30. dezember 2005

ich hasse packen. aber ich mag die aussichten. besonders in einem zug. mit einem großen becher kaffee in die morgendämmerung zu gleiten, am nordöstlichen horizont entlang, immer der zeit entgegen. es lohnt sich, sehr früh dafür aufzustehen. auf dem weg zu unberührtem schnee, einem ort ohne spuren. wo die sterne größer leuchten als raketen.

25. dezember 2005

echte bescherung: gerade hat mir ein rabauke in der u-bahn unbe- merkt die tasche mit der kamera geklaut, die ich dusslige kuh rechts neben mich gestellt habe, und vertieft in ein buch, merke es erst beim aussteigen. blödes gefühl. ich stelle mir vor, wie einer dieser armen kleinen türken jetzt an meiner kamera herumschraubt und nichts begreift. davon muß ich mich erst mal erholen. zum glück waren die anderen indizien meiner materiellen existenz in meiner jacke.
ich hatte so viel konzentration darauf verwendet, das nervtötende ge- räusch aus viel zu laut gedrehten kopfhörern gegenüber und das gegröhle von einem furchterregenden haufen junger männer auszu- blenden, dass ich mit allzu gut funktionierenden scheuklappen auf die buchstaben starrte. dabei merkte ich noch, dass kurzzeitig einer dieser gröhlenden kleinen idioten neben mich auf die bank torkelte, ich wollte aber keinen blickkontakt zu dem schwachkopf. argh!
so ist das also, wenn einem ein wertvoller gegenstand abhanden kommt. mir ist ja schon viel wertvolles abhanden kommen, aber noch nie etwas, das man im laden kaufen kann und an dem trotzdem mein herz hing. sehr ärgerlich. es gibt weitaus schlimmeres, muß ich mir jetzt mantrahaft vorbeten. plötzlich ist sie weg. wie bei einem unfalltod. ich glaube ich stehe ein bißchen unter schock. und in der kamera eine scheißteure zwei gigabyte flashcard. wenn schon denn schon. ich brauche jetzt einen wodka.

27. dezember 2005

geburtstag: 27. dezember 2005
geburtsort: berlin
13e22, 52n30
ortszeit: 18:47
weltzeit: 17:47
sternzeit: 01:05
sie ist weiblich. sie hat mir tatsächlich zugeblinzelt, and she looks quite sophisticated. die djuna barnes unter den kameras.
[ composite ]
aszendent 01°27′ waage
sonne 07°27′ skorpion 2. haus
mond 22°30′ skorpion 2. haus
merkur 20°02′ waage 1. haus
venus 08°19′ schütze 3. haus
mars 08°54′ löwe 11. haus
jupiter 05°10′ jungfrau 11. haus
saturn 27°12′ stier 9. haus
uranus 11°11′ schütze 3. haus
neptun 01°41′ steinbock 4. haus
pluto 05°17′ skorpion 2. haus

sonne konjunktion pluto. haltet mich ruhig für bekloppt :-)

25. dezember 2005

echte bescherung: gerade hat mir ein rabauke in der u-bahn unbe- merkt die tasche mit der kamera geklaut, die ich dusslige kuh rechts neben mich gestellt habe, und vertieft in ein buch, merke es erst beim aussteigen. blödes gefühl. ich stelle mir vor, wie einer dieser armen kleinen türken jetzt an meiner kamera herumschraubt und nichts begreift. davon muß ich mich erst mal erholen. zum glück waren die anderen indizien meiner materiellen existenz in meiner jacke.
ich hatte so viel konzentration darauf verwendet, das nervtötende ge- räusch aus viel zu laut gedrehten kopfhörern gegenüber und das gegröhle von einem furchterregenden haufen junger männer auszu- blenden, dass ich mit allzu gut funktionierenden scheuklappen auf die buchstaben starrte. dabei merkte ich noch, dass kurzzeitig einer dieser gröhlenden kleinen idioten neben mich auf die bank torkelte, ich wollte aber keinen blickkontakt zu dem schwachkopf. argh!
so ist das also, wenn einem ein wertvoller gegenstand abhanden kommt. mir ist ja schon viel wertvolles abhanden kommen, aber noch nie etwas, das man im laden kaufen kann und an dem trotzdem mein herz hing. sehr ärgerlich. es gibt weitaus schlimmeres, muß ich mir jetzt mantrahaft vorbeten. plötzlich ist sie weg. wie bei einem unfalltod. ich glaube ich stehe ein bißchen unter schock. und in der kamera eine scheißteure zwei gigabyte flashcard. wenn schon denn schon. ich brauche jetzt einen wodka.

25. dezember 2005

schöne bescherung: vertrocknete farbe und wunderbare risse. wie da. geschenk ohne schleife.

apropos geschenk: ich fahnde nach dem verbleib einer an mich ge- richteten sendung. der briefträger hat das päckchen nebenan im frisör- salon erkan hinterlegt. aber herr erkan spricht leider so gut wie kein deutsch und hat mir mit händen und füßen zu verstehen gegeben, er hätte es zu frau gabel (tippt dabei aufgeregt auf das klingelschild unter gaga) gebracht. hoffentlich habe ich ihn auch richtig verstanden.
die gute frau gabel ist leider aushäusig. morgen der nächste versuch. ich wüsste ja schon gerne von wem (und was…). auf dem benachrichti- gungszettel steht leider kein absender… also falls mich jemand für eine arrogante kuh hält, die es nicht für nötig hält, zu reagieren: ich bemühe mich nach kräften! wenn ich mir was wünschen dürfte, würde ich mir wünschen, dass ich nur noch post kriege, die durch einen normalen briefkastenschlitz passt. ich will auch immer artig sein.

