23. August 2012


Früh zu Bett. Das ist jetzt natürlich nicht das zuletzt pompös angekündigte Ziel, obwohl – als demnächst pompös besetztes Fernziel durchaus in Betracht zu ziehen. Verschwurbelt formuliert. Geschraubt und verschwurbelt ist überwiegend zu geißeln und da ich nicht zur Selbst-Geißelung neige, sofort zu unterbinden. Gut, dass ich so ein folgsamer Typ bin, wenn die Anweisungen durch fachlich geeignete, durchaus autoritäre und kompetente Erziehungspersonen wie mich erfolgen. Wie ich es gehasst habe, von anderen erzogen zu werden! Gut, dass dieser Quatsch seit geraumer Zeit vorbei ist. Wie selten mir pädagogisch wertvoller Rat zuteil wurde. Erschreckend! Kein Wunder, dass ich meine Pubertät bis zum Sankt-Nimmerleinstag in die Länge gezogen habe. Aber für irgendetwas wird es gut gewesen sein. Ich kann unverändert wie Vierzehn gucken oder umgedreht. Ganz wie es gebraucht wird. Nach Lust und Laune! Worum sehr junge Menschen nicht zu beneiden sind, ist die geringe Auswahl an Erinnerungen und die damit einhergehende Reduktion der Virtuosität in sämtlichen Angelegenheiten. Wenn man jetzt zum Beispiel Siebzig ist, kann man – sofern man sich geistig fit hält – einwandfrei das Lebensgefühl von Zehn, Zwanzig, Dreißig, Vierzig, Fünfzig und Sechzig bis einschließlich Siebzig und alles dazwischen abrufen und mitreden und damit rumspielen. Ein Zwanzigjähriger kann die erinnerbaren Lebensjahre zwischen ungefähr Dreieinhalb und eben Zwanzig abrufen. Wenn ich richtig rechne, kommt da weniger dabei raus. Also weniger Auswahl! Ich bin immer für viel Auswahl, auch beim Erinnern. Das ist einfach abwechslungsreicher und damit weniger langweilig. Insofern ist Älterwer sein eindeutig mit einem höheren Entertainmentfaktor verbunden. Herrschaftswissen! So, genug der hochwissenschaftlichen Forschungstätigkeit für heute!
P.S. schnell noch ein Geburtstagsgruß in den Himmel: meine Oma Alma wäre heute Hundertsieben geworden! So alt wie ich werden will! Verstehe gar nicht, warum sie so früh schlapp gemacht hat, wegen blödem Oberschenkelhalsbruch und Embolie, viel zu früh. Vielleicht wollte sie zu meinem Großvater André in den Himmel, der ist noch früher gegangen, wegen Spätfolge Kriegsverletzung. Blöd! Also: Alles Gute, liebe Oma, und sing schön weiter deine Zarah-Lieder, die du mir immer so gerne vorgesungen hast, wo ich klein war.

20. August 2012

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Ich brauch kein Paris, ich brauch kein Venedig. Ich hätte gerade meinen Hut mit nilgrüner Schleife verwettet, dass das Lied von Hilde so anfängt. Aber Paris hat meine Phantasie davorgeklebt. Ich brauche wirklich kein Paris. Es ist bildschön und gehört zur Welt, aber sicher. Und auch schön, es mal gesehen zu haben, aber…
ich brauch kein Venedig
keine Gondeln und Tauben
und selbst die Zitronen
solln ohne mich blühn
ich brauch keine Häfen
an südlichen Meeren
und sämtliche Pinien
sind sowieso grün
ich brauch keinen Flug
in schwingenden Höhen
ich brauch keinen Bach
im verschwiegenen Tal
ich brauch keine Fremden
die mich nicht verstehen
und sternklare Nächte
am Suezkanal
ich brauch meine Straße
die muffige Kneipe
ich brauch meine Beichten
beim Nachtklubportier
ich brauch meinen Hut
mit nilgrüner Schleife
die zugige Ecke
an der ich jetzt steh

Hildegard Knef

Noch kein Epilog. Ende Prolog. Nur wenige Schritte bis zum Ziel.

19. August 2012


Ich habe mich jetzt umentschieden. Ich würde jetzt lieber Kanzlerin werden bzw. Bundespräsidentin unter der Bedingung, dass der Amtssitz getauscht wird. Ins Schloß Bellevue würde ich sowieso nicht mit Sack und Pack ziehen, aber beim Bundeskanzleramt sieht es schon anders aus. Ich war heute nämlich bei Frau Merkels Arbeitsstätte. Das klingt zunächst etwas unglamourös, aber glauben Sie mir, das Bundeskanzleramt ist innen genauso beeindruckend wie schon von draußen. Es hat mir die Sprache verschlagen. Ich habe mich gleich wie daheim gefühlt. Kaum war ich drin, in dem lichtdurchfluteten, architektonischen Prunkstück, hätte ich sofort die Umzugskartons auspacken wollen. Ich bin stolz, dass unser Land so ein schönes modernes Haus als obersten Regierungssitz hat. Man hat eher das Gefühl, in ein Wellness-Hotel zu kommen. Auch der Hubschrauber-Landeplatz mit dem blauen Hubschrauber oben auf dem begrünten Terrassendach hat mich ganz stark angesprochen. Ich habe mich ausführlich mit dem Piloten unterhalten und abgeklärt, wie oft ungefähr geflogen werden wird. Ca. einmal die Woche muss man rechnen. Frau Merkel fliegt gerne und hat keine Flugangst. Aber sie fliegt angeblich vergleichsweise wenig. Ich habe auch keine Flugangst und fliege für mein Leben gern. In einem Hubschrauber wollte ich immer schon einmal fliegen. Das ist ganz mein Ding! Das Blau von dem Hubschrauber steht mir auch unheimlich gut, ich habe ein Test-Foto gemacht. Solche Sachen sind wichtig, alles muss zusammenpassen! Frau Merkel war heute auch gut drauf, auch ihr Make up war tadellos. Wenn sie lacht, sieht sie am besten aus, aber das kann man ja von den meisten Menschen sagen. Sie wirkte sympathisch und aufgeräumt. Unverblümt hat sie

auch gleich zugegeben, dass die Büros im Bundeskanzleramt, obwohl alles sehr weitläufig ist, nicht so groß sind, also die Büros für die Mitarbeiter, aber sie selber hat ein ganz großes, das auch besonders schön ist, wie sie selber sagt. Aber da darf man nicht mehr rein, das ging früher mal bei so Führungen. Na ja, also es ist rundherum schön dort, vorbildliche sympathische Architektur. Schön minimalistisch aber mit vielen weichen Linien, gewellte Deckenelemente, geschwungene Wandsegmente, gebogene Treppenaufgänge, farbige Wandfragmente in Brombeer, Orange und Indigoblau, sparsam gesetzt und dadurch sehr effektvoll. In der mexikanischen Architektur sieht man so etwas häufiger. Lauter schöne kleine Architektenträume sind dort wahr geworden. Wunderbarer Ort. Wahrscheinlich der schönste unter den modernen Regierungssitzen der Erde. Eins mit Stern. Natürlich habe ich eine Milliarde Fotos gemacht. Also nicht ganz, 735. Fünfzig habe ich schon weggeschmissen, es müssen aber noch

mehr werden. Von Steffen Seibert habe ich auch einiges löschen müssen, den habe ich vorher im Bundespresseamt erwischt. Ein kleiner Mann, der erstaunlich jugendlich wirkt für 52. Mir eigentlich

zu jugendlich. Er hatte ganz rote Backen, weil er so geschwitzt hat, weil es ja heute schön warm ist. Aber überall lauer Wind. Ich bin zu Fuß vom Bundespresseamt zum Bundeskanzleramt gelaufen, immerzu den Spreebogen entlang, Friedrich-Ebert-Platz,

Paul-Löbe-Haus. Wie ich diese lichte Ecke mit den großen sonnendurchfluteten Ebenen liebe. Es ist so schön. Und da war lauer Wind. Alles ganz großartig. Gut, dass ich mein Ausflugsverbot durchbrochen habe. Schönster Sommerausflug bis jetzt. Muss was trinken.

18. August 2012


Die ersten beiden Bilder in der Strecke sind gelogen. Oder genauer: man sieht nicht die Französische Straße, sondern die Straßenflucht Oberwallstraße, wenn man von der Französischen Straße aus, an eben der Kreuzung, nach links guckt. Dann aber schnurstracks weiter! Flanieren ist mein Hobby, stelle ich gerade fest. Falls mich mal jemand nach meinen Hobbies fragen sollte. Lange nicht passiert! Liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nie ein Profil bei einer Dating-Plattform angelegt habe. Da muss man ja bestimmt solche Sachen angeben. Neulich beim Telefonat mit einem lieben Freund über meine Hobbies unterhalten. Er hat kompetent herumphantasiert, was ich zum Beispiel angeben könnte, wenn ich mich ganz modern bei einer Dating-Plattform anmelden würde: „Interessen: Leni Riefenstahl, Helmut Newton, früh schlafen gehen, Beten, kein Alkohol, Sparen“. Ich hatte dann die Idee, dass ich vielleicht noch ergänzen könnte: „artig sein – oder „bin gerne artig“. Aber dann hat der liebe Freund ein bißchen dreckig gelacht, und ich habe dann selber gemerkt, dass man das ggf. ein bißchen anders verstehen könnte, als ich es gemeint habe. Wir haben uns dann ordnungsgemäß verabschiedet sowie gegenseitig geruhsame Nachtruhe gewünscht. Egal! Auf jeden Fall sind in der Französischen Straße schicke Immobilien, ich habe da ein Auge dafür! Hobbies: Immobilien/Investment. Das klingt doch bedeutend dynamischer. Aggressiv-dynamisch! Helmut Newton lasse ich weg. Der ist ja nun auch schon tot. Leni Riefenstahl hingegen wäre mir schon wichtig. Über seine Interessen nachzudenken, ist doch recht interessant, stelle ich fest. Ich kann es ja mal probehalber hier schreiben. Kein Alkohol gehört übrigens seit 6.5. nicht mehr zu meinen Hobbies. Man sollte sich auch im reiferen Alter aufgeschlossen für mehr oder weniger neue Interessensgebiete zeigen. „Neugierig“ gehört unbedingt ins Profil.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

19. August 2012


Ich habe mich jetzt umentschieden. Ich würde jetzt lieber Kanzlerin werden bzw. Bundespräsidentin unter der Bedingung, dass der Amtssitz getauscht wird. Ins Schloß Bellevue würde ich sowieso nicht mit Sack und Pack ziehen, aber beim Bundeskanzleramt sieht es schon anders aus. Ich war heute nämlich bei Frau Merkels Arbeitsstätte. Das klingt zunächst etwas unglamourös, aber glauben Sie mir, das Bundeskanzleramt ist innen genauso beeindruckend wie schon von draußen. Es hat mir die Sprache verschlagen. Ich habe mich gleich wie daheim gefühlt. Kaum war ich drin, in dem lichtdurchfluteten, architektonischen Prunkstück, hätte ich sofort die Umzugskartons auspacken wollen. Ich bin stolz, dass unser Land so ein schönes modernes Haus als obersten Regierungssitz hat. Man hat eher das Gefühl, in ein Wellness-Hotel zu kommen. Auch der Hubschrauber-Landeplatz mit dem blauen Hubschrauber oben auf dem begrünten Terrassendach hat mich ganz stark angesprochen. Ich habe mich ausführlich mit dem Piloten unterhalten und abgeklärt, wie oft ungefähr geflogen werden wird. Ca. einmal die Woche muss man rechnen. Frau Merkel fliegt gerne und hat keine Flugangst. Aber sie fliegt angeblich vergleichsweise wenig. Ich habe auch keine Flugangst und fliege für mein Leben gern. In einem Hubschrauber wollte ich immer schon einmal fliegen. Das ist ganz mein Ding! Das Blau von dem Hubschrauber steht mir auch unheimlich gut, ich habe ein Test-Foto gemacht. Solche Sachen sind wichtig, alles muss zusammenpassen! Frau Merkel war heute auch gut drauf, auch ihr Make up war tadellos. Wenn sie lacht, sieht sie am besten aus, aber das kann man ja von den meisten Menschen sagen. Sie wirkte sympathisch und aufgeräumt. Unverblümt hat sie

auch gleich zugegeben, dass die Büros im Bundeskanzleramt, obwohl alles sehr weitläufig ist, nicht so groß sind, also die Büros für die Mitarbeiter, aber sie selber hat ein ganz großes, das auch besonders schön ist, wie sie selber sagt. Aber da darf man nicht mehr rein, das ging früher mal bei so Führungen. Na ja, also es ist rundherum schön dort, vorbildliche sympathische Architektur. Schön minimalistisch aber mit vielen weichen Linien, gewellte Deckenelemente, geschwungene Wandsegmente, gebogene Treppenaufgänge, farbige Wandfragmente in Brombeer, Orange und Indigoblau, sparsam gesetzt und dadurch sehr effektvoll. In der mexikanischen Architektur sieht man so etwas häufiger. Lauter schöne kleine Architektenträume sind dort wahr geworden. Wunderbarer Ort. Wahrscheinlich der schönste unter den modernen Regierungssitzen der Erde. Eins mit Stern. Natürlich habe ich eine Milliarde Fotos gemacht. Also nicht ganz, 735. Fünfzig habe ich schon weggeschmissen, es müssen aber noch

mehr werden. Von Steffen Seibert habe ich auch einiges löschen müssen, den habe ich vorher im Bundespresseamt erwischt. Ein kleiner Mann, der erstaunlich jugendlich wirkt für 52. Mir eigentlich

zu jugendlich. Er hatte ganz rote Backen, weil er so geschwitzt hat, weil es ja heute schön warm ist. Aber überall lauer Wind. Ich bin zu Fuß vom Bundespresseamt zum Bundeskanzleramt gelaufen, immerzu den Spreebogen entlang, Friedrich-Ebert-Platz,

Paul-Löbe-Haus. Wie ich diese lichte Ecke mit den großen sonnendurchfluteten Ebenen liebe. Es ist so schön. Und da war lauer Wind. Alles ganz großartig. Gut, dass ich mein Ausflugsverbot durchbrochen habe. Schönster Sommerausflug bis jetzt. Muss was trinken.

18. August 2012


Die ersten beiden Bilder in der Strecke sind gelogen. Oder genauer: man sieht nicht die Französische Straße, sondern die Straßenflucht Oberwallstraße, wenn man von der Französischen Straße aus, an eben der Kreuzung, nach links guckt. Dann aber schnurstracks weiter! Flanieren ist mein Hobby, stelle ich gerade fest. Falls mich mal jemand nach meinen Hobbies fragen sollte. Lange nicht passiert! Liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nie ein Profil bei einer Dating-Plattform angelegt habe. Da muss man ja bestimmt solche Sachen angeben. Neulich beim Telefonat mit einem lieben Freund über meine Hobbies unterhalten. Er hat kompetent herumphantasiert, was ich zum Beispiel angeben könnte, wenn ich mich ganz modern bei einer Dating-Plattform anmelden würde: „Interessen: Leni Riefenstahl, Helmut Newton, früh schlafen gehen, Beten, kein Alkohol, Sparen“. Ich hatte dann die Idee, dass ich vielleicht noch ergänzen könnte: „artig sein – oder „bin gerne artig“. Aber dann hat der liebe Freund ein bißchen dreckig gelacht, und ich habe dann selber gemerkt, dass man das ggf. ein bißchen anders verstehen könnte, als ich es gemeint habe. Wir haben uns dann ordnungsgemäß verabschiedet sowie gegenseitig geruhsame Nachtruhe gewünscht. Egal! Auf jeden Fall sind in der Französischen Straße schicke Immobilien, ich habe da ein Auge dafür! Hobbies: Immobilien/Investment. Das klingt doch bedeutend dynamischer. Aggressiv-dynamisch! Helmut Newton lasse ich weg. Der ist ja nun auch schon tot. Leni Riefenstahl hingegen wäre mir schon wichtig. Über seine Interessen nachzudenken, ist doch recht interessant, stelle ich fest. Ich kann es ja mal probehalber hier schreiben. Kein Alkohol gehört übrigens seit 6.5. nicht mehr zu meinen Hobbies. Man sollte sich auch im reiferen Alter aufgeschlossen für mehr oder weniger neue Interessensgebiete zeigen. „Neugierig“ gehört unbedingt ins Profil.
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18. August 2012


Der kleine Film über Jan hat mich gerade inspiriert, unsere kleinen gemeinschaftlichen Filmdokumente noch einmal anzugucken. EDITION „JAN SOBOTTKA UND GAGA NIELSEN UNTERWEGS“. Film ab:
OPUS 60:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen im Al Contadino sotto le stelle.
OPUS 29:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen in Frau Nielsens Küche in der Auguststraße.
OPUS 25:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen auf Frau Nielsens Balkon in der Auguststraße.
OPUS 21:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen u.v.a. unterwegs und im Café Einstein UdL.
OPUS 16:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen im Zwiebelfisch am Savignyplatz.
OPUS 11:
Jan Sobottka und Gaga Nielsen im Strandbad Mitte.

18. August 2012

Berlin hat eine Mitte
und ich sitz mittendrin.
Ob Alex, ob Museum –
da kommt man prima hin!
Das Rathaus, die Regierung,
die haben hier ihren Sitz.
Berlin hat eine Mitte
und Mitte ist mein Kiez.
In Mitte gibt es Tiere.
Berlin hat einen Bär.
Die Spree ist voller Fische,
die schwimmen hin und her.
Berliner haben Mäuse
und manche eine Miez.
Und ich bin ein Berliner
und Mitte ist mein Kiez.

Leonard Wolff, 10 Jahre, Kastanienbaum-Grundschule, Klasse 4a
Cool oder? Das Gedicht hab ich gerade beim Warten auf die U 8 im U-Bahnhof Bernauer Straße gelesen. Ganz riesig auf so eine Reklame-Wand gedruckt. Der kleine Leonard hat mit dem Gedicht beim Brunnenviertel-Gedichte-Wettbewerb gewonnen. Könnte von mir sein! Und noch was Lustiges hab ich gelesen, die Schlagzeile auf der heutigen B.Z.: PENG PENG IM PUFF! Auch der Untertitel spricht mich an: „Wilder Westen in Wilmersdorf. Statt zu zahlen, zückte Bulgaren-Quartett im „Artemis“ die Waffe“. „Bulgaren-Quartett“ klingt auch mächtig beeindruckend, irgendwie professionell! Man hat gleich so Panzerknacker und Lucky Luke-Bilder vor dem geistigen Auge. Lustig! So, ich muss jetzt auf den Balkon, ordnungsgemäß sonnenbaden und dabei kaputtes Zeug flicken. Von Hand natürlich. Und Espresso trinken. Und Berliner Leitungswasser, abgekocht. Nicht wegen der Bakterien oder irgendwelchem Ayurveda-Esokrempel, sondern rein geschmackstechnisch. Ich habe festgestellt, dass sich Geschmack und der Härtegrad revolutionär verändern, wenn das Wasser einmal gekocht hat, Es wird nicht nur weicher, sondern das leicht Bittere im Abgang ist weg. Schmeckt super, besser als jedes Wasser aus der Flasche. Mein Gourmet-Tipp! Eigentlich aber auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ja auch alle anderen Sachen nach dem Kochen die Beschaffenheit verändern und komplett anders schmecken! Warum sollte Wasser da eine Ausnahme sein. Sage ich mal als Hobby-Wissenschaftlerin. Auch noch möchte ich festhalten, dass beim Überqueren einer Straße ohne Ampel angehalten wurde. Also extra für mich. Wie immer habe ich meinen Dank durch ein freundliches Winken entrichtet. So ähnlich wie die Royals das immer machen, das kommt gut an. Zehn Meter weiter hat ein mittelalter Mann angefangen zu brummen, also melodiös gemeint. Das hat mich zusätzlich erheitert, weil mir das schon öfter aufgefallen ist, dass viele Männer das als Reflex eingebaut haben, noch mehr als Bauarbeiter den Pfiff. Darüber habe ich noch nie eine soziologische Abhandlung gelesen. Mir gefällt das, auch weil es völlig unverbindlich ist und die Stimmung hebt. Männer dürfen gerne vor sich hinsummen, wenn sie an mir vorbeilaufen, da habe ich nichts dagegen! Ich habe mich allerdings heute auch der Jahreszeit gemäß gekleidet. Wie und was kann man dann im Herbst bewundern, wenn ich die unerbittlichen daily shots der letzten Monate hochgeladen haben werde. Das gibt dann Frühlings- und Sommergefühle. Kann man auch brauchen im Herbst! Bleiben Sie dran. Demnächst im Angebot: vierter März. Aber ohne Fleiß kein Preis, der dritte März hat noch allerhand zu bieten, was wir hier in aller Ruhe mit der gebotenen Aufmerksamkeit abarbeiten werden.

P.S. Nachtrag in Sachen Heimatkunde: die Kastanienbaum-Grundschule vom kleinen Leonard ist hier bei mir um die Ecke, in der Gipsstraße. Da muss ich immer hin, wenn Wahlen sind und mein Kreuzchen machen! Außerdem fällt mir gerade auf, dass sich das Gedicht total super rappen lässt. Hab’s gerade ausprobiert! Einwandfreier Groove!

16. August 2012

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Schleusenbrücke
, 10117 Berlin. Die kleinen schmiedeeisernen Wellen. Schon schön gemacht. Aber nicht das Ziel. Nur ein kleiner Schlenker. Bin ich dann nach rechts oder nach links? Verdammt, ich weiß es nicht mehr. Oder ich gucke mal bei streetview, dann fällt es mir wieder ein. Oder auch nicht. Lieber schlafen. Ist ja auch egal. Es geht jedenfalls weiter. Immer noch dritter März. Ja ja. Allerdings besteht kaum Gefahr, dass die gezeigten Motive demnächst wieder abgelichtet werden. Na gut, es kann schon immer mal passieren, dass sich der Berliner Dom doch wieder in die Sichtachse schiebt oder eine andere vielfotografierte Kuppel, aber prinzipiell bin ich da prinzipiell und achte auf die Vermeidung identischer Motive. Nur was mich angeht, muss ich das Prinzip brechen. Außerdem bin ich ja jeden Tag wie neu. Vor allem, wenn ich ausreichend geschlafen habe. Im Endeffekt. Entschuldigung, ich muss gerade blöde lachen wegen „im Endeffekt“. Kann man schlecht auf die Schnelle erklären. Eine Frau hat mir von einem Anrufer erzählt, den sie nicht persönlich kennt und der versucht hat, sie von einer Sache zu überzeugen. Und im Endeffekt hat er es geschafft, diese saublöde Redewendung in ungefähr neun von zehn Sätzen unterzubringen. Sogar mehrfach pro Satz. Im Endeffekt. Hoffentlich träume ich jetzt nicht schlimm von Männern, die schlimme Redewendungen benutzen. Ich bin da sehr sensibel.

