische übersetzung von andré gides ’die früchte der erde’. sobald ich das buch geöffnet hatte, spürte ich, daß jemand zu mir sprach. nicht über meinen kopf hinweg zu anderen erwachsenen, sondern direkt an mich gerichtet. und so vertraulich, beinahe flüsternd, als wäre es spät in der nacht, wenn alle anderen schlafen. das buch gab mir einen neuen namen. nathanael, der mich in den text hineinzog, so daß wir dort zusammensein konnten. das gefiel mir sehr.
manche verfasser verstecken sich hinter der handlung, andere verstecken sich hinter den fakten. aber der meister in ’die früchte der erde’ verachtete solche verstecke. er sprach über sich selbst. er hatte eine botschaft. sie füllte das gesamte buch. sie lag schon in seiner stimme, in der art, wie er zu mir sprach. […] es war gefährlich und verboten, das spürte ich sofort. der meister trotzte allen autoritäten. er predigte aufbruch, aufbruch von allem, sogar von sich selbst. er sagte:
wenn du mein buch gelesen hast, wirf es weg und gehe hinaus! ich wünsche mir, daß es dir lust macht, etwas zurückzulassen, egal was, deine stadt, deine familie, deine gedanken. nimm mein buch nicht mit. mach dich frei davon…
diese stimme machte mich glücklich. aber sie machte mir auch angst. angst vor den ansprüchen, die ein aufbruch stellte. angst vor all dem unbekannten, das mich erwartete.„
[ wüstentaucher, kapitel 63 ]
ich werde wieder bücher kaufen. sprache auf papier. feines, dickes, grobes, bedrucktes. gebundenes. großartiges. ohne halbwertzeit.
in leinen.
01. dezember 2004
die nächte, in denen man lange nicht schläft. musik hört und zeit verwirft. den näher kommenden winter. schon wieder haltlos sentimental an irgendeinen frühling denkt (den man gar nicht erlebt hat, nicht so). sommer auch. und so weiter. und immer weiter. und nicht mehr weint. nur beinahe, das aber sehr.
(ich sage doch elegisch. ‚aber mir glaubt ja immer keiner‘ wäre eine zu erwartende phrase, aber phrasen braucht kein mensch.)
das ist wahrscheinlich mein größtes glück, das ich erst noch richtig begreifen muss – dass man mir zu glauben scheint. vielleicht war es ja schon immer so, und ich habe es nicht verstanden. dass man mir glaubt. mir tatsächlich glaubt, in mich vertraut, egal was ich tue, verbreche und anstelle. bei allem versponnenen ‚unheil‘. unsinn. viel zu groß, viel zu schwer, viel zu gewaltig so ein wort, gar nicht angemessen – gar nicht.
das gute in sich endlich begreifen. endlich, nach allem – und vielleicht nicht zuletzt, weil es andere tun. ich weiß nicht, wann es angefangen hat, aber so klar wie jetzt, war mir das noch nie. tatsächlich. der winter kann kommen. er kann mir nichts anhaben. unmöglich. wie stark man werden kann. unglaublich.
(das sind sätze, die niemand unbedingt verstehen muss. ich führe gerne selbstgespräche)
30. november 2004
ich muss soeben mit bedauern zur kenntnis nehmen, dass mir sogar bei den talentierteren schreiberlingen, gerade in den letzten tagen zunehmend die lust vergangen ist, mich durch deren (zu allem überdruss jetzt auch noch adventlich angehauchte) aufzeichnungen zu arbeiten.
zu wenig absätze, zu wenig intimitäten, zu wenig klatsch und tratsch. keine abgründe. das ist mir im augenblick alles zu nett. plätzchen- backen – bitte – ich fresse ja selber gerne, aber warum ziehen auf einmal alle mutters kittelschürze an und schwärmen von mürbeteig- plätzchenrezepten und adventsbeleuchtung? wie langweilig ist das denn?
aus heiterem himmel wird ohne erkennbare not über weihnachts- märkte gelaufen. ich dachte, ich wäre mittlerweile toleranter, aber gerade scheint mich mein wohl immer noch tief-schlummernder jugendlicher radikalismus von früher wieder einzuholen. ich weiß nicht, ob das gut ist. er schlummert nur und ist noch da. ich merke das. ich merke es gerade deutlich.
man kann es mir im augenblick aber auch gar nicht recht machen. ja, o.k. gut, ich gebe es zu: ich will eben doch nur sensationen lesen. im grunde meines herzens bin ich eine unausgelebte bildzeitungsleserin, die schmutzige kleine geschichten im intellektuellen schafspelz ser- viert haben will. zu tränen rührende lyrische ergüsse sind in dieser sphäre ja ohnehin kaum zu erwarten. also bitte: wer mit wem und solche sachen, das will ich wissen. wenn möglich, aus erster hand. mit fotos. bildmaterial!
oder ein kleines bißchen zoff, unvermittelt aus dem hinterhalt. ja, das wäre auch mal wieder nicht schlecht. es hat einfach was, wenn leute sich ein bißchen zur minna machen, die höflichen masken fallen. angestaute grimmigkeiten endlich zum tageslicht drängen. neid! eifersucht! missgunst! die sieben todsünden! da entfaltet so manches kommentierende irrlicht, das sonst weidlich sauerstoffarm vor sich hinschwelt, ungeahntes feuer.
ich selbst bin freilich in keinster weise bereit, solcherlei schund über diesen hier hinaus zu bieten. nicht, dass ich keine geschichte auf lager hätte, die sich halbwegs zum aufplustern eignen würde. aber mit indiskretion macht man sich ja noch weniger freunde als ohnehin schon. diese hemmung habe ich nun vermutlich auch nicht alleine.
und weil ich sowieso schon dabei bin: was mich auch nicht die bohne interessiert, sind aufgewärmte politschlagzeilen frisch aus der netz- zeitung, mit der eigenen originellen senfnote verziert.
oder: das allerneueste vom computermarkt, soeben bei heise abgeschrieben (es sei denn, es ginge ausnahmsweise mal ein ganz klein bißchen böse-tendenziös gegen denjenigen-welchen teenager- bis sektenhaften markenfetischismus in bevorzugtem weißen plaste und elaste unter altersmäßig erwachsenen – hat das jetzt wer ver- standen – ?). oh je. ich glaube ich flüchte lieber auf http://bunte.de, neue knutschfotos von heidi und sexy seal angucken.
ja, ich bin manchmal so primitiv. ich gefalle mir hin und wieder in, wie hier dargebrachter, ignoranter proll-koketterie-attitüde. nicht, dass ich es nicht wüsste. nicht, dass ich nicht anders könnte. elegisch bin ich sowieso. ich strebe nur ein bißchen nach vollkommenheit. und ein wenig fallhöhe gehört schon auch dazu. und mir ist gerade ein bißchen langweilig. was schreibe ich hier eigentlich für einen blödsinn. na ja. muss einfach auch mal sein. hat schon alles seinen sinn. irgendwie irgendwo irgendwann. somewhere’s a place for us dubi dubi du…
28. november 2004
26. november 2004
whatever that means