22. dezember 2005

letzte nacht geträumt (…)
ich besuche aus irgendwelchen beidseitigen sentimentalen anwand- lungen nach jahren einen verflossenen geliebten. der traummann ist eine mischung aus zwei konkret existiert habenden, rockstarmäßig verwegen aussehenden männern: markante knochige visage, wilde lange haare, sehniger, geschmeidiger körper, tief vibrierende stimme.
der gute hat im traum zwei frauen, die keinesfalls mitkriegen sollen, dass zwischen ihm und mir unversehens das alte feuer aufgeflackert ist. wir befinden uns in seiner ebenerdigen, hellen wohnung mit einem haufen krempel, die er mit einer der beiden frauen bewohnt und die beide gerade erst bezogen haben.
kaum habe ich die wohnung betreten, kommt es zwischen ihm und mir zu gleichermaßen unvermeidlichen, wie nicht unangenehmen ero- tischen verwicklungen, die sich durch sämtliche nischen der wohnung ziehen. währenddessen wuselt die frau durch die räume und plaudert mit ihm durch wände und über den flur hinweg, über angelegenheiten des gemeinsamen haushalts. woraufhin er in regelmäßigen abstän- den mit allerlei allgemeinplätzen laut gibt, um bloß keinen verdacht zu erregen. die zweite frau, von der er mir bekenntnisfreudig erzählt hat, ist bislang nicht zu sehen. die in der wohnung befindliche ’hauptfrau’ weiß bis dato nichts von seiner geliebten.
dann ist die rede davon, dass sie, die frau, die mit ihm zusammenlebt, bereiche der weitläufigen wohnung zu einem studio oder atelier um- baut, da sie unter anderem fotografin sei. unverzüglich werden mir – nun von beiden – stolz die bereits fertig gestellten räume vorgeführt. das atelier hat eine imposante raumschiff enterprise-mäßige ovale schwingtür, auf der ein riesiges schwarz-weiß-grünes geschnörkel zu sehen ist, das „firmenlogo“ der frau. ein lianenhaft verschlungenes gebilde. ich darf durch die halb geöffnete tür des ateliers sehen und erblicke mit weißer farbe bekleckerte wände, ein paar alte holzleitern und irgendwelche eimer.
auf einmal gehe ich rechts aus dem bild und befinde mich in einer brechend vollen, schummrigen kneipe an einem ewig langen tresen. hinter der bar steht die (mir nicht näher bekannte, aber keineswegs unangenehme) bloggerin cassandra, die dort als professionelle zap- ferin arbeitet* und von der ich, ohne dass es mir jemand erklärt hätte, weiß, dass sie die geliebte*, also die zweite frau des oben genannten ist. sie zapft mir routiniert ein pils und schlägt mir ein geschäft vor.
im pragmatischen tonfall einer auftraggeberin, die genau weiß, was sie will, lässt sie mich wissen, dass sie gerade beim umziehen wäre und gerne hätte, dass ich bei der einweihungsparty stimmungsvolle fotos von der neuen wohnung mache und davon „…..?……“ anfertige. sie benutzt ein mich tief beeindruckendes, leider nicht mehr erinnerbares (sehr ärgerlich!), nach werber-englisch klingendes wort, das ich noch nie im leben gehört habe. da es wahnsinnig professionell klingt, ist es mir ein wenig peinlich, das ich nicht den leisesten schimmer habe, was sie meint. ich lasse mir aber nichts anmerken und hoffe inständig, dass es sich mir durch ihre weiteren ausführungen noch erschließt.
auf einmal hat sie ein abgerissenes stück wellpappe in derselben hand, mit der sie beim zapfen auch das pilsglas hält und ich begreife, dass sie möchte, dass ich von den fertigen fotos plakatartige abzüge mache und anschließend auf quadratmetergroße wellpappe bis in die krisselige fältelung hinein aufklebe. das ganze soll am ende wie lauter kleine paravents, kreuz und quer in ihrem schummrig gelb ausge- leuchteten wohnzimmer aufgestellt werden. zur einweihungsparty soll dann alles fertig sein. ich sage selbstverständlich zu.
[ *natürlich nur im traum ]

22. dezember 2005


eine von vielen verwandten dieser blume heißt stundenblume. stundenblume. ah – ich liebe diesen namen. eine hibiscusblüte öffnet sich, ähnlich der blüte einer passionsblume, nur für einen einzigen tag. vierundzwanzig stunden. dann schließt sie die blätter und verbirgt ihr geschlecht in ewigkeit. zwei tage später findet sich der abgefallene blütenkopf leblos am boden. aber immer noch schön. wie zarte ohr- muscheln.

22. dezember 2005

letzte nacht geträumt (…)
ich besuche aus irgendwelchen beidseitigen sentimentalen anwand- lungen nach jahren einen verflossenen geliebten. der traummann ist eine mischung aus zwei konkret existiert habenden, rockstarmäßig verwegen aussehenden männern: markante knochige visage, wilde lange haare, sehniger, geschmeidiger körper, tief vibrierende stimme.
der gute hat im traum zwei frauen, die keinesfalls mitkriegen sollen, dass zwischen ihm und mir unversehens das alte feuer aufgeflackert ist. wir befinden uns in seiner ebenerdigen, hellen wohnung mit einem haufen krempel, die er mit einer der beiden frauen bewohnt und die beide gerade erst bezogen haben.
kaum habe ich die wohnung betreten, kommt es zwischen ihm und mir zu gleichermaßen unvermeidlichen, wie nicht unangenehmen ero- tischen verwicklungen, die sich durch sämtliche nischen der wohnung ziehen. währenddessen wuselt die frau durch die räume und plaudert mit ihm durch wände und über den flur hinweg, über angelegenheiten des gemeinsamen haushalts. woraufhin er in regelmäßigen abstän- den mit allerlei allgemeinplätzen laut gibt, um bloß keinen verdacht zu erregen. die zweite frau, von der er mir bekenntnisfreudig erzählt hat, ist bislang nicht zu sehen. die in der wohnung befindliche ’hauptfrau’ weiß bis dato nichts von seiner geliebten.
dann ist die rede davon, dass sie, die frau, die mit ihm zusammenlebt, bereiche der weitläufigen wohnung zu einem studio oder atelier um- baut, da sie unter anderem fotografin sei. unverzüglich werden mir – nun von beiden – stolz die bereits fertig gestellten räume vorgeführt. das atelier hat eine imposante raumschiff enterprise-mäßige ovale schwingtür, auf der ein riesiges schwarz-weiß-grünes geschnörkel zu sehen ist, das „firmenlogo“ der frau. ein lianenhaft verschlungenes gebilde. ich darf durch die halb geöffnete tür des ateliers sehen und erblicke mit weißer farbe bekleckerte wände, ein paar alte holzleitern und irgendwelche eimer.
auf einmal gehe ich rechts aus dem bild und befinde mich in einer brechend vollen, schummrigen kneipe an einem ewig langen tresen. hinter der bar steht die (mir nicht näher bekannte, aber keineswegs unangenehme) bloggerin cassandra, die dort als professionelle zap- ferin arbeitet* und von der ich, ohne dass es mir jemand erklärt hätte, weiß, dass sie die geliebte*, also die zweite frau des oben genannten ist. sie zapft mir routiniert ein pils und schlägt mir ein geschäft vor.
im pragmatischen tonfall einer auftraggeberin, die genau weiß, was sie will, lässt sie mich wissen, dass sie gerade beim umziehen wäre und gerne hätte, dass ich bei der einweihungsparty stimmungsvolle fotos von der neuen wohnung mache und davon „…..?……“ anfertige. sie benutzt ein mich tief beeindruckendes, leider nicht mehr erinnerbares (sehr ärgerlich!), nach werber-englisch klingendes wort, das ich noch nie im leben gehört habe. da es wahnsinnig professionell klingt, ist es mir ein wenig peinlich, das ich nicht den leisesten schimmer habe, was sie meint. ich lasse mir aber nichts anmerken und hoffe inständig, dass es sich mir durch ihre weiteren ausführungen noch erschließt.
auf einmal hat sie ein abgerissenes stück wellpappe in derselben hand, mit der sie beim zapfen auch das pilsglas hält und ich begreife, dass sie möchte, dass ich von den fertigen fotos plakatartige abzüge mache und anschließend auf quadratmetergroße wellpappe bis in die krisselige fältelung hinein aufklebe. das ganze soll am ende wie lauter kleine paravents, kreuz und quer in ihrem schummrig gelb ausge- leuchteten wohnzimmer aufgestellt werden. zur einweihungsparty soll dann alles fertig sein. ich sage selbstverständlich zu.
[ *natürlich nur im traum ]

