
ERDE. Tinte, Acryl, Aquarellpapier, Spachtel, 30 x 100 cm, 14./15./17./18./24./25./28. November 2021, Staatl. Museen von Gaganien







ERDE. Tinte, Acryl, Aquarellpapier, Spachtel, 30 x 100 cm, 14./15./17./18./24./25./28. November 2021, Staatl. Museen von Gaganien








SECESSION III. Treasures from Gagania – Schätze aus Gaganien! Art Déco. Lidschattendöschen, runde Büroklammern, Visitenkarte, Kleber, Edelstahlrahmen, Acryl, Blattgold, 17 x 22 cm, 28. Juli, 02. August 2018, 04.. Januar 2020, Staatliche Museen von Gaganien


Reiseunterlagen für die große Reise heute zum Tempodrom komplett: Perso, digitale Impfbescheinigung, frische Antigentestbescheinigung, Registrierung Eventim-Checkin, bei trinity per Mail Registrierung hingeschickt, dann vor Ort wohl noch mal Luca und natürlich das ausgedruckte Ticket, das uns Jenny besorgt hat. Tatsächlich findet das SILLY-Konzert nach drei Änderungen der Zugangsbedingungen in Berlin statt. In anderen Städten wurde abgesagt. Zuerst war es 3G, dann Änderung zu 2G, dann Änderung zu 2G+Test.
Ist nicht dieselbe unbefangene Vorfreude wie sonst bei Konzerten, klar. Aber wir haben keine Pläne mit anderen zu kuscheln. Ich zumindest nicht. Gibt feste Sitzplätze, man muss schon um 18 Uhr beim checkin sein. Ich könnte mittlerweile ein praktisches Handbuch schreiben: „Überleben ohne Smartphone“. Es ist z. B. nicht selbstverständlich, dass man nach einem Test in einem Testzentrum eine ausgedruckte Bescheinigung aus Papier bekommt, nur auf besonderen Wunsch, aber es ist möglich. Nun versuche ich mich weiter in vorfreudige Stimmung zu bringen, auch wenns regnet.
Es ist das Abschlusskonzert einer verzögerten Tour mit vielen Ausfällen und Verschiebungen, das finale Heimspiel in Berlin. An den Silly-Mikros singen die Damen AnnaR, früher Frontfrau von Rosenstolz und Julia Neigel, die meiner Generation noch ein Begriff sein sollte! Also ich freu mich jetzt einfach mal. Aufgrund der verschärften Auflagen wird es übrigens noch einige Tickets geben. Für Kurzentschlossene.
Als alter Wessi bzw. nur „gelernter“ Ossi ist es nicht selbstverständlich, einen Bezug zu Silly zu haben. Ich entdeckte einige Songs in den Neunzigern über das Album „Ostende“ von IC Falkenberg und Herrn Zöllner. Da ist z. B. „Asyl im Paradies“ gecovert, sehr schöner Song. Dann starb Tamara Danz und das ging durch die Presse. Sie war eine auffällige Figur, ich war aber kein Fan von ihr und ihrem Gesang. Als Anna Loos zu Silly kam und das Album ALLES ROT ein Erfolg wurde, hörte ich es mir komplett an und war völlig begeistert. Da kenne ich jeden Song aus dem Effeff. Ich mochte Anna sehr. Gefiel mir besser als Tamara Danz, was die alten Silly-Fans natürlich als Sakrileg betrachten werden. Aber Anna kam gut an. Nachdem sie die Band vor ca. zwei Jahren verließ, war das Mikro verwaist und die Silly-Musiker kamen auf die Idee, die Doppelbesetzung mit AnnaR und Julia Neigel auf Tour auszuprobieren, was gut zu funktionieren scheint. Bin also gespannt!
Mein Lieblingssong von ALLES ROT ist „Erinnert“.
Salka Viertel erinnert den Tod ihres Freundes Fritz Murnau „Murr“:
»Berthold und ich saßen abends am Kamin und tranken unseren Kaffee, als ein Reporter der Santa Barbara Morning Post anrief und uns mitteilte, dass Murnau einen Autounfall gehabt hatte und in Santa Barbara im Krankenhaus lag. Sein Butler habe dringend darum gebeten, uns zu verständigen. Wir fuhren sofort nach Santa Barbara; der Nebel auf der Straße war so dicht, dass wir nur sehr langsam vorankamen. Auf dem Gaviotta-Pass sahen wir zwei total zerstörte Autos.
Es muss gegen ein Uhr nachts gewesen sein, als wir das Krankenhaus erreichten. Am Eingang wartete völlig verstört ein dunkler, schlanker junger Mann. Es war Stevenson. Stockend berichtete er. Sie hatten bei einer Tankstelle gehalten, und Murnau hatte ihn aufgefordert zu fahren. Der gemietete Chauffeur hatte eingewendet, dass er niemanden ans Steuer lassen dürfe. Aber Murnau reagierte so heftig, dass der Chauffeur schließlich Stevenson das Steuer überließ. Sie waren kaum zwanzig Meilen weit gefahren, als in einer Kurve ein Lastauto auf sie zukam und Stevenson den Wagen nach rechts riss. Er stürzte zehn Meter tief die Boschung hinunter. Weder ihm noch dem Chauffeur war etwas passiert, doch Murnau hatte eine schwere Kopfverletzung erlitten. Der Hund war weggelaufen.
Während Berthold sich verzweifelt bemühte, einen Gehirnspezialisten in Los Angeles zu erreichen, ging ich zu Murnau. Sein Zimmer war hell erleuchtet, das Bett in der Mitte blendend weiß. Er lag auf dem Rücken, sein Kopf war verbunden. Die Augen waren geschlossen, und aus dem einen Nasenloch sickerte eine dünne Blutspur zum Kinn hinab. Am Fußende des Bettes stand Mrs. Kearin, seine Sekretärin. Sie weinte. Ich beugte mich über ihn und flüsterte: »Murr- hörst du mich, Murr?« Mrs. Kearin schluchzte auf. »Er ist tot. Sehen Sie denn nicht, er ist soeben gestorben.« Ich konnte es nicht glauben. Seine Hände waren warm. Starb man so leicht? Sein Gesicht hatte den abweisenden Ausdruck, den es immer annahm, wenn er Fremden begegnete oder traurig war.
In Hollywood hat der Tod keine Erhabenheit und Würde. Dem Schock und dem Kummer folgten groteske Debatten mit dem Bestatter, der nicht begreifen konnte, warum ich es nicht zulassen wollte, Murnaus reservierten, hochmütigen Gesichtsausdruck mithilfe eines angemessenen Make-ups zu »mildern«. Der einbalsamierte Leichnam lag, in einen grauen Anzug gekleidet, eingesargt in einem sogenannten Salon des Bestattungsinstituts, umgeben von Gartenstühlen mit bunt gemusterten Chintzkissen für die Besucher, und von Kränzen und Kreuzen aus Gardenien. Nach einer trostlosen Zeremonie (in letzter Minute hatte der Bestatter doch noch seinen Willen durchgesetzt und Murnau geschminkt) wurde der Sarg nach New York und an Bord der Europa gebracht. Es war das Schiff, mit dem Murnau hatte heimfahren wollen – am 31. März.«
Salka Viertel, „Das unbelehrbare Herz“, S. 204, 205 (von der Autorin überarbeitete Übersetzung aus dem amerikanischen Original „The Kindness of Strangers“, 1969)