15. August 2012


Aha. Ah ja. Eine alte Klappbrücke. Was für ein Monstrum. Bildschön. Beeindruckend. Immer der Nase nach. Ich bin immer offen für Umwege, wenn es keinen festen Termin gibt. Wenn man sich auf Umwegen, auf unbekannten, ungeplanten, dem Ziel nähert, bekommt der Weg einen unerwarteten Wert. Natürlich kann es passieren, dass man an uninteressante Nebenschauplätze gerät. Egal. Hauptsache Unerwartetes. Unbekanntes. Unwägbares. Wie neu. Steht eigentlich in allen Personalausweisen der Bezirk der Stadt, wo man genauer wohnt? Oder nur die Postleitzahl und der Name der Stadt? Ich weiß das gar nicht. Ich habe in einem alten Erinnerungsalbum noch den dunkelgrünen „behelfsmäßigen Personalausweis“ für Einwohner von Westberlin zum Aufklappen. Am Rand ganz ausgefranst. Man sollte ihn ja immer dabei haben. Ich habe heute noch meinen Personalausweis immer bei mir, wenn ich vor die Tür gehe. Außer wenn ich den Müll runterbringe. Ich glaube, ich bin in den letzten fünfundzwanzig Jahren erst einmal – abgesehen vom Bezahlen größerer Beträge mit Karte – unterwegs nach dem Personalausweis gefragt worden. Und das war auch nicht eigentlich unterwegs, sondern bei einer geschlossenen Gesellschaft im Willy-Brandt-Haus, diesem World Press Photo Award, soweit ich mich dunkel erinnere. Aber sonst. Interessiert kein Schwein. In den letzten Tagen ging mir oft durch den Kopf, wie frei man sich in Berlin fühlen kann, wie unbehelligt, unkontrolliert. Ich zumindest. Und ich habe keinen Diplomatenstatus. Ich fühle mich hier ungehindert und unbeobachtet. Ganz anders habe ich die Atmosphäre in London Ende der Achtziger in Erinnerung. Oder Paris Mitte der Neunziger. Dieses Gedöns mit dem kostenpflichtigen Klappstühlen in den Londoner Parks, dieses sehr aufgeräumte und kontrollierte Gefühl. Man hat Angst, man macht einen Fleck auf den geleckten Rasen. Das Gegenteil von diesem anarchischen Hippiegefühl in Berlin. Und in Paris war kurz vorher irgendeine Bombendrohung und überall wurden dauernd die Taschen kontrolliert. Gruselig. Gut, das ist nicht immer so. Aber in Berlin kann ich freier atmen. David Chipperfield hat ja auch diese Beobachtung gemacht, dass man hier stundenlang lesend in einem Café verbringen kann, ohne dass dauernd die Bedienung nach der nächsten Bestellung fragt. In London sei das völlig unvorstellbar. Wenn er das sagt, er muss es wissen. Aber vielleicht sind sie ja inzwischen lockerer, als ich es damals empfunden habe. Bei den olympischen Feierlichkeiten war ja alles betont locker und libertär. Mich hat das olympische Feuer tief beeindruckt, als es entfacht wurde, als die vielen kleinen Feuerschalen der zweihundertvier Nationen sich wie von Zauberhand erhoben und zu einer riesigen himmlischen Flamme vereinigten. Da musste ich weinen. Das war, ohne Übertreibung, eine Sternstunde der Menschheit. Kann man hier noch einmal anschauen, wer es verpasst hat, weil es doch schon Schlafenszeit war. So, wie jetzt.
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14. August 2012

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Update Schlossplatz. Also neulich, dritter März. (zum Vergleich). Das Zwischenstadium. Auch wenn es unvorstellbar ist, an diesem Platz stand der Palast der Republik. Ich erinnere mich noch gut an die kupferfarben verspiegelte Fassade. Und die letzte Ausstellung. Jetzt ist es vorübergehend eine große freie Fläche und neben dem Holzsteg verläuft parallel ein Zaun, hinter dem eine Ausgrabung erstaunlichen Ausmaßes stattfindet. Ich bin immer fasziniert, wenn mitten in der dichtesten Urbanität der Asphalt aufgebrochen wird und das Unterirdische oder Irdische preisgibt. Den märkischen Stadtwüstensand. Immer wieder Sand unter den Straßen. Überall Sand. Und auch Berliner Erdgräber sind nicht braun und feucht und dunkel, sondern hell und trocken, wie an einem Strand. Vielleicht nicht alle, aber ich habe ein schönes, frisch ausgehobenes gesehen, in Dahlem. Seither habe ich Lust auf ein Erdgrab. In Berlin. Aber so sollte ein Blogeintrag nicht aufhören, die meisten haben ja Angst vor solchen Überlegungen. Ich meine auch, man kann es übertreiben mit der Beschäftigung mit den letzten Dingen.

Einmal ausloten und dann ist aber auch gut. Es färbt auf Dauer dunkel aufs Gemüt ab, wenn man sich gedanklich zu sehr in dunkle Vergangenheiten und Verlust- End- und Abschiedsthemen verstrickt. Das habe ich vor fünfundzwanzig Jahren sehr stark gemacht, nicht aus Langeweile sondern aus Forscherdrang und um irgendwie zu begreifen, warum ich so oft Abschied nehmen musste. Ich glaube gar nicht, dass der Verlust durch den Tod eines Menschen das Dunkelste ist, was einem widerfahren kann. Es ist zwar schmerzhaft, aber nicht auf eine unheilvolle Weise, wenn man im Guten auseinanderging. Wenn man mit einem Gefühl der Liebe hinterblieb. Hinterbleibt. Viel dunkler und schwerer zu verarbeiten sind Verluste, schmerzhafte Trennungen und Trauerprozesse im Zusammenhang mit Lebenden. Man erfährt eine noch einsamere Einsamkeit, weil die Illusion einer ewigen liebevollen Verbindung nicht projizierbar ist, wie es das Ende durch den Tod ermöglicht. Ja, ich glaube, wer von der Liebe verlassen wurde, dem Gefühl und von der Illusion, hat schwerer daran zu tragen, als jemand, dem der Tod jemanden in lebendiger Liebe entrissen hat. Auch das ist unendlich hart, unfassbar schwer. Aber man hat ein Grab, an das man Blumen legen kann. Oder schaut zum Himmel und spricht miteinander wie früher. Das ist dann sehr schön und trostreich. Die im Leben Verlassenen haben lange keinen Trost. Bis sie das Leben wiederfindet. Ich habe viel darüber nachgedacht, in den letzten Jahren. Das soll nicht traurig klingen. Ich denke nur oft, wenn jemand Kummer hat, Liebeskummer hat, wie schwer es so jemand hat, sich zu erklären. Niemand kondoliert, man bekommt keinen freien Tag für ein Begräbnis. Man wird nicht verschont vom Leben. Nicht von der Arbeit, nicht vom Alltag. Man hat gelernt, sich zusammenzureißen, weil alles unsagbar ist. So entwickeln sich meine Gedanken manchmal. Vom Schlossplatz zu gebrochenen Herzen. Der Schlossplatz ist auch so ein gebrochenes Herz. Gebrochenes Mitteherz. Mir fällt gerade ein altes Lied von Bernd Begemann ein, als ich es vor vielen Jahren hörte, war es zwar nicht akut, aber ich erinnere, dass ich anfing zu weinen, weil ich erkannte, dass ich auf dieser Seite stehe. Immer und wieder stand.

13. August 2012

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Ist nur die auf Liebe begründete Ehe sittlich, so auch nur die, worin die Liebe fortbesteht. Die Prostitution degradiert unter den Frauen nur die Unglücklichen, die ihr verfallen, und auch diese bei weitem nicht in dem Grad, wie gewöhnlich geglaubt wird. Dagegen erniedrigt sie den Charakter der gesamten Männerwelt. Der Antisemitismus ist das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur. Leben, von seinen niedrigsten bis zu seinen höchsten Formen, ist nichts anderes als die normale Daseinsweise der Eiweißkörper. Jeder von uns wird mehr oder weniger beeinflußt von dem intellektuellen Medium, indem er sich vorzugsweise bewegt.

Die Leute, die sich rühmten, eine Revolution gemacht zu haben, haben noch immer am Tag darauf gesehen, daß die gemachte Revolution, jener, die sie machen wollten, durchaus nicht ähnlich sah. Die Befreiung der Frau wird erst möglich, sobald diese auf großem gesellschaftlichem Maßstab an der Produktion sich beteiligen kann und die häusliche Arbeit sie nur noch in unbedeutendem Maße in Anspruch nimmt. Friedrich Engels 1820 – 1895

Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, daß sich vieles ändern läßt, bloß nicht die Menschen. Jede Befreiungsbewegung verändert ihren Charakter, wenn sie von der Utopie zur Realität übergeht. Wer nichts achtet, ächtet sich selbst. Arbeit ist das Feuer der Gestaltung. Karl Marx 1818 – 1883

12. August 2012

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Den Teufel werde ich tun, zu erklären, was mich in die Berliner Kultstätte des Totentanzes getrieben hat. Soll der Leser doch selber recherchieren, warum dort lauter Totenschädel und Menschenknochen in FC-Sankt-Pauli-Manier in das mittelalterliche Gemäuer gemeißelt sind. Ich für meinen Teil hatte meine Gründe und die gehen niemanden etwas an! Es braucht schließlich keiner zu wissen, dass ich zum siebenhundertfünfundsiebzigsten Mal an dem Bauwerk vorbeigekommen bin und aus schierer Abenteuerlust die blitzartige Eingebung hatte, spaßeshalber endlich mal hineinzugehen und zu überprüfen, ob es sich womöglich um eine Kirche handelt. Das ist ja nicht so selbstverständlich in Berlin, wie wir wissen, dass Bauwerke, die aufgrund ihrer dunklen Baugeschichte eine kirchenähnliche Silhouette aufweisen, auch noch in unserer abgespacten Ära der Huldigung der Profanisierung als solche aufrecht erhalten werden. Auf jeden Fall ist das in der Marienkirche durchaus der Fall. Der Totentanz lebt! Und jetzt aufgepasst: dieser alte skorpionische Tempel des Obskuren wird am 28. Oktober 2012 in besonderem Glanz erstrahlen. Es gibt einen Geburtstag zu feiern. Am 28. Oktober 1237 wurde Berlin geboren. Auch unser Wowi, der keine angesagte Party auslässt, wird beim feierlichen Gottesdienst dabei sein. Also alle mal im Kalender notieren. Später Feuerwerk und alles. Wenn ich mit Hundertsieben noch so fit und jugendlich wirke, wie Berlin mit Siebenhundertfünfundsiebzig, bin ich vollauf zufrieden. Ich für meinen Teil werde alles in meiner Macht stehende tun, dass St. Marien fürderhin als sakrale Kultstätte besteht und keine aufklärerischen politischen Schautafeln Einzug halten, wie man es

an manch anderer Stätte bitterlich zur Kenntnis nehmen muss. Sollte je die Gefahr bestehen, bin ich mir sicher, dass auch alle Sankt Pauli-Fans tatkräftig für die gute Sache einstehen werden. Übrigens ist in Berlin nicht das große Baumsterben ausgebrochen, wie bereits in den Achtzigern düster prognostiziert, sondern die Bäume hatten jahreszeitlich bedingt noch nicht mehr zu bieten. Auch laufe ich in diesem etwas divenhaft launisch-koketten Sommer nicht mit dickem Winterschal herum. Die Aufnahmen sind vom 3. März, und zwar 2012. Also mehr oder weniger topaktuell!

12. August 2012

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Den Teufel werde ich tun, zu erklären, was mich in die Berliner Kultstätte des Totentanzes getrieben hat. Soll der Leser doch selber recherchieren, warum dort lauter Totenschädel und Menschenknochen in FC-Sankt-Pauli-Manier in das mittelalterliche Gemäuer gemeißelt sind. Ich für meinen Teil hatte meine Gründe und die gehen niemanden etwas an! Es braucht schließlich keiner zu wissen, dass ich zum siebenhundertfünfundsiebzigsten Mal an dem Bauwerk vorbeigekommen bin und aus schierer Abenteuerlust die blitzartige Eingebung hatte, spaßeshalber endlich mal hineinzugehen und zu überprüfen, ob es sich womöglich um eine Kirche handelt. Das ist ja nicht so selbstverständlich in Berlin, wie wir wissen, dass Bauwerke, die aufgrund ihrer dunklen Baugeschichte eine kirchenähnliche Silhouette aufweisen, auch noch in unserer abgespacten Ära der Huldigung der Profanisierung als solche aufrecht erhalten werden. Auf jeden Fall ist das in der Marienkirche durchaus der Fall. Der Totentanz lebt! Und jetzt aufgepasst: dieser alte skorpionische Tempel des Obskuren wird am 28. Oktober 2012 in besonderem Glanz erstrahlen. Es gibt einen Geburtstag zu feiern. Am 28. Oktober 1237 wurde Berlin geboren. Auch unser Wowi, der keine angesagte Party auslässt, wird beim feierlichen Gottesdienst dabei sein. Also alle mal im Kalender notieren. Später Feuerwerk und alles. Wenn ich mit Hundertsieben noch so fit und jugendlich wirke, wie Berlin mit Siebenhundertfünfundsiebzig, bin ich vollauf zufrieden. Ich für meinen Teil werde alles in meiner Macht stehende tun, dass St. Marien fürderhin als sakrale Kultstätte besteht und keine aufklärerischen politischen Schautafeln Einzug halten, wie man es

an manch anderer Stätte bitterlich zur Kenntnis nehmen muss. Sollte je die Gefahr bestehen, bin ich mir sicher, dass auch alle Sankt Pauli-Fans tatkräftig für die gute Sache einstehen werden. Übrigens ist in Berlin nicht das große Baumsterben ausgebrochen, wie bereits in den Achtzigern düster prognostiziert, sondern die Bäume hatten jahreszeitlich bedingt noch nicht mehr zu bieten. Auch laufe ich in diesem etwas divenhaft launisch-koketten Sommer nicht mit dickem Winterschal herum. Die Aufnahmen sind vom 3. März, und zwar 2012. Also mehr oder weniger topaktuell!

12. August 2012

Besonders schöne Doku. Nicht irritieren lassen wie ich – ich dachte zunächst, das sei diese bekannte Dokumentation über das letzte Shooting von Marilyn von Bert Stern. Aber gar nicht, es geht um den Fotografen Bert Stern selbst. Noch sechzehn Stunden im sieben-Tages-Archiv von arte. Die vertraute Stimme von Christian Brückner brummelt die deutsche Übersetzung von Bert Sterns Erzählung.

5. August 2012


Ich arbeite. Am Fortschritt. Auf allen Ebenen. Geistig. Körperlich. Virtuell. Ideell. Materiell. Das klingt doch imposant. Um nicht zu sagen: imponierend! Seit jüngeren Jahren erst ist Arbeiten für mich positiv besetzt. Ich habe das in einem lichten Moment mit neuem Wert belegt. Sinnvoll tätig sein. Und gerne nicht immer nur für egomanische Ziele. Aber unbedingt auch. Wenn es sich die Waage hält, ist es am Schönsten. Man erntet dann auch mehr Verständnis und Wohlwollen für den egozentrischen Anteil. Ich bin da vielleicht überraschend harmoniebedürftig. Ich glaube, die Welt wäre ein besserer, friedlicherer und entspannterer Ort, wenn es keinen Standesdünkel im Bezug auf die Wertigkeit, das Ansehen verschiedener Tätigkeiten mehr gäbe. Wenn Reinigungsarbeiten genauso hoch angesehen wären wie akademische Denkprozesse. Zum Beispiel. Oder praktische Dienstleistungen des Alltags so sexy verschubladet wie künstlerische Entfaltung. Wenn mehr Menschen zweigleisig tätig wären, in sehr konträren Bereichen, wäre das bestimmt ein Beitrag zum sozialen Frieden in der Welt. Es ist auch interessanter, als immer nur in der altbekannten Suppe seiner bevorzugten Kaste zu schwimmen. Es schafft neue Synapsen und erweitert den Horizont. Oder zum Beispiel beim Einkaufen. Man kann durch die Wahl des Geschäfts, in dem man einkauft, vorhersehen, mit welchen Gesellschaftsschichten man konfrontiert werden wird. Feinkostabteilung vom KaDeWe oder ALDI im Wedding. Die gewohnten Wege zu verlassen ist mitunter mindestens genauso interessant wie die Reise auf einen anderen Kontinent. Und alles in der eigenen Stadt. Ich liebe das. Früher haben eine Freundin und ich uns über Kontaktanzeigen und die wiederkehrenden Formulierungen belustigt. Wenn ein wohlhabender, einsamer Mann nach einer Frau gesucht hat, die „perfekt in Jeans und Abendkleid“ ist. Das ist insofern interessant, dass Facettenreichtum als ein Grad von Kultiviertheit definiert wird. In dem Fall etwas auf Äußerlichkeiten eingeschränkt, aber immerhin ein Indiz für die Attraktivität von Polaritäten. Es ist unbedingt wichtig, dass die Menschen ihre Marotten pflegen, ihre unterschiedlichen Vorlieben kultivieren. Nur dann kann sich eine Blüte entfalten. Treiben Sie es zur Blüte! Stilblüten! Prächtige Blüten. Seien Sie verrückt, seien Sie verschieden. Wir brauchen mehr Stilblüten. Bitte kultivieren Sie Ihre Marotten. Ich will die Blüten davon sehen, um mich daran zu berauschen, daran zu schnuppern und mich zu inspirieren. Danke sehr und gute Nacht.

5. August 2012


Ich arbeite. Am Fortschritt. Auf allen Ebenen. Geistig. Körperlich. Virtuell. Ideell. Materiell. Das klingt doch imposant. Um nicht zu sagen: imponierend! Seit jüngeren Jahren erst ist Arbeiten für mich positiv besetzt. Ich habe das in einem lichten Moment mit neuem Wert belegt. Sinnvoll tätig sein. Und gerne nicht immer nur für egomanische Ziele. Aber unbedingt auch. Wenn es sich die Waage hält, ist es am Schönsten. Man erntet dann auch mehr Verständnis und Wohlwollen für den egozentrischen Anteil. Ich bin da vielleicht überraschend harmoniebedürftig. Ich glaube, die Welt wäre ein besserer, friedlicherer und entspannterer Ort, wenn es keinen Standesdünkel im Bezug auf die Wertigkeit, das Ansehen verschiedener Tätigkeiten mehr gäbe. Wenn Reinigungsarbeiten genauso hoch angesehen wären wie akademische Denkprozesse. Zum Beispiel. Oder praktische Dienstleistungen des Alltags so sexy verschubladet wie künstlerische Entfaltung. Wenn mehr Menschen zweigleisig tätig wären, in sehr konträren Bereichen, wäre das bestimmt ein Beitrag zum sozialen Frieden in der Welt. Es ist auch interessanter, als immer nur in der altbekannten Suppe seiner bevorzugten Kaste zu schwimmen. Es schafft neue Synapsen und erweitert den Horizont. Oder zum Beispiel beim Einkaufen. Man kann durch die Wahl des Geschäfts, in dem man einkauft, vorhersehen, mit welchen Gesellschaftsschichten man konfrontiert werden wird. Feinkostabteilung vom KaDeWe oder ALDI im Wedding. Die gewohnten Wege zu verlassen ist mitunter mindestens genauso interessant wie die Reise auf einen anderen Kontinent. Und alles in der eigenen Stadt. Ich liebe das. Früher haben eine Freundin und ich uns über Kontaktanzeigen und die wiederkehrenden Formulierungen belustigt. Wenn ein wohlhabender, einsamer Mann nach einer Frau gesucht hat, die „perfekt in Jeans und Abendkleid“ ist. Das ist insofern interessant, dass Facettenreichtum als ein Grad von Kultiviertheit definiert wird. In dem Fall etwas auf Äußerlichkeiten eingeschränkt, aber immerhin ein Indiz für die Attraktivität von Polaritäten. Es ist unbedingt wichtig, dass die Menschen ihre Marotten pflegen, ihre unterschiedlichen Vorlieben kultivieren. Nur dann kann sich eine Blüte entfalten. Treiben Sie es zur Blüte! Stilblüten! Prächtige Blüten. Seien Sie verrückt, seien Sie verschieden. Wir brauchen mehr Stilblüten. Bitte kultivieren Sie Ihre Marotten. Ich will die Blüten davon sehen, um mich daran zu berauschen, daran zu schnuppern und mich zu inspirieren. Danke sehr und gute Nacht.