13. dezember 2005


slide
bei jalousien im gegenlicht muß ich immer an lauren bacall und humphrey bogart denken. an dark passage, das unbekannte gesicht. wenn sie ihm behutsam den verband abnimmt, lautlos. erwartete nähe

13. dezember 2005


slide
bei jalousien im gegenlicht muß ich immer an lauren bacall und humphrey bogart denken. an dark passage, das unbekannte gesicht. wenn sie ihm behutsam den verband abnimmt, lautlos. erwartete nähe

09. dezember 2005




zufällig auf 3sat geschaltet. vertraute bilder, vertraute gesichter, ver- trauter film. lange nicht gesehen. in meinem filmarchiv liegt dieses alte band mit außer atem, fahrstuhl zum schafott und die liebenden. in der reihenfolge hintereinander. ich habe die kassette in vielleicht fünfzehn jahren nur zwei- oder dreimal gesehen. das band. die filme sah ich immer wieder. ich weiß nicht genau warum, aber irgendwie war der reiz, die filme in der direkten ausstrahlung zu sehen größer, als sich alleine eine kopie anzuschauen.
vielleicht liegt es an der idee von erhöhter elektrizität, wenn die auf- merksamkeit vieler, zum selben zeitpunkt auf das selbe ereignis ge- richtet ist. in vereinigender, freiwilliger gefangenschaft vor bildern, die mit einer solchen hingabe fotografiert sind, dass beinahe schon der superlativ zu hinken beginnt. bis in die geringste sequenz ein meister- werk von farbigstem schwarzweiß, sonnenlicht, kontrast und schatten. ikonographie.
ich sehe das intensiver als früher. godard hat tatsächlich bilder für die ewigkeit geschaffen. was für eine binsenweisheit, könnte man nun meinen, immerhin handelt es sich seit fast fünfzig jahren um den kult- film der nouvelle vague. aber manche kultische verehrung relativiert sich mit den jahren, verblasst, wird flacher, wenig mehr als senti- mentale erinnerung. dieser film wirkt anders. die bilder werden von einem fluss nicht hörbarer dialoge getragen. ausgesparte halbsätze. einer haarfeinen brechung, verschleppung im rhythmus. atmen.
die tiefsinnige jean seberg zu sehen, deren gedankenfluss man ahnt, wenn sie faulkner und wer weiß wen zitiert, und mit einer zarten ah- nung von verletztheit, die lyrische unzugänglichkeit ihres kleinen verbrechers hinnimmt. der seltsam ferne klang eines vibraphons und die sehnsucht ihrer entrückten blicke. ich trinke rotwein und verliebe mich noch einmal in jean seberg. und in sätze wie „ich werde dich so lange ansehen, bis du mich nicht mehr ansiehst.“ „ich dich auch.“

09. dezember 2005




zufällig auf 3sat geschaltet. vertraute bilder, vertraute gesichter, ver- trauter film. lange nicht gesehen. in meinem filmarchiv liegt dieses alte band mit außer atem, fahrstuhl zum schafott und die liebenden. in der reihenfolge hintereinander. ich habe die kassette in vielleicht fünfzehn jahren nur zwei- oder dreimal gesehen. das band. die filme sah ich immer wieder. ich weiß nicht genau warum, aber irgendwie war der reiz, die filme in der direkten ausstrahlung zu sehen größer, als sich alleine eine kopie anzuschauen.
vielleicht liegt es an der idee von erhöhter elektrizität, wenn die auf- merksamkeit vieler, zum selben zeitpunkt auf das selbe ereignis ge- richtet ist. in vereinigender, freiwilliger gefangenschaft vor bildern, die mit einer solchen hingabe fotografiert sind, dass beinahe schon der superlativ zu hinken beginnt. bis in die geringste sequenz ein meister- werk von farbigstem schwarzweiß, sonnenlicht, kontrast und schatten. ikonographie.
ich sehe das intensiver als früher. godard hat tatsächlich bilder für die ewigkeit geschaffen. was für eine binsenweisheit, könnte man nun meinen, immerhin handelt es sich seit fast fünfzig jahren um den kult- film der nouvelle vague. aber manche kultische verehrung relativiert sich mit den jahren, verblasst, wird flacher, wenig mehr als senti- mentale erinnerung. dieser film wirkt anders. die bilder werden von einem fluss nicht hörbarer dialoge getragen. ausgesparte halbsätze. einer haarfeinen brechung, verschleppung im rhythmus. atmen.
die tiefsinnige jean seberg zu sehen, deren gedankenfluss man ahnt, wenn sie faulkner und wer weiß wen zitiert, und mit einer zarten ah- nung von verletztheit, die lyrische unzugänglichkeit ihres kleinen verbrechers hinnimmt. der seltsam ferne klang eines vibraphons und die sehnsucht ihrer entrückten blicke. ich trinke rotwein und verliebe mich noch einmal in jean seberg. und in sätze wie „ich werde dich so lange ansehen, bis du mich nicht mehr ansiehst.“ „ich dich auch.“

03. dezember 2005

and if I wander down the wrong road, it’s alright baby, just let me go. if I get tired of all those assholes, it’s alright, cause I want them to know. I’m sick and tired of all this bullshit, rough shit, same shit. and feeling sorry makes me feel mad. someday baby, I play to win
barry reynolds [ grace jones, warm leatherette ]

