Wie angenehm, dass dieser aufdringliche Valentinstag vorbei ist. Ich hatte schon die Befürchtung, das seit vorgestern himbeerrote Vimeo-Logo (mit ausgestanztem Herzchen und Pfeil drin) bleibt jetzt, aber manchmal habe ich ja doch einen Geistesblitz, und so hegte ich die berechtigte Hoffnung, dass es sich nur um eine Spielerei einer „romantischen“ Belegschaft handelt. Der Krankheitsschub ist vorbei und das Logo wieder schwarz. Mich hat ja vor Jahren schon die monatsbindenhafte Typographie des Schriftzugs bewogen (vormals WC-Reiniger-bleu), auf dieser Plattform nichts hochladen zu wollen. Ich weiß nicht, wie diese Schriftart heißt, aber in Verbindung mit dem Namen denke ich, warum auch immer, an Monatshygiene, Binden, Slipeinlagen (die ich persönlich nicht benutze, schön, dass wir mal darüber gesprochen haben) oder meinethalben auch vierlagiges Klopapier. Nun wurde aber zum siebten November letzten Jahres mein blip-Channel gekündigt, weil mein Zeug nicht mainstream-mäßig kommerziell genug war, und so suchte ich eine Plattform, wo ich meine kleinen Werke ungehindert und unzensiert hochladen kann, mit möglichst unaufdringlich aussehendem Player, der sich hier, ohne Werbevorspann vor jedem Film, einbetten lässt. So habe ich also doch den Hoster mit dem Binden-Logo gewählt. blip tv war ja nun allerdings auch nicht sehr elegant betitelt, da hatte ich schon auch meine Bauchschmerzen. Außerdem hat alles sehr langsam gepuffert. Wie heißt es doch so schön „first world problems“. Nein, alles kein Problem. Ich konnte mir dann ja auch meinen eigenen Channel zurechtbasteln, mit freundlich schwarzem Hintergrund. Und sogar drei Alben durfte ich anlegen, um ein bißchen Ordnung in die Sache zu bringen. Alles fein. Die meisten bevorzugen jedoch immer noch, sich die Sachen auf youtube anzuschauen, die Weltherrschaft ist derzeit fest in der Hand von youtube und google. Keine Frage. Für mich ist das auch so eine Art doppeltes back up. Wenn meine heimischen Festplatten und USB-Sticks plötzlich sterben sollten, wäre immer noch ein Hoffnungsschimmer, dass die Bilder noch einmal gerettet werden können. Wofür und wen auch immer. Für mich oder eine unwägbare Nachwelt, den großen virtuellen Flohmarkt, auf dem in hundert Jahren, seltsame alte Fundsachen feilgeboten werden.

29 Antworten auf „15. Februar 2014

  1. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich schon ein bißchen neidisch auf die Blogs bin, die von diesem Marbacher Archiv auserkoren werden, dort archiviert zu werden. Ich muss mich einfach noch mehr anstrengen. Nicht immer so banales Zeug raushauen, was mich tatsächlich beschäftigt. Und die anderen Sachen, die Bilder und Filme hätte ich natürlich auch unwahrscheinlich gerne in der Stiftung Preussischer Kulturbesitz (man muss groß denken!). Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Ich werde nach weiteren zehn Jahren (morgen zehnjähiges Blog-Jubiläum, nichts vorbereitet, nichts eingekauft, schlimm) eventuell die Qualität meiner Blogeinträge und Filme steigern, und dann zum zwanzigjährigen Jubiläum eine Dauerinstallation im Museum für Kommunikation kriegen (Umgangssprache!) erhalten (muss mich gewählter ausdrücken!). Dir auch ein schönes Wochenende. Muss (Wiederholung!) Werde mir noch Socken anziehen und Essen kaufen gehen.

