15. September 2013

BERLINER FRÜCHTCHEN

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Lobet und preiset die Schöpfung! MIr wäre ja lieber, wenn alles Mögliche geschlechtsneutral bezeichnet wäre, außer Männer und Frauen natürlich. Lobet und preiset das Schöpfung! Was mir auch gar nicht nachvollziehbar ist, woher bei einigen Damen der Drang kommt, aus „der Gott“ „die Göttin“ zu machen, anstatt „das Gott“. Dinge, die mir für immer ein Rätsel bleiben werden. Oder von wegen „la luna“ etc., muss in bestimmten Kreisen „die Mondin“ statt „der Mond“ verehrt werden. Ich hingegen sage aus Faulheit wie hierzulande Tradition „der Mond“, gefühlt ist der Ball da oben aber „das Mond“. Gefühltes Wissen! Ich könnte immer so weiter machen. Überhaupt interessant zu überlegen, wieviele Sprachen es geben mag, wo auf Geschlechtszuordnungen komplett verzichtet wird, außer eben bei Mann und Frau. Muss man sich das Leben unnötig schwer machen? Überhaupt Artikel. Wer hat Artikel erfunden. Macht das unsere Sprache nicht unnötig kompliziert und erschwert das Erlernen für den Ausländer und die Äusländerin? Auf jeden Fall: vielen Dank nochmal Schöpfung für die schöne Ernte. Ist zwar nicht aus meinem Garten, aber ich bin trotzdem total dankbar dafür. Viele von den Bildern gibt es auch in bunt, das sehen aber nur die, die tapfer durchhalten beim Angucken, oder hier gucken. Eigentlich wollte ich ein tolles Erntedank-Gedicht hier pasten und posten, aber ich hab keines gefunden, das mir insgesamt gefallen hätte. In einem war von einem Pflaumenregen die Rede, was schon mal sehr schön war, aber der Rest über der Zeile und darunter war dann wieder nicht so meins. Auch findet man bei Gedichtesuchen zum Herbst recht weinerliche Werke, die mir insgesamt zu nebelschwer und freudlos daherkommen. Das entspricht überhaupt nicht meinem Empfinden. Der Herbst ist eine freudvolle, sonnige Jahreszeit, in der man sich reich beschenkt fühlen darf und jeden Sonnenstrahl mit Dankbarkeit begrüßt. Wie die Pflaumen. Und die Zucchini. Und die Peperoni. Und überhaupt.

13. September 2013

Gerade ungefähr ein Pfund (oder zwei?) frisch geerntete Berliner Pflaumen im Stehen in der Küche gegessen. Die Kerne in eine Plastiktüte gespuckt und ein paar in die Erde gesteckt und den Rest übers Dach mit der Blumengießkanne in die Rinne gespült. Ich weiß, wo die landen, die Kerne. Mitten in Mitte! Mal sehen, ob es im nächsten Frühling Pflaumenbäumchen gibt. Ich hab noch mehr. Ein gutes Kilo bestimmt. Kleine, knackige, reife Früchtchen. Und wie mir scheint, sehr verträglich. Gab es umsonst auf einem Gabentisch. Die Stifterin hat noch mehr tolle Sachen in ihrem Garten, unter anderem hab ich gestern eine riesige Zucchini abgestaubt, schon die vierte in diesem Sommer. Ja, es ist noch Sommer. Im Kalender auch. Ein bißchen herbstlicher Sommer, okay. Aber das ist auch völlig in Ordnung und wunderbar. Auch habe ich aus dem Garten Peperoni präsentiert bekommen. Ich habe die grünen gewählt. Total unterschiedlich scharf. Interessant. Man weiß vorher gar nicht, wie scharf die kleinen Dinger sind. Immer für eine Überraschung gut. Von der Riesen-Zucchini mache ich auch gerne so schnitzelmäßige, dicke Scheiben, schön in Butter gedünstet, bis jede Seite schön leicht angebräunt ist. Und ein bißchen Knoblauch. Und frischer Pfeffer und Salz. Und dies und das. Solche Früchte zu kriegen ist echter Luxus! Jedes Sterne-Restaurant würde sich um meine kleine Ernte auf dem Küchentisch reißen. Das ist ja wohl klar. Die Gartenbesitzerin und ihr Mann haben ein echtes Händchen für Super-Ernte, obwohl sie die gar nicht brauchen. Sie jammern fast schon über die vielen Früchte. Bald gibt es wieder fette Kürbisse! Ich rechne fest damit. Ich habe der guten Frau schon vorgeschlagen, sie könnte sich mit ihrer Ernte auf den Hackeschen Markt stellen und für gutes Geld verkaufen. Alles Bio. Aber keine Böcke. Zu faul! Sie liegt lieber im Garten und ruht sich aus. Ich glaube der Mann (schon auf Rente) macht den größten Teil der Gartenarbeit. Ist er beschäftigt. Und er liefert auch immer die ganzen Sachen an. Super Service. Wenn man nicht genug davon nimmt, wird geschimpft. Vorgestern wurde wie folgt gedroht: „ich bringe morgen einen großen Eimer Pflaumen mit! Da muss sich jeder nehmen! Und wenn der am Abend nicht leer ist, binge ich am Freitag gleich noch einen!“ Strenges Regiment. Die Berliner können auch unwahrscheinlich aggressiv werden! Ich bin dann lieber folgsam. Will es mir nicht verscherzen.

13. September 2013

Gerade ungefähr ein Pfund (oder zwei?) frisch geerntete Berliner Pflaumen im Stehen in der Küche gegessen. Die Kerne in eine Plastiktüte gespuckt und ein paar in die Erde gesteckt und den Rest übers Dach mit der Blumengießkanne in die Rinne gespült. Ich weiß, wo die landen, die Kerne. Mitten in Mitte! Mal sehen, ob es im nächsten Frühling Pflaumenbäumchen gibt. Ich hab noch mehr. Ein gutes Kilo bestimmt. Kleine, knackige, reife Früchtchen. Und wie mir scheint, sehr verträglich. Gab es umsonst auf einem Gabentisch. Die Stifterin hat noch mehr tolle Sachen in ihrem Garten, unter anderem hab ich gestern eine riesige Zucchini abgestaubt, schon die vierte in diesem Sommer. Ja, es ist noch Sommer. Im Kalender auch. Ein bißchen herbstlicher Sommer, okay. Aber das ist auch völlig in Ordnung und wunderbar. Auch habe ich aus dem Garten Peperoni präsentiert bekommen. Ich habe die grünen gewählt. Total unterschiedlich scharf. Interessant. Man weiß vorher gar nicht, wie scharf die kleinen Dinger sind. Immer für eine Überraschung gut. Von der Riesen-Zucchini mache ich auch gerne so schnitzelmäßige, dicke Scheiben, schön in Butter gedünstet, bis jede Seite schön leicht angebräunt ist. Und ein bißchen Knoblauch. Und frischer Pfeffer und Salz. Und dies und das. Solche Früchte zu kriegen ist echter Luxus! Jedes Sterne-Restaurant würde sich um meine kleine Ernte auf dem Küchentisch reißen. Das ist ja wohl klar. Die Gartenbesitzerin und ihr Mann haben ein echtes Händchen für Super-Ernte, obwohl sie die gar nicht brauchen. Sie jammern fast schon über die vielen Früchte. Bald gibt es wieder fette Kürbisse! Ich rechne fest damit. Ich habe der guten Frau schon vorgeschlagen, sie könnte sich mit ihrer Ernte auf den Hackeschen Markt stellen und für gutes Geld verkaufen. Alles Bio. Aber keine Böcke. Zu faul! Sie liegt lieber im Garten und ruht sich aus. Ich glaube der Mann (schon auf Rente) macht den größten Teil der Gartenarbeit. Ist er beschäftigt. Und er liefert auch immer die ganzen Sachen an. Super Service. Wenn man nicht genug davon nimmt, wird geschimpft. Vorgestern wurde wie folgt gedroht: „ich bringe morgen einen großen Eimer Pflaumen mit! Da muss sich jeder nehmen! Und wenn der am Abend nicht leer ist, binge ich am Freitag gleich noch einen!“ Strenges Regiment. Die Berliner können auch unwahrscheinlich aggressiv werden! Ich bin dann lieber folgsam. Will es mir nicht verscherzen.

12. September 2013


Heute gehe ich wieder früher schlafen. Weil ich es kann. Und natürlich wegen früh aufstehen müssen. Einmal hat es schon geklappt, nämlich heute. Gar nicht so leer, die S-Bahn um fünf Uhr vierzig. Aber noch gut Platz gekriegt. Am Nachmittag aufgeregter Anruf vom Malermeister, der in meinem Atelier am Balkon was neu verputzen soll (nicht meinethalben, sondern wegen Herrn Weber, meinem Vermieter). Er hat fast gestottert, so unwohl war ihm. Ich habe ihm letzte Woche meinen Atelierschlüssel gegeben, damit er frei ein- und ausgehen kann, um seine dreitägige Arbeit zu erledigen. Ich vertraue Ihnen! Habe ich versichert. Blöderweise ist ihm gestern die große Tasche abhanden gekommen, in der nicht nur mein Schlüssel war, sondern auch noch hunderttausend andere Schlüssel für noch andere Häuser und so weiter. Aber nur an meinem Schlüssel war ein kleines Schildchen dran, mit der genauen Adresse. Niemals nicht würde ich unter normalen Umständen an einen Schlüssel einen Anhänger mit einer Adresse machen. Nur für den Malermeister! Damit er ihn zuordnen kann, er kennt ihn doch nicht aus dem Effeff, meinen Schlüssel! Und nun kann jeder, der die Tasche aufgegabelt hat, zumindest schnurstracks kombinieren, dass die Straße mit der Hausnummer und der Etagenbezeichnung und gaga-atelier eben dafür ist. Mannmannmann. Ich habe ihn erstmal beruhigt und gesagt, er soll erst mal tief Luft holen! Da war er glaub ich ganz schön froh, dass ich ihm nicht noch mehr Ärger gemacht habe. Au weia. Na ja. wir haben dann noch ein paar mal telefoniert und nun ist das Schloss am Nachmittag gleich ausgewechselt worden. Die Einbrecher hätten sowieso dumm geschaut, wenn sie in mein Kabuff gekommen wären. Keine modernen technischen Geräte zu finden! Kein Fernseher, nur eine uralte Mini-Kompaktanlage mit Kassettenrekorder (!) und eben die dazugehörigen uralten Musik-Kassetten sowie vollgepinselte und leere Leinwände und Farbe und Zeugs und ein paar Lampen und eine Iso-Matte (aber schon super) und eine alte Moka Express auf dem Gasherd. Und ein paar Bildbände. Na ja, doch schon einiges! Aber nicht gerade das Beuteschema des klassischen Kriminellen. Womöglich hätte der Einbrecher aus Ärger noch die Leinwände aufgeschlitzt! Ritsch Ratsch! So wie manchmal Fahrraddiebe, die das Fahrrad nicht loskriegen, die Reifen aufschlitzen. Aber ist ja noch mal alles gut gegangen. Muss schnell noch was zu essen machen, vor dem Schlafengehen. Mache ich ganz oft. Bekommt mir ausgezeichnet.

12. September 2013

Gerade gelesen. Ein bißchen traurig gewesen. Und glücklich auch.

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.
Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.

Friedrich Rückert

für Eugenie

12. September 2013


Haushaltstipp. Was für den inneren Sparfuchs. Wobei ich persönlich Eldena (200 ml 1,29 €, ohne Konservierungsstoffe, Ökotest „gut“ 2,3) von Aldi der guten Nivea aus Ersparnisgründen und dem Eindruck von keinerlei Qualitätsverlust vorziehe. Selbe Konsistenz, selber Effekt, gibt es auch in einer light und einer kompakteren Version, zum selben Preis. Es gibt also noch eine Steigerung. Okay, ich bin jetzt vielleicht nicht unbedingt für superzarte Haut berühmt, aber die Testperson turns demnächst sechsundvierzig, und älter sehe ich mit meinen taufrischen achtundvierzig doch auch nicht aus, oder? Als mir das Geld noch lockerer in der Tasche saß, hatte ich auch mal aus Jux und Tollerei überlegt, ein Töpfchen Crème de la Mer zu kaufen. Kann man sich also schenken. Ich meine natürlich: sparen.

10. September 2013

Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal vermerkt habe, aber sicherheitshalber: noch viel wichtiger, als seine Umgebung oder die Leser nicht zu langweilen, ist sich selbst nicht zu langweilen. Danach kommen freilich sofort und unverzüglich die Anderen. Also die Leser. Innen. Zum Beispiel ist es mit Sicherheit nicht interessant, wenn ich heute erwähne, dass ich wieder einmal den Vorsatz habe, zeitiger als sonst schlafen zu gehen. Das ist enorm langweilig als Blogeintrag. Auch handelt es sich um keine Weltneuheit. Aber für mich ist nach längerer Zeit dieser erneute Vorsatz – ja ich möchte sagen: wie neu. Allerdings gibt es einen pragmatischen Grund. Ich muss zwar morgen nicht früh raus, aber übermorgen sehr früh. Und auch am Freitag. Und da versuche ich schon mal in die Spur zu kommen. Mich einzunorden, wie es so schön heißt. Woher diese Redewendung wohl kommen mag? Einnorden. Das klingt robust und handfest und ein bißchen grob. Möglicherweise aus der Seefahrt. Wikinger wüssten eventuell auch um die Herkunft. Egal. Ich trinke noch ein bißchen Rotwein (wieder den Zweigelt vom Weingut Weiss aus dem Burgenland) und hoffe auf angenehme Bettschwere. Also noch ein bißchen mehr, als eh schon vorhanden. Ich habe derzeit keine großen Pläne, die mich wachhalten und wie verrückt an den Rechner fesseln. Insofern. Prost. Und gute Nacht. Also bald. Ausgeschlafen sein ist toll. Totales Luxus-Gefühl. Und preisgünstig. Auch für den kleinen Geldbeutel jederzeit erschwinglich. Also!

10. September 2013

Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal vermerkt habe, aber sicherheitshalber: noch viel wichtiger, als seine Umgebung oder die Leser nicht zu langweilen, ist sich selbst nicht zu langweilen. Danach kommen freilich sofort und unverzüglich die Anderen. Also die Leser. Innen. Zum Beispiel ist es mit Sicherheit nicht interessant, wenn ich heute erwähne, dass ich wieder einmal den Vorsatz habe, zeitiger als sonst schlafen zu gehen. Das ist enorm langweilig als Blogeintrag. Auch handelt es sich um keine Weltneuheit. Aber für mich ist nach längerer Zeit dieser erneute Vorsatz – ja ich möchte sagen: wie neu. Allerdings gibt es einen pragmatischen Grund. Ich muss zwar morgen nicht früh raus, aber übermorgen sehr früh. Und auch am Freitag. Und da versuche ich schon mal in die Spur zu kommen. Mich einzunorden, wie es so schön heißt. Woher diese Redewendung wohl kommen mag? Einnorden. Das klingt robust und handfest und ein bißchen grob. Möglicherweise aus der Seefahrt. Wikinger wüssten eventuell auch um die Herkunft. Egal. Ich trinke noch ein bißchen Rotwein (wieder den Zweigelt vom Weingut Weiss aus dem Burgenland) und hoffe auf angenehme Bettschwere. Also noch ein bißchen mehr, als eh schon vorhanden. Ich habe derzeit keine großen Pläne, die mich wachhalten und wie verrückt an den Rechner fesseln. Insofern. Prost. Und gute Nacht. Also bald. Ausgeschlafen sein ist toll. Totales Luxus-Gefühl. Und preisgünstig. Auch für den kleinen Geldbeutel jederzeit erschwinglich. Also!

07. September 2013

„Viele Leute haben Angst, sich zu erlauben, was ihnen selbst gefällt. Die wollen sich nur erlauben, was anderen auch gefällt. Und darum finde ich Leute, die grauenhaft angezogen sind, beinahe mutig, weil sie eben den Mut haben, sich so ein Zeug auf den Rücken zu tun.“
Karl Lagerfeld

07. September 2013

„Viele Leute haben Angst, sich zu erlauben, was ihnen selbst gefällt. Die wollen sich nur erlauben, was anderen auch gefällt. Und darum finde ich Leute, die grauenhaft angezogen sind, beinahe mutig, weil sie eben den Mut haben, sich so ein Zeug auf den Rücken zu tun.“
Karl Lagerfeld

06. September 2013

Heute in der U-Bahn, in der S-Bahn, in der U-Bahn, in der S-Bahn. Gelesen. Neben mir saß immer jemand. Männer. Sympathische. Bei dem einen konnte ich mir vorstellen, dass er mit in mein Buch guckt. War igendwie so der Typ. Auf eine interessierte, sympathische Art. Obwohl ich ihn ja nur beim Hinsetzen aus dem Augenwinkel gesehen habe, und registriert, dass er so ein ganz klein wenig beiseite gerückt ist, um eben höflich noch mehr Platz zu bieten. Ich weiß solche Gesten enorm zu schätzen. Sehr. Mir fehlt geradezu der Superlativ. Jedenfalls las ich, noch bei den ersten Kapiteln des Buches. Das Geschehen spielte in Palästina und drehte sich um die ersten Konflikte zwischen dem neu gegründeten Staat Israel und den alteingesessenen Arabern. Ein Erfahrungsbericht aus erster Hand, aus den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Es wurden auch einige, wenige, Aktivitäten der jungen Armee in Haifa beschrieben. Der Erzähler hatte die ersten Konflikte hautnah miterlebt. Nicht, dass mich der uralte, unselige Palästina-Konflikt derart beschäftigen würde, dass ich mir ein Buch darüber zulegen würde. Ich nehme das so mit, weil mich der Hauptprotagonist interessiert. Ein gebürtiger Berliner, der Anfang der Dreißiger Jahre mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland geflohen ist. Als es noch relativ einfach war. Er selbst hat Glück gehabt. Kein Mitglied seiner Familie väterlicherseits ist im Holocaust umgekommen und aus der mütterlichen Familie nur entferntere Verwandte, zu denen es keinen persönlichen Kontakt gab. Als ich also so in der U- und S-Bahn sitze und lese, denke ich gleichzeitig, dass wohl kaum jemand, der mir über die Schulter auf meine Lektüre gucken würde, auch nur im Entferntesten auf den Namen des Autors käme. Es sei denn, er wäre vielseitig interessiert und umfassend informiert. Das Motto seines Leben ist „Glück gehabt“. Immer nur Glück gehabt. Und das sieht man. Ich sehe es auf jedem Bild, das ihn zeigt. Ich mag ihn. Sein Familienname rührt von dem Hotel, das seine Eltern nach der Flucht aus Nazideutschland in Haifa übernahmen. Hotel Eden. Damals konnte man, wie er erklärt, als Holocaust-Flüchtling sehr leicht einen selbst gewählten Namen annehmen. Er änderte nur seinen Nachnamen, weil Eden prägnanter war als Sostheim sein Geburtsname, und weil er Glück verhieß. Eden. Rolf Eden.

06. September 2013

Heute in der U-Bahn, in der S-Bahn, in der U-Bahn, in der S-Bahn. Gelesen. Neben mir saß immer jemand. Männer. Sympathische. Bei dem einen konnte ich mir vorstellen, dass er mit in mein Buch guckt. War igendwie so der Typ. Auf eine interessierte, sympathische Art. Obwohl ich ihn ja nur beim Hinsetzen aus dem Augenwinkel gesehen habe, und registriert, dass er so ein ganz klein wenig beiseite gerückt ist, um eben höflich noch mehr Platz zu bieten. Ich weiß solche Gesten enorm zu schätzen. Sehr. Mir fehlt geradezu der Superlativ. Jedenfalls las ich, noch bei den ersten Kapiteln des Buches. Das Geschehen spielte in Palästina und drehte sich um die ersten Konflikte zwischen dem neu gegründeten Staat Israel und den alteingesessenen Arabern. Ein Erfahrungsbericht aus erster Hand, aus den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Es wurden auch einige, wenige, Aktivitäten der jungen Armee in Haifa beschrieben. Der Erzähler hatte die ersten Konflikte hautnah miterlebt. Nicht, dass mich der uralte, unselige Palästina-Konflikt derart beschäftigen würde, dass ich mir ein Buch darüber zulegen würde. Ich nehme das so mit, weil mich der Hauptprotagonist interessiert. Ein gebürtiger Berliner, der Anfang der Dreißiger Jahre mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland geflohen ist. Als es noch relativ einfach war. Er selbst hat Glück gehabt. Kein Mitglied seiner Familie väterlicherseits ist im Holocaust umgekommen und aus der mütterlichen Familie nur entferntere Verwandte, zu denen es keinen persönlichen Kontakt gab. Als ich also so in der U- und S-Bahn sitze und lese, denke ich gleichzeitig, dass wohl kaum jemand, der mir über die Schulter auf meine Lektüre gucken würde, auch nur im Entferntesten auf den Namen des Autors käme. Es sei denn, er wäre vielseitig interessiert und umfassend informiert. Das Motto seines Leben ist „Glück gehabt“. Immer nur Glück gehabt. Und das sieht man. Ich sehe es auf jedem Bild, das ihn zeigt. Ich mag ihn. Sein Familienname rührt von dem Hotel, das seine Eltern nach der Flucht aus Nazideutschland in Haifa übernahmen. Hotel Eden. Damals konnte man, wie er erklärt, als Holocaust-Flüchtling sehr leicht einen selbst gewählten Namen annehmen. Er änderte nur seinen Nachnamen, weil Eden prägnanter war als Sostheim sein Geburtsname, und weil er Glück verhieß. Eden. Rolf Eden.