30. november 2005

das nenne ich einen sinnvollen beitrag. nach dem topflappenabsatz wird es wirklich interessant (wobei der freilich unabdingbar für den spannungsbogen dieser kleinen novelle von herrn paulsen ist).
leider ist es mir nicht möglich, in allen intimen einzelheiten zu erhellen, in welcher beziehung ich zu iggy pop stehe. das würde den rahmen meiner kleinen feinsinnigen seite entschieden sprengen. iggy pop ist natürlich gott. (aber das gehört ja eigentlich zur allgemeinbildung)

[ heavy rotation: american cesar ]

01. dezember 2005

was für ein schöner klarer tag. in der sonne am fenster denke ich, so klar sollte man sein, wie dieses ungetrübte licht. ohne diffuse streu- ung, schattenpunkte. der kontrast, zwischen innerer und äußerer welt. wenn das licht einen trifft und daran erinnert, wie man gerne wäre. wieder

01. dezember 2005

das gute bleibt. die guten sätze, die alten lieder. das da zum beispiel
ich schenk dir nach und nach meine gesundheit, wenn du willst | weil du dich auch bei unter null grad so fürchterlich toll anfühlst | denn für dich tu ich fast alles | sogar mich extrem erkälten | oder am zweiten weihnachtsfeiertag im garten deiner eltern mit dir zelten.

u. meinecke

30. november 2005

das nenne ich einen sinnvollen beitrag. nach dem topflappenabsatz wird es wirklich interessant (wobei der freilich unabdingbar für den spannungsbogen dieser kleinen novelle von herrn paulsen ist).
leider ist es mir nicht möglich, in allen intimen einzelheiten zu erhellen, in welcher beziehung ich zu iggy pop stehe. das würde den rahmen meiner kleinen feinsinnigen seite entschieden sprengen. iggy pop ist natürlich gott. (aber das gehört ja eigentlich zur allgemeinbildung)

[ heavy rotation: american cesar ]

30. november 2005

steine steine steine mein lieb, und steine. all meine wahrheiten sind mir ja steine geworden. steine im weg und stein in der kehle und stein auf der seele und stein in der brust, in den leeren, den wehrenden händen. steine steine steine, mein lieb und steine. warf ich und traf mich und straf mich alleine, dass ich kein weg find, über die augen, rinnt mir der saft, rot dieser hass, wie blind macht das, liebe macht spaß. komm wisch ab das, und weine: steine steine steine, mein lieb und steine.
und meine worte, die alle nicht trafen und all die stummen und dummen und braven, steine steine steine, mein lieb und steine. dort wo wir uns finden, mein lieb untern linden, wo wir uns fassen und uns nicht lassen und uns verpassen, mang all die massen, bin ich alleine. zu wessen glück sag: schlafen die steine. dort wo graue furcht ist und laues hassen. die pflastersteine, sie träumen noch tief in den straßen. steine steine steine, mein lieb und steine

wolf biermann

28. november 2005

jupiter konj. mars
[ heftig ]
interessante mischung aus mordlust und konstruktivem kraftüber- schuss. ich mache alles doppelt so schnell wie sonst, gebe knappe und durchaus passende, gerne auch mal zickige antworten und strotze vor gesundheit. ha! unglaublich: ich bin um irgendwas gegen halb- sechs (?) aufgewacht, völlig ausgeschlafen und wollte unbedingt auf- stehen. so geschehen. gut um auszumisten. tabula rasa. (sowieso: merkur rückläufig bis 4. dez. – sehr gut dafür). wirklich verblüffend, dieses angenehme kochen zu spüren. pure elektrizität. ich hätte lust ein paar türen krachend zuzuschlagen, wäre ich nicht halbwegs zivi- lisiert. es gibt ja einen unterschied zwischen destruktiver und konstruk- tiver aggression. viele begreifen das nicht. aber so manche begreifen ja so manches nicht.
tabula rasa!

27. november 2005


hat jemand meine letzten kommentare, die sich auf die kraft der tätowierung eines totems bezogen, gelesen? würde mich freuen. ich habe den beitrag versehentlich gelöscht. schade insofern, als ich ein paar grundsätzliche gedanken erklärte.
unter anderem schrieb ich, dass die ästhetik und antriebskräfte des westlichen europas der gegenwart für mich nicht maß aller dinge sind. mich interessieren archaische kräfte und die bündelung von energien. die oberflächliche, rein ästhetische betrachtung von tautuierung ist für mich ein müßiger diskussionsgegenstand. zeichen sind materiali- sierte energie, die im falle der identifikation kräfte verleihen. es geht um eine tiefere dimension. oder wie a. jolie sagt: tattoos sind gebete.

22. november 2005

„(…) die oft nach kremationen zurückgebliebenen künstlichen hüft- gelenke würden übrigens umweltgerecht rezykliert: das hochwertige material werde gesammelt, nach holland geliefert, dort sortiert «und dann in schweden unter anderem zu schiffschrauben verarbeitet», berichtet sasser. (…)“
gut zu wissen.
(…dank a.more.s)

21. november 2005

gerne würde ich die aufdringliche begrüßung beim einloggen ab- stellen „willkommen bei . . . , . . . viel spaß!“ helau und alaaf. und das ganze auf einem pissgelben banner. nicht, dass mir das noch nie aufgefallen wäre, aber ich stelle gerade wieder fest, dass es dinge gibt, an die ich mich nicht gewöhne. ein gutes zeichen.

