17. Februar 2014


Ich lese hauptsächlich. Und mache mir so meine Gedanken. Wäre jetzt aber zu kompliziert und zeitaufwändig, die aufzuschreiben. Nur zur Information. Zwischendurch schreibe ich auch halb ausgegorene Eindrücke per E-Mail. Ohne Anrede und nicht selten auch ohne Unterschrift. Wie das die jungen Leute heute eben auch so machen. So alt bin ich ja auch noch nicht, das kriege ich auch noch hin. Das halbe Bild da oben ist übrigens ein Meisterwerk aus dem Jahre 1975. Falls es vor September entstanden ist (was ich nicht mehr nachvollziehen kann, da ich versäumt habe, es genauer zu datieren und zu signieren), wäre ich da neun gewesen. Wenn nach erstem September, schon zehn. Das war so eine Spielerei, wo man auf die eine Hälfte von einem Blatt aus einem Malblock, mit Papier mit viel Holz drin, mit viel nasser Wasserfarbe ein halbes Gesicht gemalt hat und dann schnell, bevor es trocken wird, die leere Papierhälfte draufgedrückt hat, und schon hat man ein komplettes Gesicht gehabt, ohne die Arbeit, die andere Hälfte malen zu müssen. Wirklich praktisch! Diese ökonomische Malmethode ist völlig zu Unrecht aus der Mode gekommen, bzw. nie rein. Das Bild heißt VAMP, ich glaube aber nicht, dass ich mit Neun oder Zehn schon so tolle Wörter wie Vamp gekannt habe. Das habe ich mir bestimmt später dazu ausgedacht, wegen der falschen Wimpern der Dame. Was man sofort erkennt. Solche Wimpern sind niemals echt. Wie Hildegard Knef! Es ist aber glaube ich kein Knef-Portrait, sondern mehr so eine Frau, die meinem damaligen Schönheitsideal von irgendwie verrucht und stark geschminkt entsprochen hat. Ich halte solche Bilder von früher ja unwahrscheinlich in Ehren. Sollte man auch, finde ich. Die Frühwerke sind noch nicht intellektuell beeinträchtigt, das macht sich im Allgemeinen immer gut, bei so einem Bild, wie ich finde.

16. Februar 2014 – ZEHN JAHRE.

Liebe Leserinnen. Liebe Leser.
Ich habe mich heute verzettelt. Ausgerechnet heute. Seit mindestens drei Tagen habe ich im Hinterkopf, wie schön und angemessen es doch wäre, einen recht feierlichen Blogeintrag zu verfassen, pünktlich zum 16. Februar 2014. Eine Dekade nach meinem ersten Blogeintrag am 16. Februar 2004. Nun ist der Tag ja noch nicht zu Ende, und es könnte doch noch etwas werden, mit uns beiden, dem feierlichen Eintrag und mir. Ich muss zugeben, man fühlt sich ein bißchen wie bei der Oscarverleihung – so stelle ich es mir wenigstens vor – wenn man den goldenen Mann in die Hand gedrückt bekommt und dann haltloses Zeug brabbelt, viel zu vielen Mitarbeitern dankt, die kein Mensch da draußen kennt. Nun sind hier die Mitarbeiter und MItarbeiterinnen ja die Kommentatoren. Ohne einzelne Namen zu nennen, ich könnte jemanden vergessen, sage ich also feierlich: danke für zehn Jahre (ja manche lesen hier wirklich schon so lange) aufmerksame Lektüre und Antworten, die mich oft zum Lachen, aber auch zum Nachdenken gebracht haben, denn wenn erst einmal kommentiert wird hier, was ja nicht immer der Fall ist, ergibt sich oft ein selten schönes Pingpong, das mich sehr glücklich macht. Ja, ich muss es sagen: ich lebe sehr in diesem Blog, es ist schon wie ein Körperteil geworden, ohne den man sich nicht mehr komplett fühlen würde. Schauen Sie, hier rechts, gegenüber von der Spalte, wo die letzten Kommentare zu sehen sind, habe ich ein kleines Buffet aufbauen lassen, gekühlte Getränke finden Sie natürlich in unbegrenzter Menge, auch welche ohne Alkohol (wobei ich jetzt gerade nicht wüsste, wer…?) Auch Kaffee und heiße Schokolade mit Schlagobers wie unser österreichischer Gastgeber knallgrau sagen würde, ist für Zwischendurch vorhanden. Was sonst noch an Schmankerln aufgetischt ist, sehen Sie ja selber, das kann man ja gar nicht mehr alles aufzählen. Also ich habe zu dem Catering-Veranstalter gesagt: heute darf es einmal etwas kosten! Geld spielt keine Rolle, die Korken müssen knallen! Schon, um die bösen Geister zu vertreiben, die uns manchmal einflüstern: „Für wen, denkst du eigentlich, dass du dir hier die Finger wundtippst? Das wird doch sowieso alles irgendwann mit einem Klick gelöscht, wenn die Firma Pleite geht, oder kein Geschäft mehr damit macht!“. Nein, nein, wir glauben noch an das Gute und ein paar Jahre Zukunft hier! Zehn Jahre mindestens. Das wäre schön! Aber im Zweifel mehr. Also ich bleibe dran. Ich kenne mich jetzt ja. Prost, meine Lieben! Und besonders tief schau ich denen in die Augen, die das Ganze noch ein paar Tage länger machen als ich.

Wer das alles ist, und wie das alles kam, habe ich in wirklich allerschönster Ausführlichkeit zum siebten Jubeltag hier geschrieben. Mir gefällt der Eintrag selber so gut, dass ich ihn heute nicht besser schreiben könnte, und deswegen allen noch einmal warm ans Herz legend, verlinke.
Immer die Ihre
Gaga Nielsen

15. Februar 2014


Wie angenehm, dass dieser aufdringliche Valentinstag vorbei ist. Ich hatte schon die Befürchtung, das seit vorgestern himbeerrote Vimeo-Logo (mit ausgestanztem Herzchen und Pfeil drin) bleibt jetzt, aber manchmal habe ich ja doch einen Geistesblitz, und so hegte ich die berechtigte Hoffnung, dass es sich nur um eine Spielerei einer „romantischen“ Belegschaft handelt. Der Krankheitsschub ist vorbei und das Logo wieder schwarz. Mich hat ja vor Jahren schon die monatsbindenhafte Typographie des Schriftzugs bewogen (vormals WC-Reiniger-bleu), auf dieser Plattform nichts hochladen zu wollen. Ich weiß nicht, wie diese Schriftart heißt, aber in Verbindung mit dem Namen denke ich, warum auch immer, an Monatshygiene, Binden, Slipeinlagen (die ich persönlich nicht benutze, schön, dass wir mal darüber gesprochen haben) oder meinethalben auch vierlagiges Klopapier. Nun wurde aber zum siebten November letzten Jahres mein blip-Channel gekündigt, weil mein Zeug nicht mainstream-mäßig kommerziell genug war, und so suchte ich eine Plattform, wo ich meine kleinen Werke ungehindert und unzensiert hochladen kann, mit möglichst unaufdringlich aussehendem Player, der sich hier, ohne Werbevorspann vor jedem Film, einbetten lässt. So habe ich also doch den Hoster mit dem Binden-Logo gewählt. blip tv war ja nun allerdings auch nicht sehr elegant betitelt, da hatte ich schon auch meine Bauchschmerzen. Außerdem hat alles sehr langsam gepuffert. Wie heißt es doch so schön „first world problems“. Nein, alles kein Problem. Ich konnte mir dann ja auch meinen eigenen Channel zurechtbasteln, mit freundlich schwarzem Hintergrund. Und sogar drei Alben durfte ich anlegen, um ein bißchen Ordnung in die Sache zu bringen. Alles fein. Die meisten bevorzugen jedoch immer noch, sich die Sachen auf youtube anzuschauen, die Weltherrschaft ist derzeit fest in der Hand von youtube und google. Keine Frage. Für mich ist das auch so eine Art doppeltes back up. Wenn meine heimischen Festplatten und USB-Sticks plötzlich sterben sollten, wäre immer noch ein Hoffnungsschimmer, dass die Bilder noch einmal gerettet werden können. Wofür und wen auch immer. Für mich oder eine unwägbare Nachwelt, den großen virtuellen Flohmarkt, auf dem in hundert Jahren, seltsame alte Fundsachen feilgeboten werden.

15. Februar 2014


Wie angenehm, dass dieser aufdringliche Valentinstag vorbei ist. Ich hatte schon die Befürchtung, das seit vorgestern himbeerrote Vimeo-Logo (mit ausgestanztem Herzchen und Pfeil drin) bleibt jetzt, aber manchmal habe ich ja doch einen Geistesblitz, und so hegte ich die berechtigte Hoffnung, dass es sich nur um eine Spielerei einer „romantischen“ Belegschaft handelt. Der Krankheitsschub ist vorbei und das Logo wieder schwarz. Mich hat ja vor Jahren schon die monatsbindenhafte Typographie des Schriftzugs bewogen (vormals WC-Reiniger-bleu), auf dieser Plattform nichts hochladen zu wollen. Ich weiß nicht, wie diese Schriftart heißt, aber in Verbindung mit dem Namen denke ich, warum auch immer, an Monatshygiene, Binden, Slipeinlagen (die ich persönlich nicht benutze, schön, dass wir mal darüber gesprochen haben) oder meinethalben auch vierlagiges Klopapier. Nun wurde aber zum siebten November letzten Jahres mein blip-Channel gekündigt, weil mein Zeug nicht mainstream-mäßig kommerziell genug war, und so suchte ich eine Plattform, wo ich meine kleinen Werke ungehindert und unzensiert hochladen kann, mit möglichst unaufdringlich aussehendem Player, der sich hier, ohne Werbevorspann vor jedem Film, einbetten lässt. So habe ich also doch den Hoster mit dem Binden-Logo gewählt. blip tv war ja nun allerdings auch nicht sehr elegant betitelt, da hatte ich schon auch meine Bauchschmerzen. Außerdem hat alles sehr langsam gepuffert. Wie heißt es doch so schön „first world problems“. Nein, alles kein Problem. Ich konnte mir dann ja auch meinen eigenen Channel zurechtbasteln, mit freundlich schwarzem Hintergrund. Und sogar drei Alben durfte ich anlegen, um ein bißchen Ordnung in die Sache zu bringen. Alles fein. Die meisten bevorzugen jedoch immer noch, sich die Sachen auf youtube anzuschauen, die Weltherrschaft ist derzeit fest in der Hand von youtube und google. Keine Frage. Für mich ist das auch so eine Art doppeltes back up. Wenn meine heimischen Festplatten und USB-Sticks plötzlich sterben sollten, wäre immer noch ein Hoffnungsschimmer, dass die Bilder noch einmal gerettet werden können. Wofür und wen auch immer. Für mich oder eine unwägbare Nachwelt, den großen virtuellen Flohmarkt, auf dem in hundert Jahren, seltsame alte Fundsachen feilgeboten werden.

10. Februar 2014

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=140556
Irgendwann dazwischen, zwischen Singsang heute Nachmittag. Die Sonne verwöhnt Berlin. Vielleicht das ganze Land. Die Berlinale-Gäste werden sich freuen, die schönen Frauen auf dem roten Teppich. Sie können ihre Roben ein paar Minuten zeigen, ohne sich gleich zu erkälten. Man steht immer noch an, wenn man Berlinale-Karten haben will, höre ich. Manche haben Verbindungen und werden beglückt, aber der Rest steht sich die Beine für das begrenzte Kontingent in den Bauch. Ein Glück, dass das an mir vorbeirauscht. Wundert mich selber seit einigen Jahren, dass es mich nicht mehr elektrisiert. Erschreckend, wie ignorant und selbstgenügsam ich mitunter bin. Man darf es gar nicht laut artikulieren. Aber mit Arroganz oder Ignoranz hat es weniger zu tun, als mit einem zunehmenden Geiz, was meine frei verfügbare Zeit angeht. Es ist ja nicht so, dass bei der Berlinale bessere Filme laufen, als im regulären Kinoprogramm, eher im Gegenteil. So ein Festival bietet eben auch eine Plattform für Experimente, bei denen man noch nicht recht weiß, ob sie ein Publikum finden. Viel Freude allen, die sich die Mühe machen, sich damit zu befassen. Sicher auch nicht zuletzt wegen der Elektrizität von Mediendichte, der Hoffnung, irgendeine prominente Figur aus dem internationalen Film zu sehen. Mir ist das zu unpersönlich, so auf Distanz, zum roten Teppich oder dem Podium einer Pressekonferenz. Ich hatte vor zweiundzwanzig Jahren einen Liebhaber, der immer auf der Berlinale zu tun hatte, als Dolmetscher und Übersetzer. Er musste unter anderem auf der parallel laufenden Verleiher-Messe Übersetzungen für noch nicht synchronisierte oder noch nicht untertitelte Filme aus dem Spanischen machen, die er dann dolmetschenderweise während der Film lief, vortrug. So habe ich es zumindest verstanden. Und wenn dann ein spanisch sprechender Filmstar oder Regisseur anwesend war, hat er häufig den Auftrag gehabt, bei Interviews zu dolmetschen. So hatte er regelmäßig mit Carlos Saura und anderen Protagonisten aus Spanien und Lateinamerika zu tun. Mit Saura hat er dann auch abseits der Berlinale freundschaftlichen Kontakt gepflegt. Und wen er da nicht alles noch getroffen hat. Aber ich hatte damit nichts zu tun, das wurde schön auseinanderdividiert. Wie überhaupt auch anderes. Oh ich könnte pikante Sachen erzählen, aber so interessant war er dann doch wieder nicht. Jedenfalls ein Schlitzohr. Meine wenigen Berlinale-Besuche datieren auf die Anfangsjahre, als ich gerade nach Berlin gekommen war, da wollte ich auch diese Luft schnuppern. Was mir sehr eingebrannt ist: die vielen, vielen Kabel auf dem Boden vom Zoopalast, von den ganzen Fernseh-Teams. Und viel Geschnatter, alles sehr voll und viele ernst und wichtig dreinschauende Film-Liebhaber. Bei einem Eröffnungsfilm dabei zu sein, ist schon festlich, dafür lohnt es sich anzustehen, wenn überhaupt. Wozu ich nicht nein sagen würde ist, wenn mich einer zu irgendeinem Empfang mit wirklich hochattraktiven Leuten bitten würde, da würde ich schon aus Berechnung hingehen. Als Gast wohlgemerkt. Aber sich als Fotograf zu akkreditieren, ist ein Zirkus, der mir schon aus Kenntnis aus zweiter Hand in jeder Hinsicht zu viel wäre. Die Geschichten aus der Foto-Lounge, da neben dem Hyatt reichen mir schon. Viel Gedöns um das passende, zulässige Licht für ältere Filmdiven usw. usf. Ich liebe es, solche Geschichten erzählt zu bekommen, aber ich möchte mich nicht an solchen Vorgaben abarbeiten müssen. Und ich bin ja auch viel zu beschäftigt, meine eigene innere Diva ins rechte Licht zu setzen. Was mich mit fortschreitendem Alter auch vor neue Herausforderungen stellt. Ist doch immer wieder interessant, worauf so ein planloser Eintrag thematisch hinauszulaufen beliebt, am Ende. Hätte ich selber nicht gedacht. Aber das Schönste an diesem Wochenende war ein Bild auf offener Straße. Ich war am späten Samstagnachmittag einkaufen in der Brunnenstraße. Als ich an der Ampel Ecke Bernauer Straße warte, dass es grün wird, es war gerade dunkel, höre ich von rechts das Klappern von Hufen. Mit furiosem Tempo fährt eine dunkelgrüne offene Kutsche mit zwei Schimmeln an mir vorüber. Der Kutscher sieht aus wie Johnny Depp in diesem einen Film von Jim Jarmusch, Dead Man. Er ist ungefähr um die dreißig, hat wehendes, braunes, langes Haar, und eine runde, kleine Brille auf, und einen schwarzen Zylinderhut. Verwegen galoppiert er mit seinen beiden Pferden über die dunkle Kreuzung, und ich sehe noch fasziniert, wie synchron die beiden Schimmel ihre Beine in der Kurve bewegen, ungeheuer rasant, und man bangt beinah, dass alles gut geht, mitten auf einer Kreuzung zwischen lauter Autofahrern, die es eilig haben. Ein Bild aus einer anderen Zeit. Da dachte ich, ich sollte vielleicht auch diesen Touristen-Programmpunkt in Wien wahrnehmen. Mit einem Fiaker fahren, Pferde sind so schön. Aber ob so ein Fiaker in Wien genauso verwegen langhaarig und malerisch daherkommen darf, wie dieser wilde Kutscher in der Brunnenstraße, das muss sich noch zeigen. Vielleicht schaue ich mal, wo er seinen Standort hat. Man kann ja überhaupt auch in Betracht ziehen, in der eigenen Stadt Sachen zu machen, auf die sonst nur Touristen kämen. Jedenfalls ging ich nach dem Eindruck dieses Bildes, das wie ein Traumfetzen in die Wirklichkeit trat, die Treppe hinunter zur U-Bahn, um eine Station zum Rosenthaler Platz zu fahren, und merkte auf einmal, dass mir Tränen in die Augen stiegen. So sehr hat mich dieses Bild angerührt. Und weil Berlin immer wieder für mich voller Wunder ist, von denen man vorher gar nichts weiß. Und es immer so sein wird.
edit: ich entschuldige mich für den kitschigen Schluss von diesem gestrigen, nächtlichen Blogeintrag. Wenn ich die Lektorin von diesem Privat-Blog wäre, würde ich das Gefasel ersatzlos streichen! (auch, wenn es stimmt! KEIN PARDON!)

12. Februar 2014

Heute Nachmittag ein Telefonat, das mich beschäftigt. Was kann man missverständlicherweise von einigem halten, was ich in der Öffentlichkeit zeige? In meiner Suppe schwimmend, denke ich immer, ich agiere in einem komplexen Kontext, der leicht zu erfassen ist. Aber das stimmt nicht. Denn niemand kann, könnte, der jetzt erst auf mich stößt, rational, in der von mir erlebten und gemeinten Komplexität verstehen, wie ich ohne Disclaimer in der Reihe von Opus 1 – Opus 97 ein Video zeigen kann, in dessen Abspann „to Leni“ oder „dedicated to Leni Riefenstahl“ steht, und zugleich eine heftige Gegnerin jeglicher Nazi-Ideologie sein kann. Bin. Gut, dass ich darauf hingewiesen werde. Ich habe jetzt einen mit Sicherheit unzulänglichen Disclaimer darunter geschrieben. Ich weiß um alle biographischen Ereignisse und zu geißelnden Vermächtnisse von und um Frau Riefenstahl, die einem in dieser Welt, zu dieser Zeit, hier und heute, zugänglich sein können. Da ist keine Koketterie im Spiel, keine Verniedlichung oder Ignoranz, was die Folgen ihrer Verstrickung anbelangt. Aber so könnte es interpretiert werden. Unendlich viel könnte ich jetzt schreiben, wie es mich beschäftigt, die Mechanismen zu durchschauen, die Werkzeuge, mit denen Macht erlangt wird. Und wie interessant ich den Gedanken finde, Machthaber, selbst rückwirkend, die ihre Macht für lebensverachtende Ideologien missbrauchen, zu entwaffnen, ihnen die Macht zu entziehen, sie vorzuführen. Sie durchschaubar zu machen. Indem man ihre Wirkungsweise analysiert und begreift. Und durchaus das Fasznierende daran, immer noch als faszinierend bestehen lässt. Funktion und Missbrauch auseinanderdividiert. Verdammt ja. Das ist hochkomplex. Ich würde das visuell hochgradig talentierte, eigenwillige Talent Leni Riefenstahl am liebsten rückwirkend auf die Seite einer guten Ideologie ziehen, einer mitfühlenden, nicht diktatorischen. Aber das diktatorisch. Ach. Ein aussichtsloses Unterfangen. Ja, komplex. Oder immerhin in der Gegenwart ein Bewusstsein für fatale Mechanismen schaffen. Wer mein Zeug hier lange liest, wird bemerkt haben, dass ich keine eindimensionalen Blickwinkel einnehme. Ich versuche immer, Ursachen auszuloten. Nicht, um etwas zu entschuldigen, sondern um ein Werkzeug in die Hand zu bekommen, konstruktiv für einen guten Geist aktiv zu werden. Ich lerne immer noch dazu. Danke für deinen Anruf, Victor.

12. Februar 2014

Heute Nachmittag ein Telefonat, das mich beschäftigt. Was kann man missverständlicherweise von einigem halten, was ich in der Öffentlichkeit zeige? In meiner Suppe schwimmend, denke ich immer, ich agiere in einem komplexen Kontext, der leicht zu erfassen ist. Aber das stimmt nicht. Denn niemand kann, könnte, der jetzt erst auf mich stößt, rational, in der von mir erlebten und gemeinten Komplexität verstehen, wie ich ohne Disclaimer in der Reihe von Opus 1 – Opus 97 ein Video zeigen kann, in dessen Abspann „to Leni“ oder „dedicated to Leni Riefenstahl“ steht, und zugleich eine heftige Gegnerin jeglicher Nazi-Ideologie sein kann. Bin. Gut, dass ich darauf hingewiesen werde. Ich habe jetzt einen mit Sicherheit unzulänglichen Disclaimer darunter geschrieben. Ich weiß um alle biographischen Ereignisse und zu geißelnden Vermächtnisse von und um Frau Riefenstahl, die einem in dieser Welt, zu dieser Zeit, hier und heute, zugänglich sein können. Da ist keine Koketterie im Spiel, keine Verniedlichung oder Ignoranz, was die Folgen ihrer Verstrickung anbelangt. Aber so könnte es interpretiert werden. Unendlich viel könnte ich jetzt schreiben, wie es mich beschäftigt, die Mechanismen zu durchschauen, die Werkzeuge, mit denen Macht erlangt wird. Und wie interessant ich den Gedanken finde, Machthaber, selbst rückwirkend, die ihre Macht für lebensverachtende Ideologien missbrauchen, zu entwaffnen, ihnen die Macht zu entziehen, sie vorzuführen. Sie durchschaubar zu machen. Indem man ihre Wirkungsweise analysiert und begreift. Und durchaus das Fasznierende daran, immer noch als faszinierend bestehen lässt. Funktion und Missbrauch auseinanderdividiert. Verdammt ja. Das ist hochkomplex. Ich würde das visuell hochgradig talentierte, eigenwillige Talent Leni Riefenstahl am liebsten rückwirkend auf die Seite einer guten Ideologie ziehen, einer mitfühlenden, nicht diktatorischen. Aber das diktatorisch. Ach. Ein aussichtsloses Unterfangen. Ja, komplex. Oder immerhin in der Gegenwart ein Bewusstsein für fatale Mechanismen schaffen. Wer mein Zeug hier lange liest, wird bemerkt haben, dass ich keine eindimensionalen Blickwinkel einnehme. Ich versuche immer, Ursachen auszuloten. Nicht, um etwas zu entschuldigen, sondern um ein Werkzeug in die Hand zu bekommen, konstruktiv für einen guten Geist aktiv zu werden. Ich lerne immer noch dazu. Danke für deinen Anruf, Victor.

10. Februar 2014

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=140556
Irgendwann dazwischen, zwischen Singsang heute Nachmittag. Die Sonne verwöhnt Berlin. Vielleicht das ganze Land. Die Berlinale-Gäste werden sich freuen, die schönen Frauen auf dem roten Teppich. Sie können ihre Roben ein paar Minuten zeigen, ohne sich gleich zu erkälten. Man steht immer noch an, wenn man Berlinale-Karten haben will, höre ich. Manche haben Verbindungen und werden beglückt, aber der Rest steht sich die Beine für das begrenzte Kontingent in den Bauch. Ein Glück, dass das an mir vorbeirauscht. Wundert mich selber seit einigen Jahren, dass es mich nicht mehr elektrisiert. Erschreckend, wie ignorant und selbstgenügsam ich mitunter bin. Man darf es gar nicht laut artikulieren. Aber mit Arroganz oder Ignoranz hat es weniger zu tun, als mit einem zunehmenden Geiz, was meine frei verfügbare Zeit angeht. Es ist ja nicht so, dass bei der Berlinale bessere Filme laufen, als im regulären Kinoprogramm, eher im Gegenteil. So ein Festival bietet eben auch eine Plattform für Experimente, bei denen man noch nicht recht weiß, ob sie ein Publikum finden. Viel Freude allen, die sich die Mühe machen, sich damit zu befassen. Sicher auch nicht zuletzt wegen der Elektrizität von Mediendichte, der Hoffnung, irgendeine prominente Figur aus dem internationalen Film zu sehen. Mir ist das zu unpersönlich, so auf Distanz, zum roten Teppich oder dem Podium einer Pressekonferenz. Ich hatte vor zweiundzwanzig Jahren einen Liebhaber, der immer auf der Berlinale zu tun hatte, als Dolmetscher und Übersetzer. Er musste unter anderem auf der parallel laufenden Verleiher-Messe Übersetzungen für noch nicht synchronisierte oder noch nicht untertitelte Filme aus dem Spanischen machen, die er dann dolmetschenderweise während der Film lief, vortrug. So habe ich es zumindest verstanden. Und wenn dann ein spanisch sprechender Filmstar oder Regisseur anwesend war, hat er häufig den Auftrag gehabt, bei Interviews zu dolmetschen. So hatte er regelmäßig mit Carlos Saura und anderen Protagonisten aus Spanien und Lateinamerika zu tun. Mit Saura hat er dann auch abseits der Berlinale freundschaftlichen Kontakt gepflegt. Und wen er da nicht alles noch getroffen hat. Aber ich hatte damit nichts zu tun, das wurde schön auseinanderdividiert. Wie überhaupt auch anderes. Oh ich könnte pikante Sachen erzählen, aber so interessant war er dann doch wieder nicht. Jedenfalls ein Schlitzohr. Meine wenigen Berlinale-Besuche datieren auf die Anfangsjahre, als ich gerade nach Berlin gekommen war, da wollte ich auch diese Luft schnuppern. Was mir sehr eingebrannt ist: die vielen, vielen Kabel auf dem Boden vom Zoopalast, von den ganzen Fernseh-Teams. Und viel Geschnatter, alles sehr voll und viele ernst und wichtig dreinschauende Film-Liebhaber. Bei einem Eröffnungsfilm dabei zu sein, ist schon festlich, dafür lohnt es sich anzustehen, wenn überhaupt. Wozu ich nicht nein sagen würde ist, wenn mich einer zu irgendeinem Empfang mit wirklich hochattraktiven Leuten bitten würde, da würde ich schon aus Berechnung hingehen. Als Gast wohlgemerkt. Aber sich als Fotograf zu akkreditieren, ist ein Zirkus, der mir schon aus Kenntnis aus zweiter Hand in jeder Hinsicht zu viel wäre. Die Geschichten aus der Foto-Lounge, da neben dem Hyatt reichen mir schon. Viel Gedöns um das passende, zulässige Licht für ältere Filmdiven usw. usf. Ich liebe es, solche Geschichten erzählt zu bekommen, aber ich möchte mich nicht an solchen Vorgaben abarbeiten müssen. Und ich bin ja auch viel zu beschäftigt, meine eigene innere Diva ins rechte Licht zu setzen. Was mich mit fortschreitendem Alter auch vor neue Herausforderungen stellt. Ist doch immer wieder interessant, worauf so ein planloser Eintrag thematisch hinauszulaufen beliebt, am Ende. Hätte ich selber nicht gedacht. Aber das Schönste an diesem Wochenende war ein Bild auf offener Straße. Ich war am späten Samstagnachmittag einkaufen in der Brunnenstraße. Als ich an der Ampel Ecke Bernauer Straße warte, dass es grün wird, es war gerade dunkel, höre ich von rechts das Klappern von Hufen. Mit furiosem Tempo fährt eine dunkelgrüne offene Kutsche mit zwei Schimmeln an mir vorüber. Der Kutscher sieht aus wie Johnny Depp in diesem einen Film von Jim Jarmusch, Dead Man. Er ist ungefähr um die dreißig, hat wehendes, braunes, langes Haar, und eine runde, kleine Brille auf, und einen schwarzen Zylinderhut. Verwegen galoppiert er mit seinen beiden Pferden über die dunkle Kreuzung, und ich sehe noch fasziniert, wie synchron die beiden Schimmel ihre Beine in der Kurve bewegen, ungeheuer rasant, und man bangt beinah, dass alles gut geht, mitten auf einer Kreuzung zwischen lauter Autofahrern, die es eilig haben. Ein Bild aus einer anderen Zeit. Da dachte ich, ich sollte vielleicht auch diesen Touristen-Programmpunkt in Wien wahrnehmen. Mit einem Fiaker fahren, Pferde sind so schön. Aber ob so ein Fiaker in Wien genauso verwegen langhaarig und malerisch daherkommen darf, wie dieser wilde Kutscher in der Brunnenstraße, das muss sich noch zeigen. Vielleicht schaue ich mal, wo er seinen Standort hat. Man kann ja überhaupt auch in Betracht ziehen, in der eigenen Stadt Sachen zu machen, auf die sonst nur Touristen kämen. Jedenfalls ging ich nach dem Eindruck dieses Bildes, das wie ein Traumfetzen in die Wirklichkeit trat, die Treppe hinunter zur U-Bahn, um eine Station zum Rosenthaler Platz zu fahren, und merkte auf einmal, dass mir Tränen in die Augen stiegen. So sehr hat mich dieses Bild angerührt. Und weil Berlin immer wieder für mich voller Wunder ist, von denen man vorher gar nichts weiß. Und es immer so sein wird.
edit: ich entschuldige mich für den kitschigen Schluss von diesem gestrigen, nächtlichen Blogeintrag. Wenn ich die Lektorin von diesem Privat-Blog wäre, würde ich das Gefasel ersatzlos streichen! (auch, wenn es stimmt! KEIN PARDON!)

09. Februar 2014 – VIENNA CALLING

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=86251768&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
„Heit nocht“, mein Beitrag aus Germany. Ich rufe die Jury in Wien. Bitte um Vergebung, dass ich bei den ersten Zeilen noch nicht komplett textsicher war. Was aber unbedingt für den Beitrag spricht ist, dass er komplett freihändig, also ohne Spickzettel gesungen worden ist. Ich bitte also unterwürfig um ein recht mildes Urteil und hoffe inbrünstig, ich fliege damit nicht gleich in der ersten Runde aus dem großen Vienna-Casting, sondern schaffe es vielmehr – wenn vielleicht auch nur knapp – in den Recall! Wenn mir das gelingt, übe ich ein echtes Wiener Heurigen-Lied ein, also ein uraltes, das verspreche ich, ja ich gebe der Jury mein Ehrenwordt!