  2. Keine allzu große Ehrfurcht, bitte, liebe Gaga. Ich kenn auch andere Blogs, die in Marbach zugänglich gemacht werden, sehr gute wie das von TT alias Phyllis und andere, zu denen ich mich öffentlich nicht äußern werde. ;) Ich selbst halte mich ja eher für einen mittelprächtigen Dilettanten, abhängig natürlich davon, welchen Vergleichsmaßstab ich anlege – Rilke, Ausländer, Domin oder Facebook. Marbach kommt es, so glaube ich, vor allem auf Ansätze der Literarisierung an, die in reiner Tagebuchform eher nicht vermutet oder gesehen werden. Auch wenn sie vorhanden sein mögen. Ich denke, Du weißt ziemlich genau, was und wieso Du es hier machst. Sonst wäre das auch nicht zehn Jahre lang durchzuhalten gewesen. Hab es gut. LG

  3. Ja, ich halte weiter tapfer durch. So groß ist der Minderwertigkeitskomplex dann auch wieder nicht. Ich wollte nur mal ein bißchen kokettieren und um Zuspruch buhlen. Auch das will geübt werden. Außerdem bin ich ja auch keine Literatur!

    Facebook als Maßstab ist freilich eine sichere Nummer. Das könnte ich ja mal probieren, könnte funktionieren! Also als olympischer Qualitätsmaß-Stabhochsprung.

    Aber eben leider als back up-Plattform irrelevant. Ich komme einfach mit dem layout und der Farbwelt nicht zurecht. Selbst in Sachen back up schere ich mich um schnöde Äußerlichkeiten. Es ist ein Kreuz mit mir! Wobei facebook ja besonders „zuverlässig“ Daten sichern soll, wie man so hört.

  4. :) Auch bei FB gibt es ein paar, die gute Gedichte schreiben, aber ganz wenige. Das scheint mir in der Bildenden Kunst anders, vielleicht auch weil deren Protagonisten häufiger versuchen, Kunst auch als berufliche Existenz bzw. mindestens als Standbein zu leben. Das Dichterln hat – gerade in Zeiten des Selfpublishing – selten mehr als Hobby-Ambitionen.

  5. Habe gerade überlegt, ob „Das DichterIn“ die gendermäßig politisch korrekte weibliche Form ist, oder die alpenländische Niedlichkeitsform [„DICHTERLN“] ;-)

  6. P.S. nichtsdestotrotz wäre ich schon interessiert zu erfahren, wer die Auswahl der Blogs in dem Marbacher Archiv kuratiert, ob das ein ganzes Team ist oder zwei Leute oder ein Einzelner, der davon ausgeht, worüber er mal zufällig stolpert, querliest, und dann durchgängige höhere Qualität attestiert, und daraufhin (einem Entscheidungsgremium?) den Vorschlag macht. Schon spannend! Ich meine, für die Eitelkeit (und das sind wir ja wohl alle), ist es schon ein Ritterschlag. Weiß ja keiner, da draußen, dass das auf den Online-Seiten vom Archiv kaum wer verfolgt. Aber man kann doch davon ausgehen, dass ein erkorener Blogger irgendwann eine mehr oder minder diskrete Randbemerkung fallen lassen wird, dass er oder sie da jetzt von Stund an archiviert wird und auf diesem Wege die Leser erfahren, dass das Blog diesen „Qualitäts“-Stempel erhalten hat. Also ich würde damit auch hausieren gehen. Nicht als Nachsatz in jedem Blogeintrag, aber doch, wenn die Stunde geschlagen hätte. Sonst wäre es ja für die Katz!

  7. Klar, ist es irgendwie schmeichelhaft, wenn das eigene Blog zum Archivieren auserkoren wurde. Bei mir archivieren sie sogar das Traumblog, obwohl das eher weniger mit Literatur zu tun hat. Keine Ahnung, wonach die dabei gehen. Aber glaub mir, manchmal verfluche ich das auch, weil ich keine Lust habe, mir bei jedem Blogeintrag Gedanken darüber zu machen, ob das nun etwas ist, das ich noch der Nachwelt offen legen möchte oder nicht. Ich nutze ja das Blog ebenfalls gerne einfach zum Quatsch machen, Spaß haben, Dampf ablassen und kommunizieren. Manchmal schien es mir, ich müßte neue Blogs für solch Material eröffen, aber das geht mir total gegen den Strich, weil ja alles das zu mir gehört und ich meine Persönlichkeit nicht in mehreren Blogs aufgesplittet haben möchte. Wenn ich an diese Archivierungen denke, vergeht mitr eigentlich oft die Lust, etwas zu veröffentlichen, deshalb blende ich das gerne aus.