17. november 2005

ich frage mich, ob ich das, was ich vor fünfundzwanzig jahren in diese damals so beliebten, stoffbespannten chinesischen tagebücher geschrieben habe, heute auf einer ähnlichen seite wie dieser schreiben würde. ich wäre vermutlich nicht blöd und hätte mit anderen fünfzehn- bis achtzehnjährigen zu tun, die ihrerseits durchs netz gurken würden und wäre vorsichtig. vielleicht wäre es dem, was ich hier und heute mache, nicht unähnlich. möglicherweise würde ich beides tun. ich nehme mir jetzt eines dieser alten tagebücher und schaue nach, was ich im november 1980 geschrieben habe.
es gibt keinen eintrag vom 17. november 1980. aber etwas später, vom 26. november. dieses akribische festhalten von erlebten augenblicken (heute baue ich auf mein gedächtnis und ein paar bilder). ich rekonstruiere darin eine für mich sehr besondere begegnung mit dem erwähnten jungen, dem besten freund meines bruders, mit dem ich in rust never sleeps war. schwer verliebt.
es gab kein sicheres aufeinandertreffen zwischen ihm und mir, keine verabredungen. alles geschah zufällig. und wenn es geschah, war ich hin und weg. er hatte seit zwei jahren eine freundin, die mich ganz gut leiden konnte, ich fand sie auch passabel und sah die annäherung zwischen ihm und mir als etwas davon unabhängiges, völlig eigenständiges. ich nahm alles hin, wie es war und wie es kam. und war je nachdem, dankbar oder traurig.
es ergab sich, dass wir an einem sommerlichen septembernachmittag den übungsraum seiner band gemeinsam verließen und durch den wald liefen. ich schrieb über diesen einen nachmittag in mehreren fortsetzungen. es hatte einen solchen seltenheitswert für mich, dass ich glaubte, dieses einmalige ereignis bis in die kleinste einzelheit festhalten zu müssen.
es ist doch sehr privat, auch nach so vielen jahren. es folgen wenige seiten später, grundsätzliche erwägungen über eifersuchtsgefühle, die mich zu dem satz verleiteten: ich finde geistigen betrug schlimmer. da war ich nun schon einmal in greifbarer nähe verliebt und fand mich in einer denkbar seltsamen konstellation.
die frage von oben ist beantwortet. wäre ich um einiges jünger, würde ich heute genauso wenig öffentlich ein intimeres tagebuch schreiben. ich habe ja auch damals niemandem daraus vorgelesen. ich schrieb für mich selbst, um mich besser zu erinnern und um über alles besser nachdenken zu können. dieses nur für mich schreiben, hat aufgehört. sechs oder sieben jahre mag es her sein. ich schrieb, seit ich elf war.

datenbank der sehnsucht. dann schrieb ich jemandem. und dann hörte es auf. bis dies hier entstand. eine neue ebene.

15. november 2005

gerade musste ich an wolf biermann denken, an sein kuckuck. an dieses wunderbare lied. wer mag das kennen. auf der suche nach ein paar alten aufnahmen von ihm bin ich gerade über seinen geburtstag gestolpert, heute. heute schreiben keine frauen, dass sie wolf biermann aufregend finden. ich tue es. ich liebe die hörbare aggression, wenn er seine gitarre schlägt. ihre melancholie, sein rauhes flüstern.
ich denke nicht so sehr an den wolf biermann in den köpfen eines aufgeklärten publikums, obgleich ich ihn achte. ich denke an den verliebten wolf, der ein paar der schönsten liebeslieder in deutscher sprache geschrieben hat, die ich kenne. den liebe ich.

lieder, die man gehört haben sollte, bevor man tot umfällt.
*nur bei zweitausendeins

12. november 2005

many years.
neil
im sommer neunzehnhundertsiebenundsiebzig, ich war wohl elf, hörte ich heart of gold zum ersten mal im radio und nahm das stück auf meinem kleinen kassettenrecorder auf. ungefähr ein jahr später kaufte ich mir in einem plattenladen meine allererste langspielplatte. es war harvest.
ich hörte sie so oft, bis ich jeden ton und jede zeile in- und auswendig kannte. ich versuchte herauszukriegen, was es mit diesem typen auf sich hatte, für den er the needle and the damage done geschrieben hatte. wenn ich in stimmung für das wehmütige words war, hörte ich es endlos hintereinander. ich wollte zu ihm in den topanga canyon ziehen und ihn heiraten.
mit fünfzehn war ich mit meinem bruder und seinem besten freund im kino und wir sahen rust never sleeps. ich verliebte mich ihn den jungen neben mir, weil er cortez the killer und my my, hey hey genauso liebte wie ich und alle stücke auf der gitarre nachspielen konnte.
im jahr danach trösteten mich an vielen einsamen nachmittagen die ebenso einsamen stücke von on the beach und time fades away mehr schlecht als recht über meinen liebeskummer hinweg. wie oft mag ich wohl see the sky about to rain und the bridge gehört haben. ich weiß es nicht. the bridge we build it now, it may take a lot of time
meine englischnoten waren dem allnachmittäglichen studium seiner texte zu verdanken. ich saß an meinem offenen fenster zum himmel unter dem dach und hörte zum tausendsten mal trasher und pocahontas. oder ich lag auf dem rücken auf dem boden, schaute in die schäfchenwolken und lauschte after the goldrush, als hörte ich es zum ersten mal.
im september neunzehnhundertzweiundachtzig war ich siebzehn geworden und erlebte ihn und crazy horse endlich auf der bühne, und ich fühlte wohl dabei, was tiefgläubige beim gottesdienst empfinden müssen.
ich mochte auch die spätere, eher unscheinbare hawks and doves und ich mochte reactor. ich mochte die seltsame trans und katapultierte mich mit like an inca in entfernte sphären. es gibt nur wenige platten oder stücke, die ich nicht mochte. ich liebte powderfinger und cortez the killer und den barstool blues. und like a hurricane. heute noch.
im sommer, als ich einundzwanzig war, schickten mir meine eltern ein großes paket mit den schallplatten meines toten bruders. aus irgendeinem grund musste ich weinen, weil darin alle platten von neil young waren. jetzt hatte ich alle zweimal. seine harvest sah viel neuer aus.
in den neunzigern verkaufte ich meine vinylschallplatten einem kleinen laden im prenzlauer berg. ich wollte umziehen und ballast abwerfen. ich hatte das gefühl, meine sammlung sei in guten händen gelandet, und so fiel es mir nicht allzu schwer. this note’s for you war meine erste cd und ich liebte die samtdunkelblauen töne von twilight und coupe de ville.
manchmal würde ich gerne noch einmal über die alten quadratischen papierhüllen streichen. oder das postergroße hellgraue stück papier, mit den handgeschriebenen texten, das der time fades away beilag, noch einmal auseinanderfalten. es hing in meinem zimmer über dem bett und ich konnte es sehen, wenn ich aufwachte.
zweitausendvier, april. auf dem weg zum southrim des grand canyon, dröhnt aus einem cherokee laut vibrierend neil youngs gitarre, ein wahnwitziges stück aus jim jarmuschs dead man. der jeep cherokee nähert sich dem unglaublichsten stück erde in schritttempo, zeitlupe, und die kraft des vibrierenden echos dieser einzigartigen gitarre macht nur noch größeres herzklopfen. es gibt diese wenigen augenblicke, in denen alles stimmt. ich werde für immer neil youngs gitarre im ohr und im herzen haben, wenn ich an den grand canyon denke. und sowieso und überhaupt.
heute ist sein sechzigster geburtstag.
be the rain.

11. november 2005

resolution. die auflösung. das auflösungsvermögen. der beschluss. die beschlussfassung. die bestimmtheit. die entschlossenheit. der entschluss. die entschlusskraft. der gute vorsatz. die lösung. die rasterung. der ratschluss.

