Keine Sehnsucht nach Eis und Schnee. Ich bin zufrieden, wie es ist. Irgendwas zwischen sieben und fünfzehn Grad. Super extreme Wetterzustände sind nur für Wetterfrösche interessant oder? Außer Gewitter, Donner und Doria. Gewitter kann ich gut leiden, es gefällt mir sogar richtig gut, wenn ich drinnen bin, in meinem warmen, sicheren Nest. Einfach gemütlich, wenn es dann so schön dunkel donnert und grollt. Aber Schnee? Na ja. Durchs Fenster ganz schön anzusehen. Aber Skifahren? Habe ich nur einmal im Leben gemacht, als Schülerin. Ich war ungefähr dreizehn oder vierzehn. Skilager in Südtirol. Hoch gewachsen und ungelenk. In Erinnerung sind mir auch umständliche Anziehsachen, so ein türkisblauer Skianzug mit Skiunterwäsche drunter. Und Sonnenbaden in Unterwäsche auf einem Holzbalkon mit geschnitzten Herzen. Und dass ich das erste Mal in meinem Leben so etwas wie Erotik mit dem anderen Geschlecht erlebt habe. Also die Vorstufe. Nicht bis zum Äußersten! Aber das war erst ganz am Schluß vom Skilager, ich glaube fast, der letzte Abend. Erstaunlich, was ich so schreibe, wenn ich mich nicht zügle! Da war so eine andere Schulklasse in der Pension Iris untergebracht. War es das Kleinwalsertal, kann das sein? Eine Klasse von einem Jungengymnasium in München. Damals waren Schuklassen oft noch nur mit Mädchen oder Jungen. Meine Klasse aber glaube ich gemischt. Oder doch nicht? Alles so lange her. Also diese Gymnasiasten aus München, da waren einige dabei, wo die Hormone schon ganz schön am Arbeiten waren. Ich glaube, das hat mich damals angesteckt. Und die haben das gleich gemerkt. Mir ist, als hätte ich mit allen getanzt, das erste Mal in meinem Leben. Und mit einem bin ich auch auf’s Zimmer von der Pension Iris. Also das Zimmer, das ich mit zwei anderen Mädchen geteilt habe. Wir haben aber nur ein bißchen gefummelt und geküsst. Das war ganz schön aufregend, huiuiui! Nun ist es raus!

Ich denke gerne dran zurück, auch weil ich damals meinen ersten Liebesbrief von einem Jungen gekriegt habe. Dann ist aber lange nichts mehr gekommen. Also er hat mehrere geschrieben und ich bestimmt auch zurück, aber wir haben uns nie mehr gesehen. Ich erinnere mich aber noch an seine Sommersprossen. Die waren sexy, obwohl ich vorher nicht gedacht hätte, dass ich jemals einen Jungen mit Sommersprossen und so rötlichen Haaren sexy finden könnte. Ich überlege dauernd, ob er mit irgendwem, den man kennt, Ähnlichkeit hatte. Nur, um ihn sich besser vorstellen zu können! Na ja, vielleicht so eine Mischung aus Heintje und Robert Wagner! Ja, ich weiß, das ist jetzt ganz schwer vorzustellen, aber ich möchte ungern ein Foto posten. Ich glaube nämlich, in einem alten Briefumschlag versteckt sich noch eins, oder einem alten Fotoalbum. Dauernd lief bei der Party die Rocky-Horror-Picture-Show-Platte und Saturday Night Fever. Könnte 79 gewesen sein. Ach ja! Toll. Schöne Erinnerung. Ich habe mich glaube ich nie mehr davor und danach so umschwärmt gefühlt, wie bei dieser Party mit den Münchner Gymnasiasten. Ich könnte mich gerade richtig hineinsteigern. Schon schön, dass man sich nicht nur an blöde Sachen erinnert. Ein wahrer Segen! So viel zum Thema Skifahren. Michael Schumacher und Angela Merkel hätten sich auch mal mehr auf’s Fummeln und Tanzen und küssen Üben konzentrieren sollen, natürlich auch nicht ganz ungefährlich, besonders für’s Herz, aber meistens bleiben doch die Knochen und die grundlegenden Hirnfunktionen erhalten. Also zumindest nicht irreparabel. Wobei ich schon ganz schön den Verstand verloren habe, seinerzeit! Aber ich wollte hier gar nicht auf betrübliches Zeitgeschehen kommen. Meine Pubertät finde ich eigentlich viel wichtiger. Also für mich. Man ist ja immer am Verarbeiten. Wann fing das alles an, was ist schief gelaufen? Etc. pp. Usw. usf. Zehre ich womöglich heute noch von diesem Erlebnis und versuche durch mein Blog ähnliche Bewunderung wie an diesem Abend zu erlangen, als ich irgendwas zwischen Dreizehn und Vierzehn war?

3 Antworten auf „07. Januar 2014

  1. Uii! „Hotel Pension Iris“ gibt es immer noch!

    Lage: „Zwischen dem “Wilden Kaiser” und den Kitzbüheler Alpen

    Tagesbar: „An unserer kleinen Tagesbar sind schon manche Gäste “hängengeblieben. Bei Gruppen-Reservierungen sind wir auch gerne bei der Organisation einer Live-Musik-Gruppe behilflich.

    Leseraum:„hier können Sie ungestört Ihr Buch lesen, oder in Gesellschaft fernsehen. Zudem steht Ihnen hier ein Internet-Terminal zur Verfügung.“

    „Im EINGANGSBEREICH befindet sich ein beheizter Schuhraum (für Schischuhe), sowie ein Spielraum mit Tischtennis-Tisch etc.“

    Zimmer und Ausstattung: „In jedem Zimmer steht Ihnen eine Sitzecke (Tisch und Stühle) zur Verfügung, sowie ein Balkon mit herrlicher Aussicht auf die Bergwelt.

    Einfach gemütlich!

    Preise: „Wir haben unsere Preise äußerst knapp kalkuliert.“

    Insgesamt eine sympathische Pension! Die Inhaber haben früher auch schon so geheißen, „Familie Gwiggner“, das weiß ich komischerweise noch, obwohl es schon ewig her ist. Wie lange eigentlich? Wie lange ist 1979 her? 35 Jahre? Wenn ich die Fotos von dem Gastraum anschaue, hat sich glaube ich auch nicht viel verändert. Im alpenländischen Raum plant man ja eher längerfristig. Aber Internet ist dort auch angekommen, in der Wildschönau. (Also nicht Kleinwalsertal. Das waren andere Ferien, da war ich noch kleiner. Wo die Wirtschaft vom Toni Sailer war.)

  2. Ich habe mit 14 ähnliche Erinnerungen, allerdings fand bei mir das alles in einer romantisch düsteren Burg statt, umgeben von einem märchenhaften kleinen Städtchen, wo man dauernd Berge hinauf- und hinunterstieg, natürlich nichts im Vergleich zu den Alpen. Und es lag auch kein Schnee, was ganz praktisch war, Man konnte ohne Skianzug einfach schneller rennen, wenn man sich im langen, dunklen Burgaufgang bei der Rückkehr vom Abendspaziergang gruselte.

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