  8. Würde ich genauso halten. Abgesehen davon, ist es ja auch das, was Blogveröffentlichungen von lektorierten Publikationen so interessant unterscheidet, die anarchische Qualität, der Ungehorsam! Was mich interessieren würde: ist das nur eine Verlinkung zum Original-Blog, wo der eben dort befindliche Inhalt quasi gestreamt wird, oder wird separat durch eine Kopie archiviert? Wenn es nur gestreamt wird oder verlinkt, dann hast du ja immer noch die Obrigkeit über den Inhalt und könntest, was dir nach Jahren irrelevant oder unangenehm in der Öffentlichkeit erschiene, löschen oder offline setzen. Ich finde ja, dass auch alte Schrott-Einträge ihre Berechtigung haben, weil sie Entwicklungsstationen zeigen. Mir ist da nicht großartig viel peinlich. Bisher zumindest. Ja, man hatte in der Pubertät Pickel, so what. Soll man sich deswegen einen Strick nehmen? Sogar heute noch wird der eine oder andere Pickel ausgedrückt, um mal in dem zugegebenermaßen unannehmlichen Bild zu bleiben. Aber wenn über Jahre, ja Jahrzehnte keine Entwicklung zu erkennen wäre, hätte man es dann nicht mit einem Zombie zu tun? Einer paralysierten Persönlichkeit, einer tiefgefrorenen Seele? Ich fürchte ja. Also einfach weitermachen, ohne Selbstzensur.

  9. So weit ich das mitbekommen habe, wird das gesamte Blog ein- oder zweimal im Jahr gespiegelt, also mit dem gesamten Inhalt auf deren Server abgelegt. Nun weiß ich nicht genau, ob Einträge, die ich zwischenzeitlich offline setze, dann in der Spiegelung auch verschwinden. Ich hatte bisher keine Lust, dies langwierig zu überprüfen, sondern halte es einfach so, daß ich weiterhin versuche das auszublenden und gar nicht weiter darüber nachzudenken, um die Selbstzensur außen vor und mir genug Raum zu lassen. Gelingt aber immer mal wieder nicht so gut.

  10. Es gibt auch Blogger, die eine Archivierung dort abgelehnt haben. (Ich weiß aber nicht, ob ich heute nicht anders entscheiden würde. Mir ging es damals darum, möglichst viel an eingebildeter Kontrolle zu behalten. Was natürlich eine Schnapsidee ist.)

    Vimeo ist mir übrigens, Herzchen in oder her, bislang sehr sympathisch. HD, kein Krawall.

  11. Ich stelle mir vor, dass es sich irgendwie luxuriös anfühlt, das Archivierungs-Ansinnen des Marbacher Archivs abzulehnen. Wie den Nobel-Preis oder den Pulitzer-Preis. Zumindest beim Nobel-Preis wird glaube ich keiner, der auf dem Laufenden ist, was da so alles prämiert wird, sagen, der Vergleich würde hinken. Ich bin ja nicht durchweg begeistert, was das Nobel-Preis-Komitee so als preiswürdig in Betracht zieht. Weder in Sachen Literatur (Herta Müller, meine persönliche aua-Kandidatin) und schon gar nicht in Sachen Friedensnobelpreis. Etwas allgemein als ehrenhaft Verschubladetes (durchaus freundlich) abzulehnen, aus welchen Gründen auch immer (zum Beispiel hochkarätige, gut bezahlte Aufträge), ist immer ein luxuriöser Moment. Der Luxus, zu begreifen, dass man es nicht nötig hat. Oder nicht nötig zu haben glaubt. Fürs Ego oder das Konto. Ich hatte die Erfahrung einmal deutlich bei letzterer Konstellation (Konto). Und konnte jemandem eine Freude machen, indem ich die Sache einfach weitergereicht habe. Tolles Gefühl. Wie der Luxus, kein Mobiltelephon mit sich herumzutragen, weil man überzeugt ist, dass man nichts verpasst, wenn man nicht rund um die Uhr telefonisch erreichbar ist. Wenn man dem Marbacher Archiv großzügig kommuniziert, dass man nun, nach langem Überlegen, doch zu dem Schluss gekommen ist, dass eine Archivierung für die Nachwelt nicht als unerfreulich angesehen wird, sollte es sicher kein Problem sein, das nun doch in die Wege zu leiten.

