Das Geheimnis des Blumenstraußes. Wieso legt jemand so ein niedliches Blumengebinde zu Füßen dieser Skulptur am Zeiss-Planetarium? Die Figur aus Bronze heißt „Sportler“ und stellt keine konkrete Persönlichkeit dar. Kein Nazi-Opfer, keinen Widerstandskämpfer mit rundem Geburtstag. 1965 von der Bildhauerin Margret Midell erschaffen. Sie lebt noch, hat am 8. Mai Geburtstag, 1940 geboren. Oder wurden vielleicht Fotos im Park gemacht und der Strauß nur vorübergehend abgelegt, um die Hände frei zu haben und er wurde dann dort vergessen? Oder gab es ein Rendezvous, bei dem zuerst der romantische Strauß überreicht wurde und dann kippte die Stimmung und die Blumen waren nicht mehr erwünscht und wurden enttäuscht, ja beleidigt zurückgewiesen, dort hingelegt? Oder war die Stimmung von Anfang an belastet, weil der Verehrer, der sie vielleicht als Versöhnungsgeste, als Entschuldigung überreichen wollte, seine Vertrauenswürdigkeit endgültig verspielt hatte und er selbst legte sie nach der Rückweisung, dem ultimativen Showdown, dort ab?

Wir werden es nie erfahren, aber meine Phantasie hat sich an diesem unerklärlichen Anblick entzündet. Ich finde die Figur nicht sonderlich inspirierend, der Ausdruck ist mir zu leblos und auch verstehe ich nicht, wieso der Sportler vollständig nackt ist (der nicht fotografierte Mittelteil ist auch kein spektakulärer Hingucker). Die Figur erinnerte mich stilistisch an Bildhauerei aus der Nazi-Ära, aber dass im Ostteil Berlins kein bildhauerisches Relikt aus dieser dunklen Epoche stehen kann, war mir auch klar. Wieso ich überhaupt da war, am Zeiss-Planetarium in „P-Berg“, wie die jungen Leute neuerdings als Abkürzung sagen, erzähle ich später.

P.S. noch eine Idee: die damals 25-jährige Bildhauerin hatte ihren Liebsten als Modell für diese Figur gewählt. Später heirateten sie und bekamen Kinder und führten eine lange, glückliche Ehe und wurden auch Großeltern. Mittlerweile ist er leider verstorben und hätte gestern seinen 100. Geburtstag gefeiert. Zu seinen Ehren legten die Kinder und Enkel diesen Liebesgruß der Bildhauerin Margret Middell zu seinen Füßen. Oder sie war mit ihren 86 Jahren noch dazu in der Lage und machte es selbst… (Lieblingsversion – !)

4 Antworten auf „04. April 2026

  1. Lydia Gebel
    Vielleicht ein stiller Bewunderer der aktuellen Artemis Mission zum Mond?

    Gaga Nielsen
    ich hab grad noch ein P.S. geschrieben, was auch die Erklärung sein könnte:

    „P.S. noch eine Idee: die damals 25-jährige Bildhauerin hatte ihren Liebsten als Modell für diese Figur gewählt. Später heirateten sie und bekamen Kinder und führten eine lange, glückliche Ehe und wurden auch Großeltern. Mittlerweile ist er leider verstorben und hätte gestern seinen 100. Geburtstag gefeiert. Zu seinen Ehren legten die Kinder und Enkel diesen Liebesgruß der Bildhauerin Margret Middell zu seinen Füßen. Oder sie war mit ihren 86 Jahren noch dazu in der Lage und machte es selbst… (Lieblingsversion – !)“

    Aber Dein Erklärungsversuch ist auch süß. Weil „stiller Bewunderer“ und Raumfahrt… Die Kombi totaler Romantiker und Raumfahrt-Nerd ist einfach unschlagbar. In den Blumenladen zu gehen und zur Verkäuferin zu sagen: „Wissen Sie, ich hätte ein kleines, möglichst zartes Gebinde, mit dem ich meine Gefühle, also – meine stille Bewunderung für die Artemis Mission ausdrücken möchte.“ ❤

  2. P.P.S. beim Müllrunterbringen fiel mir gerade noch eine weitere Erklärungsversion ein: auf Tinder verabredeten sich zwei zum ersten Date an der Sportlerskulptur zwecks näherem Kennenlernen. Der Eine brachte beflügelt vom Frühling gleich mal Blumen mit, um Eindruck zu schinden und seine romantische Seite zu präsentieren. Er war zuerst da. Er wartete und wartete und wartete und wartete. Eine ganze Stunde stand er da im Park. Sein Date kam nicht. Sie oder er las auch seine nachfragenden Messages nicht. Zuerst sorgte er sich, dann sank ihm das Herz. Vielleicht war er doch auf so ein Luder hereingefallen, dass sich nur online mit allen möglichen Interessenten verabredete, um Streicheleinheiten für das Ego zu erhalten, wenn sie zusagten. Sie oder er (also das Luder) ging aber nie hin, zu bequem. Und außerdem waren die ganzen Fotos im Tinderprofil auch gar nicht echt, sondern mit KI gebastelt. Unser Rosenkavalier legte dann müde und traurig die zarten Blümelein am Denkmal nieder. Er dachte sich, vielleicht kommt sie (oder er) ja doch noch und es ist gar kein Luder, sondern es war was dazwischen gekommen und der Akku vom Smartphone leer und so konnte sie oder er nicht Bescheid geben. Dann wären wenigstens die Blümchen als Zeugen da und als Beweis, dass er da war, nicht wahr. Forts. folgt!

  3. Lydia Gebel
    Berliner Tinder Männer würden nie nie niemals beim ersten Treffen Blumen mitbringen, Gaga 😅! Man kann schon froh sein, wenn sie überhaupt erscheinen und ggf. einen Kaffee zu mitnehmen spendieren.

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