wofür in drei teufels namen hat heinz rühmann zwölf bambis gekriegt? als kind mochte ich ihn auch. seine biographie der dreißiger und vier- ziger jahre hat erschreckende details. zwölf bambis.

10 Antworten auf „25. märz 2005

  1. Ach ja, schwierig. Vielleicht muß man es mal so sehen: Viele hatten erschreckende Details in ihrer Biografie der 30er und 40er Jahre. Aber nur wenige haben zur selben Zeit auch tolle Filme gemacht. (Auf eine Detaildiskussion verzichte ich dabei gerne.)

    Im Einstein-Jahr fällt mir das auch auf: Wie viele seines und anderer Jahrgänge war Einstein nicht nett gegenüber seiner Frau. Aber anders als die meisten Kerle, die abends nur auf dem Sofa sitzen, rumprollen und ihre Frauen schikanieren und ansonsten nichts tun, hat er außerdem die Relativitätstheorie entwickelt.

    Und nein, das soll keine Generalentschuldigung sein.

  2. ja. ich bin auch zwiegespalten. einerseits kann es nicht schlecht sein, was mich als kind erfreut hat, und nicht nur mich. er hat einen warmen draht zum kollek- tiven unterbewusstsein gehabt, es hat überzeugend ‚gemen- schelt‘, im besten sinne.

    in den filmen – ja (privat soll er weniger warm u. verbindlich auf- getreten sein). wenn ich dann aber begreifen soll, dass er sich anweisungen, wie der gebeugt hat, seine jüdisch verwurzelte frau formal zu ‚entfernen‘ wird mir kotzübel. auch wenn die ehe bereits zerrüttet war. das ist doch zum davonrennen…. ja ja, wir können angeblich alle nicht wissen, was wir selbst unter existentiellem (sprich hier: materiellem) druck gemacht hätten – seele halb verkauft oder davongerannt. nein wissen nicht, aber ahnen. viel- leicht ahnen. das kann selbstgefällige anmaßung sein. es kann genausogut wahr sein.

    wobei ich auch meine, dass man es sich zu einfach macht, jemand wie m. dietrich als antifaschistische heldin zu feiern, die nazideutschland zur rechten zeit verlassen hat. was ja nicht stimmt, sie ging ja früher, der karriere wegen, da zeichnete sich noch nichts dergleichen ab. ihr glamouröses amerikanisches umfeld in bel air war gewiss auch ohne nazideutschland das attraktivere, zu jener zeit…. nichtsdestotrotz hat sie humanis- tisches rückgrat bewiesen, ihr leben lang.

    jedenfalls – ich weiß was sie meinen. schwarzweiß sehe ich es nicht, merke aber auch, wie unangekratzt rühmann mehr oder weniger dasteht.

  3. Unangekratzt? Vor einigen Jahren gab es heftige Debatten wegen dieser Geschichte(n). Als Gegenbeispiel galt dann gerne Hans Albers. Der blonde Vorzeigeheld sagte wohl in ähnlicher Situation „leckt mich“. Es ist einerseits, wie Sie es sagen: Man weiß ja nicht, in welcher Form man selbst ein Held gewesen wäre. Hinterher weiß man ja alles besser.

    Andererseits: Was interessiert mich, wie Rühmann privat war? Ich mag seine Arbeit (die natürlich nicht frei ist von „Beihilfe“ – man denke an „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, mit Albers übrigens), genau wie die von Hitchcock (auch so ein Schuft). Diese Arbeit hat vielen ja auch „geholfen“ – während zeitgleich Millionen andere Mitläufer und Angepaßte nichts dergleichen taten.

    Wirklich schwierig – aber was meinen Sie, welche dunklen Flecken meine Biografie hergäbe?

  4. tja… nachtrag vorneweg: unangekratzt als ikone in der sympathischen darstellung ‚des kleinen mannes‘. den rest will die masse derer, die sich am sonntagnachmittag im zdf filme aus den dreißigern ansehen, lieber nicht so genau wissen. die paar moralinsauren kassandras interessieren doch gar nicht weiter. das geht in der ‚gefühlten temperatur‘ ihm gegenüber weitgehend unter. unmerkliche abkühlung.

    o.k. lassen wir mal rühmann als privatperson beiseite. ganz ehrlich? ich finde seine darstellung begrenzt. eindimensional im sinne von: begrenzt auf die dimension ‚rühmann, der nette‘. ich weiß schon, dass bambis publikumspreise sind. ja. so erklärt es sich. anders kann ich es mir nicht erklären. seine schau- spielerische bandbreite, so weit ich es überhaupt verfolgte, erschöpfte sich in der rolle des sentimentalen sympathieträgers, der nett-gewitzte verlierer à la dagobert, der freundliche kleine mann von neben an, der gütige großvater. der gütige, der gute. ja. und das war gut so. denn darüber hinaus hätte er – meine ich – passen müssen. kurzum. er hat seinen wert für die menschheit gehabt, war aber nicht ganz der grundgütige arg- und selbstlose engel, den er uns gerne via zelluloid angedient hat.

    und: dunkle flecken in biographien. es ist immer angebracht, den eigenen mülleimer anzuschauen. meine diskutiere ich in erster instanz mit mir selber, bevor ich sie dem internet zum fraß vorwerfe. (und glauben sie mir: es gibt so manches, was ich da mit mir diskutiere). und zu ihren: noch ist es ja nicht so weit, dass ihre biographie auf der seite des deutschen historischen museums mit vergleichbaren details herunterzuladen wäre. ich kann da noch nicht einmal spekulieren, herr kid. dafür wirken sie auf mich zu vertrauenerweckend, mit ihren dunklen bekennt- nissen. ich gestehe ihnen aber jeden abgrund zu. wie käme ich dazu, das nicht zu tun.