Heute im gmx-Eingang:
Absender: tinder
Betreff: Dein Profil ist ausgeblendet
„Playing hard to get, ist ja ganz interessant – bis dein Profil gar nicht mehr angezeigt wird. 😱 Geh jetzt auf Tinder, damit das nicht passiert!“
Ah ja. Jetzt wird mir gedroht, weil ich nicht aktiv bin und länger niemanden geliked habe. Interessant! Im Betreff liest es sich, als ob ich schon ausgeblendet werde, in der Mail mehr so, als hätte ich noch eine Möglichkeit, das Ausgeblendet-werden zu stoppen. Habe mich kooperativ gezeigt, bin kurz auf tinder und habe dann den Zweiten, der mir vorgelegt wurde, geliked. Ein Max, 29, der wirklich ganz sympathisch rüberkommt. War gleich ein Match. Ich habe aber nichts geschrieben, gleich wieder zugeklappt. Bin gespannt, wie es weitergeht. Also nicht mit Max, sondern mit den Ermahnungsmails von tinder. Ich komme mir ein bißchen wie ein Schulkind vor, das seine Hausaufgaben nicht ordentlich macht und von der Frau Lehrerin immer wieder ermahnt werden muss. Das gefällt mir auf eine Art, weil ich mich dann sehr, sehr jung fühle! 🖤