06. november 2005


(…) ich war völlig alleine dort, später nachmittag, tiefstehende sonne. ich trat durch die steinernen arkaden des eingangsportals und die zeit schien auf einmal still zu stehen. absolute geräuschlosigkeit. ich ging über den unwahrscheinlich grünen, seltsam privat wirkenden, teppich- artigen rasen auf die entfernten grabreihen zu, in diesem moment wurde marlenes sag mir wo die blumen sind aus dem off eingeblendet. ich hörte das stück in meinem kopf. die ganze zeit. es war wie in einem film, und ich war mittendrin.

04. november 2005

irgendwelche fragen, irgendwas, was irgendjemand schon immer mal wissen wollte, irgendwas worüber ich mal schreiben sollte? ich stelle gerade fest, ich fange endlos an zu schwadronieren, sobald mich je- mand konkret fragt oder anspricht, aber ohne diese kleinen impulse bin ich beinahe schon verstockt und belasse es bei bildern, die nicht weiter erklärt werden.
zum beispiel jenes phänomen – w triftt x, y und z schreibt darüber zeitnah einen längeren, ausführlich wirkenden bericht mit entweder a) vielen adjektiven oder b) vielen andeutungen. ich will das gar nicht wer- ten, schließlich lese ich selbst gerne detailverliebte berichterstattun- gen. ich dagegen – initial wohlgemerkt – verstockt: gehe hin, mache evt. – nicht immer – einige bilder, gehe nach hause und lege mich ins bett. so wird das hier natürlich nichts.
ich bin mir aber andererseits höchst unklar darüber, welchen sinn es für mich persönlich haben sollte, das auch zu machen. es ist sowieso komplett unmöglich, in körperlicher distanz aufgrund von worten ein derart komplexes bild zu vermitteln, das je dem wert von geruch, stimme, mimik, bewegungsablauf, ausstrahlung gerecht werden könnte. es bleibt ein versuch. auch bei mir. es sind traumpfade, auf die man geführt wird, kuschelige vorstellungen von persönlicher nähe aufgrund eines scheinbar vertraulichen redeflusses.
ich traue niemandem wirklich ganz über den weg, bevor ich ihn oder sie nicht wenigstens einmal leibhaftig vor mir hatte. bis dahin gibt es so etwas wie einen vorsichtigen, instinktgesteuerten vertrauensvor- schuss. aber ich halte immer noch bei hundert prozent aller men- schen, die mir zunächst nur schreibenderweise begegnen, einen un- berechenbaren aspekt für möglich, der latent vorhandene anziehung in beide (wohlgemerkt) richtungen kippen lassen könnte. ein aspekt, der sich erst von angesicht zu angesicht offenbart. deswegen bin ich auch mit verbalen zuneigungsbekundungen im netz so geizig. ich habe mich einmal mit vorschusslorbeeren in richtung unbekannt vor vielen jahren sehr verrannt.
von angesicht zu angesicht entscheidet der tiefe bauch, ob man vertrauen kann oder nicht. und sehr interessant: das hat so gut wie gar nichts damit zu tun, was jemand auf seiner seite schreibt. erstaunlich wenig. spannend. ich bin zum beispiel sehr fasziniert, welchen starken eindruck das hören der stimme vermittelt, wie stark dieser eindruck für mich attraktivität steuert, oder das gefühl, mit jemandem im besten sinne etwas zu tun zu haben.

16. oktober 2005

im hintergrund der fernsehpreis. ton aus. als dietmar schönherr gegen ende die bühne betritt, um seinen ehrenpreis entgegenzunehmen, und die kamera ins publikum auf die sichtlich gerührte vivi bach mit der wunderbaren grauen mähne geht, mache ich den ton wieder an.
wie gerne ich die beiden mag. immer schon. schon als kind. und als erwachsene sowieso. ein moment, wo ich gerne hätte dabeisein mögen. (außer vielleicht noch, wenn ulrich mühe da gewesen wäre, um seinen preis entgegenzunehmen… aber der hätte ja sicher seine nicht minder bezaubernde frau dabei gehabt…)

15. oktober 2005


ich las bis zum nachmittag. regungslos, gebannt. berührt. nach dem neunten tod musste ich aufhören. zu viele leben, zu viele gefühle, schmerzen. ich nahm eine lange dusche. sehr lang. bei der konfrontation mit solchen dokumentationen wird man sehr gegenwärtig. hungrig. lebenshungrig. das wasser spülte die geschichten weg. nur noch das fließende wasser auf warmer haut. es ist gut, sich dem zu zeiten zu stellen. und es ist auch gut, wieder damit aufzuhören. lieben. liebe finden.

12. oktober 2005

nach eigentlich zu kurzem schlaf und dem üblich starken kaffee, stellte ich heute morgen an mir leicht irritiert, nicht nur keine katerspuren, sondern eine überraschende, ja geradezu dreiste und ganz klar körperlich zuzuordnende dümmliche euphorie fest, als ob ein absurd zufriedener (warumeigentlich-wovoneigentlich-womiteigentlich) bauch den abwesend lustlosen rest ansteckt. komplett. weiß der mehr als ich? nicht zu fassen. ist ja großartig. damit hätte ich ja nun überhaupt nicht mehr gerechnet. aus dem bauch katapultiert irgendwer, irgend- was, irgendwoher, energie in sämtliche richtungen. cape canaveral am solar plexus. eine völlig neue stufe der körpererfahrung durch nix. so habe ich mir das ja immer schon gewünscht. ganz ohne yoga und kamasutra oder was die da alle machen. das kann ja nicht lange anhalten. ich rechne jeden moment mit der rückkehr des langweiligen normalzustandes.
oder ob das vielleicht mit dem essen zu tun hat? mit der verdauung? oder ist das schon der anfang vom ende? da soll man ja auch noch mal so richtig aufblühen. was habe ich eigentlich gegessen gestern. kartoffelsuppe. knoblauch, pfeffer, rosmarin. eine spur kreuzkümmel. dann walnusseis aus dieser familienpackung von mövenpick. aber der wein. der wein… der dicke alte saxophonspieler, im nebenberuf trinker hatte seinen wochenbedarf mitgebracht, kistenweise. ich nahm eine flasche vom weißen. das wunder begann bereits sonntag zu wirken. ich hatte wirklich viel [viel] davon getrunken und keinen kopf am folgetag. moment. ich hab die flasche noch riesling, 2002, trocken, qualitätswein erzeugerabfüllung pfalz, südliche weinstraße, weingut joachim hof, d-76831 heuchelheim-klingen, klingbachstr. 29, tel. 063491591
vielleicht unterschätzt man ja allgemein die auswirkungen körperlichen wohlbefindens. vielleicht führen diese ganzen kleinen zellen ein eigenleben und haben gerade ein kleines hoch, an dem sie mich großzügig teilhaben lassen. vielleicht wird da gerade irgendwas ge- feiert. weiß der geier. vor zwei jahren ungefähr bildete ich mir ein, ich hätte einen körperlichen tiefpunkt aufgrund meiner ach so schlimmen seelischen belastung. die haut an den handgelenken und unterarmen juckte und blühte, ich armes neurodermitis-affines sensibelchen. dabei hatte ich nur wenige wochen vorher in diesem unglaublich heißen sommer meine liebe zu orangensaft neu entdeckt. ich trank jeden tag ungefähr zwei liter von dem zeug. lange rede, kurzer sinn: eine findige hautärztin klebte mir drei tage lang alle möglichen lebensmittelsubstanzen auf den rücken. voilà: ich reagierte allergisch auf zitrussäure. ich ließ den blöden saft weg und einen halben tag später war der scheiß verschwunden.
eigentlich doch sehr beruhigend, dass es einem auch mal nur deswegen gefühlt gut gehen kann, weil der stoffwechsel funktioniert. aber wer weiß, was ich für stoffwechsel halte.

