29. Mai 2016

Yesternight
Little Annie

Gestern Nacht im Grünen Salon. Little Annie from New York City. Gefilmt. Kann sein, dass ich nicht alles verarbeite. Aber diesen Song hier und ihre Version von „You don’t know what Love is“. Schneide ich gerade. Gibt es dann eventuell morgen Nacht irgendwann zu sehen. War ein schöner Abend. Der Grüne und Rote Salon sind atmosphärisch kaum zu überbieten. Man hängt in den weichen Sesseln ins Dunkel getaucht, die Beine liegen auf der Bühnenstufe, die Kamera im Schoß, keiner fühlt sich gestört, keiner nimmt es großartig wahr, dass ich überhaupt filme. Ist natürlich alles kalkuliert. Man braucht allerdings Disziplin, was die eigenen Bewegungsabläufe angeht. Eine ruhige Hand und Konzentration. Aber dennoch genieße ich das Konzert in vollen Zügen,, wie jeder andere – Passagier hätte ich jetzt fast geschrieben – wie nennt man das – ‚im Publikum‘ sagt man. Little Annie musste nach ihrer Performance an mir vorbei, als sie von der Bühne ging, blieb einen Moment stehen und ergriff meine Hand und drückte sie, lächelte sehr warm und sagte kopfschüttelnd, das ganze Auditorium meinend: you are all looking SO good! How can that be?“. Man möchte Berlin ja nicht arm aber unsexy aussehen lassen. Es gibt immerhin einen Ruf zu verlieren. Wieder einmal erschreckend, wie viel verwertbarer die Filmaufnahmen im Vergleich zu den Fotografien von gestern sind. Schon einiges dabei, aber im Grunde sollte man Standbilder der Filme speichern. Mache ich vielleicht. Aber erst einmal die laufenden Bilder, so lange ich diesen Flow habe. Anschließend waren wir noch in der Böse Buben Bar und im Windhorst in der Dorotheenstraße. Da darf man rauchen. Wir waren die letzten und zur letzten Zigarette wurden ein paar Prince-Songs gespielt. Mehr braucht man gar nicht. Gute Gesellschaft, gutes Getränk, gute Musik, Zigarette.
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Filmspur gestern, 22:10 Uhr. (eins von fünf)

28. Mai 2016

Schon apart, was unsere Zeit für neue Berufsbezeichnungen hervorbringt. Soeben in einem Wikipedia-Eintrag gelesen:
„(…) ist digitaler Influencer“.
Macht sich auch toll auf der Visitenkarte

28. Mai 2016

Schon apart, was unsere Zeit für neue Berufsbezeichnungen hervorbringt. Soeben in einem Wikipedia-Eintrag gelesen:
„(…) ist digitaler Influencer“.
Macht sich auch toll auf der Visitenkarte

27. Mai 2016

Flüstern
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Final track. Vorgestern Nacht fertig gebracht. Innerhalb weniger Tage so viel Material zu verarbeiten, brachte die technische Routine zurück, die mir beim ersten nach anderthalb Jahren ohne einen einzigen Schnitt deutlich abhanden gekommen war. Jetzt könnte es immer so weiter gehen. Mir wurde zudem überdeutlich, wieviel leichter es bei schwierigen Lichtverhältnissen ist, brauchbare laufende Bilder, im Vergleich zu stehenden Bildern zu bekommen. Das gefilmte Material war vollständig verwertbar, was ich beim Schnitt entfernt habe, bewegte sich bei wenigen der fünf Tracks im Bereich von Sekunden der Anfangssequenz, einem initialen Heranzoomen, gerade bei diesem Track hier, das atmosphärisch Unruhe geschaffen hätte, und am Ende dem Erwachen des Künstlers aus seiner Versenkung, mit dem folgenden Applaus. Sogleich wäre der Zauber der vorangegangenen Bilder gebrochen. So schön und existentiell Applaus für den Künstler ist, er hat ihn ja live erlebt, in diesen Filmdokumenten wäre es störend, weil dadurch die Intimität gebrochen würde, die mich mehr als alles andere interessiert. Man will nicht aufwachen. Man möchte in diesem dunklen Raum verharren, der Intensität eines Flüsterns.

26. Mai 2016

„Franz Schubert selbst spielte ganz leidlich Klavier. Als ihm aber beim Vortrag eines eigenes Werkes ein grober Fehler unterlief, der nicht zu überhören war, rief er laut:
„Soll doch der Teufel dieses Zeug spielen!“

Aber dass er den Beethoven so bewundert hat, und der ihn seinerseits und er nichts davon gewusst hat. Das treibt mich ja schon um Und dann war er einer der 36 (!) Fackelträger am Grab vom Beethoven. Das ist doch alles verrückt. Auch das Bild. Ist Beethoven in der Nacht beerdigt worden?

[Quellenlage
]

26. Mai 2016

„Franz Schubert selbst spielte ganz leidlich Klavier. Als ihm aber beim Vortrag eines eigenes Werkes ein grober Fehler unterlief, der nicht zu überhören war, rief er laut:
„Soll doch der Teufel dieses Zeug spielen!“

Aber dass er den Beethoven so bewundert hat, und der ihn seinerseits und er nichts davon gewusst hat. Das treibt mich ja schon um Und dann war er einer der 36 (!) Fackelträger am Grab vom Beethoven. Das ist doch alles verrückt. Auch das Bild. Ist Beethoven in der Nacht beerdigt worden?

[Quellenlage
]

24. Mai 2016

Junge oder Mädchen>
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Eintrag für meine Chronologie, Dieses Video, das ich zuletzt gemacht habe, war bis heute morgen (halb) öffentlich verlinkt und sichtbar. Gestern Abend auf fb für ‚Freunde‘-Ansicht gepostet: „hier eine kurze Gelegenheit noch einen track von Tom Adams zu genießen, der erst im Oktober mit seinem neuen Album veröffentlicht werden wird. Wir haben verabredet, dass ich die Aufnahme bis dahin privat halte. Bis morgen früh hier kurz mal online…“ . Vimeo bietet die Möglichkeit, Filme im privaten Status mit einem individuellen Passwort pro Clip zu versehen. So geschehen. Ich verarbeite das Material frei Schnauze und kommuniziere parallel mit Tom Adams über dies und das, wie ich diesen oder jenen track provisorisch nenne, der mir namentlich nicht bekannt ist und er sagt mir dann den tatsächlichen Titel. Wobei es witzigerweise bei einem noch zu verarbeitenden Track völlig identisch war, was ich mir als Titel dachte, und wie er tatsächlich heißt. Dabei tritt nun zu Tage, dass ich diverse tracks aufgenommen habe, die noch work in progress sind, aber eben zur Veröffentlichung im Oktober vorgesehen. Ist dann naturgemäß nicht im Interesse des Künstlers oder der Plattenfirma, dass Aufnahmen davon vorher schon durchs Netz geistern, vor allem wohl, wenn die Aufnahme nicht schlecht genug ist, um darüberhinwegzusehen. Was mich wiederum freut. Einerseits blöd, die frisch geschlüpften Filme unter Verschluss zu halten, andererseits schön, ernst genommen zu werden. Zumindest fühlt es sich so an, wenn der Künstler warme Worte findet und den Drang hat, die Werke seinem Plattenlabel weiterzuleiten. Obwohl das gerade alles sehr spielerisch geschieht. Lange nicht mehr passiert. Ich hatte jetzt schon eine Weile den Wunsch, wieder etwas in der Art zu machen. Es war eine Gelegenheit, mit der ich gerade jetzt gar nicht rechnete, und was ich schade fand. Der siebzehnte Mai war schon immer ein guter Tag für mich. Am siebzehnten Mai vor acht Jahren lernte ich Cosmic kennen und daraus entstand, was ich schon zig mal hier abgehandelt und gewürdigt habe. Zahllose Filme und Fotografien und einige gemeinsame Konzerte, bei denen ich meine Visuals beamte. Ich hänge das jetzt nicht so hoch, dass mir hier ein paar besondere Aufnahmen mit Tom Adams geglückt sind, aber ich spüre, wie tief es mich befriedigt, an so etwas zu arbeiten. Es ist wie Malen. Ich vergesse Zeit und Raum, und ob ich Junge oder Mädchen bin. Kann ich gerade sehr gut brauchen. Denn ich weiß gerade zu genau, ob ich Junge oder Mädchen bin. Viel zu genau. Körperlich. Zu viel Energie in der unteren Etage. Falls man zuviel davon haben kann. Ja, kann man. Also schöpferische Ablenkung. Grandios für mich auch, wenn der Künstler sich mit dem Zeug, das ich fabriziere, das ihn abbildet, identifiziert. Wobei ich seit geraumer Zeit weiß, dass genau das eine Fähigkeit ist, die mir in die Wiege gelegt zu sein scheint. Ich kann jemanden so einfangen, dass er sich damit identifiziert und mag. Und es verdammt gut aussieht. Und wenn ich diesen Wunsch habe und die Gelegenheit fehlt, werde ich ganz wuschig. Macht mich irre. Ich kann gar nicht damit leben, dass Bilder nur in meinem Kopf existieren, ich will sie materialisieren.