09. Februar 2014 – VIENNA CALLING

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=86251768&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
„Heit nocht“, mein Beitrag aus Germany. Ich rufe die Jury in Wien. Bitte um Vergebung, dass ich bei den ersten Zeilen noch nicht komplett textsicher war. Was aber unbedingt für den Beitrag spricht ist, dass er komplett freihändig, also ohne Spickzettel gesungen worden ist. Ich bitte also unterwürfig um ein recht mildes Urteil und hoffe inbrünstig, ich fliege damit nicht gleich in der ersten Runde aus dem großen Vienna-Casting, sondern schaffe es vielmehr – wenn vielleicht auch nur knapp – in den Recall! Wenn mir das gelingt, übe ich ein echtes Wiener Heurigen-Lied ein, also ein uraltes, das verspreche ich, ja ich gebe der Jury mein Ehrenwordt!

02. Februar 2014


Ich lese weiter. Aber um wenigstens anzudeuten, was mir die letzten zwei, drei Tage durch den Kopf geht, zitiere ich ein paar Stellen aus einer E-Mail, die ich vor drei Tagen geschrieben habe. Bislang wurde ja davon ausgegangen, dass der österreichische Kulturkreis für mich so fern, fremd und exotisch ist wie Tokio oder Takatukaland. Beinah dachte ich es schon selber. Aber es gibt da eine Geschichte, einen Hintergrund, über den ich normalerweise nicht großartig nachdenke, vermutlich weil er mir allzu selbstverständlich ist. Ein Kapitel aus der Vergangenheit. Hier einige Inhalte jener Mail, die ich auch eigens für einem Blogeintrag hätte schreiben können. Ich will ja wieder weiterlesen und das Riesenrad nicht neu erfinden, deshalb diese kopierten Erklärungen.
[ Mail vom 31. Januar 2014 ]
Lieber (…),
(du merkst vielleicht nebenher) ich spiele ein bißchen in meinen
Kommentaren mit dem Österreichischen, das wie bekannt, nicht das Geringste mit meinem Lebensmittelpunkt zu tun hat.
Und gut könnte ich mir vorstellen, du hältst das für eine reine Albernheit ohne Hintergrund. Fast (aber wirklich nur fast) hätte ich es selber bald geglaubt. Aber ich merke etwas, was du nicht wissen kannst, wenn ich zum Beispiel das
Lied von der Denk und dem Schinderhannes höre. Es geht mir sehr leicht von der Zunge, das nachzusingen, und ich meine nicht die Melodie.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, und heute habe ich viel darüber nachgedacht, ist es kein Wunder und hat auch nichts mit Schauspieltalent zu tun, oder weniger als man mir unterstellen mag.
Heute Mittag ist mir schlagartig klar geworden, warum ich punktuell irritiert bin, wenn Du mir (und ich habe dich noch danach gefragt, wie eine Außerirdische…) ‚Schmäh‘ erklärst, als assimilierter Österreicher.
Und bitte glaube mir, ich habe es wirklich heute erst selber begriffen. „Schmäh“ ist ein Wort, über das ich nie viel nachgedacht habe, weil es mir mit der Muttermilch eingeflößt worden ist. In einem Kommentar unter dem älteren Eintrag habe ich beiläufig erwähnt, dass meine Eltern (alle Vorfahren) aus einer Gegend kommen, die zu Böhmen gehört, was ja früher ein Teil von Österreich war. Meine Eltern sind sogenannte Heimatvertriebene, bis 1945 lebten meine Vorfahren also für viele Jahrhunderte in der Gegend vom heutigen Karlovy Vary, es waren deutschsprachige Böhmen, die sogenannte Egerländer oder auch Sudeten. Und sie landeten im Zuge der Nachkriegswirren nach ihrer sehr grausamen Vertreibung mit Zwangsarbeit usw. im Fränkischen, ohne daher zu kommen, ohne da Wurzeln zu haben. Es war wohl das Naheliegendste von Tschechien, (…) in einem Auffanglager. Die Familie wurde in den letzen Kriegsjahren komplett zerrissen und keiner wusste vom anderen, ob er noch lebt. 1945 bis 46 konnte man dann wieder herausfinden, mittlerweile in Deutschland gestrandet, wer noch lebt und die Familie zusammenführen. Das war alles sehr schmerzhaft für mene Familie, man hat sich dann hier sehr aneinandergeklammert und auch weiter die verlorene Heimat kultiviert, in Erinnerung, in Traditionen – und in der Sprache. Und die Art, wie meine Familie, meine Eltern und meine Großeltern, und meine Tante, die alle unter einem Dach lebten, in einer Siedlung, in einem eigenen Haus mittlerweile, der ganze Stolz einer Familie, die alles verloren hatte (riesige Güter… mein Großvater väterlicherseits war der „Großbauer“ von Rosnitz, jetzt Rosnice, hatte viele Angestellte, riesige Ländereien und ein Gestüt), der Großvater mütterlicherseits, war Bürgermeister in Karlsbad, hatte eine herrliche Bibliothek mit großen Schätzen… alles verloren. Aber sie hatten sich, als sie hier waren. Ich bin also mit meinem Bruder in eine tief verwundete Familie geboren, die sehr stark ihre ursprüngliche Herkunftskultur am Leben gehalten hat, oder es versuchte. Und das spürten wir an der Art, wie sie sprachen. Ich merkte früh, dass meine Eltern und Großeltern und die Tante andere Wörter benutzten, als die Eltern meiner Kindergarten- und Schulfreunde und einen anderen Dialekt sprachen als die schon lange ansässigen Einwohner des kleinen Ortes bei Nürnberg. Meine Eltern haben keine echten Wurzeln geschlagen, hier. Und deswegen konnten sie mir vielleicht auch kein Heimatgefühl in dieser fränkischen Region vermitteln.
Und heute Mittag und heute Abend habe ich über Stunden versucht – und es ist mir gar nicht schwer gefallen – zu erinnern, welche Worte meine Familie benutzt hat (und es zum Teil noch heute tut), die gar nicht aus dem Fränkischen kommen. Immer mehr Wörter sind mir auf einmal aufgefallen. Heute Nachmittag habe ich sogar eine Bekannte gefragt, die in den Siebziger Jahren aus Fürth nach Berlin zog, ob sie mir bestätigen könnte, dass dieses und jenes Wort kein alltäglicher Begriff im fränkischen Dialekt ist – ich war da heute regelrecht verwirrt. Denn für mich waren oder sind – und das merke ich jetzt – wegen dieser Wienreise – so viele Wörter und auch ein gewisser Tonfall der viel mehr vom Österreichischen hat, als vom Fränkischen derart geläufig, dass ich es gar nicht dieser Herkunft zugeordnet habe, weil ich es ja von Geburt an, jeden Tag im Ohr hatte. Der Dialekt liegt tatsächlich irgendwo dazwischen, aber als ich vorhin zwei Listen im Netz fand, mit der Überschrift typische österreichische Begriffe oder dergleichen, ging ich Wörter so im Halbschlaf durch und konnte sekundenschnell streichen, was ich in meiner Familie nicht gehört habe, und stehen lassen, was mir dauernd um die Ohren gehauen wurde. Plötzlich war das wie ein Schatzkästchen, das sich öffnet. Und mir sind dann auch andere Sachen eingefallen, die ich nicht in der Liste gefunden habe. Dabei hörte ich immer abwechselnd die Stimmen meines Großvaters und meiner Tante (mein Großvater starb Anfang der Achtziger Jahre, ich hielt seine Hand) und meiner Mutter und meines Vaters. Jeder hatte so seine bevorzugten Redewendungen. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft meine Mutter zu mir gesagt hat: „ach komm, hör auf, des is doch a Schmäh!“ Oder „So a Schmäh!“ „Erzähl kan Schmäh!“ Und ich weiß genau, was für Zusammenhänge das waren. Sie sagt das heute noch. Aber ist doch eine andere Art, das Wort zu gebrauchen, als es in der raffinierten Version bei einem Wiener auftaucht.
Ich habe mir den Spaß gemacht – und die Mühe natürlich – über die Wörter nachzudenken, die meine Kindheit und widerspenstige Jugend bevölkert haben, ob ich es wollte oder nicht. Und deswegen verstehe ich vielleicht doch ein bißchen mehr, als du es bislang für möglich gehalten hättest.
Schau, das sind die Wörter, die sich mir am stärksten eingebrannt haben, mein Familien-Alphabet:
[ edit: ] afoch
af’d nocht
ah geh
allerweil
Backhendl
Bader
Beíjer
Boxn
deppert
Eierschwammerl
Eierspeis
Erdäpfel
fesch
Fisolen
[ edit: ] Galoschen
Gfrett
Glump
[ edit: ] Golatschen
Goller
grantig
Gspusi
[ edit: ] Gstanzerl
[ edit: ] Gstell
(hoit di…) Guschn
HabedieEhre
(oider) Haderlump
Haferl
heast
Hendl
[ edit: ] Herrschaftszeiten!
Hosentürl
Humpen
(der Franzl is scho a…) Hund
Janker
Jänner
Jausnbrettl
Jessas
Jessasmaradjosef
(so a scheens…) Jopperl
Kanapee
Kassa
Kastn
kimm (viare)
Krapfm
Kredenz
Kren
Kukuruz
Lackl
Leberkas
Leiberl
Lump
Marillen
Möhlspeis
Mesner
Milli
Mostrich
Mundsproch
[ edit: ] (des machst du doch mit…) Mutwillen!
Nachtessn
(ins…) Narrenkastl (…schauen)
(des is ja wieda a rechts…) Narrenspiel
Narrenstickl
[ edit: ] narrisch
obi /owi
Obstler
Oha!
Ohrwaschel
Packerl
Pfiad di
Powidl
Powideldatschkerln
Quetschn
Radi
Reiberdatschi
resch
Restl
Ringelspiel
Rock
Ross
(unsere…) Rösser
Scheißhaus
schiach
Schlagobers
Schmäh
(in die…) Schwammerl gehen
Schwartn
Servus!
Strudel
Stumpen
[ edit: ] Tanzboden
tummeln
Watschn
Wecken
Weckerl
zutzeln
(…)

[ Ende Zitat ]
Vielleicht nehme ich demnächst ja mal was auf, wo ich mir dieses versunkene Erbe nutzbar mache und channelnderweise zu Gehör bringe. Dann können die original österreichischen Leser und die assimilierten urteilen, inwiefern da noch ererbtes Potenzial da ist. Ich maße mir da nichts an, erschrecke aber eigentlich fast, wie ‚echt‘ sich das in meinen Ohren anhört. Neulich, im Dezember, war ich mit ein paar Menschen in einem Berliner Restaurant mit steirischer Küche. Die Speisekarte war auf österreichisch. Ich habe fast alles verstanden. Eine aus Lübeck zugezogene Berlinerin erklärte mich zur Übersetzerin. „Du als Norditalienerin, verstehst das doch!“ Ich: „Norditalienierin?“ Sie: „in Schleswig Holstein sagen wir: alles unterhalb von Norddeutschland – – dat is Palermo!“.

06. Februar 2014

Das mache ich so: wenn twoday downtime hat, hole ich einen der offline-Beiträge aus der Schublade und überschreibe ihn. Das funktioniert meistens. Nur neue Anlegen oder Kommentieren geht nicht. Die offline-Beiträge sind meistens zu Löschen vergessene, uralte Kommentar-Entwürfe mit verkürzten Links drin, dafür nehme ich im Ausnahmefall gerne das Beitrag-anlegen-Fenster, wegen ausführlicher Menüleiste. Das könnten die eigentlich auch langsam mal umbasteln, dass beim Kommentarfenster dieselben Sachen zur Auswahl sind. Vorhin habe ich auf der Kaffeehaus-Seite herumgeblättert und bin ein bißchen spazierengegangen. Ein paar haben mir vom Foto besonders gut gefallen. Das Schwarzenberg und das Zartl zum Beispiel. Und noch andere, das versteht sich ja von selbst. Bin gespannt, wie die fußläufigen Entfernungen von meiner Ferien-Wohnung in der Lambrechtgasse sind. Ich erlaufe mir ja alles am liebsten. Das Belvedere ist nicht so sehr weit weg. Und wenn ich immer nach oben gehe, komme ich automatisch in den ersten Bezirk. Ich überlege gerade, ob ich mich jemals zuvor dermaßen lange vorher auf eine so kleine Reise vorbereitet habe. Neulich musste ich lachen. Ich hatte einen Termin mit dem Wasser- und Heizungsableser, und wie ich es immer mache, alles freigeräumt, unter der Spüle zum Beispiel, wo sonst der Staubsauger und Putzmittel stehen. Mein Heizungszähler ist an der Rückwand vom Kleiderschrank, da muss ich immer ein paar Kleider wegnehmen, damit der Mann den Zähler sieht. Aber das kennt man ja nun langsam. Ich wohne seit fünfzehn Jahren da, und so lange wird abgelesen. Kurz nach Sieben war er da, ich habe die Tür aufgemacht, er ins Bad, dann in die Küche, dann zum offenen Kleiderschrank. Ging ganz schnell, keine zwei Minuten. Er anerkennend am Heizungszähler: „Sie sind ja richtig gut vorbereitet!“ Ich: „Na, langsam kennt man es ja, ist ja nicht das erste mal, da muss man ja nicht erst alles freiräumen, wenn Sie schon da sind“. Er: „Ja, könnte man denken. Aber das ist nicht überall so. Glauben Sie mir.“ „Schönen Tag noch.“ Dann drei Stunden später ein Termin. Ich hatte etwas mit jemandem zu besprechen und hatte da eine kleine Drucksache zur Hand, griffbereit auf dem Tisch. Der junge Mann sichtlich überrascht: „kann ich das haben?“ Ich: „Ja, dafür liegt es da.“ Er: „Sie sind ja richtig gut vorbereitet!“ Ich musste lachen, genau der Wortlaut wie vom Heizungsableser. Ich habe ihm erklärt, wieso ich auf einmal lachen musste. Ist das heutzutage nicht mehr üblich, dass man sich auf absehbare Ereignisse vorbereitet? Bin ich da irgendwie altmodisch? Das also zur Erklärung, wieso ich mich bereits heute mit einer in einem guten Vierteljahr anstehenden Reise beschäftige. Ich habe außerdem gerade Lust drauf. Das Wetter ist auch danach. Tagsüber scheint die Sonne, es ist nicht mehr eisig kalt, aber auf jeden Fall ein Wetter für Drinnenbleiben. Ich bin da ja auch sehr zimperlich. So, wieder ein Blogeintrag fertig. Gute Nacht!

06. Februar 2014

Das mache ich so: wenn twoday downtime hat, hole ich einen der offline-Beiträge aus der Schublade und überschreibe ihn. Das funktioniert meistens. Nur neue Anlegen oder Kommentieren geht nicht. Die offline-Beiträge sind meistens zu Löschen vergessene, uralte Kommentar-Entwürfe mit verkürzten Links drin, dafür nehme ich im Ausnahmefall gerne das Beitrag-anlegen-Fenster, wegen ausführlicher Menüleiste. Das könnten die eigentlich auch langsam mal umbasteln, dass beim Kommentarfenster dieselben Sachen zur Auswahl sind. Vorhin habe ich auf der Kaffeehaus-Seite herumgeblättert und bin ein bißchen spazierengegangen. Ein paar haben mir vom Foto besonders gut gefallen. Das Schwarzenberg und das Zartl zum Beispiel. Und noch andere, das versteht sich ja von selbst. Bin gespannt, wie die fußläufigen Entfernungen von meiner Ferien-Wohnung in der Lambrechtgasse sind. Ich erlaufe mir ja alles am liebsten. Das Belvedere ist nicht so sehr weit weg. Und wenn ich immer nach oben gehe, komme ich automatisch in den ersten Bezirk. Ich überlege gerade, ob ich mich jemals zuvor dermaßen lange vorher auf eine so kleine Reise vorbereitet habe. Neulich musste ich lachen. Ich hatte einen Termin mit dem Wasser- und Heizungsableser, und wie ich es immer mache, alles freigeräumt, unter der Spüle zum Beispiel, wo sonst der Staubsauger und Putzmittel stehen. Mein Heizungszähler ist an der Rückwand vom Kleiderschrank, da muss ich immer ein paar Kleider wegnehmen, damit der Mann den Zähler sieht. Aber das kennt man ja nun langsam. Ich wohne seit fünfzehn Jahren da, und so lange wird abgelesen. Kurz nach Sieben war er da, ich habe die Tür aufgemacht, er ins Bad, dann in die Küche, dann zum offenen Kleiderschrank. Ging ganz schnell, keine zwei Minuten. Er anerkennend am Heizungszähler: „Sie sind ja richtig gut vorbereitet!“ Ich: „Na, langsam kennt man es ja, ist ja nicht das erste mal, da muss man ja nicht erst alles freiräumen, wenn Sie schon da sind“. Er: „Ja, könnte man denken. Aber das ist nicht überall so. Glauben Sie mir.“ „Schönen Tag noch.“ Dann drei Stunden später ein Termin. Ich hatte etwas mit jemandem zu besprechen und hatte da eine kleine Drucksache zur Hand, griffbereit auf dem Tisch. Der junge Mann sichtlich überrascht: „kann ich das haben?“ Ich: „Ja, dafür liegt es da.“ Er: „Sie sind ja richtig gut vorbereitet!“ Ich musste lachen, genau der Wortlaut wie vom Heizungsableser. Ich habe ihm erklärt, wieso ich auf einmal lachen musste. Ist das heutzutage nicht mehr üblich, dass man sich auf absehbare Ereignisse vorbereitet? Bin ich da irgendwie altmodisch? Das also zur Erklärung, wieso ich mich bereits heute mit einer in einem guten Vierteljahr anstehenden Reise beschäftige. Ich habe außerdem gerade Lust drauf. Das Wetter ist auch danach. Tagsüber scheint die Sonne, es ist nicht mehr eisig kalt, aber auf jeden Fall ein Wetter für Drinnenbleiben. Ich bin da ja auch sehr zimperlich. So, wieder ein Blogeintrag fertig. Gute Nacht!

04. Februar 2014

Um es festzuhalten. Die wahren Freunde erkennt man an Austausch, der mindestens großes Tischtennis ist. Will ich eigentlich gar nicht weiter darauf eingehen. Aber Ping Pong spielt eine große Rolle. Das bedeutet, einen gewissen flow zu kutlivieren, Rhythmus zu spüren. Was angemessen ist, oder in der Luft liegt. Findet man selten, merke ich gerade wieder. Und dann wieder doch. Tatsächlich ist es wohl auch so, dass ich seit geraumer Zeit nicht mehr bereit bin, mich hingebungsvoll mit dem Werk von jemandem zu befassen, der mich als Beifall- und Aufmerksamkeits-Maschine instrumentalisiert. Oh, klingt hart. Klingt böse. Aber reden wir doch lieber von Augenhöhe. Wie Du mir, so ich Dir. Eine Weile gibt man, eine gute Weile später gibt man dann lieber wieder sich selber. Oder anderen. Dass das Leben gelingt, hat erstaunlich viel mit der Ausgewogenheit von Geben und Nehmen zu tun. Sehr, sehr viel. Ist mir heute noch bewusster als früher. Aber auch: man muss sondieren, wo die „Investition“ fruchtbar ist. Ins Beliebige Energie zu schießen, kann beliebige Früchte tragen. Und zu selten, weil nur sehr zufällig, die ersehnten. Man muss die Antennen ausfahren. Die Ohrwaschel aufstellen. Das ist jetzt wieder genau der Punkt, wo man aufhören sollte zu schreiben, sonst nimmt das Gefasel überhand.

04. Februar 2014

Herrschaften… einmal ein Gürtel-Foto (oder zwei) hochgeladen. Nach JAHREN entdeckt ein Gürtel-Freund die Abbildung, auf einmal Botschaften „XXX folgt Ihnen!“. Nächsten Tag: „XY folgt Ihnen!“ Nächsten Tag: „Z folgt Ihnen!“ Ich habe ja nicht geahnt, dass ein einziges Kleidungsstück so viele Menschen derart beschäftigen kann. Wenn ich da also irgendwie hilfreich sein konnte – gern geschehen. Nur. da ist nicht so furchtbar viel mehr zu erwarten. Mein Gürtel ist ja auch gar nicht fetisch-geeignet, sondern eher bizarr. Aber wer einmal im Thema ist, nimmt es vielleicht nicht so streng. Wenn meine „Folger“ wüssten, dass ich unlängst sogar noch einen zweiten Gürtel angehabt habe. Die würden gleich die ganze Community informieren. Nein lieber nicht.

04. Februar 2014

Um es festzuhalten. Die wahren Freunde erkennt man an Austausch, der mindestens großes Tischtennis ist. Will ich eigentlich gar nicht weiter darauf eingehen. Aber Ping Pong spielt eine große Rolle. Das bedeutet, einen gewissen flow zu kutlivieren, Rhythmus zu spüren. Was angemessen ist, oder in der Luft liegt. Findet man selten, merke ich gerade wieder. Und dann wieder doch. Tatsächlich ist es wohl auch so, dass ich seit geraumer Zeit nicht mehr bereit bin, mich hingebungsvoll mit dem Werk von jemandem zu befassen, der mich als Beifall- und Aufmerksamkeits-Maschine instrumentalisiert. Oh, klingt hart. Klingt böse. Aber reden wir doch lieber von Augenhöhe. Wie Du mir, so ich Dir. Eine Weile gibt man, eine gute Weile später gibt man dann lieber wieder sich selber. Oder anderen. Dass das Leben gelingt, hat erstaunlich viel mit der Ausgewogenheit von Geben und Nehmen zu tun. Sehr, sehr viel. Ist mir heute noch bewusster als früher. Aber auch: man muss sondieren, wo die „Investition“ fruchtbar ist. Ins Beliebige Energie zu schießen, kann beliebige Früchte tragen. Und zu selten, weil nur sehr zufällig, die ersehnten. Man muss die Antennen ausfahren. Die Ohrwaschel aufstellen. Das ist jetzt wieder genau der Punkt, wo man aufhören sollte zu schreiben, sonst nimmt das Gefasel überhand.

04. Februar 2014

Herrschaften… einmal ein Gürtel-Foto (oder zwei) hochgeladen. Nach JAHREN entdeckt ein Gürtel-Freund die Abbildung, auf einmal Botschaften „XXX folgt Ihnen!“. Nächsten Tag: „XY folgt Ihnen!“ Nächsten Tag: „Z folgt Ihnen!“ Ich habe ja nicht geahnt, dass ein einziges Kleidungsstück so viele Menschen derart beschäftigen kann. Wenn ich da also irgendwie hilfreich sein konnte – gern geschehen. Nur. da ist nicht so furchtbar viel mehr zu erwarten. Mein Gürtel ist ja auch gar nicht fetisch-geeignet, sondern eher bizarr. Aber wer einmal im Thema ist, nimmt es vielleicht nicht so streng. Wenn meine „Folger“ wüssten, dass ich unlängst sogar noch einen zweiten Gürtel angehabt habe. Die würden gleich die ganze Community informieren. Nein lieber nicht.

03. Februar 2014

Jetzt habe ich vergessen, was ich bloggen wollte. Gerade noch innerlich ganz echauffiert, dann ging das Beitrags-Fenster nicht auf, dann woanders kommentiert, nun habe ich komplett vergessen, worum es mir ging. Scheint ja existentiell wichtig gewesen zu sein. Ja, ich gebe zu, ich trinke auch am Abend. Da bin ich nicht immer ganz auf die Sache konzentriert. Nun könnte ich ja spontan ein anderes Thema anreißen. Zum Beispiel… hm. Also: gestern habe ich auf youtube ein zweiteiliges Interview angeschaut, aus jüngerer Zeit. Ein Mitschnitt vom ORF, ein Gespräch mit zwei Gästen. Namentlich Erika Pluhar und ihr Ehemaliger, André Heller. Bitte: (!) jetzt nicht wieder aufstöhnen: „ah – mit dem Heller kann ich so gar nichts anfangen…“ Ich darauf wieder, zum hundertsten Mal: „ICH INTERESSIERE MICH AUCH NICHT FÜR SEINE ZIRKUSSPEKTAKEL UND AFRIKA; AFRIKA!!!“ Aber das wird ja scheinbar geflissentlich überhört. Das kommt davon, wenn man versucht, mit Menschen schriftlich zu kommunizieren, die man seit Jahren nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. Ich bin es leid! Leid! Leid! Leid! Jawohl! Was Herr Heller macht, um seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften, interessiert mich einen Scheißdreck! Aber ich respektiere trotzdem, dass er ein Sohn der Stadt ist, die ich bereisen werde, und zwar kein nebensächlicher, unscheinbarer. Wie auch immer: das Interview war recht persönlich, man war ja auch verheiratet, etc. pp. Durchaus sympathisch die Konversation. Je nun – ja nun – was will ich sagen: ich hatte plötzlich die Phantasie, dass es wahrscheinlich lustig werden könnte, wenn ich das Interview nachspiele, inclusive Dialekt! Also ich in drei Rollen: als Erika Pluhar, als André Heller und als ORF-Moderatorin! Dann könnte man unwahrscheinlich gut vergleichen – weil ja alle drei gebürtige Wiener sind – ob ich das einigermaßen überzeugend hinkriege! Wenn ich aber weiter darüber nachdenke – und die Idee gefällt mir wirklich gut – komme ich dahinter, dass es ziemlich viel Arbeit wäre! Ich müsste mir die Dialoge abhören, weniger wegen der Betonung, sondern wegen des Inhaltes und alles protokollieren! Die Sendung war – glaube ich – mindestens eine dreiviertel Stunde lang. Wenn ich das alles schaffen wollte, wäre ich die nächsten Monate vollauf beschäftigt. Und zwar ohne Honorar. Das ist doch illusorisch! Aber ich finde, Sie sollten wissen, mit welchen Projekten ich mitunter schwanger gehe! Wenn auch nur sehr kurzfristig.

02. Februar 2014


Ich lese weiter. Aber um wenigstens anzudeuten, was mir die letzten zwei, drei Tage durch den Kopf geht, zitiere ich ein paar Stellen aus einer E-Mail, die ich vor drei Tagen geschrieben habe. Bislang wurde ja davon ausgegangen, dass der österreichische Kulturkreis für mich so fern, fremd und exotisch ist wie Tokio oder Takatukaland. Beinah dachte ich es schon selber. Aber es gibt da eine Geschichte, einen Hintergrund, über den ich normalerweise nicht großartig nachdenke, vermutlich weil er mir allzu selbstverständlich ist. Ein Kapitel aus der Vergangenheit. Hier einige Inhalte jener Mail, die ich auch eigens für einem Blogeintrag hätte schreiben können. Ich will ja wieder weiterlesen und das Riesenrad nicht neu erfinden, deshalb diese kopierten Erklärungen.
[ Mail vom 31. Januar 2014 ]
Lieber (…),
(du merkst vielleicht nebenher) ich spiele ein bißchen in meinen
Kommentaren mit dem Österreichischen, das wie bekannt, nicht das Geringste mit meinem Lebensmittelpunkt zu tun hat.
Und gut könnte ich mir vorstellen, du hältst das für eine reine Albernheit ohne Hintergrund. Fast (aber wirklich nur fast) hätte ich es selber bald geglaubt. Aber ich merke etwas, was du nicht wissen kannst, wenn ich zum Beispiel das
Lied von der Denk und dem Schinderhannes höre. Es geht mir sehr leicht von der Zunge, das nachzusingen, und ich meine nicht die Melodie.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, und heute habe ich viel darüber nachgedacht, ist es kein Wunder und hat auch nichts mit Schauspieltalent zu tun, oder weniger als man mir unterstellen mag.
Heute Mittag ist mir schlagartig klar geworden, warum ich punktuell irritiert bin, wenn Du mir (und ich habe dich noch danach gefragt, wie eine Außerirdische…) ‚Schmäh‘ erklärst, als assimilierter Österreicher.
Und bitte glaube mir, ich habe es wirklich heute erst selber begriffen. „Schmäh“ ist ein Wort, über das ich nie viel nachgedacht habe, weil es mir mit der Muttermilch eingeflößt worden ist. In einem Kommentar unter dem älteren Eintrag habe ich beiläufig erwähnt, dass meine Eltern (alle Vorfahren) aus einer Gegend kommen, die zu Böhmen gehört, was ja früher ein Teil von Österreich war. Meine Eltern sind sogenannte Heimatvertriebene, bis 1945 lebten meine Vorfahren also für viele Jahrhunderte in der Gegend vom heutigen Karlovy Vary, es waren deutschsprachige Böhmen, die sogenannte Egerländer oder auch Sudeten. Und sie landeten im Zuge der Nachkriegswirren nach ihrer sehr grausamen Vertreibung mit Zwangsarbeit usw. im Fränkischen, ohne daher zu kommen, ohne da Wurzeln zu haben. Es war wohl das Naheliegendste von Tschechien, (…) in einem Auffanglager. Die Familie wurde in den letzen Kriegsjahren komplett zerrissen und keiner wusste vom anderen, ob er noch lebt. 1945 bis 46 konnte man dann wieder herausfinden, mittlerweile in Deutschland gestrandet, wer noch lebt und die Familie zusammenführen. Das war alles sehr schmerzhaft für mene Familie, man hat sich dann hier sehr aneinandergeklammert und auch weiter die verlorene Heimat kultiviert, in Erinnerung, in Traditionen – und in der Sprache. Und die Art, wie meine Familie, meine Eltern und meine Großeltern, und meine Tante, die alle unter einem Dach lebten, in einer Siedlung, in einem eigenen Haus mittlerweile, der ganze Stolz einer Familie, die alles verloren hatte (riesige Güter… mein Großvater väterlicherseits war der „Großbauer“ von Rosnitz, jetzt Rosnice, hatte viele Angestellte, riesige Ländereien und ein Gestüt), der Großvater mütterlicherseits, war Bürgermeister in Karlsbad, hatte eine herrliche Bibliothek mit großen Schätzen… alles verloren. Aber sie hatten sich, als sie hier waren. Ich bin also mit meinem Bruder in eine tief verwundete Familie geboren, die sehr stark ihre ursprüngliche Herkunftskultur am Leben gehalten hat, oder es versuchte. Und das spürten wir an der Art, wie sie sprachen. Ich merkte früh, dass meine Eltern und Großeltern und die Tante andere Wörter benutzten, als die Eltern meiner Kindergarten- und Schulfreunde und einen anderen Dialekt sprachen als die schon lange ansässigen Einwohner des kleinen Ortes bei Nürnberg. Meine Eltern haben keine echten Wurzeln geschlagen, hier. Und deswegen konnten sie mir vielleicht auch kein Heimatgefühl in dieser fränkischen Region vermitteln.
Und heute Mittag und heute Abend habe ich über Stunden versucht – und es ist mir gar nicht schwer gefallen – zu erinnern, welche Worte meine Familie benutzt hat (und es zum Teil noch heute tut), die gar nicht aus dem Fränkischen kommen. Immer mehr Wörter sind mir auf einmal aufgefallen. Heute Nachmittag habe ich sogar eine Bekannte gefragt, die in den Siebziger Jahren aus Fürth nach Berlin zog, ob sie mir bestätigen könnte, dass dieses und jenes Wort kein alltäglicher Begriff im fränkischen Dialekt ist – ich war da heute regelrecht verwirrt. Denn für mich waren oder sind – und das merke ich jetzt – wegen dieser Wienreise – so viele Wörter und auch ein gewisser Tonfall der viel mehr vom Österreichischen hat, als vom Fränkischen derart geläufig, dass ich es gar nicht dieser Herkunft zugeordnet habe, weil ich es ja von Geburt an, jeden Tag im Ohr hatte. Der Dialekt liegt tatsächlich irgendwo dazwischen, aber als ich vorhin zwei Listen im Netz fand, mit der Überschrift typische österreichische Begriffe oder dergleichen, ging ich Wörter so im Halbschlaf durch und konnte sekundenschnell streichen, was ich in meiner Familie nicht gehört habe, und stehen lassen, was mir dauernd um die Ohren gehauen wurde. Plötzlich war das wie ein Schatzkästchen, das sich öffnet. Und mir sind dann auch andere Sachen eingefallen, die ich nicht in der Liste gefunden habe. Dabei hörte ich immer abwechselnd die Stimmen meines Großvaters und meiner Tante (mein Großvater starb Anfang der Achtziger Jahre, ich hielt seine Hand) und meiner Mutter und meines Vaters. Jeder hatte so seine bevorzugten Redewendungen. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft meine Mutter zu mir gesagt hat: „ach komm, hör auf, des is doch a Schmäh!“ Oder „So a Schmäh!“ „Erzähl kan Schmäh!“ Und ich weiß genau, was für Zusammenhänge das waren. Sie sagt das heute noch. Aber ist doch eine andere Art, das Wort zu gebrauchen, als es in der raffinierten Version bei einem Wiener auftaucht.
Ich habe mir den Spaß gemacht – und die Mühe natürlich – über die Wörter nachzudenken, die meine Kindheit und widerspenstige Jugend bevölkert haben, ob ich es wollte oder nicht. Und deswegen verstehe ich vielleicht doch ein bißchen mehr, als du es bislang für möglich gehalten hättest.
Schau, das sind die Wörter, die sich mir am stärksten eingebrannt haben, mein Familien-Alphabet:
[ edit: ] afoch
af’d nocht
ah geh
allerweil
Backhendl
Bader
Beíjer
Boxn
deppert
Eierschwammerl
Eierspeis
Erdäpfel
fesch
Fisolen
[ edit: ] Galoschen
Gfrett
Glump
[ edit: ] Golatschen
Goller
grantig
Gspusi
[ edit: ] Gstanzerl
[ edit: ] Gstell
(hoit di…) Guschn
HabedieEhre
(oider) Haderlump
Haferl
heast
Hendl
[ edit: ] Herrschaftszeiten!
Hosentürl
Humpen
(der Franzl is scho a…) Hund
Janker
Jänner
Jausnbrettl
Jessas
Jessasmaradjosef
(so a scheens…) Jopperl
Kanapee
Kassa
Kastn
kimm (viare)
Krapfm
Kredenz
Kren
Kukuruz
Lackl
Leberkas
Leiberl
Lump
Marillen
Möhlspeis
Mesner
Milli
Mostrich
Mundsproch
[ edit: ] (des machst du doch mit…) Mutwillen!
Nachtessn
(ins…) Narrenkastl (…schauen)
(des is ja wieda a rechts…) Narrenspiel
Narrenstickl
[ edit: ] narrisch
obi /owi
Obstler
Oha!
Ohrwaschel
Packerl
Pfiad di
Powidl
Powideldatschkerln
Quetschn
Radi
Reiberdatschi
resch
Restl
Ringelspiel
Rock
Ross
(unsere…) Rösser
Scheißhaus
schiach
Schlagobers
Schmäh
(in die…) Schwammerl gehen
Schwartn
Servus!
Strudel
Stumpen
[ edit: ] Tanzboden
tummeln
Watschn
Wecken
Weckerl
zutzeln
(…)

