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Jan war da. War schön. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt. Na gut, es gibt auch noch andere schönste Sachen, gar keine Frage. Aber langfristig gesehen, ist ein richtig guter Freund, dem man so manches erzählen kann, und der einem so manches erzählen kann, schon sehr schön, vor allem wenn die Interessenslage viele Parallelen hat. Auch in der Hinsicht, was einen nicht am anderen interessiert. Und die Gemeinsamkeiten daher angenehm unverfänglich sind, ohne den anderen auch als „Erscheinung“ zu ignorieren. Ich meine: ich sehe schon, dass ich keinen unattraktiven Mann vor mir habe.

Doch dieses interessante Kapitel haben wir in geraumer Vergangenheit ausgeleuchtet und kann daher heute besonnen im Licht des Kameraobjektivs stehen. Und was für unmögliches Schummerlicht zum Fotografieren in meiner Wohnung. Keine Lust, den Scheinwerfer auszupacken, aber Lust Fotos zu machen. Man ist ja geübt, und weiß vorher, dass es natürlich zu neunzig Prozent verrauscht wird, aber einfach mal gucken. Komm, stell dich dahin, da vor die Tür, ja vor den Vorhang. Das kommt so Helmut Berger-mäßig, zu seinen besseren Zeiten, Visconti, auch ein bißchen Delon, Killerblick. Als ich die fertigen Bilder sehe, muss ich lachen, weil ich besonders bei einem und denen mit der Brille, diese Jürgen Prochnow-Assoziation kriege und mir wieder einfällt, wie mich einmal ein Redakteur vom Freitag angerufen hat, um die Verwertungsrechte für einige Bilder einer Strecke zu kaufen, die eine Reportage über Jürgen Prochnow illustrieren sollten. In der Fotostrecke war aber leider nicht Herr Prochnow abgebildet, sondern mein lieber Freund Jan. So wurden also keine Verwertungsrechte ge- und verkauft. Das angebotene Honorar wäre übrigens erschreckend niedrig gewesen. Also haben wir das Telefonat auf beiden Seiten heiter und amüsiert beendet. Wir haben am Neujahrsabend schön geplaudert und getrunken. Und viel gelacht. Und ein Stück von der Warhol-Doku auf youtube geguckt.

Jan hat keinen Fernseher und bislang auch keinen gesehen, der youtube aufrufen kann, fand er interessant. Das nächste mal habe ich wieder ordentlich Wein im Kühlschrank, nicht nur eine angebrochene Flasche vom Vortag. Dann müssen wir nicht dauernd den hochprozentigen Williamsgeist ins Glas schütten. Aber schön war es doch. Am besten gefällt mir ja, wenn er so leicht die Stimme senkt und in einem verschwörerischen Tonfall, als könnte wer mithören, pikante Sachen von Leuten erzählt, die er getroffen hat. Was ich hier natürlich nicht bloggen kann. Aber jetzt so ganz allgemein gesprochen z. B., mir die eine oder andere kleine Eitelkeit von dem einen oder anderen älter gewordenen Berliner Chansonnier berichtet. Eitel sind wir ja alle. Und älter sind wir auch alle. Daher ist es so interessant. So verging die Zeit wie im Fluge. Was ich auch unendlich angenehm finde ist, dass er mir nicht auf die Finger klopft, wenn ich hier Bilder von ihm zeige oder Sachen über ihn blogge. Das würde mir ja unheimlich auf die Nerven gehen! Dann wäre es aber bald vorbei mit der Freundschaft! Ich brauche freie Hand. Wie er halt auch. Wir verstehen uns eben. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt.

4 Antworten auf „05. Januar 2014

  1. Ich finde ja sowieso, daß Fotos mit „gemütlicher“ Beleuchtung meistens viel interessanter und atmosphärischer werden, als bei Scheinwerferbeleuchtung. Ein guter Freund ist etwas Tolles, ganz genau.

  2. Williams ist immer gut, hinten im Schränkchen. Jürgen Prochnow hat ja seinerzeit eine lebende Kartoffel zerdrückt, was mich immer bemüssigt, nicht müde zu erwähnen, dass meine Vorfahren die Kartoffel erstmals in Deutschland feldmäßig anbauten. Der Jan könnte das ja auch mal probieren, dürfte natürlich auch ein bisschen schummeln mit Schlips und Sie knipsen das dann. Immer schön, wenn man die ganzen Sachen schon ausgeleuchtet hat und sich dann um den eigentlichen Pfad kümmern kann. Dann beginnt die richtige Zeit. Wenn Sie wollen, dann schick‘ ich Ihnen ein paar Schneckfrüchte zum Üben zu. Und grüßen Sie den Jan.

  3. Dass Jan attraktiv ist und aussieht, als müsse er alle naselang bei Kinofestivals und Preisverleihungen über den roten Teppich laufen, wusste ich schon von anderen Fotos. Sonst würde mich vielleicht der Verdacht beschleichen, Ihre Kamera könnte irgendeinen raffinierten Filter haben, der einen wie ein Filmstar aussehen lässt. Denn das soll ja öfter vorkommen.

    Zum Berliner Chansonnier fällt mir einer ein, der schon in jungen Jahren unglaublich eitel rüberkam – und längst nicht so gut war, wie er von sich glaubte. Er verließ sich auf die Wirkung seiner Jugend, aber dummerweise blätterte der Lack ziemlich schnell ab.

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