22. Mai 2016

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Chapter II. Tom Adams performing „Migration“ at Roter Salon, Berlin. Siebzehnter Mai 2016. More to come. As ich ihm vorhin schrieb, dass ich in keinerlei Pläne hatte, seine Performance zu filmen. „(…) I’m surprised myself, since I didn’t have any plans to shoot movies of your performance – I just couldn’t help it – I had an perfect angle… so it had to be.“ antwortet er „Lovely, the best creative things are unplanned i always feel!“ …and me: „I agree… – S E R E N D I P I T Y .“

20. Mai 2016

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Eine der fünf Aufnahmen, die ich am siebzehnten Mai von Tom Adams gemacht habe. Anhand der Lyrics versuchte ich zu identifizieren, welcher seiner Songs das ist und konnte ihn nicht unter den Titeln seiner neuen Platte und auch nicht auf seinem soundcloud-Account finden. Ich fragte ihn, wie es heißt und erwähnte die wiederholten Zeilen im Refrain „when you… when you fall“. Er konnte damit nichts anfangen und meinte, dass er bei seinen Konzerten auch gerne mal ein Stück improvisiert, das könnte vielleicht eines gewesen sein – „it keeps it fun“. Daraufhin schickte ich Tom gestern Nacht die Audiospur der Aufnahme mit der Anmerkung „I named it – (as we say in german – „Arbeitstitel“) „Fall“. Er meinte daraufhin „Hey, cool, yep that was an improvised track! „Arbeitstitel“ is a great name, lets call it that ;-)“. Deswegen heißt dieses Stück ‚Arbeitstitel‘, Die anderen tracks werde ich mir auch noch vornehmen. Ich musste beim Schneiden daran denken, dass mir jemand vor nicht allzu langer Zeit erzählt hat, dass es nichts langweiligeres gäbe, als Musiker beim Musikmachen in einem Video zu zeigen. Ich würde sagen, das stimmt in den meisten Fällen. Aber ich denke, ich habe da einen sehr anderen Blickwinkel. Während des Filmens und Schneidens tauche ich tief ein. Ich bin dann nicht mehr in dieser Welt. Und ich glaube, das sieht man den Aufnahmen an.

19. Mai 2016

Ganz wunderbar, wenn jemand einen Eintrag schreibt und meine Bilder hineinklebt, weil ich ja gerade nichts in der Richtung zustande bringe. (schreibt man das eigentlich auseinander?) Warum warum warum. Fragen der Menschheit. Immer wieder. Ich atme ein, ich atme aus. (kein Yoga). Wirken lassen. Alles. Weiß gerade nicht, wie… Dings. – – – ach. Scheißdreck. Immer wieder diese seltsamen Wiederholungen. In Verkleidung. Mimikry. A-ber: neu seit einiger Zeit in diesem Theater: ich lache mitunter darüber. Ist das eine Art Evolution? Premium Galgenhumor oder so ähnlich. Wissen die Götter. Oder Gott (du kleines blödes Arschloch). Ach Gott ja, wenn man schreiben könnte, wie es durch den Sinn rauscht. Dann habe ich auch dieses Talent, jegliches Geschehen auf seinen Unterhaltungswert abzuklopfen. Was will der Dichter damit sagen (also wieder Gott jetzt). Ich werd noch irre. Solche Sätze wirken immer dekorativ. „Ich werd noch irre“. Oder werde ich weise? Wenn man einen Haufen Quatsch und Zumutung mit relativ guter Laune (natürlich mitunter auch nur Fassade) überlebt, übersteht, was wird man dann? Auf jeden Fall irgendwie sehr tolerant. Muss schon wieder lachen. Das Leben ist einfach verrückt. Oder ich ziehe Verrücktheiten an. Ja, natürlich tippe ich das nicht ganz nüchtern, das ist doch klar. Schauen Sie mal auf die Uhr. Null Uhr fünfundvierzig. Ach, ich muss ja noch den Link zu dem erwähnten Eintrag da oben einbauen. Na ja, jedenfalls mal wieder ein bißchen Lektüre hier. Wobei der Spruch „Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit“ noch nicht ganz zutrifft, hier gerade. Ich befinde mich noch ganz stark in der Vorstufe. Von Trunkenheit und Wahrheit. Und außerdem, was ist schon wahr. Alles und Nichts. Kryptik zur Nacht.

13. Mai 2016

Ich liebe diese Erkenntnis von Fuchs sehr.
„Kunst ist trotz ihrer Dynamik und der ihren Trägern eigenen Egozentrik immer eine Frieden stiftende Kraft. Wir wissen es, wir haben es gelernt und wir praktizieren aus dieser Kenntnis die befreiende, die heilende Kraft der Kunst. Darum muß aller Wahnsinn Kunst werden, alle Politik und jeder Wille, der sich auf die Verbesserung der Daseinsbedingungen des Menschen richtet, sollte kunstvoll sich manifestieren. Die einzig positive Revolution, die eine Chance hat, permanent den Menschen zu befreien und zu befruchten, ist das Wirken der Künstler. Die Freiheit der Kunst ist der einzige Garant der Freiheit des Menschen; diese Freiheit ist daher auch die erste, die ein Volk gezwungen wird aufzugeben, wenn ein Tyrann kommt, es zu beherrschen.“
Ernst Fuchs 1930 – 2015

12. Mai 2016

hidden track
(zu nah für Heim und Welt)

Doch nicht gelöscht, zuerst verworfen und von der Festplatte gelöscht. Nochmal die Speicherkarte gesichtet, wegen anderer Aufnahmen. Gestolpert. Nochmal von der Karte gezogen. War mir zu nah, zu detailliert für die Heim und Welt-Strecke. Verrauscht sowieso. Dann doch zu schade für die Vernichtungstaste. In extra Strecke gepackt. Hidden Track.

10. Mai 2016


Die Legende lebt. Godmother of Loft, Ärzte-Mentorin Monika Döring, gestern im Roten Salon. Großartiger Abend mit Danielle de Picciotto und Alexander Hacke und ihren Supporting Acts. Keine Minute Mittelmäßigkeit. Monika Döring und ich haben uns eine ganze Weile sehr angeregt und warm unterhalten. Sternstunde (liebe sie seit je). Bestes Konzert 2016 bislang.

01. Mai 2016

Im Mai sind alle Blätter grün, im Mai sind alle Kater kühn.
Drum wer ein Herz hat, faßt sich eins,
und wer sich keins faßt, hat auch keins.

Otto Julius Bierbaum (1865 – 1910)

30. April 2016

[…] Und hier sprießt das blühende Leben
Und hier trinkt die blühende Lust
Und hier kommt das Ende der Kälte
Hier hebt der Gehörnte sein Haupt
Und hier hast du mich gespiegelt Schöne
Und meine Wildheit geschaut
Und hier ist das morsche Land Sehnsucht
Und hier zuckt der Blitz aus dem Blau
So schiebt sich die Schlange der Wälder
Tief in das Moos der Frau
Und sie ist die sprudelnde Quelle
Der niemals begradigte Bach
Hier haben wir uns befrühlingt
Hier unter dem Blätterdach

Beltane, Duke Meyer 1994

30. April 2016

„Pyrrhon ging davon aus, dass völlig unerkennbar sei, wie die Dinge für sich sind. Daher müsse man darauf verzichten, eigene Beobachtungen als für alle gültiges Wissen bzw. als objektive Urteile auszugeben.“
[→ Pyrrhonische Skepsis] Wisst Ihr Bescheid. Gute Nacht.

30. April 2016

„Epoché (griechisch ἐποχή „Zurückhaltung“, von ἐπέχω „anhalten, zurückhalten“) bezeichnet in der Philosophie der antiken Skepsis eine Enthaltung im Urteil, die sich aus der Einsicht in die Ungewissheit allen Wissens herleitet. In der Moderne gewinnt der Begriff bei Edmund Husserl Bedeutung. Als Methode kennzeichnet Epoché bei Husserl die phänomenologische Reduktion, durch die zunächst den vorgefassten Urteilen über die äußere Welt die Geltung entzogen wird, um anschließend – unter Beiseitelassung der tatsächlichen Existenz – zu Erkenntnissen über das Wesen des betrachteten Gegenstandes zu gelangen.“ Wikipedia

08. April 2016

Tagebuch 8. April 2016: pikante Kleidungsfehler. Echoverleihung. Ruhm.