Oh… hätte ich nicht gedacht. Laut einer Studie ist es egal, ob man fünf Zigaretten oder eine Schachtel pro Tag raucht, der Schaden ist identisch. Betrifft mich zwar nicht persönlich, aber ich kenne doch einige verbliebene Raucher/innen. Möglicherweise ist es dann weniger schädlich wenn man UNTER fünf Zigaretten pro Tag raucht? Inhalieren spielt sicher auch eine Rolle, also die Intensität des Inhalierens. Ich gehe davon aus, dass leidenschaftliche Raucher immer inhalieren. Fragt sich nur wie tief. Wenn ich alle paar Wochen mal gelegenheitshalber rauche, ist es mir ein Bedürfnis zu inhalieren. Ich habe das Glück, nie abhängig davon gewesen zu sein. Für mich ist Rauchen vergleichbar mit dem Genuss einer besonderen Spirituose.


I’LL BE YOUR MIRROR. Puder- und Lidschattendöschenspiegel, Zehensandalenkettenglieder, Ordnerrückenetikettenlochaufkleber, Pappe, 15 x 20 cm, 25. Mai 2018, Staatliche Museen v. Gaganien

SERENDIPITY. Ladekabelschachtel, Pralinenpackungsschnipsel, Pappe, 17 x 22 cm, 28. April 2018, Staatliche Museen v. Gaganien






„Ich habe belgische Pralinen mitgebracht, weil ich finde, das lockert ein bißchen am Anfang das alles auf.“
Günter, 52, First Dates, VOX


ELVIS forever. Pappkrone Bedingungsloses Grundeinkommen 2009, Dreikant-Versand-Pappschachtel 44 x 11 x 11 x 11 cm, Lack-dc-fix in weiß, 23. August 2018, Staatliche Museen von Gaganien


Das ist ein Portrait von Elvis Presley, man könnte auch von einer Skulptur sprechen. Ich habe viel Hingabe aufgewendet, das Wesentliche einzufangen. Man erinnert sich auf Anhieb an seine schönsten weißen Bühnenoveralls mit Goldapplikationen. Das Werk spricht meines Erachtens für sich, was soll ich da groß erklären. Es befindet sich in meinem Privatbesitz. Nach meinem Ableben erhält es nach Rücksprache mit Priscilla und Lisa-Marie einen besonderen Platz in Graceland. Dieses ist mein Vermächtnis!



„…OVER THE MOON…“ . Acryl, Gesso, Leinwand, 20 x 40 cm, Schattenfuge,13. November 2021, Staatliche Museen v. Gaganien



Noch ein Anlegebild. Zwischen Jupitier und Fabergé. Zwanzig Zentimeter Lückenfüller. Aber viel wichtiger: „Vokabeln lernen mit Gaga Nielsen!“ Die überaus liebreizende Formulierung „over the moon“ kommt nicht aus der Raumfahrt und ist kein Fachausdruck der NASA, sondern ist ungefähr dieselbe geographische Ortsangabe wie „Cloud Nine“, was dasselbe ist wie im siebten Himmel sein. Überglücklich, aus dem Häuschen! Ich finde, es tut einfach gut, sich mit solchen Begriffen zu beschäftigen, das färbt dann immer ein bißchen ab. Bedauerlich hingegen finde ich, dass ich diese schöne Formulierung von keinem Englischlehrer gehört habe. Und ich hatte zuletzt immerhin sogar einen Briten und einen Amerikaner als Lehrkräfte. Das wäre doch hilfreich gewesen! Zielführend! Aber nein. Wo habe ich es her? Entweder von einer englischsprachigen Doku auf youtube, wahrscheinlich über Lady Diana, oder irgendeinem englischsprachigen Buch, das sich ebenfalls mit Royal Gossip befasste. Mein bevorzugtes Themengebiet, um mein Englisch ganz nach vorne zu bringen!