06. September 2013

Dieser Eintrag ist vor allem für mich. Mehr noch als die anderen, die es auch sind. Als – ich glaube am 23. November 2003 – mein ein Meter zwanzig mal ein Meter fünfzig großer Phoenix das Licht der Welt erblickte, wusste ich, dass es mir schwer fallen würde, mich je von ihm zu trennen, weil er so sehr ein Teil von mir ist, weil er mich seit zehn Jahren beschützt, auch aus der Ferne, wo er in meinem Atelier an die Küchentür gelehnt, seinen Platz gefunden hatte. Meinen Phoenix. Mein Herztier. Mein Totem. Heute hat er einen neuen Adlerhorst im Herzen von Berlin gefunden. Und jetzt können ihn außer mir auch andere sehen. Das ist schön. Das hat mich heute ungeheuer froh gemacht. Und immer noch. Wie eine warme Welle. Weil ihn auch andere gern haben. Meinen Phönix. Mein Herztier. Es ist schwer, eine Erfahrung angemessen zu kommunizieren, wie ich sie heute erleben durfte. Viel Respekt war dabei, von allen Seiten, aber am tiefsten hat mich die Reaktion von einer Frau berührt, die sich vielleicht am wenigsten von allen mit akademischem Anspruch mit Malerei befasst hat. Ach, ich will das auch gar nicht zitieren. Das wäre mir jetzt zu folkloristisch. Ich müsste genauso schreiben, wie sie berlinert. Was ich liebe. Und ich weiß ja, was sie gesagt hat. Und trage es im Herzen. Ist nur eine kleine Notiz für mich selber. Mein türkisblauer Phönix wohnt jetzt in seinem neuen Reich. Und beschützt alles in seinem Kreis.

01. September 2013


Symbolfoto

Jetzt kommt sie wieder, die Sonne. Man muss für alles gewappnet sein, an einem solchen Tag. Gerade an der offenen Balkontür Kaffee getrunken und Haare gekämmt und Wimpern getuscht und alles. Dicke Wolke über meinem kleinen Balkon. Drei Regentropfen. Jetzt schiebt die Sonne die Wolke auf die Seite, die zeigt sich aber ein bißchen widerspenstig. Gerade ist die Sonne wieder am Ball. Mal gucken, wer gewinnt. Ich will einen kleinen Spaziergang machen.
1. zum Hackeschen Markt zur Sparkassenfiliale, Bargeld holen.
2. weiter zur U-Bahn-Haltestelle Oranienburger Tor. Von da eine Haltestelle weiter fahren, bis Naturkundemuseum.
3. aussteigen und in die Invalidenstraße biegen, vorbei am Invalidenpark, zum Hamburger Bahnhof.
4. Ausstellung von der geheimnisvollen Hilma af Klint gucken.
Ich überlege dauernd, ob Hilma af Klint die Malerin ist, von der mir mal ein Vermieter von einem Atelier erzählt hat, als ich eins gesucht habe. Ich habe ihm, auf seine Selbsteinladung zu meiner in keinster Weise avisierten Ausstellungseröffnung geantwortet, dass das nicht so sinnvoll wäre, weil ich mich ja so schwer von den Bildern trennen könnte. Usw. usf. Daraufhin erzählte er von einer Malerin, die zu Lebzeiten verweigert hätte, ihre Bilder auszustellen und er hat auch den Namen genannt. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern. Aber jetzt, wo ich lese, dass Hilma af Klint testamentarisch verfügt hatte, dass ihre Bilder frühestens zwanzig Jahre nach ihrem Tod ausgestellt werden dürfen, komme ich ins Grübeln, ob sie das war. Nun ist es jedenfalls so weit. Es ist die erste Retrospektive ihrer Bilder überhaupt, hier in Berlin. Ich bin nur zufällig drüber gestolpert. Ich bin in einem Verteiler von artslant, einem New Yorker Kunstportal, und da war eine warme Empfehlung für diese Ausstellung. Ich hatte vorher noch nie von Hilma gehört. Ihre Bilder sind die Geburtstagsblumen, die ich mir heute selber schenke. Mir ist vorhin noch mal durch den Kopf gegangen, dass wenn man achtundvierzig geworden ist, gleichzeitig, also ratzfatz, das neunundvierzigste Lebensjahr angefangen hat. Uh. Das geht jetzt aber stramm auf die Fünfzig zu. Nicht, dass ich Angst davor hätte. Es ist ja ein Geschenk des Himmels, wenn man möglichst viele Geburtstage bei guter Gesundheit erleben darf. Also erst mal Danke für die ersten fertigen achtundvierzig Jahre. Ich nehm auch meine Kamera mit. So jung kommen wir nicht mehr zusammen, mein Fotoapparat und ich. Muß endlich mal zum Kleiderschrank und mir was Passendes anziehen. Passend zu Hilmas Bildern und mir selber.

01. September 2013


Symbolfoto

Jetzt kommt sie wieder, die Sonne. Man muss für alles gewappnet sein, an einem solchen Tag. Gerade an der offenen Balkontür Kaffee getrunken und Haare gekämmt und Wimpern getuscht und alles. Dicke Wolke über meinem kleinen Balkon. Drei Regentropfen. Jetzt schiebt die Sonne die Wolke auf die Seite, die zeigt sich aber ein bißchen widerspenstig. Gerade ist die Sonne wieder am Ball. Mal gucken, wer gewinnt. Ich will einen kleinen Spaziergang machen.
1. zum Hackeschen Markt zur Sparkassenfiliale, Bargeld holen.
2. weiter zur U-Bahn-Haltestelle Oranienburger Tor. Von da eine Haltestelle weiter fahren, bis Naturkundemuseum.
3. aussteigen und in die Invalidenstraße biegen, vorbei am Invalidenpark, zum Hamburger Bahnhof.
4. Ausstellung von der geheimnisvollen Hilma af Klint gucken.
Ich überlege dauernd, ob Hilma af Klint die Malerin ist, von der mir mal ein Vermieter von einem Atelier erzählt hat, als ich eins gesucht habe. Ich habe ihm, auf seine Selbsteinladung zu meiner in keinster Weise avisierten Ausstellungseröffnung geantwortet, dass das nicht so sinnvoll wäre, weil ich mich ja so schwer von den Bildern trennen könnte. Usw. usf. Daraufhin erzählte er von einer Malerin, die zu Lebzeiten verweigert hätte, ihre Bilder auszustellen und er hat auch den Namen genannt. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern. Aber jetzt, wo ich lese, dass Hilma af Klint testamentarisch verfügt hatte, dass ihre Bilder frühestens zwanzig Jahre nach ihrem Tod ausgestellt werden dürfen, komme ich ins Grübeln, ob sie das war. Nun ist es jedenfalls so weit. Es ist die erste Retrospektive ihrer Bilder überhaupt, hier in Berlin. Ich bin nur zufällig drüber gestolpert. Ich bin in einem Verteiler von artslant, einem New Yorker Kunstportal, und da war eine warme Empfehlung für diese Ausstellung. Ich hatte vorher noch nie von Hilma gehört. Ihre Bilder sind die Geburtstagsblumen, die ich mir heute selber schenke. Mir ist vorhin noch mal durch den Kopf gegangen, dass wenn man achtundvierzig geworden ist, gleichzeitig, also ratzfatz, das neunundvierzigste Lebensjahr angefangen hat. Uh. Das geht jetzt aber stramm auf die Fünfzig zu. Nicht, dass ich Angst davor hätte. Es ist ja ein Geschenk des Himmels, wenn man möglichst viele Geburtstage bei guter Gesundheit erleben darf. Also erst mal Danke für die ersten fertigen achtundvierzig Jahre. Ich nehm auch meine Kamera mit. So jung kommen wir nicht mehr zusammen, mein Fotoapparat und ich. Muß endlich mal zum Kleiderschrank und mir was Passendes anziehen. Passend zu Hilmas Bildern und mir selber.

30. August 2013

Ihr Wahl-O-Mat Ergebnis
Die PARTEI 76,5 %
Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative
PIRATEN 72,4 %
GRÜNE 65,3 %
Die PARTEI ist eng mit dem Satiremagazin „Titanic“ verbunden. Forderungen sind u.a. die Einführung eines G1-Schulsystems, in welchem nach der 5. Klasse das Abitur erreicht wird, eine gesetzliche Faulenquote und der Wiederaufbau der Mauer.
► mehr Infos zur Partei
► zum Wahlspot
Danke Wahlomat!

24. August 2013

Einer der schönsten Tage des Jahres.
Lauer Wind. Sonnenstreifen und die lanzenförmigen Schatten der Palme. Ich bin drinnen und ein bißchen draußen. Die nackten Fußsohlen auf den hellen, warmen Steinen. Ich habe die Kamera aus dem Schrank geholt und ihr mein Findelkind gezeigt. Sie hat es gleich gefilmt. Und ein bißchen mich. Heute, am vierundzwanzigsten August 2013.

24. August 2013

Einer der schönsten Tage des Jahres.
Lauer Wind. Sonnenstreifen und die lanzenförmigen Schatten der Palme. Ich bin drinnen und ein bißchen draußen. Die nackten Fußsohlen auf den hellen, warmen Steinen. Ich habe die Kamera aus dem Schrank geholt und ihr mein Findelkind gezeigt. Sie hat es gleich gefilmt. Und ein bißchen mich. Heute, am vierundzwanzigsten August 2013.

22. August 2013

So eine gewisse Grundsättigung ist erreicht. Aber gut zu wissen, dass immer noch was in der Pfanne ist. In einer Viertelstunde könnte ich wieder Appetit verspüren. Ich glaube, das sind die Hormone. Aber auch ein gutes Zeichen von Lebenskraft. Ich gehöre ja zu den Menschen, denen es komplett den Appetit verschlägt, wenn etwas Schlimmes passiert. Streit, Trennung, Angst, Liebeskummer, Enttäuschung. Tod. Kriege ich nichts mehr herunter. Wer bei einer Totenfeier bei allen Gängen zulangt, ist glaube ich nicht so unmittelbar betroffen. Ist auch völlig in Ordnung. Irgendjemand muss ja das ganze Zeug essen. Es war so warm in dem Lokal, neulich. Da habe ich auch keinen Heißhunger. Aber heute ist mein Appetit Eins A. Ich esse meinen Teller ja immer leer, wenn ich wenig Hunger habe, nehme ich weniger, aber esse alles auf. Man kann sich ja im Laufe des Lebens einschätzen. Ich hole mir noch ein kleines Glas Rotwein. Den muss ich wieder bestellen. Die letzte Flasche von der einen großen Kiste. Jetzt, die letzten Tage, ist das Wetter unheimlich schön. So kuschelig laue Spätsommertemperaturen, wo ich nicht mehr alles abdunklen muss. Heute beim Müll runterbringen, eine verwaiste, ziemlich große Yucca-Palme an der Laube mit den Mülltonnen stehen sehen. Total gesund, aber jemand fand sie vielleicht nicht mehr zur Einrichtung passend. Ist zwar nicht meine absolute super-Lieblings-Pflanze aber ein schönes Exemplar, rank und schlank und ungefähr 1,50 1,80 m groß. Ich hab sie zu mir genommen, ihr einen schönen großen Tontopf gegeben und sie in der Dusche erst mal abgeduscht und jetzt steht sie auf meinem Balkon, als ob sie da schon immer gewohnt hätte. Die Vorbesitzer waren zu faul, die vertrockneten Fasern von den abgefallenen Blättern vom Stamm zu rupfen. Habe ich hingebungsvoll heute Abend gemacht. Sieht aus wie neugeboren. Habe ihr auch gut zugeredet. Mache ich bei besonderen Anlässen. Sie muss mich ja auch erst kennenlernen, nachdem ich sie entführt habe. Vor lauter Tippen habe ich jetzt noch gar nicht mein kleines Glas Wein geholt.

22. August 2013

So eine gewisse Grundsättigung ist erreicht. Aber gut zu wissen, dass immer noch was in der Pfanne ist. In einer Viertelstunde könnte ich wieder Appetit verspüren. Ich glaube, das sind die Hormone. Aber auch ein gutes Zeichen von Lebenskraft. Ich gehöre ja zu den Menschen, denen es komplett den Appetit verschlägt, wenn etwas Schlimmes passiert. Streit, Trennung, Angst, Liebeskummer, Enttäuschung. Tod. Kriege ich nichts mehr herunter. Wer bei einer Totenfeier bei allen Gängen zulangt, ist glaube ich nicht so unmittelbar betroffen. Ist auch völlig in Ordnung. Irgendjemand muss ja das ganze Zeug essen. Es war so warm in dem Lokal, neulich. Da habe ich auch keinen Heißhunger. Aber heute ist mein Appetit Eins A. Ich esse meinen Teller ja immer leer, wenn ich wenig Hunger habe, nehme ich weniger, aber esse alles auf. Man kann sich ja im Laufe des Lebens einschätzen. Ich hole mir noch ein kleines Glas Rotwein. Den muss ich wieder bestellen. Die letzte Flasche von der einen großen Kiste. Jetzt, die letzten Tage, ist das Wetter unheimlich schön. So kuschelig laue Spätsommertemperaturen, wo ich nicht mehr alles abdunklen muss. Heute beim Müll runterbringen, eine verwaiste, ziemlich große Yucca-Palme an der Laube mit den Mülltonnen stehen sehen. Total gesund, aber jemand fand sie vielleicht nicht mehr zur Einrichtung passend. Ist zwar nicht meine absolute super-Lieblings-Pflanze aber ein schönes Exemplar, rank und schlank und ungefähr 1,50 1,80 m groß. Ich hab sie zu mir genommen, ihr einen schönen großen Tontopf gegeben und sie in der Dusche erst mal abgeduscht und jetzt steht sie auf meinem Balkon, als ob sie da schon immer gewohnt hätte. Die Vorbesitzer waren zu faul, die vertrockneten Fasern von den abgefallenen Blättern vom Stamm zu rupfen. Habe ich hingebungsvoll heute Abend gemacht. Sieht aus wie neugeboren. Habe ihr auch gut zugeredet. Mache ich bei besonderen Anlässen. Sie muss mich ja auch erst kennenlernen, nachdem ich sie entführt habe. Vor lauter Tippen habe ich jetzt noch gar nicht mein kleines Glas Wein geholt.

22. August 2013

Manchmal koche ich mir zu wenig Abendessen. Dann muss ich noch mal kochen. So wie jetzt. Ich dachte, ich blogge mal was Normales. Nicht immer nur schlimmes oder pathetisches Zeugs.

16. August 2013


Alte Bilder angeschaut. Von Zweitausendzehn. Unterwegs. Schön. Wirklich schön. Musik gehört. Diana Krall hat The Look of Love im Weißen Haus gesungen. Schon toll, wen man als Präsident so einladen kann. Hab die Tonspur gezogen. Wahnsinnig gute Version von dem Song. Sie ist ja sowieso besessen. Da sitzt sie und klimpert so aus dem Handgelenk an diesem unfassbar schön, warm und tief klingenden Flügel und holt alles heraus und schafft es noch dabei zu singen. So. So zu singen. So erzählt, geflüstert, unprätentiös, innig. Beinah zu intim. Meine Bilder von Zweitausendzehn waren auch sehr innig. So hatte ich sie gar nicht in Erinnerung. Aber mit Abstand sieht man manches deutlicher. Sie sollten und durften es auch sein. Nie lag es anders in meiner Absicht. Überrascht war ich dennoch. Nicht die Motive, nicht die Gesten. Aber die Nähe. Wann man nah rangeht. Keine Nacktheit, keine Berührungen. Eine andere Nähe, Annäherung. Ja, man kann jemanden mit der Kamera streicheln. Überhaupt keine Frage. Ich hatte beinah vergessen, wie gut ich das kann. So lange die Kamera nicht mehr in der Hand gehabt. Außer die wenigen, fast bewusstlos eingefangenen Bilder vom siebten August. Ich wusste immerhin noch, was wie funktioniert, ohne Nachdenken. Ich gehe wieder früher als sonst ins Bett. Ich brauche das. Mein Körper will irgendetwas nachholen, ausgleichen, obwohl ich mich nicht körperlich anstrengen musste. Wahrscheinlich alles zusammen. Man muss viel schlafen und träumen, um einen neuen Anfang zu finden. Bereit für neue Taten und Pläne zu werden. Ein- und Ausatmen. Wieder 23.47 Uhr. Und wieder wünsche ich gute Nacht.

16. August 2013


Alte Bilder angeschaut. Von Zweitausendzehn. Unterwegs. Schön. Wirklich schön. Musik gehört. Diana Krall hat The Look of Love im Weißen Haus gesungen. Schon toll, wen man als Präsident so einladen kann. Hab die Tonspur gezogen. Wahnsinnig gute Version von dem Song. Sie ist ja sowieso besessen. Da sitzt sie und klimpert so aus dem Handgelenk an diesem unfassbar schön, warm und tief klingenden Flügel und holt alles heraus und schafft es noch dabei zu singen. So. So zu singen. So erzählt, geflüstert, unprätentiös, innig. Beinah zu intim. Meine Bilder von Zweitausendzehn waren auch sehr innig. So hatte ich sie gar nicht in Erinnerung. Aber mit Abstand sieht man manches deutlicher. Sie sollten und durften es auch sein. Nie lag es anders in meiner Absicht. Überrascht war ich dennoch. Nicht die Motive, nicht die Gesten. Aber die Nähe. Wann man nah rangeht. Keine Nacktheit, keine Berührungen. Eine andere Nähe, Annäherung. Ja, man kann jemanden mit der Kamera streicheln. Überhaupt keine Frage. Ich hatte beinah vergessen, wie gut ich das kann. So lange die Kamera nicht mehr in der Hand gehabt. Außer die wenigen, fast bewusstlos eingefangenen Bilder vom siebten August. Ich wusste immerhin noch, was wie funktioniert, ohne Nachdenken. Ich gehe wieder früher als sonst ins Bett. Ich brauche das. Mein Körper will irgendetwas nachholen, ausgleichen, obwohl ich mich nicht körperlich anstrengen musste. Wahrscheinlich alles zusammen. Man muss viel schlafen und träumen, um einen neuen Anfang zu finden. Bereit für neue Taten und Pläne zu werden. Ein- und Ausatmen. Wieder 23.47 Uhr. Und wieder wünsche ich gute Nacht.

