16. Mai 2012

Liebes Tagebuch,
heute ist kein Sonnenbaden-Tag. Aber vorgestern. Und vorvorgestern. Du kennst ja meinen Balkon schon, aber damit du auch ein bißchen wie Ferien hast, schicke ich noch eine Ferienpostkarte von meinem Balkon. Ich höre dabei am liebsten Musik von Drittanbietern. Du weißt schon, was ich meine. Es ist ja nur für privat und mein Lieblingslied, deswegen bin ich irgendwie entschuldigt. Außerdem sind Ferien! Und überhaupt!
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76827240&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Viele Grüße schickt
Deine Gaga

15. Mai 2012

[…]

Auf die Gefahr hin, dass meine Leser denken, bei mir sind ein paar Schrauben locker, muss ich doch für mein kleines Tagebuch festhalten, dass ich in der Oberwallstraße plötzlich unerwartete Glücksgefühle aufwallen spürte! Ich flanierte eigentlich nur am Prinzessinenpalais von hinten vorbei (was sich zur anderen Seite als Opernpalais präsentiert), durch den Bogen, der das Prinzessinenpalais mit dem Kronprinzenpalais verbindet und war ganz in menem Element. Ohne jetzt irgendwie größenwahnsinnig wirken zu wollen, dachte ich wie selbstverständlich: „Alles meins!“. Bitte fragen Sie mich nicht wieso weshalb warum. Ich hatte in der Oberwallstraße das deutliche Gefühl, dass mir das Prinzessinenpalais und alles drumherum persönlich gehört. Ohne jetzt besonderen Wert darauf zu legen. Es ist eben wie es ist! Ich habe zum Beispiel gar nicht den Wunsch im Prinzessinenpalais zu wohnen, weil ich ja von Hause aus eher fürs Moderne bin, jetzt ganz privat gesprochen, unterkunftsmäßig. Ich bin da im Moment mit meinen Räumlichkeiten ganz zufrieden. Aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass mir Mitte gehört. Ich habe da auch ein großes Verantwortungsgefühl und achte darauf, dass es immer überall schön und ordentlich und recht adrett ist. Für unsere Gäste!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615


14. Mai 2012

[…]


Einfach immer mir nach. Es gibt noch viel zu sehen. Wenn ich jetzt schon verrate, wo wir noch überall hingehen, entspricht das in keiner Weise dem wirklichkeitsgetreuen Erleben, wenn Sie wirklich neben mir gegangen wären. Denn dann hätten Sie auch nicht gewusst, wo ich hingehe! Aus dem einfachen Grund, weil ich es selber nicht gewusst habe! Also total authentisch, immer der Nase nach und dann gucken, wo man raus kommt! Na gut, ich hatte eine ganz grobe Idee von der Richtung, also Luftlinie, aber es gibt doch nichts Schöneres, als ein paar schöne Schleifen zu segeln, immer der Sonne hinterher, oder einem schönen langen Schatten. Dafür war der Tag wie gemacht! Gaga Nielsen Tours sind immer für eine Überraschung gut. Ich habe selber gestaunt. Ein SUPER Ausflug!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

12. Mai 2012


So Herrschaften, weiter geht’s. Wir treffen uns wie gehabt vor meinem Kleiderschrank im Flur. Entrée klingt besser, mondäner! Heute, am 26. Februar 2012 mache ich nämlich auf mondän! Also neulich. Dazu brauche ich nur eine uralte Jacke, ungefähr von Neunzehnhundertfünfundneunzig von CM Pabst, die Marke gibt es schon ewig nicht mehr, einen Gürtel aus dem Schlussverkauf bei Karstadt oder Wertheim – ich verwechsle das ja immer – und eine schicke Sonnenbrille aus dem Drogeriemarkt. Aber das Wichtigste ist natürlich, dass man wie eine Million Dollar guckt, und das kann ich super! Man wird dann auch automatisch mondän behandelt, wenn man mondän aus der Wäsche guckt! Ein lustiges Spiel! Wenn ich die Wahl habe zwischen wie eine Million Dollar gucken können und eine Million Dollar auf dem Konto haben, wäre ich echt hin- und hergerissen! Pah. Wie eine Million Dollar gucken, kann man sich nicht hinoperieren lassen, soviel ich weiß, auch nicht für eine Million Dollar. Also ich bleibe lieber beim Guckenkönnen, da kenn ich mich aus und das macht auch insgesamt weniger Ärger. Außerdem schließt das ja nicht aus, dass ich irgendwann aus heiterem Himmel eine Million Dollar kriege. Vom lieben Gott oder so, ohne blöden Kuhhandel! Oder durch preisbewusstes Wirtschaften! Wenn ich in die Geschäfte mit den niedrigen Preisen gehe, ziehe ich mich meistens etwas unauffälliger an, damit die anderen Kunden, die nicht so gut wie eine Million Dollar gucken können, nicht denken ich bilde mir ein ich bin was Besseres! Das wäre mir unangenehm. Ich achte immer sehr darauf, zum Personal und den anderen Kunden möglichst freundlich zu sein, um nicht als arrogant oder eingebildet zu gelten! Gerade die Armen freuen sich über ein warmes Wort oder einen freundlichen Blick! Ich spüre das.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus! Jawohl. Auch achte ich immer darauf, dass die Kunden vor und hinter mir an der Kasse ein Trennhölzchen haben, bzw. nutze ich die Wartezeit, um allen in meiner Reichweite ein Trennhölzchen zu reichen und schiebe auch welche mit Schwung ganz nach hinten auf der Metallkufe am Förderband. Wenn ich dann dran bin, achte ich peinlich genau darauf, mit der Kassiererin Schritt zu halten, damit durch mich für die anderen Kunden keine Wartezeiten entstehen. Wenn direkt hinter mir ein Kunde ist, der nur ein bis drei Sachen hat, frage ich artig, ob er gerne vor möchte. Meistens wird das dankbar angenommen. Nur einmal hat eine junge Frau gelächelt und gesagt, „ach nein – danke, ich hab Zeit! Dann hat sie weiter gesimst. Vielleicht habe ich sie gestört. Das wollte ich natürlich auch nicht. Sobald ich am Förderband dran bin, packe ich im Akkordtempo meine Sachen drauf, sortenrein, und werfe sie dann ganz schnell wieder in meinen Einkaufswagen, sobald die Kassiererin gescannt hat. Das geht Hand in Hand! So kann man arbeiten! Anschließend fahre ich mit meinem Wägelchen seitlich an die Packstation oder wie das heißt und packe meine Siebensachen – natürlich ebenfalls sortenrein – in meine mitgebrachten Einkaufsbeutel. Ich habe immer meine stabile Umhängetasche mit den Ramones drauf dabei und zwei schwarze Baumwollbeutel von c/o. Wenn ich die Sachen packe, achte ich darauf, dass man den Aufdruck von den Baumwollbeuteln nicht sieht, weil ich c/o-Beutel eigentlich ein bißchen prätentiös im Aldi finde. Aber insgesamt bin ich der Typ für Understatement und achte auch im Straßenbild darauf, dass das Logo immer am Körper ist. Das wirkt insgesamt schlichter. Für das Einpacken nach dem Einkaufen brauche ich ungefähr dreimal so lange wie für die Aktion an der Kasse, weil ich da sehr sorgsam und genau bin. Man könnte auch sagen penibel! Die Joghurtbecher dürfen nicht durcheinanderpurzeln, sondern werden feinsäuberlich gestapelt und das muss so halten bis ich daheim bin. Hat bis jetzt auch immer einwandfrei geklappt. Je älter ich werde, umso mehr entwickle ich sämtliche Tugenden von meinem Sternzeichen! Los, raten Sie mal!

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

12. Mai 2012


So Herrschaften, weiter geht’s. Wir treffen uns wie gehabt vor meinem Kleiderschrank im Flur. Entrée klingt besser, mondäner! Heute, am 26. Februar 2012 mache ich nämlich auf mondän! Also neulich. Dazu brauche ich nur eine uralte Jacke, ungefähr von Neunzehnhundertfünfundneunzig von CM Pabst, die Marke gibt es schon ewig nicht mehr, einen Gürtel aus dem Schlussverkauf bei Karstadt oder Wertheim – ich verwechsle das ja immer – und eine schicke Sonnenbrille aus dem Drogeriemarkt. Aber das Wichtigste ist natürlich, dass man wie eine Million Dollar guckt, und das kann ich super! Man wird dann auch automatisch mondän behandelt, wenn man mondän aus der Wäsche guckt! Ein lustiges Spiel! Wenn ich die Wahl habe zwischen wie eine Million Dollar gucken können und eine Million Dollar auf dem Konto haben, wäre ich echt hin- und hergerissen! Pah. Wie eine Million Dollar gucken, kann man sich nicht hinoperieren lassen, soviel ich weiß, auch nicht für eine Million Dollar. Also ich bleibe lieber beim Guckenkönnen, da kenn ich mich aus und das macht auch insgesamt weniger Ärger. Außerdem schließt das ja nicht aus, dass ich irgendwann aus heiterem Himmel eine Million Dollar kriege. Vom lieben Gott oder so, ohne blöden Kuhhandel! Oder durch preisbewusstes Wirtschaften! Wenn ich in die Geschäfte mit den niedrigen Preisen gehe, ziehe ich mich meistens etwas unauffälliger an, damit die anderen Kunden, die nicht so gut wie eine Million Dollar gucken können, nicht denken ich bilde mir ein ich bin was Besseres! Das wäre mir unangenehm. Ich achte immer sehr darauf, zum Personal und den anderen Kunden möglichst freundlich zu sein, um nicht als arrogant oder eingebildet zu gelten! Gerade die Armen freuen sich über ein warmes Wort oder einen freundlichen Blick! Ich spüre das.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus! Jawohl. Auch achte ich immer darauf, dass die Kunden vor und hinter mir an der Kasse ein Trennhölzchen haben, bzw. nutze ich die Wartezeit, um allen in meiner Reichweite ein Trennhölzchen zu reichen und schiebe auch welche mit Schwung ganz nach hinten auf der Metallkufe am Förderband. Wenn ich dann dran bin, achte ich peinlich genau darauf, mit der Kassiererin Schritt zu halten, damit durch mich für die anderen Kunden keine Wartezeiten entstehen. Wenn direkt hinter mir ein Kunde ist, der nur ein bis drei Sachen hat, frage ich artig, ob er gerne vor möchte. Meistens wird das dankbar angenommen. Nur einmal hat eine junge Frau gelächelt und gesagt, „ach nein – danke, ich hab Zeit! Dann hat sie weiter gesimst. Vielleicht habe ich sie gestört. Das wollte ich natürlich auch nicht. Sobald ich am Förderband dran bin, packe ich im Akkordtempo meine Sachen drauf, sortenrein, und werfe sie dann ganz schnell wieder in meinen Einkaufswagen, sobald die Kassiererin gescannt hat. Das geht Hand in Hand! So kann man arbeiten! Anschließend fahre ich mit meinem Wägelchen seitlich an die Packstation oder wie das heißt und packe meine Siebensachen – natürlich ebenfalls sortenrein – in meine mitgebrachten Einkaufsbeutel. Ich habe immer meine stabile Umhängetasche mit den Ramones drauf dabei und zwei schwarze Baumwollbeutel von c/o. Wenn ich die Sachen packe, achte ich darauf, dass man den Aufdruck von den Baumwollbeuteln nicht sieht, weil ich c/o-Beutel eigentlich ein bißchen prätentiös im Aldi finde. Aber insgesamt bin ich der Typ für Understatement und achte auch im Straßenbild darauf, dass das Logo immer am Körper ist. Das wirkt insgesamt schlichter. Für das Einpacken nach dem Einkaufen brauche ich ungefähr dreimal so lange wie für die Aktion an der Kasse, weil ich da sehr sorgsam und genau bin. Man könnte auch sagen penibel! Die Joghurtbecher dürfen nicht durcheinanderpurzeln, sondern werden feinsäuberlich gestapelt und das muss so halten bis ich daheim bin. Hat bis jetzt auch immer einwandfrei geklappt. Je älter ich werde, umso mehr entwickle ich sämtliche Tugenden von meinem Sternzeichen! Los, raten Sie mal!

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

11. Mai 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

Unspektakulär. Nur fürs Protokoll. Das Interessante bei dem Spielchen ist, dass ich Fotos von mir an Tagen mache, an denen ich von Hause aus keine Lust gehabt hätte, Fotos zu machen. Und weil es ja keine inszenierte, ausstaffierte Ausnahme-Aktion für fünf Minuten Geknipse vor dem Kleiderschrank sein soll, sondern das echte, wirkliche ankleidungstechnische Tagesgeschäft, kommen auch mal so bemerkenswert langweilige Kombinationen wie diese hier vor. Aber bequem. Am 25. war mir dann offenbar völlig entfallen, dass ich mich doch jeden Tag zu diesem Foto disziplinieren wollte und ich habe anscheinend alle Fünfe gerade sein lassen. Woher kommt die Redewendung eigentlich? „Alle Fünfe“ – Alle fünf Extremitäten des Mannes? In meinem Fall dann wohl eher „Alle Viere“. Na gut. Bin zu faul zum Googeln. Ist ja auch schon spät. Für meine Verhältnisse. Genug gebloggt für heute! Sie können jetzt auch schlafen gehen, ich stelle über Nacht keine neuen „DAILY“-Fotostrecken ein. Morgen dann weiter, frisch ans Werk mit dem 26. Februar! Da hab ich dann eine tolle Jacke an, versprochen! Sie werden Augen machen. Fesch und mondän!

28. April 2012


Der kleine Apfelbaum blüht wieder. Schlagschatten an den linken Häuserwänden in der Joachimstraße bis hinten zum Fluchtpunkt Eingang Sophie-Gips-Höfe. Ein aktueller Blogeintrag! Eines der Alleinstellungsmerkmale meines Blogs ist ja der zuverlässige Anachronismus der Blogeinträge. Bevor ich diese schöne Tradition weiterpflege, ein tagesaktueller Beitrag. Foto ist aber alt, macht nix. Könnte man heute genauso machen. Ich habe mich in der Sonne gesonnt und dabei meine Schminkstifte angespitzt. Was für eine blöde Idee! Viel zu weich zum Anspitzen. Ansonsten muss ich leider sagen, dass es sich nicht bewährt, bei Schminkstiften mit der Qualität zugunsten des Preises zu experimentieren. Die meisten Kajalstifte im untersten Preissegment geben zu wenig Farbe ab. Viel zu hart, könnte man gleich Wachsmalkreide hernehmen! Ich rate aber auch nicht zu hochpreisigen Marken. Ein Kajalstift von Christian Dior muss nun wirklich nicht sein! Zumal den niemand sieht, weil man sich ja nicht in aller Öffentlichkeit im Restaurant die Augen nachmalt. Lippen nachziehen und Nase pudern mit repräsentativem Zubehör von Yves Saint Laurent oder mit Chanel-Logo drauf ist natürlich etwas ganz anderes, das ist ja schon durch Spielfilmszenen existentiell wichtig und gesellschaftsfähig geworden. Le must! Demzufolge achten wir als preisbewusste Verbraucherin bei Schminke für das stille Kämmerlein auf Qualität und Preis! Zum Beispiel sind die Stifte von Margret Astor Eins A! Keine Reiche-Leute-Marke und dementsprechend bezahlbar. (Vielleicht kriege ich durch die Erwähnung Prozente!)
Außerdem habe ich noch einen Haushaltstipp, der leider nicht ganz so neu ist, wie ich zuerst dachte und den ich in meinem Bekanntenkreis als nobelpreiswürdige Sensationsentdeckung präsentieren wollte, was leider in vier von fünf Fällen gelangweiltes Gähnen ausgelöst hat. Ja, es tut mir leid, ich bin eben nicht so eine Superhausfrau, die dieses Herrschaftswissen bereits in die Wiege gelegt bekommen hat. Auch wenn es außer mir alle schon längst wissen, kann ich es ja trotzdem noch einmal schreiben. Also ich habe neulich durch Beobachtungsstudien entdeckt, dass es besser ist, wenn man Obst und Gemüse nicht abwäscht. Erdbeeren halten sich so mindestens drei bis fünf Tage länger!!! Ja, Sie wussten das schon längst. Ich habe bisher immer alles ordentlich abgewaschen und dann ins Obst- und Gemüseschälchen verfrachtet. Aber weil meine Erdbeeren jedesmal über Nacht verdorben waren, wurde ich misstrauisch. Und die nächsten ungewaschenen Erdbeeren haben sich glatt eine Woche gehalten! Sensationell! Es gibt wahrscheinlich so ein konservierendes Superspray für die Präsentation in der Warenauslage, damit alles möglichst lange proper aussieht. Und natürlich bin ich auf die überall herumposaunten Empfehlungen der Obst- und Gemüsebauernlobby hereingefallen, Obst und Gemüse möglichst gründlich zu waschen! Aber das hört sich jetzt auf. Auch hier kann man langfristig sparen, weil man nie mehr Sachen wegschmeißen muss. Kurz vor dem Aufessen kann man dann schon mal waschen, das ist nicht verkehrt. So halte ich es persönlich. Wobei ich überlege, ob die Konservierungsstoffe nicht vielleicht auch mich von innen länger konservieren würden und die kleinen gefräßigen Bakterien abwehren würden. Leider sind mir noch keine Studien bekannt, wo das geprüft und empfohlen wurde. So, fertig mit dem aktuellen Blogeintrag. Ich muss jetzt wieder am nächsten Eintrag für Februar weiterarbeiten und Kaffee trinken!
P.S. Mein Sparktonto wächst wie das Apfelbäumchen! Das preisbewusste Wirtschaften ist mir nun in Fleisch und Blut übergegangen, ich kann gar nicht mehr aufhören! Inzwischen kann ich die günstigsten Lebensmittel-Preise im Schlaf herunterbeten. Zum Beispiel: sechs Bio-Eier bei Norma: 1,39 €, bei Aldi 1,55 €. Demächst trete ich damit bei Wetten Dass auf und werde Wettkönigin!

11. Mai 2012

Dachte eben, vielleicht sollte ich zur Abwechslung – zur Auflockerung! zu den Februarklamotten passende Songtexte posten. Vielleicht „Winterlong“ von Neil Young, den ich früher nicht wenig und gerne gehört habe. (Dieser Tage doch eher by random.)

„I waited for you, Winterlong, you seem to be where I belong. It’s all illusion anyway. (…) Half the time has passed away, (…) I waited for you Winterlong, You seem to be where I belong.“ Usw. usf. Hm, na gut, kann ich jetzt so nicht unterschreiben. Wenn man unkommentiert Songtexte postet, kommt man ja zurecht in den Ruch der schweren Identifikation mit dem Dargebotenen. War jetzt nur wegen „Winter“ drin. Welche Winterlieder gibt es noch? Phh…. „Schneeflöckchen, Weißröckchen“. Irgendwelche Punklieder oder Soul Songs? Techno Mucke? Keine Ahnung. Okay, war ein Versuch. Ist aber trotzdem ein lauschiges Lied von Neil Young, soweit ich erinnere. Mal auf youtube gucken. Ah ja, hier isses.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

11. Mai 2012


Muss man natürlich einkalkulieren, in die morgendlichen Rituale. Zwei bis vier Minuten. Ich stehe seither diszipliniert gerne früher auf, weil insgesamt braucht man natürlich noch mehr Zeit für sich, weil man sich ja selber nicht zumuten will, dass einem jeden zweiten Tag dieselbe Klamottenkombination im Spiegel entgegenschaut. Es war dann aber auch gut, dass die Rollkragenpulloverkälte sich dem Ende neigte und andere Oberteile drankommen durften! Man muss auch streng konstatieren, dass die Körperhaltung verbesserungsfähig ist. Das merkt man immer dann, wen man sich „normal“ vor den Spiegel stellt und merkt, wenn man sich jetzt noch ein bißchen streckt, sieht das doch bedeutend vorteilhafter aus. Man müsste es jetzt nur noch hinkriegen, das so zu verinnerlichen, dass man automatisch immer so apart aufrecht steht und geht. Steter Tropfen höhlt den Stein! Eine Frage der Erziehung! Ich arbeite bei meiner Erziehung pädagogisch wertvoll abwechselnd mit motivierendem Lob („fein gemacht!“, „kommt super!“ „irgendwie dynamisch!“ „rockt!“) sowie sehr wohlmeinender, konstruktiver Kritik („geht gar nicht!“ „ouh“, „hmnaja“, „heieiei“, „schabrackenmäßig“, „aha“, „ohje“, „au weia“).
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

11. Mai 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

Donner und Doria da draußen, wie schön. Gestern beim Einschlafen auch dieses wunderbare Donnergrollen. Musik in meinen Ohren! Beruhigendstes Geräusch der Erde. Wenn man drinnen ist, in der warmen sicheren Höhle, versteht sich. Die DAILY shots entstehen immer früh an einem Tag, nach dem Aufstehen, wenn ich mich fertig für die Zivilisation gemacht habe. Und schon wenigstens eine Tasse Kaffee getrunken habe. Vorher nicht! So, weiter zum 22. Ich sehe, das war auch ein Rollkragenpullovertag! Das wird jetzt haarklein abgearbeitet. Bin ich stur wie ein Ochse!

10. Mai 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Ja, ich gebe zu, das war ein langer Tag. Aber über den Kunstmarkt können wir schon noch schnell mal gehen. Die Händler packen sowieso schon ein und es ist ja kein Umweg. Jedes Wochenende sind sie da, auf ihrem kleinen Markt am Zeughaus, mit ihren Drucken und Zeichnungen und gemalten Bildern und Hüten und Gürteln und geschnitzten und geschmiedeten Sachen. Es ist kein Trödelmarkt mit alten Sachen und Antiquitäten, sondern neueres Kunsthandwerk, die kunstschaffenden Handwerker, Bildhauer und Maler stehen selbst an den Ständen. Mitunter ähnliche Stände wie am Wochenende am Hackeschen Markt, aber wenig Fressbuden.


Klein und familiär, man ist in ein paar Minuten durch, wenn man von der schnellen Truppe ist. Da der Akku der Kamera noch mitgespielt hat, habe ich auf dem Heimweg ein paar letzte Bilder gemacht, es muss schon nach siebzehn Uhr gewesen sein, einige Händler waren schon weg. Ich bin dann auch schnurstracks nach Hause, vorbei am Dom, Richtung Monbijou, Hackescher, Rosenthaler, Sophien, Sophie-Gips, Joachim, August, – Fahrstuhl.

Rein in die gute Stube, raus aus der Mütze, raus aus dem Mäntelchen. Kalte Schokolade, heißer Kaffee, Bilder von der Kamera. Uii, doch so viele. Na ja, man möchte der deutschen Geschichte ja auch gerecht werden, wenn man sich schon einmal durchgerungen hat, die Sache zu verabeiten. Da ahnte ich dunkel, dass ich die ganze deutsche Wucht nicht mal eben so hauruck posten könnte. Aber nun ist es vollbracht. Und jetzt Gute Nacht!

10. Mai 2012


Ich habe eigentlich nur einmal am Verstand der Kuratoren gezweifelt. Als ich vor dem einsamen Schaukästchen mit einer aufgebügelten lila Latzhose und einem Courage-Heftchen stand. Bis dahin hatte ich doch für möglich gehalten, dass auch die eine oder andere Frau an der Ausstellungskonzeption beteiligt gewesen sein könnte. Oh, oh. Schnell weiter. Ich kam ja nun gerade aus dem Dritten Reich und wollte mir nicht gleich wieder die soeben halbwegs erfolgreich von statten gegangene Erheiterung angesichts des ersten Quelle-Katalogs, des wohlbekannten Grundig-Tonbandgerätes (mein Vater hatte das auch) und der feschen Plakate, vermiesen lassen. Ah, da hinten fällt ja gerade die Mauer, nichts wie hin! So, Neunundachtzig, Wiedervereinigung bums fertig!

Nein. Nicht fertig. Bevor wir in die Gegenwart entlassen werden, müssen wir noch da durch. Durch diese Meter an dieser fast leeren, sehr stillen Wand vorbei. Mit den beiden grobkörnigen, verwischten Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Sie zeigen zwei einzelne Portraits. Das Gesicht von Sophie Scholl. Und das Gesicht ihres Bruders, Hans Scholl. Man kann da nicht einfach so vorbeihuschen. Weil die Gesichter den Blick bannen, so einsam wie sie an dieser großen Wand im Halbdunkel hängen. Gerade waren da doch noch die lustigen Elvis-Schallplatten, der Petticoat und „Das Deutsche Raumfahrtspiel“ und alles war wieder bunt und lustig. Aber jetzt sind da wieder Sophie und ihr Bruder und erinnern uns. Und das ist gut. Und jetzt dürfen wir gehen. In eine neue, bessere Zeit. In unsere Zeit. Sie liegt an uns. An mir und an Dir.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

09. Mai 2012

.

DAS HIMBEERFEUER IST ERLOSCHEN. ES IST EIN ASCHENSOMMER IN DER WELT. DIE MENSCHEN GEHEN MIT GESENKTEN LIDERN, AM ROSTIGEN ROSENUFER AUF UND AB. SIE WARTEN AUF DIE POST DER WEISSEN TAUBE, AUS EINEM FREMDEN SOMMER IN DER WELT. DIE BRÜCKE AUS PEDANTISCHEN METALLEN DARF NUR BETRETEN WER DEN MARSCH-SCHRITT HAT. DIE SCHWALBE FINDET NICHT NACH SÜDEN. ES IST EIN BLINDER SOMMER IN DER WELT.
Rose Ausländer
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

08. Mai 2012


Erster Weltkrieg. Beinprothese. Feldgeschirr. Ziehstufen des deutschen Stahlhelms. We want you for U.S. Army. Madison Square Garden 1918. Kolonialpolitik. Tropenanzug. Waffen. Uniformen. Handprothese. NIE WIEDER KRIEG. Nieder mit dem Abtreibungsparagraphen. Acht-Stunden-Tag. Plattenkamera. Matrosenanzug. Matrosenkleid. Ringelbadeanzug. Ultra-Zeozon. Freikörperkultur. Krad. AEG. NIVEA. Puderdosen. Büstenhalter. Schaufensterpuppen. Zwanziger Jahre. Metropolis. IST EIN FILM.