26. Juli 2012

bizarr

vergangene Nacht geträumt, ich hätte bei irgendeinem Empfang oder einer Ausstellungseröffnung eine Begegnung mit einem älteren Mann, so Mitte Fünfzig, der ausgesehen hat, wie neuerdings der letzte Bundespräsident, wie hieß er noch, Wulff. Da geisterte ein Foto durch die Bunte oder Gala von ihm mit neuer, stylisher Brille und definierterem Kurzhaarschnitt. Ich war überrascht von dem Bild, weil er beinah attraktiv aussah. Nun ist dieser Herr Wulff so ziemlich exakt das Gegenteil von der Sorte Mann, auf die meine Zellen reagieren. Ich merke den gar nicht. So war es auch im Traum. Aber im Traum war er nicht ehemaliger Bundespräsident, sondern ein wichtiger, erfolgreicher Dirigent und Kunstprofessor mit wahnsinnig vielen wichtigen Kontakten, geradezu eine graue Eminenz. Also das, was er als Bundespräsident nur vom Titel her war, aber nicht von der Ausstrahlung. In meinem Traum dagegen ein absolutes Alphatier mit unwiderruflicher Autorität und erhabener Ausstrahlung. So eine Art Dirigenten- und/oder Kunstpapst. Man spürte die Ehrfurcht, die ihm entgegengebracht wurde und ich merkte, dass er ein Auge auf mich geworfen hat. Irgendwie suchte er sehr schnell mit mir Kontakt und ich scannte sofort, dass er für mich als Mann nicht interessant ist, aber sicher als Multiplikator. Der Mann hatte Verbindungen! Bei diesem Empfang war quasi niemand, der ihm nicht mit einer gewissen Unterwürfigkeit begegnete, es wurde auch nur mit gesenkter Stimme über ihn geraunt, niemals irgendetwas Negatives, man hörte nur ehrfürchtige Bewunderung. Das verstärkte noch das Gefühl bei mir, dass es nicht sehr schlau wäre, die Gelegenheit verstreichen zu lassen, davon zu profitieren. Irgendjemand muss uns auf seinen Wunsch bekannt gemacht haben und wenige Traumsekunden später, gab es schon eine Latte von künftigen gesellschaftlichen Terminen, wo ich von ihm als seine Begleitung auf die Gästeliste gesetzt wurde. Er sprach nicht viel mit mir, aber das Wenige sehr bestimmt und planvoll. Ich weiß auch nicht mehr genau was, aber ich hatte immer das Gefühl, dass er sich vorgenommen hat, mir sämtliche Türen zu öffnen, zumal es für ihn ein Kinderspiel war. Ich war einerseits immer noch auf dem Empfang und andererseits auch schon halb bei späteren ähnlichen Ereignissen und Festlichkeiten. Ich ging auf sein Werben, das mir zusätzlich als Frau galt, allerdings nicht ein. Ich hielt mich irgendwie bedeckt und wusste, dass es eine Gratwanderung ist, die nicht lange funktionieren kann, da er langsam etwas ungeduldig wirkte. Mir war klar, dass ich ihm kein Theater vorspielen würde, um opportunistisch die Möglichkeiten auszureizen. Ich wusste, der Countdown läuft im Grunde. Das Ganze sofort abzubrechen, war mir allerdings auch nicht recht, weil es interessant war, mit ihm irgendwo aufzutauchen, man hatte sofort eine unfassbar elitäre Position, schon interessant.
Wie auch immer – auf einmal tauchte eine ehemalige Freundin, eine sehr enge Freundin, in diesem Plot auf, und beobachtete meine neue Bekanntschaft irgendwie argwöhnisch, bis sie zu erkennen gab, dass sie vorher eine Liason mit dieser grauen Wulff-Eminenz hatte, die aus irgendwelchen Gründen kurz vorher zu Ende ging. Sie schien da noch Ressentiments zu hegen und ich spürte ihre Eifersucht. Vielleicht auf die Position, neben dieser wichtigen Erscheinung. Ist mir nicht ganz klar in Erinnerung. Ich weiß auch nicht, ob ich transparent gemacht habe, welcher Natur der Kontakt von meiner Seite aus ist. Jedenfalls gab es keinen sichtbaren Anlass, uns gesichert für ein Paar zu halten. Es war wahrscheinlich eine automatische Assoziation, die unwidersprochen im Raum stand. Ich schätze die maximale Berührung bestand vielleicht darin, dass er meinen Ellbogen leicht dirigierend berührte. Wie auch immer. Die Freundin sah sich veranlasst, frühere Begebenheiten ihrer Zeit mit ihm aufzuzählen, die dokumentieren sollten, dass es eine bedeutungsvolle Beziehung war. Ich hörte mir das eher desinteressiert an, weil mich der Mann als Mann ja überhaupt nicht interessierte. Dann setzte sie ihre Erfolgsberichte aus der Vergangenheit fort mit einer Dokumentation der gemeinsamen Zusammenarbeit mit ihm, wobei nicht ganz klar war, worin die bestanden haben könnte, vielleicht irgendeine assistierende Tätigkeit. Ich hatte das Gefühl, ich bin in einer Verkaufsveranstaltung, wo mir jemand seine konkurrenzfähigen Qualitäten wie Sauerbier anträgt. Die Superlative reihten sich aneinander und ich war inzwischen in einer Stimmungslage zwischen Mitleid und Fassungslosigkeit. Ich glaube, sie erzählte gerade von einem geplanten Roman und ich konnte mir die Frage nicht verkneifen „Findest du eigentlich, dass du schreiben kannst?“. An der Stelle war das Gespräch und die Szene dann zu Ende, da kam nichts mehr, außer einem irritierten Gesichtsausdruck. Ich drehte mich um, von ihr weg und schaute nach hinten. Da war er wieder, der alte Wulff, er saß circa zehn bis fünfzehn Meter hinter uns, in einer Art Lounge-Sitzgarnitur, irgendsoeine gepolsterte Sitzlandschaft, links und rechts von ihm einige seiner Bewunderer, Studenten von ihm oder irgendwelche anderen Adepten.
MIST! jetzt ist mir der Dreck hier abgestürzt! Verdammt, ich hatte schon fast alles fertig, jetzt fange ich wieder an der blöden Stelle an! Scheißdreck! Es ist schon so spät, aber ich muss den Mist bloggen.
Also kurz und gut, ohne Umschweife, ich gehe auf ihn zu, er hat eine professionell wirkende Kamera in der Hand, einen Fotoapparat, er zeigt mir, dass er mich auch gefilmt hat, die ganze Zeit über. Ich habe schrecklicherweise auf dem ansonsten sehr schönen Film, eine planschbeckenblaue Kittelschürze an, wie sie schlimmer nicht sein kann, mit pinken und gelben Paspeln, aber das Blau steht mir irgendwie. Ich bin entsetzt über das Kleidungsstück und gleichzeitig begeistert von dem Film, der mich komplett in den Fokus nimmt. Irgendwie wirkt der alte Wulff mit der neuen Brille jünger und attraktiver und ich komme ins Schwanken, ob man nicht doch eine gewisse Annäherung ausprobieren sollte. Er strahlt mich und den kleinen Monitor erotisiert an und ich frage ihn, ob er diese muttihafte Schürze nicht auch fürcherlich findet, ja peinlich, ganz schlimm eben!? Nein, nein, meint er, das wäre für Männer doch gerade interessant. Aha! Ich tue eher überrascht, als dass ich es bin und versetze mich in seine Perspektive, die Mutti-Sex antörnend findet. Ja ja, verstehe, sind ja nun Big News, dass Männer gerne wie kleine Jungs verwöhnt werden. Schon toll, wenn ein praktischer Kittel über dem mütterlichen Busen spannt. Usw. usf. Das sage ich aber nicht, ich gebe mich neutral. Er schiebt dann noch ein superlatives Kompliment hinterher, so ungefähr, ich wäre aber unabhängig davon die Schönste von allen. Das scheint für mein Ego ausreichend zu sein und ich beschließe zu gehen. Ich nehme die Kamera wie selbstverständlich mit, als wäre jede Kamera der Welt meine. Zumal ja ein Film von mir drauf ist. Während ich den Weg zurückgehe, weg von der Lounge-Garnitur, denke ich noch bei mir: dafür hat sie sich doch gelohnt, diese Begegnung, dass er so einen schönen kleinen Film von mir gemacht hat. Selbst wenn nichts anderes mehr passiert, ich habe etwas Brauchbares davon mitgenommen. Meine Neugier, das Video in Ruhe allein daheim anzuschauen, erotisiert mich wesentlich mehr, als die Aussicht, noch weitere Stunden mit ihm und der Gesellschaft mit Smalltalk zu verbringen.
Als ich aufwache, denke ich noch im Halbschlaf, wie viel Wahres an dem Traum ist, direkt gnadenlos. Heute morgen war ich noch überzeugt, es wäre mir zu peinlich, einen derart entblößenden Traum zu bloggen, aber sei’s drum. Das hat mich jetzt mehrere Stunden beschäftigt, nun ist es verarbeitet und ich habe das unbeschönigte Ausmaß meines eitel berechnenden Charakters preisgegeben. Wer unter den Lesenden frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein. So, auf in die nächste Runde. Gute Nacht.

26. Juli 2012

bizarr

vergangene Nacht geträumt, ich hätte bei irgendeinem Empfang oder einer Ausstellungseröffnung eine Begegnung mit einem älteren Mann, so Mitte Fünfzig, der ausgesehen hat, wie neuerdings der letzte Bundespräsident, wie hieß er noch, Wulff. Da geisterte ein Foto durch die Bunte oder Gala von ihm mit neuer, stylisher Brille und definierterem Kurzhaarschnitt. Ich war überrascht von dem Bild, weil er beinah attraktiv aussah. Nun ist dieser Herr Wulff so ziemlich exakt das Gegenteil von der Sorte Mann, auf die meine Zellen reagieren. Ich merke den gar nicht. So war es auch im Traum. Aber im Traum war er nicht ehemaliger Bundespräsident, sondern ein wichtiger, erfolgreicher Dirigent und Kunstprofessor mit wahnsinnig vielen wichtigen Kontakten, geradezu eine graue Eminenz. Also das, was er als Bundespräsident nur vom Titel her war, aber nicht von der Ausstrahlung. In meinem Traum dagegen ein absolutes Alphatier mit unwiderruflicher Autorität und erhabener Ausstrahlung. So eine Art Dirigenten- und/oder Kunstpapst. Man spürte die Ehrfurcht, die ihm entgegengebracht wurde und ich merkte, dass er ein Auge auf mich geworfen hat. Irgendwie suchte er sehr schnell mit mir Kontakt und ich scannte sofort, dass er für mich als Mann nicht interessant ist, aber sicher als Multiplikator. Der Mann hatte Verbindungen! Bei diesem Empfang war quasi niemand, der ihm nicht mit einer gewissen Unterwürfigkeit begegnete, es wurde auch nur mit gesenkter Stimme über ihn geraunt, niemals irgendetwas Negatives, man hörte nur ehrfürchtige Bewunderung. Das verstärkte noch das Gefühl bei mir, dass es nicht sehr schlau wäre, die Gelegenheit verstreichen zu lassen, davon zu profitieren. Irgendjemand muss uns auf seinen Wunsch bekannt gemacht haben und wenige Traumsekunden später, gab es schon eine Latte von künftigen gesellschaftlichen Terminen, wo ich von ihm als seine Begleitung auf die Gästeliste gesetzt wurde. Er sprach nicht viel mit mir, aber das Wenige sehr bestimmt und planvoll. Ich weiß auch nicht mehr genau was, aber ich hatte immer das Gefühl, dass er sich vorgenommen hat, mir sämtliche Türen zu öffnen, zumal es für ihn ein Kinderspiel war. Ich war einerseits immer noch auf dem Empfang und andererseits auch schon halb bei späteren ähnlichen Ereignissen und Festlichkeiten. Ich ging auf sein Werben, das mir zusätzlich als Frau galt, allerdings nicht ein. Ich hielt mich irgendwie bedeckt und wusste, dass es eine Gratwanderung ist, die nicht lange funktionieren kann, da er langsam etwas ungeduldig wirkte. Mir war klar, dass ich ihm kein Theater vorspielen würde, um opportunistisch die Möglichkeiten auszureizen. Ich wusste, der Countdown läuft im Grunde. Das Ganze sofort abzubrechen, war mir allerdings auch nicht recht, weil es interessant war, mit ihm irgendwo aufzutauchen, man hatte sofort eine unfassbar elitäre Position, schon interessant.
Wie auch immer – auf einmal tauchte eine ehemalige Freundin, eine sehr enge Freundin, in diesem Plot auf, und beobachtete meine neue Bekanntschaft irgendwie argwöhnisch, bis sie zu erkennen gab, dass sie vorher eine Liason mit dieser grauen Wulff-Eminenz hatte, die aus irgendwelchen Gründen kurz vorher zu Ende ging. Sie schien da noch Ressentiments zu hegen und ich spürte ihre Eifersucht. Vielleicht auf die Position, neben dieser wichtigen Erscheinung. Ist mir nicht ganz klar in Erinnerung. Ich weiß auch nicht, ob ich transparent gemacht habe, welcher Natur der Kontakt von meiner Seite aus ist. Jedenfalls gab es keinen sichtbaren Anlass, uns gesichert für ein Paar zu halten. Es war wahrscheinlich eine automatische Assoziation, die unwidersprochen im Raum stand. Ich schätze die maximale Berührung bestand vielleicht darin, dass er meinen Ellbogen leicht dirigierend berührte. Wie auch immer. Die Freundin sah sich veranlasst, frühere Begebenheiten ihrer Zeit mit ihm aufzuzählen, die dokumentieren sollten, dass es eine bedeutungsvolle Beziehung war. Ich hörte mir das eher desinteressiert an, weil mich der Mann als Mann ja überhaupt nicht interessierte. Dann setzte sie ihre Erfolgsberichte aus der Vergangenheit fort mit einer Dokumentation der gemeinsamen Zusammenarbeit mit ihm, wobei nicht ganz klar war, worin die bestanden haben könnte, vielleicht irgendeine assistierende Tätigkeit. Ich hatte das Gefühl, ich bin in einer Verkaufsveranstaltung, wo mir jemand seine konkurrenzfähigen Qualitäten wie Sauerbier anträgt. Die Superlative reihten sich aneinander und ich war inzwischen in einer Stimmungslage zwischen Mitleid und Fassungslosigkeit. Ich glaube, sie erzählte gerade von einem geplanten Roman und ich konnte mir die Frage nicht verkneifen „Findest du eigentlich, dass du schreiben kannst?“. An der Stelle war das Gespräch und die Szene dann zu Ende, da kam nichts mehr, außer einem irritierten Gesichtsausdruck. Ich drehte mich um, von ihr weg und schaute nach hinten. Da war er wieder, der alte Wulff, er saß circa zehn bis fünfzehn Meter hinter uns, in einer Art Lounge-Sitzgarnitur, irgendsoeine gepolsterte Sitzlandschaft, links und rechts von ihm einige seiner Bewunderer, Studenten von ihm oder irgendwelche anderen Adepten.
MIST! jetzt ist mir der Dreck hier abgestürzt! Verdammt, ich hatte schon fast alles fertig, jetzt fange ich wieder an der blöden Stelle an! Scheißdreck! Es ist schon so spät, aber ich muss den Mist bloggen.
Also kurz und gut, ohne Umschweife, ich gehe auf ihn zu, er hat eine professionell wirkende Kamera in der Hand, einen Fotoapparat, er zeigt mir, dass er mich auch gefilmt hat, die ganze Zeit über. Ich habe schrecklicherweise auf dem ansonsten sehr schönen Film, eine planschbeckenblaue Kittelschürze an, wie sie schlimmer nicht sein kann, mit pinken und gelben Paspeln, aber das Blau steht mir irgendwie. Ich bin entsetzt über das Kleidungsstück und gleichzeitig begeistert von dem Film, der mich komplett in den Fokus nimmt. Irgendwie wirkt der alte Wulff mit der neuen Brille jünger und attraktiver und ich komme ins Schwanken, ob man nicht doch eine gewisse Annäherung ausprobieren sollte. Er strahlt mich und den kleinen Monitor erotisiert an und ich frage ihn, ob er diese muttihafte Schürze nicht auch fürcherlich findet, ja peinlich, ganz schlimm eben!? Nein, nein, meint er, das wäre für Männer doch gerade interessant. Aha! Ich tue eher überrascht, als dass ich es bin und versetze mich in seine Perspektive, die Mutti-Sex antörnend findet. Ja ja, verstehe, sind ja nun Big News, dass Männer gerne wie kleine Jungs verwöhnt werden. Schon toll, wenn ein praktischer Kittel über dem mütterlichen Busen spannt. Usw. usf. Das sage ich aber nicht, ich gebe mich neutral. Er schiebt dann noch ein superlatives Kompliment hinterher, so ungefähr, ich wäre aber unabhängig davon die Schönste von allen. Das scheint für mein Ego ausreichend zu sein und ich beschließe zu gehen. Ich nehme die Kamera wie selbstverständlich mit, als wäre jede Kamera der Welt meine. Zumal ja ein Film von mir drauf ist. Während ich den Weg zurückgehe, weg von der Lounge-Garnitur, denke ich noch bei mir: dafür hat sie sich doch gelohnt, diese Begegnung, dass er so einen schönen kleinen Film von mir gemacht hat. Selbst wenn nichts anderes mehr passiert, ich habe etwas Brauchbares davon mitgenommen. Meine Neugier, das Video in Ruhe allein daheim anzuschauen, erotisiert mich wesentlich mehr, als die Aussicht, noch weitere Stunden mit ihm und der Gesellschaft mit Smalltalk zu verbringen.
Als ich aufwache, denke ich noch im Halbschlaf, wie viel Wahres an dem Traum ist, direkt gnadenlos. Heute morgen war ich noch überzeugt, es wäre mir zu peinlich, einen derart entblößenden Traum zu bloggen, aber sei’s drum. Das hat mich jetzt mehrere Stunden beschäftigt, nun ist es verarbeitet und ich habe das unbeschönigte Ausmaß meines eitel berechnenden Charakters preisgegeben. Wer unter den Lesenden frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein. So, auf in die nächste Runde. Gute Nacht.

25. Juli 2012


Mal in der Fotokiste wühlen. Ein Bild wie der 25. Juli 2012? Wenn man durch die Straßen geht und ein bißchen Wind kommt, ein sehr warmer Sommertag, wie man sie gerne ein paar Tage hintereinander hat, aber dann auch gerne wieder eher wie gestern, fünf bis sieben Grad weniger. Im S-Bahnhof Zoo war es gegen achtzehn Uhr so warm, als hätte einer einen riesigen Föhn auf der höchsten Stufe angemacht, nur ohne Wind. Ich bin schnell zum Ende des Bahnsteigs, wo sich die Luft nicht mehr anstaut. Zum ersten Wagen, ganz hinten, und einen Platz gekriegt, wo es nicht zieht. Das stört mich am meisten in der S-Bahn, dass alle möglichen Fenster auf Durchzug sind und man die Erkältungsgefahr bedrohlich am Luftzug merkt. Komisch, wie viele unsensibel dafür sind. Am häufigsten reagieren die älteren Leute darauf wie ich. Es kommt sogar vor, dass ich im Sommer in die Hocke gehe, dicht an die Tür gedrängt, wo eine geschütze Ecke ist, um dem Zug zu entrinnen. Manche werden ungehalten, wenn man eines von vier gekippten Fenstern zumacht, als wäre Erstickungsgefahr. Na ja, dafür wird immer reichlich im Sommer geniest und geschnieft und nicht derart, wie man es von Heuschnupfen kennt. Irgendwie merkt man den Unterschied, ob einer erkältet ist oder Allergie hat, die Ausstrahlung ist irgendwie anders. Ich bin da auf alle Fälle vorausschauend zimperlich, und nicht, weil ich mich dauernd erkälte, sondern weil ich mich wegen dieser peniblen Vorkehrungsmaßnahmen lange nicht erkältet habe. Lieber Socken als keine, wenn die Wetterlage unberechenbar ist. Manchmal, im ausgewiesenen Winter, sehe ich unterwegs junge Mädchen – das sehe ich nur bei jüngeren Frauen, deswegen Mädchen – die eine Art Alibi-Schal locker einmal um den Hals drapiert haben, mehr so nach dem Deko-Prinzip, also nicht eng und frostdicht bis unters Kinn gewickelt, und unterhalb des Dekostoffs wird ein stofffreies, tiefes Dekolleté präsentiert, ein luftiger Blusenauschnitt vielleicht, die oberen fünf Knöpfe geöffnet, so dass man noch einwandfrei den oberen Rand vom Büstenhalterschälchen erkennen kann. Ich gucke da natürlich auch hin und beobachte interessiert das Nesteln nach dem Tempotaschentuch und das Hochziehgeräusch. Wie heißt es immer bei den Castingshows: „Das Gesamtpaket muss stimmen!“. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass manche Gesamtpakete nicht so ganz stoßsicher verpackt und verschnürt sind. Wie komme ich denn jetzt bloß von diesem mustergültigen Sommertag auf verkühlte Mädchen mit sinnlosen Schal-Arrangements? Ebendrum. Erkältungszeit! Hochsommer ist Erkältungszeit! Ach so, ich wollte ja irgendein Foto. Mal schauen. Klebe ich oben hin.

24. Juli 2012


Toll, so eine saubere Wohnung. Vielleicht sollte ich mich doch um häufigeren Herrenbesuch kümmern. Vorhin war der Klempner da. Der Wärmezähler für die Heizung musste ausgewechselt werden. Das war mir Anlass genug, alles tiptop auf Vordermann zu bringen! Es ging wieder einmal sehr schnell. Sowohl meine Großreinigungsaktion von 8:05 bis 9:20 Uhr als auch seine Tätigkeit. Schön, wenn die Handwerker pünktlich sind. Nun ja, er war überpünktlich. Ein junger Mann Anfang Dreißig. Oder Mitte Dreißig? Ich kann in letzter Zeit so schlecht schätzen. Ich kann ja mein eigenes Alter kaum beurteilen. Ich sage noch: „Sie sind ein bißchen früher, hm?“. Man hat das dann weggelächelt und ist zur Tat geschritten. Ich musste ihn allerdings ca. zwei Minuten vor der Tür warten lassen, da ich um 10:00 Uhr noch nicht planmäßig fertig angezogen war. Außerplanmäßig habe ich mir dann anstatt der vorgesehenen Straßenkleidung, da ich später ja noch vor die Tür muss, ein etwas längeres T-Shirt angezogen, das jüngere Mädchen bestimmt ohne zu zaudern als Mininkleid tragen würden. Ich hatte schon die Socken an, aber das hat dann Scheiße ausgesehen, die dicken Socken mit dem T-Shirt-Leibchen-Kleidchen. Barfuß war einfach stimmiger, also die Socken wieder aus! Ich achte ja sehr auf solche Dinge, auch so ein Klempner hat das Recht auf angemessen gekleidete Kundschaft! Bei mir muss immer alles passen, schließlich hinterlässt so ein Auftritt einen bleibenden Eindruck, und der soll möglichst gut sein! Jawohl, so ticke ich nun einmal, ich kann mir nicht helfen. Für andere wäre das wahrscheinlich Mode-Terror, oder weiß der Kuckuck, für mich ist das der Normalzustand! Der Klempner hat dann auch fröhlich sein Werk verrichtet, im Hintergrund sang Benjamin Biolay ein französisches Liedchen. Sicher wird der Klempner seinen Besuch bei mir stets in guter Erinnerung behalten! So, nun Frühstück und dann auf ins schöne Charlottenburg. Sonne scheint, alles prima!