[ Ende Zitat ]
Vielleicht nehme ich demnächst ja mal was auf, wo ich mir dieses versunkene Erbe nutzbar mache und channelnderweise zu Gehör bringe. Dann können die original österreichischen Leser und die assimilierten urteilen, inwiefern da noch ererbtes Potenzial da ist. Ich maße mir da nichts an, erschrecke aber eigentlich fast, wie ‚echt‘ sich das in meinen Ohren anhört. Neulich, im Dezember, war ich mit ein paar Menschen in einem Berliner Restaurant mit steirischer Küche. Die Speisekarte war auf österreichisch. Ich habe fast alles verstanden. Eine aus Lübeck zugezogene Berlinerin erklärte mich zur Übersetzerin. „Du als Norditalienerin, verstehst das doch!“ Ich: „Norditalienierin?“ Sie: „in Schleswig Holstein sagen wir: alles unterhalb von Norddeutschland – – dat is Palermo!“.

02. Februar 2014

„Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben. Vorbedingung ist aber der mehr oder minder gefühlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen. Die alogische Geste selbst kann, derart ausgeführt, zu einem Act von ausgezeichneter Schönheit, ja zum Gedicht erhoben werden. Schönheit allerdings ist ein Begriff, welcher sich hier in einem sehr geweiteten Spielraum bewegen darf.“
H. C. Artmann 1953, Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes

02. Februar 2014

(…) Heller saß mit H. C. Artmann und Hubert Aratym im Grünen Anker, einem italienischen Restaurant, das von einem Ehepaar geführt wurde, das Italien, wie Heller sagt, maximal von einer Schwarz-Weiß-Postkarte gekannt haben konnte, so schlecht war das Essen. Als Helmut Qualtinger durch die Tür kam und den Blick suchend durch das Lokal schweifen ließ, begrüßte ihn Hubert Aratym. Servus, Helmut. Setz dich zu uns. Heller, der zu dieser Zeit, 1967, gerade auf der Schwelle vom Franzi zum André stand, saß stumm da und hörte zu. Der Qualtinger. (…) Die Kreise Helmut Qualtingers zogen sich von der Loosbar im ersten Bezirk bis zum Falstaff, einem Restaurant in der Nähe der Volksoper. Heller richtete sich seine eigenen Rundgänge so ein, dass er Qualtinger zuweilen über den Weg lief, man grüßte sich. Wenn am Tisch ein Platz frei war, durfte er sich dazusetzen. Qualtinger wollte mmer qualifiziertes Publikum um sich haben. (…) Qualtinger gefiel der Bub: er hatte einen Schmäh. Er war schlagfertig. Er hatte krause Ideen und war lernbegierig. Bald lud Qualtinger ihn zu sich nach Haue ein, wies ihn mit Nachdruck auf die Bücher Ödön von Horvaths und Robert Musils hin, steckte ihm die Geschichten von Anton Kuh zu und freute sich, wenn er herausfand, dass der Bub seinen Peter Altenberg schon gelesen hatte. (…)

01. Februar 2014

(…) Dann beendeten John und Yoko die Pressekonferenz und sangen zum Abschluss den Donauwalzer. (…) Heller vereinbarte für den nächsten Morgen einen exklusiven Gesprächstermin mit dem berühmtesten Paar der Popgeschichte. Als er zum festgelegten Zeitpunkt an der Tür von Suite 101 klopfte, öffnete niemand. Heller wollte nachsehen, drückte die Klinke nach unten und fand die Tür unverschlossen. Neugierig betrat er den Raum. Niemand da, nur ein leises Schnarchen von nebenan. „In einem goldgrünen Rokoko-Bett sahen wir Mr. und Mrs. Lennon in tiefem Schlaf“
(…) „Das schöne Gesicht von Yoko war von schwarzleuchtenden Haaren umrahmt, und ihre rechte Hand wirkte mit zwei ausgestreckten Fingern, als ob sie gerade im Traum einen Schwur leistete. Er, halb abgedeckt, trug einen blau-weiß gestreiften Pyjama, wie ein Häftling. Auf dem Nachtkästchen lag ein Buch des Dichters Allen Ginsberg und dar­auf die Brille mit den runden Gläsern.“ Heller und seine Begleiter Alfred Treiber und Richard Goll weckten John und Yoko, indem sie die österreichische Bundeshymne intonierten. „Eine Viertelstunde später brachten zwei Etagenkellner, vorsichtig geschätzt, etwa ein Viertel aller auf der Roomservice-Karte angebotenen Speisen und drapierten diese auf diversen Tischen und Servierwagen. Nach weiteren zehn Minuten erschien das ‚divine couple‘. Nun aßen wir Ham and Eggs, Suppen, Sachertorte, Schnitzel und Porridge, gemischten Aufschnitt, Spaghetti und Obst in anarchischer Reihenfolge. Dann baute Richard Goll sein Mikrofon und das Uher-Magnetofon auf, und das legendäre, fast eineinhalbstündige Gespräch begann. (…)
Dann mussten John und Yoko zum Flughafen. Komm mit, sagte Lennon zu Heller, lass uns weiterreden. Heller stieg zu Lennon in die Limousine, Yoko nahm mit dem Manager der beiden eine zweite.
„Wir fuhren über die Simmeringer Hauptstraße in Richtung Flughafen. Als wir uns dem Zentralfriedhof näherten, erklärte ich, dass hier Franz Schubert, der wohl bedeutendste Liederkomponist vor Lennon/McCartney, liegen würde.
‚Ich will ihn besuchen‘, sagte John. Wir hielten am Tor 2 und liefen, weil die Zeit drängte, durch die Hauptallee bis zu jener Stelle auf der linken Seite, die den Blick auf ein Rondeau mit Ehrengräbern freigibt. Ich deutete auf Schuberts letzte Adresse. John bewegte stumm die Lippen, als würde er zu sich selbst sprechen oder beten. Dann tänzelte er beinahe verlegen über den Kies und suchte mit den Augen die Umgebung ab. Plötzlich gab er mir einen sanften Boxhieb auf die Brust und wiederholte ungläubig die Namen, die im Umkreis von etwa zwanzig Metern an unterschiedlichen Grüften in Marmor gemeißelt waren: ‚Mozart, Beethoven, Hugo Wolf, Johann Strauß Sohn und Vater, Johannes Brahms, Christoph Willibald Gluck.‘ Ich ergänzte: ‚Ein Stück weiter ist noch die Ruhestätte von Arnold Schönberg.‘
‚Was für eine aberwitzige Versammlung‘, sagte er. ‚Ja‘, antwortete ich, ‚in musikalischer Hinsicht ist hier am Tag der Auferstehung der Nabel der Welt.‘
Dann bückte John sich, zog den Schnürsenkel aus seinem rechten Schuh und legte ihn mit der Bemerkung ‚Statt Blumen‘ auf Schuberts Grab. Eine Dreiviertelstunde später enteilte die Maschine mit der Fluxus-Künstlerin und dem ­Beatle über das Rollfeld in den eisgrauen Himmel. Es war John Lennons erster und letzter Besuch in Wien.“


[ Leseprobe ] Christian Seiler, André Heller: Feuerkopf

Ja. Ich lese. Ich mache den Computer wieder aus und lese nebenan in der Küche weiter, wie bereits die letzten zwei Stunden. Ein sagenhafter Bilderbogen. Wenn man sich für Wien interessiert, sicher nicht die schlechteste Empfehlung, das Buch zu lesen. Es erfordert auch nicht, dass man sich für die Hellerschen Spektakel interessiert. Ich habe ja auch nur sein (insbesondere frühes) musikalisches Schaffen verfolgt, die anderen Sachen beschäftigten mich nicht weiter. Auch bin ich recht schwer für Zirkusartistik und ähnlich launiges Brimborium zu begeistern. Doch dieses umfangreiche Werk von Herrn Seiler birgt schon sagenhafte Erinnerungen und Begebenheiten aus einem sehr intensiven Leben.

01. Februar 2014

Good Day, Sunshine. So weit, wie auf dem Foto bin ich noch nicht ganz. Frühstücke noch und muss noch an mir basteln. Haare trocknen in der Sonne. Gestern merkwürdige Erkenntnis gehabt. Muss ich irgendwann drüber schreiben. Fast schon bizarr. Bin aber noch nicht genug im flow, um das hier angemessen in Worte zu fassen. Das kommt bei mir auch meistens nach Einbruch der Dunkelheit, in den späteren Abendstunden. Ich bin ja noch in der Aufwachphase. Ich werde mich also fertig machen und vor die Tür gehen, ein paar Lebensmittel kaufen. Mein Rechner hat ja schon einen mehr oder weniger festen Platz hier, auch weil ich nicht mit Akku arbeite, sondern den Rechner den greenpeace-Saft über die Leitung ziehen lasse. Und da, auf meinem großen Bodenkissen, gegenüber vom Fenster zum Gipsdreieck knallt gerade dermaßen die Sonne, dass ich fast nicht sehen kann, was ich gerade tippe. Also lieber die Wimpern tuschen! Man muss Prioritäten setzen, immer schauen, wo man gerade Rückenwind hat. Da ist dann ein gutes Vorankommen. So will ich es halten. SOUND: Dani California.

29. Januar 2014

(Internet-)Haushaltstipp: Sie möchten das Layout bzw. den Content der um die Ohren gehauenen Werbebanner aufwerten? Suchen Sie einfach konsequent an Ihrem Rechner nach bekannten, Sie stark ansprechenden Motiven der Kunstgeschichte. Zum Beispiel „Man Ray“ „Tears“ „Noir et Blanc“ etc. pp. Schon ist Schluss mit den grellen Werbebannern. Eigentlich doch ganz simpel. Gewusst wie!

Und dann – na gut – das ist natürlich nebensächlich – wer interessiert sich schon ernsthaft für Haushaltstipps – von Abflussproblemen abgesehen. Wobei: derzeit, dieser Tage zeige ich mich von einer ungewohnt kooperativen Seite. Ich konnte mir bei keiner Gelegenheit verkneifen zu erwähnen, dass Rossmann am Hackeschen Markt seit einigen Tagen (Neueröffnung der alten Filiale, nur hier! Noch bis 1. Februar!) zehn Prozent Rabatt auf alle Artikel gibt. Für mich habe ich natürlich auch schon Hamsterkäufe getätigt. Seit gestern, heute auch, bin ich für den Bekanntenkreis unterwegs. Gestern sieben Beutel Cashewkerne. (Bestellung aus Wilmersdorf, Nähe Prager Platz) Heute zehn (Bestellung aus Wilmersdorf, Nähe Südwestkorso.) Das rechnet sich einfach. Dass ich nun mit noch festerem Handschlag, als ohnehin schon in der Filiale begrüßt werde, ist mir Lohn genug. Außerdem weitere Wien-Verhandlungen. Ich halte weiterhin die Fahne der Völkerfreundschaft, Achse Berlin-Wien hoch. Lese mich ehrgeizig in das Thema ein. Soll keiner sagen, die Berliner wären ignorant und interessieren sich nicht für den Rest der Welt! Neulich war ich auch extra freundlich zu einer Touristin, Herkunft nicht genau zu verorten, aber deutsch. Ich hatte es wirklich, wirklich eilig! Und ich wusste, ich würde zu spät kommen. Aber ich sagte mir: denke an die Öffentlichkeitsarbeit, denke an den Ruf der Hauptstadt! Nicht, dass es wieder heißt, man wird eilig abgefertigt. Mit aller Zeit der Welt habe ich den Fußweg zur Synagoge erklärt. Die ältere Dame hat ihr wärmstes Lächeln aufgesetzt und ich natürlich sowieso. Wieder jemanden glücklich gemacht! Auch dachte ich mir, in aller Herrgottsfrüh, so um Fünf nach Neun, eigentlich vielleicht doch keine schlechte Idee, auf Reisen nicht bis mittags in den Federn zu liegen, sondern sich (zeitig!) etwas vorzunehmen! Dachte natürlich an Wien. Und die Ferienwohnung, wo einem keiner auf die Finger klopft. Mein Reisegefährte ist nun auch nicht der Frühaufsteher, wenn ich so sehe, dass die meisten Mail-Antworten überwiegend in den Stunden zwischen zwei und drei Uhr nachts verfasst werden. Nun, wir werden sehen. Bis Mai ist ja noch ein bißchen Spielraum, den Biorhythmus zu manipulieren. Sozusagen.

30. Januar 2014

Gerade gelesen. In einem Forum mit grüner Hintergrundfarbe zum Thema „Kiffende Prominente“.

AW: Kiffende Prominente
– britney spears
– vincent van gogh
– mein neffe

Besonders der letzte Prominente hat mich stark erheitert. Entweder bin ich heute von Hause aus etwas alberner als sonst, oder der Branntwein. Oder ich bin da einfach zu ungenau. Welcher Prominente könnte einen Onkel haben, der in einem Kiffer-Forum seinen Neffen outet? Ganz schön knifflig.
(ja, blöder Eintrag)

29. Januar 2014

(Internet-)Haushaltstipp: Sie möchten das Layout bzw. den Content der um die Ohren gehauenen Werbebanner aufwerten? Suchen Sie einfach konsequent an Ihrem Rechner nach bekannten, Sie stark ansprechenden Motiven der Kunstgeschichte. Zum Beispiel „Man Ray“ „Tears“ „Noir et Blanc“ etc. pp. Schon ist Schluss mit den grellen Werbebannern. Eigentlich doch ganz simpel. Gewusst wie!

Und dann – na gut – das ist natürlich nebensächlich – wer interessiert sich schon ernsthaft für Haushaltstipps – von Abflussproblemen abgesehen. Wobei: derzeit, dieser Tage zeige ich mich von einer ungewohnt kooperativen Seite. Ich konnte mir bei keiner Gelegenheit verkneifen zu erwähnen, dass Rossmann am Hackeschen Markt seit einigen Tagen (Neueröffnung der alten Filiale, nur hier! Noch bis 1. Februar!) zehn Prozent Rabatt auf alle Artikel gibt. Für mich habe ich natürlich auch schon Hamsterkäufe getätigt. Seit gestern, heute auch, bin ich für den Bekanntenkreis unterwegs. Gestern sieben Beutel Cashewkerne. (Bestellung aus Wilmersdorf, Nähe Prager Platz) Heute zehn (Bestellung aus Wilmersdorf, Nähe Südwestkorso.) Das rechnet sich einfach. Dass ich nun mit noch festerem Handschlag, als ohnehin schon in der Filiale begrüßt werde, ist mir Lohn genug. Außerdem weitere Wien-Verhandlungen. Ich halte weiterhin die Fahne der Völkerfreundschaft, Achse Berlin-Wien hoch. Lese mich ehrgeizig in das Thema ein. Soll keiner sagen, die Berliner wären ignorant und interessieren sich nicht für den Rest der Welt! Neulich war ich auch extra freundlich zu einer Touristin, Herkunft nicht genau zu verorten, aber deutsch. Ich hatte es wirklich, wirklich eilig! Und ich wusste, ich würde zu spät kommen. Aber ich sagte mir: denke an die Öffentlichkeitsarbeit, denke an den Ruf der Hauptstadt! Nicht, dass es wieder heißt, man wird eilig abgefertigt. Mit aller Zeit der Welt habe ich den Fußweg zur Synagoge erklärt. Die ältere Dame hat ihr wärmstes Lächeln aufgesetzt und ich natürlich sowieso. Wieder jemanden glücklich gemacht! Auch dachte ich mir, in aller Herrgottsfrüh, so um Fünf nach Neun, eigentlich vielleicht doch keine schlechte Idee, auf Reisen nicht bis mittags in den Federn zu liegen, sondern sich (zeitig!) etwas vorzunehmen! Dachte natürlich an Wien. Und die Ferienwohnung, wo einem keiner auf die Finger klopft. Mein Reisegefährte ist nun auch nicht der Frühaufsteher, wenn ich so sehe, dass die meisten Mail-Antworten überwiegend in den Stunden zwischen zwei und drei Uhr nachts verfasst werden. Nun, wir werden sehen. Bis Mai ist ja noch ein bißchen Spielraum, den Biorhythmus zu manipulieren. Sozusagen.

26. Januar 2014


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Flashback. Neunzehnhundertfünfund-/sechundachtzig. Es gab ein Leben vor Berlin. Flashback. Aber dann Berlin. Flashback. Wilde Nächte. Flashback. Besuch. Neunzehnhundertachtundachtzig. In Büchern geblättert. Gestern. Nein, ich bin nicht sentimental in Bezug auf Vergangenheit. Es gab sehr schöne Momente. Auch in der Gegenwart. Und in der Zukunft. Ich glaube, ich bin eher sentimental in Bezug auf die Zukunft. Vergangene Gefühle sind gut, um alte Bilder besser erinnern zu können. Dreidimensionaler. Ich bereite nur meinen kleinen Wien-Aufenthalt vor. Ist doch wunderbar, einem wertvollen Menschen aus der Vergangenheit in der Zukunft wiederzubegegnen. An einem anderen Ort, einem besonders schönen dazu. Davon gehe ich aus. Als ich blätterte, stieß ich auch auf eine Horoskopzeichnung, die mein Bruder angefertigt hatte. Darauf steht als Geburtsdatum achtundzwanzigster Oktober. Wieso dachte ich immer 27. oder 29. Oktober? Ich weiß es nicht. Er hatte noch ein zweites Horoskop erstellt, ein Composit. Ich glaube, es war eine Übung für ihn, er hatte gerade gelernt, wie man Horoskope berechnet und er mochte ihn. Sonst hätte er es nicht gemacht. Und da war diese Eintrittskarte aus Zelluloid. Für die Filmpremiere in unserem anarchistischen Kunstverein. Am liebsten erinnere ich mich daran, wie es war hinter dem Tresen zu stehen, und bestimmen zu können, welche Musik lief. Ich liebte es abwechselnd Ramones- und Frank Sinatra-Platten zu spielen. Und die autonomen Jungs fuhren schwer auf My Way ab. Nicht von Sid Vicious gesungen, das Original. Das war mein Verständnis von Punk. Sich das herauszunehmen. Aber ich wollte noch mehr. Ich wollte mir noch mehr herausnehmen. Deshalb bin ich gegangen. Was mich am meisten freut, außer dass er noch lebt, was mir lange Zeit nicht klar war, ist dass ich Recht hatte, mit meiner Vermutung, dass er seinen rebellischen Geist bewahren würde.



Ich werde das überprüfen, am elften Mai. Die abfotografierten Tagebuchseiten rühren daher, dass Victor einfiel, dass wir uns 1988 noch einmal kurz begegnet waren, in Berlin. Ich lebte schon mehr als zwei Jahre dort, seit April sechsundachtzig. Mir war der Besuch entfallen und ich konnte es nicht von der Hand weisen, als ich es selbst im Tagebuch aus diesem Jahr fand. Ich habe nicht alles hier für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht, es gibt drei, vier, zehn Seiten, die nur für ihn sichtbar sind. Von wegen Beweisführung. Mein Gott, wenn ich alles abfotografieren würde, was ich seit meinem elften Lebensjahr auf Papier gekritzelt habe… bis Zweitausenddrei. Ich wäre für die nächsten Jahre beschäftigt. Wie alt war ich Zweitausenddrei…? Achtunddreißig. 27 Jahre Gefühle auf Papier. Und seit Zweitausendvier in dieses Fenster. Ein Wunder, dass ich keine Schriftsteller-Ambitionen habe. Nur bewahren möchte ich es gerne. Aber Eintritt braucht keiner zu bezahlen. Das ist also die grobe Erklärung für die Bilder. Das letzte Zitat ist nicht von mir. Es ist von einem gewissen André Heller, eine Zeile aus einem schönen alten Liebeslied „Auch wenn du nachts betrunken weinst, dann hast du meine Sympathie…“ […] Das ist amüsant, man klebt so eine Fotografie mit einem Zitat unter einen Eintrag, und suggeriert, das hat sicher mit dem im Eintrag Erklärten zu tun. Kann, muss aber nicht. Man kann auch einfach eimal etwas in den Raum stellen. So ganz und gar unzementiert.

23. Januar 2014

Tagebuch gesucht. Von 1988. Hat lange gedauert. Alle in der Wohnung in verschiedenen Regalen verstreut. Doch noch gefunden. Geblättert, eine Begegnung gesucht. Aber vorher und nachher… was für eine Intensität der Einträge. War das die Jugend… oder die absolute Privatheit? Nichts davon ist peinlich. Fast bin ich eifersüchtig auf die Qualität, die Intensität… sogar Wortgewalt scheint mir nicht übertrieben. Und die Patina auf dem Papier. Und wie idiotisch, manche Bücher mit Bleistift zu schreiben. Dabei mochte ich die Härte von Bleistiften nie besonders. Es verblasst. Aber irgendwann löst sich alles auf. Ich werde wahrscheinlich für Victor einen Eintrag abfotografieren. Vielleicht auch den davor und danach, damit er den Kontext besser ermessen kann. Er konnte sich nämlich erinnern, rekonstruieren, dass wir uns 1988 noch einmal, für einen Abend in Berlin begegneten. Ich hatte es vergessen. Verdrängt. War in Gedanken woanders. Er wusste es noch. Und weil er niemand ist, der phantasiert, musste es stimmen. Und er hatte recht. Ich werde den Eintrag abfotografieren. Heute nicht mehr, aber morgen vielleicht. Oder übermorgen. Ich treffe ihn am elften Mai in Wien. Verrückt alles. Vielleicht lerne ich wieder, wahrhaft bewegende Einträge zu verfassen. Scheiß drauf. Man lebt nur einmal. Wozu bloggen, wenn alles an der unverfänglichen Oberfläche bleibt? Bliebe. Unfug. Vergangenheit bewältigen. Und Gegenwart. Und die Zukunft. Alles.

23. Januar 2014


Ungewöhnliche Impulse
Während einiger Monate gültig: Der alltägliche Trott langweilt Sie heute über alle Maßen, Sie möchten etwas unternehmen, das Ihrem Leben ungewöhnliche, neue Impulse gibt. Dieses Neue suchen Sie auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. (…) Sie finden keine stabile Partnerschaft, sondern das Ungewöhnliche. Vielleicht treffen Sie auch eine unkonventionelle Abmachung mit…
Die obige Deutung ist für Ihren heute ausgewählten Transit: Venus Trigon Uranus
Schon toll irgendwie, wenn sich das Horoskop am Leben orientiert!

23. Januar 2014

Tagebuch gesucht. Von 1988. Hat lange gedauert. Alle in der Wohnung in verschiedenen Regalen verstreut. Doch noch gefunden. Geblättert, eine Begegnung gesucht. Aber vorher und nachher… was für eine Intensität der Einträge. War das die Jugend… oder die absolute Privatheit? Nichts davon ist peinlich. Fast bin ich eifersüchtig auf die Qualität, die Intensität… sogar Wortgewalt scheint mir nicht übertrieben. Und die Patina auf dem Papier. Und wie idiotisch, manche Bücher mit Bleistift zu schreiben. Dabei mochte ich die Härte von Bleistiften nie besonders. Es verblasst. Aber irgendwann löst sich alles auf. Ich werde wahrscheinlich für Victor einen Eintrag abfotografieren. Vielleicht auch den davor und danach, damit er den Kontext besser ermessen kann. Er konnte sich nämlich erinnern, rekonstruieren, dass wir uns 1988 noch einmal, für einen Abend in Berlin begegneten. Ich hatte es vergessen. Verdrängt. War in Gedanken woanders. Er wusste es noch. Und weil er niemand ist, der phantasiert, musste es stimmen. Und er hatte recht. Ich werde den Eintrag abfotografieren. Heute nicht mehr, aber morgen vielleicht. Oder übermorgen. Ich treffe ihn am elften Mai in Wien. Verrückt alles. Vielleicht lerne ich wieder, wahrhaft bewegende Einträge zu verfassen. Scheiß drauf. Man lebt nur einmal. Wozu bloggen, wenn alles an der unverfänglichen Oberfläche bleibt? Bliebe. Unfug. Vergangenheit bewältigen. Und Gegenwart. Und die Zukunft. Alles.

21. Januar 2014

Manchmal erzählen Musiker in Interviews, dass sie sich ihre alten Sachen nicht anhören. Überwiegend stimmt das sogar. Aber manchmal doch. Jahre später. Und ich sehe mir manchmal meine alten Videos an. Nicht jede Woche, nicht jeden Monat. Nicht jedes. Nur manche. Manchmal. Und manche öfter. Gerade habe ich wieder Widerspruch gesehen. Ich kann machen was ich will, es berührt mich immer noch. Egal, was passiert ist. Egal, wie die Verhältnisse sind. Egal, egal, egal. Ich liebe dieses Stück Zerrissenheit. Und die Bilder. Als ich es geschnitten habe, war ich in keinem Widerspruch. Ich war am Boden zerstört. Aber wenn ich es sehe, baut etwas in mir auf. Als ob man ein Surrogat aus Nährstoffen in einem Glas Wasser auflöst. Es ist doch ein Glück, dass ich es sogar schaffe, mich in dunkelsten Stunden in meiner Dunkelkammer aufzubauen, indem ich Bilder an die Wand werfe. Es muss nicht immer eine Bühne sein. Wenn ich tot bin, oder fast, und mein letzter Film in meinem Kopf abläuft, werden Bilder aus diesem Video drin sein. Und die Töne. Da bin ich mir ganz sicher. Mein Herz in diesen Frühlingstagen, mein Herz, in diesen Frühlingstagen… mein Herz in diesen Frühlingstagen… ist ein Widerspruch… ein Widerspruch… ein Widerspruch… Widerspruch
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76777725&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
~
Es hat geschneit… zum ersten mal in diesem Winter. Als ich nach Hause kam, nach meinem Schlüssel suchte, vor der Haustür, war da ein Junge, vielleicht elf oder zwölf. Er hatte einen Ast in der Hand, von einem Nadelbaum, mit dem er jedes Auto streifte, eine Spur im Schnee hinterließ. Ich schaute ihn an. Er blieb vor dem Auto vor meiner Haustür stehen. Dann malte er schnell und routiniert ein Gesicht auf die Kühlerhaube. Ich blieb stehen und sagte oh schön…! Er sagte danke! Dann malte er den Mund. Mit großen, vollen Lippen. Ein lachender Mund. In einem großen Rund.

21. Januar 2014

Ich weiß nicht, ob Sie es wussten. Aber das Leben ist bedeutend angenehmer, wenn man sich mit Menschen umgibt, die die Möglichkeiten sehen (anstelle der Unmöglichkeiten).

21. Januar 2014

Ein wenig HerzensBildung.