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

08. Mai 2012


Ferien. Sonnenfrühstück. Sonnenbadetag. Leni-Buch (kritische Reflektion). Sonnenbrille. Die beiden Federkopfkissen vom Bett auf dem Balkon. Das sonnengegerbte Badetuch aus Velours mit dem großen Vogel auf der Bambusmatte. In der Vox-Dokusoap Mieten Kaufen Wohnen lernt man die Fachausdrücke. Die Makler reden von einer Dachloggia, wenn es ein Einschnitt in das Dach ist, nicht von einem Balkon. Balkon wäre drangeklebt, wie ein Vogelnest. Der warme Frühling ist zurück. Heute am 8. Mai 2012. Achter Mai! Historisches Datum. Ende des zweiten Weltkrieges, 1945. Wie glücklich die Menschen gewesen sein müssen. Waren.

08. Mai 2012


Ferien. Sonnenfrühstück. Sonnenbadetag. Leni-Buch (kritische Reflektion). Sonnenbrille. Die beiden Federkopfkissen vom Bett auf dem Balkon. Das sonnengegerbte Badetuch aus Velours mit dem großen Vogel auf der Bambusmatte. In der Vox-Dokusoap Mieten Kaufen Wohnen lernt man die Fachausdrücke. Die Makler reden von einer Dachloggia, wenn es ein Einschnitt in das Dach ist, nicht von einem Balkon. Balkon wäre drangeklebt, wie ein Vogelnest. Der warme Frühling ist zurück. Heute am 8. Mai 2012. Achter Mai! Historisches Datum. Ende des zweiten Weltkrieges, 1945. Wie glücklich die Menschen gewesen sein müssen. Waren.

07. Mai 2012


Symbolfoto (2008)
Gestern Abend beim Kochen über das Ergebnis für Sarkozy in Feststimmung geraten und deutlichen Appetit auf Rotwein identifiziert. Auf einen Franzosen mit ordentlich Tannin versteht sich. Andere kann man ja gar nicht trinken. Der gestrige Impuls ist höchst bemerkenswert und muss gebloggt werden, da alkoholhaltige Getränke und demzufolge auch Rotwein keine Rolle mehr bei meiner Nahrungsaufnahme spielen. Das letzte Glas Rotwein habe ich am 24. November 2010 getrunken. Seither stand eine letzte Flasche Saint-Émilion auf dem Küchenschrank. Leicht eingestaubt. Also ich hatte nicht nur den Impuls, ich habe ihm auch nachgegeben, denn besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Ich habe also ein schönes, gut poliertes großes Bordeauxglas aus dem Oberschrank genommen und etwas ungelenk, ich bin ja nun aus der Übung, die Flasche geöffnet. Das Essen war auch fertig und ich habe das Glas ungefähr 2,7 Zentimeter gefüllt. Vielleicht waren es auch drei Zentimeter. Ich wusste ja nicht, was passieren würde, daher war ich vorsichtig. Der erste Schluck hat genau wie erwartet geschmeckt. Ausgezeichnet und gar nicht befremdlich. Ich hatte ordentlich Appetit drauf. Zum Essen war das Ganze auch ideal. Ich habe dann nochmal auf das Wahlergebnis angestoßen, wobei ich ehrlich sagen muss, eher darauf, dass Sarkozy und Bruni verdient auf die Fresse gefallen sind, mit ihrer verlogenen Strategie zwecks Privilegienwahrung. Darauf einen guten Franzosen! Ich habe die Flasche dann gleich wieder verkorkt und zurück auf den Küchenschrank gestellt. Ich wollte erst einmal antesten, wie mein mittlerweile unschuldiger Babyorganismus damit zurechtkommt. Ich habe gut, tief und fest geschlafen und bin wohlausgeruht und ohne erkennbare Einbußen im Wohlbefinden aufgestanden. Ich denke für die Zukunft ist es in dem Maß praktikabel. Zwei Komma sieben bis drei Zentimeter Rotwein sind vertretbar. Aber nicht mehr. Und nun weiter mit Kaffee!

Symbolfoto (2011)

06. Mai 2012

Unten vorm Hackbarths steht ein schwarzer Mercedes-Karavan. Ich überlege, ob es ein Leichenwagen ist. Ich kann das Heck leider nur von oben sehen. Aber ich denke, Grieneisen hätte irgendwo den Namen seitlich draufgeklebt. Oder ein ehemaliger Leichenwagen. Aber dafür ist das Modell zu neu. Komisch, dass mir das eher einfällt, als dass es vielleicht ein Familienauto sein könnte. Die Republica-Gäste haben wirklich Schwein gehabt, mit dem Kaiserwetter die drei Tage. Jetzt ist wieder original Aprilwetter, was mich aber nicht weiter stört. Aus der pubertären Phase bin ich zum Glück heraus, wo man Wetterverhältnisse als wegweisend für die Befindlichkeit einstuft. Ich habe hier immer was zu basteln. Gerne lese ich die Erlebnisberichte der Gäste von dieser #rp12, von der ich nur einen einzigen Stream komplett geschaut habe, von jener Spam Poetry Show, die sehr gelungen war, allerdings wohl auch nicht repräsentativ in dieser performancehaften Einzigartigkeit. Und interessant finde ich die teils verhohlene, teils unverhohlene Bewunderung für den Auftritt des handsomen Regierungssprechers Steffen Seibert. Den hätte ich mir live auch angeguckt, weil mich Schnittstellen der Macht immer interessieren und ich denke, dass man bei Schlüsselfiguren andocken muss, wenn man etwas in Bewegung bringen will. Vielleicht bringt das einen Denkprozess in Gang, bei denen die glauben, bessere Inhalte im Angebot zu haben, aber spüren, dass die Resonanz auf ihren Vortrag nicht in gewünschter Weise funktioniert. Man kann an solchen Figuren lernen, das Instrumentarium studieren. Ich studiere im Moment im Hintergrund das Merchandising der Nazis, das ich im DHM zum ersten Mal in meinem Leben in echt sehen konnte. Die visuelle Sprache war dezidiert, entschieden, kraftvoll. Schwarz-Weiß-Rot. Das wirkte modern und dynamisch, das hat gerockt. Ich lasse es rein graphisch auf mich wirken, als wäre ich eine Besucherin vom Mars. Interessante Erkenntnisse. Oh ja. Oh, die Sonne blinzelt durch die Wolkendecke. Ich mag sie ja schon, so ist es ja nicht.

06. Mai 2012

Unten vorm Hackbarths steht ein schwarzer Mercedes-Karavan. Ich überlege, ob es ein Leichenwagen ist. Ich kann das Heck leider nur von oben sehen. Aber ich denke, Grieneisen hätte irgendwo den Namen seitlich draufgeklebt. Oder ein ehemaliger Leichenwagen. Aber dafür ist das Modell zu neu. Komisch, dass mir das eher einfällt, als dass es vielleicht ein Familienauto sein könnte. Die Republica-Gäste haben wirklich Schwein gehabt, mit dem Kaiserwetter die drei Tage. Jetzt ist wieder original Aprilwetter, was mich aber nicht weiter stört. Aus der pubertären Phase bin ich zum Glück heraus, wo man Wetterverhältnisse als wegweisend für die Befindlichkeit einstuft. Ich habe hier immer was zu basteln. Gerne lese ich die Erlebnisberichte der Gäste von dieser #rp12, von der ich nur einen einzigen Stream komplett geschaut habe, von jener Spam Poetry Show, die sehr gelungen war, allerdings wohl auch nicht repräsentativ in dieser performancehaften Einzigartigkeit. Und interessant finde ich die teils verhohlene, teils unverhohlene Bewunderung für den Auftritt des handsomen Regierungssprechers Steffen Seibert. Den hätte ich mir live auch angeguckt, weil mich Schnittstellen der Macht immer interessieren und ich denke, dass man bei Schlüsselfiguren andocken muss, wenn man etwas in Bewegung bringen will. Vielleicht bringt das einen Denkprozess in Gang, bei denen die glauben, bessere Inhalte im Angebot zu haben, aber spüren, dass die Resonanz auf ihren Vortrag nicht in gewünschter Weise funktioniert. Man kann an solchen Figuren lernen, das Instrumentarium studieren. Ich studiere im Moment im Hintergrund das Merchandising der Nazis, das ich im DHM zum ersten Mal in meinem Leben in echt sehen konnte. Die visuelle Sprache war dezidiert, entschieden, kraftvoll. Schwarz-Weiß-Rot. Das wirkte modern und dynamisch, das hat gerockt. Ich lasse es rein graphisch auf mich wirken, als wäre ich eine Besucherin vom Mars. Interessante Erkenntnisse. Oh ja. Oh, die Sonne blinzelt durch die Wolkendecke. Ich mag sie ja schon, so ist es ja nicht.

02. Mai 2012


Das Päckchen immer weitertragen. Bis zum Exit. Bis es ganz leicht ist. Bis alle Wackersteine, der Schwerkraft folgend, herausgepurzelt sind. Das ist das Allerschönste am Älterwerden. Aber man muss an seinen guten Stern glauben und vor dem Einschlafen beten hilft auch. Aber nicht nur Bitten beim Beten. Danken hat eine erstaunliche Vibration. Beinah ein Trick! Ha. Hab ich selber herausgefunden. So ähnlich wie neulich die Sache mit dem Obst und Gemüse. Das haben auch schon andere vor mir entdeckt, aber Sachen selber neu entdecken ist lehrreicher. Der Lerneffekt ist sensationell! Und der Entdeckergeist wird gekitzelt. Uranus! Aber das steht ja schon in meinem Horoskop, dass man mit Pluto und Uranus in exakter Konjunktion und auch noch an der Sonne ein kleiner Daniel Düsentrieb ist. Also immer gut aufpassen, wenn ich neue Sachen entdecke, auch wenn es die schon gibt! Das sind meistens superwichtige Sachen und Erkenntnisse, die die Menschheit total weiterbringen. Großes Indianerehrenwort.

wenn ich das alles nur betrachte
kann ich es nicht verschwenden
wenn ich das alles nur verachte
kann ich es auch beenden
alles geschieht nur einmal
das alles ein einziges mal
ich kann kein ende finden
das alles hält mich wach
ich kann kein ende finden
ich suche nicht danach
wenn ich das alles nur besuche
muss ich immer wieder gehn
wenn ich das alles nur versuche
kann ich das alles nicht verstehn
alles geschieht nur einmal
das alles ein einziges mal
ich kann kein ende finden
das alles hält mich wach
ich kann kein ende finden
ich suche nicht danach

ic falkenberg

01. Mai 2012

Seltsam. Das ist das erste Mal, dass mich die Republica interessiert hätte. Mit allem möglichen Drum und Dran. Vorher nie. Ich verband damit eher eine Klugscheißer-Veranstaltung ohne Musik und Sex Appeal. Ich könnte jetzt nicht direkt behaupten, dass die Videos der vergangenen Jahre diese an den Haaren herbeigezogene Mutmaßung komplett konterkarieren würden. Mir gefällt allerdings dieses Jahr sehr, wie die Seite gestrickt ist und wer da so eingeladen wurde. Und die Größe. Ich mag einige Protagonisten sehr gerne, ob aus persönlicher Bekanntschaft oder unbekannterweise, aus der Ferne. Und ausgerechnet in diesem Jahr hindert mich eine blöde private Befangenheit, auf die ich nicht näher eingehen will. Ich habe mich weder um eine Karte gekümmert, noch mir die Zeit für die für mich interessanten Veranstaltungen genommen. Um nichts habe ich mich gekümmert. Gut, da könnte man noch dran herumschrauben. Jetzt hätte ich Lust den ganzen Haufen nach vielen Jahren wieder einmal zu sehen und mir steht vor allem diese Befangenheit im Weg. Ja, es ist mir auch zu teuer, so ein Ticket für wasweißichwieviel Euro zu kaufen. 2005 waren Bloggertreffen noch ohne Eintritt, aber das jetzt ist ja eine profimäßig aufgezogene Kongressveranstaltung. Ja, die schönen Tüten kosten, die Vorbereitung, die Miete, das Catering, die Technik. Ja, ist ja alles nachvollziehbar. Muss nur mal schnell ein bißchen herumwinseln. Sicher hätte ich auch ein paar Bilder gemacht, die ein bißchen mehr gerockt hätten, als die anderen. Ich kenne das Spielchen ja von der a2n, altogether now, vor drei Jahren. Die Organisatoren waren zum Teil identisch. Man kriegte als jemand aus dem Dokumentatorenteam ein lila Bändchen und konnte überall einfach hinein. Die Treffen im Vorfeld waren auch interessant, weil ich dort einen mir völlig fremden Sprachduktus erlebte. Interessant, was für einen Wortschatz viele dieser Netz-Werker haben und pflegen. Tim Renner amüsierte mich, weil er am Bodenständigsten von allen war, auch in seiner Ausdrucksweise. Ich verstand jedes Wort. Und er grinste auch immer sehr nett zu mir rüber. Na ja. Andere Baustelle. Amanda Palmer war wirklich sympathisch. Man musste mich nicht lange überreden, bei der Dokumentation mitzuwirken, weil mir Musik-Schaffende schon immer am Herzen liegen. Blogger dann doch eher persönlichkeitsspezifisch. Und doch habe ich einen Sinn für das Grundrauschen der Bewegung, die mich ja letztlich auch alle Nase lang vor den Monitor treibt und ins Internet schreiben lässt.

Also gut, ich bin dann bei diesem „Klassentreffen“ wie einige so putzig schreiben, wohl nicht dabei. Vielleicht gucke ich mir den einen oder anderen Stream an. Oder die Location, wenn alles vorbei ist und abgebaut wird. Wenn die Luft wieder rein ist. Haha. Das ist doch wirklich blöd. Alle werden sich auf die Schulter klopfen und schwelgen, wie schön es war. Natürlich wird da auch immer übertrieben, das ist ja klar. Nur ich weiß natürlich, wo ich bin, kann es gar nicht schlecht sein, weil ich hab mich ja immer dabei! Also es tut mir leid, ich hätte gerne die Republica mit meinem immanenten Mysterium bereichert, aber es hat nicht sollen sein. Jammer. So Schluß jetzt. Dann nächstes Jahr. Oder so. Außerdem will die Kaltmamsell bestimmt nicht so gerne mit ihrem Aua-Auge fotografiert werden. Das ist dann nächstes Jahr auch wieder in Ordnung.

29. April 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Der freundliche Adler, die Haute Couture-Rüstungen, die Pesttafel, der Reisekoffer mit den Silberbürsten, das erbeutete Zelt aus dem Orient. Deutsche Geschichte, 100 v. Chr. bis 1917 in der oberen Etage. Ausblick auf den Zeughaushof, die Kassettentüren. Ich fotografierte nur ein paar Sachen, die eine unerklärbare, bemerkenswerte Resonanz bei mir auslösten. Da ist unendlich viel mehr zu sehen, das ist ja klar. Mehr ist gar nicht dazu zu sagen. Aber diese spacigen Rüstungen… wie aus einem Science Fiction. Mittelalter-Science Fiction. Und dabei so schön. Kann man auf jeden Laufsteg in Paris schicken. Ich bin vergleichsweise schnell durch den ersten Teil der Ausstellung, weil mir die Zeit ab dem Zweiten Weltkrieg unter den Nägeln brannte. Wie kann man das Unfassbare angemessen dokumentieren? Um in den zweiten Teil ab 1918 zu kommen, musste ich wieder die große Treppe hinunter. Aus diesen folgenden Epochen gibt es naturgemäß uferlos Exponate und ich blieb auch sehr viel öfter mit meiner Kamera hängen. Dort war es wie ein Film, ein Rausch und Rasen durch die Epochen bis in die Gegenwart kurz nach Mauerfall. Was für eine wechselhafte Geschichte dieses Land hat. Mein Land. Unser Land.

28. April 2012

Kaum hatte ich das Foyer geentert und gescannt, signalisierte mein eingebauter Infrarot-Sensor erhöhte atmosphärische Spannungen an einer Figur im hinteren Bereich am Treppenaufgang. Mein System identifizierte sofort, dass es sich um eine interessante problematische Materienverdichtung handelt, die ich sofort näher betrachten und einer Prüfung unterziehen wollte. Das Warnschild wies die Nachbildung einer verschwundenen, ca. vier Meter hohen menschenähnlichen Form aus einem goldfarbenen Metall aus, die nur kurzzeitig existierte und im Labor des Hexers Arno Breker ausgebrütet wurde. Ich betrachtete das Phänomen von allen Seiten und gruselte mich ein wenig, als mein Blick den eisigen Blick des nachgebauten Monstrums traf. Erhebend war das nicht. Ich identifizierte, dass ich vor der Nachbildung eines männlichen Angehörigen der menschlichen Rasse stand. In alten Schriften hatte ich gelesen, dass die Figur ein männliches Idealbild einer bestimmten dunklen Epoche verkörpern soll. Nun ja, die Geschmäcker sind ja verschieden. Die Arme fand ich recht gelungen, auch das Hinterteil

war ansprechend geformt. Aber dieser auf mich – ohne jetzt irgendwie polemisch werden zu wollen – entartet trapezförmige Oberkörper schien mir doch arg naturfremd und an den Haaren herbeigezogen. Die Waden entschieden zu dick, die Füße wieder ganz in Ordnung. Aber der Kopf. Der vergleichsweise kleine, schlecht proportionierte Schädel erschien mir, ganz abgesehen von dem irgendwie debilen, degenerierten Gesichtsausdruck, stark deformiert und wenig ideal, ja ich möchte abermals sagen: entartet. Wenn das System, das einen derart missgestalteten Kopf als „ideal“ einordnete, zum Niedergang verurteilt war, schien mir das nur schlüssig und folgerichtig. Die seltsame Figur mit dem deformierten Rumpf und dem schönen, kräftigen Hintern ist also spurlos verschwunden. Also die beiden original Figuren, die vor der nur kurzzeitig existierenden, von einem gewissen Albert Speer erbauten Neuen Reichskanzlei herumstanden. Es ergab sich eine kleine Plauderei mit einem älteren, gewitzten Pärchen. Wir gaben uns in gesamtdeutscher Eintracht der Phantasie hin, fanatische Russen hätten die monströsen Skulpturen auf ein altes Frachtschiff nach Odessa verschleppt, wo sie nun seit Neunundvierzig in einem Privatpark feudal vor sich hinoxidieren. Ein sowjetisches Mysterium. Übrigens vielleicht am Rande interessant: aus den Trümmern der nach Kriegsende von den Russen gesprengten Neuen Reichskanzlei wurde das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park gebastelt. Um mich von dem eindrücklichen Erlebnis zu erholen, überquerte ich zügig, gemessenen Schrittes die Ruhmeshalle und gab mich dem Studium zweier Frauenskulpturen hin. Die etwas mollige Dame auf der Seite zum Zeughaushof balancierte eine Art Tigerskalp auf dem Schädel und erinnerte mich an Abbildungen auf der Homepage einer zeitgenössischen Hobby-Schamanin. Ich war umgehend völlig absorbiert. Aber als ich dann vor der großen Viktoria mit den großen Engelsflügeln stand, war der Fluch endgültig gebannt. Geläutert schritt ich zur hochherrschaftlichen Treppe, gewappnet und bereit, mich der gesamten Deutschen Geschichte zu stellen!

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

28. April 2012


Der kleine Apfelbaum blüht wieder. Schlagschatten an den linken Häuserwänden in der Joachimstraße bis hinten zum Fluchtpunkt Eingang Sophie-Gips-Höfe. Ein aktueller Blogeintrag! Eines der Alleinstellungsmerkmale meines Blogs ist ja der zuverlässige Anachronismus der Blogeinträge. Bevor ich diese schöne Tradition weiterpflege, ein tagesaktueller Beitrag. Foto ist aber alt, macht nix. Könnte man heute genauso machen. Ich habe mich in der Sonne gesonnt und dabei meine Schminkstifte angespitzt. Was für eine blöde Idee! Viel zu weich zum Anspitzen. Ansonsten muss ich leider sagen, dass es sich nicht bewährt, bei Schminkstiften mit der Qualität zugunsten des Preises zu experimentieren. Die meisten Kajalstifte im untersten Preissegment geben zu wenig Farbe ab. Viel zu hart, könnte man gleich Wachsmalkreide hernehmen! Ich rate aber auch nicht zu hochpreisigen Marken. Ein Kajalstift von Christian Dior muss nun wirklich nicht sein! Zumal den niemand sieht, weil man sich ja nicht in aller Öffentlichkeit im Restaurant die Augen nachmalt. Lippen nachziehen und Nase pudern mit repräsentativem Zubehör von Yves Saint Laurent oder mit Chanel-Logo drauf ist natürlich etwas ganz anderes, das ist ja schon durch Spielfilmszenen existentiell wichtig und gesellschaftsfähig geworden. Le must! Demzufolge achten wir als preisbewusste Verbraucherin bei Schminke für das stille Kämmerlein auf Qualität und Preis! Zum Beispiel sind die Stifte von Margret Astor Eins A! Keine Reiche-Leute-Marke und dementsprechend bezahlbar. (Vielleicht kriege ich durch die Erwähnung Prozente!)
Außerdem habe ich noch einen Haushaltstipp, der leider nicht ganz so neu ist, wie ich zuerst dachte und den ich in meinem Bekanntenkreis als nobelpreiswürdige Sensationsentdeckung präsentieren wollte, was leider in vier von fünf Fällen gelangweiltes Gähnen ausgelöst hat. Ja, es tut mir leid, ich bin eben nicht so eine Superhausfrau, die dieses Herrschaftswissen bereits in die Wiege gelegt bekommen hat. Auch wenn es außer mir alle schon längst wissen, kann ich es ja trotzdem noch einmal schreiben. Also ich habe neulich durch Beobachtungsstudien entdeckt, dass es besser ist, wenn man Obst und Gemüse nicht abwäscht. Erdbeeren halten sich so mindestens drei bis fünf Tage länger!!! Ja, Sie wussten das schon längst. Ich habe bisher immer alles ordentlich abgewaschen und dann ins Obst- und Gemüseschälchen verfrachtet. Aber weil meine Erdbeeren jedesmal über Nacht verdorben waren, wurde ich misstrauisch. Und die nächsten ungewaschenen Erdbeeren haben sich glatt eine Woche gehalten! Sensationell! Es gibt wahrscheinlich so ein konservierendes Superspray für die Präsentation in der Warenauslage, damit alles möglichst lange proper aussieht. Und natürlich bin ich auf die überall herumposaunten Empfehlungen der Obst- und Gemüsebauernlobby hereingefallen, Obst und Gemüse möglichst gründlich zu waschen! Aber das hört sich jetzt auf. Auch hier kann man langfristig sparen, weil man nie mehr Sachen wegschmeißen muss. Kurz vor dem Aufessen kann man dann schon mal waschen, das ist nicht verkehrt. So halte ich es persönlich. Wobei ich überlege, ob die Konservierungsstoffe nicht vielleicht auch mich von innen länger konservieren würden und die kleinen gefräßigen Bakterien abwehren würden. Leider sind mir noch keine Studien bekannt, wo das geprüft und empfohlen wurde. So, fertig mit dem aktuellen Blogeintrag. Ich muss jetzt wieder am nächsten Eintrag für Februar weiterarbeiten und Kaffee trinken!
P.S. Mein Sparktonto wächst wie das Apfelbäumchen! Das preisbewusste Wirtschaften ist mir nun in Fleisch und Blut übergegangen, ich kann gar nicht mehr aufhören! Inzwischen kann ich die günstigsten Lebensmittel-Preise im Schlaf herunterbeten. Zum Beispiel: sechs Bio-Eier bei Norma: 1,39 €, bei Aldi 1,55 €. Demächst trete ich damit bei Wetten Dass auf und werde Wettkönigin!

24. April 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Ich will kurz für Kenner der Materie erklären, warum der furiose DHM-Anbau, die gläserne Spirale von Ieoh Ming Pei in meinen Bildstrecken vom Deutschen Historischen Meusum keine Rolle spielt. Wer es nicht kennt, wer Berlin nicht kennt, weiß freilich nicht, wovon ich rede. Hinter dem alten Zeughaus gibt es eine den Zeughaushof überdachende Glaskonstruktion, die in diesen wunderbaren Ausstellungsanbau mündet, der Skulptur einer gläsernen Spirale. Grandios. Genau genommen zog mich dieses Stück neuer Architektur noch mehr an – visuell – als die historischen Exponate. Zumindest eingangs – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Spirale ist nur der Eingang. In diesem Neubau sind wechselnde Ausstellungen, im alten Zeughaus die ständige Ausstellung über die deutsche Geschichte bis 1994. Nun war es nicht der hellste Nachmittag, an dem ich hinging. Schon während ich die Spirale fokussierte, dachte ich bei mir, ungünstigere Lichtverhältnisse hätte man sich nicht aussuchen können. Bedeckter Nachmittag. Na ja. Ich fotografierte die gläsernen Wände gegen den düsteren Himmel, was auch interessant war, aber nicht eigentlich, was ich wollte. Ich dachte, gut – ich versuche was geht und dann irgendwann eben noch mal bei idealem Licht.

Ein bißchen ging mir der Gedanke aber doch quer, weil ich allenthalben einen unheimlichen Drang nach effizienter und abschließender Vorgehensweise habe. Man könnte auch sagen, ich lote Sachen gerne vollständig aus und hake sie dann ab. Wie man Länder abhakt, die man einfach mal gesehen haben will. Ich bin überhaupt kein Typ, der Sehnsucht nach einem Ferienort hat, den man Jahr für Jahr immer wieder aufsucht. Da bin ich doch eher Schwester im Geiste mit Farin Urlaub, der sich zum Ziel gesetzt hat, alle 194 Länder der Erde in seinem Leben zu bereisen, so viel wie nur möglich zu sehen. Um seinen inneren Horizont zu weiten. Also gut. Um es kurz zu machen: ich hatte Bilder davon, sie waren nicht schlecht, sie waren auch charismatisch und atmosphärisch aber ich habe sie – ja – das passiert alle zwei drei Jahre mal – versehentlich gelöscht. Und ich hatte keine Lust auf diesen Wiederherstellungszirkus auf der Festplatte. Das Spielchen kenne ich schon. Dann dachte ich auch: eigentlich auch o.k. – jetzt habe ich eine viel größere Motivation, mir dieses wunderbare Stück Architektur noch einmal extra vorzunehmen. Und deswegen betreten wir zwar das alte Zeughaus durch diesen Anbau, aber man sieht so gut wie gar nichts davon. Wir konzentrieren uns also hingebungsvoll auf das alte Zeughaus. Man geht durch das neue Gebäude, wo man auch die Eintrittskarte ersteht, über eine Treppenunterführung wieder nach oben in den überdachten Zeughaushof und schreitet über einen langen roten Teppich zum Eingangsportal des alten Zeughauses, wo uns die deutsche Geschichte erwartet. Ich hatte keinerlei Vorstellung, was die Ausstellungsarchitektur angeht, ich war völlig unvorbereitet und es war ein idealer Zeitvertreib für einen Sonntagnachmittag im Februar.