strippe
24. november 2004
himmel wie in arizona. mittagssonne auf dem dach.

arizonablau
24. november 2004

mittag in berlin
23. november 2004
au ja! einfach schlafen gehen. ich schlafe gerne. schlafen ist quasi mein hobby. schlafen erholt und man sieht auch gleich viel hübscher aus. letztlich möchte ich, dass man mir noch recht oft sachen unterstellt wie, dass ich doch wohl bestimmt yoga mache oder ähnlich erbaulich-beschauliches. ich finde es gut, wenn das jemand meint. ich selber verstehe zwar nicht viel davon, aber die leute sollen ruhig yoga machen. es soll ja ungemein entspannen etc. pp. und modern ist es dazu. ich selber bin ja eher der von natur aus abgeschlaffte typ, um es mal unschick auszudrücken.
doch ich muß allerdings zugeben, dass ich tatsächlich eines längst vergangenen tages aus purer neugier und freude am exotischen beschloss, jenes gerade in volkshochschulen beliebte qi gong aus- testen zu wollen und meldete mich unverzüglich zu einem kurs an.
na ja. was soll ich sagen. meins war es nicht. zwar finde ich die namen der figuren recht erhebend und poetisch aber die ganze choreographie war mir entschieden zu lahm. ich hatte größte mühe, die augen aufzuhalten – dieses zeitlupengetue hatte eine optimal einschläfernde wirkung auf mich. es wurde davon geredet, dass es wohl recht gut geeignet wäre, einerseits ruhe zu finden und andererseits gezielt energie zu erwecken.
nur: ruhig bin ich schon von natur aus zur genüge. und mit schnecken- tempo-gymnastik mag meine persönliche energie sich offenbar nicht so gerne aufwecken lassen. das herbeigeredete erweckungserlebnis war mir also leider nicht vergönnt. den anderen kursteilnehmern übrigens auch nicht. nur unsere studentenhafte (sozpäd?) vorturnerin war selig lächelnd auf ihrer sanften wolke, von wo aus sie leider sonst niemanden mehr erreicht hat. vielleicht bin ich dafür ja auch nur zu grob gestrickt. ich brauche feuer im arsch.
aufmunternd dagegen finde ich, wenn mein überdurchschnittlich gut aussehender (glückl.verheir.) asiatischer nachbar bei wärmeren temperaturen mit nacktem naturgoldbraunem oberkörper auf der dachterrasse gegenüber steht und mit maximaler anmut seine tai chi-übungen vollführt. eine augenweide. er ist erstaunlich groß und sehnig für einen asiatischen mann und hat schulterlange glatte schwarze haare, die er immer zu einem zopf gebunden trägt. wenn er seine übungen macht, schaut er immer weit nach westen und hat dabei eine zart flatternde naturweiße leinenhose an. er ist immer barfuß. und ich werfe gern einen blick auf ihn.
gute nacht und schöne träume, wer immer da auch kommen möge
22. november 2004
tja. scheiße. das war leider nichts mit dem gottesdienst. ich will mein geld zurück. marianne kann nix dafür. das mixer-arschloch und sein hiwi, diese nullen, diese tauben vollidioten haben alles kaputt gemacht, von anfang an. es war nicht zum aushalten. der schlimmste sound, den ich in ichweißnichtwievielen konzerten in meinem leben je gehört habe. marianne kann nix dafür, sie hat alles gegeben, aber sie konnte auf der bühne nicht hören, was wir hören mussten.
ich hätte nie gedacht, dass ich je bei einer meiner lieblingsikonen wegen derart massiv übersteuertem missklang, durch bis zum anschlag hochgezogene regler, bei an sich wunderbarer musik, nach viereinhalb songs das konzert verlassen muss. selbst auf dem klo war es unterträglich laut und krachig. die hilfstechnikerin neben dem tauben mixerarschloch gibt mir noch recht und verspricht, es ihm nochmals deutlich zu sagen, da sie es ja selbst hören würde. später, als ich nachhake, sagt sie, es interessiert ihn nicht, was das publikum findet, er hätte sich an die vorgaben der künstlerin zu halten.