Ethnophaulismus ist eine abwertende Bezeichnung für eine Ethnie. (…) „Ethnophaulismus“ setzt sich aus den griechischen Wörtern ἔθνος, ethnos, „Volk“, und φαῦλος, phaulos, „gering; wertlos; böse“ zusammen. Fachsprachlich definiert ist ein Ethnophaulismus ein pejoratives exonymisches Ethnonym, also eine abwertende Fremdbezeichnung für eine Volksgruppe. (…) Auf die Deutschen bezogen gibt es etwa im Englischen die Bezeichnungen Kraut, Hun („Hunnen“) sowie das auch im Französischen, Russischen und Polnischen gebräuchliche Fritz, zu nennen sind außerdem französisch Boche, italienisch Crucco, niederländisch Mof, dänisch Sakse („Sachse“), finnisch sakemanni oder niksmanni, polnisch Szwab („Schwabe“), Szkop und Hanys, kroatisch Švabo und serbisch Švaba | Шваба, und tschechisch skopčák.[3] In Österreich werden Deutsche oft als Piefke verfemt, in der Schweiz als Schwabe oder Gummihals, in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens als Prüss („Preuße“, ähnlich dem bayerischen „Preiß“).
vgl. „Spaghettifresser“ „Kanaken“ „Schlitzaugen“ „Zigeuner“ [ Schmerzen ]

19. Januar 2014



Wien Berlin. Das ist nicht nur eine Ausstellung, das ist eine Auseinandersetzung. Eine private. Oder Zusammensetzung. Demnächst eine Zusammensetzung. Einiger Fragmente, Puzzleteilchen. Erinnerungen. Ich schreibe nicht so gerne über Ausstellungen, das wird schnell langweilig. Man kann hingehen und sich das mit eigenen Augen ansehen. Meine Fotos zeigen auch viel, wenn auch nicht die Exponate, Fotografieren ist in dieser Sonderausstellung nicht erlaubt. Nur das: da sind so berühmte Sachen wie das Mädchen von Christian Schad mit dem Pagenkopf, das jeder von der Briefmarke kennt. Tatsächlich aber ist der Antrieb, mir die Ausstellung gerade jetzt anzusehen, vor einer Woche vielmehr, ein privaterer Bezug. Ich treffe im Mai jemanden in Wien. Für ihn ist Wien ungefähr das, wie für mich Berlin. Nur, dass er gerade nicht da wohnt. Ich habe eine Wohnung im vierten Bezirk gefunden. Nur für wenige Tage. Da war dieses kleine Hin- und Her per Mail, an irgendeiner Stelle die Frage von ihm, ob ich Wien überhaupt kennen würde. Ein paar Mails und Nächte später dachte ich mir: soll er mir doch sein „Wien, Wien nur du allein“ zeigen. Flug habe ich auch gebucht. Ja, sollte man gesehen haben, bin ich mir sicher, keine Frage. Wie eben so manche europäische Metropole. Ich war nur einmal ganz kurz dort, auf der Durchreise, 1981 oder 1982. Sehr bizarrer Hintergrund. Hatte mit dem psychotischen Aktionskünstler Otto Mühl zu tun. Bei dem war ich, in seiner Alternativ-Kommune. Fürchterliche Sache. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich freue mich auf „baba“ und „waast es eh“ und „heast“. Mir ist der Dialekt entweder zu geknödelt oder auf eine zeitweise vulgär anmutende Art gedehnt. Die Langsamkeit wirkt auf mich auch nicht gemütlich sondern, grob gesprochen, lahmarschig. Wenn ich ab und zu aus Versehen den Fernseher anmache und auf die 3-Sat-Taste drücke und dann zufällig die Nachrichtensendung vom ORF kommt, bin ich nicht elektrisiert von den österreichischen Kollegen. Das hat immer so einen fünfziger Jahre-Vibe, ich bin da ja auch sehr auf Äußerlichkeiten fixiert. Schlecht geschnittene Anzüge, vernuschelte Endsilben, schwerfällige Bewegungsabläufe. Ich möchte gar nicht wissen, worüber die reden. Aber sei’s drum. Ich schaue mir die dekorativen Bauwerke, das Haus der Sezession und die Kaffeehäuser an und vielleicht das Ernst-Fuchs-Museum und durchaus auch die Klimts im Belvedere und vielleicht das Sissi-Museum und das vom Freud. Lustigerweise wurde meine Idee, meinen lieben alten Freund als Fremdenführer zu engagieren, mit dem Hinweis beantwortet, er hätte ja einen ganz schlechten Orientierungssinn, aber er könnte sich da ja bestimmt so eine App oder weiß der Geier… Nun gut. Ich sehe schon, bis Mai kenne ich nicht nur den Stadplan grob auswendig, sondern werde ihn zu mancher Sehenswürdigkeit lotsen. Einiges wird wahrscheinlich sowieso unter den Tisch fallen, weil ich ja unheimlich gerne ausschlafe, was ja in einer Ferienwohnung exzellent möglich ist. Und nun habe ich kurzfristig auch noch ein Lebenszeichen von meinem früheren Freund von 1985, der nach Wien gezogen ist, der von dem ich dachte, er wäre womöglich tot. Vielleicht kann man sich auch für einen Abend treffen. Mal sehen, was das wird! Auf jeden Fall freue ich mich auf die Wohnung und endlich mal wieder Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen! Ich habe mir auch gleich am Freitag zwei Bildbände und einen Reiseführer und einen Stadtplan gekauft. Aber den Stadtplan tausche ich morgen wieder um. Ich dachte, die hätten alle die typische Falk-Patentfaltung, aber der nicht, der ist wie so ein großer Lappen. Ich will den anderen. Sehr angetan hingegen war ich vom Namen meines Vermieters der Wohnung in Wien. Ein Name wie aus einem Roman. Alter österreichischer Adel. Habe die Ehre! Und den monströsen zehn-Kilo Schinken mit allen Klimtwerken von Taschen bestellt. Und die Heller-Autobiographie. Also ich denke, ich bin bis Mai bestens vorbereitet. Voraussichtlich werde ich dann Führungen zu meinen persönlichen Highlights anbieten können, dann ist die Miete gleich wieder drin! In den Bildbänden habe ich schon ganz viel gesehen, was mich überhaupt nicht interessiert, die ganzen Kirchen, keinerlei Bedarf. Ich war in genug Kirchen in meinem Leben. Tipps brauche ich auch keine, das vewirrt mich eher. Bei den größeren Museen mit den Gemäldesammlungen habe ich auch schon das meiste gestrichen. Kennst du eines, kennst du alle! Die Wohnung ist in der Nähe vom Belvedere, ich denke das reicht in der Hinsicht. Ja, die haben in einem anderen auch die größte Schiele-Sammlung der Welt, aber bin ich so ein Schiele-Fan? Da gerade in der Ausstellung war wieder einiges. Ich bin da eher zwiespältig. Wenn man dann womöglich anstehen muss, ist ja der Nachmittag schon wieder erledigt. Also Hauptsache draußen herumlaufen und schauen und immer schön viel trinken. Kaffee mit Schlagobers und später Alkohol! Womöglich rauche ich auch. Und dann natürlich noch die Gespräche. Vergangenheitsbewältigungsgespräche. Haha. Ich bin ja wirklich gespannt. Den einen habe ich vor zwölf Jahren zuletzt gesehen, über die Umstände möchte ich hier nicht näher ins Detail gehen, den anderen vor 8 6undzwanzig Jahren. Na servas! So, nun sind Sie im Bilde, warum ich beim „Wien Berlin“-Plakat erst in zweiter Linie an die Ausstellung denke. Um nicht zu sagen: in dritter Linie.










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11. Januar 2014

So. Ich werde jetzt das Rollo am Küchenfenster anschrauben, das ich vor fünfzehn Jahren gekauft habe. Gut Ding braucht eben manchmal Weile. Nur noch die sechs kleinen Löcher bohren und schon ist die Sache geritzt. Die Sonne scheint, na prima. Das Rollo soll mir nicht etwa dabei helfen, mich vor unerwünschter Sonnenbestrahlung zu schützen, sondern die Privatsphäre meiner neuen Nachbarn vollumfänglich zu gewährleisten. Sie werden sich einfach sicherer und privater fühlen, wenn ich mich nach Einbruch der Dunkelheit in meiner Küche aufhalten sollte und Licht brennt. Ich will meinen neuen Nachbarn einfach nicht zur Last fallen. Sie sollen sich rundherum privat fühlen können. Vorgestern früh habe ich den neuen Nachbarn nur in T-Shirt und Unterhose gesehen (beides schwarz). Wie heißt es doch so schön: zu viel Information.

19. Januar 2014



Wien Berlin. Das ist nicht nur eine Ausstellung, das ist eine Auseinandersetzung. Eine private. Oder Zusammensetzung. Demnächst eine Zusammensetzung. Einiger Fragmente, Puzzleteilchen. Erinnerungen. Ich schreibe nicht so gerne über Ausstellungen, das wird schnell langweilig. Man kann hingehen und sich das mit eigenen Augen ansehen. Meine Fotos zeigen auch viel, wenn auch nicht die Exponate, Fotografieren ist in dieser Sonderausstellung nicht erlaubt. Nur das: da sind so berühmte Sachen wie das Mädchen von Christian Schad mit dem Pagenkopf, das jeder von der Briefmarke kennt. Tatsächlich aber ist der Antrieb, mir die Ausstellung gerade jetzt anzusehen, vor einer Woche vielmehr, ein privaterer Bezug. Ich treffe im Mai jemanden in Wien. Für ihn ist Wien ungefähr das, wie für mich Berlin. Nur, dass er gerade nicht da wohnt. Ich habe eine Wohnung im vierten Bezirk gefunden. Nur für wenige Tage. Da war dieses kleine Hin- und Her per Mail, an irgendeiner Stelle die Frage von ihm, ob ich Wien überhaupt kennen würde. Ein paar Mails und Nächte später dachte ich mir: soll er mir doch sein „Wien, Wien nur du allein“ zeigen. Flug habe ich auch gebucht. Ja, sollte man gesehen haben, bin ich mir sicher, keine Frage. Wie eben so manche europäische Metropole. Ich war nur einmal ganz kurz dort, auf der Durchreise, 1981 oder 1982. Sehr bizarrer Hintergrund. Hatte mit dem psychotischen Aktionskünstler Otto Mühl zu tun. Bei dem war ich, in seiner Alternativ-Kommune. Fürchterliche Sache. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich freue mich auf „baba“ und „waast es eh“ und „heast“. Mir ist der Dialekt entweder zu geknödelt oder auf eine zeitweise vulgär anmutende Art gedehnt. Die Langsamkeit wirkt auf mich auch nicht gemütlich sondern, grob gesprochen, lahmarschig. Wenn ich ab und zu aus Versehen den Fernseher anmache und auf die 3-Sat-Taste drücke und dann zufällig die Nachrichtensendung vom ORF kommt, bin ich nicht elektrisiert von den österreichischen Kollegen. Das hat immer so einen fünfziger Jahre-Vibe, ich bin da ja auch sehr auf Äußerlichkeiten fixiert. Schlecht geschnittene Anzüge, vernuschelte Endsilben, schwerfällige Bewegungsabläufe. Ich möchte gar nicht wissen, worüber die reden. Aber sei’s drum. Ich schaue mir die dekorativen Bauwerke, das Haus der Sezession und die Kaffeehäuser an und vielleicht das Ernst-Fuchs-Museum und durchaus auch die Klimts im Belvedere und vielleicht das Sissi-Museum und das vom Freud. Lustigerweise wurde meine Idee, meinen lieben alten Freund als Fremdenführer zu engagieren, mit dem Hinweis beantwortet, er hätte ja einen ganz schlechten Orientierungssinn, aber er könnte sich da ja bestimmt so eine App oder weiß der Geier… Nun gut. Ich sehe schon, bis Mai kenne ich nicht nur den Stadplan grob auswendig, sondern werde ihn zu mancher Sehenswürdigkeit lotsen. Einiges wird wahrscheinlich sowieso unter den Tisch fallen, weil ich ja unheimlich gerne ausschlafe, was ja in einer Ferienwohnung exzellent möglich ist. Und nun habe ich kurzfristig auch noch ein Lebenszeichen von meinem früheren Freund von 1985, der nach Wien gezogen ist, der von dem ich dachte, er wäre womöglich tot. Vielleicht kann man sich auch für einen Abend treffen. Mal sehen, was das wird! Auf jeden Fall freue ich mich auf die Wohnung und endlich mal wieder Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen! Ich habe mir auch gleich am Freitag zwei Bildbände und einen Reiseführer und einen Stadtplan gekauft. Aber den Stadtplan tausche ich morgen wieder um. Ich dachte, die hätten alle die typische Falk-Patentfaltung, aber der nicht, der ist wie so ein großer Lappen. Ich will den anderen. Sehr angetan hingegen war ich vom Namen meines Vermieters der Wohnung in Wien. Ein Name wie aus einem Roman. Alter österreichischer Adel. Habe die Ehre! Und den monströsen zehn-Kilo Schinken mit allen Klimtwerken von Taschen bestellt. Und die Heller-Autobiographie. Also ich denke, ich bin bis Mai bestens vorbereitet. Voraussichtlich werde ich dann Führungen zu meinen persönlichen Highlights anbieten können, dann ist die Miete gleich wieder drin! In den Bildbänden habe ich schon ganz viel gesehen, was mich überhaupt nicht interessiert, die ganzen Kirchen, keinerlei Bedarf. Ich war in genug Kirchen in meinem Leben. Tipps brauche ich auch keine, das vewirrt mich eher. Bei den größeren Museen mit den Gemäldesammlungen habe ich auch schon das meiste gestrichen. Kennst du eines, kennst du alle! Die Wohnung ist in der Nähe vom Belvedere, ich denke das reicht in der Hinsicht. Ja, die haben in einem anderen auch die größte Schiele-Sammlung der Welt, aber bin ich so ein Schiele-Fan? Da gerade in der Ausstellung war wieder einiges. Ich bin da eher zwiespältig. Wenn man dann womöglich anstehen muss, ist ja der Nachmittag schon wieder erledigt. Also Hauptsache draußen herumlaufen und schauen und immer schön viel trinken. Kaffee mit Schlagobers und später Alkohol! Womöglich rauche ich auch. Und dann natürlich noch die Gespräche. Vergangenheitsbewältigungsgespräche. Haha. Ich bin ja wirklich gespannt. Den einen habe ich vor zwölf Jahren zuletzt gesehen, über die Umstände möchte ich hier nicht näher ins Detail gehen, den anderen vor 8 6undzwanzig Jahren. Na servas! So, nun sind Sie im Bilde, warum ich beim „Wien Berlin“-Plakat erst in zweiter Linie an die Ausstellung denke. Um nicht zu sagen: in dritter Linie.










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18. Januar 2014

Schon lange nicht mehr an Miezi gedacht. Aber vorhin.
g a g a – Sa, 01:23
ich habe als Kind auch eine gehabt, so bis ich ungefähr zwölf war, dann ist sie gestorben, sie hat einmal Junge gehabt und ist dann sterilisiert worden und mit der großen Wunde und dem Verband um den Bauch wild im Garten herumgesprungen, da ist die Wunde nicht geheilt und hat sich entzündet und sie ist gestorben. Da war ich sehr traurig. Ich habe ihre Pfote gehalten, als sie das einzige Mal Junge gekriegt hat, fünf Stück, die ganzen Wehen lang. Sie hat immer auf meiner Bettdecke geschlafen. So eine schöne große Wärmflasche auf meinem Bauch. Ihr Name war Miezi. Nicht sehr originell, aber mir hat der Name gefallen.
P.S. komisch… kann mich gar nicht erinnern, dass ich mal von ihr geträumt hätte. Aber ich vergesse auch fast alles, was ich träume… leider
g a g a – Sa, 01:29
P.P.S. ich kann mich noch erinnern, dass ich immer ganz fasziniert in ihre Ohren geguckt habe, die zarten rosa Gehörgänge mit den flaumigen Härchen und ein bißchen reingepustet. Und mit den Ohren gespielt. Umgeklappt und so. Klingt irgendwie nach Tierquälerei, aber ich habe nur Sachen gemacht, die sie sich hat gefallen lassen. Sonst hätte sie mich bestimmt angefaucht.

18. Januar 2014

Schon lange nicht mehr an Miezi gedacht. Aber vorhin.
g a g a – Sa, 01:23
ich habe als Kind auch eine gehabt, so bis ich ungefähr zwölf war, dann ist sie gestorben, sie hat einmal Junge gehabt und ist dann sterilisiert worden und mit der großen Wunde und dem Verband um den Bauch wild im Garten herumgesprungen, da ist die Wunde nicht geheilt und hat sich entzündet und sie ist gestorben. Da war ich sehr traurig. Ich habe ihre Pfote gehalten, als sie das einzige Mal Junge gekriegt hat, fünf Stück, die ganzen Wehen lang. Sie hat immer auf meiner Bettdecke geschlafen. So eine schöne große Wärmflasche auf meinem Bauch. Ihr Name war Miezi. Nicht sehr originell, aber mir hat der Name gefallen.
P.S. komisch… kann mich gar nicht erinnern, dass ich mal von ihr geträumt hätte. Aber ich vergesse auch fast alles, was ich träume… leider
g a g a – Sa, 01:29
P.P.S. ich kann mich noch erinnern, dass ich immer ganz fasziniert in ihre Ohren geguckt habe, die zarten rosa Gehörgänge mit den flaumigen Härchen und ein bißchen reingepustet. Und mit den Ohren gespielt. Umgeklappt und so. Klingt irgendwie nach Tierquälerei, aber ich habe nur Sachen gemacht, die sie sich hat gefallen lassen. Sonst hätte sie mich bestimmt angefaucht.

17. Januar 2014

immer wenn ich Ftotos von Sandra bBullock sehe, überlege ich mir, ob ich mir wieder die haare färeben soll. irgendwas ist mit meiner Tastatur und der Großschreibetaste nicht iin ordnung. Das war jetzt aber noch nicht der prognostizierte interessante Eintrag.

11. Januar 2014

So. Ich werde jetzt das Rollo am Küchenfenster anschrauben, das ich vor fünfzehn Jahren gekauft habe. Gut Ding braucht eben manchmal Weile. Nur noch die sechs kleinen Löcher bohren und schon ist die Sache geritzt. Die Sonne scheint, na prima. Das Rollo soll mir nicht etwa dabei helfen, mich vor unerwünschter Sonnenbestrahlung zu schützen, sondern die Privatsphäre meiner neuen Nachbarn vollumfänglich zu gewährleisten. Sie werden sich einfach sicherer und privater fühlen, wenn ich mich nach Einbruch der Dunkelheit in meiner Küche aufhalten sollte und Licht brennt. Ich will meinen neuen Nachbarn einfach nicht zur Last fallen. Sie sollen sich rundherum privat fühlen können. Vorgestern früh habe ich den neuen Nachbarn nur in T-Shirt und Unterhose gesehen (beides schwarz). Wie heißt es doch so schön: zu viel Information.

07. Januar 2014

Keine Sehnsucht nach Eis und Schnee. Ich bin zufrieden, wie es ist. Irgendwas zwischen sieben und fünfzehn Grad. Super extreme Wetterzustände sind nur für Wetterfrösche interessant oder? Außer Gewitter, Donner und Doria. Gewitter kann ich gut leiden, es gefällt mir sogar richtig gut, wenn ich drinnen bin, in meinem warmen, sicheren Nest. Einfach gemütlich, wenn es dann so schön dunkel donnert und grollt. Aber Schnee? Na ja. Durchs Fenster ganz schön anzusehen. Aber Skifahren? Habe ich nur einmal im Leben gemacht, als Schülerin. Ich war ungefähr dreizehn oder vierzehn. Skilager in Südtirol. Hoch gewachsen und ungelenk. In Erinnerung sind mir auch umständliche Anziehsachen, so ein türkisblauer Skianzug mit Skiunterwäsche drunter. Und Sonnenbaden in Unterwäsche auf einem Holzbalkon mit geschnitzten Herzen. Und dass ich das erste Mal in meinem Leben so etwas wie Erotik mit dem anderen Geschlecht erlebt habe. Also die Vorstufe. Nicht bis zum Äußersten! Aber das war erst ganz am Schluß vom Skilager, ich glaube fast, der letzte Abend. Erstaunlich, was ich so schreibe, wenn ich mich nicht zügle! Da war so eine andere Schulklasse in der Pension Iris untergebracht. War es das Kleinwalsertal, kann das sein? Eine Klasse von einem Jungengymnasium in München. Damals waren Schuklassen oft noch nur mit Mädchen oder Jungen. Meine Klasse aber glaube ich gemischt. Oder doch nicht? Alles so lange her. Also diese Gymnasiasten aus München, da waren einige dabei, wo die Hormone schon ganz schön am Arbeiten waren. Ich glaube, das hat mich damals angesteckt. Und die haben das gleich gemerkt. Mir ist, als hätte ich mit allen getanzt, das erste Mal in meinem Leben. Und mit einem bin ich auch auf’s Zimmer von der Pension Iris. Also das Zimmer, das ich mit zwei anderen Mädchen geteilt habe. Wir haben aber nur ein bißchen gefummelt und geküsst. Das war ganz schön aufregend, huiuiui! Nun ist es raus!

Ich denke gerne dran zurück, auch weil ich damals meinen ersten Liebesbrief von einem Jungen gekriegt habe. Dann ist aber lange nichts mehr gekommen. Also er hat mehrere geschrieben und ich bestimmt auch zurück, aber wir haben uns nie mehr gesehen. Ich erinnere mich aber noch an seine Sommersprossen. Die waren sexy, obwohl ich vorher nicht gedacht hätte, dass ich jemals einen Jungen mit Sommersprossen und so rötlichen Haaren sexy finden könnte. Ich überlege dauernd, ob er mit irgendwem, den man kennt, Ähnlichkeit hatte. Nur, um ihn sich besser vorstellen zu können! Na ja, vielleicht so eine Mischung aus Heintje und Robert Wagner! Ja, ich weiß, das ist jetzt ganz schwer vorzustellen, aber ich möchte ungern ein Foto posten. Ich glaube nämlich, in einem alten Briefumschlag versteckt sich noch eins, oder einem alten Fotoalbum. Dauernd lief bei der Party die Rocky-Horror-Picture-Show-Platte und Saturday Night Fever. Könnte 79 gewesen sein. Ach ja! Toll. Schöne Erinnerung. Ich habe mich glaube ich nie mehr davor und danach so umschwärmt gefühlt, wie bei dieser Party mit den Münchner Gymnasiasten. Ich könnte mich gerade richtig hineinsteigern. Schon schön, dass man sich nicht nur an blöde Sachen erinnert. Ein wahrer Segen! So viel zum Thema Skifahren. Michael Schumacher und Angela Merkel hätten sich auch mal mehr auf’s Fummeln und Tanzen und küssen Üben konzentrieren sollen, natürlich auch nicht ganz ungefährlich, besonders für’s Herz, aber meistens bleiben doch die Knochen und die grundlegenden Hirnfunktionen erhalten. Also zumindest nicht irreparabel. Wobei ich schon ganz schön den Verstand verloren habe, seinerzeit! Aber ich wollte hier gar nicht auf betrübliches Zeitgeschehen kommen. Meine Pubertät finde ich eigentlich viel wichtiger. Also für mich. Man ist ja immer am Verarbeiten. Wann fing das alles an, was ist schief gelaufen? Etc. pp. Usw. usf. Zehre ich womöglich heute noch von diesem Erlebnis und versuche durch mein Blog ähnliche Bewunderung wie an diesem Abend zu erlangen, als ich irgendwas zwischen Dreizehn und Vierzehn war?

07. Januar 2014

Keine Sehnsucht nach Eis und Schnee. Ich bin zufrieden, wie es ist. Irgendwas zwischen sieben und fünfzehn Grad. Super extreme Wetterzustände sind nur für Wetterfrösche interessant oder? Außer Gewitter, Donner und Doria. Gewitter kann ich gut leiden, es gefällt mir sogar richtig gut, wenn ich drinnen bin, in meinem warmen, sicheren Nest. Einfach gemütlich, wenn es dann so schön dunkel donnert und grollt. Aber Schnee? Na ja. Durchs Fenster ganz schön anzusehen. Aber Skifahren? Habe ich nur einmal im Leben gemacht, als Schülerin. Ich war ungefähr dreizehn oder vierzehn. Skilager in Südtirol. Hoch gewachsen und ungelenk. In Erinnerung sind mir auch umständliche Anziehsachen, so ein türkisblauer Skianzug mit Skiunterwäsche drunter. Und Sonnenbaden in Unterwäsche auf einem Holzbalkon mit geschnitzten Herzen. Und dass ich das erste Mal in meinem Leben so etwas wie Erotik mit dem anderen Geschlecht erlebt habe. Also die Vorstufe. Nicht bis zum Äußersten! Aber das war erst ganz am Schluß vom Skilager, ich glaube fast, der letzte Abend. Erstaunlich, was ich so schreibe, wenn ich mich nicht zügle! Da war so eine andere Schulklasse in der Pension Iris untergebracht. War es das Kleinwalsertal, kann das sein? Eine Klasse von einem Jungengymnasium in München. Damals waren Schuklassen oft noch nur mit Mädchen oder Jungen. Meine Klasse aber glaube ich gemischt. Oder doch nicht? Alles so lange her. Also diese Gymnasiasten aus München, da waren einige dabei, wo die Hormone schon ganz schön am Arbeiten waren. Ich glaube, das hat mich damals angesteckt. Und die haben das gleich gemerkt. Mir ist, als hätte ich mit allen getanzt, das erste Mal in meinem Leben. Und mit einem bin ich auch auf’s Zimmer von der Pension Iris. Also das Zimmer, das ich mit zwei anderen Mädchen geteilt habe. Wir haben aber nur ein bißchen gefummelt und geküsst. Das war ganz schön aufregend, huiuiui! Nun ist es raus!

Ich denke gerne dran zurück, auch weil ich damals meinen ersten Liebesbrief von einem Jungen gekriegt habe. Dann ist aber lange nichts mehr gekommen. Also er hat mehrere geschrieben und ich bestimmt auch zurück, aber wir haben uns nie mehr gesehen. Ich erinnere mich aber noch an seine Sommersprossen. Die waren sexy, obwohl ich vorher nicht gedacht hätte, dass ich jemals einen Jungen mit Sommersprossen und so rötlichen Haaren sexy finden könnte. Ich überlege dauernd, ob er mit irgendwem, den man kennt, Ähnlichkeit hatte. Nur, um ihn sich besser vorstellen zu können! Na ja, vielleicht so eine Mischung aus Heintje und Robert Wagner! Ja, ich weiß, das ist jetzt ganz schwer vorzustellen, aber ich möchte ungern ein Foto posten. Ich glaube nämlich, in einem alten Briefumschlag versteckt sich noch eins, oder einem alten Fotoalbum. Dauernd lief bei der Party die Rocky-Horror-Picture-Show-Platte und Saturday Night Fever. Könnte 79 gewesen sein. Ach ja! Toll. Schöne Erinnerung. Ich habe mich glaube ich nie mehr davor und danach so umschwärmt gefühlt, wie bei dieser Party mit den Münchner Gymnasiasten. Ich könnte mich gerade richtig hineinsteigern. Schon schön, dass man sich nicht nur an blöde Sachen erinnert. Ein wahrer Segen! So viel zum Thema Skifahren. Michael Schumacher und Angela Merkel hätten sich auch mal mehr auf’s Fummeln und Tanzen und küssen Üben konzentrieren sollen, natürlich auch nicht ganz ungefährlich, besonders für’s Herz, aber meistens bleiben doch die Knochen und die grundlegenden Hirnfunktionen erhalten. Also zumindest nicht irreparabel. Wobei ich schon ganz schön den Verstand verloren habe, seinerzeit! Aber ich wollte hier gar nicht auf betrübliches Zeitgeschehen kommen. Meine Pubertät finde ich eigentlich viel wichtiger. Also für mich. Man ist ja immer am Verarbeiten. Wann fing das alles an, was ist schief gelaufen? Etc. pp. Usw. usf. Zehre ich womöglich heute noch von diesem Erlebnis und versuche durch mein Blog ähnliche Bewunderung wie an diesem Abend zu erlangen, als ich irgendwas zwischen Dreizehn und Vierzehn war?

05. Januar 2014


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=138195
Jan war da. War schön. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt. Na gut, es gibt auch noch andere schönste Sachen, gar keine Frage. Aber langfristig gesehen, ist ein richtig guter Freund, dem man so manches erzählen kann, und der einem so manches erzählen kann, schon sehr schön, vor allem wenn die Interessenslage viele Parallelen hat. Auch in der Hinsicht, was einen nicht am anderen interessiert. Und die Gemeinsamkeiten daher angenehm unverfänglich sind, ohne den anderen auch als „Erscheinung“ zu ignorieren. Ich meine: ich sehe schon, dass ich keinen unattraktiven Mann vor mir habe.

Doch dieses interessante Kapitel haben wir in geraumer Vergangenheit ausgeleuchtet und kann daher heute besonnen im Licht des Kameraobjektivs stehen. Und was für unmögliches Schummerlicht zum Fotografieren in meiner Wohnung. Keine Lust, den Scheinwerfer auszupacken, aber Lust Fotos zu machen. Man ist ja geübt, und weiß vorher, dass es natürlich zu neunzig Prozent verrauscht wird, aber einfach mal gucken. Komm, stell dich dahin, da vor die Tür, ja vor den Vorhang. Das kommt so Helmut Berger-mäßig, zu seinen besseren Zeiten, Visconti, auch ein bißchen Delon, Killerblick. Als ich die fertigen Bilder sehe, muss ich lachen, weil ich besonders bei einem und denen mit der Brille, diese Jürgen Prochnow-Assoziation kriege und mir wieder einfällt, wie mich einmal ein Redakteur vom Freitag angerufen hat, um die Verwertungsrechte für einige Bilder einer Strecke zu kaufen, die eine Reportage über Jürgen Prochnow illustrieren sollten. In der Fotostrecke war aber leider nicht Herr Prochnow abgebildet, sondern mein lieber Freund Jan. So wurden also keine Verwertungsrechte ge- und verkauft. Das angebotene Honorar wäre übrigens erschreckend niedrig gewesen. Also haben wir das Telefonat auf beiden Seiten heiter und amüsiert beendet. Wir haben am Neujahrsabend schön geplaudert und getrunken. Und viel gelacht. Und ein Stück von der Warhol-Doku auf youtube geguckt.

Jan hat keinen Fernseher und bislang auch keinen gesehen, der youtube aufrufen kann, fand er interessant. Das nächste mal habe ich wieder ordentlich Wein im Kühlschrank, nicht nur eine angebrochene Flasche vom Vortag. Dann müssen wir nicht dauernd den hochprozentigen Williamsgeist ins Glas schütten. Aber schön war es doch. Am besten gefällt mir ja, wenn er so leicht die Stimme senkt und in einem verschwörerischen Tonfall, als könnte wer mithören, pikante Sachen von Leuten erzählt, die er getroffen hat. Was ich hier natürlich nicht bloggen kann. Aber jetzt so ganz allgemein gesprochen z. B., mir die eine oder andere kleine Eitelkeit von dem einen oder anderen älter gewordenen Berliner Chansonnier berichtet. Eitel sind wir ja alle. Und älter sind wir auch alle. Daher ist es so interessant. So verging die Zeit wie im Fluge. Was ich auch unendlich angenehm finde ist, dass er mir nicht auf die Finger klopft, wenn ich hier Bilder von ihm zeige oder Sachen über ihn blogge. Das würde mir ja unheimlich auf die Nerven gehen! Dann wäre es aber bald vorbei mit der Freundschaft! Ich brauche freie Hand. Wie er halt auch. Wir verstehen uns eben. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt.