Und wenn ich durch das Portal gegangen sein werde, werden wir uns im Foyer befinden, das ebenfalls eine eigene Strecke verdient. Wegen der Treppe und – für mich nach der Lektüre von Albert Speers Erinnerungen von besonderem Interesse – wegen einer Figur von Arno Breker, einer Replik einer verschwundenen heroischen Skulptur aus der Neuen Reichskanzlei. Ich mag rote Teppiche, stelle ich fest. Es fühlt sich überhaupt gut an und eigentümlich selbstverständlich über den Hof zu gehen. In solchen feudalen Stätten empfinde ich selten ein Gefühl von Ehrfurcht. Ich freue mich über den architektonischen Aufwand, der früher getrieben wurde, die Großzügigkeit, die baulichen Details, die Arbeit der Stukkateure. Man könnte auch sagen, ich laufe nach Gutsherrenart durch solche Objekte. Das amüsiert mich, seit ich denken kann. Dann fällt mir wieder ein, dass ich mir schon als Kind, wenn es einen Ausflug in ein Ludwig-Schloss gab, überlegte, dass als König arbeiten auch vorstellbar wäre, wenn ich dann mal groß wäre. Also König. Nicht Königin. Niemals Prinzessin. Eindeutig König. Aber nicht als ersehnte, verklärte und unerreichbare Wunschvorstellung, sondern handwerklich gedacht, „da wüsste man dann wenigstens, wie das geht, das ist nicht so schwer“. So ein König-Ludwig-König, romantisch und visionär, der verantwortungsbewusst seiner Vorbildfunktion und seinen in Gottes Namen anstehenden Repräsentationsverpflichtungen zum Wohle des Landes und seines hochgeschätzten Volkes mit Anstand, Würde und modernem Gedankengut Folge leistet. Weiß der Henker, woher das kommt. Deswegen neulich auch die Idee mit meinem Vorschlag ich als Bundespräsident. Präsidentin muss es wohl heißen. Ist ja auch wurscht! Ich wäre eine gute Repräsentantin für dieses Land. Das glaube ich wirklich. Mal schauen, auf was für Ideen ich noch komme und wo es mich hinverschlägt! Man darf gespannt sein. Oder wie der gute Farin sagt, „Das Schönste am Reisen ist, das man nicht weiß, was als Nächstes passiert.“

22. April 2012



Sonntagnachmittags-Spaziergang zum Zeughaus. Zeughaus Zeughaus, das hat man ja schon zig mal gehört. Gibt es überall, so Zeughäuser. Da wo man als Großgrundbesitzer, also zum Beispiel von Berlin, glaubte sein Fleckchen Erde mit mehr als der Mistgabel verteidigen zu müssen, oder auch um gelegentlich gut gerüstet, ein bißchen mit der Weltherrschaft zu spielen. Und im Zeughaus war eben das Zeug dafür drin. Die Kanonen und Gewehre und die toll glänzenden Rüstungen. Ein anderes Wort für Waffenarsenal. Nicht dass ich mich jetzt brennend für Waffen oder die Weltherrschaft interessieren würde. Wobei ich denke, letzteres müsste bei geschickter Vorgehensweise an und für sich auch einigermaßen friedlich zu erreichen sein (ich sehe das ganz modern). Es war also wieder an der Zeit für einen zackig strammen Verdauungs-Spaziergang, warum also nicht zum Berliner Zeughaus! Es steht direkt an der Spree in Mitte, Unter den Linden.

Mehr oder weniger gegenüber vom Berliner Dom. Und ich verwette meine Schußwaffe, die wenigsten internet-affinen Berlin-Touristen waren drin! Aber ich. Aber dazu später. Heute ist da ja das „Deutsche Historische Museum„ daheim. Auch so ein Museum wo man ewig denkt, ja, müsste man sich eigentlich auch mal anschauen. Der Gedanke wird ungefähr alle zwei drei Jahre, zumeist folgenlos, aufgefrischt. Aber in diesem glorreichen Jubeljahr vom Alten Fritz mache ich diese ganzen Sachen. Bewaffnet und allzeit schussbereit! Wir beginnen mit einer kleinen Aufwärm-Schießübung, indem wir in Zweiergruppen mit der geladenen Schusswaffe im Anschlag im Stechschritt um das Gebäude paradieren und auf meinen Befehl hin auf die in den Schießscharten positionierten Objekte zielen und scharf feuern!

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

19. April 2012


Große Hamburger Straße. So oft laufe ich da gar nicht lang, obgleich so nah. Man hat ja so seine festen Anlaufpunkte, die Wege von da nach da, wenn man nicht spazieren geht und das ist meistens der andere Bogen, unterhalb vom Gipsdreieck, Richtung Rosenthaler und Sophienstraße. Ist eigentlich nur sinnvoll, das für jemanden zu erwähnen, der eine grobe Vorstellung von dieser Ecke von Berlin Mitte hat, vom sogenannten Scheunenviertel. Die meisten Berlin-Besucher, man kann eigentlich seit gut zehn Jahren sagen: Alle kennen den Hackeschen Markt und die Oranienburger Straße. Da kommt man auch schon mal beim Flanieren in die Große Hamburger Straße. Ich laufe auch sehr gerne da in der Nachbarschaft herum, besonders wenn ich nicht in Eile bin, oder wenn ich Richtung Museumsinsel will, oft nur, um einen anderen Weg als den gewohnten zu nehmen. Um die innere Landkarte aufzufrischen. Und um mich zu erinnern, was für atmosphärische Ecken da zu Füßen meiner Bleibe liegen. Wenn man einen Sinn für Patina und bauliche Details hat, kann man preisgünstig sehr schöne Augenblicke haben. Solche wie die, für die man eine Städtereise nach Paris macht oder Wien oder eben nach Berlin.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Und wenn ich dann begreife, immer wieder aufs Neue, dass es mich nur die Entscheidung kostet, einen kleinen Schlenker auf meinen alltäglichen Wegen zu machen, bin ich sehr dankbar. Man sollte die Wirkung von der Grundstimmung eines Stadtteils auf die eigene Verfassung niemals unterschätzen. Es gibt ja inzwischen sogar Studien, dass Glück ansteckend wirken soll. Wenn man in einem Haus oder in einer Straße mit einer Überzahl an zufriedenen, heiteren oder wagemutigen Menschen lebt, soll das unbekannterweise ansteckend sein. Auch wenn man nie persönlichen Kontakt pflegt. Das scheint irgendwie die Atmosphäre aufzuladen und sich in Wellen fortzusetzen. Wahrscheinlich wie jegliche mentale Verfassung, deren Färbung gehäuft einen Dominoeffekt bewirkt. Wenn man zum Beispiel einfach nur die Brunnenstraße Richtung Wedding, ganz im Norden, Ecke Voltastraße langgeht, spürt man eine ganz andere Atmosphäre als im südlichen Teil der Brunnenstraße. Ja klar, andere Bevölkerungsstruktur schafft eine anders gefärbte Infrastruktur, auch atmosphärisch. Man taucht ein, verbindet sich, atmet ein, atmet aus, verströmt sich, nimmt auf. Ich wüsste gerade nicht, wo es für mich besser als hier wäre. Ich suche ja auch gar nicht. Man muss auch einmal anerkennen, wenn man in einem Lebensbereich Ruhe gefunden hat, gerade so ein unruhiger Geist wie ich. Ich könnte haarklein erklären, warum welcher Berliner Bezirk nicht der richtige für mich wäre, aber das wäre ganz schön viel Arbeit. Wenn auch vielleicht interessant. Warum zum Beispiel Friedrichshain für mich nicht ein Herzenswunschbezirk wäre, bräuchte ich holterdipolter eine neue Bleibe. Auch nicht Kreuzberg. Auch nicht das südliche Wilmersdorf. Im Westen mochte ich Schöneberg, da habe ich auch viele Jahre gelebt. Und die Ecke von Charlottenburg um den Savignyplatz. Und natürlich die Kudamm-Querstraßen.
Besonders die Fasanenstraße, und ganz besonders Richtung Literaturcafé. Lustigerweise hat Asta Nielsen ihre langjährigste Berliner Wohnung in der Fasanenstraße 69 gehabt. Heute ist da eine Pension, die Pension Funk. Dass ich aber vor dreizehn Jahren hier in Mitte und nicht in der alten West-City heimischer als je zuvor irgendwo sonst geworden bin, hat sich ergeben, weil mir das südliche Wilmersdorf, wo ich vorher lebte, zu ruhig war, zu verstaubt, zu reglos. Es war ruhig, aber ich war unruhig. Heute ist es umgedreht. Ich wohne in einem angenehm unruhigen Bezirk und das macht micht zutiefst ruhig. Das war die Verheißung. Die Elektrizität und die Aufbruchstimmung zog mich an. Ich lernte bald, dass manche Straßen nicht nur Wege sind, um die Einkäufe zu transportieren, sondern kleine Bühnen, für elektrisches Leben. Ja durchaus „Sehen und Gesehen werden“. Ich wollte das gerne haben. Sehr gerne. Wir wollen alle gesehen werden. Das Beste in uns soll wahrgenommen werden. Jeder wünscht sich das. In der Nähe vom Südwestkorso, fast schon Steglitz, hatte ich eine Zweizimmerwohnung, die alle Wunschvorstellungen von ruheliebenden Rentnerinnen erfüllt hat. Deswegen lebten auch so viele so gerne und lange dort. Die vielzitierten Wilmersdorfer Witwen. Ich hatte Ende der Neunziger dort das Gefühl, ich könnte ebensogut in irgendeiner mausetoten Kleinstadt sein, dort am Ludwig-Barnay-Platz. Lange her. Zum Glück. So lange wie jetzt hier habe ich in noch keiner meiner Berliner Wohnungen gelebt.
Zuerst hatte ich Mitte der Achtziger ein Intermezzo in einer unausgebauten Fabriketage in der Prinzessinnenstraße 1 – 2 in Kreuzberg. Sechs oder acht Wochen, dann flog ich raus, mit dem Schauspieler, der die Miete, die ich ihm dafür gab, nicht an Becker und Kries (eine sehr bekannte Berliner Hausverwaltung) weitergegeben hatte. Dann wieder übergangsweise ein paar Wochen zurück zu meiner ersten Adresse in Berlin, in die Argentinische Allee in Zehlendorf, zu einer Freundin, einer Kunststudentin, bei der ich auf dem Teppich im Wohnzimmer übernachtete. Zum Glück fand ich in Schöneberg eine Wohnung, in der Leberstraße 54, schräg gegenüber von Marlene Dietrichs Geburtshaus, in dem sie auch ihre Kindheit verbrachte. Zu ihrer Zeit hieß die Straße Sedanstraße. Ich glaube, es gibt dort inzwischen auch eine Gedenktafel. Als ich dort lebte aber noch nicht, da war sie ja auch noch nicht tot. Gedenktafeln werden ja leider meistens erst angeschraubt, wenn der ehrenwerte Mensch es nicht mehr selber sehen kann. Ja und dann eben in jene sehr ruhige Wohnung in Wilmersdorf, die eine Verbesserung war, weil ich mir inniglich einen Platz an der Sonne wünschte, einen Balkon mit tagsüber Sonne, nicht nur am Morgen. Der Balkon war dann so Richtung Südost. In der Wohnung war es schon auch ganz schön. Das Schlafzimmer war riesig, genauso groß wie das Wohnzimmer.
Eine sehr geräumige Küche. Ein Bad mit Fenster und Badewanne. Und Zentralheizung. Endlich keine Ofenheizung mehr! Ich habe drei Kreuze gemacht. Und dann, nach sieben Jahren meine kleine Rebellion, weil ich plötzlich so viele neue, interessante und auch jüngere Menschen um mich hatte, die ihren Lebensmittelpunkt in Mitte hatten, wo sie lebten und selbstbestimmt arbeiteten. Diese Energie zog mich magnetisch an. Aber so schön wie die Straßen heute hier sind, waren sie damals nicht. Ich freue mich über jede gelungene Sanierung der alten Häuser. Das wird hier außerordentlich behutsam gemacht. Sehr feinfühlig. Das einzige, was ich nicht auf Dauer hier beibehalten würde, sind bestimmte Straßenzüge in der Linien- und in der Joachimstraße mit den wirklich nicht sehr gelungenen Lückenbüßern aus der versunkenen Deutschen Demokratischen Republik. Es gibt auch unendlich viele mißratene West-Plattenbauten, dass wir uns nicht falsch verstehen. Vielleicht gibt es ja auch irgendwo attraktivere Varianten von Plattenbau, als hier in der Joachim- und in der Linienstraße, wie auch immer. Die hier können ruhig mal langsam platt gemacht werden. Die Mauern haben eine substanziell unzuträgliche Ausstrahlung. Das liegt auch an den Baustoffen, nicht nur an der Optik. Irgendeine sehr junge Galerie hat sich vor vier Jahren mal für ein paar Wochen in der Torstraße in einer Plattenbauwohnung eingemietet. Ich war dort bei der Eröffnung. Es war wie im Bunker. Ich wollte nur noch so schnell wie möglich raus. Nicht weil die Leute unangenehm gewesen wären oder das Zeug an den Wänden so schlecht. Ich hatte so ein Gefühl von Atemnot, als ob geballte Schadstoffe aus dem abgeschmirgelten Plattenmauerwerk dringen, direkt in meine Atemwege. Das war ein einschneidendes Erlebnis.

Ich höre mal auf mit meiner Gute-Nacht-Geschichte. Für heute ist alles erzählt. Um etwas Gutes zum Schluss zu schreiben: hier in Mitte ist nichts schlechter geworden. Hier sind noch genug Künstler und Lebenskünstler unterwegs, jede Ecke ist davon durchdrungen. Man muß sich keine Sorgen um die Hamburger Straße und den ganzen schönen Bezirk machen. Ich passe auf.

16. April 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Och passt doch prima. Hätte man auch heute ohne weiteres anziehen können. 19. Februar oder 16. April – ist doch völlig schnurz. Noch gibt es keine Frühlingshitzewallungen. Obwohl der späte Nachmittag am Hackeschen Markt auf einmal blendendes Sonnenlicht präsentiert hat, das war schon ganz arg frühlingshaft. Und die Bäume rauschten in ihrem jungen neuen Blättergrün. Kann man eigentlich Suppe aus jungen Baumblättern machen? Ich meine, schmeckt die? Müsste man mal recherchieren. Ich bin in Sachen nach Rezept kochen eher uninteressiert. Der Appetit regiert, was gebrutzelt wird. Zum Glück reicht meine Erfahrung und Vorstellungskraft meistens aus um nichts zu verhunzen. Jetzt noch Nachtisch zusammenrühren und dann ab in die Falle. Im Moment kriege ich ganz gut und regelmäßig 23 Uhr hin. Das macht sich bezahlt. Ich kann nicht aufhören, das zu predigen. Vorhin, auf der Treppe zur S-Bahn noch einmal rekapituliert, was meine Säulen für garantiertes Wohlbefinden sind. 1. Mindestens sieben Komma fünf Stunden Nachtschlaf. 2. Nicht saufen. Also Alkohol nur in ärztlich verordneter Dosierung. 3. Bequemes Schuhwerk, das nicht drückt und das Laufen zur Freude macht. Ich ziehe im Moment am liebsten meine schwarzen Easy Tones an. Ich dachte zuerst, das wäre wieder Bauernfängerei für die vielen problemzonengeplagten, verzweifelten Frauen dieser Welt. Bis ich ein Paar im Schlußverkauf erstanden habe. Nur fünfzig Euro bei Karstadt Sport! Als alter Sparfuchs habe ich da natürlich zugeschlagen und es nicht bereut. Man hat das Gefühl, die Füße haben ein bißchen was getrunken. Wie so leicht beschwipst. Ein schönes Gefühl. Wie auf Wolke Sieben. Oder Cloud Nine, für die nicht vorhandenen Engländer unter den Lesern! Na gut, die Dinger sehen jetzt nicht so fick-mich-mäßig aus, aber dafür fühlen sich die Füße und der Rest ziemlich erotisiert. Und letzten Endes wäre man doch beleidigt, wenn die Menschen faszinierter auf den Schuh als in die Augen der Schuhträgerin blicken würden. Ich sehe da kein Problem! Oh, ich muss mich sputen! Mein Sahnekefir-Betthupferl wartet immer noch!

16. April 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Och passt doch prima. Hätte man auch heute ohne weiteres anziehen können. 19. Februar oder 16. April – ist doch völlig schnurz. Noch gibt es keine Frühlingshitzewallungen. Obwohl der späte Nachmittag am Hackeschen Markt auf einmal blendendes Sonnenlicht präsentiert hat, das war schon ganz arg frühlingshaft. Und die Bäume rauschten in ihrem jungen neuen Blättergrün. Kann man eigentlich Suppe aus jungen Baumblättern machen? Ich meine, schmeckt die? Müsste man mal recherchieren. Ich bin in Sachen nach Rezept kochen eher uninteressiert. Der Appetit regiert, was gebrutzelt wird. Zum Glück reicht meine Erfahrung und Vorstellungskraft meistens aus um nichts zu verhunzen. Jetzt noch Nachtisch zusammenrühren und dann ab in die Falle. Im Moment kriege ich ganz gut und regelmäßig 23 Uhr hin. Das macht sich bezahlt. Ich kann nicht aufhören, das zu predigen. Vorhin, auf der Treppe zur S-Bahn noch einmal rekapituliert, was meine Säulen für garantiertes Wohlbefinden sind. 1. Mindestens sieben Komma fünf Stunden Nachtschlaf. 2. Nicht saufen. Also Alkohol nur in ärztlich verordneter Dosierung. 3. Bequemes Schuhwerk, das nicht drückt und das Laufen zur Freude macht. Ich ziehe im Moment am liebsten meine schwarzen Easy Tones an. Ich dachte zuerst, das wäre wieder Bauernfängerei für die vielen problemzonengeplagten, verzweifelten Frauen dieser Welt. Bis ich ein Paar im Schlußverkauf erstanden habe. Nur fünfzig Euro bei Karstadt Sport! Als alter Sparfuchs habe ich da natürlich zugeschlagen und es nicht bereut. Man hat das Gefühl, die Füße haben ein bißchen was getrunken. Wie so leicht beschwipst. Ein schönes Gefühl. Wie auf Wolke Sieben. Oder Cloud Nine, für die nicht vorhandenen Engländer unter den Lesern! Na gut, die Dinger sehen jetzt nicht so fick-mich-mäßig aus, aber dafür fühlen sich die Füße und der Rest ziemlich erotisiert. Und letzten Endes wäre man doch beleidigt, wenn die Menschen faszinierter auf den Schuh als in die Augen der Schuhträgerin blicken würden. Ich sehe da kein Problem! Oh, ich muss mich sputen! Mein Sahnekefir-Betthupferl wartet immer noch!

15. April 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Der Tag da oben im Februar war nicht so mein Tag, aber knallharte Disziplin hat mich die Sache mit dem Foto auch an diesem ingesamt eher trüben Tag durchziehen lassen. Ich glaube, ich bin den Abend vorher zu spät ins Bett, das hat sich gerächt! Ein bißchen lahm zum Drogeriemarkt getapert, durch die Sophie-Gips-Höfe, vorbei an Barcomi’s, nur vorbei, nicht hinein. Das würde ja gar nicht in mein Sparprogramm passen. Ja, ich war natürlich schon mal drin. Wenn man mal Besuch aus Westdeutschland hat, sucht man natürlich auch die örtliche Gastronomie auf, keine Frage! Man gibt sich souverän und tut, als ob man da dreimal die Woche Kaffee trinkt. Für mich sind die Sophie-Gips-Höfe einfach eine praktische Abkürzung auf dem Weg zum Hackeschen Markt und zur S-Bahn, insofern ist es keine spitzenmäßige Sensation, mich da wenigstens ein-, zweimal am Tag durchtapsen zu sehen.

Touristen werden auch gerne durchgeschleust, weil die bunten Lichtinstallationen immer Freude bereiten. Nur in dem gelben Licht in der einen Ecke sieht man schlimm krank aus. Da hab ich auch Bilder gemacht, aber gleich wieder gelöscht. Als ob ich Magenprobleme hätte, was nicht der Fall ist! So gelblichgrün im Gesicht, ganz schlimm. Am Schmeichelhaftesten ist das pinke Licht. Das finde ich super. Mal schauen, wie lange ich brauche, bis ich die Zeit einhole und mit den ganzen Daily-Bildchen in der Gegenwart ankomme. Vielleicht schaffe ich es auch nie. Aber so bin ich immer beschäftigt! Es wird nie langweilig. Wenn ich so durchgucke, fehlt nur am 18. Februar und am 25. Februar der tägliche Schuss, sonst lückenlos durchgezogen. Man muss natürlich aufpassen, dass man nicht abhängig wird. Interessant ist, dass man mit der Zeit Routine darin entwickelt, sich für wenigstens ein Bild gut drauf zu bringen. Ich denke es ist eine gute Sache, den Tag mit einem freundlichen Bild von sich selber zu beginnen. Das hält dann erfahrungsgemäß sogar noch ein bißchen vor, eine Stunde bestimmt! Manchmal sogar bis zum Mittagessen! Ich habe es jetzt volle zwei Monate lang ausprobiert. Das einzige was mitunter ein bißchen stressig dabei wird, ist das Gefühl, keinen einzigen Tag im Kalender auslassen zu dürfen. Aber das liegt an meiner manischen Veranlagung. Ich muss da noch lockerer werden! Meine preußische Disziplin treibt mich in den Wahnsinn!

14. April 2012

Hiergeblieben! Wir haben zwar nun ausgiebig den Berliner Dom besichtigt aber nun wollen wir uns zum Abschluss doch auch noch gerne ein Bild von der näheren Umgebung von unserem guten alten Dom machen. Ich dachte an einen kleinen Spaziergang durch den Lustgarten Richtung Zeughaus, am Alten Museum vorbei, bis zur Schloßbrücke zu den putzigen Spreemöwen und dann heimwärts zurück über die gute alte Friedrichsbrücke. Auf geht’s, nicht schlappmachen, bald wird es dunkel! Dann geht es auch nach Hause, versprochen! Der Lerneffekt ist dann einfach noch größer.

Und Sie können dann auch mit Ihrem neu erworbenen Insider-Herrschaftswissen viel besser mitreden, um nicht zu sagen: auftrumpfen, wenn Sie demnächst zur Republica nach Berlin reisen und sich mit den ganzen feschen jungen Leuten aus dem Internet treffen. Der trendbewusste Berlintourist von heute kommt in drei bis fünf Tagen ja oft gar nicht dazu, sich die ganzen schönen alten Sachen anzuschauen. Da müssen stundenlang Speisen und Getränke in Lokalen im Prenzlauer Berg eingenommen werden und sich sonstwo mit alten Bekannten von früher aus der Heimat verabredet usw. usf. Da bleibt die Besichtigung der historischen Stätten schon einmal auf der Strecke. Aber dafür bin ich ja zum Glück da. Sie können es sich aussuchen, wann Sie sich zur Führung bei mir anmelden. Sogar mitten in der Nacht, können Sie in meiner kundigen Begleitung mit mir durch den Lustgarten laufen. Wenn das kein Service ist, bin ich mit meinem Latein am Ende!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

08. April 2012

Nun ist die große Stunde gekommen! Wir begeben uns gemeinsam in die Hohenzollerngruft. Sicher erhoffen auch Sie sich davon einen unvergesslichen und irgendwie aufwühlenden Höhepunkt unseres gemeinsamen Ausfluges zum Berliner Dom. Auch ich habe mir die Erfüllung dieses lange gehegten Herzenswunsches seit vielen Jahren in den prachtvollsten, wenn auch eher dunkel gehaltenen Anthrazit-Schattierungen ausgemalt. Genau genommen war meine Vorstellung, dass man sich nach Erwerb der Zugangsberechtigung vielleicht Schlag Zwölf Mitternacht zur vollen Stunde mit einem Ortskundigen am Grufteingang trifft, wo jeweils maximal sieben bis neun andere Gruftbesucher um Einlass bitten. Der düster dreinschauende, vielleicht etwas bucklige Leiter der Gruftführung (unbestimmbaren Alters) würde eine zuckende Holzfackel in der knorrigen, gichtgekrümmten Hand halten und durch eine unheilvoll quietschende, wurmstichige Holztür würde man tollkühn und todesmutig gemeinsam die feuchten, stechend muffig übelriechenden, vermoosten Steinstufen hinabschreiten. Eine enge, schlecht ausgeleuchtete Wendeltreppe hinab, in ein ungewisses, modriges Dunkelgewölbe. Der irgendwie mittelalterlich wirkende Führer hätte an die Gruppe – ganz modern – vor dem Abstieg ins Grauen noch antiseptischen Mundschutz verteilt. Man weiß ja, Schimmelpilz und das gefährliche Leichengift. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste! Mit einem knarzigen Hänsel-und-Gretel-Quietschen, untermalt vom verschwörerisch meckernden Lachen des irren Alten würde die schwere Tür unversehens ins Eisenschloss fallen und das einzige Tageslicht auf unbestimmte Zeit, für ein, zwei Stunden, die einem wie eine Ewigkeit vorkommen würden, aussperren. Das jüngste Gericht wäre der reinste Osterspaziergang dagegen. Für das, was einen unten in den gruseligen Gewölben erwarten würde, bräuchte man auch beim anschließenden Bloggen richtig, richtig starke Nerven oder wenigstens Riechsalz. Die modrigen, durch Schleier von Spinnweb erahnbaren Katafalke des Hauses Hohenzollern würden wie durch geisternde Irrlichter hie und da von der zuckenden Fackel von jenem zahnlosen, missgestalteten Greise erhellt (der sich nebenher auch noch für ein Zubrot als Glöckner verdingen würde).
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Stockfleckiges, mottenlöchriges Sargfutter mit fadenscheinigen Prunkstickereien für die einstmals gekrönten, verrottenden toten Leiber würden für Sekunden durch die schiefen, leicht angehobenen Sargdeckel schimmern. Durch die Ritzen erkennt man hier eine graue, klumpig verfilzte Haarsträhne, dort eine gefaltete Knochenhand mit einem wurmstichigen Prunkkreuz auf verblichenem Leichengewande. Ich denke, Sie wissen so grob ungefähr, was ich meine. In diesem dramaturgischen Sinne ist es vielleicht sogar ganz zuträglich, dass die Aufnahmen die unschärfsten und schemenhaftesten der ganzen schönen Domreihe sind. Ein bißchen schummrig war es nun ja doch. Ansonsten alles picobello. Auf dem hochglänzend polierten Steinboden hätte man ohne Weiteres Picknick machen können. Mundschutz wurde nicht benötigt. Ich habe allerdings den Verdacht, dass dort ein modernes Mittel zum Einsatz kommt, das den muffigen Leichengeruch, der ja zwangsläufig doch durch die morschen Särge dringen muss, neutralisiert! Was ich allerdings unbedingt lobend erwähnen möchte, sind die ausgestellten Sargmodelle. Da ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei.