Nächste Episode. S-Bahn die zweite. Heute. Ein Mann setzt sich mir gegenüber. Seine Hose steht offen. Er bespaßt eine Horde Kinder im Grundschulalter, für die er offenbar verantwortlich ist. Wandertag wahrscheinlich. Er hat eine Unterhose an, also halb so wild. Ist auch kein großartiges Paket zu erkennen, das einen auf unsittliche Gedanken bringen würde. Man guckt ja schon gerne hin, sofern da Bemerkenswertes auszumachen ist. Jedenfalls würde ich ihm eigentlich – aus reiner Freundlichkeit – gerne einen Hinweis geben. Aber wie macht man das, ohne dass es peinlich für ihn ist. Dabei kenne ich sogar die ultimative Formulierung für diese Situation: „OFFEN GESTANDEN gefällt mir Ihre Hose nicht so gut.“ Setzt allerdings eine fixe Kombinationsgabe voraus. Wenn man den Satz dann natürlich noch erklären müsste oder womöglich durch eine plakative Geste untermalen, wäre auch nichts gewonnen. Also sagt man nichts und sieht darüber hinweg. Ist wahrscheinlich die eleganteste Lösung. Traumwetter heute. Die Bäume schlagen schon aus. Unten am Gispdreieck überall zartes Frühlingsgrün. Hinten links blüht ein Baum weiß, der ist immer der erste. Sehr schön. Während ich gestern Bilder sichtete und bearbeitete, ließ ich nebenher den Fernseher mit der Echo-Verleihung laufen. Bei der dritten Laudatio hatte ich den Eindruck, dass sämtliche Preisträger einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Ich hörte ungefähr dreißigtausendmal „Ich danke UNIVERSAL“. „Ich danke meiner großartigen Plattenfirma UNIVERSAL“ „Mein ganzer Dank geht an die tollen Leute von UNIVERSAL“. Mir klingelten schon die Ohren. Und was für Kasperlefiguren da antraten. Einer mit einem weißen Hoodie-Strampelanzug mit übergezogener, zu großer Kapuze, so wie seinerzeit das Kostüm von Kylie Minogue, nur ohne Hot Pants. Ich kann mir die Namen ja nicht merken. Da war bis auf eine Ausnahme nicht ein Preisträger dabei, der mich in irgendeiner Weise beeindruckt hätte. Wie hieß der noch. So eine youtube-Entdeckung mit längeren Haaren und Hut, der konnte sehr gut Gitarre spielen, ist mit Frau Connor auf der Bühne gewesen. James Bay heißt er. Seine Performance war ziemlich gut. Und dann noch der Chor, der Space Oddity zum Gedenken an David gesungen hat. Aber der Rest, das war doch alles Schrott für meine Begriffe. Das neue Lied von Udo Lindenberg hat mich allerdings auch kurz gerührt. Des Textes wegen. Aber er ist jetzt halt ein alter Udo, bei dem die jugendlichen Gesten nicht mehr die beabsichtigte Wirkung entfalten. In dem Alter, er wird ja bald siebzig, ist es dann doch geschickter, sich einen reduzierteren oder besser gesagt erwachseneren Gestus zuzulegen. Dieses zappelige Herumgefuchtel hat leider nicht den Effekt von jugendlicher Dynamik. Udo ist schon sehr stark gealtert. Respekt vor seinem Werk hat man natürlich trotzdem. Aber insgesamt eine seltsame Meute, die da aufeinandertrifft. Wie kann man sich überwinden, und ich denke da jetzt speziell an Michi Beck, den ich noch am Abend vorher in einem ungekünstelten Modus gesehen habe, aus lauter Opportunismus und aufgrund einer einem Vertrag geschuldeten Kompromissbereitschaft, derart aufgesetzt wirkende Lobesworte an Helene Fischer zu adressieren. Kriege ich einen zuviel, bin ich raus. Und Frau Schöneberger hatte doch wohl eindeutig einen im Tee. So konfus und angeknipst habe ich sie ja noch nie gesehen wie gestern. Überhaupt scheint schon vorher mehr als verträglich gesoffen und geschluckt worden zu sein. Was für ein Trauerspiel an fahrigem und einfältigem Gelalle. Aber vielleicht sind die ja alle auch im nüchternen Zustand nicht viel eloquenter. Der Taxifahrer, der mich vorgestern zum Nhow brachte, erzählte, dass er vor zwei Jahren bei der After Show Party gekellnert hat und er einen eher unentspannten Eindruck von der Gesellschaft hatte. Daraufhin breitete ich ihm meine These aus, dass diejenigen, die sich unbedingt in dieser Liga bewegen wollen, absolut erfolgsorientiert und fokussiert sind, sein müssen, und den erforderlichen Biss aufrechtzuerhalten, erfordert in einigen oder sogar den meisten Fällen, Unterstützung durch Hilfsmittel. Bis der Ofen aus ist. Wie sollte jemand unter so einem Erfolgsdruck entspannt sein. Wer Entspannung als Priorität hat, landet niemals in dieser Liga. Die Entspannten werden nicht berühmt. Und die Berühmten sind nicht entspannt. So ist das. Es sei denn, man schafft ein Lebenswerk, auf dem man sich irgendwann ausruhen kann. Und dann gibt es vielleicht auch noch einen Mittelweg, bei dem die vielzitierte „Work-Life-„Balance“ möglich ist. Aber der führt dann nicht zu Preisverleihungen, muss man sich darüber im Klaren sein. Ist aber vielleicht langfristig gesünder. Till Lindemann sah auch etwas angespannt aus. Die müssen alle gut auf sich aufpassen.

23. April 2016

HELp. Gott hilf. Zuerst bringt mich Farin zum Weinen, noch nie passiert („Niemals“) und dann schmeißt mir die Festplatte Bachs Sonate Nr. 1 g-moll für Solo-Violine in einer Aufnahme mit Mintz, live Salzburg 1985 vor die Füße, dachte noch, das wäre Gidon Kremer, aber nein. Herzzerreißend (danke Alban)

21. April 2016

Das ist doch jetzt nicht wahr. PRINCE. Mir gehen gerade alle möglichen Musiker durch den Kopf, die noch leben. Mick. Keef. Neil. Leonard. Nick. Hoffentlich überleben die dieses 2016. Ich habe Prince zuletzt – ach, ich weiß es nicht mehr – aber ich habe ihn live gesehen, als er sich gerade nach seiner TAFKAP-Phase endlich wieder Prince genannt hat. Er war vital und bestens gelaunt und absolut virtuos. Er holte ein paar Frauen zum Tanzen auf die Bühne, die waren fassungslos. Großartiges Konzert. Und so eine Fashionista. Und so ein Perfektionist. So eine einmalige Erscheinung in jeder HInsicht. So ein SEXY MOTHERFUCKER: damn.

20. April 2016

ich muss es leider sagen: Perlen vor die Säue. Das ist exakt, was mich an dieser Plapperbude hier nervt: Allgemeinplätze als Kommentare, Geplapper im Telegrammstil, abgedroschene Phrasen. Seifenblasen. Im Grunde schon zu viel der Ehre, hier überhaupt Links zu substanziellen Texten abzusetzen. Einen Teufel werde ich tun, hier meine Texte aus dem Blog zu copypasten.

20. April 2016

13-05-01 Aufbau COB @Carpentier (20)
„Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen – man wäre verloren.“
(W. Wondratschek

20. April 2016

Nachdenken über Wandlungsprozesse
Denke über Transformationsprozesse nach. Künstlerische Wandlungsprozesse. Wird das Bewusstsein des Kunstschaffenden transformiert, muss sich das Werk wandeln. Früher oder später. Ein glaubwürdiges Werk muss den Entwicklungs- und Reife- Prozess abbilden, alles andere wäre kalkuliert, feige, risikoarm. Verharren, Stagnation. Keine Kunst. Wenn das Bewusstsein, die Wahrnehmung des Weltgefüges (und Weltwirrwesens) fortgeschritten ist, sich der Horizont erweitert hat, ist es verpflichtend, das frische Herzblut zu zeigen. Keine nostalgischen Sicherheitsgeschichten. Keinen Bausparvertrag, keine hohe Kante, nicht in der Kunst. Nicht da. Für pragmatische Existenzsicherungs-Vorkehrungen gibt es geeignetere Spielwiesen, Strategien, Brotjobs, soziale Hängematte, Versicherungsbetrug. Einheiraten. Wenn man zum Beispiel als ambitionierte Sängerin anonym einen halbminütigen Werbejingle einsingt und damit eine Monatsmiete erwirtschaftet, die man nicht mit seiner schrägen Herzblut-Bühnenperformance erwirtschaften kann, ist das kein Verrat an der schrägen Herzblut-Bühnenperformance. Denn Werbejingles haben keinen heiligen Kunst-Anspruch, sondern gehören zum Baukasten von Vertriebs- und Marketingmaßnahmen, also in die Kategorie Brotjob. Der Verrat beginnt beim Zugeständnis bei der schrägen Herzblut-Bühnenperformance. Bei der Abschwächung, Milderung, dem Abschmirgeln der interessanten, nicht so leicht zu konsumierenden Unebenheiten. Dem Verzicht auf Radikalität, dem Bemühen um breitenwirksame Konsumierbarkeit.

Wobei es niemals ausgeschlossen ist, dass radikaler, rücksichtsloser Selbstausdruck, auch breitenwirksam sein kann. Eine Frage von Talent und Tiefe. Ich sehe mir gerade einiges an, was es derzeit gibt auf Berliner Bühnen, besonders im Bereich der Musik. Bei einigen Performances ist nach wenigen Takten (oder Zeilen) klar, dass es voraussichtlich nicht für eine Karriere reichen wird, die über Klein(st)kunstbühnen hinausgehen wird. Weil ein scharfes Profil fehlt, sich der Eindruck von Plagiat aufdrängt, zu wenig Eigensinn vorhanden ist, originärer Ausdruck fehlt oder auch nur eine in die Wiege gelegte, einmalig schöne Stimme. Dann gibt es andere, wo ich Talent erkenne, aber der erforderliche Wahnsinn fehlt, dieses Quentchen an Biss. Aus tief verankertem Sportsgeist lauter Richtung Horizont zu brüllen als die anderen Löwen in der Steppe. Seltener gibt es Persönlichkeiten, denen man wünscht, wenn sie noch nicht zu alt sind, dass sich der radikale Keim, den ihre Kunst bereits hat, weiter entwickelt und irgendwann zu großer Blüte entfaltet. Entwicklung passiert, wenn man sich dem Leben und der Hitze aussetzt., Grenzen auslotet. Nicht den goldenen Mittelweg einschlägt. Den kann man noch altersweise entlangspazieren, wenn die alten Gelenke keine Schlaglöcher mehr abfedern können. Oder wie Wolf Wondratschek es formuliert hat: (…) und das Herz für die große altmodische Sehnsucht nach mehr Tempo. Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen – man wäre verloren.