05. Januar 2014

Man hat uns nicht gefragt,
als wir noch kein Gesicht,
ob wir leben wollen,
oder lieber nicht.
Jetzt gehe ich ganz allein,
durch eine meine große Stadt,
und ich weiß nicht einmal,
ob dass diese Stadt mich lieb hat? (!!!)
Dann schau ich in die Stuben,
durch Tür und Fensterglas,
und ich höre, warte,
auf etwas (aber was)
Wenn ich mir was wünschen dürfte,
käm ich nicht in Verlegenheit,
was ich mir denn wünschen sollte:
eine schlimme oder gute Zeit? (!)
Wenn ich mir was wünschen dürfte,
möchte ich etwas recht viel glücklich sein,
denn sobald ich gar zu recht viel glücklich wär,
hätt ich kein (!) Heimweh nach dem Traurigsein.
Menschenskind,
warum glaubst du bloß,
gerade dein Leid, dein Schmerz,
wären riesengroß,
Wünsch dir nichts was!
Dummes Schlaues Menschenkind,
Wünsche sind nicht nur schön,
so lang sie unerfüllbar sind.

F. Hollaender 1931; Überarb. G. Nielsen 2014
Bestellung beim Universum
gewünschter Liefertermin: 17. Mai 2014
(Gesundheit für duweißtschonwenalles bitte früher: 11. Februar 2014)

Wenn ich mir was wünschen dürfte, käme ich nicht in Verlegenheit. Gesundheit, Evolution und Weltruhm. Nicht nur für mich, aber natürlich auch. Ich bin ja auch wer. Ein Lebewesen mit menschlichen Bedürfnissen. Nicht, dass es am Ende des Jahres heißt, ich hätte so genuschelt, dass man es nicht verstehen konnte. Weißt du Bescheid, Universum. Ich denke, wenn du darüber nachdenkst, kommst du auch drauf, dass die Sachen, die ich mir wünsche, für alle Beteiligten von Vorteil sind, also auch für dich. Du kannst nur gewinnen, wenn du die Sachen erfüllst, es ist auch zu deinem Besten, Universum! Vielleicht fällt dir auf meinem Wunschzettel auf, dass der häufig gewünschte, ja überaus gerne bestellte Partner nicht drin vorkommt. Das hast du gut beobachtet. Da glaube ich nämlich nicht dran. Also ans Liebe wünschen oder gar bestellen. Ich bin außerdem auch sehr beschäftigt im Moment, da habe ich gar keine Zeit mir zu überlegen, ob ich mir so einen erotischen und/oder romantischen Partner wünsche. Früher ja! Immerzu. Ohne Unterbrechung. Alle Nase lang. Ich war direkt besessen von diesem Posten auf meinem Wunschzettel. Aber im Moment ist es nicht wichtig bei mir. Ich kann mich außerdem auch noch ziemlich gut erinnern, wie das war. Nämlich durchaus nicht unkompliziert. Wenn du aber zufällig irgendwo Liebe rumliegen hast, die deiner Meinung nach zu meinem Kundenprofil passt, kannst du mir ja mal eine Testversion zukommen lassen. Aber wie gesagt: es eilt nicht. Also in diesem Sinne: mach’s gut Universum.
Deine
Gaga Nielsen
P.S.: wegen Geld: ist auch nicht drauf auf dem Wunschzettel, weil ich ja jetzt gelernt habe zu sparen, deswegen ist noch welches da. Kannst du anderen* geben!
P.P.S.: und wegen Frieden: ist schon in der Evolution mit drin, logo.
*) bei Bedarf hier in den Kommentaren bestellen!

05. Januar 2014


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Jan war da. War schön. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt. Na gut, es gibt auch noch andere schönste Sachen, gar keine Frage. Aber langfristig gesehen, ist ein richtig guter Freund, dem man so manches erzählen kann, und der einem so manches erzählen kann, schon sehr schön, vor allem wenn die Interessenslage viele Parallelen hat. Auch in der Hinsicht, was einen nicht am anderen interessiert. Und die Gemeinsamkeiten daher angenehm unverfänglich sind, ohne den anderen auch als „Erscheinung“ zu ignorieren. Ich meine: ich sehe schon, dass ich keinen unattraktiven Mann vor mir habe.

Doch dieses interessante Kapitel haben wir in geraumer Vergangenheit ausgeleuchtet und kann daher heute besonnen im Licht des Kameraobjektivs stehen. Und was für unmögliches Schummerlicht zum Fotografieren in meiner Wohnung. Keine Lust, den Scheinwerfer auszupacken, aber Lust Fotos zu machen. Man ist ja geübt, und weiß vorher, dass es natürlich zu neunzig Prozent verrauscht wird, aber einfach mal gucken. Komm, stell dich dahin, da vor die Tür, ja vor den Vorhang. Das kommt so Helmut Berger-mäßig, zu seinen besseren Zeiten, Visconti, auch ein bißchen Delon, Killerblick. Als ich die fertigen Bilder sehe, muss ich lachen, weil ich besonders bei einem und denen mit der Brille, diese Jürgen Prochnow-Assoziation kriege und mir wieder einfällt, wie mich einmal ein Redakteur vom Freitag angerufen hat, um die Verwertungsrechte für einige Bilder einer Strecke zu kaufen, die eine Reportage über Jürgen Prochnow illustrieren sollten. In der Fotostrecke war aber leider nicht Herr Prochnow abgebildet, sondern mein lieber Freund Jan. So wurden also keine Verwertungsrechte ge- und verkauft. Das angebotene Honorar wäre übrigens erschreckend niedrig gewesen. Also haben wir das Telefonat auf beiden Seiten heiter und amüsiert beendet. Wir haben am Neujahrsabend schön geplaudert und getrunken. Und viel gelacht. Und ein Stück von der Warhol-Doku auf youtube geguckt.

Jan hat keinen Fernseher und bislang auch keinen gesehen, der youtube aufrufen kann, fand er interessant. Das nächste mal habe ich wieder ordentlich Wein im Kühlschrank, nicht nur eine angebrochene Flasche vom Vortag. Dann müssen wir nicht dauernd den hochprozentigen Williamsgeist ins Glas schütten. Aber schön war es doch. Am besten gefällt mir ja, wenn er so leicht die Stimme senkt und in einem verschwörerischen Tonfall, als könnte wer mithören, pikante Sachen von Leuten erzählt, die er getroffen hat. Was ich hier natürlich nicht bloggen kann. Aber jetzt so ganz allgemein gesprochen z. B., mir die eine oder andere kleine Eitelkeit von dem einen oder anderen älter gewordenen Berliner Chansonnier berichtet. Eitel sind wir ja alle. Und älter sind wir auch alle. Daher ist es so interessant. So verging die Zeit wie im Fluge. Was ich auch unendlich angenehm finde ist, dass er mir nicht auf die Finger klopft, wenn ich hier Bilder von ihm zeige oder Sachen über ihn blogge. Das würde mir ja unheimlich auf die Nerven gehen! Dann wäre es aber bald vorbei mit der Freundschaft! Ich brauche freie Hand. Wie er halt auch. Wir verstehen uns eben. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt.

31. Dezember 2013


April, April! Bestimmt haben alle gedacht, der Eintrag mit der Abenddämmerung ist nun klassischer Bilddramaturgie folgend, der letzte für dieses Jahr, Abspann, Zack, Ende! Aber hier läuft alles ein bißchen anders. Ich habe ja dieses ungeheure Privileg, heute keinen Partystress zu haben. Ich musste mir keine Korkenzieherlocken (engl.: sausage curls) aufdrehen, kein kratziges Paillettenkleid überziehen, keine klebrige Nylonstrumpfhose, keine drückenden Stiletto-Sandaletten, kein großes Abend-Make-up auflegen. ICH habe Zeit zum Bloggen! Nichts könnte mich hindern! In aller Ruhe konnte ich ein paar letzte Aufnahmen von heute Nachmittag hochladen, die ansatzweise meine heutige Abendgarderobe zeigen, die extravaganterweise komplett identisch ist mit der am Vormittag, Mittag und Nachmittag. Nicht ganz so gelungen ist bei meiner heutigen privaten Pyjama-Party die Getränkeauswahl. Ich habe es schlichtweg versäumt, noch einmal einkaufen zu gehen und ein etwas prickelnderes Getränk zu kaufen, als diese komische letzte Flasche Wein, die ich nun hier wohl oder übel, zumindest teilweise, trinken werde. Ein Bio-Weißwein von der Bio Company aus – ich traue es mich fast nicht zu schreiben – Italien. Wer meine Aufsätze schon länger liest, weiß eigentlich, dass ich eine Weinregion strikt meide, und die fängt mit I an und hört mit talien auf. Die Bio Company-Regal-Einräumer haben versehentlich diese Sorte in das spanische Regal geräumt und meine Augen sind nicht mehr ganz so gut wie früher. Daheim, vorhin leider erst, habe ich dann die wahre Herkunft entziffert und hoffte, dass meine über Jahre gepflegten Vorurteile wenigstens mit diesem Biowein abgebaut werden könnten. Aber sogar dieser blöde Biowein schmeckt parfümiert, wie ich es eben nur von italienischen Weißweinen kenne. Aber nichts gegen einen extra trockenen italienischen Prosecco. Das können sie wenigstens und natürlich Kaffee, Espresso. Ich möchte meinen letzten Eintrag nicht so negativ ausklingen lassen. Das schickt sich einfach nicht. Und ich kann auch sonst Gutes über Italiener berichten: sie ziehen sich allgemein gut an und haben tolle Gesten, wenn sie schimpfen oder sich aufregen. Das gefällt mir gut! Manches Essen schmeckt mir auch. Also eigentlich sind nur die Weine problematisch. Sonst alles super! Bella Italia! Hoch soll es leben! Die ganze Welt soll hochleben! Hui! Jetzt wird es schon knalliger da draußen. Man hört jetzt schon die Sorte Feuerwerk, die sich wie so ein Rieseln anhört, ein bißchen wie Regen. Schön. Jedenfalls habe ich mir überlegt, ich werde zur Mitternachtsstunde mit Williamsbrand anstoßen, das gibt dem Augenblick das Besondere und ist ein edler Tropfen. Sie können ja in Gedanken mit mir anstoßen. Ich bin ja hier und werde es bestimmt hören. Allen ein frohes neues Jahr!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=138195

31. Dezember 2013


Passend zur Dämmerstunde. Das war zwar am 27., also vor-, vor-, vorgestern, aber die Uhrzeit stimmt. So irgendwas nach sechzehn Uhr. Ein letzter Sonnenuntergang aus meinem Fenster Richtung Westen in diesem Jahr. Ich schreibe keine pathetischen Sachen oder Rückblicke. Die mit mir zu tun hatten oder lesen, wissen ja, was mich so bewegt hat. Das muss langen! Insgesamt sollte man Silvester nicht zu ernst nehmen. Weil mir Ende der Achtziger Jahre mal ein Kracher neben meinem rechten Ohr explodiert ist, und die Haare in Flammen standen, gehe ich nicht mehr unter freien Himmel an Silvester, das ist mir zu gefährlich. Aber ich kann schön gucken, was so in den Himmel geschossen wird. Und wenn es mir nach Mitternacht zur Schlafenszeit immer noch zu laut ist, benutze ich zum ersten Mal in meinem Leben Ohropax. Das habe ich übrig von einem geschenkten Besuch zum Floating, wo ich es nur fünf Minuten ausgehalten habe, weil mir die Salzlake so auf der Haut gebrannt hat. Kein schönes Erlebnis! Aber dafür habe ich Ohrstöpsel. Ich glaube, man muss die kneten, bevor man sie benutzt oder? Mal gucken. Und überlegen, wo ich die überhaupt habe. Neulich habe ich sie zufällig gesehen, die kleine Tüte. Vielleicht beim Pflaster. Ja, könnte sein. Also einen ruhigen, netten Abend mit guten Getränken und vor allem: morgen kein Kopfweh!
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31. Dezember 2013


April, April! Bestimmt haben alle gedacht, der Eintrag mit der Abenddämmerung ist nun klassischer Bilddramaturgie folgend, der letzte für dieses Jahr, Abspann, Zack, Ende! Aber hier läuft alles ein bißchen anders. Ich habe ja dieses ungeheure Privileg, heute keinen Partystress zu haben. Ich musste mir keine Korkenzieherlocken (engl.: sausage curls) aufdrehen, kein kratziges Paillettenkleid überziehen, keine klebrige Nylonstrumpfhose, keine drückenden Stiletto-Sandaletten, kein großes Abend-Make-up auflegen. ICH habe Zeit zum Bloggen! Nichts könnte mich hindern! In aller Ruhe konnte ich ein paar letzte Aufnahmen von heute Nachmittag hochladen, die ansatzweise meine heutige Abendgarderobe zeigen, die extravaganterweise komplett identisch ist mit der am Vormittag, Mittag und Nachmittag. Nicht ganz so gelungen ist bei meiner heutigen privaten Pyjama-Party die Getränkeauswahl. Ich habe es schlichtweg versäumt, noch einmal einkaufen zu gehen und ein etwas prickelnderes Getränk zu kaufen, als diese komische letzte Flasche Wein, die ich nun hier wohl oder übel, zumindest teilweise, trinken werde. Ein Bio-Weißwein von der Bio Company aus – ich traue es mich fast nicht zu schreiben – Italien. Wer meine Aufsätze schon länger liest, weiß eigentlich, dass ich eine Weinregion strikt meide, und die fängt mit I an und hört mit talien auf. Die Bio Company-Regal-Einräumer haben versehentlich diese Sorte in das spanische Regal geräumt und meine Augen sind nicht mehr ganz so gut wie früher. Daheim, vorhin leider erst, habe ich dann die wahre Herkunft entziffert und hoffte, dass meine über Jahre gepflegten Vorurteile wenigstens mit diesem Biowein abgebaut werden könnten. Aber sogar dieser blöde Biowein schmeckt parfümiert, wie ich es eben nur von italienischen Weißweinen kenne. Aber nichts gegen einen extra trockenen italienischen Prosecco. Das können sie wenigstens und natürlich Kaffee, Espresso. Ich möchte meinen letzten Eintrag nicht so negativ ausklingen lassen. Das schickt sich einfach nicht. Und ich kann auch sonst Gutes über Italiener berichten: sie ziehen sich allgemein gut an und haben tolle Gesten, wenn sie schimpfen oder sich aufregen. Das gefällt mir gut! Manches Essen schmeckt mir auch. Also eigentlich sind nur die Weine problematisch. Sonst alles super! Bella Italia! Hoch soll es leben! Die ganze Welt soll hochleben! Hui! Jetzt wird es schon knalliger da draußen. Man hört jetzt schon die Sorte Feuerwerk, die sich wie so ein Rieseln anhört, ein bißchen wie Regen. Schön. Jedenfalls habe ich mir überlegt, ich werde zur Mitternachtsstunde mit Williamsbrand anstoßen, das gibt dem Augenblick das Besondere und ist ein edler Tropfen. Sie können ja in Gedanken mit mir anstoßen. Ich bin ja hier und werde es bestimmt hören. Allen ein frohes neues Jahr!
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31. Dezember 2013


Passend zur Dämmerstunde. Das war zwar am 27., also vor-, vor-, vorgestern, aber die Uhrzeit stimmt. So irgendwas nach sechzehn Uhr. Ein letzter Sonnenuntergang aus meinem Fenster Richtung Westen in diesem Jahr. Ich schreibe keine pathetischen Sachen oder Rückblicke. Die mit mir zu tun hatten oder lesen, wissen ja, was mich so bewegt hat. Das muss langen! Insgesamt sollte man Silvester nicht zu ernst nehmen. Weil mir Ende der Achtziger Jahre mal ein Kracher neben meinem rechten Ohr explodiert ist, und die Haare in Flammen standen, gehe ich nicht mehr unter freien Himmel an Silvester, das ist mir zu gefährlich. Aber ich kann schön gucken, was so in den Himmel geschossen wird. Und wenn es mir nach Mitternacht zur Schlafenszeit immer noch zu laut ist, benutze ich zum ersten Mal in meinem Leben Ohropax. Das habe ich übrig von einem geschenkten Besuch zum Floating, wo ich es nur fünf Minuten ausgehalten habe, weil mir die Salzlake so auf der Haut gebrannt hat. Kein schönes Erlebnis! Aber dafür habe ich Ohrstöpsel. Ich glaube, man muss die kneten, bevor man sie benutzt oder? Mal gucken. Und überlegen, wo ich die überhaupt habe. Neulich habe ich sie zufällig gesehen, die kleine Tüte. Vielleicht beim Pflaster. Ja, könnte sein. Also einen ruhigen, netten Abend mit guten Getränken und vor allem: morgen kein Kopfweh!
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30. Dezember 2013


Und wie ich da so lang gehe, vor-vor-vorgestern, in Berlin Westend, die Sensburger Allee, steht auf einmal dieses Schild vor mir. Gewiss ein Salon für hochmoderne Damenfrisuren, Fasson-Haarschnitte. Diese Renée Sintenis hat bestimmt bei Vidal Sassoon gelernt. Solche Akuratesse, findet man nur in den besten Salons. Ob ich mir auch demnächst so einen frechen Kurzhaarschnitt aus dem Salon Sintenis zulege? Das sind so ungefähr die Gedanken, die mir durch den Kopf gegangen wären, wäre ich völlig unvorbereitet die Sensburger Allee entlangflaniert. Aber Gaga Nielsen ist niemals unvorbereitet! Dank einer Bekanntschaft ist Gaga Nielsen im Verteiler vom Georg Kolbe-Museum gelandet. Und da ist ihr beim Querlesen einer Mail das Foto von der Frau mit dem flotten Haarschnitt ins Auge gestochen. Gaga Nielsen hat gleich gemerkt, dass es eine besonders eigensinnige Frau gewesen sein muss, weil der flotte Haarschnitt, der so supermodern ausschaut, schon vor ungefähr hundert Jahren gemacht worden ist. Und so viele Haarschnitte von vor hundert Jahren gibt es nicht, die heute noch supermodern ausschauen würden. So schlichten Geistes es klingt: der Haarschnitt ist Schuld, dass ich wissen wollte, was die Frau gemacht hat. Bildhauerei, das ist ja klar, weil Georg Kolbe auch ein Bildhauer war, und in seinem ehemaligen Atelier fast ausschließlich Bildhauerei ausgestellt wird. Na gut, dazwischen auch mal ein paar Fotos und Zeitungsschnipsel über den Künstler, das kommt vor. Jedenfalls hat die Frau mit dem kecken Haarschnitt unter anderem den kleinen Berliner Berlinale-Bär gemacht. Der steht auch in ganz groß am Eingang von Berlin. Bei Dreilinden winkt er den Autofahrern zu. Überhaupt Tiere, Renée Sintenis hat hauptsächlich Tiere gemacht. Rehe und Pferdchen und andere Vierbeiner. Alles sehr putzig. Aber für mich jetzt – ganz unter uns – nicht so wahnsinnig spannend. Manchmal auch einen Kopf von einem berühmten Mann ihrer Zeit, legendäre Zeitgenossen. Oder einen Frauenakt. Aber so richtig beeindruckt hat mich die Galerie ihrer lebensgroßen Selbstportraits über den Zeitraum von ungefähr vierzig Lebensjahren. Ich habe es respektiert, dass man in der Ausstellung nicht fotografieren soll, aber draußen, im Garten darf man. Was im Garten steht, sind aber keine Werke von ihr, sondern

von Georg Kolbe. Im Frühling und Sommer muss es ein sehr romantischer und lauschiger Ort sein. Das war er ja jetzt schon, an diesem wolkigen Dezembertag. Da zeigt sich ja die wahre Qualität eines Ortes, wenn einem sogar bei trübem Wetter poetisch zumute wird. Ich habe also einen schönen Spaziergang durch den Garten gemacht, kurz vor der Abenddämmerung. Dann einen Rundgang durch die Ausstellung. Wo im hinteren Raum ein phantastisches Foto sehr groß aufgezogen hängt, das Renée Sintenis im Profil mit einem ihrer Selbstportraits zeigt. Ich habe es leider nur ganz klein im Netz entdeckt, hier. Sie müssen sich das Bild bitte unbedingt im Format von ca. ein mal zwei Meter vorstellen. Und rechts davon schloss sich diese Allee mit ihren Selbstportraits auf hohen weißen Stelen an. Von außen konnte ich zumindest ein bißchen etwas davon einfangen. Es gab eine Schauwand mit Zeitungsschnipseln zur Berlinale und dem kleinen und großen Bär, und Nina Hoss hat ihren silbernen Berlinale Bär als Leihgabe gestiftet. Er ist wirklich hübsch. Es gab damals, nach dem Krieg auch eine Aktion „Kauft Berliner Waren!“ und einen extra Stempel mit einem Bär drin, um Waren aus Berlin zu kennzeichnen, um die Berliner Wirtschaft anzukurbeln. Den Stempel hat Renée Sintenis wohl auch gemacht. Auch sehr hübsch. Ich hätte gleich Berliner Waren gekauft! Dann bin ich wieder raus, auf die Sensburger Allee, wo ich vorher noch nie war. Dabei kommt man so leicht hin mit der S-Bahn, einfach am S-Bahnhof Heerstraße aussteigen und dann gegenüber direkt in die Sensburger Allee. Ein bißchen weiter hinten als das Georg-Kolbe-Museum, ist ein kleiner Teich mit Entengrütze. Und Enten drin. Ein Pärchen habe ich gesehen. Er ist immer der Entenfrau hinterher. Ich habe ein paar Fotos gemacht,

natürlich auch welche mit mir drauf, wie immer, aber auch mit Natur! Sonst denken alle, ich sehe immer nur Stadt und Häuser und nie Natur. Dann bin ich wieder zurück, noch mal am Georg-Kolbe-Museum vorbei, es war schon blaue Stunde, was man auf den Fotos auch schön sehen kann, und da habe ich dann noch mal von außen in die Ausstellung fotografiert. Es ist schon ein sehr schöner Ort. Das nächste mal könnte ich auch das kleine Café besuchen. Da war mir diesmal nicht danach, so alleine. Obwohl ein heißer Kakao schon sehr gut gewesen wäre oder eine gepflegte Tasse Kaffee! Na ja, zu spät. Selber schuld! Auf jeden Fall ist Renée Sintenis schon eine interessante Figur gewesen. Sie wurde ja auch ganz oft fotografiert und hat die tollsten Leute ihrer Zeit in Berlin gekannt und ordentlich gefeiert. Was mir natürlich neben den Selbstportraits auch sehr sympathisch ist. Und Alfred Flechtheim war ihr Galerist. Den Namen haben jetzt wahrscheinlich mehr Leute als früher präsent, weil er oft durch die Presse gegangen ist, im Zuge dieser ganzen Gurlitt-Geschichte. Mir fällt auch wieder ein, wie ich in den Verteiler gekommen bin: der früherer künstlerische Leiter vom Georg-Kolbe-Museum hat mal eine Ausstellung über die Berliner Kunstszene mit Jan und dem Kunstkontakter im Deutschen Generalkonsulat in New York kuratiert und für die Einladungskarten ein Foto von mir genommen, auf dem man die beiden in Riefenstahlscher Untersicht in einem Fahrstuhl sieht. Das hat mich sehr gefreut. Ich musste mir dann vorstellen, wie das Foto hundert- oder gar tausendfach durch die Hände von den Druckern einer New Yorker Druckerei läuft. Und ich war selber gar nicht dabei. Das muss man sich mal vorstellen. Aber schöne Vorstellung. So war das. Genau. Der damalige Kurator, Marc Wellmann hat jetzt eine ähnliche Funktion an einem anderen renommierten Ort in Berlin. Hätte ich mal Kunstgeschichte statt immer nur Nachtleben studiert, hätte ich es auch so weit bringen können! Aber na ja, ich werde auch noch meinen Weg machen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=138195
(…) „Sie war unter den Künstlerkollegen von Anfang an eine anerkannte Persönlichkeit, war eng verbunden in die Szene der Weimarer Republik, die ja sehr lebendig war, hier in Berlin, die Brücke, die Expressionisten, Max Liebermann war noch am Leben. Rilke ist einer ihrer prominentesten Fürsprecher gewesen, auch Georg Kolbe hat ihr Werk geschätzt. (…) Für Georg Kolbe hat sie sogar Modell gestanden. In seinem ehemaligen Atelierhaus, das heute das Kolbe-Museum ist, bereitet Julia Wallner nun eine große Ausstellung vor, um an Renée Sintenis Werk zu erinnern. Und an ihr spannendes Leben: Sie trifft Albert Einstein, Ringelnatz schreibt Gedichte über sie. Ihr Kunsthändler ist der bekannteste der Weimarer Republik: Alfred Flechtheim. Bekennend schwul und feierfreudig. Sie ist seine wichtigste Künstlerin und darf nicht fehlen, wenn er wieder eine wilde Party schmeißt.“ (…) RBB-ONLINE

„Man nehme sehr viele schöne Frauen, fünf Mitglieder der Haute Banque, mehrere berühmte Rechtsanwälte, Dichter, Parlamentarier, die Sintenis und sehr viel Pfirsichbowle.“
Alfred Flechtheim

30. Dezember 2013


Und wie ich da so lang gehe, vor-vor-vorgestern, in Berlin Westend, die Sensburger Allee, steht auf einmal dieses Schild vor mir. Gewiss ein Salon für hochmoderne Damenfrisuren, Fasson-Haarschnitte. Diese Renée Sintenis hat bestimmt bei Vidal Sassoon gelernt. Solche Akuratesse, findet man nur in den besten Salons. Ob ich mir auch demnächst so einen frechen Kurzhaarschnitt aus dem Salon Sintenis zulege? Das sind so ungefähr die Gedanken, die mir durch den Kopf gegangen wären, wäre ich völlig unvorbereitet die Sensburger Allee entlangflaniert. Aber Gaga Nielsen ist niemals unvorbereitet! Dank einer Bekanntschaft ist Gaga Nielsen im Verteiler vom Georg Kolbe-Museum gelandet. Und da ist ihr beim Querlesen einer Mail das Foto von der Frau mit dem flotten Haarschnitt ins Auge gestochen. Gaga Nielsen hat gleich gemerkt, dass es eine besonders eigensinnige Frau gewesen sein muss, weil der flotte Haarschnitt, der so supermodern ausschaut, schon vor ungefähr hundert Jahren gemacht worden ist. Und so viele Haarschnitte von vor hundert Jahren gibt es nicht, die heute noch supermodern ausschauen würden. So schlichten Geistes es klingt: der Haarschnitt ist Schuld, dass ich wissen wollte, was die Frau gemacht hat. Bildhauerei, das ist ja klar, weil Georg Kolbe auch ein Bildhauer war, und in seinem ehemaligen Atelier fast ausschließlich Bildhauerei ausgestellt wird. Na gut, dazwischen auch mal ein paar Fotos und Zeitungsschnipsel über den Künstler, das kommt vor. Jedenfalls hat die Frau mit dem kecken Haarschnitt unter anderem den kleinen Berliner Berlinale-Bär gemacht. Der steht auch in ganz groß am Eingang von Berlin. Bei Dreilinden winkt er den Autofahrern zu. Überhaupt Tiere, Renée Sintenis hat hauptsächlich Tiere gemacht. Rehe und Pferdchen und andere Vierbeiner. Alles sehr putzig. Aber für mich jetzt – ganz unter uns – nicht so wahnsinnig spannend. Manchmal auch einen Kopf von einem berühmten Mann ihrer Zeit, legendäre Zeitgenossen. Oder einen Frauenakt. Aber so richtig beeindruckt hat mich die Galerie ihrer lebensgroßen Selbstportraits über den Zeitraum von ungefähr vierzig Lebensjahren. Ich habe es respektiert, dass man in der Ausstellung nicht fotografieren soll, aber draußen, im Garten darf man. Was im Garten steht, sind aber keine Werke von ihr, sondern

von Georg Kolbe. Im Frühling und Sommer muss es ein sehr romantischer und lauschiger Ort sein. Das war er ja jetzt schon, an diesem wolkigen Dezembertag. Da zeigt sich ja die wahre Qualität eines Ortes, wenn einem sogar bei trübem Wetter poetisch zumute wird. Ich habe also einen schönen Spaziergang durch den Garten gemacht, kurz vor der Abenddämmerung. Dann einen Rundgang durch die Ausstellung. Wo im hinteren Raum ein phantastisches Foto sehr groß aufgezogen hängt, das Renée Sintenis im Profil mit einem ihrer Selbstportraits zeigt. Ich habe es leider nur ganz klein im Netz entdeckt, hier. Sie müssen sich das Bild bitte unbedingt im Format von ca. ein mal zwei Meter vorstellen. Und rechts davon schloss sich diese Allee mit ihren Selbstportraits auf hohen weißen Stelen an. Von außen konnte ich zumindest ein bißchen etwas davon einfangen. Es gab eine Schauwand mit Zeitungsschnipseln zur Berlinale und dem kleinen und großen Bär, und Nina Hoss hat ihren silbernen Berlinale Bär als Leihgabe gestiftet. Er ist wirklich hübsch. Es gab damals, nach dem Krieg auch eine Aktion „Kauft Berliner Waren!“ und einen extra Stempel mit einem Bär drin, um Waren aus Berlin zu kennzeichnen, um die Berliner Wirtschaft anzukurbeln. Den Stempel hat Renée Sintenis wohl auch gemacht. Auch sehr hübsch. Ich hätte gleich Berliner Waren gekauft! Dann bin ich wieder raus, auf die Sensburger Allee, wo ich vorher noch nie war. Dabei kommt man so leicht hin mit der S-Bahn, einfach am S-Bahnhof Heerstraße aussteigen und dann gegenüber direkt in die Sensburger Allee. Ein bißchen weiter hinten als das Georg-Kolbe-Museum, ist ein kleiner Teich mit Entengrütze. Und Enten drin. Ein Pärchen habe ich gesehen. Er ist immer der Entenfrau hinterher. Ich habe ein paar Fotos gemacht,

natürlich auch welche mit mir drauf, wie immer, aber auch mit Natur! Sonst denken alle, ich sehe immer nur Stadt und Häuser und nie Natur. Dann bin ich wieder zurück, noch mal am Georg-Kolbe-Museum vorbei, es war schon blaue Stunde, was man auf den Fotos auch schön sehen kann, und da habe ich dann noch mal von außen in die Ausstellung fotografiert. Es ist schon ein sehr schöner Ort. Das nächste mal könnte ich auch das kleine Café besuchen. Da war mir diesmal nicht danach, so alleine. Obwohl ein heißer Kakao schon sehr gut gewesen wäre oder eine gepflegte Tasse Kaffee! Na ja, zu spät. Selber schuld! Auf jeden Fall ist Renée Sintenis schon eine interessante Figur gewesen. Sie wurde ja auch ganz oft fotografiert und hat die tollsten Leute ihrer Zeit in Berlin gekannt und ordentlich gefeiert. Was mir natürlich neben den Selbstportraits auch sehr sympathisch ist. Und Alfred Flechtheim war ihr Galerist. Den Namen haben jetzt wahrscheinlich mehr Leute als früher präsent, weil er oft durch die Presse gegangen ist, im Zuge dieser ganzen Gurlitt-Geschichte. Mir fällt auch wieder ein, wie ich in den Verteiler gekommen bin: der früherer künstlerische Leiter vom Georg-Kolbe-Museum hat mal eine Ausstellung über die Berliner Kunstszene mit Jan und dem Kunstkontakter im Deutschen Generalkonsulat in New York kuratiert und für die Einladungskarten ein Foto von mir genommen, auf dem man die beiden in Riefenstahlscher Untersicht in einem Fahrstuhl sieht. Das hat mich sehr gefreut. Ich musste mir dann vorstellen, wie das Foto hundert- oder gar tausendfach durch die Hände von den Druckern einer New Yorker Druckerei läuft. Und ich war selber gar nicht dabei. Das muss man sich mal vorstellen. Aber schöne Vorstellung. So war das. Genau. Der damalige Kurator, Marc Wellmann hat jetzt eine ähnliche Funktion an einem anderen renommierten Ort in Berlin. Hätte ich mal Kunstgeschichte statt immer nur Nachtleben studiert, hätte ich es auch so weit bringen können! Aber na ja, ich werde auch noch meinen Weg machen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=138195
(…) „Sie war unter den Künstlerkollegen von Anfang an eine anerkannte Persönlichkeit, war eng verbunden in die Szene der Weimarer Republik, die ja sehr lebendig war, hier in Berlin, die Brücke, die Expressionisten, Max Liebermann war noch am Leben. Rilke ist einer ihrer prominentesten Fürsprecher gewesen, auch Georg Kolbe hat ihr Werk geschätzt. (…) Für Georg Kolbe hat sie sogar Modell gestanden. In seinem ehemaligen Atelierhaus, das heute das Kolbe-Museum ist, bereitet Julia Wallner nun eine große Ausstellung vor, um an Renée Sintenis Werk zu erinnern. Und an ihr spannendes Leben: Sie trifft Albert Einstein, Ringelnatz schreibt Gedichte über sie. Ihr Kunsthändler ist der bekannteste der Weimarer Republik: Alfred Flechtheim. Bekennend schwul und feierfreudig. Sie ist seine wichtigste Künstlerin und darf nicht fehlen, wenn er wieder eine wilde Party schmeißt.“ (…) RBB-ONLINE