LUXUS-CHAOS. Luxus-Gold-Schnipsel von Luxus-Pralinen- und Luxus-Spirituosen-Karton, und Luxus-Geburtstagsbriefumschlag von Luxus-Jenny, fixiert mit Luxus-Kleber auf Luxus-Karton, 8 x 18 x 2,5 Luxus-cm, 28. April 2018, Staatl. Luxus-Museen v. Gaganien




OLYMP. Pralinen- sowie Spirituosen-Verpackungs-Goldkarton, Lidschattenapplikationsdöschenspiegel, Kleber, High Tech-Gadget-Verpackung, 16x28x5, 28. April 2018, Staatl. Museen v. Gaganien

















Da war ich heute Nachmittag. In der Ausstellung über Salka Viertels Exilanten-Salon in Santa Monica, im wiederaufgebauten Liebermannhaus am Pariser Platz 7. Morgen ist der letzte Ausstellungstag. Zufällig lese ich gerade die letzten Seiten eines Buches über die Verbindung von Salka Viertel und Greta Garbo, da wollte ich diese Gelegenheit nicht versäumen. Und auch die virtuelle Begehung von Max Liebermanns Wohnräumen und seines Ateliers mit so einer Brille ausprobieren. Schon beeindruckend, war aber nicht ganz scharf zu sehen, das durch-die-Räume-gehen. Vielleicht war die Brille leicht beschlagen. Trotz 2G muss man die Maske aufbehalten. Ist schon ok. Wirklich neu war für mich in der Salka-Ausstellung das Haus in der Mabery Road von allen Seiten mit Pool und Garten in einem kurzen Film in Farbe zu sehen. Wundervolles Häuschen. Da hätte ich mich auch wohl gefühlt.






WIDDER & LOTUS. Goldkarton von Pralinenschachteln, Kleber, schwarzer Rückkarton mit Lederprägung von Präsentations-Hand out, 24 x 33 cm, 18. April 2018, Staatliche Museen von Gaganien.







GUTS. Eingeweide. The Core. Kupferspulen von Weltempfänger, Metallteile, Kartonschnipsel, Acryl, mit Stoff und Papier beklebter Pultordner, 24 x 35, 09. Juli 2018, Staatliche Museen v. Gaganien




SHEHERAZADE. Overheadprojektorfolienverpackungsschachtel, Rückseite schwarzer Schnellhefter, Acryl, Nagelschere-Cut outs, Papier, 22 x 31 cm, 08. Juli 2021, Staatliche Museen v. Gaganien.

Das Werk hängt über dem Durchgang zu meinem Schlafzimmer. Aus der Epoche meiner Basteleien auf dem Wohnzimmerteppich (beim Fernsehgucken), unter Verwendung von nicht benötigten irgendwie interessanten Verpackungen, im Jahre MMXVIII A.D.


Zauberhafter Neuzugang in der gaganischen Nationalgalerie, in der sich meine Lieblingsgemälde von Malern der letzten zwei Jahrhunderte befinden: František Kupka, Amorpha, warm chromatic, 1911 – 1912, 105 x 105, Öl auf Leinwand, Museum Kampa Prag. Der Staats-Etat für Kunst und Kultur ist in Gaganien besonders hoch, deswegen spielt Geld bei der Anschaffung neuer Werke für die Sammlung keine Rolle! Was natürlich sehr schön ist, weil Bilder von Herrn Kupka nicht zu den Schnäppchen gehören. Auch das ist ein Grund, weshalb ich sehr gerne in Gaganien lebe. Wir haben hier keinen extra Haushalt für Verteidigung, weil Waffen nur angeschafft werden dürfen, wenn sie kunsthandwerklich interessant sind, also hübsche Intarsien haben oder feine Ziselierungen, wie historische Dolche. Die gehören dann aber auch wieder in die Nationalgalerie und werden vom Staatsministerium für Kunst und Kultur bezahlt. Nicht hübsche Waffen oder Panzer werden nicht angeschafft, weil die nicht schön aussehen und keine musikalischen Töne machen können und daher völlig sinnlos sind!


WWerkstätte. Präsentgoldkarton (Schokoladentrüffel und Cognac? Calvados? Champagner?), Rahmenrückwand, Passepartout, Kleber, 31 x 37 cm, 29. April 2018, Staatliche Museen v. Gaganien.






Eben hat mir Beate Wedekind Wolf Biermanns Ermutigung in Erinnerung gebracht. Heute wird er fünfundachtzig, der alte Skorpion, der nie seinen Stachel versteckt hat. Zwischen 1986 und circa 2006 habe ich ihn oft gehört, vor allem, als ich seine Liebeslieder entdeckt hatte. Vor fünfzehn Jahren gab es eine schöne Feier im Berliner Ensemble (wo er in jungen Jahren Dramaturg war), bei der ich ihn auch fotografierte und er mir sein Buch signierte. Er hat ein paar ewige Lieder geschrieben, die völlig Regime-unabhängig ihren Wert haben, hatten und immer haben werden. Sicher, die Rebellions-Geschichte dahinter zu kennen, ist nicht irrelevant zu wissen, aber seine größere Kunst manifestiert sich in einem subtilen, eigentlich unakademischen Berührtwerden.