13. April 2016

….aus aktuellem Anlass…
Post vom 4. März 2016.
Na bitte: geht doch, Facebook!
(das meinte ich mit Bilder verlinken: Delikatessen nicht uploaden – querVERLINKEN!)
[ DISCLAIMER: INHALTE WURDEN ZU BILDUNGSZWECKEN GEPOSTET! ]

petit four

12. April 2016

(Selbstgespräch. Keine voreiligen Schlüsse ziehen; incl. Kommentar-Striptease )
„Welcher Teil der menschlichen Anatomie schwillt bei Erregung auf seine sechsfache Größe?“, fragt die Professorin in ihrer medizinischen Einführungsvorlesung. Peinliches Schweigen. „Na, kommen Sie schon, Sie werden doch eine Idee haben. Raten Sie einfach.“ Noch immer Schweigen, bis sich der einzige Mann im Hörsaal meldet. Die Professorin winkt ab. „Nein, vergessen Sie’s. Die richtige Antwort ist: die Pupillen.“ Keine voreiligen Schlüsse ziehen. Gestern Nachmittag darauf zu sprechen gekommen. Jede erste Schlussfolgerung basiert auf dem prägendsten Erfahrungswert, dem tiefsten Abdruck im Gefühlsgedächtnis. Dem erstbesten Einrasten im Abgleich-Raster. Nicht immer einfach, die eigenen Konditionierungen zu durchschauen und in Frage zu stellen. Andererseits haben diese Prägungen im Fall einer ernsten Gefahr die gute Funktion ein stabiles Alarmsystem zu gewährleisten. Wenn allerdings die Warnsensoren zu empfindlich eingestellt sind, und bei dem geringsten Lüftchen Feueralarm ausgelöst wird, mutiert dieses Schutzsystem zur Belastung. Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dauergefiepe. Wie justiert man sein System neu? Auf eine geringere Empfindlichkeitsstufe? Neue Prägungen, die die alten an Dominanz überlagern, noch stärker sind, müssen her. Den schönen Lehrsatz täglich herzubeten, reicht nicht. Keine voreiligen Schlüsse ziehen. Aber man kann so tun, als hätte man ihn bereits verinnerlicht. Vielleicht wirkt dann Zauber, self-fulfilling prophecy. Kleines psychologisches Selbstgespräch. Bedrängt einen die Lebenserfahrung, sehnt man sich nach kindlicher Naivität und Arglosigkeit. Wird man als junger Mensch seiner allumfassenden Naivität gewahr, weil man fehlende Lebenserfahrung realisiert, ist man peinlich berührt. Allein, das wachsende Potenzial zu durchschauen, wie man tickt, macht das Lebensalter mit vielfacher Erfahrung lebenswerter. Komplexer. Und vielleicht doch weniger schmerzhaft. Weil man sich auch an die Fülle des bereits Verschmerzten erinnert. Manche Narben machen einen interessanter. Nicht alle. Ich habe viele, alle Varianten dabei. Muss aber auch nicht jeder gleich sehen. Filigrane Bereiche. Manche Narben müssen auch noch gepflegt werden. Bis das Rot, wo der Riss in der Haut war, kaum mehr erkennbar ist, nur eine feine Linie, eine kleine abweichende Struktur.

12. April 2016

(Selbstgespräch. Keine voreiligen Schlüsse ziehen; incl. Kommentar-Striptease )
„Welcher Teil der menschlichen Anatomie schwillt bei Erregung auf seine sechsfache Größe?“, fragt die Professorin in ihrer medizinischen Einführungsvorlesung. Peinliches Schweigen. „Na, kommen Sie schon, Sie werden doch eine Idee haben. Raten Sie einfach.“ Noch immer Schweigen, bis sich der einzige Mann im Hörsaal meldet. Die Professorin winkt ab. „Nein, vergessen Sie’s. Die richtige Antwort ist: die Pupillen.“ Keine voreiligen Schlüsse ziehen. Gestern Nachmittag darauf zu sprechen gekommen. Jede erste Schlussfolgerung basiert auf dem prägendsten Erfahrungswert, dem tiefsten Abdruck im Gefühlsgedächtnis. Dem erstbesten Einrasten im Abgleich-Raster. Nicht immer einfach, die eigenen Konditionierungen zu durchschauen und in Frage zu stellen. Andererseits haben diese Prägungen im Fall einer ernsten Gefahr die gute Funktion ein stabiles Alarmsystem zu gewährleisten. Wenn allerdings die Warnsensoren zu empfindlich eingestellt sind, und bei dem geringsten Lüftchen Feueralarm ausgelöst wird, mutiert dieses Schutzsystem zur Belastung. Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dauergefiepe. Wie justiert man sein System neu? Auf eine geringere Empfindlichkeitsstufe? Neue Prägungen, die die alten an Dominanz überlagern, noch stärker sind, müssen her. Den schönen Lehrsatz täglich herzubeten, reicht nicht. Keine voreiligen Schlüsse ziehen. Aber man kann so tun, als hätte man ihn bereits verinnerlicht. Vielleicht wirkt dann Zauber, self-fulfilling prophecy. Kleines psychologisches Selbstgespräch. Bedrängt einen die Lebenserfahrung, sehnt man sich nach kindlicher Naivität und Arglosigkeit. Wird man als junger Mensch seiner allumfassenden Naivität gewahr, weil man fehlende Lebenserfahrung realisiert, ist man peinlich berührt. Allein, das wachsende Potenzial zu durchschauen, wie man tickt, macht das Lebensalter mit vielfacher Erfahrung lebenswerter. Komplexer. Und vielleicht doch weniger schmerzhaft. Weil man sich auch an die Fülle des bereits Verschmerzten erinnert. Manche Narben machen einen interessanter. Nicht alle. Ich habe viele, alle Varianten dabei. Muss aber auch nicht jeder gleich sehen. Filigrane Bereiche. Manche Narben müssen auch noch gepflegt werden. Bis das Rot, wo der Riss in der Haut war, kaum mehr erkennbar ist, nur eine feine Linie, eine kleine abweichende Struktur.