24. Juli 2012

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=77002466&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
►watch on youtube
Ich lasse ja nicht locker. Unverändert spüre ich tief in mir die Berufung zur künftigen Repräsentantin unseres schönen Landes. Um meinen Willen, das staatstragende Amt der Bundespräsidentin mit der ihm angemessenen Würde und Ernsthaftigkeit auszuführen, nochmals mit Nachdruck zu bekräftigen, habe ich das obige Bewerbungsvideo erstellt. Wie man sieht, kenne ich das Grundgesetz bis ins kleinste Detail aus dem Effeff und beherrsche auch fehlerfrei den Vortrag unserer Nationalhymne, des Deutschlandliedes. Betonen möchte ich, dass ich das Lied nicht erst einüben musste, sondern selbstverständlich aus dem Stand textsicher beherrsche. Das ist natürlich auch wichtig bei meinen künftigen Repräsentationspflichten, u. a. bei der kommenden Fußballweltmeisterschaft 2014, wo wir dank meiner mentalen Unterstützung vor Ort in der Spielerkabine über das Halbfinale hinauskommen werden. Dafür gebe ich Ihnen mein Ehrenwort.

22. Juli 2012

Wie zwölfter Mai, Opus 54 (und Zwiebeln in der Sonne schälen und Knoblauch, und schnippeln. Dabei Fernsehdoku über die Hamptons wie Radiohörspiel gehört. Später gucke ich die Bilder dazu, mal sehen, ob ich es mir richtig vorgestellt habe. Ich habe schon öfter was von den Hamptons gesehen, sieht für mich aus wie Ostsee, eher nicht so interessant, aber schickere Häuser da.)

19. Juli 2012


Ich verkneife mir die politisch unkorrekten Gedankengänge des Vormittags und vor allem, diese hier auszubreiten. Ich habe da sehr stark reflektierende Ansätze. Zum Glück hatte ich Gelegenheit, ein bißchen herumzupoltern und es wurde dann auch gut absorbiert. „Das Wichtigste ist Distanz (dazu). Das ist das Zauberwort.“ sagt mein Gegenüber. Richtig. Was regt mich daran eigentlich so auf. Ohne ins Detail zu gehen, ich mag es nicht, wenn jemand mit einer plakativen Opferhaltung seine Umgebung zu manipulieren versucht. Trotz vorgeblicher Schwäche ein enormes und aggressives Energiepotential zutage fördert, wenn es darum geht, persönliche Vorteile zu erwirken, was für mein Empfinden die angeblich handlungsschwache Verfassung Lügen straft. Da bin ich ganz schnell auf der anderen Seite. Ein Glück, dass ich nicht jeden Tag mit solchen Würstchen zu tun habe. Wobei ich nichtsdestoweniger ein starkes Mitgefühl entwickeln kann, wenn jemand in echter Not ist. Ich würde sicher nicht weitergehen, wenn mir jemand auf der Treppe entgegenfällt. Da läuft dann so ein automatisiertes Erste-Hilfe-Programm ab. Aber wahrscheinlich stimmt es, dass ich nur auf extreme Notsituationen reagieren würde. Vernünftigerweise habe ich schon früh realisiert, dass mein Helfer-Syndrom eher in der Liga Naturkatastrophen zum Tragen kommt. Sicher erinnern sich noch Viele, dass es Ende der Siebziger bis in die Achtziger hinein, angesagt war, Sozialpädagogik zu studieren. Ich hätte mich nie getraut, laut zu sagen, dass ich keine Affinität zu Helfer- und Pflegeberufen habe. Dagegen durfte man sich bei jeder Gelegenheit über BWL-Studenten lustig machen. Na gut, die waren auch nicht auf meiner Wellenlänge. Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge interessieren mich ehrlich gesagt erst seit jüngerer Vergangenheit. Inzwischen bin ich sogar regelrecht fasziniert von Unternehmern und Unternehmerinnen, die ihr eigenes Baby in die Welt setzen und zum wirtschaftlichen Erfolg führen. Da ist viel Magie und Suggestionskraft im Spiel. Und das hat mich schon immer interessiert. Ich will ja in den Bereichen etwas lernen, wo ich noch nicht völlig souverän bin. In anderen Angelegenheiten fühle ich mich virtuoser, aber das nimmt auch langsam andere Dimensionen an. Für mich war eine sehr interessante Erkenntnis der letzten Jahre, das es wichtig ist, die Energie nicht in die Breite zu streuen, sondern selektiv vorzugehen. Man muss aber auch bestimmte Erfahrungen gemacht haben, um zu identifizieren, wann und wo die Gefahr droht, verheizt zu werden. Da habe ich feine Antennen entwickelt. Mit die interessantesten und auch befriedigensten Situationen waren, wenn ich etwas (finanziell durchaus nicht Uninteressantes) ganz friedlich ablehnen konnte. Gefragt zu werden ist immer schön, das reicht mir oft schon als Egotrip. Und dann ziehe ich mich wieder in meinen Elfenbeinturm zurück. Ich gebe zu, es ist heutzutage in jeder Hinsicht schwer, an mich heranzukommen. Das liegt unter anderem daran, dass ich mich in jedem Zusammenhang frage, was bekomme ich zurück, wenn ich etwas gebe. Produziere, Lebenszeit investiere. Ich habe das Gefühl, dass ich mich das zu viele Jahre nicht genug gefragt habe, zu schnell und bereitwillig aktiv geworden bin. Viel verschenkt, in allen erdenklichen Bereichen, aber keinen angemessenen Ausgleich erhalten. Daran, dass ich den Begriff angemessen verwende, erkenne ich, für wie teuer ich mich offensichtlich halte. Ziemlich teuer. Exklusiv teuer. Und ich bin es in jeder Hinsicht wert. Das Wunderbare an einem Blog ist, dass man solche unerhörten Sachen einfach schreiben kann. Und ich rate Ihnen und Euch allen, ein Blog dafür zu nutzen, Euren wahren Wert in die Welt zu rufen. Natürlich gibt es auch Spinner, die es überziehen, aber die sind meistens auch ganz unterhaltsam, wenn sie es sehr übertreiben. Denn plätschern muss es wirklich nicht. Nicht im Blog und auch nicht im Leben. Und geheuchelte Demut und Bescheidenheit braucht niemand. Nur echte. Gute Nacht aus dem Elfenbeinturm.

19. Juli 2012


Ich verkneife mir die politisch unkorrekten Gedankengänge des Vormittags und vor allem, diese hier auszubreiten. Ich habe da sehr stark reflektierende Ansätze. Zum Glück hatte ich Gelegenheit, ein bißchen herumzupoltern und es wurde dann auch gut absorbiert. „Das Wichtigste ist Distanz (dazu). Das ist das Zauberwort.“ sagt mein Gegenüber. Richtig. Was regt mich daran eigentlich so auf. Ohne ins Detail zu gehen, ich mag es nicht, wenn jemand mit einer plakativen Opferhaltung seine Umgebung zu manipulieren versucht. Trotz vorgeblicher Schwäche ein enormes und aggressives Energiepotential zutage fördert, wenn es darum geht, persönliche Vorteile zu erwirken, was für mein Empfinden die angeblich handlungsschwache Verfassung Lügen straft. Da bin ich ganz schnell auf der anderen Seite. Ein Glück, dass ich nicht jeden Tag mit solchen Würstchen zu tun habe. Wobei ich nichtsdestoweniger ein starkes Mitgefühl entwickeln kann, wenn jemand in echter Not ist. Ich würde sicher nicht weitergehen, wenn mir jemand auf der Treppe entgegenfällt. Da läuft dann so ein automatisiertes Erste-Hilfe-Programm ab. Aber wahrscheinlich stimmt es, dass ich nur auf extreme Notsituationen reagieren würde. Vernünftigerweise habe ich schon früh realisiert, dass mein Helfer-Syndrom eher in der Liga Naturkatastrophen zum Tragen kommt. Sicher erinnern sich noch Viele, dass es Ende der Siebziger bis in die Achtziger hinein, angesagt war, Sozialpädagogik zu studieren. Ich hätte mich nie getraut, laut zu sagen, dass ich keine Affinität zu Helfer- und Pflegeberufen habe. Dagegen durfte man sich bei jeder Gelegenheit über BWL-Studenten lustig machen. Na gut, die waren auch nicht auf meiner Wellenlänge. Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge interessieren mich ehrlich gesagt erst seit jüngerer Vergangenheit. Inzwischen bin ich sogar regelrecht fasziniert von Unternehmern und Unternehmerinnen, die ihr eigenes Baby in die Welt setzen und zum wirtschaftlichen Erfolg führen. Da ist viel Magie und Suggestionskraft im Spiel. Und das hat mich schon immer interessiert. Ich will ja in den Bereichen etwas lernen, wo ich noch nicht völlig souverän bin. In anderen Angelegenheiten fühle ich mich virtuoser, aber das nimmt auch langsam andere Dimensionen an. Für mich war eine sehr interessante Erkenntnis der letzten Jahre, das es wichtig ist, die Energie nicht in die Breite zu streuen, sondern selektiv vorzugehen. Man muss aber auch bestimmte Erfahrungen gemacht haben, um zu identifizieren, wann und wo die Gefahr droht, verheizt zu werden. Da habe ich feine Antennen entwickelt. Mit die interessantesten und auch befriedigensten Situationen waren, wenn ich etwas (finanziell durchaus nicht Uninteressantes) ganz friedlich ablehnen konnte. Gefragt zu werden ist immer schön, das reicht mir oft schon als Egotrip. Und dann ziehe ich mich wieder in meinen Elfenbeinturm zurück. Ich gebe zu, es ist heutzutage in jeder Hinsicht schwer, an mich heranzukommen. Das liegt unter anderem daran, dass ich mich in jedem Zusammenhang frage, was bekomme ich zurück, wenn ich etwas gebe. Produziere, Lebenszeit investiere. Ich habe das Gefühl, dass ich mich das zu viele Jahre nicht genug gefragt habe, zu schnell und bereitwillig aktiv geworden bin. Viel verschenkt, in allen erdenklichen Bereichen, aber keinen angemessenen Ausgleich erhalten. Daran, dass ich den Begriff angemessen verwende, erkenne ich, für wie teuer ich mich offensichtlich halte. Ziemlich teuer. Exklusiv teuer. Und ich bin es in jeder Hinsicht wert. Das Wunderbare an einem Blog ist, dass man solche unerhörten Sachen einfach schreiben kann. Und ich rate Ihnen und Euch allen, ein Blog dafür zu nutzen, Euren wahren Wert in die Welt zu rufen. Natürlich gibt es auch Spinner, die es überziehen, aber die sind meistens auch ganz unterhaltsam, wenn sie es sehr übertreiben. Denn plätschern muss es wirklich nicht. Nicht im Blog und auch nicht im Leben. Und geheuchelte Demut und Bescheidenheit braucht niemand. Nur echte. Gute Nacht aus dem Elfenbeinturm.

18. Juli 2012

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Das freut mich so sehr. Gerade schrieb mir Lutz, Nicos guter Freund, der sich damals auch um ihre Beisetzung in Berlin gekümmert hat, dass er heute an ihrem Grab war und ein Foto gemacht hat. Heute ist ihr Todestag. Am 18. Juli 1988 starb sie auf Ibiza an einer Gehirnblutung. Ich hatte im Juli vor fünf Jahren ein großes, gerahmtes Bild an ihrem Grab hinterlegt, das sie zeigt, mit einer Widmung. Ich fand damals, ihr Abbild sollte in irgendeiner Weise am Grab zu sehen sein. Ich gab mir Mühe, den Rahmen wasserdicht zu verschließen, aber natürlich dringt die Feuchtigkeit dennoch irgendwie ein und man sieht die Patina wachsen. Ich war zuletzt am 14. Juni 2008 an ihrem Grab, da sah man schon die ersten Spuren. Das Bild steht immer noch dort, fünf Jahre sind es nun schon. Das freut mich so. Lutz, Lüül, der Musiker, der neben seinen Solo-Projekten nun seit vielen vielen Jahren mit den Siebzehn Hippies unterwegs ist, stolperte vor ein paar Jahren über meinen kleinen Film, den ich bei meinem zweiten Besuch an ihrem Grab gedreht habe. Er war davon so gerührt, dass er Kontakt mit mir aufnahm. In seiner Autobiographie hat er viel über seine Zeit mit Nico geschrieben. Sie waren in den Siebzigern ein Paar und es gab eine Zeit, in der Nico in seinem Elternhaus Unterschlupf suchte, gar nicht weit von dem kleinen Friedhof im Grunewald entfernt. Später blieben sie gute Freunde. Ich habe heute keinen Champagner hier, sonst würde ich noch einmal mit ihr anstoßen, so wie ich es vor fünf Jahren am Grab gemacht habe. Aber vielleicht später mit einem guten Glas Bordeaux. Den hätte sie bestimmt auch nicht verachtet. Lutz erwähnte noch, dass Patti neulich auch das Grab besucht hat. Patti Smith und Nico hatten guten Kontakt und große Sympathien füreinander. Als Nicos erstes Harmonium gestohlen wurde, ging Patti los und schenkte ihr ein neues. Vielleicht hat Patti sich ja über ihr Efeugrab gebeugt und das Bild genauer betrachtet und meine kleine Widmung gelesen.
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17. Juli 2012

Wie wir ja nun alle wissen, leben Blogs von Lebenszeichen. Verheißung intimer Einblicke und Erkenntnisse in möglichst kurzen Abständen. Ein paar einfache Sätze sollten schon auch heute wieder drin sein! Ich kann zum Beispiel eine Tagesbegebenheit von ausgesuchter Banalität berichten, wie sie garantiert nie in der Zeitung zu lesen wäre. Ordnungsgemäß gehört die Sache allerdings in den Zucker-Strang vergelesen.

14. Juli 2012






Ach Charlottenburg. Nach meinen dauernden Mitte-Liebeserklärungen ist heute Charlottenburg dran. Es gibt eigentlich keine Alternative zu Charlottenburg. Ich meine den sehr begrenzten Radius, der sich im engeren Sinn zwischen Fasanen- und Meinekestraße abspielt. Einmal vom Ku’damm aus die eine oder andere lang gehen und demütig annehmen, dass solche Hauseingänge eben nur hier anzutreffen sind. Da stimmt einfach alles. Und wenn man dann auch noch das Glück hat, eine offene Tür zu finden, wo man auch noch herzlich eingeladen ist, kann man aufhören, sich zu bemitleiden. Aber ernsthaft. Ein Dachgeschoss in so einem schmucken Haus könnte mich fast abtrünnig werden lassen. Als ich mich im Hof mit anderen Gästen der Feier unterhielt, wurde auch ein bißchen geunkt „Die kommen alle wieder zurück.“ Damit sind sind die abtrünnigen ehemaligen Westberliner gemeint, die sich auf in den wilden Osten gemacht haben. Aber ich bin ja seinerzeit nicht vor einer herrschaftlichen Zimmerflucht im feinsten Chalottenburg geflüchtet, sondern vor den Wilmersdorfer Witwen. Ich war also gestern tatsächlich unter Menschen. Unter sehr netten Menschen. Vor einer Woche flatterte eine launige Mail mit einer Einladung in die Meinekestraße in mein Postfach. Insofern launig, weil es keine mit Textbaustein generierte Einladung des Galeristen war, sondern zwei Sätze wie von einem Barhocker gepostet. Er säße gerade mit Jan zusammen und sie würden sich über mich unterhalten, nur Gutes! So so. Und ob ich nicht Lust hätte, auch zu kommen. Ich musste schon beim Lesen lachen, weil ich mir lebhaft ausmalen konnte, wie Jan dem Galeristen Manfred Carpentier die wildesten Sachen erzählt. Weiß der Teufel. Aber ich rechne es ihm natürlich hoch an, dass er die frohe Botschaft in die Welt trägt. Ich kannte Manfred Carpentier nur von Jans Portraits, soweit ich mich erinnere. Die Galerie gibt es erst seit zwei Jahren und ist bestimmt eine der schönsten überhaupt. Man ist eigentlich gleich daheim. Das empfinden andere auch so und legen gleich mal die Füße hoch, auf den vollendeten Sitz- und Liegemöbeln. Aufmerksame Leser könnten erkennen, dass ich mein strenges Prinzip der Chronologie der Bilder hier gerade verrate. Ich wollte den Gastgeber nicht zu lange auf die Folter spannen, was die Bilder angeht. Daher. Im Übrigen habe ich ein Glas Rotwein und ein Glas Wasser getrunken. Es hat mir nicht geschadet. Ich praktiziere das jetzt weiter. Ich übe auch gerade daheim. Was auch noch lustig war, fällt mir gerade ein, einige kannte ich ja doch von früher, die haben mich zum Teil gar nicht erkannt. Jedenfalls nicht gleich. Eigentlich unglaublich. Weil ich mich angeblich so verändert habe. Na gut, kann man dauernd das Gefühl haben, man lernt wen Neues kennen. Auch super. So lange es noch Menschen gibt, die ohne Androhung von Genickschuss auf einen zugehen, ist das auch kein Problem für mich. Ich bin ja sowieso immer begeistert, wenn ich von möglichst vielen Unbekannten umgeben bin. Das begeistert mich täglich. Ich laufe dauernd dieselben Wege entlang, fahre mit der S-Bahn dieselbe Strecke und ganz selten kommt mir mal ein Gesicht bekannt vor. Es ist so großartig. Wie verreist. Ich liebe es. Ich liebe Berlin. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Berlin. Berlin. Berlin.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

14. Juli 2012






Ach Charlottenburg. Nach meinen dauernden Mitte-Liebeserklärungen ist heute Charlottenburg dran. Es gibt eigentlich keine Alternative zu Charlottenburg. Ich meine den sehr begrenzten Radius, der sich im engeren Sinn zwischen Fasanen- und Meinekestraße abspielt. Einmal vom Ku’damm aus die eine oder andere lang gehen und demütig annehmen, dass solche Hauseingänge eben nur hier anzutreffen sind. Da stimmt einfach alles. Und wenn man dann auch noch das Glück hat, eine offene Tür zu finden, wo man auch noch herzlich eingeladen ist, kann man aufhören, sich zu bemitleiden. Aber ernsthaft. Ein Dachgeschoss in so einem schmucken Haus könnte mich fast abtrünnig werden lassen. Als ich mich im Hof mit anderen Gästen der Feier unterhielt, wurde auch ein bißchen geunkt „Die kommen alle wieder zurück.“ Damit sind sind die abtrünnigen ehemaligen Westberliner gemeint, die sich auf in den wilden Osten gemacht haben. Aber ich bin ja seinerzeit nicht vor einer herrschaftlichen Zimmerflucht im feinsten Chalottenburg geflüchtet, sondern vor den Wilmersdorfer Witwen. Ich war also gestern tatsächlich unter Menschen. Unter sehr netten Menschen. Vor einer Woche flatterte eine launige Mail mit einer Einladung in die Meinekestraße in mein Postfach. Insofern launig, weil es keine mit Textbaustein generierte Einladung des Galeristen war, sondern zwei Sätze wie von einem Barhocker gepostet. Er säße gerade mit Jan zusammen und sie würden sich über mich unterhalten, nur Gutes! So so. Und ob ich nicht Lust hätte, auch zu kommen. Ich musste schon beim Lesen lachen, weil ich mir lebhaft ausmalen konnte, wie Jan dem Galeristen Manfred Carpentier die wildesten Sachen erzählt. Weiß der Teufel. Aber ich rechne es ihm natürlich hoch an, dass er die frohe Botschaft in die Welt trägt. Ich kannte Manfred Carpentier nur von Jans Portraits, soweit ich mich erinnere. Die Galerie gibt es erst seit zwei Jahren und ist bestimmt eine der schönsten überhaupt. Man ist eigentlich gleich daheim. Das empfinden andere auch so und legen gleich mal die Füße hoch, auf den vollendeten Sitz- und Liegemöbeln. Aufmerksame Leser könnten erkennen, dass ich mein strenges Prinzip der Chronologie der Bilder hier gerade verrate. Ich wollte den Gastgeber nicht zu lange auf die Folter spannen, was die Bilder angeht. Daher. Im Übrigen habe ich ein Glas Rotwein und ein Glas Wasser getrunken. Es hat mir nicht geschadet. Ich praktiziere das jetzt weiter. Ich übe auch gerade daheim. Was auch noch lustig war, fällt mir gerade ein, einige kannte ich ja doch von früher, die haben mich zum Teil gar nicht erkannt. Jedenfalls nicht gleich. Eigentlich unglaublich. Weil ich mich angeblich so verändert habe. Na gut, kann man dauernd das Gefühl haben, man lernt wen Neues kennen. Auch super. So lange es noch Menschen gibt, die ohne Androhung von Genickschuss auf einen zugehen, ist das auch kein Problem für mich. Ich bin ja sowieso immer begeistert, wenn ich von möglichst vielen Unbekannten umgeben bin. Das begeistert mich täglich. Ich laufe dauernd dieselben Wege entlang, fahre mit der S-Bahn dieselbe Strecke und ganz selten kommt mir mal ein Gesicht bekannt vor. Es ist so großartig. Wie verreist. Ich liebe es. Ich liebe Berlin. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Ich liebe Charlottenburg. Ich liebe Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Charlottenburg. Mitte. Berlin. Berlin. Berlin.
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12. Juli 2012


Bilder von vergangenen Sommern sind auch was Schönes. In zwei drei Jahren kann man das eh nicht mehr auseinanderhalten, war es ein Bild von 2010, oder von 2012, oder 2008? Ist doch wurscht! Bei Bildern mit einem selber drauf ist es hingegen wechselweise beruhigend oder beunruhigend, wenn man sich das Jahr vor Augen führt. Beruhigend ist, wenn man eher na ja-Bilder von früher findet und ganz schnell ein schöneres Neues daneben hält. Das gibt Auftrieb! Man kann weiter hoffen, dass die Jahre einem nicht nur nehmen, sondern auch etwas geben. Nein, ich werde mich nicht beschweren. Schon aus Prinzip. Ich habe seit ein paar Monaten keine Lust mehr gehabt, meine Haarfarbe aus dem Hause Rossmann zu beziehen, und bin auch alle paar Jahre neugierig, wie nun eigentlich aktuell der gottgegebene Status quo ist. Ich habe mit einem weitergehenden Ergrauungsprozess gerechnet. Komisch, dass gerade die Deckhaare am wenigsten Grau zeigen, ein paar einzelne Fäden, die eher wie Strähnchen wirken. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass meine echte Haarfarbe mehr Blicke auf sich zieht. Ich hatte noch dunkel in Erinnerung, dass da so ein Rot-Anteil drin war, der mich als ich ein Teenie war, immer fasziniert hat, wenn die Sonne darauf gekommen ist. Ich bin hin- und hergerissen. Ich mochte auch die dunklen Haare sehr gerne, weil sie auch unbedingt meinem Charakter ähneln, aber die Haarstruktur ist jetzt wieder viel besser, viel gesünder. Manchmal streiche ich mir so über den Scheitel, mit der flachen Hand, weil es

so ein schönes Gefühl ist, wie seidig glatt es sich anfühlt. Vorher waren sie durch das jahrelange Färben schon ganz matt und stumpf. Wenn ich jetzt schreibe, was ich für ein „Shampoo“ benutze, versteht die Dame von Welt wahrscheinlich die Welt nicht mehr. Es ist gar kein Haarshampoo. So weich und seidig waren meine Haare nicht, als ich die teuersten Shampoos von John Frida und Marlies Möller benutzt habe. Alle mal anschnallen: ich wasche meine Haare mit Flüssigseife zum Händewaschen, Duftnote Vanilleblüte aus dem exclusiven Körperpflegesortiment von Aldi. 500 ml zu 0,75 €. Jawohl, ganz recht. Ein halber Liter zu 75 Cent. Wunderbarer Duft außerdem. Mir ging neulich das Shampoo aus und ich habe in der Not nach dem Seifenspender gegriffen. Nachdem die Haare sich auch trocken gut angefühlt haben, habe ich es am nächsten Tag absichtlich wieder gemacht. Und am übernächsten. Das geht jetzt schon ungefähr vier Wochen so. So viel heute von mir zum Thema Schönheitspflege und sparsames Wirtschaften! Nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein! Schönheit muss nicht teuer sein.