Neben „Ermutigung“ und der „Ballade vom preußischen Ikarus“ mochte ich immer besonders „Das Frühstück“ und „Kuckuck Kuckuck„…und den sehr, sehr geliebten „Hugenottenfriedhof„.

Hi Folks, hey Leute!
Guten Morgen. Ich wende mich heute mit einer kleinen Sonntagspredigt zum Thema Dankbarkeit an die Gemeinde. Da Predigten ja manchmal auch recht anstrengend sind, habe ich mir diese groovy Ansprache überlegt, um die Motivation zu erhöhen, weiterzulesen. Zum Thema. Ich bin schon seit einer Stunde auf, um 8:15 Uhr bin ich aus dem folgenden Traum erwacht:
Ich gehe am späten Nachmittag vermutlich, es war noch hell, die Kantstraße entlang, auf der Seite, wo die Paris Bar ist, ungefähr auch auf der Höhe, bißchen weiter hinten. Da kommt ein Lokal, eine sogenannte Pop up Bar, die mir bislang unbekannt war. Unspektakuläre Einrichtung, alles weiß, mehr wie eine Galerie. Es gibt ein paar Gäste, aber alles recht überschaubar, hauptsächlich Männer. Ich erkenne Keith Richards und Mick Jagger, die am weißen Tresen rumstehen, mit Blick zur Tür.
Keith nickt erkennend in meine Richtung und kommt auf mich zu. Wir begrüßen uns wie alte Bekannte und machen small talk. Es ist scheinbar kein Corona, ich habe weder G2-Aufkleber noch Maskenhinweise gesehen. Keith holt ein paar Karten aus seiner Jackentasche und gibt sie mir. Es sind keine Konzertkarten, aber besondere Tickets, um sich, wenn man schon mal drin ist, in einen besonderen Bereich zu begeben, so eine exclusive Spezialtribüne. Es sind ungefähr fünf Karten. Ich bedanke mich.
Unmittelbar danach treffe ich zufällig meine Facebook-Freundin Cosima Wald und frage sie, ob sie welche von den Tickets haben will, da sie mir als Stones-Fan in Erinnerung ist. Sie winkt ab und erklärt: „Nein Danke, das letzte mal war mir dann doch zu anstrengend.“ Ich bin überrascht, weil ich ihre Reaktion auf das letzte Stones Konzert anders in Erinnerung hatte. Ja, ich möchte sagen, begeistert.
Auf einmal bin ich wieder vor der Bar in der Kantstraße, vor der Tür, da kommt ein anderer Facebook-Freund, Max Zorn aus der Tür. Wir begrüßen uns „hi, Du auch hier?“ Ich biete abermals eines meiner Tribünen-Tickets an und flechte ein, dass ich sie von den Stones persönlich bekommen habe. Was ja eigentlich beeindrucken sollte.
Auch er winkt ab. Obwohl er mir nicht als sonderlicher Stones Fan in Erinnerung ist (im Gegensatz zu seiner Freundin Ilka), zieht er ein Konzert Ticket für ein Stones Konzert aus der Hosentasche und zeigt es mir mit den Worten „ich hab schon längst ein Ticket, für morgen!“ Ich wende ein, dass es sich bei meinen Tickets aber um besondere Zugangspässe für die VIP-Tribüne handelt. Er zeigt sich unbeeindruckt, überlegt einen Moment und meint dann: „ich überlege, ob ich überhaupt hingehe. Eigentlich hab ich gar keine Lust.“
So viel zum Thema Facebook-Freunde und Dankbarkeit. Ich habe jetzt immer noch fünf Spezialtickets für die VIP-Tribüne. Gelten für alle Konzertermine der Rolling Stones.