11. April 2016

Dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich
Normalerweise schreibe ich Einträge ausschließlich hier und setze dann auf facebook einen Link zum Eintrag. Gestern hat es sich ergeben, dass ich mich direkt auf facebook echauffieren musste, weil der Anlass facebook selbst war. Ich hatte zuletzt ein bißchen work in progress gepostet, das eine oder andere Foto, das ich gerade verarbeitet hatte, aber noch nicht in einer kompletten Strecke auf flickr hochgeladen. Insbesondere Bilder von meinem Besuch vor einigen Tagen im sehr erlebenswerten Nhow-Hotel, wo eine Ausstellungseröffnung des nicht ganz unrenommierten Fotografen Olaf Heine mit einer Laudatio von unserem Berliner Kulturstaatsminister Tim Renner und Live-Musik der beiden Newcomer Acts Razz und Lions Head stattfand. Später legte Michi Beck mit seiner Frau Musik auf etc. pp. Alles in allem ein sehr gelungener Abend, mit viel Bildmaterial. Eines der Bilder, das ich postete, war ein Wandsegment aus der Ausstellung, auf der die großformatig aufgezogene und gerahmte Fotografie einer unbekannten Schönen mit einem wunderbaren Körper zu sehen war, die frontal in die Kamera schaut, der Torso im Bildausschnitt ist unbekleidet, die Pose hat nichts Provokantes oder vulgär Aufreizendes. Nacktheit auf eine sehr ästhetische, beinah ‚angezogen‘ wirkende Weise. Mir gefiel daran, neben dem Licht, dass die Haut, wo offenbar ein Bikini gewesen war, heller erschien, das ist üblicherweise etwas, das als ‚Fehler‘ in einer Aktfotografie erachtet wird und überschminkt oder retuschiert wird. Aber gerade dadurch wirkt die Aufnahme privater als sie mit Sicherheit ist, ich mag das. Etwa eine Stunde, nachdem ich das Bild am Abend mit dem Zusatz „Guten Morgen!“ gepostet hatte, klickte ich auf meinen fb-account und erhielt statt des üblichen Zugangs und der Ansicht der Chronik mit den diversen Menüleisten und dem Chat, lediglich dieses Bild präsentiert mit dem Hinweis, dass es entfernt werden musste, weil es nicht den Richtlinien von facebook entspräche und der im folgenden zu lesenden Belehrung zu den „Standards der Facebook-Gemeinschaft“. Ich meine, das könnte auch von Interesse für meine Blogleser/innen sein bzw. einen Unterhaltungswert haben, den ich nicht versäumen möchte, anzubieten. Hier also mein Lamento von gestern auf facebook, das natürlich schon alleine der Vollständigkeit halber auch hier erscheinen muss. Voilà:
„Nur zur Information. Die Zensur hat wieder bei mir zugeschlagen. Das kenne ich ja schon von vor ein paar Jahren, als ich es wagte, auf meinem flickrstream Bilder mit nackten Hautarealen zu posten. Daraufhin, nachdem mein kompletter Stream gesperrt wurde, führte ich einen nervigen Schriftwechsel mit Flickr in San Francisco. Ich musste die „Hardcore“-Bilder (von wegen), die nur (haha) für den amerikanischen Markt zulässig sind, mit verschiedenen Labels versehen, damit sie in Deutschland herausgefiltert werden. Damit die kleinen deutschen Kinder und Jugendlichen kein lebenslängliches Trauma beim Anblick einer weiblichen Brustwarze oder noch schlimmer: von Achsel- oder Schamhaaren(!) bekommen. So geschehen. Ich richtete für die schlimmen, schlimmen Bilder einen ipernity account ein, wo alles zu sehen ist. Ein französischer Hoster, vive la liberté! Und nun kommt mir heute facebook mit einer Zensur um die Ecke. Da unten, unter „Guten Morgen“ klebte eine Abbildung eines Bildes aus der Ausstellung von Olaf Heine, eine harmlose Fotografie einer sehr attraktiven jungen Frau, die zu sehen ist, wie Gott sie schuf. Als ich nun vor einer Viertelstunde etwa auf meinen account gehen wollte, wurde mir das schlimme Bild anstatt meines accounts gezeigt und mit erhobenem Zeigefinger folgende gouvernantenhafte Ermahnung mitgeteilt:
„Lies dir die Standards der Facebook-Gemeinschaft durch
Wir schränken die Darstellung von Nacktheit ein. Auch manche Beschreibungen sexueller Handlungen können entfernt werden. Diese Einschränkungen der Darstellung von Nacktheit oder sexuellen Handlungen gelten auch für digital erstellte Inhalte, es sei denn, die Inhalte wurden zu Bildungszwecken gepostet oder es handelt sich um humorvolle oder satirische Darstellungen. Inhalte, die mit sexueller Gewalt und Ausbeutung drohen oder diese unterstützen, werden entfernt. Dazu gehören die Anforderung sexueller Materialien, sämtliche sexuelle Inhalte, bei denen Minderjährige eine Rolle spielen, Erpressungen, bei denen es um das Teilen intimer Bilder geht, sowie das Anbieten sexueller Dienstleistungen. Gegebenenfalls verwenden wir solche Inhalte zum Zwecke der Strafverfolgung. Weitere Informationen über die Art von Nachrichten und Beiträgen, die auf Facebook zulässig sind, findest du in den Facebook Gemeinschaftsstandards. So entfernst du Inhalte aus deiner Chronik.“
Beim nächsten Klick wurden mir die paar Bilder, die ich hier überhaupt hochgeladen habe angezeigt, mit der Aufforderung, weitere unzulässigen Abbildungen zu markieren und zu entfernen. Ich habe daraufhin bestätigt, dass hier keinerlei unzulässige Abbildungen vorhanden sind. Nächster Klick – ich sollte feedback geben, wie ich mit dem Service o. ä. hier zufrieden bin, ich wählte das Emoticon, mit den nach unten gezogenen Mundwinkeln und schrieb in das Feedback-Feld die folgende Botschaft:
„Facebook sollte Schularbeiten in Sachen Kunstgeschichte machen. Der entfernte Inhalt war die Abbildung einer hochkarätigen Fotografie aus der Ausstellung eines großen Künstlers im Bereich der zeitgenössischen Fotografie, Olaf Heine, und weder gewalttätig noch pornographisch. Ein Armutszeugnis, dass hier zensiert wird. So viel Bildungsferne ist keine gute Visitenkarte für Ihr Unternehmen „Facebook“.
Mit nicht ganz so freundlichen Grüßen
Gaga Nielsen
(hätte ich noch drunter schreiben sollen, vergessen!)“

Eintrag facebook, 10. April 2016

Symbolfoto. Ausstellung Mappelthorpe bei C/O, 2011
Honi soit qui mal y pense
[ DISCLAIMER: INHALTE WURDEN ZU BILDUNGSZWECKEN GEPOSTET! ]

10. April 2016

Nur zur Information. Die Zensur hat wieder bei mir zugeschlagen. Das kenne ich ja schon von vor ein paar Jahren, als ich es wagte, auf meinem flickrstream Bilder mit nackten Hautarealen zu posten. Daraufhin, nachdem mein kompletter Stream gesperrt wurde, führte ich einen nervigen Schriftwechsel mit Flickr in San Francisco. Ich musste die „Hardcore“-Bilder (von wegen), die nur (haha) für den amerikanischen Markt zulässig sind, mit verschiedenen Labels versehen, damit sie in Deutschland herausgefiltert werden. Damit die kleinen deutschen Kinder und Jugendlichen kein lebenslängliches Trauma beim Anblick einer weiblichen Brustwarze oder noch schlimmer: von Achsel- oder Schamhaaren (!) bekommen. So geschehen. Ich richtete für die schlimmen, schlimmen Bilder einen ipernity account ein, wo alles zu sehen ist. Ein französischer Hoster, vive la liberté! Und nun kommt mir heute facebook mit einer Zensur um die Ecke. Da unten, unter „Guten Morgen“ klebte eine Abbildung eines Bildes aus der Ausstellung von Olaf Heine, eine harmlose Fotografie einer sehr attraktiven jungen Frau, die zu sehen ist, wie Gott sie schuf. Als ich nun vor einer Viertelstunde etwa auf meinen account gehen wollte, wurde mir das schlimme Bild anstatt meines accounts gezeigt und mit erhobenem Zeigefinger folgende gouvernantenhafte Ermahnung mitgeteilt:
„Lies dir die Standards der Facebook-Gemeinschaft durch
Wir schränken die Darstellung von Nacktheit ein. Auch manche Beschreibungen sexueller Handlungen können entfernt werden. Diese Einschränkungen der Darstellung von Nacktheit oder sexuellen Handlungen gelten auch für digital erstellte Inhalte, es sei denn, die Inhalte wurden zu Bildungszwecken gepostet oder es handelt sich um humorvolle oder satirische Darstellungen. Inhalte, die mit sexueller Gewalt und Ausbeutung drohen oder diese unterstützen, werden entfernt. Dazu gehören die Anforderung sexueller Materialien, sämtliche sexuelle Inhalte, bei denen Minderjährige eine Rolle spielen, Erpressungen, bei denen es um das Teilen intimer Bilder geht, sowie das Anbieten sexueller Dienstleistungen. Gegebenenfalls verwenden wir solche Inhalte zum Zwecke der Strafverfolgung. Weitere Informationen über die Art von Nachrichten und Beiträgen, die auf Facebook zulässig sind, findest du in den Facebook Gemeinschaftsstandards. So entfernst du Inhalte aus deiner Chronik.“
Beim nächsten Klick wurden mir die paar Bilder, die ich hier überhaupt hochgeladen habe angezeigt, mit der Aufforderung, weitere unzulässigen Abbildungen zu markieren und zu entfernen. Ich habe daraufhin bestätigt, dass hier keinerlei unzulässige Abbildungen vorhanden sind. Nächster Klick – ich sollte feedback geben, wie ich mit dem Service o. ä. hier zufrieden bin, ich wählte das Emoticon, mit den nach unten gezogenen Mundwinkeln und schrieb in das Feedback-Feld die folgende Botschaft:
„Facebook sollte Schularbeiten in Sachen Kunstgeschichte machen. Der entfernte Inhalt war die Abbildung einer hochkarätigen Fotografie aus der Ausstellung eines großen Künstlers im Bereich der zeitgenössischen Fotografie, Olaf Heine, und weder gewalttätig noch pornographisch. Ein Armutszeugnis, dass hier zensiert wird. So viel Bildungsferne ist keine gute Visitenkarte für Ihr Unternehmen „Facebook“.
Mit nicht ganz so freundlichen Grüßen
Gaga Nielsen
(hätte ich noch drunter schreiben sollen, vergessen!)

08. April 2016

Tagebuch 8. April 2016: pikante Kleidungsfehler. Echoverleihung. Ruhm.