Aparte Applikationen, festliche Holzornamente und Beschläge sowie schöne Intarsienarbeiten. Was mich persönlich ganz stark anspricht, sind diese dunkelroten Samtkissen auf der Kopfseite mit schöner goldener Krone obenauf. Das hat Stil, das zeugt von Geschmack und angemessener Ehrerbietung. Das könnte ich mir von der Sache her auch für mich vorstellen. Auf jeden Fall haben mir viele Särge entschieden mehr zugesagt, als diese ganz modernen Sargmodelle wie zum Beispiel der neulich von Whitney Houston oder Michael Jackson. Ich glaube, die hatten sogar den gleichen Katafalk. Das Modell hat mir eher ausgesehen wie eine längliche, kugelsichere Geldschatulle mit Futter. Zu glatt poliert und das Goldfarbene auch insgesamt zu aufdringlich. Meinem Geschmack entspricht da eher eine einfache viereckige Kiste, meinethalben leicht gepolstert, ohne Schmuckleisten und Schnörkel-Scharniere, aber dafür aus einem edlen, vielleicht rötlichen Gehölz, schön matt gewachst, mit sehr zurückhaltender Maserung und bitte ganz ohne Astlöcher. Das Ganze soll immer noch elegant aussehen und nicht nach Marke Eigenbau vom Obi-Baumarkt oder Siebziger-Jahre-Wohngemeinschaft. Was mir auch noch ausgezeichnet gefallen hat, ist die geheimnisvolle Gruftnische für die namenlose Prinzessin. Sehr mysteriös, ganz nach meinem Geschmack! An Kindersärgen mangelt es ja nicht da unten, aber diese Nische, ja man könnte sagen, dieses Ein-Zimmer-Gruft-Apartment, ist ganz besonders. Durch die Gitterstäbe eines hermetisch verschlossenen, schmiedeeisernen Schnörkeltors wird einem gnädig gestattet, aus ziemlicher Entfernung einen Blick auf einen kleinen weißen Sarg mit einem vertrockneten Blumenstrauß zu erhaschen. Nicht einmal Königin Sophie-Charlotte hat eine so exorbitant exklusive letzte Ruhestätte da unten. Dabei hat das kleine Würmchen, für den der Geburtsvorgang scheinbar zu starker Tobak war, noch nicht einmal einen Namen. Da muss schon arg viel Hinwendung im Spiel gewesen sein, dass die kleine Baby-Prinzessin so einen Platz in der Ewigkeit der alten Hohenzollerngruft bekommen hat. Soweit zur Gruft, wieder was vom Tisch! Zuguterletzt erwartet einen dann um die Ecke des Kellergewölbes der Dom-Shop, mit schicken besinnlichen Souvenirs und daneben so einem Mini-Einstein-Café.

Da ich damals bereits auf dem Hardcore-Spartrip war, war eine teure Tasse Kaffee natürlich nicht drin, wo ich mir schließlich um die Ecke daheim bedeutend preisgünstiger selber ausgezeichneten Bohnenkaffee zubereiten kann! Ich denke, heute am Ostersonntag ist es vielleicht besonders schicklich, wenn ich die Gruft-Bilder hochlade, da ich ja sogar den österlichen Sinnspruch dort unten gefunden habe „ER ist nicht HIER – ER ist auferstanden“. Na bitte.

08. April 2012

Nun ist die große Stunde gekommen! Wir begeben uns gemeinsam in die Hohenzollerngruft. Sicher erhoffen auch Sie sich davon einen unvergesslichen und irgendwie aufwühlenden Höhepunkt unseres gemeinsamen Ausfluges zum Berliner Dom. Auch ich habe mir die Erfüllung dieses lange gehegten Herzenswunsches seit vielen Jahren in den prachtvollsten, wenn auch eher dunkel gehaltenen Anthrazit-Schattierungen ausgemalt. Genau genommen war meine Vorstellung, dass man sich nach Erwerb der Zugangsberechtigung vielleicht Schlag Zwölf Mitternacht zur vollen Stunde mit einem Ortskundigen am Grufteingang trifft, wo jeweils maximal sieben bis neun andere Gruftbesucher um Einlass bitten. Der düster dreinschauende, vielleicht etwas bucklige Leiter der Gruftführung (unbestimmbaren Alters) würde eine zuckende Holzfackel in der knorrigen, gichtgekrümmten Hand halten und durch eine unheilvoll quietschende, wurmstichige Holztür würde man tollkühn und todesmutig gemeinsam die feuchten, stechend muffig übelriechenden, vermoosten Steinstufen hinabschreiten. Eine enge, schlecht ausgeleuchtete Wendeltreppe hinab, in ein ungewisses, modriges Dunkelgewölbe. Der irgendwie mittelalterlich wirkende Führer hätte an die Gruppe – ganz modern – vor dem Abstieg ins Grauen noch antiseptischen Mundschutz verteilt. Man weiß ja, Schimmelpilz und das gefährliche Leichengift. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste! Mit einem knarzigen Hänsel-und-Gretel-Quietschen, untermalt vom verschwörerisch meckernden Lachen des irren Alten würde die schwere Tür unversehens ins Eisenschloss fallen und das einzige Tageslicht auf unbestimmte Zeit, für ein, zwei Stunden, die einem wie eine Ewigkeit vorkommen würden, aussperren. Das jüngste Gericht wäre der reinste Osterspaziergang dagegen. Für das, was einen unten in den gruseligen Gewölben erwarten würde, bräuchte man auch beim anschließenden Bloggen richtig, richtig starke Nerven oder wenigstens Riechsalz. Die modrigen, durch Schleier von Spinnweb erahnbaren Katafalke des Hauses Hohenzollern würden wie durch geisternde Irrlichter hie und da von der zuckenden Fackel von jenem zahnlosen, missgestalteten Greise erhellt (der sich nebenher auch noch für ein Zubrot als Glöckner verdingen würde).
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Stockfleckiges, mottenlöchriges Sargfutter mit fadenscheinigen Prunkstickereien für die einstmals gekrönten, verrottenden toten Leiber würden für Sekunden durch die schiefen, leicht angehobenen Sargdeckel schimmern. Durch die Ritzen erkennt man hier eine graue, klumpig verfilzte Haarsträhne, dort eine gefaltete Knochenhand mit einem wurmstichigen Prunkkreuz auf verblichenem Leichengewande. Ich denke, Sie wissen so grob ungefähr, was ich meine. In diesem dramaturgischen Sinne ist es vielleicht sogar ganz zuträglich, dass die Aufnahmen die unschärfsten und schemenhaftesten der ganzen schönen Domreihe sind. Ein bißchen schummrig war es nun ja doch. Ansonsten alles picobello. Auf dem hochglänzend polierten Steinboden hätte man ohne Weiteres Picknick machen können. Mundschutz wurde nicht benötigt. Ich habe allerdings den Verdacht, dass dort ein modernes Mittel zum Einsatz kommt, das den muffigen Leichengeruch, der ja zwangsläufig doch durch die morschen Särge dringen muss, neutralisiert! Was ich allerdings unbedingt lobend erwähnen möchte, sind die ausgestellten Sargmodelle. Da ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei.

Aparte Applikationen, festliche Holzornamente und Beschläge sowie schöne Intarsienarbeiten. Was mich persönlich ganz stark anspricht, sind diese dunkelroten Samtkissen auf der Kopfseite mit schöner goldener Krone obenauf. Das hat Stil, das zeugt von Geschmack und angemessener Ehrerbietung. Das könnte ich mir von der Sache her auch für mich vorstellen. Auf jeden Fall haben mir viele Särge entschieden mehr zugesagt, als diese ganz modernen Sargmodelle wie zum Beispiel der neulich von Whitney Houston oder Michael Jackson. Ich glaube, die hatten sogar den gleichen Katafalk. Das Modell hat mir eher ausgesehen wie eine längliche, kugelsichere Geldschatulle mit Futter. Zu glatt poliert und das Goldfarbene auch insgesamt zu aufdringlich. Meinem Geschmack entspricht da eher eine einfache viereckige Kiste, meinethalben leicht gepolstert, ohne Schmuckleisten und Schnörkel-Scharniere, aber dafür aus einem edlen, vielleicht rötlichen Gehölz, schön matt gewachst, mit sehr zurückhaltender Maserung und bitte ganz ohne Astlöcher. Das Ganze soll immer noch elegant aussehen und nicht nach Marke Eigenbau vom Obi-Baumarkt oder Siebziger-Jahre-Wohngemeinschaft. Was mir auch noch ausgezeichnet gefallen hat, ist die geheimnisvolle Gruftnische für die namenlose Prinzessin. Sehr mysteriös, ganz nach meinem Geschmack! An Kindersärgen mangelt es ja nicht da unten, aber diese Nische, ja man könnte sagen, dieses Ein-Zimmer-Gruft-Apartment, ist ganz besonders. Durch die Gitterstäbe eines hermetisch verschlossenen, schmiedeeisernen Schnörkeltors wird einem gnädig gestattet, aus ziemlicher Entfernung einen Blick auf einen kleinen weißen Sarg mit einem vertrockneten Blumenstrauß zu erhaschen. Nicht einmal Königin Sophie-Charlotte hat eine so exorbitant exklusive letzte Ruhestätte da unten. Dabei hat das kleine Würmchen, für den der Geburtsvorgang scheinbar zu starker Tobak war, noch nicht einmal einen Namen. Da muss schon arg viel Hinwendung im Spiel gewesen sein, dass die kleine Baby-Prinzessin so einen Platz in der Ewigkeit der alten Hohenzollerngruft bekommen hat. Soweit zur Gruft, wieder was vom Tisch! Zuguterletzt erwartet einen dann um die Ecke des Kellergewölbes der Dom-Shop, mit schicken besinnlichen Souvenirs und daneben so einem Mini-Einstein-Café.

Da ich damals bereits auf dem Hardcore-Spartrip war, war eine teure Tasse Kaffee natürlich nicht drin, wo ich mir schließlich um die Ecke daheim bedeutend preisgünstiger selber ausgezeichneten Bohnenkaffee zubereiten kann! Ich denke, heute am Ostersonntag ist es vielleicht besonders schicklich, wenn ich die Gruft-Bilder hochlade, da ich ja sogar den österlichen Sinnspruch dort unten gefunden habe „ER ist nicht HIER – ER ist auferstanden“. Na bitte.

07. April 2012


Es ist immer gut, die Dinge aus einer höheren Perspektive zu betrachten. Ich glaube, dass es etwas Gutes mit einem macht, wenn man aus Fenstern schaut, die dem Himmel recht nah sind. Ich muss gerade an den Spruch von einem Immobilienmakler denken, der regelmäßig in der Dokusoap „mieten, kaufen, wohnen“ auf Vox auftritt. Ein schmalzlockiger, koboldhafter Halbitaliener, dem man trotz seiner Übertreibungen, unterfüttert mit Anzüglichkeiten in saarländischer Mundart nicht so richtig böse sein kann. Gilt es den besonders kostspieligen Preis eines Objektes zu verteidigen, hält sein Lieblingssprüchlein Einzug: „Drei Dinge sind bei einer Immobilie wichtig: Lage, Lage, Lage!“ Die Lage vom Berliner Dom ist ohne Frage gut gewählt. Man kommt aus dem Staunen nicht so schnell heraus, wenn man aus den vielen Fenstern vom Kuppelumgang guckt. Man fühlt sich wie in den Prospekt einer europäischen Städtereise gebeamt. Seltene Perspektiven, wenn auch nicht so ganz fremd, was man da erblickt. Wunderbar neuartig, so auf die Stadt zu sehen. Ich dachte zunächst, man sähe vielleicht etwas Ähnliches wie vom äußeren Kuppelrundgang draußen, den ich da ja noch gar nicht beurteilen konnte. Aber es ist ganz anders. Jetzt weiß ich das, weil ich zwei Wochen später auch draußen auf der Kuppel war, die Außenbalustrade war Mitte Februar noch im Winterschlaf. Ich habe eine große Liebe zu Dächerlandschaften. Dachschindeln. Grünspan. Und dem sich frech ins Bild schiebenden Fernsehturm zwischen den alten großen Steinfiguren. Aber schauen Sie selbst.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

07. April 2012


Es ist immer gut, die Dinge aus einer höheren Perspektive zu betrachten. Ich glaube, dass es etwas Gutes mit einem macht, wenn man aus Fenstern schaut, die dem Himmel recht nah sind. Ich muss gerade an den Spruch von einem Immobilienmakler denken, der regelmäßig in der Dokusoap „mieten, kaufen, wohnen“ auf Vox auftritt. Ein schmalzlockiger, koboldhafter Halbitaliener, dem man trotz seiner Übertreibungen, unterfüttert mit Anzüglichkeiten in saarländischer Mundart nicht so richtig böse sein kann. Gilt es den besonders kostspieligen Preis eines Objektes zu verteidigen, hält sein Lieblingssprüchlein Einzug: „Drei Dinge sind bei einer Immobilie wichtig: Lage, Lage, Lage!“ Die Lage vom Berliner Dom ist ohne Frage gut gewählt. Man kommt aus dem Staunen nicht so schnell heraus, wenn man aus den vielen Fenstern vom Kuppelumgang guckt. Man fühlt sich wie in den Prospekt einer europäischen Städtereise gebeamt. Seltene Perspektiven, wenn auch nicht so ganz fremd, was man da erblickt. Wunderbar neuartig, so auf die Stadt zu sehen. Ich dachte zunächst, man sähe vielleicht etwas Ähnliches wie vom äußeren Kuppelrundgang draußen, den ich da ja noch gar nicht beurteilen konnte. Aber es ist ganz anders. Jetzt weiß ich das, weil ich zwei Wochen später auch draußen auf der Kuppel war, die Außenbalustrade war Mitte Februar noch im Winterschlaf. Ich habe eine große Liebe zu Dächerlandschaften. Dachschindeln. Grünspan. Und dem sich frech ins Bild schiebenden Fernsehturm zwischen den alten großen Steinfiguren. Aber schauen Sie selbst.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

31. März 2012

Im Kino gewesen. Metropolis gesehen. Die restaurierte Fassung wie bei der Premiere 1927. Alle waren mucksmäuschenstill. Hundertfünfzig Minuten lang. Das war toll. Bei „Ende.“ nach dem letzten Titel „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“, nachdem sich der Arbeiterrebell und der Herr von Metropolis die Hand gereicht haben, haben alle vor Freude und Begeisterung geklatscht. Und das, obwohl der Regisseur und die Hauptdarsteller nicht anwesend waren! Super. In Metropolis kann man genau sehen, dass Fritz Lang Skype erfunden hat. Der Herr von Metropolis hat nämlich Skype, wenn er telefoniert. Ich habe kein Skype, weil ich nicht so gerne telefoniere. Und auch nicht Leute dabei angucken will. Und auch nicht beim nicht wirklich gesehen werden angeguckt werden will. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt muss ich schlafen gehen.

31. März 2012

Im Kino gewesen. Metropolis gesehen. Die restaurierte Fassung wie bei der Premiere 1927. Alle waren mucksmäuschenstill. Hundertfünfzig Minuten lang. Das war toll. Bei „Ende.“ nach dem letzten Titel „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“, nachdem sich der Arbeiterrebell und der Herr von Metropolis die Hand gereicht haben, haben alle vor Freude und Begeisterung geklatscht. Und das, obwohl der Regisseur und die Hauptdarsteller nicht anwesend waren! Super. In Metropolis kann man genau sehen, dass Fritz Lang Skype erfunden hat. Der Herr von Metropolis hat nämlich Skype, wenn er telefoniert. Ich habe kein Skype, weil ich nicht so gerne telefoniere. Und auch nicht Leute dabei angucken will. Und auch nicht beim nicht wirklich gesehen werden angeguckt werden will. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt muss ich schlafen gehen.

25. März 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

Der Vollständigkeit halber. Wenn man schon einmal da ist. Ich mache Sachen ja gerne ganz. Nichts soll mir entgehen, wenn ich nun schon einmal da bin. Das heißt aber nicht, dass ich vor jedem Ausstellungsstück innehalte. Man muss es sich wie Querlesen vorstellen. Was ich auch in jeglichen anderen Ausstellungen praktiziere. Es gibt ja sogar Seminare wo man das lernt, wie ich neulich gelernt habe. Man schaut nur auf die Mitte der Zeile und bewegt sich schnell nach unten. Dann hat man zumindest erfasst, worum es im Wesentlichen geht und ob es von Interesse ist. Bei Exponaten geht das noch schneller. Wenn etwas den Blick bannt, trete ich näher und schaue ganz genau hin, ein ganzes Weilchen. Am Faszinierendsten waren für mich die Ausblicke aus den Fenstern. Die alten Modelle sind natürlich auch ganz schön, besonders das große weiße Gipsmodell. Und zu begreifen, wie unterschiedlich die Kuppeln im Laufe der Geschichte ausgesehen haben. Wurde ja mehrmals umgebaut, der Berliner Dom. Aber das kann jeder nachlesen. Und die nachgemachte alte Wetterfahne vor dem Eingang mit dem abgeblätterten Gold, dieser Trompeten-Engelsflügel hat mir sehr gefallen. Ja geradezu gerührt hat er mich.


Manchmal machen mich solche kleinen Details sentimental. Vielleicht weil darin soviel Liebe zum Ausdruck liegt. Sehr feinsinnig. Die Verzauberung der Materie durch Kunsthandwerk. Und man hat vor diesen hohen Fenstern dieses Gefühl wie in den großen altehrwürdigen Museen der Welt. Dieses Erhabene, Erhebende. Was den Louvre halt zum Louvre macht, unabhängig von den Exponaten. Ein sehr kleines, feines Museum, das nur dem Dom alleine gewidmet ist. Der Ausblick hat Lust auf noch mehr Ausblick gemacht. Und den gab es später ein paar Treppen höher.

19. März 2012

Heute etwas über die Stränge schlagen. Statt wie geplant um Punkt Dreiundzwanzig Uhr in die Falle, eine halbe Stunde Verlängerung mit mir ausgehandelt. Mist, nur noch sieben Minuten. Und Zähne noch nicht geputzt und Wimperntusche und Zeug noch auf den Augendeckeln. Das könnte morgen das Öffnen erschweren. Früher war ich da ja sehr großzügig mit mir. Abschminken? Phhh. Zähnenputzen… och… hm. Na ja. Glaubt man ja nicht, wenn man mich sieht, adrett wie ich mich gerne gebe. Aber ich bemühe mich um Authentizität. Ein Zeichen von Reife! Finde ich gut. Ist auch insgesamt gesünder. Das Ganze Getue um die Gesundheit hat natürlich letztlich auch mit meiner Eitelkeit zu tun. Abgewrackt und vorzeitig gebrechlich wirkt einfach undekorativ. Ich denke natürlich immer an die Bilder. Und ans Wohlbefinden. Gesund sieht nicht nur dekorativer aus, sondern fühlt sich auch besser an. 23:30 Uhr tja, ich muss dann mal wieder.

19. März 2012

Heute etwas über die Stränge schlagen. Statt wie geplant um Punkt Dreiundzwanzig Uhr in die Falle, eine halbe Stunde Verlängerung mit mir ausgehandelt. Mist, nur noch sieben Minuten. Und Zähne noch nicht geputzt und Wimperntusche und Zeug noch auf den Augendeckeln. Das könnte morgen das Öffnen erschweren. Früher war ich da ja sehr großzügig mit mir. Abschminken? Phhh. Zähnenputzen… och… hm. Na ja. Glaubt man ja nicht, wenn man mich sieht, adrett wie ich mich gerne gebe. Aber ich bemühe mich um Authentizität. Ein Zeichen von Reife! Finde ich gut. Ist auch insgesamt gesünder. Das Ganze Getue um die Gesundheit hat natürlich letztlich auch mit meiner Eitelkeit zu tun. Abgewrackt und vorzeitig gebrechlich wirkt einfach undekorativ. Ich denke natürlich immer an die Bilder. Und ans Wohlbefinden. Gesund sieht nicht nur dekorativer aus, sondern fühlt sich auch besser an. 23:30 Uhr tja, ich muss dann mal wieder.

18. März 2012


Ich arbeite dann mal weiter an meinem kleinen Glück. Ganz oben auf der heutigen to do-Liste: Schlaf. Ich kann da noch viel besser werden, ich weiß das. Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich muss mir immer wieder sagen, wie gut es mir tut, und wie wunderbar es sich anfühlt, wenn die Augendeckel von selber aufklappen, weil man genug geruht hat. Einfach super. Gute Nacht!

16. März 2012


Hereinspaziert. Ja, ja. Genau vier Wochen her. So lange brauchen die Bilder im Labor zum Entwickeln. Kraft meiner Wassersuppe beanspruche ich auch im Zeitalter der digitalen Daguerrotypie eine gewisse Zeit, um meinem geschätzten Publikum Bildmaterial von nachhaltigem Wert zu präsentieren. Machen wir uns doch nichts vor: die Räumlichkeiten sehen vier Wochen später auch nicht anders aus. Keine Bombe ist eingeschlagen und renoviert wurde auch nicht. Selbst ich bin nicht dramatisch gealtert in den letzten Wochen. Eher im Gegenteil, schließlich experimentiert keine andere mir bekannte Bloggerin derart forciert am eigenen Leib im von mir erfundenen Wissenschaftsseitenzweig „Maximales Anti-Aging mit Billig-Kosmetik, sehr wenig Sport, Discounter-Produkten und Beten“. Ja gut, Orchideenstudium. Sei’s drum! Zum Dom von innen kann ich berichten, dass in der Bildstrecke schon nur die beeindruckenden Sachen drin sind. Das heißt, es gibt auch so ein paar Ecken, die ich ein klein wenig anders tapeziert hätte.