15. August 2013


Broken sunglasses. Meine Lieblings-Sonnenbrille ist zerbrochen. Ich fischte sie aus meinem schwarz-grau geringelten Seesack und der Rahmen hatte einen Sprung. Eine liebe Bekannte, die ich zufällig traf, als ich die Sonnenbrille gerade in ihrem kaputten Zustand entdeckte, meinte, ich sollte versuchen, es mit Superkleber zu reparieren. Aber ich sah, ich erkannte ohne jeden Zweifel, dass es nicht funktionieren würde. Die Spannung des schwarz getönten Kunstoffbrillenglases würde zu viel Gegendruck verursachen. Das würde nie halten. Manche Dinge muss man gar nicht erst versuchen. Wie amüsiert sie guckte, als ich nach „meine Lieblingssonnenbrille ist gerade kaputt gegangen“…“von Rossmann!!“ nachschob. Nicht von Dior, nicht von Chanel, nicht von Gucci, nicht von Pucci. Von Rossmann. Möglicherweise nicht die Billigste vom Ständer. Nicht etwa 9,99 €. Gut und gerne 10,99 €. Qualität hat eben ihren Preis. Sie hat einfach genau zu meinem Schädel gepasst, der oberen Hälfte. Ohne Schnörkel, ohne Muster, ohne Applikationen, ohne Gedöns, einfach nur tiefschwarz. Rahmen und Gläser. Zack. Ich fühlte mich wie nackt, ausgeliefert, ohne diesen Schutz am hellen Tag von Charlottenburg nach Mitte. Auf dem Rückweg, in der Rosenthaler Straße ging ich schnell zu Rossmann, in der Hoffnung ein ähnliches Modell zu finden. Auf dasselbe wagte ich nicht zu hoffen. Gab es auch nicht. Es gab überhaupt nur eine, die nicht komplett nach ihrem Preissegment aussah. Na ja. Schnell übergezogen. Unauffälliges Modell. Aber wir sind nicht Eins. Womöglich muss ich doch im Fachhandel gucken. Ich habe so viele Sonnenbrillen in den letzten Jahren gekauft, aber keine war wie meine Schwarze von Rossmann. Ich könnte das kaputte Modell mit in den Fachhandel nehmen und sagen: suchen Sie mir eine die möglichst identisch ist – Preis spielt keine Rolle! Haha. Das ist natürlich Quatsch. Diese Art der Vorgabe entspricht nicht meinem Naturell. Ich will ungestört und unbehelligt selbst die Modelle vom Ständer holen oder aus dem Regal greifen. Ohne jedesmal mit dem Finger drauf zeigen zu müssen, „Ach, könnten Sie mir bitte vielleicht dieses Modell reichen, ich würde es gerne probieren?“ Das ist mir viel zu umständlich. Den Zirkus hab ich nur einmal mitgemacht, bei Dior im KadeWe. Aber einmal reicht. Auch wenn es Champagner und Karton und Etui und weiß der Kuckuck obendrauf gibt. Höchstens, wenn mir mal sehr langweilig ist. Ich glaube mich zu erinnern, im KadeWe gibt’s auch so eine Abteilung, wo man nicht in der kompletten Trash-Liga ist, aber selber aussuchen kann, ohne dass die Fachverkäuferin lauert. Obwohl die ja alle wahnsinnig nett sind, aber ich entscheide gerne unbehelligt. Es tut gut, sich nach großem inneren Aufruhr mit solchen Dingen zu befassen. Es ist nämlich ein Luxus, sich überhaupt zu überlegen, ob man eine neue Sonnenbrille kauft. Nicht nur, weil man dazu Taschengeld braucht. Ganz einfach, weil man dazu am Leben sein muss. Total simpel. Nicht, dass ich mich die letzten Tage gedanklich mit Sonnenbrillen befasst hätte. Es war umfassender. Und kaum in knappen Sätzen, zu denen ich jetzt nur noch fähig bin, zu beschreiben. Existentielle Ereignisse provozieren existentielle Einsichten. Existentielle Dankbarkeit. Existentielle Relativierung. Das ist sehr bewegend, sehr aufrührend, erschütternd, bereinigend. Befriedend. Versöhnend. Wie froh ich darum bin. Dass ich dazu fähig. bin. Ein unverhofftes Geschenk. Selbstgemachtem Elend folgt selbstgemachtes Heil. Wachsen soll das Heil des Ganzen. Ein Textfragment. Von Rückert. Wie oft es mir duch den Kopf geht, in den letzten Tagen, Wochen. Es gibt nichts Erleichterndes, als jemandem die Hand zu reichen, von dem man sich viel zu weit entfernt wähnte. Und es mag richtig sein, in gewissen Zeiten Distanz auszuloten. Absolut. Aber bevor es zu spät ist, sollte man Versöhnung suchen. Nichts hat mich schon vor Wochen mehr umgetrieben. In vielerlei Hinsicht, vielerlei Beziehung. Alte, unbefriedete Dinge. Und plötzlich scheint Frieden möglich, greifbar. Weil ich es will. Dazu bereit bin. Wie froh ich darum bin. Ja. Und wieder öfter vor Mitternacht ins Bett. Ich habe ein bißchen gelitten. Ein bißchen erschöpft hat mir mein Spiegelbild entgegengesehen, die letzen beiden Wochen. Eitel bin ich immer noch. 23:47 Uhr. Muss Zähneputzen. Allen gute Nacht.

06. August 2013

Ich bin auf dem Weg zu Keitas letzter Reise. Kurz vor zwei fährt mein Zug. Muss noch ein paar Sachen packen. Morgen am siebten August um zehn Uhr ist es so weit. Ich würde das Bild gerne neben ihn stellen. Und nach der Feier meinen Eltern schenken. Es ist auf der Terrasse bei meinen Eltern entstanden. Am elften Mai Zweitausendzehn. Er hat das Bild gerne gehabt. Auch deswegen.

Ich habe es gestern überstürzt ausgedruckt und dann ein schönes Passepartout und einen Rahmen dafür gesucht. Ewig habe ich mit einer Fachverkäuferin die verschiedenfarbigen Passepartous ausprobiert. Lieber das graugrüne? Oder das gebrochen weiße? Oder das elfenbeinfarbene? Oder schwarz? Ich habe dann das Hellste genommen. Die Verkäuferin hat mir von einem größeren Rahmen abgeraten, den ich zuerst nehmen wollte. Sie sagte „das verliert sich“. Sie hatte recht. Ich habe auf sie gehört. Das Passepartout hab ich über die Glasscheibe gelegt, das sieht schöner aus. Und rechts unten seinen Namen gekritzelt, mit so schwarzem Faserschreiber. Und rechts auf der Seite senkrecht das Datum, wann das Bild entstanden ist. Und Gaga Nielsen. Ordnung muss sein. Ich trödle hier herum und hab noch gar nichts an. Um dreizehn Uhr wollte ich los. Unterwegs noch eine Flasche Wasser kaufen, ich glaube das Wasser auf dem Klo im ICE ist nicht unbedingt die gute Qualität wie das Berliner Leitungswasser. Blöderweise hab ich keine leichte Plastikflasche, wo ich welches abfüllen könnte, sonst hätte ich das längst gemacht. Also muss ich noch eine kaufen, irgendwo am Berliner Hauptbahnhof, da fährt der Zug los. Außerdem muss ich noch eine CD fertig brennen. Die vier schönsten Lieder von Esther & Abi Ofarim, hab ich schon für meine Mutter eine gebrannt, die die beiden immer sehr geliebt hat und jetzt fällt mir ein, dass Valerian das vielleicht auch schön fände, wenn er die vier Lieder hat. Jetzt mache ich noch eine. Am Freitag bin ich wieder zurück. Oder hab ich das schon geschrieben? Also ich mache mich dann mal fertig. Ich hab ein schönes Hotel mit WLAN, aber viel zum Bloggen werde ich wohl nicht kommen, die nächsten zwei Tage. Mal gucken. Ich komme jedenfalls zurück. Versprochen.

06. August 2013

Ich bin auf dem Weg zu Keitas letzter Reise. Kurz vor zwei fährt mein Zug. Muss noch ein paar Sachen packen. Morgen am siebten August um zehn Uhr ist es so weit. Ich würde das Bild gerne neben ihn stellen. Und nach der Feier meinen Eltern schenken. Es ist auf der Terrasse bei meinen Eltern entstanden. Am elften Mai Zweitausendzehn. Er hat das Bild gerne gehabt. Auch deswegen.

Ich habe es gestern überstürzt ausgedruckt und dann ein schönes Passepartout und einen Rahmen dafür gesucht. Ewig habe ich mit einer Fachverkäuferin die verschiedenfarbigen Passepartous ausprobiert. Lieber das graugrüne? Oder das gebrochen weiße? Oder das elfenbeinfarbene? Oder schwarz? Ich habe dann das Hellste genommen. Die Verkäuferin hat mir von einem größeren Rahmen abgeraten, den ich zuerst nehmen wollte. Sie sagte „das verliert sich“. Sie hatte recht. Ich habe auf sie gehört. Das Passepartout hab ich über die Glasscheibe gelegt, das sieht schöner aus. Und rechts unten seinen Namen gekritzelt, mit so schwarzem Faserschreiber. Und rechts auf der Seite senkrecht das Datum, wann das Bild entstanden ist. Und Gaga Nielsen. Ordnung muss sein. Ich trödle hier herum und hab noch gar nichts an. Um dreizehn Uhr wollte ich los. Unterwegs noch eine Flasche Wasser kaufen, ich glaube das Wasser auf dem Klo im ICE ist nicht unbedingt die gute Qualität wie das Berliner Leitungswasser. Blöderweise hab ich keine leichte Plastikflasche, wo ich welches abfüllen könnte, sonst hätte ich das längst gemacht. Also muss ich noch eine kaufen, irgendwo am Berliner Hauptbahnhof, da fährt der Zug los. Außerdem muss ich noch eine CD fertig brennen. Die vier schönsten Lieder von Esther & Abi Ofarim, hab ich schon für meine Mutter eine gebrannt, die die beiden immer sehr geliebt hat und jetzt fällt mir ein, dass Valerian das vielleicht auch schön fände, wenn er die vier Lieder hat. Jetzt mache ich noch eine. Am Freitag bin ich wieder zurück. Oder hab ich das schon geschrieben? Also ich mache mich dann mal fertig. Ich hab ein schönes Hotel mit WLAN, aber viel zum Bloggen werde ich wohl nicht kommen, die nächsten zwei Tage. Mal gucken. Ich komme jedenfalls zurück. Versprochen.

02. August 2013

Ein Nachmittag, den ich nie vergessen werde.
Heute, gegen vierzehn Uhr dreißig habe ich durch einen Anruf meines Neffen Valerian erfahren, dass sein großer Bruder ertrunken ist. Ich bin selbst erstaunt, wie gefasst ich in der Lage bin, das noch am selben Tag in dieses Fenster zu schreiben, in dem man Blogeinträge erstellt. Mein Neffe Richard Keita, ist zum Schwimmen an einen Fluß gegangen und nicht wiedergekehrt. Man fand ihn. Da war er schon im ewigen Meer der Gezeiten. Ganz bestimmt bei meinem lieben Bruder, der ihn, seinen erstgeborenen Sohn liebte, wie man ein Kind nur lieben kann. Mein Bruder saß auf dem Teppich, mit gekreuzten Beinen und spielte Gitarre, aber in der Kuhle, in seinem Schoß, saß sein neugeborener Sohn, so habe ich die beiden oft gesehen. Richard Keita hatte seinen Vater nur gute zwei Jahre, dann geschah der blöde Unfall. Aber er hat das dickste, fetteste Paket Liebe mitbekommen, das man sich vorstellen kann. Und das hat man immer gespürt. Er war ein sensibler junger Mann, voller Liebe und Sanftheit. Und er spielte Gitarre, wie sein Vater. Die Stratocaster kam abhanden, aber seine Les Paul hat er über alles geliebt und gespielt. Ich glaube, ich werde die Kommentare bei diesem Eintrag deaktivieren, nicht weil ich es nicht ertragen würde, sondern weil ich fürchte, dass sich Leser unbekannterweise genötigt fühlen, die dann üblichen Beileidskommentare zu hinterlassen. Obwohl, das wäre eigentich auch nicht wirklich schlimm. Ich will nur sagen, ich weiß, dass er zuhause ist, da wo er endlich mit seinem Vater Gitarre spielen kann. Und das gibt mir großen Frieden. Ich bin nicht verzweifelt, denn alles war gut. Wir hatten immer ein schönes, wenn auch unregelmäßiges Neffe-Tante-Verhältnis. Zuletzt sprachen wir ungefähr im Februar am Telefon miteinander. Er wollte mit seinem Bruder Valerian nach Berlin kommen und ich bot an, sie könnten in meinem Atelier übernachten, eine große Matratze organisieren und alles prima. Aber erst wenn es schön ist in Berlin, warm. Ja, das machen wir, wenn es wärmer ist, dann ist Berlin erst richtig schön. Jetzt musst du dir das alles von der Wolke da oben angucken, mein kleiner Fisch. Es hat mir viel bedeutet, dich vor achtundzwanzig Jahren in den Armen zu halten, neugeboren, selig blinzelnd. Du hast mir mein eigenes Kind mit einem Blick zurückgeschenkt. Und dafür danke ich dir. Für immer und ewig.
P.S. ich wollte dir noch sagen, du hast auf deinem Facebook-Profil unter einem Foto, das ich von dir gemacht habe, geschrieben: Photograph: Valerian Seethaler. Das Bild war aber von mir. Ich verzeihe dir, du hast den Kommentar erst letztes Jahr druntergeschrieben, unter das Bild von 2010. Im Mai war das. Das sind die Bilder. Du mochtest sie sehr. Das weiß ich noch. Ich denke, es ist okay für dich, wenn ich hier den Link einklebe. Du musst dich übrigens daran gewöhnen, dass ich jetzt, wo du dich da oben bei Jimi und deinem Vater rumtreibst, direkt anspreche. Ich bin das so gewohnt. Mein Bruder, also dein Vater, und ich machen das auch immer so. Weißt du Bescheid. Ich lasse die Kommentare doch offen. Alles ist gut. Schlaf gut, mein kleiner Fisch.
Deine Tante
Gaga

04. August 2013

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Warum erzählt ihr nichts vom Strand
von weißen Küsten, einem fernen Land
wo das Meer blau ist und die Wiesen grün und schön
Und wenn es schwarz ist
und nur schwarz und windumtost
dann malt uns diesen Wind als Trost
Als Vogel, der uns rüberträgt ins Licht
wir Menschen schaffen’s ohne Bilder nicht
uns die Verwandlung vorzustellen
Euern Saum hab ich geküsst
seitdem weiß ich, wie das ist
das Glück des Lebens

Duke Meyer 2013
Lieber Duke,
warmen Dank für deine Gedanken und behutsamen Worte von einer nächtlichen Terrasse in Andalusien. Ein schönes Bild. Auch hier wird die kühlere, laue Nacht herbeigesehnt. Ich habe deine Songskizze, deine Ode an den Tod gehört. Es gibt darin mich sehr berührende Momente und Zeilen, besonders diese.
Wenn man mich vorgestern, noch ahnungslos, gefragt hätte, was ich glauben würde, wie ich angesichts einer kommenden Todesnachricht reagieren würde, ich hätte es nicht einmal beantworten können. Man geht von einer Art Verzweiflung aus, einer Hilflosigkeit, Fassungslosigkeit, so wie ich sie kannte und erlebte, als ich als einundzwanzigjährige junge Frau vom Tod meines Bruders erfuhr. Doch diesmal ist es anders, ganz anders. Vielleicht, ja sicher sogar, kann ich diesmal allen anderen, die von tiefer Trauer erfasst sind, Trost geben, denn ich bin zutiefst getröstet. Ich würde meinen Frieden mit diesen letzten Dingen gerne weitergeben, verschenken, verströmen, auch dir. In einem Kommentar letzte Nacht, wo mir ein lieber Freund aus Hamburg unter meinem Blogeintrag sein Beileid aussprach, habe ich vieles formuliert, wie meine Gefühle dazu sind, nicht nur angesichts dieses Todes meines Neffen.
Was ich nicht schrieb, Duke, ist – dass es sich für mich stimmig anfühlt, was geschah. Ebenso wie damals bei meinem Bruder, auch wenn es ein tieferer Schmerz und über Jahre dauernde Fassungslosigkeit war. Ein Lebenskreis hat sich geschlossen und ist vollendet. Ein flammender Kreis katapultiert ins Universum, vereint mit allen anderen Flammen vergangener Leben. Keita Richard war auch im Zeichen der Fische geboren, so wie du. Das hat eine große Nähe zwischen ihm und mir gezaubert, weil mir diese besondere Sensibilität und Phantasie so nah war, mir so gemäß. Wir verstanden uns auf den ersten Blick ohne Worte. Ja, Keita hatte keine Todesangst. Man konnte ohne jede Scheu mit ihm über diese letzten Dinge sprechen, er war ein tief spiritueller Mensch, was ihm in die Wiege gelegt war. Da war nichts Angelesenes, es kam tief aus seiner Seele, diese Gewissheit, dass alles gut ist, was uns am Ende widerfährt, auf dieser letzten Reise.
Wie gerne würde ich dir von meiner tiefen Ruhe und Zuversicht, ja Heiterkeit in dieser Hinsicht abgeben. Diese Gewissheit hat keinen Hintergrund, der auf einer Religion beruhen würde, die ich praktiziere. Ich bin weder Christin noch Buddhistin noch Muslimin, noch bete ich namentlich nennbare Gottheiten an. Mir ist der Lauf der Sonne und der Regen und der Wind und die Musik Religion genug. Aber so war es schon immer. Ich respektiere alles und jeden, woran jemand glaubt. Jedoch dieser tiefe Frieden, den ich nun damit habe, ist ein Geschenk der späten Jahre, die mir das Universum mit seinem Füllhorn bereitet. Vielleicht, weil ich viele Verluste zu beklagen hatte, musste ich sehr viel unternehmen, um die irdische Existenz als die ebenso schöne Seite zu sehen. Die Idee von Erlösung war aber immer mit dem Ende der körperlichen Existenz verbunden, eine seltsame tiefe Gewissheit. Es ist schon gut, aber es kann sogar noch besser werden. Ich freue mich auf diese letzte Reise ins Ungewisse. Sehr. Und habe dabei keine Todessehnsucht in diesen Tagen mehr. Ich möchte sogar Hundertsieben werden. Und dann ist es aber auch gut. Naja, Hundertsieben ist schon wirklich lange. Ich denke, ich habe noch so viel zu tun und zu geben, da brauche ich einfach noch ein ordentliches Päckchen Jahre zum Fertigwerden, bevor ich zu den Sternen fliege.
(aus einer Mail vom 3. August 2013)

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02. August 2013

Ein Nachmittag, den ich nie vergessen werde.
Heute, gegen vierzehn Uhr dreißig habe ich durch einen Anruf meines Neffen Valerian erfahren, dass sein großer Bruder ertrunken ist. Ich bin selbst erstaunt, wie gefasst ich in der Lage bin, das noch am selben Tag in dieses Fenster zu schreiben, in dem man Blogeinträge erstellt. Mein Neffe Richard Keita, ist zum Schwimmen an einen Fluß gegangen und nicht wiedergekehrt. Man fand ihn. Da war er schon im ewigen Meer der Gezeiten. Ganz bestimmt bei meinem lieben Bruder, der ihn, seinen erstgeborenen Sohn liebte, wie man ein Kind nur lieben kann. Mein Bruder saß auf dem Teppich, mit gekreuzten Beinen und spielte Gitarre, aber in der Kuhle, in seinem Schoß, saß sein neugeborener Sohn, so habe ich die beiden oft gesehen. Richard Keita hatte seinen Vater nur gute zwei Jahre, dann geschah der blöde Unfall. Aber er hat das dickste, fetteste Paket Liebe mitbekommen, das man sich vorstellen kann. Und das hat man immer gespürt. Er war ein sensibler junger Mann, voller Liebe und Sanftheit. Und er spielte Gitarre, wie sein Vater. Die Stratocaster kam abhanden, aber seine Les Paul hat er über alles geliebt und gespielt. Ich glaube, ich werde die Kommentare bei diesem Eintrag deaktivieren, nicht weil ich es nicht ertragen würde, sondern weil ich fürchte, dass sich Leser unbekannterweise genötigt fühlen, die dann üblichen Beileidskommentare zu hinterlassen. Obwohl, das wäre eigentich auch nicht wirklich schlimm. Ich will nur sagen, ich weiß, dass er zuhause ist, da wo er endlich mit seinem Vater Gitarre spielen kann. Und das gibt mir großen Frieden. Ich bin nicht verzweifelt, denn alles war gut. Wir hatten immer ein schönes, wenn auch unregelmäßiges Neffe-Tante-Verhältnis. Zuletzt sprachen wir ungefähr im Februar am Telefon miteinander. Er wollte mit seinem Bruder Valerian nach Berlin kommen und ich bot an, sie könnten in meinem Atelier übernachten, eine große Matratze organisieren und alles prima. Aber erst wenn es schön ist in Berlin, warm. Ja, das machen wir, wenn es wärmer ist, dann ist Berlin erst richtig schön. Jetzt musst du dir das alles von der Wolke da oben angucken, mein kleiner Fisch. Es hat mir viel bedeutet, dich vor achtundzwanzig Jahren in den Armen zu halten, neugeboren, selig blinzelnd. Du hast mir mein eigenes Kind mit einem Blick zurückgeschenkt. Und dafür danke ich dir. Für immer und ewig.
P.S. ich wollte dir noch sagen, du hast auf deinem Facebook-Profil unter einem Foto, das ich von dir gemacht habe, geschrieben: Photograph: Valerian Seethaler. Das Bild war aber von mir. Ich verzeihe dir, du hast den Kommentar erst letztes Jahr druntergeschrieben, unter das Bild von 2010. Im Mai war das. Das sind die Bilder. Du mochtest sie sehr. Das weiß ich noch. Ich denke, es ist okay für dich, wenn ich hier den Link einklebe. Du musst dich übrigens daran gewöhnen, dass ich jetzt, wo du dich da oben bei Jimi und deinem Vater rumtreibst, direkt anspreche. Ich bin das so gewohnt. Mein Bruder, also dein Vater, und ich machen das auch immer so. Weißt du Bescheid. Ich lasse die Kommentare doch offen. Alles ist gut. Schlaf gut, mein kleiner Fisch.
Deine Tante
Gaga