Wissenschaftliche Umfrage:
was war das danebenste (Geburtstags-)Geschenk, das du mal von (d)einem Lover/(d)einer Liebsten/deiner Frau/deinem Mann bekommen hast?
Meine Antwort:
zu meinem einunddreißigsten Geburtstag 1996 präsentierte mir mein damaliger (um einiges ältere) Langzeitliebhaber „Hitlers willige Vollstrecker“ von Daniel Goldhagen. Seinerzeit ein viel besprochener Bestseller. Möglicherweise hatte ich es in den vier Jahren der bis dahin vorhandenen Beziehung versäumt, meine romantische Ader zu offenbaren.
Kollegin:
zu ihrem einundzwanzigsten Geburtstag präsentierte ihr 25 Jahre älterer Liebhaber (der auch ihr Geographie-Professor an der Uni war) ihr mit großer Geste ein schlampig eingewickeltes Geschenk im DIN A-Format. Inhalt: seine Habilitationsschrift über Klimaveränderungen in Westafrika.
P.S. ich wäre sehr an euren Antworten interessiert ! :-)


Für Emilie Flöge. Zerstückeltes Kinderbilderbuch „Der Regenbogenfisch“, Geschenkpapier, blauer Nagellack, Kleber, Pappkarton, 34 x 42 x 6, 13. Mai 2018, Staatl. Museen v. Gaganien.
Emilie Flöge war eine Wiener Modeschöpferin, die in einem feinen Modesalon Reformkleider kreiert hat. Ihr Atelier und Verkaufsraum war mit Möbeln der Wiener Werkstätte ausgestattet. Ihr Lebensgefährte war Gustav Klimt, der ein Filou war. Alle Söhne, die er mit anderen Frauen gezeugt hat, wurden Gustav getauft. Emilie Flöge hat mich Zweitausendachtzehn arg beschäftigt. Wie auch die Wiener Werkstätte und die extravaganten Reformkleider, die immer lang und locker und weit und oft wild und grafisch gemustert waren. Darunter konnte man sehr gut Luft holen, was bei den gängigen Kleidern mit Korsett und Einschnürungen nicht der Fall war. Das Reformkleid war eine Revolution! Emilie hat viele entworfen, aber auch die Künstler der Wiener Werkstätte. Dazu hat Emilie sehr gerne aufwändigen Schmuck von Koloman Moser und Josef Hoffmann getragen. Ein Stück schöner als das andere. Grandios! In meiner Bibliothek gibt es manches schöne Buch über die Wiener Werkstätte, die Möbel, die Stoffe, die Silberwaren, den Schmuck und auch die Kleider. Diese werden nicht zerstückelt!



Wasserskorpion. Papier, Fragmente „Gaga Nielsen, Papillon„, Leinwand, Acryl, 30 x 50 cm, 13., 16. und 17. Oktober 2021, Staatliche Museen von Gaganien. Links von FLUSH II.hängend.






FLUSH II.. Papier, Fragmente „Gaga Nielsen, Papillon„, Leinwand, Acryl, 50 x 120 cm, 15./16. Okt. 2021, Staatl. Museen v. Gaganien.


In Charlottenburg über einer Tür, links um die Ecke vom JUPITIER


Jupitier. Tinte, Papier, Fragment „Walter Becker, Terzett III“, Acryl, Leinwand, 40 x 120, 23./24. Okt. 2021, Staatl. Museen v. Gaganien




Das Jupitier hier kommt links von Fabergé. Aber vielleicht ändere ich die Reihenfolge auch noch. Das hängt dann alles wie so ein Fries direkt unter einer Decke. Das Jupitier bringt ganz viel Glück!


Fabergé. Tinte, Papier, Acryl, Leinwand, 40 x 50 cm, 24., 31. Oktober und 02. November 2021, Staatliche Museen v. Gaganien



Das ist mehr so ein Domino-Anlegestein, rechts von einem anderen Bild gedacht…. heute hat sich gezeigt, meine Maßanfertigung ist zu schmal, ich hab mich vermessen. Jetzt bau ich nochmal zwanzig Zentimeter an, das Bild muss noch gemalt werden. Welches Bild links davon kommt, zeige ich auch gleich.

„Ich bin ein Glücksmensch, dass ich einen Beruf habe, der mir erlaubt, so viel unterwegs zu sein. Und dann wiederum kann ich von Glück sagen, dass ich Pianist bin. Ein großartiges Instrument, das Klavier, gerade groß genug, um es nicht mitnehmen zu können! Anstatt zu üben, kann ich lesen, essen, trinken und anderen Aktivitäten nachgehen. Bin ich nicht ein Glückspilz?“
Arthur Rubinstein
Arthur Rubinstein – Das Abschiedskonzert 1975 (auf arte)

GOTT IV. Planets of the Universe. Schlangenvogel. Leinwand, Acryl, 30 x 100 cm, 03./04. Nov. 2021, Staatl. Museen v. Gaganien