    Ja, Vimeo ist keine Krawall-Bude. Sehr angenehm. Aber eben auch oft arg still. Ich möchte es dennoch nicht missen. Die Qualität ist zumindest in Sachen Bildqualität höher als z. B. youtube (obwohl ich mit dem Ton mitunter Probleme wahrnehme). Nur auf Vimeo habe ich mir die große Mühe gemacht, zu allen Videos die zugehörigen Background-Stories zu verlinken, hier im Blog, und die Fotostrecken bei flickr. Die Mühe habe ich mir bei youtube nicht gemacht. Das sagt schon auch etwas aus.(I like.)

  12. Komme gerade vom Einkaufen, unterwegs, zwischen U-Bahn-Haltestelle Rosenthaler Platz und meiner Haustür ging mir durch den Kopf, ob das Marbacher Archiv im Laufe der Jahre die Entwicklung eines Blogs verfolgt und bei Qualitätseinbruch die Archivierung auch schon mal einstellt. Mir fällt da gerade das eine oder andere Blog ein, das sich im Laufe der Jahre inhaltlich sehr verändert hat. Ohne dass ich wüsste, ob es zu den archivierten gehört. Plastischer beschrieben: Mutation vom launig persönlichen Befindlichkeits-Blog zum Technik-und Auto-Nerd-Blog. Kündigung?

  13. Ja mei, herzig! Wobei ich mir höchst unsicher bin, ob „dichterLn“ nicht ein norddeutsches Phantasie-Gebilde ist ;-) (ich meine: ja.)

  14. Ja, mit allen Kommentaren. Somit sind wir alle mehr oder weniger im Marbacher Archiv ;-)

    Ich habe mir soeben erstmalig die Mühe gemacht, überhaupt die Übersicht zu finden, welche Blogs archiviert werden:

    http://www.dla-marbach.de/dla/bibliothek/literatur_im_netz/literarische_weblogs/index.html

    Dann habe ich mich anhand eines bestimmten, auf dem ich auch schon kommentiert habe, durch die autorenspezfischen Links geklickt.

    Neben dem Blog/ger-Namen ist jeweils ein Link „weitere Informationen“ dann auf Link ganz unten „Langzeitarchivierung“, dann auf „zum archivierten Objekt“

    Es wird, wie Zucker schon erwähnte, in zeitlichen Etappen komplett archiviert. Wenn man dann auf zum Beispiel das archivierte Jahr 2011 oder welches auch immer klickt, sieht man die Start-Seite aus dem Zeitraum im Original Layout, die allerdings durch einen Header vom Marbacher Archiv zerschossen/ergänzt ist. Das sind ja sehr viele Blogs, die man kennt. Aber auch viele, die ich nicht kenne. In der Tat weiß ich von einigen, die ich eben kenne, und die drin sind, dass sie schon auch gewisse literarische Ambitionen haben und auch die Vision irgendwann ein Buch zu veröffentlichen, wenn sie es nicht schon gemacht haben. Zum Beispiel engl, mek, Modeste, Zucker. „Liebesenden“ habe ich nicht alphabetisch einsortiert gefunden, Tinius? Vielleicht gibt es eine extra Kategorie für reine Lyrik-Blogs? Oder unter anderem Namen? Was ich auch nicht ganz durchschaue, bei dieser zeitlich zerhackten Archivierung, ob jeweils bis zum Beginn des Blogs rückwärts archiviert wird, oder erst ab dem Zeitpunkt der Entscheidung der Marbacher zu archivieren. Sieht mir fast so aus.

  15. Eben mal geguckt, was bei Blog-Umzug passiert, wie zum Beispiel bei Modeste, da endet die Archivierung im Januar 2013. Wahrscheinlich müsste der betreffende, umziehende Blogger dann kommunizieren, dass eine neue URL relevant ist, sonst gilt das wahrscheinlich als der letzte Eintrag. Bei der Menge wird keiner jeden Eintrag lesen, der dann darüber informieren würde: hallo, ich bin jetzt woanders. Der Begriff Langezeitarchivierung lässt ja schon darauf schließen, dass einfach blind von Stund an alles gespeichert wird, egal ob das Blog von heute auf morgen vom literarisch amibitionierten Befindlichkeitsblog zum Strick- oder Kochblog mutiert. Anarchie! Man scheint auch gute Chancen zu haben, da zu landen, wenn man sich einfach selbst den Begriff „literarisch“ verpasst oder „Lyrik“ in der Überschrift hat. Dann ein paar Zeilen im Poesialbum-Stil, schon kommt man in Betracht. Vielleicht sollte ich mich mal umbenennen: „Gaga Nielsens Alltags-Lyrik-Blog“ (schnarch, gähn), ab und zu ein paar Befindlichkeiten in Versform formatiert darbieten, schon läuft die Sache. Alleine so eine Blog-Bezeichnung würde mir allergrößte Bauchschmerzen verursachen. Das kann ich nicht mit meinem Schönheitsempfinden vereinbaren. Also lesen Sie hier weiter nur bei Gaga Nielsen, nicht in Marbach archiviert. Trotzdem viel Spaß! Aber meine Rede auch: erstmalig habe ich selbst dort auf den Seiten versucht, ein Blog aufzustöbern, das war ja schon eine Wissenschaft für sich. Ich wüsste nicht, wer das großartig nutzt, zumal Blogs ja viel leichter über jede Suchmaschine zu finden sind. Und mit der dort archivierten Auswahl bleibt man auch nicht viel beeindruckter zurück, als mit dem Suchergebnis von einer Suchmaschine.