„Man nehme sehr viele schöne Frauen, fünf Mitglieder der Haute Banque, mehrere berühmte Rechtsanwälte, Dichter, Parlamentarier, die Sintenis und sehr viel Pfirsichbowle.“
Alfred Flechtheim

26. Dezember 2013


Unglaublich, wie die Sonne scheint. Ich wollte eigentlich staubsaugen, aber ich sitze lieber am offenen Fenster in der Sonne und hab nix an! Aber einen großen Kaffee! Man könnte denken, der Frühling bricht aus. Die Sonne ist ganz warm auf der Haut. Ich habe seit Mai keine Sonnenbäder mehr genommen. Ab dem 7. Juni durfte ich mindestens sechs Wochen nicht in die Sonne, um keine Pigmentstörung zu kriegen, nach der Lasersache, und dann kam dieser irrwitzige Sommer mit dieser brüllenden Hitze, die mich freiwillig in der verdunkelten Wohnung bleiben ließ. Mein erstes Sonnenbad seit sieben Monaten. Es ist wie Urlaub. Großartig. Und der Kaffee schmeckt so gut. Und ein bißchen Musik dazu. Und meine neuen Nachbarn sind verreist und ich kann das Fenster zur Joachimstraße unverhüllt lassen, wenn ich hier nackt herumspringe. Ich habe nämlich seit ungefähr drei Monaten Nachbarn auf Augenhöhe. In dem Haus, wo das Hackbarths drin ist, wurde das Dachgeschoss ausgebaut, das Dach aufgerissen und riesige Fenster für eine Wohnung eingesetzt. Ich bin jetzt also zu der Seite Joachimstraße nicht mehr so ganz unbehelligt. Das Pärchen, das eingezogen ist, hat ein Baby bekommen, die sind beschäftigt und haben auch keine Zeit aus dem Fenster zu gucken, aber sie haben auch keine Jalousien, es ist einfach nicht wie vorher. Na gut, war ja auch super Luxus. Aber seit Heiligabend tut sich nichts mehr da drüben, die sind weg! Hoffentlich pflegen sie ihre auswärtigen familiären Kontakte noch ein gutes Weilchen.

26. Dezember 2013

Ich sag mal so: ich war im Kino. Schon gestern. Am Nachmittag. Am spätern Nachmittag. Es war schon dunkel. Was eigentlich ideal war. Nicht nur wegen der Geschichte. Auch weil man ja nach Einbruch der Dunkelheit schon das eine oder andere Glas Wein zu sich nehmen darf. Nun waren meine Erwartungen keineswegs überhöht, da sich überhöhte Erwartungen in meinem Leben einfach selten bewährt haben. Außer vielleicht in Amerika. Als ich nach Amerika gefahren, also mit dem Flieger hin bin, hatte ich auch ganz schöne Erwartungen. Wo ich dann da war, sind sie noch mal komplett übertroffen worden. So ähnlich war es gestern auch mit dem Film. Nein, halt, ich hatte ja keine großen Erwartungen, nur so mittelgroße. Der Filmregisseur hat Jim Jarmusch geheißen, von dem habe ich schon mal gehört. Es gibt in meinem weißen Billy-Regal sogar zwei oder drei selber aufgenommene VHS-Cassetten aus den Achtziger oder Neunziger Jahren, wo so Filme von ihm drauf sind. Die habe ich alle gesehen. Stranger than Paradise musste man ja sowieso gesehen haben, weil man sich sonst blamiert hätte und außerdem habe ich 1986 oder 87 John Lurie live im Metropol gesehen und dann wollte ich gucken, wie er sich als Schauspieler macht. Jetzt, wo ich schon so am Plaudern bin, kann ich natürlich auch noch verraten, dass ich Jim Jarmusch nicht nur von Fotos kenne. Auch nicht nur aus dem Fernseher. Damals, also früher, wo ich noch studiert habe (sieben bis acht Semester Nachtleben an verschiedenen renommierten Hochschulen in Berlin), habe ich in der Mensa vom Ex und Pop in Schöneberg oder war es in der Turbine Rosenheim (nein, nicht in Rosenheim, auch in Schöneberg), hin und wieder Professor Jarmusch an der Getränkeausgabe angetroffen. Ich möchte jetzt nicht sagen getroffen, aber doch angetroffen. Links von ihm stand dann öfter Professor Cave und rechts von ihm Professor Bargeld. Das war so ein Trio, das sich fachlich unheimlich viel zu sagen hatte, war so mein Eindruck. Professor Jarmusch war damals schon komplett grau. Professor Cave hatte aber noch ganz volles Haar. Und Professor Bargeld war noch ziemlich schlank, fast zu schlank. Neulich habe ich ihn in der Rosenthaler Straße gesehen, da auf der Seite von Rossmann und dem Altenheim. Er war ganz gut im Futter, aber nicht so füllig wie unlängst, und hat eine Brezel aus der Hand gegessen, im Gehen. Die Haare hatten einen flotten Haarschnitt, ganz frisch, und auch der wollene Herrenmantel saß tipptopp. Oder schreibt man das tiptop? Egal.
Was ich aber ja eigentlich erzählen wollte ist, dass ich also gestern im Kino war. Ich glaube, das allererste mal in diesem Jahr. Zum Nikolaus habe ich nämlich einen Gutschein geschenkt gekriegt, für eine Kinokarte der Soundso-Gruppe, die haben mehrere Kinos in Berlin, mit Verzehrgutschein für sechs Euro. Ich habe mich also fein gemacht und war fest entschlossen, mein Nikolausgeschenk gut zu investieren. Ehrlich gesagt, gingen meine Berechnungen auch ein wenig in die Richtung, dass wenn der Film blöd oder langweilig wäre, ich immerhin in einem coolen Kino sitzen würde, neben anderen coolen Kinobesuchern, weil natürlich nur supercoole Kinogänger die erste Aufführung von einem neuen Jim Jarmusch-Film in Originalfassung mit deutschen Untertiteln gucken würden, außerdem am ersten Weihnachtsfeiertag. Ein Top-Coolness-Indikator. Wie man ja an mir sieht! Ich wurde auch gut aufgenommen und mit freundlichen Blicken bedacht. Auch hatte ich mich fein gemacht. Das würde jetzt zu weit führen, im Einzelnen zu beschreiben, was ich gestern anhatte. Es sah jedenfalls gut aus und ein bißchen extravagant. Passend zum Film! Ich war zeitig da und bestellte mir gleich das erste Glas Wein, und außerdem konnte ich, obwohl das Licht im Foyer vom International recht schummrig ist, mit zusammengekniffenen Augen noch ein bißchen das Tagesspiegel-Interview mit Jim Jarmusch lesen. Den Tagesspiegel gabs auch gratis. Alles gratis gestern. Es war wie Weihnachten! Und fast hätte ich es vergessen: als ich die Kinokarte am Glashäuschen geholt habe, habe ich noch eine Schokoladenkugel geschenkt gekriegt. In rotes Stanniol-Papier eingewickelt. Ich habe sie aufgehoben. Erst muss die andere, angebrochene Schokolade weg.
Was ich ja aber eigentlich sagen wollte war, in welchem Film ich war. Also der Film heißt „Only Lovers Left Alive„. Und – ach so, bevor ich auf den Film komme, ich habe mir einen Platz in der allerersletzten Reihe, im Mittelblock, ganz rechts, den Platz am Gang ausgesucht. Mit viel Beinfreiheit. Ich konnte die Beine sogar übereinanderschlagen, das mach ich gerne. Als der Film dann anfing (vorher gab es interessante Reklame, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann), habe ich mir schnell noch das zweite Glas Wein geholt. Ein guter Silvaner, vor allem die Wirkung. Aber um auf den Film zu kommen: er hat mir richtig gut gefallen, obwohl ich Vampirfilme total langweilig finde. Das Besondere an dem Film war aber etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Es hat irgendwie ausgeschaut wie in Wohnungen, wo ich schon war und es war auch ein bißchen wie bei mir daheim und solche Sachen habe ich auch schon erlebt. Nur eben ohne Blut im Glas. Ich habe mich wie daheim gefühlt. Manchmal musste ich fast weinen, weil es so ein Déjà-vu war. Und das meine ich jetzt nicht witzig, obwohl ich hier so launig herumtippe. Ich war ganz verzaubert, auch wenn es manchmal um gar nichts ging. Die Bilder und die Musik und die beiden und der Typ mit seinen ganzen Gitarren und Verstärkern und Büchern und dem ganzen Zeug und Tilda in Marokko und die kreisende Kamera am Anfang. Das war ganz meine Welt. Deswegen habe ich danach gedacht, eigentlich kann ich darüber gar nicht angemessen bloggen, weil ich kann ja nicht schreiben, dass ich den Film empfehle, weil dann geht einer rein und denkt sich: da geht es doch irgendwie gar nicht so richtig um was, wo ist die Geschichte? Aber mir war es wie in die warme Badewanne eintauchen. Also ich kann den Film nicht jedem empfehlen. Aber denen, die wissen wollen, was für ein Lebensgefühl jemand wie Gaga Nielsen hat. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber ich kann es nicht besser beschreiben. Adam wird von einem Schauspieler gespielt, habe ich gelesen, aber ich habe gestern gedacht, Adam spielt sich selber. Adam ist ein Rockmusiker mit super vielen E-Gitarren und einer heimeligen Wohnung, wo die alle rumstehen. Ach. Na ja. Ich kann eben keine Filmkritiken schreiben, das können andere besser. Vorhin hab ich bei kid37 angefangen, mich zu verplappern, dass ich gestern in dem Film war. Ich wollte nur einen kurzen Kommentar machen und dann wurde es immer mehr. Und jetzt habe ich gedacht, wenn ich schon da so viel erzählt habe, kann ich ja für mein Tagebuch hier auch noch mal ganz kurz erwähnen, dass ich gestern im Kino war und es mir supergut gefallen hat. Wollte ich nur mal kurz erwähnen!!!

26. Dezember 2013


Unglaublich, wie die Sonne scheint. Ich wollte eigentlich staubsaugen, aber ich sitze lieber am offenen Fenster in der Sonne und hab nix an! Aber einen großen Kaffee! Man könnte denken, der Frühling bricht aus. Die Sonne ist ganz warm auf der Haut. Ich habe seit Mai keine Sonnenbäder mehr genommen. Ab dem 7. Juni durfte ich mindestens sechs Wochen nicht in die Sonne, um keine Pigmentstörung zu kriegen, nach der Lasersache, und dann kam dieser irrwitzige Sommer mit dieser brüllenden Hitze, die mich freiwillig in der verdunkelten Wohnung bleiben ließ. Mein erstes Sonnenbad seit sieben Monaten. Es ist wie Urlaub. Großartig. Und der Kaffee schmeckt so gut. Und ein bißchen Musik dazu. Und meine neuen Nachbarn sind verreist und ich kann das Fenster zur Joachimstraße unverhüllt lassen, wenn ich hier nackt herumspringe. Ich habe nämlich seit ungefähr drei Monaten Nachbarn auf Augenhöhe. In dem Haus, wo das Hackbarths drin ist, wurde das Dachgeschoss ausgebaut, das Dach aufgerissen und riesige Fenster für eine Wohnung eingesetzt. Ich bin jetzt also zu der Seite Joachimstraße nicht mehr so ganz unbehelligt. Das Pärchen, das eingezogen ist, hat ein Baby bekommen, die sind beschäftigt und haben auch keine Zeit aus dem Fenster zu gucken, aber sie haben auch keine Jalousien, es ist einfach nicht wie vorher. Na gut, war ja auch super Luxus. Aber seit Heiligabend tut sich nichts mehr da drüben, die sind weg! Hoffentlich pflegen sie ihre auswärtigen familiären Kontakte noch ein gutes Weilchen.

26. Dezember 2013

Ich sag mal so: ich war im Kino. Schon gestern. Am Nachmittag. Am spätern Nachmittag. Es war schon dunkel. Was eigentlich ideal war. Nicht nur wegen der Geschichte. Auch weil man ja nach Einbruch der Dunkelheit schon das eine oder andere Glas Wein zu sich nehmen darf. Nun waren meine Erwartungen keineswegs überhöht, da sich überhöhte Erwartungen in meinem Leben einfach selten bewährt haben. Außer vielleicht in Amerika. Als ich nach Amerika gefahren, also mit dem Flieger hin bin, hatte ich auch ganz schöne Erwartungen. Wo ich dann da war, sind sie noch mal komplett übertroffen worden. So ähnlich war es gestern auch mit dem Film. Nein, halt, ich hatte ja keine großen Erwartungen, nur so mittelgroße. Der Filmregisseur hat Jim Jarmusch geheißen, von dem habe ich schon mal gehört. Es gibt in meinem weißen Billy-Regal sogar zwei oder drei selber aufgenommene VHS-Cassetten aus den Achtziger oder Neunziger Jahren, wo so Filme von ihm drauf sind. Die habe ich alle gesehen. Stranger than Paradise musste man ja sowieso gesehen haben, weil man sich sonst blamiert hätte und außerdem habe ich 1986 oder 87 John Lurie live im Metropol gesehen und dann wollte ich gucken, wie er sich als Schauspieler macht. Jetzt, wo ich schon so am Plaudern bin, kann ich natürlich auch noch verraten, dass ich Jim Jarmusch nicht nur von Fotos kenne. Auch nicht nur aus dem Fernseher. Damals, also früher, wo ich noch studiert habe (sieben bis acht Semester Nachtleben an verschiedenen renommierten Hochschulen in Berlin), habe ich in der Mensa vom Ex und Pop in Schöneberg oder war es in der Turbine Rosenheim (nein, nicht in Rosenheim, auch in Schöneberg), hin und wieder Professor Jarmusch an der Getränkeausgabe angetroffen. Ich möchte jetzt nicht sagen getroffen, aber doch angetroffen. Links von ihm stand dann öfter Professor Cave und rechts von ihm Professor Bargeld. Das war so ein Trio, das sich fachlich unheimlich viel zu sagen hatte, war so mein Eindruck. Professor Jarmusch war damals schon komplett grau. Professor Cave hatte aber noch ganz volles Haar. Und Professor Bargeld war noch ziemlich schlank, fast zu schlank. Neulich habe ich ihn in der Rosenthaler Straße gesehen, da auf der Seite von Rossmann und dem Altenheim. Er war ganz gut im Futter, aber nicht so füllig wie unlängst, und hat eine Brezel aus der Hand gegessen, im Gehen. Die Haare hatten einen flotten Haarschnitt, ganz frisch, und auch der wollene Herrenmantel saß tipptopp. Oder schreibt man das tiptop? Egal.
Was ich aber ja eigentlich erzählen wollte ist, dass ich also gestern im Kino war. Ich glaube, das allererste mal in diesem Jahr. Zum Nikolaus habe ich nämlich einen Gutschein geschenkt gekriegt, für eine Kinokarte der Soundso-Gruppe, die haben mehrere Kinos in Berlin, mit Verzehrgutschein für sechs Euro. Ich habe mich also fein gemacht und war fest entschlossen, mein Nikolausgeschenk gut zu investieren. Ehrlich gesagt, gingen meine Berechnungen auch ein wenig in die Richtung, dass wenn der Film blöd oder langweilig wäre, ich immerhin in einem coolen Kino sitzen würde, neben anderen coolen Kinobesuchern, weil natürlich nur supercoole Kinogänger die erste Aufführung von einem neuen Jim Jarmusch-Film in Originalfassung mit deutschen Untertiteln gucken würden, außerdem am ersten Weihnachtsfeiertag. Ein Top-Coolness-Indikator. Wie man ja an mir sieht! Ich wurde auch gut aufgenommen und mit freundlichen Blicken bedacht. Auch hatte ich mich fein gemacht. Das würde jetzt zu weit führen, im Einzelnen zu beschreiben, was ich gestern anhatte. Es sah jedenfalls gut aus und ein bißchen extravagant. Passend zum Film! Ich war zeitig da und bestellte mir gleich das erste Glas Wein, und außerdem konnte ich, obwohl das Licht im Foyer vom International recht schummrig ist, mit zusammengekniffenen Augen noch ein bißchen das Tagesspiegel-Interview mit Jim Jarmusch lesen. Den Tagesspiegel gabs auch gratis. Alles gratis gestern. Es war wie Weihnachten! Und fast hätte ich es vergessen: als ich die Kinokarte am Glashäuschen geholt habe, habe ich noch eine Schokoladenkugel geschenkt gekriegt. In rotes Stanniol-Papier eingewickelt. Ich habe sie aufgehoben. Erst muss die andere, angebrochene Schokolade weg.
Was ich ja aber eigentlich sagen wollte war, in welchem Film ich war. Also der Film heißt „Only Lovers Left Alive„. Und – ach so, bevor ich auf den Film komme, ich habe mir einen Platz in der allerersletzten Reihe, im Mittelblock, ganz rechts, den Platz am Gang ausgesucht. Mit viel Beinfreiheit. Ich konnte die Beine sogar übereinanderschlagen, das mach ich gerne. Als der Film dann anfing (vorher gab es interessante Reklame, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann), habe ich mir schnell noch das zweite Glas Wein geholt. Ein guter Silvaner, vor allem die Wirkung. Aber um auf den Film zu kommen: er hat mir richtig gut gefallen, obwohl ich Vampirfilme total langweilig finde. Das Besondere an dem Film war aber etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Es hat irgendwie ausgeschaut wie in Wohnungen, wo ich schon war und es war auch ein bißchen wie bei mir daheim und solche Sachen habe ich auch schon erlebt. Nur eben ohne Blut im Glas. Ich habe mich wie daheim gefühlt. Manchmal musste ich fast weinen, weil es so ein Déjà-vu war. Und das meine ich jetzt nicht witzig, obwohl ich hier so launig herumtippe. Ich war ganz verzaubert, auch wenn es manchmal um gar nichts ging. Die Bilder und die Musik und die beiden und der Typ mit seinen ganzen Gitarren und Verstärkern und Büchern und dem ganzen Zeug und Tilda in Marokko und die kreisende Kamera am Anfang. Das war ganz meine Welt. Deswegen habe ich danach gedacht, eigentlich kann ich darüber gar nicht angemessen bloggen, weil ich kann ja nicht schreiben, dass ich den Film empfehle, weil dann geht einer rein und denkt sich: da geht es doch irgendwie gar nicht so richtig um was, wo ist die Geschichte? Aber mir war es wie in die warme Badewanne eintauchen. Also ich kann den Film nicht jedem empfehlen. Aber denen, die wissen wollen, was für ein Lebensgefühl jemand wie Gaga Nielsen hat. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber ich kann es nicht besser beschreiben. Adam wird von einem Schauspieler gespielt, habe ich gelesen, aber ich habe gestern gedacht, Adam spielt sich selber. Adam ist ein Rockmusiker mit super vielen E-Gitarren und einer heimeligen Wohnung, wo die alle rumstehen. Ach. Na ja. Ich kann eben keine Filmkritiken schreiben, das können andere besser. Vorhin hab ich bei kid37 angefangen, mich zu verplappern, dass ich gestern in dem Film war. Ich wollte nur einen kurzen Kommentar machen und dann wurde es immer mehr. Und jetzt habe ich gedacht, wenn ich schon da so viel erzählt habe, kann ich ja für mein Tagebuch hier auch noch mal ganz kurz erwähnen, dass ich gestern im Kino war und es mir supergut gefallen hat. Wollte ich nur mal kurz erwähnen!!!

25. Dezember 2013


Großartig. Selten. Ein Meisterwerk des Dokumentarfilms. Als roter Faden aus dem Off, im Hintergrund, die Stimme von Laurie Anderson. Das ist nur die erste Hälfte des insgesamt vierstündigen Films. Das ist erste Mal, dass ich mir restlos gebannt, eine DVD bestelle, um die fehlenden zwei Stunden sehen zu können, die nicht im Netz hängen. Nun hat sich mein HD-Fernseher doch amortisiert, auf dem man dankenswerterweise auch youtube sehen kann. Seit einigen Jahren, gibt es, wie ich beim Bestellen entdeckt habe, auch Andy Warhols Buch „Popism – the Warhol Sixties“ in einer deutsche Übersetzung. Die habe ich auch bestellt, nachdem meine – ja, tasächlich, „eigene“, Ende der Achtziger angefangene, nie fertig gestellt wurde. Ich hatte das Original aus den USA importiert und fing an, das Buch schriftlich zu übersetzen, so ausgehungert war ich nach diesen Berichten aus Andy Warhols erster Hand über die Factory. Ich trug mich mit der Idee, die fertige Übersetzung einem Verlag anzubieten, zweifelte dann aber am Interesse, war auch zu faul mich zu kümmern und hatte dann anderes zu tun und legte die Idee ad acta. Ich kam Ende der Achtziger auf Popism, weil Warhol es an irgendeiner Stelle in seinen Tagebüchern erwähnt hatte und ich war neugierig auf ausgiebige Details aus der Zeit vor den Siebzigern, denn das Tagebuch begann ja erst da. Also wartete ich nach meiner Bestellung in irgendeinem Laden am Savignyplatz die sechs Wochen, bis es endlich aus Amerika geliefert wurde. Mir war, als hätte ich einen Schatz in den Händen. Noch nie hatte ich gehört, dass jemand in meinem Umfeld dieses Buch gelesen hätte, selbst die absoluten Velvet Underground Fans hierzulande kannten es nicht. Das Tagebuch dagegen, gab es recht bald in einer deutschen Übersetzung.
Eine Vertraute von Warhol, Pat Hackett, hatte zwei Jahre nach seinem Tod Auszüge aus seinen Tagebüchern der Siebziger bis Achtziger Jahre veröffentlicht. Dieses unförmige, über siebenhundert Seiten dicke Monstrum ruht seit 1989 in meinem Schlafzimmer, rechts von meinem Bett, neben einer geflochtenen Truhe aus Afrika (wo ich nie war). Damals, 1989 war Velvet Underground noch ganz präsent in meinen Zellen, tief verwurzelt. John Cale hatte ich in den Neunzigern häufig live gesehen, vorher auch einmal Nico, ich glaube 1985, und erst viel später, etwa Ende der Neunziger und dann Zweitausendsechs, zweimal Lou Reed, obwohl er meine erste Begegnung mit dieser Dimension der Musikgeschichte war, seit 1980 hörte ich seine ersten Soloplatten und die alten VU-Aufnahmen ohne Unterlass. Für mich war und ist diese Welt wie Erinnerung an Heimat, wie für andere vielleicht die Erinnerung an Weihnachten. Die Entdeckung dieses Films gestern Nacht hat mich sehr berührt. Weil Andy Warhol in meiner Wahrnehmung nie zuvor in dieser Komplexität und Empfindsamkeit portraitiert wurde. Ein paar Jahre her, aber ich habe dieses Meisterwerk von Zweitausendsechs jetzt erst entdeckt. Mir fällt noch ein zweites Meisterwerk ein – Dream of Life, eine sehr persönliche Dokumentation über Patti Smith. Auch sehr besonders. Ich kann das ja alles nicht unerwähnt lassen. Für mich ist diese Entdeckung wie Weihnachten und Ostern zusammen.

25. Dezember 2013


Großartig. Selten. Ein Meisterwerk des Dokumentarfilms. Als roter Faden aus dem Off, im Hintergrund, die Stimme von Laurie Anderson. Das ist nur die erste Hälfte des insgesamt vierstündigen Films. Das ist erste Mal, dass ich mir restlos gebannt, eine DVD bestelle, um die fehlenden zwei Stunden sehen zu können, die nicht im Netz hängen. Nun hat sich mein HD-Fernseher doch amortisiert, auf dem man dankenswerterweise auch youtube sehen kann. Seit einigen Jahren, gibt es, wie ich beim Bestellen entdeckt habe, auch Andy Warhols Buch „Popism – the Warhol Sixties“ in einer deutsche Übersetzung. Die habe ich auch bestellt, nachdem meine – ja, tasächlich, „eigene“, Ende der Achtziger angefangene, nie fertig gestellt wurde. Ich hatte das Original aus den USA importiert und fing an, das Buch schriftlich zu übersetzen, so ausgehungert war ich nach diesen Berichten aus Andy Warhols erster Hand über die Factory. Ich trug mich mit der Idee, die fertige Übersetzung einem Verlag anzubieten, zweifelte dann aber am Interesse, war auch zu faul mich zu kümmern und hatte dann anderes zu tun und legte die Idee ad acta. Ich kam Ende der Achtziger auf Popism, weil Warhol es an irgendeiner Stelle in seinen Tagebüchern erwähnt hatte und ich war neugierig auf ausgiebige Details aus der Zeit vor den Siebzigern, denn das Tagebuch begann ja erst da. Also wartete ich nach meiner Bestellung in irgendeinem Laden am Savignyplatz die sechs Wochen, bis es endlich aus Amerika geliefert wurde. Mir war, als hätte ich einen Schatz in den Händen. Noch nie hatte ich gehört, dass jemand in meinem Umfeld dieses Buch gelesen hätte, selbst die absoluten Velvet Underground Fans hierzulande kannten es nicht. Das Tagebuch dagegen, gab es recht bald in einer deutschen Übersetzung.
Eine Vertraute von Warhol, Pat Hackett, hatte zwei Jahre nach seinem Tod Auszüge aus seinen Tagebüchern der Siebziger bis Achtziger Jahre veröffentlicht. Dieses unförmige, über siebenhundert Seiten dicke Monstrum ruht seit 1989 in meinem Schlafzimmer, rechts von meinem Bett, neben einer geflochtenen Truhe aus Afrika (wo ich nie war). Damals, 1989 war Velvet Underground noch ganz präsent in meinen Zellen, tief verwurzelt. John Cale hatte ich in den Neunzigern häufig live gesehen, vorher auch einmal Nico, ich glaube 1985, und erst viel später, etwa Ende der Neunziger und dann Zweitausendsechs, zweimal Lou Reed, obwohl er meine erste Begegnung mit dieser Dimension der Musikgeschichte war, seit 1980 hörte ich seine ersten Soloplatten und die alten VU-Aufnahmen ohne Unterlass. Für mich war und ist diese Welt wie Erinnerung an Heimat, wie für andere vielleicht die Erinnerung an Weihnachten. Die Entdeckung dieses Films gestern Nacht hat mich sehr berührt. Weil Andy Warhol in meiner Wahrnehmung nie zuvor in dieser Komplexität und Empfindsamkeit portraitiert wurde. Ein paar Jahre her, aber ich habe dieses Meisterwerk von Zweitausendsechs jetzt erst entdeckt. Mir fällt noch ein zweites Meisterwerk ein – Dream of Life, eine sehr persönliche Dokumentation über Patti Smith. Auch sehr besonders. Ich kann das ja alles nicht unerwähnt lassen. Für mich ist diese Entdeckung wie Weihnachten und Ostern zusammen.

23. Dezember 2013

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76652756&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
Hm ja, kommt vielleicht ein bißchen spät, die Idee mit dem Adventskalender. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Obwohl ich mir nicht so sicher bin, ob ich Türchen 24 posten will. Aber wenigstens einmal heute. Passend zum Datum, Opus 23. Vom neunten April Zweitausendneun. Sieht aus, als hätten wir Spaß gehabt. Und ja – den hatten wir. Rund um die Uhr. Immer, bei[n]nah.