11. Juli 2012


Gute Nacht aus einer Hütte in Mitte. Morgen wieder Wetter. Hab mich halbwegs berappelt. Wird schon. Morgen Donnerstag. Übermorgen Freitag. Oh. Da fällt mir ein, wenn ich die Einladung wahrnehme, kann ich vorher gar nicht einkaufen. Könnte ich auch am Samstag. Wäre auch kein Problem. Außerdem ist das Obst- und Gemüseregal voller, wenn man tagsüber einkaufen geht. Mal gucken. Aber jetzt schlafen.

11. Juli 2012


Gute Nacht aus einer Hütte in Mitte. Morgen wieder Wetter. Hab mich halbwegs berappelt. Wird schon. Morgen Donnerstag. Übermorgen Freitag. Oh. Da fällt mir ein, wenn ich die Einladung wahrnehme, kann ich vorher gar nicht einkaufen. Könnte ich auch am Samstag. Wäre auch kein Problem. Außerdem ist das Obst- und Gemüseregal voller, wenn man tagsüber einkaufen geht. Mal gucken. Aber jetzt schlafen.

09. Juli 2012


Das ist das Schöne. Ich kriege es kaum noch gebacken, einigermaßen gegenwartsnah Bilder zu posten, aber in meinem 25.346-Bilderarchiv findet sich immer mindestens ein altes, das meine Verfassung zeigt. Abgesehen von diesem ungewohnt fragilen Montag denke ich über eine Einladung nach. Die ist erst am Freitag. Ich sollte weniger nachdenken, einfach kurz vorher die Stimmungslage abchecken und dann los. Oder auch nicht. Ich denke zuviel über alles nach. Viel zu viel. Immer schon. Meine Güte. Ich bin aus der Übung. Neulich, als ich mit meinem guten alten Freund unterwegs war, war es wie früher. Ich war kein bißchen aus der Übung. Es hat mir sogar gefallen. Richtig gut. Dabei war es so unspektakulär. Nein, es war nicht unspektakulär, weil meine Stimmung war ziemlich obenauf. Und die Wahrheit ist, ich ziehe mich an meiner eigenen Stimmung hoch und werfe sie in den Raum. Und wenn ich sehr gut drauf bin, gibt das eine sehr starke Reflektion. Ping pong. Die Spiegelung in der Spiegelung in der Spiegelung. Das eigene Licht wird zurückgeworfen und vervielfacht. Das habe ich im Tacheles gespürt. Eigentlich war nicht viel los. Ich habe mir eine interessante Ecke ausgesucht und die Ecke fotografiert. Und mich. In der Ecke. Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel, dass einer der „Residents“, der für die Portraitgalerie verantwortlich ist, auch eine Kamera in der Hand hat. Die hatte er vorher noch in der Tasche. Und fokussiert mich. Er fotografiert, wie ich mich vor den Bildern fotografiere, die er fotografiert hat. Ich muss lachen. Er ermahnt mich, ich sollte bitte genau das tun, was ich vorher gemacht habe, bevor ich ihn bemerkte. Das wäre am Interessantesten. Am Interessantesten sei zu fotografieren, wie ich mich fotografiere. Das wäre richtig gut. Ich habe ihm den Gefallen natürlich gerne getan. Wir haben uns dann noch gegenseitig bei uns bedankt. Und weiter. Ja, das ist alles egozentrisch. Wie ein Blog schreiben. Wie bloggen eben. Tja ja.

09. Juli 2012

Merkwürdiger Tag. Aufgewacht wie fragmentiert. Die Seele einmal durch den Fleischwolf gedreht. Dabei erinnere ich mich an keinen Albtraum. Aber ich erinnere mich. Ach, wirre Träume aufschreiben, die man selbst nicht deuten kann, wo keiner dabei war, der mitreden könnte. Bizarr war eigentlich nur, dass es so gefühlsmäßig unerheblich war, irgendeine bergige Landschaft, Paare, die dort wanderten, ein interessanter Abgrund mit einer schönen Wiese darunter. Ein Paar wollte springen, einen Tandem-Sprung, indem sie sich einfach übermütig und tapfer an den Händen fassten. Ich sah es, ich hatte den Sprung schon hinter mir, aber von einer tieferen Ebene, nicht ganz so hoch. Ich war gerade gesprungen, es ging gut, vielleicht drei, vier Meter, in die grüne Wiese. Aber sie waren auf der Höhe von fünf bis sieben Metern oder zehn. Das wäre gefährlich. Sie waren kurz davor und ich ging hin und sagte ihnen, das wäre zu hoch, sie würden sich alle Knochen brechen und dass sie eine Ebene tiefer sicherer springen könnten. Ich zeigte ihnen den Weg zum sicheren Absprung und sie sprangen und alles ging gut. Dann bin ich aufgewacht. Knochenschwer. Innerlich. Als hätte ich Berge versetzt, schwer gearbeitet, aber ohne Erfolg, vergeblich, wie ausgebrannt. Ich stand auf, wie immer, um meinem Tagwerk nachzugehen, aber ich konnte nicht. Ich fühlte mich immer noch, als hätte das Gegenteil vom lieben Gott meine Seele durch den Fleischwolf gedreht. Halb wie in Trance und seltsam traurig bin ich wieder nach Hause. Legte mich hin aber fand keine Ruhe. Jetzt erst, sehr spät fange ich mich gerade wieder. Ich entdeckte einen neuen wunderbaren Song von Patti Smith, Maria. Der hat mich sehr berührt. Ich habe ein bißchen geweint. Das tat sehr gut. Ich habe lange nicht geweint. So wie ich vieles andere lange nicht getan habe. Und empfunden.
At the edge of the world
Where you were no one
Yet you were the girl
The only one
At the edge of the world
In the desert heat
One shivering star
Sweet indiscreet
I knew you
When we were young
I knew you
Now you’re gone
In a little Narcissus pool
Drawn by its spell
We saw ourselves
Raw excitable
I knew you
When we were young
I knew you
Now you’re gone
We didn’t know
The precariousness
Of our young powers
All the emptiness
Wild,wild hair
Sad,sad eyes
White shirt black tie
You were mine
You grabbed the ring
Of the carousel
Tangoing
From Heaven to Hell
I knew you

08. Juli 2012

Gerade versucht, die Schwalben am Himmel zu zählen, halten nicht still die Biester. Zehn, elf, zwölf, dreizehn bestimmt. Ganz weit da oben, man erkennt gerade die Silhouette. Gestern kreisten zwei große weiße Möwen über den Dächern, die kommen von da hinten, von der Spree am Lustgarten geflogen und machen manchmal einen Ausflug. Einen echten Ausflug. Laues Lüftchen heute, ich liege auf dem Balkon, kein Auto fährt irgendwo entlang, man hört nur Vogelgezwitscher. Die Läden da unten sind noch nicht frequentiert, die Tische und Stühle vorm Al Contadino sind noch zusammengeklappt und lehnen an der Mauer. Später soll es wieder Gewitter geben, sagt der Wetterfrosch. Ich war schon fleißig und habe den Saum von meiner weißen Hose unten am Bein repariert. Ganz ordentlich einmal rundherum genäht, mit der Hand.

Die Sonne hat mir auf den Rücken gebrannt. Der Kaffee war ausgezeichnet. Ich mache jetzt immer eine winzige Prise Salz bevor ich das Wasser aufgieße hinein, gegen die Bitterstoffe, wenn das Wasser zu stark kocht! Das haben schon unsere Großmütter praktiziert und die italienischen Espresso-Köche. Aber nicht zu viel! Es soll nicht salzig schmecken. Zur Zeit gibt es bei Rossmann in der Friedrichstraße, die mit Abstand am besten sortierte Filiale, Lavazza Crema e Gusto für 2,99 das halbe Pfund! Ich nehme immer gleich zwei bis drei Packungen auf Vorrat. An der Qualität beim Kaffee sollte man nie sparen, das macht sich gleich im Geschmack bemerkbar. Außerdem werden italienische Sorten anders geröstet. Wenn eine deutsche Kaffeerösterei guten Arabica verarbeitet, kommt trotzdem ein anderer Geschmack dabei raus, deswegen bleibe ich konservativ bei den italienischen Sorten, keine Experimente mehr. Nach deutschem Verfahren gerösteter Kaffee hat immer so einen leicht säuerlichen Abgang, den ich überhaupt nicht mag. Ich lese mal weiter in Mariannes Memories. Was sie so zur Weimarer Republik schreibt, warum sie zu den Brecht- und Weill-Songs so eine Beziehung hat, was sie eigentlich selber nicht so ganz versteht, weil ihre Mutter ihr in dieser Hinsicht nichts vermittelt hat, wie sie glaubt. Wie auch immer. Ja, ich mache auch weiter Bilder in diesen Tagen, diesen Sommertagen. Die gibt es dann später, im Herbst. Im Sommer die Bilder aus dem Frühjahr, im Herbst die Bilder aus dem Sommer, im Winter die Bilder vom Herbst. Und so weiter. Die Bedeutung von tagesaktuellen Aufnahmen wird meiner Ansicht nach völlig überschätzt. Ich freue mich heute noch an Bildern, die vor zwei, drei, vier oder noch mehr Jahren entstanden sind. Man beamt sich zurück in die Zeit, die vergangen ist und die Gefühle die dazugehören. Das ist viel aufregender, als heute ein Bild von heute zu sehen. Man erlebt es ja, es ist kein verdichtetes Erinnern. Na gut, für die anderen vielleicht schon, die Leser. Aber ich lese mich ja auch selber. Man muss sich schon auch selber was bieten. Das sind natürlich auch Ausreden, weil ich es aufgrund der Fülle des Materials in der Warteschleife einfach nicht so schnell schaffe, alles zu verarbeiten. Egal, genug der Erklärungen. Ich muss überhaupt nichts erklären.

Höchstens vielleicht, dass ich keineswegs aufgehört habe zu fotografieren, auch wenn die Abfolge der Bilder im Augenblick weniger dicht erscheint. Übrigens habe ich die beiden Kameras zum in Aussicht gestellten Preis verkauft. Alles wie vereinbart, reibungslos. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

08. Juli 2012

Gerade versucht, die Schwalben am Himmel zu zählen, halten nicht still die Biester. Zehn, elf, zwölf, dreizehn bestimmt. Ganz weit da oben, man erkennt gerade die Silhouette. Gestern kreisten zwei große weiße Möwen über den Dächern, die kommen von da hinten, von der Spree am Lustgarten geflogen und machen manchmal einen Ausflug. Einen echten Ausflug. Laues Lüftchen heute, ich liege auf dem Balkon, kein Auto fährt irgendwo entlang, man hört nur Vogelgezwitscher. Die Läden da unten sind noch nicht frequentiert, die Tische und Stühle vorm Al Contadino sind noch zusammengeklappt und lehnen an der Mauer. Später soll es wieder Gewitter geben, sagt der Wetterfrosch. Ich war schon fleißig und habe den Saum von meiner weißen Hose unten am Bein repariert. Ganz ordentlich einmal rundherum genäht, mit der Hand.

Die Sonne hat mir auf den Rücken gebrannt. Der Kaffee war ausgezeichnet. Ich mache jetzt immer eine winzige Prise Salz bevor ich das Wasser aufgieße hinein, gegen die Bitterstoffe, wenn das Wasser zu stark kocht! Das haben schon unsere Großmütter praktiziert und die italienischen Espresso-Köche. Aber nicht zu viel! Es soll nicht salzig schmecken. Zur Zeit gibt es bei Rossmann in der Friedrichstraße, die mit Abstand am besten sortierte Filiale, Lavazza Crema e Gusto für 2,99 das halbe Pfund! Ich nehme immer gleich zwei bis drei Packungen auf Vorrat. An der Qualität beim Kaffee sollte man nie sparen, das macht sich gleich im Geschmack bemerkbar. Außerdem werden italienische Sorten anders geröstet. Wenn eine deutsche Kaffeerösterei guten Arabica verarbeitet, kommt trotzdem ein anderer Geschmack dabei raus, deswegen bleibe ich konservativ bei den italienischen Sorten, keine Experimente mehr. Nach deutschem Verfahren gerösteter Kaffee hat immer so einen leicht säuerlichen Abgang, den ich überhaupt nicht mag. Ich lese mal weiter in Mariannes Memories. Was sie so zur Weimarer Republik schreibt, warum sie zu den Brecht- und Weill-Songs so eine Beziehung hat, was sie eigentlich selber nicht so ganz versteht, weil ihre Mutter ihr in dieser Hinsicht nichts vermittelt hat, wie sie glaubt. Wie auch immer. Ja, ich mache auch weiter Bilder in diesen Tagen, diesen Sommertagen. Die gibt es dann später, im Herbst. Im Sommer die Bilder aus dem Frühjahr, im Herbst die Bilder aus dem Sommer, im Winter die Bilder vom Herbst. Und so weiter. Die Bedeutung von tagesaktuellen Aufnahmen wird meiner Ansicht nach völlig überschätzt. Ich freue mich heute noch an Bildern, die vor zwei, drei, vier oder noch mehr Jahren entstanden sind. Man beamt sich zurück in die Zeit, die vergangen ist und die Gefühle die dazugehören. Das ist viel aufregender, als heute ein Bild von heute zu sehen. Man erlebt es ja, es ist kein verdichtetes Erinnern. Na gut, für die anderen vielleicht schon, die Leser. Aber ich lese mich ja auch selber. Man muss sich schon auch selber was bieten. Das sind natürlich auch Ausreden, weil ich es aufgrund der Fülle des Materials in der Warteschleife einfach nicht so schnell schaffe, alles zu verarbeiten. Egal, genug der Erklärungen. Ich muss überhaupt nichts erklären.

Höchstens vielleicht, dass ich keineswegs aufgehört habe zu fotografieren, auch wenn die Abfolge der Bilder im Augenblick weniger dicht erscheint. Übrigens habe ich die beiden Kameras zum in Aussicht gestellten Preis verkauft. Alles wie vereinbart, reibungslos. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

07. Juli 2012

Heute Ruhetag. Lasse mich berieseln. Was heutzutage alles in den Mediatheken zum Angucken bereitgehalten wird, schon enorm. Nachtcafé, „Männer unter Druck“. Mal gucken. Mortadella mit Pistazien aus dem Kühlschrank auf die Hand, diese kleinen Eiertomaten, Nüsse, Fenster weit auf. Dem Sommerregen lauschen. Es kühlt schön ab. So ein Dachgeschoss ist ja immer ein paar Grad wärmer als die Etagen darunter, aber es ist angenehm. Man kann ja auch Durchzug machen, das geht hier ganz schön, von Nord nach Süd, die Balkontüren weit auf. Meistens muss man bei solchem Wetter gar nichts anziehen in der Wohnung, aber immer habe ich auch keine Lust, nackig herumzufläzen, auch wenn mich hier keiner sieht. Ein von Jan geerbtes graues, weites T-Shirt und eine bequeme Hose dazu, einstmals schwarz, heute dunkelgrau. Socken braucht man keine, sitze also in dreiviertel Liegeposition auf dem großen Kelimkissen vor dem Klapprechner und erhole mich von meinen Taten. Vorhin eine Maschine mit weißen Sachen gewaschen, ein bißchen aufgeräumt. Das Wasser in der Küche kocht. Darjeeling aufgießen und einen kleinen Espresso vorneweg. Ich gucke mal die Sendung.

03. Juli 2012

Gegen Abend trieb mich der Klang eines Akkordeons von der Straße zum Fenster. Ein alter, sehr fröhlich dreinschauender Akkordeonspieler mit einer Schiebermütze stand seitlich am Straßenrand auf dem Kopfsteinpflaster. Halb an ein grüngraues Auto gelehnt. Das Auto war auch ein älteres Modell. Sie haben russisch gesungen. Ihm gegenüber stand eine, vielleicht seine Frau, auch schon älter glaube ich, ich sah das Ganze nur von oben, ihn von vorne und sie von hinten. Wie sie da so halb am Auto lehnten und gesungen haben, links und rechts die Kaffeetische und Stühle vom Hackbarths und die neuen Klapptische und Barhocker vom neuen Al Contadino. Die neue Bottega scheint gut anzulaufen, was mich sehr freut. Ich war ja neulich, Samstag letzte Woche bei der Einweihung, nach langer Zeit wieder einmal mit Jan unterwegs. Die Auguststraße rauf und runter und bis zum Tacheles. In der Mädchenschule, so schön ist die geworden. Und dann im Al Contadino diese vielleicht überkandidelte Auswahl von Mozzarella-Sorten aus irgendwelchen seltenen Bergregionen, die aber schmecken, wie man sich vorstellt, wie man weiß, daß die Sünde schmeckt. Und diese große, familiäre Geste, einfach so ein Tellerchen hingestellt zu bekommen und immer das Glas voll. Dabei konnte man auf den bedruckten Papieruntersetzern lesen, was der Zauber im Ernstfall kosten würde, bestimmt angemessen. Jedenfalls war diese Szenerie vorhin mit dem Akkordeonspieler und seiner Frau, als es noch heller Abend war und die ganze Atmosphäre nach einem eher wie Herbst aussehendem Julitag unerwartet so sommerabendlau, aus allen drei Fenstern, aus der Küche und aus den beiden Fenstern über Eck zur Auguststraße so schön, dass ich gar nicht mehr wegschauen konnte und die Fenster weit aufmachte, um es besser zu hören. Und die ganze Zeit dachte, man müsste es filmen, es ist beinah irreal, wie in einem Traum. Die Farbe seiner Schiebermütze und seiner Anzugweste zum Kopfsteinpflaster und die wie verblichen scheinende Farbe des Autos und dazu diese heitere Melancholie von seinen mir ganz und gar fremden Liedern. War das inszeniert? Hat das der liebe Gott inszeniert, damit ich mich meines Lebens erfreue, an einem unspektakulären Dienstag Abend? Bestimmt. Ich habe die Kamera nicht geholt, sondern alles direkt in mein eingebautes Bildarchiv gespeichert. Und ordentlich beschriftet.

03. Juli 2012

Gegen Abend trieb mich der Klang eines Akkordeons von der Straße zum Fenster. Ein alter, sehr fröhlich dreinschauender Akkordeonspieler mit einer Schiebermütze stand seitlich am Straßenrand auf dem Kopfsteinpflaster. Halb an ein grüngraues Auto gelehnt. Das Auto war auch ein älteres Modell. Sie haben russisch gesungen. Ihm gegenüber stand eine, vielleicht seine Frau, auch schon älter glaube ich, ich sah das Ganze nur von oben, ihn von vorne und sie von hinten. Wie sie da so halb am Auto lehnten und gesungen haben, links und rechts die Kaffeetische und Stühle vom Hackbarths und die neuen Klapptische und Barhocker vom neuen Al Contadino. Die neue Bottega scheint gut anzulaufen, was mich sehr freut. Ich war ja neulich, Samstag letzte Woche bei der Einweihung, nach langer Zeit wieder einmal mit Jan unterwegs. Die Auguststraße rauf und runter und bis zum Tacheles. In der Mädchenschule, so schön ist die geworden. Und dann im Al Contadino diese vielleicht überkandidelte Auswahl von Mozzarella-Sorten aus irgendwelchen seltenen Bergregionen, die aber schmecken, wie man sich vorstellt, wie man weiß, daß die Sünde schmeckt. Und diese große, familiäre Geste, einfach so ein Tellerchen hingestellt zu bekommen und immer das Glas voll. Dabei konnte man auf den bedruckten Papieruntersetzern lesen, was der Zauber im Ernstfall kosten würde, bestimmt angemessen. Jedenfalls war diese Szenerie vorhin mit dem Akkordeonspieler und seiner Frau, als es noch heller Abend war und die ganze Atmosphäre nach einem eher wie Herbst aussehendem Julitag unerwartet so sommerabendlau, aus allen drei Fenstern, aus der Küche und aus den beiden Fenstern über Eck zur Auguststraße so schön, dass ich gar nicht mehr wegschauen konnte und die Fenster weit aufmachte, um es besser zu hören. Und die ganze Zeit dachte, man müsste es filmen, es ist beinah irreal, wie in einem Traum. Die Farbe seiner Schiebermütze und seiner Anzugweste zum Kopfsteinpflaster und die wie verblichen scheinende Farbe des Autos und dazu diese heitere Melancholie von seinen mir ganz und gar fremden Liedern. War das inszeniert? Hat das der liebe Gott inszeniert, damit ich mich meines Lebens erfreue, an einem unspektakulären Dienstag Abend? Bestimmt. Ich habe die Kamera nicht geholt, sondern alles direkt in mein eingebautes Bildarchiv gespeichert. Und ordentlich beschriftet.