30. Juli 2013

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77473536&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
DSCHUNGELSANG Text u. Musik Duke Meyer, 1991 ►watch on youtube
Und zur Verzierung ein Zierpälmchen drauf. Nein, das geht jetzt nicht immer so weiter. Im nächsten Opus könnte Gaga Nielsen wieder auftauchen. Ich habe da schon etwas im Hinterkopf. Obwohl in meinem Archiv noch einige Aufnahmen mit Duke sind, aber man muss dem Leser ja auch Abwechslung bieten. Früher gab es ja jede Menge Bilder hier von mir. Aber davon ruhe ich mich noch ein Weilchen aus. Wer hat schon in den letzten Jahren Tausende Bilder von sich ins Netz gestellt. Fällt mir im Moment nur eine gewisse Frau Nielsen ein. Cosmic hat Zweitausendzehn ein sehr schönes Lied geschrieben. Schwesterbraut. Das geht mir in den letzten Tagen durch den Kopf. Ich habe ungefähr sieben verschiedene Versionen davon. Sämtliche Entwicklungsstadien. Er gab mir durch ein Passwort Zugriff auf sein nicht öffentliches online-Arbeitsarchiv, was ich als großes Privileg und Vertrauensbeweis empfand. Ich war ja damals mit meinen Visuals auch Teil des Projektes, und so konnte ich die Entwicklung, den Arbeitsfortschritt, den work in progress seiner Songs immer verfolgen und ihm Feedback geben, aber auch die Dateien downloaden. Und so habe ich alle Versionen von Schwesterbraut abgespeichert. Nicht von allen Liedern, an denen er arbeitete, nur von diesem. Die vierte oder fünfte oder siebte gefällt mir am besten. Das hat jetzt gar nichts mit Duke zu tun, aber es gibt eine Parallele. Ich habe noch Material von beiden. Und beide haben Songs geschrieben, von denen ich Aufnahmen in der Schublade habe, die sonst niemand hat, die nie veröffentlicht wurden. Ich bin sehr froh darüber, dass von beiden genug Vertrauen da ist, mir freie Hand damit zu lassen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich glaube Cosmic ist noch in der GEMA, falls er nicht schon gekündigt hat. Beide unterstützen jetzt diese neue Verwertungsgesellschaft, die sich gerade in Gründung befindet, die Cultural Commons Commons Collecting Society (C3S). Wie auch immer, ich verwerte schon mal. Ach ja, der Dschungelsang. 1991 hat er ihn geschrieben. Damals waren die Grünen als Partei ungefähr so lange unterwegs wie jetzt die Piraten. In dem Geist ist der Dschungelsang sicher auch ein bißchen beheimatet. Dukes Dschungelsang kommt aber unbedingt von Herzen, da ist nichts Aufgesetztes, Übergeholfenes. Die Motivation folgte keinem trendbewussten Zeitgeist. Er ist der Wildnis ganz nah, er ist selbst ein Wilder. Wenn er auch nicht im Dschungel lebt. Das wird er immer sein. Er kann gar nicht anders. Ein sehr besonderes Wesen auf unserem Planeten. Man muss das nicht alles mögen oder verstehen, was er macht, aber es kommt immer aus dem Urgrund seines Feuers, seines Seins. Viel könnte man, ich, über ihn schreiben. Aber wir wollen es nun dabei belassen. Den Spruch habe ich von Harald Glööckler, der diesen königlichen Satz gerne benutzt, wenn er es vorzieht, sich zurückzuziehen. Auch ich ziehe mich nun ins Private zurück. Ins noch Privatere als mein Blog. Ja, aber sicher doch, ja, das gibt es. Mein Bett. Allen eine gute Nacht.

28. Juli 2013

Du bandest mir Schleifen
Die überließ ich dem Wind

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77473509&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
ICH FOLGE DEN PFERDEN Text u. Musik Duke Meyer, 1988 ►watch on youtube
Die im Eisfach vergessene Flasche Weißwein ist zum Sorbet geronnen, nein gewonnen. Die vergessenen – nein vergrabenen Aufnahmen aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Verrückt. Diese Nacht. Was kann ich Besseres machen, als bei offenem Nachtfenster einen weiteren Film hochladen. Ich kann dazu sagen, so träume ich. Nicht nur nachts. Es ist fertig, wenn es einem Traum entsprungen ist. Und die sind zeitlos. Waren es immer. Nur die Wirklichkeit hat es manchmal schwer mit ihnen. Mit meinen Träumen. Obgleich hier ganz bestimmt einer der größten Träumer zu sehen und zu hören ist, der mir je begegnete, war er es, der mich eines Tages als weltfremd bezeichnete. Das war nicht als Kompliment gemeint. Ist das verrückt? Ich kann mich nicht mehr genau an den Zusammenhang erinnern. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass ich manche Bereiche der Welt ausblenden muss, um innerlich zurechtzukommen. Aber das macht er sicher auch. Ich hatte vielleicht nur andere Selektionsparameter bei meinen Scheuklappenimpulsen. Ach, ich weiß es nicht mehr. Alles lange her. Aber immer noch schön, dieser getrommelte Erdendonner. Hypnotisch. Mag ich immer noch sehr. Was man so schreibt. Spät in der Nacht, allein daheim. Und wieder schläft der Fuß mir ein. Mal schauen, ob der Wein wieder Wein ist. Der gute Silvaner. Sehr gut lassen sich Fenster mit großen, weißen Badetüchern verhängen. Hat heute gut funktioniert. Keinen Fuß nach draußen gesetzt, mich nur von diesen alten Aufnahmen hypnotisieren lassen. Zweieinhalb Versionen davon gab es. Das Schwierigste ist manchmal die Wahl der Qual schreibe ich hier gerade wirr. Die Qual der Wahl. Erstaunlich ähnlich die drei Aufnahmen. Bei der letzten Sichtung dann kurzen Prozess, einmal hat er sich verspielt, kam aus dem Rhythmus und schaute mich im selben Moment an, was aus dem Konzept gebracht wirkte. Also weg, nicht weiter damit aufhalten. Und die Tonspuren synchronisieren ist auch immer aufwändig, ein bißchen Gefummel. Bei so starken Überblendungen kann man nicht mehr mit der Original Audiodatei, die mit dem Clip verbunden ist, arbeiten. Duch die Überblendungen gibt es Schwankungen in der Lautstärke, es versuppt bei den Übergängen. Aber wen interessiert das im Detail. Als ob überhaupt jemand realisieren würde, dass ich bis zum Exzess mit Überblendungen arbeite, die als solche nicht mehr erkennbar sind. Nur um diesen Gaga Nielsen-Spirit zu produzieren, mit diesem irritierenden human touch von Unregelmäßigkeiten in den Traumsequenzen. So ist das. Man muss also Tonspuren extrahieren, separat verfügbar machen. Keine Raketenwissenschaft, ich bin ja geübt. Opus Achtzig immerhin, ich habe ein wenig Erfahrung gesammelt, in den letzten neun Jahren. Mal sehen, ob der Film jetzt fertig konvertiert ist. Dann kann und darf und soll es in die Welt, das junge, wilde Pferd.

26. Juli 2013


Mick war und ist natürlich wichtig auf unserem Planeten. Happy Birthday! Fast, aber nur fast vergessen. Man wird ja immer an alles Wichtige erinnert, wenn man sich bei gmx einloggt. Sehr praktisch. Am Schönsten fand ich ihn ja während dieser Phase, als er bei dem Konzert im Hyde Park dieses weiße Minikleid mit Rüschenärmeln anhatte. Das gefältelte weiße Röckchen stand ihm schon unheimlich gut. Das hat Maßstäbe in Sachen Anmut gesetzt. Ich meine: er hat trotzdem nicht wie ein Mädchen ausgesehen. Deswegen hat das Röckchen ja so gerockt. Gut, dass man wenigstens niemandem erklären muss, wer Mick Jagger ist. Neulich übrigens, beruhigenderweise, auch empörte Blicke geerntet, als ich in einer Runde in Anwesenheit Anfang zwanzigjähriger Frauen anheimstellte, dass die eine oder andere vielleicht nicht wüsste, wer Iggy Pop ist. Es ging um Berlin und Blixa und Nick und Jim Jarmusch und das Ex und Pop und den Dschungel und wer da so hinging und so weiter und so fort. Da war ich endlich mal vollumfänglich auskunftsfähig, auch ohne Google. Bin ich ja beruhigt. Also wegen Iggy. Ich stoße auf jeden Fall heute noch mal mit Mick an. Ansonsten im luftigen Drinnen bleiben und den schattigen Abend genießen. Ach ja, fällt mir noch ein, neulich mal wieder „Performance“ geguckt, auf dem neuen, selten benutzten HD-Fernseher, den Film mit Anita Pallenberg, wo sich die beiden in dieser verschleierten Hippie-Villa in London mit marrokanischem Interieur der Pilzzucht und körperlichen Liebe hingeben. Nachdem ich Keefs LIFE studiert hatte, noch mal interessanter, wenn man die Hintergrundgeschichte kennt, wie sich Keith Richards in einem Hotelzimmer ein paar Häuser weiter vor Eifersucht gequält hat, weil er ahnte, dass da was geht zwischen Mick und Anita, während des Drehs, und es regnete, und da fällt ihm auf dem Bett liegend, frustriert, Gimme Shelter ein. Ich liebe solche Geschichten aus dem Nähkästchen. Könnte ich mich stundenlang dafür begeistern. Aber natürlich nicht von jedem. Jedenfalls Mick ist in dem Film als ein zugedröhnter Super-Rockstar zu sehen, mit anderen Worten, als er selbst. Besonders mit Kajal sah er noch verschärfter aus, und die Haare wurden damals für den Film dunkler gefärbt. Manche Männer können ein bißchen Augen Make up gut vertragen. Aber es muss natürlich zum Typ passen. Wenn Sie also ungefähr die Allure von Jagger haben, diesen gewissen androgynen Einschlag, dann geht das sehr gut. Aber Vorsicht in reiferen Jahren. Man möchte dann ja auch nicht wie Alice Cooper aussehen. Sie wissen, was ich meine. Also noch mal: alles Gute Mick, bleib fit und genieße die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte, ich halte dir die Stange. Äh – ja. Rock on!

26. Juli 2013

Bäum dich auf mit meiner Faust im Haar
Wir zwei werden zum Zentaur

flashback
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77473500&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
Duke Meyer (aka the german singer and pagan poet Eibensang) performing „Zentaurentraum“, a song written and composed by himself in 1992, live and unplugged in my private living room in Berlin Mitte, Auguststrasse, 27 july 2001 and live within his solo performance „Diener der Ekstase“ on an open air stage somewhere in the countryside of Bavaria. The stage footage wasn’t shot by myself, he just gave it to me, to take care and maybe use it one day. Description Youtube.
►watch on youtube

21. Juli 2013


Einblenden. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Überblenden. Schnitt. Ausschneiden. Einfügen. Überblenden. Zwischenspeichern. Ansehen. Schnitt. Ausblenden. Speichern. Ein Teil der Effekte gilt auch für den Raum, in dem das stattfindet, und mich, merke ich gerade. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Ausblenden. Bin gerade etwas einsilbig. Passt aber auch zur allgemeinen, hitzebedingten Entschleunigung heißt seit ein paar Jahren das Modewort, nicht wahr. Viel Leitungswasser, aber überwiegend abgekocht und abgekühlt trinke ich tagsüber. Das mit der blöden Verordnung von wegen Alkohol nur nach Sonnenuntergang hat sich zum Glück erledigt, schon nach zwei Tagen. Ich habe nämlich schnurstracks am zweiten Tag nach Erlass eine Petition beim Bundestag eingereicht und sofort die erforderlichen 50.000 Zeichnungen durch Gaga Nielsen erhalten, damit wurde die Verordnung gekippt. Soll noch mal einer sagen, man hätte als Normalbürger keinen Einfluss beim Gesetzgeber. Mehr Blödsinn oder womöglich seriöse Inhalte zu bloggen, reichen meine geistigen Kapazitäten heute nicht aus. Ich muss mir meine Kräfte einteilen und mich wieder auf mein Lebenswerk als Großkünstlerin konzentrieren. Habe ich neulich irgendwo gelesen, da hat jemand von „Großschriftstellern“ gesprochen. Und einer woanders von „Großschauspielern“. Man hat sofort gewusst, was gemeint ist. Obwohl mir der Begriff noch nicht so geläufig war. Also zum Beispiel wäre für mich Götz George ein Großschauspieler. Das Gegenteil davon ist dann wahrscheinlich ein Kleindarsteller. Haha. Klar, das Wort kennt man, muss es ja auch ein Pendant dazu geben. Ich habe neulich übrigens auch ein Wort erfunden, ein deutsches. Als ich so am Hackeschen Markt am S-Bahnsteig stand und auf meine S 7 wartete, es war sommerlich warm, kam mir eine ebenfalls wartende Frau so entgegen und ich schaute mir ihr langes, buntes Kleid ganz fasziniert an. Nicht, dass es mir besonders gut gefallen hätte, mein erster Gedanke war, das sieht aus wie ein Kleid, das man im Winter zum Schlafen anzieht, so ein dickerer T-Shirtstoff, ziemlich stabile Qualität und dann irgendwie so bunt und wirr gestreift, so Kraut und Rüben, wie man manchmal träumt, der Schnitt auch wie so ein bodenlanges T-Shirt mit kurzen Ärmeln. Ich war noch ein bißchen schläfrig, es war morgens, und mein Gehirn noch nicht ganz wach. Mir fiel einfach nicht der übliche Begriff dafür ein. Ich dachte schon, so ist es wahrscheinlich, wenn man dement wird, ich wusste genau, es gibt ein Wort dafür, aber welches? Dann überlegte ich logisch: ein Kleid, zum Schlafen? Na? Schlafkleid? Klar, ein Schlafkleid hat die Frau an! Und zwar ein extra warmes, für den Winter, also ein Winterschlafkleid. Ich merkte recht schnell, dass das nicht das reguläre Wort dafür ist. Fand es aber eigentlich recht schön und passend. Schlafkleid! Komisch, dass es das nicht gibt. Na gut, vielleicht gibt es das Wort ja doch schon, und ich habe es gar nicht auf dem S-Bahnsteig erfunden. Aber für mich eben schon. Ich will es auch gar nicht wissen, ob noch wer anderer früher das Wort schon erfunden hat, ich google es extra nicht, ich will das gar nicht wissen! Es ist schließlich ganz schön schwer, neue deutsche Wörter zu erfinden. Also welche, die nichts mit moderner Technik oder Internet zu tun haben, das wäre einfach, total easy, babyleicht! Nein, ich habe ein zeitloses neues deutsches Wort erfunden. Sie dürfen es ab sofort auch benutzen, wenn Sie wollen: Schlafkleid, früher Nachthemd, heute Schlafkleid.

21. Juli 2013


Einblenden. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Überblenden. Schnitt. Ausschneiden. Einfügen. Überblenden. Zwischenspeichern. Ansehen. Schnitt. Ausblenden. Speichern. Ein Teil der Effekte gilt auch für den Raum, in dem das stattfindet, und mich, merke ich gerade. Helligkeit verringern. Filter. Graustufe. Verlangsamen, halbe Geschwindigkeit. Ausblenden. Bin gerade etwas einsilbig. Passt aber auch zur allgemeinen, hitzebedingten Entschleunigung heißt seit ein paar Jahren das Modewort, nicht wahr. Viel Leitungswasser, aber überwiegend abgekocht und abgekühlt trinke ich tagsüber. Das mit der blöden Verordnung von wegen Alkohol nur nach Sonnenuntergang hat sich zum Glück erledigt, schon nach zwei Tagen. Ich habe nämlich schnurstracks am zweiten Tag nach Erlass eine Petition beim Bundestag eingereicht und sofort die erforderlichen 50.000 Zeichnungen durch Gaga Nielsen erhalten, damit wurde die Verordnung gekippt. Soll noch mal einer sagen, man hätte als Normalbürger keinen Einfluss beim Gesetzgeber. Mehr Blödsinn oder womöglich seriöse Inhalte zu bloggen, reichen meine geistigen Kapazitäten heute nicht aus. Ich muss mir meine Kräfte einteilen und mich wieder auf mein Lebenswerk als Großkünstlerin konzentrieren. Habe ich neulich irgendwo gelesen, da hat jemand von „Großschriftstellern“ gesprochen. Und einer woanders von „Großschauspielern“. Man hat sofort gewusst, was gemeint ist. Obwohl mir der Begriff noch nicht so geläufig war. Also zum Beispiel wäre für mich Götz George ein Großschauspieler. Das Gegenteil davon ist dann wahrscheinlich ein Kleindarsteller. Haha. Klar, das Wort kennt man, muss es ja auch ein Pendant dazu geben. Ich habe neulich übrigens auch ein Wort erfunden, ein deutsches. Als ich so am Hackeschen Markt am S-Bahnsteig stand und auf meine S 7 wartete, es war sommerlich warm, kam mir eine ebenfalls wartende Frau so entgegen und ich schaute mir ihr langes, buntes Kleid ganz fasziniert an. Nicht, dass es mir besonders gut gefallen hätte, mein erster Gedanke war, das sieht aus wie ein Kleid, das man im Winter zum Schlafen anzieht, so ein dickerer T-Shirtstoff, ziemlich stabile Qualität und dann irgendwie so bunt und wirr gestreift, so Kraut und Rüben, wie man manchmal träumt, der Schnitt auch wie so ein bodenlanges T-Shirt mit kurzen Ärmeln. Ich war noch ein bißchen schläfrig, es war morgens, und mein Gehirn noch nicht ganz wach. Mir fiel einfach nicht der übliche Begriff dafür ein. Ich dachte schon, so ist es wahrscheinlich, wenn man dement wird, ich wusste genau, es gibt ein Wort dafür, aber welches? Dann überlegte ich logisch: ein Kleid, zum Schlafen? Na? Schlafkleid? Klar, ein Schlafkleid hat die Frau an! Und zwar ein extra warmes, für den Winter, also ein Winterschlafkleid. Ich merkte recht schnell, dass das nicht das reguläre Wort dafür ist. Fand es aber eigentlich recht schön und passend. Schlafkleid! Komisch, dass es das nicht gibt. Na gut, vielleicht gibt es das Wort ja doch schon, und ich habe es gar nicht auf dem S-Bahnsteig erfunden. Aber für mich eben schon. Ich will es auch gar nicht wissen, ob noch wer anderer früher das Wort schon erfunden hat, ich google es extra nicht, ich will das gar nicht wissen! Es ist schließlich ganz schön schwer, neue deutsche Wörter zu erfinden. Also welche, die nichts mit moderner Technik oder Internet zu tun haben, das wäre einfach, total easy, babyleicht! Nein, ich habe ein zeitloses neues deutsches Wort erfunden. Sie dürfen es ab sofort auch benutzen, wenn Sie wollen: Schlafkleid, früher Nachthemd, heute Schlafkleid.