Olympus μ [mju] Zoom 115. Eingeweide Olympus μ [mju] Zoom 115…Linsen, Platine, Transistoren, Klebstoff, Zebraserviette, Karton, 25 x 31 cm, 29. Mai 2018, Staatliche Museen v. Gaganien




METROPOLIS. Metallbeschläge, Wechselrahmenklammern, Schuhlöffel, Puderdoseneinlagen, Acryl, Chromspray, Lackmalstift, Zebraserviette, Rahmenrückwand, 30 x 40 cm, 30. Mai 2018, 10. März 2019, 14., 15., 17. März 2020, Staatl. Museen v. Gaganien

Manchmal dauerts länger. Begonnen auf dem Wohnzimmerteppich im Mai 2018, ins Atelier transportiert, weil keinen Platz in der Wohnung gefunden und im März 2019 weiter daran gewerkelt, weil ich nicht zufrieden war. Im März 2020 fiel mein Blick wieder darauf und ich pinselte nochmal drei Tage herum, bis es dann genug war.



PANTHER. Möbelscharniere, Schrauben, Bilderrahmen-Aufhänger, Tonpapier, leere Pralinenschachtel, Gliedergürtel-Messingpanther, 19 x 19 x 4,5 cm, 22. Mai 2018, Staatliche Museen von Gaganien

Mehr Metall. Irgendwann in den Neunzigern habe ich einen Versace-mäßigen Gliedergürtel aus Messing gekauft, der aus verketteten hintereinanderlaufenden Leoparden besteht. Panther ist biologisch nicht ganz korrekt, weil Panther ganz dunkle Leopardenkatzen ohne helle Leopardenflecken sind. Es gibt aber auch dunkelbraune Panther mit schwarzen Leopardenflecken. Der Gürtel war ziemlich lang, zu lang. Ich habe ein paar Teile abmoniert und davon eine Stiefelkette gemacht. Eine Raubkatze war übrig. Für mich sieht das Tier sehr pantherig aus. Der ganze Bewegungsablauf, wie er so herumpanthert. Ich glaube, den Gürtel hab ich nur ein- oder zweimal angehabt. Aber ich hab ihn noch. Schwierig zu kombinieren! Eine echte Challenge. Aber zu schade zum Aussortieren. Solche Sachen finden sich in meinem Haushalt.



EXTRA BRUT III. Schrauben, Dübel, Kringel-Büroklammern, Lackmalstift, Bastelkleber, Acryl, auf Verpackungsschachtel. 22 x 26 cm, 28. Juli/2./3./11. August 2018, Staatl. Museen v. Gaganien


Nein, das ist NICHT nochmal „Extra Brut II.“ sondern „Extra Brut III.“! Wesentlicher Unterschied neben der völlig anderen Silhouette: hier wurden Dübel verarbeitet, außerdem haben die Schrauben nicht für alle Kringel gereicht, aber dennoch ein prickelndes Werk, wie Champagner, extra brut! Ist parallel zu Extra Brut II. entstanden. Annähernd synchron, auf dem Wohnzimmerteppich. Ich vermute, die Schrauben-Epoche meines Werkes ist hiermit beendet. Es gibt da noch ein Werk namens „Gott II.“, auch mit Schrauben, ebenfalls aus dieser Schaffensära. Kommt noch. Ist alles dokumentiert. Danach Nägel und div. andere alte Schachteln.




EXTRA BRUT II. Schrauben, Kringel-Büroklammern, Lackmalstift, Uhu-Bastelkleber, Acryl, auf Bilderrahmen-Verpackungsschachtel. 19 x 24 cm, 28. Juli/2./3./11. Aug. 2018, Staatl. Museen v. Gaganien

Mehr Schrauben! Aufräumtipp für Schrauben, die man voraussichtlich nicht mehr anderweitig verschrauben wird. Wieso hatte ich eigentlich so viele Schrauben? Da muss doch irgendetwas auseinandergeschraubt worden sein. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben Schrauben gekauft zu haben. Nägel schon! Riesige Zimmermannsnägel, kurze Nägel, lange Nägel, alle möglichen Nägel! Aber Schrauben? Egal, interessiert ja auch niemanden! Ich werde mal weiter präsentieren, was ich Zweitausendachtzehn aufräumenderweise alles fabriziert habe, nachdem mir die Lust zu fotografieren vergangen war. Dann war daheim alles ausgemistet und aufgeräumt und ich wollte immer noch weiterwerkeln. Und dann fiel mir wieder ein, dass man ja auch Sachen auf Leinwänden machen kann, es müssen nicht immer Verpackungsschachteln sein. So kam das, dass ich wieder anfing Bilder zu malen. Auf Leinwände, wie man das halt so macht.