01. Juli 2012

Verpackungsorgie. Ich verbringe ein gutes Stückchen dieses Sonntags damit, zwei Kameras, ein Objektiv, Akkuladegeräte, Stromadapter und Übertragungskabel und Zeugs transportfähig zu verpacken. Nein, keine Auslandsreise steht an. Die Geräte verreisen ohne mich. Man kann jetzt, anstatt umständlich auf ebay herumzumachen, seine Gerätschaften einfach verkaufen, so wie man anderswo mit drei Klicks einkauft. Ich hätte ja niemals nicht den Nerv, so eine ebay-Auktion einzurichten und die Angebote zu verfolgen und den ganzen Zirkus. Ebay ist komplett außerhalb meiner Neigungen. Es sei denn, es gibt mal ein Festpreisangebot,

wo man sich nicht langwierig mit irgendwelchen Ablauffristen herumschlagen muss und mitbieten. Natürlich zahlen die Elektrowaren-Ankaufsanbieter bedeutend weniger als man vielleicht bei zeitaufwändigen Auktionsgeschichten erhalten könnte, aber für mich ist das genau richtig. Man erfährt gleich, was das Gerät mutmaßlich bringt, sofern man den Zustand wahrheitsgemäß definiert. Bin schon gespannt, ob ich nach Einschätzung des Ankaufsportals angemessene Angaben gemacht habe. Auf jeden Fall hat mir Leistenschneider vormals Wüstefeld in der Grolmannstraße eine erhellende Auskunft zum Wiederverkaufswert der einen Kamera gegeben, die mich leichten Herzens das online-Angebot annehmen lässt. Eine super digitale Spiegelreflex von Olympus mit schönem Objektiv. Schwer wie eine Bohrmaschine, deswegen wurden wir leider keine Freunde. So, ich muß weiterverpacken! Übrigens die Versandkosten übernimmt komplett der Händler, der einem mit der Verkaufsbestätigungsmail gleich ein druckfertiges Adressetikett zuschickt. Internet ist toll. Toll. Toll. Toll.

01. Juli 2012

Hat nicht sollen sein!

Update deutscher Balkon gestern in Neukölln
Arme kleine Italiener. Wie wäre das denn bloß ausgegangen wenn unseren Buben gegen die Spanier hätten antreten müssen? Acht zu Null? Da wir mehr Italiener als Spanier in Berlin haben, ist es denke ich mal der Völkerfreundschaft ganz zuträglich, dass wir nun beide letztlich als Verlierer dastehen, das schafft unerwartet Solidarität. Da hinten im Al Contadino ist es auch sehr still. Ganz entfernt hört man ein paar Böller. Die letzten beiden Spiele ist mir aufgefallen, dass der Chef das neue, alte Al Contadino, hier unten auf der Ecke, immer zugemacht hat, um sich vermutlich angemessen mit seiner Riege dem Ballsport zu widmen. Vorhin hat er noch gestrahlt der Padrone, als er den Schlüssel umgedreht hat.

01. Juli 2012

Verpackungsorgie. Ich verbringe ein gutes Stückchen dieses Sonntags damit, zwei Kameras, ein Objektiv, Akkuladegeräte, Stromadapter und Übertragungskabel und Zeugs transportfähig zu verpacken. Nein, keine Auslandsreise steht an. Die Geräte verreisen ohne mich. Man kann jetzt, anstatt umständlich auf ebay herumzumachen, seine Gerätschaften einfach verkaufen, so wie man anderswo mit drei Klicks einkauft. Ich hätte ja niemals nicht den Nerv, so eine ebay-Auktion einzurichten und die Angebote zu verfolgen und den ganzen Zirkus. Ebay ist komplett außerhalb meiner Neigungen. Es sei denn, es gibt mal ein Festpreisangebot,

wo man sich nicht langwierig mit irgendwelchen Ablauffristen herumschlagen muss und mitbieten. Natürlich zahlen die Elektrowaren-Ankaufsanbieter bedeutend weniger als man vielleicht bei zeitaufwändigen Auktionsgeschichten erhalten könnte, aber für mich ist das genau richtig. Man erfährt gleich, was das Gerät mutmaßlich bringt, sofern man den Zustand wahrheitsgemäß definiert. Bin schon gespannt, ob ich nach Einschätzung des Ankaufsportals angemessene Angaben gemacht habe. Auf jeden Fall hat mir Leistenschneider vormals Wüstefeld in der Grolmannstraße eine erhellende Auskunft zum Wiederverkaufswert der einen Kamera gegeben, die mich leichten Herzens das online-Angebot annehmen lässt. Eine super digitale Spiegelreflex von Olympus mit schönem Objektiv. Schwer wie eine Bohrmaschine, deswegen wurden wir leider keine Freunde. So, ich muß weiterverpacken! Übrigens die Versandkosten übernimmt komplett der Händler, der einem mit der Verkaufsbestätigungsmail gleich ein druckfertiges Adressetikett zuschickt. Internet ist toll. Toll. Toll. Toll.

30. Juni 2012


Wenn man vom Hackeschen Markt Richtung Alexanderplatz schlendert, kann es leicht passieren, dass man durch die Rosenstraße kommt. Vielleicht fällt einem dann ein, dass Margarethe von Trotta einmal einen gleichnamigen Film gedreht hat. Und auch wenn man den Film nicht gesehen hat, so wie ich, ist vielleicht dunkel hängengeblieben, dass das kontrovers beurteilte Werk um einen mutigen Protest von Frauen während der Nazizeit ging. Wenn man dann an dem Abschnitt gegenüber von der Hausnummer Siebzehn vorbeikommt, wo das vermooste Steinensemble Block der Frauen steht und die von der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger geschaffenen Gesichter auf sich wirken lässt, bedarf es keines besonderen Umstands, davon berührt zu sein. Die Mutter der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger war Jüdin, sie selbst Kommunistin. Sie verließ Berlin und emigrierte Neununddreißig nach Italien, wo sie in Florenz den deutschen Maler Helmut Ruhmer, einen Stipendiaten der Villa Massimo kennenlernte, der der Vater ihrer Kinder wurde und mit dem sie später im Exil in Sizilien lebte. Zwei Jahre vor Kriegsende kehrten sie nach Deutschland zurück und durften aufgrund der Rassengesetze nicht heiraten. Dass diese komplexe Skulptur von einer betroffenen Frau geschaffen wurden, wusste ich nicht, als ich es mir ansah. Beim späteren Nachlesen hat es mich erschüttert. Wie gut, dass unsere Gegenwart mit großen und beseelten Stolpersteinen gepflastert ist.
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IN MEMORIAM. »Der Rosenstraße-Protest war die größte spontane Protestdemonstration im Deutschen Reich während der Zeit des Nationalsozialismus. Ende Februar und Anfang März 1943 verlangten „arische“ Ehepartner aus „Mischehen“ und andere Angehörige von verhafteten Juden in Berlin deren Freilassung.«

29. Mai 2012

Für meine Erinnerung. Eine sehr betagte, sehr elegante Dame, die mir heute am 29. Mai 2012, gegen 13.25 Uhr in der Fasanenstraße entgegenkam. Leicht gebückt, durch einen Gehstock gestützt. Die seidigen weißen, längeren Haare zu einer Grace Kelly-Frisur hochgesteckt, die Haare schimmerten ähnlich der Farbe der sehr großen, sehr echt wirkenden Zuchtperlen an ihrem Collier, dazu ein wehender, leichter Sommermantel, glänzend wie Chintz, nur nicht so matt, beinah wie Satin. Dieselbe Perlmuttfarbe zwischen Elfenbein und Champagner. Auch am Handgelenk mehrreihiger, kostbar wirkender Perlenschmuck. Chanel und Diana Vreeland wären ganz und gar einvernehmlich mit ihrer Erscheinung gewesen. Obwohl sie nicht mehr mühelos gehen konnte, es wirkte leicht wackelig, kam es mir vor, als ob mir eine alte Fee entgegenschwebt, aus einer versunkenen, eleganteren Epoche. An einem ganz gewöhnlichen Tag unter der Woche, in der Fasanenstraße in Charlottenburg. Sicher wohnt sie ganz in der Nähe. Sie wirkte wohlhabend und ausgeruht. Und wirklich sehr alt. Sie sah keinen Tag jünger als Neunundachtzig aus, eher wie Fünfundneunzig. Ich glaube, sie trug auch ein wenig Make up, aber sehr dezent, ebenso subtil abgestimmt, wie alles an ihrer Erscheinung. Ich war so angetan, dass ich sie ansprechen musste, und ihr ein Kompliment machte. Schon alleine deswegen, weil sie in ihrem Alter sicher nicht mehr oft einfach so Komplimente für ihr Aussehen auf der Straße hört. Ich sagte: „Sie sehen toll aus! Großartig, was Sie anhaben!“ Sie blieb kurz in der Frühlingssonne stehen und winkte lachend ab, „Ach, das sind ALTE Sachen!“ Ich: „Das macht nichts, es sieht trotzdem großartig aus, wirklich sehr gut!“ Sie wirkte so souverän und aufwändig zurecht gemacht für ihren kleinen Spaziergang, ihr Flanieren durch die schöne Fasanenstraße, dass man merkte, sie hat eine große, lebenslange, schlafwandlerische Routine darin. Eine große Selbstverständlichkeit, ihrem Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit zu widmen. Auch wenn sie schon so sehr am Ende ihres Lebens steht. Mit preußischer Disziplin und virtuoser Freude daran. Es war bestimmt eine der glamourösesten Begegnungen der letzten Tage. Und ich hätte gerne gewusst, wie ihr Leben verlief. Sicher war sie in jedem Alter eine großartige Erscheinung und hat viel Bewunderung erfahren. Und immer noch geht sie die flirrenden Straßen entlang, in ihrem bald hundertsten Frühling, mit ihrem wehenden Champagner-Feenmantel. Einer der schönsten Augenblicke heute.

28. Juni 2012

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Jetzt weiß ich es wieder: ich habe die bunte Sitzecke deswegen so fasziniert betrachtet, weil es das erste Mal nach dem langen Winter war, dass überall wieder Tische und Stühle draußen standen, am Hackeschen Markt und hier in diesem Café-Bar-Restaurant-Lounge-Dingens, An der Spandauer Straße, Ecke Rochstraße. Es kam beinah ein bißchen keck, so entschieden sommerlich daher, obwohl schon noch ein scharfer Wind geweht hat. Ostwind! Aber der Frühlingswille lag deutlich und unaufhaltsam in der Luft, am Samstag, dem dritten März. Das erste Märzwochenende. Ich habe ein bisschen in die Sonne geblinzelt,

hinter meiner dunklen Windschutzbrille und bin weiter, immer der Nase nach. Wieder unterwegs, auf Schusters Rappen! Ich verrate auf gar keinen Fall wohin, immer erst, wenn ich da bin. Also weiter.

27. Juni 2012

Der Countdown läuft! Ab 1. Juli neue Preise beim Zahnarzt. Von langer Hand geplant, habe ich mir mit kalter Berechnung heute einen Termin für die professionelle Zahnreinigung geben lassen. Ab Montag kostet der Spaß nämlich fünf Euro mehr für die halbe oder dreiviertel Stunde! Mein Plan ging auf, ich wurde nach einer halben Stunde mit frisch polierten Beißerchen entlassen, letztmalig zum Preis von 44,94! Wichtig war mir heute auch noch, der netten Zahnreinigungsfachkraft zu sagen, dass ich heute bitte nicht ermahnt werden möchte, weil ich meine Fehler kenne! Ich habe zwei Sorten Zahnseide und benutze sie nicht. Sie hat sich wie immer über meine Beichte amüsiert und mich stattdessen pädagogisch wertvoll für mein ansonsten ordentliches Zähneputzen gelobt. Kaum Zahnstein! „Ein Lob tut doch auch mal gut, oder?“ meinte sie noch. Ich habe ihr gleich zugestimmt und mich noch einmal schuldig bekannt: „Nobody’s perfect!“ Jetzt ist jedenfalls wieder ein paar Monate Ruhe. Im Großen und Ganzen bin ich mit meinen Zähnen ganz zufrieden, auch sind sie weißer geworden, aber noch nicht Filmstarweiß! Mit Bleichen kriegt man das Blinkiblinki-Weiß nicht hin und mit gelegentlich Backpulver oder Natrium putzen auch nicht, außerdem ätzt das das Zahnfleisch weg, wenn man es jeden Tag macht. Ich habe alles ausprobiert! Von spezialangefertigter Bleichschiene (300 Euro seinerzeit!) über Perlweiß bis Aldi-superweiß-Zahncreme. Inzwischen weiß ich, dass Filmstarweiß nur mit unbezahlbarem, mehrstündigen Turbo-Hollywoodbleaching für ein paar Tausend Dollar oder Drüberlackieren oder so komischen Kronen aufkleben geht. „Porzellan Veneers“, wie die Fachleute sagen. Das ist meine Sache nicht, lieber echte und dafür dann halt pastellweiß oder wie das heißt. Apartes naturweiß! Was ich bei Kronen besonders eklig finde, sind die Übergänge zum Zahnfleisch und der unnatürliche Schimmer aus der Nähe betrachtet, bei ungünstigem Lichteinfall in die Mundhöhle! Man sieht es einfach, das wirkt nicht gut. Also immer schön putzen. Schrubben! Da kann ich auch voll aufdrücken, ruhig ein bißchen brutal! Wie man sieht, es lohnt sich!

Und ich praktiziere seit ca. zwanzig Jahren Zahnpasta einwirken lassen, fünf bis zehn Minuten, so lange ich unter der Dusche bin. Das gibt so ein Gefühl von porentiefer Grundreinigung und ist nicht so anstrengend. Das habe ich nirgends gelesen, sondern selber erfunden, weil es sich beim Putzen von anderen Sachen, Töpfe schrubben, Wäsche waschen, Silberbesteck reinigen, ja ähnlich verhält. Ich putze mit einer japanischen Zahnbürste ohne Schnickschnack, mit durchsichtigem, farblosen Plexiglasgriff und weißen Borsten im Dreierpack von dem japanischen Muji-Kaufhaus am Hackeschen Markt. Die sieht nicht so kitschig aus, sondern beinah chic! Andere Zahnbürsten gefallen mir nicht, schließlich muss auch im Badezimmer immer alles adrett und appetitlich wirken, schlussendlich ist es ein Tempel der Schönheit! Ein Ort der Andacht und Besinnung und der Religionsausübung. Mehr habe ich heute nicht zu berichten. Außer vielleicht: ich schreibe kein Buch.

27. Juni 2012


Das sind natürlich Luxustage, an denen man die Zeit hat, in aller Herrgotts Früh noch verschiedene Jacken durchzuprobieren oder zu bloggen! Wobei, das war denke ich mal nicht so früh, eher gegen Mittag. Da wirkt man dann entsprechend aufgeweckter auf den Bildern. Leider konnte ich mit der schönen schwarzen Lackleder-Fetisch-Jacke doch nicht vor die Tür, obwohl sie mir am besten gefallen hätte, weil ich beim von hinten gucken, einen Riss an der einen Ärmel-Naht entdeckt habe, und ich fürchte, der ist irreparabel. So ein komischer Lacklederstoff widersetzt sich ja gerne Flickarbeiten, zumal bei so einem knapp geschnittenen Jäckchen. Bedauerlich. Daher das schwarze Samtmodell. War ok.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

27. Juni 2012


Das sind natürlich Luxustage, an denen man die Zeit hat, in aller Herrgotts Früh noch verschiedene Jacken durchzuprobieren oder zu bloggen! Wobei, das war denke ich mal nicht so früh, eher gegen Mittag. Da wirkt man dann entsprechend aufgeweckter auf den Bildern. Leider konnte ich mit der schönen schwarzen Lackleder-Fetisch-Jacke doch nicht vor die Tür, obwohl sie mir am besten gefallen hätte, weil ich beim von hinten gucken, einen Riss an der einen Ärmel-Naht entdeckt habe, und ich fürchte, der ist irreparabel. So ein komischer Lacklederstoff widersetzt sich ja gerne Flickarbeiten, zumal bei so einem knapp geschnittenen Jäckchen. Bedauerlich. Daher das schwarze Samtmodell. War ok.
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25. Juni 2012

Los Baby, hol dir den Gratisklick!

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Braune Schweinswildlederhose Marke joy (pleite?) von Karstadt in Steglitz aus den Neunzigern, noch älterer dunkelbrauner Ledergürtel von keine Ahnung mit Leopardenprint auf Kuhfell Applikation und selber neu zusammenmontierter versilberter, schmiedeeiserner Schlangenkopfschließe von anderem kaputt gegangenen Boutiquen-Gürtel aus den frühesten Achtzigern. Schokobraunes, langärmliges Öko-Baumwolle-Leibchen für 3,50 €, vom Grabbeltisch, neulich bei Aldi. Darüber ein fesches sieben- bis zehnjähriges Jäckchen aus dem Traditionshaus Betty Barclay, Baumwoll-Viscose-Velours mit zwielichtiger Animal-Print-Beschichtung, zwecks irreführender Kroko-Optik. Dicke schwarze Socken. Unterwäsche. Stiefel. Kein Schmuck, bin schmuck genug!

25. Juni 2012


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Muß reichen! Da diesmal kein Farbbild dabei ist, folgende existentielle Information: Der Kragen, der hervorguckt, hat so Tigerstreifenmuster, wie das ganze Chiffonhemd. Der Rest ist schwarz. Da hätten sich die zusätzlichen Unkosten für teure Farbbilder hier im Internet gar nicht gelohnt. Ich muss sparen! Außerdem müssen die Einträge kürzer werden! Mein Geschwafel über Gott und die Welt hat mich noch kein Stück weiter gebracht!

24. Juni 2012


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Ich habe dann langsam eine gewisse Disziplin darin entwickelt, den Bekleidungszustand mit und ohne Kälteschutz festzuhalten. Wobei ja alles außer Unterwäsche als Kälteschutz bzw. Zivilisationsanpassung verstanden werden kann. Aber Unterwäsche wird es in dieser Reihe nur im Ausnahmefall zu sehen geben. Jedoch ist auch dieser mitunter eingetreten. Aber nicht im Februar! Wenn Sie mir tapfer die Stange hälten, erleben Sie noch die Ära der Bikinifotos. Ich hatte ja neulich Ferien. Aber nun ist noch Mantelzeit, tut mir leid. Wenigstens ist der Februar bald vorbei. Nur noch ein Tag! Obwohl der Februar ja eigentlich sehr schön für mich war, mit all den vorbildlichen Ausflügen. Ich kann und darf nicht meckern. Das entspricht außerdem auch gar nicht meiner Persönlichkeitsstruktur. Wenn man sich als Ziel gesetzt hat, stets als Vorbild zu wirken, fallen solche Sachen einfach komplett weg.

24. Juni 2012


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Ich habe dann langsam eine gewisse Disziplin darin entwickelt, den Bekleidungszustand mit und ohne Kälteschutz festzuhalten. Wobei ja alles außer Unterwäsche als Kälteschutz bzw. Zivilisationsanpassung verstanden werden kann. Aber Unterwäsche wird es in dieser Reihe nur im Ausnahmefall zu sehen geben. Jedoch ist auch dieser mitunter eingetreten. Aber nicht im Februar! Wenn Sie mir tapfer die Stange hälten, erleben Sie noch die Ära der Bikinifotos. Ich hatte ja neulich Ferien. Aber nun ist noch Mantelzeit, tut mir leid. Wenigstens ist der Februar bald vorbei. Nur noch ein Tag! Obwohl der Februar ja eigentlich sehr schön für mich war, mit all den vorbildlichen Ausflügen. Ich kann und darf nicht meckern. Das entspricht außerdem auch gar nicht meiner Persönlichkeitsstruktur. Wenn man sich als Ziel gesetzt hat, stets als Vorbild zu wirken, fallen solche Sachen einfach komplett weg.

24. Juni 2012

[…]



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Vierzehn Etappen. Das war mein sechsundzwanzigster Februar Zweitausendzwölf. Ein Nachmittag, den ich nicht vergessen werde. Wie viele andere. Ich habe ein gutes Gedächtnis. Im Kopf und im Herzen. Wissen Sie noch, was Sie am sechsundzwanzigsten Februar Zweitausendzwölf gemacht haben? Ich war in Berlin. In Berlin Mitte. Ich bin einfach losgelaufen, Luftlinie Gendarmenmarkt im Kopf. Und dann bin ich stehen geblieben. Und wieder. Und weiter. Und wieder. Es war die reinste Bescherung. Und am Ende traf ich einen Engel. Mit einem sexy Hintern. Und den Alten Fritz auf seinem Pferd, der erhaben über den Boulevard ritt. Glauben Sie mir, es macht etwas mit einem. Etwas Gutes. Der Alte Fritz schmeißt ein bißchen was von seiner Erhabenheit runter, wenn man ihn darum bittet. Bitten muss man. Bitten und Beten. Und Danken. Meine vornehmste Aufgabe. Vielleicht fühlt man sich nur in Mitte daheim, wenn man ein bißchen größenwahnsinnig ist. Ich mag expansiven Geist, den unbedingten Willen zum großen Wurf. Der hat hier Tradition, in dem Sinne bin ich unbedingt konservativ. Visionär aus guter, alter Tradition. Falls Sie wissen, was ich meine.

16. Juni 2012

So, es hat aufgehört zu regnen, ich gehe einkaufen! Ich gehe in fünf Minuten los, wir sehen uns bei Kaisers in der Brunnenstraße und anschließend bei Aldi Ecke Bernauer!

23. Juni 2012

Re: fussi heute abend
Von: Gaga Nielsen
An: (…)
Betreff: Re: fussi heute abend
Datum: Sat, 23. Jun 2012 09:03:05

oh schade, (…)
gestern war der einzige Tage seit Jahren, wo ich nicht ein einziges mal meine mails gecheckt habe.
Ja, ich hab geguckt, das war ein tolles Spiel… sehr schnell unsere Jungs in der zweiten Halbzeit! Ich habs im Schlafzimmer geguckt, weil der große Fernseher im Wohnzimmer schon länger kaputt ist.
Ich hoffe, du konntest es woanders schauen, man kann ja auch immer auf zdf online live auf dem computer gucken, den livestream, alle Spiele sind über den livestream zu gucken. Das war gestern das erste EM-Spiel, das ich auf dem Fernseher geguckt habe, die anderen hab ich gar nicht geschaut, nur die Tore mitgekriegt, weil dann jedes mal die Bude gewackelt hat!
Aber live public viewing ist auch was schönes, draußen! Am Donnerstag ist bestimmt überall die Hölle los! Ha!
Ich hab meine ganzen Deutschland Accessoires noch gar nicht eingesetzt dieses Jahr, Hula-Hula-Deutschland-Hawaii-Boa und meine Deutschlandwimpern.
Eine Schande eigentlich!
Lieben Gruß!
Gaga
——– Original-Nachricht ——–
> Datum: Fri, 22 Jun 2012 16:59:32 +0200
> Von: (…)
> An: gaga
> Betreff: fussi heute abend

> Liebe Gaga
> Guckst du heute abend Fussball bei dir?
> Wenn ja, wollen wir uns sehen?
> Alles Liebe (…)

20. Juni 2012

[…]

In die Dämmerung. Zwischen Bebelplatz und Unter den Linden, an der mit dem großen Schinkelposter verhängten Bauakademie vorbei, gleich um die Ecke von der Friedrichswerderschen Kirche, Blick nach rechts die Kuppel vom Französischen Dom und der Hedwigskathedrale. Alles schön beieinander im Schattenriss. Auch auf der großen Skulptur an seinem Schinkelplatz wirkt er jugendlich. Er ist auch nicht so sehr alt geworden. Sechzig Jahre und ein paar Monate. Achtundzwanzig Jahre nach seinem Tod, 1869 hat man den Platz nach ihm umbenannt und sein Bildnis aufgestellt. Ich denke nur laut. Nur so für mich. Nach dem gleißenden Licht des Nachmittags wurden die Farben matter und zogen sich langsam zurück in ihr abendliches Versteck. Ich machte mich schnurstracks zurück auf den Weg nach Hause, zu Fuß. Der kürzeste Weg ist immer Unter den Linden entlang. Da hab ich auch noch ein paar Bilder, quer links durch das kleine Straßenlabyrinth zum Scheunenviertel, heim in mein kleines Nest.