14. Juli 2013


Blick zurück und Blick nach Vorne. Bei den alten Kassettenrekordern hieß die Beschriftung rewind und ff für fast forward, wenn ich es recht erinnere. Ich spule jetzt gerade ein Stückchen vor und arbeite mit Dateien der jüngeren Vergangenheit. Tatsächlich habe ich auf zwei externen Festplatten noch viele unveröffentlichte Bilder. Die eine birgt digitale und wenige digitalisierte Fotografien und Filmrohdateien der etwa letzten zwölf Jahre und die andere ist für die digitalisierten Filmaufnahmen von 1995 bis 2002. Ich hatte sie extra gekauft, damit die Firma, die den Digitalisierungsauftrag hatte, die Dateien im von mir gewünschten avi-Format direkt auf die große Festplatte speichern konnte. Wir hatten vereinbart, dass es immer fünfzehn-Minuten Sequenzen werden sollten, sonst wird es schwierig mit der Verarbeitung. Es waren insgesamt einundzwanzigeinhalb Stunden Filmmaterial, die den Prozess durchliefen. Die Firma fipra in der Stresemannstraße ist seit den Sechziger Jahren in dem Bereich in Berlin tätig und ich wusste die Dateien in besten Händen. Dort werden auch alte Filmaufnahmen aus dem zweiten Weltkrieg für das Bundesarchiv digitalisiert. Bei mir waren es ja zum Glück keine Kriegsaufnahmen. Manchmal, aber nur kurz dachte ich, oh là là, da ist doch auch diese eine Sequenz dabei, wo ich in Tränen ausbreche, oder wo ich mich relativ unbekleidet beim Sonnenbaden aufgenommen habe. Aber dann sagte ich mir: wer seit fünfzig Jahren Tag für Tag zahllose Filmaufnahmen sieht, guckt da nicht mehr so genau hin, man ist da einfach professionell. Ich hatte das Ganze in zwei Etappen machen lassen. Die erste Ladung waren die leider nur auf VHS-Cassetten vorhandenen Aufnahmen, weil man ja früher aus Sparsamkeit auch mal wieder was überspielt hat und ich damals nicht an eine spätere Wiederverwertung dachte, das war ja alles Zukunftsmusik. Der zweite Auftrag waren die verbliebenen original Hi 8-Aufnahmen, das Rohmaterial direkt aus der Kamera, die Ursprungsdateien. Das Ergebnis wurde natürlich ungleich besser, kein Vergleich. Und ich hatte zudem diese zum Teil sehr interessanten Sequenzen zur Verfügung, die vor und nach den aufzunehmenden Szenen gerade noch mit drauf sind. Manchmal lief auch die Kamera weiter, ohne dass ich es realisierte und fand dann überrascht Gesprächssequenzen über die geplante Aufnahme, oder ob man es für gut hielt oder besser wiederholen sollte. Jetzt freut es mich, dass diese Zufallsaufnahmen existieren. Ich werde also ein bißchen in der jüngeren und älteren Vergangenheit hin- und herzappen, bei den nächsten Sachen. Ich glaube, eine bessere Art der Vergangenheitsbewältigung kann es nicht geben. Es war ja schon bei den Aufnahmen das Anliegen, etwas Festhaltenswertes einzufangen und nicht das, woran man im Alltag scheiterte, wenn die Kamera nicht lief. Jedenfalls meistens. Ich glaube noch nicht, dass ich den Mut besitze, die Sequenz, wo ich etwas zitiere und darüber in Tränen ausbreche, zu zeigen. Wobei – bei mir weiß ich ja nie. Wenn man etwas heilen kann, sollte man es tun. Ich hole mir mal einen neuen Kaffee und setze mich in meine Zeitmaschine, indem ich die nächste Projektdatei öffne. Etwas, das ich bereits vor drei Jahren begonnen hatte zu schneiden, und dann abbrach. Wieder war mir das Herz zu schwer und ich musste in eine andere Richtung blicken, um Horizont zu sehen. Aber auch das ist jetzt möglich. Ich kann auch damit jetzt weiter machen. Zwar näher als andere Zeiten, aber es zerdrückt mir nicht mehr die Brust. Ich kann wieder atmen. Mein Herz ist frei.

12. Juli 2013

Kunstvolles Kopfzerbrechen. Art Kopfzerbrechen. Aber Kryptologie gehört besser in Forschungsbereiche der Archäologie oder archaische Kulturwissenschaften. Wohin auch immer, aber nicht in dieses Blog. Ich schreibe jetzt einfach. Ein magischer Akt. Der Schreibzauber. Seelenpflege auch. Ich habe die letzten Tage einige Zeit damit zugebracht, alte Filmaufnahmen zu sichten und bislang nicht als verbunden gesehene Sequenzen zu montieren. Vergangenheit. Bilder, die vor ziemlich genau zwölf Jahren, hier bei mir in Berlin entstanden sind, in diesem Raum, diesem Zimmer, in dem ich jetzt diesen Eintrag schreibe. Vor allem an den letzten drei Tagen zusammenmontiert mit einer noch älteren Aufnahme, einer tatsächlich genau unfassbare dreißig Jahre alten Tonspur. Ein Lied, das ich gleich liebte, als ich es 1983 zum ersten mal hörte. Ich war mit dem Keyboarder einer noch im Entstehen begriffenen Band seit langem sehr gut befreundet, und über ihn lernte ich die anderen, mit denen er dort zwei kurze Jahre lang deutschsprachige Songs fabrizierte, kennen. Ich könnte jetzt bis nach China ausholen, denn es ist eine lange Geschichte, in der der Keyboarder aber nicht die Hauptrolle einnimmt, sondern der Sänger. Man könnte im Grunde einen abendfüllenden Film oder Mehrteiler haha, aus der Geschichte drehen, über unerfülltes Begehren aus der Distanz, und über eine schicksalshafte Wiederbegegnung, viele Jahre später. Die Wege kreuzen sich, driften auseinander, kreuzen sich wieder, driften auseinander. Vielleicht sehen die Götter das Universum aus ihrer erhabenen Distanz als ein riesiges Netz und verstehen mühelos den Zusammenhang, die Verbindungen, können diese Knotenpunkte bis in alle Unendlichkeit sehen, und dass sie durchaus rhythmisch gewoben sind. Und die, eine kleine Menschen-Ameise niemals ermessen kann. Ich will wirklich – ich meine das aufrichtig – nicht kryptisch werden, ich kann das als Prinzip, um eine Art attraktives Geheimnis zu kreieren, nicht ausstehen. Als wären die Dinge nicht schon geheimnisvoll genug. Ich rede nicht von Diskretion oder dem Gegenteil, sondern von innerer Klarheit, die ich brauche, um es klar zu formulieren. Ach. Aber man kann eben auch nicht im aufklärenden Sinne plakativ werden, wenn die inneren Bewegungen, Gedanken und Überlegungen noch nicht in plakativer Deutlichkeit und Pflückreife vor dem inneren Auge stehen, so dass man sie nur noch abschreiben müsste. Ich kann aber immerhin hier und heute in geistiger Klarheit sagen, es handelt sich um ein gutes Zeichen, dass ich voll unbefangener Erinnerung mit diesen Sequenzen spielen kann. Da ist keine Schwere mehr, dafür ist es zu lange her. Viel geschehen. Bilder, Welten, Kontinente. Als ich vor kurzem in meinem Atelier war, um den Strom abzulesen, legte ich die beiden alten Kassetten ein und ließ bei einigen Liedern die Kamera zwecks Audioaufnahme, direkt aus dem Raum, laufen. Daher ist der Klang auch so garagenmäßig. Dreidimenisionale Patina aus Bequemlichkeit. Ich hatte plötzlich einen Anflug, diese alten Sachen aus den Achtzigern nach Belieben hören zu können. Seit langem gibt es keinen Kassettenrekorder mehr in meiner Wohnung, aber in meinem Atelier staubt noch eine dieser Mini-CD-Player-Kompaktanlagen der ersten Generation vor sich hin, die letzten mit einem Tapedeck drin. Durchaus hätte ich lieber eine professionell gerippte, digitalisierte Aufnahme davon gehabt, für mein so plötzlich und so eilig aus dem Nichts ans Licht drängende Opus Siebenundsiebzig. Der Song hätte es verdient. Aber wenn ich sofort mit etwas arbeiten will, wird gerne mal dilettantisch improvisiert. Wenn es raus will, muss es eben raus. Nur die Filmaufnahmen habe ich vor einiger Zeit, schon im April digitalisieren lassen. Wie so oft, hat der Zufall bei diesem Opus Hilfe geleistet. Ich ließ meine mitgeschnittene Version von „Ich fühl mich gut“, neben anderen Songs, im Hintergrund auf dem Rechner laufen und öffnete etwas ratlos die Filmprojektdatei, in der ich ursprünglich etwas anderes schneiden wollte. Plötzlich schienen die Pausen zwischen dem Eigentlichen, wo ich nicht so recht den Einstieg fand, zu dem Lied zu passen. Ich entwickle beim Hören von Musik (wie wahrscheinlich die meisten) eine visuell greifbare, sehr räumliche Vorstellung der Atmosphäre, in die ein Lied zu gehören scheint. Es sind zwar nicht genau die wiederkehrenden Bilder, die ich Anfang der Achtziger Jahre hatte, als ich den Song hundert Mal hörte, aber schon nah dran. Ich weiß, dass Duke, der in diesem Opus im Alter von Zweiundvierzig zu sehen ist, und dessen junge Stimme zu hören ist, als er vierundzwanzig war – die selben Zahlen, zwei und vier fällt mir gerade auf – nicht so gerne an diese musikalische Entwicklungsphase mit dieser Band mit dem komischen Namen, über die es kaum Hinweise im Internet gibt, zurückdenkt oder -dachte, so wie ich es tat. Ich war traurig, dass meine noch nach Jahren nachklingende Begeisterung durch mir übertrieben scheinende Selbstkritik relativiert wurde und damit das nahezu perfekte Kaleidoskop meiner farbenfrohen Erinnerung torpedierte. Dabei ging das gar nicht. Ich ließ es insgeheim nicht zu, nicht an mich heran und blieb stur. Bis heute. Denn, wenn ich es heute höre, bin ich verblüfft, wie unverändert sehr mir das Lied gefällt, wie unaffektiert, wie beiläufig der Gesang ist, wie glaubwürdig er erzählt, flüstert, da in seinem Zimmer, spät in der Nacht, allein daheim. Er klingt, wie ich ihn damals im direkten Gegenüber empfunden habe. Als die in keinem Zusammenhang damit stehenden Filmaufnahmen, die hier nur in geringen Fragmenten zu sehen sind, entstanden, war sehr viel Zeit vergangen. Zwischen 1983 und 2001 liegen (lieben habe ich gerade versehentlich getippt) immerhin achtzehn Jahre. Auf manchen Bildern erinnert er mich an den Vierundzwanzigjährigen, dem ich damals gerne näher gekommen wäre. Und er mir, wie wir uns viele Jahre später offenbarten, aufgelöst und fassungslos. Aber mehr will ich jetzt gar nicht dazu schreiben. Wir haben seit langem keinen Kontakt mehr, aber ich denke, er sollte wissen, dass ich in den letzten Tagen mit unseren alten Aufnahmen gebastelt habe, die nie das Licht irgendeiner Öffentlichkeit erblickten. Wenigstens für unser Archiv. Ein schönes Stück unseres Lebens. Um zu sehen, dass das Beste von uns in unseren Bildern und Liedern bleibt, die wir mit heißem Herzen eingefangen haben. Ich glaube, ich muss ihm wenigstens mit einer Mail sagen, dass ich gerade etwas veröffentliche, das mit ihm zu tun hat. Das gehört sich einfach. Ich denke, ich schicke ihm jetzt einfach den Link zu diesem Eintrag.
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77473472&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
…steck die Hände unter die Achseln, von meinem warmen Overall
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09. Juli 2013


Symbolbilder. Das ist nicht meine Wohnung, nicht mein Bett, nicht meine Schlafcouch. Nicht mein Geschirr. Das sind Aufnahmen aus einer Ferienwohnung. Ich war mal auf Föhr, sieben Jahre ist es her, und hatte innerhalb eines reetgedeckten Hauses eine kleine Wohnung gemietet. Selber Kochen ist unabdingbar. Wenn ich in einem Hotel absteigen müsste, würde ich die einzige Suite mit eigener Küchenzeile buchen, Geld spielt keine Rolle! Haha! Ich habe bei mir selber, also auf meinem Flickr mal nacheinander die Suchbegriffe „Wein“ und „Rotwein“ eingegeben, da kam so Verschiedenes raus, was ich in den letzten Jahren getrunken habe. Man lichtet ja bei Weitem nicht alles ab. Das wäre ja furchtbar. Ein Sammelsurium an Williamsbrand- und Rotweinflaschen. Nein, nein, nein. Das wird nicht das nächste große Ding, keine Sorge. Ah, jetzt fangen die da unten beim Al Contadino wieder mit ihrer Straßenmusik an. Heute gibt es offensichtlich eine kleine Combo, die alles von Django Reinhardt nachspielt. Ganz gut. Man kann das Fenster auflassen. Und eine Frau scheint dazu zu singen. Wie nennt man das noch mal, dieses freie Improvisieren im Jazz-Gesang? Mir fällt der Name nicht ein. So ähnlich wie Kit-kat-Club, – verdammt, ah – ich muss es googlen, was ich ja nur im äußersten Notfall mache. Augenblick. Ich hab’s gefunden: Scatten. Nicht Chatten sondern Scatten. Scat Singing. Lag ich ja nicht so total falsch. Wow, heute gibt es sogar Applaus da unten, habe ich dieser Tage noch nicht gehört. Einige Musikanten haben sich in den letzten Wochen hier unten präsentiert, doch das scheint nun ein Highlight zu sein. NONSENSE SYLLABLES. Fein.

09. Juli 2013

Jetzt.
Broccoli, Lauch, Lachs, Möhrchen, Fenchel, Butter, Anis. Rotwein. (Zweigelt) Leicht gekühlt. Gläschen Wasser nebenher. Übrigens, das sind nicht etwa die zappeligen Einträge einer Alkoholikerin, sondern einer geübten Genuss-Trinkerin, die auch in diesem Lebensbereich höchste Virtuosität anstrebt. Virtuos mit jeglichen Drogen umzugehen, ist eine ungeheuer erstrebenswerte Perspektive. Stellen Sie sich vor, Sie durchschauen ihren Stoffwechsel komplett und können mit ihm spielen, wie Yehudi Menuhin auf seiner Stradivari. Wenn das kein schönes Ziel ist, dann weiß ich auch nicht. Wir wollen doch alle nur herausfinden, wie wir unser Wohlbefinden steigern können, idealerweise ohne üblen Kater zum Nachtisch. Hier spricht die Ekstaseforscherin. Mein erstes Forschungsgebiet. Man muss sich in der ernsthaften Wissenschaft spezialisieren, sonst macht man viele Sachen halb und nichts ganz. Dunkel ist übrigens, wenn man in einer Küche mit ausreichend Fenster beim Kochen das Licht anschalten muss.

09. Juli 2013


Ich denke, man wird dann auch im Lauf der Zeit ein besonderes Gefühl, ja ich möchte sagen: Sensorium für den Lauf der Jahreszeiten entwickeln. Wer weiß denn heutzutage schon noch aus dem Handgelenk auf die Minute, wann die Sonne untergeht. Irgendwann bin ich dann völlig unabhängig von modernen Kalenderanzeigen. Nach der ersten dergestalt bewusst erlebten Wintersonnwende werde ich den Jahreskreis aus dem Effeff beherrschen. Ein tolles Projekt! Nun, wo die Sache mit den Fotos erledigt ist, habe ich ein neues Ziel gefunden. Und das, obwohl ich gar nicht angestrengt danach gesucht habe. Ich stand vorhin so in der Küche und anstatt mir – wie eh und je – einen winzigen Schluck hochwertigen Williamsbrand zur Feierabendstunde zu genehmigen, rief eine innere Stimme:
„Nein, halt ein!“
Ich horchte gleich auf und zog die Hand zurück. Die Stimme flüsterte weiter:
„Weißt du nicht mehr, wie es gestern Abend war? Der Zauber des ersten guten Tropfens wollte sich einfach nicht wie sonst, an kühleren Tagen einstellen. Und weißt du noch, wie du dann gedacht hast, versuch ich es eben mal mit etwas anderem, dem guten Rotwein aus dem Burgenland, nur ein kleiner Schluck, die Flasche ist ja schon offen. Auch da wollte sich der Zauber nicht zeigen. Im Gegenteil, dir wurde ein bißchen schwindelig, ein wenig benommen. Wasser musstest du trinken, um das erhoffte Wohlbefinden zu erlangen! Weißt du noch? Und dann, spät, spät am Abend, es war schon Nacht, du hattest dich einigermaßen erholt und wagtest einen neuen Versuch. Die Nacht ward angenehm kühl, rubinrot funkelte der edle Tropfen abermals im Schwenkglas. Und als es Mitternacht schlug, war der Zauber wieder da. Die gute Fee hatte den guten Geist zurückgezaubert.“
Pause.
„Hast du die Lektion verstanden?“
Ja, Geist, ich habe die Lektion verstanden. Ich will daraus lernen und es sogleich ins Internet schreiben, damit ich mich selber noch besser in die Pflicht nehmen kann. Das war also der kleine Dialog mit meiner inneren Stimme, vorhin gegen Sieben. Und da sehe ich doch eben auf die Uhr und es ist 21 Uhr Siebenundwanzig und ich schaue aus dem Fenster und es ist immer noch nicht dunkel. Na gut. Man muss ja auch erst in der Praxis lernen („Aus der Praxis für die Praxis!“), was das heißt „Sonnenuntergang“. Mal sehen, wie lange es dauert, bis es dann auch dunkel ist. Denn man soll sich ja nicht selbst belügen. Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen! Ich sage dann Bescheid, wenn der Sonnuntergang in Berlin fertig ist. Scheint noch ein Weilchen zu dauern. Sicher noch reichlich Zeit, um etwas Schönes zu kochen.

09. Juli 2013

So ein Glas Leitungswasser von Zeit zu Zeit ist schon eine gute Sache. Aber bitte unverdünnt. Wir haben erst einundzwanzig Uhr 3.

09. Juli 2013

Man muss ja auch bedenken, dass so ein nach Sonnenuntergang abgekühlter Körper den Alkohol viel besser verträgt und zügiger abbauen kann, als bei Sonnenwärme. Wie wir gelernt haben, sorgt körperliche Erhitzung, ob durch Sport oder erhöhte Außentemperaturen, nur für eine zusätzliche Steigerung der Histaminproduktion, was dem Alkoholabbau völlig konträr gegenübersteht, und somit als hochgradig kontraproduktiv einzustufen ist. Bei moderater Körpertemperatur ohne Schweißbildung kann das alkoholhaltige Getränk demzufolge angemessener und in höherer Dosis genossen werden, als es bei Sonneneinstrahlung und hoher Lufttemperatur der Fall wäre. Es spricht somit alles dafür, es künftig so zu handhaben. So eine Verordnung wird ja nicht aus Jux und Tollerei erlassen. Die haben sich schon was dabei gedacht. Wie spät ist es eigentlich? Ah ja, 20:11 Uhr. Ich könnte einstweilen auch einen kleinen Imbiss vorbereiten. Man sollte unbedingt eine solide Grundlage schaffen.

09. Juli 2013

Schon wahnsinnig interessant irgendwie, was es so für Seiten hier im Internet gibt, für die man sich früher nie interessiert hat. Um 21:27 ist also die große Stunde gekommen. Nur noch anderthalb Stunden. Das sollte zu schaffen sein. Im Grunde Spielfilmlänge. Ich könnte einen kurzweiligen Film aus meiner verstaubten VHS-Videothek einlegen. Oder mich anderweitig beschäftigen.

