Kleines Mitbringsel von meinem heutigen Ausflug! Bildungslücken haben mitunter ja auch Vorteile. Zum Beispiel war mir bis letzter Woche nicht so richtig geläufig, dass der Französische Dom zu jeder (?) vollen Stunde eine kleine Melodie auf dem Glockenspiel spielt. Ich habe da eben nie zu tun! Und bis zur Auguststraße hört man das nun auch nicht. Ich stand also am letzten Sonntag so auf dem Gendarmenmarkt rum und da ging es los. Ich war regelrecht entzückt über das kleine glockenhelle Lied! Wie im Märchenbuch und so ein schöner Klang auf dem ganzen Platz. Und heute war ich oben, auf der Aussichtsplattform! Und als ich so die Treppe hochgehe, hatte ich ja schon wieder völlig vergessen, dass es dieses Glockenspiel gibt. Und wieder habe ich mich gefreut wie ein Christkind! Und schnell die Kamera angemacht. Wenn man drinsteht, im Dom, oben im Turm kann man die Glocken auch sehen, aber soweit war ich noch nicht oben, als es plötzlich losging. Ich war gerade auf der Treppe, deswegen kann man in dem Filmchen nur das sehen, was man sieht, wenn man nach oben steigt und noch nicht draußen ist! Der Ausblick ist enorm!
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Und die champagnerfarbene Balustrade von königlicher Eleganz! Das ist der Riesenvorteil von meinen vielfältigen Bildungslücken in Sachen Sehenswürdigkeiten in Mitte. Man entdeckt dauernd neue Sachen, wie verreist! Ich fühle mich komplett als Touristin, nur mit dem Unterschied, dass ich schon seit dreizehn Jahren da wohne. Und ich muss sagen: die Berliner sind sehr nett zu mir als Touristin. Ich kann mich nicht beschweren! Natürlich habe ich wieder viele Fotos gemacht, die auf der Festplatte warten. Gemach, gemach! Aber immerhin schon mal Glockenspiel hören. Das ist doch was. Dafür gehe ich sogar extra spät ins Bett. Ein echtes Opfer für meine hochgeschätzten Leser! Und so als Tipp: das ist ja gut und schön, dass sich in Hollywoodfilmen die Leute für ihr Blind Date auf dem Empire State Building verabreden, aber wir als Europäer haben da ganz andere Sachen in petto. Ich sage nur: falls Blind Date in Berlin, dann ganz oben auf der Kuppel-Balustrade vom Französischen Dom. Dafür würde ich mich sogar zu einem kleinen Gläschen Champagner überreden lassen. Muß man einfach gewesen sein. Au weia, ist das spät. (Ich muss wieder die Uhrzeit fälschen, es ist in echt nämlich schon 2.38 Uhr, bitte nicht petzen!) Aber ich habe eine super Entschuldigung. In Wahrheit spielt das Glockenspiel das Lied übrigens viel länger, ich habe nur die Hookline aufgenommen! Außerdem habe ich ein neues Wort gelernt: Carillon. Glockenspiele, die in Türmen drin sind und Lieder spielen können, heißen Carillon. Gute Nacht!
Ah, toll. Mit der Faust wird es sogar gespielt! Und es gibt elektronische und computergesteuerte. Ich glaube, ich habe an den Glockenzügen elektrische Leitungen gesehen. Muss mal meine Fotos genauer anschauen. Obwohl die Konstruktion ganz oben in der Kuppel mit einer eigenen schmiedeeisernen (für Besucher nicht begehbaren) Wendeltreppe mit Steg zu den Glocken aussieht wie aus einem alten Jules Vernes-Film, neigt der Berliner ja dazu, die jeweils verfügbare neueste Technik zum Einsatz zu bringen. Alt und neu im veritablen Einklang. Sechzig Glocken hat das im Französischen Dom. Ein toller Klang, wenn man mittendrin steht. In jeder Hinsicht ein erhebendes Erlebnis.