Du selbst wohl magst in heitrer Festlichkeit
Der Frucht und Blumen Schnur mit Band umschlingen,
Und so vom Turme hin zum Turme schwingen
Den himmelfrohen Blicken zum Geleit,
Wenn des Momentes kühne Heiterkeit
Von Gipfeln hin zu Gipfeln möchte springen,
Und nach der Vögel Lied in Blumenringen
Sich schaukeln schwebend überm Erdenstreit.
So sei hinüber dann zu Dir gekreist
Mein Liederband von einem Gipfel ab,
Dess‘ Lavastrom die Rinde überm Grab
Erstarrter Mitwelt oft Dir aufgeeist.
Sei treu begrüßt Du nie erschöpfter Geist,
Dem das Verhältnis seinen Meisterstab,
Das Unermeßliche zu messen, gab,
Daß Ew’ges sich in Grenzen schön erweist.
Indessen ein Philister stolz verblüfft
Durch aufgesteiften Leichnam des Vitruv,
Von seines ausgestopften Schulpferds Huf
Sich Hippokrene leckt, Karnieschen knifft,
Bist Du mit Orpheus glaubend eingeschifft,
Und wie in Klangfiguren Schöpferruf,
Wie im Kristall der Ton Gestalt sich schuf,
So Saitenklang in Deine Seele trifft.
Gehst Du jetzt wohl an meines Görres Hand,
Dem Liebe hier im Liede Dich gefügt,
Wo ernst der Rhein berauschte Ufer pflügt
Längs alter Tempel schicksalsvollem Rand,
Und malst ihm meisterlich in feuchten Sand
Mit leichtem Stabe, dessen Zug nicht trügt,
Ein Dombild hin, dem nicht die Zeit genügt,
Noch Dir, der es erfand, ihm, der’s verstand.
Dann denke, daß zuerst er einst gedacht,
Zuerst gesagt: Architektura ist
Erstarrte Musika, die Maß ermißt;
Worüber die Philister dumm gelacht,
Und lieb‘ ihn drum, sahst Du in stumme Nacht
Die Kunst doch auch verbaut durch Formgenist,
Bis Saitenklang Dir brach das Schulgerüst,
Ausstrahlend vom Gesetz zu Zier und Pracht.
Ich weiß, Grundtöne führen Dir den Plan
Und Harmonieen wiegen Dir ihn aus
Und Melodieen treiben bis zum Strauß
Des Gipfels Dir die Linien hinan,
Kein Zug läuft eigenwillig seine Bahn,
Und macht auf eigne Hand sich blumenkraus,
Du pflanzest nicht auf tolles Formgebraus,
Nein auf organ’sche Gipfel nur den Hahn.
O zürne nicht, daß ich Dich auf die Zinnen
Der Tempel führe, die im Geist Du bauest,
Und unermüdlich gut der Zeit vertrauest,
Ob einmal wohl ihr Großes geh‘ zu Sinnen;
Es ist um Dir die Aussicht zu gewinnen,
Wo Du der Erde Hoffnungsgrün erschauest
Und Trost des blauen Himmels niedertauest
Zu Bildern schöner Kunstzeit auf die Linnen.
Doch ach die liebe Zeit! mit Wortposaunen
Bläst sie Dein Bild des Griechenlebens an,
Und bleckt bei dem Gewitterdom den Zahn,
Wahrhaftig schön, altdeutsch, recht zum Erstaunen!
Doch Kritiker hört man ins Ohr sich raunen:
Phantastische Prospekte, nicht viel dran,
Im Kolorit hat er noch nichts getan,
Sein Blau will grauen nicht, sein Grün nicht braunen.
Auch hör‘ von Tempelspatzen, Heidenküstern,
Von Krähen in Metopenschädeln nistend,
Ihr Leben an Triglyphentropfen fristend
Ob got’scher Barbarei ich rings ein Flüstern;
Doch keiner ist zu griech’schem Wettbau lüstern,
Du schütteltest sonst kräftig, überlistend
Die Herrn im Atheistenstalle mistend,
Die Säulen Samson über den Philistern.
Ursprünglich springt wie Griechen Dir Erfindung,
Dorisch wird Manneskraft Dir wie den Alten,
Und jonisch siehst Du Frauenanmut walten,
Volute in der Locken Schneckenwindung,
Den Wulst in vollen Haarschmucks Unterbindung,
Des Schaftes Hohlstreif in Gewandes Falten;
Korinthisch hohe Zier rein zu gestalten,
Giebt jungfräuliche Schlankheit Dir Empfindung.
Die Mythe, die korinth’schem Säulenhaupt
Durch fromme Liebe schönes Leben gab,
Die Freundin lebt, Akanthus auf dem Grab
Der Jungfrau ihren Fruchtkorb noch umlaubt,
Kallimachus auch Du! kein dürrer Stab
Ist Dir der Meßstock; grün und vollbetraubt
Schwingst Du als Thyrsus ihn. Es grünt, wer glaubt,
Die dürren schnitt der Herr zum Feuer ab.
………………………………………………………….
Hier brech‘ ich ab. Ich hatte hingerissen
Wohl funfzig solcher Strophen Dir gesungen,
Von Deinen Leiden und Begeisterungen,
Domidealen und Realkulissen,
Scheinlauter Zeit kleinlauten Hindernissen.
Was Du in Dir und außer Dir errungen,
Was Dir gelungen, was Du überschwungen,
Das sagt‘ ich dort nach Wissen und Gewissen.
Doch hier schien allzuernst mir die Beschauung,
Um Dich bei Fahnenschwung und Trommelrühren
In lust’ge Zeltengassen einzuführen;
Wie leicht wär’s um die ganze Auferbauung
Durch ein Hurra und Lippellied geschehen,
Drum nimm fürlieb auf ernstres Wiedersehen!

Clemens Brentano, An Schinkel*
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*gemeinfrei

18. Juni 2012

[…]


Man muss sich jetzt nicht großartig für Carl Friedrich Schinkel interessieren, um mir zu folgen. Aber Schinkel lässt sich in Berlin schwer ignorieren, zumal in Mitte. Und das zu Recht. Ach, es ist Unsinn etwas zu beschreiben, was man in jedem Lexikon lesen kann. Nur will ich mich an das Gefühl erinnern, als ich die filigrane, geschnitzte Holztreppe nach oben ging, nie bin ich vorsichtiger über eine Treppe gegangen. Bei jedem Schritt dachte ich, wie riskant, wie exklusiv, diese Treppe der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sie wirkte so zart gebaut, fragil. Ich trat ganz vorsichtig auf, streichelte das Geländer mehr, als dass ich mich festhielt. So eine Kostbarkeit. Und die bunten Fenster. Die Vielfalt der kleinen Arabesken. Und das sich wiederholende Blumenmotiv, das mir erst später beim Sichten der Bilder daheim so recht ins Bewusstsein kam. Das mich an die Pril-Blumen erinnerte, die wir als Kinder so gerne sammelten und auf die Kacheln in der Küche klebten. Das machten wohl alle Kinder gern. Glaube ich jedenfalls. Die fröhlichen Blumen von Pril mit dem Glanzversspiel. Wie lange ist das her? Vierzig Jahre. Schinkel ist mir näher gekommen. Durch die Treppe und die Blumen. Und sein Zitat. Er muss sehr musikalisch gewesen sein. Diese Kirche, die heute sein Museum ist, und die mich noch nie beschäftigt hat, bevor ich eher zufällig daran vorbeikam und sie zum Glück betrat, ist eine kleine Sinfonie.
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16. Juni 2012

So, es hat aufgehört zu regnen, ich gehe einkaufen! Ich gehe in fünf Minuten los, wir sehen uns bei Kaisers in der Brunnenstraße und anschließend bei Aldi Ecke Bernauer!

10. Juni 2012

[…]

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Quickie im Deutschen Dom. Wege. Irrwege. Umwege. so heißt die Ausstellung, in der ich nicht war, weil ich keine Lust hatte, meine Jacke auszuziehen. Das war mir zu kompliziert und umständlich, außerdem war mir sowieso nicht nach parlamentarische Schautafeln studieren, bei dem schönen Wetter. Ich war perfekt gekleidet zum Flanieren und in keinster Weise bereit, mich einem Jacken-Entledigungszwang auszusetzen. Nicht, dass ich drunter nicht ordentlich angezogen gewesen wäre, aber das war mir zu blöd. Ich war konsterniert, dass man überhaupt gewagt hat, mir das anzutragen. Man bittet die Queen schließlich auch nicht, den Hut abzusetzen, wenn sie einem öffentlichen Gebäude ihre Aufwartung macht. Ich habe dann noch artig gefragt, wie weit ich

mich ausziehen soll, ob ich die Unterwäsche anbehalten dürfte. Ich glaube, die Frage wurde von den gestrengen Aufpassern nichts so ganz verstanden. Interessanterweise sind die Mitarbeiter vom Berliner Dom wesentlich lustiger drauf, immer zu einem Scherz aufgelegt. Deswegen: schnell wieder weg hier! Ich habe mir schnell ein Bild von den aktuellen baulichen Gegebenheiten des Deutschen Doms vom Erdgeschoss aus gemacht und das hat dann auch gelangt. Es ist ja nun keine Kirche mehr. Deswegen ist sakrale Unterwürfigkeit auch fehl am Platze. Unverputzte alte und neue Klinkersteine. Der Deutsche Dom war ja auch jahrzehntelang in seinem ramponierten Nachkriegszustand belassen, sogar die Kuppel hat zig Jahrzente gefehlt. Schlimme Bilder gibt es davon.

Aber pünktlich zum 40. DDR-Jubeltag in den Achtzigern wurde schnell alles tip top hergerichtet, seither ist der Gendarmenmarkt wieder wie vor dem Kriegsbrand anzuschauen. Und lustig war die Zeitung, „Das Parlament“, das da herumlag, im Eingangsbereich. Mit Foto vom ehemaligen Bundespräsidenten und seiner Gattin, wie sie Bellevue verlassen. Darüber der Titel „Bellevue sucht Nachmieter“. Haha. Schönes Foto. Herr und Frau Adabei auf dem Weg zum Ausgang. Ende Februar war das. Schwamm drüber.

10. Juni 2012

[…]

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Quickie im Deutschen Dom. Wege. Irrwege. Umwege. so heißt die Ausstellung, in der ich nicht war, weil ich keine Lust hatte, meine Jacke auszuziehen. Das war mir zu kompliziert und umständlich, außerdem war mir sowieso nicht nach parlamentarische Schautafeln studieren, bei dem schönen Wetter. Ich war perfekt gekleidet zum Flanieren und in keinster Weise bereit, mich einem Jacken-Entledigungszwang auszusetzen. Nicht, dass ich drunter nicht ordentlich angezogen gewesen wäre, aber das war mir zu blöd. Ich war konsterniert, dass man überhaupt gewagt hat, mir das anzutragen. Man bittet die Queen schließlich auch nicht, den Hut abzusetzen, wenn sie einem öffentlichen Gebäude ihre Aufwartung macht. Ich habe dann noch artig gefragt, wie weit ich

mich ausziehen soll, ob ich die Unterwäsche anbehalten dürfte. Ich glaube, die Frage wurde von den gestrengen Aufpassern nichts so ganz verstanden. Interessanterweise sind die Mitarbeiter vom Berliner Dom wesentlich lustiger drauf, immer zu einem Scherz aufgelegt. Deswegen: schnell wieder weg hier! Ich habe mir schnell ein Bild von den aktuellen baulichen Gegebenheiten des Deutschen Doms vom Erdgeschoss aus gemacht und das hat dann auch gelangt. Es ist ja nun keine Kirche mehr. Deswegen ist sakrale Unterwürfigkeit auch fehl am Platze. Unverputzte alte und neue Klinkersteine. Der Deutsche Dom war ja auch jahrzehntelang in seinem ramponierten Nachkriegszustand belassen, sogar die Kuppel hat zig Jahrzente gefehlt. Schlimme Bilder gibt es davon.

Aber pünktlich zum 40. DDR-Jubeltag in den Achtzigern wurde schnell alles tip top hergerichtet, seither ist der Gendarmenmarkt wieder wie vor dem Kriegsbrand anzuschauen. Und lustig war die Zeitung, „Das Parlament“, das da herumlag, im Eingangsbereich. Mit Foto vom ehemaligen Bundespräsidenten und seiner Gattin, wie sie Bellevue verlassen. Darüber der Titel „Bellevue sucht Nachmieter“. Haha. Schönes Foto. Herr und Frau Adabei auf dem Weg zum Ausgang. Ende Februar war das. Schwamm drüber.

09. Juni 2012

[…]

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Meine kleine Stadt, mein kleines Refugium. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, ob für jemandem außerhalb von Berlin, der hier noch nie zu Besuch war, die Ortsbezeichnung Gendarmenmarkt eine Hausnummer ist. Der Ehrlichkeit halber muss man sagen, dass zu Mauerzeiten recht wenig in [WEST-] Berlin vom Gendarmenmarkt die Rede war. Man konnte ja auch nur sehr schwer hin. Also nur unter erschwerten Bedingungen. Mit dem
Berechtigungsschein zum Empfang eines Visums der DDR. Den Zirkus habe ich einmal mitgemacht, im Juni 1989. Ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass ich mit meiner Großkusine aus Grünau und meiner Tante und Großtante aus Treptow über den Gendarmenmarkt gelaufen wäre. Das hätte mir doch in Erinnerung bleiben müssen. Aber wir waren auf jeden Fall in Mitte und ich war wie erschlagen von den feudalen alten Bauten. Aber das hab ich ja erst neulich irgendwo hier erwähnt. Auf jeden Fall kommt man sich jetzt, wo man sich an die Existenz des Gendarmenmarktes dreiundzwanzig Jahre mit Haut und Haar gewöhnen konnte, ein bißchen vor, als ob man das Brandenburger Tor beschreiben wollte.

Das kennt ja nun wirklich jeder Deutsche zumindest von den alten Mauerfall-Filmberichten und von der Briefmarke und von der John F. Kennedy-Rede seinerzeit. Und von den Fernsehübertragungen der Silvesterfeiern der ungefähr letzten zwanzig Jahre. Ich schreibe aber trotzdem eine Kleinigkeit zum Gendarmenmarkt. Das Besondere ist, dass links und rechts vom alten Konzerthaus zwei Dome stehen, der Französische und der Deutsche Dom, die eine Zwillingskuppel haben. Die beiden Dome sehen zum Verwechseln ähnlich aus, besonders die Kuppeltürme. Aber innen drin sind sie komplett unterschiedlich, auch die sonstige Bauweise ist unterschiedlich. Aber auf den ersten Blick ist man wie in einer Spiegelung. Das hat schon etwas von feudalem Überfluss. Die Kuppel vom Deutschen Dom kann man nicht begehen, jedenfalls nicht die Außenbalustrade. Die vom Französischen sehr wohl, und das ist sehr, sehr schön. Aber das ist ein anderer Ausflug, irgenwann später. Jetzt laufen wir einfach nur mal über den Gendarmenmarkt, vorbei am Konzerthaus, wo ein paar recht attraktive, junge italienische Touristen Fotos hinter den alten Säulen machen und dann weiter zum Restaurant Refugium. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich drin war und ein mehrgängiges Menü genossen habe, aber das wäre glatt gelogen. Ich habe bei diesem schönen Ausflug leider gar kein Lokal frequentiert, was mir im Nachhinein beinah ein bißchen unangemessen erscheint. Es war aber auch so ein Sonntagsspaziergang aus dem Bilderbuch.

09. Juni 2012

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Meine kleine Stadt, mein kleines Refugium. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, ob für jemandem außerhalb von Berlin, der hier noch nie zu Besuch war, die Ortsbezeichnung Gendarmenmarkt eine Hausnummer ist. Der Ehrlichkeit halber muss man sagen, dass zu Mauerzeiten recht wenig in [WEST-] Berlin vom Gendarmenmarkt die Rede war. Man konnte ja auch nur sehr schwer hin. Also nur unter erschwerten Bedingungen. Mit dem
Berechtigungsschein zum Empfang eines Visums der DDR. Den Zirkus habe ich einmal mitgemacht, im Juni 1989. Ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass ich mit meiner Großkusine aus Grünau und meiner Tante und Großtante aus Treptow über den Gendarmenmarkt gelaufen wäre. Das hätte mir doch in Erinnerung bleiben müssen. Aber wir waren auf jeden Fall in Mitte und ich war wie erschlagen von den feudalen alten Bauten. Aber das hab ich ja erst neulich irgendwo hier erwähnt. Auf jeden Fall kommt man sich jetzt, wo man sich an die Existenz des Gendarmenmarktes dreiundzwanzig Jahre mit Haut und Haar gewöhnen konnte, ein bißchen vor, als ob man das Brandenburger Tor beschreiben wollte.

Das kennt ja nun wirklich jeder Deutsche zumindest von den alten Mauerfall-Filmberichten und von der Briefmarke und von der John F. Kennedy-Rede seinerzeit. Und von den Fernsehübertragungen der Silvesterfeiern der ungefähr letzten zwanzig Jahre. Ich schreibe aber trotzdem eine Kleinigkeit zum Gendarmenmarkt. Das Besondere ist, dass links und rechts vom alten Konzerthaus zwei Dome stehen, der Französische und der Deutsche Dom, die eine Zwillingskuppel haben. Die beiden Dome sehen zum Verwechseln ähnlich aus, besonders die Kuppeltürme. Aber innen drin sind sie komplett unterschiedlich, auch die sonstige Bauweise ist unterschiedlich. Aber auf den ersten Blick ist man wie in einer Spiegelung. Das hat schon etwas von feudalem Überfluss. Die Kuppel vom Deutschen Dom kann man nicht begehen, jedenfalls nicht die Außenbalustrade. Die vom Französischen sehr wohl, und das ist sehr, sehr schön. Aber das ist ein anderer Ausflug, irgenwann später. Jetzt laufen wir einfach nur mal über den Gendarmenmarkt, vorbei am Konzerthaus, wo ein paar recht attraktive, junge italienische Touristen Fotos hinter den alten Säulen machen und dann weiter zum Restaurant Refugium. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich drin war und ein mehrgängiges Menü genossen habe, aber das wäre glatt gelogen. Ich habe bei diesem schönen Ausflug leider gar kein Lokal frequentiert, was mir im Nachhinein beinah ein bißchen unangemessen erscheint. Es war aber auch so ein Sonntagsspaziergang aus dem Bilderbuch.

04. Juni 2012

Liebes Tagebuch,
heute war das große Konzert zu Ehren von Königin Elisabeth II., wegen sechzig Jahre Diamant-Jubiläum, vor dem Buckingham Palast. Ich habe das natürlich längst gewusst und trotzdem habe ich mich nicht ordnungsgemäß darum gekümmert, dem Ereignis direkt bei der Ausstrahlung hier auf dem Kontinent beizuwohnen. Aber im Royal Dish-Strang zu heute habe ich gemerkt, dass die Leute die ganze Zeit gucken und ich dusslige Kuh nicht. Dann habe ich schnell nach livestream BBC gegoogelt und auch gleich gefunden und mich zugeschalten. Geschaltet. Sicher habe ich eine Menge verpasst, Shirley Bassey und Grace Jones und Kylie. Grace Jones ist glaube ich auch schon über Sechzig aber tritt noch mit nackigen, eingeölten Oberschenkeln auf, nicht mehr ganz so straff wie früher, aber respektabel. Aber als ich zugeschaltet habe, war Sir Paul McCartney gerade dran und hat mit seiner Band Beatles-Lieder gespielt. Das war sehr, sehr schön. Er hat gerade angefangen mit „All my Lovin“, was schon immer eines meiner liebsten Lieder als Kind war. Ich bin ja mit Beatles-Liedern aufgewachsen, weil die Nachbarjungs die ganze Zeit Beatles gehört haben, aber im Radio sind die Lieder natürlich auch gekommen. All my Lovin! Das ist so schön. Es gab tolle Light Show und noch zwei Beatles-Lieder und welche von den Wings, die Hits und (ich war gerade auf dem Klo) dann hab ich gehört, wie Paul McCartney „Her Majesty, the Queen“ angesagt, also auf die Bühne gebeten hat. Ich habe also genau richtig zugeschalten, zum Höhepunkt!
Die Königin hat ein tolles, goldglänzendes Satin besticktes, langes Damastkleid angehabt und wirkte guter Dinge, obwohl ihr Mann, der Duke of Edinburgh Erkältung hat, von dem schlechten Wetter gestern auf dem Schiff und im Hospital liegt. Dann ist Prince Charles auf die Bühne gekommen und hat eine Rede gehalten. Ich weiß nicht mehr genau, ob er sie immer mit „Your Majesty“ angesprochen hat, aber so ähnlich und danach hat er gleich gesagt: „Dear Mummy!“ Und gegrinst. Und das Volk hat gelacht und gejubelt! Er hat schön geredet und sich bei den sechshundert Elektrikern bedankt und auch einen Gruß an seinen kranken Vater geschickt und das Volk aufgefordert, dem Duke of Ellington Edinburgh die besten Genesungswünsche zu schicken, worauf das Volk irgendetwas Segensreiches skandiert hat, oder wie man so sagt. Da habe ich schon eine Gänsehaut gekriegt. Königin Elisabeth war total gerührt, aber sie hat sich nicht getraut, es zu zeigen und hat geschluckt! Ich habe es genau gemerkt. Überhaupt ist interessant, dass ich bei Royal Dish gelesen habe, dass ein BBC-Reporter erzählt hat, dass die Queen erklärt hat, was in ihr vorgeht, wenn sie manchmal so auffallend grimmig und schief guckt. Das ist immer dann, hat sie gemeint, wenn sie versucht nicht loszulachen, deswegen wird sie dann ganz ernst und guckt verkniffen, um die Beherrschung nicht zu verlieren. Also ich kann mir nicht helfen, ich finde das sehr sympathisch. Vor allem, wenn man jetzt weiß, dass sie eigentlich total lustig drauf ist, wenn sie grimmig guckt.
Aber weiter! Und dann hat Charles noch viele nette lobende Sachen gesagt, wie dass man auch wegen ihr das Gefühl hat, dass man stolz darauf sein kann britisch zu sein und das Volk hat gejubelt und sie hat ganz bescheiden aber freudig geguckt. Dann hat Charles alle hunderttausend Millionen Leute da vor dem Buckingham Palast aufgefordert, zu Ehren der Königin „hip hip hurrah!“ zu rufen. Drei mal! Alle haben super mitgemacht. Ich auch! Und dann wurde natürlich noch God Save the Queen gesungen, wie es sich gehört. Ich habe auch mitgesungen, obwohl ich nicht hundertprozentig textsicher bin. Aber ich wollte teilhaben und meine Ehrerbietung zum Ausdruck bringen. Schließlich ist es auch unsere Königin! Denn eine andere haben wir nun einmal nicht! Lang lebe die Königin! All my lovin. Gute Nacht.