Gerade die Tapete hinter dem Altar. Das ist doch alles sehr bunt und viel. Aber ich will meinen Dom nicht schlecht machen! In der Kaiser-Loge habe ich mich gleich wie daheim gefühlt. Auch die Prunksärge haben mich angesprochen. Unten drunter sind noch viel mehr Särge, da ist nämlich die Hohenzollerngruft, aber dazu kommen wir später. Eins nach dem anderen. Auf jeden Fall lohnt es sich immer, solche Prachtbauten auch einmal von innen anzuschauen. Gerade wenn man um die Ecke wohnt. Ich schäme mich auch ein bißchen, dass ich das jetzt erst mache. Ich war vor einigen Jahren zwar schon auch einmal da oben im Eingangsbereich bei den Säulen, aber drinnen jetzt erst. Es war schön leer, das gefällt mir immer gut. Aber die Menschen sind auch sehr rücksichtsvoll, wenn sie sehen, dass ich die Kamera hochhalte. Meistens halten sie inne auf ihrem Weg und warten bis ich fertig bin oder laufen schnell aus meinem Fokus. Manchmal ist es sehr schade und ich sage dann auch ab und zu „Gehen Sie ruhig!“ oder „Bleiben Sie ruhig da stehen!“. Das ist ja manchmal sehr schön und belebend, so ein anderer Mensch auf dem Bild. Wenn er gut ausschaut, versteht sich! Ich bin nicht so einverstanden, wenn die Menschen in solchen schönen alten Gebäuden bauschige Jacken von Outdoorbekleidungsherstellern anhaben und Kunststoff-Rucksäcke auf dem Rücken. Das macht sich einfach nicht gut und lässt den Menschen im Rückenbereich auch immer recht unförmig aussehen. Man möchte doch auch als Touristin oder einfacher Besucher das Gesamtbild aufwerten, nicht wahr. Ich denke andauernd an solche Sachen. Aber ich weiß eben natürlich auch insgeheim, dass ich später auf meinen Bildern zu sehen sein werde. Ganz schön clever und vorausschauend von mir!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

11. März 2012


So ist’s recht. Am heutigen heiligen Sonntag gehen wir gemeinsam zur Kirche! Wir schreiten die stolzen barocken Stufen empor und lassen uns feierlich vom Anblick stolzer Säulen und Portale erheben. Ich muss sagen: ich war dann doch erstaunt, wie groß und hoch der Eingangsbereich gebaut ist. Kein Vergleich mit dem Entrée meiner Wohnung! Man hat auch als großer Mensch etwas zum Schauen und Emporblicken. Und das wünscht man sich ja im Grunde. Man möchte auch einmal zu jemandem emporschauen. Das ist taktisch sehr schlau eingefädelt vom Baumeister Julius Carl Raschdorff. Man kriegt eine gewisse Ehrfurcht vor dem imposanten aufwändigen Bauwerk, was natürlich gut für die Kirche und Berlin ist. Der Berliner Dom ist übrigens protestantisch, was nicht weiter verwundert. Verwunderlich ist vielleicht eher, dass er überhaupt noch (auch) als Kirche genutzt wird und nicht nur für die alljährliche Theateraufführung von der geschätzten Frau Grothum, mit der ersten Riege der Kudamm-Boulevard-Schauspieler. Ein wenig war ich aber doch irritiert, in welchem Ausmaß hier Gotteshäuser zu weltlichen Lokalitäten, vor allem für belehrende Ausstellungen, umfunktioniert werden. Aber da bin ich natürlich genauso schuld wie alle anderen Berliner, die die Mitgliedschaft im Kirchenverein aufgekündigt haben. Nun zahlt man halt die Domerhaltungsgebühr von sieben Euro im guten alten Berliner Dom und alles kann schön instandgehalten werden. Das gefällt mir eigentlich ganz gut so, weil es das Gefühl vermindert, sich als heidnischer Trittbrettfahrer schmarotzerhaft bigott an den Sehenswürdigkeiten zu delektieren. Ich habe den Beitrag gerne entrichtet. Natürlich kann ich nicht jeden Tag derart mit dem Geld prassen, also habe ich mir den Eintrittspreis wochenlang vom Munde abgespart, und bin nicht verhungert! Die nette Dame an der Kasse wollte mich noch beim Sparen unterstützen, indem sie mir riet, eine oder zwei Wochen später zum Dombesuch zu kommen, weil dann der luftige Kuppelrundgang draußen geöffnet sei. Die eigentliche Spitzenattraktion für mich! (Ich hatte mir einen Kostenvoranschlag für das Gesamtpaket geben lassen.) „Ich weiß ja nicht, wie lange Sie noch hier sind?“ Ich kam schließlich als Touristin, mit Fotoapparat und lebhaftem Gesichtsausdruck! Es schien mir dann aber doch unartig, im Gotteshaus, direkt vor Gottes Angesicht, aktiv zu lügen, und so antwortete ich wahrheitsgemäß „So die, äh nächsten Jahre bin ich sicher noch hier!“ Nun war ich aber schon einmal da und schließlich: was kostet die Welt! Man muss die Feste feiern wie sie fallen, Kuppelrundgang außen hin oder her! Aber dazu später. Zunächst nähern wir uns gemessenen Schrittes dem Portal. Bitte mir nach.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

05. März 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Jetzt geht’s los. So: mein neuester Fimmel ist für einige wenige weltweite Blogger ein alter Hut. Jeden Tag mehr oder weniger an derselben Stelle ein Foto, natürlich von mir selber. Das interessanteste Beobachtungsobjekt in meinem Umfeld. Es hat auch den Hintergrund, mir einen noch stärkeren Kick zu geben, was die Alltags-Dramaturgie anbelangt. Irgendwo hat jemand gesagt, man sollte sich jeden Tag so anziehen, als hätte man eine Verabredung. Okay, JEDEN Tag werde ich das nicht machen, und ich muss auch gar nicht so tun als „hätte“ ich eine Verabredung.

Ich habe ja eine. Mit der Person, die mich am besten kennt und am meisten liebt. Äh ja. Ich natürlich. Das ist natürlich schon an gewisse Vorkehrungen gebunden. Zudem sei klarzustellen, dass ich unter sich verabredungsmäßig anziehen, nicht verstehe, sich jeden Tag aufzustrapsen, als ob man jemanden flachlegen will. Ich lege in der langjährigen Beziehung zu mir eher Wert darauf, dass ich mir in einer Art und Weise gegenübertrete, die authentisch wirkt. Ich möchte meiner Lebensgefährtin im Spiegelbild ansehen, dass sie sich wohlfühlt und sich im Rahmen ihrer Tagesform angemessen angezogen hat. Und zwar in einer Art und Weise, in der man auch keine Scheu hat, vor die Tür zu gehen. Was ja nun auch in der Tat immer der Fall ist, wenn ich im Mantel zu sehen bin. Den werfe ich mir nicht nur zu heimischen Fotozwecken über.

Also ist das Bildmaterial in dem Sinne nicht inszeniert. Ich habe schon eine schöne Sammlung seit dem 16. Februar, wo ich mit dem Späßchen angefangen habe. Es ist auch bei mir nicht so neu, dass ich mich vor dem Kleiderschrank im Flur ablichte, aber die lückenlose Beharrlichkeit, die Systematik durchaus. Nur einmal habe ich geschwächelt, am 18. Februar glaub ich. Da habe ich es einfach vergessen und musste auch nirgends hin. Einfach nur so in der warmen Wohnung herumgewurstelt. Man muss sich auch mal eine Pause gönnen. Aber sonst bin ich schon recht viel unterwegs in den letzten Wochen. Schließlich muss ja irgendwo das Geld für die Webpelze herkommen. Den etwas exzentrischen Mantel, übrigens ein Gemisch aus Baumwolle und Viskose, habe ich vor ziemlich vielen Jahren mal im KaDeWe erstanden und seitdem sehr selten angehabt. Aber nun stelle ich fest, das Ding bringt meine exzentrische Seite ganz gut zum Vorschein. Ich bin halt eine Exzentrikerin, wenn auch mit angenehmen Umgangsformen. Das ist schon alles okay. An dem Tag wurden noch viele weitere Bilder gemacht. Aber diese Reihe ist der Auftakt vor dem Kleiderschrank. Das andere später. Aber nicht mehr heute. Schließlich muss auch das Level gehalten werden. Bildtechnisch. Und ästhetisch. Und überhaupt. Und sowieso. Weil ich es so will.

11. März 2012


So ist’s recht. Am heutigen heiligen Sonntag gehen wir gemeinsam zur Kirche! Wir schreiten die stolzen barocken Stufen empor und lassen uns feierlich vom Anblick stolzer Säulen und Portale erheben. Ich muss sagen: ich war dann doch erstaunt, wie groß und hoch der Eingangsbereich gebaut ist. Kein Vergleich mit dem Entrée meiner Wohnung! Man hat auch als großer Mensch etwas zum Schauen und Emporblicken. Und das wünscht man sich ja im Grunde. Man möchte auch einmal zu jemandem emporschauen. Das ist taktisch sehr schlau eingefädelt vom Baumeister Julius Carl Raschdorff. Man kriegt eine gewisse Ehrfurcht vor dem imposanten aufwändigen Bauwerk, was natürlich gut für die Kirche und Berlin ist. Der Berliner Dom ist übrigens protestantisch, was nicht weiter verwundert. Verwunderlich ist vielleicht eher, dass er überhaupt noch (auch) als Kirche genutzt wird und nicht nur für die alljährliche Theateraufführung von der geschätzten Frau Grothum, mit der ersten Riege der Kudamm-Boulevard-Schauspieler. Ein wenig war ich aber doch irritiert, in welchem Ausmaß hier Gotteshäuser zu weltlichen Lokalitäten, vor allem für belehrende Ausstellungen, umfunktioniert werden. Aber da bin ich natürlich genauso schuld wie alle anderen Berliner, die die Mitgliedschaft im Kirchenverein aufgekündigt haben. Nun zahlt man halt die Domerhaltungsgebühr von sieben Euro im guten alten Berliner Dom und alles kann schön instandgehalten werden. Das gefällt mir eigentlich ganz gut so, weil es das Gefühl vermindert, sich als heidnischer Trittbrettfahrer schmarotzerhaft bigott an den Sehenswürdigkeiten zu delektieren. Ich habe den Beitrag gerne entrichtet. Natürlich kann ich nicht jeden Tag derart mit dem Geld prassen, also habe ich mir den Eintrittspreis wochenlang vom Munde abgespart, und bin nicht verhungert! Die nette Dame an der Kasse wollte mich noch beim Sparen unterstützen, indem sie mir riet, eine oder zwei Wochen später zum Dombesuch zu kommen, weil dann der luftige Kuppelrundgang draußen geöffnet sei. Die eigentliche Spitzenattraktion für mich! (Ich hatte mir einen Kostenvoranschlag für das Gesamtpaket geben lassen.) „Ich weiß ja nicht, wie lange Sie noch hier sind?“ Ich kam schließlich als Touristin, mit Fotoapparat und lebhaftem Gesichtsausdruck! Es schien mir dann aber doch unartig, im Gotteshaus, direkt vor Gottes Angesicht, aktiv zu lügen, und so antwortete ich wahrheitsgemäß „So die, äh nächsten Jahre bin ich sicher noch hier!“ Nun war ich aber schon einmal da und schließlich: was kostet die Welt! Man muss die Feste feiern wie sie fallen, Kuppelrundgang außen hin oder her! Aber dazu später. Zunächst nähern wir uns gemessenen Schrittes dem Portal. Bitte mir nach.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

10. März 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Oh, oh. Das Anschauungs-Material meines wallraffwürdigen Touristen-Experiments im Radius meiner Heimstatt reicht wohl für den Rest des Jahres. Ich muss hinne machen, mit Hochladen und Zeug dazu schreiben. Also erst mal muss man zumindest punktuell den Weg zum Berliner Dom dokumentieren, jedenfalls die prominentesten Kritzeleien. Wenn wir dann direkt am Objekt der touristischen Erkundung sind, gibt es eine weitere Extra-Strecke, versteht sich. Das war auch der König-Ludwig-Kuhfell-Mantel-Tag. Nachdem ich nun Jahr und Tag auf die Kuppel schaue, dachte ich so bei mir: wie wäre es eigentlich, wenn ich auch nur einen Funken Vorstellung hätte, wie das Bauwerk von innen aussieht? Ich könnte ganz anders mitreden! Fragt sich nur mit wem, haha. Nicht, dass man auf Schritt und Tritt Berlinern begegnen würde, die den Berliner Dom aus dem Effeff kennen. Weit gefehlt. Die meisten verwechseln die drei Dome in Mitte munter, zumal, wenn sie nicht die eigene Hütte hier in Mitte haben. Berliner Dom, Französischer Dom, Deutscher Dom? Äh, öh… welcher ist gleich nochmal welcher? Ich tippe mal so ins Blaue, dass ein bedeutend höherer Prozentsatz von wahrhaftigen Berlin-Touristen den Dom, die Dome von innen kennt als der gemeine Berliner. Aber ich schaffe hier endgültig Aufklärung! Die sind alle noch dran. Überall war ich drin! Und wie es so meine Art ist, habe ich jeden sehenswerten Winkel ultimativ für die Ewigkeit und mein kleines Internet dokumentiert. Nicht, dass da bei meinen Lesern irgendwelche Bildungslücken übrig bleiben. Was ich mache, mache ich gründlich! Gepaart mit meinem langatmigen, monothematischen Beharrungsvermögen, das seinesgleichen sucht. Bitte folgen Sie mir oder halt auch nicht!

10. März 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Oh, oh. Das Anschauungs-Material meines wallraffwürdigen Touristen-Experiments im Radius meiner Heimstatt reicht wohl für den Rest des Jahres. Ich muss hinne machen, mit Hochladen und Zeug dazu schreiben. Also erst mal muss man zumindest punktuell den Weg zum Berliner Dom dokumentieren, jedenfalls die prominentesten Kritzeleien. Wenn wir dann direkt am Objekt der touristischen Erkundung sind, gibt es eine weitere Extra-Strecke, versteht sich. Das war auch der König-Ludwig-Kuhfell-Mantel-Tag. Nachdem ich nun Jahr und Tag auf die Kuppel schaue, dachte ich so bei mir: wie wäre es eigentlich, wenn ich auch nur einen Funken Vorstellung hätte, wie das Bauwerk von innen aussieht? Ich könnte ganz anders mitreden! Fragt sich nur mit wem, haha. Nicht, dass man auf Schritt und Tritt Berlinern begegnen würde, die den Berliner Dom aus dem Effeff kennen. Weit gefehlt. Die meisten verwechseln die drei Dome in Mitte munter, zumal, wenn sie nicht die eigene Hütte hier in Mitte haben. Berliner Dom, Französischer Dom, Deutscher Dom? Äh, öh… welcher ist gleich nochmal welcher? Ich tippe mal so ins Blaue, dass ein bedeutend höherer Prozentsatz von wahrhaftigen Berlin-Touristen den Dom, die Dome von innen kennt als der gemeine Berliner. Aber ich schaffe hier endgültig Aufklärung! Die sind alle noch dran. Überall war ich drin! Und wie es so meine Art ist, habe ich jeden sehenswerten Winkel ultimativ für die Ewigkeit und mein kleines Internet dokumentiert. Nicht, dass da bei meinen Lesern irgendwelche Bildungslücken übrig bleiben. Was ich mache, mache ich gründlich! Gepaart mit meinem langatmigen, monothematischen Beharrungsvermögen, das seinesgleichen sucht. Bitte folgen Sie mir oder halt auch nicht!

05. März 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Jetzt geht’s los. So: mein neuester Fimmel ist für einige wenige weltweite Blogger ein alter Hut. Jeden Tag mehr oder weniger an derselben Stelle ein Foto, natürlich von mir selber. Das interessanteste Beobachtungsobjekt in meinem Umfeld. Es hat auch den Hintergrund, mir einen noch stärkeren Kick zu geben, was die Alltags-Dramaturgie anbelangt. Irgendwo hat jemand gesagt, man sollte sich jeden Tag so anziehen, als hätte man eine Verabredung. Okay, JEDEN Tag werde ich das nicht machen, und ich muss auch gar nicht so tun als „hätte“ ich eine Verabredung.

Ich habe ja eine. Mit der Person, die mich am besten kennt und am meisten liebt. Äh ja. Ich natürlich. Das ist natürlich schon an gewisse Vorkehrungen gebunden. Zudem sei klarzustellen, dass ich unter sich verabredungsmäßig anziehen, nicht verstehe, sich jeden Tag aufzustrapsen, als ob man jemanden flachlegen will. Ich lege in der langjährigen Beziehung zu mir eher Wert darauf, dass ich mir in einer Art und Weise gegenübertrete, die authentisch wirkt. Ich möchte meiner Lebensgefährtin im Spiegelbild ansehen, dass sie sich wohlfühlt und sich im Rahmen ihrer Tagesform angemessen angezogen hat. Und zwar in einer Art und Weise, in der man auch keine Scheu hat, vor die Tür zu gehen. Was ja nun auch in der Tat immer der Fall ist, wenn ich im Mantel zu sehen bin. Den werfe ich mir nicht nur zu heimischen Fotozwecken über.

Also ist das Bildmaterial in dem Sinne nicht inszeniert. Ich habe schon eine schöne Sammlung seit dem 16. Februar, wo ich mit dem Späßchen angefangen habe. Es ist auch bei mir nicht so neu, dass ich mich vor dem Kleiderschrank im Flur ablichte, aber die lückenlose Beharrlichkeit, die Systematik durchaus. Nur einmal habe ich geschwächelt, am 18. Februar glaub ich. Da habe ich es einfach vergessen und musste auch nirgends hin. Einfach nur so in der warmen Wohnung herumgewurstelt. Man muss sich auch mal eine Pause gönnen. Aber sonst bin ich schon recht viel unterwegs in den letzten Wochen. Schließlich muss ja irgendwo das Geld für die Webpelze herkommen. Den etwas exzentrischen Mantel, übrigens ein Gemisch aus Baumwolle und Viskose, habe ich vor ziemlich vielen Jahren mal im KaDeWe erstanden und seitdem sehr selten angehabt. Aber nun stelle ich fest, das Ding bringt meine exzentrische Seite ganz gut zum Vorschein. Ich bin halt eine Exzentrikerin, wenn auch mit angenehmen Umgangsformen. Das ist schon alles okay. An dem Tag wurden noch viele weitere Bilder gemacht. Aber diese Reihe ist der Auftakt vor dem Kleiderschrank. Das andere später. Aber nicht mehr heute. Schließlich muss auch das Level gehalten werden. Bildtechnisch. Und ästhetisch. Und überhaupt. Und sowieso. Weil ich es so will.

03. März 2012

Kleines Mitbringsel von meinem heutigen Ausflug! Bildungslücken haben mitunter ja auch Vorteile. Zum Beispiel war mir bis letzter Woche nicht so richtig geläufig, dass der Französische Dom zu jeder (?) vollen Stunde eine kleine Melodie auf dem Glockenspiel spielt. Ich habe da eben nie zu tun! Und bis zur Auguststraße hört man das nun auch nicht. Ich stand also am letzten Sonntag so auf dem Gendarmenmarkt rum und da ging es los. Ich war regelrecht entzückt über das kleine glockenhelle Lied! Wie im Märchenbuch und so ein schöner Klang auf dem ganzen Platz. Und heute war ich oben, auf der Aussichtsplattform! Und als ich so die Treppe hochgehe, hatte ich ja schon wieder völlig vergessen, dass es dieses Glockenspiel gibt. Und wieder habe ich mich gefreut wie ein Christkind! Und schnell die Kamera angemacht. Wenn man drinsteht, im Dom, oben im Turm kann man die Glocken auch sehen, aber soweit war ich noch nicht oben, als es plötzlich losging. Ich war gerade auf der Treppe, deswegen kann man in dem Filmchen nur das sehen, was man sieht, wenn man nach oben steigt und noch nicht draußen ist! Der Ausblick ist enorm!
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76826787&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Und die champagnerfarbene Balustrade von königlicher Eleganz! Das ist der Riesenvorteil von meinen vielfältigen Bildungslücken in Sachen Sehenswürdigkeiten in Mitte. Man entdeckt dauernd neue Sachen, wie verreist! Ich fühle mich komplett als Touristin, nur mit dem Unterschied, dass ich schon seit dreizehn Jahren da wohne. Und ich muss sagen: die Berliner sind sehr nett zu mir als Touristin. Ich kann mich nicht beschweren! Natürlich habe ich wieder viele Fotos gemacht, die auf der Festplatte warten. Gemach, gemach! Aber immerhin schon mal Glockenspiel hören. Das ist doch was. Dafür gehe ich sogar extra spät ins Bett. Ein echtes Opfer für meine hochgeschätzten Leser! Und so als Tipp: das ist ja gut und schön, dass sich in Hollywoodfilmen die Leute für ihr Blind Date auf dem Empire State Building verabreden, aber wir als Europäer haben da ganz andere Sachen in petto. Ich sage nur: falls Blind Date in Berlin, dann ganz oben auf der Kuppel-Balustrade vom Französischen Dom. Dafür würde ich mich sogar zu einem kleinen Gläschen Champagner überreden lassen. Muß man einfach gewesen sein. Au weia, ist das spät. (Ich muss wieder die Uhrzeit fälschen, es ist in echt nämlich schon 2.38 Uhr, bitte nicht petzen!) Aber ich habe eine super Entschuldigung. In Wahrheit spielt das Glockenspiel das Lied übrigens viel länger, ich habe nur die Hookline aufgenommen! Außerdem habe ich ein neues Wort gelernt: Carillon. Glockenspiele, die in Türmen drin sind und Lieder spielen können, heißen Carillon. Gute Nacht!

03. März 2012

Kleines Mitbringsel von meinem heutigen Ausflug! Bildungslücken haben mitunter ja auch Vorteile. Zum Beispiel war mir bis letzter Woche nicht so richtig geläufig, dass der Französische Dom zu jeder (?) vollen Stunde eine kleine Melodie auf dem Glockenspiel spielt. Ich habe da eben nie zu tun! Und bis zur Auguststraße hört man das nun auch nicht. Ich stand also am letzten Sonntag so auf dem Gendarmenmarkt rum und da ging es los. Ich war regelrecht entzückt über das kleine glockenhelle Lied! Wie im Märchenbuch und so ein schöner Klang auf dem ganzen Platz. Und heute war ich oben, auf der Aussichtsplattform! Und als ich so die Treppe hochgehe, hatte ich ja schon wieder völlig vergessen, dass es dieses Glockenspiel gibt. Und wieder habe ich mich gefreut wie ein Christkind! Und schnell die Kamera angemacht. Wenn man drinsteht, im Dom, oben im Turm kann man die Glocken auch sehen, aber soweit war ich noch nicht oben, als es plötzlich losging. Ich war gerade auf der Treppe, deswegen kann man in dem Filmchen nur das sehen, was man sieht, wenn man nach oben steigt und noch nicht draußen ist! Der Ausblick ist enorm!
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76826787&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Und die champagnerfarbene Balustrade von königlicher Eleganz! Das ist der Riesenvorteil von meinen vielfältigen Bildungslücken in Sachen Sehenswürdigkeiten in Mitte. Man entdeckt dauernd neue Sachen, wie verreist! Ich fühle mich komplett als Touristin, nur mit dem Unterschied, dass ich schon seit dreizehn Jahren da wohne. Und ich muss sagen: die Berliner sind sehr nett zu mir als Touristin. Ich kann mich nicht beschweren! Natürlich habe ich wieder viele Fotos gemacht, die auf der Festplatte warten. Gemach, gemach! Aber immerhin schon mal Glockenspiel hören. Das ist doch was. Dafür gehe ich sogar extra spät ins Bett. Ein echtes Opfer für meine hochgeschätzten Leser! Und so als Tipp: das ist ja gut und schön, dass sich in Hollywoodfilmen die Leute für ihr Blind Date auf dem Empire State Building verabreden, aber wir als Europäer haben da ganz andere Sachen in petto. Ich sage nur: falls Blind Date in Berlin, dann ganz oben auf der Kuppel-Balustrade vom Französischen Dom. Dafür würde ich mich sogar zu einem kleinen Gläschen Champagner überreden lassen. Muß man einfach gewesen sein. Au weia, ist das spät. (Ich muss wieder die Uhrzeit fälschen, es ist in echt nämlich schon 2.38 Uhr, bitte nicht petzen!) Aber ich habe eine super Entschuldigung. In Wahrheit spielt das Glockenspiel das Lied übrigens viel länger, ich habe nur die Hookline aufgenommen! Außerdem habe ich ein neues Wort gelernt: Carillon. Glockenspiele, die in Türmen drin sind und Lieder spielen können, heißen Carillon. Gute Nacht!

02. März 2012

Tut mir leid, komme nicht hinterher!
Aber Hauptsache: gesund!
Ja, schon. Wie mir das als Kind unverständlich war, wenn die alten Tanten und Onkel in der Verwandtschaft einem selber als Kind aber auch den anderen, den Erwachsenen, zum Geburtstag unaufhörlich langweilige Sachen wie „und viel Gesundheit!“ oder „und das Wichtigste: Gesundheit!“ gewünscht haben. Anstatt: „….und das Wichtigste: eine Reise zum Mond!“ oder „und vor allem: ein Haus am Meer!“ oder „Sechs Richtige im Lotto!“ Na ja. Heute verstehe ich das natürlich besser. Gehe aber nicht mit der Sichtweise mit, Gesundheit sei letztlich ein komplett unwägbares Glücksspiel. Wie Sechs Richtige im Lotto eben. Aber was weiß ich. Die meisten Verwandten haben nicht so furchtbar gesund gelebt, nach heutigen Maßstäben. Und tun es wahrscheinlich immer noch nicht, sofern sie noch nicht unter der Erde sind. Eigentlich wollte ich nur einen Entschuldigungseintrag schreiben, warum ich gerade so wenig schreibe. Ich muss mich einfach zunehmend um die Optimierung meiner Gesundheitswahrscheinlichkeit kümmern. Nein, nein, es geht mir gut. Eben drum. Nun habe ich es doch gestern tatsächlich gewagt, nach längerer Zeit der Disziplin, weit nach Mitternacht zu Bett zu gehen. Also schlafen zu gehen. Es war bestimmt schon 1.17 Uhr nach Mitternacht oder so ähnlich, als ich den Rechner runtergefahren habe. Aber nun muss ich ja neuerdings immer diese ganzen gesundheitsförderlichen Maßnahmen treffen, vor dem Schlafengehen! Das kostet auch wieder Zeit! Zum Beispiel: Zähneputzen! Zum Beispiel: Abschminken! Zum Beispiel: Wimpernpflege! Zum Beispiel: Wärmflasche! Bestimmt insgesamt zehn Minuten zusätzliche Verzögerung. Aber ich ziehe das durch. Und nun war es gestern also NACH Mitternacht und nicht Schlag oder davor. Und schon bekomme ich die Rechnung präsentiert: schwer aus den Federn gekommen. Wie früher, als ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe, zuzüglich Alkoholgenuss. Man darf sich wirklich keine Ausreißer mehr erlauben, schon geht das hart erarbeitete Wohlbefinden flöten. Ich warne jetzt auch immer junge Menschen vor Alkohol! Ich denke, man hört vielleicht eher auf mich, weil ich doch eher wie jemand wirke, der keine Feier auslässt und kein Kind von Traurigkeit ist. Dann erzähle ich – immer positiv! – dass ich es jetzt wieder so ähnlich wie früher empfinde, wo man Kind war und keine Probleme beim Aufstehen in der Frühe gehabt hat. Na gut, in die Schule bin ich jetzt auch nicht mit Begeisterung und länger hätte ich auch gerne geschlafen, aber so schwerfällig wie nach einer Flasche Rotwein am Abend voher war man doch nie. Wenn man ehrlich ist. Die jungen Menschen hören mir eigentlich immer interessiert zu. Ich warne dann aber auch davor, überhaupt keinen Rotwein mehr zu trinken, wegen der kostbaren einmaligen Antioxidantien. Ein kleines Glas als Frau sollte es schon sein. Aber nicht mehr! Außerdem ist meine Schwierigkeit weiterhin, dass ich mir Veranstaltungen nicht mehr schön trinken kann, nur so mit Kaffee oder Saft. Ein nicht zu unterschätzendes Problem. Man gerät quasi innerlich ins soziale Abseits. Also trinken Sie bitte weiter, aber in Maßen. Und ich kriege diese Sache vielleicht auch noch eines Tages in den Griff.