  16. Jetzt ist das alles im Archiv umständlich und kompliziert, so daß niemand Lust hat darin zu recherchieren. Aber warte mal ab, falls irgendwann einer von den gelisteten Bloggern richtig berühmt ist und seinen 200. Todestag begeht, wie die Literaturwissenschaftler sich dann auf dieses Archiv stürzen werden! Und ich glaube, genau das ist auch die Intention von Marbach, die ja bei sich ebenfalls alle möglichen schriftlichen Nachlässe und Fundstücke von Autoren sammeln.

    Übrigens gibt es noch eine andere Seite im Netz die archiviert, nämlich die archive.org. Allerdings weiß ich nicht, ob die auch alle Blogs bei sich speichern.

  17. Verstehe, verstehe – in zweihundert Jahren könnte das alles Früchte tragen! Man muss in großen Maßstäben und Zeiträumen denken. Ich habe ja auch immer noch die Sache mit der eventuellen Reinkarnation im Hinterkopf. Wenn es die nicht gibt: prima! Aber WENN DOCH! Ich fände es einfach hochinteressant, wenn ich in der nächsten oder übernächsten Reinkarnation, womöglich im deutschsprachigen Bereich oder noch besser in Berlin, über meine letzte oder vorletzte Existenz stolpern würde und ein Déjà-vu hätte. Wenn man dann öffentlich Spuren hinterlassen hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit ungefähr 97 Prozent höher, dass man über sich selber stolpert! Stelle dir doch bitte vor, du schaust im Jahre 2222 auf einen Monitor, falls es diese altbackene Technolgie dann noch geben sollte, und siehst eine Dokumentation über eine Person, die Weltruhm erlangt hat und elektrisiert durchfährt es dich: verdammt! Ich glaube, das war ich selber! Das sind so die Sachen, die mich beschäftigen. Auch wegen Lüftung des großen Weltgeheimnisses usw. usf.!

  18. Liebe Nikola,

    nun bin ich aufrichtig gerührt, dass mein Tun in diesem Blog nun gerade heute, und mit so feierlich schönen Worten gewürdigt wird. Für später irgendwann heute wollte ich auch noch irgendetwas dazu vermerken, aber ich bin noch nicht so recht in die Gänge gekommen. Man denkt dann ja auch immer, man will besonders würdig bloggen, irgendwie umfassender, ein großer Wurf. Ich habe insgeheim schon den Plan, gar nicht viel zu schreiben, sondern auf meinen recht aufwändigen Eintrag zu verlinken, den ich vor drei Jahren verfasste, als ich zum ersten Mal staunte, dass sieben Jahre ins Land gegangen waren. Ich meditiere noch ein bißchen drüber, in der Sonne, die wir heute hier so schön haben und sage noch einmal lieben Dank.