09. Juli 2013

Heute, am 9. Juli 2013 um 19 Uhr wurde folgende Verordnung erlassen: Alkohol darf nur noch nach Einbruch der Dunkelheit getrunken werden. Die Verordnung gilt ab sofort und überall, wo sich Gaga Nielsen aufhält. Ausgenommen von der Vorschrift sind Personen, die nicht Gaga Nielsen heißen. Die Definition Einbruch der Dunkelheit richtet sich nach den Lichtverhältnissen außerhalb der Wohnung von Gaga Nielsen und gilt nicht für durch Hilfsmittel künstlich verdunkelte Räumlichkeiten. Die Verordnung gilt ausnahmslos vom 1. Januar bis zum 31. Dezember eines Kalenderjahres. Auf besonderen Antrag kann die Verordnung vorübergehend bei besonderen Anlässen außer Kraft treten, wobei der besondere Anlass durch Antragstellung dargelegt werden muss. Beispiele für besondere Anlässe wären der eigene Geburtstag, Hochzeiten, Todesfälle, Scheidungen, Lottogewinne und Nominierung für den Oscar. Der Antrag ist mindestens achtundvierzig Stunden vor dem Termin schriftlich, mündlich oder telepathisch einzureichen. Bei Antragstellung ist eine beglaubigte, gescannte oder gechannelte Kopie der Geburtsurkunde oder der standesamtliche Eheschließungs-Nachweis bzw. die Scheidungs- oder Sterbeurkunde mit dem Beisetzungstermin bzw. die Mitteilung der Lotterie beziehungsweise der amerik. Filmakademie vorzulegen. Die Antragstellerin wird zeitnah nach Antragstellung mündlich informiert, ob dem Antrag stattgegeben werden kann.
gez.
Die Bundesgesundheitsministerin
Berlin, 9. Juli 2013

06. Juli 2013

Heute so




Ganze zwei Tage nichts mitgeteilt. Ich muss mir fast schon die Erlaubnis geben, keinen Eintrag zu machen. Es soll ja nicht zur Psychose ausarten, zu beweisen, dass man vom großen Blogeinträge-Sterben ausgenommen ist. Aber das bin ich ja in dem Sinne wirklich, weil ich mich nie auf einer alternativen Plattform derart getummelt habe, dass es zum Zeitfresser mutieren würde. Nie einen twitter-account gehabt, auf facebook nur mal sehr phasenweise kommentiert, das ist aber auch mindestens drei bis fünf Jahre her. Fehlt mir auch überhaupt nicht. So selten ich auf facebook eine Mitteilung bei jemandem hinterlasse, die Betroffenen kriegen das wahrscheinlich gar nicht mit, dass das dann einer von drei bis vier Kommentaren pro Jahr war. Aber nicht auf meiner eigenen – wie heißt das noch – ich vergesse sogar die Fachausdrücke – Pinnwand? Wall? History? Stream? Keine Ahnung, bin auch zu faul zum Nachschauen. Schon interessant, wie wenige Blogger der alten Garde die Intensität beibehalten haben. Auf jeden Fall kid37 und die Kaltmamsell. Modeste fällt mir noch ein. Bei den meisten anderen wurden die Blogs zwar nicht gelöscht oder sich feierlich vom Bloggen verabschiedet, aber der Rhythmus wurde unberechenbar selten. Ich kann jetzt ja auch nur von den Blogs reden, die ich so in den letzten zehn Jahren regelmäßig gelesen habe. Freilich wird es noch ein paar mehr geben, aber da bin ich nicht kompetent zu urteilen, weil ich es nicht verfolgt habe. Mir schläft gerade der rechte Fuß ein. Ich bin nämlich gerade gar nicht draußen, wo es sehr sommerlich warm ist, sondern drinnen, in einer komischen Haltung vor meinem Rechner. Ich sitze ja immer auf so einem große Bodenkissen und das rechte Bein ist aber gerade so abgewinkelt und steht senkrecht, das linke Bein liegt abgewinkelt, flach auf dem Kissen und das Kinn berührt das Knie von dem Bein mit dem gerade einschlafenden Fuß, während ich tippe. Im Becher ist Kaffee, ich frühstücke noch. Später eine kleine Näharbeit. Ich will an einem neuen Mäntelchen von Desigual mit einem schönen weißen und steingrauen Paisley-Muster etwas optimieren, die Knöpfe habe mir nicht gefallen, zu groß und auch Plastik. Das KadeWe hat vor ein paar Jahren die riesige Kleiderstoffe- und Kurzwarenabteilung ausgelagert, die ist jetzt in einem Haus in der Passauer Straße, schräg gegenüber vom alten KadeWe, als eine extra Abteilung für Bastelzeugs und Stoffe und Kurzwaren. Nur die Möbelstoffe sind noch im alten KadeWe. Da habe ich jedenfalls passende Knöpfe gefunden. Aus einem silber glänzenden Metall, amorph und filigran ziseliert. Dann sieht der Mantel eher aus wie von einem indischen Prinzen. Überhaupt diese traditionellen indischen Maharadscha-Gehröcke sind ja ein Traum. Saris interessieren mich nur als Wohnungsdeko, um ein bißchen zu verschleiern oder eine nicht so schöne Tür zu verstecken. An meiner Wohnungstür hängt sogar ein echter, seidener Hochzeits-Sari, der hat ein besonders aufwändig gewebtes Paisley-Muster auf einem hellen Graublau mit Arabesken in einem Beigeton. Aber zum Anziehen wäre mir das Gewickel viel zu kompliziert. Und Heiraten will ich derzeit ja auch nicht. Oh oh, jetzt geht es aber nicht mehr mit dem Fuß. Möglicherweise ein Zeichen, mein kleines Tagwerk zu beginnen.

06. Juli 2013

Heute so




Ganze zwei Tage nichts mitgeteilt. Ich muss mir fast schon die Erlaubnis geben, keinen Eintrag zu machen. Es soll ja nicht zur Psychose ausarten, zu beweisen, dass man vom großen Blogeinträge-Sterben ausgenommen ist. Aber das bin ich ja in dem Sinne wirklich, weil ich mich nie auf einer alternativen Plattform derart getummelt habe, dass es zum Zeitfresser mutieren würde. Nie einen twitter-account gehabt, auf facebook nur mal sehr phasenweise kommentiert, das ist aber auch mindestens drei bis fünf Jahre her. Fehlt mir auch überhaupt nicht. So selten ich auf facebook eine Mitteilung bei jemandem hinterlasse, die Betroffenen kriegen das wahrscheinlich gar nicht mit, dass das dann einer von drei bis vier Kommentaren pro Jahr war. Aber nicht auf meiner eigenen – wie heißt das noch – ich vergesse sogar die Fachausdrücke – Pinnwand? Wall? History? Stream? Keine Ahnung, bin auch zu faul zum Nachschauen. Schon interessant, wie wenige Blogger der alten Garde die Intensität beibehalten haben. Auf jeden Fall kid37 und die Kaltmamsell. Modeste fällt mir noch ein. Bei den meisten anderen wurden die Blogs zwar nicht gelöscht oder sich feierlich vom Bloggen verabschiedet, aber der Rhythmus wurde unberechenbar selten. Ich kann jetzt ja auch nur von den Blogs reden, die ich so in den letzten zehn Jahren regelmäßig gelesen habe. Freilich wird es noch ein paar mehr geben, aber da bin ich nicht kompetent zu urteilen, weil ich es nicht verfolgt habe. Mir schläft gerade der rechte Fuß ein. Ich bin nämlich gerade gar nicht draußen, wo es sehr sommerlich warm ist, sondern drinnen, in einer komischen Haltung vor meinem Rechner. Ich sitze ja immer auf so einem große Bodenkissen und das rechte Bein ist aber gerade so abgewinkelt und steht senkrecht, das linke Bein liegt abgewinkelt, flach auf dem Kissen und das Kinn berührt das Knie von dem Bein mit dem gerade einschlafenden Fuß, während ich tippe. Im Becher ist Kaffee, ich frühstücke noch. Später eine kleine Näharbeit. Ich will an einem neuen Mäntelchen von Desigual mit einem schönen weißen und steingrauen Paisley-Muster etwas optimieren, die Knöpfe habe mir nicht gefallen, zu groß und auch Plastik. Das KadeWe hat vor ein paar Jahren die riesige Kleiderstoffe- und Kurzwarenabteilung ausgelagert, die ist jetzt in einem Haus in der Passauer Straße, schräg gegenüber vom alten KadeWe, als eine extra Abteilung für Bastelzeugs und Stoffe und Kurzwaren. Nur die Möbelstoffe sind noch im alten KadeWe. Da habe ich jedenfalls passende Knöpfe gefunden. Aus einem silber glänzenden Metall, amorph und filigran ziseliert. Dann sieht der Mantel eher aus wie von einem indischen Prinzen. Überhaupt diese traditionellen indischen Maharadscha-Gehröcke sind ja ein Traum. Saris interessieren mich nur als Wohnungsdeko, um ein bißchen zu verschleiern oder eine nicht so schöne Tür zu verstecken. An meiner Wohnungstür hängt sogar ein echter, seidener Hochzeits-Sari, der hat ein besonders aufwändig gewebtes Paisley-Muster auf einem hellen Graublau mit Arabesken in einem Beigeton. Aber zum Anziehen wäre mir das Gewickel viel zu kompliziert. Und Heiraten will ich derzeit ja auch nicht. Oh oh, jetzt geht es aber nicht mehr mit dem Fuß. Möglicherweise ein Zeichen, mein kleines Tagwerk zu beginnen.

29. Juni 2013







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► Opus 72
Doch. Ich bin jetzt schon ein bißchen sentimental. Ein kleiner Abschiedsschmerz. Ein ganzes Jahr in Bildern. 16. Februar 2012 bis 16. Februar 2013. Selbstportraits in lückenloser Folge, Tag für Tag. Ja, das erforderte auch Disziplin. Aber wer hätte darin mehr Übung gehabt, als ich. Schon, als ich damit begann. Aber dieses tägliche auf-sich-draufhalten, einen state of mind zu erreichen, der sich gut genug, angemessen genug anfühlt, um gebannt zu werden – das ist so ähnlich, als ob man eine tägliche Übung für die Muskulatur macht. In diesem Fall die psychische Muskulatur. Ich bin mir jeden Tag mindestens einmal sehr nah gekommen, Auge in Auge. Vielleicht auch, wie man von einem Geliebten wahrgenommen werden will. Ist keiner da, muss man sich selbst lieben. Liebend betrachten. Erkennen. Das Liebenswerte realisieren. Hochgradig therapeutische Angelegenheit in meinem Fall. Aber vielleicht auch bei jedem anderen, der etwas Ähnliches treibt. Wie diese Sache mit dem Schauspielerberuf. Kaum einer würde von sich weisen, dass ein Schlüsselmoment war, gesehen zu werden, bewusst betrachtet zu werden. Datailliert. Interessiert. Das Einzigartige gewürdigt zu fühlen. Oder es wenigstens in eine Würdigungsmöglichkeit zu bringen. Manch einer fühlt sich ausreichend gewürdigt, wenn seine oder ihre Fähigkeiten gelobt werden. Mir hat das nie gereicht. Ich konnte selbst sehr gut einschätzen, worin ich gut oder talentiert oder nützlich bin. Auch meine Intelligenz, meine Phantasie. Das muss ich nicht wie ein Plakat vor mir hertragen. Ich war in Algebra immer hochgradig begriffsstutzig, aber in Geometrie und einfachen Rechenarten ziemlich effizient. Für mein Ego war das nebensächlich. Ich komme aus einem Hintergrund, wo kaum Wert auf äußerliche Dinge gelegt wurde, außer vielleicht gutbürgerliche Reinlichkeit und sonst eher Unauffälligkeit als Wert gepredigt wurde. Sicher keine eitlen modischen Extravaganzen. Die Welt der Mode und der Schönheit war in meiner Wahrnehmung nur in Medien präsent. In meiner Erinnerung sehnte ich mich als Kind nach der Nähe von Menschen, die höhere ästhetische Maßstäbe hatten. Ich war fasziniert von der platinblonden Mutter einer Schulfreundin und ihrem perlmuttfarbenen Lippenstift. Ihrem Minikleid, unverschämt kurz, aber absolut die Mode. Braungebrannte Beine schauten hervor. In der ZDF-Hitparade gab es Frauen wie Daliah Lavi und in Vorabendserien im Ersten und Zweiten Monika Lundi. Uschi Nerke sagte den Beatclub an und trug hohe, glänzende Lackstiefel. Und auch einen superkurzen Mini. Alle Frauen, die mir gefielen, hatten lange Haare. Und Lidstrich. Und wild gemusterte, kurze Kleider. Psychedelische Kreise waren darauf. Obwohl der Fernseher schwarzweiß war, konnte ich erkennen, dass die Kreise orange und pink sein mussten. Und dann, als ich elf war, als ich zum ersten Mal Veruschka sah, wie eine Schlange bewegte sie sich in Blow up, als meine Eltern endlich einmal abends ausgegangen waren, was sie leider so gut wie nie taten. Wie ich da alleine das Spätabendprogramm im ZDF sah und diesen Film, der in London spielte, in dieser geheimnisvollen attraktiven Fotografen- und Modewelt. Ich war hin und weg. Ja, ich war elf Jahre alt. Wenn ich in einem anderen Kontext aufgewachsen wäre, in dem ästhetische Maßstäbe von Rang oder gar ein lebendiges Interesse an Modeströmungen geherrscht hätte, hätte ich es wahrscheinlich nur als normal empfunden, weil es mir im Blut liegt. Ich kann nicht anders, ich muss eine Art verfeinerte Schönheit in Farbe und Form um mich haben, um mich wirklich wohl zu fühlen. Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mit diesen Bildern versucht habe, dahin zu kommen, meinen ureigenen Wert, den meiner bloßen Existenz und Verkörperung mit meinem Gesicht und meinen Haaren und Augen und meiner Nase und meinem Lachen zu würdigen. Auch in einer Lebensphase, die das nicht durch die Nähe und den Zuspruch eines direkten Gegenübers bietet. Das hatte ich ohnehin nie, aber in den letzten zwei, drei Jahren in so geringem Maß wie nie zuvor. Damit muss man zurechtkommen. Oder man springt aus dem Fenster. Und dafür bin ich nicht der Typ. Dafür bin ich mir einfach zu schade. Und jetzt, nach diesem Jahr, noch viel mehr als vorher. Doch, es ist gut, dass es mich gibt. Da bin ich mir jetzt ganz sicher. Auch wenn es mir niemals mehr sonst irgendjemand sagen sollte. Ich habe ja noch mich. Und das ist viel. Denn ich bin immer da. Und mir immer nah. So nah, man sich nur sein kann. Es war ein gutes Jahr. Gut, sich so zu sehen. Die Bilder sind gut gespeichert. Tief in mir drin. Ich werde es nicht mehr vergessen, wie und wer und wo ich bin. Hier. Ganz bei mir.

02. Juli 2013

Ich möchte gerne einen Eintrag bloggen, aber mir fällt nichts ein. Nichts, was nicht schon gesagt wäre, oder aber Sachen, die ich nicht bloggen kann, aus Gründen der Indiskretion. Die Sache mit der Indiskretion, sprich die Diskretion, hängt mir zuweilen zum Halse raus. Ich meine, fast zehn Jahre gepflegtes Bloggen mit hohem Diskretionsanspruch. Aber was soll man machen, ich kann nicht. Nicht etwa wegen eines Vertrages oder dergleichen. Ich meine auch nur sehr private Bereiche. Aus Gründen der „Moral“. Meiner Moral. Weil man sich vielleicht noch einmal trifft im Leben.

Ich bin ehrlich berührt, dass trotz meiner Unterschlagungen der Eindruck vermittelt wird, ich schreibe persönlich. Ja, das stimmt auch, manchmal, vielleicht, hoffentlich immer öfter, geht es mit mir durch und ich schaffe den Spagat, tatsächlich etwas sehr Persönliches, ja vielleicht sogar für Viele Unangenehmes, gar peinlich Konnotiertes zu outen, das nicht in den Bereich imponierender Eckdaten einer Biographie gehört, um nicht zu sagen, in einen schmerzhaften Bereich. Und doch: ich könnte noch ganz andere Sachen erzählen. Wann sind endlich die gefühlt notwendigen zwanzig bis dreißig Jahre Halbwertzeit vorbei? Auf Romane schreiben habe ich keine Lust. Da könnte man ja verschwurbelt verarbeiten. Aber machen wir uns nichts vor: dem Plot zuliebe nur unzulänglich verbrämte Protagonisten würden sich erkennen. Der Eine oder der Andere. Sei es über Zufall, Hinweise aus zweiter Hand. Würde das etwas bereinigen? Metaphern, quasi Familien/Beziehungsaufstellung über fiktive Texte? Ergebnis: nein. Nicht gut. Besser in eine transzendierte, transformierte Gegenwart finden, indem man in der kommenden Realität agiert und die Dinge (halbwegs, noch lieber ganz) ins Lot bringt. Irgendwann. Aber heute Abend nicht mehr. Irgendwann. Ein Bild zum diesem gefühls-chaotischen Eintrag? Ich suche noch. Mitternacht… kurz nach – – –

01. Juli 2013


Orientieren. Okzidentieren. Kein Bild von heute. Aber Luxus: ich finde nun für jegliche Befindlichkeit eine Aufnahme, die mir passend erscheint. Auch heute, am ersten Juli 2013. In Gedanken, überlegend, überraschungsbereit, aber unentschieden, nach links oder lieber rechts zu gehen. Ich bin gerade sehr daran gewöhnt, jeden Tag etwas Neues zum Bloggen zu haben. Ich kann doch nicht einfach aufhören, nur weil die letzten Bilder auf Flickr hochgeladen sind und mir noch nicht nach neuen Aufnahmen ist. Und es gibt ja noch genug Potenzial an Ungesehenem. Ich habe nur die wenigsten Bilder aus einem Set hier gepostet, die ich am Attraktivsten fand, die mir aus dem Bauch am Passendsten erschienen. Es gewittert gerade in Berlin. Noch nicht dunkel, die blaue Stunde sinkt über die Dächer. Im Hintergrund höre ich halb die Tonspur einer Auswanderer-Doku. Zum Teil interessant. Ich habe im Augenblick gar keine Träume in dieser Richtung. Nicht mehr. Ich will hier bleiben. Mein Anker liegt heimisch im märkischen Sand. Scheint nun doch ein Eintrag geworden zu sein.

30. Juni 2013

Last but not least, die jüngste – besser – jüngere Vergangenheit. Der 26. Mai 2013 bei Carpentier. Als Jan in trauter Runde erzählte, wie er vorgeht und was ihn bewegt, motiviert, das zu tun, was er tut. Der letzte, aktuellste Tag, von dem Bilder von mir existieren. Beinah noch Gegenwart. Noch gut erinnerbar. Nicht nur der vielen Bilder wegen. Ich fühlte mich wieder gesund, ohne Einschränkung. Wie froh man deshalb sein kann. Muss. Immerzu. Freut euch des Lebens, möchte man ausrufen. Jeden Tag aufs Neue. Wahnsinn, ich bin in der Gegenwart angelangt. Dreißigster Juni 2013 und nichts mehr in der Warteschleife. Von den alten, digitalisierten Filmen will ich nicht reden, das ist ja alles ein Kapitel für sich. Ein ganz eigenes, das nur in einer gewissen Dosis verarbeitet und verkraftet werden kann. Noch ein bißchen ruhen. Es ist so lange unangerührt gewesen. Da kommt es auf ein paar Wochen oder Monate früher oder später auch nicht mehr an. Und dann ja auch die Frage, muss man einweihen, wer da zu sehen sein wird. Tja. Irgendwie doch. Wenn die eine oder andere Sequenz nach meinem Gefühl interessant oder gut genug wäre und angemessen geschnitten. Eigentlich ja. Mal sehen. Es wird nicht langweilig. Mit gähnender Leere ist hier eigentlich nicht zu rechnen. Die Ideen wollen nicht ausgehen, die kleinen Biester. Keine Gefahr.

30. Juni 2013

Tag des Blendschutzes. 12. Mai 2013.

Die selbst gebastelte Vorrichtung kam seither allerdings kaum mehr zum Einsatz. Was nicht nur an zu geringfügiger Sonneneinstrahlung lag, sondern auch an meiner Vermeidungsstrategie in den letzten drei Wochen, aufgrund der Laser-Geschichte neulich. Es hätte da schon zwei, drei Sonnentage gegeben, ganz so ist es ja nun auch wieder nicht. Dafür habe ich ordentlich viele Bilder gebloggt. Es gibt Beweise.

30. Juni 2013


Zwei Tage später, am dritten Mai 2013, die Eröffnung, das Opening, wie es auch gerne heißt. Vernissage hört man recht selten im internen verbalen Sprachgebrauch, wenn vom Abend einer Ausstellungseröffnung die Rede ist. Das Wort benutzen eher ungeübte oder metierfremde Besucher. Vorrangig ist schlicht von einer Eröffnung die Rede, an zweiter Stelle von Opening. Im Einzelfall kommt Vernissage schon mal auf einer Einladungskarte gedruckt zum Einsatz, sonst aber gar nicht. So, nun wissen Sie gut Bescheid und können ganz insidermäßig das Wort vermeiden.