Nächste Episode. S-Bahn die zweite. Heute. Ein Mann setzt sich mir gegenüber. Seine Hose steht offen. Er bespaßt eine Horde Kinder im Grundschulalter, für die er offenbar verantwortlich ist. Wandertag wahrscheinlich. Er hat eine Unterhose an, also halb so wild. Ist auch kein großartiges Paket zu erkennen, das einen auf unsittliche Gedanken bringen würde. Man guckt ja schon gerne hin, sofern da Bemerkenswertes auszumachen ist. Jedenfalls würde ich ihm eigentlich – aus reiner Freundlichkeit – gerne einen Hinweis geben. Aber wie macht man das, ohne dass es peinlich für ihn ist. Dabei kenne ich sogar die ultimative Formulierung für diese Situation: „OFFEN GESTANDEN gefällt mir Ihre Hose nicht so gut.“ Setzt allerdings eine fixe Kombinationsgabe voraus. Wenn man den Satz dann natürlich noch erklären müsste oder womöglich durch eine plakative Geste untermalen, wäre auch nichts gewonnen. Also sagt man nichts und sieht darüber hinweg. Ist wahrscheinlich die eleganteste Lösung. Traumwetter heute. Die Bäume schlagen schon aus. Unten am Gispdreieck überall zartes Frühlingsgrün. Hinten links blüht ein Baum weiß, der ist immer der erste. Sehr schön. Während ich gestern Bilder sichtete und bearbeitete, ließ ich nebenher den Fernseher mit der Echo-Verleihung laufen. Bei der dritten Laudatio hatte ich den Eindruck, dass sämtliche Preisträger einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Ich hörte ungefähr dreißigtausendmal „Ich danke UNIVERSAL“. „Ich danke meiner großartigen Plattenfirma UNIVERSAL“ „Mein ganzer Dank geht an die tollen Leute von UNIVERSAL“. Mir klingelten schon die Ohren. Und was für Kasperlefiguren da antraten. Einer mit einem weißen Hoodie-Strampelanzug mit übergezogener, zu großer Kapuze, so wie seinerzeit das Kostüm von Kylie Minogue, nur ohne Hot Pants. Ich kann mir die Namen ja nicht merken. Da war bis auf eine Ausnahme nicht ein Preisträger dabei, der mich in irgendeiner Weise beeindruckt hätte. Wie hieß der noch. So eine youtube-Entdeckung mit längeren Haaren und Hut, der konnte sehr gut Gitarre spielen, ist mit Frau Connor auf der Bühne gewesen. James Bay heißt er. Seine Performance war ziemlich gut. Und dann noch der Chor, der Space Oddity zum Gedenken an David gesungen hat. Aber der Rest, das war doch alles Schrott für meine Begriffe. Das neue Lied von Udo Lindenberg hat mich allerdings auch kurz gerührt. Des Textes wegen. Aber er ist jetzt halt ein alter Udo, bei dem die jugendlichen Gesten nicht mehr die beabsichtigte Wirkung entfalten. In dem Alter, er wird ja bald siebzig, ist es dann doch geschickter, sich einen reduzierteren oder besser gesagt erwachseneren Gestus zuzulegen. Dieses zappelige Herumgefuchtel hat leider nicht den Effekt von jugendlicher Dynamik. Udo ist schon sehr stark gealtert. Respekt vor seinem Werk hat man natürlich trotzdem. Aber insgesamt eine seltsame Meute, die da aufeinandertrifft. Wie kann man sich überwinden, und ich denke da jetzt speziell an Michi Beck, den ich noch am Abend vorher in einem ungekünstelten Modus gesehen habe, aus lauter Opportunismus und aufgrund einer einem Vertrag geschuldeten Kompromissbereitschaft, derart aufgesetzt wirkende Lobesworte an Helene Fischer zu adressieren. Kriege ich einen zuviel, bin ich raus. Und Frau Schöneberger hatte doch wohl eindeutig einen im Tee. So konfus und angeknipst habe ich sie ja noch nie gesehen wie gestern. Überhaupt scheint schon vorher mehr als verträglich gesoffen und geschluckt worden zu sein. Was für ein Trauerspiel an fahrigem und einfältigem Gelalle. Aber vielleicht sind die ja alle auch im nüchternen Zustand nicht viel eloquenter. Der Taxifahrer, der mich vorgestern zum Nhow brachte, erzählte, dass er vor zwei Jahren bei der After Show Party gekellnert hat und er einen eher unentspannten Eindruck von der Gesellschaft hatte. Daraufhin breitete ich ihm meine These aus, dass diejenigen, die sich unbedingt in dieser Liga bewegen wollen, absolut erfolgsorientiert und fokussiert sind, sein müssen, und den erforderlichen Biss aufrechtzuerhalten, erfordert in einigen oder sogar den meisten Fällen, Unterstützung durch Hilfsmittel. Bis der Ofen aus ist. Wie sollte jemand unter so einem Erfolgsdruck entspannt sein. Wer Entspannung als Priorität hat, landet niemals in dieser Liga. Die Entspannten werden nicht berühmt. Und die Berühmten sind nicht entspannt. So ist das. Es sei denn, man schafft ein Lebenswerk, auf dem man sich irgendwann ausruhen kann. Und dann gibt es vielleicht auch noch einen Mittelweg, bei dem die vielzitierte „Work-Life-„Balance“ möglich ist. Aber der führt dann nicht zu Preisverleihungen, muss man sich darüber im Klaren sein. Ist aber vielleicht langfristig gesünder. Till Lindemann sah auch etwas angespannt aus. Die müssen alle gut auf sich aufpassen.

07. April 2016

Vorhin in der S-Bahn. Mir gegenüber ein Mann, ca. Anfang dreißig. Ich bin in Gedanken versunken und bleibe an einem Detail hängen. Er trägt einen kurzen Kinnbart. Alles in allem ist er – zumindest für mich – rein äußerlich – kein auffallend attraktiver Mann, aber nicht unsympathisch. Er strahlt Ruhe und auch eine gewisse Harmlosigkeit aus. Seine Barthaare erinnern mich daran, wie es sich anfühlt, über solche kurzen Haare am Kinn zu streichen. Ich benutze das Detail als Stichwort für meine Phantasie und ignoriere den Rest seines Gesichts. Er hat eine Brille auf, wie viele heutzutage, mit einem massiven, dunklen Gestell und irgendeine Kurzhaarfrisur, die ich nicht näher beschreiben könnte, ich habe nicht darauf geachtet. Das ist mir aber alles nebensächlich. Als ich noch so versunken den Bart fühle, der gerade über das Stadium hinausgeht, wo Barthaare noch kratzen, was sie tun, wenn sie kürzer sind, hält die S-Bahn. Berlin Hauptbahnhof vermutlich, aber ich bin mir nicht sicher. Irgendeine Station auf der Strecke. Ich bemerke das Halten nur, weil Fahrgäste aufstehen, um zur Tür zu gehen. Eine blonde Dame, ca. Mitte oder Ende Fünzig hält inne, bevor sie an mir vorbei zur Tür geht, als sie sieht, dass der Mann einen kleinen Hund hat, den ich auch schon registriert hatte, ein sehr hübscher Jack Russell Terrier, der sich ganz ruhig verhält. Ruhiger Mann, ruhiger Hund. Dann wechselt Ihr Blick zu meiner Tasche, die genau gegenüber vom Hund auf dem Boden steht, und wieder zum Hündchen. Das Fell des Tiers und das Fell meiner Tasche sehen zum Verwechseln aus, es sticht richtig ins Auge. Mir fiel es auch schon auf. Weißes, kurzes Fell mit großem schwarzem Fleck. Die Frau ruft animiert: „Die Tasche sieht ja aus wie der Hund!“ und lacht auf dem Weg zur Tür. Ich sage: „Das ist aber eine Kuh!“ Der Hundebesitzer blickt auf und lächelt mich amüsiert an. Ich bin aus meinem Traum erwacht und wieder in der S-Bahn. Ich frage ihn – weil ich mich mit Hunderassen nicht auskenne – ob der kleine Hund schon ausgewachsen ist, oder ob es ein junger Hund ist. Er wird gesprächig und erklärt mir, es sei sogar schon ein ziemlich alter Hund, sieben Jahre und demzufolge ausgewachsen, der bleibt so. Eine Hündin im übrigen. Und sehr ruhig, immer. Ich bin überrascht, dass es ein alter Hund ist, er guckt so jung aus der Wäsche. Bildhübsch. Er würde wirklich gut zu mir und meiner Tasche passen, je länger ich ihn ansehe, umso hübscher finde ich ihn. Oder sie. Es ist ja eine Hündin. Dass diese Art Hund in Australien als Jagdhund für die Fuchsjagd gezüchtet wurde, erklärt mir das Herrchen, die mussten so klein sein, um in den Fuchsbau schlüpfen zu können, ein großer Hund würde da ja gar nicht reinpassen, in so einen Fuchsbau. Ich sage Sachen wie „ach!“ und „interessant!“. Was man so sagt. Der Mann links von mir macht nun auch eine fachliche, aber eher witzig gemeinte Bemerkung über den Hund, so in etwa „wenn das eine australische Züchtung wäre, ob der dann nicht auch einen Beutel haben müsste?“ Ich freue mich, dass es tatsächlich einmal wieder zu einer kleinen Unterhaltung unter Unbekannten in der S-Bahn gekommen ist. Unsere neu hinzugestiegenen Sitznachbarn auf der anderen Seite beteiligen sich indirekt auch an der Konversation, indem sie merklich aufmerksam zuhören und interessiert nicken.