  19. Dass man irgendeine Persönlichkeit in filmischen oder anderen Dokumenten sieht und das Gefühl hat, man selbst wäre diese Person gewesen, soll es ja auch heute schon geben. Nur dass natürlich die Dokumente spärlicher werden, je weiter man in die Geschichte zurückgeht. ;o)

  20. Also ich hatte das noch nie. Du? Ich war ganz sicher nicht Cleopatra oder Else Lasker-Schüler. Nur die Sache mit Berlin ist für mich ein Mysterium, dass mir hier von der ersten Minute an alles so vertraut war. Nicht wie: „hab ich schon mal gesehen“, sondern dieses familiäre Gefühl von eben sich nicht fremd fühlen sondern zu Hause, ohne dass es immer sachlich erklärbar wäre. Ganz mysteriös und spannend für mich. Wieso kommt es mir wie ein Gutenachtlied vor, wenn ich irgendjemanden berlinern höre, egal was für ein dummes Gesabbel. Und wo ich doch selber (leider) nicht berlinere. Nur manchmal, in Gedanken, aber nie laut, das käme mir sogar nach dreißig Jahren hier noch unangemessen und übergeholfen vor. Dann lieber gar nicht. Aber ich höre es so gerne.

  21. Heimatromanseite???
    Ich stehe total auf der Leitung.
    Also ich bin definitiv nicht im Marbacher Archiv. Das wüsste ich! Nur eben als Kommentarspur hier und da.

    Dass die stilistische Qualität innerhalb eines Textes durch die Archivierung geschmälert wird, glaube ich nicht, das sind andere Parameter, die die Schreibe ungünstig beeinflussen. Aber ein innerer Zensor könnte schon eine Rolle spielen, und dann ist die Blumenwiese in der Tat nicht mehr ganz so artenreich (wobei das ja auch ein Qualitätsmerkmal ist, unzensiert zu formulieren). Weil man selber etwas zertrampelt, bevor es blühen darf. Bei einigen Blogs frage ich mich schon gerade, ob die weniger gewordene Dichte der Blogeinträge, das seltenere Bloggen auch damit zu tun haben könnte, dass nun immer auch im Hinterkopf herumwabert: „scheiße, früher hätte ich einfach mal zwei Halbsätze gebloggt, dass ich gerade hier total uninspiriert vor meinem Klapprechner sitze und ziemlich einen im Tee habe und eigentlich auch nichts weiter zu sagen, aber ein bißchen Kontakt zu meinen Lesern haben möchte – aber hat das literarisches Niveau?“ fragt sich der arme Marbacher Archivierte womöglich. So oder so – man hat’s nicht leicht!

  22. Nein, ich hatte das auch noch nicht. Aber es laufen ja immer mal wieder Dokumentationen, in denen Kinder oder Erwachsene ein altes Foto sehen und erklären: Das bin ich! Ich hatte nur einmal eine Vision, daß ich JFK gewesen bin. Doch wenn ich Fotos von ihm sehe, habe ich das Gefühl überhaupt nicht, deshalb nehme ich das eher als Schabernack. Ist ja auch nicht unbedingt so erstrebenswert JFK gewesen zu sein, wegen Kopfschuß und so. Daß Menschen an einen Ort kommen, der ihnen sehr vertraut scheint, hört man ja allgemein häufiger, auch in solchen Reinkarnationsdokumentationen.

  23. Ebendrum. Ich vermute, falls es das Phänomen überhaupt geben sollte, dass es Mutter Natur absichtlich eingerichtet hätte, dass man sich eben tunlichst nicht an alles dauernd erinnert. Man würde ja komplett verrückt. Ich sehe es so ähnlich wie mit dem Schlaf, dem kleinen Tod (nein, nicht der Orgasmus): im Schlaf werden die Tageseindrücke in verschiedene Archivierungsordner abgelegt, die vielen unwichtigen Dinge, die den Erinnerungsspeicher nur unnötig voll machen, in tiefere Keller-Archive, um am nächsten Tag mit einem einigermaßen freien Kopf frisch ans Werk zu gehen. Und so wird dann bei frisch geboren werden, also frisch auf der Erde erwachen, neues Spiel, neues Glück simuliert, neue, leere Festplatte, obwohl es insgeheim eine Spiegelung des alten Archivs gibt. In unserem organismuseigenen Marbacher Lebensarchiv sozusagen!

  24. Ja, machen Sie mal, liebe Gaga. Ich warte hier schon die ganze Zeit mit meinen Blumen und dem Champagner (den musste ich gerade wieder kühl stellen) darauf, Ihnen endlich gratulieren zu können. Ich weiß ja, dass Sie Ordnung zu schätzen wissen, also möchte ich es auch im richtigen Strang tun.

  25. (hab mich duch hochwichtige Lektüre ablenken lassen, der Tag hat ja noch ungefähr gut acht Stunden. Vor Mitternacht schaffe ich das!)

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