
Manches möchte man bloggen. Ich schrieb gerade jemandem (der mich gut kennt oder genauer: kannte) – im Kontext eines Austausches über (s)eine besonders schöne Hochzeitsfeier, die in der Vergangenheit liegt, das Folgende:
„Weißt du, ich dachte mir manches mal in meinem Leben: ich würde gerne heiraten, aber möchte anschließend nicht unbedingt verheiratet sein. Einfach nur einmal so ein Ritual erleben, so ein Fest, sich gegenseitig die größte Wertschätzung zu zeigen. Und danach aber wieder frei und ungebunden sein, mit dem Gefühl, um jemanden werben zu wollen.“
Ich finde, das bringt es so gut auf den Punkt, dass ich es auch noch hierhinein kritzeln will. Obwohl mich Heiraten und Hochzeit halten so wenig wie nie zuvor in meinem Leben beschäftigt. Aber ich erinnere mich an das Gefühl, an die Idee. Und wenn es jemals wiederkehren sollte, das Gefühl, das so eine Idee im Schlepptau hat, bin ich neugierig, ob es sich immer noch so zeigen wird. Eines fernen Tages. Den ich gar nicht herbeisehne. Es gibt dieses Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“. Vielleicht könnte man auch abgewandelt sagen „Hochzeit kommt vor dem Fall“. Aber die Hochzeit an sich schmälert das ja nicht. Den Tag. Und die Erinnerung. An die Farben und die Kleider und die Freude und das Licht. Und so weiter. Wichtig ist, dass man die hohen Zeiten erkennt und feierlich begeht, wenn sie da sind. Ich glaube schon, dass es ein Schicksal gibt, man nicht alles durch zuträgliche Haltung und Verhalten zur immerwährenden Vollendung treibt. Da sind immer Kurven. Auf und ab. Aus irgendeinem Grund, den wir nie begreifen werden, ist es so. Und weil es so ist, muss man ganz viel Aufmerksamkeit darauf verwenden, zu erkennen, ob es eine gute oder schlechte Zeit ist, die man gerade hat. Wenn sie gut ist, gut – Jetzt. Wenn sie schlecht ist, werden sich die Dinge ändern. Ich schreibe ganz bewusst gut und schlecht wie man von Schwarz und Weiß spricht. Auch wenn dazwischen Töne von gebrochenem Perlmutt über Steingrau bis zum Anthrazit erkalteter Lava sind. Weil es die Hoch- und Tiefzeiten sind, die uns so sehr in Erinnerung bleiben. Wollte ich noch eben bloggen. Und GUTE NACHT.
Wohnformen? Was genau haben Wohnformen mit Heiraten zu tun? Gibt es da irgendeinen Zusammenhang? Wenn mir jemand die Pistole auf die Brust setzen würde und verlangen, dass ich mich zwischen „Zusammenwohnen ohne Trauschein“ und „eigene Wohnung behalten dürfen aber verheiratet sein“ entscheiden müsste, schiene mir Ersteres die zweite Wahl. Idealerweise hat man sein eigenes Reich, keinen Trauschein und den innerlich nahestehenden Menschen nicht dauernd auf Ärmlänge herumstehen (man will ja die Sehnsucht nicht verlieren). Das mit den getrennten Villen und der Brücke ist schon recht virtuos gelöst. Es muss ja nicht gleich eine andere Stadt sein, in der der Liebste weilt. Ich will es ja nun auch nicht übertreiben mit dem Abstand. Außerdem kann ich Skype nicht ausstehen. Der verlinkte Artikel mit dem „Fall“ ist auch hochinteressant. Ich möchte jetzt nicht direkt sagen „inspirierend“ aber doch originell!
Ich unterschreibe den Kommentar komplett.
Mein Eintrag wurde ja von einem Mailaustausch inspiriert, und der wiederum handelte unter anderem von einer Hochzeit, die sehr aus dem Rahmen fiel, was mich sehr faszinierte. Keine standesamtliche oder kirchliche Trauung, sondern eine königliche, dramaturgisch aufwändige Hochzeitsfeier im Hof einer Burg mit vielen schönen, selbst erfundenen Ritualen. Das Hochzeitspaar hatte vorher und nachher getrennte Wohnungen, in Deutschland und Österreich. Es gab keine Eheringe sondern eigens nur für diese Feier geschmiedete Stirnreife. Alles überaus märchenhaft. Leider auch nicht von Dauer, aber eine schöne Erinnerung für alle.