11. oktober 2005

der morgen, an dem ich eisblumen zählte | der staubige sommer vor düsterem haus | die fackel, die mit dem regen verlosch | und rostrote astern im glas | der hut meiner mutter im kleiderschrank | geruch von kaffee im flur | die angst vor dem mann auf zigarrenplakat | mein schuh, der den ersten falter zertrat… | nichts geht verloren | die angst nicht, der zorn | die kraft von vor langer zeit | nichts geht verloren | kein traum und kein wunsch | nichts geht verloren, es bleibt | der teich, in dem ich die sonne gesucht | der grashalm, der die hand mir zerschnitt | ein ball, der seine farbe verschenkt | ein drache, der den himmel zerteilt | die feuchtkalte klinke am schweren tor | das licht, das drei minuten zählt | die nacht, in der die große stadt verbrannt | zersplittertes rot am gardinenrand… | nichts geht verloren die angst nicht, der zorn | die kraft von vor langer zeit | nichts geht verloren | der schmerz, der uns klein macht | die größe der hoffnung | verlässt uns, zieht weiter verloren geht sie nicht . ( h . k n e f )

07. oktober 2005


warum habe ich eigentlich nie lust zu packen. ist doch gar nicht so schwer. oder morgen einfach irgendwie sehr früh aufstehen. eigentlich ist es völlig wurscht, ob ich drei tage oder drei wochen weg bin. der unterschied liegt eigentlich nur in der zahl der socken.
siebter oktober. gutes datum.
den kopf mit wüstenbildern aus mauretanien geflutet. durchgeatmet.

05. oktober 2005


4. okt.
so kann man leute erschrecken. man zuckt jedesmal ein bißchen zusammen, wenn man so plötzlich, mir nichts dir nichts, das gesicht des menschen vor sich sieht, der da schreibt. so unbefangen ich an anderer stelle damit umgehe, so selten mache ich das hier.
im wirklichen leben ist das gegenteil, die abwesenheit eines physischen eindruckes, die völlige ausnahme. man kommuniziert und hat eine körperliche vorstellung seines gegenübers. und sei es die stimme. hier fehlen diese impulse. ich frage mich, inwieweit sich das auf inhalt und tonfall in kommentaren auswirkt. man schreibt wie unbeobachtet, in einem blicklosen raum. während man die worte festlegt, wird man von keinem blick getroffen. vielleicht entstünde ja eine seltsame illusion von nähe und man nähme sich gerade deshalb befangen zurück. oder das gegenteil.

05. oktober 2005

der mais ist reif. die felder in mecklenburg werden jetzt geerntet. die kraniche sind unterwegs. man kann sie schon hören. das holz ist aufgeschichtet. für ein großes feuer. hoffentlich sehe ich sie, die zugvögel. gen norden, den kranichen entgegen.
[keine kryptik. einfach auch mal was so nehmen, wie es da steht. ungewohnt? dann wird das jetzt geübt.]

04. oktober 2005

es ist doch wirklich interessant zu sehen, welche bilder am häufigsten aufgerufen wurden. die damen liegen ganz entschieden vorne. wobei ich nicht mitzähle, weil mein verschämtes bildchen gerade eben erst vor einer minute nachgeladen wurde. das kann ich natürlich nie mehr aufholen. die siegerin steht im grunde fest. auch der zweite platz scheint ziemlich stabil zu sein, wobei es noch ein kopf-an-kopf rennen um den dritten platz zu geben scheint. (und das, wo auf einem der beiden bilder gar kein kopf zu sehen ist)

03. oktober 2005

wenn der boden beginnt zu schwanken, weil die erde ein bißchen bebt und die fassade bröckelt, während einem die decke auf den kopf fällt, kann es helfen, die tapete zu wechseln. vorübergehend. nennt man das dann eigentlich makulatur? nein. makulatur ist eine mischung aus kleister und altpapier, die man auf den nackten putz aufträgt, um kleinere unebenheiten auszugleichen. wenn die mauer bricht, hilft makulatur nicht weiter.
ich brauche eine zugverbindung zu den kranichen. die haben einen guten orientierungssinn. viel besser als meiner. ich muss landen, wo sich die kraniche im herbst niederlassen. wo es nahrung gibt.
[ tonspur: marianne faithfull | vagabond ways, track 3: file it under fun ]