30. Juni 2013


Und dann endlich Mai. Am ersten Mai kam ich zum Aufbau von Jans Ausstellung, nicht zuletzt, um mein Portrait mit einer wüsten Signatur zu versehen. Ohne es vorher großartig zu planen, hielt ich die Kamera drauf, als Jan seinerseits ein Bild signierte, bzw. umfangreichen Text über einem Portrait von Veruschka von Lehndorff schrieb, direkt auf die Fotografie. Es wurde später das Bild, das im Entrée das Entrée zur Ausstellung darstellte. Und hier noch einmal die kleine Dokumentation, die sehr schön die besondere Art zeigt, wie Jan und ich kommunizieren. Aus unerfindlichen Gründen wird es punktuell im Ansatz frivol. Ich nehme an, die kultivierte Dreideutigkeit, hat einzig und allein den Zweck, die Lebensfreude via Kommunikation durch das gesprochene Wort zu steigern. Weiter nichts. Wir amüsieren uns dabei und vielleicht kommt es rüber. Ich denke schon. Ich höre ja dauernd mein albernes Gegacker auf der Tonspur. Total unprofessionell, haha. Scheiß drauf. Schieß drauf. Genau, schieß drauf hab ich zuerst getippt. Peng! Peng! Danach gingen wir essen, es ging mir unvergleichlich besser. Jan lud mich ein und ich wagte sogar ein Glas Wein. Nein, es waren sogar zwei Gläser von einem Blanc de Blancs, den ich ganz wunderbar vertrug. Ein asiatisches Fusion-Lokal in Charlottenburg, wo man die Rohstoffe selbst auswählte und dann frisch zubereiten lassen konnte. Das war gut.

30. Juni 2013

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Foto: Jan Sobottka
Am elften April besuchte ich Jan bei Carpentier, er hielt die Galerie für Besucher auf und arbeitete dabei an seinem Buch, über das wir uns intensiv per E-Mails ausgetauscht hatten. Er schickte mir immer Layout-Dateien mit Portraits, die er in Betracht zog, dann wieder verwarf. Ein Interview mit ihm, um meinen Senf dazuzugeben, ein bißchen zu korrigieren, aber vor allem, um Feedback zu bekommen. Das tat ich gerne. Anschließend hatte er noch Lust, mit nach Mitte zu fahren, es gab eine Eröffnung bei Harry Judy Lybkes Galerie EIGEN+ART. Dort war es brechend voll. Allerlei hippe Galeriebesucher drängelten sich um eine komplizierte Installation im Kellerraum, die irgendetwas mit Magnetismus und Elektrizität bewegte, sehr raumgreifend. Ich dachte, das gehört doch eher in ein technisches Museum oder in den naturwissenschaftlichen Unterricht, aber egal. Später erst realisierte ich, dass das elektronisch gefütterte Bild, vor dem mich Jan ablichtete, in ständiger Veränderung begriffen war und sich keine Form wiederholte und es wohl ein Teil der Konstruktion im Keller war. So ganz habe ich es nicht durchschaut, aber hinterher fand ich es dann spannender, als in dem Moment, wo ich dort war und das nicht wusste. Ein komisches Völkchen war dort. Man merkte, dass nicht der Künstler oder die Installation den Magnetismus für diese überfüllte Vernissage verursachte, sondern der Ruf, der der Galerie vorauseilt. Der Galerist Judy Lybke vertritt Neo Rauch, den derzeit vielleicht kommerziell erfolgreichsten Maler unserer Zeit. Brad Pitt kauft unter anderem Werke von Neo Rauch, da darf es schon etwas mehr kosten. Nur mal so, als Einlassung für die Leser, die sich nicht unbedingt damit befassen, welche Galeristen welchen Maler vertreten und wie sich der Hype dann anderweitig auswirkt. Die Galerie ist praktischerweise in der Auguststraße, so hatte ich es nicht weit nach Hause. Wir waren ungefähr sieben Minuten dort, bestimmt nicht viel länger. Und nichts getrunken. Damals hatte ich ja alkoholische Getränke zwecks Rekonvaleszenz vorübergehend komplett gestrichen, was mir auch gut getan hat. Also das zu dieser Farb- und Schwarzweiß-Version einer Aufnahme, die Jan dort gemacht hat. Ich hatte meine Kamera an diesem Tag zwar dabei, aber keine Lust, sie zu benutzen. Es gab tatsächlich kein einziges Bild, das ich unbedingt hätte festhalten wollen. Außer vielleicht zwei kleine Mädchen, die Straßenmusik machten, an der Ecke zur Tucholskystraße. Die Idylle war fast schon zu perfekt, das dekorative Notenblatt auf einem alten Stuhl, die putzigen Zöpfe, der Eifer, die Geschäftstüchtigkeit der kleinen Künstlerinnen. Die waren wunderbar. Obwohl sie saumäßig schlecht spielten. Sie übten im Grunde nur, absolute Anfängerinnen. Aber dieser Mumm, sich da hinzustellen, an die Kreuzung vor dem Keyser Soze und sich unfassbar schiefe Töne zu leisten, ohne die Übung abzubrechen. Kein Wunder, dass der Hut voll war. Einfach toll, dieser Mut. Jan amüsierte sich über meine Begeisterung und dass ich ihn mehrfach darauf hinwies, dass es sich um Kinder handelt und ich mich positiv, ja begeistert äußere, was er doch bitte zur Kenntnis nehmen möge. Ich schimpfe ja immer über die mitgeschleppten Kinder und Säuglinge in den Galerien, die mir dort so unnütz und wie entführt vorkommen. Aber da habe ich die Kamera eben auch nicht ausgepackt, ich dachte, ich zerstöre vielleicht den Zauber und wie man sieht, ich habe es auch ohne Fotos nicht vergessen.

30. Juni 2013


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►Opus 73
Die Chronologie bis zur Gegenwart. Am 23. März 2013 holte ich nach fünf Wochen zum ersten Mal wieder die Kamera aus dem Schrank. Nur für ein paar Minuten und nicht für Fotos. Für eine kurze Filmsequenz. Um nicht zu vergessen, wie sie funktioniert, und um ein Lebenszeichen aus der Gegenwart zu zeigen. Ich erinnere mich, dass ich an diesem Samstag auch deswegen motiviert war, das zu tun, weil ich die Tage davor immer wieder unangenehme Symptome hatte, diese Schwellungen und Rötungen im Gesicht, besonders um die Augen. Es wurde schlimmer, aber an diesem Tag war es dann ausnahmsweise erheblich besser und ich brachte mich dankbar, mit einer beträchtlichen Schicht Make up um die Augen, in die Verfassung, der Kamera ins Auge zu blicken. Die Woche darauf verschlechterte sich mein Zustand erheblich, dieser Samstag war der letzte Tag, an dem ich nicht wie ein kompletter Notfall aussah. Und am Dienstag nach Ostern ging ich endlich zum Arzt, dem Hausarzt und Immunologen, der mich unbekannterweise vor allen anderen Patienten, die einen Termin hatten, vorzog. Daran denke ich, wenn ich das kleine Opus anschaue. Der Tag vor dem Grauen, das durch den Arztbesuch und die daraus resultierende Diagnose und Erkenntnis glücklicherweise heilsam war. Die Bilder sind nur Standbilder von der Filmspur, keine Fotos. Ich rekonstruiere für mich die Aufeinanderfolge der wenigen Bilder, die in der Zeit seit Mitte Februar entstanden sind.

29. Juni 2013


Ich könnte mir minutenweise auch vorstellen, als Inspektorin beim Ordnungsamt zu arbeiten. Kontrollgänge durch Berlin Mitte zu machen, immer adrett mit Krawatte und Offiziersmütze. Eventuell auch noch mit weißen Handschuhen. Damit könnte ich dann über eingestaubte Kühlerhauben fahren und den Fahrzeughalter, wie seinerzeit in der Reklame für diese Möbelpolitur, darauf hinweisen, dass dringend wieder einmal Staub gewischt werden müsste. Möglicherweise würde mir das auch die Berechtigung geben, Fahrzeuge abschleppen zu lassen, die nach meiner ordnungsamtlichen Überprüfung und fachlichen Einschätzung nicht den ästhetischen Maßstäben entsprechen, die ich für Berlin Mitte und insbesondere den Bereich um das Gipsdreieck, wo ich wohne und ja immer hingucken muss, in einer noch zu verabschiedenden Verordnung festgelegt habe. Zum Beispiel rote oder metallicfarbene Autos, die ja zum Glück langsam aus der Mode kommen, oder einfach unelegante Modelle, die das Straßenbild in keinster Weise aufwerten. Wenn ich mir kein elegantes eigenes Fahrzeug leisten kann, dann fahre ich eben Taxi oder mit der BVG. Das Berliner U-Bahn- und S-Bahn-Netz ist immer noch hervorragend ausgebaut, auch Busse und Straßenbahnen stehen zur Verfügung. Notfalls kann man sich ja auch ein leichtes Fahrrad anschaffen, wenn das Geld noch nicht einmal für wenigstens einen schicken, kleinen Mini reicht. Am wenigstens ästhetisch belastend ist jedoch immer noch der Fußgänger, der Flaneur. Natürlich sollte auch dieser, und ich würde auch das in meiner ordnungsamtlichen Kontrollfunktion von Zeit zu Zeit überprüfen, ebenfalls einem gewissen Standard, wie er einer Metropole zukommt, in seinem Erscheinungsbild entsprechen. Man kann sich zum Beispiel, bevor man das Haus verlässt, die Frage stellen: würde Gaga Nielsen mich fotografieren wollen, wenn sie mir heute so begegnet? Das ist eine einfache Regel, die sich jeder leicht merken kann. Wenn die Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet werden kann, ist aus ordnungsamtlicher Sicht alles im grünen Bereich und der Einwohner darf unbesorgt die Wohnung verlassen, um das Straßenbild zu bereichern, ja ich möchte sagen: aufzuwerten. Man muss auch an unsere ausländischen Gäste denken. Jeder Bürger repräsentiert in dem Moment, wo er den Fuß auf die Straße setzt, seine schöne Stadt. Und wir wollen doch, dass unsere Freunde aus dem Ausland die frohe Botschaft mit nach Hause, nach Übersee und Afrika tragen: Berlin ist nicht nur eine schöne Stadt mit wenigen, eleganten Fahrzeugmodellen, die hin und wieder vereinzelt am Straßenrand parken, sondern auch mit ebenso sehenswerten Bewohnern. Der Gast muss das Gefühl haben, Berlin ist eine der tollsten Städte der Welt, samt Einwohnern. Und ich, Gaga Nielsen, werde in meiner Funktion als oberster Inspektorin des Ordnungsamtes unermüdlich dafür sorgen, dass dieser Spitzenstandard erreicht und gehalten wird. Mein Ehrenwort.

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Opus 71.

29. Juni 2013







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► Opus 72
Doch. Ich bin jetzt schon ein bißchen sentimental. Ein kleiner Abschiedsschmerz. Ein ganzes Jahr in Bildern. 16. Februar 2012 bis 16. Februar 2013. Selbstportraits in lückenloser Folge, Tag für Tag. Ja, das erforderte auch Disziplin. Aber wer hätte darin mehr Übung gehabt, als ich. Schon, als ich damit begann. Aber dieses tägliche auf-sich-draufhalten, einen state of mind zu erreichen, der sich gut genug, angemessen genug anfühlt, um gebannt zu werden – das ist so ähnlich, als ob man eine tägliche Übung für die Muskulatur macht. In diesem Fall die psychische Muskulatur. Ich bin mir jeden Tag mindestens einmal sehr nah gekommen, Auge in Auge. Vielleicht auch, wie man von einem Geliebten wahrgenommen werden will. Ist keiner da, muss man sich selbst lieben. Liebend betrachten. Erkennen. Das Liebenswerte realisieren. Hochgradig therapeutische Angelegenheit in meinem Fall. Aber vielleicht auch bei jedem anderen, der etwas Ähnliches treibt. Wie diese Sache mit dem Schauspielerberuf. Kaum einer würde von sich weisen, dass ein Schlüsselmoment war, gesehen zu werden, bewusst betrachtet zu werden. Datailliert. Interessiert. Das Einzigartige gewürdigt zu fühlen. Oder es wenigstens in eine Würdigungsmöglichkeit zu bringen. Manch einer fühlt sich ausreichend gewürdigt, wenn seine oder ihre Fähigkeiten gelobt werden. Mir hat das nie gereicht. Ich konnte selbst sehr gut einschätzen, worin ich gut oder talentiert oder nützlich bin. Auch meine Intelligenz, meine Phantasie. Das muss ich nicht wie ein Plakat vor mir hertragen. Ich war in Algebra immer hochgradig begriffsstutzig, aber in Geometrie und einfachen Rechenarten ziemlich effizient. Für mein Ego war das nebensächlich. Ich komme aus einem Hintergrund, wo kaum Wert auf äußerliche Dinge gelegt wurde, außer vielleicht gutbürgerliche Reinlichkeit und sonst eher Unauffälligkeit als Wert gepredigt wurde. Sicher keine eitlen modischen Extravaganzen. Die Welt der Mode und der Schönheit war in meiner Wahrnehmung nur in Medien präsent. In meiner Erinnerung sehnte ich mich als Kind nach der Nähe von Menschen, die höhere ästhetische Maßstäbe hatten. Ich war fasziniert von der platinblonden Mutter einer Schulfreundin und ihrem perlmuttfarbenen Lippenstift. Ihrem Minikleid, unverschämt kurz, aber absolut die Mode. Braungebrannte Beine schauten hervor. In der ZDF-Hitparade gab es Frauen wie Daliah Lavi und in Vorabendserien im Ersten und Zweiten Monika Lundi. Uschi Nerke sagte den Beatclub an und trug hohe, glänzende Lackstiefel. Und auch einen superkurzen Mini. Alle Frauen, die mir gefielen, hatten lange Haare. Und Lidstrich. Und wild gemusterte, kurze Kleider. Psychedelische Kreise waren darauf. Obwohl der Fernseher schwarzweiß war, konnte ich erkennen, dass die Kreise orange und pink sein mussten. Und dann, als ich elf war, als ich zum ersten Mal Veruschka sah, wie eine Schlange bewegte sie sich in Blow up, als meine Eltern endlich einmal abends ausgegangen waren, was sie leider so gut wie nie taten. Wie ich da alleine das Spätabendprogramm im ZDF sah und diesen Film, der in London spielte, in dieser geheimnisvollen attraktiven Fotografen- und Modewelt. Ich war hin und weg. Ja, ich war elf Jahre alt. Wenn ich in einem anderen Kontext aufgewachsen wäre, in dem ästhetische Maßstäbe von Rang oder gar ein lebendiges Interesse an Modeströmungen geherrscht hätte, hätte ich es wahrscheinlich nur als normal empfunden, weil es mir im Blut liegt. Ich kann nicht anders, ich muss eine Art verfeinerte Schönheit in Farbe und Form um mich haben, um mich wirklich wohl zu fühlen. Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mit diesen Bildern versucht habe, dahin zu kommen, meinen ureigenen Wert, den meiner bloßen Existenz und Verkörperung mit meinem Gesicht und meinen Haaren und Augen und meiner Nase und meinem Lachen zu würdigen. Auch in einer Lebensphase, die das nicht durch die Nähe und den Zuspruch eines direkten Gegenübers bietet. Das hatte ich ohnehin nie, aber in den letzten zwei, drei Jahren in so geringem Maß wie nie zuvor. Damit muss man zurechtkommen. Oder man springt aus dem Fenster. Und dafür bin ich nicht der Typ. Dafür bin ich mir einfach zu schade. Und jetzt, nach diesem Jahr, noch viel mehr als vorher. Doch, es ist gut, dass es mich gibt. Da bin ich mir jetzt ganz sicher. Auch wenn es mir niemals mehr sonst irgendjemand sagen sollte. Ich habe ja noch mich. Und das ist viel. Denn ich bin immer da. Und mir immer nah. So nah, man sich nur sein kann. Es war ein gutes Jahr. Gut, sich so zu sehen. Die Bilder sind gut gespeichert. Tief in mir drin. Ich werde es nicht mehr vergessen, wie und wer und wo ich bin. Hier. Ganz bei mir.

28. Juni 2013


O.k. – ein wenig Farbe. Aber ohne gleich zu übertreiben. Ich bin einfach der Typ für Beige. Ich meine – halt! – nicht der Typ für gutbürgerliches Beige. Ich meine: für wildes Wüstenbeige. Wüstensand, Fremdenlegionäre, Terroristen-Camp in Nordafrika! Also rein ästhetisch. Das ist dieses Rock’n’Roll-Ding. Man muss den ästhetischen Spirit begreifen. Verinnerlichen, gefressen haben.

Vielleicht ist es eine angeborene Neigung, aber vielleicht auch eine selbstgewählte, angestrebte Prägung. Wobei der Drang, sich einen Prägestempel in einer gewissen Richtung zu geben, ja gleichwohl entschiedenen Neigungswinkel voraussetzt. Jetzt, mit Ende Vierzig, in nicht ferner Zukunft Fünfzig, kann man sich schon langsam erlauben, Erkenntnisse zu bloggen, die einem halbwegs manifest erscheinen – zunehmend. Je älter man wird, umso mehr – oder je älter ICH werde, umso mehr kristallisieren sich dieselben vehementen Neigungen als richtungsweisend heraus, die zu Zeiten des Überganges vom Kind zur Jugendlichen ans Licht traten. Da hätte man noch stärker dabei bleiben sollen. Aber wer kann sich schon unbeirrt entwickeln. Im nachtschwarzen Dunkeln tappende Erziehungsberechtigte sind mit ihrer Brut überfordert, wenn sie so wenig Ähnlichkeit mit ihnen selbst aufweist. Alienne unter Aliens.


Von verschiedenen Planeten, ach was – Sonnensystemen. Wer wollte diese Verständigungsprobleme verurteilen. Das kann man gar nicht. Auch wenn es allen weh tut. Oh là là. Was hat sich Gott dabei gedacht, Kuckuckseier zu verteilen? Um die geistige Evolution voranzubringen? Um der Dynamik willen, nach Erst-Irritation, Reibung, Frustration, heftige Erkenntnisprozesse zu erzwingen? Anhand von Schmerz zu lernen? Konstruktive Fluchtpläne zu entwickeln? Was ja nicht immer oder selten vollständig funktioniert. Von Transformation, Umwandlung, Transzendenz, gar nicht zu reden. Aber vielleicht in der nachfolgenden Generation. Und dann hat er seine Evolution, der liebe, blöde Gott. Haha. Ach, Beige kann schon sehr schön sein. Mann muss die Welt an sich reißen. Ganz friedlich. Alle Farben und alles, was es gibt. So wie Jonathan, der Böse, seine Internetseite mit Fraktur bekritzelt, mit der absichtsvollen Naivität von jemandem, der wie neu in die Welt geboren ist und alles interessant und schön finden darf. Jede Form und jede Farbe. Mit dem Blick eines Aliens. Mit dem Blick von Alice im Wunderland.

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984

. . .FLY ME TO THE MOON AND. . .
LET ME PLAY AMONG THE STARS

. . . . LET ME SEE, WHAT SPRING
IS LIKE, ON JUPITER AND MARS…

29. Juni 2013


Ich könnte mir minutenweise auch vorstellen, als Inspektorin beim Ordnungsamt zu arbeiten. Kontrollgänge durch Berlin Mitte zu machen, immer adrett mit Krawatte und Offiziersmütze. Eventuell auch noch mit weißen Handschuhen. Damit könnte ich dann über eingestaubte Kühlerhauben fahren und den Fahrzeughalter, wie seinerzeit in der Reklame für diese Möbelpolitur, darauf hinweisen, dass dringend wieder einmal Staub gewischt werden müsste. Möglicherweise würde mir das auch die Berechtigung geben, Fahrzeuge abschleppen zu lassen, die nach meiner ordnungsamtlichen Überprüfung und fachlichen Einschätzung nicht den ästhetischen Maßstäben entsprechen, die ich für Berlin Mitte und insbesondere den Bereich um das Gipsdreieck, wo ich wohne und ja immer hingucken muss, in einer noch zu verabschiedenden Verordnung festgelegt habe. Zum Beispiel rote oder metallicfarbene Autos, die ja zum Glück langsam aus der Mode kommen, oder einfach unelegante Modelle, die das Straßenbild in keinster Weise aufwerten. Wenn ich mir kein elegantes eigenes Fahrzeug leisten kann, dann fahre ich eben Taxi oder mit der BVG. Das Berliner U-Bahn- und S-Bahn-Netz ist immer noch hervorragend ausgebaut, auch Busse und Straßenbahnen stehen zur Verfügung. Notfalls kann man sich ja auch ein leichtes Fahrrad anschaffen, wenn das Geld noch nicht einmal für wenigstens einen schicken, kleinen Mini reicht. Am wenigstens ästhetisch belastend ist jedoch immer noch der Fußgänger, der Flaneur. Natürlich sollte auch dieser, und ich würde auch das in meiner ordnungsamtlichen Kontrollfunktion von Zeit zu Zeit überprüfen, ebenfalls einem gewissen Standard, wie er einer Metropole zukommt, in seinem Erscheinungsbild entsprechen. Man kann sich zum Beispiel, bevor man das Haus verlässt, die Frage stellen: würde Gaga Nielsen mich fotografieren wollen, wenn sie mir heute so begegnet? Das ist eine einfache Regel, die sich jeder leicht merken kann. Wenn die Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet werden kann, ist aus ordnungsamtlicher Sicht alles im grünen Bereich und der Einwohner darf unbesorgt die Wohnung verlassen, um das Straßenbild zu bereichern, ja ich möchte sagen: aufzuwerten. Man muss auch an unsere ausländischen Gäste denken. Jeder Bürger repräsentiert in dem Moment, wo er den Fuß auf die Straße setzt, seine schöne Stadt. Und wir wollen doch, dass unsere Freunde aus dem Ausland die frohe Botschaft mit nach Hause, nach Übersee und Afrika tragen: Berlin ist nicht nur eine schöne Stadt mit wenigen, eleganten Fahrzeugmodellen, die hin und wieder vereinzelt am Straßenrand parken, sondern auch mit ebenso sehenswerten Bewohnern. Der Gast muss das Gefühl haben, Berlin ist eine der tollsten Städte der Welt, samt Einwohnern. Und ich, Gaga Nielsen, werde in meiner Funktion als oberster Inspektorin des Ordnungsamtes unermüdlich dafür sorgen, dass dieser Spitzenstandard erreicht und gehalten wird. Mein Ehrenwort.