Es ist ein richtiges kleines Schwätzchen. Ein etwas älteres Paar. Sie haben den durch die aussteigende Dame initierten Gesprächsauftakt gar nicht mitbekommen, und können daher nicht wissen, dass der Mann und ich uns nicht kennen, es nur daran ableiten, dass er Dinge erklärt, die man wahrscheinlich nicht erklären müsste, würde man sich kennen. Das ältere Paar steht auf, um auszusteigen, da erst registriert die Dame meine Tasche, sie war vorher wohl nicht in ihrem Blickwinkel, und ruft fast dasselbe wie die aussteigende Dame von vorhin: „Die Tasche passt ja genau zu dem Hund!“ Der Mann und ich müssen lachen. Ich sage: „Genau das hat gerade eben schon eine andere Dame gemeint, vielleicht sollte ich ihn ja einfach mitnehmen. Wäre ja schon ein sehr schönes Accessoire, so ein kleiner Hund!“ Das Paar geht lachend zur S-Bahntür. Es ist heitere Stimmung im Abteil. Als ich anfing zu plaudern, wunderte ich mich, wie heiter ich mich anhöre, und die Stimme ein bißchen rau, als hätte ich am Abend vorher geraucht, was gar nicht der Fall ist. Ich bin regelrecht kommunikationsfreudig. Offenkundig weit mehr als ich mich fühle. Auch gestern Abend fiel mir auf, wie vorbehaltslos ich den einen jungen Musiker auf der Bühne angequatscht habe, vor seinem Auftritt da im Nhow, bei der Eröffnung von Olaf Heine. Fast schon überbegabt, das hat man schon beim Soundcheck gehört. Knapp zwanzig vermute ich. Viele Bilder gemacht, seine Band, die aber nicht dabei war, heißt RAZZ, er ist alleine aufgetreten, nur Gitarre und Stimme. Niklas Keiser heißt er und ist wohl auch der Frontmann. Beeindruckend auch seine Stimme und seine Songs.

Danach gab es einen Act mit dem Namen Lions Head, ebenfalls überraschend hörenswert, zwei Männer, ca. Ende Zwanzig, Ein Keyboarder, der auch backing vocals macht, etwas im Hintergrund, und im Bühnenfokus der Sänger und Gitarrist Iggy mit einer überaus impulsiven, sinnlichen Körpersprache und einem sexy Grinsen. Der ganze Körper war Musik. Auf einigen Bildern, die ich von ihm gemacht habe, sieht er aus, als ob er gerade Sex hat. Völlig hingegeben, lustvolle Mimik, gänzlich unaufgesetzt. Bei einer Nummer gingen die Beats gehörig in den Unterleib, und nicht nur, weil ich zu nah an der Bassbox stand. Auch der Wein war recht gut da im Nhow, schöner erdiger Rioja. Nach den beiden sehr gelungenen Live Acts hat Fanta Michi Beck gemeinsam mit seiner Frau aufgelegt. Ein richtig gutes Paar. Schon ewig zusammen, die hatten echten Spaß mit ihren beiden Rechnern am DJ-Pult. Man sah die langjährige Vertrautheit, die Intensität der Kommunikation, die zwischen beiden herrscht, ob mit Blicken oder Worten. Ich habe die beiden ganz gut eingefangen. Mit derart vielen Bildern habe ich einige Zeit zu tun. Es war ein richtig guter Abend. Die Gäste spürbar musikaffiner als das übliche Publikum bei Ausstellungseröffnungen. Ist aber bei dem Ort und Fotografen auch nicht weiter verwunderlich. Ziemlich voll, viele kannten und begrüßten und herzten sich. Der Abend lockte sicher auch die angereiste Echomeute. Im Taxi zurück wollte der jüngere Fahrer wissen, was das für eine Veranstaltung war, da er durch die Scheibe sah, dass es doch ziemlich voll war. Ich erklärte es ihm. Er erzählte während der Fahrt von der Stralauer Allee, dass er während der Berlinale wieder festgestellt hat, dass die ‚wirklichen‘ Treffpunkte der Jury nie in der Zeitung stehen. Es gäbe da so eine kleine Bar in der Gneisenaustraße an der Ecke Soundso (und zückte sein smartes Phone, um mir in google maps die Ecke zu zeigen) und da wären die immer alle gewesen. Jeden Abend. Meryl Streep immer sehr freundlich. Hat man ja auch nicht anders erwartet. Na ja, was Taxifahrer eben gerne so erzählen, wenn man zum Plaudern aufgelegt ist. Sehr nett. War ein schöner Ausflug.

02. April 2016

Liebeserklärung


Gedenkminute (-stunde, -tag). Heute vor dreißig Jahren kam ich in Berlin an. In West-Berlin. Und wollte nie mehr zurück. Meine Herzensstadt. Das großartige ist, wenn man nicht der Liebe zu einem Menschen wegen in eine Stadt zieht, sondern die Stadt selbst die Liebe ist, hat die Liebe formidable Zukunftsaussichten. Und daher hat diese Liebe die allerbesten. Ich bin immer noch vernarrt. Hier will ich begraben sein. Und vorher noch ganz viel leben. Und lieben. Ich dachte, ich hätte schon eimal die Geschichte erzählt, wie ich nach der nächtlichen Zugfahrt an jenem sonnigen Morgen am Bahnhof Zoo ankam, zum ersten mal überhaupt in meinem Leben, denn ich war nie in dieser Stadt. Ich zog gleich hin. Dass das richtig sein würde, wusste ich im tiefsten Herzen. Eben suchte ich in meinem Archiv danach, wie es sich begab, dieser schöne große Mann, mit seinen Kupferlocken, den Wischlappen in der Hand, die Küche vom Schwarzen Café, in die ich unversehens gestolpert war. Nein, ich habe es noch nie erzählt, nicht hier. Nur in persönlichen Gesprächen. Und wie er, obwohl Ruhetag war, zwei große Tassen mit Milchkaffee brachte und beim Bringen begann er tatsächlich zu singen: Kann denn Liebe Sünde sein? und setzte herzhaft hinzu „Herzlich Willkommen!“ Wie hätte ich mich da nicht verlieben sollen… in die Stadt. So ist es geblieben. Nein, ich habe die Geschichte hier nie erzählt (nur da.) Ich erzähle sie sonst sehr ausführlich, aber heute ist mir nicht danach, obwohl es der Tag dafür wäre. Und als ich das Wannsee-Schild aus dem Zugfenster sah, schon so ein Kribbeln hatte, wie wenn einen gleich Amors Pfeil trifft. Wie hält man die Liebe, wie bleibt man verliebt? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es einfach so. Einfach nur Glück. Ein Riesenglück. Weil es passt. Weil es einfach matcht. Ich werde heute noch etwas sehr Gutes trinken. Das tue ich oft, aber heute mit einem noch feierlicheren Gefühl.

02. April 2016

Liebeserklärung


Gedenkminute (-stunde, -tag). Heute vor dreißig Jahren kam ich in Berlin an. In West-Berlin. Und wollte nie mehr zurück. Meine Herzensstadt. Das großartige ist, wenn man nicht der Liebe zu einem Menschen wegen in eine Stadt zieht, sondern die Stadt selbst die Liebe ist, hat die Liebe formidable Zukunftsaussichten. Und daher hat diese Liebe die allerbesten. Ich bin immer noch vernarrt. Hier will ich begraben sein. Und vorher noch ganz viel leben. Und lieben. Ich dachte, ich hätte schon eimal die Geschichte erzählt, wie ich nach der nächtlichen Zugfahrt an jenem sonnigen Morgen am Bahnhof Zoo ankam, zum ersten mal überhaupt in meinem Leben, denn ich war nie in dieser Stadt. Ich zog gleich hin. Dass das richtig sein würde, wusste ich im tiefsten Herzen. Eben suchte ich in meinem Archiv danach, wie es sich begab, dieser schöne große Mann, mit seinen Kupferlocken, den Wischlappen in der Hand, die Küche vom Schwarzen Café, in die ich unversehens gestolpert war. Nein, ich habe es noch nie erzählt, nicht hier. Nur in persönlichen Gesprächen. Und wie er, obwohl Ruhetag war, zwei große Tassen mit Milchkaffee brachte und beim Bringen begann er tatsächlich zu singen: Kann denn Liebe Sünde sein? und setzte herzhaft hinzu „Herzlich Willkommen!“ Wie hätte ich mich da nicht verlieben sollen… in die Stadt. So ist es geblieben. Nein, ich habe die Geschichte hier nie erzählt (nur da.) Ich erzähle sie sonst sehr ausführlich, aber heute ist mir nicht danach, obwohl es der Tag dafür wäre. Und als ich das Wannsee-Schild aus dem Zugfenster sah, schon so ein Kribbeln hatte, wie wenn einen gleich Amors Pfeil trifft. Wie hält man die Liebe, wie bleibt man verliebt? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es einfach so. Einfach nur Glück. Ein Riesenglück. Weil es passt. Weil es einfach matcht. Ich werde heute noch etwas sehr Gutes trinken. Das tue ich oft, aber heute mit einem noch feierlicheren Gefühl.