01. oktober 2005

warum die vielen bilder.
gestern, in jener dokumentation über veruschka, wurde deutlich, dass sie nicht nur bei ihren späteren produktionen, die sie selbst insze- nierte, sondern bereits bei ihrer arbeit für die amerikanische vogue einen kreativen einfluss auf die ästhetik und das setting der bilder hatte. dank diana vreeland, gab es bei diesen produktionen in den sechziger jahren keine ästhetischen dogmen. wenn man diese bilder heute sieht, denkt man an eher an die dokumentation wilder per- formances, als an modeaufnahmen.
dabei entstand wieder dieses gefühl des wiedererkennens, das ich immer habe, wenn ich veruschka agieren sehe. ich begreife, wie sie tickt. sie spart sich nicht aus. ihr körper, ihr gesicht sind gleichwertige teile ihrer existenz. es gibt keine reduktion auf den geist. das faszi- nosum ist das ineinandergreifen der elemente körper, geist und seele. sie trägt ihr bewusstsein nicht nur im kopf und im herzen, sondern auch in den knochen, in den haaren, den händen. der eigene blick, das eigene gesicht wird zum material, gleichberechtigt neben farbe und leinwand.
das ist mir ungeheuer vertraut. im laufe der letzten jahre habe ich erkannt, dass es den horizont meines selbstverständnisses, meiner selbsterkenntnis erweitert, wenn ich meine gegenwart, meine existenz in fotografien nachvollziehe. ich sehe beim blick auf ältere fotografien die geschichte jener zeit, wo ich stand. ich sehe, wo ich mich befreit habe. und wann. in den augen sind neue geschichten zu lesen. ich sehe darin die licht- und schattenreflexe des grand canyon. heilende wunden, aber auch die spuren, die immer bleiben werden. ich sehe die reise, meine reise.
im augenblick des fotografierens entsteht eine konzentration auf den gegenwärtigen augenblick, der das sein verdichtet. es entsteht nichts artifizielles sondern ein surrogat der bewusstseinskräfte. das gibt es sonst nur im film. wenn man vor laufender kamera agiert, begreift man, dass exakt, genau dieser augenblick hier und jetzt, der ist, auf den es ankommt. es soll ein guter augenblick sein, der da eingefangen wird. intensiv. authentisch. vibrierend. jetzt.

28. september 2005


manche bilder lösen so viel erinnerung aus. ich glaube, es sind bruder und schwester. aber ich weiß es nicht. wie die kleine sich durchsetzt. ein gleichwertiger kampf. auge in auge. man kann nicht sagen, wer stärker ist. das ist auch gar nicht wichtig. der kampf ist teil des spiels. man spürt in solchen momenten der auseinandersetzung sich und den anderen sehr stark. etwas wesentliches wird komprimiert. intensität entsteht.

27. september 2005

before the poison. vor einem jahr erschienen, losgerannt, gekauft. erstes stück gehört. in den schrein. kriege ich nie genug davon. ich wiederhole es gerne noch vierzigtausendmal. ich liebe diese frau. ich liebe sie.
oh ja. man kann verdammt viel über jemanden erfahren, wenn man die lieblingsstücke kennt. danke pj. danke für das erste stück. und den rest. danke balsam.

27. september 2005

mitunter ist es konstruktiver, ein wenig ins all zu morsen. ein altes wort. ich mag ja alte wörter. überhaupt wörter. was mag ich nicht alles. ernsthaftigkeit. wahrhaftigkeit. gewissenhaftigkeit. gewissenhaftigkeit ist überhaupt etwas großartiges. dummerweise wird dieser begriff vorwiegend in profanen zusammenhängen benutzt. ich wünsche mir gewissenhaftigkeit. wissen um das eigene tun, wissen um mögliche konsequenzen. das erfordert lebenserfahrung. oder große sensibilität. vexierspiele sind schön für den jahrmarkt, bunte bretterbuden.
es ist kein zufall, dass es hier keine grellen töne und farben gibt. ich danke den guten geistern dieses netzes, dass sich kein marktschreier angezogen fühlt. reduktion von vakuum als grundsatz. verweigerung der häkelborte. weglassen. aber auch zulassen. bis sich die innerste substanz zeigt. und dennoch – es lässt sich nicht leugnen. ich erkenne, ich bin auch in dieser diskreten nische hier auf demselben großen jahrmarkt. und es nützt auch nicht viel, das gegenteil zu behaupten. und wenn man es noch so ernst meint. und sich noch so entziehen wollte. ‚mir langt das modische geschwätz – ich mache jetzt hier mein eigenes internet auf.‘ – das hat sich sicher schon so mancher gedacht. ob ich wohl damit alleine dastehe, an meiner schönen havel. fernes rauschen.
mein wunsch war und ist noch immer, dass bilder von mir – und damit meine ich nicht die gemalten, denn die haben diese verbindung zwangsläufig – einen dimensionalen bezug zu meiner inneren, gefühlten wirklichkeit haben sollten. es gibt wenig grausameres als entzauberung. also bin ich ausschweifend. der wichtigste schritt ist, sich selbst zu verzaubern. und das beständig. hast du ein bild – dann hast du ein bild. hast du zwei bilder – dann hast du zwei bilder. je verschiedener diese mosaiksteine sind, umso komplexer wird das ganze. es erscheint mir immer noch gut. bilder. vorstellungen. intuitionen.
gedankensprung. ein paar gedanken. was für gedanken. mit dem älterwerden wird man großzügiger. erstaunlich. ich stelle an mir immer noch vulkanische gefühlsregungen fest, aber die bewertung ist eine andere. (gerade, als ich es formuliere, fällt mir auf, dass a.more.s vor kurzem eine ähnliche wahrnehmung beschrieb – tatsächlich: zufall) ich entwickle eine größere distanz zu jenem altvertrauten wüten in mir. über solche dinge denkt man mitunter nach, wenn man es spürt. man nimmt die wut, wie glühendes eisen, mit einer zange und schaut sie an. schaut, was sie kann. kann sie etwas gutes?
die vielzitierte metaebene rüttelt den verstand und sagt: nein – schreib das jetzt nicht. denk an die folgen. was bewirkt das. ich antworte mir dann ’nichts gutes‘. dann muß ich fast schon wieder grinsen über meinen teuflischen altersscharfsinn. und ich halte meinen mund. auf der tastatur steht dann ‚heute geschlossen‘. warnschild an mich selber. so in etwa. transzendenz.
da ist es wieder – das wissen um mögliche zerstörung durch falsch gesetze worte. zu viele worte. zu nahe worte. zu arglose worte. zum falschen zeitpunkt.
ich glaube an rhythmus. wenn ich pathetisch bin, spreche ich gerne von einem großen konzert. daran glaube ich. die instrumente müssen gestimmt sein. und man muß seinen einsatz kennen. das erfordert konzentration. wenn man ihn nicht kennt, geht die melodie verloren. und man muss wissen, wann der konzertsaal geöffnet ist. eigentlich ganz einfach.

25. september 2005

mein gott, wie doch die zeit vergeht. damals habe ich noch geraucht. nachdem herr kidnatz mich eindringlich beschwor, an meine zukunft zu denken, ließ ich das laster schweren herzens fallen. unermüdlich predigte er, wie unzuträglich die raucherei auf dauer für meinen teint wäre. ja ich hätte gar zu fürchten, künftig keine rollenangebote mehr zu erhalten. „denke nur an die großaufnahmen! denke an den tonfilm!“ beschwor er mich. glücklicherweise halfen sein nachmittäglicher vortrag und der hiesige sanddornschnaps über die schlimmsten zeiten hinweg.
[ aus: „gaga nielsen, die schweigende muse“ ]