was für eine völlig schwachsinnige vorgabe sollte das denn bitte sein? knall die regler einfach immer bis zum anschlag hoch, hauptsache laut? dafür braucht man keinen mixer, das kann auch die putzfrau erledigen. arschloch. das ganze publikum guckt genervt, keiner sagt was. aber alle, die ich frage, wie sie es denn fänden, geben mir mit der andeutung einer schmerzverzerrten miene recht. ich bin kurz davor, das mischpult zu entern, eine art wachschutz zieht mich am schlafittchen zurück.
ich will tatsächlich mein geld wieder haben. ich hatte karten der teuersten kategorie, wo der sound definitiv am schlimmsten überhaupt war, vor einem lautsprecherwolkenkratzer mit dem man ohne weiteres das olympiastadion beschallen könnte. sehr schade um den abend. und meine einzigen geliebten schwarzen lederhandschuhe habe ich auch noch irgendwo liegenlassen, bei den ganzen verzweifelten standortwechseln, auf der erfolglosen suche nach einer ecke mit erträglichem klang. mist.
einziger lichtblick: eine geliebte freundin nach wirklich langer zeit wieder zu sehen und in jeder erdenklichen hinsicht dieselbe wahrnehmung des gebotenen zu haben.
21. november 2004
ich bin mächtig aufgeregt wegen marianne heute abend. obwohl ich sie nicht zum ersten mal sehe, bin ich jetzt schon ganz aufgedreht. oder wahrscheinlich gerade deshalb. das ist einer der höchsten kirchlichen feiertage für mich. mein gott, ich liebe diese frau. nein. ich bin nicht lesbisch. leider. was hätte man für möglichkeiten!
was zieh ich bloß an?
20. november 2004

zeugs
20. november 2004

teetrinken
16. november 2004
ich muss mich zurückhalten. ich muss mich zurückhalten. nein ich schreibe jetzt nichts dazu, nein ich kommentiere das jetzt nicht. nein nein nein. finger weg von der tastatur. was für ein blödsinn. die leute haben keinen schimmer was sex-appeal ausmacht, es ist ein grauen. was für ein unfug. anzüge! meine fresse. unförmige gestalten pressen sich in anzüge und bilden sich ein, sie kriegen dadurch form oder klasse – nein, ich schreibe jetzt nichts. grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr. hmpf. grmpf
15. november 2004

feuer
14. november 2004
darf ich ihnen meinen lebensgefährten vorstellen?

diese kreatur begleitet mich seit achtzehn jahren. als ich in schöneberg meine erste berliner wohnung bezog, kaufte ich ihn. ich weiß nicht einmal wie er heißt. ich kenne mich nicht aus mit namen von kaktussorten. ich habe gerne wüstenpflanzen um mich, da ich wohl selber eine bin: ich brauche nicht viel wasser – im verwirrenden gegensatz zu den nuckelfläschchen-trägerinnen, denen man seit wenigen jahren allerortens begegnet; ich vermute, es handelt sich dabei um eine im auftrag von evian neu gezüchtete frauenrasse.
als ich ihn holte, war er ungefähr zwanzig zentimeter groß. jetzt ist er mehr als doppelt so hoch und lässt sich nur noch aus einer schrägen perspektive von oben einigermaßen fotografieren. er scheint sich ganz wohl zu fühlen bei mir. ich hab ihn auch gerne.

13. november 2004

hühnerbrust, knoblauch und rosmarin
13. november 2004
regen, butterbrot
13. november 2004
blumen heute nachmittag

zuhause
13. november 2004

guten morgen!
12. november 2004

aufwärmen
10. november 2004
lust auf bordeaux, seufzen, flammen, schattenrisse, alles