04. Juni 2012

Liebes Tagebuch,
heute war das große Konzert zu Ehren von Königin Elisabeth II., wegen sechzig Jahre Diamant-Jubiläum, vor dem Buckingham Palast. Ich habe das natürlich längst gewusst und trotzdem habe ich mich nicht ordnungsgemäß darum gekümmert, dem Ereignis direkt bei der Ausstrahlung hier auf dem Kontinent beizuwohnen. Aber im Royal Dish-Strang zu heute habe ich gemerkt, dass die Leute die ganze Zeit gucken und ich dusslige Kuh nicht. Dann habe ich schnell nach livestream BBC gegoogelt und auch gleich gefunden und mich zugeschalten. Geschaltet. Sicher habe ich eine Menge verpasst, Shirley Bassey und Grace Jones und Kylie. Grace Jones ist glaube ich auch schon über Sechzig aber tritt noch mit nackigen, eingeölten Oberschenkeln auf, nicht mehr ganz so straff wie früher, aber respektabel. Aber als ich zugeschaltet habe, war Sir Paul McCartney gerade dran und hat mit seiner Band Beatles-Lieder gespielt. Das war sehr, sehr schön. Er hat gerade angefangen mit „All my Lovin“, was schon immer eines meiner liebsten Lieder als Kind war. Ich bin ja mit Beatles-Liedern aufgewachsen, weil die Nachbarjungs die ganze Zeit Beatles gehört haben, aber im Radio sind die Lieder natürlich auch gekommen. All my Lovin! Das ist so schön. Es gab tolle Light Show und noch zwei Beatles-Lieder und welche von den Wings, die Hits und (ich war gerade auf dem Klo) dann hab ich gehört, wie Paul McCartney „Her Majesty, the Queen“ angesagt, also auf die Bühne gebeten hat. Ich habe also genau richtig zugeschalten, zum Höhepunkt!
Die Königin hat ein tolles, goldglänzendes Satin besticktes, langes Damastkleid angehabt und wirkte guter Dinge, obwohl ihr Mann, der Duke of Edinburgh Erkältung hat, von dem schlechten Wetter gestern auf dem Schiff und im Hospital liegt. Dann ist Prince Charles auf die Bühne gekommen und hat eine Rede gehalten. Ich weiß nicht mehr genau, ob er sie immer mit „Your Majesty“ angesprochen hat, aber so ähnlich und danach hat er gleich gesagt: „Dear Mummy!“ Und gegrinst. Und das Volk hat gelacht und gejubelt! Er hat schön geredet und sich bei den sechshundert Elektrikern bedankt und auch einen Gruß an seinen kranken Vater geschickt und das Volk aufgefordert, dem Duke of Ellington Edinburgh die besten Genesungswünsche zu schicken, worauf das Volk irgendetwas Segensreiches skandiert hat, oder wie man so sagt. Da habe ich schon eine Gänsehaut gekriegt. Königin Elisabeth war total gerührt, aber sie hat sich nicht getraut, es zu zeigen und hat geschluckt! Ich habe es genau gemerkt. Überhaupt ist interessant, dass ich bei Royal Dish gelesen habe, dass ein BBC-Reporter erzählt hat, dass die Queen erklärt hat, was in ihr vorgeht, wenn sie manchmal so auffallend grimmig und schief guckt. Das ist immer dann, hat sie gemeint, wenn sie versucht nicht loszulachen, deswegen wird sie dann ganz ernst und guckt verkniffen, um die Beherrschung nicht zu verlieren. Also ich kann mir nicht helfen, ich finde das sehr sympathisch. Vor allem, wenn man jetzt weiß, dass sie eigentlich total lustig drauf ist, wenn sie grimmig guckt.
Aber weiter! Und dann hat Charles noch viele nette lobende Sachen gesagt, wie dass man auch wegen ihr das Gefühl hat, dass man stolz darauf sein kann britisch zu sein und das Volk hat gejubelt und sie hat ganz bescheiden aber freudig geguckt. Dann hat Charles alle hunderttausend Millionen Leute da vor dem Buckingham Palast aufgefordert, zu Ehren der Königin „hip hip hurrah!“ zu rufen. Drei mal! Alle haben super mitgemacht. Ich auch! Und dann wurde natürlich noch God Save the Queen gesungen, wie es sich gehört. Ich habe auch mitgesungen, obwohl ich nicht hundertprozentig textsicher bin. Aber ich wollte teilhaben und meine Ehrerbietung zum Ausdruck bringen. Schließlich ist es auch unsere Königin! Denn eine andere haben wir nun einmal nicht! Lang lebe die Königin! All my lovin. Gute Nacht.

03. Juni 2012

[…]

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Jaguar am Straßenrand, Hotel de Rome. Ich mag das. Ich mag alles, was zur virtuosen Linie strebt. Autos, Hotels, Menschen. Das Mahnmal. Zur Erinnerung an die
Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. In die polierte Tafel ist das Zitat von Heinrich Heine eingeprägt: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Aus der Hedwigskirche kommend, ein paar Schritte nach links, ist man direkt am Bebelplatz. Das Hotel und die juristische Fakultät der Humboldt-Universität dominieren den Platz. Auf der anderen Seite des Universitätsgebäudes heißt die Adresse Unter den Linden. Es gibt jetzt ein Institut für Internet und Gesellschaft darin, das innerhalb der juristischen Fakultät Räume zu haben scheint. Was für eine noble Adresse. Im Hotel de Rome gibt es eine hochgelobte Bar und Dachterrasse, wo sich gerne Journalisten von monatlich erscheinenden Magazinen mit prominenten Gesprächspartnern treffen. Die Gespräche erscheinen dann in der Vogue oder ähnlich aufwändigen Printmedien mit eleganten Schwarzweiß-Fotografien. Ach ja, ein Jaguar. Ich freue mich einfach immer nur, wenn ein schönes Auto am Straßenrand steht. Es gibt viel zu wenige davon.

02. Juni 2012

[…]

Von allen Kirchen, in denen ich in Mitte war, ist mir St. Hedwig die Liebste. Sie hat nicht nur die anmutigste Kuppel von allen, sie hält auch innen, was sie von außen verspricht. Ein heiterer, vergleichsweise schlichter Tempelraum mit verhaltenem Licht, das durch die Rundbogenfenster dringt. Kleine Kerzen flackern in einer Nische, inmitten der Kuppel ein kleines rundes Fenster für die Sonne. Ich war ganz ruhig in diesem Raum. Nicht dieses mich häufig in jahrhundertealten Gotteshäusern ereilende, recht profane Gefühl wie in einem übermäßig barock überladenen Museum. Der liturgische Innenraum wurde nach dem Neuaufbau der alten Hedwigskirche, die bei der Bombardierung Berlins 1943 schwer gelitten hatte, in den sechziger Jahren ganz neu gestaltet. Ich mag es so sehr gerne. Die Andachtsräume eine Treppe tiefer, rund um den Altarraum sind auch sehr besonders. Es hat sich mir alles erschlossen, obwohl ich nicht katholisch und auch sonst in keiner Kirche bin. In dem kleinen Gewölbe mit sakralen Schätzen in Glasvitrinen, gefiel mir besonders, was auf einer Schrifttafel stand:
Alle sichtbaren Gegenstände sind
uns vor Augen gestellt zur
Bezeichnung und Erklärung der
unsichtbaren Dinge, und sie
belehren uns durch das Auge in
symbolischer, das heißt in bildlicher
Weise.
Weil in der Form der sichtbaren
Dinge ihre Schönheit besteht, ist
die Schönheit der sichtbaren Dinge
ein Bild für die Schönheit der
unsichtbaren.
Hugo von Sankt Viktor, 1097 -1141

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02. Juni 2012

Harumi Klossowska de Rola Sag mal, warum hast du deine ersten Schuhe eigentlich „Love“ genannt?
Christian Louboutin Auf die Idee kam ich durch ein Foto von Lady Diana, das überall abgedruckt wurde. Aus der Zeit, als sie sich mit Prinz Charles zu Tode langweilte. Ich glaube, das war während eines Besuchs in Neuguinea. Sie saß in sehr königlicher Pose auf einem kleinen Stuhl, hatte die Knie fest aneinandergepresst und blickte traurig auf ihre Füße hinunter. Ich sagte mir: Ein Jammer, dass da an ihren Füßen nicht etwas ist, was ihr ein Lächeln entlockt, und dann schrieb ich das Wort „Love“ auf die Schuhe. Wenn es da jemand gäbe, der sie liebt, und wenn sie das dann an ihren Füßen lesen würde, würde sich ihre Miene bestimmt aufhellen.
VOGUE 6 / 09

29. Mai 2012

Für meine Erinnerung. Eine sehr betagte, sehr elegante Dame, die mir heute am 29. Mai 2012, gegen 13.25 Uhr in der Fasanenstraße entgegenkam. Leicht gebückt, durch einen Gehstock gestützt. Die seidigen weißen, längeren Haare zu einer Grace Kelly-Frisur hochgesteckt, die Haare schimmerten ähnlich der Farbe der sehr großen, sehr echt wirkenden Zuchtperlen an ihrem Collier, dazu ein wehender, leichter Sommermantel, glänzend wie Chintz, nur nicht so matt, beinah wie Satin. Dieselbe Perlmuttfarbe zwischen Elfenbein und Champagner. Auch am Handgelenk mehrreihiger, kostbar wirkender Perlenschmuck. Chanel und Diana Vreeland wären ganz und gar einvernehmlich mit ihrer Erscheinung gewesen. Obwohl sie nicht mehr mühelos gehen konnte, es wirkte leicht wackelig, kam es mir vor, als ob mir eine alte Fee entgegenschwebt, aus einer versunkenen, eleganteren Epoche. An einem ganz gewöhnlichen Tag unter der Woche, in der Fasanenstraße in Charlottenburg. Sicher wohnt sie ganz in der Nähe. Sie wirkte wohlhabend und ausgeruht. Und wirklich sehr alt. Sie sah keinen Tag jünger als Neunundachtzig aus, eher wie Fünfundneunzig. Ich glaube, sie trug auch ein wenig Make up, aber sehr dezent, ebenso subtil abgestimmt, wie alles an ihrer Erscheinung. Ich war so angetan, dass ich sie ansprechen musste, und ihr ein Kompliment machte. Schon alleine deswegen, weil sie in ihrem Alter sicher nicht mehr oft einfach so Komplimente für ihr Aussehen auf der Straße hört. Ich sagte: „Sie sehen toll aus! Großartig, was Sie anhaben!“ Sie blieb kurz in der Frühlingssonne stehen und winkte lachend ab, „Ach, das sind ALTE Sachen!“ Ich: „Das macht nichts, es sieht trotzdem großartig aus, wirklich sehr gut!“ Sie wirkte so souverän und aufwändig zurecht gemacht für ihren kleinen Spaziergang, ihr Flanieren durch die schöne Fasanenstraße, dass man merkte, sie hat eine große, lebenslange, schlafwandlerische Routine darin. Eine große Selbstverständlichkeit, ihrem Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit zu widmen. Auch wenn sie schon so sehr am Ende ihres Lebens steht. Mit preußischer Disziplin und virtuoser Freude daran. Es war bestimmt eine der glamourösesten Begegnungen der letzten Tage. Und ich hätte gerne gewusst, wie ihr Leben verlief. Sicher war sie in jedem Alter eine großartige Erscheinung und hat viel Bewunderung erfahren. Und immer noch geht sie die flirrenden Straßen entlang, in ihrem bald hundertsten Frühling, mit ihrem wehenden Champagner-Feenmantel. Einer der schönsten Augenblicke heute.

27. Mai 2012

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von wegen
27. Mai 2012.
Leider habe ich das mit dem Live-Stream von meinem Balkon noch nicht so richtig hinbekommen, aber immerhin einen brandheißen tagesaktuellen Beitrag. Das Thema Investitionspolitik liegt mir als Wirtschaftsprofi ganz stark am Herzen und ich bin bestrebt, meine Leser fortlaufend an meinem Herrschaftswissen teilhaben zu lassen. Sobald ich mehr weiß, melde ich mich.

26. Mai 2012

Es sind wunderbare, klare Tage. Es ist Frühling. Es ist Frieden. Wenn ich morgens die Sophienstraße entlanglaufe, blendet die Sonne meinen Blick, die Häuserwände reflektieren das Gleißen, entlang an den alten, neu verputzten Fassaden, der schnörkellose Stuck im Schlagschatten. Es ist wie in einem wunderbaren Film. Jeder Schritt macht mich glücklich. Warum es mir noch schöner als sonst vorkommt, kann ich nicht sagen. Vielleicht weil ich einen so starken Sinn für besonderes Licht habe. In diesen letzten drei Tagen ist das Licht auffallend klar und kraftvoll, der Himmel, der leichte Wind. Es sind Bilderbuch-Tage. Ich will es hier festhalten.

17. Mai 2012

Sie können sich ja vorstellen wie das ist, wenn Sie sich einfach vorstellen wie es ist, wenn man frisch verliebt ist. Man möchte den geliebten Anblick von allen Seiten für immer festhalten, für später mal, um sich an das große Glück noch besser erinnern zu können und als Zeichen der Verehrung. Deswegen gibt es gerade dauernd so viele Bilder vom Objekt meiner Verehrung, das da heißt: Berlin Mitte. Der schöne Bezirk, in dem ich seit meiner Immigration nach Berlin vor sechsundzwanzig Jahren nun seit dreizehn Jahren lebe. Und wenn ich die wichtigsten, schönsten, mich beglückendsten Ecken hergezeigt habe, beruhigt sich das auch wieder. Nur mal so als grobe, nähere Perspektive. Das Schicksal richtet es dann ja auch oft so ein, dass sich andere Objekte vors Objektiv schieben, von denen man heute noch gar nichts ahnt und weiß. So war es schon oft in meinem Leben und ich bin zuversichtlich, dass die Wundertüte noch nicht leer ist. Statistisch gesehen kommt nach einer Architektur- eine Landschafts- bzw. Auslandsphase, und dann eine mit Flora und Fauna. Mit Blumen und Tieren. Erdbewohnern. Zuletzt Menschen. Und manchmal auch Männern. Aber ich will da nicht zuviel versprechen. Eines ist allerdings klar, meine Ansprüche an die Fotogenität und den Liebreiz eines Vertreters dieser Spezies sind mindestens ebenso vielfältig wie die an ein Gebäude. Schließlich sollen die Bilder gut werden. Was sage ich. Erhebend. Später dann. Für noch später dann. Dabei genieße ich es durchaus bereits in der Gegenwart des Entstehens.

Ich kann den Wert eines Augenblicks ganz gut erkennen, in dem Moment, in dem er ist. Das ist bestimmt eines meiner größten Talente. Und wenn es mir nicht in die Wiege gelegt ist, was ich gar nicht mehr weiß, dann habe ich es mir erarbeitet, kultiviert. Denn ich war in der Wüste. Dort lernt man jeden einzelnen Wassertropfen zu schätzen. Jeden Blick und jedes warme Wort. Das werde ich nicht mehr verlieren. Dieses Gefühl für die Gaben jedes Augenblickes ist der größte Schatz, den ich besitze. Danke lieber Gott oder wie du heißt. Ich duze dich einfach, ich denke das ist okay. Wir können auf Augenhöhe miteinander sprechen. Du weißt, dass ich nicht mehr in der Kirche bin, aber ich weiß, dass dir das gar nicht wichtig ist, sondern viel wichtiger ist, wie man fühlt und denkt und handelt. Siehst du, wir sind gar nicht so weit voneinander entfernt! Gute Nacht, Gott. Schlaf gut. Morgen musst du wieder früh raus und arbeiten! Übrigens ein Tipp von mir: wenn du früher schlafen gehst und ausgeruht in den neuen Tag gehst, geht dir das Tagwerk besser von der Hand. Regnen lassen. Blumen wachsen, Sonne lachen Frieden machen. Probier es bitte mal aus.

17. Mai 2012

Sie können sich ja vorstellen wie das ist, wenn Sie sich einfach vorstellen wie es ist, wenn man frisch verliebt ist. Man möchte den geliebten Anblick von allen Seiten für immer festhalten, für später mal, um sich an das große Glück noch besser erinnern zu können und als Zeichen der Verehrung. Deswegen gibt es gerade dauernd so viele Bilder vom Objekt meiner Verehrung, das da heißt: Berlin Mitte. Der schöne Bezirk, in dem ich seit meiner Immigration nach Berlin vor sechsundzwanzig Jahren nun seit dreizehn Jahren lebe. Und wenn ich die wichtigsten, schönsten, mich beglückendsten Ecken hergezeigt habe, beruhigt sich das auch wieder. Nur mal so als grobe, nähere Perspektive. Das Schicksal richtet es dann ja auch oft so ein, dass sich andere Objekte vors Objektiv schieben, von denen man heute noch gar nichts ahnt und weiß. So war es schon oft in meinem Leben und ich bin zuversichtlich, dass die Wundertüte noch nicht leer ist. Statistisch gesehen kommt nach einer Architektur- eine Landschafts- bzw. Auslandsphase, und dann eine mit Flora und Fauna. Mit Blumen und Tieren. Erdbewohnern. Zuletzt Menschen. Und manchmal auch Männern. Aber ich will da nicht zuviel versprechen. Eines ist allerdings klar, meine Ansprüche an die Fotogenität und den Liebreiz eines Vertreters dieser Spezies sind mindestens ebenso vielfältig wie die an ein Gebäude. Schließlich sollen die Bilder gut werden. Was sage ich. Erhebend. Später dann. Für noch später dann. Dabei genieße ich es durchaus bereits in der Gegenwart des Entstehens.

Ich kann den Wert eines Augenblicks ganz gut erkennen, in dem Moment, in dem er ist. Das ist bestimmt eines meiner größten Talente. Und wenn es mir nicht in die Wiege gelegt ist, was ich gar nicht mehr weiß, dann habe ich es mir erarbeitet, kultiviert. Denn ich war in der Wüste. Dort lernt man jeden einzelnen Wassertropfen zu schätzen. Jeden Blick und jedes warme Wort. Das werde ich nicht mehr verlieren. Dieses Gefühl für die Gaben jedes Augenblickes ist der größte Schatz, den ich besitze. Danke lieber Gott oder wie du heißt. Ich duze dich einfach, ich denke das ist okay. Wir können auf Augenhöhe miteinander sprechen. Du weißt, dass ich nicht mehr in der Kirche bin, aber ich weiß, dass dir das gar nicht wichtig ist, sondern viel wichtiger ist, wie man fühlt und denkt und handelt. Siehst du, wir sind gar nicht so weit voneinander entfernt! Gute Nacht, Gott. Schlaf gut. Morgen musst du wieder früh raus und arbeiten! Übrigens ein Tipp von mir: wenn du früher schlafen gehst und ausgeruht in den neuen Tag gehst, geht dir das Tagwerk besser von der Hand. Regnen lassen. Blumen wachsen, Sonne lachen Frieden machen. Probier es bitte mal aus.

17. Mai 2012

[…]

Bitte setzen Sie Ihre Sonnenbrille auf. Hier kommen Farbfotos. Ich habe zunächst in Betracht gezogen, eine colorierte Aufnahme hier direkt im Beitrag einzustellen, aber das sind Ihre Augen ja gar nicht gewohnt. Die aufmerksameren Leser habe ja sicher schon bemerkt, dass ich in meinen kleinen Diaschauen auch immer Farbfotografien einbaue. Im Grunde ist das nur ein Test um zu prüfen, ob Sie gewissenhaft lesen und das Material vorschriftsmäßig durcharbeiten. Wenn ich dann irgendwann einmal doch wieder hier im Blog ein Farbfoto einstelle und dann womöglich sogar ein Kommentar gepostet werden sollte, und zwar des Inhalts „ich finde, Sie könnten viel öfter in Farbe fotografieren“, ist der- oder diejenige gleich ertappt, und ich sehe, dass die Hausaufgaben nicht ordnungsgemäß gemacht wurden. Das gibt dann natürlich einen Eintrag ins Klassenbuch. Zum Ende des Schuljahrs kann dann jeder noch versuchen, seine Zensur durch eine mündliche Nachprüfung zu verbessern. Ungeachtet dessen mache ich mir während des gesamten Schuljahres fortlaufend Notizen, wer besonders gut mitgearbeitet hat. Also strengen Sie sich bitte an.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

16. Mai 2012

Liebes Tagebuch,
heute ist kein Sonnenbaden-Tag. Aber vorgestern. Und vorvorgestern. Du kennst ja meinen Balkon schon, aber damit du auch ein bißchen wie Ferien hast, schicke ich noch eine Ferienpostkarte von meinem Balkon. Ich höre dabei am liebsten Musik von Drittanbietern. Du weißt schon, was ich meine. Es ist ja nur für privat und mein Lieblingslied, deswegen bin ich irgendwie entschuldigt. Außerdem sind Ferien! Und überhaupt!
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Viele Grüße schickt
Deine Gaga