Morgen wahrscheinlich wieder früh aus dem Bett und ein gesundheitsförderlicher sowie preisgünstiger Spaziergang im angekündigten Sonnenschein in die nähere Umgebung. Ich sage nur: Friedrichswerder! Gerne verbringe ich meine Wochenenden in Friedrichswerder. Tja, da staunen Sie. Wo mag das sein. Auf jeden Fall bietet dieses Friedrichswerder jede Menge Postkartenmotive und Ausflugsmöglichkeiten auch für das kleine Portemonnaie! Und dennoch kann man sich wie eine kleine Königin fühlen. Ich bin ja immer ganz beruhigt, wenn ich höre, dass andere dieselben schwerwiegenden Bildungslücken in Sachen Heimatkunde haben. Die Ecke da, zwischen Berliner Dom, Zeughaus und Gendarmenmarkt, da gleich beim Deutschen Historischen Museum heißt nämlich so. Quasi eine Gemeinde innerhalb meines Wohnbezirks, der da heißt Mitte. Schön, dass ich das auch mal erfahre. Bis jetzt konnte ich noch jeden mit dieser Information überraschen. Und auch ein Kirchlein gibt es dort, zwischen dem ganzen Dom-Gedöns. Die Friedrichswerdersche Kirche, welche ich am letzten Wochenende aufgesucht habe. Verdammt, jetzt weiß ich gar nicht, ob die katholisch oder evangelisch war. Ich tippe auf katholisch. Man kann es auch schwer erkennen, weil ja jetzt das Schinkelmuseum drin ist. Eine neugotische Kirche mit kunterbunten Hippie-Fenstern. Der Fachausdruck ist natürlich anders, aber Sie wissen schon, was ich meine. Und natürlich muss ich dann immer auf den Auslöser bei dem Apparat drücken, den ich immer statt Handtasche über der Schulter hängen habe. Und weil das so viele Bilder ergibt, die man kaum schafft, von der Kamera zu laden und zu sichten und zu drehen und auszumisten, komme ich zu nix. Also nicht zu vernünftigen Blogeinträgen mit ansprechendem Bildmaterial. Wo fängt man an, wo hört man auf? Der Tag ist einfach zu kurz! Und außerdem muss ich morgen einen kaputten Deckenstrahler auswechseln. Im Flur. Irgendwas stimmt mit dem Anschlusskontakt bei den Phasen nicht. Nein, ich habe die nicht verwechselt. Seit über zwanzig Jahren habe ich sämtliche Lampen im Haushalt selber angeschlossen. Und damit meine ich nicht die Nachttischlampe. Also ich denke, das war jetzt Entschuldigungseintrag genug. Und natürlich spätestens um Mitternacht schlafen! Also jetzt! Als künftige Bundespräsidentin möchte ich unbedingt einen ausgeschlafenen Eindruck vermitteln.

02. März 2012

Tut mir leid, komme nicht hinterher!
Aber Hauptsache: gesund!
Ja, schon. Wie mir das als Kind unverständlich war, wenn die alten Tanten und Onkel in der Verwandtschaft einem selber als Kind aber auch den anderen, den Erwachsenen, zum Geburtstag unaufhörlich langweilige Sachen wie „und viel Gesundheit!“ oder „und das Wichtigste: Gesundheit!“ gewünscht haben. Anstatt: „….und das Wichtigste: eine Reise zum Mond!“ oder „und vor allem: ein Haus am Meer!“ oder „Sechs Richtige im Lotto!“ Na ja. Heute verstehe ich das natürlich besser. Gehe aber nicht mit der Sichtweise mit, Gesundheit sei letztlich ein komplett unwägbares Glücksspiel. Wie Sechs Richtige im Lotto eben. Aber was weiß ich. Die meisten Verwandten haben nicht so furchtbar gesund gelebt, nach heutigen Maßstäben. Und tun es wahrscheinlich immer noch nicht, sofern sie noch nicht unter der Erde sind. Eigentlich wollte ich nur einen Entschuldigungseintrag schreiben, warum ich gerade so wenig schreibe. Ich muss mich einfach zunehmend um die Optimierung meiner Gesundheitswahrscheinlichkeit kümmern. Nein, nein, es geht mir gut. Eben drum. Nun habe ich es doch gestern tatsächlich gewagt, nach längerer Zeit der Disziplin, weit nach Mitternacht zu Bett zu gehen. Also schlafen zu gehen. Es war bestimmt schon 1.17 Uhr nach Mitternacht oder so ähnlich, als ich den Rechner runtergefahren habe. Aber nun muss ich ja neuerdings immer diese ganzen gesundheitsförderlichen Maßnahmen treffen, vor dem Schlafengehen! Das kostet auch wieder Zeit! Zum Beispiel: Zähneputzen! Zum Beispiel: Abschminken! Zum Beispiel: Wimpernpflege! Zum Beispiel: Wärmflasche! Bestimmt insgesamt zehn Minuten zusätzliche Verzögerung. Aber ich ziehe das durch. Und nun war es gestern also NACH Mitternacht und nicht Schlag oder davor. Und schon bekomme ich die Rechnung präsentiert: schwer aus den Federn gekommen. Wie früher, als ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe, zuzüglich Alkoholgenuss. Man darf sich wirklich keine Ausreißer mehr erlauben, schon geht das hart erarbeitete Wohlbefinden flöten. Ich warne jetzt auch immer junge Menschen vor Alkohol! Ich denke, man hört vielleicht eher auf mich, weil ich doch eher wie jemand wirke, der keine Feier auslässt und kein Kind von Traurigkeit ist. Dann erzähle ich – immer positiv! – dass ich es jetzt wieder so ähnlich wie früher empfinde, wo man Kind war und keine Probleme beim Aufstehen in der Frühe gehabt hat. Na gut, in die Schule bin ich jetzt auch nicht mit Begeisterung und länger hätte ich auch gerne geschlafen, aber so schwerfällig wie nach einer Flasche Rotwein am Abend voher war man doch nie. Wenn man ehrlich ist. Die jungen Menschen hören mir eigentlich immer interessiert zu. Ich warne dann aber auch davor, überhaupt keinen Rotwein mehr zu trinken, wegen der kostbaren einmaligen Antioxidantien. Ein kleines Glas als Frau sollte es schon sein. Aber nicht mehr! Außerdem ist meine Schwierigkeit weiterhin, dass ich mir Veranstaltungen nicht mehr schön trinken kann, nur so mit Kaffee oder Saft. Ein nicht zu unterschätzendes Problem. Man gerät quasi innerlich ins soziale Abseits. Also trinken Sie bitte weiter, aber in Maßen. Und ich kriege diese Sache vielleicht auch noch eines Tages in den Griff.

Morgen wahrscheinlich wieder früh aus dem Bett und ein gesundheitsförderlicher sowie preisgünstiger Spaziergang im angekündigten Sonnenschein in die nähere Umgebung. Ich sage nur: Friedrichswerder! Gerne verbringe ich meine Wochenenden in Friedrichswerder. Tja, da staunen Sie. Wo mag das sein. Auf jeden Fall bietet dieses Friedrichswerder jede Menge Postkartenmotive und Ausflugsmöglichkeiten auch für das kleine Portemonnaie! Und dennoch kann man sich wie eine kleine Königin fühlen. Ich bin ja immer ganz beruhigt, wenn ich höre, dass andere dieselben schwerwiegenden Bildungslücken in Sachen Heimatkunde haben. Die Ecke da, zwischen Berliner Dom, Zeughaus und Gendarmenmarkt, da gleich beim Deutschen Historischen Museum heißt nämlich so. Quasi eine Gemeinde innerhalb meines Wohnbezirks, der da heißt Mitte. Schön, dass ich das auch mal erfahre. Bis jetzt konnte ich noch jeden mit dieser Information überraschen. Und auch ein Kirchlein gibt es dort, zwischen dem ganzen Dom-Gedöns. Die Friedrichswerdersche Kirche, welche ich am letzten Wochenende aufgesucht habe. Verdammt, jetzt weiß ich gar nicht, ob die katholisch oder evangelisch war. Ich tippe auf katholisch. Man kann es auch schwer erkennen, weil ja jetzt das Schinkelmuseum drin ist. Eine neugotische Kirche mit kunterbunten Hippie-Fenstern. Der Fachausdruck ist natürlich anders, aber Sie wissen schon, was ich meine. Und natürlich muss ich dann immer auf den Auslöser bei dem Apparat drücken, den ich immer statt Handtasche über der Schulter hängen habe. Und weil das so viele Bilder ergibt, die man kaum schafft, von der Kamera zu laden und zu sichten und zu drehen und auszumisten, komme ich zu nix. Also nicht zu vernünftigen Blogeinträgen mit ansprechendem Bildmaterial. Wo fängt man an, wo hört man auf? Der Tag ist einfach zu kurz! Und außerdem muss ich morgen einen kaputten Deckenstrahler auswechseln. Im Flur. Irgendwas stimmt mit dem Anschlusskontakt bei den Phasen nicht. Nein, ich habe die nicht verwechselt. Seit über zwanzig Jahren habe ich sämtliche Lampen im Haushalt selber angeschlossen. Und damit meine ich nicht die Nachttischlampe. Also ich denke, das war jetzt Entschuldigungseintrag genug. Und natürlich spätestens um Mitternacht schlafen! Also jetzt! Als künftige Bundespräsidentin möchte ich unbedingt einen ausgeschlafenen Eindruck vermitteln.

24. Februar 2012


Musste eben lachen. Morgenpost von heute: „(…) zur Wahl stehen Joachim Gauck, der von CDU, FDP, SPD und Grünen unterstützt wird. Als Mögliche Kandidatin der Linkspartei wird Beate Klarsfeld gehandelt.“ Dem Schreiberling ist die satirische Quallität seiner grammatikalischen Fehlkonstruktion womöglich gar nicht präsent.

Leider ist der ganze Artikel nur für Abonnenten zugänglich. Und falls Sie es nicht wussten: „wählbar ist jeder Deutsche, der das Wahlrecht zum Bundestage besitzt und das vierzigste Lebensjahr vollendet hat.“
Ich bin bereit.

23. Februar 2012

Kleine Botschaft. Vorhin in der Küche im Stehen gegessen, beim Kochen eine Kleinigkeit nebenher. Nämlich: einen kleinen Becher Joghurt ohne Zeugs mit selber dazugerührten folgenden Geschmacksverstärkern: einem Hauch Tonkabohnen-Raspeln, einer Messerspitze gemahlene Bourbon-Vanille, einer Kinderhand voll Heidelbeeren aus Chile, 1 Erdbeere aus Takatukaland, einer Spur Zimt aus Tausendundeinernacht, einem Brandenburger Apfel und einem Teelöffelchen feinster Heilerde. Brandenburger Äpfel, Tonkabohnen-Raspel und die letzte Zutat gehören zu meinem täglichen Ernährungsrepertoire. Die anderen Sachen wechseln. Jawohl, die letzte Zutat ist Heilerde. Die darf man sich jetzt aber nicht so Waldboden-mäßig dunkelbraun, fett und feucht vorstellen, sondern mehr wie sandfarbenen Puderzucker und so ist es auch vom Gefühl beim Essen her. In Joghurt oder im Müsli kommt es einem vor, als ob man kleine Zuckerkristalle von Puderzucker isst, ohne dass es aber süß macht. Das Zeug kann innerlich und äußerlich angewendet viele gute Sachen bewirken. Und wenn man gar nicht krank ist, tut es auch gut. Ich will damit sagen, ich brauche keine Krankheit, um mir nützliche Substanzen einzuverleiben. Und da stehe ich so in der Küche und rühre in der Pfanne und esse und schmecke die Heidelbeeren und den Apfel und den Zimt und die Tonkabohnen und die Vanille und die Erdbeere und es schmeckt ganz aufregend, ja euphorisierend, um nicht zu sagen beglückend. Und da denke ich, wieso sind so viele Menschen eigentlich davon überzeugt, dass Medikamente aus der Apotheke, die man durch den Mund einführt und deren Substanzen über die Verdauung aufgeschlossen werden und in die Blutbahn und das Nervensystem gelangen, Depressionen durch heilsam empfundene Wirkung positiv beeinflussen können, was sicher auch stimmt, aber warum halten es dieselben Menschen für so unwahrscheinlich, dass diese Depressionen möglicherweise überhaupt erst durch die Einverleibung von unzuträglichen anderen Substanzen über die Nahrung verursacht werden? Ich halte das für gar nicht unwahrscheinlich. Mir fällt auf, dass ich in euphorische Stimmungslagen komme, wenn ich so ein angenehmes Rotieren im Bauchbereich spüre. Nein, nein, ich meine nicht die Fortpflanzungsorgane. Der Bereich, in dem das Kraftwerk arbeitet, wo die Nahrung durch Zauberwerk in Menschenkraft umgewandelt wird. Wenn sich dieser Bereich gut anfühlt, wenn dort die Energie auf einem hohen Level arbeitet, kriegt man seine Bärenkräfte zu spüren. Das fühlt sich besser an als jeder Alkoholrausch. Schade, wahrscheinlich weiß wieder keiner, wovon ich rede. Ach. Und natürlich viel Schlaf! Ja, es ist wieder spät geworden. Ja, ich werde langsam zur Betschwester und Wanderpredigerin. Da müssen die Leserinnen durch oder halt woanders herumgurken. Gute Nacht!

24. Februar 2012


Musste eben lachen. Morgenpost von heute: „(…) zur Wahl stehen Joachim Gauck, der von CDU, FDP, SPD und Grünen unterstützt wird. Als Mögliche Kandidatin der Linkspartei wird Beate Klarsfeld gehandelt.“ Dem Schreiberling ist die satirische Quallität seiner grammatikalischen Fehlkonstruktion womöglich gar nicht präsent.

Leider ist der ganze Artikel nur für Abonnenten zugänglich. Und falls Sie es nicht wussten: „wählbar ist jeder Deutsche, der das Wahlrecht zum Bundestage besitzt und das vierzigste Lebensjahr vollendet hat.“
Ich bin bereit.

23. Februar 2012

Kleine Botschaft. Vorhin in der Küche im Stehen gegessen, beim Kochen eine Kleinigkeit nebenher. Nämlich: einen kleinen Becher Joghurt ohne Zeugs mit selber dazugerührten folgenden Geschmacksverstärkern: einem Hauch Tonkabohnen-Raspeln, einer Messerspitze gemahlene Bourbon-Vanille, einer Kinderhand voll Heidelbeeren aus Chile, 1 Erdbeere aus Takatukaland, einer Spur Zimt aus Tausendundeinernacht, einem Brandenburger Apfel und einem Teelöffelchen feinster Heilerde. Brandenburger Äpfel, Tonkabohnen-Raspel und die letzte Zutat gehören zu meinem täglichen Ernährungsrepertoire. Die anderen Sachen wechseln. Jawohl, die letzte Zutat ist Heilerde. Die darf man sich jetzt aber nicht so Waldboden-mäßig dunkelbraun, fett und feucht vorstellen, sondern mehr wie sandfarbenen Puderzucker und so ist es auch vom Gefühl beim Essen her. In Joghurt oder im Müsli kommt es einem vor, als ob man kleine Zuckerkristalle von Puderzucker isst, ohne dass es aber süß macht. Das Zeug kann innerlich und äußerlich angewendet viele gute Sachen bewirken. Und wenn man gar nicht krank ist, tut es auch gut. Ich will damit sagen, ich brauche keine Krankheit, um mir nützliche Substanzen einzuverleiben. Und da stehe ich so in der Küche und rühre in der Pfanne und esse und schmecke die Heidelbeeren und den Apfel und den Zimt und die Tonkabohnen und die Vanille und die Erdbeere und es schmeckt ganz aufregend, ja euphorisierend, um nicht zu sagen beglückend. Und da denke ich, wieso sind so viele Menschen eigentlich davon überzeugt, dass Medikamente aus der Apotheke, die man durch den Mund einführt und deren Substanzen über die Verdauung aufgeschlossen werden und in die Blutbahn und das Nervensystem gelangen, Depressionen durch heilsam empfundene Wirkung positiv beeinflussen können, was sicher auch stimmt, aber warum halten es dieselben Menschen für so unwahrscheinlich, dass diese Depressionen möglicherweise überhaupt erst durch die Einverleibung von unzuträglichen anderen Substanzen über die Nahrung verursacht werden? Ich halte das für gar nicht unwahrscheinlich. Mir fällt auf, dass ich in euphorische Stimmungslagen komme, wenn ich so ein angenehmes Rotieren im Bauchbereich spüre. Nein, nein, ich meine nicht die Fortpflanzungsorgane. Der Bereich, in dem das Kraftwerk arbeitet, wo die Nahrung durch Zauberwerk in Menschenkraft umgewandelt wird. Wenn sich dieser Bereich gut anfühlt, wenn dort die Energie auf einem hohen Level arbeitet, kriegt man seine Bärenkräfte zu spüren. Das fühlt sich besser an als jeder Alkoholrausch. Schade, wahrscheinlich weiß wieder keiner, wovon ich rede. Ach. Und natürlich viel Schlaf! Ja, es ist wieder spät geworden. Ja, ich werde langsam zur Betschwester und Wanderpredigerin. Da müssen die Leserinnen durch oder halt woanders herumgurken. Gute Nacht!

20. Februar 2012


Nicht misszuinterpretieren, nicht zu missinterpretieren, nicht missinterpretieren, keine Missinterpretation, keine Missinspiration, keine Missinspirationspause. Gar nicht, es wird nur gerade im Hintergrund verarbeitet. Eindrücke, Bilder. Aus nächster Umgebung. Faszinierend nächster Umgebung. Ja, ja Berlin. Und immer ich. Klar. Eh kloa. Im meine: die Hohenzollerngruft kann jeder fotografieren. So einen alten schwarzen Sarg. Aber mich in der Hohenzollerngruft nur ich. Na ja, usw. usf. Bleiben Sie dran. Beinah beschämt lote ich das Naheliegende aus. Nach so vielen Jahren. heieiei. Muss ins Bett, Schönheitsschlaf! Ist ja nun nicht egal wie ich auf den ganzen später historischen Bildern ausschaue!

15. Februar 2012


Fünfzehnter Februar. Arbeit war heute nur ein Motiv, beim Vorbeigehen in der Sophienstraße. Ich weiß das zu schätzen, wenn das Gekritzel gekonnt platziert wird und der Strich gut ist, eine gewisse Intelligenz in der Impulsivität zum Ausdruck kommt. Findet man gar nicht so selten, wenn man die Augen aufmacht. Ich gehöre nicht zu denen, die aufschreien, wenn der Puppenstubencharakter eines alten Straßenzugs ein bißchen aufgemischt wird, so lange es dem Credo folgt: nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein. Die Unbegabteren dürfen an Bauzäunen üben, da bin ich dann doch eigen. In der Neuen Nationalgalerie hängen ja auch keine Volkshochschularbeiten. Ein bißchen Ordnung muss schon sein. Übrigens wieder Temperatur über dem Nullpunkt. Nicht mehr in Watte gepackt vor die Tür, und die Sibirien-Mütze darf auch im Hutkoffer bleiben. Das Schild mit dem Hackeschuh fällt mir seit Jahr und Tag angenehm auf, mach doch mal ein Bild, sage ich mir schon ein Weilchen. Somit geschehen. Aber es war schon ein bißchen schummrig. Die Sophienstraße hat sonst, an helleren Tagen, immer wieder sehr schönes Licht, besonders am frühen Morgen, spät im Jahr, wenn die Sonne tief steht. Im späten Sommer und noch mehr im Herbst.

Die Gipsstraße auch. Die beiden laufen parallel, wobei die Sophienstraße schon die schönere ist. Ich muss mal die Filmkamera drauf halten, wenn die Sonne so tief steht und einfach nur entlang gehen. Weiter nichts. Und WILD ist ein Teppichladen am Eingang der Sophie-Gips-Höfe, an dem ich auch jeden Tag zweimal vorbeikomme und noch nie drin war. Ich brauche auch gerade keinen Teppich. Das Interessante ist, dass der Durchgang gegenüber der Fensterschreiben verspiegelt ist. Wenn man morgens vorbeigeht, oder natürlich auch am Abend oder wann auch immer, kann man sich wie in einem Film von der Seite beim Laufen zuschauen. Von mir aus könnten noch viel mehr verspiegelte Wände an den Mauern sein. Das ist sehr unterhaltsam. Man sieht auch viel mehr als in der Spiegelung der Schaufenster. Das ist doch ein etwas unzulänglicher Eindruck. Mir fällt immer auf, dass ich sehr schnell gehe, wenn ich zur Seite in den Spiegel gucke. Pfeilschnell und zielgerichtet. Aber immer gucke ich nicht. So schlimm ist es dann doch nicht um mich bestellt. Ein später Eintrag. Ich werde das Datum und die Uhrzeit der Veröffentlichung manipulieren und zurückdatieren, auf den fünfzehnten. Vor dem Schlafengehen ist für mich gefühlt immer noch der Tag mit dem Datum vorher, auch wenn es schon nach Mitternacht ist. Das geht doch bestimmt allen so. Noch Zähneputzen und dann Gute Nacht!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

14. Februar 2012


Man kann schon sagen, dass es an eine Kunstform grenzt, die eigene mentale Kraft, den Gefühlspegel ohne psychoaktive Substanzen in Form von legalen oder illegalen Drogen auf einem interessanten, hohen Level zu halten. Alkohol, Zucker, Kokain, Schokolade, Psychopharmaka, Gras, Verliebtheit. Es ist schwer. Aber es lohnt sich, sich unabhängig von diesen Hilfsmitteln zu machen. Der Lohn ist das Geschenk, sich an seiner ureigenen Kraft zu berauschen, ohne Kater. Besonders schwer scheint es, wenn man mit Schicksalsschlägen konfrontiert wird. Das bleibt ja in keinem Leben aus. Abschied durch Tod oder das Ende einer Verbindung. Gerade dann ist man in Gefahr, sich etwas zugänglich zu machen, das die Wucht der Gefühle abfedert. Aber dann verschenkt man einen tiefgehenden Entwicklungsprozess. Wenn man den Verlust der Lebensmotivation abdämpft, verliert sich der Antrieb, nach dem Verbleib der ureigenen, durch die Trümmer des Infernos verschütteten Kraft zu graben. Alkohol und diese leicht zugänglichen Substanzen führen immer und immer zu einem zusätzlichen Kraftverlust, dabei ist man ohnehin schon nicht mit Kraft gesegnet. Das ist fatal. Für wenige Minuten des Gefühls von Auftrieb, kleiner Euphorie bezahlt man mit stundenlangem Lamento des gesamten Organismus. Es gehört eine Art Disziplin der sinnlichen Wahrnehmung dazu, zu lernen sich an der eigenen nüchternen Existenz zu berauschen. Der eigenen Kraft zuliebe. Angelica Domröse, die viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ihres Lebens mit einem schweren Alkoholproblem kämpfte und es seit geraumer Zeit im Griff hat, sagte in einem Interview, die Zeit ihrer Abhängigkeit resümierend, dass sie ihr Leuchten verloren hatte. Ich denke sie hat recht. Man sollte schon aus Eitelkeit, Liebe zur eigenen Schönheit von all dem Abstand nehmen. Letzten Endes ist das was wir als schön in einer Kreatur wahrnehmen, immer ein besonderes Strahlen, ein Gleißen, das Freude transportiert, sichtbar werden lässt. Man muss seine Freude behüten und pflegen. Das bringt mehr als teure Creme um die Augen schmieren. Und das ist die Kunst und die Schwierigkeit. Ich weiß. Ja, ich weiß.

13. Februar 2012

Todesmutig am Nordpol! Also fast. Ich habe vorgestern meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich in die Kälte gewagt. An den Beinen hatte ich sicherheitshalber unter der Überhose eine langbeinige andere Hose aus Nickistoff und an den Füßen dicke Socken, ein paar andere Socken drüber und dann noch so Wadenwärmer, wie lange Kniestrümpfe ohne Füße dran. Heißen die auch Leggings? Oder „Leg Warmer“? Wie heißen die Dinger auf Deutsch? An den Füßen des weiteren Stiefel mit extra Sohle drin und oben rum auch so mehrere Schichten schwarze langärmlige Baumwollhemden, davon eins mit Rollkragen, dann eine schwarze Nickijacke mit Kapuze dran und drüber meine dicke alte Rockerjacke, obwohl ich nie Rocker war, Rockerin auch nicht, aber ich rocke natürlich trotzdem. Und die Mütze, die ich letztes Jahr bei H&M im Sonderangebot gekauft habe. Das Teddyfell ist aus Baumwolle und noch was. Und natürlich einen extra Schal aus so flauschigem Teddyzeugs (schwarz, surprise surprise) und dicke, mit Flanell gefütterte Lederhandschuhe aus dem Hause Roeckl, welche ich sehr empfehlen kann. Weil ich aber natürlich dringend Beweisfotos meiner Nordpolexpedition vor der Haustür machen musste, habe ich die Handschuhe ungefähr drei Minuten ausgezogen, was ich nicht empfehlen kann. Aber die Fotos mussten einfach gemacht werden, es half ja alles nichts! Zum Glück bin ich schnell und konnte genug Material fabrizieren, bevor mir die Fingerkuppen weiß verfärbt abgefallen sind. Aber dann musste ich ja blöderweise noch zu Rossmann, das war ja ein zentraler Anlass der Expedition. Müll runterbringen und zwei Sachen bei Rossmann holen, die Aldi nicht hat. Ich also zackig mit wieder Handschuhen an Richtung Rossmann, durch die Sophien- und Rosenhöfe, schnell rüber. Da hätte man natürlich auch jede Menge fotografieren können, aber dann könnte ich mit Sicherheit keinen Blogeintrag mehr tippen, weil ich dann ja leider keine Fingerkuppen mehr hätte, bzw. die Stummel erst abheilen müssten und dann die Finger-Prothesen und der ganze Zirkus. Nein Danke!

Ohne mich. Meine Verpflichtung in Sachen Reportagetätigkeit hat Grenzen. Bei Rossmann dann erst mal ausgiebig aufgewärmt.