22. Dezember 2013

Von wegen: „der 21. Dezember ist die längste Nacht des Jahres, danach werden die Tage wieder länger“. Laut der Seite da haben wir gestern, heute und morgen zur gleichen Zeit Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Ich bin heute extra früh aufgestanden, um das zu kontrollieren. Die Tage werden erst übermorgen länger. Also beruhigen Sie sich wieder. Bzw. feiern Sie dann halt drei Tage Wintersonnenwende. Auch schön. Also gehen die Feiertage vom 21. Dezember bis zum 23. Dezember 2013. Danach machen einige viel religiöses Gedöns um innere Einkehr, Rauhnächte oder feiern dieses Fest neuerer Zeitrechnung „Weihnachten“. Jeder, wie er will. Hauptsache, ich kann auch machen, was ich will. Nämlich alles, was ich will. Sogar gewagte Dinge wie, mich um mein Hauptabflussrohr in der Küche kümmern, das immer noch nicht in idealem Zustand ist. Dazwischen ein bißchen bloggen und kommentieren. Natürlich kriege ich mit, dass die Sonne wieder stärker wird. Gestern und heute hat sie mich ganz schön geblendet, hier vor meinem Klapprechner. Mein Neffe hat sich über die Brille seines Vaters gefreut. Er hat sich selber damit abgelichtet. Ich habe gesehen, dass sie neu aufgelegt wurde, diese kosmonautische Angeber-Brille aus Titanium. Für einen Preis, der wohl ungefähr dem entspricht, den sie damals in Mark hatte. Gerade der letzte Takt von einem Song von Joni Mitchell im Hintergrund, in der Version von Diana Krall „A Case of you„. Sehr besinnlich, bin ja multi-tasking-fähig. Und jetzt „Paint it Black„. I wanna see the sun, I wanna see the sun blotted out from the sky… Und danach „Forgive me, my little Flower Princess„. Der erschossene John Lennon. Danach hatte sich Yoko Ono die Brille gekauft. Gleich danach. Und wurde jahrelang nicht mehr ohne gesehen. Statt schwarzem Trauerschleier. Ein schwarzes Titanium-Schutzschild. Sie war eben schon immer ihrer Zeit voraus. Ich glaube mich zu erinnern, dass Yokos Witwenlook auch die Inspiration für meinen Bruder war, die Brille zu kaufen. Er fand Yoko Ono schon immer wahnsinnig cool. Ja, vor allem deswegen –

19. Dezember 2013


Isn’t that strange, how one day follows another
Like rain drops on your panes
Running out of time and running out of breath
You drop your dreams one after the other
Isn’t that strange how we can’t keep up with the days
And how one face replaces another
And the names they change, and the stories they end
But it’s the same words lover after lover

Ja.

19. Dezember 2013


Isn’t that strange, how one day follows another
Like rain drops on your panes
Running out of time and running out of breath
You drop your dreams one after the other
Isn’t that strange how we can’t keep up with the days
And how one face replaces another
And the names they change, and the stories they end
But it’s the same words lover after lover

Ja.

16. Dezember 2013


I.C.U. Most beautiful. Lou Doillon. Die jüngste Tochter von – man sieht von wem. Nicht zu übersehen – Jane Birkin. Vor fünf Tagen starb Jane Birkins älteste Tochter, die große Schwester der zauberhaften Lou Doillon. Die mittlere kennt man schon lange, Charlotte. Respektabel, faszinierend. Aber diese Lou, die ist mir ganz nah. Auch ein Septemberkind. Wenn ich sie sehe, sehe ich nicht nur Jane mit einer viel tieferen, gefühlvolleren Stimme, es ist beinah, als wären in ihr alle Metaphern inkarniert, in ihren Blicken, die diesen Geist der 68er-Rebellion, verbunden mit irrwitziger Romantik, ausmachten. Als hätten Mick Jagger und Keith Richards nicht nur Lieder erschaffen wie Paint it Black und Wild Horses und Gimme Shelter, sondern dieses Geschöpf. Ich bin ganz verliebt. Und zugleich erschüttert von dieser Nachricht, dass diese große Schwester vor fünf Tagen aus einem Fenster in Paris in den Tod stürzte. Wie schmerzhaft. Sie war Fotografin. Ich bin ganz seltsam über Lou gestolpert. Eine Klatschpressemeldung über eine mutmaßliche Affäre zwischen Benjamin Biolay und Vanessa Paradis, dazu Einlassungen über den angeblichen Frauenheld Biolay, dessen Musik ich seit vielen Jahren sehr mag, ein Sensibelchen, der an Grenzen geht. Wie soll auch sonst etwas Bemerkenswertes entstehen. Na gut. Zwischen all dem eine Nebenbemerkung über eine Verbindung vor fünf Jahren mit – eben – Lou Douillon. Geschaut, wer das ist, weil in Frankreich offenbar bekannt. Und da war sie. Ich hörte und sah dieses Video da oben. I.C.U. und lauschte wie gebannt, berührt von Anfang an, ihrer Stimme, weidete mich an ihrem Anblick. Auch das ist wundervoll.
Und heute Nachmittag brachte ich etwas Persönliches auf den Postweg, zur Post. Diese völlig verrückte Porsche-Sonnenbrille, dieses respekteinflößende Schutzschild für die Seele von Traumtänzern, die Yoko Ono auch dauernd trug, nach dem Tod von John Lennon. Sie war seit dem Unfalltod meines Bruders bei mir. Sechsundzwanzig Jahre, behütet, wie ein Schatz. Für meinen Kopf war sie immer zu groß. Morgen, am siebzehnten Dezember, hat mein nun einziger Neffe Valerian seinen sechsundzwanzigsten Geburtstag, und er hat auch einen so großen Kopf wie sein Vater und überhaupt Ähnlichkeit. Wie er den Kopf hält. Und die Gitarre. Er soll sie haben. Er weiß es schon, ich konnte es nicht für mich behalten. Und er freut sich wie verrückt, die arschcoole Sonnenbrille seines Vaters zu bekommen, den er nie gekannt hat, aber von dem ein Bild neben seinem Bett steht. Und eines seines Bruders, wie er mir vorhin schrieb. Das sind sehr persönliche Dinge, die ich hier schreibe. Und ich finde das absolut richtig. Denn wem nützen Allgemeinplätze, Nichtigkeiten, die einen nur halb berühren. Ist doch Unfug, das bringt doch nichts. Ich will mich selbst berühren, wenn ich schreibe. Auch dafür – und für die Welt.
[ And I see you
in every cab
that goes by
in the strangers
at every cross road
in every bar ]

16. Dezember 2013


I.C.U. Most beautiful. Lou Doillon. Die jüngste Tochter von – man sieht von wem. Nicht zu übersehen – Jane Birkin. Vor fünf Tagen starb Jane Birkins älteste Tochter, die große Schwester der zauberhaften Lou Doillon. Die mittlere kennt man schon lange, Charlotte. Respektabel, faszinierend. Aber diese Lou, die ist mir ganz nah. Auch ein Septemberkind. Wenn ich sie sehe, sehe ich nicht nur Jane mit einer viel tieferen, gefühlvolleren Stimme, es ist beinah, als wären in ihr alle Metaphern inkarniert, in ihren Blicken, die diesen Geist der 68er-Rebellion, verbunden mit irrwitziger Romantik, ausmachten. Als hätten Mick Jagger und Keith Richards nicht nur Lieder erschaffen wie Paint it Black und Wild Horses und Gimme Shelter, sondern dieses Geschöpf. Ich bin ganz verliebt. Und zugleich erschüttert von dieser Nachricht, dass diese große Schwester vor fünf Tagen aus einem Fenster in Paris in den Tod stürzte. Wie schmerzhaft. Sie war Fotografin. Ich bin ganz seltsam über Lou gestolpert. Eine Klatschpressemeldung über eine mutmaßliche Affäre zwischen Benjamin Biolay und Vanessa Paradis, dazu Einlassungen über den angeblichen Frauenheld Biolay, dessen Musik ich seit vielen Jahren sehr mag, ein Sensibelchen, der an Grenzen geht. Wie soll auch sonst etwas Bemerkenswertes entstehen. Na gut. Zwischen all dem eine Nebenbemerkung über eine Verbindung vor fünf Jahren mit – eben – Lou Douillon. Geschaut, wer das ist, weil in Frankreich offenbar bekannt. Und da war sie. Ich hörte und sah dieses Video da oben. I.C.U. und lauschte wie gebannt, berührt von Anfang an, ihrer Stimme, weidete mich an ihrem Anblick. Auch das ist wundervoll.
Und heute Nachmittag brachte ich etwas Persönliches auf den Postweg, zur Post. Diese völlig verrückte Porsche-Sonnenbrille, dieses respekteinflößende Schutzschild für die Seele von Traumtänzern, die Yoko Ono auch dauernd trug, nach dem Tod von John Lennon. Sie war seit dem Unfalltod meines Bruders bei mir. Sechsundzwanzig Jahre, behütet, wie ein Schatz. Für meinen Kopf war sie immer zu groß. Morgen, am siebzehnten Dezember, hat mein nun einziger Neffe Valerian seinen sechsundzwanzigsten Geburtstag, und er hat auch einen so großen Kopf wie sein Vater und überhaupt Ähnlichkeit. Wie er den Kopf hält. Und die Gitarre. Er soll sie haben. Er weiß es schon, ich konnte es nicht für mich behalten. Und er freut sich wie verrückt, die arschcoole Sonnenbrille seines Vaters zu bekommen, den er nie gekannt hat, aber von dem ein Bild neben seinem Bett steht. Und eines seines Bruders, wie er mir vorhin schrieb. Das sind sehr persönliche Dinge, die ich hier schreibe. Und ich finde das absolut richtig. Denn wem nützen Allgemeinplätze, Nichtigkeiten, die einen nur halb berühren. Ist doch Unfug, das bringt doch nichts. Ich will mich selbst berühren, wenn ich schreibe. Auch dafür – und für die Welt.
[ And I see you
in every cab
that goes by
in the strangers
at every cross road
in every bar ]

12. Dezember 2013


Manches möchte man bloggen. Ich schrieb gerade jemandem (der mich gut kennt oder genauer: kannte) – im Kontext eines Austausches über (s)eine besonders schöne Hochzeitsfeier, die in der Vergangenheit liegt, das Folgende:
„Weißt du, ich dachte mir manches mal in meinem Leben: ich würde gerne heiraten, aber möchte anschließend nicht unbedingt verheiratet sein. Einfach nur einmal so ein Ritual erleben, so ein Fest, sich gegenseitig die größte Wertschätzung zu zeigen. Und danach aber wieder frei und ungebunden sein, mit dem Gefühl, um jemanden werben zu wollen.“
Ich finde, das bringt es so gut auf den Punkt, dass ich es auch noch hierhinein kritzeln will. Obwohl mich Heiraten und Hochzeit halten so wenig wie nie zuvor in meinem Leben beschäftigt. Aber ich erinnere mich an das Gefühl, an die Idee. Und wenn es jemals wiederkehren sollte, das Gefühl, das so eine Idee im Schlepptau hat, bin ich neugierig, ob es sich immer noch so zeigen wird. Eines fernen Tages. Den ich gar nicht herbeisehne. Es gibt dieses Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“. Vielleicht könnte man auch abgewandelt sagen „Hochzeit kommt vor dem Fall“. Aber die Hochzeit an sich schmälert das ja nicht. Den Tag. Und die Erinnerung. An die Farben und die Kleider und die Freude und das Licht. Und so weiter. Wichtig ist, dass man die hohen Zeiten erkennt und feierlich begeht, wenn sie da sind. Ich glaube schon, dass es ein Schicksal gibt, man nicht alles durch zuträgliche Haltung und Verhalten zur immerwährenden Vollendung treibt. Da sind immer Kurven. Auf und ab. Aus irgendeinem Grund, den wir nie begreifen werden, ist es so. Und weil es so ist, muss man ganz viel Aufmerksamkeit darauf verwenden, zu erkennen, ob es eine gute oder schlechte Zeit ist, die man gerade hat. Wenn sie gut ist, gut – Jetzt. Wenn sie schlecht ist, werden sich die Dinge ändern. Ich schreibe ganz bewusst gut und schlecht wie man von Schwarz und Weiß spricht. Auch wenn dazwischen Töne von gebrochenem Perlmutt über Steingrau bis zum Anthrazit erkalteter Lava sind. Weil es die Hoch- und Tiefzeiten sind, die uns so sehr in Erinnerung bleiben. Wollte ich noch eben bloggen. Und GUTE NACHT.

12. Dezember 2013


Manches möchte man bloggen. Ich schrieb gerade jemandem (der mich gut kennt oder genauer: kannte) – im Kontext eines Austausches über (s)eine besonders schöne Hochzeitsfeier, die in der Vergangenheit liegt, das Folgende:
„Weißt du, ich dachte mir manches mal in meinem Leben: ich würde gerne heiraten, aber möchte anschließend nicht unbedingt verheiratet sein. Einfach nur einmal so ein Ritual erleben, so ein Fest, sich gegenseitig die größte Wertschätzung zu zeigen. Und danach aber wieder frei und ungebunden sein, mit dem Gefühl, um jemanden werben zu wollen.“
Ich finde, das bringt es so gut auf den Punkt, dass ich es auch noch hierhinein kritzeln will. Obwohl mich Heiraten und Hochzeit halten so wenig wie nie zuvor in meinem Leben beschäftigt. Aber ich erinnere mich an das Gefühl, an die Idee. Und wenn es jemals wiederkehren sollte, das Gefühl, das so eine Idee im Schlepptau hat, bin ich neugierig, ob es sich immer noch so zeigen wird. Eines fernen Tages. Den ich gar nicht herbeisehne. Es gibt dieses Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“. Vielleicht könnte man auch abgewandelt sagen „Hochzeit kommt vor dem Fall“. Aber die Hochzeit an sich schmälert das ja nicht. Den Tag. Und die Erinnerung. An die Farben und die Kleider und die Freude und das Licht. Und so weiter. Wichtig ist, dass man die hohen Zeiten erkennt und feierlich begeht, wenn sie da sind. Ich glaube schon, dass es ein Schicksal gibt, man nicht alles durch zuträgliche Haltung und Verhalten zur immerwährenden Vollendung treibt. Da sind immer Kurven. Auf und ab. Aus irgendeinem Grund, den wir nie begreifen werden, ist es so. Und weil es so ist, muss man ganz viel Aufmerksamkeit darauf verwenden, zu erkennen, ob es eine gute oder schlechte Zeit ist, die man gerade hat. Wenn sie gut ist, gut – Jetzt. Wenn sie schlecht ist, werden sich die Dinge ändern. Ich schreibe ganz bewusst gut und schlecht wie man von Schwarz und Weiß spricht. Auch wenn dazwischen Töne von gebrochenem Perlmutt über Steingrau bis zum Anthrazit erkalteter Lava sind. Weil es die Hoch- und Tiefzeiten sind, die uns so sehr in Erinnerung bleiben. Wollte ich noch eben bloggen. Und GUTE NACHT.

10. Dezember 2013

Heizkörper entlüften, Abflussrohr von der Spüle auseinandermontieren. The Glamour never stops! Dazwischen Überlegungen zu bloggen oder die eine oder andere Mail zu beantworten, als Übersprungshandlung. Aber nein, diese Dinge müssen zu Ende gebracht werden, in Ordnung gebracht werden. Bevor Sie mit Rohrfrei-Granulat hantieren, legen Sie sich bitte eine Saugglocke zu. Die bringt einfach mehr und ist eine Anschaffung fürs Leben. An einer Stelle tropft es noch unter der Spüle, obwohl ich alle Rohrteile maximal zugeschraubt habe. Da muss ich eventuell nochmal ran. Und bitte: niemals das Märchen glauben, Kaffeesatz würde den Abfluss frei halten. Ein Fachmann aus der Kanalisation stellt dazu fest: „Kaffeesatz in der Kanalisation? Wird hart wie Beton!“. Das war letztendlich das Übel. Ich bin ab und zu noch empfänglich für Ammenmärchen, gerade wenn es bequem ist. Den Kaffeesatz mal eben in den Ausguss spülen. Aber der Tag hatte auch recht angenehme Stunden. Ich hatte Gelegenheit, Menschen zu beglücken. Immer wieder schön, Kinderaugen bei ausgewachsenen Männern, wenn Schokolade winkt. Bei Frauen natürlich auch, aber die assoziiert man ja eh immer mit Euphorie über Schokolade. Am Schönsten ist es, die Sicherheitsleute zu beglücken, die liegen mir richtig am Herzen. Bei höheren Gehaltsgruppen war ich sparsamer. Die können sich ja selber locker die guten Lindt-Schokoläuse kaufen. Ausgleichende Gerechtigkeit! Das wäre überhaupt ein toller Beruf für mich, finde ich: Geschenke verteilen – königlich! Was mir auch noch gut gefällt als Arbeit, ist Ordnung machen. Den Leuten, die zu faul sind, hinterherräumen, bis es richtig gut aussieht. Ich habe schon häufiger überlegt, wie ich es hinkriegen könnte, ein Arbeitsgebiet mit einfachen Tätigkeiten zu bekommen, ohne die Gehaltsgruppe zu wechseln. Ich glaube, das Dilemma kennen viele. Ich weiß es sogar. Mir fallen eine ganze Reihe Leute ein, mit denen ich eine Selbsthilfegruppe gründen könnte. Mir fallen aber auch jede Menge Leute ein, die das überhaupt nicht verstehen und beleidigt gucken, wenn ich erzähle, dass mich Aufgaben mit geistigem Anspruch eher langweilen, weil man sich mitunter auch auf Sachen konzentrieren muss, die einen nicht durchweg so brennend interessieren und demzufolge die geistige Freiheit beeinträchtigen. Wenn ich dagegen die leider viel zu seltene Gelegenheit habe, Sachen aufzuräumen, kann ich multitasking-mäßig meine visuelle Virtuosität benutzen, weil Aufräumen ja vor Allem ein optisches Talent voraussetzt. Und da ich davon sowieso jede Menge habe, könnte ich mich zeitgleich auf andere Sachen konzentrieren, die mich interessieren. Träumen, sich Sachen ausdenken, überlegen, was man als Nächstes bloggt. Eine Mailantwort andenken, wieder verwerfen. So Sachen eben. Und während der Geist eine neue visionäre Ordnung erschafft, Ordnung in der materialisierten Welt machen. Sehr befriedigend! Eventuell könnte ich sogar eine Marktlücke bedienen, weil ich eigentlich super viele Leute kenne, die überhaupt nicht gerne aufräumen. Ich räume sogar bei mir selber gerne auf, auch wenn nur ich selber mich dafür lobe. Aber wenn einen andere dafür loben, ist es schon noch toller. Ich finde überhaupt, dass Aufräumen vor allem etwas mit der Idee von einem Gesamtkunstwerk zu tun hat. Ich betrete in aufgeräumter Verfassung eine aufgeräumte Umgebung oder räume sie eben so lange auf, bis die ideale Grundvoraussetzung für die Kür geschaffen wurde. Nach der Pflicht kommt die Kür. Das Sahnehäubchen auf dem Kakao. Auf einem idealen Nährboden kann eine Pflanze wachsen und Blüten entfalten. Bis zur Ekstase. Das ist das Ziel. Im Grunde religiös. Um meine radikale Vorgehensweise in Sachen Ordnung besser zu kommunizieren, habe ich unlängst den Begriff Akten-Yoga kreiert. Interessanterweise hat bis jetzt jeder geguckt, als ob es verständlich wäre. Ich mache zwar kein Yoga und meditiere nicht, sorge aber in profanen Situationen für meditative Zustände. Klare Flächen, ich brauche klare Flächen. Interessant finde ich, dass die systematische Umsetzung von dieser Idee, immerzu Neugier weckt. Das muss irgendetwas mit Wellness zu tun haben, schätze ich. Fragen Sie Frau Nielsen! Ich bleibe dran.

10. Dezember 2013

Heizkörper entlüften, Abflussrohr von der Spüle auseinandermontieren. The Glamour never stops! Dazwischen Überlegungen zu bloggen oder die eine oder andere Mail zu beantworten, als Übersprungshandlung. Aber nein, diese Dinge müssen zu Ende gebracht werden, in Ordnung gebracht werden. Bevor Sie mit Rohrfrei-Granulat hantieren, legen Sie sich bitte eine Saugglocke zu. Die bringt einfach mehr und ist eine Anschaffung fürs Leben. An einer Stelle tropft es noch unter der Spüle, obwohl ich alle Rohrteile maximal zugeschraubt habe. Da muss ich eventuell nochmal ran. Und bitte: niemals das Märchen glauben, Kaffeesatz würde den Abfluss frei halten. Ein Fachmann aus der Kanalisation stellt dazu fest: „Kaffeesatz in der Kanalisation? Wird hart wie Beton!“. Das war letztendlich das Übel. Ich bin ab und zu noch empfänglich für Ammenmärchen, gerade wenn es bequem ist. Den Kaffeesatz mal eben in den Ausguss spülen. Aber der Tag hatte auch recht angenehme Stunden. Ich hatte Gelegenheit, Menschen zu beglücken. Immer wieder schön, Kinderaugen bei ausgewachsenen Männern, wenn Schokolade winkt. Bei Frauen natürlich auch, aber die assoziiert man ja eh immer mit Euphorie über Schokolade. Am Schönsten ist es, die Sicherheitsleute zu beglücken, die liegen mir richtig am Herzen. Bei höheren Gehaltsgruppen war ich sparsamer. Die können sich ja selber locker die guten Lindt-Schokoläuse kaufen. Ausgleichende Gerechtigkeit! Das wäre überhaupt ein toller Beruf für mich, finde ich: Geschenke verteilen – königlich! Was mir auch noch gut gefällt als Arbeit, ist Ordnung machen. Den Leuten, die zu faul sind, hinterherräumen, bis es richtig gut aussieht. Ich habe schon häufiger überlegt, wie ich es hinkriegen könnte, ein Arbeitsgebiet mit einfachen Tätigkeiten zu bekommen, ohne die Gehaltsgruppe zu wechseln. Ich glaube, das Dilemma kennen viele. Ich weiß es sogar. Mir fallen eine ganze Reihe Leute ein, mit denen ich eine Selbsthilfegruppe gründen könnte. Mir fallen aber auch jede Menge Leute ein, die das überhaupt nicht verstehen und beleidigt gucken, wenn ich erzähle, dass mich Aufgaben mit geistigem Anspruch eher langweilen, weil man sich mitunter auch auf Sachen konzentrieren muss, die einen nicht durchweg so brennend interessieren und demzufolge die geistige Freiheit beeinträchtigen. Wenn ich dagegen die leider viel zu seltene Gelegenheit habe, Sachen aufzuräumen, kann ich multitasking-mäßig meine visuelle Virtuosität benutzen, weil Aufräumen ja vor Allem ein optisches Talent voraussetzt. Und da ich davon sowieso jede Menge habe, könnte ich mich zeitgleich auf andere Sachen konzentrieren, die mich interessieren. Träumen, sich Sachen ausdenken, überlegen, was man als Nächstes bloggt. Eine Mailantwort andenken, wieder verwerfen. So Sachen eben. Und während der Geist eine neue visionäre Ordnung erschafft, Ordnung in der materialisierten Welt machen. Sehr befriedigend! Eventuell könnte ich sogar eine Marktlücke bedienen, weil ich eigentlich super viele Leute kenne, die überhaupt nicht gerne aufräumen. Ich räume sogar bei mir selber gerne auf, auch wenn nur ich selber mich dafür lobe. Aber wenn einen andere dafür loben, ist es schon noch toller. Ich finde überhaupt, dass Aufräumen vor allem etwas mit der Idee von einem Gesamtkunstwerk zu tun hat. Ich betrete in aufgeräumter Verfassung eine aufgeräumte Umgebung oder räume sie eben so lange auf, bis die ideale Grundvoraussetzung für die Kür geschaffen wurde. Nach der Pflicht kommt die Kür. Das Sahnehäubchen auf dem Kakao. Auf einem idealen Nährboden kann eine Pflanze wachsen und Blüten entfalten. Bis zur Ekstase. Das ist das Ziel. Im Grunde religiös. Um meine radikale Vorgehensweise in Sachen Ordnung besser zu kommunizieren, habe ich unlängst den Begriff Akten-Yoga kreiert. Interessanterweise hat bis jetzt jeder geguckt, als ob es verständlich wäre. Ich mache zwar kein Yoga und meditiere nicht, sorge aber in profanen Situationen für meditative Zustände. Klare Flächen, ich brauche klare Flächen. Interessant finde ich, dass die systematische Umsetzung von dieser Idee, immerzu Neugier weckt. Das muss irgendetwas mit Wellness zu tun haben, schätze ich. Fragen Sie Frau Nielsen! Ich bleibe dran.

09. Dezember 2013

Mais non. Heute Abend im Tatort, das war nicht Margot Werner, Gott hab sie selig. Padam padam padam… das war und ist Zazie de Paris. Aber schon Ähnlichkeit. Fällt mir jetzt erst im Nachhinein auf, gar nicht als ich sie traf. Jan hat Zazie oft fotografiert, deshalb kam sie auch zu seiner Ausstellung, damals Zweitausendacht bei Niedersätz. Gibt es auch schon lange nicht mehr, diese kleine Galerie in der Passage in der Fasanenstraße.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=138195

07. Dezember 2013


Erster Schnee. Heute hat es zum ersten mal geschneit in Berlin. Aber erst am frühen Abend. In nur zwei Wochen ist schon wieder Wintersonnwende. Dann werden die Tage wieder länger. Ganz bald. Aus der Küche höre ich, wie mein Süppchen kocht und ab und zu überschwappt, ich muss mal den Deckel runternehmen. Fünf große Karotten, eine große Knoblauchzehe, Salz und eine kleingeschnippelte, kleine Ingwerknolle köcheln vor sich hin. Wenn die Karotten durch sind, zerdrücke ich sie mit dem Kartoffelstampfer und mache ein bißchen Butter und saure Sahne dran. Bei Aldi gibt es gerade frischen Ingwer. Habe ich vorhin gekauft. Und einen Heizungsentlüftungsschlüssel aus dem Obi-Baumarkt in der Voltastraße. Ich habe die Heizkörper immer mit der Stahlkante von meinem Famos-Gemüse-Sparschäler entlüftet, das hat aber dazu geführt, dass die Vierkantschraube an manchen Ecken so abgerundet worden ist, durch den einseitigen Druck, dass der Sparschäler nicht mehr greift. Nun habe ich also einen echten Heizungsentlüftungsschlüssel und bin sehr froh, dass er einwandfrei funktioniert und die lädierten Schrauben in den Griff kriegt. Außerdem war ich bei Kaisers, wegen Weißwein. Die Wohnung ist schön warm, ich werde sie in den nächsten zwei Tagen nicht mehr verlassen. Warmer Geheimtipp gegen Erkältung!

07. Dezember 2013


Erster Schnee. Heute hat es zum ersten mal geschneit in Berlin. Aber erst am frühen Abend. In nur zwei Wochen ist schon wieder Wintersonnwende. Dann werden die Tage wieder länger. Ganz bald. Aus der Küche höre ich, wie mein Süppchen kocht und ab und zu überschwappt, ich muss mal den Deckel runternehmen. Fünf große Karotten, eine große Knoblauchzehe, Salz und eine kleingeschnippelte, kleine Ingwerknolle köcheln vor sich hin. Wenn die Karotten durch sind, zerdrücke ich sie mit dem Kartoffelstampfer und mache ein bißchen Butter und saure Sahne dran. Bei Aldi gibt es gerade frischen Ingwer. Habe ich vorhin gekauft. Und einen Heizungsentlüftungsschlüssel aus dem Obi-Baumarkt in der Voltastraße. Ich habe die Heizkörper immer mit der Stahlkante von meinem Famos-Gemüse-Sparschäler entlüftet, das hat aber dazu geführt, dass die Vierkantschraube an manchen Ecken so abgerundet worden ist, durch den einseitigen Druck, dass der Sparschäler nicht mehr greift. Nun habe ich also einen echten Heizungsentlüftungsschlüssel und bin sehr froh, dass er einwandfrei funktioniert und die lädierten Schrauben in den Griff kriegt. Außerdem war ich bei Kaisers, wegen Weißwein. Die Wohnung ist schön warm, ich werde sie in den nächsten zwei Tagen nicht mehr verlassen. Warmer Geheimtipp gegen Erkältung!

01. Dezember 2013


Eintrag ins Logbuch. Erster Dezember 2013. Zwanzig Uhr einundvierzig. Gaga Nielsen sitzt in halber Hocke auf ihrem Bodenkissen und tippt. Im Hintergund läuft Konservenmusik im Zufallsabspielmodus. Gaga Nielsen hat gerade eine Mail geschrieben, in der sie Sachen fragt. Womöglich heikle Sachen fragt. Das ist gar nicht so beabsichtigt. Gaga Nielsen ist einfach manchmal unwahrscheinlich neugierig. Gaga Nielsen weiß gerade gar nicht so genau, wo sie selber steht. Auf jeden Fall aber ganz woanders als vor zwei oder zwölf oder zweiundzwanzig Jahren. Oder zweiunddreißig. Oder zweiundvierzig Jahren. Was war vor zweiundvierzig Jahren? Ich war sechseinviertel. Und – Moment ich gucke in meiner Vita nach – Neunzehnhunderteinundsiebzig – Fahrradfahren ohne Stützräder gelernt. Daniel Gérard und sein Butterfly-Lied angehimmelt. Und Chris Roberts. Und George Harrison mit seinem „My Sweet Lord“-Lied. So war das also. Und was habe ich zweiundvierzig Jahre später gelernt? Hmh. Die Hand reichen. Verzeihen. Dankbarkeit für Gesundheit, noch mehr als sowieso schon. Dankbarkeit für Sachen, die ich durch Begegnungen gelernt habe, wenn sie in der Vergangenheit auch mit schmerzhaften Erfahrungen einhergingen. Aber das schmälert die Bereicherung nicht. Die Wunden aufgrund der anderen Dinge sind eine andere Baustelle. In der Mail ging es auch um Baustellen. Dinge, die man angefangen hat und nicht zu Ende gebracht. Und ich behauptete, dass das sehr verzeihlich sei, weil es auch bedeutet, sich einzugestehen, dass sich etwas überlebt hat. Wie zum Beispiel diese Vita, die ich nur bis zum Jahr 1987 schrieb. Einige wissen, weshalb es dann abbrach. Ich brachte es nicht übers Herz, über den Unfalltod meines Bruders hinwegzuschreiben. Ich war wie gelähmt. Und auch wollte ich die Serie verunglückter Liebesgeschichten nicht fortführen müssen. Andere hätte ich nicht parat gehabt. Und die zumindest eine Weile geglückten wären so viel später gekommen. Also blieb es dabei. Ich bedauere das nicht. Denn es geht ja nur um diese paar Jahre zwischen 1987 und 2003, wo niemand, der nicht beteiligt war, weiß was im Einzelnen geschah. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend. Jetzt wird ja auch noch gelebt. Ich muss auch erstmal an den Punkt kommen, wo ich mir selber diese fehlenden Geschichten erzählen möchte. Später mal, oder von Zeit zu Zeit, wenn ich wider Erwarten nostalgisch werden sollte. Oder mir über irgendetwas aus dieser Zeit klarer werden muss. So wie es kommt.