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984
Opus 71.

28. Juni 2013


O.k. – ein wenig Farbe. Aber ohne gleich zu übertreiben. Ich bin einfach der Typ für Beige. Ich meine – halt! – nicht der Typ für gutbürgerliches Beige. Ich meine: für wildes Wüstenbeige. Wüstensand, Fremdenlegionäre, Terroristen-Camp in Nordafrika! Also rein ästhetisch. Das ist dieses Rock’n’Roll-Ding. Man muss den ästhetischen Spirit begreifen. Verinnerlichen, gefressen haben.

Vielleicht ist es eine angeborene Neigung, aber vielleicht auch eine selbstgewählte, angestrebte Prägung. Wobei der Drang, sich einen Prägestempel in einer gewissen Richtung zu geben, ja gleichwohl entschiedenen Neigungswinkel voraussetzt. Jetzt, mit Ende Vierzig, in nicht ferner Zukunft Fünfzig, kann man sich schon langsam erlauben, Erkenntnisse zu bloggen, die einem halbwegs manifest erscheinen – zunehmend. Je älter man wird, umso mehr – oder je älter ICH werde, umso mehr kristallisieren sich dieselben vehementen Neigungen als richtungsweisend heraus, die zu Zeiten des Überganges vom Kind zur Jugendlichen ans Licht traten. Da hätte man noch stärker dabei bleiben sollen. Aber wer kann sich schon unbeirrt entwickeln. Im nachtschwarzen Dunkeln tappende Erziehungsberechtigte sind mit ihrer Brut überfordert, wenn sie so wenig Ähnlichkeit mit ihnen selbst aufweist. Alienne unter Aliens.


Von verschiedenen Planeten, ach was – Sonnensystemen. Wer wollte diese Verständigungsprobleme verurteilen. Das kann man gar nicht. Auch wenn es allen weh tut. Oh là là. Was hat sich Gott dabei gedacht, Kuckuckseier zu verteilen? Um die geistige Evolution voranzubringen? Um der Dynamik willen, nach Erst-Irritation, Reibung, Frustration, heftige Erkenntnisprozesse zu erzwingen? Anhand von Schmerz zu lernen? Konstruktive Fluchtpläne zu entwickeln? Was ja nicht immer oder selten vollständig funktioniert. Von Transformation, Umwandlung, Transzendenz, gar nicht zu reden. Aber vielleicht in der nachfolgenden Generation. Und dann hat er seine Evolution, der liebe, blöde Gott. Haha. Ach, Beige kann schon sehr schön sein. Mann muss die Welt an sich reißen. Ganz friedlich. Alle Farben und alles, was es gibt. So wie Jonathan, der Böse, seine Internetseite mit Fraktur bekritzelt, mit der absichtsvollen Naivität von jemandem, der wie neu in die Welt geboren ist und alles interessant und schön finden darf. Jede Form und jede Farbe. Mit dem Blick eines Aliens. Mit dem Blick von Alice im Wunderland.

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. . .FLY ME TO THE MOON AND. . .
LET ME PLAY AMONG THE STARS

. . . . LET ME SEE, WHAT SPRING
IS LIKE, ON JUPITER AND MARS…

27. Juni 2013





ROT ROT TOT war der Titel einer Tatort-Folge aus den Siebzigern. Curd Jürgens spielte den Mann einer rothaarigen Frau, die nicht überlebte. Man residierte in einer Villa irgendwo in Stuttgart, auf so einem Berg, wo vorwiegend Daimler gefahren wurde. So ein Derrick-Ambiente, nur ausnahmsweise nicht in München-Grünwald sondern in der baden-württembergischen Metropole. Ich habe die Folge auf einer alten VHS-Cassette. Jetzt könnte ich ja wieder mal gucken, der alte Rekorder funktioniert immer noch, auch an dem neuen, schicken Fernseher. Schon ausprobiert. Auch passable Bildqualität. Dann habe ich noch „Peggy hat Angst“ mit der Elsner und natürlich Reifezeugnis mit Nasti Kinski und Judy Winter und Amadeus Mozart wollte ich schon schreiben. August. Amadeus August heißt der Schauspieler glaub ich, der den erotisierten Deutschlehrer gespielt hat. Die drei Tatorte hab ich auf VHS-Cassetten. An andere Tatorte kann ich mich nicht erinnern, alles vergessen. Deswegen schaue ich auch keine Tatorte mehr, schon seit Jahren nicht, weil ich der Überzeugung bin, dass mit diesen drei Folgen der Höhepunkt erreicht wurde und es nur noch schlechter werden kann. Also ich persönlich habe am Sonntag um 20:15 Uhr immer Zeit. Wenn man mich anrufen dürfte – was ich im Prinzip grundsätzlich untersage – dann käme diese Zeit durchaus in Frage. Aber eigentlich wollte ich nur diskret darauf hinweisen, dass die Farbe Rot auch mitunter in meinem Kleiderschrank eine Rolle spielt. Wie zum Beispiel am 13. Februar deutlich zu erkennen. Gesetzt den Fall, man macht sich die Mühe, die kleine Bilderschau tapfer bis zur zweiten Hälfte zu verfolgen. Aber man könnte das auch auf die Schnelle mal eben hier im Überblick inspizieren. Gerade bei diesem Set verstehe ich selber nicht, warum ich die Bilder hier nicht in Farbe eingeklebt habe. Das sind doch mal veritable Farbbilder, wo die Farbe echte Existenzberechtigung hat. Aber nein, wieder nur schwarzweiß. Ich denke, es liegt einfach an meiner Stimmung heute Abend, oder heute Nacht wäre richtiger. Die ist nicht so hellrot. Auch nicht dunkelrot. Nein, nein, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin guter Dinge, aber nicht so hellrot gestimmt. Aber ich mag die Bilder gerne. Und überhaupt rote Sachen. Auf die man ja auch immer Lust haben muss. Aber nun wiederhole ich mich. Schluss mit den Binsenweisheiten. Von Silly, mit der von mir verehrten Anna Loos gibt es ja das schöne Lied „Alles Rot„. In mir drin ist alles rot, das Gegenteil von tot, mein Herz, es schlägt sich noch ganz gut. In mir drin ist alles rot und du bist ein Idiot, mein Freund, du verschmähst mein süßes Blut. Schöner Song. Noch einen Schluck Wein. ROT.

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27. Juni 2013





ROT ROT TOT war der Titel einer Tatort-Folge aus den Siebzigern. Curd Jürgens spielte den Mann einer rothaarigen Frau, die nicht überlebte. Man residierte in einer Villa irgendwo in Stuttgart, auf so einem Berg, wo vorwiegend Daimler gefahren wurde. So ein Derrick-Ambiente, nur ausnahmsweise nicht in München-Grünwald sondern in der baden-württembergischen Metropole. Ich habe die Folge auf einer alten VHS-Cassette. Jetzt könnte ich ja wieder mal gucken, der alte Rekorder funktioniert immer noch, auch an dem neuen, schicken Fernseher. Schon ausprobiert. Auch passable Bildqualität. Dann habe ich noch „Peggy hat Angst“ mit der Elsner und natürlich Reifezeugnis mit Nasti Kinski und Judy Winter und Amadeus Mozart wollte ich schon schreiben. August. Amadeus August heißt der Schauspieler glaub ich, der den erotisierten Deutschlehrer gespielt hat. Die drei Tatorte hab ich auf VHS-Cassetten. An andere Tatorte kann ich mich nicht erinnern, alles vergessen. Deswegen schaue ich auch keine Tatorte mehr, schon seit Jahren nicht, weil ich der Überzeugung bin, dass mit diesen drei Folgen der Höhepunkt erreicht wurde und es nur noch schlechter werden kann. Also ich persönlich habe am Sonntag um 20:15 Uhr immer Zeit. Wenn man mich anrufen dürfte – was ich im Prinzip grundsätzlich untersage – dann käme diese Zeit durchaus in Frage. Aber eigentlich wollte ich nur diskret darauf hinweisen, dass die Farbe Rot auch mitunter in meinem Kleiderschrank eine Rolle spielt. Wie zum Beispiel am 13. Februar deutlich zu erkennen. Gesetzt den Fall, man macht sich die Mühe, die kleine Bilderschau tapfer bis zur zweiten Hälfte zu verfolgen. Aber man könnte das auch auf die Schnelle mal eben hier im Überblick inspizieren. Gerade bei diesem Set verstehe ich selber nicht, warum ich die Bilder hier nicht in Farbe eingeklebt habe. Das sind doch mal veritable Farbbilder, wo die Farbe echte Existenzberechtigung hat. Aber nein, wieder nur schwarzweiß. Ich denke, es liegt einfach an meiner Stimmung heute Abend, oder heute Nacht wäre richtiger. Die ist nicht so hellrot. Auch nicht dunkelrot. Nein, nein, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin guter Dinge, aber nicht so hellrot gestimmt. Aber ich mag die Bilder gerne. Und überhaupt rote Sachen. Auf die man ja auch immer Lust haben muss. Aber nun wiederhole ich mich. Schluss mit den Binsenweisheiten. Von Silly, mit der von mir verehrten Anna Loos gibt es ja das schöne Lied „Alles Rot„. In mir drin ist alles rot, das Gegenteil von tot, mein Herz, es schlägt sich noch ganz gut. In mir drin ist alles rot und du bist ein Idiot, mein Freund, du verschmähst mein süßes Blut. Schöner Song. Noch einen Schluck Wein. ROT.

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26. Juni 2013

Tjaja. Die Frauen von bei Rakete. Wenn meine Beweggründe jemanden im Bild festzuhalten, dokumentarischer wären, pragmatischer, gesellschaftlich gewichteter, politisch korrekter und weniger impulsiv inspiriert, hätte ich Sherry Hormann, die die Eröffnungsrede hielt, oder die durchaus sehr sympathischen Galeristinnen ablichten müssen. Oder auch andere der vielen Gäste. Wahrscheinlich Namen darunter. Ach, egal. Ich werde noch selektiver als ohnehin schon. Reduziert auf das für mich Interessante. Was macht man später mit einem Bild von einem Mann oder einer Frau, das einem selbst nichts gibt, außer einen prominenten, gesellschaftlich relevanten Namen? Mir egal. Mich haben diese wenigen Frauen, die man hier sieht, vor allem die beiden hier im Eintrag noch am ehesten gefesselt. Die eine davon, mit den helleren Haaren, ist eine der portraitierten drei Schauspielerinnen, aber das habe ich erst später realisiert, so ähnlich war sie den Fotografien auf den ersten Blick nicht. Ich meine Stefanie Schuster, der Engel in dieser Ausstellung von Jim Rakete. Ihr Lachen erinnerte mich an Veruschka, deswegen fand ich sie interessant, wegen ihrer ähnlich unabhängigen Ausstrahlung. Und hier verstecken sich ein paar als Kommentar getarnte Bemerkungen zu dem Abend, und eine Erklärung, warum es kein Bild mit Rakete gibt. Ich wollte ihn, nachdem ich ihn sah, an jenem Abend nicht verewigen. Sonst schon. Er ist eigentlich sehr angenehm. Es gab und gibt bessere Gelegenheiten. Insgeheim hatte ich ja sehr gehofft, Michael Ballhaus wäre auch dort, aber der hatte sicher Erholungsbedarf vor lauter Berlinale-Trubel, die war da ja gerade, und er wollte wohl auch Rakete und seiner Frau nicht die Show stehlen. Denn obzwar Routinier hinter den Kulissen, ist er doch selbst ein Hingucker. Ihn hätte ich ganz sicher festgehalten. Am Ärmel und im Bild. Ach, ich mag ihn. Ich war mit Jan dort, und danach waren wir noch ein paar Ecken weiter, was trinken und erzählen. Ich mit meinen neuen Stiefeln und dem neuen, roten, kleinen Trench tapfer viele hundert Meter durch die ziemliche Kälte gestiefelt. Wenn man mit Jan unterwegs ist, sollte man immer gutes, bequemes Schuhwerk anhaben, sonst sind die Füße am Tag darauf sehr erholungsbedürftig, wenn nicht lädiert. Taxi ist nicht. Mir macht das nichts, ich weiß es ja und laufe gerne. Nur nicht durch Kälte. Aber von Galerie A zu Galerie B zu Galerie C zu Lokal X zu Kneipe Y, zu Bar Z. Das ist ganz in meinem Sinne. Völlig unbeeinträchtigt von spaßbremsenden Abstimmungsdiskussionen, wild kariert herumstreunen. Mit einem traditionsliebenden, einigen wenigen Lokalitäten verbundenen Kneipenhocker ginge das natürlich nicht. Der sieht dann ja auch Jahr ein, Jahr aus, immer nur dieselben dreieinhalb Barfrauen vor sich. Haha, das ist nämlich einer der Gründe, warum Jan Gott und die Welt und jede schöne und interessante Frau und sonstige Kreatur in Berlin zu kennen scheint. Es war einfach unvermeidlich, Jan irgendwann zu treffen und ich bin dankbar dafür, ihn zu kennen.





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25. Juni 2013


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Ok – ich sehe gerade, mein Opus 70, das ich an dem Tag fabriziert habe – in dem Outfit, was aber recht nebensächlich war, entspricht ja überhaupt nicht dem coolen Spirit der Fotos. Man sollte das gar nicht im Zusammenhang sehen. Vielleicht wollte ich sogar eine echte, halbseriöse chinesische Neujahrsansprache machen, aber es ist komplett aus dem Ruder gelaufen, nachdem ich das dumme kleine „Chinesische Sternzeichen“-Kapitel aus meiner damaligen Lieblings-Teenie-Zeitschrift „Melanie„ gefunden habe. Eine Reliquie, eine Antiquität! Aber ich will nicht weiter darauf hinweisen, ich finde mich da schon auch teilweise irgendwie uncool kindisch. Aber man soll ja immer auch zu seinen Jugendsünden stehen. Nur, dass das Filmchen halt nicht von 1974 ist, wie der Artikel, sondern von 1912 wollte ich schon schreiben – welches Jahr war neulich? 2012! Genau. 2012. Übrigens ist der komische ethnomäßig angehauchte Hintergrund mit dem gebatikten Tuch kein Dauerzustand. Es ist eine Art Wickelrock, den ich aber nie als solchen getragen habe, ein Souvenir, das ich mal als Geschenk gekriegt habe, aus Takatukaland oder so ähnlich, also aus irgendwo in Asien, Thailand oder was weiß ich. Und ich habe das Tuch einfach nur vorübergehend, damit es irgendwie zum Shirt passt, an die Rückwand, auf die die Kamera gezeigt hat, getackert. Jetzt habe ich eigentlich doch viel zu viel darüber geschrieben. Ich kann dann ja auch immer keine Einträge löschen, wenn sie schon mal geschrieben sind, ich bin da ja ein bißchen sentimental. Ich meine: es ist immerhin ein Eintrag von mir! Den ich zu später Stunde getippt habe, um meine Leser bei der Stange zu halten. Obwohl ich eigentlich schlafen müsste. Ok. Fertig. Noch den Rotwein austrinken und ab in die Falle! Ach so: wo das Tribal-Shirt her ist – nur sehr vage, dunkle Vermutungen. Wenn ich so nachdenke, fällt mir am ehesten dieser Headshop-artige Hippie- und Techno-Souvenirladen am Breitscheidplatz, an der Gedächtniskirche, ein. Hieß der nicht Mary Jane? Oder Mary Warner? Egal. Ja, da her. Neunziger! Ära des Arschgeweihs, das Shirt wurde wahrscheinlich mit einer dieser Tattoo-Schablonen gedruckt. Oder vom Erfinder des ersten Arschgeweih-Tribals mitentworfen. Als Set! Ich hab keins und auch kein anderes. Aber Tattoos können toll sein. Besonders so eine furiose Adlerschwinge auf einem gepflegten Rückenflügel oder wie die Körperstelle heißt. Ich will da aber nicht drüber diskutieren. Das ist wie mit langen Haaren. Nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein.

25. Juni 2013

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Wie kann man dem anspruchsvollen Leser Abwechslung bieten. Ein unerschöpfliches Thema. Damit kann man sein Leben zubringen. Oder in meinem Fall, die wahrscheinlich komplette zweite Lebenshälfte. Ich glaube mich dunkel zu erinnern, das Leibchen mit dem genieteten Lederträger wäre aus demselben Laden wie mein Kaiserin Elisabeth von Österreich und Ungarn-Kleid von Heiligabend. Aber ich kann mich täuschen. Der Dornenkranz am Arm (aus anschmiegsamen Latex) ist jedenfalls von der wirklich sehr freundlichen Friendly Society und der Gürtel

von „Brenninkmeyer“, wie die Generation unserer Eltern zu sagen pflegte. Das mit dem Charme & Anmut habe ich erst später, in den achtziger Jahren in Berlin erstmalig aufgeschnappt. Vorher kannte ich nur C&A ohne Gejuxe, oder eben Brenninkmeyer. Gerade war Philippe Brenninkmeyer in der Sendung bei der von mir sehr geschätzten Bettina Rust und hat recht symphatisch erzählt, wie er bei einem Praktikum in jungen Jahren im Familienbetrieb zuletzt in der Kinderabteilung gelandet ist und ganz stark gelitten hat. Danach hat er ein Schauspielstudium beginnen müssen und gab ein Weilchen den Punk. Dass das nicht ganz authentisch sein konnte bei seiner Herkunft, war ihm schon klar, aber er hat seine Kumpels trotzdem munter angepumpt, weil er wiederum ganz authentisch, die perfekte Rollenidentifikation eben, nie Geld bei sich hatte. Und Gitarre spielt er auch. Leider nicht in der Sendung. Ich suche trotzdem mal den Link zu der Folge, Augenblick… hier.

25. Juni 2013


East meets West. Cheongsam & Mary Janes. Und explantierte antiquarische Pailletten-Stickerei von einem kleinen Schwarzen, einem Cocktailkleid aus den Sixties, das mir viel zu klein war, aber die Applikation am Kragen so schön, dass ich es dennoch kaufte und das Kunstwerk vorsichtig abtrennte, ausschnitt und auf das dunkelblaue Chinakleid nähte. Ende der Neunziger habe ich es oft getragen und auch die Schuhe. Immer diese Schuhe dazu, das weiß ich noch genau. Gar nicht unbequem. Weder das Kleid noch die Mary Janes. Die Zehen haben mehr Spielraum bei diesen Puppenschuhen als bei anderem zierlichen Damenschuhwerk. Und eine kleine Plateausohle ist unten dran. Das Kleid will ich nie weggeben. Weil es mich auch an eine Zeit erinnert, in der ich sehr verliebt war und mich schön darin fühlte. Wenn die Liebe auch nicht wie in den alten Filmen endete. Sie endete noch vor dem Abspann, der schönen großen Tafel mit den geschwungen weißen Buchstaben auf schwarzem Grund. Genau vor dem Happy End. Nicht danach. Davor. Das ist mir oft passiert. Unfassbar oft. Zu oft.
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