Zum Glück war gut geheizt! Ich habe dann etwas länger vor dem Regal mit den Kerzen herumgetrödelt als unbedingt notwendig, zwecks Aufwärmung. Hat geklappt, man hat mich nicht angesprochen. Dann zügig zurück in die warme Hütte! War jedenfalls mal interessant, draußen zu sein, man kann dann noch besser nachfühlen, wie es den anderen Menschen da draußen so gehen mag. Und natürlich auch super: ich kann endlich mitreden!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

02. Februar 2012


Kein Wunder, dass die „Erinnerungen“ von Albert Speer seinerzeit ein Bestseller waren. Ich bin noch ziemlich am Anfang und fühle mich bestens „unterhalten“, würde ich ohne Gänsefüßchen schreiben, wenn ich wüsste, dass den Beitrag nur Menschen lesen, die diese Lektüre ihrerseits kennen. Wie gesagt, ich bin noch am Anfang. Gerade wird die „Neue Reichskanzlei“ auf dem Reißbrett geplant und die alte Reichskanzlei (übrigens hat der alte Bismarck und nicht etwa Hitler sich diese Bezeichnung ausgedacht) umgebaut, renoviert, neu eingerichtet. Albert Speer verbringt demzufolge recht viel Zeit mit Hitler, da dieser an jedem Detail des Umbaus sehr interessiert ist. Architektonische Angelegenheiten sind quasi sein Steckenpferd. Und am Abend wird in Hitlers vorübergehender Bleibe, auch irgendwo in Mitte, gemeinsam zu Abend gegessen und privaten Filmvorführungen beigewohnt. Bei Tisch kann man dann den privaten „Führer“ mit seinen zum Teil ulkig anmutenden Äußerungen aus nächster Nähe erleben. Das hat mich heute schon zum Lachen gebracht. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass man immer diesen überdrehten abgehackten Duktus seiner Reden dabei im Ohr hat, obwohl er privat ganz ruhig und melodiös sprechen konnte. Damit hat er sie um den Finger gewickelt, seine Adepten. Ich habe mir passend zum Thema einen Architekturführer über die Bautätigkeiten in der Nazi-Ära in Berlin bestellt. Vieles von der großen Welthauptstadt „Germania“ war ja nur geplant, vieles wurde durch den Krieg zerstört und die Reste planvoll beseitigt, um keine Pilgerstätten zu provozieren. Moment, ich muss mal das Buch holen und ein Stelle abschreiben, wo ich lachen musste. Charlie Chaplin hätte diese kruden Sätze von Hitler wohl kaum schöner erfinden können.
„Manchmal sprach er von seinen Reisen: »Schreck war der beste Fahrer, den ich mir vorstellen kann und unser Kompressor machte 170. Wir fuhren immer sehr schnell. Aber in den letzten Jahren habe ich Schreck befohlen, nicht mehr über 80 zu fahren. Nicht auszudenken, wenn mir etwas passiert wäre! Ein besonderer Spaß war das Hetzen großer Amerikaner. Immer hinterher, bis die der Ehrgeiz packte. Diese Amerikaner sind ja Dreck verglichen mit einem Mercedes. Ihr Motor hielt das nicht aus, lief nach einiger Zeit sauer und sie mußten mit langem Gesicht am Straßenrand anhalten. Geschah ihnen recht!«“
A. Speer, Erinnerungen, S. 48

[ Diesen Eintrag habe ich bereits vorgestern, am zweiten Februar, verfasst und wurde dann leider kurz nach Fertigstellung am Veröffentlichen gehindert. Zeitweise hatte ich schon den Gedanken, ob Blogeinträge in denen die Buchstabenfolge Hitler vorkommt, womöglich automatisch gesperrt werden. Aber nachdem beim Testen auch einem aus Pünktchen bestehenden Eintrag kein Erfolg beschieden war und ich sehen konnte, dass auch andere twoday-Blogs seit dem selben Zeitpunkt keine neuen Einträge und Kommentare mehr hatten, habe ich diese Erklärung wieder fallen lassen. Nun scheint ja wieder alles zu funktionieren. Wie sehr man an seinem kleinen Blog und der Veröffentlichungsfunktion hängt… ]

13. Februar 2012

Todesmutig am Nordpol! Also fast. Ich habe vorgestern meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich in die Kälte gewagt. An den Beinen hatte ich sicherheitshalber unter der Überhose eine langbeinige andere Hose aus Nickistoff und an den Füßen dicke Socken, ein paar andere Socken drüber und dann noch so Wadenwärmer, wie lange Kniestrümpfe ohne Füße dran. Heißen die auch Leggings? Oder „Leg Warmer“? Wie heißen die Dinger auf Deutsch? An den Füßen des weiteren Stiefel mit extra Sohle drin und oben rum auch so mehrere Schichten schwarze langärmlige Baumwollhemden, davon eins mit Rollkragen, dann eine schwarze Nickijacke mit Kapuze dran und drüber meine dicke alte Rockerjacke, obwohl ich nie Rocker war, Rockerin auch nicht, aber ich rocke natürlich trotzdem. Und die Mütze, die ich letztes Jahr bei H&M im Sonderangebot gekauft habe. Das Teddyfell ist aus Baumwolle und noch was. Und natürlich einen extra Schal aus so flauschigem Teddyzeugs (schwarz, surprise surprise) und dicke, mit Flanell gefütterte Lederhandschuhe aus dem Hause Roeckl, welche ich sehr empfehlen kann. Weil ich aber natürlich dringend Beweisfotos meiner Nordpolexpedition vor der Haustür machen musste, habe ich die Handschuhe ungefähr drei Minuten ausgezogen, was ich nicht empfehlen kann. Aber die Fotos mussten einfach gemacht werden, es half ja alles nichts! Zum Glück bin ich schnell und konnte genug Material fabrizieren, bevor mir die Fingerkuppen weiß verfärbt abgefallen sind. Aber dann musste ich ja blöderweise noch zu Rossmann, das war ja ein zentraler Anlass der Expedition. Müll runterbringen und zwei Sachen bei Rossmann holen, die Aldi nicht hat. Ich also zackig mit wieder Handschuhen an Richtung Rossmann, durch die Sophien- und Rosenhöfe, schnell rüber. Da hätte man natürlich auch jede Menge fotografieren können, aber dann könnte ich mit Sicherheit keinen Blogeintrag mehr tippen, weil ich dann ja leider keine Fingerkuppen mehr hätte, bzw. die Stummel erst abheilen müssten und dann die Finger-Prothesen und der ganze Zirkus. Nein Danke!

Ohne mich. Meine Verpflichtung in Sachen Reportagetätigkeit hat Grenzen. Bei Rossmann dann erst mal ausgiebig aufgewärmt.

Zum Glück war gut geheizt! Ich habe dann etwas länger vor dem Regal mit den Kerzen herumgetrödelt als unbedingt notwendig, zwecks Aufwärmung. Hat geklappt, man hat mich nicht angesprochen. Dann zügig zurück in die warme Hütte! War jedenfalls mal interessant, draußen zu sein, man kann dann noch besser nachfühlen, wie es den anderen Menschen da draußen so gehen mag. Und natürlich auch super: ich kann endlich mitreden!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

08. Februar 2012


Demütig werden wir alle Abbitte leisten, wenn sich das Thermometer im März zu sieben oder gar siebzehn Grad aufschwingt! Schon eine super Dramaturgie hier, im guten neuen Jahr. Erst ewiger Herbst, für mich sehr in Ordnung, dann arschkalt und die langsame Erwärmung wird wie das Happy End von dem Titanic Film mit Pausbacke – wie heißt er noch – egal. (Oder war da gar kein Happy End?) Er soll ja ein guter Schauspieler sein. Den Titanic-Film fand ich seinerzeit ganz schlimm. Also nicht schlimm „schlimm“, sondern schlimm kitschig. Wenn ich mich nicht irre, habe ich sogar extra zwei Packungen Tempo (Entschuldigung, ich bin im kapitalistischen, markenversauten Westen sozialisiert) Papier-Taschentücher eingesteckt. Und wenn ich mich weiterhin nicht irre, habe ich kein einziges davon gebraucht. Es war auch recht anstrengend, die für mich unattraktive Paarung Dingsbums-Winslet bis zum Ende durchzuhalten. Gar nicht zu reden von dem anderen Quark mit Schiffsbug und Wallawalla vor pink-orangem Himmel und Untergangsgefiedel der Bordkapelle. Aber eine einzige Szene war drin, die mich rührte, also so ansatzweise. Fatalerweise ganz am Anfang. Als sich die alte Dame an ihre Liebe erinnerte und diese Sache mit dieser Kette mit dem Stein. Da waren drei Sekunden, die mir ans Herz gingen. Schade, dass die alte Dame nicht die Hauptdarstellerin der dann folgenden gefühlten drei Stunden Film war. Eine Pause war glaub ich auch. Ach nein, keine Pause, ich habe eine Pause gemacht, weil ich aufs Klo musste, und die Freundin versicherte mir bei der Rückkehr, dass ich nichts verpasst hätte. Obwohl sie den Film nicht so langweilig gefunden hat wie ich. Wie komme ich denn jetzt bloß auf Titanic? Ach so, wegen der Metapher. Ist ja nun ewig her, dass die Schmonzette gelaufen ist. Nur noch mal für’s Protokoll: genau die Sorte Film, bei der mich so rein gar nichts fesselt. Kitschiger Kostümkrempel, süßliches Klischee-Geturtel und plüschiges Ambiente. Nein Danke! Tatsächlich bin ich zu romantisch für solche platten, halbherzigen Darbietungen. Ja, wirklich. Hier steht nicht zu cool, sondern zu romantisch. Ich habe mich nicht vertippt. Die Illusion der Wahrhaftigkeit ist freilich ein seltenes Gut im weltweiten Filmschaffen. Ein gutes Gegenbeispiel ist die Szene in „Die Brücken am Fluss“, wo Meryl Streep nach dem Abschied in ihrem Auto sitzt und Clint Eastwood noch einmal vorbeifahren sieht. Der letzte Blick. Aber diesen Film mochte ich viel lieber in der deutschen Synchronfassung, weil Meryl Streep in der amerikanischen Originalfassung einen übertriebenen italienischen Akzent kultiviert, der mich ungemein stört und die Qualität des bis dahin nur auf deutsch gesehenen Films kippen lässt. Keine Empfehlung. Nicht „The Bridges of Madison County“ anschauen. Nur die deutsche Synchronfassung ohne albernen affektierten Italo-Akzent. Ach, so ein schöner Film. Jetzt ist mir der rechte Fuß eingeschlafen und ich muss mich mal anders hinsetzen. Und auch noch ein bißchen was essen, vor dem Zubettgehen. Und trinken (!).

08. Februar 2012


Demütig werden wir alle Abbitte leisten, wenn sich das Thermometer im März zu sieben oder gar siebzehn Grad aufschwingt! Schon eine super Dramaturgie hier, im guten neuen Jahr. Erst ewiger Herbst, für mich sehr in Ordnung, dann arschkalt und die langsame Erwärmung wird wie das Happy End von dem Titanic Film mit Pausbacke – wie heißt er noch – egal. (Oder war da gar kein Happy End?) Er soll ja ein guter Schauspieler sein. Den Titanic-Film fand ich seinerzeit ganz schlimm. Also nicht schlimm „schlimm“, sondern schlimm kitschig. Wenn ich mich nicht irre, habe ich sogar extra zwei Packungen Tempo (Entschuldigung, ich bin im kapitalistischen, markenversauten Westen sozialisiert) Papier-Taschentücher eingesteckt. Und wenn ich mich weiterhin nicht irre, habe ich kein einziges davon gebraucht. Es war auch recht anstrengend, die für mich unattraktive Paarung Dingsbums-Winslet bis zum Ende durchzuhalten. Gar nicht zu reden von dem anderen Quark mit Schiffsbug und Wallawalla vor pink-orangem Himmel und Untergangsgefiedel der Bordkapelle. Aber eine einzige Szene war drin, die mich rührte, also so ansatzweise. Fatalerweise ganz am Anfang. Als sich die alte Dame an ihre Liebe erinnerte und diese Sache mit dieser Kette mit dem Stein. Da waren drei Sekunden, die mir ans Herz gingen. Schade, dass die alte Dame nicht die Hauptdarstellerin der dann folgenden gefühlten drei Stunden Film war. Eine Pause war glaub ich auch. Ach nein, keine Pause, ich habe eine Pause gemacht, weil ich aufs Klo musste, und die Freundin versicherte mir bei der Rückkehr, dass ich nichts verpasst hätte. Obwohl sie den Film nicht so langweilig gefunden hat wie ich. Wie komme ich denn jetzt bloß auf Titanic? Ach so, wegen der Metapher. Ist ja nun ewig her, dass die Schmonzette gelaufen ist. Nur noch mal für’s Protokoll: genau die Sorte Film, bei der mich so rein gar nichts fesselt. Kitschiger Kostümkrempel, süßliches Klischee-Geturtel und plüschiges Ambiente. Nein Danke! Tatsächlich bin ich zu romantisch für solche platten, halbherzigen Darbietungen. Ja, wirklich. Hier steht nicht zu cool, sondern zu romantisch. Ich habe mich nicht vertippt. Die Illusion der Wahrhaftigkeit ist freilich ein seltenes Gut im weltweiten Filmschaffen. Ein gutes Gegenbeispiel ist die Szene in „Die Brücken am Fluss“, wo Meryl Streep nach dem Abschied in ihrem Auto sitzt und Clint Eastwood noch einmal vorbeifahren sieht. Der letzte Blick. Aber diesen Film mochte ich viel lieber in der deutschen Synchronfassung, weil Meryl Streep in der amerikanischen Originalfassung einen übertriebenen italienischen Akzent kultiviert, der mich ungemein stört und die Qualität des bis dahin nur auf deutsch gesehenen Films kippen lässt. Keine Empfehlung. Nicht „The Bridges of Madison County“ anschauen. Nur die deutsche Synchronfassung ohne albernen affektierten Italo-Akzent. Ach, so ein schöner Film. Jetzt ist mir der rechte Fuß eingeschlafen und ich muss mich mal anders hinsetzen. Und auch noch ein bißchen was essen, vor dem Zubettgehen. Und trinken (!).

05. Februar 2012

Am besten ich fange jetzt schon mal mit dem Blogeintrag an, damit es nicht wieder bis in die Puppen wird. Gestern war es viel zu spät, vom gesundheitlichen Standpunkt betrachtet. Weit nach Mitternacht habe ich das Bett aufgesucht, ganz gegen meine neuen Gewohnheiten. Schlamperei! Wenn man der Welt wirklich etwas mitzuteilen hat, kann das ja wohl nicht von der Nachtstunde abhängig sein. Ach stimmt, ich habe mit den Bildern von gestern so herumgetrödelt. Heute gibt es keine neuen Bilder, nur ein altes von gestern, deswegen bin ich jetzt auch gleich ganz fertig mit dem Blogeintrag! Ich versuche meinen Lebensrhythmus neuerdings mehr den hiesigen geographischen Lichtverhältnissen anzupassen.

Eine Weile war ich davon überzeugt, dass Mitteleuropa einfach der falsche Standort für einen adäquaten Tag-Nacht-Rhythmus für mich ist, nachdem ich bei einer Reise vor ein paar Jahren sehr überrascht bemerkt hatte, dass ich in der Zeitzone, die in Amerika herrscht, auf einmal Frühaufsteherin bin und bei Sonnenuntergang rechtschaffen müde. Deswegen hatte ich wahrscheinlich auch keinen „jet lag“. Da wird ja immer viel Getue drum gemacht. Aber ich kann mich vielleicht doch umerziehen. Eine neue Erkenntnis! Man muss das nur mal über einen längeren Zeitraum ausprobieren. Also mit dem früh schlafen gehen. Auf einmal kriegt man Lust zum Sonnenaufgang aus den Federn zu springen. Hätte ich nie für möglich gehalten. Toll! Tageslicht ist schon eine besonders exklusive Sache, auch für die mentale Verfassung. Das Leben kommt einem irgendwie länger vor. Ich meine die Tage. Ergiebiger. Wenn die Stunde kommt, wo man Licht anknipsen muss, ist ja gefühlt der Tag vorbei und der Abend angebrochen, und wenn man also taktisch geschickt, schon die ersten taghellen Stunden ausgeschlafen erlebt, ist der Tag gefühlt länger als anders rum! Total clever. Andere Haushaltstipps habe ich für heute leider nicht!

04. Februar 2012


Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin. Ich muss ja nur zum Fenster gehen und den guten alten Fernsehturm ein bißchen näher holen. So kann ich mir in Ruhe die Details anschauen. Ich sehe ihn aus meinem Schlafzimmer und dem anderen Zimmer nach Süden. Rechts daneben kommt die Kuppel vom Berliner Dom und noch weiter rechts die von der Synagoge. Und dazwischen noch der Turm von der Sophienkirche, hier in Metropolis. Ich muss endlich mal das Kinoprogramm besser verfolgen, damit ich sehe, wann die vor zwei Jahren neu geschnittene Fassung von Metropolis im Kino gezeigt wird. Die Fassung, die der Premierenfassung entspricht, die so viele Jahrzehnte unauffindbar war und mit Hilfe einer alten, schlechten Kopie aus Argentinien wieder hergestellt wurde. Die sehr abenteuerliche Geschichte der aufwändigen Rekonstruktion mit der jahrzehntelangen Spurensuche nach der Originalfassung kann man in der Dokumentation „Die Reise nach Metropolis“ verfolgen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

02. Februar 2012

Kein Wunder, dass die „Erinnerungen“ von Albert Speer seinerzeit ein Bestseller waren. Ich bin noch ziemlich am Anfang und fühle mich bestens „unterhalten“, würde ich ohne Gänsefüßchen schreiben, wenn ich wüsste, dass den Beitrag nur Menschen lesen, die diese Lektüre ihrerseits kennen. Wie gesagt, ich bin noch am Anfang. Gerade wird die „Neue Reichskanzlei“ auf dem Reißbrett geplant und die alte Reichskanzlei (übrigens hat der alte Bismarck und nicht etwa Hitler sich diese Bezeichnung ausgedacht) umgebaut, renoviert, neu eingerichtet. Albert Speer verbringt demzufolge recht viel Zeit mit Hitler, da dieser an jedem Detail des Umbaus sehr interessiert ist. Architektonische Angelegenheiten sind quasi sein Steckenpferd. Und am Abend wird in Hitlers vorübergehender Bleibe, auch irgendwo in Mitte, gemeinsam zu Abend gegessen und privaten Filmvorführungen beigewohnt. Bei Tisch kann man dann den privaten „Führer“ mit seinen zum Teil ulkig anmutenden Äußerungen aus nächster Nähe erleben. Das hat mich heute schon zum Lachen gebracht. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass man immer diesen überdrehten abgehackten Duktus seiner Reden dabei im Ohr hat, obwohl er privat ganz ruhig und melodiös sprechen konnte. Damit hat er sie um den Finger gewickelt, seine Adepten. Ich habe mir passend zum Thema einen Architekturführer über die Bautätigkeiten in der Nazi-Ära in Berlin bestellt. Vieles von der großen Welthauptstadt „Germania“ war ja nur geplant, vieles wurde durch den Krieg zerstört und die Reste planvoll beseitigt, um keine Pilgerstätten zu provozieren. Moment, ich muss mal das Buch holen und ein Stelle abschreiben, wo ich lachen musste. Charlie Chaplin hätte diese kruden Sätze von Hitler wohl kaum schöner erfinden können.
„Manchmal sprach er von seinen Reisen: »Schreck war der beste Fahrer, den ich mir vorstellen kann und unser Kompressor machte 170. Wir fuhren immer sehr schnell. Aber in den letzten Jahren habe ich Schreck befohlen, nicht mehr über 80 zu fahren. Nicht auszudenken, wenn mir etwas passiert wäre! Ein besonderer Spaß war das Hetzen großer Amerikaner. Immer hinterher, bis die der Ehrgeiz packte. Diese Amerikaner sind ja Dreck verglichen mit einem Mercedes. Ihr Motor hielt das nicht aus, lief nach einiger Zeit sauer und sie mußten mit langem Gesicht am Straßenrand anhalten. Geschah ihnen recht!«“
A. Speer, Erinnerungen, S. 48

[ Diesen Eintrag habe ich bereits vorgestern, am zweiten Februar, verfasst und wurde dann leider kurz nach Fertigstellung am Veröffentlichen gehindert. Zeitweise hatte ich schon den Gedanken, ob Blogeinträge in denen die Buchstabenfolge Hitler vorkommt, womöglich automatisch gesperrt werden. Aber nachdem beim Testen auch einem aus Pünktchen bestehenden Eintrag kein Erfolg beschieden war und ich sehen konnte, dass auch andere twoday-Blogs seit dem selben Zeitpunkt keine neuen Einträge und Kommentare mehr hatten, habe ich diese Erklärung wieder fallen lassen. Nun scheint ja wieder alles zu funktionieren. Wie sehr man an seinem kleinen Blog und der Veröffentlichungsfunktion hängt… ]

01. Februar 2012


So ungefähr, Februar in Berlin. Kalt wie eben überall im Land. Aber ganz trocken und oft Sonne, die aber temperaturmäßig nichts Erwähnenswertes ausrichtet. Kapuzenanoraks, Mützen, Schals vor dem Mund, Kälteschutzbrille. Die Menschen laufen noch schneller als sonst von da nach da, wo sie halt hinmüssen. Ich auch. Zack zack. Alles schnell, Schnell zurück ins Warme. Auch bald wieder vorbei! Hauptsache dicke Strümpfe und Socken, viele Schichten. Es gibt heutzutage sogar flauschig weiche, dickere Strumpfhosen, auch wenn sich das viele traumatisierte Menschen meiner Generation nur schwer vorstellen können. Von Falke und Ergee, so Baumwoll-Elastan-Gemisch. Bestimmt auch noch von anderen tollen Marken. Muss man mal ausprobieren. Ich kann halt immer nur über die Marken reden, die ich kenne und die guten Sachen soll man beim Namen nennen! Bin ich froh, dass ich nicht für eine Zeitung oder ein öffentliches Organ schreibe, wo man nie das Kind beim Namen nennen darf. Ich schreibe ja sowieso fast nur die Namen von Sachen, die ich gerne mag. Die anderen müssen sich halt noch mehr anstrengen, mit ihrer Spitzen-Qualitäts-Produktion!

01. Februar 2012


So ungefähr, Februar in Berlin. Kalt wie eben überall im Land. Aber ganz trocken und oft Sonne, die aber temperaturmäßig nichts Erwähnenswertes ausrichtet. Kapuzenanoraks, Mützen, Schals vor dem Mund, Kälteschutzbrille. Die Menschen laufen noch schneller als sonst von da nach da, wo sie halt hinmüssen. Ich auch. Zack zack. Alles schnell, Schnell zurück ins Warme. Auch bald wieder vorbei! Hauptsache dicke Strümpfe und Socken, viele Schichten. Es gibt heutzutage sogar flauschig weiche, dickere Strumpfhosen, auch wenn sich das viele traumatisierte Menschen meiner Generation nur schwer vorstellen können. Von Falke und Ergee, so Baumwoll-Elastan-Gemisch. Bestimmt auch noch von anderen tollen Marken. Muss man mal ausprobieren. Ich kann halt immer nur über die Marken reden, die ich kenne und die guten Sachen soll man beim Namen nennen! Bin ich froh, dass ich nicht für eine Zeitung oder ein öffentliches Organ schreibe, wo man nie das Kind beim Namen nennen darf. Ich schreibe ja sowieso fast nur die Namen von Sachen, die ich gerne mag. Die anderen müssen sich halt noch mehr anstrengen, mit ihrer Spitzen-Qualitäts-Produktion!

30. Januar 2012

Ich will es einmal so formulieren, also irgendwie positiv. Eine große Freude kann man mir immer damit machen, wenn man mir nichts Selbstgestricktes schenkt. Zum Glück besteht keinerlei akute Gefahr. Zu den Dingen, über die ich mich nicht wirklich freuen kann, gehört der Anblick von Selbstgestricktem. Weder Socken (wobei die noch das kleinste Übel sind, aber auch nichts, wofür ich aus freien Stücken Verwendung hätte), noch Schals, noch Pullover und ganz bestimmt niemals Strickjacken. Neben den kratzigen Strickstrumpfhosen meiner Kindheit, die härteste Herausforderung. Aber man soll nicht denken, das sei ja nun alles lange her, irgendwann Ende der Sechziger Jahre, Anfang der Siebziger. Damals mussten sogar arme kleine Jungs gestrickte Höschen und Hosen anziehen. Von Mutti oder Oma gestrickt. Man konnte sich ja nicht wehren. Zum Glück blieb mir eine Strickhose erspart. Aber was macht man, wenn man über ein oder sogar mehrere Blogs stolpert, in denen Abbildungen von Selbstgestricktem in allerlei Farbkombinationen, die ich persönlich nie für möglich gehalten hätte, zur Ansicht dargeboten werden. Also nicht 1969, sondern 2012. Es gibt sogar Frauen, die nicht nur freiwillig „melierte“ Wolle zu unförmigen Strickjacken mit aufdringlichen Knopfleisten verarbeiten, sondern diese Wolle auch noch selbst färben. Mit Pflanzenfasern. Da kommen dann so schöne grün-kackbraun-dunkelrot-grau-Nuancen dabei raus. Ganz apart. Fortgeschrittene spinnen die Wolle nicht nur selber, sondern schnitzen sich auch die Spindel selbst. Ein die langen, langen dunklen Wintertage ausfüllendes Hobby. Ganz oft haben die strickenden Frauen Familie, Kleinkinder (die nonstop mit neuer Ware versorgt werden müssen, sie wachsen ja so schnell raus, die lieben Kleinen) und auch Männer, von denen aber nur so am Rande die Rede ist. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein Mann auf diesem Planeten Frauen in Strickjacken mit Holzknöpfen attraktiv findet. Was ist da los? Fressen diese nebenher laufenden Familienväter ihre ästhetische Frustration in sich hinein? Oder setzt irgendwann ein Stadium der totalen visuellen Abstumpfung ein? Hauptsache Mutti kocht und backt immer schön und nachts unter der Bettdecke ist sie ja zum Glück nackig? Okay. Ich war mal wieder zu Besuch auf einem meiner „Studien„-Blogs. Sie wissen schon. Manchmal muss es einfach raus. Ja, das Blog mit den Astlochmöbeln.