01. Dezember 2013


Eintrag ins Logbuch. Erster Dezember 2013. Zwanzig Uhr einundvierzig. Gaga Nielsen sitzt in halber Hocke auf ihrem Bodenkissen und tippt. Im Hintergund läuft Konservenmusik im Zufallsabspielmodus. Gaga Nielsen hat gerade eine Mail geschrieben, in der sie Sachen fragt. Womöglich heikle Sachen fragt. Das ist gar nicht so beabsichtigt. Gaga Nielsen ist einfach manchmal unwahrscheinlich neugierig. Gaga Nielsen weiß gerade gar nicht so genau, wo sie selber steht. Auf jeden Fall aber ganz woanders als vor zwei oder zwölf oder zweiundzwanzig Jahren. Oder zweiunddreißig. Oder zweiundvierzig Jahren. Was war vor zweiundvierzig Jahren? Ich war sechseinviertel. Und – Moment ich gucke in meiner Vita nach – Neunzehnhunderteinundsiebzig – Fahrradfahren ohne Stützräder gelernt. Daniel Gérard und sein Butterfly-Lied angehimmelt. Und Chris Roberts. Und George Harrison mit seinem „My Sweet Lord“-Lied. So war das also. Und was habe ich zweiundvierzig Jahre später gelernt? Hmh. Die Hand reichen. Verzeihen. Dankbarkeit für Gesundheit, noch mehr als sowieso schon. Dankbarkeit für Sachen, die ich durch Begegnungen gelernt habe, wenn sie in der Vergangenheit auch mit schmerzhaften Erfahrungen einhergingen. Aber das schmälert die Bereicherung nicht. Die Wunden aufgrund der anderen Dinge sind eine andere Baustelle. In der Mail ging es auch um Baustellen. Dinge, die man angefangen hat und nicht zu Ende gebracht. Und ich behauptete, dass das sehr verzeihlich sei, weil es auch bedeutet, sich einzugestehen, dass sich etwas überlebt hat. Wie zum Beispiel diese Vita, die ich nur bis zum Jahr 1987 schrieb. Einige wissen, weshalb es dann abbrach. Ich brachte es nicht übers Herz, über den Unfalltod meines Bruders hinwegzuschreiben. Ich war wie gelähmt. Und auch wollte ich die Serie verunglückter Liebesgeschichten nicht fortführen müssen. Andere hätte ich nicht parat gehabt. Und die zumindest eine Weile geglückten wären so viel später gekommen. Also blieb es dabei. Ich bedauere das nicht. Denn es geht ja nur um diese paar Jahre zwischen 1987 und 2003, wo niemand, der nicht beteiligt war, weiß was im Einzelnen geschah. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend. Jetzt wird ja auch noch gelebt. Ich muss auch erstmal an den Punkt kommen, wo ich mir selber diese fehlenden Geschichten erzählen möchte. Später mal, oder von Zeit zu Zeit, wenn ich wider Erwarten nostalgisch werden sollte. Oder mir über irgendetwas aus dieser Zeit klarer werden muss. So wie es kommt.

29. November 2013

Es ist nach Mitternacht. Ich spüre einen Drang zu bloggen, habe jedoch keinerlei Mitteilung zu machen. Irgendwie unangenehm. Wahrscheinlich bin ich einfach bei der Auswahl des Sujets, wie wir Spitzen-Profischreiber gerne sagen, zu anspruchsvoll. Was hindert mich eigentlich, hier zu vermerken, dass – zum Beispiel – gestern gegen ca. 17:00 Uhr mein Stolz verletzt wurde, durch eine völlig unangemessene Beurteilung, in der kaum ein Superlativ vorgekommen ist, hier und da mal ein warmes Wort, keine nennenswerte Kritik, da es ja auch an Substanz dafür fehlt, hier und da „über den Anforderungen“, aber nicht in komplett spektakulärem Ausmaß. Natürlich anders formuliert, aber ich wusste die nebulösen Adjektive schon zu deuten. Diese Schieflage der Betrachtung führte zwangsläufig dazu, dass ich meinem Gegenüber attestieren musste, dass seine Beurteilungskompetenz unterhalb von 100 Prozent, nämlich bei 75 liegt. Aber ansonsten kriegt er gerne von mir 125, wie ich ihm – ich möchte jetzt nicht sagen gönnerhaft – aber wohlwollend mitteilte. Er sieht recht gut aus und hat Umgangsformen und ist eigentlich normalerweise ganz scharfsinnig. Aber was die Einschätzung von mir angeht, muss er noch Schularbeiten machen. Na ja. Gut. Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben. Eintrag für meinen privateren Kalender.

29. November 2013

Es ist nach Mitternacht. Ich spüre einen Drang zu bloggen, habe jedoch keinerlei Mitteilung zu machen. Irgendwie unangenehm. Wahrscheinlich bin ich einfach bei der Auswahl des Sujets, wie wir Spitzen-Profischreiber gerne sagen, zu anspruchsvoll. Was hindert mich eigentlich, hier zu vermerken, dass – zum Beispiel – gestern gegen ca. 17:00 Uhr mein Stolz verletzt wurde, durch eine völlig unangemessene Beurteilung, in der kaum ein Superlativ vorgekommen ist, hier und da mal ein warmes Wort, keine nennenswerte Kritik, da es ja auch an Substanz dafür fehlt, hier und da „über den Anforderungen“, aber nicht in komplett spektakulärem Ausmaß. Natürlich anders formuliert, aber ich wusste die nebulösen Adjektive schon zu deuten. Diese Schieflage der Betrachtung führte zwangsläufig dazu, dass ich meinem Gegenüber attestieren musste, dass seine Beurteilungskompetenz unterhalb von 100 Prozent, nämlich bei 75 liegt. Aber ansonsten kriegt er gerne von mir 125, wie ich ihm – ich möchte jetzt nicht sagen gönnerhaft – aber wohlwollend mitteilte. Er sieht recht gut aus und hat Umgangsformen und ist eigentlich normalerweise ganz scharfsinnig. Aber was die Einschätzung von mir angeht, muss er noch Schularbeiten machen. Na ja. Gut. Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben. Eintrag für meinen privateren Kalender.

27. November 2013


Identifikation. Nein, nicht Hilma af Klint. Kennen Sie das, sich anhand einer Abbildung, einer Fotografie von sich selbst, tiefgreifend zu identifizieren? Ich hoffe es für Sie, für jeden, in diesem exzessiv fotografisch dokumentierenden Zeitalter. Obwohl die Auswahl in meinem besonderen Fall immens ist, ist es gar nicht so leicht, unter den vielen Bildern so schnell diejenigen zu finden, die ich als vergleichsweise umfassend empfinde. Immer bleiben Aspekte offen, die dann separat abgehandelt werden müssen, zu anderer Stunde, anderen Zeiten. Aber wenn es ab und zu ein seltenes Bild gibt, das den selbst empfundenen Kern trifft, ist das auch für jemanden, der viele Aufnahmen von sich im Archiv hat, besonders. Ich konnte das Bild nicht direkt über das Just do it-Zitat von Schlöndorff kleben, das wäre unangemessen. Aber so alleine, kann man mal ein Bild einkleben. So alt ist es noch nicht. Vom ersten September in diesem Jahr. Aber jetzt endlich schlafen.

27. November 2013

(…) Am nächsten Tag traf ich Louis Malle, einen weiteren Exilanten, bei seiner neuen Frau Candice Bergen am Central Park Süd. Ich genoss den grandiosen Blick auf die Stadt und erzählte, wie wohl ich mich in New York fühlte… Die Arbeit in Amerika sei gut für mich. Ich versuchte gar nicht, mich zu assimilieren, wie damals in Frankreich. Das brauchte man in Amerika nicht. Mir genügten die Möglichkeiten, die sich einem Profi bieten. Einfach Regisseur sein. Just do it, nichts habe mir so geholfen, wie dieser einfache Satz. Endlich die Zweifel überwinden. Arthur Miller hatte mir einmal gesagt, er habe überhaupt erst in Michigan, beim Studium an der Uni im Midwesten, das Wort probably gehört. In Brooklyn hatte es das nicht gegeben, Zweifel konnte man sich da nicht leisten. Alles war affirmativ. So wollte auch ich werden, indem ich hier arbeitete. Volker Schlöndorff, Licht, Schatten und Bewegung

23. November 2013


Ich war mir, bis eben jetzt, sehr unsicher, ob ich diese Bilder, die ich sechseinhalb Jahre, nachdem sie entstanden sind, um sie für mich zu bewahren, hochgeladen habe, durch einen Blogeintrag ins Licht rücken sollte. Ich mag die Bilder, sogar sehr. Sie stammen von der Hamburger Fotografin Kerstin Schlitter, die vor einigen Jahren starb, wir hatten uns nur einmal getroffen. Sie hatte die Bilder bei sich diskret verlinkt, so dass sie nur von jemandem betrachtet werden konnten, der den direkten Link dazu hatte. Nicht in der Reihe der sonst von ihr portraitierten Personen zu finden. Mir schien es doch ein bißchen schade, fand es damals schon. Sie machte diese Bilder mit einer digitalen Kamera, mit der sie sich nicht so souverän fühlte, wie mit ihren analogen Fotoapparaten. Die Aufnahmen entstanden in der Charlottenburger Galerie Camera Work. Peter Lindbergh hatte damals eine kleine Retrospektive in der Galerie. Die Bilder von Keith Richards dominierten den ganzen Raum, ich war hin und weg. Das vertraute, verknautschte Gesicht von Keith machte den Raum für mich sofort zum Wohnzimmer. Eigentlich ist es alles andere als erwünscht, dort zu fotografieren, aber wir machten es vielleicht so arglos und spielerisch, in einer Selbstverständlichkeit, dass die Galeristin, die unser Tun zuletzt dann doch registrierte, nicht mahnend Einhalt gebot. Im Juli Zweitausendsieben war das. Kerstin hatte noch andere, analoge Bilder von mir gemacht, als wir draußen waren, in einem wilden Gelände und später in meinem Atelier, wo ich ihr etwas erzählte, das mich damals tief bewegte und stellenweise zum Weinen brachte. Das waren die Bilder, die sie als „die Bilder“ von mir betrachtete. Doch ich enttäuschte sie mit meiner Reaktion, auf die analogen Aufnahmen, die mich in einem harten Licht in Momenten erinnerter Verletzung zeigten. So nackt, dass ich es in einer guten Phase meines inneren Heilungsprozesses als unverhältnismäßige, ausschließliche Beschwörung der Verletzung empfand. Doch diese schwerelosen Bilder, die sie so beiläufig, ohne besonderen Ehrgeiz knipste, die liebte ich. Denn das war meine Gegenwart. Repräsentativ für den Zustand meiner Befindlichkeit. Unser Kontakt brach dann ihrerseits einsilbig ab, da sie damit nicht zurechtkam, dass ich die für mich heillosen Aufnahmen eines minutenweisen Aufgelöstseins nicht in der Öffentlichkeit sehen wollte, sie nicht dafür loben konnte. Aber dennoch erinnere ich diesen ganzen Tag gerne, zu dem sie extra aus Hamburg nach Berlin gereist war, als wir uns einmal und nie wieder trafen. Danke für diese Bilder und all deine Mühe, Kerstin.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984

24. November 2013


Ein bißchen wie im Leerlauf. Der Geist dreht Kreise, aber findet nicht den entscheidenden Punkt, um in einen Gang zu schalten und zur Handlung überzugehen. Mit Handlung ist in diesem Fall bereits gemeint, Worte zu schreiben. Schaue nach links, nach rechts, nach oben, nach unten, vorwärts, rückwärts. Auch so eine Manie, sich auf Dynamik zu fixieren, immer etwas vorantreiben zu wollen. Andererseits, man ist nicht als Amöbe inkarniert. Die Existenz in Fleisch und Blut und Knochen drängt nach Bewegung. Und sei es nur der des unruhigen Geistes. Ich habe am Donnerstag nach 22 Uhr eine Mail bekommen, die ich in eine Textdatei kopiert habe. Schriftgröße 9 Punkte, Verdana. Absatzformat 1,5 Zeilen. Linker und rechter Seitenrand 2,5 cm. Rand oben und unten 2 cm. Ergibt 55 DIN A 4-Seiten. Es handelt sich um keinen Text, der aus einer anderen Quelle kopiert wurde. Es ist eine an mich gerichtete Mail-Antwort. Einige Zeilen sind als Zitate einiger von mir vor drei bis vier Monaten vorangegangenen Mitteilungen eingefügt. Meine Zitate nehmen ungefähr nur zwei bis fünf Zeilen pro Seite ein. Normalerweise kopiere ich keine Mail-Inhalte in Textdateien. Ich merkte aber recht schnell, dass es mir zu anstrengend sein würde, diese fünfundfünzig DIN A 4-Seiten innerhalb des gmx-Accounts zu lesen, mit dem flimmernden Layout links und rechts und oben und unten. Ich änderte sogar die Hintergrundfarbe der Textdatei von hartem Weiß zu einem zarten Elfenbeinton. Bis es mir angenehm war. Ich hatte alle anderen Anwendungen geschlossen. Firefox, Dateiverwaltung. Geöffnet war nur noch die Textdatei in einem schmaler aufgezogenen Fenster, so dass ich es als schmalere Spalte besser lesen konnte. Hinter dem hellen Fenster mit dem langen Text war nur noch das satte Schwarz meines Desktops, auf dem sich keinerlei Anwendungssymbole befinden, nur in der Mitte mein dunkelgraues Logo. Und das war nun verdeckt vom Textfenster. Ich las ungefähr dreieinhalb Stunden am Stück, von 23 Uhr bis ungefähr halbdrei. Unterbrochen nur von zwei- dreimal ins Bad gehen und Klopapier abreißen. Ich hatte nicht den Nerv nach einem Tempotaschentuch zu fischen, obwohl ich weiß, wo sie liegen, griffbereit. Inzwischen habe ich eine Zwischenbotschaft durch meine persönliche Assistentin übermitteln lassen, die den Eingang der Mitteilung bestätigte. Das war am Freitag Vormittag. Sie erklärte meine Unfähigkeit einer persönlichen Eingangsbestätigung durch mich selbst, mit einer leichten Unpässlichkeit von Frau Nielsen, aufgrund der nächtlichen Lektüre. Am Tag darauf, gestern, war Frau Nielsen wieder einigermaßen erholt und in der Lage persönlich mitzuteilen, dass sie sich angesichts der Fülle und der Dichte des Mitgeteilten nicht so recht in der Lage sieht, sich im Handumdrehen eingehend dazu zu äußern, weil eine Würdigung nach einem angemessenen Format verlangt. Und da stehe ich jetzt. Ich weiß nicht, ob ich zuerst den Text einmal kopieren soll und alle Passagen löschen, zu denen ich nichts anmerken will, so dass nur die übrig bleiben, die ich noch einmal aufgreifen will. Es werden ja eigentlich so gut wie keine Fragen gestellt, in all den Zeilen. Es wird einfach erzählt, erklärt. Doch manchmal gingen mir beim Lesen kleine Fragen durch den Kopf. Die könnte ich stellen. Allerdings fürchte ich fast, dass meine Art zu fragen, in fragile Bereiche dringt. Das ist mein besonderes Talent. Immer ins Schwarze. Das ist auch so ein Eintrag, den man gar nicht kommentieren kann. Ich würde so einen Eintrag lesen, zur Kenntnis nehmen und gespannt gucken, ob in einem nächsten Eintrag irgendeine erhellende Neugigkeit als Fortsetzung kommt. Das also beschäftigt mich seit gut drei Tagen.

23. November 2013


Ich war mir, bis eben jetzt, sehr unsicher, ob ich diese Bilder, die ich sechseinhalb Jahre, nachdem sie entstanden sind, um sie für mich zu bewahren, hochgeladen habe, durch einen Blogeintrag ins Licht rücken sollte. Ich mag die Bilder, sogar sehr. Sie stammen von der Hamburger Fotografin Kerstin Schlitter, die vor einigen Jahren starb, wir hatten uns nur einmal getroffen. Sie hatte die Bilder bei sich diskret verlinkt, so dass sie nur von jemandem betrachtet werden konnten, der den direkten Link dazu hatte. Nicht in der Reihe der sonst von ihr portraitierten Personen zu finden. Mir schien es doch ein bißchen schade, fand es damals schon. Sie machte diese Bilder mit einer digitalen Kamera, mit der sie sich nicht so souverän fühlte, wie mit ihren analogen Fotoapparaten. Die Aufnahmen entstanden in der Charlottenburger Galerie Camera Work. Peter Lindbergh hatte damals eine kleine Retrospektive in der Galerie. Die Bilder von Keith Richards dominierten den ganzen Raum, ich war hin und weg. Das vertraute, verknautschte Gesicht von Keith machte den Raum für mich sofort zum Wohnzimmer. Eigentlich ist es alles andere als erwünscht, dort zu fotografieren, aber wir machten es vielleicht so arglos und spielerisch, in einer Selbstverständlichkeit, dass die Galeristin, die unser Tun zuletzt dann doch registrierte, nicht mahnend Einhalt gebot. Im Juli Zweitausendsieben war das. Kerstin hatte noch andere, analoge Bilder von mir gemacht, als wir draußen waren, in einem wilden Gelände und später in meinem Atelier, wo ich ihr etwas erzählte, das mich damals tief bewegte und stellenweise zum Weinen brachte. Das waren die Bilder, die sie als „die Bilder“ von mir betrachtete. Doch ich enttäuschte sie mit meiner Reaktion, auf die analogen Aufnahmen, die mich in einem harten Licht in Momenten erinnerter Verletzung zeigten. So nackt, dass ich es in einer guten Phase meines inneren Heilungsprozesses als unverhältnismäßige, ausschließliche Beschwörung der Verletzung empfand. Doch diese schwerelosen Bilder, die sie so beiläufig, ohne besonderen Ehrgeiz knipste, die liebte ich. Denn das war meine Gegenwart. Repräsentativ für den Zustand meiner Befindlichkeit. Unser Kontakt brach dann ihrerseits einsilbig ab, da sie damit nicht zurechtkam, dass ich die für mich heillosen Aufnahmen eines minutenweisen Aufgelöstseins nicht in der Öffentlichkeit sehen wollte, sie nicht dafür loben konnte. Aber dennoch erinnere ich diesen ganzen Tag gerne, zu dem sie extra aus Hamburg nach Berlin gereist war, als wir uns einmal und nie wieder trafen. Danke für diese Bilder und all deine Mühe, Kerstin.
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08. November 2013

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=78869380&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
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„(…) Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft ich die Projektdatei vor mir hatte, und dann wieder abbrach, auf eine meiner beiden externen Festplatten speicherte, um irgendwann weiter zu machen, wenn es mir nicht wie ein unüberwindbarer Berg schiene. Die Bühne der Disharmonie, du am Rosa-Luxemburg-Platz, im Taxi zu Neil Young, bei dir daheim… am Boxi, im Hanffeld, die kleine Kirche neben dem Rückerthaus, die Felder und der Schotterhügel und der Himmel von Gerbrunn
„Unter Hügeln und am Meer, harren Trümmer uns zu lehren, dass die Zeit in Kreisen mäht, alles Irdische vergeht…“
Diese Zeile sagt mehr, als ich je dazu in Worte fassen könnte.
Vor einer Stunde, am 7. November 2013 habe ich den letzten Schnitt gesetzt. Mir war das Herz oft schwer, in den letzten drei Jahren, und wenn ich die Bilder sehe, erinnere ich mich daran, auch daran, aber vor allem an alles, was schön war. Und leicht. Und kostbar. Und ewig. Und bleibt.“

(Fragm. Mail 8. November 2013)

05. November 2013


Nachdem die Sache mit dem tollen Kunstschatz in München aufgeflogen ist, werden die Ermittler sicher auch bald ihre Spurensuche in Berlin fortsetzen, wo auch noch jede Menge Meisterwerke gebunkert sind. Ich hätte da auch einen Hinweis. Gucken Sie mal bitte demnächst unter der Adresse Bussardsteig 9 in Berlin Dahlem. Am kommenden Sonntag gegen 11:30 Uhr ist dort die Übergabe eines echten Kirchners von 1918 geplant. Sie wissen schon, Ernst Ludwig Kirchner, von dem ist ja auch ein Werk in der Lotterbude in München gefunden worden, nämlich das melancholische Mädchen. Ein tolles Bild – zum Glück – nicht repräsentativ für den Fund der mittlerweile durchgezählten 1.406 Werke. Nun habe ich zwar nur Kunstgeschichte im Wohnzimmer studiert, aber wenn schon im Wikipedia-Eintrag zu Kirchner nachzulesen ist, dass sein Bild „Berliner Straßenszene“ nach der Rückgabe durch Berlin an die rechtmäßige Erbin, am 8. November 2006 bei Christie’s in New York für über 30 Millionen € an die „Neue Galerie“ in New York versteigert wurde, scheint mir die Schätzung „Wert ca. eine Milliarde €“ für 1.406 Bilder etwas schlank bemessen. Wir reden hier wohlgemerkt vom Ertrag eines einzigen Gemäldes von Kirchner. 30 Millionen Euro. Ich freue mich. Posthum. Für ihn. Der wunderbare Kirchner hat sich ja leider ins Herz geschossen, nachdem seine Kunst in seinem Heimatland der’art‘ entwertet wurde. Und deswegen schauen Sie bitte bei nächster Gelegenheit mal zum Bussardsteig 9. Da sind nämlich ganz viele großartige entartete Bilder. Ich will überhaupt nur noch entartete Bilder sehen. Der andere artige Quatsch kann meinethalben in Münchner Rentnerbuden verstauben und in zweitausend Jahren entdeckt werden. Ansonsten haben Sie bitte Verständnis, dass ich jetzt erst so dezidiert von der Entdeckung am Bussardsteig berichte. Die Ermittlungen haben eben so lange gedauert und halten natürlich noch an. Einige handverlesene Leser meines Ermittlerblogs wurden bereits vorab am 29. Oktober 2007 von mir informiert. Die letzten sechs Jahre war ich dann vollauf beschäftigt, die Eigentumsverhältnisse zu klären, was natürlich unheimlich schwierig ist. Zum Beispiel hätte ich natürlich Fotos von allen Meisterwerken vom Bussardsteig einstellen können und Betreffende um Meldung bitten können, die Verdachtsmomente haben, dass es sich um verschollenes Familienerbe handeln könnte. Aber denken Sie sich nur, wie es dann in meinem Postfach ausgeschaut hätte. Von überall in der Welt, wohin diese Leute eben damals emigriert sind, hätte ich Post bekommen, weil irgendwer meint, irgendetwas erkannt zu haben. Mein armes gmx-Postfach wäre sofort total überfüllt gewesen! Die hätten dann noch alle Bild-Anhänge mitgeschickt, mit einem oder mehreren Fotos, wo man vielleicht auf alten Schwarzweiß-Aufnahmen eine Familienfeier sieht, und im Hintergrund eine Wand mit einem verschwommenen Gemälde drauf. Das wäre mir einfach über den Kopf gewachsen. Sicher mögen in den letzten sechs Jahren die einen oder anderen Nachkommen der ehemaligen Besitzer den Gang alles Sterblichen gegangen sein, aber so ein Bild hätte sie letzten Endes (haha, zwinker) auf ihre letzten Tage wahrscheinlich auch nicht mehr retten können. Das nur als Erklärung, wieso es eben seine Zeit braucht, bis man so eine Entdeckung der Öffentlichkeit präsentieren kann. Ich hoffe, Sie sind mit dieser Antwort nun ruhig gestellt und suchen nicht weiter das Haar in der Suppe von dieser Geschichte da unten in München! Was mich in dem Zusammenhang viel mehr beschäftigt ist, wieviele qm und Zimmer die Wohnung in München eigentlich hat. Diese wichtige Angabe habe ich noch nirgendwo ermitteln können. Wenn Sie also sachdienliche Hinweise hierzu haben, bitte in das Kommentarfeld.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984

05. November 2013


Nachdem die Sache mit dem tollen Kunstschatz in München aufgeflogen ist, werden die Ermittler sicher auch bald ihre Spurensuche in Berlin fortsetzen, wo auch noch jede Menge Meisterwerke gebunkert sind. Ich hätte da auch einen Hinweis. Gucken Sie mal bitte demnächst unter der Adresse Bussardsteig 9 in Berlin Dahlem. Am kommenden Sonntag gegen 11:30 Uhr ist dort die Übergabe eines echten Kirchners von 1918 geplant. Sie wissen schon, Ernst Ludwig Kirchner, von dem ist ja auch ein Werk in der Lotterbude in München gefunden worden, nämlich das melancholische Mädchen. Ein tolles Bild – zum Glück – nicht repräsentativ für den Fund der mittlerweile durchgezählten 1.406 Werke. Nun habe ich zwar nur Kunstgeschichte im Wohnzimmer studiert, aber wenn schon im Wikipedia-Eintrag zu Kirchner nachzulesen ist, dass sein Bild „Berliner Straßenszene“ nach der Rückgabe durch Berlin an die rechtmäßige Erbin, am 8. November 2006 bei Christie’s in New York für über 30 Millionen € an die „Neue Galerie“ in New York versteigert wurde, scheint mir die Schätzung „Wert ca. eine Milliarde €“ für 1.406 Bilder etwas schlank bemessen. Wir reden hier wohlgemerkt vom Ertrag eines einzigen Gemäldes von Kirchner. 30 Millionen Euro. Ich freue mich. Posthum. Für ihn. Der wunderbare Kirchner hat sich ja leider ins Herz geschossen, nachdem seine Kunst in seinem Heimatland der’art‘ entwertet wurde. Und deswegen schauen Sie bitte bei nächster Gelegenheit mal zum Bussardsteig 9. Da sind nämlich ganz viele großartige entartete Bilder. Ich will überhaupt nur noch entartete Bilder sehen. Der andere artige Quatsch kann meinethalben in Münchner Rentnerbuden verstauben und in zweitausend Jahren entdeckt werden. Ansonsten haben Sie bitte Verständnis, dass ich jetzt erst so dezidiert von der Entdeckung am Bussardsteig berichte. Die Ermittlungen haben eben so lange gedauert und halten natürlich noch an. Einige handverlesene Leser meines Ermittlerblogs wurden bereits vorab am 29. Oktober 2007 von mir informiert. Die letzten sechs Jahre war ich dann vollauf beschäftigt, die Eigentumsverhältnisse zu klären, was natürlich unheimlich schwierig ist. Zum Beispiel hätte ich natürlich Fotos von allen Meisterwerken vom Bussardsteig einstellen können und Betreffende um Meldung bitten können, die Verdachtsmomente haben, dass es sich um verschollenes Familienerbe handeln könnte. Aber denken Sie sich nur, wie es dann in meinem Postfach ausgeschaut hätte. Von überall in der Welt, wohin diese Leute eben damals emigriert sind, hätte ich Post bekommen, weil irgendwer meint, irgendetwas erkannt zu haben. Mein armes gmx-Postfach wäre sofort total überfüllt gewesen! Die hätten dann noch alle Bild-Anhänge mitgeschickt, mit einem oder mehreren Fotos, wo man vielleicht auf alten Schwarzweiß-Aufnahmen eine Familienfeier sieht, und im Hintergrund eine Wand mit einem verschwommenen Gemälde drauf. Das wäre mir einfach über den Kopf gewachsen. Sicher mögen in den letzten sechs Jahren die einen oder anderen Nachkommen der ehemaligen Besitzer den Gang alles Sterblichen gegangen sein, aber so ein Bild hätte sie letzten Endes (haha, zwinker) auf ihre letzten Tage wahrscheinlich auch nicht mehr retten können. Das nur als Erklärung, wieso es eben seine Zeit braucht, bis man so eine Entdeckung der Öffentlichkeit präsentieren kann. Ich hoffe, Sie sind mit dieser Antwort nun ruhig gestellt und suchen nicht weiter das Haar in der Suppe von dieser Geschichte da unten in München! Was mich in dem Zusammenhang viel mehr beschäftigt ist, wieviele qm und Zimmer die Wohnung in München eigentlich hat. Diese wichtige Angabe habe ich noch nirgendwo ermitteln können. Wenn Sie also sachdienliche Hinweise hierzu haben, bitte in das Kommentarfeld.
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30. Oktober 2013


Ja. Ewig neu und jung. Das wäre schön. Aber wir werden alle sterben. Doch jetzt sind wir da und es liegt an uns. Ich bin ewig neu und jung. Hier und jetzt. Und du. Du, Cosmic. Und du, Lesende. Und du Lesender. Wir alle. Wenn wir es wollen. Und wenn nicht, auch gut. Es gab eine Phase, wo ich gerne für älter gehalten werden wollte. Dann gab es eine Zeit, als es mir egal war, vielleicht, weil ich zwar manchmal für annähernd so alt, wie ich war, gehalten wurde, aber nie älter, eher jünger. Jetzt habe ich das Gefühl von Irritation. Unausgesprochen. Aber gepaart mit Faszination. Wahrscheinlich ein ähnliches Empfinden, das ich mir selbst entgegenbringe. Ich fühle mich innerlich nicht alterslos, aber irgendwo mäandernd zwischen sieben, elf, vierzehn, fünfzehn, siebzehn, zwanzig, dreissig, fünfunddreissig, vierzig, zweiundvierzig, siebenundvierzig und achtundvierzig. Und fünfzig macht mir keine Angst, überhaupt nicht. Das einzige, was ich blöd und schade fände, wäre, wenn mir die göttliche Kraft trotz aller Bemühungen, einen unberechenbar vorzeitigen Strich durch die Rechnung machte. An irgendetwas muss man dann ja auch sterben, eines Tages. Ja, ich denke viel an den frühen Tod von Eugenie. So weit ist man nicht entfernt, von jemandem in den Fünfzigern, Ende Vierzig. Ich will mich weiter bemühen, damit diese schöne Lebenskraft und -freude erhalten bleibt. Denn die habe ich. Dazu muss ich nicht erst ein Damoklesschwert über mir schaukeln sehen. Wie komme ich denn auf all das, heute? Gestern erwähnte ich in meinem Eintrag einige Geburtstage von Menschen, die mir nahe waren. Oder auch sind. In dieser leichtfüßig dargebrachten Reihe war auch Cosmic, der mir ganz sicher auch deshalb nah war (oder ist), weil wir eine Generation sind. Zehn Monate trennen uns, war er vor mir da. Mein Bruder wurde auch, wie er, im Jahr Neunzehnhundertvierundsechzig geboren. Und hatte auch eine Martin (das ist so eine akustische Gitarrenmarke aus Amerika, die auch Neil Young spielt). Und überhaupt. Man sollte sich angewöhnen, möglichst schnell (gleich jetzt, heute, sofort) zu rekapitulieren, was wichtig war, im eigenen Leben. Welche Begegnungen. Sternstunden, Glanzlichter für immer unvergessen bleiben im großen Konzert. Und zwar unabhängig davon, ob die weitere Dramaturgie des Weltenlaufs einem in jeder Hinsicht entgegenkam, die besten Karten zuspielte. Denn zu realisieren, dass man zu bestimmten Zeiten immer wieder auch richtig gute Karten hatte, ist eine schöne, heilsame Erkenntnis. (‚es war nicht alles schlecht‘) Und diese bloße Wahrnehmung ist die nächste gute Karte im großen Spiel. Ein As. Ich weiß, genau, wovon ich rede. Long Speech, no Sense. Lots of Sense. Happy Birthday, Cosmic. Ewig neu und jung. Wie ich dich immer kannte. Dich mir nicht anders denken kann. Hier ist dein Lied. Und meine Bilder. Für immer. Und wieder. Ewig neu und jung.
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eWIG NEU UND JUNG
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