  5. Oha, haben sie etwa den gelöschten Text vor ein paar Tagen noch gelesen? Ja, das ist eine solche Sache. Aber ich bin zum Glück kein sympathischer Leinwandstar. Ich will dann lieber die Bösen spielen oder die eiskalten Engel.

    Schauspielerische Bandbreite hatte Rühmann sicher nicht. Aber auch das finde ich nicht wirklich schlimm (angesichts des Bambis). Cary Grant hatte die auch nicht (bekam allerdings auch nur den Ehrenoscar). Aus dem Kopf bin ich mir gerade nicht sicher, ob Hitchcock einen Regie-Oscar bekam?!? (Scorsese jedenfalls nicht.) Das zum Thema Preise.

    Spontan fällt mir „Es geschah am hellichten Tage“ ein. Ein Film, wo er mal nicht den „Donald“ (den meinten Sie wohl) gibt, sondern einen besessenen Jedermann, der zu fragwürdigen Methoden greift für ein (vermeintlich oder nicht) höheres Ziel. Ungebrochen ist das nicht.

    Er ist in vieler Hinsicht ein Volksschauspieler gewesen. Das muß nicht böse sein. Schaut man sich seine Nachfolger an, wünsche ich mir diese Lingens und Mosers und Rührmanns zurück.

  6. ich mag volksschauspieler. ja. ich mag grete weiser zum beispiel.

    ‚es geschah am hellichten tag‘ ist interessant zu erwähnen. ich erinnere diesen film eher atmosphärisch. dieser wald, diese bäume in schwarzweiß, diese stille, beklommenheit. sehr eindrucksvoll. ein film, der mir ernstliche ängste vor dem ein- schlafen verursacht hat. ich sah ihn vermutlich als zehn- oder elfjährige. nicht viel älter kann ich gewesen sein. puh! ich müßte ihn heute einmal wieder ansehen, um gewissenhaft etwas dazu zu sagen. ich glaube, rühmann hat da eine rolle gespielt, die weitaus näher an ihm privat dran war, als vieles andere. dieses einsilbige erinnere ich, spröde. ich meine, glaube, könnte mir vorstellen, dass er da näher bei sich war, weniger oppor- tunistisch. jedoch verschlossen, die rolle – kann das sein – oder war da irgendwo ein bruch – ein aufbrechen der schale? wie gesagt – ich rede hier halbblind daher, da der film zu lange zurückliegt.

    p.s. ich habe den ‚gelöschten text‘ , der halb gegenstand der diskussion bei ihnen wurde, nicht gelesen. so schnell war ich nicht.
    p. p.s.: ich gehe jetzt mal ein bißchen schlafen – gute nacht! (nur für den fall, dass da noch was käme…)

  7. Hitchcock bekam nie einen Oscar, erst als er tot war! Die Familie lhente aber ab. Bravo.
    Oscar..naja ist sowieso mittlerweile eher peinlich so ein Ding zu haben. Schauspieler werden mit sowas nicht belohnt, eher so komische Leute die für eine 5 Minuten Szene 12 Stunden und 120 Klappen brauchen. Das ist keine Kunst mehr. Die zeitendes Oscars sind vorbei.

    Lesen Sie mal im Leben von Hans Moser..das war ein korrekter Mann, aber eben nur „der Depp“ im Film.
    Heinz Rühmann hatte häßliche gemeine Augen, ich mochte den noch nie.

    Aber „er brach ja die Herzen der stolzesten Frauen“ ..das war echt peinlich!

  8. dieses lied! seit heute nachmittag hab ich das jetzt im ohr, sogar schon angefangen zu pfeifen. das dürfen sie mit mir nicht machen. ich bin da sehr empfänglich. geben sie mir den text von albers la paloma und ich leg los. ich muß allerdings zugeben, dass es mir als zwölf- bis dreizehnjähriger eine besondere freude war, mit busenfreundin beate w. aus o. schlager aus dreißiger-jahre- schinken im duett zu singen. „mir gehts gut, ich bin froh, und ich sag dir auch wieso“… „ein freund, ein guter freund, das ist das schönste, was es gibt auf der welt…“ … „ich brauche keine millionen, mir fehlt kein pfennig zum glück, ich brauch nur deine liebe und musik, musik, musik“. eigentlich eine schöne message. bei licht besehen. jetzt, wo ich alt bin.

    und stier war der wirklich nicht., der olle rühmann. stiere sind nicht so wischiwaschi.

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