27. März 2016

(längerer Text, ziemlich persönlich) (wie es sich geziemt)

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Ähnliche Farben das Abendrot heute, wie damals, vor drei Monaten das Morgenrot. Ging zum Fenster und erinnerte mich. Das kann ich zum Beispiel erzählen. Was sonst in mir vorgeht – mir fehlen momentan die Worte. Ich bin wie benebelt und gleichzeitig sehr klar und wach. Eine Droge, die mein Organismus selbst herstellt. Wie auf Speed, extrem kraftvoll und wach am Tag, bis spät in die Nacht. Brauche weniger Schlaf als sonst. Ungeheurer Bewegungsdrang. Ich muss hier endlich wieder mehr Hingabe investieren, mein Blog verwaist ja noch. Stattdessen poste ich altes Zeug aus meinen Archiven auf facebook, das kostet wenig Arbeit und gibt ein bißchen flow. Außerdem begreife ich, was ich alles in den letzten Jahren gemacht habe. Und mit wem. Und den Frieden. Mit Jan sowieso. Aber auch Cosmic. Und Duke. Das war alles nicht so selbstverständlich, aber es ist gelungen. Sehr gut sogar. Das macht mich sehr friedlich. Ich bin an einem Punkt, dass ich jegliche Ressentiments, die ohnehin nur noch geringfügig vorhanden waren, ad acta lege. Ich sehe nur noch die Bereicherung und dass vieles sogar Bestand hat, jenseits von Beziehungsgeflechten und was man aufgrunddessen hineininterpretiert und erhöht. Überschätzt. Tatsächlich gibt es eine Substanz, eine Essenz, die für alle Zeiten ihre Gültigkeit, ihren Wert hat. Ich habe mich intensiv erinnert und lasse andere daran teilhaben. Eine Art, etwas über sich selbst mitzuteilen. Und viel weniger sentimental, als mancher gedacht haben mag. Georg (Cosmic) bemerkte hinter den Kulissen etwas verwundert, was ich da abfeuere, es freute ihn aber auch. Und seine Leser vor allem. Jedes Video unserer gemeinsamen Zeit ist auch in der Wiederholung sehenswert, nicht zu oft natürlich, aber alle paar Jahre kann man das schon ansehen und die Intensität dieser Zeit auf sich wirken lassen. Auch die Filme mit Jan, der wieder andere Leser hat, seine ganzen kunstaffinen Kreise, zum Teil ganz aus dem Häuschen über diese persönlichen Aufnahmen. Ja, ich habe es gerne persönlich. Sogar sehr. Damit muss man rechnen, wenn man mit mir zu tun hat. Dass ich dabei nie eine Grenze von Diskretionsbedürfnissen überschritten habe, kann ich sicher sagen. Es war aber nicht sehr schwer, weil gerade die beiden, Jan und Cosmic großen Genuss dabei hatten, von mir gefilmt und fotografiert zu werden. Sie wussten, dass ich keine Peinlichkeiten fabriziere. Eine Frage von Vertrauen. Urvertrauen. Ich denke an Sätze von Jan wie: „Du hast freie Hand“. Ich liebe das, wenn mir jemand freie Hand zugesteht. Cosmic sagte immer „Der Prozess ist das Produkt“. Es war ein künstlerischer Zugang zu jeder Minute unseres Lebens. Darin tickten wir gleich. Kein „Na, das ist aber zu privat! Das lass mal schön bleiben“. Es durfte so privat sein, wie ich es für vertretbar hielt. Und ich hatte und habe durchaus Grenzen. Die Bilder und Filme sollten so privat und intensiv sein dürfen, wie ein Songtext. Wie es ein Chanson sein kann. Und die besten sind nichts weniger. Intimität als Schlüsselmoment. Die Kunst liegt darin, damit zu spielen, ohne zuviel zu verraten. Sonst wäre es Heute-Journal und Tagesschau. Und das wäre einfach nur langweilig. Ich denke gerade sehr über all das nach. Wohin ich gehe. Was wird möglich sein. Was reizt mich noch. Großer Aufruhr. Ich fühle mich gerade sehr lebendig. Sehr. Sehr. Sehr : ||

27. März 2016

(längerer Text, ziemlich persönlich) (wie es sich geziemt)

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Ähnliche Farben das Abendrot heute, wie damals, vor drei Monaten das Morgenrot. Ging zum Fenster und erinnerte mich. Das kann ich zum Beispiel erzählen. Was sonst in mir vorgeht – mir fehlen momentan die Worte. Ich bin wie benebelt und gleichzeitig sehr klar und wach. Eine Droge, die mein Organismus selbst herstellt. Wie auf Speed, extrem kraftvoll und wach am Tag, bis spät in die Nacht. Brauche weniger Schlaf als sonst. Ungeheurer Bewegungsdrang. Ich muss hier endlich wieder mehr Hingabe investieren, mein Blog verwaist ja noch. Stattdessen poste ich altes Zeug aus meinen Archiven auf facebook, das kostet wenig Arbeit und gibt ein bißchen flow. Außerdem begreife ich, was ich alles in den letzten Jahren gemacht habe. Und mit wem. Und den Frieden. Mit Jan sowieso. Aber auch Cosmic. Und Duke. Das war alles nicht so selbstverständlich, aber es ist gelungen. Sehr gut sogar. Das macht mich sehr friedlich. Ich bin an einem Punkt, dass ich jegliche Ressentiments, die ohnehin nur noch geringfügig vorhanden waren, ad acta lege. Ich sehe nur noch die Bereicherung und dass vieles sogar Bestand hat, jenseits von Beziehungsgeflechten und was man aufgrunddessen hineininterpretiert und erhöht. Überschätzt. Tatsächlich gibt es eine Substanz, eine Essenz, die für alle Zeiten ihre Gültigkeit, ihren Wert hat. Ich habe mich intensiv erinnert und lasse andere daran teilhaben. Eine Art, etwas über sich selbst mitzuteilen. Und viel weniger sentimental, als mancher gedacht haben mag. Georg (Cosmic) bemerkte hinter den Kulissen etwas verwundert, was ich da abfeuere, es freute ihn aber auch. Und seine Leser vor allem. Jedes Video unserer gemeinsamen Zeit ist auch in der Wiederholung sehenswert, nicht zu oft natürlich, aber alle paar Jahre kann man das schon ansehen und die Intensität dieser Zeit auf sich wirken lassen. Auch die Filme mit Jan, der wieder andere Leser hat, seine ganzen kunstaffinen Kreise, zum Teil ganz aus dem Häuschen über diese persönlichen Aufnahmen. Ja, ich habe es gerne persönlich. Sogar sehr. Damit muss man rechnen, wenn man mit mir zu tun hat. Dass ich dabei nie eine Grenze von Diskretionsbedürfnissen überschritten habe, kann ich sicher sagen. Es war aber nicht sehr schwer, weil gerade die beiden, Jan und Cosmic großen Genuss dabei hatten, von mir gefilmt und fotografiert zu werden. Sie wussten, dass ich keine Peinlichkeiten fabriziere. Eine Frage von Vertrauen. Urvertrauen. Ich denke an Sätze von Jan wie: „Du hast freie Hand“. Ich liebe das, wenn mir jemand freie Hand zugesteht. Cosmic sagte immer „Der Prozess ist das Produkt“. Es war ein künstlerischer Zugang zu jeder Minute unseres Lebens. Darin tickten wir gleich. Kein „Na, das ist aber zu privat! Das lass mal schön bleiben“. Es durfte so privat sein, wie ich es für vertretbar hielt. Und ich hatte und habe durchaus Grenzen. Die Bilder und Filme sollten so privat und intensiv sein dürfen, wie ein Songtext. Wie es ein Chanson sein kann. Und die besten sind nichts weniger. Intimität als Schlüsselmoment. Die Kunst liegt darin, damit zu spielen, ohne zuviel zu verraten. Sonst wäre es Heute-Journal und Tagesschau. Und das wäre einfach nur langweilig. Ich denke gerade sehr über all das nach. Wohin ich gehe. Was wird möglich sein. Was reizt mich noch. Großer Aufruhr. Ich fühle mich gerade sehr lebendig. Sehr. Sehr. Sehr : ||

26. März 2016

(…) Wesen und Gestalt sind nur begrifflich gespalten,
geheimnisvoll bleibt ihrer Einheit Grund.

(Dàodéjīng | Übers. Rudolf Backofen, 1949)

26. März 2016

Hör zu: Mir blühte jüngst eine Nacht,
Die hat mich krank und gesund gemacht.
Weiss war ihr Weben und weich ihr Gesang,
Ein Träumender ging ich die Wiesen entlang,
Da sah ich des Mondes silbernes Fließen
Ueber die blumengeschmückten sich gießen.
Leuchtend und lachend lagen die Thale.
Wilde Rosen, die Sonnenmale
Blutvollen Tags – wie bleiche Träume
Grüssten sie geisternd durch Tannenbäume.
Schatten huschten vorbei und Schemen
An den gestirnten Chrysanthemen.
Hoher Kiefern durchbrochene Ketten
Hoben sich schwarz wie Silhouetten
Aus dem Dämmer. Der leuchtende Bach
Lief mit den Nebeln den Gräsern nach.
Grillen geigten die ewige Weise,
Elfengestalten tanzten im Kreise.
Aus dem tiefverschlafenen Walde
Rief noch ein Vogel über die Halde.
Auf des Kornfelds schimmernden Wogen
Kam eine Barke Seliger gezogen:
Und über allem glänzte die Blüte
Einer weltverklärenden Güte.

Karl Ernst Knodt | Mai-Mondnacht [1902]

25. März 2016

Nur daß der Seele einbildsame Macht
Dem innern Auge Deinen Schatten beut
Der wie ein strahlendes Juwel die Nacht
Verschönert und ihr alt Gesicht erneut