PRAYER. Anrufung. Gebet. Nicht definierbare, weil unerinnerbare Scharnierteile, Handtaschenglieder, Verpackungskarton, Tippex, Schrauben, 21 x 29 cm, 15. Mai 2018, Staatl. Museen v. Gaganien




„Wenn einer von uns stirbt, fahr ich nach Amerika“
(angeblich) Sigmund Freud zu seiner Frau. Wurde zitiert in einer gerade laufenden Doku auf Arte über jüdischen Humor.
Charmant. Genau mein Humor!


Das Foto mit dem Dachgiebel ist eigentlich nicht so wahnsinnig toll, aber für mich interessant. Es handelt sich hierbei um ein Forschungsergebnis. Ich wollte erforschen, ob ich, wenn ich in den Prinzessinnengärten bin, von irgendeiner Position das Haus sehen kann, in dem meine kleine Werkstatt ist. Das ist das Ergebnis: ich kann das Dach mit dem Giebel sehen! Drunter geht es rosa weiter. Jawohl! Das ganze Haus ist mittlerweile Rosa, abgesetzt mit einem zarten Hellgelb. Mittlerweile deswegen, weil es vor fünfzehn Jahren Orange war und das ist das Resultat der fleißigen Sonne. Als ich vor achtzehn Jahren entdeckt habe, dass das stuckverzierte Fenster in der Mitte zu meiner kleinen Küche gehört, war ich entzückt, ja ich habe mich ein wenig geadelt gefühlt! Obwohl ich es von drinnen ja gar nicht sehen kann. Aber wenn ich auf dem Balkon bin, der sich hinter der Vogelbeere rechts im Bild versteckt, und Richtung Westen zu den Prinzessinnengärten gucke, seh ich die Verzierung schon. Ich denke mir, dass von meiner Werkstatt in der Mitte vom rosa Haus gute Vibrations in alle Richtungen und Etagen ausgehen, dafür ist die Position mittendrin am allerbesten!


Mit zwei Schnappschüssen von den schönsten Trend-Accessoires schließe ich meinen Bericht von den diesjährigen Herbst-Schauen. Wir sehen eine große Federboa in Dschungelgrün, die sich im Grunde mit jedem Outfit kombinieren lässt (man muss es tragen können), vom Label „Jungle Princess“, und ein fein gewebtes Chiffon-Carré im Ahornblätter-Dessin in Limette, Chartreuse und Maigrün von „Evergreen“. Das war wieder eine tolle Fashion Week!


Ganz starker Auftritt beim gestrigen Opening der Show des Berliner Labels „Emerald Ivy“: asymmetrische, smaragdgrüne, bodenlange one shoulder Abendrobe mit Stretchanteil aus vollständig ökologisch abbaubaren Naturfasern. Die dekorativen Blätter wurden einzeln in einem sich selbst prozessierenden öko-high-tech-Zellteilungsverfahren hergestellt und maßgeschneidert mit Biomasse am Körper des Models fixiert. Obwohl das Kleid sehr figurbetont ist, bleibt Bewegungsspielraum für den großen Auftritt.*

*Preis auf Anfrage



Als Modereporterin sehe ich mich in der Pflicht, meine Leser*innen auf die wichtigsten Trends aufmerksam zu machen! Ganz stark waren bei den gestrigen Schauen Hagebutten-Muster vertreten. Es gab praktisch keinen Designer, der nicht irgendwo eine Hagebutte gezeigt hat, und wenn es nur als Gehänge am Hals oder Revers oder Rocksaum war. Das absolute MUST HAVE in dieser Saison!


Gestern war ich bei einer tollen Fashion Show. Das coolste Outfit war ein schwarz-weiß-roter Mantel aus Federn von einem Berliner Label („Stylish by Nature“). Ich habe bei der After Show im Gespräch mit dem Male Model versucht rauszubringen, ob das ein Einzelstück ist oder ob ich das auch in meiner Größe kriegen kann. Leider habe ich ihn ganz schlecht verstanden, es war dermaßen laut. So ein technomäßiger Sound wie „tock tock tock“ hat ein vernünftiges Gespräch leider unmöglich gemacht.