30. Januar 2012

Ich will es einmal so formulieren, also irgendwie positiv. Eine große Freude kann man mir immer damit machen, wenn man mir nichts Selbstgestricktes schenkt. Zum Glück besteht keinerlei akute Gefahr. Zu den Dingen, über die ich mich nicht wirklich freuen kann, gehört der Anblick von Selbstgestricktem. Weder Socken (wobei die noch das kleinste Übel sind, aber auch nichts, wofür ich aus freien Stücken Verwendung hätte), noch Schals, noch Pullover und ganz bestimmt niemals Strickjacken. Neben den kratzigen Strickstrumpfhosen meiner Kindheit, die härteste Herausforderung. Aber man soll nicht denken, das sei ja nun alles lange her, irgendwann Ende der Sechziger Jahre, Anfang der Siebziger. Damals mussten sogar arme kleine Jungs gestrickte Höschen und Hosen anziehen. Von Mutti oder Oma gestrickt. Man konnte sich ja nicht wehren. Zum Glück blieb mir eine Strickhose erspart. Aber was macht man, wenn man über ein oder sogar mehrere Blogs stolpert, in denen Abbildungen von Selbstgestricktem in allerlei Farbkombinationen, die ich persönlich nie für möglich gehalten hätte, zur Ansicht dargeboten werden. Also nicht 1969, sondern 2012. Es gibt sogar Frauen, die nicht nur freiwillig „melierte“ Wolle zu unförmigen Strickjacken mit aufdringlichen Knopfleisten verarbeiten, sondern diese Wolle auch noch selbst färben. Mit Pflanzenfasern. Da kommen dann so schöne grün-kackbraun-dunkelrot-grau-Nuancen dabei raus. Ganz apart. Fortgeschrittene spinnen die Wolle nicht nur selber, sondern schnitzen sich auch die Spindel selbst. Ein die langen, langen dunklen Wintertage ausfüllendes Hobby. Ganz oft haben die strickenden Frauen Familie, Kleinkinder (die nonstop mit neuer Ware versorgt werden müssen, sie wachsen ja so schnell raus, die lieben Kleinen) und auch Männer, von denen aber nur so am Rande die Rede ist. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein Mann auf diesem Planeten Frauen in Strickjacken mit Holzknöpfen attraktiv findet. Was ist da los? Fressen diese nebenher laufenden Familienväter ihre ästhetische Frustration in sich hinein? Oder setzt irgendwann ein Stadium der totalen visuellen Abstumpfung ein? Hauptsache Mutti kocht und backt immer schön und nachts unter der Bettdecke ist sie ja zum Glück nackig? Okay. Ich war mal wieder zu Besuch auf einem meiner „Studien„-Blogs. Sie wissen schon. Manchmal muss es einfach raus. Ja, das Blog mit den Astlochmöbeln.

29. Januar 2012


Da hat wer ein Strichmännchen in den Schnee auf dem einen Auto da unten gemacht. Sieht super aus. Ich bin aber zu faul zum Fotografieren. Wahrscheinlich, weil ich schon seit ungefähr sechs Uhr auf bin. Einfach so! Bin aufgewacht und habe dies und das gemacht. Und die größte Aktion war, bis gerade eben, Wachsflecken aus dem Teppich machen, die da schon ein Weilchen sind. Gestern habe ich wieder eine Kerze umgeschmissen, beim Drübersteigen und Hinsetzen mit dem Ellbogen umgekippt. Jetzt hat es sich richtig gelohnt. Ganz schön umständlich, so viel Wachs aus dem Teppich zu kriegen. Zuerst habe ich das trockene Wachs mit einem Salatlöffel aus Edelstahl so weit wie möglich abgekratzt. Dann die Krümel weggesaugt. Und dann mit dem Bügeleisen und Zeitungs- und Einwickelpapier drübergebügelt. Muss man ein paar mal machen. Dann Ergebnis prüfen! Noch mal mit dem Salatlöffel gegen den Strich kratzen, es darf keinen weißen Schatten vom Wachs mehr geben. War aber! Also nochmal mit dem Bügeleisen drüber. Nun ist es vollbracht. Die Sonne scheint und es liegt ein bißchen erster Schnee. Was mich aber, wie ich mich kenne, nicht dazu bewegen wird, mein kuscheliges Nest zu verlassen. Auf diese Art und Weise gelingt es mir seit mittlerweile – toi! toi! toi! – drei Jahren erkältungsfrei zu überleben! Ich sehe da einen Zusammenhang. Und niemals kalt duschen! Und immer dicker Schal und Handschuhe! Und warme Füße. Habe ich, glaube ich schon letztes Jahr gepredigt, wo es wirklich ein saukalter, eisiger Winter war. Nun kriegen wir halt auch so ein paar Tage Demoversion Winter. Ist schon okay. Meinethalben Februar in der Wintervariante und dann März. Super!

Ulkiges Foto mit Hasenzähnen! An was ich da wohl wieder gedacht habe. Wahrscheinlich, dass ich beim Fotografieren öfter mal die Zähne zeigen sollte, so lange ich noch welche, also echte, habe!

29. Januar 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

Als ich vorhin noch mal aus dem Fenster geguckt habe, hat jemand noch ein zweites Strichmännchen unter das andere gemalt und kommentiert. Wie im Blog! Cool. Dann habe ich doch den Fotoapparat aus dem Schlafzimmer geholt und das inzwischen wieder verschwundene Werk für die Ewigkeit festgehalten. Und die Schaufel Schnee auf den Dachziegeln und dem Balkon. Demoversion Winter halt, völlig okay. Ich habe sogar kurz die Balkontür aufgemacht, um den Grashalm und den Schnee ein bißchen näher abzulichten. Dann aber gleich wieder zu und fix zurück ins Warme! Ich war bestimmt zwanzig Sekunden an der kalten Luft! Hoffentlich gibt das keine Lungenentzündung! Schnell noch einen Apfel extra gegessen, als zusätzlichen Abwehrschutz!

29. Januar 2012


Da hat wer ein Strichmännchen in den Schnee auf dem einen Auto da unten gemacht. Sieht super aus. Ich bin aber zu faul zum Fotografieren. Wahrscheinlich, weil ich schon seit ungefähr sechs Uhr auf bin. Einfach so! Bin aufgewacht und habe dies und das gemacht. Und die größte Aktion war, bis gerade eben, Wachsflecken aus dem Teppich machen, die da schon ein Weilchen sind. Gestern habe ich wieder eine Kerze umgeschmissen, beim Drübersteigen und Hinsetzen mit dem Ellbogen umgekippt. Jetzt hat es sich richtig gelohnt. Ganz schön umständlich, so viel Wachs aus dem Teppich zu kriegen. Zuerst habe ich das trockene Wachs mit einem Salatlöffel aus Edelstahl so weit wie möglich abgekratzt. Dann die Krümel weggesaugt. Und dann mit dem Bügeleisen und Zeitungs- und Einwickelpapier drübergebügelt. Muss man ein paar mal machen. Dann Ergebnis prüfen! Noch mal mit dem Salatlöffel gegen den Strich kratzen, es darf keinen weißen Schatten vom Wachs mehr geben. War aber! Also nochmal mit dem Bügeleisen drüber. Nun ist es vollbracht. Die Sonne scheint und es liegt ein bißchen erster Schnee. Was mich aber, wie ich mich kenne, nicht dazu bewegen wird, mein kuscheliges Nest zu verlassen. Auf diese Art und Weise gelingt es mir seit mittlerweile – toi! toi! toi! – drei Jahren erkältungsfrei zu überleben! Ich sehe da einen Zusammenhang. Und niemals kalt duschen! Und immer dicker Schal und Handschuhe! Und warme Füße. Habe ich, glaube ich schon letztes Jahr gepredigt, wo es wirklich ein saukalter, eisiger Winter war. Nun kriegen wir halt auch so ein paar Tage Demoversion Winter. Ist schon okay. Meinethalben Februar in der Wintervariante und dann März. Super!

Ulkiges Foto mit Hasenzähnen! An was ich da wohl wieder gedacht habe. Wahrscheinlich, dass ich beim Fotografieren öfter mal die Zähne zeigen sollte, so lange ich noch welche, also echte, habe!

24. Januar 2012

BESTELLBESTÄTIGUNG
Versand: Standardversand
Lieferung voraussichtlich: 27. Januar 2012

1 „Taste Nature Kakao Bohnen, Roh, Bio, Fair Trade, 250 g“
EUR 8,95
1 „Domori Kakaobohnen Fave di cacao 100 g“
EUR 9,95
1 „Tonkabohnen“
EUR 8,90
1 „Bourbon-Vanille gemahlen“
EUR 9,90
1 „Kakao Bohnen, Geröstet 400g“
EUR 12,99

Es gibt einige essentiell wichtige Baustoffe für den Organismus, welche ich noch nicht in erstrebenswerter Güte bei Aldi entdeckt habe. Hallo Aldi, wenn du mitliest, bitte nehme die oben aufgelisteten Sachen ins Programm. Ich meine Sortiment. Außerdem noch Kokosmilch und Kürbisse und italienischen Espresso. Auch noch wünsche ich mir: ungemahlenen Kümmel, ungemahlenen Fenchelsamen und ungemahlenen schwarzen Pfeffer und grob und fein gemahlene Chilischoten und Seitenbacher Müsli Nr. 107. Dann könnte ich noch mehr Sachen bei dir kaufen. Das wäre doch super fürs Geschäft oder? Andererseits ist es natürlich auch nicht schlecht, wenn ich mal woanders hinkomme und mit noch mehr Bevölkerungsschichten in Kontakt komme, so wie früher! Neulich beim Müslikaufen in der Rosenthaler Straße, beim Superspar-Edeka, gab es Kontaktbestrebungen, die nicht von mir ausgingen. Das war eigentlich ganz lustig. Ein buntes Völkchen ist da unterwegs. Okay, bei Aldi auch, aber unter den Leuten, die so wie ich früher, keine Lust haben Preise zu vergleichen, sind auch nette dabei. Also pass auf, Aldi: du musst die Sachen ja nicht dauerhaft ins Programm nehmen, damit ich ein bißchen Abwechslung habe. Die Sachen da oben haben die anderen normalen Supermärkte ja auch nicht im Programm, da musst du jetzt keine Komplexe kriegen, deswegen. Ich habe eben so ein paar Vorlieben, weil ich mich Raumschiff Enterprise-mäßig ernähren will, so Future-Shock-Vulkanier-mäßig, spacig visionär!

Wegen Hundertsieben werden! Ich glaube Madonna sagt immer, sie legt Wert auf „unprocessed food“. Nun ja, ganz unprocessed ist das natürlich auch nicht, wenn so ein Kakaoböhnchen fermentiert und geröstet wird. Aber im Prinzip ist das schon cool. Ich bin eine große Freundin von Zutaten, – also Einzelbestandteile aus identifizierbaren Herkunftsprodukten oder wie man das nennen soll, selber zusammenmischen. Lebensalter gemäß auf dem Torschlußpanik Alterungsprozess Reife bedingten Gesundheitstrip, aber mit extremen Hang zum Gourmet-Delikatessentum. Ich würde zum Beispiel nie Sachen essen, die als gesund gelten, aber langweilig schmecken. Zum Glück habe ich ein Händchen dafür, welches Gewürz zu welchem Dings passt. Aber ich esse schon auch noch dreieinhalb zusammengerührte Sachen. Zum Beispiel bei Joghurt und Kefir ist auch alles Mögliche noch extra drin. Wenn ich nur an den Pfirsich-Dingsbums-Sahne-Kefir von Aldi denke, von dem ich jeden Tag mindestens ein Töpfchen essen muss. Ich gucke auf das Kleingedruckte und sehe, dass da jetzt nicht direkt was drin ist, worauf ich nachweislich Pickel oder Asthmaanfälle kriege. Aber schon ein ziemlicher Mix an Zusatzstoffen und na ja. Bio steht jedenfalls nicht drauf. Aber es schmeckt! Also ich versuche auszuchecken, welche Zusatzstoffe okay sind und welche ich nicht so gut verstoffwechseln kann. Trial and Error. Ich denke, je weniger verschiedenes Zeugs zusammengerührt ist, desto einfacher zu verdauen. Ich kann mich aber auch irren. Schließlich weiß man ja inzwischen auch, dass alles Mögliche an Gemüse als schwer verdaulich gilt.
Wie auch immer. Ich freue mich schon auf das Kakao- und Tonkabohnen-Geschmackserlebnis. Sehr gesund nebenbei! Und reine gemahlene Vanille! Ich bin begeistert. Das Gefummel mit Vanilleschoten ausschaben ist meine Sache nicht. Das kostet zu viel Zeit. Was soll man abschließend von meinem Vorgehen halten? Ich probiere aus, was meinen Motor turbomäßig beschleunigt. Könnten unter Umständen auch Hormone in Milchprodukten sein. Ja ja, das ist nicht alles politisch korrekt. Das schafft doch sowieso niemand von uns. Aber man bemüht sich punktuell. Die Menschen sind sensibilisiert und machen sich ein Gewissen beim Einkaufen, das war früher nicht. Nicht in dem Ausmaß. Ich kaufe auch seit Jahren nur die Eier mit der Null-Nummer auf dem Stempel, in der Hoffnung, dass es manchmal wenigstens nicht gefaked ist. Ach, ich will an das Gute im Menschen glauben. Es ist nicht alles nur schlecht! Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich das Gefühl, die Welt wird ganz langsam immer ein bißchen gewissenhafter. Nicht so Knall auf Fall, aber stetig. Glaube ich ganz fest! Auch natürlich, weil wir uns dank Internet nicht mehr so veräppeln lassen müssen wie früher.
Zum Beispiel konnte man früher gar nicht nachlesen, welche Aldi-Sachen in Wahrheit Marken-Produkte nur mit anderem Etikett drauf sind. Heute guckt man in sein Internet! Neulich war ich sogar fünf Minuten vor Acht bei Aldi. In der Früh! Ich gucke so in die Wolken und warte bis der Laden aufmacht. Da fährt ein großer goldgelber Laster vor. Auf dem Laster hat „Golden Toast“ draufgestanden. Zuerst habe ich noch gedacht, ist da nebenan noch ein Supermarkt, der beliefert wird? Aber ich habe schnell gemerkt, dass er direkt vor dem Aldi-Lieferanten-Zugang gehalten hat. Dann wurden lauter goldgelbe Körbchen ausgeladen und nach hinten getragen. So goldgelb wie die Verpackung von dem Toastbrot waren die Plastikkörbchen. Aber es waren lauter andere Sachen drin! Die ganzen Aldi-Brotsorten, die es eben so gibt. Ohne goldgelbe Verpackung. Auch wenn ich die Sachen nicht kaufe, war es schon interessant, das so in echt zu sehen. Ein paar Minuten später, ich war übrigens die erste Kundin, komme ich hinten an dem Brotregal vorbei und sehe wie die fleißige Mitarbeiterin die frisch angelieferten Sachen einsortiert. Aus den goldgelben Körbchen. Übrigens sind die Mais- und Bohnenkonserven bei Aldi aus dem Hause Bonduelle. Usw. usf. Nun gut, die Milchprodukte werden nicht heimlich auf tollen Demeterhöfen fabriziert, aber doch von diversen Global Playern der deutschen Milchindustrie. Ja, ja, soll man nicht unterstützen. Ich kaufe derzeit drei Sorten Milchprodukte bei Aldi, mit der irischen Butter vier. Und Emmentaler. Ich bin halt auch noch nicht perfekt. Aber fast! Bald.
Demnächst! Und dann wird dieses Blog leider geschlossen, weil es über mein dann perfektes Leben ja nicht mehr viel nachzudenken, in Frage zu stellen und zu grübeln geben wird. Vielleicht fängt Seal jetzt ja auch zu bloggen an. Ich meine richtig, nicht nur so ein Alibi-Blog, weil man das der Vollständigkeit halber eben auch auf seiner Seite als Link hat und dann doch nie weiß, was man da schreiben soll. Außer auf die Dauer für den Leser etwas langweilige Erfolgsmeldungen. Also bei mir ist da erst mal keine Gefahr. Großes IndiVulkanierehrenwort.

22. Januar 2012


Wenn man über das erschrickt, was man verloren hat, weil man sich einen Moment umgedreht hat und zurückgeschaut, ist es gut, sich gleich danach wieder in die andere Richtung zu drehen und nachzuschauen, ob nicht auch etwas gewachsen ist, mehr geworden ist. Etwas an Gutem nachgewachsen ist. Vielleicht sogar daraus. Aus der erstickten oder kranken oder abgeschnittenen Wurzel. Zum Beispiel kann es sein, dass etwas ganz Neues an derselben Stelle keimt. Vielleicht ein Gewächs, das besser mit dem Erdboden zurechtkommt, als das alte, das man zum Blühen bringen wollte. Das keinen Extra-Dünger braucht, von dem man nicht weiß, wo man ihn herkriegen soll. Oh weh, ich verheddere mich in einem Metapherngestrüpp, wenn ich weiterschreibe. Ich sehe etwas Verlorenes, eine Art verlorenes Barbiepuppenschloss. Pink und Orange. Und Schwarz. So ein schräges Hippie-Barbie-Puppen-Rocker-Gruftie-Schloss. Aber die schwarzpinkorange Hippie-Barbie ist noch da. Das bin ich. Sie hat keine albernen Blumen mehr auf den Sonnenbrillengläsern. Ein bißchen souveräner ist sie geworden. Unerschütterlicher. Und sehr stark. Sie hat wieder ein bißchen mehr gesehen, durch die transparenten bunten Tücher in ihrem Elfenbeinturm und kann noch besser die Wirklichkeit erkennen. Das ist ein Gewinn, weil man dann weniger verlieren kann und einen Bagger nicht mehr mit einem Einhorn verwechselt. Oder so ähnlich. Vergessen Sie diesen Eintrag. Der ist nur für mich allein daheim bestimmt. Ich kann derlei wirre Blogeinträge mit kryptischem Geschwafel auf den Tod nicht ausstehen! Zur Strafe bleibt der Eintrag stehen, als Mahnmal!

22. Januar 2012

Heller ist schon schöner. Es muss nicht sonnig sein, aber so eine Ahnung davon hinter den Wolken ist doch inspirierender als die betonierte Wolkendecke, wenn man gerade keine Sachen vorhat, die sich nur vor dem Computer abspielen. Aber sogar dann. Ich bin gestern ganz früh schlafen gegangen, weil es den ganzen Tag so halbdunkel war und dann schon früh komplett. Mit Buch kurz nach Neun Uhr ins Bett, ein bißchen lesen und dann weg. Das ist eine zuverlässige Einschlaftechnik, so ein bißchen seitlich zur Lampe neben dem Bett gedreht, damit der kleine Lichtschein gerade auf die eine Buchseite fällt, die ich lese. Nach spätestens fünf Seiten merke ich, dass ich nur noch Buchstaben scanne und nichts mehr von der Geschichte mitkriege seit einer Weile, egal wie spannend das Buch ist. Dann klappe ich zu und mache die Lampe aus und bin nach wenigen Sekunden weg. Ja, heute ist es heller. Wenn die Sonne ein bißchen wärmend dabei wäre, würde ich vielleicht zum Trödelmarkt am Siebzehnten Juni fahren oder zu dem an der Museumsinsel. Ich hätte nämlich gerne eine Psyche. Jawohl, eine Psyche. Scheinbar einer der wenigen Begriffe bei Wikipedia, der nicht in dem Zusammenhang vertreten ist, den ich meine. Ich habe das auch gerade erst gelernt. Als Psyche hat man früher unter anderem auch ein kleines Möbel bezeichnet, das hauptsächlich aus einem schwenkbaren Frisier- oder Schminkspiegel mit einer kleinen Schublade unter dem Fuß besteht, aber ohne Tischbeine.

Am liebsten hätte ich eine Psyche aus einem schönen Holz, vielleicht Wurzelholz, Art Déco oder sehr schnörkelloses Biedermeier. Kirschbaum wäre auch schön. Und nicht zu groß. Hab schon das ganze Internet durchgeschaut. Eine schlichtere ist dabei, kostet stolze fünfhundertachtzig Euro, Biedermeier. Die ist mir allerdings zu groß. Ich mache mich nämlich am liebsten bequem im Sitzen zurecht, nicht im Badezimmer vor dem Spiegel. Im Stehen ist mir zu unbequem. Ich sitze lieber mit einem kleinen Standspiegel am Küchentisch, mit dem heißen Kaffee neben mir und mache alles ganz in Ruhe. Haare föhnen, Wimpern tuschen. Rummalen. Ich liebe dieses Ritual. Mein Spiegel hat einen kleinen Sprung, schon eine Weile. Er ist ganz schön, aber seit ich realisiert habe, dass es auch alte Psychen gibt, bin ich daran interessiert, eine besonders schöne zu finden. Ich bin drauf gekommen, als ich vorhin einen kurzen Film über das blaue Haus von Frida Kahlo gesehen habe und in einer kurzen Sequenz [bei 4:37] war ein besonders schöner Spiegel auf einem Fuß zu sehen und daneben Farben und Pinsel. Ich dachte einen Moment, das wäre ihr Frisiertisch gewesen, aber als ich das Standbild genau betrachtete, erkannte ich, dass es keine Schminkpinsel und -Farben waren sondern ihre Malsachen. Klar, sie brauchte ja einen Spiegel für ihre Selbstportraits. So ein Spiegel wie der von Frida wäre auch schön, nur nicht zu schnörkelig, das ist nicht mein Fall. Aber mit Schublade unten dran ist noch besser. Dann sind die Malsachen schon immer dabei. Vielleicht schaue ich nächstes Wochenende mal auf unseren schönen Flohmärkten. Außerdem muss man da ja dann ordentlich Bargeld mitnehmen. Ich schätze mal, dass man technisch noch nicht so fortgeschritten ist, um an den Tapeziertischen mit EC- oder Visakarte bezahlen zu können. Fände ich schön, wenn ich mir von meinen kleinen Ersparnissen eine Psyche kaufen könnte.
P.S. gerade überlegt, vielleicht kommt von dem alten Möbel ja sogar die gebräuchliche Metapher einen Sprung in der Psyche haben.

19. Januar 2012

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Kleines Dschungel–Buch. Die meisten Kreaturen wollte keiner mehr haben und ich habe sie vor dem Mülleimer gerettet. Der komische Kaktus, der auf einmal so grüne Blätter aus der Seite kriegt, nach vielen Jahren, ist lieblos in einer Art Raucher-Aufenthaltsraum verkümmert. Dann wurde das Rauchen verboten und alles ausgeräumt und gestrichen und das stachelige Wesen stand ziemlich eklig nach altem Rauch müffelnd in einer schattigen Ecke, von niemandem gepflegt, aber man war wohl auch zu faul den einen Meter hohen vergammelten Kaktus irgendwo zu begraben, geschweige denn zu retten. Mir tat er leid und ich wollte sehen, ob er nach all den Jahren des Kränkelns gesund und kräftig werden könnte. So ein großer Kaktus ist teuer! Ich habe ihn erst mal kräftig abgeduscht und ausgelüftet und in einen guten Topf mit so kleinen Wüstensteinchen. Das scheint er zu mögen, er ist ganz fit und kriegt auf einmal diese Blätter auf der Seite, wie eine kleine Diva mit einem Fächer oder einer Blume im Haar. Die anderen Gewächse sind auch irgendwo gefunden oder aussortiert worden. Nur die Agave und den Bambus hab ich mal gekauft. Alle anderen Sachen, die ich nicht identifizieren kann, sind ganz von selber gewachsen. Einen Grapefruitbaum habe ich erst nach Monaten identifiziert, an den Blättern und Stacheln. Ich schmeiße immer die Obstkerne in die Blumentöpfe. Manchmal aus zwei bis drei Metern Entfernung. Ich habe deswegen jede Menge Orangenbaumkinder, in allen Größen. Wenn also wer einen braucht. Dass es Orangenbäumchen sind, kann ich deswegen so sicher sagen, weil ich keine Zitronen esse und auch keine Mandarinen und Grapefruit nur ganz selten, alle zwei Jahre. In den nächsten Monaten dürften allerdings einige Pflaumenbäumchen das Licht der Welt meiner Wohnung entdecken, da hab ich einiges verteilt, in den letzten Wochen. Gießen ist so eine Gefühlssache. Früher ist mir viel eingegangen, weil ich überbemüht war, eben immer viel, viel zu gießen und hab manches Pflänzchen wohl ertränkt. Jetzt habe ich scheinbar nur Pflanzen und Gestrüpp, das nichts groß übel nimmt. Ich kann auch mal zwei Wochen verreisen, vorher schön gießen und wenn ich nach Hause komme, können sie wieder gut was vertragen aber keiner ist tot. Und auf dem Balkon, hinten raus, hab ich sowieso nur Zeugs aus dem Wald und was da eben wachsen mag. So Heckmeck gibt es bei mir nicht, mit Pflanzen im Frühling raus und im Winter rein. Das ist mir alles zu umständlich. Ich wollte ausnahmsweise in diesem Sommer meinem Grapefruitbaum eine Sommerfrische auf dem Südbalkon bescheren, als besondere Zuwendung. Keine gute Idee! Ich musste ihn anbinden, am Dach, so windig war es in seiner Zwei-Meter-Höhe, der knalligen Südsonne und dem Wind ausgesetzt. Er hat ganz beleidigt und vertrocknet ausgeschaut. Die Blätter sind immer blasser geworden und dann sind welche abgefallen und ich habe Panik gekriegt. Er sah schon halb tot aus. Dann hab ich ihn wieder reingestellt, nach mehrwöchiger Sommer-Tortur im Freien. Er hat sich sofort berappelt. Kein einziges neues Blatt hat er draußen gekriegt, im Gegenteil! Und sonst, voher, dauernd neue! Alle Nase lang! Ich hatte ein ganz schlechtes Gewissen. Und dann war er endlich wieder an seinem windgeschützen Platz an der Fensterscheibe zum Balkon und schon nach drei Tagen hat er wie verrückt angefangen, neue kleine Blätter zu machen. Ich habe fast geweint! Und nach zwei Wochen hab ich die Blätter gezählt. Siebzehn neue Blätter! Und große Blätter! Das war wahrscheinlich einer der schönsten Momente im letzten Jahr. Also ich bin eine faule aber bemühte Gärtnerin von meinem kleinen Dschungel. Ich denke, recht viel besser als bei mir ist es woanders auch nicht! Ebendrum.